Liebe Bürgerpostleser,
heute geht es wieder einmal um etwas aus der Insektenwelt. Mein langjähriger Chef und Tierzuchtkollege Wolf Brodauf aus Neustadt hat mir Bilder geschickt mit dem Vermerk „eine verrückte Geschichte“. Er und seine Frau Gisela haben festgestellt, dass an der Balkontür außen in einer waagrechten Rille etwas zementiert wurde. Das merkten sie aber erst, als kleine Klümpchen und Räupchen zu sehen waren. Es ging alles zügig von Statten, was denkt ihr, von vielen Individuen? Nein, nur von einem Weibchen der Frühen- oder Mauer-Lehmwespe, einer solitären Faltenwespe. Das heißt, es existiert kein Volk wie bei den normalen Wespen. Die Mauer-Lehmwespen leben auf feuchten Wiesen, in offener Landschaft, gelegentlich in Gärten und anderen Gebieten, in denen ihre Futterpflanzen und bevorzugten Nistplätze vorkommen. Erwachsene Tiere ernähren sich von Pflanzensäften, Honigtau und Nektar verschiedener Pflanzen, hauptsächlich Wald-Engelwurz, Bärenklau, Brombeeren, Nachtschattengewächsen, Goldruten und Disteln.
Die Art bringt jährlich eine Generation hervor. Männchen treten von Juni bis September auf, während Weibchen zwischen Februar und Oktober beobachtet werden. Nach der Begattung sterben die Männchen, die Weibchen überwintern und erscheinen im Frühjahr wieder. Das ist doch der Hammer.
Nester werden im Frühjahr und frühen Sommer gebaut, wie an Brodaufs Balkontür zu sehen. Sie bestehen aus Löchern oder Röhren in Holz mit Teilern aus Lehm; sie kann auch Nisthilfen für Wildbienen annehmen. Die Wespen legen ein Ei in jede Zelle und bringen gelähmte kleine Raupen ein, hauptsächlich von Wicklern. Diese gehören zu den Kleinschmetterlingen. Wenn die Larven schlüpfen, ernähren sie sich von dieser Beute. Ist das nicht der zweite Hammer? Gelähmte Raupen als Nahrungsdepot für die Mauer-Lehmwespen Larven. Nach dem Verschließen verlässt die Mutterwespe das Nest und kümmert sich nicht weiter darum.
Sie stechen nicht, sie helfen Raupen zu dezimieren und sie machen nichts kaputt, also freuen wir uns mit Gisela und Wolf, dass sie so etwas bei sich haben.
Vielen Dank Euch für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung des Beitrags.
Herzliche Grüße
Franz Maus


