Hans Schroedter

bearbeiteter Originalbeitrag vom Dezember 2022

Der Maler und Illustrator Hans Schroedter wurde 1872 in Karlsruhe geboren und lebte 40 Jahre in Hausen vor Wald, wo er 1957 starb. Sein Nachlass befindet sich im Archiv des Stadtmuseums.

Gemälde im Zimmer des Ortsvorstehers in Hausen vor Wald

Hier die Ansprache von Pfarrer Thieringer anlässlich der Trauerfeier im Krematiorium in Schwenningen am 12. Dezember 1957

Hans Adolf Schroedter war geboren am 14. Juli 1872 in Karlsruhe; seine Eltern waren der Ingenieur Max Schroedter und dessen Ehefrau Selma, geborene Nottebohm. Er war das erste Kind, es folgten ihm aber noch drei Geschwister, zwei Schwestern, die heute hochbetagt in Karlsruhe leben, und ein Bruder, der vor zwei Jahren starb. Auch die väterlichen Großeltern lebten in Karlsruhe; der Großvater Adolf Schroeder war Maler, die Großmutter Alwine, geborene Heuser ist bekannt geworden als Blumenmalerin. Diese Großeltern hatten ursprünglich in Düsseldorf gelebt und kamen dadurch nach Karlsruhe, daß der Großvater durch den damaligen Großherzog Friedrich I. als Ornametiker an die technische Hochschule nach Karlsruhe berufen wurde. Nicht nur im eigenen Elternhaus, sondern vor allem auch von der künstlerischen Tätigkeit und Atmosphäre im großelterlichen Haus empfing unser Verstorbener von früh auf Eindrücke, die sehr wohl seine eigene künstlerische Laufbahn mit bestimmten. Er verblieb dann auch bei den Großeltern als seine Eltern nach Bad Cannstatt übersiedel-ten; Hans Schroedter besuchte damals das humanistische Gymnasium in Karlsruhe; nach wohlbestandenem Abitur ging er an die Karlsruher Kunstschule, um sich dort die grundlegenden technischen und künstlerischen Kenntnisse zu erwerben. Seine einzelnen Lehrer hier und an den späteren Orten seiner Ausbildung können nicht alle aufgezählt werden; in Karlsruhe war es unter anderen Kalckreuth; Studienreisen führten ihn später nach England, Frankreich und Italien: weiterstudiert hat er längere Zeit auch in München, dann in Berlin unter anderem auch beim Historienmaler Lessing; vor allem war er dann abschließend noch Meisterschüler bei Hans Thoma.

Vieler anderer hat er in Dankbarkeit und Verehrung gedacht. – Bald fielen ihm einige größere Aufträge zu, sodaß sich der Beginn seiner eigenen künstlerischen Laufbahn verheißungsvoll anließ. Er wurde Mitbegründer der Kunstdruckerei Künstlerbund in Karlsruhe, und durch seine sowie seiner künstlerischen Freunde entfaltende Tätigkeit gewann damals gerade die graphische Kunst einen starken Auftrieb.

Im Jahre 1906 vermählte er sich in Köln mit Thusnelda, geborene Edle von Födransperg; die junge Frau war Sängerin, und so gesellte sich in seinem Haus zur bildenden Kunst die Musik.

Daß auch die Hausfrau tätige Künstlerin war, bedeutete vor allem, daß sie aufs Beste zu allen Zeiten ihren lieben Gatten verstand und aus eben diesem Verstehen heraus alle jene Voraussetzungen schuf, die er für sein Schaffen brauchte: die Stille und Sammlung, fern von all dem Kleinkram des Alltags, der sich so oft lähmend auf die Seele legen will; fern sogar, soweit es nur ging, auch von den Sorgen und Nöten des Lebens.

Darum auch konnten die Bilder von Hans Schroedter soviel Ruhe und Frieden ausströmen, darum ging von ihnen eine stille, aber starke Kraft aus. Bekannt wurde dann sein Name vor allem durch die Bildwerke, die er für die bekannte Kirche in St. Blasien zu malen hatte, – es war im Jahre 1912 -, und rasch folgten noch einige weitere größere Aufträge, darunter auch ein Bild für die Kirche in Brötzingen. – Da kam, auch für sein Leben, der scharfe, schicksalschwere Einschnitt durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges. Erst diente er mit der Waffe, dann war er als Frontmaler dabei bis zum traurigen Ende von 1918. Sein übergroß gewordenes Bedürfnis nach Stille und Ruhe, wohl auch notwendiger Neuorientierung in den plötzlich so anders gewordenen Verhältnissen, ließ bei den Ehepaar den Entschluß reifen, die Karlsruher Wohnung aufzugeben und dauernden Wohnsitz in Wolterdingen zu nehmen.

Nach einigen Jahren erbauten sie sich dann ein eigenes Heim in Hausen vor Wald. Die beiden dem Ehepaar geschenkten Kinder. ein Sohn und eine Tochter, wuchsen dort auf, und das Dorf wurde ihnen Heimat. Aber auch die Eltern Schroedter lebten sich voll und bewußt in die Dorfgemeinschaft ein. Gar manches Werk ist dann unter den fleißigen Händen von Meister Schroedter im Atelier zu Hausen entstanden, Porträts, Landschafen, vor allem der Baar, auch reizvolle Märchenbilder voller Gefühlstiefe, oft auch voll feinen: Humors; er schuf Bilderbücher für Kinder, religiöse Bilder für Kirchen; vor allem beschäftigte ihn immer wieder die Frage nach richtigen und würdigen Ehrenmalen für die Gefallenen des Krieges. Als be-sondere, wohl reifste Frucht dieser langjährigen Bemühung entstand dann ein großes Triptychon, das in tiefer Weise den Zusammenhang zwischen Tod und Leben deutet und ebenso den Betrachter zur Einkehr, ja Andacht fordert, wie es andererseits die Bedeutung des Sterbens an der Front vor Augen hält.

Es war ihm ein tiefer Schmerz, daß dann dieses reife Werk „die Ernte seines Schaffens“ wie er sich einmal mir gegenüber. ausdrückte, nie den Raum erhalten hat, in dem es wirken und fruchtbar werden konnte. Er hat sich in und mit diesem Werk zu den positiven Kräften der Religion, ja des Christentums bekannt, und an dieser Überzeugung hat keine Macht der Welt zu rütteln vermocht. Darum ist es ihm aber auch in vielen andern Fällen gelungen, mit seinen Bildern Kraft und Trost zu spenden. In einer stillen Stunde hat er mir einmal von dieser Beglückung gesprochen, er, der immer ein Stiller war und von sich selbst am wenigsten sprach. Der Besitzer eines Bildes hatte ihm im zweiten Weltkrieg geschrieben, daß er das Bild bei jedem Luftalarm mit in den Keller nehme, und nach furchtbaren Bombennächten betrachte er allemal still wieder das Bild und finde dabei sein seelisches Gleichgewicht und seine Kraft zum Leben wieder. –

Hans Schroeders bis in solche Tiefen reichende Kunst erfuhr denn auch beim 80. Geburtstag des Meisters im Jahre 1952 die verdiente, wenn auch späte Würdigung durch Verleihung des Staatspreises. Das war ihm nach dem Zusammenbruch und den darauffolgenden schweren Jahren doch eine Genugtuung Nur hat er dann nicht mehr lange schaffen können. Der Körper versagte dem Geist den Dienst, er mußte den Pinsel aus der Hand legen. Langsam, aber merklich häuften sich die Beschwerden des Alters gerade vor einem Jahr durfte er noch an der Seite seiner geliebten, treuen Frau die goldene Hochzeit feiern, zwar nur im engsten Familienkreis, aber froh und dankbar.

Eine eigentliche lange Erkrankung und ein schmerzvolles Lager sind ihm erspart geblieben. Ein Schlaganfall setzte am vergangenen Sonntag, den 8. Dezember, dem Leben dieses gesegneten Sonntagskindes ein stilles, friedliches Ende. Er hat ein Alter von 85 Jahren, 5 Monaten und 28 Tagen erreicht.

Wir lesen 1. Petr. 3,4 die Worte:
Der verborgene Mensch des Herzens, unverrückt, mit sanftem und stillem Geiste, das ist köstlich vor Gott„.

Sooft wir an einer Bahre stehen und Abschied nehmen müssen, überkommt uns der Eindruck dieses nun endgültig abgeschlossenen Lebens, sodaß wir uns immer wieder fragen müssen angesichts der Flüchtigkeit aller Zeit: was ist doch der Mensch?

Die Rettung des Gnadenbilds in St. Maria in Fürstenberg

Was ist denn das Leben?

Heute aber, an dieser Bahre, fragen wir uns anders: Was war das für ein Mensch? Welch ein reiches Leben hat er so ganz aus der Stille und von Innen her verströmt! Nicht im Äußern und Äußerlichen, auch nicht nur, weil er Bilder hinterließ, die von seinem Wesen starkes Zeugnis ablegen, sondern vor allem, weil sein Wesen selbst so eindrücklich war: freundlich und still, bescheiden und schlicht, klar und rein, so ohne allen falschen Stolz, – und dabei doch ein starkes Wesen, das Formen und Farben zu bannen vermochte, die lebendige Bewegung so fest-hielt, als ginge sie weiter; die Kraft, auch dem alltäglichsten Ding einen tieferen Sinn abzuringen, die flüchtige Stunde in das Licht der Unvergänglichkeit zu tauchen, den eigentlichen Sinn alles Geschehens sichtbar werden zu lassen.

In all‘ dieser besonderen Kraft war er aus seinem Innersten heraus ein Künstler, einer, wie wir uns einen Künstler denken, ein Künstler, wie ihn das Volk braucht, ein Künder verborgener Schönheit, ein Mensch, der mit seinen Werken Licht entzündet, Freude schafft, Frieden schenkt, Stille ausbreitet.

Wir fragen uns daher weiter: Was ist nun eigentlich das Geheimnis eines solchen Künstlerlebens?

Gewiß muß auch der Künstler lernen und üben, aber seine eigentliche Gabe muß Absicht im Letzten erfüllt. Aber was er genau so wußte, war die Tatsache, daß Gott jedem Menschen besondere Gaben ins Leben mitgibt, und daß jeder seinen Mitmenschen damit dienen kann, ja soll. Und eben diese Gewißheit wollen wir von seiner Bahre mitnehmen. Derselbe Gott, der ihn gesegnet hat, will Dich und mich auch segnen, will uns allen ewige Kräfte schenken, will uns herausheben aus unserem oft so verdrossenen Dasein, will uns ins Helle führen aus unserem eigenem Dunkel. Derselbe Gott, der unsern Meister wundersam geleitet und nun zu sich genommen hat in betagtem Alter, will Euch, liebe Leidtragende, hinweghelfen über allen Trennungsschmerz, über die Klage und das Weh in Euren Herzen. Er will Euch dessen gewiß machen, daß Euer lieber Vater nun heimgegangen ist in jene Welt, aus der ihm so viele innere Güter zugeflossen sind in seinem langen Leben; er ist im Tod nicht abgesunken, sondern aufgenommen worden, sein Leben ist nicht erloschen, sondern erfüllt, nicht vernichtet, sondern vollendet.

Uns alle aber, die wir mit Euch trauern und tragen, möchte der Vater im Himmel dazu führen, daß wir die Gaben, die er uns gab, erkennen und in seinem Sinne nützen; dann wird auch von unserm Tagewerk Licht ausgehen und wir werden selbst beglückt sein, wenn wir den Menschen um uns her das Leben lichter und leichter machen; wir werden die tiefste Freude darin finden, daß wir andern Freude bereiten können: wir werden selbst getroster und zufriedener werden, wenn es uns gelingt, andern die Last des Lebens zu erleichtern. Dann erleben wir es, daß an jedem Menschen sich die Verheißung erfüllen kann und will: „Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein„. Dann wird an unserm eigenen Wesen werden, was unser Heimgegangener in so ausgeprägter Weise war, ein Verborgener Mensch des Herzens“, still und stark, ein Segen für viele Ueber Tod und Grab hinaus soll er es bleiben, indem wir ihm versprechen in dieser Abschiedsstunde:

Wir wollen werden, wie DU warst!

Bild von Hüfingen von Hans Schroedter

Bschlage – D’Käther und de Marti

Von Gottfried Schafbuch

D’Käther und de Marti gelesen von Maria Simon

Bschlage

Es johlet d’Käther, schreit und schilt
am Mendig früh wie b’sässe:

„Du Lump, du ganz versoffne Siech,
bischt z’lang im Bäre g’sässe.
Jetzt guck emol din Kittel a,
sind Flecke drin, en Huufe.
Du Pfiddi, siescht, die Moose doo,
die kummet nu vom Suufe!“

De Marti stieret vor sich hear,
hört zu dem Dunderwätter.
Z mol schleet er d’Bratze uff de Disch
und brüelet a sie Käther:

„Gell, lieg mer nitt und halt die Muul,
und hör nuu uff mit blääre.
Vum Suufe kummet d’Moose nit
die giit es bim Verlääre!

Karikatur von Helmut Gross, Villingen.

Am Rand in Hüfingen

Heute war Pantomime in Hüfingen. Ja, wirklich: Pantomime. Mit Baccalà. „Menschliches und Allzumenschliches“ – ganz ohne Worte, dafür mit umso mehr Ausdruck, Bewegung und erstaunlich viel Gefühl für Zwischentöne.

Plakat an der Tourist Info

Eine Produktion im Auftrag der Randenkommission.
Regie: Kami Manns

Pantomime mit Baccalà die Künslter im Marienbrunnen in Hüfingen vor dem Rathaus

Jazz-Saxophon: Volker Wagner

Pantomime mit Baccalà vor dem Rathaus. Sie mach Handstand auf seinen Händen

Unterstützt durch den Verein Agglomeration Schaffhausen sowie die Jakob und Emma Windler-Stiftung.

Und man staunt: Es gab sogar Blasmusik! Offenbar aber die falsche – sonst hätte man ja davon vorher gehört.

Schade, dass die Stadt nicht darauf hinweisen wollte. Versteckt in einem Nebensatz bei Nachrichten aus dem Kreis – wer liest das schon? Fast schon tragisch, dass bestimmte Herren Stadträte vorher nicht um Erlaubnis gefragt wurden. Man darf gespannt sein, ob das „Freie“ Forum noch entdeckt, dass für einen ganz kurzen Moment nicht der Verkehr, sondern Kultur Vorrang hatte.

Leider war der Weg aus dem Rathaus bis vor die eigene Haustür offenbar zu weit, um den Künstlern etwas Respekt zu zollen. Umso größer der Respekt – und ja, auch der Mut – der Künstler, die sich in solche Gefilde wagen, wo man lieber unter sich bleibt und das Fremde vorsorglich übersieht. Danke dafür. Wirklich.

Am Samstag sind sie in Villingen.
Vielleicht trifft ihre Kunst dort auf ein Publikum – und auf eine Stadt –, die merkt, wenn direkt vor ihrer Tür etwas Besonderes passiert.

„Vom Himmel im Atelier“ in St. Märgen

In der Ausstellung „Vom Himmel im Atelier“ im Kloster Museum St. Märgen zeigt Eva Rosenstiel Arbeiten, die in diesen 10 Jahren im Atelier St. Märgen entstanden sind. Inhaltlich geht es hier auch um eine Auseinandersetzung mit Bedingungen von Entstehung der Kunst. Inwieweit beeinflusst der Produktionsort – aber auch Herkunft und familiäre Prägung die künstlerische Arbeit.

Hier einige Eindrücke von der Vernissage am 29. März 2026.

  • Vernissage von Eva am 29. März 2029 in St. Märgen

Die Ausstellung ist bis 15. November 2026

Haus Nober
Installation & Buchprojekt

Künstlerische Intervention im Haus Nober.

2016 hat Eva Rosenstiel mit 5 anderen Kunstschaffenden zu einer Ausstellung eingeladen.

In Hüfingen im Haus Nober entstand eine Auseinandesetzung mit der Geschichte des Hauses.

Hierzu gibt es ein Buch beim Verlag April und Tochter Freiburg 2018. Fotos: Bernhard Strauss

Zeitgleich wurde in Freiburg Ulrich von Kirchbach, der langjährige Kultur- und Sozialbürgermeister der Stadt Freiburg, verabschiedet. Zwei seiner Aussagen erscheinen mir auch mit Blick auf Hüfingen bemerkenswert passend:

„Es ist wichtig, für alle Bereiche die gleiche Empathie aufzubringen.“
„Wenn man glaubwürdig sozialpolitisch arbeitet und verankert ist und erklärt, warum Kultur und kulturelle Bildung für die Entwicklung der Stadt und ihrer Kinder wichtig sind, bekommt das eine andere Gewichtung.“
Aus der Badischen Zeitung vom 28. März 2026

Gerade bei einer Künstlerin und einer Ausstellung mit so klarem Bezug zu Hüfingen wäre das heute keine ganz unwichtige Haltung gewesen.
Es wäre schon viel gewonnen, wenn kulturelle Bildung auch hier etwas breiter verstanden würde – und nicht nur dort, wo sie seit Jahren ganz selbstverständlich Aufmerksamkeit, Präsenz und Förderung erhält.

Eva Rosenstiel

1951 in Hüfingen (Haus Nober) geboren, lebt und arbeitet Eva Rosenstiel in Freiburg und seit 2016 zudem in St. Märgen.
Vor ziemlich genau 10 Jahren übernahm sie dort das Atelier von Peter Dreher (1932-2020), bei dem sie nach einem Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Freiburg von 1975 – 1981 an der Akademie der Bildenden Künste Karls-ruhe, Außenstelle Freiburg, Malerei studiert hatte.
Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen und sind in mehr als zwei Dutzend öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Frau Rosenstiel erhielt mehrere Auszeichnungen und geförderte Arbeitsaufenthalte. Ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg führte sie zudem an die Cité internationale des arts in Paris, wohin sie seither mehrfach zu Arbeitsaufenthalten zurückkehrte. Ihr Schaffen ist oft vom jeweiligen Arbeitsort beeinflußt. So entstehen auch in St. Märgen situationsbezogene Projekte.
Ihre Arbeit „Elfenbeinturm“ über das Atelier in der Wagensteigstraße wurde mit einem Projektstipendium des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

In ihrem Werk erkundet die Künstlerin die Bedingungen des Sehens und die Beziehungen zwischen Bild und Raum, Farbe und Objekt. Dabei beruht das künstlerische Konzept von Eva Rosenstiel auf der bimedialen Zusammenführung von Fotografie und Malerei in formaler wie inhaltlicher Hinsicht. Dem Medium der Reproduktion wird durch die aufgetragene Malerei mit Ölfarben eine materielle Qualität gegeben und es entsteht ein unverwechselbares Einzelstück, eine Fiktion. Das Sujet Stoff erhält durch Anordnung und Kombination mit verschiedenen Bildgründen (Landschaften, Marktszenen, Portraits, Himmel etc.) unterschiedlichste Aussagen. Dabei werden auch die Bilder unseres kollektiven Gedächtnisses assoziiert.

Einladung "Vom Himmel im Atelier"

Einladung mit Text und drei Bildern
aus Kleeblume, 2021, 20 x 20 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond (Ausschnitt)
aus Kleeblume, 2021, 20 x 20 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond (Ausschnitt)
aus Palette (P.D.), 2021/22, 30x30 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond
aus Palette (P.D.), 2021/22, 30×30 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond

Visit Eva Rosenstiel

Die Künstlerin Eva Rosenstiel hat dem Hieronymus-online am 14. Mai 2022 ein Foto geschenkt.
Vielen Dank dafür!

Die Bilder stammen aus der Ausstellung „visit“ in der städtischen Galerie Fruchthalle Rastatt.

Auf vergrösserte fotografische Abbildungen von Lithografien aus dem  Hieronymus malte sie 2018 Bäume. Die im Original im Wald dargestellten Figuren werden durch die Malerei verdeckt und die Natur wirkt „zeitloser“. Das linke Bild hängt inzwischen im Stadtmuseum in Rastatt

Im Rathaus hängt übrigens auch noch das eine Bild unten aus 1999.

Anton Knapp hatte für Hüfingen damals noch mehr erworben. Leider werden die Bilder irgendwo versteckt gelagert.

Wolfgang Kleiser zum 90. Geburtstag

Bis zum 3. Mai ist die Ausstellung im Hüfinger Museum zum 90. Geburtstag von Wolfgang Kleiser: Wolfgang Kleiser: SITUATIONEN – zum 90. Geburtstag

Wolfgang Kleiser

1936 geboren in Urach im Schwarzwald
19501953 Lehre als Holzbildhauer beim Vater Augustin Kleiser in Urach anschließende Gesellenjahre
19561958 Zeichenkurse an der Fernakademie Paul Linke, Karlsruhe
19581960 Schüler beim akademischen Bildhauer Franz Spiegelhalter, Freiburg
1960 Meisterprüfung als Holzbildhauer
seit 1961 Selbstständig

19651968 Zeichenkurse an der Fernakademie „Famous Artist School“, Amsterdam
seit 1972 als freischaffender Bildhauer anerkannt

Mitglied der Gemeinschaft christlicher Künstler der Erzdiözese Freiburg, dem Berufsverband Bildender Künstler Südbaden und dem Kunstverein Villingen-Schwenningen

Chorraumgestaltungen (Auswahl):
Unadingen / Döggingen / Kappel / Altglashütten / Schallstadt / Oberbiederbach

Kreuzwege für Kirchen (Auswahl):
Bad Dürrheim / Hubertshofen / Spaichingen / Schwetzingen / Freiburg / Schallstadt / Böblingen Gelnhausen-Höchst / Heilbronn-Kirchenhausen

Persönliche Höhepunkte des künstlerischen Schaffens:
1978/79 Kreuzweg für die Stadtkirche Spaichingen (Wettbewerb)
1985 Portraits der Eltern des Ministerpräsidenten a.D. Erwin Teufel, Bronze
Portrait des Bundesministers a.D. Dr. Heinrich Krone
1993/94 Chorraumgestaltung für die neue Kirche in Schallstadt – Wolfenweiler, Eichenholz, Bronze (Wettbewerb)
1994 Gestaltung der Jubiläumsstele in Bronze (ca. 280 cm hoch) zum 750. Stadtjubiläum Vöhrenbachs
1999 ein Kreuz (ca. 280 cm hoch) für eine Kirche in Mostar, Herzegowina
2000 Gestaltung des Eingangsbereiches des neuen Krankenhauses in Lichtenstein (Sachsen), Stele und Relief (Wettbewerb)
2003/05 Stationenweg St. Ottilien, Freiburg
2014/15 Stele Rathausplatz Vöhrenbach (525 cm hoch)

Hier gibt es eine Galerie zur Ausstellung:

  • Kinderkopf
    Enkel

rendez-vous mit Wolfgang Kleiser

12. Oktober 2022 von Hubert Mauz

Hubert Mauz über rendez-yous mit Wolfgang Kleiser

In der Ausstellung, die am Freitag, dem 07.10.2022 eröffnet wurde, räumt das Stadtmuseum für Kunst und Geschichte Hüfingen fünf Künstlerinnen und Künstlern einen besonderen Platz ein.

„Wie lang häsch no, Bläsi?“ gelesen von Maria Simon

Wie lang häsch no?, Bläsi

„Guete Morge“, du ich dorri brummle
de Morgemuffel hangt mer i de Zai
„Guede“, duet er herwärts mummle
Soo gohts sit Woche mit iis zwei.

En Wälder also, seller Kleiser Maa,
denkt han ich’s glii, jetzt isch es klar.
Kumsch Obends z’ruck, stoht er no doo
Uf sim Podest, doo uff de Boor.

„Guete n’Obet“, ruef ich zu ihm riber
„Guede“ huucht er zue mir n` iber.
Er guckt nit nab und au nit nuff,
sii Handwerk hät der wirkli druff.

So giit’s nuu on wo bloost und drillt
des flissig Glas noch sinem Bild.
D’Betziit Glock nimmt er kum wohr
am „Bläsi – Brunne„ , uff em Brunnestoe.

Dem isch’s au gliich wenn d’Rentner froge:
„Wie lang widd duu dichdenn no,bloge?“
Erst reacht bloost er noo uff die Backe
Und loot de glüejig Buddel knacke.

Denn Arbet isch e Kunscht nie gsii.
Drum zooeget er wie es sott sii,
daß z’fridde mir ad Arbet gond
und froh sind, dass mir oni hond.

„Häsch nit baald gnueg?“ lot er nit gelte
do kennet alli morre, schelte
„Wie lang häsch noo?“, isch ihm en Gruus,
drum schaffft er zue, johrii, johruus.

Den Kerle mueß mer oefach mege
und kon isch au nuu weng degege.
Sitt der im Oortisch, des sei gseit,
macht iis der „Bläsi“ werkli Freid.

Am Schluß do kummet die Schönschte…

Collage mit Bürgermeister Patrick Haas in Frack als Abraham Lincoln vor einem alten Bild des Hotel Frank als alle Bäume noch standen. Im Hintergrund die Justicia vom Friedhof, vorne der Biber vom Camp der IBG, Lorax auf der Kiefer und an der Türe vom Gasthof Frank einen Einladung zur Nachbarschaftshilfe. Das alte und neue Logo der Stadt Hüfingen am Boden und ich sitze im Biergarten und schreibe an meinen Büchern. Recht unten ein Copyright Symbol mit der Schrift Symbolbild.
I have stepped out upon this platform that I may see you and that you may see me, and in the arrangement I have the best of the bargain.
Abraham Lincoln, 16. Februar 1861

Einige wissen ja, dass ich aus Villingen stamme. Deshalb gehört mein Herz der Villinger Fasnet und vor allem den Wuescht:

Ein Wueschtgruß

Vielen Dank an den Wueschtvater a.D. Roland Weißer

Es isch e Maidle in de Brunne keit,
Ich han se heere plumpse,
ich han se no am Strumpf verwischt,
no fangt der Sirch a brunze.

Zwei Blaumeisen beobachten grüne Hexe und nackten Lappen im Stadtbächli.
Februar 2022

…in welcher man bekanntlich alles Bildliche und Farbige beseitigt, und selbst den Himmel noch weiß angestrichen hätte, wenn ihm beizukommen…
https://hieronymus-online.de/hieronymus-kapitel-12/
Februar 2023


Neue Bilder von Hans Lang von Hüfingen

Diese fantastischen Bilder von Hans Lang sind in Hüfingen aufgetaucht. Vielen Dank an Alfred Riegger!

Es würde uns interessieren wo das Original ist. Vielleicht weiß wer was?
Dieses Bild wurde dem ehemaligen Hauptamtsleiter, Karl Hahn, zum Abschied geschenkt.

Das etwas andere Lebensbild des lebenslustigen Künstlers Hans Lang

gelesen von Richard Ketterer im März 2024

Eine Vita als Leporello

Nicht nur Gassen sind etwas Unverlierbares, auch Menschen, Personen, und Originalitäten.

De Lange Hans us de Wassersrooss z Eschinge

Auf den Gedanken einen Bauingenieur und Mundartler übers Leben und Wirken vom Hans Lang reden zu lassen, das kann nur der Lange Christel und Rolf Karl einfallen. Darum schwenk auch diesmal kein Kunsthistoriker oder Kunstkritiker das Weihrauchfass zu Ehren eines städtischen Universaltalentes. Dieses Leben, diese Vita, diese Hommage soll man nach dem Willen der Nachfahren, und sicher nach seiner eigenen Gedankenwelt, möglichst unterhaltsam und skizzenhaft aus dem episodischen und narrativen Gedächtnis eines jungen, heranwachsenden Eschingers erzählt werden. So sind sie halt die Langs, die Maiers us de Unterstadt, us de Wasserstroos.

Fast jeden Morgen ist mein Vater zum Bahnhof auf den Zug gegangen. Bei „Theodor Maier- Kolonialwaren“, bei den frühaufstehenden „Maier Wiebern“, Gretel und beim Tantele Bertel Maier, hat er seinen 6-er Pack Burgerstumpen als Tagesration geordert. Der Hans hat den beiden Frauen ziemlich lustlos die Regale mit den schweren Waren aufgefüllt und den Freiluftmarktstand vor dem Laden aufgebaut. Schnell hat er sich dann verdrückt um auf Motivjagt zu gehen. Während der erste Bürgerstumpen schon geglüht hat, haben sich die beiden kurz die neuesten Witze und die neuesten Stadtgeschichten, Skandälchen und Missgeschicke erzählt und zusammen einen gepafft. Vater den dicken Bügerstumpen und Hans ein Pfeifchen oder eine Gitan oder eine Troup aus dem Economat oder dem Casino. Neben fürchterlichen traumatischen Erlebnissen brachten unsere Väter auch eine schwere Sucht nach Hause. Die glühende Sehnsucht nach Zuhause wurde nämlich in der Soldatenzeit auch mit der glühenden Nikotinsucht der härtesten Sorte bekämpft. Machorka, Reval, Troup. „Bahndamm dritter Schnitt“ hießen diese Stengel- und Strunktabake im Militärjargon und sie forderten nach dem Krieg als Spätfolgen nochmals viele Opfer.

Haus Maier, zerstört 20.April 1945

Wiederaufbau Wasserstr. 1

Im Kopf vom Hans rumorte schon das nächtliche Traummotiv: Stadtkirche vom Brigachufer am Schützen, monochrome, in Kohle. Also ab mit Staffelei, Kohlestiftholzkästchen und Zeichenkarton ans Brigachufer vor der Falkenpost. Kaum war der Dreibock aufgestellt und der Karton eingespannt, schauten ihm schon die lustlose daherschlurfenden Schüler, die entrückten Frauen von der Frühmesse und die am frühen Morgen schon schlappen Bürokraten von der FF-Kammer über die Schulter. In deren ledernen, speckigen Aktentäschen ein Butterbrot, eine Thermosflasche Zichorien- Kaffee Pnache mit viel Cognac und den obligaten Ärmelschonern,: „Hans, wa hät der hit Naacht wieder troomt, wa wit hit mole?“. „Ha waisch, de böhmisch Stadtkirchearchitekt Kanka hät vorfern bestimmt als erschtes e Kohlestiftzeichnung gmacht vu de böhmische Barockkirch uff em Donauquellebuckel. Genau dem sin uusdenkte Iifall vu dämols für die Barockkirch uff dem Kalkfelsebuckel über de Dunnequell, dem will ich nochschmecke, nochmuuse. Aber nit wie ichs als Technische Zeichner glehrt han, mit Reißschiene und Tusche, sondern mit Kohlestift, so wie ebe dämols de Kanka“. Dieses Bild, dieses Sujet, war eines der besten und erfolgreichsten von Hans Langs Bildern.


Und schon steigt in seinem Kopfkino ein Karikaturen Bild auf und wird im prallgefüllten Kopfzettelkasten abgelegt: Ein dürrer oder vielleicht fülliger Kammerbürokrat mit Nickelbrille, Zigarre, Ärmelschoner, Tintenfeder und Tintenfass an einem barocken Stehpult mit englischem Banker- Schreibpultlämple.


In „Brusel“ (Bruchsal) ist Hans Lang aufgewachsen und hat unter sachkundiger Anleitung seines Decomaler-Vaters und Restaurators mit Bleistift und allen verfügbaren Papierresten ständig skizziert. Von 1934 bis 1947 war auch er, so wie viele jungen Deutschen, im doppelten Sinne gefangen vom bedrückenden und erdrückenden Nationalsozialismus. Das war die Zeit des düsteren Monochromismus in seinem Leben und in seinem Malen. Mit Bleistift und Papier hat er in den Kriegsjahren und Gefangenenjahren Hunger, Not, Erschöpfung, Düsternis aber auch Freundschaft trefflich und einfühlsam gezeichnet. Schwarz-Weiss nicht nur wegen seiner Gemütslage, sondern auch in Ermangelung von Malfarben, Leinwand und Utensilien.

Als aber nach 1947 Hoffnung aufkeimte, kamen wieder sanfte, zaghafte Aquarellfarbe zwischen die Flächen seiner grauen Linien. Bis in die Fünfziger herrschte dennoch die Monochromie vor. Sicher auch Ausdruck der Traumata die allen unseren Vätern innewohnte. Das düstere Bild des zerbombten Haus von „Theodor Maier- Kolonialwaren“ war finaler Höhepunkt der düsteren Bedrücktheit. Selbst das „Mathisle“ Porträt in Öl von 1963 hat noch diesen dunklen Taint.

Und genau an diesem Bild kommt die einfühlsame, rücksichtsvolle Skizzen- und Portraitmeisterschaft ganz deutlich zum Ausdruck. „S Mathisle“ war mehr als ein Eschinger Original. Er war der Hofnarr, der lustige August, der verkommene, muffelnde, ungepflegte Taglöhner, Rumtreiber, schlagfertige Witzbold der jeden Dutze, auch den Fürst. Von den Bildungsbürgern geduldet, wenn nicht sogar geschätzt , hielt er ihnen vorwitzig den Spiegel vor. Vermeintlich ein verhöhnter, verachteter Versager. Was macht Hans Lang daraus: Er bildet seine menschliche Würde ab. Sein Schalk, sein Gifizz kommt zum Ausdruck. Man glaubt einen stolzen, geachteten Eschinger Bauern vor sich zu haben. Nichts von all den aufgeführten Vorurteilen kommt zum Vorschein. Nur Respekt, Menschlichkeit, Wärme, Würde. Die wahre Kunst des Porträtisten. (Volksbad Episode?).

S’Mathisle

Diese Meisterschaft kommt auch zum Vorschein bei seinen legendären, aber auch berüchtigten Wirtshaus und Veranstaltungsskizzen. Vor seinem spitzen Bleistift und Skizzenblock war keiner sicher. Es wird kolportiert, dass er dem Gegenüber direkt in die Augen sah und ohne einen Blick auf den Block zu werfen mit wenigen Strichen und Schattierungen ein Porträt zeichnete. Viele halten diese „Blind Views“ sogar für seine Besten.


In den 60-ern kommt dann viel Farbe in die Bilder und in das Leben von Hans Lang. Fast hat man das Gefühl, dass die Traumatas abfallen, bewältigt sind. Ästhetik, Ironie , Satire, Stimmungen, Harmonie, Erotik werden mit wenigen Strichen aber auch farbig opulent eingefangen.


Und wieder steigen Kindheitserinnerungen auf. Eschingen war in den 50-60-ern tatsächlich eine Schlittschuhstadt. Wenig Schnee aber knackige Kälte am Kältepool Alemanniens bewirkten und beförderten diesen Kult. Wieder bewahrheitet sich der Satz: „Nicht die Herrschenden schreiben so Geschichten sondern die Landschaftsgeographie“. In dem Fall das Klima. Dennoch schaffen die Herrschenden die Voraussetzungen zu diesem Eiskult, indem sie östlich des Parkes im klirrenden Kältesee im Haberfeld einen großen Eisweiher und ein beispiellosen Eishaus bauen. Auf diesem Polareis vergnügen sich seit 1910 die Eschinger am Sonntag zu Hunderten beim Schlittschuhlaufen, Eistanzen, Eisstockschießen und Eishockey spielen.

Eiswiese um 1910

Zwei Bürger ragen davon heraus: Hans und Gretel Lang. Die beiden üben unter der Woche am Abend fast vor der Haustüre auf der damals oft zugefrorenen Brigach vor dem Irmapark Paarlauf, Eistanzen. Die beiden Turnvereinler, Körperbeherrschung, Körperspannung, grazile Bewegungen scheinen ihnen in die Wiege gelegt zu sein, proben für ihre Auftritte am Sonntag auf dem Eisweiher. Auch da werden mit wenigen Kufenspuren Skizzen, Zeichnungen, Ornamente aufs Eis gezeichnet, ja gezaubert, so wie es Hans auf dem Skizzenblock nicht besser könnte. Nur wenige Bilder prägen sich üblicherweise im episodischen Gedächtnis eines 10 jährigen ein. Eine Szene aber läuft immer noch in meinem Kopfkino beim Brigachspaziergang ab. Die Langs, die Eschinger Kilius Bäumlers, beim grazilen Eistanz auf der Brigach. Hans Lang muss diese Ästhetik geradezu pirouettenhaft umgetrieben haben. Denn immer wieder taucht dieses harmonische Eislauf- Ballett- und Tanzsujet auf. Mit wenigen Strichen in Blei- oder Kohlestift aufs Papier gezaubert.


Beim Frauenfreund Hans Lang kommt das weibliche Geschlecht bestens und formvollendet weg.
Neben dem Eislaufsport brachte Hans Lang als Ski- und Tourenwart des TV auch die fast schwerelose Funktionslust dieses Skisportes eindrücklich zur Geltung.


Woher aber rühren die zahlreichen Pferdeskizzen und Graphiken? Hans Lang kam zwar als Militärmusiker nach Eschingen, wurde aber in der großen Kaserne zum „Rittmeister“, zum Kavalleristen in der großen Reithalle und den Stallungen. Dass das Reitturnier den Stift zum traben, galoppieren brachte, war deshalb naheliegend und fast zwangsläufig. Naheliegend war auch der Bezug zu den Musiktagen, für die er oft die symbolträchtigen Plakate entwarf. Obwohl er als Musiker nach Eschingen kam, kann man sich durchaus fragen, kam eigentlich die Musik- Reit- Eis-Sport und Kunststadt Eschingen zu ihm oder er zu ihr? Die Antwort liegt aber in der Mitte: Bei der Zuneigung zu der hübschen Eschingerin Gretel Maier, später eben „D Lange Gretel“.


Eins kann ich aber Hans Lang nicht vergessen und kaum verzeihen, es ist fast schon ein Kindheitstrauma, mein einziges, zwar leicht zu bewältigendes, verkraftbares, aber latent.
Im altbackenen Turnsaal der Volksschule hing an der nördlichen Wand ein mächtiges Gemälde, gemalt von Hans Lang in Ocker, Bleiweiss und Kohle: Turnvater Jahn wachte streng über die Schul- und Turnvereinseleven. Und dieser bärbeißige schaute einem überall nach und machte einem wirklich Angst, weil er so lebendig wirkte und einem stechendscharf, disziplinfordernd ansah. Egal ob man sich hinter Mattenbergen, Kletterseilen oder Bündeln von Rundlaufstrickleitern versteckte, immer vermieste der Alte einem den Spaß am Turnen und Spielen. Hans Lang ließ sich vom Turnvater Jahn beim malen direkt in die Augen blicken. Dieser scharfe Blick verfolgt einem immer und überall im Saal. „Turnvater Jahn is watching you“, so könnte die Bildunterschrift lauten. Viele Ex-Volksschüler teilen noch heute diese Furcht vor dem strengen Blick des deutschen Obervorturners. (Ich glaube deshalb bin ich nicht in den Turnverein gegangen, sondern zur DJK in die modernen Gymnasiumshalle ?)

Turnvater Jahn


Sprühende, rastlose Phantasie hat den musischen Malerpoeten Hans Lang lebenslang umgetrieben. Falls dieses Erzählte doch eine kleine Vita gewesen sein sollte, haben sie vielleicht abgelauscht, dass das im reinsten Wortsinn ein „Vitales“ ein „Phantastisches, phantasievolles“ Leben war. Hans Lang bereicherte die Stadt Eschingen, die Baar, die Region und machte sie noch lebenswerter, noch anregender, noch poesievoller. Er war ein stadtverliebter, ein freiheitsliebender, ein selbstverwirklichender Bohem. Verliebt in Land, Leute, Jung und Alt, in Bauwerke, Flora, Fauna, ins Ried, die Donauauen, die Baardörfer, in Bewegung, Grazie, Genüsse aller Art, Geselligkeit, Humor, Jahreszeiten, Kontraste, Pinsel, Blei, Leinwand, Papier, Styropor, in Wasser, Eis, Luft, Licht und Liebe.

Denn die Liebe zu seiner Muse, seiner Ehefrau und Mutter seiner Kinder Monika, Christel, Hans Albert, zu Gretel Maier- Lang, machte seine freie Selbstverwirklichung erst möglich.


So ein originelles Leben kriegen nicht viele fertig. Und darum:

Memento Hans und Gretel Lang


Die zwei Bilder unten von Hans Lang waren im August 2024 in Donaueschingen zu sehen:

Karl Merz – der Maler der Baar.
Zum 136. Geburtstag

Karl Merz (3.01.1890 – 10.03.1970)

1. Version war am 14. Juni 2021

Karl Merz wurde am 3. Januar 1890 in Unterbaldingen geboren und ist am 10. März 1970 in Donaueschingen gestorben.

Alte Donaubrücke Pfohren 1921

Alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg 1937

1937 Pfohren
An der Donau bei Neudingen 1929

Im Rathaus in Pfohren hängen die alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg und auch der Blick über die Baar von 1937.

Karl Merz machte nach der Schule eine Lehre bei einem Dekorationsmaler und besuchte danach die Karlsruher Kunstgewerbeschule . Von 1909 an war er Schüler unter anderem der Professoren Landenberger und Pötzelberger an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart *.

Mühlengasse in Pfohren von Karl Merz 1936

Im ersten Weltkrieg war Karl Merz an der Front für die Donaumonarchie in Mazedonien, Serbien und Galizien. Mehrfach war er als Kriegsmaler abkommandiert. In den Inflationsjahren verdiente er sich sein Brot vor allem als Porträtmaler in der nahen Schweiz, in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Schaffhausen. Auch in Bad Dürrheim fand der Bauernsohn aus der Ostbaar zahlreiche Porträtaufträge. *

1920 kehrte Karl Merz in seine Heimat zurück und gründete mit Karl Bartels und Hans Schroedter die Künstlergruppe „Maler und Bildhauer Oberbadens“.

Im zweiten Weltkrieg war Karl Merz zum Luftschutzwarndienst eingezogen, tat eineinhalb Jahre in Blumberg Dienst bei der Gendarmerie und wurde im letzten Kriegsjahr erneut zur Wehrmacht einberufen. *

Schellenberg von Karl Merz 1956

Seine Werke mit der Baaremer Landschaften fanden nie den Weg in die Museen der großen Städte, sondern mehr in Rat- und Gasthäuser, sowie ungezählten Bürgerhäusern und Bauernstuben auf der Baar.

Titisee und Feldberg 1950

Foto: Erich Spiegelhalter 2023

In Donaueschingen war im im August 2024 eine kleine Ausstellung im blauen Rathaus und dort waren auch zwei Bilder von Karl Merz ausgestellt. Diese zwei Bilder sind ein Gemälde von Titisee mit dem Feldberg und das Trachtenbild mit der Frau seines Neffen, Ursula Merz.

Schwenninger, Villinger und Donaueschinger Tracht. In Villinger Tracht Ursula Merz.
Gretle und Hansel,
Donaueschingen von 1950

Der Bruder von Karl Merz war Eugen Merz. Eugen Merz sein Sohn war der in Villingen berühmte Schemmenschnitzer Manfred Merz. Die Dame in Villinger Tracht oben ist Ursula Merz, die Frau des Schemmenschnitzers Manfred Merz. Ursula Merz wurde nach dem Tod ihres Mannes von weitläufiger Familie enterbt und in ein Pflegeheim abgeschoben wo sie 2018 verarmt und einsam starb.

Postkarte von Andreas Weißhaar aus den Kommentaren unten.
Das Ölgemälde von 1929 befindet sich irgendwo im Besitz der Stadt Hüfingen.
Foto aus dem Jahr 1953

Allmendshofen Kirchplatz

Auf der Insel Hüfingen

Hasewäldle Hüfingen

Härlefalle Hüfingen

Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund
Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund

Bregspiegel Hüfingen

An der Breg Hüfingen

*Infos von einem Zeitungsschnipsels von Lorenz Honold etwa 1980

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