Trockenstress im Plattenmoos?

Wann endlich blüht das Wollgras denn wieder im Plattenmoos, so fragte ich mich dieses Frühjahr im Vorbeiradeln zum soeben in Vollblüte stehenden „Rosenbaum“, dem spektakulären, uralten Wildapfelbaum im (ansonsten heute weithin baumlosen) Tannheimer Gewann Rosenbaum. Eigentlich müsste der vom Weg aus zu überblickende Randbereich des Hochmoors doch jetzt schneeweiß erscheinen. Nachschauen also im heimischen PC, wo ja bekanntlich alles fein säuberlich datiert wird, auch was sich an Fotos über die Jahre hinweg angesammelt hat. Richtig: vom 15. Mai 2022 stammt das letzte Wollgrasfoto, daneben unverkennbar die rauborkige Moorbirke und die abgestorbene Kiefer.

Wollgrasblüte im Frühjahr 2022
Wollgrasblüte im Frühjahr 2022

Doch dieses Frühjahr scheint sich das Wollgras rar gemacht zu haben – kein weißer Teppich, nur einzelne schüttere Blüten sind auszumachen inmitten störrischer Riedgras-Bulten. Reste eines Weidezauns stehen und liegen noch umher, die vor vier Jahren noch fehlten. Demnach muss die Fläche zwischenzeitlich ja wohl mal beweidet worden sein: eine Naturschutzmaßnahme? Für das Wollgras offenbar ein Flop, zumal sich statt seiner nun der Faulbaum ausgebreitet hat, auch er ein Hochmoorbewohner, doch kann sein Gedeihen hier ja wohl nicht Zweck der Übung gewesen sein. Was also mag die eigentliche Ursache sein für die Verdrängung des Wollgrases? Ist es eine Spätfolge der sich seit 2018 häufenden Trocken- und Hitzejahre, womöglich im Zusammenwirken mit dem Stickstoffeintrag aus der baarweiten Agrarindustrielandschaft? Oder hatte die Beweidung, die inzwischen offenbar wieder aufgegeben worden ist, die falsche Wirkung erzielt im Schutzgebiet? Und falls ja, lässt sich der Schaden reparieren? Könnten gar die Tannheimer im angrenzenden Quellschutzgebiet zu viel Wasser entnommen haben?

Im Frühjahr 2026 Faulbaumbewuchs statt Wollgras
Im Frühjahr 2026 Faulbaumbewuchs statt Wollgras

Hätte ich vor vier Jahren nicht die Kamera gezückt angesichts der weißen Blütenpracht, wer weiß, ob ich diesmal gestutzt und das Ausbleiben des Wollgrases überhaupt bemerkt hätte. Wie mag sich unterdessen das Zentrum des Hochmoors weiterentwickelt haben, wo den Mooren heutzutage doch als CO2-Senken eine überlebenswichtige Funktion zukommt. Wächst das Torfmoos noch und wächst es wieder, nachdem dort jahrhundertelang Torf zu Heizungszwecken gestochen worden ist, ehe der Bau der Schwarzwaldbahn den Umstieg auf fossile Brennstoffe ermöglicht hat, auf Kohle, Öl und Gas? Nichts erscheint uns daher heute vordringlicher, als die Ertüchtigung von Mooren und Wäldern – zumal wenn sie auch noch schön anzuschauen sind.

Wollgras im Frühjahr 2022
Wollgras im Frühjahr 2022

3 Kommentare zu „Trockenstress im Plattenmoos?“

  1. Wie immer sind die Beobachtungen von Wolf Hockenjos präzise und wohlformuliert. Gerne möchte ich zur Pflege und Entwicklung der Fläche ein paar Ergänzungen beisteuern.

    Besagte Fläche befindet sich im Süden des Naturschutzgebietes Plattenmoos auf der Gemarkung Tannheim.

    Im Jahre 2020 war die Situation vor Ort so, dass die Verbuschung mit Weiden weit vorangeschritten und die Sukzession, insbesondere durch den Faulbaum, massiv auf dem Vormarsch war. Dies ist auf dem Foto vom 19. Dezember 2020 auch sehr gut zu erkennen. Ein Nichthandeln hätte dazu geführt, dass die Fläche komplett verbuscht wäre und sich der offene Moorstandort zu einem Wald entwickelt hätte.

    So kam es also, dass im Februar 2021 auf rund 3 Hektar Gehölze in größerem Umfang beseitigt wurden. Ende Mai 2021 war dann noch kein Wollgras zu sehen (siehe Foto vom 25. Mai 2021). Seit Herbst 2021 wird die Fläche zudem zur Offenhaltung mit Moorschnucken beweidet. Diese verbeißen auch auflaufende Schösslinge von Birke, Faulbaum und Weide. Allerdings kann die Beweidung nicht so intensiv sein, dass überhaupt keine Gehölze mehr hochkommen. Dann wären nämlich auch alle anderen Pflanzen abgegrast. Deshalb wurde die Fläche motormanuell, also mit dem Freischneider, von den aufkommenden Gehölzen befreit. Dies ist wohl mal wieder notwendig …
    Auf dem Foto vom 25. Mai 2021 ist kein Wollgras zu sehen. Auf dem Foto vom 25. Mai 2022 aber sehr wohl – und in welcher Pracht sogar! Warum das Wollgras nun aber nicht (oder noch nicht?) blüht, erschließt sich mir nicht. Eventuell muss, wie von Wolf Hockenjos angedeutet, die Beweidung angepasst werden.

    Aber warum der ganze Aufwand?
    Das Wollgras steht hier naturschutzfachlich nicht im Vordergrund. Hier geht es primär um Laufkäfer, und zwar um besondere Arten:
    Name RL BW*
    Ried-Ahlenläufer 3 (gefährdet)
    Wiesen-Ahlenläufer 3 (gefährdet)
    Feuchtbrachen-Ahlenläufer 3 (gefährdet)
    Zierlicher Flachläufer 3 (gefährdet)

    Daneben profitieren aber auch andere Arten von der Reduzierung der Gehölze und der Offenhaltung der Fläche. Beispielsweise:

    Name RL BW*
    Mädesüß-Perlmutterfalter 3 (gefährdet)
    Schwarzklobiger Braundickkopffalter 3 (gefährdet)
    *Rote Liste Baden-Württemberg

    Mit meinem Beitrag hoffe ich, etwas Licht in die Causa „Plattenmoos“ geworfen zu haben.

    Kugelmoos

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