Wilde Karde

Ihr erinnert Euch noch, dass die wilde Karde vor nicht allzu langer Zeit Thema war wegen Ihrer Wassertanks.

Wasser im Blattgund

Ich mache sie nochmals zum Thema und zwar aus dem einfachen Grund, wegen der Frage, ob der Fruchtstand Samen enthält oder nicht. Ihr könnt Euch schon einmal Gedanken machen. 

Fruchtstand der Karde

Zunächst wollen wir aber noch anschauen, wie Schmetterlinge die lilablauen Blüten besuchen.

zwei Schmetterlinge auf Blüte

Das Bild zeigt zwei Kaisermäntel und ein Tagpfauenauge. Kaisermäntel waren die meisten Vertreter, bis zu zehn waren gleichzeitig an den zwei Pflanzen zu sehen.

Zitronenfalter auf Blüte

Das Bild oben schmückt ein schöner Zitronenfalter, so wie er aussieht, ist er noch nicht allzu lange geschlüpft . Wahrscheinlich tragen Schmetterlinge auch zur Befruchtung des Samens bei. Nach der Blüte sehen alle Blütenstände wie tot aus. Vom optischen Eindruck her dachte ich, da sollte kein Samen mehr vorhanden sein. Das dachten übrigens auch viele Betrachter, die meinen Status zu diesem Thema angeschaut hatten. „Leer“ schrieben einige kurz und knapp. 

Also ging ich der Sache auf den Grund und schnitt einen Fruchtstand ab. Ich klopfte ihn auf weißem Papier aus und siehe da, viele kleine braune Partikel fielen heraus.

Samen der Karde

Zunächst dachte ich, das sei der Samen. Aber als ChatGPT die Samengröße mit 3 bis 5 mm Länge und 1 bis 2 mm Breite angab, war klar, dass das nicht der Same war. Vermutlich waren es Blühreste. Jetzt half nur noch eines, den Fruchtstand auseinanderschneiden. Das Ergebnis zeigt sich unten sehr eindrucksvoll, der Same ist in einer Vielzahl vorhanden und das grün zeigt, dass er noch nicht vollens abgereift ist. Wenn das kein Hammer ist, dann weiß ich auch nicht, was man noch schreiben kann.

Fruchtstand mit Samen

Annelie aus Uttenhofen gab eine sehr gute zielsichere Antwort: „Meiner Meinung nach ist der Same noch drin. Denn die Distelfinken hängen immer erst spät im Jahr an den Karden“. Sagenhaft beobachtet Annelie. Dafür gibt’s den Oberhammer. 

Samen der Karde

Wenn möglich, will ich die Karden stehen lassen, bis ich Stieglitze/Distelfinken beim Herauspicken des Samens bestaunen kann. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Rotes Ordensband

Liebe Bürgerpostleser, 

Rotes Ordensband an Hauswand

am 15. Juli 2026 sah ich glücklicher Weise an unserer Hauswand den realtiv großen Falter ruhen. Schaut Euch seine großen Augen an, sofort ist klar, das es ein Nachfalter ist. Sie zeichnen sich zudem durch wenig Farbpracht aus im Vergleich zu den Tagfaltern. Ich hatte einen Verdacht, wer es sein könnte, aber dazu musste ich die Unterflügel sehen. Ich versuchte ihn, dazu zu bewegen, aber das gefiel ihm nicht und er flog weg. Allerdings konnte ich die Unterflügel erkennen und mir war klar, entweder es ist das rote Ordensband oder ein Weidenkarmin. Diese Entscheidung lassen wir noch etwas offen. Ich hoffte, ihn nochmals zu sehen und mit den Unterflügeln abzulichten. Was jetzt kommt hört sich fantastisch an. Tatsächlich sah ich ihn tagsdarauf auf der Norseite unseres Hauses sehr aufgeregt hin- und herfliegen. Ich befürchtete, dass es nichts wird mit dem Unterflügelbild. Und jetzt kommt der absoluter Oberhammer: Unbedachter Weise hatte ich die Hintertür einen Spalt offengelassen und was macht der Kerle? Genau, er fliegt hinein, ich vermute, weil er gemerkt hat, dass es drinnen kühler ist. Egal, man kann auch interpretieren, damit ich das Bild schießen konnte:

Denn schnell machte ich die Tür zu. Er wollte wieder über den hellen Glasteil der Türe hinaus und ich konnte abdrücken. Kommt da nicht etwas Herrliches heraus auf den Unterflügeln? Und durch die Fotografie gegen das Licht sieht man auch die hellen Partien im Oberflügel, nicht schlecht Herr Specht. Ich ließ ihn anschließend in Ruhe auf die Nacht vorbereiten. Zu später Stunde gegen 23.30 Uhr war er im Obergeschoß, beim Licht anmachen sah ich ihn herumfliegen. So, was tat ich dann? Ich machte im Bad das Licht an, wie erhofft, flog er hinein, setzte sich an die Decke und ich konnte ihn mit einem Plastikbehälter einfangen und in die Nacht entlassen. Wow, was für ein Geschichte. 

Dann erinnerte ich mich, dass ich diesen Gesellen schon einmal hatte im Jahre 2015, das schöne Bild oben stammt von damals. Sie erinnern sich vielleicht noch, ich hatte eine schmackhafte Mixtur an unseren Apfelbaum gestrichen und neben vielen anderen Nachtgestalten tauchte auch er auf. Damals habe ich ihn als Weidenkarmin bestimmt. Jetzt ging es noch um diese Frage, was ist er in Wirklichkeit und was war der von 2015. Langer Rede kurzer Sinn, beides Mal war es ein rotes Ordensband. Der Hauptunterschied ist die graue statt braune Grundfärbung mit mehr Struktur beim Weidenkarmin. Grundsätzlich heißt es, eine Unterscheidung ist nicht einfach.

Übrigens, die Unterflügel zeigt er im Sitzen deshalb, um mögliche Feinde zu erschrecken.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Schneckenhauskäfer

Liebe Bürgerpostleser,

das ist wieder so eine Geschichte, kann ich Euch sagen. Um halb zwei am 15. Juli 2026 entdeckte ich das Getier auf der Nordseite an unserer Hauswand. Ich dachte mir beim Anblick absolut nichts Spektakuläres. Als aber Goggle Lens zum Bild folgendes ausspuckte, „es handelt sich um die Larve eines Schneckenhauskäfers. Diese Larven sind Schneckenräuber und ernähren sich von Schnecken, oft auch in deren Häusern“. 

Schneckenhauskäfer, Larve und Ernährung der Larven von Schnecken oft auch in deren Häusern? Ein absoluter Hammer finde ich. Wer hat das schon einmal gehört oder gesehen? Wenn gesehen, dann vermute ich, dass keiner solches vermutet hat. Für mich jedenfalls hat es zugetroffen. Man muss eben immer mit etwas Besonderem rechnen und den Foto dabei haben. Und dran denken, Google Lens darüberlaufen lassen, dann dürfen solche Dinge passieren. 

Die Larven sind braun/schwarz gefärbt und besitzen eine auffällige Behaarung, besonders am Rücken des Hinterleibes. Das ist sehr schön zu sehen. Sie erreichen eine Länge von etwa 13 bis 35 mm. Der abgebildete auf Bild 1 war etwa 30 mm lang. 

Bild 2 zeigt eine Larve, die sich an eine kleine Schnecke mit Haus heranmacht. Man sieht, dass das Schnecklein in furchtsamer Vorahnung, was passierern wird, versucht, sich ins Schneckenhaus zurückzuziehen. Das grandiose Bild ist in Wikipedia eingestellt und stammt von Cécile Bassaglia. Auf ihrer homepage ist eine umfassende Vorstellung des Käfers zu finden, wer tiefer einsteigen will, kann das gerne tun.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Dämmerungs- Gegendämmerungsstrahlen

Liebe Bürgerpostleser,

am 26. Juni 2026 gab es ein phantastisches Himmelsphänomen. Ich glaube nicht, dass einer von uns so etwas schon gesehen hat:

Oder sollte ich mich täuschen? Dann freue ich mich auf eine Rückmeldung. Ein erstes Bild erhielt ich von Andrea Meyer aus Behla, aber die Qualität war leider zu schwach. Dann sah ich diese Bilder im Facebook. Dietmar Schweigler vom Randen hatte es eingestellt. Natürlich mit der Frage, was das ist. Ich konnte mit ihm Kontakt aufnehmen und Dietmar schickte mir die beiden Bilder und auch den selbst hergestellten Kartenausschnitt. Mit einer Veröffentlichung klärte er sich freundlicher Weise einverstanden. 

Ich war überfragt mit der Geschichte. In atmosphärischen Fragen ist Claudia Hinz vom Meteor e.V. meine Ansprechpartnerin. Sie schrieb: „Auf dem farbenprächtigen Bild sind Dämmerungs-, in der Fachsprache Crepuscularstrahlen zu sehen. Das sind Schatten entweder von entfernten Bergen oder, wie in unserem Fall, Wolken, die auf einer höher liegenden „Leinwand“ abgebildet werden“. Sehr schön sieht man dieses Phänomen auch auf meinen Bildern:

Jetzt geht’s um Bild 1. Und da kommt der Oberhammer. Diese Dämmerungsstrahlen können sich über den gesamten Himmel bis in den Gegendämmerungsbereich verlaufen. Deshalb werden sie Gegenstrahlen beziehungsweise Antikrepuskularstrahlen genannt. Und dieses relativ seltene Phänomen ist eindrucksvoll auf Bild 1 zu sehen. Man sieht übrigens auch den zunehmenden Mond rechts im Bild. Vielleicht muss man bewußt bei Dämmerungsstrahlen in die Gegenrichtung schauen, damit man sie wahrnehmen kann.

Etwas Interessantes ist erwähnenswert: Durch die Perspektive scheinen die Strahlen am Gegenpunkt der Sonne am Horizont wieder zusammenzulaufen – genau in die Richtung, in die das Foto aufgenommen wurde. In Wirklichkeit verlaufen sie nahezu parallel über viele Kilometer. Die scheinbare Zusammenlaufen ist derselbe perspektivische Effekt wie bei Eisenbahnschienen, die je weiter weg, umso näher sie sich kommen. Man kann es kaum nachvollziehen, aber jeder glaubt das mit den Eisenbahnschienen, oder? Das ist der zweite Oberhammer.

Die Karte zeigt, dass dass Bild 2 gegen die Sonne aufgenommen wurde und Bild 1 genau gegenüber. 

Herzlichen Dank an Dietmar Schweigler vom Randen für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Die Trinkerin

Liebe Bürgerpostleser,

am 3. Juli 2026 habe ich mich wegen des guten Wetters entschlossen, meine Mittagspause auf einer Liege im Vorgarten zum Ausruhen zu benutzen. Und was sehe ich da beim Ausklappen der Liege? Ein rätselhaftes, unscheinbares etwa 4 cm langes Objekt. Es haftete relativ fest am Gewebe, wenn man genau hinschaut, sieht man links oben Seidenfäden, die für Halt sorgen. Dann fällt am unteren Ende ein Loch auf. Was denkt Ihr, ist daraus der Falter herausgekrochen? Nein, das Loch ist eindeutig zu klein. Das Bild lässt erahnen, dass er nach oben geschlüpft ist. Dort sieht man auch die Sicherung des Kokons am Liegengewebe. 

Nun, Bild 1 und 2 sind um 14.12 Uhr aufgenommen worden und der Hammer ist, das Falterbild erst um 21.38 Uhr in der Dämmerung. Zwischenzeitlich muss er sich vor mir versteckt haben, um seine Flügel auszuhärten. Und dann kam er nochmal zurück, damit ich ein Foto machen durfte. (Es darf gelacht werden). Durch diesen freundlichen Akt war die Bestimmung des Lebewesens jedenfalls eindeutig, nur anhand des Kokons nicht. Trinkerin oder Grasglucke ist der Faltername. 

Das Loch am unteren Ende möchte ich noch kurz aufgreifen. Entweder es ist eine Beschädigung oder, und das wäre ein zweiter Hammer, das Loch stammt von einem Parasit, der den Kokon zu einem früheren Zeitpunkt verlassen hat. Allerdings wäre dann vermutlich kein gesunder Falter geschlüpft. 

Der Name „Trinkerin“ kommt daher, weil die Raupen regelmäßig Wassertropfen zu sich nehmen. Der zweite Name ist „Grasglucke“. Sie sind mittelgroße Nachtfalter, so dass sie als Falter schwer zu beobachten sind.

Zum näheren Kennenlernen hier der Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Grasglucke

Herzliche Grüße
Franz Maus

Mauerlehmwespe

Liebe Bürgerpostleser,

heute geht es wieder einmal um etwas aus der Insektenwelt. Mein langjähriger Chef und Tierzuchtkollege Wolf Brodauf aus Neustadt hat mir Bilder geschickt mit dem Vermerk „eine verrückte Geschichte“. Er und seine Frau Gisela haben festgestellt, dass an der Balkontür außen in einer waagrechten Rille etwas zementiert wurde. Das merkten sie aber erst, als kleine Klümpchen und Räupchen zu sehen waren. Es ging alles zügig von Statten, was denkt ihr, von vielen Individuen? Nein, nur von einem Weibchen der Frühen- oder Mauer-Lehmwespe,  einer solitären Faltenwespe. Das heißt, es existiert kein Volk wie bei den normalen Wespen. Die Mauer-Lehmwespen leben auf feuchten Wiesen, in offener Landschaft, gelegentlich in Gärten und anderen Gebieten, in denen ihre Futterpflanzen und bevorzugten Nistplätze vorkommen. Erwachsene Tiere ernähren sich von Pflanzensäften, Honigtau und Nektar verschiedener Pflanzen, hauptsächlich Wald-Engelwurz, Bärenklau, Brombeeren, Nachtschattengewächsen, Goldruten und Disteln.

Die Art bringt jährlich eine Generation hervor. Männchen treten von Juni bis September auf, während Weibchen zwischen Februar und Oktober beobachtet werden. Nach der Begattung sterben die Männchen, die Weibchen überwintern und erscheinen im Frühjahr wieder. Das ist doch der Hammer. 

Nester werden im Frühjahr und frühen Sommer gebaut, wie an Brodaufs Balkontür zu sehen. Sie bestehen aus Löchern oder Röhren in Holz mit Teilern aus Lehm; sie kann auch Nisthilfen für Wildbienen annehmen. Die Wespen legen ein Ei in jede Zelle und bringen gelähmte kleine Raupen ein, hauptsächlich von Wicklern. Diese gehören zu den Kleinschmetterlingen. Wenn die Larven schlüpfen, ernähren sie sich von dieser Beute. Ist das nicht der zweite Hammer? Gelähmte Raupen als Nahrungsdepot für die Mauer-Lehmwespen Larven. Nach dem Verschließen verlässt die Mutterwespe das Nest und kümmert sich nicht weiter darum.

Sie stechen nicht, sie helfen Raupen zu dezimieren und sie machen nichts kaputt, also freuen wir uns mit Gisela und Wolf, dass sie so etwas bei sich haben.

Vielen Dank Euch für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung des Beitrags. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Blaugrüne Mosaikjungfer

Liebe Bürgerpostleser.

schaut Euch die beiden Fotos an. Es sieht zweifelsohne spektakulär aus. Was denkt Ihr, dass es darstellt? Hat da die wunderschöne Libellenart „Blaugrüne Mosaikjungfer“ Beute gemacht und sich mit ihr auf dem Holzstapel niedergelassen, um sich in Ruhe dem Fressen hinzugeben? Auf den ersten Blick wäre diese Interpretation der Situation möglich oder nicht?

frisch geschlüpfte Libelle mit ihrer alten Haus
frisch geschlüpfte Libelle mit ihrer alten Haus

Aber diese Geschichte ist weitaus spektakulärer. Es zeigt den grandiosen Moment der Verwandlung einer Libellenlarve in die fertige Libelle. Hans Kindler aus Mundelfingen war zur rechten Zeit am richtigen Ort und dankenswerter Weise hat er mir die Bilder zur Verfügung gestellt.
Wie geht diese Verwandlung vor sich? Nach der Paarung werden die Eier von trächtigen Weibchen in Gewässer abgelegt. Dort entwickeln sie sich mit mehreren Häutungen zu gefräßigen fertigen Libellenlarven. Dieser Vorgang dauert ein bis zwei Jahre. Dann krabbelt sie an Land, um mit einer letzten Häutung die Verwandlung zum Land- und Luftwesen Libelle zu vollziehen. Ist das nicht ein absoluter Hammer?

Die Larvenhülle wird übrigens Exuvie genannt. Eine Libelle lebt je nach Art etwa ein bis drei Monate. Im Flug kann sie bis zu 50 km/h erreichen, kein Mensch ist so schnell. Ist es Euch schon aufgefallen, Großlibellen, wie die Mosaikjungfer haben die Flügel immer ausgebreitet, Kleinlibellen klappen sie nach dem Flug ein. Die Libelle kann zudem ihre Flügel unabhängig voneinander bewegen. Dadurch ist sie in der Lage, ihre Flugrichtung plötzlich zu ändern, in der Luft stehen zu bleiben und teilweise sogar rückwärts zu fliegen. Grandios.
Libellen sind Räuber und ernähren sich von anderen Tieren: Die Larven jagen verschiedene Wassertiere, ausgewachsene Libellen fangen ihre Beute, andere Insekten, im Flug. Libellen sind auch Lebewesen, die unser Sommergefühl steigern können.

Vielen Dank Hans Kindler für die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wer kennt den Vogel?

Liebe Bürgerpostleser,

endlich mal wieder ein Bericht über einen Vogel, werden manche von Euch vielleicht denken. Ihr dürft Euch gerne testen, schaut die Kollage an und zu welchem Schluß kommt ihr? Habt ihr eine Spur, welcher Vogel auf dem Nest sitzt?
Wie komm ich zu den Bildern? Ingo Kirchhoff aus Wietzen in Niedersachsen schickte mir sie dankenswerter Weise. „Schau mal Franz, es wird jede Höhle genutzt, wie hier in einem Fachwerkbalken, den ich im Garten aufgestellt habe“. Aber auch Ingo wußte nicht, welcher Vogel bei ihm brütet, denn auf meine Frage antwortete er „es müsste eine Gartengrasmücke oder so sein“. Apropos, seid ihr schon weiter in der Bestimmung?

Es ist ein Vogel, den ich aus meiner Kindheit kenne. Wir hatten einen großen Garten mit hohen Bäumen und da war er zu sehen. Am besten, wenn er sich von einem Ast in die Luft erhob, um ein Fluginsekt zu erbeuten. Das ist zu 💯 Prozent seine Jagdmethode. Farblich und gesanglich ist er kein Juwel, man hört ein „ziet“ oder ein warnendes „zie-tek-tek“. Er ist auch nicht lange bei uns, bereits Ende Juli verlässt er uns wieder, nachdem er erst im Mai gekommen ist. Diese kurze Zeit spielt vermutlich auch eine Rolle, dass er nicht so wahrgenommen wird.
Und, seid Ihr schon draufgekommen, wer es ist?
Die Nestform im Fachwerkbalken ist absolut typisch für ihn, man nennt ihn Halbhöhlenbrüter wie den Hausrotschwanz. Geschlossene Nistkästen haben keinen Wert für ihn. Im Fachhandel werden sie angeboten. Man kann sie aber auch einfach selber herstellen.
Die Art ist in Deutschland noch weit verbreitet, befindet sich aber seit Jahrzehnten in einem schleichenden Rückgang. Der Erhalt alter Bäume und naturnaher Gärten und ein hohes Insektenangebot gilt als entscheidend, um die Bestände langfristig zu stabilisieren. 

Bei den Lindenbäumen am Brigachufer in Donaueschingen habe ich in den letzten Jahren immer welche gesehen. Wer sowieso in Donaueschingen weilt, kann versuchen, ihn dort zu finden, ich bin überzeugt, das Beobachten wird Euch Freude bereiten. Achso, bevor ich es noch vergesse, wie heißt der nun beschriebene Bursche? Natürlich …….. Grauschnäpper.

Ingo, vielen Dank für die Überlassung der Bilder, die diesen Beitrag über den unscheinbaren Grauschnäpper ermöglicht haben.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Frauenschuh

Liebe Bürgerpostleser,

wenn ich es recht im Kopf habe, war der Frauenschuh noch nicht thematisiert. Dieses Jahr bewegen mich zwei Dinge, über ihn etwas zu schreiben, erstens seine Vermehrungsstrategie und zweitens die Anzahl Blüten pro Stängel. Ich habe mich erinnert, vor langer Zeit, genauer gesagt, vor 20 Jahren dreiblütige Stängel auf dem Tannbüel an einer Stelle gesehen zu haben. Und tatsächlich, im Archiv habe ich zwei Bilder heraus fischen können.

Ich finde drei Blüten pro Stengel sind etwas besonders Schönes beim eh schönen Frauenschuh. Ich denke, das könnt ihr nachvollziehen.  Dieses Jahr waren dreiblütige Fehlanzeige, es waren zwar viele zweiblütige Stengel zu sehen, aber nicht eine einzige dreiblütige. Auch ein Aufruf im Status gab keine positive Rückmeldung. Vielleicht auch hier noch der Aufruf, wer so etwas zu Gesicht bekommt, es mir bitte mitzuteilen.

Dann hat Karl Wild aus Maichingen beim Rundgang auf dem Tannbüel das Bild geschossen und mich aufgeklärt, wieso diese Wildbiene, vermutlich eine Sandbiene im Frauenschuh hockt.

Wenn Ihr befürchtet, dass der Frauenschuh eine fleischfressende Pflanze sei, so gebe ich knallharte Entwarnung. Es hängt mit der Vermehrungsstrategie zusammen. Die Blüte lockt kleine Insekten durch Farbe und Duft an. Die schuhförmige Lippe der Blüte ist wie eine Falle: Das Insekt rutscht hinein und kann nicht direkt wieder heraus. Das wird Kesselfallen-Prinzip genannt. Beim einzigen Ausgang muss das Insekt an den Pollensäcken vorbei. Hat es vorher Pollen von einer anderen Frauenschuh-Blüte mitgebracht, bleibt dieser an der Narbe hängen und die Blüte wird befruchtet. Danach entsteht eine Samenkapsel mit sehr vielen winzigen Samen.

Das Bild zeigt eine solche Kapsel vom letzten Jahr mit einer zweiblütigen Pflanze von diesem Jahr. Das Insekt nimmt neue Pollen mit und kann weitere Blüten besuchen, in die Falle gehen und befruchten. Das nenn ich mal einen Oberhammer.

Vor 20 Jahren habe ich das Bild geschossen mit der Haarfliege im Kessel, jetzt erst verstehe ich, dass auch sie zur Befruchtung beigetragen. Ist das nicht fantastisch? Die Samen haben kaum Nährstoffe. Sie können deshalb nur keimen, wenn sie mit bestimmten Bodenpilzen zusammenarbeiten, was die Vermehrung schwierig macht.

Zusätzlich kann sich der Frauenschuh über sein unterirdisches Rhizom, das ist ein unterirdisch wachsendes Sprossachsensystem, ausbreiten und neue Triebe bilden. Interessant ist auch, dass der Frauenschuh sehr langsam wächst – oft dauert es mehrere Jahre, bis aus einem Samen eine blühende Pflanze entsteht.

Zu guter Letzt nochmals ein Hammerbild. Seht Ihr die veränderliche Krabbenspinne? Veränderlich deshalb, weil sie Ihre Färbung der Umgebung anpasst. Gelb auf Gelb, bestens getarnt. Offenbar weiß sie instinktiv, dass da Insekten vorbeikommen an der Frauenschuhblüte zur Befruchtung. Seht Ihr, wie sie für eine liebevolle, sprich tödliche Umarmung vorbereitet ist? Der Frauenschuhkessel ist voller Beutetiere, also Verhungern mußte sie garantiert nicht. 

Also die nächsten Tage ist die Vollblüte vorbei, trotzdem lohnt sich noch eine Besuch zum Beispiel auf dem Hüfinger Orchideenpfad, auf Tannbühl und auf Schopfeln Rehletal bei Hattingen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Planeten und Nebensonnen

Liebe Bürgerpostleser, 

heute gehts ums Firmament. Das war am Donnerstag, den 21. Mai 2026 auf dem Bild zu sehen:

Links und rechts der Sonne zwei Nebensonnen und angedeutet nach oben ein Halo. Das war beeindruckend und viele haben es auch gesehen, die sich gemeldet haben, nachdem ich es in den Status gestellt hatte. Ich denke, Ihr wisst noch die Entstehungsgründe. Eiskristalle in großer Höhe brechen das Licht in seine Spektralfarben und zwar in einen Abstand von 22 ° von der Sonne in einer gedachte Linie parallel zur Sonne. Oberhalb und unterhalb kann das auch vorkommen, oben sieht man einen leichten Schimmer, unterhalb ist der Abstand von 22 ° nicht gegeben. Ich denke, Ihr seht den schwachen Halo überhalb der Nebensonnen, ebenfalls durch hochliegende Eiskristalle hervorgerufen. 

Das nächste Bild zeigt die Planeten Venus und Jupiter:

Venus und Jupiter

Ich denke Ihr wisst, wer was ist: Ganz klar, die Venus ist heller, weil sie uns viel näher ist als der Jupiter. Nach dem Mond ist sie das hellste am Firmament. Also rechts Venus und links Jupiter.

Der zeitliche Abstand zum letzten Bild beträgt 2 Tage und 52 Minuten. Das Bild unten ist am 23. Mai 2026 um 22.51 Uhr und das Bild oben am 25. Mai um 21.59 von unserem Westbalkon aus geschossen worden. Der Hammer ist, dass erst mit zunehmener Dunkelheit die Zwillingshauptsterne Castor und Pollux zu sehen sind. Man sieht die Leuchtkraft der Planeten, die von der Bestrahlung der Sonne herrührt, im Gegensatz zu den Sternen, die wie unsere Sonne leuchten. Das ist alles eine Entfernungsfrage. 

Venus und Jupiter und Zwillingshauptsterne Castor und Pollux

Ich finde, dass das auch eine schönes Bild abgibt. Das beste ist, dass Ihr das die nächsten Tage bei gutem Wetter selber beobachten könnt, denn heute ist ja erst der 27. Mai.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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