Sprechen gegen die Sprachlosigkeit

10. September – Welttag der Suizidprävention

Manchmal wird das Leben so schwer, dass man nicht mehr weiterweiß. Hilfe zu suchen ist keine Schwäche.

Auf dieser Seite finden Betroffene und Angehörige Informationen und Anlaufstellen – auch ganz in der Nähe:

Hilfe und Unterstützung bei Suizidgedanken – NaSPro

Sprechen hilft.

Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr unter 116 123 sowie 0800 1110111 / 0800 1110222 erreichbar.

Ab Montag 14. das ganz große Chaos um die B31, Dögginger und Schaffhauser Straße.

Rathaus Hüfingen

Jetzt erst ab Montag, 14.09.2026 soll die B 31 zwischen Hüfingen-West und Wasserturm einseitig gesperrt werden.
Die Arbeiten dauern angeblich bis Freitag, 06.11.2026.

Während der ersten beiden Bauabschnitte wird die B 31 halbseitig gesperrt.

Je nach Bauphase verlaufen die Umleitungsstrecken über die B 27 sowie über die Kreisstraßen K 5756 (über Donaueschingen-Pfohren) und K 5753. Änderung der Vorfahrtsregelung an der Anschlussstelle West B 31/L171 Bei der Umsetzung der Baumaßnahme wird auf der Dögginger Straße (L 171) an der Anschlussstelle West in Fahrtrichtung Hausen vor Wald die Vorfahrtsregelung geändert. Im Bauabschnitt 1 und 2 erhält der Verkehr in Fahrtrichtung Hausen vor Wald eine Stoppstelle.

Der Verkehr in Richtung Tuttlingen wird durch Hüfingen umgeleitet!

Genaueres steht irgendwo auf der Seite der Stadt, finde ich aber momentan nicht.

Stadtnachrichten

Gemeinderatssitzungen

Videos über die Gemeinderatssitzungen gibt es hier: https://www.huefingen.de/gemeinderat
und auf der Eingangsseite ganz unten bei der Social Wall: https://www.huefingen.de

Schadensmelder

Dann möchte ich an dieser Stelle auch noch auf den Schadensmelder hinweisen:

Die Mitteilungen der Stadt Hüfingen gibt es hier: https://www.huefingen.de/mitteilungen

Vor dem Rathaus mit Mariabrunnen und St. Verena und Gallus.
Stadtputz 21. März 2026

Stadtputzete 2026

Am 21. März war pünktlich zum Frühlingsanfang wieder Stadtputz in Hüfingen.
Vielen Dank an die tollen und engagierten Kippenpicker und Müllwegräumer!
Vielen Dank an die Stadt für die gute Organisation!
Schade, dass sich, wie immer, die Herren Stadträte zu fein für so etwas sind. Aber man kann sich ja nicht wichtig machen und Geld oder Bier gibt es auch nicht.
Um so größeres Lob an unsere tolle Jugend!

2025

Im neu gestrichenen Tor
Vielen Dank an die Stadt für das schöne frisch gestichene Tor!
25.09.2025
Unser Biopbeauftragter Johannes Geißler mit dem gelben Band am 22. September 2025
Bürgermeister vor dem Willkommensbild der Nachbarschaftshilfe
Kick-off der Nachbarschaftshilfe am 30. Oktober 2025


Stadtputzete 2025

13. April 2025

Vielen Dank an die tollen und engagierten Kippenpicker und Müllwegräumer!
Vielen Dank an die Stadt und fb food für die gute Organisation!
Schade, dass unser GR sich für so etwas zu fein ist.
Um so größeres Lob an unsere tolle Jugend!

Neuer Biotopbeauftragter

9. April 2025

Diese Seite hier werde ich ab- und an aktualisieren, wenn es etwas besonders wichtiges gibt. Heute wollte ich euch auf unseren neuen „Biotopmann“ hinweisen. Das Foto hierzu habe ich hier aus den Stadtnachrichten unten rein:

Denkbuch von Lucian Reich 1837 bis etwa 1860

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Das Denkbuch von Lucian Reich aus dem Jahr 1896 ist ein Herzensprojekt von mir das ich seit April 2022 voran treibe und immer wieder neue Erkenntnisse beifüge. Momentan befinde ich mich im Jahr 1836 und habe das Buch in mehrere Teile unterteilt.

Der 1. Teil : Der Hänslihof und das Denkbuch von Lucian Reich 1750 bis 1813
Der 2. Teil: Denkbuch von Lucian Reich 1813 bis 1830
Der 3. Teil: Denkbuch von Lucian Reich 1830 bis 1833
Der 4. Teil: Denkbuch von Lucian Reich 1833 bis 1836
Der 5. Teil: Denkbuch von Lucian Reich 1837 bis etwa 1860

Eine Übersicht der einzelnen Teile gibt es hier:

Das Denkbuch von Lucian Reich aus dem Jahr 1896

Unten der 5. Teil. Der Text von Lucian Reich ist in kursiv, die Zahlen sind die Seitenzahlen aus dem Original


Nach einem mit den Freunden auf der Sachsenhäuser Warte gehaltenen Abschiedstrunk bestieg ich den Omnibus nach Darmstadt, um von dort — wie sich’s damals bei jungen Leuten von selbst verstand — zu Fuß weiter zu pilgern, den Heimatbergen zu. Heinemann war mir bis Vöhrenbach entgegen gekommen. Von Zeit zu Zeit hatte er uns von seinem Kunststreben Nachricht gegeben, als Probe einmal auch das Bildnis unsrer Schwester in der Schappeltracht der Baar gesendet. Anfänglich wollte er Schildmaler werden bei Dilger in Neustadt, einer der Werkstätten, in welchen sich im Laufe der Zeit eine fire Technik ausgebildet hatte, die vollständig genügt hätte, den ebenso praktischen wie charakteristischen, hell lackierten und bemalten, „Schild“ der Schwarzwälderuhr artistisch weiter auszubilden. — Nach des Meisters baldigem Tode hatte sich Heinemann bei Keller in Donaueschingen dem lithographischen Fache zugewandt. Bei seinen Eltern in Hüfingen wohnend und jeden Tag den Weg hin und her machend und ausschließlich mit schriftlichen Arbeiten, Tabellen und Impressen beschäftigt, war es ihm nur in freien Stunden vergönnt, Porträts nach der Natur zu zeichnen – und wie viele und treffliche hat er auf Stein gezeichnet, unter andern eins von W. Rehmann und ein frühestes von Scheffel als Lyceist. 114

Karl von Schneider (2.11.1847 – 26.09.1923) Litograph in Hüfingen Bleistiftzeichnung von J. Nepomuk Heinemann, etwa 1895
Karl von Schneider, Bleistiftzeichnung von J. Nepomuk Heinemann, etwa 1895

114 Im elterlichen Hause war unterdessen manche Wandlung eingetreten. Das rege Leben im obern Stock war zum Stillleben, der gute Großvater von seinem Tagewerk abberufen worden. Nur der Großmutter (Katharina Schelble geb. Götz (01.11.1760-04.04.1847) hatten die Jahre scheinbar nichts anzuhaben vermocht. Stets saß sie von Morgen bis Abend noch an der Kunkel. Am Sonntag vor dem Gottesdienst kam regelmäßig der „Vetter Galli”(Gallus Götz 21.10.1757-29.11.1840)  ihr Bruder, groß und hager, mit einem Gesicht, charakteristisch wie der beste Holzschnitt Dürers, um den Kaffee bei ihr einzunehmen. Und da sie selbst nicht mehr zur Kirche gehen und auch nicht mehr lesen konnte, mußte ihr immer Eins von uns das sonntägliche Evangelium vorlesen; denn aufrecht wie ihre Gestalt war ihr religiöses Bekenntnis, von dem sie kein Jota abging; aber keine Betschwester, die meint, mit dem fleißigen Kirchenbesuch seis abgetan. Kam je eine solche, ihr Nachteiliges von andern zu hinterbringen, so sagte sie: Ich will nichts hören, es hat jedes g’nug vor der eignen Tür zu kehren! Eine Freude für sie war, wenn nachmittags der „Nepomuk und die Molly- (Johann Nepomuk Schelble und seine Frau) kamen. Aber auch sie waren immer viel in Anspruch genommen mit Einrichtung und Verbesserungen ihres Hauses und Gütchens. Die Großmutter stammte aus der Hofbauernfamilie Götz, deren Haus in der Vorderstadt noch ganz die mittelalterliche Bauart zeigte und auch eine allerdings trübselige geschichtliche Bedeutung hatte, insofern als die Scheuer der Hauptschauplatz war des gräuelvollen Blutbades vom Jahre 1632 beim Ueberfall der Stadt durch Württembergisches Kriegsvolk.

Katharina Schelble geb. Götz (01.11.1760-04.04.1847) 
gemalt von Reich senior ihrem Schwiegersohn im Jahre 1829.
Sie ist die Mutter von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und die Großmutter von Elisabeth Heinemann geb. Reich und Lucian Reich und Xaver Reich.

114

Der Vater machte jetzt wenig Gebrauch mehr von seiner Kunstbegabung. Der Schlüssel zur Werkstatt hing oft wochenmonatelang unberührt am Nagel; und wenn ich ihn je einmal zur Hand nahm und hinab ging, schauten mich Cicero, Adonis, Herkules, Bacchus et Comp. — Bildhauer Brunner’schen Angedenkens — die ich vor meinem Abgang nach Frankfurt so schön auf Tonpapier gezeichnet — von ihren bestaubten Schäften herab wehmütig und verlassen an.—

Kam der einst so kunsteifrige Besitzer aus der Schule heim, so nahmen ihn schon wieder andere Sorgen und Mühen außer dem Hause in Anspruch. Er hatte ein Gipslager auf der Gemarkung entdeckt und an der Breg eine Dunggipsmühle, und in Verbindung mit seinem tätigen Schwager  Nober am „Kännerbach“ eine Wollespinnerei errichtet, wozu später noch an der Breg Cement- und Schwarzkali-Fabritation kam. Die Standesherrschaft wie auch der damalige Gemeinderat waren den Unternehmungen im wohlverstandenen Interesse der Allgemeinheit fordernd entgegen gekommen.— des Vaters Werkbank in der Wohnstube glich jetzt einer bunt durcheinander gewürfelten Mineraliensammlung, zu welcher die ganze Umgegend Beiträge geliefert hatte. Im Umgang mit Hofrat W. Rehmann und Oberforstinspektor Gebhard, sowie als aktives Mitglied des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte in Donaueschingen (Baarverein), hatte er sich geognostische Kenntnisse erworben, um welche ihn, wie Professor Fickler sich ausdrückte, mancher Professor hätte beneiden können. 115

Alte Haustür Haus Nober –mit dem Schaf als Wappen für die Wollspinnerei.

115 Nicht gleichen Schritt mit seinem Unternehmungseifer hielten aber die pekuniären Erfolge; das fortwährende Verbessern und Aendern der Werke nahm die beschränkten Mittel allzusehr in Anspruch; dazu kam noch der Betrieb durch fremde, nicht immer ganz zuverlässige Leute. — Und somit floß jetzt das Leben im elterlichen Hause nicht mehr in ruhigem geregeltem Gang dahin wie früher.

Haus Nober etwa 1910

Aber auch die Amtsstadt zeigte die ehemalige Physiognomie nicht mehr so ganz. Der Zeitgeist hatte manchen Zug bereits verwischt oder verdrängt — wenn auch nicht in der Weise, wie der hinkende „Hafnerkaspar“ finden wollte: es habe kein Bürger mehr den richtigen bürgerlichen Gang, — ja wenn er Rock gesagt hätte, den dunkelblauen langen Tuchrock (von Spöttern Zehenklopfer genannt) mit umgelegtem Kragen und Knöpfen statt Haften, wodurch sich der Handwerksmann vom Bauer unterschied. Auch der Bauer hielt nicht mehr so zäh am Alten fest. Nur die Bäurin schritt sonntags noch im vollen Staat mit weißlackiertem Strohhut, gesticktem Goller, Fürstecker und silbernem Gürtel zur Kirche, während vielleicht das Töchterlein den Tag kaum erwarten konnte, wo es sich die leichtere Modekleidung aneignen dürfte. Den umgekehrten Fall, die Verwandlung eines ,Rockmeidli- in ein Jüppemeidli, habe ich nur einmal dahier beobachtet.

Form für einen Strohhut im Franziskanermuseum in Villingen
Das Bild rechts zeigt die weibliche Tracht, eine junge Frau in dem hohen weißen Strohhut mit den schwarzseidenen Bändern zur Seite, in dem großen seidenen Halstuch, in dem schwarzen Armelschopen, mit dem gestickten Vorstecker und den „rothsamtenen“ Nesteln, mit der silbernen Gürtelkette auf der festtäglichen Schürze, dem „Bigkorb“ an dem einen Arm ist sie als auf der Wanderung in ein nahegelegenes Dorf oder Städtchen gedacht.
Frau mit weißem Strohhut von Rudolf Gleichauf
„Weißlackierter Strohhut“ im Hieronymus
Dame mit Strohhut im Kelnhofmuseum in Bräunlingen.

116 Vor wenig Jahrzehnten hätten die alten Wallfahrtskapellen mit ihren vielen Votivtafeln Gelegenheit geboten zu Trachtenstudien, aus welchen zu ersehen gewesen, wie manche jetzige Tracht nur noch ein Rest der alten ist. Gleich wie die Landestrachten mehr und mehr verschwinden, so wird von altem Herkommen, Sitten und Bräuchen, bald nicht viel mehr übrig sein.

Hat doch selbst Frau Fastnacht ihr eigenartiges Gewand zum Teil schon abgelegt, indem sie in Stadt und Dorf in Gestalt von allen möglichen Trauer-, Schau- und Lustspielen programmgemäß über die Bretter geht. Daß trotzdem aber die humoristische Volksdichtung, die ihren Stoff dem alltäglichen Leben entnimmt, immer lustig noch die Pritsche schwingt, davon lieferte der diesjährige Karneval dahier einige recht gelungene Proben. 

Und auch der Hansel oder Heine-Narro hat stets noch sein Recht behauptet. — Ob er seit alter, d. h. mittelalterlicher Zeit, im Baargau schon heimatberechtigt, möchte schwer zu entscheiden sein. Die Chronisten melden meines Wissens nichts davon. Nur soviel ist anzunehmen, daß er, ähnlich dem „Schem- oder Schönbartlaufen” immer nur in stadtbürgerlichen Kreisen, nie aber auf dem Lande, in einem Dorf oder Landsitz, sein Wesen getrieben habe. Aus sehr alter Zeit stammt seine Tracht. Denn schon im Parsival lesen wir, daß die besorgte Mutter dem Söhnlein ein bunt bemaltes Narrenkleid habe anfertigen lassen, um damit seine Herkunft zu verbergen. Auch die Kapuze mit dem Fuchsschwanz (doch ohne den in Villingen gebräuchlichen Halstragen, der viel jünger ist) beweist sein uraltes Herkommen; denn weniger die Metallschelle, die ja auch Vornehme an ihrer Kleidung trugen, als vielmehr die Zier Meister Reinecke’s war das Attribut des Schalksnarren, weshalb sie auch an der weiland Bühler Narrenchronik prangte. 116

Fasnet im Hüfingen mit Marienbrunnen in der Mitte und trinkenden Narren drum herum.

Aus dem „Hieronymus“, Kapitel 14.
Film von Ernst Kramer aus 1950

117 Der Hansel betrug sich übrigens nicht immer so harmlos und gefällig wie jetzt. Er war gefürchtet seiner bösen Zunge wegen und der rücksichtslosesten Lust am „Strälen“. Und wenn er, umtollt von einem Schwarm Gassenbuben, vor einem Hause Posto gefaßt, und diese das eingelernte Liedlein anstimmten, wurde oben das Fenster rasch zugemacht und das Vorhänglein zugezogen.

Auf dem Speiszettel einer rechtschaffenen Fastnacht standen Leckerbissen vom hausgeschlachteten Säulein obenan. Erst am Aschermittwoch gab man dem Stockfisch, und allenfalls „gschlampeten“ Schnecken die Ehr. Abends fanden in den meisten Wirtschaften Fastenessen statt, an welchen sich in der Regel nur Eheleute beteiligten. 

Eingeleitet wurde die Fastnacht (sowie die Kirchweih) Sonntags mit einem Ball, dem nie ein Essen fehlen durfte, zu welchem eine Liste zirkulierte. Es hatte das Gute, daß, im Gegensatze zum gewöhnlichen Tanze, auch ältere und verheiratete Leute sich einfanden, wodurch der Abend mehr den Charakter des Familiären und Gemeinsamen erhielt. Aktive und Passive mit statutengemäß bedingtem Zutritt gab es damals noch nicht, beim Cäcilienball nur insofern, als von Kirchenchor-Mitgliedern gut einstudierte hübsche gemischte Chöre und Lieder zum Vortrag gebracht wurden.

117 Auch Xaver war von München zurückgekommen. Im Atelier Schallers hatte er, obgleich im Steinarbeiten nicht geübt, resolut zu Hammer und Meißel gegriffen und nach Schallers Modell die Holbeinstatue für die Pinatothek in Stein ausgeführt. Im Lehrsaal Zwergers war er bis in die letztere Zeit der einzige Schüler gewesen, der sich ausschließlich der Plastik widmete. Zu den jüngern Fachgenossen, mit denen er jetzt verkehrte, zählte vor allen Hähnel (später Professor in Dresden). Entwürfe, die er mir von seiner Tätigkeit als Mitglied eines Komponiervereins zuschickte, ließen ein frisches, freudiges Schaffen erkennen. 

Jetzt, nach kurzem Verweilen in der Vaterstadt, hatte er das Glück, an Fürst Karl Egon zu Fürstenberg einen Mäcen zu finden. Der erste bedeutende Auftrag betraf die Donaugruppe für den fürstlichen Park, wozu er das Modell in München fertigen sollte. 

Die junge Donau als Kind im Schoße der Mutter Baar. Sandsteingruppe am Zusammenfluss von Brigach und Breg.

118 Im Gesellschaftshause Frohsinn hatte er Atelier und Wohnung gemietet; und ein glücklicher Gedanke war es den Kunstheros Cornelius um einen Besuch zu bitten. Und er kam oft, der kleine große Mann mit dem Blicke des Adlers, und nicht nur mit Worten, auch mit genial hingeworfenen Bleistiftstrichen suchte er den jugendlichen Modelleur auf die Erfordernisse monumentaler Plastik ausmerksam zu machen. 

Wozu mir in Frankfurt die Anregung gefehlt, das tat ich jetzt wieder, indem ich ein Bild aus dem Leben malte. Hierauf begab auch ich mich ebenfalls nach München, wo ich im „Frohsinn”, den auch Schaller und Bildhauer Eduard Wendelstädt 1), Sohn des Inspektors am Städelschen Institut, bezogen hatten, mich einquartierte. 1)Das bedeutendste Werk dieses talentbegabten, frühe verstorbenen Künstlers ist die Statue Karls des Großen auf der Mainbrücke zu Frankfurt. Unser Schaffen und Streben war im besten Zuge, als uns, wie ein Blitz aus heiterem Himmel — denn er hatte sich ja in anscheinender Besserung befunden — die Nachricht vom Tode Schelbles traf. Es war ein neblig trüber Dezembertag, als wir, mit zwei Schweizer Fruchthändlern die einzigen Passagiere, von Lindau aus über den Bodensee hin fuhren.

Der fürstliche Protektor hatte meinem Bruder ein Atelier im Schloß zu Hüfingen herstellen lassen. Und es zeugt gewiß von seltener Zuversicht und Tatkraft, daß er die über 10 Fuß hohe Gruppe, von seinem getreuen, Seppele (Jos. Billinger), den er eigens dazu geschult, in Punkten gesetzt, eigenhändig in Stein ausführte. Während diese Arbeit mehr und mehr der Vollendung entgegen ging, zeichnete und malte ich viel nach der Natur im Freien. Und ist auch die kornreiche Hochebene für den gewöhnlichen Touristengeschmack keine eigentlich pittoreske, so ist sie doch nicht ohne idyllischen Reiz, namentlich für den, dem sie von der Heimatluft umweht entgegen tritt. Ein schöner frischer Juni- oder Julimorgen, zugebracht an den umbuschten Wiesenufern der Breg, im Tannenrauschen des Wolfbühls, oder unter den alten Föhren des Hölensteins, war an sich schon eine Studie. Und darin besteht ja der Wert einer solchen Skizze, daß sie uns immer wieder vergegenwärtigt, was wir dabei gedacht, gehofft und geliebt und manches Beengende im Verkehr mit der Natur vergessen gaben. 

119 Ungleich mehr malerische Einzelheiten boten die nahen Schwarzwaldteile mit ihren Hütten und Höfen, Milchhäuslein und Brunnen, felsigen Schluchten und weltentlegenen Einsamkeiten und billigen was doch auch zur Schönheit einer Gegend gehört – billigen Wirtszechen. Hotels gab es noch keine auf dem Wald. Schwarzwald war zu jener Zeit noch eine unbekannte, sozusagen noch nicht entdeckte Gegend. Es brauchte einer nicht gar weit her zu sein, um zu glauben, es wären da oben in den kaum ein paar Wochen des Jahres schneefreien Wäldern und Einöden häufig noch Bären und Wölfe anzutreffen. Der Strom müßigen Touristenvolkes war noch nicht hier, in die tannenumschlossenen grünen Täler und auf ihre luftfrischen Höhen gelenkt worden. Einen mobilen, skizzierenden und notierenden Kollegen getroffen zu haben, entsinne ich mich nicht, wohl aber einmal einen Gendarmen in einem Dorfe gegen Freiburg hin, der dem Skizzisten strengstens bedeutete, ohne polizeiliche Erlaubnis sei es im Lande niemanden gestattet, ein Haus oder einen Berg abzuzeichnen, und der just des Wegs daher wandelnde Ortsvorstand bestätigte es in seiner sabbatlichen Weinfeuchte.

Von Hüfingen aus hatte ich schon einmal die Badische Residenz und den Galeriedirektor Frommel besucht, der mir einen Auftrag gegeben, welcher aber nichts getragen hatte. Als ich jetzt wieder hinkam, wollte er mir nicht raten, in Karlsruhe zu bleiben. Unser Land ist klein und kein günstiges Terrain für Kunst, sagte er, und riet mir, um ein Stipendium aus dem Fonds für Künste und Wissenschaften einzukommen und nach München zu gehen; er wolle das Gesuch unterstützen. Also strebte ich wohlgemüt wieder den Ufern der Isar zu, da mir das Stipendium richtig zukam. 

Es lagerte eine herbstlich angehauchte Atmosphäre über der Kunstwelt Isar-Athens. Von Cornelius hieß es, er beabsichtige die Baierische Metropole zu verlassen. Mit ihm und seinen unvergänglichen Schöpfungen schloß die unter dem großen Mäcen König Ludwig erblühte Kunstperiode ab. Es war ein Uebergang, aber kein tatsächlich ermutigender. Die neue Aera sollte ja erst später, aber nicht von Innen, von Paris und Belgien herkommen; statt des bisherigen Idealismus — Naturalismus bis zum nüchternsten Modellismus.

Ungeachtet dessen muß zugegeben werden, daß die frühere Zeit für die jüngere Generation nicht immer förderlich gewesen ist. Die von König Ludwig ins Leben gerufene deutsche Kunst war vorzugsweise eine monumentale, oder doch wenigstens dahin gerichtete. Aber wie viele, die Beruf und Neigung hiezu nicht in sich fühlten, oder wenn es der Fall gewesen, keine Aussicht hatten, ähnliche Aufträge zu erhalten, mußten auf halbem Wege stehen, d. h. zurückbleiben. Wie in Frankfurt war auch an der Akademie in München zur Ausbildung in Genremalerei keine Gelegenheit geboten. Beim akademischen Studium wurde zu viel Gewicht aufs Komponieren und (Karton-) Zeichnen gelegt und zu wenig aufs Malen und die koloristische Wirkung Bedacht genommen — daher verhältnismäßig wenige ein Staffeleibild malen lernten. 

Im übrigen war es noch ganz das alte, gemütliche München, der schwarze Adler der erste Gasthof mit einem Comfort, wie er heute kaum einem Gasthof dritten Ranges genügen würde. Das erste Cafe war das Dillmetz’sche, ein gutes auch das Melcher’sche und ein kleineres, aber nicht minder beliebtes, das von Fink, einem gebürtigen Donaueschinger, unweit der Frauenkirche. Wollte einer wiedermal mit einem Trunke süßer Bacchusgabe sich gütlich tun, so lenkte er seine Schritte dem von Künstlern vielbesuchten -Englischen Kaffeehaus zu; und sonntags früh konnte es vorkommen, daß man in Gesellschaft eines Freundes dem Englischen Garten zusteuerte, um bei einer Tasse Mokka, oder gar schon bei einer schäumenden Halben der dienenden Menschheit, Kellnern und Kellnerinnen, Ladendienern und Dienerinnen zuzuschauen, die auf offenem Podium zu den Rhythmen eines Strauß’schen oder Lanner’schen im Tanze sich wiegten. 120

121 Abends aber saß man behaglich in der „Schießstatt“ beim Maßkrügel, ohne zu ahnen, wie bald sie vom Schienenstrang und seinem Bahnhof erfaßt und weggefegt werden sollte. Es bestand dort ein zwangloser Künstlerstammtisch, an welchem ich, an Schaller mich anschließend, die rühmlichst bekannten Kupferstecher Merz, Thaeter, Gonzenbach, Hofmann und Schütz und die Maler Albert Zimmermann und Bruckmann kennen lernte. 

Zimmermann, der mir zuweilen von seinen Landschaftsstudien zum Kopieren gab, malte damals seine Jahreszeiten auf Kreidegrund, jede in Form und Farbe ein der Natur abgelauschtes Gedicht mit Staffagen aus der altgriechischen Welt. Aehnlich Treffliches glaubte ich in Rottmanns, von ebenso echtem Naturgefühl wie virtuoser Technik zeugenden Freiken unter den Arkaden zu finden. Aergerlich war mir’s nur, eine derselben, die „Beroneserklause“ durch die an der Rückwand angebrachte Wasserleitung des Café Tombosi durchfeuchtet, und allmäligem Verderben ausgesetzt zu sehen. Da sich niemand darum kümmerte, wollte ich es tun durch einen kurzen Hinweis im Tagblatt. Freund Discher, Architett aus Pest, beförderte das lakonische Schriftstück in die Druckerei, und des andern Tages begab er sich zur Zeit, wo der kaum handgroße Residenzmoniteur ausgetragen wurde, als Gast ins betreffende Lokal, um sich am Verdrusse des Besitzers und seiner Stammphilister zu weiden. Item — es half, die Leitung mußte sogleich entfernt werden.

121 Den Mittagstisch im Stachus besuchten ebenfalls Künstler, die — meine Wenigkeit ausgenommen — sich bereits einen Namen gemacht: Schaller, Chr. Morgenstern, D. Fohr, Koch, Mitarbeiter Schraudolphs in der Pasilika, Mende, Architekt Kayser aus Frankfurt und mehrere Dänen; als Passanten der von einer Studienreise aus Tyrol zurückkehrende Landschafter Schirmer und die Dichter Klemens Brentano und Andersen, der vielgepriesene Märchenerzähler. Ersterer kam in Begleitung eines jungen Mannes, mit dem er sich, offenbar nicht im rosenfarbigsten Humor über die Münchner Kunst und ihren königlichen Protektor unterhielt. Andersen war gekommen, seine Landsleute zu besuchen. Auch Emil Rehmann lernte ich da kennen, den Neffen und Nachfolger des fürstlich Fürstenbergischen Leibarztes Wilh. Rehmann, und diesem in allem so ähnlich, in vielseitig wissenschaftlichem Streben, wie in edler Selbstlosigkeit, die ihn nicht dazu gelangen ließ, sich Schätze anzuhäufen. Er war auf einer Ausbildungs-Reise begriffen. 

122 Der bestgelaunteste der Tafelrunde war allezeit Morgenstern, der, wie er mit so vielem Humor zu erzählen wußte, einstmals in seiner Vaterstadt Hamburg beinahe keine Wohnung gefunden hätte, weil ihm kein Eigentümer habe gestatten wollen, in einem der Zimmer die großen Fenstervorhänge zu beseitigen. Es konnte aber einem Musensohne ähnliches auch an der Isar passieren, z. B. in der Lerchenstraße, wohin ich eines Tages ging, ein ausgeschriebenes Zimmer in Augenschein zu nehmen, Eigentum eines altbürgerlichen Ehepärleins. Sie schloß auf, und er kam in Schlafrock und Pantoffeln aus dem Nebenzimmer gewatschelt. Beide konnten das Zimmer mit seinen Bequemlichkeiten nicht genug anpreisen. Nun es gefiel mir, und da der Preis ein mäßiger, sagte ich zu, nächster Tage schon einziehen zu wollen. „s is recht, bester Herr, schmunzelte der behäbige Herbergsvater, käm es nu. Sie wern mit allem zfrieden sein.” — „Das Licht ist gut, da am Fenster werde ich meine Staffelei hinstellen” — „Staffel — ja, san’s denn e Moler?” stotterte er entsetzt heraus. Und „e Moler?”  wiederholte sein Ehgespons in gleicher Tonart. — „Versteht sich!”— „Na, do is es nix — das hättens uns glai sagen sollen.” —„Jesses na, do is es nix! Ka Red dervo!” fiel sie hitzig ein. Und als ich lachend ging, mit der Drohung, meine Sachen dennoch herbringen zu lassen, sie hätten mir ja’s Wort gegeben, schlossen und riegelten sie die Thüre vorsichtig hinter mir zu.

122 Mit Schütz war ich näher bekannt geworden. Er stach zur Zeit die Odyssee von Genelli, den er nebst Cornelius und Schwind vor allen hoch auf den Leuchter stellte. So wie Genelli in seiner Kunstrichtung dem veränderlichen Zeitgeschmacke nicht das geringste Zugeständnis machte, so waren auch die pekuniären Verhältnisse des genialen Mannes stets äußerst knappe, so daß es seiner Frau nicht selten am nötigsten Kleingeld gemangelt haben soll, den Wochenmarkt zu beschicken. „Was nützt das viele Schaffen,” schrieb er einmal seinem Freunde Schwind nach Karlsruhe, „es kauft’s ja doch niemand, muß ich immer nebenher denken.“ 

123 Auch Schütz würde sich bei einer minder strengen idealistischen Richtung besser gestellt, dafür aber bei seiner Bedürfnislosigkeit weniger innerliche Befriedigung gefunden haben. Er besuchte mich oft; und jedesmal freute ich mich, ihn in seinem grauen Flaus und vormärzlichen Cylinder die Straße daherkommen zu sehen. „Schwerenot!“ wunderte er sich einmal beim Eintreten — ich hatte just die Schublade meiner Kommode aufgezogen, etwas herauszunehmen — „was du einen Vorrat an Hemden hast!“. Es mochten etwa ein Dutzend gewesen sein, die mir die Mutter von ihrem selbstgesponnenen Linnen zurechtgemacht und mitgegeben hatte. Gesellschaften, wo viel disputiert und peroriert wurde, liebte Schütz nicht. „Zum Henker,” sagte er, „kann man denn nicht beisammen sitzen und nur denken? Soll man sich immer an- und beschwatzen lassen?”

123 Ein Original ähnlich „denkender” Art war der der ältern Künstlergeneration angehörige rühmlichst bekannte Miniaturmaler Thugut Heinrich, dessen Bekanntschaft ich bei seinem Landsmann Schaller gemacht hatte. Man konnte mit ihm ein ganzes Stadtviertel durchwandern, ohne mehr als „ja“ oder „nein“ und „das versteht sich!” aus ihm herauszubringen. Als er einst beauftragt war, die Königin Therese en miniature zu malen, und die hohe Frau während der Sitzung, ihrer Gewohnheit gemäß, beständig mit Bonbons sich zu schaffen machte, platzte Heinrich endlich ungeduldig heraus: „Wenn Majestät immer essen, kann ich Sie ja nicht malen!” Bei der nächsten Sitzung sagte die Königin dann zu ihrer Hofdame: „Heute dürfen wir aber nicht essen, Herr Heinrich erlaubt es nicht!”— Obgleich er der Maler der hohen und höchsten Aristokratie war, hatte er doch wenig oder nichts von einem Hofmann an sich. „Dem Adelsstolz“ pflegte er zu sagen, „setze ich den Künstlerstolz entgegen”.

124 Mit Jäger, Gießmann und Strähuber, die unter Schnorrs Leitung dessen Nibelungen in der Residenz ausführten, bekannt geworden, beteiligte ich mich regelmäßig an ihren Kegelabenden in einem Privatgarten. Der Meister selbst, auch Schaller und Marggraf, Sekretär der Akademie, kamen hin; und in ihrer Gesellschaft (Schnorr und Schaller ausgenommen) machte ich einen Ausflug mit nach Oberammergau, dem Passionsspiele beizuwohnen. Der Zulauf von Nah und Fern war damals schon so groß, daß wir unterwegs mit Nachtquartieren in Privathäusern, einmal auch mit einem gemeinsamen, in einem ländlichen Tanzsaal aufgeschichteten Nachtlager vorlieb nehmen mußten. Die Aufführung selbst, mit ihrer einfachen Bretterbühne, machte mir in ihren Hauptmomenten den Eindruck der erhabensten Tragödie.

Auf dem Heimwege halten sich Kaulbach und Halbreiter der Wandertruppe angeschlossen. Es war ein wunderbar verklärter Abend, als wir von Gesang und Zitherspiel begleitet, über den Starnbergersee hinfuhren. 

Gleich bei meiner Ankunft in München hatte ich mich Schnorr, dem interimistischen Leiter der Akademie, vorgestellt und teilte dann mit Schabet, mir von Frohsinnszeiten her schon befreundet, ein Zimmer im Seitenbau der Akademie. Früher unter Cornelius in der Ludwigskirche beschäftigt, malte Schabet jetzt Kirchenbilder für Landgemeinden, die laut königlicher Verordnung alle an der Akademie gefertigt werden sollten. Ich hatte von Haus einen Cyklus von Entwürfen mitgebracht, die eine strenge akademische Stilisierung und Ausführung nicht erfordert hätten: Beim Lorettobruder; Am Marktbrunnen; Im Klostergarten; Eine heimatliche Sage; Volkslied ec. — kam aber nicht dazu, einen derselben auf die Leinwand zu bringen. Und so nahm ich einen hl. Christophorus in Angriff, der jedoch — trotz seiner Körperstärke — dem Sturm der Zeit nicht standgehalten hat. 

Auf Zuspruch meiner Freunde war ich dem Kunstverein beigetreten. Es handelte sich just darum, bei den Vorstandswahlen dem überwiegenden Einfluß der Künstlergesellschaft „Stubenvoll“ entgegen zu treten. Heinemann, der, auf eigene Kraft angewiesen, von Karlsruhe nach München gekommen und bei Hohe sogleich Beschäftigung gefunden, sagte mir, es habe sich ein jüngerer Maler bei diesem beklagt, daß er mit seinen Arbeiten bisher so wenig Beachtung beim Kunstverein gefunden, worauf Hohe erwidert habe: „Werden Sie Mitglied des Stubenvoll, außerdem dürfen Sie nie auf Berücksichtigung rechnen.” Die Wahlen fielen aber nicht nach Wunsch der Opposition aus.

Selbstportrait von Johann Nepomuk Heinemann

Selbstportrait Johann Nepomuk Heinemann

125 Als ich eines Tages im Kunstvereinslokal vor einem raufende Hunde vorstellenden Bilde stand, hörte ich dicht hinter mir eine Stimme: „Wyttenbach” — so hieß der Maler — „der große Hundsfreund“. Ich schaute mich um — und erkannte den König. Rasch wollte ich auf die Seite treten, er aber bedeutete mir, zu bleiben. „Kunstschüler — woher“ fragte er. „Aus dem Großherzogtum Baden.” —„Da geht’s jetzt auch vorwärts mit der Kunst“ sagte er, „Hübsch ist ein tüchtiger Architekt“. 

Und in der That es ging vorwärts auf vaterländischem Boden. Schwind hatte den Auftrag erhalten, das Stiegenhaus des „Akademiebaues“ (Kunsthalle) in Karlsruhe mit Fresken zu schmücken. Gleichzeitig war auch mein Bruder nach Karlsruhe gerufen worden, um sich verschiedener, ihm vom Großherzog zugedachter monumentaler Aufgaben wegen mit Hübsch zu besprechen. Er hatte den Weg über Freiburg genommen, wo er mit Schwind, der Einsicht vom Münster genommen, zusammen treffen wollte; auch ich hatte mich ihm angeschlossen. 

Schwind beabsichtigte seinen großen Karton, die Einweihung des Freiburger Münsters, in Wien zu zeichnen. Die Strecke Freiburg Konstanz wollte er zu Fuß zurücklegen, und ich sollte ihn begleiten. Und so wanderten wir unter wolkenlosestem, aber auch heißestem Julihimmel mit leichtem Gepäck dem Schwarzwald zu. 

Doch schon in Ebnet, wo wir Mittag gemacht, hielten wir in der Scheuer des Wirtshauses Siesta — Schwind süß schlummernd im abgesetzten Kasten einer alten Landkutsche — ich nebenan auf einem Haufen grünen Klees überlegend, wie ich ihn wohlbehalten hinauf über die Steig bringen würde. Er hatte sich das Höllental — den Hirschsprung mit seinem keck auf die Straße herabschauenden, raubritterlichen Falkenstein ausgenommen — wilder, grotesker vorgestellt. Weiterhin im Tal erblickten wir dann eines jener Bilder, die in ihrer Einfachheit und elegischen Lieblichkeit Sinn und Gemüt weit mehr ansprechen und fesseln als manche noch so hoch gepriesene Sehenswürdigkeit.

Vor einer ärmlichen Hütte, am Wege stand eine alte Frau mit einem nackten in ein Stück grober Sackleinwand gewickelten wunderhübschen Kindlein auf dem Arm. Vom vollen Sonnenlicht getroffen, war’s ein Anblick von überraschendster Wirkung. Schwind trat näher, und das Kind streckte lächelnd die Aermchen nach ihm aus. Er nahm’s auf den Arm. 

„Das isch en arms Kindli,” sagte die Frau. „Ich han’s numme us Barmherzigkeit zue mer gnomme. Sini Eltere sind doben uf em Berg im Feld. Kürzli hen sie’s Unglück gha, um ihri einzigi Gaiß zkumme. Und jetz hät des arm Weseli halt kei Milch meh!”

Das arme Weselein!“ „Hätt gute Lust“, sagte Schwind, „i traget’s bis nach Wien nunter!“ — Dann trat er ein wenig auf die Seite, um mir zu sagen, er wolle der Frau so viel einhändigen, daß die Leute wieder eine Geiß kaufen könnten. Ich erbot mich, ebenfalls einen Beitrag hierzu zu leisten, meinte jedoch, es möchte die Frage sein, ob die Frau nicht versucht werden könnte, das Geld für sich zu behalten. Sicherer wäre es, wir machten uns frühmorgens von unserm beabsichtigten Nachtquartier im „Sternen” auf, wieder hieher, um das Geld den Eltern selbst zu geben. Es leuchtete ihm ein; und wir schieden. 

Als wir ausgeruhte Pilger aber des andern Tages im Sternen erwachten, strahlte die Sonne bereits hoch über alle Berge; und wir hätten den Weg hin und her nicht zurücklegen können, ohne zwischen hier und Hüfingen noch einmal zu nächtigen. Noch auf der Steig schaute Schwind mehrmals zurück, sich ärgernd, daß der Mensch doch so selten dazu komme, das Richtige und Rechte zu tun! Und auch mich wurmte es, durch meine Bedenken — falls die Frau ehrlich war — eine gute Tat verhindert zu haben.

Schwind hatte im Schwarzwald Schatten erwartet. Nun begleitete uns aber die Sonne mit einer Sorgfalt, die selbst dem ausgedörrtesten Touristen von Profession Schweiß ausgepreßt haben würde. Von der staubigen Landstraße ablenkend, schlugen wir von Neustadt aus, die Wasserscheide von Rhein und Donau überschreitend, den Weg ins grüne Tal von Eisenbach und der Breg ein — hinaus nach Hüfingen, das Schwind mit den drei laufenden Brunnen in der Hauptstraße „Kleinaugsburg” nannte. Da auch von hier aus nur wenig Schatten zu erwarten, ließ uns der Vater seine zwei Gäule einspannen und bis Engen kutschieren. Von da gemächlich den Hegau durchwandernd, gelangten wir bei guter Tageszeit noch nach Singen, wo wir den Hohentwiel bestiegen und das in purpurnem Lichte des Abends sich vor uns öffnende Landschaftsgemälde bewunderten. 

Nachdem wir des andern Tages im Steinbock zu Konstanz noch eine Flasche Seezwölfer geleert, trennten wir uns am Hafen, wo der Dampfer bereits zur Abfahrt rüstete — auf Wiedersehen, nächstes Jahr in Karlsruhe. 127

Bevor Schwind dann nach Karlsruhe zurück ging, hatte er sich einige Zeit in München aufgehalten, wohin auch mein Bruder kam, der vom Großherzog Leopold den Auftrag erhalten, die Giebelgruppe für die Trinkhalle in Baden auszuführen, wozu er das Modell in kleinerm Maßstab in München fertigen wollte. Auch Schwind hatte bei seinem vorjährigen Besuche in Karlsruhe eine flüchtige Skizze dazu entworfen. Schwanthaler, der beide Entwürfe sah, gab dem meines Bruders entschieden den Vorzug, indem er sagte, der Bildhauer dürfe sich nie nach der Skizze eines Malers richten. Nach Erledigung seines Auftrages begab sich Xaver nach Rom und Schwind nach Karlsruhe, um seine Fresken in Angriff zu nehmen. Gegen das Frühjahr hin schrieb er mir, es gebe im Akademiebau viel zu tun, ich solle mich reisefertig machen. Auch mein Bruder werde kommen, und wir könnten dann ein „lustiges Leben zusammen führen”. 

Giebel der Trinkhalle
Trinkhalle in Baden-Baden mit Giebelgruppe

127 Die Badische Künstlergenossenschaft, die Professor Koopmann im Stiegenhaus des Akademiebaues raphaelisch in Form der Schule von Athen als Fresko hatte verewigen wollen, war noch keine sehr zahlreiche. Ohne eine dienstliche Stellung inne zu haben waren es nur Helmsdorf, Aug. von Bayer und der alte Nehrlich, der in der Galerie kopierte und nebenher philosophierte. Andere, wie Kirner und Grund, hatten versucht, sich festzusetzen, aber nicht lange ausgehalten. Das Kunstinteresse war fast ausschließlich auf den Kunstverein beschränkt, dem Frommel und Münzrat Kachel vorstanden. Aufträge, wie die Fresken in der Bulacher Kirche von Dietrich, wurden als eine Seltenheit angesehen und besprochen. 

Großstadtluft wehte noch keine in der Residenz, dafür aber mehr erquickliche Hardtwaldlust. Hotels, luxuriös eingerichtete Restaurants und ähnliche Etablissements architektonisch überschwenglichen Stils suchte man vergeblich zwischen Durlach und Mühlburg. Das einzige Café war das familiäre Kappler’sche in der Lammstraße mit einem Zimmer ebner Erde, in welchem die beiden Töchter des Besitzers dem Gast und Hausfreund jederzeit ein Täßchen Mokka in Bereitschaft hielten. Später wurde das etwas komfortablere Däschner’sche eröffnet.

128 In Karlsruhe hatte ich mich bei der Familie Lorenz in der Bierbrauerei zum Pfau einquartiert, wohin dann auch Lukas Engesser, der mit der Leitung des Akademiebaues betraut war, zog. Unten im Nebenzimmer der Wirtschaft hatte sich ein Kreis gebildet, als dessen Präfes Prof. Guido Schreiber gelten konnte. Und wo Schreiber war, da herrschte Leben. Doch — mochte der Becher auch zuweilen überschäumen, die Unterhaltung gleich einem Pfauenrad in allen Farben spielen — nie kam es zum öden, handwerksmäßigen Kneipen. Schreiber, der Mann der exakten Wissenschaft, war von seltener Vielseitigkeit, wovon, nebst seinen Fachschriften, der Badische Wehrstand, die Malerische Perspektive, die Farbenlehre, sein Technisches Zeichnen, und besonders auch seine früheren Zeichnungen nach der Natur Zeugnis geben.

Zu gleicher Zeit machte ich die persönliche Bekanntschaft Joseph Baders, den ich längst schon aus seiner „Badenia“ und andern Schriften kannte, durch welche er sich das unläugbare Verdienst erworben, Sinn und Interesse für vaterländische Geschichte und Geschichten in den breitesten Kreisen angeregt und geweckt zu haben. Und dies erachtete er ja als seine eigentliche Lebensaufgabe. Ein Gelehrter ex professo wollte er nicht sein. Als ich einst sagte, unter den Griechischen und Römischen Klassikern (die ich verdeutscht in der bekannten Stuttgarter Ausgabe besaß) finde sich doch manch Unbedeutendes, lachte er und meinte: „Wenn’s nicht Griechisch oder Lateinisch wäre, würden unsre Gelehrten vieles gar nicht lesen“. 

129

Im „innern Zirkel“ des Pfauen wurde gegen das Frühjahr hin der Plan zum feierlichen Empfange des Prinzen Karneval entworfen, wobei die Zopfmiliz, deren Hauptquartier im Gasthof zum Kreuz sich befand, paradieren sollte. Das Programm, von Lorenz kalligraphisch ausgeführt und illustriert, wurde sogleich höhern Orts zur Kenntnisnahme gebracht, ein Duplikat auch ins Palais am katholischen Kirchenplatz des Fürsten zu Fürstenberg befördert. 

Die Sitzungen im großen Saal des Bürger-Vereins waren glänzend und von Angehörigen verschiedener Stände besucht. Selbst Mitglieder der gleichzeitig tagenden II. Kammer, an welche eine offizielle Einladung ergangen, besassen Humor genug, in der Kappe einer Sitzung beizuwohnen.

Als Ehrengast erschien einmal auch Kapellmeister Kalliwoda. Bald nachher traf bei der Redaktion des „vielgeprüften Narrenspiegels” ein Lied ein „Von einem närrischen Zweispänner an der Donauquelle”, das den „Schabernack“ der Censur humoristisch parodierte.

Es war bei der 25jährigen Gründungsfeier des Badischen Kunstvereins im Saale des Museums, wo Altvater Lewald, der mit seiner Europa nach der Hardtstadt übergesiedelt, mich mit einem kleinen, klug blickenden Manne im schwarzen Frack bekannt machte, dessen erste Frage lautete: „Haben Sie meine Schwarzwälder Dorfgeschichten schon gelesen?“ — Nein, aber viel rühmliches davon gehört. — „Die müssen Sie lesen.” Nachher sagte Auerbach mir, er beabsichtige das Buch illustriert herauszugeben, wozu Lewald mich bestens empfohlen habe. Es wurde dann mehrmals darüber verhandelt, ohne daß es dazu gekommen wäre. Später zeichnete ich auf seinen Wunsch die Illustration zu seinem „Hebelschoppen“ in der Gartenlaube. 129

 Beim „Hebel-Schoppen“ in Hausen. Originalzeichnung von Luc. Reich in Rastatt. Die Gartenlaube, 1860.


Eine Übersicht der einzelnen Teile gibt es hier:

Das Denkbuch von Lucian Reich aus dem Jahr 1896

Kohlwaldtanne

Liebe Bürgerpostleser,

mögt Ihr auch stattliche große Bäume? Dann dürftet Ihr begeistert sein, was heute an der Reihe ist. Es geht um die Kohlwaldtanne. Ein wahrer Koloß, aber bisher wenig bekannt komischerweise. Wolf Hockenjos, der Tannenexperte in Baden Württemberg und Buchautor unter anderem von „Tannenbäume: Eine Zukunft für abies alba“, schrieb mir, nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte: „Donnerwetter – was für ein stattliches Exemplar! Ich schäme mich schier, dass ich die Kohlwaldtanne bisher nicht gewürdigt habe. Ich habe sie heute per Rad besucht und danke Ihnen nachträglich nochmals für den Tipp“! Das will etwas heißen aus solch profundem Munde. 

Nun, eigentlich kenne ich sie schon seit wir nach Hausen vor Wald gezogen sind vor 30 Jahren. Denn sie steht in unmitelbarer Nähe zur Kohlwaldhütte unweit des Waldweges von Hausen vor Wald nach Mundelfingen. Am 11. Januar 2026 brachte mich unser Nachbar Wolfgang Schorp auf die Idee, sie genauer mit ihm anzuschauen. „Das musst Du gesehen haben, wie ihr Stammfuß aussieht“. Und in der Tat, schaut Euch die Bilder an, kann man da glauben, dass dieser Baum nicht schon längst abgestorben ist? Nein, er macht einen vitalen Eindruck und wir hoffen, dass er noch deutlich älter und dicker werden darf. Grund sind Verletzungen durch Holzschleifen, in der Nähe war ein Holzlagerplatz. 

Kohlwaldtanne im Winter
Kohlwaldtanne mit Mann davor
Kohlwaldtanne mit Franz Maus davor
Kohlwaldtanne mit großem vermoderten Loch

Ihr kennt meine Art, den Durchmesser zu bestimmen? Ganz einfach, Ihr seht es auf Bild 2 und auf Bild 4. Gemäß Leonardo da Vinci entspricht die Breite der ausgebreiteten Arme der Größe seines Menschen. Ihr könnt das gerne bei Euch testen. Ich bin 174 cm groß, wie ist dann der Durchmesser auf Bild 2 und Bild 4? Auf Bild 2 sage ich 170 cm und auf Bild 4 werden es etwa 150 cm sein. Bild 4 ist gegenüber von Bild 2 aufgenommen worden. Zwei Gründe für den Unterschied gibt es, der Stamm ist nicht rund und bei Bild 4 stehe ich höher als bei Bild 2. Der Umfang wird gerechnet Durchmesser mal der Zahl „pi“, die etwa 3,14 entspricht. Bei 170 cm ergibt sich ein Umfang von 533,8 cm und bei 150 cm Durchmesser beträgt der Umfang 471 cm. Am 13. Juli bat ich Wolfgang, zur Umfangmessung mitzugehen. Könnt Ihr das Ergebnis lesen auf dem Bild unten?

Kohlwaldtanne mit Maßband das über fünf Meter anzeigt

Das Fünfmeter Maßband reichte nicht aus, ich schätze, 512 cm ist passend. Bei solchen Messungen besteht die Forderung, dass in Brusthöhe gemessen wird. Brusthöhe ist aber kein eindeutiger Begriff, den es eigentlich mit einer genauen Zahl, zum Beispiel 140 cm ersetzt gehört. Eine der stärksten Tannen im Ländle ist die Großvatertanne bei Freudenstadt. In Brusthöhe hat sie 528 cm und in einem Meter Höhe 560 cm Umfang. Die Kohlwaldtanne ist sehr nah dran, echt hammerhart. 

Mann der auf die Kohlwaldtanne schaut

Was macht Wolfgang auf dem Bild? Er vermißt die Tanne mithilfe eines gleichschenkligen Dreiecks. Er kam auf über 45 m Höhe. Die Großvatertanne ist 46 Meter hoch. Unten habe ich die auch stattliche Weißtanne beim Waldlehrpfad zur Gauchach zum Vergleich dargestellt. 2017 kam sie auf 339 cm Umfang, man kann sagen, ein Zwerg gegen die 512 cm der Kohlwaldtanne. 

Infotafel mit Tannenholz

Historisch interessant ist das letzte Bild. Hans Hasenfratz aus Mundelfingen hat es mir zur Verfügung gestellt. Es zeigt die Musikkapelle Mundelfingen und stammt aus dem Jahre 1983. Was sehen wir im Hintergrund? Die  Kohlwaldtanne und das Holzlager. Grund der Aufnahme sei kein Jubiläum gewesen, sondern das Schützenfest „Preussisch Oldenburg“ bei Minden. 

Es zeigt die Musikkapelle Mundelfingen und stammt aus dem Jahre 1983. Was sehen wir im Hintergrund? Die  Kohlwaldtanne und das Holzlager. Grund der Aufnahme sei kein Jubiläum gewesen, sondern das Schützenfest „Preussisch Oldenburg“ bei Minden. 

ZukunftsWerte: Ab September legt Jackson los

Jackson Agbonkhese war in der letzten Gemeinderatssitzung zu Gast und hat dort sein Konzept für „ZukunftsWerte“ vorgestellt. Ab September übernimmt er damit einen Teil der neuen Hüfinger Kinder- und Jugendarbeit. Im Oktober soll das Projekt dann richtig starten.

Sein Ansatz verbindet Bewegung, Wertevermittlung, Resilienz und soziale Kompetenzen und soll die klassische offene Jugendarbeit ergänzen. Wer mehr über die Vorstellung im Gemeinderat wissen möchte, findet hier meinen Bericht über die Gemeinderatssitzung.

Natürlich sind wir alle neugierig, was daraus entstehen wird. Ich habe mich deshalb heute mit Jackson getroffen, um mehr über ihn und seine Ideen zu erfahren.

Jackon mit mir vor der alten Hütte vom Jugendhaus

Die schlechten Tage dieser alten Hütten auf dem Schari sind gezählt!

Wo heute noch kaputte Scheiben und keine Farben zu sehen sind, soll wieder Leben einziehen. Ein eigener Ort für die Hüfinger Kinder und Jugendlichen – zum Treffen, Gestalten und gemeinsamen Machen.

Ich freue mich so sehr, dass es wieder losgeht! ❤️

Was ich dabei übrigens selbst noch gar nicht wusste: Jackson lebt schon seit längerer Zeit in Hüfingen. Wie er überhaupt hierhergekommen ist, erzählt er in einem kurzen Podcast:

Wie Jackson nach Hüfingen kam

Und natürlich wollte ich auch genauer wissen, was hinter „ZukunftsWerte“ steckt und was er ab September mit den Kindern und Jugendlichen in Hüfingen vorhat:

Das Konzept „ZukunftsWerte“

Jetzt darf es also losgehen. Ab September startet Jackson mit einem Teil seiner Arbeit, im Oktober soll „ZukunftsWerte“ dann richtig Fahrt aufnehmen.

Ihr werdet hier sicher noch einiges davon hören.

Jackson auf dem Schari

Geschichte der Stadt Hüfingen

Geschichte der Stadt Hüfingen

Foto der Büste im Schlosspark Donaueschingen

Die Geschichte der Stadt Hüfingen muß schon mit den Römerzeiten begonnen werden, insofern nämlich, als ihre Gemarkung bis auf den heutigen Tag nicht unbedeutende Ueberreste römischer Ansiedelungen und Kultur aufzuweisen hat. Davon nennen wir zuerst die Hochstraße, welche von Dürrheim über Donaueschingen bei der Schächerkapelle, rechts ab von der Landstraße, gerade auf den spätern Fundort hinführt. Sodann ziehen wir die Flurbenennung Stetten in Betracht, welche beinahe überall, wo sie vorkommt, eine römische Niederlassung bedeutet. Weitere Spuren wurden schon im vorigen Jahrhundert entdeckt 1*), aber nicht näher untersucht, und erst im Jahre 1821 nahm man, auf Kosten des Fürsten Karl Egon von Fürstenberg, planmäßige Ausgrabungen vor. Die Anregung hiezu gab Professor Buchner von Regensburg, welcher damals unsere Gegend bereiste, um die aus der peutingerischen Tafel verzeichneten Römerstraßen, und namentlich die Station „Brigobannis“, zu untersuchen. Nach den ersten unzweifelhaften Fundstücken wurde eine eigene Commission ernannt mit Hofrath Rechmann an der Spitze. Diese Commission betraute meinen mütterlichen Großvater, den pensionierten

1) Eine kurze (handschr.) Oberamtsbeschreibnug von Hüfingen aus dem Jahre 1768 sagt: „Vor einigen Jahren fand man in dem Thal unter dem Galgenberg bei der Umpflügung deren dortigen Ackerfelder silberne und metallene römische Münzen von Titus, Vespasian x.; dann saubere Besezblättchen und Spuren von einem weitläufigen Gebäude.“

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Correktionshaus-Verwalter Schelble, mit der speziellen Beaufsichtigung der Ausgrabungs-Arbeiten. Zunächst bei der oberen Mühle, im s. g. an „Stetten“ gränzenden Mühlöschlein, wo das Ackerfeld dem Pfaffenloche, einer tiefen Stelle in der Breg, sich nähert, wurde mit den Ausgrabungen begonnen. Sie legten mehrere Grundmauern zu Tage, welche von sehr losem Zusammenhänge und so zertrümmert waren, daß sie kein zusammenhängendes Ganzes ergaben, aber nebst andern Fundstücken zur Annahme führten, es haben hier mehrere römische Wohnhäuser gestanden. Noch im nämlichen Jahre fanden Nachforschungen auf dem rechten Ufer der Breg statt, wo am Fuße des Hölensteins ein flaches von der Degginger Straße herziehendes Thälchen ausmündet. Hier wurden die Trümmer eines Gebäudes ausgedeckt, das unter dem Namen Römerbad 2) bekannt ist. Das Gemäuer desselben, ein längliches Viereck, auf fürstliche Kosten mit einem schützenden hölzernen Ueberbau versehen, mißt in der Länge 101, in der Breite 14 badische Fuß, und hat eine Art Erker auf der westlichen, einen viereckigen Anbau auf der östlichen und einen ganz gleichen auf der nördlichen Seite. Oestlich und südlich von dem Hause fanden sich aus Kalkstein-Quadern gebildete Brunnen, d. h. Theilstöcke, welche mit je zwei Oeffnungen versehen, das Wasser nach verschiedenen Seiten leiteten. Der ganze Bau war durch eine Scheidewand in eine südliche und eine nördliche Hälfte getrennt; die südliche enthielt heizbare Zimmer und scheint der eigentliche Wohnraum gewesen zu sein. Die Bödender Gemächer sind von sehr ungleichem Niveau,

2) Beschrieben in latein. Sprache zuerst von I. Frick im I. 1824; ferner (zugleich mit den übrigen Ausgrabungen von Prof. Dr. Fickler in den Schriften des bad. Altertumsvereins, III Jahrg. 1848. — Anch Hofrath Dr. Rehmann, der die Aufstellung der Fundstücke im fürstl. Schlosse zn Hüfingen besorgte, beschäftigte sich mit einer Beschreibung sämtlicher im Fürstenbergischen gefundener Altertümer. Der Verfasser gegenwärtiger Abhandlung hatte bereits mehrere Blätter von Abbildungen hierzu gezeichnet, als der Tod den hochverdienten Mann, leider viel zu frühe für Kunst, Wissenschaft und die leidende Menschheit, dahinraffte

Tafel 5 mit Römerbad und Votivstein

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so‘ daß der nördliche Theil tiefer, als der südliche liegt, was vielleicht im Gebrauche des Wassers seinen Grund hatte. Eingang bemerkte man nur einen, auf der dem Hölenstein zugewandten Seite, weshalb das südöstliche Zimmer für die Vorhalle gehalten werden muß. Zwei starke Mauervorsprünge darin lassen den Herd oder die Heizvorrichtung vermuthen. Die beiden folgenden Gemächer hatten Heizböden, d. h. Doppelböden; der obere aus Platten gebildete des ersten Zimmers ruhte auf Säulchen von runden Backsteinen. In dem erwähnten halbrunden Erker dieses Gemaches lag auf einem aufgemauerten Cylinder eine flache, aus einem Dolomitsteine gehauene Schale von 5′ Durchmesser, aLer kaum 4″ Tiefe. Wie es scheint, hat der runde Anbau sein Dasein lediglich dieser Schale zu verdanken, so daß beim Plane der Häuser schon auf ihre Aufstellung Rücksicht genommen war. Der obere Boden des anstoßenden Gemaches Bestand aus Gußmörtel mit eingestreuter grober Mosaik. Aus dem ersten heizbaren Zimmer leiteten vier, in der Zwischenmauer angebrachte Bogen die Wärme in das zweite. Der folgende Raum von gleicher Größe liegt etwa 3′ höher, als die übrigen Gemächer; aus ihm gelangte man in den über 2′ tiefer liegenden viereckigen Anbau, welcher einen von aufrechtstehenden kleinen Backsteinen gebildeten Boden und eine Wandverkleidung von röthlichem Gußmörtel hatte. Eine durch die östliche Wand gehende Thonröhre, welche nach innen mit einem ganz roh aus Kalkstein gehauenen Thierkopf endigte, führte das Wasser aus dem östlichen Brunnenstock in einen steinernen Wassertrog, woraus es auf den Boden des Gemaches, und von diesem durch eine runde durch die Mauer gehende Oeffnung in einen Kanal abfloß. In der nördlichen Hälfte des Gebäudes bemerken wir Folgendes. Einen 3′ tiefen Kanal, dessen Seitenwände aufgemauert sind und welcher sich, den Kanal aus dem vorhin beschriebenen Brunnengemach aufnehmend, durch diesen ganzen Theil hinzieht; ferner einen vertieften viereckigen, mit aufrechtstehenden Backsteinen besetzten Raum, von einer doppelten

Tafel VI mit Fotos aus dem Römerbad

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Mauer umgeben. Die Lußere, etwa 5′ höher liegende, war mit dritthalb Fuß breiten Kalkplatten belegt, welche eine kaum 1/2 Zoll tiefe und 5 Zoll breite Rinne rings umzog. Die zweite Einfassung bestand aus aufrechtstehenden Steinplatten; beide bildeten um den inneren tiefern Raum einen mit (jetzt nicht mehr vorhandenen) Ziegelplatten belegten Gang. An diesen stößt ein östlich liegender viereckiger Raum ohne gepflasterten Boden, während gegenüber an der Ecke noch Spuren einer schräg hinziehenden Mauer sich zeigte. Die Beschaffenheit des Gemäuers läßt aus keine große Sorgfalt bei Ausführung des Gebäudes schließen. Die Mauern bestehen aus gewöhnlichen Kalkbruchsteinen, durch einen magern hydraulischen Kalk verbunden, in welchem gestoßene Ziegelstücklein äußerst sparsam verwendet sind. Auch größere Stücke von Leistenziegeln, Gefäßscherben und dergleichen finden sich in dem dasigen Mörtel vor. Von dcr Bedachung haben sich noch große Bruchstücke von Leistenziegeln gefunden, deren einige in erhabener Schrift den Legionsstempel L.XI.C.P.F. tragen (d. i. Legio XI. Claudia. Pia. Fidelis.). Eine Quelle, von welcher die vorhandenen Brunnen ihr Wasser hatten erhalten können, findet sich in der Nähe keine mehr vor; doch ist anzunehmen, die Leitung habe vermittelst des noch jetzt sichtbaren, von der Degginger Straße herziehenden Grabens stattgefunden. Ueber die Bestimmung des ganzen Gebäudes sind die Ansichten getheilt. Die mit den Ausgrabungen betraute Commission glaubte, für ein Badhaus entscheiden zu müssen. Das Eingangszimmer wurde für das Ankleidezimmer, das erste beheizbare Gemach für das Salbenzimmer und das folgende für das Schwizbad angenommen, während der eingemauerte Raum im nördlichen Theile recht gut ein Behälter zum kalten Bade gewesen sein könnte. Eine andere Ansicht, von Schreiber und Frick, erklärte den Bau für ein Wohnhaus, welches im südlichen Theile die Menschenräume, im nördlichen den Geflügelhof, die Stallung

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und den Holzbehälter gehabt habe. Zell und Fickler dagegen nehmen an, das Gebäude sei ein Posthaus, eine Station zum Wechsel der Bespannung, wie auch zur militärischen Sicherung der Heerstraße gewesen. Der Mangel der Wärmeröhren und die Schmucklosigkeit des ganzen Bauwesens, verbunden mit dem Umstande, daß unter den aufgefundenen Geräthschaften weder die nothwendigen Oelfläschlein, noch die Badstrigel und Aehnliches sich besinden, zählt Fickler zu den Gründen seiner, ein Badhaus ausschließenden Annahme. Sicher anzunehmen ist übrigens nur, das Gebäude sei ein öffentliches, der XI Legion angehöriges oder von ihr erbautes gewesen. Jedenfalls aber hat bei diesem Hause das Wasser eine große Rolle gespielt. Zwei Brunnen, die ihr Wasser nach verschiedenen Seiten in das Gebäude führten, und zwar so reichlich, daß zwei Kanäle zum Abfluß nothwendig waren, möchten für ein Haus, welches nicht zum Badeu eingerichtet war, wohl als zu Viel erscheinen. Die Fundstücke des Platzes bestehen in mehreren Thonlampen, Broncen, Fibeln und Techensteinen, in einer Handmühle, in Handglocken und Münzen. Unter den beßeren tragen die meisten das Bildniß des Kaisers Vespasian 3). Seit der Entdeckung diescs Römerbaues hat sich Vieles im Innern desselben verändert. Von den Heizböden, deren der eine etwa zur Hälfte wohl erhalten war, erblickt man nur noch übereinanderliegende Trümmer; die Deckplatten sind gar nicht mehr vorhanden. Ebenso ist von der übrigen Bodenpflasterung wenig mehr zu sehen. Das Gebäude diente in den vierziger Jahren zu forstökonomischen Zwecken, und die sorgfältig ausgegrabene Ruine ist sozusagen abermals zur Ruine geworden.

3) Gelegenlich einer Besichtigung des Gebändes (im Herbst 1861) fand ich in der Eingangshalle noch eine Lampe von gewöhnlichem Ton, eine Bronceschnalle, eine Kupfermünze von Vespasian, nebst dem Rand eines gläserneu Gefäßes. Diese Fundstücke sind nunmehr sämtlich der fürstlich fürstenbergischen Sammlung von Altertümern im Schlosse zu Donaueschingen einverleibt.

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Im Herbste 1823 wurden nämlich auf den „Galgenäckern“, auf der Höhe des Hölensteins, die Grundmauern des s. g. Tempels bloßgelegt. Die Mauern, sehr verwittert und schlecht, hatten kaum anderthalb Fuß Dicke, auf der längeren Seite jedoch Ausladungen. Von ihnen mehrere Fuße entsernt standen kunstlos und schlecht gearbeitete Säulenpostamente. Im innern fand man zwei oder drei Gruben, wovon die eine mit Letten, eine andere mit Dolomitsteinen angefüllt war. Anfangs glaubte man, wirklich die Reste eines Tempels vor sich zu haben, was jedoch die schlechte Struktur des Ganzen nicht sehr wahrscheinlich machte. Einleuchtender erscheint die Ansicht, die mein Vater früher schon ausgesprochen, das Gebäude möchte eine Häfnerei oder Ziegelhütte gewesen sein. Denn der Grundplan desselben gleicht vollkommen einer jetzigen Ziegelhütte; und bedenkt man, daß vor einigen Jahren das tönerne Model einer großen Medaille, welche den Kaiser Vespasian vorstellt, auf dieser Stelle gefunden wurde, so erhebt sich die Wahrscheinlichkeit beinahe zur Gewißheit. Die übrigen dortigen Fundstücke sind Töpfergeschirr, Thonkorallen, Fingerringe und dergleichen. Auch wurden am nördlichen Abhange der genannten Höhe hiemit in Verbindung stehende Kalköfen entdeckt, oder vielmehr man fand Stellen, wo das Gestein vom Feuer an- und zu Kalk gebrannt war, während in den Berg hineingetriebene Hölen von etwa 4′ Breite mehrere Fuder gebrannten Kalkes enthielten, welcher noch gut zu Mörtel verwendet werden konnte. Gleichzeitig mit der Entdeckung der römischen Baureste kam auch ein Begräbnißplatz zu Tage. Mein Vater, welcher damals ein kleines Landgut, den Hölenstein, cultivieren und mit Wegen versehen ließ, fand bei dieser Arbeit die terassensörmig vorspringenden Kalkfelsen, auf der nordwestlichen frei in’s Thal hinaus schauenden Seite, mit etwa 2′ tiefer Asche überlagert. In dieser aber entdeckte man halb und ganz verbrannte Menschen- und Tierknochen, gerippte Korallen von blauem Kalk, blauem Glase und Gagat, eine Menge Scherben von samischer und ge-

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wöhnlicher am offenen Feuer gebrannter Erde, römische Münzen, Bronceverzierungen und Anderes dergleichen. Es ist daher wohl anzunehmen, dieser Platz habe den Einwohnern des kaum 90 Schritte entfernten Gebäudes der XI Legion zum Begräbnißplatze (kustum) gedient. Noch heutzutage finden sich bei der Untersuchung durch das Grabscheit auf dem Grundstücke überall Scherben, meistentheils von grauem und schwarzem Tone. Ein zweiter Begräbnißort wurde 1834 bei der Scharfrichterswohnung und Abdeckerei entdeckt. Diese Gebäude liegen etwa 200 Schritte vom erstbeschriebenen Platze, am Fuße derselben Halde. Um bei einem nächtlichen Hochwasser das Haus zu retten, wurde damals vom Erdreich der Halde ein Damm hergestellt, bei welcher Arbeit eine starke Aschenlage zum Vorschein kam. In ihr fand man eine Menge Scherben, Korallen und Menschenknochen, nebst mehreren wohlerhaltenen, am offenen Feuer gebrannten Gefäßen von grauem Ton mit Asche gefüllt und nach Art der alten Columbarien übereinandergestellt.

Was nun die alte Hochstraße betrifft, so bemühten sich mehrere Forscher, ihre Fortsetzung aufzufinden. Leichtlin und später Ocken suchten sie vergebens in der Nähe des s. g. Badhauses. Wie aber schon von Fickler erwähnt, fand man ihre Spur westlich vom Gebäude, von wo sie durch den Deggrischerwald gegen Deggingen und wahrscheinlich gegen Unadingen und Bachheim hinzieht. Bei jenem Walde lenkt ein Arm unter dem Namen „Harweg“ oder „Herweg“ nach Hausen ab, wo er sich mit der alten Schweizer Heerstraße vereinigte. Andeutungen einer andern Straße, die über das jetzige Hüfingen durch die Gemarkung Sumpfohren gegen Pfohren führte, gibt die wiederholte Flurbenennung „Heerweg“ im S. Katharinen-Zinsbuch von 1328; auch finden sich unzweifelhafte Anzeichcn einer Verbindungsstraße über Bräunlingen in dem Zinsrotel der dortigen Pfarrei von 1384, wo die Feldbezeichnung: „Lit an dem Arweg“ öfters vorkommt. Dieselbe zog sich, wie ich in besagtem Rotel gefunden, über die Gemarkung von Waldhausen („ein wislin, lit ze Waldhusen uf dem

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Herweg und zuhet an den Espan“). Wahrscheinlich war es der Heerwcg, welcher aus Schwaben über den hohlen Graben und Thurner nach Breisach führte. Fassen wir diese Spuren alle zusammen, so ergibt sich, daß die römischen Bauwerke zu Hüfingen an einer Kreuzstraße gelegen waren, was der Annahme einer Poststation oder einer Straßen-Schutzwache (mit Badeinrichtung) allerdings viel Wahrscheinlichkeit verleiht. Weitere Nachforschungen über das römische Straßennetz unserer Gegend anzustellen, um es völlig zu erheben, muß ich Anderen überlassen, da mir leider die Zeit und die Gelegenheit dazu abgehen. Als Urbewohner auch der Baargegenden erschienen die Kelten, welche schon 600 Jahre vor Christus dahin gekommen, aber hernach durch die Römer und Germanen allmählig um ihre nationale Selbstständigkeit gebracht wurden. Das erste Erscheinen aber der Römer in Hochdeutschland fand in dem Kriege statt, welchen Kaiser Augustus gegen die Rhätier und Vindelicier (südlich und östlich vom Bodensee) führte.

Nachdem Tiberius, der Adoptivsohn des Kaisers, die Vindelicier in einer blutigen Schlacht am Bodensee überwunden, gieng er, wie römische Schriftsteller berichten, eine Tagreise weit landeinwärts und besichtigte die „Quellen der Donau.“ Mag man nun den Ursprung dieses Stromes bei Donaueschingen oder bei den Anfängen der Waldbäche Brig und Breg suchen, immerhin mußte der römische Feldherr aus seinem Marsche in die Baar gelangen. Da jedoch nur von einer Tagreise die Rede ist, so scheint der Zusammenfluß jener Wasser im Herzen dieser Gegend gemeint zu sein, welche in den Römerzeiten schon für ein vorzügliches Getraideland galt.

Der entscheidende große Sieg, welchen die germanischen Stämme in Niederdeutschland unter Hermann dem Cherusker 4 Jahre vor Christus über die römischen Legionen davon getragen, hatte den Römern gleichwohl den Besitz der Länder am Rhein, Neckar und an der Donau nicht entreißen können. Dieselben verblieben römische Provinzen, was hinsichtlich der Culturbeförderung kein großes Unglück war.

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In mannigfachen Mischungen und Verhaltnissen, wie unter vielfachem Wechsel von Kriegs- und Friedenszeiten, bauten sich Kelten, Römer, Gallier und Alemannen darin an. So wurden denn auch in der Baargegend überall Heer- und Handelsstraßen, Bauwerke aller Art, Bäder, Tempel, Wasserleitungen, Ziegelhütten und Töpfereien angelegt, Flüsse und Bäche überbrückt, Flößereien und Handelsgesellschaften errichtet, die Landwirtschaft mit neuen Sämereien und Früchten bereichert und die Obstbaumzucht eingeführet.

Erwiesenermaßen lag beim jetzigen Hüfingen ein Theil der Xl Legion, deren Stab zu Windisch in der Schweiz postirt war. Die Ansiddelung hatte sich jedoch nicht allein auf unsere Gemarkung erstreckt; denn schon im vorigen Jahrhundcrt (1726) wurden auch bei Bräunlingen die Reste eines römischen Gebäudes entdeckt, und der Stiftungsbrief der dortigen Pfarrei soll ausdrücklich besagen, „sicheren Nachrichten und alten Urkunden zufolge habe Kaiser Karl der Große die Stelle, wo ehemals ein Römercastell gestanden, als Kirchenbauplatz an die Reichenauer Mönche vergabt.“

Wenn nun das Acker-Gewann zwischen Hüfingen und Bräunlingen „in Stetten“ heißt, so darf man wohl füglich annehmen, es haben auch mehrere römische Gebäude daselbst gestanden, deren Spur durch den vielhundertjährigen Feldbau verwischt worden; findet sich ja von den Fundamenten im Mühlöschle und des s. g. Tempels, nach so wenigen Jahren ihrer Entdeckung, schon nicht die geringste Spur mehr! Der unbeugsame Nationalsinn der germanischen Stämme ließ die romanischen Verdränger, deren Verwaltungsbeamte auf Kosten der Bevölkerung sich blutsaugerisch zu bereichern strebten, endlich nicht mehr länger in Ruhe. Der erste Einfall der Alemannen geschah im Jahre 274 nach Christus und nach Verfluß eines Jahrhunderts waren sie Herren des ganzen Landes zwischen dem Bodensee, Rheine, Maine und Neckar. Da sanken die Römerbauten auch unserer Baar in Schutt und Asche. Mit ihnen verlieren wir für lange Zeit alle Anhaltspunkte für unsere Ortsgeschichte; es bleibt mir daher nichts übrig, als

Ein Gräberfeld im Mühlöschle aus der Bronzezeit
Ausgrabung 1958

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in allgemeinen Umrissen darzustellen, wie der Baar-Gau zum alemannischen Herzogtume gedieh, und nach der Aufhebung desselben unter der Verwaltung der Ahnen des erlauchten Hauses Zäringen deren Namen erhielt, und endlich an die zäringischen Erben von Fürstenberg überging.

Bald nach Eroberung der römischen Rheinlande geriethen die beiden germanischen Stämme der Franken und Alemannen auf’s Feindlichste mit sich selber in Kampf. Es schien, als könnten sie neben einander nicht bestehen, als müsse der eine verdrängt oder vertilgt sein, damit der andere unbeschränkt herrsche. Dieser tief gewurzelte Haß und der daraus entspringende tragische Kampf erschien bis in die hohenstaufen’schen Zeiten als ein Grundzug der alemannischen Geschichte. Die Alemannen und Schwaben hatten sich der fränkischen Monarchie anschließen müssen, wie andere deutsche Stämme. Sie bildeten ein großes Herzogtum und es erhoben sich darin drei mächtige Geschlechter, welche meistens im Besitze der herzoglichen Würde und der bedeutendsten Grafensprengel waren — am Bodensee die Welfen, an den Neckar- und Donauquellen die Berchtoldinger und im Elsaße die Etikone. Es war daher ein Hauptsächliches Bestreben des fränkischen Königshauses, diese mächtigen Stammeshäupter zu stürzen und dadurch die Alemannen völlig zu unterjochen.

Das gelang ihm auch theilweise; denn im Jahre 748 wurde das Herzogtum abgeschafft, das Land sofort durch königliche Kammerboten überwacht und die Verwaltung der meisten Grafschaften in die Hände fränkischer und rhätischer Geschlechter gespielt. Bei diesem Unterdrückungssysteme wurden aber namentlich die Berchtoldinger von der Grafenwürde der großen Berchtoldsbaar verdrängt und mußten lange Zeit froh sein, sich den Besitz ihrer dortigen Erbgüter zu retten. Der alemannische Stammesstolz ertrug jedoch eine solche Lage nicht ruhig; immer und immer erhoben die drei Geschlechter mit ihrem Anhange das Haupt, bis es gelang, die herzogliche Würde von Schwaben wieder herzustellen. Sie gedieh an die Zäringer, die Nachkommen der alten Berchtoldinger.

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Zwar drängten sich bald hernach die Hohenstaufen, die Erben des salischen Kaiserhauses, in das Herzogtum; den Zäringern verblieb jedoch die herzogliche Macht über die Lande, wo ihre breisgauischen, baarischen, schwarzwäldischen und helvetischen Erbgüter lagen, und für die Hingabe des Uebrigen wurden sie mit der Statthalterei über Burgund entschädigt. Nachdem ihr Geschlecht sich in einen herzoglichen und markgräflichen Ast getheilt, erlosch der erstere 1218 mit Berchtold V, während der letztere in unserem erlauchten badischen Fürstenhause noch immer frische Blüthen treibt. Nach dem Erlöschen der Herzoge gelangte die Grafschaft über die Baar, wo das Meiste zäringisches Erbgut war, an das altfränkische Haus von Sulz, welches dieselbe jedoch später dem Grafen von Urach-Fürstenberg überließ, in dessen Hand die baarischen und schwarzwäldischen Erbgüter gekommen. Von diesen allgemeinen Umrissen wenden wir uns nunmehr zu dem mittelalterlichen Hüfingen, zur dortigen alten Burg und Dorfgemeine.

Wie bei den meisten Dörfern und Städten, so besitzt man auch über die Gründung von Hüfingen weder Brief noch Sigel. Nach der Ortssage hätte es anfänglich aus drei Höfen bestanden 4) was nicht unwahrscheinlich klingt, da inmitten dieses fruchtbaren Geländes etliche unter dem Schutze einer Burg liegende Höfe (Pacht- oder Hubengüter) recht wohl den Anfang des Dorfes gebildet haben konnten. Die meisten Städte unseres Landes sind ja auf ähnliche Weise entstanden. Denn siedelten sich bei solchen Hofgütern noch die gewöhnlichen Handwerksleute und Tagwerker an, so waren bald gemeinsame Anstalten nöthig, eine Mühle, ein Wirtshaus und eine Kapelle, welche mit Gütern begabt wurde und meistens zur Pfarrkirche erwuchs. Die mittelalterlichen Burgen aber entstanden bekanntlich vielfältig auf den Grundmauern zerstörter römischer Wacht-

4) Der Zusatz, diese Höfe hätten dem Orte seinen Namen „Höfingen“ gegeben, ist kaum der Widerlegung werth. Der alte Name hieß Hiuvinga und kann das Wort Hof nicht zum Stamme gehabt haben,

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thürme oder Kastelle. Wie sehr auch unsere germanischen Stammvater die Römer und ihre Zwingburgen haßten, so scheinen sie doch Manches von denselben gelernt und das von ihnen Hinterlassene zum eigenen Vortheile ausgebeutet zu haben. Und in der That mußten die gutgewählten Bauplätze auf dominirenden Höhen, in wohlgelegenen Niederungen, an Quellen und Flüssen, wie mancherlei vorhandenes Baumaterial, alte Wasserleitungen, alte feste Straßen (in deren Herstellung unsere Altvorderen ohnehin keine Hexenmeister waren), sehr viel Einladendes zur Ansiedelung haben; daher es verwunderlich sein würde, wenn alles dieses nicht benutzt worden wäre. Haben wir nun auch bei Hüfingen erwiesener Maßen eine ziemlich ausgedehnte Römerstätte vor uns, so ist die Vermuthung nicht aus der Luft gegriffen, diese Reste möchten zur Gründung der dasigen Burg die Veranlassung gegeben haben.

Das Terrain zu einer sogenannten Tief- oder Wasserburg war hier ganz besonders günstig. Die von Westen her laufende Bregach bildet, durch einen stark abschüssigen Rain zum „Waag“ gestaut und nordöstlich gelenkt, einen Erdwinkel, der in ältesten Zeiten eine Art Insel oder Werd gewesen sein mag. Denn ehe die Dämme oberhalb der Stadt hergestellt waren, nahm das Hochwasser, bei unserem Gedenken noch, regelmäßig seinen Lauf auf der entgegengesetzten Seite, an den Stadtmauern vorbei, und vereinigte sich erst unterhalb derselben wieder mit dem Hauptfluße. Daher heißt dieses Gelände noch heutzutag „Wasserlanden“, und hat in geringer Tiefe ein mächtig angeschwemmtes Kieslager, während in der Hinterstadt, wo die alte Burg gestanden, ein fetter 8 bis 10 Fuß tiefer Humusboden durchgängig angetroffen wird. Die älteste urkundliche Erwähnung der Burg Hüfingen, beziehungsweise ihres Adels, fällt in die Jahre 1083 und 1100. Damals bezeugte Ritter Hugo de Hiuvingen mit anderem alemannischen Adel zwei Beurkundungen, welche Graf Burghart von Nellenburg zu Schafhausen und Eschingen für das Kloster Allerheiligen vornahm. Bei der letzteren erschien, dem Hugo

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voranstehend, auch ein Adelbero von Hüfingen, welches also sein älterer Bruder gewesen sein konnte. Eine zweite Erinnerung an dieses Adelsgeschlecht bewahrt das im fürstlichen Archive zu Donaueschingen befindliche Todtenbuch des Klosters Amtenhausen, worin unter den Gutthätern eingetragen steht: „Der edle Johannes de Hüffingen, hat geben an den Baw ein Roß und Harnisch.“ Da nun der Klosterbau und die Besetzung des Gotteshauses durch Abt Theoger von S. Georgcn um’s Jahr 1100 geschah, so lebte Herr Johannes wohl in jenen Tagen 5).

In welchem Verhältnisse diese Edlen zum Orte Hüfingen gestanden, ob als Grundherren, Vögte oder Lehensmänner, kann aus der spärlichen Erwähnung derselben nicht entnommen werden. Jhr frühes urkundliches Erscheinen dürfte dafür sprechen, daß sie dem Stande der Freien, und nicht etwa demjenigen der unfreien Dienstmänner angehörten. Jedenfalls aber war ihr Geschlecht kein mächtiges und reiches; denn Macht und Reichtum verschafften dazumal, wie heute noch, Einfluß und bedeutende Stellung unter den Zeitgenossen, was unsern Rittern von Hüfingen sehr gemangelt zu haben scheint. Wir finden sie kein einziges Mal bei politischen Ereignissen, und bei urkundlichen Verhandlungen nur höchst selten genannt. Auch müssen dieselben frühe schon um den Besitz dcs Ortes gekommen sein, da wir bereits im 12ten Jahrhunderte die Abtei S. Märgen auf dem Schwarzwald nicht nur im Rechte des Kirchensatzes zu Hüfingen, sondern selbst im Besitze des Dorfes daselbst finden. Wie dieselbe zu diesem Bcsitze gekommen, ist nicht bekannt, und ebenso wenig, ob sie die hiesige Pfarrkirche aus anderer Hand erworben oder selber erst gestiftet habe.

5) Das Todtenbuch ist zwar erst aus dem 14ten Jahrh., daher die spätere Schreibart „Hüffingen“, aber es sind die Einträge eines alten, nicht mehr vorhandenen, darin aufgenommen. Es könnte sich der Ausdruck „zum Bau“ aber auch nicht auf die erste Erbauung, sondern auf den Fond zur baulichen Unterhaltung des Klosters beziehen, und der Vergaber somit auch einer spätern Zeit angehören.

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Jm Jahre 1182 verlieh Bischof Hermann von Constanz dem Gotteshause S. Märgen die Befugniß, durch seine Klostergeistlichen die Seelsorge der Kirche zu Hüfingen versehen zu lassen. Denn „bekanntlich (heißt es in der Urkunde) stehe die investitura ecclessiae Huvingen rechtlich diesem Stifte zu.

Es handelte sich nämlich darum, das Kloster der sanctmärgischen Chorherren in seinem Fortkommen dadurch zu unterstüzen, daß man ihm erlaubte, das Hüfinger Pfarreinkommen, welches bisher von einem Weltpriester bezogen worden, für sich zu verwenden, indem sie die Pfarrei durch einen ihrer Mönche wohlfeil besorgen ließen. Denn obwohl S. Märgen, eine Stiftung der Grafen von Hohenberg, damals schon über sechzig Jahre bestund, so wollte cs noch immer nicht recht gedeihen und hatte Unterstützungen, wie die obige, pro necessitatum suarum elevatione et pro temporalibus subsidiis, besonders nöthig.

Zm Jahre 1215 bestätigte Papst Innocenz III dem Kloster die Kirche zu Huvingen mit all ihren Zugehörungen und andere Güter daselbst, wie es dieselben bisher rechtlich und ruhig besessen habe. Und cin Vierteljahrhundert später wurde ihm durch Papst Gregor IX die hüfiigische Pfarrei völlig einverleibt, mit dem entschuldigenden Beifügen, daß der Orden der Chorherren vom Weltpriesterstande nur wenig verschieden sei.

Diese Bestätigung und Einverleibung ist aber durch den urkundlichen Wortlaut darüber für die Geschichte von Hüfingcn von desto größerer Bedeutung. Die vier betreffenden Urkunden besagen nämlich, der Papst habe das Kloster mit all‘ seinen Besitzungen, namentlich mit der Kirche und dem Dorfe de Huvingen, in den unmittelbaren Schutz des heiligen Stules aufgenommen, und demselben zur Abhilfe seiner Noth besagte Kirche mit ihren Zubehörten (also mit Zehenten, Widemgütern und Jahresgilten) so gänzlich überlassen, daß sie von aller Visitation des Landdecans, wie von aller anderen Belastung ihrer Güter und Pfründen befreit sein solle 6).

6) Die im großh. Landesarchive hierüber vorhandenen Urkunden finden sich auch abgedruckt in Petri Suevia S. 233.

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Demnach hatte S. Märgen nicht allein die Pfarrkirche zu Hüfingen, sondern auch den Ort selber besessen, villam cum pertinentiiis ejusdem — das Dorf mit seinen Zubehörten und Almendrechten. Wie das Kloster in der Folge diesen wichtigen Besitz wieder verloren, kann nicht mehr ermittelt werdern. Wahrscheinlich sah es sich während der Wirren des großen Zwischenreiches (von 1250 bis 1273) dazu genöthigt, entfernt ligende Besitzungen, wie unser Hüfingen, an die Landesherrschaft zu veräußern, oder sie wurden ihm gewaltsam entrissen.

Die ältesten Verhältnisse der Hüfinger Pfarrei ligen überhaupt sehr im Dunkeln. Nach der Ueberlieferung soll Bräunlingen die Mutterkirche für die ganze Umgegend und auch unser Ort dahin gehörig gewesen sein. Auffallend ist jedenfalls der Umstand, daß von früher Zeit her immer eine Anzal von Haushaltungen (man gibt 27 an) zu Hüfingen in die Bräunlinger Pfarrei gehörten, welche erst 1729 der hüfingischen Kirchhöre einverleibt wurden. Auch besaß die bräunlingische Pfarrei und Kaplanei nach einem Zinsrodel von 1384 damals mehrere Zinspflichtige zu Hüfingen. Darunter befanden sich „der alte Reich auf dem Bühel“, welcher derselben von 3 Aeckern „im Hargarten bei der Stadt und an Stetten beim Weier“ jährlich 5 Viertel Kornes entrichtete. Ebenso bezog sie von dem „Herrnzehenten, der etwan gehörte in den Kelnhof zu Bräunlingen“, den dritten Theil 7).

Die fried- und gesetzlose Zeit des Zwischenreiches mag es auch veranlaßt haben, daß das Dorf (villa) Hüfingen zum Städtlein (oppidum) ward, indem sich damals viele offenen Orte mit Mauern und Gräben umgaben, um vor Ueberfällen und Plünderungen geschüzt zu sein. Diese Verwandlung wäre daher unter den Grafen von Sulz geschehen, welche die Landgrafschaft Baar bis zum Jahre 1283 besaßen, wo dieselbe durch

7) All‘ diese Fingerzeige weisen auf eine Beziehung des Ortes Hüfingen zur Pfarrei Bräunlingen zurück, wodurch die erwähnte alte Ueberlieferung nur bekräftiget werden kainn.

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König Rudolf I an den Grafen Heinrich von Fürstenberg, als Belohnung ersprießlicher Dienste verliehen wurde. Dieser ritterliche Herr und Freund des Königs war der Enkel des urachischen Grafen Egeno im Bart, welchem seine Gemahlin, eine Schwester des letzten Herzogs von Zäringen, die zäringische Erbschaft im Breisgau und auf dem Schwarzwald zugebracht hatte. Graf Heinrich theilte dieselbe mit seinem ältcrn Bruder Konrad dergestalt, daß ihm die baarischen und schwarzwäldischen Gebiete mit der Veste Fürstenberg zufielen, deren Namen er sofort annahm.

Eine der ersten Handlungen, welche Heinrich als „Landgraf in der Baar“ verrichtete, war die Verleihung der Kirchen-Pfründen zu Hüfingen an die beiden Priester Konrad und Heinrich, gegen ein geringes Entgeld. Wir sehen also unser Schloß und Städtlein mit feinem Psarrplatze in den Besitz des Hauses Fürstenberg übergegangen.

Dieses aber verlieh das Schloß und Städtlein feinen Dienstmännern von Blumenberg, einem edlen Rittergeschlechte, welches sich bald durch rühmliches Wirken die Achtung von Hoch und Nieder erwarb. So stiftete dasfelbe (der Vater Heinrich, fein gleichnamiger Sohn, seine Enkel Johann, Heinrich und Konrad, und seine Vettern Johann zu Staleck, Johann und Berchtold zu Donauefchingen, Heinrich zu Blumeneck, Konrad zu Tanneck, Albrecht und Iohann zu Blumenberg) schon 1299 die Altarpfründe ad sanctum Blasium in der Kirche zu Hüfingen, woselbst der letztgenannte Blumenberger in medio choro begraben ligt.

Die nächste Erwähnung dieses Geschlechtes findet sich im Jahrzeitbuche der Hüfinger Kaplanei. Dort lesen wir beim Jahre 1339: „Herr Rudolf von Blumberg fällt vor der Stadt Bern (bei Laupen) im ersten Jahre des Krieges.“ Seine Frau war eine Geborene von Klingenberg, und das Grab dieses Ehepaares befindet sich in der Pfarrkirche zu Hüfingen „unter der alten Kanzel.“

Dieser ritterliche Mann hatte sich unter den hundert Helmen befunden, welche Graf Heinrich IV von Fürstenberg dem

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Fürsten von Oesterreich zugeführt, als es gegolten, den Uebermuth des Berner zu züchtigen. Der Tag von Laupen fiel aber anders ans, und als Rudolf die Schlacht verloren sah und sein Knappe ihn aufforderte, sich zu retten, rief er heldenmüthig: „Jch will nit leben, wo so viel‘ edle Ritter umgekommen“, warf sich in’s dichteste Kampfgewühl und fand seinen Tod.

Um diese Zeit erschienen zuweilen auch noch Edle von Hüfingen, deren Zusammenhang mit jenen alten des 12ten Jahrhunderts aber sehr zweifelhaft ist. Sie waren, wie die Blumberger und Blumenecker, Dienstmänner des Hauses Fürstenberg und lassen sich bis zu Ritter Konrad hinauf verfolgen, welcher 1281 urkundlich genannt wird.

Da nun Rüeger in seiner Chronik unter den schafhausischen Patrizier-Familien auch die von Hüfingen aufführt, so scheint ein Zweig derselben schon frühe nach Schafhausen übergesidelt zu haben, während ein anderer in der alten Heimat verblieb. Diese letzteren trugen wohl das Hüfinger Schuldheißenamt von der Landesherrschaft zu Lehen und erhielten daher den bleibenden Namen „die Schuldheißen von Hüfingen“, welcher sich also aus einer Amtsbenennung in einen Geschlechtsnamen verwandelte. Berchtold von Hüfingen hinterließ 1314 eine Tochter Agnes als Gemahlin des Edlen von Prasberg, und einen gleichnamigen Sohn, welcher die Marktswiese im Bräunlinger Bann erwarb, um dieselbe zu einer Jahrzeit für feinen Vater „Berchtold den Schuldheißen selig“, seine Mutter „von Hödorf“, und seine Brüder Künzlin, Heinrich und Eberlin, in die Bräunlinger Pfarrkirche zu verstiften. Im Jahre 1370 wurde „Herr Berchtold, genannt Schuldheiß von Hüfingen“, Propst zu Allerheiligen, zum Abte von S. Märgen erwählt. Unter ihm legte man die neue Straße von Villingen nach Freiburg durch das Klostergebiet an; der gestrenge Herr aber mußte 1385 den Mordstreichen einer Partei seiner eigenen Mönche erliegen! Im Jahre 1444 belehnte Graf Egeno V von Fürstenberg den „Berchtold von Hüfingen, genannt Schuldheiß“ mit dem

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Drittel des Zehenten zu Pforen und Deggingen. Ebendenselben nennt noch eine Urkunde von 1465 und eine andere von 1476 führt den „Junker Heinrich, Schuldheiß zu Hüfingen“ mit seinem Siegel auf. Als Nachkomme eines dieser beiden aber erscheint der „edel und streng Herr Hanns von Hüfingen, genannt Schuldheiß, Ritter“, welcher 1494 an die „Elendstiftung“ zu Bräunlingen ein sammtenes Meßgewand vermachte, und 1505 den Degginger Zehenten für ein Leibgeding von jährlichen 30 Maltern Vesens und 30 Maltern Habers an Wolfgang von Hausen überließ. Mit ihm verlieren sich die Spuren seiner Familie, welche längst nicht mehr zu Hüfingen, sondern in der Nachbarstadt Bräunlingen gehaust, wo sie ein eigenes Hofgebäude (cunria) besaß. Zu Hüfingen hatten indessen noch lange die Blumenberger gewaltet. Ritter Diethelm der jüngere, welcher den Ort von Fürstenberg zu Lehen trug, verschrieb 1352 nicht allein seiner Gemahlin Anna, einer Geborenen von Wessenberg, die Zinse und Gefälle daselbst, sondern veräußerte 1356 seinen sechs Vettern für 10,000 Gulden das ganze Städtlein mit Leuten und Gütern, Zwingen und Bännen, Gerichten und allen Zubehörten. Hierauf wurden die Käufer durch Graf Hcinrich IV damit belehnt; 1380 aber war Burghart von Blumenberg noch alleiniger Herr zu Hüfingen und verbriefte dasselbe an die Edlen von Schellenberg. Dieses Geschlecht gehörte zum alten Adel der oberen Gegend und hatte seine Stammburg auf dem Schellenberge bei Feldkirch im Rheinthal. Es machte sich schon unter Rudolf I in gutem Sinne bemerklich; denn der König betraute die Gebrüder Markwart und Ulrich, milites de Schellenbere, mit dem Richteramte des Landfriedens im Linzgau, welches sie gegen die dortigen Friedensstörer unnachsichtlich zu üben pflegten 8). In der Baar erschienen aus dem schellenbergischen Geschlechte

8) Strenui viri domini Marquardus et Vlricus fratres de Schellenerg, vicem gerentes serenissimi domini Rudolfi d.g. Romanorum regis etc. Urkunde von 1284 im Salem. Coveib. III. 108.

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zuerst die Gebrüder Benz und Tollenzer, von denen Ersterer mit Frau Guta, der blumenbergischen Erbtochter zu Hüfingen, vermählt war. Es hatte nämlich Herr Burghart von Blumenberg diesem einzigen Kinde, mit Verwilligung des Lehensherrn von Fürstenberg, das Städtlein zur Mitgift verschrieben. Herr Benz vererbte den schönen Besitz um’s Jahr 1386 an seine minderjährigen Söhne Konrad und Burghart, welche von den Vettern des Verstorbenen wegen des Laienzehenten zu Hüfingen gerichtlich angefochten, von ihrem Oheime Tollenzer jedoch siegreich verteidigt wurden.

Diese Vettern waren Rudolf der Kenzinger und Konrad von Blumenberg, die Söhne Herrn Diethelm’s des ältern, welcher Frau Anna, die Tochter Konrads und Schwester Burgharts, zur Gemahlin gehabt. Ihr Bruder Diethelm der jüngere war 1379 schon verstorben, und von ihnen selber wird Konrad im Jahre 1406, wo er dem Junker von Schellenberg seine Rechte zu Almishofen verkaufte, zum leztenmal genannt. Es scheint also die Hüfinger Linie des blumenbergischen Hauses mit ihm erloschen zu sein. Die Schellenberger hielten sich, nach dem Vorbilde ihrer blumenbergischen Ahnen, eifrig an das Haus Oesterreich, welchem dieselben schon 1395 das Oeffnungsrecht zu Hüfingen „für all‘ die Seinen in allen Nöthen“ eingeräumt hatten. Mit dem Hause Fürstenberg dagegen geriethen sie in solche Mißverhältnisse, daß Konrad von Schellenberg 1444 sogar die fürstenbergische Lehensherrlichkeit über Hüfingen bestritt und solche vom Kaiser neu bestätiget werden mußte 9).

Auch mit ihren Hüfingern scheinen diese Herren anfänglich über verschiedene städtische Rechte und Befugnisse in Streitigkeiten gerathen zu sein; denn durch die gütliche Uebereinkunft von 1452, den f. g. Stadtbrief, haben „Herr Berchtold von Schellenberg, Ritter, und die Bürger seiner Stadt Hüfingen

9) Verschiedene Urkunden im großh. Landesarchive zu Karlsruhe, und im fürstl. Archive zu Donaueschingen, von Münch und Andern benützt. Vergl. auch Iselius Lericon, unter Schellenberg.

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die Almendmarken und die gegenseitigen Rechte geöffnet, geläutert und gebessert, damit beide Theile wissen möchten, wie sie einander halten sollen, um fortan in gutem Willen und Wesen unter sich zu verbleiben.“

Die Hüfinger Almend zog sich demnach „von der Mutzerstaude in die Gießau, sodann unter dem Belaher Wege bis zur Mönchwiese und an’s Deggenrisch. Zum Almendgute gehörten ferner das Bränd und die Bulz am Wetzelsberg, der Spitz neben der Schleewiese bis hinauf an den Pfad, welcher die Almend von dem Herren-Holze schied; endlich auch die Wieden ob der Seemüle, die Schleife, der Hölenstein und der Gießen, die Länder, die Wiesen an der Walke, und die offenen Gassen und Plätze der Stadt.

Die Hölzer im Almendbezirke waren verbannt und kein Theil ohne des andern Zustimmung durfte Jemanden über dieselben etwas erlauben; die Bürger aber besaßen ein Eigenholz ob dem Mistelbrunnen. Bei der Almend-Vertheilung sollte kein Unterschied zwischen Reich und Arm, zwischen Insäßen und Ausbürgern stattfinden. Von altersher bestand zwischen Hüfingen und Almendshofen gemeinschaftlicher Waidgang und die Hirten beider Gemeinden hatten das Recht, in die Neidinger Furt „zum Läger und zur Stelle zu fahren.“ Auch mußte das Vieh vom Mönchhofe und von der Seemüle dem städtischen Hirten folgen bei der Buße eines Pfundes. Ferner war’s ein alter Gebrauch zu Hüfingen, daß niemals mehr als drei Ackerknechte zusammen ausfahren durften; daß jedem Zuge ein Schlagochs (Wucherstier) folgen mußte, welchen die Hirten für 5 Schillinge jährlich zu halten hatten, und daß Derjenige, so mit Rossen zu Acker fuhr, dieselben im Ächtbann mochte waiden lassen. Nach der Wirtsordnung mußte Jeglicher, der wirten wollte, ein volles Jahr hindurch ausschenken, und war derselbe drei Tage ohne Wein, so hatte er’s dem Herrn mit einem Pfund, der Gemeinde mit 5 und dem Schuldheißen mit 3 Schillingen zu büßen.

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Kein Wirt durfte ungeschätzten Wein verzapfen oder solchen, welcher schlecht und nicht Kaufmannsgut war; auch sollte keiner anders „zu zwei Zapfen ausschenken“, als Weißen und Rothen oder Breisgauer und Elsaßer zu Landwein — alles ebenso bei Strafe je eines Pfundes für den Herrn und die Gemeine. Ferner durfte kein Wirt seinen Gästen ungeschätztes Brot vorlegen oder Roggenbrot, wenn dieselben solches nicht besonders verlangten oder wenn die Bäcker kein Weißbrot mehr hatten; denn keinem Wirte war es erlaubt, selber Weißbrot zu backen. Während des Jahrmarktes mochte jeglicher Bürger „läßigen Wein“ ausschenken. Die Bäcker und Mezger sollten ebenfalls nichts Ungeschätztes verkaufen, die Stadt keinen Tag ohne Brot, und keinen Samstag ohne Fleisch, wie an Jahrmärkten und Kirchweihen nicht ohne beides lassen, da es den Wirten verboten war, auf solche Zeiten zu schlachten oder zu backen. Wer dieses überführ, verfiel der Gemeine mit 5 Gulden. In Beziehung auf die städtische Sicherheit und Reinlichkeit war es Jedermann untersagt, seinen Mist länger als von einem Samstage zum andern auf der Gasse ligen zu lassen, in seinem Hause zu bauchen oder in der Stube das Werk zu därren, bei einer Buße von 1 Pfund für den Herrn und 10 Schillingen für die Gemeine. Die Feuerschauer aber sollten allwöchentlich herumgehen und dafür sorgen, daß das Schadhafte ausgebessert werde, und in jeglichem Hause eine gute Gelte mit Wasser stehe, bei einer Strafe von 5 Schillingen. Wenn’s in einem Hause brannte und der Besitzer machte nicht zuallererst Feuerlärm, so wurde derselbe um 10 Pfunde für die Herrschaft, um 1 Pfund für die Gemeinde und um 5 Schillinge für den Schuldheißen gebüßt. Von altersher waren die Keller und die Häuser von Kindbetterinen so gefreit, daß man darin nichts verbieten und nichts nehmen durfte. Auch erbte die Herrschaft weder ein Haus, noch Harnisch oder Armbrust oder Bettgewand. Wer aber seine Rüstung verkaufte oder versetzte, hatte es mit

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10 Pfunden an den Herrn, mit 1 Pfund an die Gemeinde und 5 Schillingen an den Schuldhcißen zu büßen. Wer am Gutentag (Mittwochs), wo der Wochenmarkt war, einen Andern schlug oder ihm mit einer Herausforderung vor’s Haus gelaufen kam; wer ein Messer gegen den Andern zuckte, oder ihn einen Lügner nannte, oder ihm fluchte; wer einen Hirten oder Stadtknecht mißhandelte, oder nicht zu den rechten Thoren der Stadt aus- und eingieng, verfiel, je nach seiner Schuld, in eine der obgenannten Strafen.

Das Nämliche war der Fall, wenn Einer dem Stadtknecht das Pfand versagte, oder auf dessen Fürgebot ohne „ehafte Noth“ nicht Folge leistete; wer den Andern friedbrüchig verwundete, oder dessen Feldmarken überfuhr, oder ihm sein Feldgeschirr unerlaubt wegnahm, seinen Zaun aufhaute, seinen Garten bestahl oder seine Bäume beschädigte; ferner, der dem Weibe oder Dienstboten des Andern ohne dessen Wissen und Willen etwas abkaufte, oder ihm seine Dienstleute abdingte; wer den Andern überackerte, überschnitt oder übermähte.

Wenn Zwei vor Gericht mit einander rechteten und das Urtheil für beide gleichstimmig ausfiel, so hatte der Schuldheiß den Ausschlag zu geben; ergab sich aber ein Mehr und ein Minder und letzteres zählte wenigstens drei Stimmen, so wurde zwar nach dem ersteren abgeurtheilt, dem Verurtheilten (wo die Sache über 10 Pfunde betrug) blieb es jedoch gestattet, an das Stadtgericht von Rotweil zu appellieren.

Erschien ein Richter, welchem zu Gerichte geboten worden, innerhalb einer Stunde bis zum Glockenschlage nicht daselbst, so büßte er’s der Herrschaft mit 6 Pfenningen, und blieb derselbe ohne Urlaub des Herrn oder Schuldheißen ganz aus, mit 5 Schillingen. Wenn der Stadtknecht einen Einwohner wegen Geldschuld pfändete, so hatte der Kläger das Pfand vor Gericht zu verrechtigen, den Richtern eine Maß Weines dafür zu geben und die Verrechtigung mit zwei ehrbaren Männern dem Gepfändeten zu verkünden. Das Pfandstück aber mußte acht Tage

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lang im Gerichte liegen bleiben und durfte erst nach dem Verflusse dieser Zeit öffentlich vergantet werden.

Wenn ein Gast, welcher eine Schuldklage gegen einen Bürger vor dem Hüfinger Gericht erhoben, auf alles fremde Gericht verzichtete, so war der Schuldner verbunden, ihm die Schuld, soweit sie anerkannt worden, innerhalb des gleichen Tages zu bezalen oder dafür ein hinreichendes Pfand zu stellen und alle Kosten zu tragen. Verschuldete ein ehrbarer, redlicher Mann einen einfachen Frevel, so durfte derselbe nicht in den Thurm gelegt werden, wenn er im Stande war, das Recht zu vertrösten, d. h. eine rechtliche Bürgschaft zu leisten. Wer zu Hüfingen mit Roß und Karren versehen war, hatte dem Herren alle Jahre auf Weihnachten, Ostern und Pfingsten zwei Fuhren Holz vor die Burg zu liefern, wovon alsdann der Stadtknecht für seine Bemühung dabei jährlich zwei Fuhren erhielt. Unterließ Einer diesen Frondienst, so wurde er um 1 Pfund gebüßt und gleichwohl noch zu dessen nachträglicher Verrichtung gezwungen.

Der Schuldheiß hatte die Bußgelder, welche der Gemeinde verfallen waren, einzuziehen oder dieselben zu erfetzen, wenn der Einzng vernachläßigt worden. Auch mußte er alljährlich sein Vermögen berechnen und dasjenige versteuern, was davon 500 Pfund überstieg. Dieses war die hüfingische Verfassung nach dem Inhalte des Stadtbriefes von 1452. Herr Berchtold von Schellenberg hatte denselben für sich und seine Nachkommen und Junker Heinrich von Almendshofen für die Bürgerschaft besigelt, indem die letztere noch kein eigenes Stadtsigel besaß 10). Es geht aus der merkwürdigen Urkunde deutlich hervor, daß die

11) Oder hatte die Stadt damals etwa nur vorübergehend keinen Sigelstempel? Später, wie eine Urkunde von 1493 beweißt, führte sie ein Sigel, worin ein Thurm mit Thor und Eckthürmlein erscheint. Was den merkwürdigen Stadtbrief von 1459 betrifft, so wird er in Mone’s Zeitschr. sür Geschichte des Oberrheins nächstens abgedruckt und erläutert erscheinen.

Siegel 1460-1577

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Hüfinger völlig leibeigene Leute waren, und größtentheils von der Landwirtschaft lebten, welche sie auf ihren eigentümlichen und Almendgütern betrieben. Bald nach den Tageu dieser friedlichen Vereinbarung begannen die Schweizerkriege, den Oberrhein und Schwarzwald zu beunruhigen, und die Kriegsläufe des Jahres 1499 brachten auch für die Baar und unsere Stadt Hüfingen mancherlei Gefahr und Verderben.

Kaiser Max l hatte die angränzenden Kantone, welche sich immer noch „seine und des Reiches Getreue“ nannten, vergeblich aufgefordert, dem schwäbischen Kreise beizutreten. Da wollte er Ernst zeigen und von Drohungen kam es zum Kriege, wobei Frankreich, der alte Erbfeind Deutschlands, die Schweizer mit Geld und Rathschlägen unterstützte. Der hegauische Adel, hoch erfreut, sich einmal an dem verhaßten Bauernvolke rächen zu können, ließ es an junkerlich übermüthigen Herausforderungen nicht fehlen, leitete aber die Landes-Vertheidigung dermaßen schlecht, daß Jedermann sagte: „Wenn der Käiser selber im Land wär‘, so gieng es nit also schändlich.“ Am Donnerstage nach Aschermittwoch 1499 zogen die Villinger mit „zwei guten Rothschlangen“ in Hüfingen ein, und setzten des andern Tages ihren Marsch nach Engen fort, wohin die Mannschaft der Grafen von Fürstenberg bereits ausgezogen war, und wo die Hauptleute, darunter die Ritter von Schellenberg und von Blumberg, Kriegsrath hielten. Es wurde indeß nichts Entscheidendes gewagt. Hinter den Mauern von Engen und Ach schauten die adeligen Krieger unthätig zu, wie ganze Dörfer und Ortschaften von den Schweizerschaaren in Brand gesteckt wurden.

Die Städter kehrten heim, zogen aber über Ostern zum zweiten Male aus, und beim Kirchhofe von Hallau kam es diesmal zu einem Zusammenftoß, von dem der Villinger Chronist sagt: „Wenn alle Knechte im vorderen Haufen sich so gehalten Hätten, wie die von Villingen, so hätten wir den Kirchhof genommen.“ Blumberg, welcher 1500 Kriegsknechte befehligte,

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war zu spät auf dem Kampfplatze erschienen. Schon am Donnerstage nach Ostern hatten die Villinger und ihre Verbündeten sich wiederum nach Hüfingen zurückgezogen, „gar müd, mit sieben verwundeten Knechten, von denen aber keiner starb.“

Die Schweizer, in mehreren Treffen siegreich, plünderten und verheerten die ganze herrliche Gegend vom Bodensee bis gegen Basel hinab, und führten den Raub nach Schafhausen. Nur im Schlosse zu Blumberg hatten sie ernstlichern Widerstand gefunden.

Als die dortige Besatzung die verhaßten „Kuhmäuler“ daher kommen sah, verbrannten sie das Dorf selbst und setzten sich im Schlosse so tapfer zur Wehr, daß die Feinde unverrichteter Sache abziehen mußten. „Dies war das erst‘ Erwehren auf unsrer Seiten“, sagt der Chronist. Von da drangen die Schweizer nicht weiter in die Baar vor, und im Herbst wurde der Frieden geschlossen.

In Anbetracht des großen Schadens, welchen die schellenbergische Familie in diesem Kriege erlitten, bewilligte der Kaiser (1500) dem Konrad von Schellenberg und seinen Nachkommen in der Stadt Hüfingen, „so des Hauses Oesterreich Oeffnung sei“, fortan einen Pflasterzoll zu erheben, wobei der geladene Wagen zu 2 Kreuzern taxiert wurde. Von größerer Bedeutung, als der schweizerische, war für unser Städtlein der Bauernkrieg, welcher in dieser oberen Gegend zuerst seinen Ausbruch nahm, nachdem anderwärts schon seit Langem die s. g. Bundschuhe sich als Vorspiel der blutigen Tragödie angekündigt. Auch in Hüfingen zeigte das Verhalten der Bürgerschaft, daß die Städte der bäurischen Sache nicht geneigt waren; denn der Bauer erhob stch nicht allein gegen die Vorrechte und den Uebermuth des Adels und der Geistlichkeit, sondern erklärte auch den Privilegien des Stadtbürgertums den Krieg. Die Lage des „armen Mannes“ aber war eine um so schlimmere, als er nirgends Abhilfe, ja nicht einmal einiges Gehör für seine gegründeten Klagen und Beschwerden fand. Jeder Versuch zu gemeinsamen Schritten in dieser Richtung wurde von den Obrigkeiten für einen Versuch zum Aufruhr ausgelegt und

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demgemäß bestraft. Auch waren bei der gränzenlosen, durch das Lehenwesen herbeigeführten Zerstückelung der Verwaltungs- und Regierungsgewalten die politischen Zustände des Reiches derartig, daß durchgreifende Reformen im Allgemeinen nicht Platz finden konnten, während ewige, gewöhnlich mit Raubsucht geführte Fehden und Kriege, und eine gegen den untern Stand höchst ungerechte Gesetzgebung ein zahlreiches Proletariat erzeugten, welches meistens dem Landmanne auf dem Nacken lag.

Im Herbste des Jahres 1524 brach das Gewitter unter den Bauern des Grafen von Lupfen los, und auf den Donnerstag nach Michaeli zog ein Bauernhaufen aus dem Stülingischen über Bachheim nach Hüfingen, um den Ort zu besetzen. Der Hauptmann dieser Schaaren war Hanns Müller von Bulgenbach, eine der hervorragendsten Gestalten jener Zeit. Er hatte früher die Feldzüge wider den König Franz von Frankreich mitgemacht und besaß bei viel natürlichem Verstande eine große Schlauheit und Beredsamkeit. Wenn der stattliche Mann, im rothen Mantel und rothen Barette mit wallenden Federn, an der Spitze seiner mehrere tausend Mann starken Haufen erschien, so fuhr hinter ihm her der Zierwagen, welcher mit Laubgewinden, Bändern und der schwarz-gold-rothen Sturmfahne geschmückt war. Vor demselben aber ritt ein Zierhold mit dem gedruckten Artikelbriefe, um durch sein Geschrei die Gemeinden aufzurufen und die Artikel zu verlesen.

Als der Haufe vor Hüfingen ankam, fand er die Thore geschlossen. Hanns und Burghart von Schellenberg hatten beim Herannahen des Unwetters ihre Schriften und Kleinodien schleunigst nach dem festen Villingen geschafft und zugleich sich selber in die Flucht begeben. Die Bauern zogen an den Mauern der Stadt vorbei, nach Löffingen, Lenzkirch, Neustatt, Furtwangen, Förenbach und Bränd, wo sie Zuzug aus der Baar und vom Schwarzwalde erhielten. Es wurde gezecht, gepredigt und Jedermann zu seinem Rechte zu helfen versprochen. Als sie hierauf, etwa 500 Mann stark, gen Donaueschingen kamen, sagte man ihnen, der Ort sei von den mitt-

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lerweile aufgebotenen Truppen des schwäbischen Kreises besetzt; das gleiche war der Fall in Hüfingen und Neidingen, an welchen Plätzen, unter dem Befehl der Bundeshauptleute Jakob von Landau und Dieterich von Hornberg, mehrere Fähnlein Reiter und Fußvolkes lagen. Die Bauern, die keine Lust hatten, mit den Kriegsknechten anzubinden, zogen auf Umwegen an die Wutach, wo Abgeordnete der einheimischen Ritterschaft und des Bischofs von Constanz bei ihnen erschienen, um eine gütliche Beilegung des gefährlichen Handels zu versuchen. Es kam aber Nichts zu Stande, denn „die Bauern waren zu halsstarrig.“ Hanns Müller mit seinem Anhang hatte indessen den Rath zu Villingen und die Dürrheimer vergeblich für die Sache des „göttlichen und menschlichen Rechts“ zu gewinnen gesucht. Ebenso wenig Erfolg hatte er in Hochemmingen, wo ihm die Bürger den Bescheid ertheilten, „sie wollten bei ihrem frommen Herrn (dem Grafen von Fürstenberg) verbleiben, welcher es mit seinen armen Leuten gut meine.“ Auch von Thuningen und Trossingen ließ sich Niemand zur Theilnahme und zum Mitziehen bewegen.

Aber kurz vor St. Nikolaustag zog der aus 200 Mann bestehende Haufen von Bräunlingen her abermals vor die Thore der Stadt Hüfingen, allwo er sich lagerte. Die Bürgerschaft ließ den Bauern hinaus sagen, ihre Junker seien nicht daheim; man möge sich gedulden bis Montag, dann werde eine bestimmte Antwort erfolgen. Eilig schickte der Stadtrath nach Villingen, um Hilfe zu begehren. Der dortige Magistrat bestärkte die Hüfinger im Entschlusse, die Bauern nicht aufzunehmen, und rieth ihnen, denselben sagen zu lassen, „sie hätten ihren Junkern einen Eid der Treue geschworen, Niemand ohne deren Vorwissen in die Stadt einzulassen; weil aber die Herren nicht zu Hause wären, wollten sie ihnen über die Sache schreiben, und was dieselben verlangten, das wollten sie thun.“ Zugleich wurde den Hüfingern bereitwillige Hilfe zugegesagt und ungesäumt ein Reitender an die vorderösterreichische

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Regierung nach Ensisheim abgefertigt mit dem Begehren, „man möge Mannschaft heraufschicken, um vereint mit den Villingern der bedrängten Stadt Hüfingen beizustehen.“ Auch nach Tuttlingen wurden Boten abgeschickt, und als von dorther etwa 60 Reiter unter dem Befehle der Ritter von Ehingen und von Hornberg anrückten, nahmen die Bauern, welche sich unterdessen auf Bräunlingen zurückgezogen, eilends Reißaus, um an den unwegsamen Ufern der Wutach eine gesicherte Stellung zu gewinnen. Um Hüfingen nun vor weiterer Bedrängniß zu schützen, wurden von Villingen aus, wohin die vorderösterreichische Regierung Truppen geschickt, 600 Mann mit 60 Pferden in die Stadt gelegt. Und als die Bauern unter Oswald Meder wirklich einen Handstreich wagen wollten, genügte schon die Kunde von der Anwesenheit der Reichstruppen, dieselben von dem Unternehmen abzuhalten. Sie zogen ins Brigachthal, wo ihnen die Villinger, vereint mit einem Zug Reiter, entgegeneilten und sie in die Flucht jagten. Vergeblich hatte das Bauernheer die Straße nach Wolterdingen mit Karren und Wagen verrammelt; die Villinger sezten ihnen nach bis Bräunlingen und zogen des andern Tages im Triumphe nach Hüfingen, wo man sie mit Essen und Trinken bundesfreundlich bewirtete und beherbergte. Es wurden nun Schritte zu gütlicher Beilegung der Wirren versucht, und der Graf von Fürstenberg erschien mit „drei Tagherren vom Reich“ und den Junkern von Schellenberg zu diesem Zwecke in unserer Stadt. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, und ungeachtet der bäurischen Niederlage bei Günzburg, spielte Hans Müller mit seinen 4000 Mann im Hegau und in der Baargegend immer noch den Meister, hielt Neidingen und Pfohren besetzt und zog am grünen Donnerstage ungehindert in die Thore von Hüfingen ein. Um den Schwarzwald zu decken, hatte er den dritten Mann zur Landwehr einberufen. Just um dieselbe Zeit stand der vertriebene Herzog Ulrich von Wirtenberg mit seinen Anhängern bei Rotweil, um mit Hilfe der Aufständischen wieder in

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sein (dem Hause Oesterreich übergebenes) Land zu kommen. Er sendete deßhalb seine Unterhändler in das Bauernlager vor Hüfingen mit dem Ansinnen, Müller solle ihm die Hauptmannschaft abtreten oder Zuzug schicken. Der Schwarzwälder Oberist aber verweigerte Beides, indem die Seinigen schrieen, „sie wären nit auf, Herren ein-, sondern ab zusetzen.“ Von Hüfingen aus rückten die Bauernhaufen nach Donaueschingen, Fürstenberg und Wartenberg, welche Vesten sie mit den Dörfern Geisingen und Möringen unschwer in ihre Gewalt bekamen.

Es war also Villingen noch der einzige geschlossene Platz in der Baar, welcher ihnen nicht gehorchte. Gleichwohl gerieth ihre Sache jetzt in’s Gedränge; denn „der Bauernjörg“, der Truchseß von Waldburg, nahte mit seiner Macht heran, und der „Bulgenbacher“ mußte sich über Hüfingen, Wolterdingen und Triberg in’s Breisgau hinabziehen. Da fiel in Wirtenberg der Schlag von Böblingen an’s Haupt der Bauern, in dessen Folge Müller genöthigt war, die Höhen des Schwarzwaldes und der Baar wieder zu suchen 12). Mit dem Reste seiner Schaaren besezte er Bräunlingen, Schwenningen und Hüfingen; es kam aber zu keinem ernstlichen Kampfe mehr; denn die Kunde von den weiteren Niederlagen der Bauern entmuthigte die Müllerisch en, und was noch am Leben war, „kehrte heim und flehte um Gnade.“ Am 14ten Juli 1525 ritten die Junker von Schellenberg mit 3 Verordneten des Villinger Rathes nach Hüfingen, und am Freitag nach St. Ulrich schworen ihre Unterthanen den Eid der Treue, nachdem sich 37 derselben, welche dem Frieden nicht trauten, davon gemacht. Von grausamen, unmenschlichen Strafen (wozu bekanntlich selbst Luther den Fürsten gerathen), wie sie an den meisten Orten über die besiegten Bauern verhängt wurden, erfuhr man

12) Die Quellen dieser Schilderung sind hauptsächlich die alte Villinger Chronik, die Chroniken des A. Letsch uud des Abtes Caspar von S. Blasien, und die Salemer Aufzeichnung, welche in der bad. Quellensamml. von Mone (II, 42 bis 133) abgedruckt erschienen.

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im Fürftenbergischen nichts. Der Landesherr, Graf Friderich, suchte die Gemüther durch Milde und Großmuth zu versöhnen, wie es im Badischen Markgraf Philipp that. Betrachten wir nunmehr die Verhältnisse der Familie von Schellenberg, welche sich vor ihrem traurigen Zerfalle noch kurze Zeit eines scheinbaren Glanzes durch schöne Besitzvermehrungen und Stiftungen erfreute. Dieselbe hatte sich in zwei Linien getheilt und wahrscheinlich zu Anfang des 16ten oder zu Ende des vorhergehenden Jahrhunderts das obere Schloß erbaut; denn der Stadtbries von 1452 spricht nur von einem Schlosse, der „Burg.“ Auch hatte dazumal die Stadt nur einen Herrn; bald hernach aber erscheint der Besitz von Hüfingen als ein getheilter, und da die städtischen Schriften eines Theilungsvergleichs vom Dounerstag nach Martini 1523 erwähnen, so könnte diese Theilung etwa die Erbauung des zweiten Schlosses veranlaßt haben. Die Söhne des Konrad von Schellenberg und der Adelheid von Blumeneck waren Burghart und Johann, und durch letzteren verzweigte sich die Familie auch außerhalb der Baar, indem er die randeckische Erbtochter ehelichte und eine Nachkommenschaft hinterließ, deren zahlreiche Glieder sich fortan von Randeck schrieben. Zu Hüfingen verewigte sich Herr Johann durch die Stiftung eines Altars in der Pfarrkirche 13) „zum Andenken seiner Schwiegerältern, des gestrengen Herrn Eucharius von Reischach und der edlen Euphrosine von Honburg, so die Letzte ihres Stammes und Namens gewesen.“ Herr Burghart aber, welcher mit Barbara Auer vermählt war, erwarb die Veste Landstrost im Burgauischen und das Dorf und Schlößlein Oefingen in der Baar. Sein Sohn Arbogast verheiratete sich mit einer Freiin von Rechberg und

13) Nach dem Stiftungsbrief von 1608 bestund die Priesterschaft zu Hüfingen damals aus dem Pfarrherrn Hanns Gaß, und aus den Caplänen Jodok Glunk ad s. Blasium, Hanns Heim ad s. Barbaruam, Georg Stockmann ad s.. Jacobum und Jacob Forster ad s Corpus.

Wappen den Herren von Schellenberg

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hinterließ die Leibeserben Wolfgang und Heinrich, wovon ersterer den landstrost-öfingischen, und lezterer als Besitzer der Herrschaft Hausen vor Wald mit der Veste Neuenburg den hausen-neuenburgischen Zweig der Familie gründete 14). Der ansehliche schellenbergische Besizstand begann jedoch bald, sich zu verringern. Schon 15 Jahre nach dem Hingange Herrn Arbogasts befand sich das obere Schloß zu Hüfingen mit allem, was die landstrostische Linie daselbst besaß (namentlich mit der Ochsenscheuer und Seemüle), in der Hand der Lehensherrschaft von Fürstenberg. Und auch für die Hauptlinie des Geschlechtes waren die Tage finanzieller Bedrängniß gekommen. In der „Tafelstube“ des hinteren Schlosses faßen sie am 11ten Jänner 1620 beisammen — der verschuldete Freiherr Burghart von Schellenberg und die Vormünder seiner noch minderjährigen Geschwister, und verhandelten über den Verkauf ihres Besiztums. Dasselbe umfaßte das hintere Schloß mit den Buß-, Ein- und Abzugsgeldern, dem Ungelde und einem Drittel von den Wirtshäusern; den Grabengarten, die Müle in der Stadt, eine Ziegelhütte, eine Wiese, drei Weier, die Gerechtigkeit des Waidgangs für 100 Stücke Viehes, das Bau- und Brennholz für’s Schloß, etliche Fruchtzinse, das Fischerei- und Jagdrecht, das Stand-, Weg- und Brückengeld, den Metzigzius mit dem Unschlicht, den Judenzoll und die jährliche Steuer von 50 Gulden, die Frondienste, den Roßhaber und die verschiedenen Leibeigenschaftsgefälle. Dies alles verkaufte die Familie sosort an Fürstenberg um die Summe von 60,000 Gulden. Vorbehalten hatte sich dieselbe allein den Zehnten, welcher ein reichenauisches Lehen war, und den Kirchensatz für je ihren Aeltesten. Hierauf verließ sie Hüfingen, welches ihr über 300 Jahre lang gehorcht hatte, und bezog das Schlößlein zu Hausen 15).

14) Diese Nachrichten sind aus Gerberts Silva nigar (II, 220) und aus den Lehenacten des großh. Landesarchives geschöpft.
15) Nach verschiedenen Actenstücken über diese Kaufhandlung, von 1620.

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Der damalige Landesherr, Graf Vratislaus, welcher sich 1622 selber zu Hüfingen aufhielt, suchte die neue Erwerbung durch verschiedene Kauf- und Tauschhandlungen zu vervollständigen. So erwarb derselbe von der Wittwe Häfelin das „Wirtshaus zur Krone“, von der Stadt aber ein „Almendstück im Wildholz“, wogegen er ihr um 500 Gulden ein ehemals schellenbergisches Haus in der Vorstadt überließ, welches die Gemeinde sofort zu ihrem Rathhaus bestimmte. Der Graf wurde hierauf auch der Wohlthäter von Hüfingen, indem er durch den Vergleich von 1628 die herrschaftlichen Schupslehen sämmtlich in Erblehen verwandelte. Das Ende des Prozesses, welchen die schellenbergischen Kinder, nachdem sie volljährig geworden, gegen ihn erhoben, um den Kauf von 1620 rückgängig zu machen, erlebte er nicht mehr. Mittlerweile war der dreißigjährige Krieg in’s Land hereingebrochen.

Als Vorspiel desselben erschien die Hungersnoth von 1622 mit ihrer Nachfolgerin von 1628. In ersterem Jahre stieg der Vesen aus 30 und der Kernen auf 100 Gulden; in letzterem aber erreichte die Noth einen solchen Grad, daß zu Hüfingen viele Armen beim Wasenmeister um Fleisch bettelten 16), um ihren Hunger zu stillen! Aber ein noch furchtbareres Uebel waren damals die Hexenverfolgungen, welche eine Menge der traurigsten Justizmorde zur Folge hatten. Diese moralische Seuche, deren Wuth die gesellschaftliche Verkommenheit jener Zeit vollendete, forderte auch von den Hüfingern ihre Beute. So wurden daselbst noch 1613, bevor der Kriegssturm den gräulichen Hexenwahn verscheuchte, mehrere Bürgersfrauen zum Scheiterhaufen verurtheilt, einigen davon jedoch, auf Bitte des Pfarrers, aus Gnade „zuvor das Haupt abgenommen.“ Die Oertlichkeit, wo diese Opfer fielen, heißt noch heutzutage der Hexenberg, und noch immer wird das „Schosemer Thal“

16) Wie eine Notiz des Jahrzeitbuches der Hüfinger Caplanei ad S. Blasium besagt.

Der Hexenprozeß

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im Volksmunde als der Sammelplatz bezeichnet, wo die Hexen der Umgegend ihre nächtlichen Orgien gehalten! Was den Krieg betrifft, so blieb unsere Gegend vom ganzen ersten Acte des blutigen Dramas noch verschont. Erst nach der Schlacht bei Lützen wendeten sich der Feldmarschall Horn und Herzog Bernhard von Weimar gegen Oberdeutschland, und erst mit der Belagerung der befestigten Stadte Constanz und Ueberlingen durch die schwedischen Völker, wurde der Anfang zu den „schweren Läufen und Kriegsempörungen“ in unserer Gegend gemacht.

Denn vergeblich erfüllte der Prager Frieden (1635) alle Gemüther mit Freude und Hoffnung. — die Krone Frankreich, unverwandt ihr altes Ziel im Auge, die Macht des Hauses Oesterreich zu schwächen und das linke Rheinufer an sich zu reißen, schürte den Krieg auf’s Neue an. Es schienen ihr die Tage gekommen, um mit deutscher Hilfe blutige Aernte in Deutschland zu halten; sie schickte ihre mit dem Weimarer verbündeten Truppen an den Oberrhein und bis in den Hegau, wo die Kaiserlichen viele festen Plätze besetzt hielten. Radolfszell aber und Hohentwiel waren von protestantischen Truppen besetzt. Der Erbmarschall von Pappenheim (ein Vetter des berühmten Reitergenerals der katholischen Liga), welcher die Herrschaft Engen vom Kaiser zu Lehen trug, erklärte sich zu Gunsten der Union, und in Folge dieses Schrittes wurde sein Sohn zum Kommandanten von Zell ernannt. Im October 1632 marschierte der junge Herr mit einem Haufen wirtenbergischen Volkes aus dem Hegau in die Baar, um, namentlich das Städtlein Hüfingen, zu brandschatzen. Beim Herrannahen des Feindes hatten sich viele Bauern umligender Dörfer dahin geflüchtet, und die Einwohner, auf Tod und Leben sich zu verteidigen entschlossen, verrammelten die Thore und feuerten mit großem und kleinem Geschütze von den Mauern und Thürmen, mußten aber, von der Uebermacht gedrängt, sich zu einem Accorde bequemen. Kaum sah sich der Feind im Besitze der Stadt, als er über Bürger, Weiber und Kinder herfiel und die Wehrlosen (darunter

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Viele, die sich in eine Scheuer der Vorderstadt geflüchtet) niedermezelte. Diese abscheuliche Unthat rief im Lande allgemeine Entrüstung hervor, und mehr als eine damalige Feder hat sie der Nachwelt überliefert. So der Stadtpfarrer Wiehl zu Hüfingen im dortigen Jahrzeitbuche, und so der Abt Gaiser zu Villingen in seinen Jahrbüchern. Ersterer erzält die blutige Tragödie in folgenden Versen:

Im Jahr eintausend sechshundert zwey und drehßig,
Mein lieber Christ, lies Nachgeschriebenes fleißig,
Den sechzehnten Weinmonat, an Sanct Gallen Tag,
Geschah zu Hüfingen ein‘ blutige Niederlag.
Von gottlosen wirtenbergischen Nachbarlauren
Seind ermordet worden zweyhundert Bauren.
Denn als ein Ketzer, Relinger genannt,
Zu Altenhöwen im Hegau, wohl bekannt,
Mit dreihundert Franzosen thät sich legen,
Vermeinend, es werd‘ sich
Niemands wider ihn regen,
Beschickt‘ er der Nachbarschast Vogt‘ und Ambtleut‘,
Wenn s‘ nit kämten, ‚müßten s‘ werden sein‘ Beut‘.
Die Bürger wollten Solches nit eingehen,
Sondern mit gewehrter Hand ihm widerstehen.
Sie wollten auch kein‘ Contribution nit geben,
Und eher sich wehren mit Leib und Leben.

Als Solches den Franzosen ward kund gethan,
Thäten sie alsbald Altenhöwen verlan.
Da rufte der Jung‘ von Pappenheim
Die Wirtenberger, unier dem Rhein,
Als wäre er mit Leut‘ und Land
Ueberfallen von Hüfingen, wohlbekannt.
Er rufte die Wirtenberger um Gotteswillen,
Sie sollten kommen, die Hüftnger zu stillen.

Und siehe, er bringt in vierzehn
Tägen Zusannnen mancherlei Diebeskrägen.
Wohl bei fünftansend Mann, für wohr,
Zugen heran für’s Hüfinger Thor.
Aus dem nächsten Wirtenberg kamen die Bauren
Und bedrängten des Städtleinö Manren.
Hüfingen aber schoß mit Hacken und Stucken,
Daß mancher Wirtenberger sich mußte ducken.

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Sie wären auch damals nit eingedrungen,
Wen s‘ nit versprochen mit ketz’rischen Zungen,
Sie wollten Quartier und Sicherheit geben
Und schonen der Bürger ihr Gut und Leben.

Die verlaß’ne Bürgerschaar ihnen glaubt‘,
Weil ihr fehlte ein oberstes Haupt,
Das ihnen muthig zu thät sprechen:
„Nur d’rauf, diese Hoffahrt wollen wir brechen.“
Da haben die Pforten sie aufgesperrt,
Weil sie von Sicherheit Leibes und Gut’s gehört.
Ach die Ketzer, sie waren da kein‘ Stund‘,
So thäten sie brechen ihr’e verlogn’en Bund.
Trieben wie d‘ Schwein in ein‘ Scheuer die Bauren
Und mord’ten s‘ mit Äxten, ohn alles Bedauren.

Aus Hüfingen und darum, so darf ich sagen,
Haben die Ketzer zweyhundert Leut‘ erschlagen,
Und, dieweil’s dabei nit verblieben,
Wohl tausend Stück Vieh hinweg getrieben;
Haben gestohlen viel Hab‘ uud Gut
Und vergoßen viel unschuldig’s Blut,
Vier Kelch‘ und ein‘ Ampel der Kirch‘ entwendet,
Und daneben zwei schöne Kapellen geschändet.
Die Kirchenzier und die Meßgewand‘
Trug ein jeder Ketzer in seiner Hand;
Die Pfeifen der Orgel schleppten s‘ herum
Und machten damit auf, statt einer Trumm‘;
Die Heiltum‘ der Altär‘ rissen s‘ heraus —
Ach Golt, wie war mir das ein Graus!
Als ich in der Kirch‘ thät meine Augen auf,
Sah ich ein manchen unzüchtigen Haus‘.
Gott woll‘ den Gemord’ten die Seligkeit geben,
Die begehrten, den Ketzern zu widerstreben.

Abt Gaiser von Villingen aber in seinem merkwürdigen Tagebuche 17) erzält den unglückseligen Hergang mit Angabe verschiedener Umstände, deren obige Reime nicht erwähnen. Er schreibt beim 15ten October des Jahres 1632: „Um die zehente Stunde des Vormittags hörte man zu Villingen aus der Gegend von Hüfingen her gewaltigen

17) Mone, bad. Quellensamml. II, 159 bis 528.

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Geschützesdonner. Das Städtlem hatte eine ziemliche Besatzung von Bauern und Bürgern, welche viel Muth zeigten, und verschloß den Wirtenbergern seine Thore. Diese hatten aber eine besondere Watz auf die Hüfinger und wollten den Ort durchaus in ihre Gewalt bekommen.“ „Das wußte man zu Villingen und noch weiter wußte man, daß eine starke Anzal Bauern das Thal bei Hüfingen besezt hielt, um den Feind daselbst, wenn er nahe, zu überfallen. Der Geschützesdonner machte die Villinger nun glauben, daß dies geschehen seie, und es erhob sich eine Partei, welche darauf drang, den Bauern zu Hilfe zu kommen. Also verließen 200 Mann bewaffnet die Stadt. Ueberall auf ihrem Wege fanden dieselben Merkmale der Verwüstung. Als sie nach Almannshofen kamen, sahen sie den Gräuel von Hüfingen (excidium Hüfingense), verzweifelten an einer Hilfe und kehrten heim.“ „Nur Einer, Namens Leli, ein Schmidt, drang bis an die Stadtmauern vor, sezte dort die Bickelhaube eines todten Feindes auf und gelangte so glücklich zu seinen Mitbürgern zurück, welche Abends um 8 Uhr in Villingen wieder anlangten, von ihrem Muthe sehr abgekühlt.“ „Der Zug der Wirtenberger nach Hüfingen war eine wahre Schlächterei. Sie sind abscheulich mit den armen Leuten umgegangen, haben unbarmherzig gehaust und nach ihrer gewohnten Weise beinahe Alles bis auf den Stumpen ausgeplündert, verheert und verwüstet. Der Vorgesezte von Biesiugen verübte bei dieser bestialischen Geschichte (in ferali laniena) ein besonderes Menschengemetzel und tanzte dabei in einem Meßgewande wie betrunken in der Stadt herum.“ Das Zeitbuch der Schwester Veronica zu Engen aber berichtet: „Zu Hüfingen in dem Städtlein hat der von Pappenheim mit den wirtenbergischen Bauern die dortigen Bürger und Landleute in großer Zahl niedermachen lassen, um deswillen es viel‘ Wittwen und Waisen gegeben. Und nimmt man au, dies erbärmliche Wesen sei vom Himmel dadurch gerächt und gestraft worden, daß der pappenheimische Grafenstamm bald darauf verdorrt und abgestorben.“

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Großes Ungemach brachten der Stadt auch dte nächstfolgenden Jahre durch die dreimalige Belagerung von Villingen. Denn während dieser Operationen war Hüfingen beständig mit „wirtenbergischen und schwedischen Kriegsvölkern“ überschwemmt, und hatte abermals eine „harte Plünderung“ auszustehen 18). Um das Nöthigste bestreiten zu können, mußte die „ausgesogene, verarmte Gemeinde“, im Verein mit dem Städtlein Fürstenberg, bei einem Schweizer, welcher ihr bereits ein großes Quantum Weines geliefert, ein Kapital von 6000 Gulden ausnehmen. „Viele Leute“, sagt das Anniversarienbuch der Kaplanei, „sind dazumal in Hüfingen vor Hunger gestorben. Man aß Beeren, und Brod von Spreu, von welch‘ elender Nahrung Viele aufschwollen und starben. Viele auch wurden ganz von Haus und Hof vertrieben.“ Im März 1634, als die französischen Truppen bei Rotweil lagen, begab sich ein Theil von ihnen nach Hüfingen in’s Quartier. Einige Wochen später, nachdem der Feind wiederum abgezogen, erschienen die Villinger mit 40 Wagen, um das daselbst vom Gültlinger aufgehäuste und hinterlassene Getreide abzufassen, was ihnen auch glücklich gelang. Am 15ten Juli kamen sodann Morgens früh die französischen Söldlinge unter ihrem Führer Gassion aus dem Hegau wieder nach Hüfingen und Bräunlingen zurück. Die Villinger Reiter griffen dieselben an und erschlugen sechse davon. Im Jahre 1638, am 26ten Oktober, wurde unsere Stadt von weimarischen Reiterschwadronen völlig ausgeplündert, und im November darauf schwer gebrandschatzt, wobei ein Bürger am Oberthor durch den Kopf geschossen, der Kaplan Gestle mit dem angesehenen Bürger Wiehl gefangen und nach Blumberg geführt, Abends jedoch, als die geforderte Summe erlegt war, wieder entlassen wurden 19)

18) Schuldverschreibung von 1635 im städtischen Archiv.
19) Anniversarienbuch der Kaplanei S. Blasi. Ebendaselbst findet sich bei’m Jahr 1639 die Bemerkung: „Am 12. Juli verbrannte kaiserliches Volk das Schloß Höwen.“

Bild von Martin Menrad von Hüfingen
Hiffingen 1682 Martin Menrad

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Im Jahre 1642 waren Baiern zu Hüfingen und Bräunlingen einquartiert; aber im darauf folgenden flüchtete Alles, geschreckt durch Feindesgefahr, mit Vieh und anderer Habe, was man in Eile mitschleppen konnte, in die Wälder. Am 4ten Juni geschah es auch wirklich, daß die Baiern in Hüfingen und Donaueschingen von den weimarisch-französischen Truppen überfallen und zum Rückzug in’s Hegau gezwungen wurden. Und also gieng es fort bis zum Friedensschlusse von 1648. Wie schr das hüfingische Gemeinwesen unter diesen Stürmen gelitten und in Unorduung gerathen, läßt sich denken, und geht schon allein aus dem Umstande hervor, daß vou 1632 bis lang nach dem Frieden die Gemeindeprotokolle gäuzlich fehlen. Und wenn wir lesen, Bräunlingen habe vier Jahre nach dem Kriege nur uoch 12o männliche Einwohner gezält, so läßt sich daraus ein Schluß auf unfer Hüfingen ziehen. Viele Grundstücke waren lange Zeit gar nicht mehr angebaut worden, woraus hernach viele Streitigkeiten und Prozesse über Eigentumsrechte entstanden. Waldhausen, ganz ausgeftorben und ruiniert, wurde erst 1670 wieder angebaut, und ebenso standen in Hubertshofen die Häuser mehrere Jahre lang leer und zerfalleu. Die Zeit vom dreißigjährigen Kriege bis zur französischen Revolution verlief für unser Hüfingen ebenfalls nicht ohne mancherlei schwere Heimsuchungen. Der nächste kurze Friedcn wurde dazu benützt, die Schäden nach Möglichkeit auszubessern und das zerrüttete Hauswesen vor gänzlichem Zerfalle zu bewahren. Graf Franz Christoph von Fürstenberg hatte der Stadt den Maßpfennig bewilligt auf so lange, bis die während des Krieges gemachten Schulden getilgt wäreu 20). Die

20) Diese Abgabe dauerte bis in die neuere Zeit. Im Jahr 1780 wurden dahier in 9 Wirtshäusern 365 Saum Weins verzapft; 1782 aber 569 und 1809 nur 200 Saum. Vom Saum bezop die Stadt 30 Kreuzer, vom Saum Biers dagegen nur halbsoviel. In früherer Zeit wurden meist Schweizer-, Elsäßer- und Landwein gehalten; heutzutage hält man Schweizer und Markgräfler, mit welch letzterem Namen alle weißen Weine beehrt werden, selbst der ärgste, in der Baar nur zu häufig verzapfte Sauerampfer!

Hüfingen 1664 von Martin Menrad
Hüfingen 1664 von Martin Menrad

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Gemeinde, im Vereine mit Bela, Sumpfohren und andern Dörfern, mußte abermals ihre Zuflucht zu einem leidigen Geldanleheri nehmen und zur Sicherheit dafür ihre sämmtlichen Liegenschaften verpfänden. Unter den Nachfolgern des Grafen Franz wurde die Bewillignng des Ungeldes der Stadt erneuert; die Einnahme desselben sollte zur Erhaltung der städtischen Bauten, namentlich zur „Reparierung der Stadtmaner“, verwendet werden. Kaum jedoch hatte die dezimierte Einwohnerschaft sich wieder ein wenig erholt, als neue Kriegsstürme auch wieder neue Lasten und Leiden brachten. Der Franzosenkönig Ludwig XlV schickte seine Heere von 1673 bis 1678, von 1688 bis 1697 und von 1702 bis 1714, unter trefflichen Führern alljährlich an den Rhein, und die kaiserlichen Feldherren hatten Alles aufzubieten, um den Westen von Deutschland vor seiner Eroberungssucht zu retten. Während dieser Zeiteu fehlte es auch in Hüfingen wieder nicht an Durchmärschen, Einlagerungen, Einquartierungen, Brandschazungen und anderen schweren Kriegskosten. Die städtischen Schriften berichten von einer außerordentlichen „Rekrutierung der Kreisvölker“, vom Durchzug „kommandirter Truppen“, von drückenden „Einquartierungen, Requisitionen und Contributionen“, von den Kosten der Stadt „durch längeren Aufenthalt allda stationierter Werber und Schanzarbeiter.“ Im Jahre 1689 lagen kurbaierische und lothringische Regimenter in Hüfingen, und die Gemeinde fühlte sich wieder dergestalt „ausgesogen und entkräftigt“, daß sie unvermögend war, die jährlichen Steuern zu bezalen, und abermals zur bittern Arznei des Schuldenmachens greifen und ein tüchtiges „Stück Geld“ aufnehmen mußte. Wie muthwillig „dazumal, als der Franzos durch’s Land gegangen“ , hin- und herziehende Rotten das arme Landvolk behandelten, davon geben jetzt noch einzelne Votivtafeln in Kirchen und Kapellen bildlich sprechendes Zeugniß. Im Jahre 1705, „beim Ausmarsch an die Gränzen der Herrschaft“, hatte Hüfingen 8 Mann zu stellen; 1708 waren

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Hüfinger, an der Schiffbrücke bei Neuenburg und am hohlen Graben thätig, und zum Schlusse der langen Kriegsmisere wurde das Land von einer heftigen Viehseuche heimgesucht, welche die Bewohner unserer Stadt zu einem großen Bittgange nach Gnadenthal veranlaßte. Während der Belagerung von Freiburg 21), im Herbste 1713, wurde der Schwarzwald wieder plötzlich vom Feinde heimgesucht. „Die französischen Räuber plünderten Alles aus und trieben das Vieh heerdenweise mit sich fort, wobei etliche derselben von den Hirten erlegt wurden.“ Im Verlaufe der gewaltigen Kriegszüge, welche die französische Revolution zur Folge hatte, wiederholte sich das frühere Schauspiel. Oesterreich, die natürliche Schutzmacht des südwestlichen Deutschlands, schickte seine Heere zur Verteidiguug an die Rheingränze; da sich aber Preußen durch den Basler Separatfrieden von der deutschen Sache getrennt und auch andere Fürsten zur Neutralität verleitet hatte, so sah man den Gallier bald wieder seine Rosse in der Donau tränken. Als Moreau 1796, von Erzherzog Karl verfolgt, seinen Rückzug durch den Schwarzwald nahm, erlitt Hüfingen eine kleine Plünderung, die sich besonders auf Schuhwerk und Kleidungsstücke erstreckte. Nach der Schlacht bei Stockach (1799) wurde das hiesige Zuchthaus, nachdem die Sträflinge in das feste Schloß Wildenstein verbracht waren, zu einem Lazarete eingerichtet; es reichte aber nicht hin, die herbeigeführten Verwundeten gehörig aufzunehmen, man mußte viele derselben im Vorplatze und Stiegenhause unterbringen. Der Platz im „kleinen Stückle“, wohin die vielen Todten beerdigt wurden, heißt noch jetzt der Franzosenkirchhof. Als Moreau 1800 über den Rhein gedrungen, hob der kaiserliche Feldzeugmeister Kray das Lager bei Hüfingen auf und lieferte dem Feinde die Treffen bei Stockach und Engen, bei Meßkirch und Tuttlingen. Beim Vorrücken der Alliierten gegen den Rhein, im

21) Man sehe die „kurze Geschichte der Wallfahrt Triberg“ von 1834.

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„Russenwinter“ (1813 auf 14) raffte das Nervenfieber in Hüfingen viele Opfer dahin, während ungeheure Durchmärsche stattfanden. Auch war die Stadt dazumal der Sammelplatz zur Bildung des 2ten Landwehrbataillons. Während der Flucht der revolutionären badischen Truppen im Sommer 1849 sahen wir sämmtliche Artillerie derselben im Schloßthore zu Hüfingen aufgestellt. Um Mitternacht, bei magischem Vollmondschein, machte die ganze Retirade noch einen kurzen Halt in den Gassen, um Erfrischungen zu sich zu nehmen. Am folgenden Morgen rückten die Reichstruppen (Kurhessen) ein. Das Jahr darauf wurde das Bezirksamt zu Hüfingen mit sämmtlichen anderen großherzoglichen Stellen, längst ein Gegenstand freundnachbarlicher Sehnsucht, endlich nach Donaueschingen verlegt. Da diese Verlegung so unmittelbar auf die Ereignisse von 1849 folgte, so gewann es den Anschein, als wolle man die Stadt dafür büßen lassen, daß sich ein größerer Theil ihrer Bewohner ebenso (aber gewiß nicht mehr) in den Strudel der Bewegung hatte hineinreißen lassen, wie fast alle übrigen Gemeinden des Ober- und Unterlandes.

‚ Nach dieser geschichtlichen Skizze dürfte eine kurze Ortsbeschreibung unseres Städtleins für manche Leser von Interesse sein. Ich beginne mit der Pfarrkirche. Dieselbe ist den Heiligen Jakobus und Verena geweiht, und wie wir gesehen, muß die Stiftung der Pfarrei in sehr früher Zeit geschehen sein. Das älteste vorhandene Datum findet sich im Kirchenthurme, oben am Schlusse der steinernen Wendeltreppe; ein dort angeketteter Stein trägt die Jahreszahl 1222 — wohl das Erbauungsjahr des Thurmes, wofür noch ein weiteres Merkmal spricht. Die Rippen am Gewölbe des Glockenhauses sind nämlich Rundstäbe, die aus romanischer Zeit stammen, während sie im Style der spätern Gothik eine scharf eingezogene, nach Außen zugespitzte Form haben müßten.

Ansicht von St Verena und Gallus mit Statue von Xaver Reich

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Damals hatte der Thurm entweder ein s. g. Satteldach, wie wir’s an den ältesten Kirchthürmen der Umgegend sehen, oder ein solches, wie der Thurm der alten Gottesackerkirche zu Bräunlingen. Ein Beweis hiefür sind die (Thierleiber vorstellenden) steinernen Wasserabgüsse auf allen vier Seiten, welche durch die spätere bauliche Veränderung zwecklos geworden. Diese Veränderung, ein achteckiger Aufsatz mit einem hohen gerundeten Ziegeldache, wurde 1613 vorgenommen, wozu Junker Hanns von Schellenberg, laut leztwilliger Verfügung, 50 Gulden beigesteuert hat. Die große Glocke, welche 1789 leider zersprang, wurde in Villingen umgegossen; das übrige Geläute aber dürfte aus sehr alter Zeit herrühren, was schon die Mönchsbuchstaben der Glockeninschriften verrathen. Die Kirche selber trägt vom ursprünglichen Baue nichts mehr an sich. Das Langhaus, für die zunehmende Bevölkerung ohne Zweifel zu klein, wurde 1563 abgerissen und von einem Baumeister Alberti neu hergestellt. Die im Renässanyestyle geschnizten Thürflügel sind schön und deßhalb erhaltenswerth. Der alte Chor machte erst 1699 einem neuen Platz 22). Der späteste Theil des Baues aber ist die Sakristei, denn bis zum Schlusse des vorigen Jahrhunderts diente hierzu das Glockenhaus. Die alten Altäre waren meist schellenbergische Stiftungen. Der jezige Hochaltar wurde nach einem Entwurfe von Seele in den zwanziger Jahren durch meinen Vater ausgeführt. Das schöne Altarblatt ist ein Werk jenes Meisters und von ihm der Stadt, worin er seine Jugendjahre verlebt, zum Geschenk gemacht worden. Die beiden erhaltenswerthen Nebenaltäre fertigte mein Urgroßvater Schelble; die Altarblätter sind eine Arbeit des fürstenbergischen Hofmalers Weiß, dessen Portrait auf dem einen Bilde zu sehen.

Hochaltar von Verena und Gallus

22) Der Altarstiftungsbrief des Hanns von Schellenberg enthält von späterer Hand die Notiz, „das Docmnent, sei bei Erbauug eines neuen Chors und Hinwegräumung des Fronleichnams-Altars gefunden worden.

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Aus den Zeiten, wo die Hüfinger Kirche die Grablege der schellenbergischen Familie war, finden sich noch mehrere Grabsteine in den Wänden eingemauert. Die beiden ältesten stammen aus den Jahren 1523 und 1541. Ein dritter von 1572 ist dem Andenken Burghards von Schellenberg gesezt, der als fürstlicher Rath „dem Hause Bayern 72 Jahre gedient“, und der vierte, sehr wahrscheinlich von dem Konstanzer Bildhauer Morink verfertige Grabstein, darf als beachtenswerthes Muster der Bildhauerkunst des 16ten Jahrhunderts gelten. Derselbe ist von Junker Hanns, dem lezten Sprossen des schellenberg-randeckischen Astes, seinen Ältern Gebhard und Barbara (einer Gebornen von Fulach) Anno 1583 gestiftet. Den unteren Raum des Grabmals nehmen sechs etwas unter Lebensgroße gehaltene knieende Potraitsfiguren ein, welche ein getreues Familienbild aus ihrer Zeit darstellen. Links sehen wir den geharnischten Gebhard, welcher den schmalkaldischen Krieg „als Avanturio“ auf eigene Kosten mitgemacht. Hinter ihm knieen zwei Gestalten in spanischem Wamms und Mantel, wahrscheinlich der Sohn (der Stister) und dessen Schwager Vintler von Pläts, und ihnen gegenüber betend ihre Frauen. Der Stifter Johann war ein großer Altertums und Kunstfreund, der eine hübsche Bibliothek besaß und mit vielen Gelehrten in Briefwechsel stand. Ein vierter Grabstein ist 1605 für Junker Arbogast zu Hüfingen, Landstrost und Öffingen, den österreich-baierischen Rath gesezt, und ein weiterer besagt: „Hier liegt ein braver Ofizier der suggerischen Cnrassier vom schellenbergischen Haus, hieß Karl Jgnatz, Gott gebe ihm die ewige Ruh.“ Das Andenken des lezten Sprossen aus diesem Geschlechte bewahrte eine von meinem Vater gefertigte Steintafel mit einem alabasternen Wappen im Chore. Der Pfarrhof wurde 1753 unter Pfarrer Riesterer gebaut. Demselben schräg gegenüber sehen wir das fürstliche Rentamt, in früheren Zeiten „Sennhof“ geheißen, ein geräumiges Haus mit einem Zinnengiebel und angebanten Oekonomiegebäuden. Es steht auf der Stelle der alten Burg; im

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dortigen „Grabengarten“, wie in anderen anstoßenden Grundstücken, stößt man immer noch auf starke Grundmauern. Dieses Schloß, die Wohnung der schellenbergischen Hauptlinie, war in früherer Zeit durch einen Wassergraben von der „Vorder-Stadt“ getrennt, weßhalb heute noch die dortige Häuserreihe „auf dem Graben“ heißt. Hinter dem jetzigen Meßnerhaus stand ein massiver Rundthurm, der wahrscheinlich früher den Eingang verteidigte, später zum Gefängnisse (Stock im Graben) diente, und vor etlichen zwanzig Jahren erst abgetragen wurde. Anno 1606 beschwerte sich die Gemeinde über dieses strenge Gefängniß, in welches „auch Bürger neben Malestzische gelegt würden“, und beantragte, daß an einem andern Ort „ein‘ mildere Custodie“ erbaut werde. Graf Karl Egon von Fürstenberg ließ das Schloß 1702 für sich und seine Gemahlin wohnlich herrichten; aber schon sein Nachfolger Froben gab 1712 den Befehl, es niederzureißen, und im jetzigen Gebäude errichtete die Herrschaft hernach eine Sennerei, während ein Theil davon zu Wohnungen der fürstlichen Beamteten diente. Das gegenüber ligende ehmalige fürstenbergische Zuchthaus war 1775 erbaut; in den Kriegszeiten wurden, wie gemeldet, seine Räume unter der Verwaltung meines Großvaters Schelble zu Lazareten eingerichtet, nach dem Uebergange der Stadt aber an Baden richtete man das Gebäude zu einem Correktionshause ein, und gegenwärtig beherbergt dasselbe die von Mariahof nach Hüfingen verlegte Besserungsanstalt für sittlich verwahrloste Knaben. In der Nähe befindet sich das alte mit dem Bildniße des städtischen Schutzheiligen Gallus gezierte Stadthaus, welches ehedem das Rathhaus war und später zur Unterbringung von wohnungslosen Ortsarmen diente. Zur „Vorderstadt“ uns wendedd, beginnen wir mit dem oberen Schlosse. Im Jahre 1712, unter Graf Froben, wurde das alte weiland schellenbergische Herrenhaus, dessen Gestalt uns eine Abbildung der Stadt Hüfingen im fürstlichen

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Archive 22) überliefert hat, ebenfalls abgebrochen. Dem „Thorbauer“, der Eigentümer des mit dem Schlosse verbundenen Thorgebäudes war, wurde dafür ein Bauplatz „aus dem Graben“ überlassen, und das neue Schloß nach dem Plane eines Franziskaners von Mersburg gebaut. Es diente oft Gliedern des fürstenbergischen Hauses zum Aufenthalt, und wurde durch den Fürsten Wenzel in den 70er Jahren ziemlich verschönert. Die lezte fürstliche Bewohnerin desselben war die verwittwete Fürstin Karoline; sie residierte hier seit 1804 einige Jahre bis zu ihrem Abzuge nach Wien. Aeltere Bürger erinnern sich noch mit Vergnügen jener Zeit. Gegenwärtig befinden sich die reichhaltigen fürstlichen Mineralien- und Altertümersammlungen daselbst. Wie das Rathhaus, ein ehemaliges schellenbergisches Gebäude, durch Tausch an die Stadt gekommen, habe ich schon oben bei’m Jahre 1622 erwähnt. Mit Beibehaltung vielleicht der Giebel scheint es 1741 neu „wieder auferbaut“ worden zu sein. Zur Deckung der Kosten verpachtete man dazumal dem herrschaftlichen Vogt Gritzer die Schafwaide für jährlich 196 Gulden, und überließ zugleich einen Theil des Almendfeldes den meistbietenden Bürgern zu Eigentum. Eine zweite Bauveränderung geschah im Jahre 1827, wobei leider die stattliche bis in den zweiten Stock führende massiv eiserne Freitreppe verschwinden mußte. Das danebenstehende Amthaus wurde nach Wegzug der Amtsstelle von der Stadt angekauft und zu Schulstuben und Lehrerswohnungen eingerichtet. Das zweite ältere Schulhaus ist das frühere St. Barbara-Kaplaneihaus. Bis zum Jahr 1816 besaß Hüfingen kein besonderes Schulhaus, obwohl die Sladt schon seit langer Zeit angestellte Lehrer hatte. Beim Jahre 1400 kommt in den Anniversarienbüchern bereits der Schulmeister vor, welcher nebst den „singenden Schulknaben“ in mehreren spätern Vermächtnissen mit Gaben an

22) Eine von N. Heinemann und mir gefertigte Copie derselben befindet sich auf dem Rathhause

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Geld und Naturalien bedacht wurde. Er bezog einen kleinen Gehalt und hatte einen „Schulgarten“ und Holz anzusprechen, während die Gemeinde bald da, bald dort eine Schulstube miethete; zuweilen wurde auch das Rathhaus hierzu benützt oder das eigene Haus des „Präceptors.“ Eine Verordnung von l746 verpflichtete zum Schulbesuche von Martini bis Ostern, 1795 aber wurde die Normalschule eingeführt. Das benachbarte Kaplaneihaus (St. Bläsi), dessen Außenwand früher mit dem Bilde seines Heiligen bemalt war, gehört zu den ältesten Gebäuden des Orts, und ist diese Kaplanei zur Zeit die einzige noch vorhandene; die übrigen fünf Kaplaneipfründen hatten ein sehr verschiedenes Schicksal. Die St. Barbara-Kaplanei, von einem Schellenberg im 15ten Jahrhundert gestiftet, sah ihren Fond vor etwa 50 Jahren an die Pfarrei Hausen vor Wald übergehen.

Die Kaplanei S Jacobum ebenfalls eine schellenbergische Stiftung, kam von der landstrostischen an die Hausener Linie und gieng später auf die Herren von Neuenstein über. Die Pfründe ad S. Georgium 1383 von den Edeln von Blumenberg gegründet, vereinigte man 1614 mit der Stadtpfarrei. Die Stiftung ad S Nicolaum, ebenfalls von den Schellenbergern stammend, wurde mit ihren Gewitterglöcklein von der Bürgerschaft nothdürftig unterhaltet, zuweilen auch von Gutthätern bedacht, und gieng 1788 „wegen mangelnden Mitteln“ ein. Die Pfründe Corporus Christi endlich, abermals von Schellenbergern herrührend, wurde theils der Kaplanei ad S Blasium, theils der Pfarrei einverleibt. Der westliche Stadttheil, der „süße Winkel“, welche Benennnng in mehreren größern Städtcn auch vorkommt, bestand früher mit Ausnahme etlicher Bauernhäuser nur aus Oekonomie – Gebände n. In der nördlichen Ecke desselben befand sich jener Gefängnißthurm, „das Stöckle“, worüber sich die Hüfinger so bitter beschwert hatten, indem „ohne Unterschied neben die Malefizischen auch Bürger darein gelegt würden.“ Die außerhalb der Stadt, am rechten Bregufer ligende St. Leonhardskapelle ist eine Stiftung Conrad’s und

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Burghart’s von Schellenberg, aus dem Jahre 1479. Diese Herren widmeten dem Baue die Zehenten „in Breitenlachen“, während die Stadt zwei Almendwiesen dahin vergabte. Als Merkwürdigkeit, gleichsam als das Wahrzeichen von Hüfingen, erblickt man an der Außenwand dieser Kapelle eine rings unter dem Dache hinlaufende schwere eiserne Kette mit drei Hufeisen. Nach einer Sage soll dieselbe von einem Fuhrmann herrühren, unter dessen Lastwagen die nahe hölzerne Bregbrücke eingebrochen, er aber wunderbar gerettet worden sei. Wahrscheinlicher jedoch steht die sonderbare Zierde in Beziehung zu dem Heiligen des Kirchleins; denn Sankt Leonhard ist der Patron der Kettengefangenen, weßhalb er stets mit einer eisernen Fessel in der Hand abgebildet wird. Ein glücklich Erlößter mochte sich gedrungen fühlen, auf die angedeutete Weise seinen Dank abzutragen. Der Gottesacker von S. Leonhard scheint zu verschiedener Zeit, wahrscheinlich bei großer Sterblichkeit, als Begräbnißstatte gedient zu haben, wie 1630 und später. Erst am Schlusse des vorigen Jahrhunderts, als man den Kirchhof vor der Pfarrkirche eingehen ließ, wurde derselbe erweitert und ausschließlich benützt. An der Wand des Kirchleins aber finden wir außergewöhnlich hohe Wasserstände verzeichnet, worunter der höchste die Jahrzal 1778 trägt. Die anmuthig gelegene, von mächtigen Linden beschattete Lorettokapelle verdankt ihr Dasein dem Stadtpfarrer Reichlin. Bei der Grundsteinleguug 1710 begab sich die ganze Bürgerschaft in feierlicher Prozession auf das Berglein. Das Steingehäuse, mit dem schellenbergischen Wappen und der erhaltenswerthen Figur der heiligen Barbara, wurde gestiftet von Hektor v. Schellenberg, fürstenbergischem Oberjägermeister zu Hüfingen, während das steinerne Cruzifix, welches die Stelle ziert, wo die Straßen nach Freiburg und Schafhausen sich kreuzen, eine bankische Stiftung und von dem ehemaligen geschickten Steinhauer Fritschi verfertigt ist. In der Nähe, auf dem „oberen Anger“, sehen wir das alte von Fürst Froben der Stadt geschenkte Schützenhaus

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welches uns an die Zeiten mahnt, wo die Schießübungen noch als Gemeindesache behandelt wurden. Die alte Schützenordnung verpflichtete jeden angehenden Bürger, die Uebungen drei Jahre lang mitzumachen. Mit Trommel und Pfeife und fliegender Fahne zogen die Schützen alljährlich beim Beginne des Schießens (das s. g. Herrenschießen) auf den Platz, nachdem jeder jüngere Bürger vorher auf dem Rathhause vorschriftsgemäß sein „Unter- und Obergewehr, benebst dem Feuerkübel“ vorgezeigt hatte. Die Hüfinger Schützengilde ist eine ziemlich alte; denn schon die Statuten von 1558 erwähnen des dasigen Schießhauses, indem sie unter Anderem vorschreiben: „Unterhalb der Bruck bis zum Furt bei der Schießhütte soll kein Hanf (zum Rötzen) in die Breg eingelegt werden.“

Seit mehreren Jahren besteht wieder eine Schützengesellschaft in Hüfingen. Sie hat ihren Freihandstand auf dem „hinteren Anger“, einer hübschen kleinen Insel, und verdankt ihr geräumiges, sehr zweckmäßig eingerichtetes Schützenhaus (ein Holzbau und vor dem Kegelhaus im Schloßgarten) der Munificenz des Fürsten Karl Egon. Als Angedenken aus altbürgerlichen Zeiten finden wir darin die unter dem Fürsten Karl Friderich Maria zu Meßkirch gegebene Schützenordnung von 1744 sorgfältig aufbewahrt, Ein anderes städtisches Gebäude war das (bereits 1427 erwähnte) Leprosen- oder Siechenhaus, früher nebst dem „Bettelhäusle“ das einzige Haus vor dem untern Thor an der Straße nach Donaueschingen. Auch den „Sondersiechen“ bezeigten sich die Schellenberger zu verschiedenen Zeiten wohlthätig. Noch am Schlusse des vorigen Jahrhunderts beherbergte das Haus einen Siechen, welcher in vorgeschriebener Tracht mit seiner Klapper sich bettelnd umhertrieb. Als Wohnung armer Leute brannte das Gebäude in den zwanziger Jahren ab, und der Bauplatz gieng in Privatbesitz über. Ein mit eigenem Fond versehenes Armenhaus besitzt Hüfingen erst seit 1846. Durch die Stiftung des (in der Stadt gebürtigen) Hofraths Dierhammer von 16,000 Gulden wurde

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man in den Stand gesezt, das fürstliche Oekonomiegebaude an der Straße nach Bräunlingen um den mäßigen Preis von 6000 Gulden zu erwerben und Wohnungen darin einzurichten. Die steinerne Brücke und der Stadtbrunnen mit der Figur der Muttergottes stammen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, wo unter der Regieruug des Fürsten Froben gar Manches für die Verschönerung der Stadt geschah. Aber bis in unser Jahrhundert herein hatte Hüfingen sein mittelalterliches Aeußere insofern erhalten, als die Stadtmauer, und theilweise auch die Wassergräben, und ein paar Thürme noch bestunden. War das Städtlein auch kein eigentlich fester Platz, so konnte es doch geschlossen und eine kurze Zeit verteidigt werden, wie wir im Bauern- und im dreißigsährigen Kriege gesehen. Ein starker Rundthurm stand am westlichen Ende des oberen Schlosses, ein zweiter (die jetzige Gärtnerswohnung) ist noch vorhanden, wie der Rest eines südlich gelegenen; einen hohen Geviertthurm aber, den „Hohentwiel“, welcher den „Wagrain“ beherrschte, hat man abgetragen. Das gleiche Schicksal traf 1824 das untere Thor, ein nicht sonderlich festes Werk mit einer Wohnuug, denn beide Stadtthore, wie das „Petersthörle“, hatten in früheren Zeiten ihre Wächter. Ein ganz neuer, jedoch nicht besonders glücklich angelegter Stadttheil ist der „hinter dem Herrengarten.“ In den alten und neuen Gassen aber dürfte, zumal bei der stark betriebenen Viehzucht, mehr auf Reinlichkeit gesehen werden; ebenso wäre zu wünschen, daß bei dem Ueberflusse an Quellwasser laufende Brunnen in allen Stadttheilen errichtet würden. Sparsamkeit ist gut, aber nicht überall am Platze. Wie sich die Gemeinde einer sehr ausgedehnten Gemarkung erfreut, ist auch ihr Almendbesitz ein verhältnißmäßig großer. Unter Beibehaltung der gemeinen Viehwaiden, wurden von Zeit zu Zeit Almendtheilungen vorgenommen; die allgemeine Theilung von 1836 aber hatte die Aufhebung der gemeinen Waidgänge und die Einführung der Stallfütterung, wie die Festsetzung der Bürgergenüsse aus 205 Theile, zur Folge.

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Noch im vorigen Jahrhunderte bestand der Almendgenuß in einem „Rübtheil“ im entlegensten Gewanne der Gemarkung. Das Recht, sein Vieh auf die Waide zu treiben, hieng für den Bürger von einem gewissen Maße des Feldumtriebcs ab; 4 bis 8 Jaucherte berechtigten zu einem Stücke Waidviehes 23). Es gab gemäß dieser Berechtigungen im Jahre 1786 zu Hüfingen 67 „ganze Bauern“ und 8 halbe. Wollte der Minderbesitzende ebenfalls Antheil am gemeinen Waidgange haben, so mußte er noch Felder pachten. Bann – oder Gemarkungsverträge schlossen die Hüfinger verschiedene ab, so mit Bräunlingen 1446 und 1493, mit Almendshofen (den Waidgang betreffend) 1535, mit Behla (in Betreff der Roßwaide) 1602 und 1784. Der früher gemeinschaftliche Wald von Mistelbrunn wurde 1620, unter Burghart von Schellenberg abgetheilt, wie später nochmals unter dem Oberforstmeister Hektor von Schellenberg. Bannstreitigkeiten entschied man gewöhnlich nach Maßgabe der Aussagen alter Leute, und der Beaugenscheinigung durch die geistlichen und weltlichen Ortsvorgesetzten. Die jetzige Gemarkung umfaßt (zu 25,000 Quadratfußen die Jauchcrt) an Aeckern 2983, an Wiesen 1417, an Gärten 50, an Waldung 1358, und an vertheiltem Almendfelde (Gräben und Wege eingerechnet) 1662 Jancherte. Das Hüfinger Steuerkapital, einschließlich der Ausmärker, der Standesherrschaft und Staatsdomänen, beläuft sich auf 1,135,685 Gulden. An kirchlichen und mildthätigen Fonds sind vorhanden: der Kirchenfond mit 67,450, der Armenfonds mit 37,413, der Lorettofond mit 2,634, und die straub – hanenbergische Stiftung 25) für einheimische Studirende mit 6,875 Gulden. Das Zehentablösungskapital endlich bcträgt 44,286 Gulden.

23) Siehe meine „Baar in der Badenia, I, 431.
24) Laut der großen Hüfinger Bannkarte von 1786.
25) Allgemeine Armenkasse, Aufstetlung von „Armenvätern“ rc. in der fürstenb. Verordnung von 1778.
26) Von Pfarrer Straub -Hanenberg zu Mundelfingen, 1586.

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Der Bürgernutzen besteht in 4 Jaucherten und 2 Vierteln Garten-, Wiesen- und Ackerlandes, 2 Klaftern Holzes, 100 Reiswellen und 2000 Stücken Torfes. An Hand elsgewachsen werden gebaut Hanf, Flachs, Rehs und Kleesamen; Wasserwerke sind im Betrieb, nebst den beiden herrschaftlichen Mühlen, eine Walke und Sägmühle, erstere 1777 von Georg Steiner, letztere von seinem Nachfolger errichtet; eine Oelmühle, aus alter Zeit im Besitze der Familie Götz; eine Gipsmühle, Wasserkalkfabrik und Thonbrennerei, errichtet von meinem Vater; die Nobersche Wollenspinnerei, 1829 als Gipsmühle gebant, nachdem von meinem Vater ein Gipslager auf der Hüfinger Gemarkung entdeckt worden war. Aus altväterlichen Zeiten ist nachträglich zu erwähnen, daß der Stadtrath mit einem Schuldheißen, einem Bürgermeister (später Stabhalter), elf Rathsverwandten, drei zugegebenen Richtern und dem Stadtschreiber besezt war; den Schuldheißen bestellte der Landesherr, Bürgermeister und Rath bildeten den administrativen Theil des Ortsvorstandes. Die Competenz dieser Vorgesetzten erstreckte sich natürlich nur auf die niedere Gerichtsbarkeit. Die Bürgerschaft war leibeigen, d. h. die Bürger mußten gewisse Frondienste leisten und durften ohne Erlaubniß ihres angestammten Herrn keinem anderen unterthan werden oder sich anderswo niederlassen. Gemeindedienste gab es polizeiliche und ökonomische. Zu den polizeilichen gehörten der Pfennigpfleger, die Thor und Nachtwächter, der Stadtknecht, die Feuerschauer, der Stubenmeister, die Bannwarte, die Gewicht- und Maßschätzer, die Brod und Weinschätzer, die Fleisch- und Kornschätzer, die Häring-, Salz und Roßschätzer; zu den ökonomischen die Hirten für Pferde, Hornvieh, Schweine und Schafe. Geht man die Verordnungen der hüfingischen Vorfahren durch, so verrathen sie einen, namentlich das Wohl der ärmeren Klasse bezweckenden Geist der Güte, Fürsorglichkeit und Billigkeit, welcher alle Anerkennung verdient. Sie sind aus langer Erfahrnng hervorgegangen und immer praktisch eingerichtet.

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Nach den Zeiten des dreißigjährigen Krieges war freilich schon Alles verschlimmert; der Bürger hatte in seinen eigenen Angelegenheiten beinahe nichts mehr zu sagen, alle Weisheit floß aus der Kanzlei- und Polizeistube. Der gemeine Mann wurde vornehm oder geringschätzig bevormundet und verlernte dadurch das bürgerliche Selbstgefühl beinahe völlig. Was die Gewerblichkeit der alten Hüfinger betrift, so herrschten die Zeugmacher, Wollenweber und Gerber unter den Zünften vor. Die ersten versorgten die Stadt und das Landvolk mit Kleiderstoffen; das Fabrikat der Weber war rother und grüner Oerlinger, welcher meistens in die Schweiz und nach Italien gieng, und viele Ortsbewohner mit Wollenspinnen beschäftigte. Auch das Hüfinger Leder erfreute sich eines guten Rufes in der ganzen Nachbarschaft. Von jeher aber war Landwirtschaft die Hauptnahrungsquelle der Hüfinger. Die Ausfuhr gieng ebensalls nach der Schweiz, wie überhaupt die Straße nach Schafhausen und Zürich ein uralter Handels- und Verkehrsweg ist; daher eine Eisenbahn von Villingen direkt nach diesen Städten für die Zunkunft nicht ausbleiben wird 27). Besondere kirchliche Feste zu Hüfingen sind das Herzjesu und das Jakobifest (die Herzjesubruderschaft wurde 1701 errichtet). Beide in die schönste Jahreszeit fallenden Feste (wie der Fronleichnamstag) erhielten früher besondern Glanz durch das Bürgermilitär mit seiner Musik und durch eine große Menge schaulustigen Landvolkes. Ein lustiges Schul- und Kinderfest war der Gregoristag, gleichsam die lockende Fernsicht aus der staubigen Schulstube, der mit Sehnsucht erwartete Ehren- und Freudentag am Ende des langen Schuljahrs. Nach dem Gottesdienste und dem

27) Von der traditionellen Behauptung, vor dern Eingehen des Handelsweges nach der Levante, hätten von der Constanzer Messe zurückkehrende Kaufleute Waarenlager in Hüfingcn gehabt, konnte ich schriftliche Spuren keine auffinden; wohl aber die Nachricht, daß man einzelnen hausirenden Italienern das Handeln mit Artikeln, die im Orte nicht selbst verfertigt und gehalten wurden, durch Rathsbeschluß erlaubte.

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mit „Küchlein“ reichlich versehenen Mittagstische gieng der festlich bebänderte Zug in’s Wirtshaus, wo den jugendlichen Paaren unschuldige Gelegenheit gegeben war, unter Aufsicht ihrer Lehrer die ersten Tanzversuche zu machen. Die moralisierende Neuzeit hat dieses Fest als ein unangemessenes abgeschafft, läßt der heranwachsenden Jugend aber dafür Dinge zu, welche gefährlicher sind, als alle Gregoriussreuden je gewesen.

Löblich war auch das alte Herkommen des Armenseelenbrodes. Von schellenbergischen und bürgerlichen Vermächtnissen herrührende milde Gaben an Brod und Mülfrüchten zu Gunsten der Ortsarmen wurden insgesammt aus den Allerseelentag verlegt, woraus der schöne Brauch erwuchs, daß alle Bauern und vermöglichen Einwohner von ihrem Ärnte- und Herbstüberslusse dazu beisteuerten 28). Wie gegenwärtig beinahe nur noch im Oberammergau, so waren im vorigen Jahrhunderte auch zu Hüfingen die Passionsspiele gebräuchlich, und selbst die Fastnachtsauszüge hatten eine Zeitlang verwandten Charakter. An der Fastnacht 1781 z. B. fand ein Umzug statt, bestehend aus mehreren hundert Personen „der katholischen hochfürstlich fürstenbergischen Stadt Hüfingen“, die sieben Todsünden mit Beishielen aus der Bibel und griechischen Mythologie vorstellend, „erklärt im Vorüberziehen vom Theater, zwischen Instrumental- und Vocalmusik.“ Wenn man mit Recht sagen darf, es geschehe in der Baar für Herstellung von angenehmen Sommerwirtschaften, Spaziergängen und dergleichen beinahe gar nichts (für behagliche Wirtschaftslokale äußerst wenig), so müßen Ausnahmen hievon mit desto größerer Genugthuung hervorgehoben werden. Die Namen „Anlage“ und „rother Rain“ bezeichnen für unser Städtlein eine Zeit, welche noch im freundlichsten Angedenken vieler Einwohner (troz dem Lobe der Gegenwart) fortlebt.

28) Ein außergewöhnliches Fest in diesem Sinne fand im gesegneten Jahrgange 1840 zu Hüfingen statt, wo die ersten Garbenwägen mit Kränzen und Sprüchen schön verziert, unter’m Schalle der Musik in die Stadt gebracht und den Armen überlassen wurden. Die Seekreisler haben für solche Dinge eine glückliche Gabe.

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Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820

Anlage auf dem Rotrain

Von einem Vereine gleichgesinnter Bürger und Beamten, an der Spitze den Bürgerlich gesinnten Oberamtmann Baur, wurde jener längs der Breg hinziehende waldige Rain in sehr hübsche Anlagen mit Ruhebänken, Hütten und Wegen verwandelt. Dem Interesse des Schaffens entsprachen noch viele Jahre nachher die mancherlei geselligen Veranstaltungen, welche den grünen mit Sinn und Geschmack hergerichteten Naturtempel zu beleben pflegten.

Litographie von Josef Burkhard dem Hüfinger Bürgermeister im frühen 19. Jahrhundert.

Zugleich war von Privaten sehr Namhaftes für Obstbaumzucht, wie für Cultivierung und Verschönerung vernachläßigter Plätze gethan worden. So am „Holenstein“ durch meinen Vater und Bürgermeister Burkhart, an der Straße nach Bräunlingen durch meinen Oheim, Musikdirektor Schelble, auf Schoßen durch Herrn Curta und so weiter.

Eine freundliche, an jene Zeit sich anschließende Erscheinung dürfen auch die Cäcilienfeste genannt werden, wie sie damals unter Gleichauf’s musikalischer, von Schelble vielfach angeregter Leitung durch Aufführung klassischer Gesangstücke (gemischte Chöre) gefeiert wurden. Und noch manches Andere in gleichem Sinne, wie jener große Maskenzug zu Anfang der 20er Jahre, könnte hier angereiht werden, wenn es der bemessene Raum unserer Darstellung gestatten würde.

Dürres Gras ist kein Aschenbecher!

Nachdem ich drei Tage nicht mehr dort war, habe ich heute exakt 22 Zigarettenkippen auf den Wegen rund um die Siere gefunden. Alle lagen im dürren Gras.

Das ist nicht einfach nur gedankenlos. Das ist grob fahrlässig, rücksichtslos, asozial und gewissenlos!

Wir haben gerade eine massive Waldbrandgefahr. Überall brennt es – und manche Leute werfen ihre glimmenden Zigarettenstummel trotzdem einfach ins trockene Gras. Und bevor jetzt wieder jemand sagt: „Die Raucher sind halt so“ – nein! Die allermeisten Raucher sind anständig und entsorgen ihre Kippen vernünftig. Ich möchte genau diese Menschen bitten, bei solchen Idioten nicht wegzusehen. Sprecht sie an.

Ein Taschenaschenbecher kostet fast nichts, passt in jede Tasche und verhindert genau diesen Wahnsinn.

Nur gemeinsam können wir verhindern, dass aus einer Kippe ein Feuer wird.

Und unsere Feuerwehr? Die rückt im Ernstfall aus und löscht den Mist – ehrenamtlich.

Vielleicht einfach mal darüber nachdenken, bevor die nächste Kippe ins trockene Gras fliegt.

Kippen im dörren Gras
Liebe Kippenwerfer: Seid ihr eigentlich noch ganz dicht?

Das 1. Fröhliche Hüfinger Kippenpulen

Beitrag vom 26. Oktober 2025

Beim 1. Fröhlichen Hüfinger Kippenpulen hatten die Freunde der Natur Hüfingen schlagkräftige Hilfe von den City Cleaners Germany – Schwarzwald-Baar-Kreis mit Miriam Steup und Georg Bentele aus Bad Dürrheim. Dank ihrer Hilfe ist die Hauptstrasse jetzt kurzfristig hübscher anzuschauen und das Kippenpulen wurde richtig fröhlich. Wir werden es im Frühjahr wiederholen und bis dahin haltet bitte unsere Umwelt sauber!

alle fünf vor dem Kirchturm
Miriam Steup, Thomas Kring, Hannah M Jaag, Norbert Deininger, Georg Bentele
gesammelte Kippen in Hüfingen
Kippenhaufen vor Gully

Jede einzelne achtlos weggeworfene Kippe verseucht unser Wasser, schädigt Bodenorganismen, tötet Amphibien und Insekten. Die Nanopartikel mit den Toxinen und das Plastik belasten unsere Umwelt dauerhaft.

Poster Umweltproblem Zigarettenkippe
600 Kippen in Messbecher
Cellulose-Acetat Fasern auf Straßen und Wegen
Kippen vor Gully
stopp! Kippen

Hüfingen Kippenfrei!

Hüfingen im Mai 2025

Liebe Hüfingerinnen,
liebe Hüfinger,

es ist mir ein großes Anliegen, dass Zigarettenkippen nicht mehr in der Natur und auch nicht auf der Straße entsorgt werden!

Deswegen haben wir ein kleines Projekt mit Taschenaschenbecher gestartet.


Im Rahmen dieses Projektes haben wir Taschenaschenbecher auf einschlägigen Bänken verteilt. Diese dürfen gerne gefüllt oder auch mitgenommen werden.

Des weiteren gibt es unser Taschenaschenbecher zu verschenken:

  • Im Krokodil
  • In Rosis Blumenstudio
  • In der Tourist-Info

Genaueres kann man auch auf der Webpage der Freunde der Natur Hüfingen nachlesen:
Hüfingen kippenfrei

Vorher, währenddessen und auch nach dem Rauchen: Menschen, Amphibien, Fische, Insekten, Pflanzen – alles Leben wird beeinträchtigt.
Bitte haltet unsere Umwelt gesund!

Inhalsstoffe von Tabak

Infos von: proRauchfrei

Teer

Teer verklebt die Flimmerhärchen in den Atemwegen und der Lunge. Dadurch bedingt kann beispielsweise Staub nicht mehr abgehustet werden. Als Folge davon lagern sich Staubpartikel und daran haftende Schadstoffe und Krankheitserreger in den Atemwegen und der Lunge ab.

Teer wird u. a. im Straßenbau verwendet und wurde im Jahr 2002 im Zusammenhang mit dieser Anwendung als überwachungsbedürftiger, gefährlicher Abfall eingestuft (Abfallschlüssel 17 03 01 – kohlenteerhaltige Bitumengemische).

Bei einem täglichen Konsum von einer Schachtel Zigaretten nimmt die Lunge im Laufe eines Jahres etwa die Menge Teer auf, die eine handelsübliche Teetasse fassen kann.

Quecksilber

Quecksilber wirkt u.a. als Zellgift auf Proteine, daher sind lösliche Verbindungen des Quecksilbers giftig. Quecksilber-Dämpfe gelangen z. B. durch die Schleimhäute und über die Lunge in den Körper und werden im zentralen Nervensystem sowie in der Niere eingelagert, wo sie ihre toxische Wirkung entfalten. Bei einer chronischen Quecksilber-Exposition kommt es zu Mattigkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwund, Abfall der Konzentrationsfähigkeit, Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Zittern, Haarausfall und Depressionen.

Quecksibler wird industriell u. a. im Bereich der Schädlingsbekämpfung und bei Spezialleuchtmitteln eingesetzt. Früher wurde Quecksilber auch bei der Herstellung von Amalgamplomben verwendet. Bei der Zigarettenherstellung wird Quecksilber zur Reinigung der Tabakblätter eingesetzt.

Auf normalem Wege tritt bei regelmäßigen Fischessern eine erhöhte Queck-silberkonzentration auf. Besonders belastet sind hier Hai, Schwertfisch, Markrele, Marlin und Thunfisch (Stand 5. 2. 2003). Auch in Gemüse ist in den letzten Jahren ein Ansteig der Quecksilberbelastung nachzuweisen (bedingt durch Schädlingsbekämpfungsmittel) – besonders belastet sind Blattgemüse.

Arsen

Arsen ist ein Element der Stickstoffgruppe, zusammen mit den ebenfalls giftigen Elementen Phosphor, Antimon und Bismut. Arsen hat halbmetallischen Charakter, wobei es in seinen metallischen Eigenschaften zwischen Phosphor und Antimon steht. Wie Phosphor ist es als Stickstoffgruppenelement sehr reaktionsfreudig und kommt in vielerlei organischen und anorganischen Verbindungen vor.

In der Natur vorkommend findet man das goldgelbe Arsentrisulfid, das unter dem Namen Auripigment oder Rauschgelb von Malern als Goldersatz verwendet wurde. Da die so gemalten Bilder eine gewisse Giftigkeit verbreiteten, wird es heute in geschlossenen Räumen nicht mehr benutzt.

Organische Arsen-Verbindungen wurden vor der Penicillin-Ära zur Chemotherapie der Syphilis und verschiedener Protozoen-Erkrankungen benutzt. Damit war Arsen eines der ersten Antibiotika (anti: gegen, bios: leben, z. B. Salvarsan). Es bringt Kleinstlebewesen, besonders Parasiten, schnell den Tod. Leider zu leicht auch dem Wirt. Diese Eigenschaft von Arsen, sich gerne an Parasiten und anderen Mikroben zu vergreifen, war lange Zeit Grund für eine der hauptsächlichen gewerblichen Verwendungen von Arsen: Es wurde und wird noch in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Dabei können Rückstände zu schädlichen Anhäufungen auf Obst, Früchten und sogar im Tabak führen. Im Tabak war es (zumindest bis 1951) in zunehmendem Maße vorhanden (1932: 12,6 Mikrogramm, 1951: 42 Mikrogramm). Dort erhöht es die anderen kanzerogenen Eigenschaften der Zigaretten.

In folgenden Industriezweigen ist Arsen zu finden: Arzneimittelherstellung, Bergbau/Hüttenwesen, Druckereitechnik, Lederwarenherstellung, Sprengstoffindustrie; außerdem ist Arsen Bestandteil von Klärschlämmen und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Toxizität von Arsen und seinen Verbindungen ist unterschiedlich. Metallisches Arsen und schwer lösliche Sulfide sind fast ungiftig, während 3-wertiges Arsen hoch giftig ist. Beim Einatmen von Arsendämpfen werden Schleimhautreizungen, Lungenödeme, Störungen der Nieren- und Leberfunktionen verursacht. Eine Vergiftung äußert sich in Hautreizungen, Kopfschmerzen oder sogar in Tumorbildung.

Cyanide

Cyanide sind Salze der Blausäure (Cyanwasserstoffsäure), die das giftige Cyanid-Anion enthalten. CN sind industriell im Bergbau/Hüttenwesen, in der Metallverarbeitung und Galvanik, in Schädlingsbekämpfungsmitteln, in Farben und Lacken sowie in Erdöl und Kohle zu finden. In diesen Betrieben sind die CN besonders in den Abwässern eine Problemsubstanz. Cyanide wirken toxisch, wenn Blausäure durch Hydrolyse freigesetzt wird, der entstandene Cyanwasserstoff wirkt durch Lähmung des Atemzentrums sofort tödlich.

Cyanide sind für Menschen und Tiere, insbesondere Fische. aber auch Algen hochgiftig. Nach Auskunft des Umweltbundesamtes kann freies Cyanid schon bei einer Konzentration von 40 Millionstel Gramm (Mikrogramm) pro Liter Forellen töten.

Blausäure

Blausäure, also Cyanwasserstoff, ist eine farblose, nach Bittermandeln riechende, sehr giftige und schnellwirkende Substanz, die über die Blockade von Atmungsenzymen die Verbrennung des Sauerstoffs in den Zellen verhindert. Die Wirkung der Blausäure führt damit zu einer Art innerem Ersticken.

Es sei erwähnt, dass bei der Verbrennung von Polyurethanen, also von zahlreich verwendeten Kunststoffen, Blausäure freigesetzt wird. Daher können u. U. sogar Wohnungsbrände zu tödlichen Blausäurevergiftungen führen. Dabei gilt als Faustformel, dass von den dabei entstehenden giftigen Gasen rund 1/3 Kohlendioxid/Kohlenmonoxid, 1/3 Rauchgase und 1/3 Blausäure sind. Ansonsten kommen Vergiftungen mit Blausäure in der metallverarbeitenden und chemischen Industrie, bei der Schädlingsbekämpfung sowie bei der Verschwefelung organischen Materials vor. Weiterhin enthält Tabakrauch teilweise erhebliche Blausäurekonzentrationen.

Nitrosamine

Nitrosamine kommen in der Umwelt des Menschen in vielen Bereichen, u.a. auch in Nahrungsmitteln, Tabak, Kosmetika, Bedarfsgegenständen aus Latex u.a.m. vor (exogene Belastung).

Auch im menschlichen Organismus selbst ist eine Nitrosaminbildung möglich (endogene Belastung), da sowohl die Umwelt als auch die Nahrung nitrosierbare Amine und nitrosierende Stoffe enthält (z. B. Nitrit oder Stickoxide). Bei diesen Substanzen handelt es sich um „Vorläufer“ der Nitrosamine, die erst nach dem Übergang aus dem Produkt in den Speichel oder Magensaft des Menschen durch chemische Reaktion mit Nitrit zu den krebserzeugenden Nitrosaminen umgewandelt werden können.

Die krebserzeugende Wirkung beruht auf reaktiven Metaboliten der Nitrosamine im Stoffwechsel, die mit der Erbsubstanz DNA reagieren, sie dadurch schädigen und Tumore auslösen können. Beim Menschen ist aufgrund der niedrigen Dosierung die Latenzzeit sehr lang, sodass ein kausaler Zusammenhang schwierig zu beweisen ist.

Eine grundsätzlich unschädliche Konzentration kann für Nitrosamine ebenso wenig wie für andere krebserzeugende Stoffe ermittelt werden. Jedoch nimmt die mutmaßliche kanzerogene Wirkung ab, wenn die aufgenommene Menge abnimmt. Heute stellen neben Tabakrauch vor allem Gewürze, gepökelte Fleischwaren und geräucherter Bacon (Frühstücksspeck), denen zwecks Umrötung und Konservierung Nitritpökelsalz zugesetzt wurde, die Hauptnitrosaminquelle dar.

Eine detaillierte Auflistung gibt es auf den Seiten vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: https://service.bmel.de/tabakerzeugnisse/

Tabakanbau

Kinderarbeit im Tabakanbau ist sehr gefährlich und weltweit verboten. Trotzdem arbeiten in allen bedeutenden Tabakanbauländern Kinder auf den Feldern.

Kinder auf den Feldern

Allein in Malawi arbeiten etwa 78.000 Kinder auf den Tabakplantagen. Aber auch in Brasilien, Indonesien, den USA und anderen Ländern ist Kinderarbeit im Tabakanbau weit verbreitet.

Kinder ab 5 Jahren bereiten Saatbeete vor, indem sie Felder umgraben und Bäume fällen. Sie jäten Unkraut auf den Feldern, sie düngen den Tabak und sie sprühen Pestizide, ohne Schutzkleidung zu tragen.

Bei der Ernte der grünen Tabakblätter setzen sie sich der Gefahr einer Nikotinvergiftung aus. Denn sie nehmen das Nikotin aus den Blättern durch die Haut in den Körper auf. Schon eine kleine Menge des Nervengifts führt bei ihnen zur Nikotinvergiftung: Die Grüne Tabakkrankheit verursacht Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Schwächeanfälle.

Kinder in Malawi nehmen bis zu 54 Milligramm Nikotin pro Tag über die Haut auf, zeigt eine Studie von Plan International. Das ist soviel Nikotin wie in 50 Zigaretten enthalten ist.

Mehr Infos bei Unfairtobacco: https://unfairtobacco.org


Ferienbummlers Rundgang in der Baar

von Franz Josef Schelble 1899
aktualisierte Version, Original vom August 2021

Hüfinger Kirchturm

Nach der lieben Vaterstadt

Die den grünen Kirchturm hat

Eine humoristische Dichtung

Heimatzauber

Wenn in schwülen Sommertagen
Schnaken mich und Hitze plage, 
Wenn zu ernstem, regem Schaffen
Geist und Körper mir erschlaffen,
Und die schöne Ferienzeit
Reget vieler Menschen Neid:
Drängt es mich, den Sohn der Baar,
Abzudampfen jedes Jahr
Nach dem lieben Oberland,
Hin, wo meine Wiege stand,
Nach der Baar, der ährenreichen, 
Nach der Heimat ohne gleichen.

Alter Stich von Brigobannis


Seh’ ich dann zum erstenmal
In der Abendsonne Strahl
Wiederum mein Städtlein ragen,
Da vermag ich kaum zu sagen,
Wie es mir vor lauter Lust
Wohlig wird in meiner Brust,
Und das Herz mir jünger schlägt,
Wie von Zauberkraft bewegt.
So hat’s mir, dem alten Mann,
Meine Heimat angethan.

alte Postkarte von Hüfingen


Rasch dann geht’s der Herberg zu;
Doch es läßt mir keine Ruh,
Renn’ das Städtlein auf und ab,
Und wo ich Bekannte hab’,
Kehr ich ein, sie rasch zu grüßen,
Eile dann mit schnellen Füßen
Durch das Thor, um dort zu seh’n
Ob die Häuser all noch steh’n

Mühlibach altes Foto vielleicht 1930


Und im Mühlenbache klar
Sich noch spiegeln immerdar;
Und als ersten Wallfahrtsort
Grüße ich Loretto dort,
Wo, umrauscht von alten Linden
Beter — Trost des Himmels finden.

Aufgang zu Loretto

Eh’ die Nacht sich niedersenkt,
Wird der Schritt zurückgelenkt,
Und an einem runden Tisch
Labet mich ein Schöpplein frisch,
Das des Hauses Töchterlein
Allzeit freundlich schenkt ein.
Wenn die Wächter dann, die alten,
Spieße schleppend, Rundgang halten,
Sag’ ich, von des Schlafes Nacht
Überwältigt: „Gute Nacht!“

Stadtkirche mit grünem Kirchturm


Schließ ich dann zu sanften Ruh
Meine müden Augen zu,
Ach, wie schlaf’ ich da gesund
Bis zur frühen Morgenstund!
Wacht mich dann der Glocke Ton
Vor dem Morgengrauen schon,
Ha, da heißt es: „Ausgeträumet“,
Länger wird jetzt nicht geträumet,
Spute, alter Knabe, dich,
Sieh der Himmel rötet sich;
Auf, hinaus ins weite Feld,
In die schöne Gotteswelt,
Wo der Hauch der Freiheit weht,
Jeder Unmut rasch vergeht!

Sechsuhrläuten von St. Verena und Gallus

Fange dann zu laufen an,
Was nur einer laufen kann,
Heute hier, und morgen dort,
Und so geht es fort und fort.
Und so ging’s auch gestern wieder
Berge auf und Berge nieder,
Bis die Stern’ am Himmelsbogen
Mählich kamen aufgezogen
Und des Mondes volle Pracht
Still vom hohen Himmel lacht.

Wie ich diesen Tag verbrachte,
Wie ich fühle, was ich dachte,
Teilt Euch dieses Büchlein mit,
Leser nimm vorlieb damit!


1. Hinweg.

Nach der Weid, wo’s Vieh sich tummelt,
Bin ich gestern hingebummelt,
Hausen, zubenannt vor Wald,
hatt‘ ich erreichet bald
Und den Weg, mit Staub bedeckt,
Raschen Schritts zurückgelegt.

Alte Postkarte von Hausen


Unterwegs da konnt‘ ich schauen,
Wie die neue Bahn sie bauen,
Wie sie schaufeln, wie sie graben
Und gar saure Arbeit haben.
Waledetto, Sakramento
Und verworrenes Lamento
Von der Welschen wilden Chor
Drang an mein erstauntes Ohr.

Dampflock beim Bau der Höllentalbahn über der Brücke
Brücke an der selben Stelle im Jahr 2021

Bauarbeiten zur Höllentalbahn bei der Luttlinger Bruck 1899 und im Jahr 2021

Habe mich auch unterhalten
Unterwegs mit einer alten
Aber schönen Italiana,
Zubenamet Giuliana,
Die dem Mann das Essen brachte,
Heiter mit mir sprach und lachte
Doch zumeist italienisch,
Denn von Deutsch verstand sie wenig.
Als sie endlich angekommen
Und ihr Mann mich wahrgenommen,
Hui, was der für Augen macht‘,
Hätt‘ mich sicher umgebracht,
Wenn ich nicht noch grimmiger
Ausgesehen hätt‘ wie er!

altes Gemälde von Hausen

Hausen vor Wald von Hans Schroedter (1872-1957)

Als ich that durch Hausen schreiten,
War ich eingedenk der Zeiten,
Da wir vor so vielen Jahren
Einst im Pfarrhaus lustig waren,
Wo das Bier so hell und klar
Und der Pfarrherr heiter war.
Guter Max *), längst gingest Du
Allzufrüh zur ew’gen Ruh!

*) Max Hochweber, der damalige Pfarrer von Hausen vor Wald.

Kirche in Hausen vor Wald


Darauf ging’s ohne Aufenthalt
Durch den frischen Tannenwald,
Durch des Waldes Einsamkeit,
Wo in Ruhe weit und breit
Keinen Laut ich konnt‘ erlauschen
Als der Bäume flüsternd Rauschen.
Und so wanderte ich weiter
Nervenstark, beruhigt, heiter.
Legt‘ mich dann ins weiche Gras,
Dacht‘ an dies‘ und dacht‘ an das,
Dacht‘ an meine teuren Lieben,
Sie so fern von mir geblieben.
Und in Waldes Schattenruh
Sanken mit die Augen zu.

Blick nach Mundelfingen


Rasch fuhr ich vom Schlafe auf
Fortzusetzen meinen Lauf.
Fürbaß ging es weiter dann
Aus dem kühlen, dunkeln, Tann.
Ha, wie war mein Aug‘ entzückt,
Als es in die Landschaft blickt‘,
Und die weiten, schönen Auen
Von der Höhe konnt‘ erschauen,
Wo der Felder gold’ner Segen
Schon der Ernte wogt‘ entgegen!
Sah die Berge dort, die blauen,
Grüßend zu mir rüberschauen,
In der schwülen Morgenluft
Eingehüllt in leisen Duft;
Und der schneeigen Alpen Kranz
Winke fern in Sonnenglanz.

Sechsuhrläuten von Mundelfingen. Vielen Dank an Michael Steinemann

Feierlich von Mundelfingen
Hörte ich die Glocken klingen,
Und auf Gottes freier Flur,
Zu dem Tempel der Natur,
Senkte sich in meine Brust
Stiller Andacht selige Lust,
Und mir war’s, als müßt‘ ich beten,
Dankend vor den Schöpfer treten,
Daß er dieses Tages Pracht
Mir so wonnesam gemacht.

Blick über Mundelfingen

2. Auf der Weid.

Sah die „Weid“ dann vor mir liegen,
Wo ich schnell hinabgestiegen.
In der saubern Hütte drin
Grüßet mich die Sennerin
Urschel, eine fesche Maid,
Wirtin auch auf Josephs Weid.

Klementine und Josef Frank 1926


Plötzlich hörte ich ein Klingen,
Leise Laut zum Ohre dringen.

altes Foto von meinem Opa und einem Freund mit Telefon vor einer Steckanlage etwa 1920


Nun was war’s? Das Telephon
Gab der Urschel Instruktion,
Daß sie mich bewirten sollte
Und mir reichen, was ich wollte.
Aß dann Speck, trank Bier dazu,
Überließ mich kurzer Ruh‘
Und der Rinder glatte Scharen
Sah ich nach den Ställen fahren,
Sah die Farren, sah die „Kälble“
Und ich wollt‘, mir wäre selber
Wohl wie diesen Viechern hier
In der Freiheit Luftrevier.

Postkarte vom Haus vom Schäfer Frank

Postkarte von 1925

(Spaßige Betrachtung.)

Glücklich Kinder preis‘ ich euch.
Denn in eurem lust’gen Reich
Lebt ihr hier in Wald und Wiese
Herrlich wie im Paradiese,
Kerngesund, zufrieden, heiter,
Alle Tage lustig weiter.
Munter sieht euch jeder Morgen,
Kennt nicht Verdruß noch Sorgen.

Postkarte von der Alpenweide

Postkarte 1904

Euch ist stets der Tisch gedeckt,
Immer euch die Mahlzeit schmeckt.
Tafelmusik auch erklingt,
Wo ihr schmauset, wo ihr trinkt.
Sagt, wer spielt euch auf so schön?
Eurer Glocken traut Getön
Und vom nahen Waldeshang
Luft’ger Vöglein süßer Sang,
Und mit kräft’gen Mu, Mu, Muh
Brüllet ihr den Satz dazu.
Also grast ihr mit Behagen
Und verderbet nie den Magen;
Bei dem Trank aus klarem Quell
Bleiben Euch die Köpfe hell,
Denn auch ohne Alkohol
Ist es euch ganz pudelwohl;
Das Gespenst „Nervosität“
Niemals euch zu Leibe geht;
Seht drum auch nie mürrisch aus
Und braucht hier kein Narrenhaus.
Mensch, sieh diese Viecher an
Nimm Dir ein Exempel dran!

Wenn die Brems‘ und Sonne sticht,
habet ihr zu leiden nicht,
Könnt euch in die Ställe legen,
Ruhig der Siesta pflegen.

Kühe auf der Weide


Und in eurer Republik
Treibt ihr keine Politik,
Und der Hader der Parteien
Kann euch nimmermehr entzweien,
Könnt auch ohne Fraktionen
Friedlich hier beisammen wohnen.
Solltet ihr in Streit geraten,
Braucht ihr keine Advokaten,
Denn ihr machet jeden Strauß
Sofort mit den Hörnern aus.
Auch die Frag‘ „woher, warum“
Geht euch nicht im Kopf herum;
Ja, ihr habt es sehr bequeme,
Philosophische Probleme
Regen euern Geist nicht auf,
’s geht doch alles seinen Lauf.
Brauchet euch um nichts zu kränken,
Ja, braucht nicht einmal zu denken;
In der Zukunft dunklen Schoß
Schauet ihr ganz sorgenlos,
Denn ihr werdet totgeschlagen,
Eh‘ ihr fühlt des Alters Plagen.

Mühlrad in Achdorf

3. Achdorf, Blumberg, Stutz

Also denkend eilt‘ ich fort
Von dem vielberühmten Ort.
Als die Sonne hoch schon stund,
War ich in des Thales Grund,
Wo ich sah die Wutach schäumen
Zwischen Felsgeklüft und Bäumen.
Auch durch Achdorf wohlbekannt
Bin ich eilend durchgerannt,
Sah dort Scheffels Linde prangen;
Doch ich bin vorbeigegangen,
Ließ mich nicht vom Durst verführen,
Dorten eins zu pokulieren,
Wollte Blumberg rasch ereilen
Und daselbst ein wenig weilen.

Scheffellinde in Aachdorf
Flasche Bohemia 1283

Liebe Leut, wie schmeckte da
Eine Flasch‘ Bohemia! *)
Nahm dann einen Imbiß ein,
Trank ein Gläschen guten Wein,
Eine Tass‘ Kaffee dazu,
hielt im Grase Mittagsruh.
Blumberg, stilles Ruhenest,
Gerne bin ich hier gewest,
Und im Hause Troll vor allen
Hat es trefflich mir gefallen
Denn wo könnt‘ es besser sein,
Als wo der Mahontsverein
Manche kreuzfidele Nacht
Lustig zechend zugebracht?

Drauf ging es im Sonnenbrand
Steil hinan die Bergeswand;
Durch den langgestreckten Wald
Naht ich mich dem „Stuze“ bald.
Welch ein Anblick wunderbar
Bot sich hier dem Auge dar!
Worte können’s nicht beschreiben,
Könnte Stunden hier verbleiben,
Würde doch nicht satt mich sehen.
Endlich mußt‘ ich weitergehen
Und verlassen diesen Ort
Eilend nach der Heimat fort.

*) Berühmtes Bier aus der fürstl. Brauerei Donaueschingen

Eichbergstutz

4. Rückkehr über Behla und den Wolfsbühl.

Schon lag Behla hinter mir,
Und am nahen Waldrevier
Hatte ich erreichet gleich
Behlas Schilfbewachs’nen Teich,
Wo die Buben Kolben schneiden
Und die Gänse lustig weiden,
Wo ein Haus auf Pfähl‘ gebaut
Düster aus dem Wasser schaut.

Behlaer Weiher 2020
Der Weiher ist ein Rest von mittelalterlichen Fischweihern auf deren Damm heute die B27 liegt.

Hab die Straße dann gemieden,
Mich im Wald herumgetrieben,
Meinem lieben Wolfesbühl,
Wo ich in dem Dickicht kühl,
Zu dem feuchten Waldesgras
Oft als Knabe Beeren las.
Holde Zeit, wo bist Du hin,
Da ich noch mit Kindessinn
Heiter in das Leben schaute
Manches Luftschloß mir erbaute,
Aber schon zufrieden war,
Wenn ich in der Knabenschar
Einen Beerenplatz gefunden?
Ha, wie ließen wir uns munden
Erd-, und Him- und Heidelbeeren!
Konnten wir noch mehr begehren?
Und auch nach der Zukunft hin
Schaut‘ ich mit bescheidenem Sinn.
Wie das war, frei nicht verhehlt,
Sondern treulich hier erzählt.

Wolfsbühl. Baum mit Tafel Wolfsbühlweg.

Schon fing ich Lateinische an
Vollen Ernsts beim Kapelan,
Und worauf ging mein Bestreben?
Dachte mir: „Ein Herrenleben
Ist gewiß so übel nicht
Weil es da an nichts gebricht.“
Als ich mich studierend plagte
Und die gute Mutter fragte:
„Wennd‘ emol en Herr worscht si,
S’ka nit fehle“, saget sie,
„Sag mir doch, wo worscht no au
Dir am liebschte koche lau?“
„Motter,“ sag i, „wißt’rwa?
Brotni Knöpfli, Eier dra,
Zettelisuppe, Auge druf
Und am Sunntig Gugelhupf!“
Das war meiner Wünsche Ziel,
Und das deuchte mir schon viel.


So in Waldes Einsamkeit
Dachte ich der Jugendzeit,
Dachte, wie wir einst als Knaben
Uns herumgetrieben haben,
Und des Übermutes voll
Uns gebärdet oft wie toll,
Streich‘ auf Streiche ausgeführet,
Reue jedoch nie verspüret.
Wie ich als ein kleiner Fant
Strampelnd auf dem Kopfe stand,
Und in raschem, leichten Schwung
Machte flott den Rädlisprung,
Was wir alles unterfangen,
Wie wir in den „Gumper“ sprangen,
Wie wir schwammen, wie wir tauchten;
Heimlich auch Zigarren rauchten,
Bochelestengel, Lindenblatt
Qualmten an Tabakes Statt,
Bis uns wurde wind und weh
Und die Farbe weiß wie Schnee;

Bochele (Wiesenkerbel)

Bochele (Wiesenkerbel)

Wie wir Grundeln, Kroppen fingen,
Und sie an das Feuer hingen,
Und sie gar nicht ausgeweidet
Ohne Schmalz zum Mahl bereitet;
Wie im Herbst wir ausgefahren
Auf die Weid mit Kinderscharen,
Wo wir vor dem frühen Nachten
Lustig uns ein Feuer machten,
Holz und Stroh zusammentrugen,
Daß die Flammen hoch aufschlugen,
Und Kartoffeln, die das Feld
Unerbeten uns gestellt,
In den Gluten samt der Schale
Brieten uns zum leckern Mahle.
Und wie schmeckte Bier und Weck
Sonntags uns beim Wägelibeck!
Doch erst in der Kronengaß
Gab es für uns manchen Spaß,
Wenn wir, echte Strolchenknaben,
„Mezler“ *) dich geärgert haben!
Bist uns manchmal nachgesprungen;
Hast den Riemen kühn geschwungen,
Hast uns aber nie gepackt,
Denn wir sind davongejagt!

*) Komischer Kautz von einem Schuster,

Foto vom Stadtmüller Philipp Frank (1860)

Stadtmüller Philipp Frank (1860)

Doch vom Müller Frank, dem großen,
Kriegt ich einmal auf die Hosen,
Weil wir, — o der Greuelthat —;
Abgestellt sein Mühlenrad.

Mühlrad hinter der Stadtmühle 1925

Mühlrad hinter der Stadtmühle 1925


Doch genug von meinem Treiben!
Will es weiter nicht beschreiben;
Wollt‘ ich alle Streich‘ erzählen,
Würd‘ es mir an Tinte fehlen.

Foto vom Schwimmbad mit vorne einer Dame die über den Weiher blickt auf das Wohnhaus der Seemühle.

Schwimmbad an der Seemühle etwa 1920

Denk‘ ich dein, o Knabenzeit,
Wird es mir im Busen weit,
Ja schon die Erinnerung
Macht das Herz mir wieder jung.
Doch auch Schatten steigen auf,
Denk‘ ich, wie im „Zeitenlauf“
Mancher, der „fidel“ einst war
In der lust’gen Knabenschar,
Ach so frühe von hienieden
Nach dem Jenseits abgeschieden!
Schlafet sanft, vom Freund betrauert,
Ach, wer weiß, wie lang es dauert,
Deckt auch mich zur letzten Ruh
Irgendwo der Rasen zu!

5. Begegnung im Walde.

So der Knabenzeit gedenkend
Und die Schritte weiter lenkend
Kam ich an des Waldes Rand,
An den Gipsbruch hingerannt.

Bild aus dem Wolfsbühl mit Schild Gipsbruch


Und was hört ich? Helles Singen,
Heitern Ruf zum Ohre klingen.
Ha, wie freute mich der Laut
Meiner Heimatsprache traut!
Wollte länger nicht mehr lauschen,
Wollte lieber Worte tauschen,
Und mit eig’nen Augen schauen,
War für Mädchen, was für Frauen
Beeren lesend in dem Schatten,
Also mich entzücket hatten.
Und so lief ich, Rock am Arm,
Hurtig nach der Mädchen Schwarm
Kaum jedoch erreicht ich sie,
Als da plötzlich eine schrie:

„Jesses Gott, dä rennt on hear,
Ear sieht us fascht wie en Bäar!
Jesses, Meidli rennt mit,
Sellem Kerli trau i nit!“
Und sie rannten – , und gar bald
Waren sie hinaus zum Wald,

Und ich rannte kreuz und quer
Ihnen folgend hinterher.
Endlich sah sich eine um
„Meidli“, sagt sie, „o wie dumm,
Daß mer wie die Gäns‘ sont renne;
Sella Herr dä sott i kenna,
S’ischt dr sell, wo alli Johr
Umenanderrennt in dr Boor,
Und wo uf de Römerplätz
Grabe duet no alte Schätz. *)
Loset, ’s ischt kon schlimme Ma,
Wo om ebbis due ka!“
Alsdann hielt der Flücht’gen Schar
Wie ich ihnen nahe war,
Fragt ich: „Was rennt ihr,
Warum flieht ihr vor mir?
Seh‘ ich denn so schrecklich aus,
Daß ihr vor mir reißet aus?“
Sprach dann eine: „Jo, sischt wohr,
Blibet doch, es hott ko Gfohr!“
Hett ech Sie nu früher kennt,
Wär ech nit so bsesse grennt
Als sie ihren Namen nannten
Waren’s Töchter von Bekannten
Meiner frühen Jugendzeit,
Die jetzt hinter mir so weit,
Töchter derer, die vor Jahren
Mir bekannt, befreundet waren.
„Ach“, dacht ich im Weitergehen,
„Konntest wieder einmal sehen,
Wie’s den fremdgewordenen Mann
In der Heimat gehen kann!“

*) Römische Altertümer.

Heute ist der alte mittelalterliche Weg über die ehemalige Hüfinger Allemende versperrt.
Bild vom Lidl Zentrallager
Heute ist der alte mittelalterliche Weg über die ehemalige Hüfinger Allmende versperrt.

6. Hüfingen.

Jetzt ging es gemütlich, heiter
Durch die Felder heimwärts weiter,
Nach der lieben Vaterstadt,
Die den grünen Kirchturm hat,
Wo die Rinder in den Gassen
Die Visitenkarten lassen,
Wo in einer Gasse still
Traulich lockt das Krokodil,

Hochzeitsgesellschaft vor dem Krokodil vielleicht in den 1930er Jahren
Film von Ernst Kramer

Wo die alte Schächerkatze
Nächtlich noch auf ihrem Platze
Nach dem Wanderer lauernd späht,
Der bezecht nach Hause geht,

D’Schächerkatzen an der Fasnet - Kirchturm im Hintergrund

D’Schächerkatzen und d’Schächerkapelle


Und wo mitten durch das Städtlein
Plätschernd fließt ein muntres Bächlein;
Wo die Leut‘ mit ihrem Treiben
Glücklich noch beim alten bleiben
Und recht fleißig alle Zeit
Leben in Zufriedenheit;
Nach der Stadt, wo jedes Jahr
Ich im Herbst so gerne war,
Und wohin, solang ich lebe,
Jedes Jahr zu kommen strebe.

Das Hüfinger Tor 2021


In dem Thore grüßt‘ ich froh
Meinen Freund Antonio,
Der als Wirt die Ochsengäste
Höchst galant bedient auf’s beste.
Als ich eintrat in die Krone,
Wo ich ganz gemütlich wohne,
Ha, wie schmeckte da der Wein
Und das Abendessen fein‘!

Foto der Ochsengasse etwa 1910

Ochsengasse etwa 1910

Legte dann die müden Glieder
Ziemlich früh zur Ruhe nieder.
So war dieses Tags Verlauf.
Punktum, fertig, Streusand drauf!






Antwort von Andreas Braun MdL auf meinen offenen Brief zur Wahlkreiseinteilung

Ich freue mich sehr, dass Andreas Braun MdL (CDU) einer Veröffentlichung seiner Antwort zugestimmt hat. Genau eine solche sachliche Auseinandersetzung hatte ich mir von meinem offenen Brief erhofft. Seine Ausführungen liefern wertvolle Hintergrundinformationen zur Geschichte der Landtagswahlkreise und zeigen zugleich auf, auf welchem Weg eine spätere Änderung grundsätzlich möglich wäre.

Herzlichen Dank für die Zeit und Mühe, die er sich für die Beantwortung meiner Fragen genommen hat:

Sehr geehrte Frau Jaag,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Zuschnitt des Landtagswahlkreises. 

Zunächst möchte ich festhalten, dass Guido Wolf (CDU) als direkt gewählter Abgeordneter, den Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen im Landtag vertritt. Zudem sind aus diesem Wahlkreis weitere Abgeordnete in den Landtag gewählt. Ich bin mir sicher, dass Guido Wolf seinen gesamten Wahlkreis, unabhängig davon, ob eine Gemeinde zum Landkreis Tuttlingen oder Schwarzwald-Baar gehört, ausgewogen vertritt und allen Belangen die notwendige Aufmerksamkeit widmet. 

Zur Erklärung des von Ihnen kritisierten Wahlkreiszuschnitts kurz ein historischer Rückblick: Die Grenzen der Wahlkreise für Landtagswahlen in Baden-Württemberg wurden nach der Kreisgebietsreform von 1973 bereits zur Landtagswahl 1976 grundlegend neu zugeschnitten und seitdem auch nur ganz geringfügig geändert. So wurde 2011 die Stadt Bräunlingen aus dem Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen an den Wahlkreis Villingen-Schwenningen angegliedert. Das erfolgte, um unterschiedliche Wahlkreisgrößen auszugleichen. Kurz gesagt, man versucht einen Kompromiss aus der Fläche eines Wahlkreises und seiner Zahl der Wahlberechtigten zu bilden. Ähnlich verfährt man bei der Festlegung der Wahlkreise für die Bundestagswahl. Hier wurden beispielsweise Gemeinden aus dem Kinzigtal dem Wahlkreis Schwarzwald-Baar zugeschlagen. 

Donaueschingen, Hüfingen und Blumberg gehören, wie Sie richtig feststellen, bei der Landtagswahl dem Nachbarwahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen, dem Wahlkreis 55 an. Ausdrücklich hat man diesem Wahlkreis den Zusatz Donaueschingen gegeben. Mit dem Namensbestandteil Donaueschingen soll genau das vermieden werden, was Sie befürchten. Auch die drei Gemeinden im Südlandkreis erfahren damit Sichtbarkeit.

Insgesamt hat Baden-Württemberg 35 Landkreise und neun Stadtkreise, aber 70 Wahlkreise für die Landtagswahl.

Festgeschrieben sind die Landtagswahlkreise im Landtagswahlgesetz. Änderungen könnte der Baden-Württembergische Gesetzgeber, also der Landtag beschließen. Zur Funktionsweise der direktdemokratischen Wege in Baden-Württemberg, der sogenannten Volksgesetzgebung,  verweise ich auf das offizielle Beteiligungsportal des Landes:  Volksabstimmung: Beteiligungsportal Baden-Württemberg. Dort wird Schritt für Schritt erklärt, wie Bürger über den Volksantrag, das Volksbegehren und schließlich eine Volksabstimmung eigene Gesetzgebungsverfahren einleiten können.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Braun MdL

Offener Brief: Warum hat der südliche Schwarzwald-Baar-Kreis keine unmittelbare Vertretung im Landtag?

21. Juli 2026

Hinweis in eigener Sache:
Bereits am 31. Mai habe ich diese Frage über das Beteiligungsportal Baden-Württemberg eingereicht. Da ich bis heute keine Antwort erhalten habe, habe ich mich nun mit einem offenen Brief an das Beteiligungsportal, das Innenministerium, die Landtagsfraktionen sowie die Landtagsabgeordneten unserer Region gewandt. Selbstverständlich werde ich eingehende Antworten veröffentlichen und dokumentieren.

Offener Brief
an das Beteiligungsportal Baden-Württemberg,
das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg,
die Fraktionen des Landtags von Baden-Württemberg sowie
die Landtagsabgeordneten des Schwarzwald-Baar-Kreises

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 31. Mai habe ich über das Beteiligungsportal Baden-Württemberg eine Frage zur Einteilung der Landtagswahlkreise gestellt. Da ich bis heute keine Rückmeldung erhalten habe, wende ich mich nun in Form dieses offenen Briefes an Sie alle in der Hoffnung, eine Antwort oder zumindest einen Hinweis auf die zuständige Stelle zu erhalten.

Im Zuge der Neuordnung der Landtagswahlkreise wurden die Städte Hüfingen, Donaueschingen und Blumberg dem Wahlkreis Tuttlingen zugeordnet, obwohl sie zum Schwarzwald-Baar-Kreis gehören. Bei Bundestagswahlen sind diese Städte hingegen weiterhin gemeinsam mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis einem Wahlkreis zugeordnet.

Aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger führt dies zu einer unbefriedigenden Situation: Während unsere Region auf Bundesebene durch Abgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis vertreten wird, gibt es im Landtag keine unmittelbar aus unserer Region gewählten Abgeordneten mehr. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Interessen des südlichen Schwarzwald-Baar-Kreises in Stuttgart weniger sichtbar und weniger direkt vertreten sind.

Viele Menschen wünschen sich daher eine Wahlkreiseinteilung, die die kommunalen, historischen und regionalen Zusammenhänge des Schwarzwald-Baar-Kreises stärker berücksichtigt und die Vertretung der Region auf Landesebene verbessert.

Daher bitte ich Sie um die Beantwortung folgender Fragen:

  • Welche Möglichkeiten haben Bürgerinnen und Bürger, Kommunen oder Landkreise, auf die zukünftige Gestaltung der Landtagswahlkreise Einfluss zu nehmen?
  • Gibt es Verfahren, Beteiligungsformate oder politische Initiativen, über die eine Angleichung der Landtagswahlkreise an die bestehenden Bundestagswahlkreise angeregt oder geprüft werden kann?
  • Falls eine solche Änderung grundsätzlich möglich ist: Welche Stellen oder Entscheidungsträger sind hierfür zuständig?

Da dieses Anliegen die demokratische Vertretung einer ganzen Region betrifft, betrachte ich dieses Schreiben als offenen Brief. Ich werde eingehende Antworten dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Jugendarbeit, Projekt Gasthof Frank, Ortsmitte Hüfingen, Trinkwasserversorgung, Jahresabschluss, Forstwirteausbildung, Fuhrpark, Sanierung der B31

Hier geht es um die Gemeinderatssitzung am 30. Juli 2026. Die Unterlagen gibt es hier: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik 18:15 Uhr

28/2026 Errichtung Sichtschutzzaun in Behla

Geplant ist die Errichtung einer Sichtschutzanlage entlang der bestehenden Terrasse.
Entgegen den Festsetzungen des Bebauungsplanes ist eine Befreiung für die Überschreitung der max. Länge von Sichtschutzzäunen (8m anstatt max. 4m) beantragt.
Laut Ansicht der Verwaltung kann dem Vorhaben mit der erforderlichen Befreiung vorbehaltlich der Zustimmung des Ortschaftsrates zugestimmt werden.

Beschlussvorschlag:

Dem Bauvorhaben sowie der erforderlichen Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans „Grundäcker“ hinsichtlich der Überschreitung der max. Länge von Sichtschutzzäunen wird zugestimmt.

Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.

29/2026 Carportanbau an bestehenden Werkstatt in Sumpfohren

Das Vorhaben liegt innerhalb der Inneren Abgrenzung von Sumpfohren in einem gemischt genutzten Gebiet.
Vorbehaltlich der Zustimmung des Ortschaftsrates, kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.

Beschlussvorschlag:
Dem Vorhaben wird zugestimmt.

Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.

30/2026 Einbau einer Gaupe in Fürstenberg

Zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum ist im Dachgeschoss der Einbau einer Gaupe mit einer Breite von 5,00m vorgesehen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Ortschaftsrates, kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.

Beschlussvorschlag:
Dem Vorhaben wird zugestimmt.

Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.

31/2026 Denkmalschutzrechtliche Genehmigung – Errichtung einer PV-Anlage in Hüfingen


Die geplante Maßnahme dient der Nutzung erneuerbarer Energien in Kombination mit einer neuen Wärmepumpe.
Ziel der Maßnahme ist die nachhaltige Eigenstromerzeugung unter größtmöglicher Berücksichtigung des denkmalpflegerischen Erscheinungsbildes des Gebäudes sowie die harmonische Integration in die Umgebung der Altstadt.
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein nach § 2 DSchG geschütztes Kulturdenkmal als „zweigeschossiger Trauseitbau“. Ebenfalls liegt das Gebäude innerhalb des denkmalgeschützten Altstadt-Ensembles von Hüfingen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.

Beschlussvorschlag:
Dem Vorhaben wird vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes zugestimmt.

Der Gemeinderat hat mit einer Gegenstimme zugestimmt.

32/2026 denkmalschutzrechtliche Genehmigung – Einbau RWA -Dachfenster im Rathaus

Die Stadtverwaltung beantragt den Einbau eines RWA-Dachfensters im Rathaus. Das RWA-Dachfenster (Rauch- und Wärmeabzugsanlage) in den Abmessungen von 1,14m auf 1,18m wird im Bereich des hinteren Treppenhauses vorgesehen. Der Einbau des Rauch- und Wärmeabzugsfenster ist eine Forderung des Landratsamtes aus der Brandverhütungsschau nach dem Einbau der Bücherei ins Erdgeschoss. Das Dachfenster ist von der Straßenseite her kaum sichtbar.
Das Rathaus liegt innerhalb des denkmalgeschützten Altstadt-Ensembles von Hüfingen. Daher ist eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung erforderlich.
Vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.

Beschlussvorschlag:
Dem Vorhaben wird vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes zugestimmt.

Der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.

SPD beantragt Sonnensegel auf dem Spielplatz Hohen II.

Sitzung des Gemeinderates 18:30 Uhr

Öffentliche Sitzung des Gemeinderates

Änderung der Tagesordnung

Zu Beginn der Sitzung stellte Bürgermeister Patrick Haas einen interfraktionellen Antrag auf Absetzung von TOP 11 „Vergabe des Straßennamens für das Baugebiet ‚Im Stegle‘ in Hausen vor Wald“. Bevor über eine solche Ehrung durch die Benennung einer Straße entschieden werde, solle zunächst eine allgemeine Richtlinie für derartige Würdigungen erarbeitet werden.

Ingeborg Reitze (OV Hausen vor Wald) erinnerte daran, dass der Ortschaftsrat bereits am 27. Mai 2024 für die Benennung nach Rudolf Teichner gestimmt habe. Dieser habe in Hausen vor Wald große Spuren hinterlassen: Über 50 Jahre leitete er den Männergesangverein und engagierte sich sechs Jahrzehnte in der Blasmusik. Für sein langjähriges Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Diamantene Ehrennadel und das Bundesverdienstkreuz.

Markus Leichenauer (CDU) wollte zu diesem Zeitpunkt keine inhaltliche Debatte über die Straßenbenennung führen. Zunächst gehe es ausschließlich um die Frage, ob der Tagesordnungspunkt abgesetzt werde.

Mete Ünal (SPD) hatte sich im Vorfeld über Rudolf Teichner informiert und hielt die geplante Straßenbenennung für eine angemessene Würdigung. Dabei verwies er auch auf das Hüfinger Motto „Wir stehen auf Geschichte“.

Philip Wills (LBU) sah eine allgemeine Richtlinie kritisch, da sie zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursache.

Abstimmung: Mit 13 Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde TOP 11 von der Tagesordnung abgesetzt.

TOP 2 Bürgerfragestunde

Etwa 20 Bürgerinnen und Bürger sind da. Keiner stellt eine Frage.


TOP 3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen

Es gibt keine Bekanntgabe.


TOP 4 Schaffung einer Stelle für die kommunale Kinder- und Jugendarbeit sowie das Projekt „ZukunftsWerte“

Die Stadt Hüfingen verfolgt das Ziel, die offene Kinder- und Jugendarbeit nachhaltig weiterzuentwickeln und gleichzeitig Raum für innovative sozialräumliche Projekte zur Förderung junger Menschen zu schaffen bzw. zu etablieren.
Durch die Bündelung dieser beiden Ziele können nach Einschätzung der Verwaltung Synergien geschaffen, bestehende Angebote gestärkt und neue Zielgruppen erreicht werden.

1. Projekt „ZukunftsWerte“ in Kooperation mit Jackson Agbonkhese

Im Gespräch zwischen Bürgermeister Patrick Haas, Susanne Bucher und Jackson Agbonkhese wurde eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit skizziert. Ziel des Projekts ist die Förderung von Wertekompetenz, Resilienz, sozialem Lernen
und gesellschaftlicher Teilhabe von Kindern und Jugendlichen im Sozialraum Hüfingen.

Aufgabenbereiche:
Jackson Agbonkhese übernimmt die fachliche Leitung des Programms „ZukunftsWerte“ mit folgenden Schwerpunkten:
Konzeption, Steuerung und Umsetzung des Programms:

  • Entwicklung innovativer Bildungs- und Begegnungsformate
  • Durchführung von Gruppenangeboten und Workshops
  • Qualitätsentwicklung und Evaluation
  • Netzwerkarbeit und Kooperation mit lokalen Partnern
  • Weiterentwicklung des Projekts im Sozialraum

Zum Start der Kooperation werden zwei zentrale Projektpartner eingebunden:

Lucian-Reich-Schule Hüfingen:

  • Wertebildung
  • Resilienzförderung
  • Gruppenangebote
  • Soziales Lernen

Senioren:

  • Aufbau einer Generationenbrücke
  • Begegnungen zwischen jungen Menschen und Seniorinnen und Senioren
  • Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Die Kooperation erfolgt mit einem Umfang von 10 Wochenstunden sowie zusätzlich der entsprechenden Vorbereitungszeit. Jackson Agbonkhese ist bereits als Bildungspartner an Schulen (St. Georgen, Donaueschingen) etabliert. Die Rektorin der Lucian Reich Schule, Frau Schell, kennt die Arbeit von Jackson Agbonkhese, war sehr angetan von den daraus entstehenden Möglichkeiten und würde sich die Kooperation sehr wünschen.

Für einzelne Maßnahmen bestehen zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten über:
„Lernen mit Rückenwind“ oder über das „Startchancen-Programm“. Dadurch können zusätzliche Mittel eingeworben und kommunale Aufwendungen reduziert werden.

Jackson Agbonkhese wird dem Gremium sein Projekt persönlich vorstellen.

2. Konzeptionelle Ausrichtung der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit

Der zweite Stellenanteil dient der Weiterentwicklung und Sicherstellung einer bedarfsgerechten, lebensweltorientierten (offenen) Kinder- und Jugendarbeit in Hüfingen, wie in der Vergangenheit in Kooperation mit Mariahof etabliert.
Ziel ist es, jungen Menschen verlässliche Begegnungsräume, Beteiligungsmöglichkeiten und attraktive Freizeitangebote zu bieten sowie ihre persönliche und soziale Entwicklung zu fördern.

Offene Jugendarbeit und Jugendhausarbeit

Die offene Jugendarbeit bildet das Fundament der kommunalen Jugendförderung.

Schwerpunkte:

  • Offener Treff als niedrigschwelliges Angebot
  • Aufbau tragfähiger Beziehungen zu Jugendlichen
  • Unterstützung in Krisenlagen / Zusammenarbeit mit Jugendamt
  • Förderung sozialer Kompetenzen
  • Unterstützung bei persönlichen Fragestellungen
  • Freizeit-, Kreativ- und Bildungsangebote
  • Präventionsangebote (Medien, Gewalt, Sucht)
  • Integration und Teilhabe
  • Kooperation mit Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen

Das Jugendhaus fungiert als zentraler Begegnungsort für Jugendliche und bietet Raum für Eigeninitiative und Mitgestaltung.

Kinder- und Jugendbeteiligung

Die Beteiligung junger Menschen an kommunalen Prozessen stellt einen wichtigen Baustein demokratischer Bildung dar.

Aufgaben

  • Entwicklung geeigneter Beteiligungsformate
  • Durchführung von Jugendforen und Workshops
  • Beteiligung bei kommunalen Planungsprozessen
  • Unterstützung eigener Projekte junger Menschen
  • Förderung demokratischer Kompetenzen

Ziel ist der Aufbau einer nachhaltigen Beteiligungskultur in der Stadt Hüfingen.
Mit der Schaffung einer 50% Stelle werden die kommunale Kinder- und Jugendarbeit sowie die sozialräumliche Präventions- und Bildungsarbeit nachhaltig gestärkt. Die Verbindung von klassischer Jugendarbeit und dem innovativen Projekt „ZukunftsWerte“ schafft einen Mehrwert für Kinder, Jugendliche, Familien und das Gemeinwesen der Stadt Hüfingen und unterstützt die Ziele der Sozialraumorientierung nachhaltig. Zwischen beiden Bausteinen soll ein enger Austausch stattfinden, um Synergieeffekte zu erzielen.

Im Vergleich zur früheren Kooperation mit Mariahof entstehen keine zusätzlichen Kosten. Durch den Verzicht auf eine Vollzeitstelle sowie die Aufteilung der anfallenden Kosten auf zwei Projektbausteine bleibt der finanzielle Aufwand unverändert.
Die Verantwortung für die Gesamtsteuerung der beiden Bausteine liegt beim Sachgebiet Sozialraumplanung.

Meine Meinung:

Dieser Tagesordnungspunkt freut mich ganz besonders. Eine gute offene Kinder- und Jugendarbeit ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Gerade niedrigschwellige Angebote, verlässliche Ansprechpersonen und echte Beteiligungsmöglichkeiten sind wichtig, damit junge Menschen ihren Platz in der Gemeinschaft finden und mitgestalten können.

Auch das Projekt „ZukunftsWerte“ klingt vielversprechend. Wertebildung, Resilienz, soziales Lernen und der Aufbau einer Generationenbrücke zwischen Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren sind Themen, die in unserer Gesellschaft immer wichtiger werden. Wenn es gelingt, Schule, offene Jugendarbeit und den Sozialraum sinnvoll miteinander zu verbinden, kann daraus ein echter Mehrwert für Hüfingen entstehen.

Besonders erfreulich ist, dass nach Angaben der Verwaltung gegenüber der bisherigen Lösung keine zusätzlichen Kosten entstehen sollen und gleichzeitig Fördermöglichkeiten genutzt werden können. Ich bin gespannt auf die Vorstellung des Projekts und wünsche diesem Vorhaben viel Erfolg.

Bürgermeister Patrick Haas stellte das Vorhaben vor. Er und Susanne Bucher (Sozialraumplanung) seien von dem Konzept überzeugt. Mit der Neuaufstellung der Kinder- und Jugendarbeit wolle man einen Neustart wagen.

Jackson Agbonkhese stellte anschließend das Projekt „ZukunftsWerte“ vor. Im Mittelpunkt stehe die Frage, welche Kompetenzen Kinder für ihre Zukunft benötigen. Er wolle dabei ausdrücklich alle Kinder in Hüfingen erreichen – nicht nur diejenigen, die bereits in Vereinen aktiv sind oder bei denen Probleme bestehen. Eine zentrale Botschaft seiner Arbeit sei: „Schön, dass es dich gibt.“

Das Projekt sei kein Fußballprojekt, betonte Agbonkhese. Bewegung und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit spielten zwar eine wichtige Rolle, darüber hinaus gehe es jedoch um Werte, soziale Kompetenzen, Prävention und gesellschaftliche Teilhabe. Als vier Bereiche nannte er Bildung und Chancengleichheit, Jugendförderung und Prävention, Integration und Zusammenhalt sowie Standortattraktivität. Ähnliche Angebote habe er bereits in St. Georgen und Donaueschingen durchgeführt und dabei mehr als 200 Kinder erreicht.

In Hüfingen soll Agbonkhese 10,5 Stunden pro Woche tätig sein. Ein wichtiger Zugang sei die Schule, weil dort tatsächlich alle Kinder erreicht werden können. Gleichzeitig seien offene Angebote, die Zusammenarbeit mit Vereinen, Ferienprogramme und Angebote in den Ortsteilen vorgesehen. Die Strukturen seien bereits so weit vorbereitet, dass das Projekt im September starten könne. Sein Anspruch sei, Hüfingen nicht zum Nachahmer zu machen, sondern hier ein eigenes Modell zu entwickeln.

Sarina Bäurer (CDU) dankte für die Vorstellung und begrüßte das Konzept im Namen der CDU-Fraktion. Kinder bräuchten verlässliche Ansprechpartner. Besonders positiv bewertete sie die Verbindung klassischer Jugendarbeit mit Wertebildung und der Zusammenarbeit mit der Schule. Wichtig seien der CDU messbare Ergebnisse und Transparenz über die weitere Entwicklung.

Kerstin Skodell (SPD) bedankte sich ebenfalls und erkundigte sich nach dem Beschäftigungsstatus von Agbonkhese. Dieser erklärte, derzeit noch in der Pharmaindustrie angestellt zu sein und den Schritt in die Selbstständigkeit anzustreben. Für die SPD stehe insbesondere die offene Jugendarbeit im Fokus. Die Fraktion hoffe auf eine schnelle und erfolgreiche Umsetzung, wolle einzelne Fragen jedoch noch nichtöffentlich besprechen.

Michael Steinemann (Bürgerforum) begrüßte ausdrücklich die Abgrenzung zur Soccer-Akademie. Das bisherige Jugendreferat laufe aus seiner Sicht nicht zufriedenstellend. Seine Fraktion tendiere deshalb eher zu einer 100-Prozent-Stelle für die offene Jugendarbeit. Bei einer starken Verlagerung an die Lucian-Reich-Schule gab er außerdem zu bedenken, dass dort auch auswärtige Schülerinnen und Schüler erreicht würden.

Peter Albert (LBU) verwies auf Übergewicht und Bewegungsmangel in der Bevölkerung und begrüßte insofern den Bewegungsaspekt. Er fragte zugleich, welche Rolle die Hüfinger Kultur innerhalb der vermittelten Zukunftskompetenzen spielen solle, und empfand die bisherige Planung als zu kurzfristig. Bürgermeister Patrick Haas stellte klar, dass „ZukunftsWerte“ weit über Sport hinausgehe und gerade die Vermittlung von Werten umfasse.

Auf Nachfrage von Mete Ünal (SPD) nannte Agbonkhese unter anderem soziale Verbundenheit, Verantwortung und Fairness als zentrale Werte.

Markus Leichenauer (CDU) wollte die strukturelle Ausgestaltung genauer verstehen und fragte insbesondere nach der Rolle der Schule und danach, ob das Projekt auch unabhängig von ihr funktionieren könne. Agbonkhese erklärte, die Schule sei wichtig, weil dort alle Kinder erreicht würden. Das Projekt solle sich aber ausdrücklich nicht auf die Schule beschränken. Vereine, offene Angebote, Ferienprogramme und beispielsweise die Grundschule in Hausen vor Wald sollten ebenfalls einbezogen werden.

Petra Moog (CDU) hielt das Vorhaben für wichtig und verwies darauf, dass von außen oft gar nicht sichtbar sei, welche Herausforderungen es in den Klassen der Lucian-Reich-Schule gebe. Sie freue sich deshalb auf die künftigen Berichte über die Entwicklung des Projekts. Auch Kathrin Schwarz (CDU) betonte, dass die Ortsteile keineswegs von allen gesellschaftlichen Problemen verschont blieben. Sie sehe das Projekt als Chance und hoffe, dass daraus etwas Gutes für die Kinder und Jugendlichen entsteht.

Das alles wird später im nicht öffentlichen Teil weiter besprochen.

Die Ergebnisse des nicht öffentlichen Teils kann man hier nachlesen:

Ab Herbst startet die neue offene Jugendarbeit in Hüfingen


TOP 5 Projekt Gasthof Frank – aktueller Planungsstand

Der aktuelle Planungsentwurf der STEG Stadtentwicklung GmbH kann hier angeschaut werden:
https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

Der Entwurf wurde in enger Zusammenarbeit mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern des Gebäudes – darunter Ärztinnen und Ärzte, das FFA, die Sozialstation sowie weitere Beteiligte – entwickelt. Er stellt einen ersten konzeptionellen Vorschlag dar und dient als Grundlage für die weitere fachliche und öffentliche Diskussion.

Weiteres Vorgehen:

  • Im Rahmen der Klausurtagung des Gemeinderats am 18. und 19. September wird der Planungsentwurf ausführlich beraten, diskutiert und inhaltlich weiter konkretisiert.
  • Im Anschluss soll der Entwurf im Rahmen einer Informationsveranstaltung gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt, diskutiert und weiterentwickelt werden.

Ein zentraler Schwerpunkt des Beteiligungsprozesses wird die gemeinsame Erarbeitung eines tragfähigen Konzepts für altersgerechte Wohnformen sein. Ziel ist es, festzulegen, welche Wohn- und Betreuungsangebote künftig in dem Gebäude geschaffen werden sollen und wie diese bestmöglich auf die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer abgestimmt werden können. Als „Platzhalter“ wurden hier vorerst normale Wohnungen eingeplant. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Fortführung des Dialogs mit den Ärztinnen und Ärzten. Gemeinsam sollen die Planungen konkretisiert und die Voraussetzungen für eine langfristige Zusammenarbeit sowie eine gemeinsame Zukunftsperspektive geschaffen werden. Hier könnte ein wichtiger Meilenstein für die zukünftige ärztliche Versorgung der Stadt erreicht werden.

Meine Meinung:

Ich hoffe, dass bei diesem wichtigen Projekt nicht nur auf die Baukosten, sondern auch auf die langfristige Entwicklung der Stadt geachtet wird. Eine Tiefgarage wäre zwar zunächst mit höheren Investitionen verbunden, könnte aber durch vermietbare Stellplätze und eine spätere Parkraumbewirtschaftung einen Teil der Kosten wieder einspielen. Gleichzeitig würde sie dazu beitragen, wertvolle Freiflächen zu erhalten und den Parkdruck im Stadtzentrum zu reduzieren. Gerade an diesem zentralen Standort halte ich das für eine Überlegung wert.

Auch die Gestaltung der Außenanlagen bietet eine schöne Chance. Statt ausschließlich Zierpflanzen könnte ich mir klimaangepasste Bäume vorstellen, deren Früchte von den Bürgerinnen und Bürgern geerntet werden dürfen. Maulbeerbäume, Walnussbäume, Maroni, robuste Apfelsorten und Tafeltrauben würden nicht nur den Eingangsbereich aufwerten, sondern auch einen kleinen Beitrag zu Biodiversität und Lebensqualität leisten. Ergänzend könnten ein oder zwei Hochbeete entstehen, die gemeinsam gepflegt werden – vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit dem künftigen Jugendhaus. Solche Ideen kosten vergleichsweise wenig, können einem Ort aber eine ganz besondere Identität verleihen.

Mehrgenerationenhaus von Mönchweiler
Ganz zufällig steht ja so ein Haus schon in Mönchweiler
Zoom auf die Hochbeete
Die Hochbeete sehen schon mal nett aus, nur Bäume hätte ich gerne was anders und die Tafeltrauben nicht vergessen!

Herr Hofmann von der STEG stellte den aktuellen Planungsentwurf für das Projekt Gasthof Frank vor. Vorgesehen sind unter anderem Arztpraxen, altersgerechte Wohnformen und ein Multifunktionsraum. Die Planung solle dabei ausdrücklich nicht übergestülpt, sondern gemeinsam mit den künftigen Nutzern weiterentwickelt werden. Der Multifunktionsraum könnte im Dachgeschoss untergebracht werden; die dafür notwendige Gebäudehöhe sei städtebaulich grundsätzlich verträglich.

Für eine der Arztpraxen gebe es bereits detailliertere Vorstellungen. Bei einer weiteren möglichen Praxis seien noch Fragen offen; die interessierten jungen Ärztinnen befänden sich auch in Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Arztpraxen hätten bei der weiteren Planung Priorität.

Auch eine Bäckerei ist bislang vorgesehen. Hier gebe es jedoch noch Abstimmungsbedarf hinsichtlich der benötigten Fläche und der Gestaltung zur Donaueschinger Straße. Ebenso müssten die Stellplatzsituation und der Multifunktionsraum weiter geklärt werden. Die offenen Fragen sollen bei der Klausurtagung des Gemeinderats im September ausführlich beraten werden. Hofmann betonte, dass die Planung nicht übers Knie gebrochen werden müsse. Erst nach der weiteren Konkretisierung solle es in Richtung Investorenauswahl gehen.

Bürgermeister Patrick Haas hob insbesondere die Frage hervor, welche altersgerechten Wohnformen an diesem Standort geschaffen werden sollen.

Harald Weh (CDU) begrüßte den Entwurf. Ein Schwerpunkt müsse auf einem tragfähigen Konzept für altersgerechtes Wohnen liegen, zugleich solle der Dialog mit den Ärztinnen und Ärzten fortgeführt werden. Diskussionsbedarf sah er bei der vorgesehenen Bäckerei und stellte die Frage, ob diese tatsächlich benötigt werde. Außerdem regte er einen neuen Namen für das Projekt an: Der Gasthof Frank sei Geschichte, nun solle etwas Neues entstehen.

Kerstin Skodell (SPD) hatte zahlreiche Punkte für die weitere Beratung und begrüßte insbesondere, dass eine größere Gebäudehöhe möglich ist. Auch sie möchte den Schwerpunkt auf die Arztpraxen legen und freut sich auf die ausführliche Beratung bei der Klausurtagung.

Michael Steinemann (Bürgerforum) dankte Hofmann für die Vorstellung. Eine weitere Bäckerei brauche Hüfingen seiner Ansicht nach nicht; ebenso wenig sehe er Bedarf für einen weiteren Blumenladen oder Friseur. Bürgermeister Patrick Haas gab zu bedenken, dass gerade für ältere Menschen, die künftig dort wohnen könnten, eine Einkaufsmöglichkeit unmittelbar am Gebäude attraktiv sein könne.

Peter Albert (LBU) nahm die Planung wohlwollend zur Kenntnis. Für eine Bäckerei brachte er alternativ eine kleinere Pavillonlösung ins Gespräch.

Stephan Happle (Bürgerforum) fragte, welche künftigen Nutzer die weitere Planung bestimmen sollen und welchen Flächenbedarf diese jeweils hätten. Neben den Arztpraxen und einer möglichen Bäckerei sollen unter anderem die Sozialstation, das Fürstlich Fürstenbergische Altenpflegeheim (FFA) und die Nachbarschaftshilfe in die weitere Entwicklung einbezogen werden. Wie viel Fläche die einzelnen Nutzungen letztlich beanspruchen werden, steht derzeit noch nicht fest.

Beschlussvorschlag:
Der Gemeinderat nimmt den aktuellen Planungsentwurf für das Projekt „Gasthof Frank“ zur Kenntnis.


TOP 6 Ergebnispräsentation Ortsmitten Qualitätserfassung Hüfingen

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg und die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbh (NVBW) unterstützen Kommunen im Rahmen des Projektes „Lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten für Baden-Württemberg“ mit
verschiedenen Angeboten bei der Umgestaltung von Ortsmitten hin zu lebendigen und verkehrsberuhigten Orten der Begegnung.

Die Stadt Hüfingen hat an dem kostenfreien Angebot der „Ortsmitten Qualitätserfassung“ teilgenommen, welches
die Untersuchung von innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen in zentralen Bereichen beinhaltet.

Im Rahmen des Angebots wurde die Hüfinger Ortsmitte im zentralen Abschnitt der Hauptstraße untersucht (Erhebung im Juli 2025). Dabei wurden Stärken und Schwächen herausgearbeitet und 15 Maßnahmenempfehlungen formuliert, wie der Untersuchungsraum unter Aspekten wie Verkehrssicherheit, Fuß- und Radverkehrsfreundlichkeit, Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit verbessert werden könnte.

Die Maßnahmenvorschläge sollen mit Ideen für schnelle bis langfristige Maßnahmen eine erste Diskussionsgrundlage darstellen, auf deren Basis die Weiterentwicklung der Ortsmitte gestartet werden kann.
Die Ergebnisse der Qualitätserfassung (Bewertung und ausgewählte Handlungsimpulse) werden durch das von der NVBW mit der Untersuchung beauftragte Fachbüro Planersocietät (Karlsruhe) vorgestellt.

ENTWURF Hüfingen Ergebnisdossier Qualitätserfassung
Hüfingen Folien Ergebnispräsentation Ortsmitten Qualitätserfasung 260730

Tim Wiesler von der Planersocietät stellte die Ergebnisse der Ortsmitten-Qualitätserfassung vor. Untersucht wurde der Bereich der Hüfinger Hauptstraße zwischen Ochsengasse und Bahnhofstraße. Dabei gehe es ausdrücklich noch nicht um eine konkrete Planung, sondern um eine Bestandsaufnahme und mögliche Handlungsimpulse für die weitere Entwicklung.

Grundsätzlich bescheinigte Wiesler der Hüfinger Ortsmitte eine gute Ausgangslage. Probleme bestünden jedoch unter anderem durch die hohe Verkehrsbelastung von rund 11.000 Fahrzeugen täglich, teilweise zu schmale Gehwege, Defizite bei der Barrierefreiheit und die Radverkehrsführung. Insbesondere im Bereich des Stadttors sei die derzeitige Führung für Radfahrer unübersichtlich und konfliktträchtig.

Als mögliche kurzfristige Maßnahmen nannte Wiesler zusätzliche Sitzgelegenheiten und den barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen. Langfristig könnten Seitenräume erweitert und der Bereich vor dem Rathaus so umgestaltet werden, dass neben dem Autoverkehr mehr Raum für andere Nutzungen entsteht – beispielsweise für Bäume, Aufenthalt oder den Markt. Für verschiedene Maßnahmen gebe es Fördermöglichkeiten des Landes.

Petra Moog (CDU) sah in der Untersuchung eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung. Besonders interessant fand sie die Radverkehrsführung, die sie selbst täglich mit dem Fahrrad erlebe und bei der viel Aufmerksamkeit erforderlich sei. Gleichzeitig habe Tempo 30 die Situation aus ihrer Sicht bereits spürbar sicherer gemacht. Wichtig seien außerdem Barrierefreiheit und eine Ortsmitte, von der alle Generationen profitieren. Bemerkenswert fand sie, dass auch Jugendliche bei einer Beteiligung zusätzliche Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten angesprochen hätten.

Mete Ünal (SPD) stellte einen Zusammenhang zu einem Termin vor zwei Wochen mit dem Inklusionsbeauftragten Lars Hauser her. Auch beim Thema Barrierefreiheit sei in der Ortsmitte bereits einiges geschehen. Dafür dankte er der Verwaltung.

Michael Steinemann (Bürgerforum) verwies auf die Veränderungen der vergangenen Jahre, darunter die Einführung von Tempo 30. Er äußerte sich kritisch zu einer möglichen weiteren Einschränkung des Autoverkehrs und fragte zugespitzt, ob die Hauptstraße künftig autofrei werden solle.

Mete Ünal (SPD) widersprach dieser Argumentation. Die Diskussion um Tempo 30 sei längst abgeschlossen; aus seiner Sicht müsse sie nicht erneut geführt werden.

Peter Albert (LBU) fragte, wie der untersuchte Bereich der „Ortsmitte“ festgelegt worden sei. Aus seiner Sicht sollte dieser größer gefasst werden, da ansonsten die Gefahr bestehe, dass relevante tatsächliche Gegebenheiten außerhalb des Untersuchungsbereichs nicht berücksichtigt würden. Auch die Sicherheit des Radverkehrs sprach er an.

Beschlussvorschlag:
Kenntnisnahme der Ergebnispräsentation.


TOP 7 Vorstellung der Trinkwasserversorgung

In der Gemeinderatssitzung vom 02.07.2026 hat der Gemeinderat um einen Bericht über die Nitratwerte im Trinkwasser gebeten. Wassermeister Mario Metzger stellt in der Sitzung die Struktur der Trinkwasserversorgung und die Eckdaten
hierzu dar.

Die Zahlen von der Beprobung 2025 mit Nitrat, Chlorthalonil, Diemethanchlor, TFA Trifluroessigsäure und DMS NN-Dimethylsulfamid

Karte mit der Ringleitung und den Schächten eingezeichnet
die Wasserversorgung von Hüfingen mit der Ringleitung und Wasserturm

Zum Thema Trinkwasser habe ich auf Hieronymus-online bereits mehrfach berichtet. Wer sich näher informieren möchte, findet hier unter anderem Beiträge zu unseren Wasserschutzgebieten, dem Grundwasserschaden, dem ehemaligen Säge- und Imprägnierwerk sowie zur Hüfinger Trinkwasser-Reise.

Ich freue mich, dass Wassermeister Mario Metzger (Leiter Wasserwerk) dem Gemeinderat die Struktur unserer Trinkwasserversorgung erläutert. Gerade bei einem so wichtigen Thema sind transparente Informationen und nachvollziehbare Erklärungen besonders wertvoll.

Persönlich bin ich außerdem dankbar, dass unser Trinkwasser bislang nicht vorsorglich chloriert wird. Nach meiner Einschätzung sollte eine prophylaktische Chlorierung nur dann erfolgen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich notwendig ist. Zu diesem Thema gibt es inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die mögliche Risiken einer dauerhaften Chlorierung diskutieren. Ich hoffe deshalb, dass Hüfingen auch künftig auf die hohe Qualität seines natürlichen Trinkwassers setzen kann.

Mario Metzger (Leiter Wasserwerk) stellte die Struktur der Hüfinger Trinkwasserversorgung vor und erläuterte anhand einer Karte unter anderem die Ringleitung. Der Grundwasserstand an den Tiefbrunnen liege derzeit zwischen sechs und acht Metern. Aktuell gebe es in Hüfingen keine Probleme mit der verfügbaren Wassermenge.

Ausführlicher ging Metzger auf die Nitratwerte ein. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter, der aktuelle Wert des Hüfinger Mischwassers bei 25,5 Milligramm pro Liter. Die Werte schwanken im Jahresverlauf. Auch die untersuchten Fungizid- und Herbizidwerte seien gering.

Markus Leichenauer (CDU) dankte für die Vorstellung und erinnerte an den Rundgang im vergangenen Jahr. Hüfingen verfüge über eine gute Wasserversorgung und könne sein Trinkwasser bedenkenlos aus dem Wasserhahn trinken.

Reinhard Isak (SPD) freute sich gerade angesichts der derzeitigen Hitze darüber, dass Hüfingen ausreichend und gutes Trinkwasser zur Verfügung habe. Dies sei auch das Ergebnis erheblicher Investitionen der vergangenen Jahre, die fortgesetzt werden müssten. Den aktuellen Nitratwert bewertete er als gut, wies aber darauf hin, dass die längerfristige Entwicklung beobachtet werden müsse. Sollte sich ein Anstieg abzeichnen, müsse nach den Ursachen gesucht und rechtzeitig gegengesteuert werden. Metzger bot dem Gemeinderat hierzu auch einen Rundgang durch die Wasserversorgung an.

Martin Bausch (Bürgerforum), selbst Wassermeister in Bräunlingen, lobte die Arbeit von Mario Metzger (Leiter Wasserwerk) und die Hüfinger Wasserversorgung.

Peter Albert (LBU) hielt die Nitratbelastung dagegen für zu hoch und verwies zum Vergleich auf niedrigere Werte in Donaueschingen. Er fragte außerdem nach einer Ertüchtigung des Übergabepunkts nach Donaueschingen, damit im Bedarfsfall Wasser zwischen den Versorgungsnetzen ausgetauscht werden könne, sowie nach den damit verbundenen Kosten. Darüber hinaus brachte er eine stärkere Zusammenarbeit beziehungsweise Zusammenlegung der Wasserversorgung mit Nachbarkommunen wie Bad Dürrheim ins Gespräch.

Thilo Mayer (Bauamtsleiter) erklärte, dass eine Verbindung innerhalb des Städtedreiecks bereits bestehe und im Bedarfsfall innerhalb von sieben Tagen aktiviert werden könne. Ein Schieber müsse perspektivisch erneuert werden, funktioniere derzeit aber noch. Eine Verbindung mit Bad Dürrheim sei aufgrund der Entfernung und der dortigen Wasserhärte wenig sinnvoll. Eher komme eine Zusammenarbeit mit Blumberg infrage, mit dem bereits Gespräche geführt würden.

Philip Wills (LBU) wollte wissen, ob der Sonnenbrunnen mit Trinkwasser gespeist werde. Mayer erklärte daraufhin, dass kein Hüfinger Brunnen an das Trinkwassernetz angeschlossen ist. Auch auf dem Friedhof werde kein Trinkwasser verwendet. Die Brunnen würden aus anderen, älteren Wasserfassungen gespeist.

Stephan Happle (Bürgerforum) fragte nach der langfristigen Entwicklung des Grundwasserspiegels. Metzger erklärte, dieser werde monatlich gemessen. In den vergangenen zehn Jahren habe es keine größeren Ausreißer gegeben; die Schwankungen hätten sich in einem Bereich von etwa 1,5 Metern bewegt.


TOP 8 Feststellung des Jahresabschlusses der Stadt Hüfingen 2025

Das ordentliche Ergebnis für das Haushaltsjahr 2025 schloss mit einem Überschuss in Höhe von rund 1,379 Mio. € ab und erhöhte sich gegenüber dem Jahr 2024 um 0,735 Mio. € (Übeschuss 2024: 0,644 Mio. €).

Die Nettoabschreibungen (= Abschreibungen 4,815 Mio. € abzüglich Ertragszuschüsse 2,229 Mio. €) in Höhe von rd. 2,6 Mio. € wurden im Jahr 2025 erwirtschaftet. Das Sonderergebnis für das Haushaltsjahr 2025 schloss mit einem Überschuss in Höhe von rund 198 T € ab. Das Gesamtergebnis für das Haushaltsjahr 2025 schloss mit einem Überschuss in Höhe von rund 1,577 Mio. € ab. Damit konnten die Vorgaben des neuen Haushaltsrechts an den Haushaltsausgleich – Erwirtschaftung der Abschreibungen erreicht werden.

Meine Meinung:

Über diesen Jahresabschluss freue ich mich. Wer Hieronymus-online schon länger liest, weiß, dass ich als Stadträtin den Haushalten der Jahre 2021, 2022 und 2023 nicht zugestimmt habe. Damals hatte ich den Eindruck, dass die finanzielle Entwicklung der Stadt in die falsche Richtung ging. Leider wurde darüber damals teilweise unzutreffend berichtet.

Umso mehr freue ich mich, dass der Jahresabschluss 2025 zeigt, dass sich die finanzielle Situation positiv entwickelt. Besonders wichtig finde ich, dass die notwendigen Abschreibungen erwirtschaftet werden konnten und damit die Vorgaben des neuen kommunalen Haushaltsrechts erfüllt sind. Mein Eindruck ist, dass unter Bürgermeister Patrick Haas und dem heutigen Gemeinderat wieder eine solide finanzielle Richtung eingeschlagen wurde. Ich hoffe, dass dieser Weg auch in den kommenden Jahren konsequent fortgesetzt wird.

Ein guter Jahresabschluss ist kein Selbstzweck. Er schafft den finanziellen Spielraum, damit eine Stadt in ihre Zukunft investieren kann.

Beschlussvorschlag:
Auf Grund von § 95 b der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg (GemO) wird der Jahresabschluss der Stadt Hüfingen für das Rechnungsjahr 2025 entsprechend der Anlage Feststellungsbeschluss festgestellt.

Michael Binninger (Kämmerer) stellte den Jahresabschluss 2025 ausführlich vor. Das ordentliche Ergebnis schließt mit einem Überschuss von rund 1,379 Mio. Euro ab, das Gesamtergebnis mit rund 1,577 Mio. Euro. Damit wurde das geplante Ergebnis deutlich übertroffen. Binninger bezeichnete Hüfingen angesichts der finanziellen Entwicklung als krisenresistent. Zugleich verwies er darauf, dass nicht alle vorgesehenen Investitionen bereits umgesetzt und entsprechende Mittel daher noch nicht abgeflossen seien. Auch die vom Gemeinderat selbst gesetzte „eiserne Rücklage“ werde derzeit um rund 3,3 Mio. Euro unterschritten.

Für die kommenden Monate erwartet Binninger weitere Herausforderungen. Insbesondere die steigende Kreisumlage werde den Haushalt belasten.

Markus Leichenauer (CDU) freute sich über das deutlich bessere Ergebnis. Positiv hätten sich insbesondere Gewerbe- und Einkommensteuer entwickelt. Dass Hüfingen ohne neue Schulden auskomme und gleichzeitig finanzielle Mittel für notwendige Investitionen etwa in Feuerwehr, Kindergärten und Breitbandausbau zur Verfügung stünden, sei ein Erfolg. Allerdings seien zahlreiche Investitionen noch nicht umgesetzt und insbesondere die laufenden Kosten der Kindertagesstätten müssten im Blick behalten werden. Für die CDU seien Haushaltsdisziplin und Investitionen in die Zukunft kein Widerspruch. Er dankte der Verwaltung für die Arbeit und kündigte die Zustimmung seiner Fraktion an.

Kerstin Skodell (SPD) sah sich durch den Abschluss in ihrer Einschätzung der vergangenen Jahre bestätigt, dass die finanzielle Situation der Stadt besser sei als teilweise prognostiziert. Hüfingen stehe auf einem soliden Fundament, das Ergebnis einer vorausschauenden Finanzpolitik sei. Auch sie verwies auf die hohen Kosten der Kindertagesstätten, betonte jedoch, dass dies Investitionen in die Zukunft seien und sie nicht bei den Kindern sparen wolle. Die weitere finanzielle Entwicklung müsse aufmerksam begleitet werden. Sie sprach sich gegen eine Politik der Angst und für den Mut aus, weiterhin in die Zukunft zu investieren – mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein.

Michael Steinemann (Bürgerforum) begrüßte ebenfalls die erfreulichen Zahlen und dankte Michael Binninger (Kämmerer). Kritisch äußerte er sich zur Entwicklung von Grundsteuer und Kreisumlage.

Peter Albert (LBU) schloss sich der positiven Bewertung des Jahresabschlusses an und bezeichnete das Ergebnis als erfreulich. Er verwies zugleich auf die Schwankungen bei der Gewerbesteuer und dankte für die Darstellung.

Der Jahresabschluss 2025 wurde vom Gemeinderat einstimmig festgestellt.


TOP 9 Gemeinsame Forstwirteausbildung im Städteviereck

In der Gemeinderatssitzung am 24. Juli 2025 unter TOP12 wurde dem Gemeinderat die Überlegung zu einer gemeinsamen Forstwirtausbildung im Städteviereck (Hüfingen, Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg) vorgestellt.

Angedacht ist, dass für die Ausbildung eine neue Sparte bzw. ein neuer Unterabschnitt beim Zweckverband Volkshochschule (VHS) geschaffen wird, da diesem Zweckverband bereits alle vier beteiligten Städte angehören. Ziel des Projekts ist es, dem zunehmenden Fachkräftemangel im Forstbereich durch eine
gemeinsame Ausbildungsoffensive entgegenzuwirken und langfristig dringend benötigte Fachkräfte für die kommunalen Forstbetriebe zu gewinnen.
Der Gemeinderat fasste am 24. Juli 2025 den Beschluss, dass die Absicht, eine gemeinsame Ausbildung von Forstwirten im Städteviereck aufzubauen, befürwortet wird. Die Verwaltung wurde beauftragt, in die weitere Detailabstimmung einzusteigen
und den Gemeinderat wieder zu informieren. In den drei weiteren beteiligten Kommunen (Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg) wurden gleichlautende Beschlüsse gefasst.

Im Rahmen der weiteren Projektentwicklung fanden zahlreiche Abstimmungsgespräche zwischen den beteiligten Kommunen sowie mit den zuständigen Fachstellen statt. Bei einem Vor-Ort-Termin bei den Technischen Diensten der Stadt Donaueschingen (TDDS), welche als Ausbildungsstützpunkt vorgesehen sind, wurden gemeinsam mit dem Forstlichen Ausbildungszentrum (FAZ) Mattenhof die Anforderungen an eine anerkannte Ausbildungsstätte geprüft.

Hierbei wurde deutlich, dass aufgrund der gesetzlichen und fachlichen Anforderungen zusätzliche Investitionen erforderlich sind. Die einmaligen Investitionskosten wurden daraufhin von ursprünglich rund 100.000 Euro auf voraussichtlich rund 150.000 Euro angepasst. Bei einer Verteilung auf vier Kommunen ergibt sich ein einmaliger Anteil von rund 37.500 Euro je Stadt.
Die jährlichen Kosten wurden für eine Ausbildung mit vier Auszubildenden von ursprünglich rund 120.000 Euro auf rund 163.000 Euro angepasst. Der Anteil der Stadt Hüfingen würde sich hierbei auf rund 40.750 Euro jährlich belaufen. Es wurde
darauf hingewiesen, dass es sich weiterhin um Schätzwerte handelt und in den ersten Ausbildungsjahren aufgrund einer voraussichtlich nicht vollständigen Auslastung mit geringeren Kosten zu rechnen ist.

Aufgrund der Kostenentwicklung wurde der Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung am 2. Juli 2026 auf Antrag der CDU-Fraktion vertagt. Die Verwaltung wurde beauftragt, die offenen Fragen mit den beteiligten Kommunen zu klären und mögliche Optimierungen beziehungsweise Alternativen zu prüfen.
Die nachfolgenden Punkte wurden zwischenzeitlich mit der Stadt Donaueschingen als vorgesehenem Ausbildungsstandort abgestimmt:

  1. Möglichkeiten zur Reduzierung der Investitions- und laufenden Kosten
    Mit der Stadt Donaueschingen wurde nochmals geprüft, ob Einsparpotenziale bei den einmaligen Investitionskosten oder den laufenden Betriebskosten bestehen.
    Nach Auskunft der Projektbeteiligten beruhen die vorliegenden Kostenansätze auf den Anforderungen des Forstlichen Ausbildungszentrums Mattenhof sowie den gesetzlichen Vorgaben an einen anerkannten Ausbildungsbetrieb. Die vorgesehenen Investitionen sind erforderlich, um die Anerkennung als Ausbildungsstätte zu erhalten. Wesentliche Einsparpotenziale bestehen daher nach derzeitiger Einschätzung nicht, ohne die Anerkennungsfähigkeit oder die Qualität der Ausbildung zu beeinträchtigen.
    Die vorhandene Infrastruktur der Technischen Dienste Donaueschingen wird bereits weitgehend genutzt. Vergleichbare oder weitergehende infrastrukturelle Voraussetzungen bestehen bei den übrigen beteiligten Kommunen nicht.
    Die Anzahl der Ausbildungsplätze kann im Rahmen des Bewerbungsverfahrens an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Die derzeitigen Kosten wurden bewusst realistisch kalkuliert, weitere Anforderungen im laufenden Genehmigungsverfahren können derzeit nicht ausgeschlossen werden.
  2. Überprüfung des Finanzierungsschlüssels
    Aus dem Gemeinderat wurde insbesondere der bisher vorgesehene Finanzierungsschlüssel einer gleichmäßigen Verteilung der Kosten auf alle vier beteiligten Kommunen hinterfragt.

    Dabei wurden alternative Modelle angesprochen:
    – Kostenverteilung nach späterem Beschäftigungsort des ausgebildeten Forstwirts,
    – Kostenverteilung nach Waldfläche,
    – Kostenverteilung nach Einwohnerzahl.

    Die vier beteiligten Kommunen haben sich nach intensiver Beratung bereits frühzeitig auf das Modell einer gleichberechtigten Partnerschaft verständigt. Hintergrund hierfür war, dass alle vier Kommunen gleichermaßen einen
    Bedarf an qualifizierten Forstwirten haben und die Ausbildung nicht ausschließlich einem einzelnen späteren Arbeitsplatz dient.
    Eine Verteilung nach dem späteren Beschäftigungsort erscheint zudem schwierig, da heute nicht vorhersehbar ist, welche Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss tatsächlich bei welcher Kommune tätig werden. Die Entscheidung über den späteren Arbeitsplatz liegt letztlich auch bei den ausgebildeten Fachkräften selbst. Zudem besteht immer das Risiko, dass Ausbildungen abgebrochen werden oder Absolventen nach der Ausbildung außerhalb der beteiligten Kommunen tätig werden.
    Auch eine Verteilung nach Waldfläche oder Einwohnerzahl würde den Grundgedanken der gemeinsamen Ausbildung nicht vollständig abbilden. Die Motivation für das Projekt liegt nicht in der Größe des jeweiligen Forstbetriebes oder der Einwohnerzahl, sondern im gemeinsamen Bedarf aller vier Kommunen an qualifiziertem Personal.
    Eine Änderung des Finanzierungsschlüssels würde zudem eine erneute grundsätzliche Beratung und Beschlussfassung in allen vier Gemeinderäten erforderlich machen
  3. Trägerschaft
    Weiter wurde hinterfragt, ob die Ausbildung alternativ durch eine einzelne Kommune, beispielsweise die Stadt Donaueschingen als Standortkommune, getragen werden könnte. Dieses Modell wurde geprüft. Eine alleinige Trägerschaft durch eine Kommune würde allerdings dazu führen, dass die Auszubildenden rechtlich und organisatorisch dieser Kommune zugeordnet wären. Dies hätte Auswirkungen auf den Einsatzbereich der Auszubildenden und würde die
    gleichberechtigte Zusammenarbeit der vier Städte einschränken.
    Die vorgesehene Lösung über den Zweckverband Volkshochschule bietet hingegen den Vorteil, dass alle vier Kommunen bereits Mitglied dieses Verbandes sind und keine zusätzliche Trägerstruktur geschaffen werden muss.
    Die Ausbildung würde hierbei eine eigenständige Sparte bzw. einen neuen Aufgabenbereich des Zweckverbandes darstellen. Eine besondere fachliche Zuständigkeit der Volkshochschule für die Forstausbildung ist hierfür nicht erforderlich, da die Steuerung über die zuständigen kommunalen Gremien erfolgt.
    Die Gründung einer neuen Trägerschaft würde zusätzlichen Verwaltungsaufwand und voraussichtlich weitere Kosten verursachen.

    Die Stellungnahme der Stadt Donaueschingen kann man hier nachlesen:
    https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

    Die Verwaltung empfiehlt weiterhin an der Umsetzung der Forstwirtausbildung festzuhalten. Der Fachkräftemangel im Forstbereich betrifft alle beteiligten Kommunen. Durch die gemeinsame Ausbildung besteht die Möglichkeit, frühzeitig eigene Nachwuchskräfte auszubilden und langfristig an die kommunalen Forstbetriebe zu binden. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass durch den Einsatz eigener ausgebildeter Forstwirte auch Einsparungen bei bislang erforderlichen Fremdleistungen erzielt werden können. Die weitere Umsetzung setzt voraus, dass alle vier beteiligten Kommunen das Projekt weiterhin unterstützen. Nach einer positiven Beschlussfassung könnten die erforderlichen weiteren Schritte über den Zweckverband Volkshochschule vorbereitet werden.

Meine Meinung:

Ich begrüße ausdrücklich, dass die Verwaltung die offenen Fragen aus der letzten Gemeinderatssitzung ausführlich beantwortet und die Stellungnahme veröffentlicht hat. Das schafft Transparenz und ermöglicht eine fundierte Entscheidung.

Die gemeinsame Forstwirtausbildung halte ich weiterhin für ein sinnvolles Zukunftsprojekt. Kritisch sehe ich jedoch nach wie vor den vorgesehenen Finanzierungsschlüssel. Eine gleichmäßige Verteilung der Kosten erscheint mir angesichts der sehr unterschiedlichen Größen der beteiligten Städte nicht gerecht. Donaueschingen hat rund 22.000 Einwohner, Hüfingen etwa 8.000, Blumberg knapp 10.000 und Bräunlingen rund 5.700. Dass alle vier Kommunen unabhängig von ihrer Größe den gleichen Kostenanteil tragen sollen, überzeugt mich deshalb nicht.

Auch bei der Trägerschaft bleiben für mich Fragen offen. Bereits in der letzten Beratung wurde angeregt zu prüfen, ob statt des Zweckverbands Volkshochschule Baar auch eine andere interkommunale Organisationsform – etwa der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) – geeignet sein könnte. Die Verwaltung hält jedoch weiterhin an der Lösung über den Zweckverband Volkshochschule fest. Die vorgelegte Begründung ist nachvollziehbar, überzeugt mich persönlich aber nicht. Gerade weil hier ein neuer technischer Ausbildungsbereich aufgebaut werden soll, hätte ich mir eine ergebnisoffene Prüfung alternativer Trägermodelle gewünscht.

Unabhängig davon freue ich mich, dass die Diskussion diesmal auf einer deutlich transparenteren Grundlage geführt werden kann. Umso gespannter bin ich auf die erneute Beratung im Gemeinderat.

Beschlussvorschlag:

  1. Der Gemeinderat nimmt die Beantwortung der im Rahmen der Vertagung vom 2. Juli 2026 aufgeworfenen Fragen zur Kenntnis.
  2. Der Gemeinderat befürwortet weiterhin die Umsetzung einer gemeinsamen Forstwirtausbildung im Städteviereck mit den Städten Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg.
  3. Der Gemeinderat stimmt dem bisherigen Konzept mit einer gemeinsamen Trägerschaft über den Zweckverband Volkshochschule sowie der gleichmäßigen Kostenverteilung auf die vier beteiligten Kommunen weiterhin zu.
  4. Die Zustimmung der Stadt Hüfingen steht unter dem Vorbehalt, dass auch die übrigen drei beteiligten Kommunen der Fortführung des Projektes zustimmen.
  5. Im Haushalt 2027 werden die erforderlichen Mittel eingestellt

Bürgermeister Patrick Haas erläuterte zunächst eine wesentliche neue Entwicklung: Der Gemeinderat in Blumberg habe dem gemeinsamen Projekt am vergangenen Donnerstag nicht zugestimmt. Damit sei eine der Voraussetzungen des bisherigen Konzepts – die Beteiligung aller vier Städte – derzeit nicht erfüllt. Die zwischenzeitlich diskutierte Trägerschaft über den Gemeindeverwaltungsverband (GVV) komme zudem nicht infrage, da Blumberg diesem nicht angehöre. Dennoch wollte Haas, dass Hüfingen eine eigene Entscheidung trifft.

Markus Leichenauer (CDU) erinnerte daran, dass die CDU die Vorlage in der vergangenen Sitzung nicht vertagen ließ, weil sie gegen die gemeinsame Forstwirtausbildung sei. Anlass seien insbesondere die Kostenentwicklung und offene organisatorische Fragen gewesen. Auch die inzwischen vorliegenden Antworten seien für ihn nicht in allen Punkten zufriedenstellend. Dennoch brauche man gut ausgebildete Forstwirte, und eine gemeinsame Ausbildung im Städteviereck biete dafür große Chancen. Entscheidend sei für ihn die interkommunale Zusammenarbeit. Wenn Hüfingen nun zustimme, liege der Ball bei Blumberg.

Kerstin Skodell (SPD) stellte das Konzept grundsätzlich ebenfalls nicht infrage. Die SPD werde zustimmen, gerade weil sie die interkommunale Zusammenarbeit für wichtig halte. Es wäre bedauerlich, wenn das Projekt nun scheitern würde.

Michael Steinemann (Bürgerforum) blieb dagegen skeptisch. Die Antworten aus Donaueschingen auf die in Hüfingen aufgeworfenen Fragen bezeichnete er als dürftig, auch die vorgesehene Trägerschaft halte seine Fraktion weiterhin nicht für optimal. Nachdem Blumberg das Projekt bereits abgelehnt habe, werde das Bürgerforum dem Vorhaben nicht zustimmen.

Philip Wills (LBU) setzte einen anderen Schwerpunkt. Für ihn stehe die Zusammenarbeit der Kommunen über den einzelnen Bedenken. Diese müsse gepflegt und weiter ausgebaut werden. Er stellte deshalb die Frage, ob Hüfingen seine eigene Entscheidung von der ablehnenden Haltung Blumbergs abhängig machen solle.

Bürgermeister Patrick Haas schlug ergänzend vor, dass bei weiteren Kostensteigerungen erneut der Gemeinderat mit der Angelegenheit befasst werden müsse.

Der Beschluss wurde mit 14 Ja-Stimmen, drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen angenommen.

Damit hat Hüfingen grundsätzlich weiterhin Interesse an der gemeinsamen Forstwirtausbildung signalisiert – ob das bisher geplante Vier-Städte-Modell tatsächlich zustande kommt, ist nach der Ablehnung in Blumberg allerdings offen.


TOP 10 FFW Hüfingen – Umstellung des Einsatzstellenfunks auf Digitalfunk; Beschaffung von 54 Handsprechfunkgeräten

Im Haushalt 2026 wurden 86.000 € für die Umstellung des Einsatzstellenfunks von analog auf digital veranschlagt. Konkret geht es um die Beschaffung von 54 Handsprechfunkgeräten.
Der Stadt Hüfingen liegt ein Angebot für die entsprechende Leistung einer Firma vor, welches sich auf insgesamt 73.378,08 € beläuft. Hiervon abgezogen werden kann der ZFeu-Zuschuss in Höhe von 13.500,00 € (Zuwendungsbescheid ging am 06.07.2026 bei der Stadt Hüfingen ein).

Abzüglich des Zuschusses betragen die Kosten demnach: 59.878,08 €.

Beschlussvorschlag:
Der Gemeinderat beschließt, den Auftrag zur Beschaffung von 54 Handsprechfunkgeräten für die Umstellung des Einsatzstellenfunks auf Digitalfunk zum Angebotspreis von 73.378,08 Euro zu vergeben.

Daniel Bucher (CDU) begrüßte die Anschaffung der neuen digitalen Handsprechfunkgeräte. Auch Mete Ünal (SPD) unterstützte die Investition und nutzte die Gelegenheit, die Arbeit der Hüfinger Feuerwehr ausdrücklich zu würdigen.

Michael Steinemann (Bürgerforum) sah das Geld ebenfalls gut investiert. Peter Albert (LBU) kündigte die Zustimmung an.

Dem wird einstimmig zugestimmt.


TOP 11 Vergabe des Straßennamens für das Baugebiet „Im Stegle“ in Hausen vor Wald

Der Ortschaftsrat von Hausen vor Wald hat am 27. Mai 2024 über die Festlegung des Straßennamens im Baugebiet „Im Stegle“ beraten. Der Ortschaftsrat hat den Straßennamen „Rudi-Teichner-Straße“ mehrheitlich beschlossen.

Zur Information: Mit der geplanten Straßenbenennung soll das langjährige Wirken von Rudi Teichner gewürdigt werden. Über mehr als fünf Jahrzehnte leitete er den Männergesangverein und die Musikkapelle Hausen vor Wald und prägte damit das kulturelle Leben des Ortsteils maßgeblich. Er verstarb 2023 im Alter von 83 Jahren.

Beschlussvorschlag:
Der Gemeinderat beschließt den Straßennamen „Rudi-Teichner-Straße.

Entfällt!


TOP 12 Vergabe Erweiterung Fuhrpark des städtischen Bauhofs

Für den städtischen Bauhof soll ein neues Transportfahrzeug angeschafft werden. Mit diesem Fahrzeug können in Zukunft Materialen, Maschinen und Geräte für die Instandhaltung der städtischen Einrichtungen und Anlagen sicher und trocken
transportiert werden, wo dies z. B. mit dem LKW nicht sinnvoll oder möglich ist. Es wurden folgende Angebote bei zwei Händlern für ein größeres Transportfahrzeug eingeholt.

Im Haushaltsplan 2026 sind 30.000 € eingestellt worden.

Ich hätte mir gewünscht, dass auch die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs geprüft wird. Gerade Kommunen können bei der Umstellung auf klimafreundliche Mobilität eine Vorbildfunktion übernehmen. Mich würde daher interessieren, welche Gründe gegen ein E-Fahrzeug gesprochen haben. Schließlich stehen beim Hüfinger Autohaus derzeit einige sehr attraktive E-Modelle – eines davon hätte ich mir durchaus auch gut im Fuhrpark des Bauhofs vorstellen können.

Beschlussvorschlag:
Ein Autohaus aus Hüfingen wird mit der Beschaffung des angebotenen Transportfahrzeugs für 28.150,00 € beauftragt.

Thilo Mayer (Bauamtsleiter) erläuterte die Notwendigkeit des neuen Transportfahrzeugs. Der Bauhof sei täglich im Stadtgebiet unterwegs und benötige für viele Aufgaben ein Fahrzeug, bei dem der Einsatz eines Lkw unverhältnismäßig wäre. Als Beispiele nannte er den Transport von Stühlen, Tischen und Bänken oder kleinere Abholungen in der Umgebung.

Auch die Frage nach einem Elektrofahrzeug beantwortete Mayer: Ein vergleichbares E-Fahrzeug wäre etwa doppelt so teuer gewesen. Eine günstigere Alternative sei bereits sechs Jahre alt gewesen und daher für die Neuanschaffung nicht infrage gekommen.

Daniel Bucher (CDU) fragte nach einem bereits vorhandenen Bus. Dieser sei jedoch dem Wasserwerk beziehungsweise dem Abwasserbereich zugeordnet und könne nicht für andere Aufgaben des Bauhofs eingesetzt werden.

Michael Steinemann (Bürgerforum) hätte sich mehr Angebote gewünscht. Auch Philip Wills (LBU) bemängelte die geringe Zahl an Vergleichsangeboten. Mayer erklärte, dass ein Fahrzeug mit einem Ladevolumen von zwölf Kubikmetern benötigt werde. In dieser Größenklasse sei die Auswahl begrenzt; das angebotene Ford-Modell erfülle die Anforderungen, ohne dass dafür eine andere Führerscheinklasse notwendig werde.

Wills kritisierte außerdem, dass erneut ein Dieselfahrzeug angeschafft werde, und hätte eine elektrische Lösung bevorzugt.

Der Vergabe wurde bei zwei Enthaltungen zugestimmt.


TOP 13 Vergabe Eigenkontrollverordnung (EKVO) 2026 Kernstadt Hüfingen Abschnitt 3

Die Stadt Hüfingen plant die Befahrung der Kanalisation in Hüfingen gemäß der Eigenkontrollverordnung auch im Jahr 2026 fortzusetzen. Die Schmutz- und Regenwasserkanäle sollen durch eine Kanaltechnikfirma gereinigt und befahren werden. Die Dokumentation der TV-Befahrung soll in die Kanaldatenbank übernommen und hinsichtlich der Schäden ausgewertet werden.
Gegenstand der Ausschreibung sind die Arbeiten für Kanalreinigung und -untersuchungsarbeiten. Die Maßnahme wurde beschränkt ausgeschrieben. An sechs Bieter wurden Angebotsunterlagen verschickt. Zur Submission am 07.07.2026 um 15:00 Uhr lagen drei Angebote vor. Es wurden keine Preisnachlässe angeboten. Die Abgabe von Nebenangeboten war nicht zugelassen.

Die Kostenberechnung für die ausgeschriebenen Leistungen lag bei 46.064,07 € brutto (38.709,30 € netto). Somit befindet sich der Angebotspreis einer Firma aus Bisingen mit einer Angebotsendsumme von 39.723,39 € brutto um 6.340,68 € unter dem bepreisten Leistungsverzeichnis.
Im Haushaltsplan 2026 sind für Kanalreinigungs- und Untersuchungsarbeiten 42.71.0724 65.000 € eingeplant.

Beschlussvorschlag:
Die Firma aus Bisingen wird mit den Kanalreinigungs- und Untersuchungsarbeiten in Höhe von 39.723,39 € brutto
beauftragt.

Markus Leichenauer (CDU) und Kerstin Skodell (SPD) kündigten die Zustimmung ihrer Fraktionen zu den vorgesehenen Kanalreinigungs- und Untersuchungsarbeiten an.

Der Beschluss wurde einstimmig angenommen.


TOP 14 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat

Bürgermeister Patrick Haas berichtete zunächst über den Verkehrsversuch an der Kreuzung in Allmendshofen. Die geänderte Vorfahrtsregelung habe sich bewährt und zu einem besseren Verkehrsfluss geführt. Sie soll deshalb dauerhaft beibehalten werden.

Reinhard Isak (SPD) gab zu bedenken, dass der neue Edeka-Markt noch nicht gebaut sei. Nach dessen Eröffnung könne sich die Verkehrssituation verändern und möglicherweise Rückstau entstehen. Die Entwicklung müsse deshalb weiter beobachtet werden.

Weiter informierte Haas darüber, dass der Feuerwehrbedarfsplan für Hausen vor Wald derzeit fertiggestellt werde und voraussichtlich im September im Gemeinderat beraten werden könne. Außerdem berichtete er von einer Klausurtagung mit den Führungskräften der Stadtverwaltung, bei der insbesondere die Digitalisierung Thema war.

Thilo Mayer (Bauamtsleiter) informierte über die bevorstehende Sanierung der B31. Die Arbeiten seien ausgeschrieben, unter anderem werde die Deckschicht erneuert. Vom 7. September bis 20. November 2026 werde deshalb Verkehr durch Hüfingen umgeleitet. In der Schaffhauser Straße sollen Ampeln eingerichtet werden. Mayer rechnet mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und Rückstaus. Für die Verbindung Donaueschingen–Bräunlingen werde der Blänklepass freigegeben. In der Schaffhauser Straße sei während dieser Zeit auch eine Geschwindigkeitsüberwachung vorgesehen. Auftraggeber der B31-Maßnahme ist das Regierungspräsidium Freiburg, sodass die Stadt auf die Durchführung nur begrenzten Einfluss habe. Da die Schaffhauser Straße durch die Umleitung zusätzlich belastet wird, werde ihr Zustand vor Beginn dokumentiert. Eventuelle durch die Umleitung verursachte Schäden sollen damit nachvollziehbar sein.


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das oben Geschriebene wurde von mir mit Hilfe von KI live während der Gemeinderatssitzung erstellt. Jetzt bin ich erschöpft – und falls sich irgendwo Fehler eingeschlichen haben, verbessere ich sie natürlich gerne.

Gute Nacht!

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