Als der Rotrain noch eine Idee war

Die fast vergessene Anlage –
und ein Hüfingen, das um 1820 freier dachte, als es heute bisweilen geschieht

Die meisten Hüfinger kennen die „Anlage“, aber kaum noch den Ort, an dem sie einst lag.
Nicht unten an der Breg, wo heute der Anlagenweg verläuft, sondern oben am Rotrain, über dem alten Steinbruch, entstand um 1820 etwas, das weit mehr war als bloße Verschönerung. Die Akte die ich aus dem Landesarchiv in Freiburg habe, erzählt von einem Hüfingen, das damals in mancher Hinsicht freier dachte, als es heute bisweilen geschieht.

Zu Hüfingen
die Herstellung der Anlage auf dem rothen Rain von 1820 bis 1830

Was sich in dieser Akte zur Anlage auf dem Rotrain zwischen 1820 und 1845 zeigt, ist mehr als die Geschichte eines angelegten Weges oder einiger Pflanzungen. Sie öffnet den Blick auf eine Haltung. Auf Menschen, die ihre Umgebung nicht nur nutzten, sondern sie bewusst gestalten, verschönern und für andere erfahrbar machen wollten.

Der Rotrain war dabei kein beliebiger Ort. Über dem Steinbruch gelegen, mit weitem Blick, wurde er zu einem Punkt, an dem sich etwas bündelte, das über die Anlage selbst hinausweist: Gemeinsinn, kulturelle Vorstellungskraft und ein bürgerliches Selbstverständnis, das für diese Zeit bemerkenswert ist.

Eng damit verbunden ist Johann Nepomuk Schelble, der aus Hüfingen stammende Musiker, der später in Frankfurt mit dem Cäcilienverein zu großer Bedeutung gelangte. Schelble starb bereits 1837, doch seine Verbindung zur Heimat und sein Interesse an dem Ort blieben lebendig. In den Wanderblühten wird spürbar, dass es ihm nicht nur um Landschaft ging, sondern um mehr: um die Verbindung von Natur, Geist und Gemeinschaft. Dass ein Ort wie Hüfingen nicht klein gedacht werden muss, sondern Anteil haben kann an etwas, das über ihn hinausweist.

Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837), Lithografie von Heinrich Ott. Foto: Frankfurt am Main: Stadt- und Univ.-Bibliothek

Und vielleicht liegt genau darin das eigentlich Faszinierende dieser Akte.
Sie zeigt keine starre Vereinswelt mit festen Ämtern und klar abgegrenzten Zuständigkeiten. Kein Konstrukt, das zuerst Ordnung schafft und dann Handlung erlaubt. Stattdessen begegnet einem etwas Offeneres, beinahe Selbstverständliches: Menschen, die tun, was sie können und beitragen wollen. Der eine bringt Ideen ein, der andere Arbeit, wieder andere Material, Pflanzen oder praktische Hilfe. Kein enges System, sondern ein gemeinsames Tun, getragen von Überzeugung.

Gerade darin zeigt sich eine Haltung, die man ohne Übertreibung als früh demokratisch bezeichnen kann. Nicht im politischen Sinn, wie er später sichtbar wurde, sondern im gesellschaftlichen Kern:
Dass Gemeinwohl nicht nur von oben organisiert werden muss.
Dass Bürger selbst Verantwortung übernehmen, öffentliche Räume mitdenken und gestalten können.
Und dass das, was entsteht, allen gehört und allen zugutekommt.

Für die Zeit ist das bemerkenswert. Die Badische Revolution von 1848 lag noch Jahrzehnte entfernt – und doch ist hier bereits etwas von jenem Geist spürbar, der später politische Form annahm: Eigenverantwortung, Gemeinsinn, Öffentlichkeit, Mitgestaltung. Dass Hüfingen 1848 nicht unbeteiligt blieb, erscheint von hier aus betrachtet weniger zufällig, als es zunächst wirken mag.

Die Anlage auf dem Rotrain war damit nicht einfach ein schöner Ort, sondern Ausdruck eines Denkens, das seiner Zeit voraus war:
Dass Natur nicht nur Nutzen hat, sondern Wert.
Dass Schönheit kein Luxus sein muss.
Und dass gemeinsam geschaffene Orte etwas über das Selbstverständnis einer Stadt erzählen.

Umso sprechender ist es, dass die Akte auch von Zerstörung berichtet. Schon früh wurde ein erheblicher Teil der Anlage mutwillig beschädigt. Bäume wurden umgehauen, Pflanzungen zerstört, Geschaffenes verwüstet. Auch das gehört zu dieser Geschichte: Dass dort, wo Menschen mit Sinn und Hingabe etwas für alle schaffen, fast immer auch jene auftauchen, die darin nichts sehen – oder es gerade deshalb zerstören. Die Empörung darüber ist in den Unterlagen deutlich spürbar und wirkt bis heute erstaunlich vertraut.

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

Und dennoch blieb es nicht dabei.
Es wurde weitergemacht. Repariert, ergänzt, gepflegt. Wege, Übergänge und Verbesserungen wurden neu gedacht und umgesetzt. Gerade darin zeigt sich, dass hinter dem Rotrain keine flüchtige Idee stand, sondern ein ernst gemeinter Wille, etwas Dauerhaftes zu schaffen – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung.

So bewahrt diese Akte mehr als die Erinnerung an eine fast verschwundene Anlage.
Sie bewahrt ein Stück Hüfinger Selbstverständnis.
Ein Hüfingen, das nicht klein dachte.
Ein Hüfingen, das Schönheit, Öffentlichkeit, Natur und gemeinschaftliches Handeln zusammenbrachte, lange bevor solche Gedanken selbstverständlich wurden.

Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845. 

Stadtwappen, Hohentwiel und Grenzsteine

15. August 2024 – aktualisiert

Der älteste Abdruck eines Siegels von Hüfingen ist von 1465 und das Urkundenbuch von Donaueschingen enthält ein Siegel bei einer Urfehde vom 17. November 1477. Das Wappen mit dem Schild in einem reich ornamentierten Dreipaß wies keine Öffnungen im Wappenturm auf. Diese erscheinen erst vom Jahre 1495 an in einem Siegel mit der Umschrift: * SIGILLUM* CIVITATIS & HVFFINGAE, also: Siegel der Stadt Hüfingen. Jetzt ist der Turm rund und schlank ins Siegel geschnitten. Zwar hat der Turm in der Folgezeit noch zahlreiche Wandlungen durchgemacht, aber rund ist er geblieben, allerdings sind die drei Ecktürmchen des älteren Siegels zu zwei auffälligen Erkertürmchen geworden.*1

Siegel 1460-1577

Wappen 1595-1628

Wappen 1628-1725

(1708) 1721-1828

1903

1856-1904

1904

1856-1873

1984

Stempel von Hüfingen vom 12.Dezember 1934 unterschrieben von Bürgermeister Philipp Frank
Stempel von Hüfingen 1934 unterschrieben von Bürgermeister Philipp Frank

FR. L. Baumann*2 sieht im Wappenturm das damals bekannteste Bauwerk der Stadt, den Stock im Graben oder Hohentwiel, wie er später genannt wurde, der als Wahrzeichen gelten konnte. Baumann nennt die Entwicklung des Stadtsiegels mit dem buckelquaderverzierten wehrhaften Bergfried zum schmächtigen Torturm als Beispiel des Verfalls der Heraldik in der neueren Zeit.

Lucian Reich schreibt im Denkbuch 1896:

Einen ähnlichen und doch wieder grundverschiedenen Eindruck machte auf uns der Hohentwiel, den wir über die Ausläufer des hohen Randen hinwandernd im abendlichen Dämmer am östlichen Horizont vor uns auftauchen sahen. Der Hohentwiel! Wie viel hatten wir als Kinder nicht schon von ihm gehört! Trug doch ein ehmaliger Turm in der „Hinterstadt” diesen Namen. Und der „alt Franz” unser Taglöhner, dem ich so manches „Budeli Brends zNüni” zugetragen, und der „Vetter Kupferschmied” waren von denen, die auf Gemeindekosten ringsum aufgeboten worden, das für unbezwinglich gehaltene Hegaubollwerk zu sprengen und demolieren.

Bild von Martin Menrad von Hüfingen
Hiffingen von Martin Menrad.
Das Gemälde hat er 1688 im Auftrag des Fürsten Anton Egon zu Fürstenberg-Heiligenberg gemalt.

In der Mitte hinten sieht man den Hohentwiel.

Hüfingen 1664 von Martin Menrad
Hüfingen 1664 von Martin Menrad
Karte aus dem Jahr 1664 von Hüfingen

Beatrice Scherzer und Hermann Sumser*3 schreiben über den Hohentwiel:

In der Hinterstadt im Bereich der herrschaftlichen Burg stand einst ein mächtiger Bergfried, der „Stock im Graben” oder wegen seiner Stärke auch „Hohentwiel” genannt wurde. Dieser Wohnturm diente in Belagerungszeiten als Zufluchtsort für die Burginsassen. Er war der am schwierigsten einzunehmende Bauteil der Burg.
Auf dem Gemälde von Menrad ist dieser Turm zu sehen, allerdings in bereits zerstörtem Zustand. Eine weitere Abbildung des Bergfrieds soll das alte Stadtwappen sein:
Das Hüfinger Stadtsiegel zeigt heute einen schmächtigen Torturm, in dem des 15. Jahrhunderts aber erscheint an dessen Stelle ein mit Buckelquadern an den Ecken verstärkter, wehrhafter Bergfried, der von der Seite her aufgenommen ist. Selbstredend steht dieses Wappenbild mit der Stadt im Zusammenhang; es ist nichts anderes als die Abbildung des obengenannten Stocks im Graben oder Hohentwiel’s, der in der Tat beim Anblicke der Stadt, solange er stand, das Augenfälligste, sozusagen das Wahrzeichen von Hüfingen gewesen ist und deshalb zum Wappenzeichen der Stadt vorzüglich geeignet war. Das jetzige Wappen ist erst im 17. Jahrhundert durch Unkenntnis des Sachverhaltes aus jenem verballhornt worden.

Alte Grenzsteine

Lucian Reich schreibt 1896 im Denkbuch über das Hasenwäldle:

Und in frühester Morgenstunde machte ich mich auf zum hochgelegenen „Hasenwäldle“, wo immer Raben nisteten. Dort angekommen gewahrte ich eine Kesselflickerbande, die unter den Tannen übernachtet hatte. Um sie her lagen Säcke, anscheinend Fruchtsäcke, aus welchen, als ich näher gekommen, allerdings Früchte schlüpften, aber in Gestalt von schwarzhaarigen Sprößlingen in paradiesischem Zustand. Sie bettelten den Ankömmling sogleich an, waren aber an den Unrechten gekommen, denn dessen Taschen waren so leer wie nunmehr ihre Säcke, in denen sie auf so praktische Art ihre Nachtruhe gehalten. Man konnte sie damals noch häufig treffen, diese Enterbten ohne Altersversorgung und Unterstützungswohnsitz. Jetzt sind sie verschwunden, um andern Platz zu machen, mit welchen die Polizei nicht so leicht fertig werden wird, wie mit jenen.

Die Landfahrer haben Lucian Reich auch mehrfach im Hieronymus beschäftigt. Über den „schlimmsten Inquisitor“, den Schultheiß Schäffer zu Sulz am Neckar, schreibt er im Kapitel 24:

Geschärft ward allenthalben das Schwert der Kriminaljustiz. Die Waage in der Hand des Richters muß empfindlich im höchsten Grade gewesen sein, denn das geringste Gewichtsteilchen von Schuld reichte hin, die Schale des Missetäters hoch hinaufzuschnellen. Lange war der Name des Schultheißen Schäfer zu Sulz am Neckar der Schrecken aller Landfahrer. Man erzählt sich heute noch, daß Hunderte jener armen Teufel durch den gestrengen Richter von Rechts wegen dem Henker überliefert worden seien.

Der „schlimmste Inquisitor“ war Jacob Georg Schäffer (28. 06.1745 – 1.09.1814). Er war Oberamtmann in Sulz am Neckar und ließ nicht nur die Landfahrer hinrichten, sondern raubte ihnen auch die Kinder. Die Kinder der „verurteilten Jauner“ wurden ab acht Jahren in das Waisenhaus in Ludwigsburg verbracht, die jüngeren Kinder wurden auf Kosten des Staates bei Bürgern in Kost und Logie gegeben. *4

Ein Grenzstein von 1622 nach Allmendshofen befindet sich noch beim Hasenwäldle:

Abgeknickter Baum, trotz Ansitz, beim Hasewäldle am 9. November 2021

Die Linde beim Hasenwäldle hat sich bis am 8. Mai 2025 erholt und verspricht ein hübscher Baum zu werden.

Hasenwäldle
Hasenwäldle von Karl Merz 1949
Grenzstein am Hasenwäldle mit Rabenfeder
Grenzstein von
1622

H für Hüfingen

Grenzstein nach Allmendshofen
Grenzstein von
1622

A für Allmendshofen

Ein weiterer Grenzstein von 1622 steht zwischen dem Mühlibach und der Breg. Er stammt vermutlich von der Schächerkapelle die 1968/69 renoviert wurde.

Diese Seite zeigt ein H für Hüfingen
und darunter 1622

Ein A für Allmendshofen
und darunter 1622

Karte mit Breg und Bregauen. Hüfinen am Rand oben das Siechenhaus und Schächer
Generallandesarchiv Karlsruhe 229 Nr. 1300 K

Um die genaue Grenze zwischen Hüfingen und Allmendshofen gab es immer wieder Streit, wie die Karte aus 1790 zeigt.
„Mappa über den strittigen Bregabfluss zwischen der Gemeinde Allmentshofen und der Stadt Hiffingen, die Überschwemmung und Einrisse in die Güter betreffend.
Differenzen zwischen den Gemeinden Allmendshofen, Hüfingen und Donaueschingen wegen der Anlage eines Damms an der Breg und der Banngrenzen / 1790-1793.


* 1 Chronik von Hüfingen, Vetter (1984)
*2 Zur Geschichte der Stadt Hüfingen. Forschung zur Schwäbischen Geschichte von Fr. L. Baumann, Josef Kösel, Kempten (1899)
*3 Führer durch eine alte Stadt, von Beatrice Scherzer und Hermann Sumser (1996)
*4 https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Georg_Schäffer

Alte Karten und Stadtpläne von Hüfingen

Dr. Jörg Martin hat am 23. Februar 2026 einen Vortrag über Martin Menrad und dessen „Nürnberger Karten“ für den Donaustrand von Sigismund Birken im Jahr 1664 gehalten:

Vortrag über Martin Menrad von Dr. Jörg Martin

Mit den Karten von diesem Vortrag habe ich diesen Artikel hier aktualisiert.

Karte aus 1612 mit Villingen, Donaueschingen und Hüfingen
Ausschnitt einer Karte vom Amt Tuttlingen aus 1612
alte Zeichnung aus etwa 1700 von der Baar.
Nachlass Johann Majer, Pfarrer und Kartograph (1680-1711).
Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 7 Nr. 14
Karte mit Breg und Bregauen. Hüfinen am Rand oben das Siechenhaus und Schächer
Mappa über den strittigen Bregabfluss zwischen der Gemeinde Allmentshofen und der Stadt Hiffingen, die Überschwemmung und Einrisse in die Güter betreffend.
Differenzen zwischen den Gemeinden Allmendshofen, Hüfingen und Donaueschingen wegen der Anlage eines Damms an der Breg und der Banngrenzen aus 1790-1793
Generallandesarchiv Karlsruhe 229 Nr. 1300 K 1

Stadtplan von Hüfingen 1786

Stadtplan von Hüfingen aus der zum fürstenbergischen Urbar von 1786 gehörenden Gemarkungskarte.

Der Stadtplan wurde 1968 von Paul Revellio in der Badischen Heimat veröffentlicht.

Der Mühlibach wird mit Gewerbekanal beschrieben.

Links sieht man das Wappen von 1786 mit dem Hohenwiel. Leider ist der Hohentwiel selber nicht mit auf der Karte eingetragen.

Diese Karte mit den einzelnen Nummern der Häuser aus dem Jahr 1786 hat Dr. Jörg Martin bei seinem Vortrag über Martin Menrad gezeigt. Die Karte befindet sich im Hüfinger Archiv.

Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786
Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786

Nürnberger Karte von Martin Menradt aus dem Jahr 1664

Die zwei Karten unten sind Vorzeichnung für eine Nürnberger Karte von Martin Menradt aus dem Jahr 1664. Dr. Jörg Martin, der Leiter vom Fürstlich Fürstenbergisches Archiv, hat sie uns zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Auf dem Hüfinger Teil sieht man links die im Dreißigjährigen Krieg abgebrannte Seemühle an der Breg und auf der gegenüberliegenden Seite den Galgen. Über den Galgen schreibt Lucian Reich 1896 im Denkbuch:

„Den Galgen, der sich auf der Höhe des „Hölensteins“, den der Vater angekauft und teilweise kultiviert hatte, erhoben. In einer finstern Dezembernacht hatte er und sein Freund, Bürgermeister Burkhard die Pfeiler umgestürzt und die schweren steinernen Kugeln, mit denen sie geziert waren, den felsigen Abhang hinunter rollen lassen ein Gepolter, das der alten Großmutter im nahen „Henkerhaus“ wie Geistergetös vorgekommen sei.“
Die steinernen Kugeln kann man unten auf der Bräunlinger Mappa erkennen.

Das Schützenhaus erkennt man auf allen Karten an den Zielscheiben und dem Tor, das aussieht wie ein Galgen. Deswegen hatte Martin Menradt wohl einen Menschen am Galgen baumelnd mit eingezeichnet.


Hier sieht man wunderschön die Position vom Hohentwiel, Stadtmauer, Sumserturm, altes Tor an der Sparkasse und vieles mehr.


Ganz links die Leonhardkapelle mit dem Weg nach Hausen vor Wald. In Hausen vor Wald sieht man das alte Schellenberger Schloß und die Kirche.

Über Hausen ist Behla und Sumpfohren.

Oben an der Donau Neudingen.

Kartenausschnitt mit Mundelfingen
Mundelfingen mit der alten Stadtkirche die beim Friedhof stand.

Bräunlinger Mappa


Aus dem Jahre 1620 stammt die „Bräunlinger mappa“, in der die Territorialgrenze gegen Bräunlingen hervorgehoben ist. Sie enthält auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen, die allerdings ungenau gezeichnet ist. Dagegen sind die Schächerkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der große Weiher richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar.
Verzeichnet sind das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.* 1

Behla selber ist nicht mehr mit drauf. Oben links ist Hausen vor Wald und AUFGANG bedeutet, dass es Osten ist, weil da die Sonne auf geht.

Hier der Ausschnitt mit Hüfingen. Rechts oben von Hüfingen ist die Leonhardkapelle dann das große Kreuz ist da wo jetzt die Lorettokapelle steht. Daneben im Ziegeleschle sehe ich zwei Häuser – andere sehen zwei große Bäume. Kann jeder für sich entscheinden.

Die Weyerwiesen sind mit Schwänen verziert. Das ist das Niedermoor wo unser Gemeinderat das riesige illegale Lidelzentrum durchgesetzt hatte.

Man sieht auch den Galgen mit den Kugeln verziert von dem Lucian Reich im Denkbuch berichtet, sowie die noch intakte Seemühle und das Schützenhaus.

Landtafel der Baar

Landtafel der Baar aus 1620 mit Hüfingen und den Ortschaften. Leider hatte später mal jemand darüber gekritzelt. Deswegen hat Vetter in der Chronik eine Reproduktion veröffentlicht. Oben das Bild davon was uns Dr. Jörg Martin überlassen hat. Fürstenberg und Mundelfingen sind da schön drauf!

Hüfingen in der Reproduktion der Landtafel der Baar 1620

Reproduktion von Hüfingen von August Vetter aus dem Jahr 1984: Landtafel der Baar von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo die Stadtapotheke war. Deutlich lassen sich die an die Stadtmauer gebauten Häuser erkennen. Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der » Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.

Bild von Martin Menrad von Hüfingen
Hiffingen 1682 Martin Menrad

205 Jahre Zerstörung der Anlage

Bild vom Frank noch mit dem letzten der Bäume der schon halb zerstört wurde und die gerodete Fläche vor dem Hotel. Der Himmel wurde in dramatische Farben geändert.

In der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821 wurden auf dem Rotrain 216 Bäume umgehauen.

In Erinnerung an die Zerstörung der „neuen“ Anlage!
Zur Mahnung, da Bäume auch über 200 Jahre später immer noch unerwünscht sind.
Für eine Zukunft der nächsten Generation mit Bäumen!

Willkommen bei den Freunden der Natur Hüfingen!

Auch 205 Jahre später leben wir noch.
Für die Hüfinger Natur!

Wie die Blätter am grünen Stamme wachsen und abfallen, so die Geschlechter der Menschen. Das Eine stirbt ab und ein Anderes wird geboren.
Epitaph des Anton Schellenberg von Luzian Reich senior

Wie die Blätter am grünen Stamme wachsen und abfallen,
so die Geschlechter der Menschen.
Das Eine stirbt ab und ein Anderes wird geboren.

aktualisierter Originalartikel vom 5. März 2021

Johann Nepomuk Schelble
(1789 -1837)
Zeichnung von unbekannt.

Vor über 200 Jahren gab es in Hüfingen den Verein „Freunde der lieben Natur“. Diesem Verein gehörten Hüfinger Künstler um Luzian Reich senior an. Mit dabei war auch Johann Nepomuk Schelble, der Bruder von Maria Josefa Reich und einer der Gründer des Cäcilienvereins in Frankfurt a. M.

Die Freunde der Natur entschlossen sich in Hüfingen mehrere Anlagen zu erbauen.

„Die Ruhe im Tempel der Natur besänftiget die Stürme des Gemüts“ war die Inschrift an der „Johannishütte“ in den gemeinsam von Bürgern und Beamten geschaffenen „Anlagen“ im nahen Tannengewälde des „Rotenraines“. (Lucian Reich im Denkbuch)

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731

Waldhisli an der Stelle der ehemaligen Johannishütte oder Johanniskapelle

Fast die ganze Stadt Hüfingen stand hinter der Anlage und sehr viele hatten geholfen sie aufzubauen. So wurde ein Steg über die Breg gebaut und ein Forstweg errichtet. Auch wurde eine Kapelle errichtet mit einem „Johannes in der Wüste“. Die Anlagen ist in „erstaunungswürdiger Anstrengung“, so der damalige Hofrat Anton Baur, in kürzester Zeit entstanden. In der Nacht zum Fasnet Sonntag, vom 4. auf den 5. März 1821, wurden große Teile in der Nacht von Frevlern zerstört.

39 – Lehrer Reich
40 – Musiker Schelble

Mehr zur Zertörung der Anlage gibt es in der Akte:
Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845

Mitgliederliste der Freunde der Natur 1833.
(Staatsarchiv Freiburg Akte Rotrain StAF B 695/1 Nr. 731)

In der Akte vom Staatsarchiv ist die Abschrift eines später verfassten Spottgedichts über die Zerstörungsnacht mit dem Akrostichon: „FALLER AUER RUF“ vorhanden. Der Verfasser des Gedichts wollte damit auf die Identitäten der Missetäter hinweisen (Landesarchiv Baden-Württemberg).

Spottgedicht von 1821
Staatsarchiv Freiburg B 695/1 Nr. 731

Abschrift

Die Zersterung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821

Fallet Bäumchen fallet
Alles heute nacht erschallet
Laut vom Jubelthon
Luna selbst wird mich erheren
Eine Anlag zu zersteren
Ruf ich auch noch Pluto an

Als uns gedanken=Räthe niemand wollte Mehren
Unterstand ich mich, und half zersteren
Ein Erholungsort sehr angenehm und schön
Ruf ich jetzt Ruhe es ist geschehen.

Ruft nicht so laut! Sprach nach vollbrachter That ein Heüchlerischer Bether
Und nehmt euch wohl in Acht, es gibt ein fürchterliches Wetter.
Fort fort es ist geschehen, wir müssen jetzt ganz still nach Hause gehen.

Ein alter Briefkopf zeigt Hüfingen etwa 1840 mit den Pappelpflanzungen und der Anlage am Rotrain.

Die Namen der Zerstörer der Anlage waren damals bekannt, aber sie wurden vor einem Verfahren geschützt. Der Schutz ging noch bis ins Jahr 1984 in die Chronik von August Vetter über. So steht zu den Freunden der Natur in der Chronik gleich gar nichts, sondern es wird nur eine „Baumschule“ erwähnt:

Äpfel- und Birnbäume sollten in ihr gezogen werden. Mit besonderem Eifer setzte sich Oberamtmann Baur für diese Baumschule am Rotrain ein. Oberlehrer Luzian Reich und Stadtrat Josef Burkhard überwachten die Ausführung der Pläne, die auch eine Allee zur Baumschule vorsahen.

Ansicht von Hüfingen 1833 vom Roten Rain aus. Zeichnung von Josef Brukhard.
Ansicht von Hüfingen 1833 vom Roten Rain aus. Zeichnung von Josef Brukhard.

Diese Allee wurde mit 400 Pappeln bepflanzt, die vom Fürsten Karl Egon von Fürstenberg gestiftet wurden. Er übernahm auch den größten Teil der Kosten für den Steg im Mühlöschle, der dort über die Breg führte und 1823 gebaut wurde.

Als die Anlage fertiggestellt war und die Bäume kräftig heranwuchsen, wurden in der Nacht vom Fastnachtssonntag zum Fastnachtsmontag in dieser Anlage 216 Bäume frevelhafterweise umgehauen.
Zwar wurden die Täter ermittelt, aber im Hinblick auf deren Familien schonlich behandelt.

Die heute kaum noch erkennbare Anlage mit den 216 Bäumen befand sich im Gewann Rotrain also westlich vom Römerbad.

Aus Orthophotos 1968 von leo-bw
Gewann Rotrain

Was noch lange stand war das „Waldhisli“ an der Stelle der Johanneskapelle, oder wie Lucian Reich im Denkbuch sagt, Johanneshütte. Heute befindet sich auf dem Fundament ein Teil vom Römerpfad und es war ein Teil vom nicht realisierten Konzept des Architekten Hermann Sumser.

Weg durch den alten Steinbruch angelegt durch die Freunde der Natur 1820
Bild aus der Hüfinger Chronik mit dem Brunnen
Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 J. Nepomuk Heinemann
Der Weg führte zur Kapelle mit einer Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel

Das Waldhisli wurde vermutlich auf das Fundament der Johannes Kapelle gebaut

Schild auf derAnlage am Rothrain mit Waldhisli

Stein vom Fundament

Die Zerstörung der Anlage wird auch im Hieronymus von Lucian Reich junior in Kapitel 5 mehr- oder weniger thematisiert:

Das schien auch dem Kleinen das vernünftigste zu sein; und der Vetter sagte ihm dann, sie wollten jetzt noch einen Gang durch den fürstlichen Hofgarten machen. Der Hofgärtner besorgte früher den Dienst im Schloßgarten zu Hüfingen, wo ihn der Feldwaibel oft besucht und manche Tulpenzwiebel oder sonstige Sämerei von ihm erhalten hatte. Sie trafen den Mann im Garten, vor dem Treibhaus; und während er ihnen bereitwillig die Pflanzen und Blumen zeigte, erzählte er seinem Freunde, daß die fürstliche Regierung nächstens einen Befehl ergehen lassen werde zur Bepflanzung der Landstraßen mit Obstbäumen. „Es ist wahrhaftig kein Überfluß”, meinte er, „wenn die Baar mit Bäumen geziert wird. Denn, sagt selbst, Feldwaibel, ist es nicht ein trostloser Anblick, wenn man zum Beispiel aus dem schönen Kinzigtal heraufkommt und unsere baumlose Hochebene überschaut?”

„Wie man’s nimmt”, entgegnete der Feldwaibel. „Als Gärtner habt Ihr vollkommen recht. – Fragt aber einmal einen Bauern, der wird Euch sagen, daß es in der Welt nichts Schöneres gebe als so ein glatter Fruchtösch, Feld an Feld wie ein Schachbrett – insonderheit wenn die Ernt reif ist und das Aug über die gelben, im Sonnenschein wie ein Meer schwankenden Kornfelder hinschauen kann.”
„Ganz richtig”, versetzte der Hofgärtner. „Hätt ich aber zu befehlen, so müßte mir jeder Bauer wenigstens ein halbes Dutzend Obstbäume in jeden Acker pflanzen.”
„Würde nicht lang guttun”, meinte der Feldwaibel, „der Bauersmann ist kein Freund vom Schatten; und das hiesige Klima ist dem veredelten Obstbaum nicht günstig. Besser als das wäre meines Erachtens, wenn man das Wildobst im Wald und Feld mehr schonen würd. Erinnere mich noch recht wohl, wie wir daheim den ganzen Winter über gedörrte Holzäpfelschnitz oder teige Holzbirnen im Vorrat gehabt haben. Und eine ordentliche Kunkelstube hätt Euch den Abend nicht rumzubringen gewußt, wenn die Spinnerinnen keine Schnitz oder gedörrte Schlehen zum ‚Annetzen’ gehabt hätten. – Und jetzt noch darf in keinem rechten Bauernhaus das Fäßle hinterm Ofen fehlen, in dem die Bäurin ihren Essig aus Wildobst aufbewahrt.«

„In dem Punkt mögt Ihr recht haben, Feldwaibel”, räumte der Hofgärtner ein. „Andernteils aber müßt Ihr wieder zugeben, daß so manches unbenützte Plätzlein um Haus und Dorf vorhanden ist, wo ein Baum, gleichviel, ob Obstbaum oder sonst einer, recht gut stehen und niemand im Weg sein würde.”

„Einverstanden, Herr Hofgärtner, bin ganz Eurer Meinung”, sagte der Feldwaibel, „und bedaure nur, daß der alte Brauch mit Pflanzen von Linden so ganz abzukommen droht. Denn abgesehen von den Gemeindelinden ist keine Kirch, kein Kirchhof, keine Kapell oder Schützenhaus gewesen, wo früher nicht Linden hingepflanzt worden sind. – So ein Lindenbaum aber ist für den Landmann eine kleine Apothek, wo er den Lindenblütentee umsonst haben kann, für die Immen im Frühling aber eine wahre Honigweid. – Und daß auch der Holzbildhauer am liebsten zum Lindenholz greift, wenn er etwas Schönes machen will, ist bekannt.“

Kapitel 5 Hieronymus

Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845. Geschichte der Freunde der Natur Hüfingen.

Vortrag über Martin Menrad von Dr. Jörg Martin

Plakat mit einem Gemälde von Mendrad aus 1662

Für alle die bei dem fantastischen Vortrag nicht dabei sein konnten, und auch für diejenigen die es sich nochmal anhören möchten, unten der Podcast von Dr. Jörg Martin dem Leiter des Fürstlich Fürstenbergischen Archivs über Martin Menrad.

Der Vortrag war an 23. Februar 2026 in der Rathausgalerie in Hüfingen.

Vortrag von Dr. Jörg Martin am 23. Februar 2026

Ausnahmsweise kommt hier eine Galerie mit Fotos zum weiterklicken:

  • Bild von Martin Menrad von Hüfingen

Elseli – die Hüfinger Mutter Courage

Mutter Courage und ihre Kinder ist ein Drama von Bertolt Brecht das im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1624 und 1636 spielt. Erzählt wird die Geschichte der Marketenderin Mutter Courage, die versucht, ihr Geschäft mit dem Krieg zu machen, und dabei ihre drei Kinder verliert. Wer das Buch nicht kennt, dem empfehle ich zumindest den Wikipedia Eintrag dazu zu lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Mutter_Courage_und_ihre_Kinder

Was in Hüfingen leider verloren gegangen ist, ist das Wissen, dass es auch hier eine Mutter Courage mit dem Namen „Deggenreuschen-Elseli“ gegeben hatte. Früher ist sie mit auf der Fasnet gelaufen. Heute spukt sie nur noch im restlichen Wald, in dem, von der B31 zerstörten, Naturschutzgebiet Deggenreuschen-Rauschachen. Vielleicht sollte sie mal im Gewissen der Politiker und der Führer vom RPF spuken, damit die uns zumindest eine Wildtierbrücke bauen lassen.

Das Deggenreuschen-Elseli

von Gottfried Schafbuch in Mii Boor – Mii Hoamet 1972

Das Deggenreuschen Elselie vorgelesen von Maria Simon

Die schwedischen Horden, in Wirklichkeit waren es aber württembergische Söldner, die am 15. Oktober 1632 in Hüfingen das gräßliche Blutbad anrichteten, zogen auf ihrem Raub- und Plünderungsweg südwärts. Am Morgen des 17. Oktober erschien ein Meldereiter im Lager des Oberst Rau und meldete, daß die Marketenderin Elseli samt Waren, Roß und Wagen spurlos verschwunden sei. Der Oberst, ein trinkfester Haudegen, schlug wütend auf den Tisch und schrie zornig:
„Der Teufel soll doch die abgefeimte Vettel holen und sie geisterweise in den Wäldern umherjagen. Doch, wir haben weder Lust noch Zeit, der schwarzen Hexe nachzuspüren!“

Die durchtriebene und furchtlose Marketenderin Elseli war schon zwei Tage vorher, also an jenem Tage als die Soldateska im Städtchen Hüfingen fürchterlich und grausam mordete und manchem Mannsvolk den sogenannten „Schwedentrunk“ gab, heimlicherweise bei Nacht und Nebel abseits der ehemaligen Römerstraße entlanggefahren, und hatte sich in eine kleine Lichtung zwischen den dichten Tannenwäldern Rauschachen, Schafschachen und Armenhölzle geflüchtet.

Beim Morgengrauen traf sie dort der sechsunddreißigjährige Sattler und Ratsherr Matthias Schafbuch mit seiner Frau Magdalena geborene Forster, die schon am 29. April 1633 im Wochenbett verstarb. Nach kurzem hin und her und wohin führten Schafbuch und dessen Weib auf fast unwegsamem Karrenweg das Elseli mit seinem Gespann in den nahegelegenen Deggenreuschenwald. Dort zeigten sie ihm den ehemaligen römischen Gutshof, in dessen Keller 17 Stufen hinunter führten. Gemeinsam richteten sie der Heimatlosen eine wohl recht dürftige Niederlassung ein.

Ihren Klepper gab Elseli wohlfeil dem Ratsherrn, der ihr versprach, sie nicht im Stich zu lassen und nach Möglichkeit für ihre Atzung besorgt zu sein. So hatte das Weiblein, das sich fortan nur selten im Städtlein zeigte, sogar eine heizbare Unterkunft, wie sie ehedem von den Römern erbaut wurden.

Badezimmers der villa rustica.
Das Bild zeigt die unterste Lage der Heizkacheln, durch die die warme Luft des Kohlbodens in die Höhe steigt und die Wand erwärmt. Die Kacheln sind da, wo sie den Boden verlassen, durch einen Viertelrundstab gegen Beschädigungen geschützt und an ihrer Vorderseite geraut, damit der Wandstuck besser haftet.

Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921)

Fürderhin sammelte Elseli Wurzeln, Kräuter und Beeren, die sie gegen Nahrung in Hüfingen, Döggingen, Hausen vor Wald und Sumpfohren feilhielt. Niemand wagte es, das runzelige Weiblein abzuweisen. Gar bald stand es im Städtchen und in dessen Umgebung im Verdachte der Zauberei und im Bündnis mit dem Leibhaftigen. Ihr Umgang im Hause des Ratsherrn Schafbuch schützte sie jedoch vor öffentlichen Lieblosigkeiten oder gar Verfolgung.

Im Frühjahr und zur Sommerszeit erfreute Elseli ihre Wohltäter mit den seltensten Blumen wie: Osterglocken, Ägetli, Hummel-, Spinne-, Bienen- und Fliegenragwurz, sowie Türkenbund und dem prächtigen Frauenschuh. Man munkelte, daß das Elseli den Samen dieser bisher unbekannten Blumen aus fernen Landen in ihrem Marketenderwagen mitgebracht und an verborgenen, schier unzugänglichen Plätzen ausgestreut habe.

Der Frühlings-Enzian, auch Schusternagerl, Schusternägele, Rauchfangkehrer, Himmelsbläueli, Herrgottsliechtli, Tintabluoma oder Himmelsstengel genannt
Frühlings-Enzian
Bienen-Ragwurz
Bienen-Ragwurz
Pyramidenorchis
Pyramidenorchis
Fliegen-Ragwurz
Fliegen-Ragwurz

Viele Jahre lebte das anspruchslose Weiblein vor sich hin. Matthias Schafbuch war am 19. November 1635 gestorben und seine zweite Frau, Catharina geborene Bauknecht, sowie ihre beiden Kinder Johann Georg und Catharina, waren dem Elseli stets gut gesinnt.

Auf einmal blieb das alte Weiblein aus und man vermutete allenthalben, daß es verstorben sei. Der ehemals römische Gutshof war nun im Laufe der Jahre eingestürzt und zweihundert Jahre später ward ein großer Hügel aus ihm, der bis anfangs des 20. Jahrhunderts im Volksmund das „Hünengrab“ genannt wurde. Erst im Jahre 1913 gruben Gelehrte das Hünengrab um und legten den römischen Gutshof, den ehemaligen Aufenthaltsort des Elseli, frei.

Nach Ende des unseligen Dreißigjährigen Krieges anno 1648, hieß es allgemein, das Elseli gehe im Deggenreuschenwald geistweis. Man erzählte von gar manchem Schabernack, den es den Leuten antue.

Ab und zu rauschte es im Dickicht und ein kleines Weiblein huschte vorüber. Die Leute, die ihm ausweichen wollten, verfehlten den düsteren Weg und kamen an irgend einer anderen Stelle, weitab ihres Zieles, zum Walde heraus. Ja, mancher Wanderer erzählte, daß ihm ein ausgemergeltes Weiblein auf den Rücken gehüpft sei und sich bis zum Ende des Waldes von ihm tragen ließ. Es sei dann boshaft lachend in den Deggenreuschenwald zurückgehuscht. Einer Botenfrau aus Bachheim, die wöchentlich mit einem eselbespannten Wägelein auf dem Weg im Deggenreuschenwald fuhr, in Hüfingen Butter, Eier und Geflügel feilbot und dort von den Krämern Waren mitnahm, geschah es mehrmals, dass ihr Esel stark unruhig wurde, zu schreien und zu schwitzen begann und zuguterletzt das Wägelein mit der ganzen Butscher umwarf. Wohl oder übel mußte die geneckte Botenfrau ihren allerdings unversehrt gebliebenen Kram wieder in das Wägelein packen, während dessen sprang das Hexlein Elseli lachend in das Innere des Waldes. Schindluder trieb der Waldgeist auch immer wieder mit den Schnittern und Schnitterinnen, die im nahen Ochsentrieb arbeiteten. Öfters kam es vor, dass das Hexlein den Korb mit dem Frühstück eiligst wegnahm und damit in einem dichten Gebüsch verschwand. Wenn die Schnitterinnen dann schimpfend an die Schatenstelle eilten, wo der Brotkorb in der Kühle stand, lag er noch unberührt, aber mit etlichen Blumen geschmückt, am Platze. Manchmal wurde auch beobachtet, daß das Weiblein nach Sonnenuntergang über die Ährenfelder dahintanzte.

Aber nicht nur neckend oder gar boshaft war das Deggenreuschen-Elseli. Gar manchen Leuten half es beim Holzlesen. Kindern, welche Erdbeeren und Himbeeren im Walde suchten, zeigte es gerne die besten Plätze. Nur in ganz wenigen Fällen jedoch führte es Leute zu seinen farbenfrohen Blumengärtchen. Möglich ist dies vielleicht die Ursache, daß sich heute noch im Deggenreuschen- und Rauschachenwald ein geschütztes Orchideenvorkommen erhalten hat, daß die Botaniker diesen beiden Wäldern den Namen „Blumenparadies von Deutschland“ gaben.

Ist das Deggenreuschen-Elseli von seinem Dasein „verlöst“ und zur Ruhe gebracht worden? Gewiß ist, dass es in Hüfngen heute, 1972, noch Leute gibt, die fest und steif behaupten, den Waldgeist Elseli gesehen zu haben. Es sei auf dem untersten Ast einer mächtigen Tanne gesessen und habe sich auf- und abgeschaukelt. Plötzlich sei es verschwunden und dann wieder in einem anderen Häs auf dem nächsten Tannenbaum lauthalslachend erschienen.

Solange im „Blumenparadies von Deutschland“ die Vielzahl seltener Blumen und Pflanzen vorkommt und unser Auge erfreut, wollen wir aber auch furchtlos der sagenhaften Gestalt des Deggenreuschen-Elseli gedenken und jener schrecklichen Zeit des „Dreißigjährigen Krieges“, in der unsere Vorfahren gar oft in den Wäldern kampieren mußten.

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Gruss an die Baar

vom 3. August 2021

Mi Hoamet uff de liebe Boor,
si liit mier halt am Herze,
ech mag mech wehre we ech will,
ech ka si nitt verschme
rze.
Gottfried Schafbuch

Die Kantate Mii Boor – Mii Hoamet nach Versen des Hüfinger Ehrenbürgers und Heimatdichters Gottfried Schafbuch, wurde im Mai 1965 anläßlich des 6. Verbandsmusikfestes des Blasmusikverbandes Baar-Schwarzwald in Hüfingen uraufgeführt.

Dieses mehrteilige Gesangsstück mit instrumentaler Begleitung wurde damals von der Stadtmusik und dam gemischten Chor des Liederkranzes zu Gehör gebracht. Der Marsch „Gruß an die Baar“ bildet den Schluß der Kantate, für die Alfred Kluten die Musik schrieb.

Alemannische Geschichten. Inhalt. 2. S'Rotkäppli von Gottried Schafbuch, Hüfingen
S’Rotkäppli von Gottried Schafbuch aus dem Jahr 1970

Herrgott, segne du iiseri Boor,
schütz iiser Schtädtli lieb,
vor Elend, Not und G’fohr.
Mier wennt dankbar sii,
d’Hüfinger Liit, treu und wohr fer alli Ziit
Boor, o Boor, mii Hoamet bischt du.
O Boor, o Boor, mii Hoamet bliibscht du.

Gottfried Schafbuch

Stadtmusik Hüfingen 1984, Leitung von Günter Walter, Gruß an die Baar
Marsch aus der Kantate Mi Boor, mi Hoamet von Gottfried Schafbuch. Komponist: Alfred Kluten

Haus Nober

ergänzt mit Fotos und Infos, Originalbeitrag vom 16. Dezember 2022

Der Leinenweber, bzw. Tuchmacher Johann Martin Nober wurde am 9.01.1688 in Hüfingen geboren und verstarb ebenda am 27.11.1741. Ein Enkel, Joh. (C)Kaspar Nober (1765-1842) wurde Tuchmachermeister und kaufte das Haus an der Hauptstraße 5.

Katharina Schelble, geborene Götz (1760-1847)

Sohn Johannes Evangelist Nober (18.10.1806-11.02.1887) heiratet Katharina Schelble (1806-1871, Tochter des Korrekturhausverwalters Franz Josef Schelble und Katharina Götz). Mit der Heirat wird Luzian Reich der Ältere sein Schwager, da dieser mit der Schwester von Katharina, Josepha Schelble, verheiratet ist. Der Bruder der beiden Schwestern ist der berühmte Musiker Johann Nepomuk Schelble.

Die Fabrikantenfamilie Nober betreibt auch eine Weberei außerhalb in der Donaueschinger Straße.*

Johann Caspar Nober, 13.12.1765-17.08.1842

Josepha Reich geborene Schelble. (19.03.1788-12.11.1866)

Katharina Nober geborene Schelble
(09.08.1806-16.04.1871)

J.C. Nober ist hier der Sohn Johann Evangelist Nober 16.10.1806 -11.02.1887

Die Anfänge des Hauses Hüfingen Hauptstraße 5 sind nicht geklärt.

Haus J.C. Nober etwa 1900
1953
Haus Nober 1910
Haus J.C. Nober etwa 1930
Haus Nober 1978
1978
Verschwommenes Foto vom Bekleidungsgeschäft Haus Nober 1998
Haus Nober 1998

Die Hauptstrasse als wesentlicher Teil der Vorderstadt scheint nach einem Brand irgendwann um 1400 erbaut worden sein. 1702 Abriss des alten oberen Schlosses und Beginn eines Neubaus durch die Fürstenberger. Es werden auch Steine des alten hinteren Schlosses verwendet. Bis 1744 wohnte der Fürst von Fürstenberg zeitweise selbst im Schloss.

Das Haus Hauptstraße 5 muss irgendwie mit dem Schloss zu tun gehabt haben und möglicherweise  auf Grund der Stilrichtung in Richtung Barock zwischen 1702 und 1744 errichtet oder wenigstens modernisiert worden  zu sein.*

Auf einer Karte von 1786 besitzt das Haus schon den heutigen Grundriss (leider keine Quelle in dem Zeitungsartikel).

Alle Bürger Hüfingens, egal welchen Handwerks,  hatten  im Nebenerwerb noch etwas Landwirtschaft und so hatte auch das Haus Hauptstraße 5 noch bis 1960  eine Scheuer und noch Relikte von Aufbewahrungsräumen und möglicherweise kleine Stallungen.

Ende 18.Jhd war es nachweislich das Gasthaus zur Sonne.*

Das Sonnenkreuz trägt im Fuße des Sockels die Jahreszahl 1783

Thomas Winterhalder von der Kalten Herberge (Urach) hatte das Haus 1811 gekauft und war bis 1816 als Besitzer und Wirt eingetragen. Winterhalder war mit Maria Mayer (1769 –1813 ) verheiratet und hatte 8 Kinder, ein Sohn war Matthä Winterhalder (23.07.1799-18.11.1863). Thomas Winterhalder war Uhrmacher und dessen Sohn gründete ca. 1850-1860 die Firma Winterhalder und Hofmeier (W&H, Schwärzenbach). (Infos per E-Mail von Dr. Peter Schlesselmann).

Nach dem Tod von Maria Mayer hatte Winterhalder das Haus 1815 an seinen Pächter Fischerkeller verkauft und zog nach Fiedenweiler. Er hatte aber noch eine Hypothek von 2500  Gulden auf dem Besitz.

Im Jahre 1823 erwarb urkundlich Johann Caspar Nober das Haus Hüfingen Hauptstraße 5 durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder bzw. seinem Pächter und seit 1815 auch Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853).

Fischerkeller war mit Martha Engesser verheiratet (seit 1813) und baute sich ein neues Gasthaus zu Sonne an der Schaffhauser Straße.

Fischerkeller musste diese “Winterhalder- Hypothek“ auf sein neues Anwesen übertragen, damit  J.C. Nober den vollen Kaufpreis an Fischerkeller bezahlen und die Eigentumsübertragung erfolgen konnte. *

Grabstein auf dem Friedhof Hüfingen


Hier ruht
Johann Babtist Fischerkeller
geboren zu Donaueschingen den 21ten August 1749. 
gundler Kaplan zu Jungnau druch 13 – zu Kaseifingen G_ und endlich dazu ad 6. Blasium durch 26 Jahre ? seine irdische Laufbahn den 21 ten Juny 1852.
Gott gebe Ihm und allen ? die Ewige ? Amen

Aufnahme „Fischerkeller“ von 1880.
Vermutlich Ferdinand oder Mathias, Gastwirt zur Sonne

Mehr zu Fischerkeller und Curta gibt es in den Akten zum Rotrain aus 1835.

Caspar Nober stellte im Haus Webstühle auf und betrieb eine Woll-und Textilweberei. Er hatte das Geschäft der Weberei  von seinem Vater, Johannes Nober (16.12.1719-13.09.1788) und Großvater Martin Nober (9.01.1688 -27.11.1741) erlernt. (Fa. Martin Nober und Comp). 

In dem Universal Lexikon von dem Großherzoglichen Baden von 1843  steht unter anderem: „Hüfingen hat 238 Häuser…. Herr Xaver  Reich hat hier  ein Bildhaueratelier…. In diesem Schloss wohnen gewöhnlich die Witwen aus der Fürstenbergischen Familie. Unweit des Schlosses steht eine Nobersche Spinnmaschinenfabrik für Tuchweber, wobei 12 Arbeiter beschäftigt sind…..“*

Später betrieb Caspar Nober zusammen mit seinem Sohn Johann Evangelist Nober die Weberei in noch größerem Stil in der Schaffhauserstraße (nach dem 2. WK Schreinerei Schelble).  Firma Caspar Nober und Sohn.*

Maria Heinemann
(23.12.1857-19.05.1948)

Maria Josepha Heinemann am Brunnen an der Hauptstrasse 52 mit ihrer Cousine Elisabeth Heinemann (Grießhaber).
Maria Heinemann war die Tochter von J. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich, der Tochter von Luzian Reich.

Marie Heinemann und Joh. Karl Nober

Maria Nober
(geborene Heinemann) im Jahr 1878

Johann Evangelist jüngster Sohn (von 14 Kindern), Johann Karl Nober (11.04.1850-11.12.1920) heiratete Maria Josefa Heinemann (23.12.1857-19.05.1948) die Enkeltochter von Luzian Reich und Tochter des Litographen Joh. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich. Sie übernahmen später die Hauptstraße 5, handelten dort mit Woll- und Textilwaren und nannten sich J.C. Nober, wie schon der Vater in seiner Todesanzeige. Das Gründungsdatum des Geschäftes wurde auf den Beginn der Nobers in diesem Haus mit 1823 festgeschrieben.

Eingang mit alter Tür 1974

Glasnegativ von Wilhelm Kratt (1869-1949),
Generallandesarchiv Karlsruhe

Die Spinnerei in der Schaffhauser Straße wurde von seinen Brüdern weiterbetrieben und wurde 1875 geschossen.*

Klara Nober 1892
(06.08.1882-21.08.1961)

Klara Nober und Robert Rosenstiel 1913
Marie Heinemann gezeichnet von ihrem Onkel Josef Heinemann

Haus Nober etwa 1910

Robert Rosenstiel und Klara Nober. Im Hintergrund das Gemälde von Marie Heinemann.

Das Wollgeschäft des Johann Karl Nobers funktionierte erfolgreich weiter und wurde später an den Schwiegersohn Robert Rosenstiel aus Unadingen übergeben.

Maria Josepha Nober,
geborene Heinemann in der Hauptstr. 5

*Alle Daten und Infos sind aus dem Sippenbuch von Hüfingen und den unten aufgeführten Zeitungsausschnitten.

Hüfingen, 15. März 1927
Zur Zeit läßt Herr Kaufmann Robert Rosenstiel in seinem alten Patrizierhaus dem ehemaligen Gashaus zur Sonne die Zimmer renovieren. Dabei wurden im oberen Stock die Deckengemälde blosgelegt, von deren Vorhandensein die Familie wohl Kenntnis hatte, aber nie wußte, was die Gemälde darstellen und welchen Charakter und Kunstwert sie haben. Dann seit Jahrzehnten sind die Gemälde übertüncht gewesen und nur die reiche Stückarbeit im ganzen Obergeschoß verriet, daß hier echte Heimatkunst einmal herrliche Räume geschaffen hatte. Die ganze Lamperie zeigt später eingemalte Jagdszenen. An der Decke wurden nun die Bildwerke in den reichumrahmten Feldern wenigstens zum Teil frei gelegt. Es stellt sich heraus, daß lauter biblische Bilder wohl aus dem 18. Jahrhundert an die Decke gemalt sind und zwar ist die Geschichte des ägyptischen Josef in verschiedenen Szenen dargestellt, Josef wird von seinen Brüdern verkauft, Josef und das Weib des Buthiphar, Josef als König, wie er sich zu erkennen gibt etc. Wenn einmal die Bilder wieder von kunstfertiger Hand hergestellt sind, dann besitzt sicher Herr Rosenstiel eines der schönsten Häuser weit und breit. Die Familie bewahrt auch noch eine ganze Reihe von kunstvollen Schnitzarbeiten, Zeichnungen, Bildern und allerlei anderen Kunstgegenständen aus dem Nachlaß der Hüfinger Künstlerfamilien Heinemann-Reich als kosbare Erbstücke auf, denn Frau Rosenstiel ist die Enkelin des Lithographen J. Nep. Heinemann und amit mit den Künstlern Luzian und Franz Xaver Reich und Gleichauf verwandt oder verschwägert. Herr Rosenstiel weiß den reichen Familienschatz wohl zu würdigen.

Zeitungsartikel von 1927

Wappen Rosenstiel

Zeitungsartikel unbekannter Herkunft und Datum

Das Geschlecht der Tuchmacher und Wollenweber Nober war in den Kirchenbüchern der katholischen Pfarrei Hüfingen seit 1596 erwähnt. In direkter Linie können folgende Ahnherren festgestellt werden: Georg Nober, geboren am 2. Juni 1679, Johannes Nober (28. Dezember 1641 bis April 1690), Johann Martin Nober, Tuchwalker (9. Januar 1688 bis 27. November 1741), Johannes Nober, Leineweber und Tuchmacher (16. Dezember 1719 bis 13. September 1788), Johann Caspar Nober, Tuchmachermeister
und Leineweber (13. Dezember 1765 bis August 1842), Johann Evangelist Nober, Kaufmann und Tuchfabrikant (18. Oktober 1806 bis 11. Februar 1887), Johann Carl Nober, Textilkaufmann (11. April 1850 bis 11. Dezember 1920), Robert Rosenstiel, Textilkaufmann (4. Juni 1887 bis 3. Dezember 1960), verheiratet mit der einzigen Tochter Clara des Johann Carl Nober (am 22. Oktober 1912).

Erwerb des Geschäftshaus in der Hauptstraße am Tor 1823 durch Johannes Caspar Nober und zwar durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalter, Vormals aus Friedenweiler bei Neustadt, beziehungsweise seinem Pächter und Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller, Gastwirt zur Sonne (30.Juni 1781 bis 25. August 1853), der seit 18. November 1813 mit Martha Engesser verheiratet war und sich ein neues Gasthaus zur Sonne vor dem Tor an der Schaffhauser Straße an der Abzweigung nach Freiburg erbaute.
Die Ehefrau des vormaligen Sonnenwirts Thomas Winterhalter, Maria Mayer, geboren 1769, war am 20. Juni 1813 kinderlos gestorben. Dieser hatte das Haus um 1815 an den oben genannten Johann Baptist Fischerkeller verkauft, hatte aber noch eine Hypothek von 2500 Gulden auf dem Anwesen, welche dann von Fischerkeller auf seinen Neubau übernommen wurden, so dass Caspar Nober den Kaufpreis ganz an Fischerkeller zu bezahlen hatte.

Gründung der Firma J. C. Nober: Sie ist auf 1823 datiert.
Daß der »Handel mit Wolle und Wollenwaaren schon vom Vater des Johann Caspar Nober unter der Firma Martin Nober & Comp. und später unter der Firma Caspar Nober & Sohn, ferner, dass Johann Evangelist Nober das Geschäft des Wollenwaaren-Handels bei seinem Vater erlernt und betrieben habe«, geht aus einen Zivilprozess des Jahres 1839 (16. April) »in Sachen des Handelsmannes
Limberger und Comp. von hier, Kläger, gegen den Tuchmacher Johann Evang. Nober wegen Beeinträchtigung im Handelsgewerb« beim Bezirksgericht Hüfingen hervor.

Tuchfabrik und Wollweberei: Diese betrieben Johann Caspar und Johann Evangelist Nober in Hüfingen an der Schaffhauser Straße (jetzige Schreinerei Schelble). Diese konnte unter den Brüdern des Johann Carl Nober um 1875 den Anschluss an das Maschinenzeitalter nicht mehr finden und ging als Handwerksbetrieb in den folgenden Jahren ein. Nur das Handelsgeschäft mit Textilwaren und Wolle wurde von Johann Carl Nober im Haus Hauptstraße 5 und später von dessen Schwiegersohn Robert Rosenstiel unter der Firma J. C. Nober, Textilwaren und Garngroßhandlung, weiter betrieben.

Ofen in der Hauptstr. 5

Zeitungsartikel unbekannter Herkunft
etwa aus 1990 vermutlich von von Franz-J. Filipp

Die Josefsgeschichte an der Stuckdecke

Bilder aus der Genesis im Obergeschoss

Hüfingen (ff). In fünf Bildszenen dokumentiert ist im Gebäude Rosenstiel-Nober in Hüfingens Hauptstraße im zweiten Obergeschoss die so genannte Josefsgeschichte als Deckengemälde, eingefasst in Stuck. Thema ist die biblische Erzählung, die auch Stoff für Thomas Manns Roman, aber auch für das Musical zum Thema Josef waren. Ein historischer Kern mag sicher vorhanden, aber nicht belegt sein. Literarisch ist die Josefsgeschichte als Novelle zu betrachten. Wie die Geschichte erzählt, begegnet der zweitjüngste Sohn des Erzvaters als Siebzehnjähriger Jakob (Genesis 37 bis 50, Ps 105). Wegen der Bevorzugung durch den Vater und seiner Träume, die einen Vorrang vor seinen Brüdern und sogar vor seinen Eltern ausdrückt, erregt er den Hass seiner Brüder. Die Absicht der Brüder, ihn zu töten, wird wegen des Einspruchs von Ruben, dem Ältesten, und von Juda nicht ausgeführt. Er wird aber als Sklave an eine ismaelitische Karawane mitgegeben und durch diese nach Ägypten verkauft. Dem Vater wird der Tod durch ein wildes Tier vorgetäuscht. Der reiche Ägypter Potifar kauft Josef schließlich als Sklaven.

Das erste Motiv der Deckengemälde stellt die Brüder Josefs dar wie sie ihn an ägyotische Kaufleute verkaufen. Dieses Deckengemälde wurde durch Bombenabwürfe in der Nähe des heutigen Bürgerhauses Krone im Kriegsjahr 1945 in Mitleidenschaft gezogen.

Ein weiteres Bild zeigt den Versuch der Verführung Josefs im Hause Potifars durch dessen Ehefrau.

Das zentrale Motiv, das heute jedoch durch eine Zwischenwand zerteilt wird und deshalb in seiner Bildaussage nicht erkennbar ist, stellt eine Traumszene des König mit sieben mageren und sieben fetten Kühen dar. Das vierte Bild unmittelbar über dem Eingang zur Wohnstube von der Treppe zeigt ein Gastmahl, zu dem Josef als Verwalter der königlichen Kornspeicher eingeladen hatte. Auf einem abgebildeten Becher ist die Jahreszahl 1748 zu erkennen, was Rückschlüsse auf das Alter der Gemälde zulassen dürfte. In der letzten Szene direkt am Fenster zur Hauptstraße ist Josef schließlich mit seinen Brüdern zu sehen.

  • Decke im Haus Nober

Für Theo Wössner, den langjährigen Vorsitzenden des katholischen Bildungswerkes Hüfingen und dessen Frau die in dem Haus früher gewohnt hat, sind die Darstellungen »einmalig«, wie er erklärt. Und Klaus Sigwart, der Hüfinger Restaurator, verweist in diesem Zusammenhang auf Bürgerhäuser in Villingen. Dort konnten sich die Gemälde in den Stuben lediglich nur wohlhabende Bürger leisten.

Zeitungsartikel vom 19. Juni 2004 von Franz-J. Filipp

Biblische Szenen über dem Sofa

Hüfingen. Strategien und Lösungsansätze für den Einzelhandel, ein Thema mit dem sich schon bald der neu gewählte Gemeinderat beschäftigen dürfte. Doch mit dem Ankauf des Hauses Rosenstiel-Nober hat die Stadt Hüfingen zugleich auch ein historisches Erbe angetreten.

Das alte Gemäuer entpuppt sich für Bürgermeister Anton Knapp und Stadtbaumeister Ewald Fürderer bei einem ersten Rundgang als kleines Schatzkästchen. Vor allem die in Stuck gefassten Deckengemälde sind älteren Datums und eine Rarität, direkt über dem Wohnzimmersofa der heutigen Wohnungsmieter.

Und was von der Straßenseite hinter der in früheren Jahren sanierten Fassade kaum zu vermuten ist, Türen, Holztäfelungen oder Fußböden scheinen ebenfalls die Jahrhunderte unbeschadet überstanden zu haben. Bis auf das Ladengeschäft mit einer Nutzfläche von 184,5 Quadratmetern im Erdgeschoss geben die alten Holzdielen auf den 183,9 Quadratmetern im ersten Obergeschoss knarrende Stadtgeschichte preis. Mit zum Teil alten Schlössern bewehrte Tü-ren, dem alten Kachelofen oder durch die Trennwände mit kunstvollen Schnitzereien eröffnet das Haus Rosenstiel-Nober zugleich den Blick auf ein Stück Stadtgeschichte.

Weitere 191,7 Quadratmeter Nutzfläche stehen im zweiten Obergeschoss zur Verfügung.

Hüfingens Verwaltungschef möchte zudem die Idee eines Dienstleistungszentrums in dem historischen Gemäuer mit den neu gewählten Bürgervertretern voraussichtlich noch vor der Sommer im Rahmen einer Klausurtagung gemeinsam mit der Komm-In GmbH aus Sternenfels zur Diskussion stellen. Ziel soll es dabei sein, Dienstleister in der Kernstadt zu halten. Das Konzept von Dienstleistungen, etwa der Stadtverwaltung oder von Banken, sowie Lebensmittelhandel oder Bäcker unter einem Dach als modulares System soll durch interessante Öffnungszeiten etwa an Samstagen neue Impulse zur Belebung der Innenstädte bieten und »Tante-Emma-Läden«, überlebensfähig machen. Träger der Zentren können dabei Kommunen oder Investoren sein.

  • Bild im Haus Nober


Der letzte Zeitungsartikel über das Haus war am 9. Januar 2014

Zeitungsartikel aus dem Jahr 2014 über das Haus Nober
Zeitungsartikel über das Haus am 9. Januar 2014 von Stephanie Jakober

Bauantrag aus dem Jahr 2020
Bauantrag aus dem Jahr 2020
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2002
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2020

Seit 2019

Seit 2020 Krav Maga umgezogen ist, steht das Gebäude leer. Im Jahr wurde 2020 dem Gemeinderat ein Bauantrag gezeigt und die Baufreigabe erfolgte im Dezember 2022.
Im September 2023 gab es kurzfristig einige Aktivitäten und am Fenster des Zimmers mit dem Tanzboden und dem Gastraum mit den Wandbemalungen aus 1748, wurden ermordete Fische getrocknet.

Laut Landratsamt würde „das Vorhaben von einem denkmalerfahren Architekten begleitet“.

Was also mal übrig bleibt von den barocken Kunstwerken steht in den Sternen.

Haus Nober am 1. Oktober 2025
Haus Nober am 1. Oktober 2025

Karl Merz – der Maler der Baar.
Zum 136. Geburtstag

Karl Merz (3.01.1890 – 10.03.1970)

1. Version war am 14. Juni 2021

Karl Merz wurde am 3. Januar 1890 in Unterbaldingen geboren und ist am 10. März 1970 in Donaueschingen gestorben.

Alte Donaubrücke Pfohren 1921

Alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg 1937

1937 Pfohren
An der Donau bei Neudingen 1929

Im Rathaus in Pfohren hängen die alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg und auch der Blick über die Baar von 1937.

Karl Merz machte nach der Schule eine Lehre bei einem Dekorationsmaler und besuchte danach die Karlsruher Kunstgewerbeschule . Von 1909 an war er Schüler unter anderem der Professoren Landenberger und Pötzelberger an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart *.

Mühlengasse in Pfohren von Karl Merz 1936

Im ersten Weltkrieg war Karl Merz an der Front für die Donaumonarchie in Mazedonien, Serbien und Galizien. Mehrfach war er als Kriegsmaler abkommandiert. In den Inflationsjahren verdiente er sich sein Brot vor allem als Porträtmaler in der nahen Schweiz, in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Schaffhausen. Auch in Bad Dürrheim fand der Bauernsohn aus der Ostbaar zahlreiche Porträtaufträge. *

1920 kehrte Karl Merz in seine Heimat zurück und gründete mit Karl Bartels und Hans Schroedter die Künstlergruppe „Maler und Bildhauer Oberbadens“.

Im zweiten Weltkrieg war Karl Merz zum Luftschutzwarndienst eingezogen, tat eineinhalb Jahre in Blumberg Dienst bei der Gendarmerie und wurde im letzten Kriegsjahr erneut zur Wehrmacht einberufen. *

Schellenberg von Karl Merz 1956

Seine Werke mit der Baaremer Landschaften fanden nie den Weg in die Museen der großen Städte, sondern mehr in Rat- und Gasthäuser, sowie ungezählten Bürgerhäusern und Bauernstuben auf der Baar.

Titisee und Feldberg 1950

Foto: Erich Spiegelhalter 2023

In Donaueschingen war im im August 2024 eine kleine Ausstellung im blauen Rathaus und dort waren auch zwei Bilder von Karl Merz ausgestellt. Diese zwei Bilder sind ein Gemälde von Titisee mit dem Feldberg und das Trachtenbild mit der Frau seines Neffen, Ursula Merz.

Schwenninger, Villinger und Donaueschinger Tracht. In Villinger Tracht Ursula Merz.
Gretle und Hansel,
Donaueschingen von 1950

Der Bruder von Karl Merz war Eugen Merz. Eugen Merz sein Sohn war der in Villingen berühmte Schemmenschnitzer Manfred Merz. Die Dame in Villinger Tracht oben ist Ursula Merz, die Frau des Schemmenschnitzers Manfred Merz. Ursula Merz wurde nach dem Tod ihres Mannes von weitläufiger Familie enterbt und in ein Pflegeheim abgeschoben wo sie 2018 verarmt und einsam starb.

Postkarte von Andreas Weißhaar aus den Kommentaren unten.
Das Ölgemälde von 1929 befindet sich irgendwo im Besitz der Stadt Hüfingen.
Foto aus dem Jahr 1953

Allmendshofen Kirchplatz

Auf der Insel Hüfingen

Hasewäldle Hüfingen

Härlefalle Hüfingen

Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund
Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund

Bregspiegel Hüfingen

An der Breg Hüfingen

*Infos von einem Zeitungsschnipsels von Lorenz Honold etwa 1980

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