oder
Der Männerkopf von Hüfingen
Seit Monaten frage ich mich, warum mich das neue Männerkopf-Logo der Stadt so irritiert. Jetzt weiß ich es.
Ich habe das Logo einmal von ChatGPT analysieren lassen. Das Ergebnis:
„Ein stilisierter römischer Offizierskopf im neoklassizistischen Stil.“
Also genau jene Bildsprache, die seit dem 19. und 20. Jahrhundert verwendet wird, um Ordnung, Autorität, Disziplin, Tradition und militärische Stärke auszudrücken. Kurz gesagt: ein heroischer Männerkopf. Und ehrlich gesagt erklärt das vieles.
Denn es geht hier nicht einfach um ein hübsches Stadtlogo. Es geht um Symbolik. Darum, wer mitgedacht wird und wer nicht. Offenbar braucht man für die Stadtidentität vor allem einen heroischen Männerkopf, während Frauen in Hüfingen weiterhin hauptsächlich als Trägerinnen von Nachbarschaftshilfe vorgesehen sind. Ein Jugendhaus? Räume? Sichtbarkeit? Gestaltung? Dafür scheint erstaunlich wenig Energie vorhanden zu sein.
Besonders enttäuschend finde ich, dass selbst die Gemeinderätinnen dieses Symbol offenbar völlig selbstverständlich mittragen. Warum gibt es in diesem Gemeinderat niemanden der darauf achtet, dass Frauen in dieser Stadt nicht nur still mitgemeint, sondern sichtbar mitgedacht werden? Vielleicht bin ich deshalb angeblich „spalterisch“, weil ich darauf hinweise, dass ein militärisch aufgeladener Männerkopf nicht automatisch für alle spricht.
Die eigentliche Frage lautet doch:
Wer definiert hier eigentlich Ordnung, Tradition und Autorität — und für wen?
Aber vielleicht soll man einfach still daneben sitzen und bewundern, wie großartig dieser heroische Männerkopf gelungen ist.
Nein danke.
Wenn dieses Symbol wirklich für Hüfingen stehen soll, dann erklärt es leider auch, warum sich manche Menschen darin nicht wiederfinden.
Ich halte es für legitim, über Symbolik, Wahrnehmung und Repräsentation in einer Stadtgesellschaft zu diskutieren. Unterschiedliche Sichtweisen darauf gehören zu einer offenen kommunalpolitischen Debatte dazu.
Allerdings sollte dabei nicht übersehen werden, dass das neue Logo das Ergebnis eines demokratischen Entscheidungsprozesses im Gemeinderat ist. Die Entscheidung fiel keineswegs einstimmig, sondern mit knapper Mehrheit von Frauen und Männern. Auch ich persönlich habe im Verfahren nicht für den Entwurf gestimmt.
Trotzdem trage ich diese, Mehrheitsentscheidung mit und stehe hinter meinen Gemeinderatskollegen, denen ich so ein Weltbild keineswegs attestieren kann.
Ich halte es deshalb für problematisch, aus dem Logo pauschale Rückschlüsse auf das Frauenbild, die Haltung oder die demokratische Kultur der Stadt Hüfingen und aller Personen Gremien zu ziehen. Viele Menschen verbinden mit dem Motiv vor allem historische Identität und Tradition.
Selbstverständlich müssen Frauen, Jugendliche und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen in unserer Stadt sichtbar sein und mitgedacht werden. Diese Debatte nehme ich für die Zukunft daher als Anstoß, konkret über Projekte, Beteiligung und politische Inhalte zu sprechen.
Danke für die Antwort. Dass über Symbolik und Repräsentation gestritten wird, gehört selbstverständlich zu einer demokratischen Debatte dazu.
Gerade deshalb irritiert mich aber umso mehr, dass die Entscheidung über das neue Logo offenbar in nichtöffentlicher Gemeinderatssitzung getroffen wurde.
Die Gemeindeordnung Baden-Württemberg (§ 35 GemO) sieht ausdrücklich vor, dass Gemeinderatssitzungen grundsätzlich öffentlich sind. Nichtöffentlich darf nur beraten werden, wenn das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner dies erfordern.
Und genau diese Frage stellt sich hier:
Welche berechtigten Interessen Einzelner mussten bei einem Stadtlogo geschützt werden? Warum musste eine identitätsstiftende Entscheidung über ein öffentliches Symbol der Stadt hinter verschlossenen Türen behandelt werden?
Dass ein Gemeinderat demokratisch abstimmt, bedeutet noch nicht automatisch, dass ein Verfahren auch transparent oder bürgernah wirkt. Gerade bei Symbolen, die für alle stehen sollen, wäre Öffentlichkeit und Beteiligung aus meiner Sicht besonders wichtig gewesen.
Vielleicht erklärt genau das auch einen Teil der Reaktionen:
Nicht nur das Logo selbst irritiert manche Menschen, sondern auch die Art, wie darüber entschieden wurde.
Denn bei Haushaltsfragen, Personalthemen oder Grundstücksangelegenheiten versteht jede vernünftige Person die Notwendigkeit nichtöffentlicher Beratungen. Aber bei einem Stadtlogo entsteht zwangsläufig die Frage, warum die Öffentlichkeit ausgerechnet dort ausgeschlossen wurde, wo es um Identität, Repräsentation und gemeinsames Selbstverständnis geht.