Draisine, Dögginger Loch, Ihlemühli

Draisine, Dögginger Loch, Ihlemühli

24. April 2021 1 Von Hubert Mauz

Wo d Mehlbuebe no mit de Draisine zum Müller gfahre sind,
Und au mit de Draisine zum Hergottsdag:

„Ihr Heilandsakramenter, ihr kennet doch de Fahrplan !

So moss de Grossvater Felix de gross Bue, de Wilhelm, und de ander Dögginger Stromer , de Starke- Willi, aagjoolet haa. De Grossi Felix war Bahhofsvorstand z Dögginge und hät natierli au s Stellwerk z Dögginge unterhalb vum Dögginger Tunnel vu de Hölletalbah dirigiert. Grad isch en Zug vu Löffinge mit eme uugwöhnlich lange Pfiife in Bahhof iigfahre. De Opa Felix hät no friendli mit de Hand am Bähnlerkappe grüesst, wo scho de verruesst Lokführer, kum hät er d Miggi aadriblet, us em Lokstand abighoppet isch mit ere Sauwut im Ranze de Felix aagjoolet hät.: „ Lek mi doch am Arsch, kinneter nit besser uffbasse, grad sind vor mir zwei so Soecher am End vum Tunnel vure Draisine abihgoppet, hond Mehlsäck abgworfe und d Draisine grad no vum Gleis abgekippt griegt. Wo ni die gsähne han im heale Gegeliicht am Tunneluusgang, hann i gmigget und Pfiffe, dass Fahrgäscht vu de Holzsitz abibolderet sind, bestimmt s Hirn aagschlagge hond und s Frachtguet im ganze Güterwaggon ummenand boggelet und krachet isch. Wa waret des für zwei oefältige Dackel, die Mehlbuebe ? 

Hää ? „ Uusahmswies schtot de bärestark Wälderkaib, sunscht nit grad uff s Muul kait, verdatteret uffem Peron. „ Wa isch do gsiee, wo isch des gsie ? „  Nomol loot de gähwüetig Dampflockvirtuos sin Dampf ab und scheisst de Lix, so hät mer im Opa gsait, nomol zähmet bevor er wieder freie Fahrt gegg Eschinge kriegt. Trotz allem moss de Fahrplan iighaalte were und uff d` Minut dä z Eschinge, am badische Iisebahknotepunkt, so ebbis wie de Arc de Triumph z Paris, iifahre. „ Mundidie „ sait de Felix no paarmol, dene Quatratsladschi gib is aber !“   Mundidie isch im gottesfürchtige Felix sind gwähnliche Fluech, im Gesesatz zu de Booremer Buure die ganz anderi gottsläschterliche und uukeusche Flüech druff hond. Des Mundidie hät er us em 1. Weltkrieg, us Lothringe mitbroocht und hoesst eigentlich dä selli charmant und gottesfürchtig „ Mon Dieux „. „De Mundidie“ hät mer im Lix denno au später z Gräninge gsait, woner aaschliessend au dä Bahhofsvorstand war. 

Paar Minute später fahrt e zweits Gfährt im Bahhof ii. E Draisine, mit zwei grosse Buebe und paar wiisse, handgwobene Meahlsäck druff. Vor em Wohnteil vum Bahhof migget sie und stieget ab. Und denno gohts los: De Vater Felix pforret us em Stellwerk und loot Schräe ab wie en Aabrennte. Jetzet kunnt sii bsunder Strofgricht:  De Lederrähme us em Hosebund und de Wilhelm, sin Bue über s Knie und e paar knallherte Peitscheschläg uff s Fidle. S Bläre khaa de heldhaft 14- Jährig grad no verhebbe. Des sich gsesse. De Starke Willi loht er in Ruhe, des soll seller Vater erledige. Jetzt wered unter de strenge Uffsicht vum Vater die schwere Mehlsäck, zum guete Glick isch konn verplatzt, uff d Bühni trait und i de muusdichte Mehlkischte versorget. D Säck stammet vum Onkel vu de Frau Sophie us Hifinge, vum Kramer – Beppi. Kramer stoht au uff dene guet gwobene Mehlsäck. De Beppi war en guete, dipflischiessige und aagsähnene Leineweber im Süesse Winkle. Der Mehl- Tagesbfehl war zwar erlediget, aber für wa fer en Priis ?

Frühner, also no so bis id 30-erJohr, war e Bahgleis wie d Hölletalbah au e hilfreiche Magistrale für de klei Persone- und Wahreverkehr. Woni hit bei ere Besichtigung vum neue Gleis vu Löffinge bis Dögginge mit eme hochmoderen, vollautomatisierte 400 m lange Gleisausbau.- und Verlegezug z Dögginge westlich vum Tunnle gstande sind, han ich im Joachim Binkert kurz die tragig komisch Familiehistorie aadietet. De Studiefreunmd Joachim isch immer no bi de Bahn aktiv und de Projektleiter vu dere Sanierung. Er und no on, de Andy Glatz und de Schwitzer Rene Müller, sind vu den 25 Semesterkollege Bähnler wore. De Joachim hät de Baaremer und de Hegaufraktion vu iiserem Semester FH Konstanz 1974 die technisch uuglaublich Baustelle zu iiserm grosse Respekt zoeget. 

Draisine

Die Draisinegschicht , die ich für en einmalige Fall z Dögginge ghalte han, hät de Joachim voll bestätigt und ergänzt. Sin Grossvater war Stellwerkbähnler z` Radolfzell Richtung Stahringe. Er isch vu Radolfzell zum so 1 km usserhalb liegende Stellwerk jede Tag hin- und zruck mit de Draisine gfahre. Des war au z` Dögginge die üblich Fahr– Transport u. Reiseart. Im Grossi sie Frau, d Sophie Kramer, war us Hüfinge. Und wenn sie gi Iikaufe, zu de Verwandschaft, zum Zahnarzt Vetter Ernst Kramer oder au a Kirchefeschter z Hüfinge gange sind, sind die mit de ganze Familie Bagage mit ere Draisine gfahre. De Fahrplan hät en Bähnler genau kennt und so isch mer amend uff e Abstellgleis z Huuse oder z Hüfinge gfahre wenn en Zug kumme isch oder me hät die Draisine kurz vum Gleis abi gschunde und denno wieder druff gmorkst. So hond die Manne, Wieber, Kind d Muckibuddi spare kenne. Dä sind au so silbrige, verchromte Pump- und Giegmaschine uffgstellt und me moss sogar no zahle ohne dass mer on Meter vorwärts kunnt.  Bei de Draisine war des alls ummesunscht. 

Dögginger Mehlbuebe:  Bahhof, Dögginger Loch, Iihlemülle hin und zruck. (Eulenmühle in der Gauchach) 

Wa isch a dem Werktig i de 20- Johr aber passiert ? De ältscht Bue vu s Hilperts, de bommstark Wilhelm, hät noch de Schuel vu de Motter Sophie und em Vater Felix de Ufftrag griegt, d Fruecht vu dem kleine Woezeäckerli am Bahdamm mahle z lau, dass mer wieder guet Buurebrot ver s ganz Johr bache khaa. Dass es i om goht, hät au de Starke Willi, au er war, Nomen est Omen, scho bäre- Stark, d Fruecht vus Starke, des waret Buure im Ort, mahle lau solle. Dögginger , Unedinger, Dittishuusemer hond i de Ihlemilli i de Obere Gauche bim legendäre Ihlemillier mahle lau. So hond allso die beide grosse Kerli d Fruechsäck vu beide Familie uff d  Draisine vum Bahhofsvorstand glade und sind i de Zugpause geg Weste mit de Handschwengel- Draisine gfahre. Gli noch em Bahhof kunnt s 550 m lang Dögginger Tunnel, s uubeleuchtet Dögginger Loch, s längscht Tunnel vu de Hölletalbah. Des isch ziemelich guet und schnell gange weil dä d Bah Abwärtsgfäll hät bis zu de Gauchachbruck vu uugfähr 2/oo. Dorch s Loch hond sie vu de aazundene Carbitfunzle eweng heal khaa und es isch noch em Scheitelpunkt am Tunneliigang gattig wie gschmiert grennt. Uff de Gauchachbruck hond sie ziemli migge messe, dass sie nit geg Unedinge pforret sind. Dä noch de Bruck hond sie d Fruechsäck vorsichtig, dass sie nit platzt sind , a s Bankett gleit. Denno hond sie die schwere Bolle die gähe Halde mit 40 Meter Höhe a d Gauche, an Weag zu de Ihlemilli, uff em Buckel abi schloepfe messe. D Draisine hät natierli vum Gleis kippt were messe, dass Zueg frei Fahrt ghet hond. Zerscht sind sie zum Ihlemiller gloffe zum en schwere Handloeterewage hole. Mit dem hond sie die Säck a d Ihlemilli uffi gfahre. Im Miller hond sie beim Verwäge genau uff Doope guckt, so wies de Vatter Felix gsait hät, und hond de Wiegrodel in Hosesack gschoppet. D Milleri hät ene no e Glas Milch gähe und en guete Hoemweag gwiescht. Uffizue geg s Dögginger Loch isch es i de Zugpaus, die sie genau kennt hond, jetzt au uhni volle Säck schwerer gange, aber doch schnell gnueg bevor de näscht Zug kumme isch.

Eulenmühle

 Oe Woch später hond sie die gmahle War wieder hole kinne. Wieder sind sie noch de Schuel mit de leere Draisine dorch s Loch bis noch de Gauchebruck. Dä wieder Draisine vum Gleis kippt und ab zum Ihlemiller. Bei de Gegewägerei vum Mehl hond sie wieder genau zueguckt. Miller waret nämlich als Trickser, manchmol au als Bschiesser eweng verruefe und nit so aagsehne, obwohl sie meischtens, im Gegesatz zu de Kleibuure oder gar de Bähnler, ziemlich riich waret. Mit em Handwage isches jetzt wieder a d Gauchebruck und mit de zentnerschwere Säck uff em Buckel die gähe Halde uffi as Gleis und a die Draisine. Gwisst hond sie genau, dass de Friiborger Zug bald kumme word. Aber es isch jo so guet grennt beim herfahre und au vor ere Woch. Do hond sie aber d Rechnung nit mit de schwere Säck und de Steigung gege s Dögginger Loch und durchs Loch gmacht. Desmohl hond sie ghörig giige und gampe messe, dass sie gschwitz hond wie Brauereirösser, halt wie Draisinepumper. Vor em Loch no Carbitfunzel aazunde und mit jugendlicher Risikobereitschaft nint wie inni is fischter Tunnel. Wo sie so 200 Meter vor em End vum Loch und fascht am Scheitelpunkt, am Hochpunkt, verzwieflet gege d Schwerkraft kämpfet, höret sies scho fauche, des giegsig Dampross. Es kunnt immer näher und mit letzter Kraft, grad so 50 Meter vor de Lok, werfet sie grad no am Tunneluusgang im Freie d Säck vu de Draisine, hoppet abi , kippet des schwer Draisine Iisegstellarsch vum Gleis und höhret des Gjojl und Gschroe vum Lokführer und vum riesige Heitzer. Des hät sogar die de Höllegrach vu de Lok übertönt. „Leck mi am Arsch, des isch grad no guet gange“, sait de Starke Willi. Und de Wilhelm murmlet kleiluut „ Du häsch guet spotte, de Ranze voll grieg ich und die Strieme vum Ledergurt vum Vatter lond mi die näschte Tag uuruhig uff em herte Schuelbank hucke “

Die Uffstellerei vu de Draisine, des Ufflade und denno die liicht Abfahrt vum Tunnelloch bis an Bahhof war konn Triumpfzug vu heldehafte Athlete, es waret gschlagene, gnickte, brochene Kämpfer gege die Gsetz vu de Schwerkraft und de Gleisneigung. Die Lektion wär mit hängende Köpf und demutsvoll glehrt. De oe isch en erfolgriiche Baustoffhändler wore und de ander zerscht Mechaniker und denno en „Spätberufene Pallottiner Missionar im Palmölgarte des Herrn“ im ferne Brasilie. 

Jo, so war des Mehlbuebedebakel i de 20- er Johr z Dögginge 

Eulenmüllers Käppelli