Volkstrauertag oder Besinnungstag?

Volkstrauertag oder Besinnungstag?

11. November 2021 2 Von Hubert Mauz

alles ummesunscht“, ein Bild Gedanken- Gang, Allmendshofen, DS, Fürstenberg, 
Mundelfingen. 

Mitte der 70-er Jahre stehe ich hinter Villingen mit dem Bürgermeister und den Gemeinderäten am Denkmal aus 
Buntsandstein für die Kriegsopfer der Gemeinde. Das Mahnmal soll einem Kanalbau weichen. 


Einige wollen es endgültig beseitigen, wenige auf den Friedhof umsetzen. Unerwartet eilt ein betagter, sichtlich erregter Mann hinzu und fragt, was hier vorgehe. “Wir beraten, ob wir das Mahnmal beseitigen oder umsetzen” sagt der Bürgermeister. Jetzt brechen bei dem Mann alle Gefühls-Dämme. Er klammert sich an das Denkmal und weint erschütternd, stammelt herzerweichend immerzu “Wenn ihr des wegwerfet, war alls umsunscht”. Einstimmig war man nun fürs umsetzten und der Bagger schwieg. Der Mann fand zumindest wieder seinen äusseren Frieden. Was muss dieser einfache Bürger erlebt haben, dachte ich erschüttert bei der Heimfahrt. 

Donaueschinger Opfer im 1. Weltkrieg auf dem Friedhof.


Wäre alles umsonst, denke ich alljährlich im Novemberanfang, auch 45 Jahre nach diesem unvergesslichen Erlebnis? Dann, wenn wir uns nicht mindestens einmal im Jahr an diesen Mahnmalen besinnen würden? Und 
immer dann, wenn ich am Stahlhelm vor dem Rathaus Donaueschingen, der Gedenksäule mit 130 Namen Eschinger Weltkrieg-Eins Opfer, dem martialischen Kriegerhain in Fürstenberg und dem ausdrucksstarken Standbild “Trachtenfrau mit Kind, Uniformierter Mann” am Eingangstor zum Mundelfinger Friedhof vorbei komme. 

Mühe hat man oft, bei Kriegerdenkmalen mit Heldenposen, die den Geist des Völkischen atmen. Bei diesen “Krieger” -Denkmalen, nicht bei den Kriegsopfergräbern, denkt man schon, dass das alles umsonst war. Geht man aber betroffen vorbei an der Frau mit Kind in Baaremer Tracht in die Dorffriedhofs Kapelle und zählt die zu Tode gekommenen aus dieser kleinen Dorfgemeinschaft, erkennt man, dass das Erinnern nicht umsonst sein kann und darf.

“Gefallen” ist ein verharmlosender begriff aus dem Geist der Heldenverehrung. Sie alle sind nicht nicht einfach nur “gefallen”, in Wahrheit sind sie Opfer. Opfer die den tyrannischsten, entmenschlichsten Verbrechern “zum Opfer gefallen sind”. Besinnung kommt auch auf, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass von fast vierzig, von ausnahmslos Allen ! eingezogenen Bauernhoferben aus Donaueschingen, kein einziger die Baar wieder gesehen hat. Es war zwar völlig sinnlos, menschenverachtend, unmenschlich, aber es hat im Nachhinein nur den einzigen Sinn: Mahnung und Warnung vor Unmenschen. Und unendliche Trauer um die unfassbar vielen Opfer. 

Eindrückliche Mahnmale und Besinnungsstätten sind deshalb nie umsonst. Das wusste und sagte uns der Mann aus dem Eschachtal. Dass man nämlich auf Mahn- und Denk- Male nicht verzichten kann. Auf heroisierende “Krieger” -Denkmale aber schon. 
Unsere Lokalpolitiker meinen, dass wir auch in diesem feierlosen Jahr, in diesen Besinnungstagen, einen Gedanken- Gang machen sollten.