Liebe Bürgerpostleser,
heute seid Ihr wieder gefragt, was für ein Vogel hat sich hier bei Robert Hepp in Hohentengen, Kreis Sigmaringen auf seinem Balkon verirrt? Das Datum der Aufnahme ist der 16. September 2026.
Mehr sage ich nicht. Ich bin sehr gespannt, was Ihr heraus bekommt.
Dr. Franz Maus
Aspisviper und Schnurbaum
Liebe Bürgerpostleser,
nach der Aspisviper vom letzten Mal geht um den Baum, welche Baumart er ist und was für einen Umfang er hat. Der Umfang wurde deutlich unterschätzt, die Baumart hatten doch einige erkannt, ich war überrascht. „Japanischer Schnurbaum“ sagte die holländische Besitzerin des Landgutes, in dessen Vorhof dieser Prachtbaum stand. Sofort hatte er mich in den Bann gezogen.

Denn seine Ausmaße sind enorm. Hochinteressant ist die Geschichte dieser Baumart in Europa.
ChatGPT gibt schreibt:
„Die Geschichte lässt sich erstaunlich genau rekonstruieren – und sie beginnt nicht in Japan, sondern in Peking. Die wichtigste Quelle dafür ist heute das Muséum national d’histoire naturelle bzw. der Jardin des Plantes in Paris. Der französische Jesuit Pierre-Nicolas Le Chéron d’Incarville (1706–1757) lebte ab 1740 in China und war als Naturforscher sehr interessiert an Pflanzen. Er stand in Kontakt mit Bernard de Jussieu, einem der bedeutendsten französischen Botaniker seiner Zeit und Verantwortlichen am Jardin du Roi in Paris. D’Incarville sammelte Pflanzen und Samen in China und schickte sie nach Frankreich. 1747 sandte er Jussieu eine Sendung mit Samen, die lediglich als „unbekannte chinesische Bäume“ – bezeichnet waren. Darunter befanden sich die Samen des später als Japanischer Schnurbaum bekannten Baumes. Es handelte sich nicht um einen Baum, der aus Japan nach Frankreich gebracht wurde. Die Samen kamen aus China, wahrscheinlich aus dem Raum Peking. Bernard de Jussieu ließ die Samen dort aussäen. Sie keimten erstaunlich gut. Jussieu pflanzte einen der daraus entstandenen Bäume im Jardin des Plantes ein. Dieser heute noch vorhandene alte Schnurbaum gilt als das historische Exemplar aus dieser ersten Aussaat und als einer der ältesten, wenn nicht der älteste Schnurbaum Europas.
Das Muséum gibt für ihn heute etwa 19–21 Meter Höhe und einen Stammumfang vonetwa 112 cm Durchmesser an.
Zunächst wusste man nicht, welche Art daraus entstehen würde. Der Baum wuchs jahrelang, ohne Blüten zu zeigen. Erst 1779, also rund 32 Jahre nach der Aussaat, blühte der Pariser Baum zum ersten Mal. Erst anhand der Blüten konnte man ihn sicher botanisch identifizieren. Zu diesem Zeitpunkt war die Art bereits von Carl von Linné 1767 als Sophora japonica beschrieben worden – aufgrund eines Herbarexemplars, das man damals mit Japan in Verbindung brachte. Und genau daraus entstand der etwas irreführende Name „Japanischer Schnurbaum“. Heute weiß man, dass der Baum ursprünglich vor allem aus China und Korea stammt. Er wurde bereits lange vor seiner Ankunft in Europa in Japan kultiviert. Noch später stellte sich heraus, dass die Art botanisch gar nicht richtig in die Gattung Sophora gehört. Deshalb wurde sie 1830 in die Gattung Styphnolobium gestellt. Spannend ist die weitere Verbreitung. Denn Jussieu behielt die Samen nicht einfach im Jardin du Roi, sondern verteilte Samen an andere Botaniker und Gärten in Frankreich und England. Dadurch entstanden weitere Exemplare und der Baum begann sich in Europa zu verbreiten. Es gab beispielsweise weitere historische Exemplare in der Umgebung von Versailles. Auch andere französische Parks erhielten im Laufe der Zeit Schnurbäume. Später erwies er sich aber als ausgesprochen geeignet für das Pariser Stadtklima: Er ist langlebig, verträgt Trockenheit und städtische Bedingungen relativ gut und besitzt eine attraktive, leichte Krone. Deshalb wurde er zunehmend als Alleebaum und Straßenbaum verwendet. Heute ist er in Paris sehr häufig. Es gibt mehr als 11.000 erfasste Exemplare, womit der Schnurbaum mehr als fünf Prozent der registrierten Stadtbäume ausmacht.“
Diese Eigenschaft sorgt dafür, dass er gut dem Klimawandel standhält und beispielsweise in Freiburg in der Haslacher Straße bei der Schwarzwaldmilch die Straße säumt.
Jetzt zu unserem Baum. Vermutlich gehört er zu den ersten Exemplaren. Das Hofgut sei um 1700 entstanden, vielleicht ist er um 1750 gepflanzt worden. Durch meterweises Messen eines um den Stamm gelegten Verlängerungskabels kamen Michael und ich auf man höre und staune exakte 5 m Umfang in 1,30 cm Höhe. Das gibt etwa 160 cm Durchmesser. Erinnert Ihr Euch noch an die 112 cm des ersten Pariser Baumes? Wenn das kein Oberhammer ist. Die Bedingungen für diesen Schnurbaum müssen excellent gewesen sein.
Wenige von Euch haben die Dimension erkannt, 4 Meter schätzte der beste. Ohne Vergleich ist das natürlich schwierig. Mit mir und meinen ausgebreiteten Armen ist das anderst. Die Kohlwaldtanne zum Vergleich ist nur etwas dicker mit 512 cm.
Im Schutz des Fussbereichs fand sich eine Häuserschneckenart, die wir bei uns nicht kennen, die gefleckte Weinbergschnecke. Ungewohnt ist die dunkle Färbung der kriechenden Schnecke.

Herzliche Grüße
Franz Maus
Unten der Teil mit der Schlange am 23. September 2026
Liebe Bürgerpostleser,
Ich war selber unsicher, einige wenige haben den richtigen Tipp abgegeben. Schlangenkenner Dr. Gerrit Müller aus Neustadt, schrieb nur „Aspisviper“ mit Ausrufezeichen (!).
Und ich durfte sie sehen, ein absoluter Oberhammer. Spannend ist auch die Geschichte, wie die Bilder zustande kamen. Sohn Michael und ich kamen von einem Naturspaziergang in unsere Ferienwohnung bei Orleans. Beim Haustüröffnen denke ich, Mann, was kriecht da vorbei an der Wand entlang.
Bild 3 zeigt die Wand, zwei Steine waren dort angelehnt. Zunächst verschwand sie hinter dem großen ersten, der bot ihr anscheinend zu wenig Deckung. Deshalb verzog sie sich hinter den zweiten kleineren. Dann war Ruhe.
Das Bild zeigt, was ich gemacht habe, nämlich den Stein mit der linken Hand ganz ruhig oben von der Wand weggezogen, so dass Michael dieses schöne Bild 1 gelingen konnte. Ob ihrs glaubt oder nicht, ich versuchte mit der anderen Hand auch zu fotografieren, aber ich war zu langsam. Denn sie entrollte sich und verdrückte sich weiter an der Wand entlang, bis ein Busch ihr vollkommene Deckung gab. Toll war, dass Michael nochmals die Schlange in ganzer Länge aufnehmen konnte, siehe Bild 2.
Interessant war für mich, dass die Schlange beim Abmarsch seltsame relativ leise Geräusche von sich gab. Vielleicht wollte sie sagen, lasst mich ja in Ruhe, sonst beiß ich Euch. Natürlich habe ich die Bilder Google lens und ChatGPT geschickt, aber letztlich war ich froh und dankbar, dass Dr. Gerrit Müller „Aspisviper“! schrieb.
Das war ein Erlebnis, kann ich Euch sagen. Es hat mich etwas daran erinnert, als Cathrin Schelshorn in Ischgl eine Kreuzotter auf Ihren Skistock nahm, ihr erinnert Euch sicherlich noch. Die Aspisviper ist die zweite Giftschlange Deutschlands und der Hammer ist, sie kommt nur im Südschwarzwald auf einer relativ kleinen Fläche vor.
Leider bin ich ihr bei meinen Außendiensten im Hinterwäldergebiet auf den Weideflächen nicht begegnet. Wie die Kreuzotter ist sie lebendgebärend. Unser fotografiertes Exemplar war etwa 50 cm lang, ausgewachsen können sie 85 cm erreichen. Sie werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif. Schaut auf den Kopf, typisch für Vipern ist die etwas vom Körper abgesetzte Dreiecksform. Das Band auf dem Rücken ist nicht gleichmäßig wie das Zickzackband der Kreuzotter. Das ist sehr gut zu sehen auf dem Bild.
Wer weiteres zu dieser interessanten Schlange wissen will, schaue unter https://de.wikipedia.org/wiki/Aspisviper.
Was sich in diesem Fall bestätigt hat, dass Schlangen vor dem Menschen die Flucht ergreifen und nur im Ausnahmefall zubeißen. So ein Ausnahmefall passierte vor kurzem im Schweizer Jura, als ein Kletterer von einer Asisviper in die Hand gebissen wurde: www.alpin.de/kletterer_von_giftschlange_gebissen__aufwendiger_rettungseinsatz. Er überlebte. Im übrigen ist die Giftwirkung der Aspisviper nicht ganz so stark wie die der Kreuzotter.
Vielen Dank allen fürs Miträtseln. Nächste Woche ist der Kracherbaum an der Reihe.
16. September 2026
Liebe Bürgerpostleser,
um etwas Abwechslung anzubieten, seid Ihr dieses Mal gefragt.
Erste Frage, welchen Umfang in 1,30 Meter Höhe hat dieser Baum?
Zweite Frage, um welche Baumart handelt es sich?
Dritte Frage, welche Schlangenart seht Ihr auf den beiden Bildern?
Kleiner Tipp, sie kommt in Deutschland nur im Südschwarzwald vor.
Ich bin gespannt auf Eure Antworten. Die Auflösung folgt im nächsten Beitrag.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Zirkumzenitalbogen
Liebe Bürgerpostleser,
heute möchte ich Euch etwas „Himmlisches“ zeigen. Auf Bild 1 ist es nur schwach zu sehen, aber ich bin mir sicher, Ihr seht es mit etwas Mühe, wie es mir auch ergangen ist. Einen Farbbogen als Kreisausschnitt im unteren Teil des Bildes. Ich sah das am 22. August 2026 abends um 19.17 Uhr. Jetzt kommt der Hammer, ich erinnerte mir, dass ich so etwas schon einmal gesehen und fotografiert habe, und der Oberhammer ist, dass ich es relativ flott gefunden habe. Und zwar am 11. Juni 2017. Bild 2 und 3 zeigen das Phänomen noch um einiges deutlicher.
Habt Ihr eine Ahnung, was es sei könnte? Ich bin fündig geworden beim Arbeitskreis Meteore e.V. https://www.meteoros.de/themen/halos/haloarten. Es handelt sich um einen Zirkumzenitalbogen (Abkürzung ZZB). Er ist eine Haloerscheinung, wie die Nebensonne, die ich kürzlich am 2. September von Pfohren-Mittelmeß aus aufgenommen durfte. Der ZZB sei eine der schönsten und farbenprächtigsten Haloerscheinungen. Seine Farbigkeit und Helligkeit kann dem Regenbogen gleichkommen. Daher wurde er auch schon häufiger mit einem Regenbogen verwechselt. Im Gegensatz zum Regenbogen, der einen Kreis um den Sonnengegenpunkt bildet, ist der Zirkumzenitalbogen ein Bogen um den Zenit, wobei nur der zur Sonne gerichtete Teil zu sehen ist. Normalerweise ist etwa ein Viertel eines Kreisbogens sichtbar, in Ausnahmefällen auch ein Halbkreis. Bei einer Sonnenhöhe von 32° über dem Horizont verschwindet der Zirkumzenitalbogen im Zenit. Seine größte Helligkeit erreicht der Zirkumzenitalbogen bei einem Sonnenstand von 22,1°. Zwischen 15° und 25° Sonnenhöhe wird er am häufigsten gesehen.
Der Zirkumzenitalbogen entsteht genauso wie die Nebensonnen an horizontal schwebenden Eisplättchen. Hier tritt das Licht allerdings an der Basisfläche des Plättchens ein und an einer Seitenfläche wieder aus. Da die Seitenflächen senkrecht zur Basisfläche sind, beträgt der Brechungswinkel 90°. Falls Nebensonnen sichtbar sind, besteht, insbesondere bei einer Sonnenhöhe zwischen 15° und 25°, eine große Wahrscheinlichkeit, dass auch der Zirkumzenitalbogen gesehen werden kann. Leider ist der Zirkumzenitalbogen kaum jemandem bekannt, obwohl er fast ebenso häufig wie der Regenbogen auftritt. Der Hauptgrund dafür liegt wohl darin, dass man fast senkrecht nach oben schauen muss, um ihn zu sehen. Das sollte nach diesem Beitrag nicht mehr passieren. Einfach bei den beschriebenen Konstellationen mit den Blicken hinauf in den Zenit, liebe Beitragsleser. Ich werde mich auch daran halten, weil es mir auch jetzt erst klargeworden ist.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Kohlwaldtanne
Liebe Bürgerpostleser,
mögt Ihr auch stattliche große Bäume? Dann dürftet Ihr begeistert sein, was heute an der Reihe ist. Es geht um die Kohlwaldtanne. Ein wahrer Koloß, aber bisher wenig bekannt komischerweise. Wolf Hockenjos, der Tannenexperte in Baden Württemberg und Buchautor unter anderem von „Tannenbäume: Eine Zukunft für abies alba“, schrieb mir, nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte: „Donnerwetter – was für ein stattliches Exemplar! Ich schäme mich schier, dass ich die Kohlwaldtanne bisher nicht gewürdigt habe. Ich habe sie heute per Rad besucht und danke Ihnen nachträglich nochmals für den Tipp“! Das will etwas heißen aus solch profundem Munde.
Nun, eigentlich kenne ich sie schon seit wir nach Hausen vor Wald gezogen sind vor 30 Jahren. Denn sie steht in unmitelbarer Nähe zur Kohlwaldhütte unweit des Waldweges von Hausen vor Wald nach Mundelfingen. Am 11. Januar 2026 brachte mich unser Nachbar Wolfgang Schorp auf die Idee, sie genauer mit ihm anzuschauen. „Das musst Du gesehen haben, wie ihr Stammfuß aussieht“. Und in der Tat, schaut Euch die Bilder an, kann man da glauben, dass dieser Baum nicht schon längst abgestorben ist? Nein, er macht einen vitalen Eindruck und wir hoffen, dass er noch deutlich älter und dicker werden darf. Grund sind Verletzungen durch Holzschleifen, in der Nähe war ein Holzlagerplatz.
Ihr kennt meine Art, den Durchmesser zu bestimmen? Ganz einfach, Ihr seht es auf Bild 2 und auf Bild 4. Gemäß Leonardo da Vinci entspricht die Breite der ausgebreiteten Arme der Größe seines Menschen. Ihr könnt das gerne bei Euch testen. Ich bin 174 cm groß, wie ist dann der Durchmesser auf Bild 2 und Bild 4? Auf Bild 2 sage ich 170 cm und auf Bild 4 werden es etwa 150 cm sein. Bild 4 ist gegenüber von Bild 2 aufgenommen worden. Zwei Gründe für den Unterschied gibt es, der Stamm ist nicht rund und bei Bild 4 stehe ich höher als bei Bild 2. Der Umfang wird gerechnet Durchmesser mal der Zahl „pi“, die etwa 3,14 entspricht. Bei 170 cm ergibt sich ein Umfang von 533,8 cm und bei 150 cm Durchmesser beträgt der Umfang 471 cm. Am 13. Juli bat ich Wolfgang, zur Umfangmessung mitzugehen. Könnt Ihr das Ergebnis lesen auf dem Bild unten?

Das Fünfmeter Maßband reichte nicht aus, ich schätze, 512 cm ist passend. Bei solchen Messungen besteht die Forderung, dass in Brusthöhe gemessen wird. Brusthöhe ist aber kein eindeutiger Begriff, den es eigentlich mit einer genauen Zahl, zum Beispiel 140 cm ersetzt gehört. Eine der stärksten Tannen im Ländle ist die Großvatertanne bei Freudenstadt. In Brusthöhe hat sie 528 cm und in einem Meter Höhe 560 cm Umfang. Die Kohlwaldtanne ist sehr nah dran, echt hammerhart.

Was macht Wolfgang auf dem Bild? Er vermißt die Tanne mithilfe eines gleichschenkligen Dreiecks. Er kam auf über 45 m Höhe. Die Großvatertanne ist 46 Meter hoch. Unten habe ich die auch stattliche Weißtanne beim Waldlehrpfad zur Gauchach zum Vergleich dargestellt. 2017 kam sie auf 339 cm Umfang, man kann sagen, ein Zwerg gegen die 512 cm der Kohlwaldtanne.

Historisch interessant ist das letzte Bild. Hans Hasenfratz aus Mundelfingen hat es mir zur Verfügung gestellt. Es zeigt die Musikkapelle Mundelfingen und stammt aus dem Jahre 1983. Was sehen wir im Hintergrund? Die Kohlwaldtanne und das Holzlager. Grund der Aufnahme sei kein Jubiläum gewesen, sondern das Schützenfest „Preussisch Oldenburg“ bei Minden.

Wilde Karde
Ihr erinnert Euch noch, dass die wilde Karde vor nicht allzu langer Zeit Thema war wegen Ihrer Wassertanks.

Ich mache sie nochmals zum Thema und zwar aus dem einfachen Grund, wegen der Frage, ob der Fruchtstand Samen enthält oder nicht. Ihr könnt Euch schon einmal Gedanken machen.

Zunächst wollen wir aber noch anschauen, wie Schmetterlinge die lilablauen Blüten besuchen.

Das Bild zeigt zwei Kaisermäntel und ein Tagpfauenauge. Kaisermäntel waren die meisten Vertreter, bis zu zehn waren gleichzeitig an den zwei Pflanzen zu sehen.

Das Bild oben schmückt ein schöner Zitronenfalter, so wie er aussieht, ist er noch nicht allzu lange geschlüpft . Wahrscheinlich tragen Schmetterlinge auch zur Befruchtung des Samens bei. Nach der Blüte sehen alle Blütenstände wie tot aus. Vom optischen Eindruck her dachte ich, da sollte kein Samen mehr vorhanden sein. Das dachten übrigens auch viele Betrachter, die meinen Status zu diesem Thema angeschaut hatten. „Leer“ schrieben einige kurz und knapp.
Also ging ich der Sache auf den Grund und schnitt einen Fruchtstand ab. Ich klopfte ihn auf weißem Papier aus und siehe da, viele kleine braune Partikel fielen heraus.

Zunächst dachte ich, das sei der Samen. Aber als ChatGPT die Samengröße mit 3 bis 5 mm Länge und 1 bis 2 mm Breite angab, war klar, dass das nicht der Same war. Vermutlich waren es Blühreste. Jetzt half nur noch eines, den Fruchtstand auseinanderschneiden. Das Ergebnis zeigt sich unten sehr eindrucksvoll, der Same ist in einer Vielzahl vorhanden und das grün zeigt, dass er noch nicht vollens abgereift ist. Wenn das kein Hammer ist, dann weiß ich auch nicht, was man noch schreiben kann.

Annelie aus Uttenhofen gab eine sehr gute zielsichere Antwort: „Meiner Meinung nach ist der Same noch drin. Denn die Distelfinken hängen immer erst spät im Jahr an den Karden“. Sagenhaft beobachtet Annelie. Dafür gibt’s den Oberhammer.

Wenn möglich, will ich die Karden stehen lassen, bis ich Stieglitze/Distelfinken beim Herauspicken des Samens bestaunen kann.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Rotes Ordensband
Liebe Bürgerpostleser,

am 15. Juli 2026 sah ich glücklicher Weise an unserer Hauswand den realtiv großen Falter ruhen. Schaut Euch seine großen Augen an, sofort ist klar, das es ein Nachfalter ist. Sie zeichnen sich zudem durch wenig Farbpracht aus im Vergleich zu den Tagfaltern. Ich hatte einen Verdacht, wer es sein könnte, aber dazu musste ich die Unterflügel sehen. Ich versuchte ihn, dazu zu bewegen, aber das gefiel ihm nicht und er flog weg. Allerdings konnte ich die Unterflügel erkennen und mir war klar, entweder es ist das rote Ordensband oder ein Weidenkarmin. Diese Entscheidung lassen wir noch etwas offen. Ich hoffte, ihn nochmals zu sehen und mit den Unterflügeln abzulichten. Was jetzt kommt hört sich fantastisch an. Tatsächlich sah ich ihn tagsdarauf auf der Norseite unseres Hauses sehr aufgeregt hin- und herfliegen. Ich befürchtete, dass es nichts wird mit dem Unterflügelbild. Und jetzt kommt der absoluter Oberhammer: Unbedachter Weise hatte ich die Hintertür einen Spalt offengelassen und was macht der Kerle? Genau, er fliegt hinein, ich vermute, weil er gemerkt hat, dass es drinnen kühler ist. Egal, man kann auch interpretieren, damit ich das Bild schießen konnte:

Denn schnell machte ich die Tür zu. Er wollte wieder über den hellen Glasteil der Türe hinaus und ich konnte abdrücken. Kommt da nicht etwas Herrliches heraus auf den Unterflügeln? Und durch die Fotografie gegen das Licht sieht man auch die hellen Partien im Oberflügel, nicht schlecht Herr Specht. Ich ließ ihn anschließend in Ruhe auf die Nacht vorbereiten. Zu später Stunde gegen 23.30 Uhr war er im Obergeschoß, beim Licht anmachen sah ich ihn herumfliegen. So, was tat ich dann? Ich machte im Bad das Licht an, wie erhofft, flog er hinein, setzte sich an die Decke und ich konnte ihn mit einem Plastikbehälter einfangen und in die Nacht entlassen. Wow, was für ein Geschichte.

Dann erinnerte ich mich, dass ich diesen Gesellen schon einmal hatte im Jahre 2015, das schöne Bild oben stammt von damals. Sie erinnern sich vielleicht noch, ich hatte eine schmackhafte Mixtur an unseren Apfelbaum gestrichen und neben vielen anderen Nachtgestalten tauchte auch er auf. Damals habe ich ihn als Weidenkarmin bestimmt. Jetzt ging es noch um diese Frage, was ist er in Wirklichkeit und was war der von 2015. Langer Rede kurzer Sinn, beides Mal war es ein rotes Ordensband. Der Hauptunterschied ist die graue statt braune Grundfärbung mit mehr Struktur beim Weidenkarmin. Grundsätzlich heißt es, eine Unterscheidung ist nicht einfach.
Übrigens, die Unterflügel zeigt er im Sitzen deshalb, um mögliche Feinde zu erschrecken.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Schneckenhauskäfer
Liebe Bürgerpostleser,
das ist wieder so eine Geschichte, kann ich Euch sagen. Um halb zwei am 15. Juli 2026 entdeckte ich das Getier auf der Nordseite an unserer Hauswand. Ich dachte mir beim Anblick absolut nichts Spektakuläres. Als aber Goggle Lens zum Bild folgendes ausspuckte, „es handelt sich um die Larve eines Schneckenhauskäfers. Diese Larven sind Schneckenräuber und ernähren sich von Schnecken, oft auch in deren Häusern“.

Schneckenhauskäfer, Larve und Ernährung der Larven von Schnecken oft auch in deren Häusern? Ein absoluter Hammer finde ich. Wer hat das schon einmal gehört oder gesehen? Wenn gesehen, dann vermute ich, dass keiner solches vermutet hat. Für mich jedenfalls hat es zugetroffen. Man muss eben immer mit etwas Besonderem rechnen und den Foto dabei haben. Und dran denken, Google Lens darüberlaufen lassen, dann dürfen solche Dinge passieren.
Die Larven sind braun/schwarz gefärbt und besitzen eine auffällige Behaarung, besonders am Rücken des Hinterleibes. Das ist sehr schön zu sehen. Sie erreichen eine Länge von etwa 13 bis 35 mm. Der abgebildete auf Bild 1 war etwa 30 mm lang.

Bild 2 zeigt eine Larve, die sich an eine kleine Schnecke mit Haus heranmacht. Man sieht, dass das Schnecklein in furchtsamer Vorahnung, was passierern wird, versucht, sich ins Schneckenhaus zurückzuziehen. Das grandiose Bild ist in Wikipedia eingestellt und stammt von Cécile Bassaglia. Auf ihrer homepage ist eine umfassende Vorstellung des Käfers zu finden, wer tiefer einsteigen will, kann das gerne tun.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Dämmerungs- Gegendämmerungsstrahlen
Liebe Bürgerpostleser,
am 26. Juni 2026 gab es ein phantastisches Himmelsphänomen. Ich glaube nicht, dass einer von uns so etwas schon gesehen hat:
Oder sollte ich mich täuschen? Dann freue ich mich auf eine Rückmeldung. Ein erstes Bild erhielt ich von Andrea Meyer aus Behla, aber die Qualität war leider zu schwach. Dann sah ich diese Bilder im Facebook. Dietmar Schweigler vom Randen hatte es eingestellt. Natürlich mit der Frage, was das ist. Ich konnte mit ihm Kontakt aufnehmen und Dietmar schickte mir die beiden Bilder und auch den selbst hergestellten Kartenausschnitt. Mit einer Veröffentlichung klärte er sich freundlicher Weise einverstanden.
Ich war überfragt mit der Geschichte. In atmosphärischen Fragen ist Claudia Hinz vom Meteor e.V. meine Ansprechpartnerin. Sie schrieb: „Auf dem farbenprächtigen Bild sind Dämmerungs-, in der Fachsprache Crepuscularstrahlen zu sehen. Das sind Schatten entweder von entfernten Bergen oder, wie in unserem Fall, Wolken, die auf einer höher liegenden „Leinwand“ abgebildet werden“. Sehr schön sieht man dieses Phänomen auch auf meinen Bildern:
Jetzt geht’s um Bild 1. Und da kommt der Oberhammer. Diese Dämmerungsstrahlen können sich über den gesamten Himmel bis in den Gegendämmerungsbereich verlaufen. Deshalb werden sie Gegenstrahlen beziehungsweise Antikrepuskularstrahlen genannt. Und dieses relativ seltene Phänomen ist eindrucksvoll auf Bild 1 zu sehen. Man sieht übrigens auch den zunehmenden Mond rechts im Bild. Vielleicht muss man bewußt bei Dämmerungsstrahlen in die Gegenrichtung schauen, damit man sie wahrnehmen kann.
Etwas Interessantes ist erwähnenswert: Durch die Perspektive scheinen die Strahlen am Gegenpunkt der Sonne am Horizont wieder zusammenzulaufen – genau in die Richtung, in die das Foto aufgenommen wurde. In Wirklichkeit verlaufen sie nahezu parallel über viele Kilometer. Die scheinbare Zusammenlaufen ist derselbe perspektivische Effekt wie bei Eisenbahnschienen, die je weiter weg, umso näher sie sich kommen. Man kann es kaum nachvollziehen, aber jeder glaubt das mit den Eisenbahnschienen, oder? Das ist der zweite Oberhammer.

Die Karte zeigt, dass dass Bild 2 gegen die Sonne aufgenommen wurde und Bild 1 genau gegenüber.
Herzlichen Dank an Dietmar Schweigler vom Randen für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Die Trinkerin
Liebe Bürgerpostleser,
am 3. Juli 2026 habe ich mich wegen des guten Wetters entschlossen, meine Mittagspause auf einer Liege im Vorgarten zum Ausruhen zu benutzen. Und was sehe ich da beim Ausklappen der Liege? Ein rätselhaftes, unscheinbares etwa 4 cm langes Objekt. Es haftete relativ fest am Gewebe, wenn man genau hinschaut, sieht man links oben Seidenfäden, die für Halt sorgen. Dann fällt am unteren Ende ein Loch auf. Was denkt Ihr, ist daraus der Falter herausgekrochen? Nein, das Loch ist eindeutig zu klein. Das Bild lässt erahnen, dass er nach oben geschlüpft ist. Dort sieht man auch die Sicherung des Kokons am Liegengewebe.

Nun, Bild 1 und 2 sind um 14.12 Uhr aufgenommen worden und der Hammer ist, das Falterbild erst um 21.38 Uhr in der Dämmerung. Zwischenzeitlich muss er sich vor mir versteckt haben, um seine Flügel auszuhärten. Und dann kam er nochmal zurück, damit ich ein Foto machen durfte. (Es darf gelacht werden). Durch diesen freundlichen Akt war die Bestimmung des Lebewesens jedenfalls eindeutig, nur anhand des Kokons nicht. Trinkerin oder Grasglucke ist der Faltername.
Das Loch am unteren Ende möchte ich noch kurz aufgreifen. Entweder es ist eine Beschädigung oder, und das wäre ein zweiter Hammer, das Loch stammt von einem Parasit, der den Kokon zu einem früheren Zeitpunkt verlassen hat. Allerdings wäre dann vermutlich kein gesunder Falter geschlüpft.
Der Name „Trinkerin“ kommt daher, weil die Raupen regelmäßig Wassertropfen zu sich nehmen. Der zweite Name ist „Grasglucke“. Sie sind mittelgroße Nachtfalter, so dass sie als Falter schwer zu beobachten sind.
Zum näheren Kennenlernen hier der Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Grasglucke
Herzliche Grüße
Franz Maus
Mauerlehmwespe
Liebe Bürgerpostleser,
heute geht es wieder einmal um etwas aus der Insektenwelt. Mein langjähriger Chef und Tierzuchtkollege Wolf Brodauf aus Neustadt hat mir Bilder geschickt mit dem Vermerk „eine verrückte Geschichte“. Er und seine Frau Gisela haben festgestellt, dass an der Balkontür außen in einer waagrechten Rille etwas zementiert wurde. Das merkten sie aber erst, als kleine Klümpchen und Räupchen zu sehen waren. Es ging alles zügig von Statten, was denkt ihr, von vielen Individuen? Nein, nur von einem Weibchen der Frühen- oder Mauer-Lehmwespe, einer solitären Faltenwespe. Das heißt, es existiert kein Volk wie bei den normalen Wespen. Die Mauer-Lehmwespen leben auf feuchten Wiesen, in offener Landschaft, gelegentlich in Gärten und anderen Gebieten, in denen ihre Futterpflanzen und bevorzugten Nistplätze vorkommen. Erwachsene Tiere ernähren sich von Pflanzensäften, Honigtau und Nektar verschiedener Pflanzen, hauptsächlich Wald-Engelwurz, Bärenklau, Brombeeren, Nachtschattengewächsen, Goldruten und Disteln.
Die Art bringt jährlich eine Generation hervor. Männchen treten von Juni bis September auf, während Weibchen zwischen Februar und Oktober beobachtet werden. Nach der Begattung sterben die Männchen, die Weibchen überwintern und erscheinen im Frühjahr wieder. Das ist doch der Hammer.
Nester werden im Frühjahr und frühen Sommer gebaut, wie an Brodaufs Balkontür zu sehen. Sie bestehen aus Löchern oder Röhren in Holz mit Teilern aus Lehm; sie kann auch Nisthilfen für Wildbienen annehmen. Die Wespen legen ein Ei in jede Zelle und bringen gelähmte kleine Raupen ein, hauptsächlich von Wicklern. Diese gehören zu den Kleinschmetterlingen. Wenn die Larven schlüpfen, ernähren sie sich von dieser Beute. Ist das nicht der zweite Hammer? Gelähmte Raupen als Nahrungsdepot für die Mauer-Lehmwespen Larven. Nach dem Verschließen verlässt die Mutterwespe das Nest und kümmert sich nicht weiter darum.
Sie stechen nicht, sie helfen Raupen zu dezimieren und sie machen nichts kaputt, also freuen wir uns mit Gisela und Wolf, dass sie so etwas bei sich haben.
Vielen Dank Euch für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung des Beitrags.
Herzliche Grüße
Franz Maus


























