Vogelführung

Liebe Bürgerpostleser, 

habt Ihr eine Vorstellung davon, wie viele Vogelarten man sehen und/oder hören kann bei einer gut dreieinhalbstündigen Exkursion? Als mögliche Hilfestellung gebe ich bekannt, dass es weltweit etwa 10.000 Vogelarten gibt. In Deutschland kennt man etwa 250 Brutvogelarten. Und wie viele haben wir am Samstag, den 9. Mai ab 7 bis 10.30 Uhr erleben dürfen? Die tolle Anzahl von 50 Arten. Hättet Ihr das gedacht? 

Die Exkursion wurde organisiert von den Freunden der Natur Hüfingen. An den Start gingen elf Personen. Die Umrundung des Hüfinger Riedsees war das Exkursionsareal. Die ersten gut 1,5 Stunden waren von Nebel begleitet und mit 3° Celsius war es recht frisch, so dass nur zwei mit dem Fahrrad anreisten. Das Hören aus dem Nebel war zu Beginn der wichtigste Sinn. Hilfreich war, dass einige Teilnehmer Vogelstimmenapps zur Hand hatten. Aber man durfte sich nicht voll darauf verlassen, es wurde zum Beispiel die Heidelerche genannt, die aber nicht zu sehen/hören war. 

Thomas Kring hat mit seinem starken Tele die Aufnahmen unten gemacht. Auf den Bildern ist u.a. ein brütendes Bläßhuhn auf einem Schilfnest und ein Flußregenpfeifer, der seine Eier ausbrütet. Nachdem wir merkten, dass er sich gestört fühlt, sind wir weitermarschiert. Auf einem Bild ist ein Rohrammermann, der wegen seines Gesangs auch Rohrspatz genannt wird. Er ist auf Schilf und Röhricht als Lebensraum angewiesen. Im Wald und auf der Heide sucht man ihn vergebens. Thomas hat eine Wiesenschafstelze super beim Tanz für die Erlangung der Gunst des Weibchen erwischt. Zum Schluß ist ein Biber durch den Riedsee geschwommen, logischerweise kein Vogel, aber wann sieht man schon einmal einen Biber? Es ist zumindest mein erster.  

  • Am Riedsee beim Vogelspaziergang


Wenn Ihr Lust habt, geht die alphabetische Liste von Amsel bis Zaunkönig durch und überlegt, welche Arten ihr erkannt hättet im Sehen aber auch im Hören. Eine solche Vogelführung schafft Sicherheit im Bestimmen und im Erkennen von Rufen und Gesängen. Wer in Sachen Vögel etwas dazulernen möchte, kann sich freuen, als Teilnehmer mitzugehen. Hocherfreut waren wir, den Kuckuck zu hören, weil das heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Erwähnenswert sind Zilzalp und Fitis, die nur über den sehr unterschiedlichen Gesang zu unterscheiden sind.

Bei der Führung 2025 waren nur 43 Arten zu benennen, dieses Jahr 50. Womit hängt das zusammen? Ganz einfach, weil das Landschaftsgefüge dieses Jahr vielfältiger war mit Wald, See und Freiflächen als 2025 im Hammeltal. Je reicher strukturiert eine Landschaft, desto mehr Arten können existieren. 

Vielleicht habe ich Euer Interesse geweckt, dann macht mit bei einer Führungen z.B. am Tag der Artenvielfalt da gehts ins Hammeltall und den Hüfinger Orchideenwald: https://www.freunde-der-natur-huefingen.de/veranstaltungen/

Falls sich auf diesen Beitrag jemand meldet, könnte man überlegen, spontan ein Angebot zu machen.

Herzliche Grüße

Franz Maus

Staubwanze

Liebe Bürgerpostleser, 

schaut Euch diese Bilder an, so etwas Skuriles habe ich noch nie gesehen. Gabi Schroll aus Mundelfingen schickte mir die zwei Bilder und fragte, „kannst du mir helfen, was das denn für eine Spinne ist“?

eine Staubwanze
eine Staubwanze

Sie hatte die Tierchen beim Holzumstapeln entdeckt. Zur Beruhigung von Cathrin Schelshorn vom Feldberg konnte ich feststellen, dass es keine Spinne ist. Wieso nicht? Weil Spinnen keine sechs, sondern acht Beine haben. Sechs Beinen haben Insekten und im Regelfall auch deren Larven. Ich weihte Dr. Hans-Peter Straub aus Königsfeld ein. Er schrieb, „ich habe dir vor einem Jahr das selbe Tierchen geschickt, es ist eine Staubwanze“.

eine Staubwanze

„Okay, aber Dein Exemplar war deutlich weniger staubig als die Exemplare von Gabi“. Deswegen hatte ich es auch schnell wieder vergessen.  Wikipedia schreibt: Die Staubwanze stammt aus der Familie der Raubwanzen. Kennzeichnend für das Insekt ist das Tarnungsverhalten ihrer Nymphen. So werden die Larven genannt. Diese bedecken sich mit dem verfügbaren Substrat der Umgebung wie Staub, Sägemehl und Sandkörner, bis sie beinahe unsichtbar werden. Sie werden auch „Maskierter Strolch“ oder „Kotwanze“genannt.

Die Staubwanze besiedelt ganz Europa bis nach Nordafrika. Als Kulturfolger lebt sie in alten Häusern, in Ställen und auf Dachböden ebenso wie auf Müllplätzen. 

Die ausgewachsenen Tiere, Imagos genannt, werden mit 15 bis 19 mm recht groß und sind einfarbig schwarz oder schwarzbraun gefärbt. Die Nymphen durchlaufen fünf Stadien und wachsen von wenigen Millimetern bis auf eine Länge ähnlich der Endgröße der erwachsenen Tiere heran. Die Tiere ernähren sich ausschließlich räuberisch von verschiedenen Gliederfüßern (Arthropoden), beispielsweise von Vorratsschädlingen oder von das Licht anfliegenden Insekten. Die Wanzen verfügen am Ende der Vorderschienen über ein Haftpolster aus dicht stehenden Haaren zum Festhalten der Beute. Diese wird durch einen auch für den Menschen sehr schmerzhaften Stich rasch getötet und ausgesaugt. Sowohl die erwachsenen Tiere als auch die Nymphen sind in der Lage, längere Hungerperioden zu überstehen, wodurch sich jedoch deren jeweilige Entwicklung verzögert. Ein Generationszyklus kann daher bis zu drei Jahre betragen mit zwei Überwinterungen der Nymphen. Ein berechtigter Hammer. 

Die Nymphen zeigen ein ausgeprägtes Maskierungsverhalten zum Schutz gegen Fressfeinde. Sie laden sich sofort nach jeder Häutung mit den Hinterbeinen Staub und andere Schmutzpartikel auf die Körperoberfläche und auf die Beine. Diese Partikel bleiben aufgrund klebriger Ausscheidungen spezieller Drüsenhaare haften. Die Fühler und die Tarsen bleiben dabei frei. So sind die Tiere zum einen prima getarnt, zum anderen vergeht möglichen Fressfeinden aufgrund des Schmutzes der Appetit. Das ist einfach gesagt ein Oberhammer. 

Regenwurm umhüllt von Buchenblühresten

Das Bild schickte mir Ingo Kirchhoff aus Wietzen, zu sehen ist auch ein getarntes Tier, aber unabsichtlich. Erkennt Ihr den Regenwurm umhüllt von Buchenblühresten? 

Vielen Dank Gabi, Hans-Peter und Ingo für die Überlassung der Bilder. Wäre doch schade gewesen, wenn es nicht diesen Beitrag hätte geben können. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Zauneidechse und Tatzenkäfer

Liebe Bürgerpostleser, 

ein Tatzenkäfer an der Hauswand

der 27. April 2026 war ein bisheriger Beobachtungshöhepunkt in unserem Garten. Zum ersten Mal, seit wir vor 30 Jahren hierher gezogen sind, sah ich einen Tatzenkäfer und eine farbenprächtige Zauneidechse. Beide fast gleichzeitig in der Abendsonne. Ein absoluter Oberhammer. Den Großen Tatzenkäfer bestimmte google lens. Er ist mit 15 bis 20 mm der größte Blattkäfer in Mitteleuropa. Zur dieser Gattung gehören weltweit über 50.000 Arten und über 470 in Deutschland. Der bekannteste ist der Kartoffelkäfer, aber auch das Lilienhähnchen gehört dazu. Auf die Schnelle dachte ich, naja, das ist nur ein Mistkäfer. Also lieber mal genauer hingucken, dachte ich anschließend. Beim Bestimmen kam der Hinweis, dass er auffallend dicke Füße besitzt, die an „Tatzen“ erinnern. Seht Ihrs auf dem Bild?  Interessant ist, dass er aufgrund zusammengewachsener Flügeldecken nicht in der Lage ist zu fliegen. Bei Gefahr kann er eine rötliche giftige Flüssigkeit aus dem Mund absondern, was ihm im Englischen den Namen „bloody nosed beetle“ (Blutrünstiger Käfer) eingebracht hat. Man nennt das Reflexbluten. Primär setzt er das zur Verteidigung gegen Fressfeinde ein. Für uns Menschen ist dies in der Regel ungefährlich, sofern das Sekret nicht in offene Wunden oder in die Augen gelangt. Am besten also das Tier nicht anfassen. 

Eine Zauneidechse in unserem Garten in einem Spalt unserer Steinmauer, was für ein herrlicher erstmaliger Anblick, ich freute mich sehr. Wie bei vielen Vögel bekannt und üblich, ist auch bei der Zauneidechse das männliche Geschlecht sehr farbenfroh im Gegensatz zum blassen Weibchen. Der „Herr“ sonnte sich und verschwand sofort in seiner Höhle, wenn wir zu nahe kamen, zeigte sich aber Gott sei Dank bald wieder. Als wechselwarmes Tier braucht es die Sonnenwärme. Die Zauneidechse überwintert fünf bis sechs Monate in Kältestarre in frostfreier Tiefe von etwa 80 Zentimetern. Wo das wohl bei uns der Fall war? Zauneidechsen sind in der Regel sehr standorttreu und bewegen sich nur in einem Radius von ca. 20 Metern. Das ist ein Hammer. Wie Blindschleichen können auch sie bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage von Mitte Mai bis Ende Juli, vereinzelt auch noch im August. Dazu werden sandige Plätze aufgesucht, die von der Sonne erreicht werden. Das Weibchen gräbt kleine Löcher und setzt darin 5 bis 14 weichschalige Eier ab. Die Entwicklungszeit der Eier im Sandboden ist stark von der Umgebungstemperatur abhängig; bei 21 bis 24 °C beträgt sie zwei Monate. Die Schlüpflinge sind etwa 5-6 cm lang. Frisch geschlüpft müssen sie sich auch vor ihren eigenen Eltern in Acht nehmen, um nicht gefressen zu werden. Wie bei den Kannibalen. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie nach anderthalb bis zwei Jahren. 

Mensch, wäre das schön, wenn sich ein Weibchen für unseren Prachtburschen finden würde. Die Zauneidechse war Reptil des Jahres 2020, in der Roten Liste der BRD rangiert sie in V, das heißt Vorwarnliste. 

Ich wäre sehr dankbar, wenn ich von Euch erfahren könnte, ob Ihr die Zauneidechse auch in eurem Garten habt. Sie ist sehr nützlich, indem sie zahlreiche Insekten und Wirbellose, darunter Blattläuse, Schnecken, Raupen, Käfer und Spinnen frißt. Zauneidechsen sind auch ein Zeiger für gesunde Lebensräume, ihr Vorkommen deutet auf wertvolle, strukturreiche Biotope hin. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Eine Zauneidechse auf Waldboden

Ameisenlöwen und Ameisenjungfer

Liebe Bürgerpostleser,

nun zur Rätselauflösung vom letzten Beitrag: Das gelbe zwischen den beiden Fenstern war der Platz eines Briefkastens. Von jetzt auf nachher wurde er abmontiert. Das haben viele richtig beantwortet. Ich war sehr positiv überrascht, denn viele von Euch hatten auch die richtige Antwort auf Frage, was auf dem anderen Bild zu sehen ist, nämlich einen Fangtrichter des Ameisenlöwen. Einige hatten beides richtig beantwortet. Die Erste, die beides wußte, war Michaela Lang aus Wieladingen, einem Ortsteil von Rickenbach im wunderschönen Hotzenwald. Herzlichen Glückwunsch. Sie hat mir eine Geschichte dazu geschrieben, die kommt später.

Ameisenlöwen sind die räuberischen Larven der Ameisenjungfern, die für ihre Jagdtechnik bekannt sind. Sie graben mit einer ausgereiften Technik trichterförmige Fallen in lockeren Sand, um Ameisen und andere kleine Insekten zu fangen, indem sie diese mit Sand bewerfen. Unten angekommen, wird das Opfer mit den Zangen gepackt, mit Gift betäubt und ausgesaugt. Welch grausiges Ende, ein Oberhammer. Erstaunlich ist, dass Ameisenlöwen bis zu drei Monate ohne Nahrung auskommen können. Die Larven machen drei Stadien durch und leben bis zu drei Jahre im Trichterhals, bevor sie sich verpuppen und als zarte Ameisenjungfer, die wie eine Libelle aussieht, schlüpfen. Die Ameisenjungfer ist ein friedliches, nachtaktives Insekt, das sich von Pollen und Nektar ernährt und eine Flügelspannweite von bis zu 55 mm aufweist. Die Larve wird bis zu 17 mm groß, Nadine Linhard-Blum aus Hohberg hat eine fotografieren können. Sieht schon wie nicht ganz von dieser Welt aus, oder um es auf den Punkt zu bringen, hammermäßig.

Der Lebensraum der Ameisenlöwen sind warme, trockene, sandige und regengeschützte Stellen, wie unter Baumwurzeln, Brücken, Schuppen oder an Hauswänden.

Bei Dr. Ulrike Guttenberger im Hohelohischen fanden sie sich in einer stillgelegten Mörtelwanne. Ameisenlöwen können nur rückwärts laufen und, ganz wichtig, sie sind für den Menschen völlig ungefährlich. Wenn die Bedingungen für den Trichterbau passen, kommen sie regelmäßig bis auf 1.200 m Meereshöhe vor.
Die oben angedeutete Geschichte von Michaela Lang ist die, dass es um ihr Heimathaus in Öflingen, einem Stadtteil von Wehr, viele Fangtrichter gab. Was machte sie als Kind? Sie angelte mit Grashalmen nach den Ameisenlöwen und ab und zu schnappte einer zu und sie bekam ihn zu sehen. In ihrem jetzigen Wohnort Wieladingen hat sie diese Methode mit ihren Kindern gespielt, ist das nicht rührend?

Simone Bröcheler aus WT-Gutenburg berichtete ebenfalls, dass sie „Ameisenlöwenangeln“ auf ihrem Hof gemacht hat. Da ich in meinem Leben bis jetzt noch nie einen Fangtrichter gesehen habe, ist mir dieses „Naturspiel“ leider entgangen. Vielleicht könnt Ihr dazu berichten, ich würde mich sehr freuen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Dachrinne

Liebe Bürgerpostleser, 

schaut Euch diese Bilder an. Ich finde sie fantastisch. Ein lebender Baum, wahrscheinlich ein Spitzahorn, aus dem eine „Dachrinne herausgehauen“ wurde. Wer von Euch hat so etwas schon gesehen? Ich wäre sehr dankbar, wenn es Rückmeldungen gäbe. Für mich jedenfalls ist es eine Erstsichtung.

Rinne in der Schwarzachklamm
Rinne in der Schwarzachklamm
Rinne in der Schwarzachklamm

Die Bilder schickte mir Dr. Hans-Peter Straub, der im Fränkischen einen Kurzurlaub machte und dabei die Schwarzachklamm westlich von Schwarzenbruck durchquerte. Vielen Dank dafür. Auf Bild 1 sieht man die Dimension der Rinne und dass der Baum sich in starker Schräglage befindet. Man wundert sich wie er sich in der Lage überhaupt halten kann. Vielleicht ist die Schräglage der Grund des Phänomens. Ich denke, an einem geraden Baum würde das nicht entstehen. Reinhold Mayer, mein Helfer in Forstfragen, schrieb: „Ein Dachrinnenbaum. Er ist vermutlich aus einer alten Verletzung mit nachfolgender Kernfäule entstanden. Sieht klasse aus“.

Die Rinnenränder scheinen etwas verdickt zu sein  durch Umwallung und die Äste wachsen logoischerweise nur aus der gesunden Seite heraus. Wiederum ein absoluter Oberhammer.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wilder Bienenstock

Liebe Bürgerpostleser, 

im November 2025 konnte ich in einem leer stehenden Haus diese gewaltigen Aufnahmen machen. Etwas geschützt unter dem Vordach waren eine Menge vertikaler Bienenwaben an der Holzdecke angeheftet. Etwas nachgedacht und Imker Jürgen Mess aus Aselfingen befragt, war klar, es handelt sich um die ehemalige Wohnstatt eines Bienenschwarms, der seinem Imker entflohen ist. Dass das im Freien geschah, erstaunte den erfahrenen Imker Jürgen Mess auch außerordentlich. Üblicher Weise suchen sie ein neues zu Hause in großen Baumhöhlen oder Nistkästen. Nun, die Bilder geben einiges her: Zum Beispiel fällt auf, dass es helle und dunkle Waben gibt.

Waben von Wildbienen
Waben von Wildbienen
Waben von Wildbienen

Habt Ihr eine Idee, womit das zusammenhängen könnte? In den hellen Waben war von der Königin noch kein Brut eingesetzt, in den dunklen war das der Fall. Die dunkle Farbe kommt von den zurückgelassenen Kokons der Bienen nach dem Schlüpfen. So kann man an der Farbe Brut- von Honigwaben unterscheiden. Ein kleines Hämmerchen, im Vergleich dazu, was noch kommt. Ob der Bienenschwarm ein oder zwei oder mehrere Jahre besiedelt war, entzieht sich unserer Kenntnis.

Genauer hingeschaut sieht man, dass Wabenteile fehlen, dass sie durchlöchert sind und schräg hängen. Wer hat für diese Unordnung gesorgt?

Waben von Wildbienen

Das Bild liefert den Übeltäter in Form der weißen Puppen der Honigwachsmotte. Sie fressen als Larven hauptsächlich organische Rückstände in Bienennestern wie Pollen, Brutrückstände wie Nymphenhäutchen und Honig. Sie können sich durch die Waben und sogar durch das Holz des Bienenkastens fressen, auf dem Bild unten sieht man ihre Fraßspuren. Die Larven zerstören dabei Bienenwaben, verkleben diese mit Gespinsten und hinterlassen Fäkalien, was insbesondere für geschwächte Bienenvölker eine Gefährdung darstellt. Man sieht auf den Bildern, dass die hellen Waben nicht von Ihnen befallen werden. Deswegen sollen in der Imkerei nur diese hellen, unbebrüteten und pollenfreien Waben gelagert werden. Brutwaben dagegen sollten eingeschmolzen werden. Als Schuljunge war ich Adjutant bei meinem Opa, der 60 Bienenvölker besaß. Sehr stark habe ich in Erinnerung, dass die Wabenschränke mit Schwefelschwarten eingeräuchert wurden, das war kein schlechtes Gschmäckle, kann ich Euch sagen. Diese Verwendung von Schwefel als Biozid ist seit 2014 in der EU nicht mehr erlaubt.

Waben von Wildbienen

Es gibt zwei Arten, die große Honigwachsmotte, die hauptsächlich bienenfreie Waben befällt, und die kleine Honigwachsmotte, die auch in aktiven Völkern zu finden ist. Welche hier am Werke war, kann nicht zugeordnet werden. Der Lebenszyklus läuft wie folgt: Die befruchteten weiblichen Falter der Honigwachsmotten fliegen durch Duft angelockt in die Nester von Honigbienen und legen dort mehrere hundert Eier je Falter ab. Diese schlüpfen zu Larven, die Ihre Fraßspuren hinterlassen. Täuschen und Tarnen kann ich nur sagen, denn die Wachsmottenlarven nehmen den Nestgeruch schnell an und werden dadurch kaum als Eindringlinge erkannt und nicht bekämpft. Ein klassischer Hammer. Die ausgewachsene Larven spinnen einen festen, widerstandsfähigen Kokon aus Seide, oft in Ecken oder Nischen des Bienenstocks. Das Bild hier zeigt diese Kokons im Detail. Aus ihnen schlüpfen die Falter und ein neuer Zyklus beginnt. 

Übrigens, am 10. April 2024 hatte ich einen Beitrag über die verwandte Hummelwachsmotte geschrieben. Wer kann sich noch erinnern?

Herzliche Grüße
Franz Maus

Dreier

Liebe Bürgerpostleser, 

Paarung kommt von Paar und ein Paar groß geschrieben sind zwei Beteiligte. Die Paarung von Blindschleichen war 2025 hier ein Thema, das Beißen des Weibchens am Kopf durch das Männchen Standardprogramm des Fortpflanzungsrituals. Verena Binder aus Hausen vor Wald gelangen im letzten Jahr diese Hammerbilder. Beim 1. Foto sind die dickeren beiden Männchen und das zweite Männchen versucht durch Beißen den im Moment führenden Rivalen zu vertreiben. Vielleicht kann man von einem flotten Dreier sprechen.

  • zwei Blindschleichen. Eine davon hat die andere im Maul

Übrigens, Blindschleichen sind lebendgebärend, sie bringen im Juli/August acht bis zwölf Junge auf die Welt, die sofort selbstständig sind.

Unten noch die klassische Erdkrötenpaarung bei uns im Hof. Das kleinere Männchen wird elegant von der Erdkrötendame Huckepack genommen. Es gibt aber auch bei ihnen flotte Dreierversuche. Zwei Männchen versuchen auf die Dame zu steigen. Da geht es richtig rund, der obere versucht durch Strampeln der Hinterbeine den Rivalen mit aller Macht zu vertreiben. Sowohl bei den Blindschleichen als auch bei den Erdkröten kommt der stärkere oder der listigere zum Zug, der andere hat das Nachsehen. 

Zwei Erdkröten huckepack
drei Erdkröten zwischen Zweigen. Man sieht nicht wirklich viel
Zwei Erdkröten huckepack und eine daneben

Wieder eine höchst erstaunliche Geschichte, vielen Dank Verena Binder für die Überlassung der Bilder.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Küchenschelle

heute gehe ich nochmals auf die faszinierende Küchenschelle am Zisiberg ein. Sie war Teil des letzten Beitrags. Und zwar hat mich beschäftigt, dass Christiane Willmann schrieb: „Gut, dass wir am Mittag dort waren, es waren alle Blüten offen“. Das brachte mich zu der Frage, ob sie bei Dunkelheit zugehen, was sie bejahte. Ich habe dann gegoogelt, und tatsächlich war die Antwort, „Küchenschellenblüten (Gattung Pulsatilla) schließen sich tatsächlich bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter“. 

Interessant ist die Begründung: Schutz der Fortpflanzungsorgane, Pollen und Griffel werden vor Kälte, Tau und Regen geschützt, Temperaturregulation, weil die Blüte tagsüber wie eine kleine Sonnenfalle wirkt. Wenn sie offen ist, kann sie sich in der Sonne erwärmen und damit Bestäuber anlocken, Energiesparen und Schutz vor Feuchtigkeit. Also bei Sonne offen, bei Kälte, Bewölkung und Regen halb und nachts ganz geschlossen. Jetzt hatte ich am Montag, den 16. März 2026 die Gelegenheit, in starker Dämmerung kurz vor 19 Uhr am Zisiberg zu sein und natürlich musste ich Küchenschellen fotografieren. Der Fall ist klar, die Blüten sind kurz vor dem Schließen. Das ist doch ein Hammer, wie er im Buche steht. 

Küchenschelle mit Hummel

Seht Ihr die starke Behaarung der Blütenblätter außen und im Stengelbereich? Habt Ihr eine Vorstellung, wieso das so ist? Hier sind die Gründe dafür:

Schutz vor Kälte: Die Küchenschelle blüht sehr früh im Jahr (oft schon im März). Die dichten, silbrigen Haare wirken wie eine Isolationsschicht und schützen Knospen, Blätter und Blüten vor Frost und kaltem Wind.

Verdunstungsschutz: Die Behaarung hält eine dünne Luftschicht über der Oberfläche fest. Dadurch wird Wasserverlust durch Verdunstung reduziert, was besonders auf trockenen, sonnigen Standorten wichtig ist.

Schutz vor starker Sonneneinstrahlung: Die hellen Haare reflektieren einen Teil des Sonnenlichts und verhindern, dass die Pflanze überhitzt oder austrocknet.

Schutz vor Fressfeinden: Die Haare können es für kleine Tiere oder Insekten unangenehm oder schwierig machen, an der Pflanze zu fressen.

Hättet Ihr das gedacht? Was die Natur für Anpassungsstrategien bereit hält, ist schlicht und ergreifend der Oberhammer. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Frühling

Liebe Bürgerpostleser,

zu diesem Beitrag haben mich zwei Menschen angeregt, Christiane Willmann aus T.-N.-Schwärzenbach und Thomas Kring aus Hüfingen. Thomas schickte mir Bilder vom Frühlingswald Wutachflühen und meinte, ob ich nicht etwas schreiben wolle. Bei Christiane Willmann war es indirekt, sie fragte am 4. März 2026, ob die Küchenschelle am Zisiberg bei Hondingen schon blühe. Ich schicke Ihr Küchenschellenbilder vom 11. März 2025, dort waren sie in Vollblüte. Dann hatte ich am Freitag, den 6. März kurz Zeit, nachzuschauen.

Daraus entstand der Gedanke, drei Dinge zusammenzuspannen. Zum Zisiberg ist zu sagen, dass er ein kleines Naturschutzgebiet an der Südseite am Waldrand von Hondingen ist, das zum einen durch den Frühblüher Küchenschelle bekannt ist, ich habe sie nicht gezählt, aber es sind einige Hunderte. Es ist eine Augenweide. Neu war mir, dass sie Ihre Blüten bei Bewölkung leicht und bei Dunkelheit voll schließen. Christiane hat es schon gewusst.

Oben ein Schnappschuss mit einer Hummel. Hier kann sie bestäuben und Pollen sammeln. Diese Frühblüher sind sehr wichtig für die frühaktiven Insekten. Später kommen am Zisiberg Orchideen dazu, speziell die kleinen Spinnenragwurze.

Als drittes möchte ich den Laubwald oben auf dem Wartenberg erwähnen, ein Eldorado für einen noch früheren Blüher, den Märzenbecher.

  • Märzenbecher

Märzenbecher von Thomas Kring im Frühlingswald Wutachflühen

Mathias Ebert aus Villingen meinte trocken, „er muss bald in Februarbecher umgetauft werden“. Wie wenn sie gesät worden wären. In Wutachschlucht und -flühen kommt der Märzenbecher ebenfalls sehr häufig vor.

Echter Seidelbast

Echter Seidelbast
Foto: Thomas Kring
in Frühlingswald Wutachflühen

Der Duft vom Seidelbast ist einmalig, man muss unbedingt daran riechen.

Der scharlachrote Kelchbecherling und der Seidelbast sind Charakterpflanzen in diesen Gebieten. Die rote Farbe des Klechbecherlings beeindruckt sehr. Er wächst auf Totholz, was normalerweise nicht zu sehen ist. Man denkt er wächst direkt aus dem Boden heraus.

  • Zinnoberrote Kelchbecherling

Kelchbecherling von Thomas Kring im Frühlingswald Wutachflühen

Das letzte Bild bekam ich wiederum von Karl Wild aus Maichingen. Vielen Dank dafür. Ein Admiral am Winterschneeball. Wer kann sich noch erinnern an den Artikel von 2024 über das Thema? Ergebnis war damals, dass der Wanderfalter Admiral in der Zwischenzeit zunehmend bei uns überwintert und damit kein reiner Wanderfalter mehr ist. Als ich das Bild Dr. Hans-Peter Straub schickte, schrieb er, dass bei im in Königsfeld genau das gleiche zu sehen war. Ein Klimawandelhammer.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Hozverwachsungen

Liebe Bürgerpostleser, 

heute kommt die nächste Holzgeschichte. Bäume sind in der Lage, Dinge, die ihnen in die Quere kommen, einfach zu umwachsen. Wir hatten schon einige schöne Beispiele, ihr erinnert Euch vielleicht noch an den Balzer Herrgott bei Gütenbach und erst vor kurzem an die grandiose Astverwachsung bei Maichingen. Die heutigen Fotos hat mir Frau Dr. Ulrike Guttenberger geschickt, die mit Ihrem Mann in Hohenlohe beheimatet ist. Sie ist aber ein Kind der Baar und wenn sie meine Fotos vom schneebedeckten Feldberg sieht, schreibt sie „ich habe Heimweh“. 

Wenn man das Bild oben anschaut, denkt man, man sei in einem falschen Film, so unverständlich sieht es aus. Zwei Schilder, die am selben Baum eingewachsen sind. Das Naturdenkmalschild habe ich übernommen, um mir klarzumachen, wie es überhaupt hängen soll. Ihr seht es, zu meiner Überraschung, mit dem Spitz nach unten, umgekehrt wie bei den Verkehrszeichen. Auf jeden Fall ist es so, dass die Grundlinie des Zeichens den Baum veranlasst hat, das Zeichen „aufzufressen“. Vielleicht war es zu eng am Baum befestigt und beim Dickenwachstum des Stammes kam es zur Überwallung. Der Hammer ist, dass fast die ganze Länge vereinnahmt wird, obwohl der Baumdurchmesser deutlich kleiner ist. Man kann nur staunen. 

Oben das zweite Schild, das unterhalb des Naturdenkmalschildes ebenfalls überwallt wurde und noch wird. Dort ist die Richtung nach oben im Gegensatz zum ersten Schild. Ironie am Rande, dass der Schildtext besagt, dass es untersagt ist, Pflanzen zu schädigen, na ja, ob eine Überwallung eine Schädigung ist, ist die andere Frage. 

Sicherlich wäre es interessant zu schauen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und in 10 Jahren aussieht. Ulrike, denke bitte daran. Vielen Dank.

Die Bilder oben sind selbstredend, ein großer Ackerstein verkeilt und verwachsen zwischen zwei Auslegern eines Baumes. Hier stelle ich meine obligatorische Frage, ist der Stein hochgewachsen oder war er von Anfang an in derselben Höhe – wie jetzt – platziert. Ich bin sehr gespannt auf die Antworten. Ulrikes schöner Hund scheint auch hochinteressiert an der Sache zu sein, wahrscheinlich hat er so etwas noch nie gesehen.

Ulrike, vielen Dank für die tollen Baumverwachsungsbilder, ich glaube, es wäre schade gewesen, wenn es nicht hätte thematisiert werden können.

Herzliche Grüße
Franz Maus