aktualisierter Beitrag, 1. Version war am 7. Dezember 2023
Am Dienstag, 1. September, wurde der Gedenktag der Heiligen Verena begangen. Anlass, sich einmal wieder ihrer Geschichte zu erinnern.
Hier ihr Leben:
In Bachzimmern, steht ein ehemaliges Fürstlich-Fürstenbergischen Jagdschloss und daneben eine der heiligen Verena geweihte Kapelle. In der Kapelle ist ein Bild einer sehr blonden Verena die aus Ägypten stamme.
Ehemaliges Fürstlich-Fürstenbergischen Jagdschloss in Bachzimmern.
Verenakapelle in Bachzimmern
Die heilige Verena von Bachzimmern mit Krug und Doppelkamm, ganz links Petrus, rechts das Fürstenbergische Grafenwappen. Foto: Dr. Hans Keusen in den Schriften der Baar Bd. 53/2010*1
Heute will ich mal eine Geschichte erzählen, die mich schon lange fasziniert hat. Es ist die Geschichte der heiligen Verena.
Theben
Die heilige Verena wurde um 260 n. Chr. in Theben geboren.
Die Geschichte Thebens ist reich an Legenden, welche sich um Herakles, Dionysos und Laios ranken. Die Stadt ist Geburtsstadt des Herakles, des Ödipus, der Sieben gegen Theben und Antigones. Eine weitere thebanische Sage ist die der Niobe (Ehefrau des Königs Amphion), welche als eingeheiratete Herrscherin und Mutter von 14 Kindern mit ihrem Hochmut den Zorn der Leto auf sich zog.*2
Verena
altägyptisch mit der Bedeutung „Frucht oder Same der Stadt Theben“ Ⲉⲃⲣⲁⲛⲉ Ebrane; koptisch Ϥⲣⲉⲛⲉ Frene; koptisch Βερενίκη Berenike; altgriechisch*7
Jedenfalls ließen sich bei Theben der Sage nach möglicherweise phönizische Einwanderer nieder, welchen dann griechische aus Kleinasien folgten, wie die Sage von Amphion erzählt, der durch seine Leier die Steine herbeilockte. Amphion und Zethos erweiterten die Mauern und fügten sieben Tore hinzu, die das geflügelte Wort vom „siebentorigen Theben“ auslösten – im Gegensatz zum „hunderttorigen Theben“ in Ägypten, das Homer in der Ilias erwähnt.
Zu dem Geschlecht der Kadmeionen gehörte auch der Sohn des Laios, Ödipus. In die Zeit des Ödipus fällt auch die Sage der Sphinx, die vor Theben hauste und jeden Fremden tötete, der ihre Rätsel nicht lösen konnte. Dies wurde von Ödipus durch das Lösen des Rätsels der Sphinx beendet.
Im Ersten Mithridatischen Krieg (89–85 v. Chr.) ging Theben endgültig an die Römer. In der Folge verfiel Theben zu einem bedeutungslosen Dorf, behielt aber trotz sinkender Einwohnerzahl das Stadtrecht.*2
Das Römische Reich zu Lebzeiten Verenas
Der bedeutende Sassanidenkönig Schapur I. fiel mehrmals plündernd in Syrien ein und konnte dabei mehrere römische Heere besiegen. Im Jahre 260, dem Geburtsjahr von Verena, wurde Kaiser Valerian gefangen und ermordet.
Während Rom im Osten bemüht war, die Provinzen Syriens und Kleinasiens zu sichern, erodierte auch im Westen die kaiserliche Autorität. Dabei kam es immer wieder zu Bürgerkriegen zwischen den Usurpatoren und sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen, die aber unter Kaiser Aurelian wieder rückgängig gemacht werden konnten. Palmyra musste im Jahr 272 gewaltsam unterworfen werden. Die Krise führte zu zahlreichen Veränderungen, betraf allerdings nicht alle Gebiete des Reiches im selben Ausmaß. Und es sollte schließlich noch einmal gelingen, den drohenden Verfall des Reiches abzuwenden.
Mit Diokletian vollzog sich im Jahr 284 der Übergang in die Spätantike. Diese Zeit wird heute als eine Zeit des Umbruchs und der Transformation der antiken Mittelmeerwelt beschrieben.*4
Diokletian reformierte die Verwaltung und führte Diözesen und Präfekturen ein. Die religiöse Festigung kaiserlicher Herrschaft (so nahm Diokletian nach dem Gott Jupiter den Beinamen „Iovius“ an) sollte eine neuerliche Ausrichtung der Reichsbewohner auf Staat und Kaiser bewirken. Besonders die Christen empfand Diokletian daher als illoyal dem Reich gegenüber. Die letzten (und heftigsten) Christenverfolgungen im Römischen Reich fanden in seiner Regierungszeit statt.*3
Diokletian
Diokletian (eigentlich Diocles, altgriechisch Διοκλῆς; vollständiger Name Gaius Aurelius Valerius Diocletianus) wurde zwischen 236 und 245 in Dalmatia geboren; gestorben um 312 in Spalatum) war von 284 bis 305 römischer Kaiser.
Mit seiner Thronbesteigung begann die Diokletianische Ära oder auch Ära der Märtyrer (aera martyrum) genannt. 4
Verena kommt nach Europa
Verena wurde also in Theben am oberen Nil in Ägypten als Kind angesehener Eltern etwa im Jahr 260 geboren. Der Überlieferung zufolge übergaben die Eltern sie einem Bischof zur Taufe und Unterweisung im christlichen Glauben.
Nach dem Tode des Bischofs ging Verena mit anderen Christen und ihrem Vetter nach Unterägypten wo Kaiser Diokletian Soldaten aushob, um die thebäische Legion zu gründen.
Verena reiste im Tross der Legion nach Mailand. In Mailand habe sie einige Jahre beim heiligen Maximus gelernt und gearbeitet. Hier lernte sie wohl die Heilkunst und half bei der Bestattung der toten Christen. Als sie in Mailand von der Enthauptung des Mauritius und der Tötung der Legionären hörte, sei sie nach Saint-Maurice (Agaunum) gereist und bestattete die Märtyrer der thebäischen Legion.
Alle 6.660 Mitglieder der Legion waren Christen. Ein Soldat der thebäischen Legion, Victor, soll Verenas Verlobter gewesen sein. Die Legion wurde von Mauritius geführt, der auch im Besitz der Heiligen Lanze gewesen sein soll. Mauritius war ein Vetter von Verena und wird in den Abbildungen oft als Afrikaner dargestellt – im Gegensatz zur ewig blonden Verena.
In der Krypta des Verenamünsters. Der heilige Mauritius oder Victor von der Thebäischen Legion.
Der Kaiser schickte die Legion in den Krieg gegen die Bagauden nach Gallien. Nachdem Maximian sein Lager in Octodurum (heute: Martigny) aufgeschlagen hatte, forderte er seine Untergebenen vor Kampfbeginn zu einem Opfer für die römischen Götter auf. Mauritius und seine Legion weigerten sich und gingen nach Agaunum (heute: St. Maurice d’Agaune), wo sie lagerten. Nach einer Aufforderung zur Rückkehr und Opferung wurde die Legion zur Strafe zweimal „dezimiert“. Der Grund der „Dezimierung“ war die Weigerung gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen. So ließ Maximian schließlich den Befehl zur Ermordung der gesamten Legion geben. 66 Legionäre entkamen nach Solothurn und wurden dort erst umgebracht. Zwei dieserLegionäre waren Victorund Ursus. *5
Der Heilige Victor. Altarflügel. Öl auf Holz mit Goldgrund, 15. Jahrhundert. Wikimedia
Solothurn
Nachdem Verena ihren Vetter Mauritius und die ermordeten Legionäre in Agaunum bestattet hatte, reiste sie Victor nach Salodurum (heute Solothurn) nach und ließ sich wieder bei einem Eremiten nieder. Hier soll sie mit Fasten, Gebet und Psalmengesang ihre Tage verbracht haben.
Sie wohnte in einer Höhle in der nach ihr benannten Verenaschlucht und soll sich durch den Verkauf ihrer Handarbeiten ernährt haben.
Oft suchte Verena die Aussätzigen vor den Toren der Stadt Solothurn auf, um sie zu waschen. Aufgrund ihrer heilenden Kräfte wurde Verena vom Volk als Heilige betrachtet; Kranke suchten sie in ihrer Einsiedelei auf, um durch ihre Wundertaten zu genesen. Bald schon gesellten sich andere junge Frauen zu ihr und bildeten mit ihr eine Gemeinschaft.
Schließlich wurde sie vom christenfeindlichen Stadtkommandanten Hirtacus gefangen gesetzt. Im Gefängnis erschien ihr Mauritius, im himmlischen Licht strahlend, und stärkte ihren Glauben. Als der römische Statthalter von einem Fieber befallen worden sei, ließ er Verena rufen, damit sie ihn heilen könne. Anschließend wurde sie freigelassen und wurde aus der Stadt verwiesen. *7
Verena soll dann auf einem flachen Stein den Fluss Aare hinunter gefahren sein. In Koblenz, damals eine kleine römische Siedlung, machte sie einen langen Zwischenhalt auf einer Insel im Rhein, befreite diese von Schlangen und widmete sich erneut der Krankenpflege.
Insel an der Mündung der Aare (rechts) in den Rhein (links) Foto: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon.
Verena in Zurzach
Verena folgte wohl eher der alten Römerstraße von Vindonissa (Windisch) nach Tenedone (Zurzach), auf der Peutingerkarte oben von links nach rechts.
Tabula Peutingeriana. Vindonissa, Tenedone, Julio mago und Brigobanne auf 2A5 der Karte die rote Linie ist die Römerstraße. Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de
Der dicke grüne Fleck ist der Bodensee und darüber sieht man Vindonissa (Windisch), Tenedone (Zurzach) und Julio mago (Schleitheim), dann Brigobanne.
Verena kam dann ins nahe römische Kastell Tenedone wo sie Hausgehilfin des Priesters wurde. Mit Krug und Kamm ging sie jeden Tag vor die Stadtmauer und wusch damit die Aussätzigen.
Wunder der Verena
Als sie beschuldigt wurde, Wein und Brot unrechtmäßig zu den Armen zu tragen, verwandelte sich der Wein in Wasser.
Das Mehlwunder: „Als Brot fehlte und Verena zu Gott um Hilfe betete, wurden auf einmal 40 Säcke Mehl am Eingang der Zelle vorgefunden. Nachdem Verena und die Jungfrauen von dem Mehl gegessen hatten, wuchs ihnen immer wieder neues Mehl aus den Zähnen.“
Nachdem sich das Mehlwunder ereignete soll der hl. Verena der Teufel erschienen sein. Da er sich über Verena ärgerte, wollte er einen schweren Stein nach ihr werfen. Der Stein sei aber dem Teufel auf den Fuß gefallen, so dass er seit dieser Zeit hinke.
Der Ring des Priesters, den dieser zur Fastenzeit nicht tragen wollte, wurde ihr zur Aufbewahrung gegeben; ein Diener stahl ihn, fürchtete entdeckt zu werden und warf ihn in den Rhein; ein Fischer brachte einen großen Fisch zum Geschenk, Verena zerlegte ihn und fand den Ring.
Der Priester ließ ihr nun eine Zelle in Zurzach bauen, wo sie bis zu ihrem Tod mit dem heilenden Wasser einer Quelle Kranken das Haupt wusch, sie kämmte, heilte und salbte. In ihrer Todesstunde erschien Verena Maria mit vielen heiligen Frauen, die sie in den Himmel leiteten.
Verena mit Kamm und Krug auf der Rheinbrücke Zurzach–Rheinheim von Ernst Suter 1978
Ein Vasall des Herzogs von Burkhard soll Kirchengüter des Verenastifts geschenkt erhalten haben. Da dies Unrecht gewesen sei, soll der Herzog eine Prozession gesehen haben, die aus den Fenstern des Verenamünster schwebte. Anschließend erstattete der Herzog die Güter an das Stift zurück.
Als ein Bauer am Verenatag (1. September), anstatt zur Messe in den Wald ging, um Bäume zu fällen, seien seine Hände beim ersten Schlag erstarrt. Am Grab bereute dieser und damit gesundete er wieder.
1795 brach in Koblenz Feuer aus, viele Häuser und die Kapelle verbrannten. Nur die Statue der hl. Verena mit ihren Kränzchen und Votivkerzen blieb unversehrt. Bis heute kommen weitere Geschichten und Wunder hinzu, die Gläubigen zählen die (allerdings erst in neuer Zeit) entdeckte Thermalquelle dazu, die für kranke Menschen Heilerfolge bringt.
Die heilige Verena
Im 5. Jahrhundert wurde über Verenas Grab, das in einem Gräberfeld bei einem alten römischen Kastell an der Römerstraße lag eine Kirche gebaut. Um 745 eröffnet dort ein Benediktinerkloster, das im 13. Jahrhundert zum Chorherrenstift umgewandelt und 1876 aufgehoben wurde. An der Stelle steht heute das nach ihr benannte Münster in Bad Zurzach. Die Grabplatte ihres Sarkophags wurde 1613 gefertigt.
ST. VERENA MÜNSTER Rom.- kath. Pfarrkirche Kirche des 1876 aufgehobenen Chorherrenstiftes am Grabe der hl. Verena ( Krypta). Die älteste Kirche an dieser Stelle ist in einem Friedhof (1.-4. Jh. n. Chr.) neben der röm. Strasse errichtet worden. Bestehendes Langhaus 11. Jh., Chorturm 1347 geweiht. Barockisierung 1733 durch Giov. Gaspare Bagnato. 1962 Aussen-, 1975/76 Innenrestaurierung.
Verenamünster in Tenedone (Bad Zurzach)
Die heilige Verena in der Krypta
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Verena im Verenamünster in Tenedone (Bad Zurzach)
Eine erste Lebensgeschichte von Verena wurde 888 im Kloster Reichenau durch Benediktinerabt Hatto, den späteren Erzbischof von Mainz, verfasst; eine weitere Vita mit Ergänzungen über ihr Wirken in Koblenz und Zurzach entstand im Kloster in Zurzach wohl im 10. Jahrhundert. Eine Sammlung ihrer Wunder folgte um 1000. *7
Brugkapelle der Heiligen Verena
Das römische Kastell in Tenedone wo die Verenakapelle steht.
Taufbecken neben der Verenakapelle unbekannten Datums.
„Burgkapelle“ St. Verena und Mauritius. Nach Schilderung im Mirakelbuch der hl. Verena (Anf. 11.Jh.) zum Gedächtnis an die Auffindung des „Verenakrügleins“ errichtet. 1203 erste urkundliche Erwähnung. Westteil (Schiff)-romanisch, Ende 1. Jahrtausend Saat mit eingezogener Apsis (1949 ergraben). Erweiterungen 1425 (Altarhaus): 1488 (Dach-Aufhöhung über dem Schiff): 1571 Vorzeichen mit Aussenkanzel (1949 abgebrochen) Altar gestiftet von Seb. Borner (Stiftsdekan 1704). Bilderzyklus über das Leben der heiligen Verena. 1610 – 1617 geschaffen vom Zurzacher Maler Joh. Melchior Waldkirch. Renovationen 1772 1851 1949 1994/1995
Die heilige Verena in St. Verena und St. Gallus in Hüfingen.
Unter Pfarrer Rudolf Rauber haben 1909 die Gebrüder Marmon, Bildhauer-Atelier in Sigmaringen, den jetzigen Altaraufbau mit Tabernakel und Verena-und Gallusfigur angefertigt. 1960 wurden die Figuren der hl. Verena und Gallus in der Schächerkapelle untergebracht, 1993 jedoch im Auftrag von Herrn Dekan Andreas Huber wieder zurückgeholt und neben dem Altar aufgestellt, wo früher die Beichtstühle waren.
Nach der Kirchenrechnung des Jahres 1743 erhielt der Villinger Bildhauer Johann Ignatz Schupp für das Bildnis der hl. Verena am 15. Januar 1743 insgesamt 9 fl. *9 In der Kirche ist sie nicht zu sehen. Sie wird nur bei besonderen Anlässen verwendet und wird in der Sakristei aufbewahrt. Sie wurde früher bei den Prozessionen mitgetragen. Siehe auch Lorettokapelle.*8
Deckengemälde aus 1909 von Ferdinand Kaltenbacher.
Fahnenbilder von Luzian Reich senior mit Verena und Gallus. *9
1Die Verenakapelle in Bachzimmern – unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wandmalereien. Werner Fischer, Peter Kempter, Renate Keusen, Antonia Reichmann. Schriften der Baar, Bd. 53/2010 S. 59–80 2 Wikipedia: Theben 3 Wikipedia: Römisches Reich 4 Wikipedia: Thebäische Legion 5 Wikipedia: Diokletian 6 Wikipedia: Einsiedelei Stankt Verena 7 Heiligenlexikon.de 8 Geschichts- und Heimatverein Villingen 9 Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984
Die Geschichte der Stadt Hüfingen muß schon mit den Römerzeiten begonnen werden, insofern nämlich, als ihre Gemarkung bis auf den heutigen Tag nicht unbedeutende Ueberreste römischer Ansiedelungen und Kultur aufzuweisen hat. Davon nennen wir zuerst die Hochstraße, welche von Dürrheim über Donaueschingen bei der Schächerkapelle, rechts ab von der Landstraße, gerade auf den spätern Fundort hinführt. Sodann ziehen wir die Flurbenennung Stetten in Betracht, welche beinahe überall, wo sie vorkommt, eine römische Niederlassung bedeutet. Weitere Spuren wurden schon im vorigen Jahrhundert entdeckt 1*), aber nicht näher untersucht, und erst im Jahre 1821 nahm man, auf Kosten des Fürsten Karl Egon von Fürstenberg, planmäßige Ausgrabungen vor. Die Anregung hiezu gab Professor Buchner von Regensburg, welcher damals unsere Gegend bereiste, um die aus der peutingerischen Tafel verzeichneten Römerstraßen, und namentlich die Station „Brigobannis“, zu untersuchen. Nach den ersten unzweifelhaften Fundstücken wurde eine eigene Commission ernannt mit Hofrath Rechmann an der Spitze. Diese Commission betraute meinen mütterlichen Großvater, den pensionierten
1) Eine kurze (handschr.) Oberamtsbeschreibnug von Hüfingen aus dem Jahre 1768 sagt: „Vor einigen Jahren fand man in dem Thal unter dem Galgenberg bei der Umpflügung deren dortigen Ackerfelder silberne und metallene römische Münzen von Titus, Vespasian x.; dann saubere Besezblättchen und Spuren von einem weitläufigen Gebäude.“
Correktionshaus-Verwalter Schelble, mit der speziellen Beaufsichtigung der Ausgrabungs-Arbeiten. Zunächst bei der oberen Mühle, im s. g. an „Stetten“ gränzenden Mühlöschlein, wo das Ackerfeld dem Pfaffenloche, einer tiefen Stelle in der Breg, sich nähert, wurde mit den Ausgrabungen begonnen. Sie legten mehrere Grundmauern zu Tage, welche von sehr losem Zusammenhänge und so zertrümmert waren, daß sie kein zusammenhängendes Ganzes ergaben, aber nebst andern Fundstücken zur Annahme führten, es haben hier mehrere römische Wohnhäuser gestanden. Noch im nämlichen Jahre fanden Nachforschungen auf dem rechten Ufer der Breg statt, wo am Fuße des Hölensteins ein flaches von der Degginger Straße herziehendes Thälchen ausmündet. Hier wurden die Trümmer eines Gebäudes ausgedeckt, das unter dem Namen Römerbad 2) bekannt ist. Das Gemäuer desselben, ein längliches Viereck, auf fürstliche Kosten mit einem schützenden hölzernen Ueberbau versehen, mißt in der Länge 101, in der Breite 14 badische Fuß, und hat eine Art Erker auf der westlichen, einen viereckigen Anbau auf der östlichen und einen ganz gleichen auf der nördlichen Seite. Oestlich und südlich von dem Hause fanden sich aus Kalkstein-Quadern gebildete Brunnen, d. h. Theilstöcke, welche mit je zwei Oeffnungen versehen, das Wasser nach verschiedenen Seiten leiteten. Der ganze Bau war durch eine Scheidewand in eine südliche und eine nördliche Hälfte getrennt; die südliche enthielt heizbare Zimmer und scheint der eigentliche Wohnraum gewesen zu sein. Die Bödender Gemächer sind von sehr ungleichem Niveau,
2) Beschrieben in latein. Sprache zuerst von I. Frick im I. 1824; ferner (zugleich mit den übrigen Ausgrabungen von Prof. Dr. Fickler in den Schriften des bad. Altertumsvereins, III Jahrg. 1848. — Anch Hofrath Dr. Rehmann, der die Aufstellung der Fundstücke im fürstl. Schlosse zn Hüfingen besorgte, beschäftigte sich mit einer Beschreibung sämtlicher im Fürstenbergischen gefundener Altertümer. Der Verfasser gegenwärtiger Abhandlung hatte bereits mehrere Blätter von Abbildungen hierzu gezeichnet, als der Tod den hochverdienten Mann, leider viel zu frühe für Kunst, Wissenschaft und die leidende Menschheit, dahinraffte
so‘ daß der nördliche Theil tiefer, als der südliche liegt, was vielleicht im Gebrauche des Wassers seinen Grund hatte. Eingang bemerkte man nur einen, auf der dem Hölenstein zugewandten Seite, weshalb das südöstliche Zimmer für die Vorhalle gehalten werden muß. Zwei starke Mauervorsprünge darin lassen den Herd oder die Heizvorrichtung vermuthen. Die beiden folgenden Gemächer hatten Heizböden, d. h. Doppelböden; der obere aus Platten gebildete des ersten Zimmers ruhte auf Säulchen von runden Backsteinen. In dem erwähnten halbrunden Erker dieses Gemaches lag auf einem aufgemauerten Cylinder eine flache, aus einem Dolomitsteine gehauene Schale von 5′ Durchmesser, aLer kaum 4″ Tiefe. Wie es scheint, hat der runde Anbau sein Dasein lediglich dieser Schale zu verdanken, so daß beim Plane der Häuser schon auf ihre Aufstellung Rücksicht genommen war. Der obere Boden des anstoßenden Gemaches Bestand aus Gußmörtel mit eingestreuter grober Mosaik. Aus dem ersten heizbaren Zimmer leiteten vier, in der Zwischenmauer angebrachte Bogen die Wärme in das zweite. Der folgende Raum von gleicher Größe liegt etwa 3′ höher, als die übrigen Gemächer; aus ihm gelangte man in den über 2′ tiefer liegenden viereckigen Anbau, welcher einen von aufrechtstehenden kleinen Backsteinen gebildeten Boden und eine Wandverkleidung von röthlichem Gußmörtel hatte. Eine durch die östliche Wand gehende Thonröhre, welche nach innen mit einem ganz roh aus Kalkstein gehauenen Thierkopf endigte, führte das Wasser aus dem östlichen Brunnenstock in einen steinernen Wassertrog, woraus es auf den Boden des Gemaches, und von diesem durch eine runde durch die Mauer gehende Oeffnung in einen Kanal abfloß. In der nördlichen Hälfte des Gebäudes bemerken wir Folgendes. Einen 3′ tiefen Kanal, dessen Seitenwände aufgemauert sind und welcher sich, den Kanal aus dem vorhin beschriebenen Brunnengemach aufnehmend, durch diesen ganzen Theil hinzieht; ferner einen vertieften viereckigen, mit aufrechtstehenden Backsteinen besetzten Raum, von einer doppelten
Mauer umgeben. Die Lußere, etwa 5′ höher liegende, war mit dritthalb Fuß breiten Kalkplatten belegt, welche eine kaum 1/2 Zoll tiefe und 5 Zoll breite Rinne rings umzog. Die zweite Einfassung bestand aus aufrechtstehenden Steinplatten; beide bildeten um den inneren tiefern Raum einen mit (jetzt nicht mehr vorhandenen) Ziegelplatten belegten Gang. An diesen stößt ein östlich liegender viereckiger Raum ohne gepflasterten Boden, während gegenüber an der Ecke noch Spuren einer schräg hinziehenden Mauer sich zeigte. Die Beschaffenheit des Gemäuers läßt aus keine große Sorgfalt bei Ausführung des Gebäudes schließen. Die Mauern bestehen aus gewöhnlichen Kalkbruchsteinen, durch einen magern hydraulischen Kalk verbunden, in welchem gestoßene Ziegelstücklein äußerst sparsam verwendet sind. Auch größere Stücke von Leistenziegeln, Gefäßscherben und dergleichen finden sich in dem dasigen Mörtel vor. Von dcr Bedachung haben sich noch große Bruchstücke von Leistenziegeln gefunden, deren einige in erhabener Schrift den Legionsstempel L.XI.C.P.F. tragen (d. i. Legio XI. Claudia. Pia. Fidelis.). Eine Quelle, von welcher die vorhandenen Brunnen ihr Wasser hatten erhalten können, findet sich in der Nähe keine mehr vor; doch ist anzunehmen, die Leitung habe vermittelst des noch jetzt sichtbaren, von der Degginger Straße herziehenden Grabens stattgefunden. Ueber die Bestimmung des ganzen Gebäudes sind die Ansichten getheilt. Die mit den Ausgrabungen betraute Commission glaubte, für ein Badhaus entscheiden zu müssen. Das Eingangszimmer wurde für das Ankleidezimmer, das erste beheizbare Gemach für das Salbenzimmer und das folgende für das Schwizbad angenommen, während der eingemauerte Raum im nördlichen Theile recht gut ein Behälter zum kalten Bade gewesen sein könnte. Eine andere Ansicht, von Schreiber und Frick, erklärte den Bau für ein Wohnhaus, welches im südlichen Theile die Menschenräume, im nördlichen den Geflügelhof, die Stallung
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und den Holzbehälter gehabt habe. Zell und Fickler dagegen nehmen an, das Gebäude sei ein Posthaus, eine Station zum Wechsel der Bespannung, wie auch zur militärischen Sicherung der Heerstraße gewesen. Der Mangel der Wärmeröhren und die Schmucklosigkeit des ganzen Bauwesens, verbunden mit dem Umstande, daß unter den aufgefundenen Geräthschaften weder die nothwendigen Oelfläschlein, noch die Badstrigel und Aehnliches sich besinden, zählt Fickler zu den Gründen seiner, ein Badhaus ausschließenden Annahme. Sicher anzunehmen ist übrigens nur, das Gebäude sei ein öffentliches, der XI Legion angehöriges oder von ihr erbautes gewesen. Jedenfalls aber hat bei diesem Hause das Wasser eine große Rolle gespielt. Zwei Brunnen, die ihr Wasser nach verschiedenen Seiten in das Gebäude führten, und zwar so reichlich, daß zwei Kanäle zum Abfluß nothwendig waren, möchten für ein Haus, welches nicht zum Badeu eingerichtet war, wohl als zu Viel erscheinen. Die Fundstücke des Platzes bestehen in mehreren Thonlampen, Broncen, Fibeln und Techensteinen, in einer Handmühle, in Handglocken und Münzen. Unter den beßeren tragen die meisten das Bildniß des Kaisers Vespasian 3). Seit der Entdeckung diescs Römerbaues hat sich Vieles im Innern desselben verändert. Von den Heizböden, deren der eine etwa zur Hälfte wohl erhalten war, erblickt man nur noch übereinanderliegende Trümmer; die Deckplatten sind gar nicht mehr vorhanden. Ebenso ist von der übrigen Bodenpflasterung wenig mehr zu sehen. Das Gebäude diente in den vierziger Jahren zu forstökonomischen Zwecken, und die sorgfältig ausgegrabene Ruine ist sozusagen abermals zur Ruine geworden.
3) Gelegenlich einer Besichtigung des Gebändes (im Herbst 1861) fand ich in der Eingangshalle noch eine Lampe von gewöhnlichem Ton, eine Bronceschnalle, eine Kupfermünze von Vespasian, nebst dem Rand eines gläserneu Gefäßes. Diese Fundstücke sind nunmehr sämtlich der fürstlich fürstenbergischen Sammlung von Altertümern im Schlosse zu Donaueschingen einverleibt.
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Im Herbste 1823 wurden nämlich auf den „Galgenäckern“, auf der Höhe des Hölensteins, die Grundmauern des s. g. Tempels bloßgelegt. Die Mauern, sehr verwittert und schlecht, hatten kaum anderthalb Fuß Dicke, auf der längeren Seite jedoch Ausladungen. Von ihnen mehrere Fuße entsernt standen kunstlos und schlecht gearbeitete Säulenpostamente. Im innern fand man zwei oder drei Gruben, wovon die eine mit Letten, eine andere mit Dolomitsteinen angefüllt war. Anfangs glaubte man, wirklich die Reste eines Tempels vor sich zu haben, was jedoch die schlechte Struktur des Ganzen nicht sehr wahrscheinlich machte. Einleuchtender erscheint die Ansicht, die mein Vater früher schon ausgesprochen, das Gebäude möchte eine Häfnerei oder Ziegelhütte gewesen sein. Denn der Grundplan desselben gleicht vollkommen einer jetzigen Ziegelhütte; und bedenkt man, daß vor einigen Jahren das tönerne Model einer großen Medaille, welche den Kaiser Vespasian vorstellt, auf dieser Stelle gefunden wurde, so erhebt sich die Wahrscheinlichkeit beinahe zur Gewißheit. Die übrigen dortigen Fundstücke sind Töpfergeschirr, Thonkorallen, Fingerringe und dergleichen. Auch wurden am nördlichen Abhange der genannten Höhe hiemit in Verbindung stehende Kalköfen entdeckt, oder vielmehr man fand Stellen, wo das Gestein vom Feuer an- und zu Kalk gebrannt war, während in den Berg hineingetriebene Hölen von etwa 4′ Breite mehrere Fuder gebrannten Kalkes enthielten, welcher noch gut zu Mörtel verwendet werden konnte. Gleichzeitig mit der Entdeckung der römischen Baureste kam auch ein Begräbnißplatz zu Tage. Mein Vater, welcher damals ein kleines Landgut, den Hölenstein, cultivieren und mit Wegen versehen ließ, fand bei dieser Arbeit die terassensörmig vorspringenden Kalkfelsen, auf der nordwestlichen frei in’s Thal hinaus schauenden Seite, mit etwa 2′ tiefer Asche überlagert. In dieser aber entdeckte man halb und ganz verbrannte Menschen- und Tierknochen, gerippte Korallen von blauem Kalk, blauem Glase und Gagat, eine Menge Scherben von samischer und ge-
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wöhnlicher am offenen Feuer gebrannter Erde, römische Münzen, Bronceverzierungen und Anderes dergleichen. Es ist daher wohl anzunehmen, dieser Platz habe den Einwohnern des kaum 90 Schritte entfernten Gebäudes der XI Legion zum Begräbnißplatze (kustum) gedient. Noch heutzutage finden sich bei der Untersuchung durch das Grabscheit auf dem Grundstücke überall Scherben, meistentheils von grauem und schwarzem Tone. Ein zweiter Begräbnißort wurde 1834 bei der Scharfrichterswohnung und Abdeckerei entdeckt. Diese Gebäude liegen etwa 200 Schritte vom erstbeschriebenen Platze, am Fuße derselben Halde. Um bei einem nächtlichen Hochwasser das Haus zu retten, wurde damals vom Erdreich der Halde ein Damm hergestellt, bei welcher Arbeit eine starke Aschenlage zum Vorschein kam. In ihr fand man eine Menge Scherben, Korallen und Menschenknochen, nebst mehreren wohlerhaltenen, am offenen Feuer gebrannten Gefäßen von grauem Ton mit Asche gefüllt und nach Art der alten Columbarien übereinandergestellt.
Was nun die alte Hochstraße betrifft, so bemühten sich mehrere Forscher, ihre Fortsetzung aufzufinden. Leichtlin und später Ocken suchten sie vergebens in der Nähe des s. g. Badhauses. Wie aber schon von Fickler erwähnt, fand man ihre Spur westlich vom Gebäude, von wo sie durch den Deggrischerwald gegen Deggingen und wahrscheinlich gegen Unadingen und Bachheim hinzieht. Bei jenem Walde lenkt ein Arm unter dem Namen „Harweg“ oder „Herweg“ nach Hausen ab, wo er sich mit der alten Schweizer Heerstraße vereinigte. Andeutungen einer andern Straße, die über das jetzige Hüfingen durch die Gemarkung Sumpfohren gegen Pfohren führte, gibt die wiederholte Flurbenennung „Heerweg“ im S. Katharinen-Zinsbuch von 1328; auch finden sich unzweifelhafte Anzeichcn einer Verbindungsstraße über Bräunlingen in dem Zinsrotel der dortigen Pfarrei von 1384, wo die Feldbezeichnung: „Lit an dem Arweg“ öfters vorkommt. Dieselbe zog sich, wie ich in besagtem Rotel gefunden, über die Gemarkung von Waldhausen („ein wislin, lit ze Waldhusen uf dem
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Herweg und zuhet an den Espan“). Wahrscheinlich war es der Heerwcg, welcher aus Schwaben über den hohlen Graben und Thurner nach Breisach führte. Fassen wir diese Spuren alle zusammen, so ergibt sich, daß die römischen Bauwerke zu Hüfingen an einer Kreuzstraße gelegen waren, was der Annahme einer Poststation oder einer Straßen-Schutzwache (mit Badeinrichtung) allerdings viel Wahrscheinlichkeit verleiht. Weitere Nachforschungen über das römische Straßennetz unserer Gegend anzustellen, um es völlig zu erheben, muß ich Anderen überlassen, da mir leider die Zeit und die Gelegenheit dazu abgehen. Als Urbewohner auch der Baargegenden erschienen die Kelten, welche schon 600 Jahre vor Christus dahin gekommen, aber hernach durch die Römer und Germanen allmählig um ihre nationale Selbstständigkeit gebracht wurden. Das erste Erscheinen aber der Römer in Hochdeutschland fand in dem Kriege statt, welchen Kaiser Augustus gegen die Rhätier und Vindelicier (südlich und östlich vom Bodensee) führte.
Nachdem Tiberius, der Adoptivsohn des Kaisers, die Vindelicier in einer blutigen Schlacht am Bodensee überwunden, gieng er, wie römische Schriftsteller berichten, eine Tagreise weit landeinwärts und besichtigte die „Quellen der Donau.“ Mag man nun den Ursprung dieses Stromes bei Donaueschingen oder bei den Anfängen der Waldbäche Brig und Breg suchen, immerhin mußte der römische Feldherr aus seinem Marsche in die Baar gelangen. Da jedoch nur von einer Tagreise die Rede ist, so scheint der Zusammenfluß jener Wasser im Herzen dieser Gegend gemeint zu sein, welche in den Römerzeiten schon für ein vorzügliches Getraideland galt.
Der entscheidende große Sieg, welchen die germanischen Stämme in Niederdeutschland unter Hermann dem Cherusker 4 Jahre vor Christus über die römischen Legionen davon getragen, hatte den Römern gleichwohl den Besitz der Länder am Rhein, Neckar und an der Donau nicht entreißen können. Dieselben verblieben römische Provinzen, was hinsichtlich der Culturbeförderung kein großes Unglück war.
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In mannigfachen Mischungen und Verhaltnissen, wie unter vielfachem Wechsel von Kriegs- und Friedenszeiten, bauten sich Kelten, Römer, Gallier und Alemannen darin an. So wurden denn auch in der Baargegend überall Heer- und Handelsstraßen, Bauwerke aller Art, Bäder, Tempel, Wasserleitungen, Ziegelhütten und Töpfereien angelegt, Flüsse und Bäche überbrückt, Flößereien und Handelsgesellschaften errichtet, die Landwirtschaft mit neuen Sämereien und Früchten bereichert und die Obstbaumzucht eingeführet.
Erwiesenermaßen lag beim jetzigen Hüfingen ein Theil der Xl Legion, deren Stab zu Windisch in der Schweiz postirt war. Die Ansiddelung hatte sich jedoch nicht allein auf unsere Gemarkung erstreckt; denn schon im vorigen Jahrhundcrt (1726) wurden auch bei Bräunlingen die Reste eines römischen Gebäudes entdeckt, und der Stiftungsbrief der dortigen Pfarrei soll ausdrücklich besagen, „sicheren Nachrichten und alten Urkunden zufolge habe Kaiser Karl der Große die Stelle, wo ehemals ein Römercastell gestanden, als Kirchenbauplatz an die Reichenauer Mönche vergabt.“
Wenn nun das Acker-Gewann zwischen Hüfingen und Bräunlingen „in Stetten“ heißt, so darf man wohl füglich annehmen, es haben auch mehrere römische Gebäude daselbst gestanden, deren Spur durch den vielhundertjährigen Feldbau verwischt worden; findet sich ja von den Fundamenten im Mühlöschle und des s. g. Tempels, nach so wenigen Jahren ihrer Entdeckung, schon nicht die geringste Spur mehr! Der unbeugsame Nationalsinn der germanischen Stämme ließ die romanischen Verdränger, deren Verwaltungsbeamte auf Kosten der Bevölkerung sich blutsaugerisch zu bereichern strebten, endlich nicht mehr länger in Ruhe. Der erste Einfall der Alemannen geschah im Jahre 274 nach Christus und nach Verfluß eines Jahrhunderts waren sie Herren des ganzen Landes zwischen dem Bodensee, Rheine, Maine und Neckar. Da sanken die Römerbauten auch unserer Baar in Schutt und Asche. Mit ihnen verlieren wir für lange Zeit alle Anhaltspunkte für unsere Ortsgeschichte; es bleibt mir daher nichts übrig, als
in allgemeinen Umrissen darzustellen, wie der Baar-Gau zum alemannischen Herzogtume gedieh, und nach der Aufhebung desselben unter der Verwaltung der Ahnen des erlauchten Hauses Zäringen deren Namen erhielt, und endlich an die zäringischen Erben von Fürstenberg überging.
Bald nach Eroberung der römischen Rheinlande geriethen die beiden germanischen Stämme der Franken und Alemannen auf’s Feindlichste mit sich selber in Kampf. Es schien, als könnten sie neben einander nicht bestehen, als müsse der eine verdrängt oder vertilgt sein, damit der andere unbeschränkt herrsche. Dieser tief gewurzelte Haß und der daraus entspringende tragische Kampf erschien bis in die hohenstaufen’schen Zeiten als ein Grundzug der alemannischen Geschichte. Die Alemannen und Schwaben hatten sich der fränkischen Monarchie anschließen müssen, wie andere deutsche Stämme. Sie bildeten ein großes Herzogtum und es erhoben sich darin drei mächtige Geschlechter, welche meistens im Besitze der herzoglichen Würde und der bedeutendsten Grafensprengel waren — am Bodensee die Welfen, an den Neckar- und Donauquellen die Berchtoldinger und im Elsaße die Etikone. Es war daher ein Hauptsächliches Bestreben des fränkischen Königshauses, diese mächtigen Stammeshäupter zu stürzen und dadurch die Alemannen völlig zu unterjochen.
Das gelang ihm auch theilweise; denn im Jahre 748 wurde das Herzogtum abgeschafft, das Land sofort durch königliche Kammerboten überwacht und die Verwaltung der meisten Grafschaften in die Hände fränkischer und rhätischer Geschlechter gespielt. Bei diesem Unterdrückungssysteme wurden aber namentlich die Berchtoldinger von der Grafenwürde der großen Berchtoldsbaar verdrängt und mußten lange Zeit froh sein, sich den Besitz ihrer dortigen Erbgüter zu retten. Der alemannische Stammesstolz ertrug jedoch eine solche Lage nicht ruhig; immer und immer erhoben die drei Geschlechter mit ihrem Anhange das Haupt, bis es gelang, die herzogliche Würde von Schwaben wieder herzustellen. Sie gedieh an die Zäringer, die Nachkommen der alten Berchtoldinger.
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Zwar drängten sich bald hernach die Hohenstaufen, die Erben des salischen Kaiserhauses, in das Herzogtum; den Zäringern verblieb jedoch die herzogliche Macht über die Lande, wo ihre breisgauischen, baarischen, schwarzwäldischen und helvetischen Erbgüter lagen, und für die Hingabe des Uebrigen wurden sie mit der Statthalterei über Burgund entschädigt. Nachdem ihr Geschlecht sich in einen herzoglichen und markgräflichen Ast getheilt, erlosch der erstere 1218 mit Berchtold V, während der letztere in unserem erlauchten badischen Fürstenhause noch immer frische Blüthen treibt. Nach dem Erlöschen der Herzoge gelangte die Grafschaft über die Baar, wo das Meiste zäringisches Erbgut war, an das altfränkische Haus von Sulz, welches dieselbe jedoch später dem Grafen von Urach-Fürstenberg überließ, in dessen Hand die baarischen und schwarzwäldischen Erbgüter gekommen. Von diesen allgemeinen Umrissen wenden wir uns nunmehr zu dem mittelalterlichen Hüfingen, zur dortigen alten Burg und Dorfgemeine.
Wie bei den meisten Dörfern und Städten, so besitzt man auch über die Gründung von Hüfingen weder Brief noch Sigel. Nach der Ortssage hätte es anfänglich aus drei Höfen bestanden 4) was nicht unwahrscheinlich klingt, da inmitten dieses fruchtbaren Geländes etliche unter dem Schutze einer Burg liegende Höfe (Pacht- oder Hubengüter) recht wohl den Anfang des Dorfes gebildet haben konnten. Die meisten Städte unseres Landes sind ja auf ähnliche Weise entstanden. Denn siedelten sich bei solchen Hofgütern noch die gewöhnlichen Handwerksleute und Tagwerker an, so waren bald gemeinsame Anstalten nöthig, eine Mühle, ein Wirtshaus und eine Kapelle, welche mit Gütern begabt wurde und meistens zur Pfarrkirche erwuchs. Die mittelalterlichen Burgen aber entstanden bekanntlich vielfältig auf den Grundmauern zerstörter römischer Wacht-
4) Der Zusatz, diese Höfe hätten dem Orte seinen Namen „Höfingen“ gegeben, ist kaum der Widerlegung werth. Der alte Name hieß Hiuvinga und kann das Wort Hof nicht zum Stamme gehabt haben,
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thürme oder Kastelle. Wie sehr auch unsere germanischen Stammvater die Römer und ihre Zwingburgen haßten, so scheinen sie doch Manches von denselben gelernt und das von ihnen Hinterlassene zum eigenen Vortheile ausgebeutet zu haben. Und in der That mußten die gutgewählten Bauplätze auf dominirenden Höhen, in wohlgelegenen Niederungen, an Quellen und Flüssen, wie mancherlei vorhandenes Baumaterial, alte Wasserleitungen, alte feste Straßen (in deren Herstellung unsere Altvorderen ohnehin keine Hexenmeister waren), sehr viel Einladendes zur Ansiedelung haben; daher es verwunderlich sein würde, wenn alles dieses nicht benutzt worden wäre. Haben wir nun auch bei Hüfingen erwiesener Maßen eine ziemlich ausgedehnte Römerstätte vor uns, so ist die Vermuthung nicht aus der Luft gegriffen, diese Reste möchten zur Gründung der dasigen Burg die Veranlassung gegeben haben.
Das Terrain zu einer sogenannten Tief- oder Wasserburg war hier ganz besonders günstig. Die von Westen her laufende Bregach bildet, durch einen stark abschüssigen Rain zum „Waag“ gestaut und nordöstlich gelenkt, einen Erdwinkel, der in ältesten Zeiten eine Art Insel oder Werd gewesen sein mag. Denn ehe die Dämme oberhalb der Stadt hergestellt waren, nahm das Hochwasser, bei unserem Gedenken noch, regelmäßig seinen Lauf auf der entgegengesetzten Seite, an den Stadtmauern vorbei, und vereinigte sich erst unterhalb derselben wieder mit dem Hauptfluße. Daher heißt dieses Gelände noch heutzutag „Wasserlanden“, und hat in geringer Tiefe ein mächtig angeschwemmtes Kieslager, während in der Hinterstadt, wo die alte Burg gestanden, ein fetter 8 bis 10 Fuß tiefer Humusboden durchgängig angetroffen wird. Die älteste urkundliche Erwähnung der Burg Hüfingen, beziehungsweise ihres Adels, fällt in die Jahre 1083 und 1100. Damals bezeugte Ritter Hugo de Hiuvingen mit anderem alemannischen Adel zwei Beurkundungen, welche Graf Burghart von Nellenburg zu Schafhausen und Eschingen für das Kloster Allerheiligen vornahm. Bei der letzteren erschien, dem Hugo
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voranstehend, auch ein Adelbero von Hüfingen, welches also sein älterer Bruder gewesen sein konnte. Eine zweite Erinnerung an dieses Adelsgeschlecht bewahrt das im fürstlichen Archive zu Donaueschingen befindliche Todtenbuch des Klosters Amtenhausen, worin unter den Gutthätern eingetragen steht: „Der edle Johannes de Hüffingen, hat geben an den Baw ein Roß und Harnisch.“ Da nun der Klosterbau und die Besetzung des Gotteshauses durch Abt Theoger von S. Georgcn um’s Jahr 1100 geschah, so lebte Herr Johannes wohl in jenen Tagen 5).
In welchem Verhältnisse diese Edlen zum Orte Hüfingen gestanden, ob als Grundherren, Vögte oder Lehensmänner, kann aus der spärlichen Erwähnung derselben nicht entnommen werden. Jhr frühes urkundliches Erscheinen dürfte dafür sprechen, daß sie dem Stande der Freien, und nicht etwa demjenigen der unfreien Dienstmänner angehörten. Jedenfalls aber war ihr Geschlecht kein mächtiges und reiches; denn Macht und Reichtum verschafften dazumal, wie heute noch, Einfluß und bedeutende Stellung unter den Zeitgenossen, was unsern Rittern von Hüfingen sehr gemangelt zu haben scheint. Wir finden sie kein einziges Mal bei politischen Ereignissen, und bei urkundlichen Verhandlungen nur höchst selten genannt. Auch müssen dieselben frühe schon um den Besitz dcs Ortes gekommen sein, da wir bereits im 12ten Jahrhunderte die Abtei S. Märgen auf dem Schwarzwald nicht nur im Rechte des Kirchensatzes zu Hüfingen, sondern selbst im Besitze des Dorfes daselbst finden. Wie dieselbe zu diesem Bcsitze gekommen, ist nicht bekannt, und ebenso wenig, ob sie die hiesige Pfarrkirche aus anderer Hand erworben oder selber erst gestiftet habe.
5) Das Todtenbuch ist zwar erst aus dem 14ten Jahrh., daher die spätere Schreibart „Hüffingen“, aber es sind die Einträge eines alten, nicht mehr vorhandenen, darin aufgenommen. Es könnte sich der Ausdruck „zum Bau“ aber auch nicht auf die erste Erbauung, sondern auf den Fond zur baulichen Unterhaltung des Klosters beziehen, und der Vergaber somit auch einer spätern Zeit angehören.
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Jm Jahre 1182 verlieh Bischof Hermann von Constanz dem Gotteshause S. Märgen die Befugniß, durch seine Klostergeistlichen die Seelsorge der Kirche zu Hüfingen versehen zu lassen. Denn „bekanntlich (heißt es in der Urkunde) stehe die investitura ecclessiae Huvingen rechtlich diesem Stifte zu.
Es handelte sich nämlich darum, das Kloster der sanctmärgischen Chorherren in seinem Fortkommen dadurch zu unterstüzen, daß man ihm erlaubte, das Hüfinger Pfarreinkommen, welches bisher von einem Weltpriester bezogen worden, für sich zu verwenden, indem sie die Pfarrei durch einen ihrer Mönche wohlfeil besorgen ließen. Denn obwohl S. Märgen, eine Stiftung der Grafen von Hohenberg, damals schon über sechzig Jahre bestund, so wollte cs noch immer nicht recht gedeihen und hatte Unterstützungen, wie die obige, pro necessitatum suarum elevatione et pro temporalibus subsidiis, besonders nöthig.
Zm Jahre 1215 bestätigte Papst Innocenz III dem Kloster die Kirche zu Huvingen mit all ihren Zugehörungen und andere Güter daselbst, wie es dieselben bisher rechtlich und ruhig besessen habe. Und cin Vierteljahrhundert später wurde ihm durch Papst Gregor IX die hüfiigische Pfarrei völlig einverleibt, mit dem entschuldigenden Beifügen, daß der Orden der Chorherren vom Weltpriesterstande nur wenig verschieden sei.
Diese Bestätigung und Einverleibung ist aber durch den urkundlichen Wortlaut darüber für die Geschichte von Hüfingcn von desto größerer Bedeutung. Die vier betreffenden Urkunden besagen nämlich, der Papst habe das Kloster mit all‘ seinen Besitzungen, namentlich mit der Kirche und dem Dorfe de Huvingen, in den unmittelbaren Schutz des heiligen Stules aufgenommen, und demselben zur Abhilfe seiner Noth besagte Kirche mit ihren Zubehörten (also mit Zehenten, Widemgütern und Jahresgilten) so gänzlich überlassen, daß sie von aller Visitation des Landdecans, wie von aller anderen Belastung ihrer Güter und Pfründen befreit sein solle 6).
6) Die im großh. Landesarchive hierüber vorhandenen Urkunden finden sich auch abgedruckt in Petri Suevia S. 233.
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Demnach hatte S. Märgen nicht allein die Pfarrkirche zu Hüfingen, sondern auch den Ort selber besessen, villam cum pertinentiiis ejusdem — das Dorf mit seinen Zubehörten und Almendrechten. Wie das Kloster in der Folge diesen wichtigen Besitz wieder verloren, kann nicht mehr ermittelt werdern. Wahrscheinlich sah es sich während der Wirren des großen Zwischenreiches (von 1250 bis 1273) dazu genöthigt, entfernt ligende Besitzungen, wie unser Hüfingen, an die Landesherrschaft zu veräußern, oder sie wurden ihm gewaltsam entrissen.
Die ältesten Verhältnisse der Hüfinger Pfarrei ligen überhaupt sehr im Dunkeln. Nach der Ueberlieferung soll Bräunlingen die Mutterkirche für die ganze Umgegend und auch unser Ort dahin gehörig gewesen sein. Auffallend ist jedenfalls der Umstand, daß von früher Zeit her immer eine Anzal von Haushaltungen (man gibt 27 an) zu Hüfingen in die Bräunlinger Pfarrei gehörten, welche erst 1729 der hüfingischen Kirchhöre einverleibt wurden. Auch besaß die bräunlingische Pfarrei und Kaplanei nach einem Zinsrodel von 1384 damals mehrere Zinspflichtige zu Hüfingen. Darunter befanden sich „der alte Reich auf dem Bühel“, welcher derselben von 3 Aeckern „im Hargarten bei der Stadt und an Stetten beim Weier“ jährlich 5 Viertel Kornes entrichtete. Ebenso bezog sie von dem „Herrnzehenten, der etwan gehörte in den Kelnhof zu Bräunlingen“, den dritten Theil 7).
Die fried- und gesetzlose Zeit des Zwischenreiches mag es auch veranlaßt haben, daß das Dorf (villa) Hüfingen zum Städtlein (oppidum) ward, indem sich damals viele offenen Orte mit Mauern und Gräben umgaben, um vor Ueberfällen und Plünderungen geschüzt zu sein. Diese Verwandlung wäre daher unter den Grafen von Sulz geschehen, welche die Landgrafschaft Baar bis zum Jahre 1283 besaßen, wo dieselbe durch
7) All‘ diese Fingerzeige weisen auf eine Beziehung des Ortes Hüfingen zur Pfarrei Bräunlingen zurück, wodurch die erwähnte alte Ueberlieferung nur bekräftiget werden kainn.
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König Rudolf I an den Grafen Heinrich von Fürstenberg, als Belohnung ersprießlicher Dienste verliehen wurde. Dieser ritterliche Herr und Freund des Königs war der Enkel des urachischen Grafen Egeno im Bart, welchem seine Gemahlin, eine Schwester des letzten Herzogs von Zäringen, die zäringische Erbschaft im Breisgau und auf dem Schwarzwald zugebracht hatte. Graf Heinrich theilte dieselbe mit seinem ältcrn Bruder Konrad dergestalt, daß ihm die baarischen und schwarzwäldischen Gebiete mit der Veste Fürstenberg zufielen, deren Namen er sofort annahm.
Eine der ersten Handlungen, welche Heinrich als „Landgraf in der Baar“ verrichtete, war die Verleihung der Kirchen-Pfründen zu Hüfingen an die beiden Priester Konrad und Heinrich, gegen ein geringes Entgeld. Wir sehen also unser Schloß und Städtlein mit feinem Psarrplatze in den Besitz des Hauses Fürstenberg übergegangen.
Dieses aber verlieh das Schloß und Städtlein feinen Dienstmännern von Blumenberg, einem edlen Rittergeschlechte, welches sich bald durch rühmliches Wirken die Achtung von Hoch und Nieder erwarb. So stiftete dasfelbe (der Vater Heinrich, fein gleichnamiger Sohn, seine Enkel Johann, Heinrich und Konrad, und seine Vettern Johann zu Staleck, Johann und Berchtold zu Donauefchingen, Heinrich zu Blumeneck, Konrad zu Tanneck, Albrecht und Iohann zu Blumenberg) schon 1299 die Altarpfründe ad sanctum Blasium in der Kirche zu Hüfingen, woselbst der letztgenannte Blumenberger in medio choro begraben ligt.
Die nächste Erwähnung dieses Geschlechtes findet sich im Jahrzeitbuche der Hüfinger Kaplanei. Dort lesen wir beim Jahre 1339: „Herr Rudolf von Blumberg fällt vor der Stadt Bern (bei Laupen) im ersten Jahre des Krieges.“ Seine Frau war eine Geborene von Klingenberg, und das Grab dieses Ehepaares befindet sich in der Pfarrkirche zu Hüfingen „unter der alten Kanzel.“
Dieser ritterliche Mann hatte sich unter den hundert Helmen befunden, welche Graf Heinrich IV von Fürstenberg dem
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Fürsten von Oesterreich zugeführt, als es gegolten, den Uebermuth des Berner zu züchtigen. Der Tag von Laupen fiel aber anders ans, und als Rudolf die Schlacht verloren sah und sein Knappe ihn aufforderte, sich zu retten, rief er heldenmüthig: „Jch will nit leben, wo so viel‘ edle Ritter umgekommen“, warf sich in’s dichteste Kampfgewühl und fand seinen Tod.
Um diese Zeit erschienen zuweilen auch noch Edle von Hüfingen, deren Zusammenhang mit jenen alten des 12ten Jahrhunderts aber sehr zweifelhaft ist. Sie waren, wie die Blumberger und Blumenecker, Dienstmänner des Hauses Fürstenberg und lassen sich bis zu Ritter Konrad hinauf verfolgen, welcher 1281 urkundlich genannt wird.
Da nun Rüeger in seiner Chronik unter den schafhausischen Patrizier-Familien auch die von Hüfingen aufführt, so scheint ein Zweig derselben schon frühe nach Schafhausen übergesidelt zu haben, während ein anderer in der alten Heimat verblieb. Diese letzteren trugen wohl das Hüfinger Schuldheißenamt von der Landesherrschaft zu Lehen und erhielten daher den bleibenden Namen „die Schuldheißen von Hüfingen“, welcher sich also aus einer Amtsbenennung in einen Geschlechtsnamen verwandelte. Berchtold von Hüfingen hinterließ 1314 eine Tochter Agnes als Gemahlin des Edlen von Prasberg, und einen gleichnamigen Sohn, welcher die Marktswiese im Bräunlinger Bann erwarb, um dieselbe zu einer Jahrzeit für feinen Vater „Berchtold den Schuldheißen selig“, seine Mutter „von Hödorf“, und seine Brüder Künzlin, Heinrich und Eberlin, in die Bräunlinger Pfarrkirche zu verstiften. Im Jahre 1370 wurde „Herr Berchtold, genannt Schuldheiß von Hüfingen“, Propst zu Allerheiligen, zum Abte von S. Märgen erwählt. Unter ihm legte man die neue Straße von Villingen nach Freiburg durch das Klostergebiet an; der gestrenge Herr aber mußte 1385 den Mordstreichen einer Partei seiner eigenen Mönche erliegen! Im Jahre 1444 belehnte Graf Egeno V von Fürstenberg den „Berchtold von Hüfingen, genannt Schuldheiß“ mit dem
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Drittel des Zehenten zu Pforen und Deggingen. Ebendenselben nennt noch eine Urkunde von 1465 und eine andere von 1476 führt den „Junker Heinrich, Schuldheiß zu Hüfingen“ mit seinem Siegel auf. Als Nachkomme eines dieser beiden aber erscheint der „edel und streng Herr Hanns von Hüfingen, genannt Schuldheiß, Ritter“, welcher 1494 an die „Elendstiftung“ zu Bräunlingen ein sammtenes Meßgewand vermachte, und 1505 den Degginger Zehenten für ein Leibgeding von jährlichen 30 Maltern Vesens und 30 Maltern Habers an Wolfgang von Hausen überließ. Mit ihm verlieren sich die Spuren seiner Familie, welche längst nicht mehr zu Hüfingen, sondern in der Nachbarstadt Bräunlingen gehaust, wo sie ein eigenes Hofgebäude (cunria) besaß. Zu Hüfingen hatten indessen noch lange die Blumenberger gewaltet. Ritter Diethelm der jüngere, welcher den Ort von Fürstenberg zu Lehen trug, verschrieb 1352 nicht allein seiner Gemahlin Anna, einer Geborenen von Wessenberg, die Zinse und Gefälle daselbst, sondern veräußerte 1356 seinen sechs Vettern für 10,000 Gulden das ganze Städtlein mit Leuten und Gütern, Zwingen und Bännen, Gerichten und allen Zubehörten. Hierauf wurden die Käufer durch Graf Hcinrich IV damit belehnt; 1380 aber war Burghart von Blumenberg noch alleiniger Herr zu Hüfingen und verbriefte dasselbe an die Edlen von Schellenberg. Dieses Geschlecht gehörte zum alten Adel der oberen Gegend und hatte seine Stammburg auf dem Schellenberge bei Feldkirch im Rheinthal. Es machte sich schon unter Rudolf I in gutem Sinne bemerklich; denn der König betraute die Gebrüder Markwart und Ulrich, milites de Schellenbere, mit dem Richteramte des Landfriedens im Linzgau, welches sie gegen die dortigen Friedensstörer unnachsichtlich zu üben pflegten 8). In der Baar erschienen aus dem schellenbergischen Geschlechte
8) Strenui viri domini Marquardus et Vlricus fratres de Schellenerg, vicem gerentes serenissimi domini Rudolfi d.g. Romanorum regis etc. Urkunde von 1284 im Salem. Coveib. III. 108.
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zuerst die Gebrüder Benz und Tollenzer, von denen Ersterer mit Frau Guta, der blumenbergischen Erbtochter zu Hüfingen, vermählt war. Es hatte nämlich Herr Burghart von Blumenberg diesem einzigen Kinde, mit Verwilligung des Lehensherrn von Fürstenberg, das Städtlein zur Mitgift verschrieben. Herr Benz vererbte den schönen Besitz um’s Jahr 1386 an seine minderjährigen Söhne Konrad und Burghart, welche von den Vettern des Verstorbenen wegen des Laienzehenten zu Hüfingen gerichtlich angefochten, von ihrem Oheime Tollenzer jedoch siegreich verteidigt wurden.
Diese Vettern waren Rudolf der Kenzinger und Konrad von Blumenberg, die Söhne Herrn Diethelm’s des ältern, welcher Frau Anna, die Tochter Konrads und Schwester Burgharts, zur Gemahlin gehabt. Ihr Bruder Diethelm der jüngere war 1379 schon verstorben, und von ihnen selber wird Konrad im Jahre 1406, wo er dem Junker von Schellenberg seine Rechte zu Almishofen verkaufte, zum leztenmal genannt. Es scheint also die Hüfinger Linie des blumenbergischen Hauses mit ihm erloschen zu sein. Die Schellenberger hielten sich, nach dem Vorbilde ihrer blumenbergischen Ahnen, eifrig an das Haus Oesterreich, welchem dieselben schon 1395 das Oeffnungsrecht zu Hüfingen „für all‘ die Seinen in allen Nöthen“ eingeräumt hatten. Mit dem Hause Fürstenberg dagegen geriethen sie in solche Mißverhältnisse, daß Konrad von Schellenberg 1444 sogar die fürstenbergische Lehensherrlichkeit über Hüfingen bestritt und solche vom Kaiser neu bestätiget werden mußte 9).
Auch mit ihren Hüfingern scheinen diese Herren anfänglich über verschiedene städtische Rechte und Befugnisse in Streitigkeiten gerathen zu sein; denn durch die gütliche Uebereinkunft von 1452, den f. g. Stadtbrief, haben „Herr Berchtold von Schellenberg, Ritter, und die Bürger seiner Stadt Hüfingen
9) Verschiedene Urkunden im großh. Landesarchive zu Karlsruhe, und im fürstl. Archive zu Donaueschingen, von Münch und Andern benützt. Vergl. auch Iselius Lericon, unter Schellenberg.
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die Almendmarken und die gegenseitigen Rechte geöffnet, geläutert und gebessert, damit beide Theile wissen möchten, wie sie einander halten sollen, um fortan in gutem Willen und Wesen unter sich zu verbleiben.“
Die Hüfinger Almend zog sich demnach „von der Mutzerstaude in die Gießau, sodann unter dem Belaher Wege bis zur Mönchwiese und an’s Deggenrisch. Zum Almendgute gehörten ferner das Bränd und die Bulz am Wetzelsberg, der Spitz neben der Schleewiese bis hinauf an den Pfad, welcher die Almend von dem Herren-Holze schied; endlich auch die Wieden ob der Seemüle, die Schleife, der Hölenstein und der Gießen, die Länder, die Wiesen an der Walke, und die offenen Gassen und Plätze der Stadt.
Die Hölzer im Almendbezirke waren verbannt und kein Theil ohne des andern Zustimmung durfte Jemanden über dieselben etwas erlauben; die Bürger aber besaßen ein Eigenholz ob dem Mistelbrunnen. Bei der Almend-Vertheilung sollte kein Unterschied zwischen Reich und Arm, zwischen Insäßen und Ausbürgern stattfinden. Von altersher bestand zwischen Hüfingen und Almendshofen gemeinschaftlicher Waidgang und die Hirten beider Gemeinden hatten das Recht, in die Neidinger Furt „zum Läger und zur Stelle zu fahren.“ Auch mußte das Vieh vom Mönchhofe und von der Seemüle dem städtischen Hirten folgen bei der Buße eines Pfundes. Ferner war’s ein alter Gebrauch zu Hüfingen, daß niemals mehr als drei Ackerknechte zusammen ausfahren durften; daß jedem Zuge ein Schlagochs (Wucherstier) folgen mußte, welchen die Hirten für 5 Schillinge jährlich zu halten hatten, und daß Derjenige, so mit Rossen zu Acker fuhr, dieselben im Ächtbann mochte waiden lassen. Nach der Wirtsordnung mußte Jeglicher, der wirten wollte, ein volles Jahr hindurch ausschenken, und war derselbe drei Tage ohne Wein, so hatte er’s dem Herrn mit einem Pfund, der Gemeinde mit 5 und dem Schuldheißen mit 3 Schillingen zu büßen.
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Kein Wirt durfte ungeschätzten Wein verzapfen oder solchen, welcher schlecht und nicht Kaufmannsgut war; auch sollte keiner anders „zu zwei Zapfen ausschenken“, als Weißen und Rothen oder Breisgauer und Elsaßer zu Landwein — alles ebenso bei Strafe je eines Pfundes für den Herrn und die Gemeine. Ferner durfte kein Wirt seinen Gästen ungeschätztes Brot vorlegen oder Roggenbrot, wenn dieselben solches nicht besonders verlangten oder wenn die Bäcker kein Weißbrot mehr hatten; denn keinem Wirte war es erlaubt, selber Weißbrot zu backen. Während des Jahrmarktes mochte jeglicher Bürger „läßigen Wein“ ausschenken. Die Bäcker und Mezger sollten ebenfalls nichts Ungeschätztes verkaufen, die Stadt keinen Tag ohne Brot, und keinen Samstag ohne Fleisch, wie an Jahrmärkten und Kirchweihen nicht ohne beides lassen, da es den Wirten verboten war, auf solche Zeiten zu schlachten oder zu backen. Wer dieses überführ, verfiel der Gemeine mit 5 Gulden. In Beziehung auf die städtische Sicherheit und Reinlichkeit war es Jedermann untersagt, seinen Mist länger als von einem Samstage zum andern auf der Gasse ligen zu lassen, in seinem Hause zu bauchen oder in der Stube das Werk zu därren, bei einer Buße von 1 Pfund für den Herrn und 10 Schillingen für die Gemeine. Die Feuerschauer aber sollten allwöchentlich herumgehen und dafür sorgen, daß das Schadhafte ausgebessert werde, und in jeglichem Hause eine gute Gelte mit Wasser stehe, bei einer Strafe von 5 Schillingen. Wenn’s in einem Hause brannte und der Besitzer machte nicht zuallererst Feuerlärm, so wurde derselbe um 10 Pfunde für die Herrschaft, um 1 Pfund für die Gemeinde und um 5 Schillinge für den Schuldheißen gebüßt. Von altersher waren die Keller und die Häuser von Kindbetterinen so gefreit, daß man darin nichts verbieten und nichts nehmen durfte. Auch erbte die Herrschaft weder ein Haus, noch Harnisch oder Armbrust oder Bettgewand. Wer aber seine Rüstung verkaufte oder versetzte, hatte es mit
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10 Pfunden an den Herrn, mit 1 Pfund an die Gemeinde und 5 Schillingen an den Schuldhcißen zu büßen. Wer am Gutentag (Mittwochs), wo der Wochenmarkt war, einen Andern schlug oder ihm mit einer Herausforderung vor’s Haus gelaufen kam; wer ein Messer gegen den Andern zuckte, oder ihn einen Lügner nannte, oder ihm fluchte; wer einen Hirten oder Stadtknecht mißhandelte, oder nicht zu den rechten Thoren der Stadt aus- und eingieng, verfiel, je nach seiner Schuld, in eine der obgenannten Strafen.
Das Nämliche war der Fall, wenn Einer dem Stadtknecht das Pfand versagte, oder auf dessen Fürgebot ohne „ehafte Noth“ nicht Folge leistete; wer den Andern friedbrüchig verwundete, oder dessen Feldmarken überfuhr, oder ihm sein Feldgeschirr unerlaubt wegnahm, seinen Zaun aufhaute, seinen Garten bestahl oder seine Bäume beschädigte; ferner, der dem Weibe oder Dienstboten des Andern ohne dessen Wissen und Willen etwas abkaufte, oder ihm seine Dienstleute abdingte; wer den Andern überackerte, überschnitt oder übermähte.
Wenn Zwei vor Gericht mit einander rechteten und das Urtheil für beide gleichstimmig ausfiel, so hatte der Schuldheiß den Ausschlag zu geben; ergab sich aber ein Mehr und ein Minder und letzteres zählte wenigstens drei Stimmen, so wurde zwar nach dem ersteren abgeurtheilt, dem Verurtheilten (wo die Sache über 10 Pfunde betrug) blieb es jedoch gestattet, an das Stadtgericht von Rotweil zu appellieren.
Erschien ein Richter, welchem zu Gerichte geboten worden, innerhalb einer Stunde bis zum Glockenschlage nicht daselbst, so büßte er’s der Herrschaft mit 6 Pfenningen, und blieb derselbe ohne Urlaub des Herrn oder Schuldheißen ganz aus, mit 5 Schillingen. Wenn der Stadtknecht einen Einwohner wegen Geldschuld pfändete, so hatte der Kläger das Pfand vor Gericht zu verrechtigen, den Richtern eine Maß Weines dafür zu geben und die Verrechtigung mit zwei ehrbaren Männern dem Gepfändeten zu verkünden. Das Pfandstück aber mußte acht Tage
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lang im Gerichte liegen bleiben und durfte erst nach dem Verflusse dieser Zeit öffentlich vergantet werden.
Wenn ein Gast, welcher eine Schuldklage gegen einen Bürger vor dem Hüfinger Gericht erhoben, auf alles fremde Gericht verzichtete, so war der Schuldner verbunden, ihm die Schuld, soweit sie anerkannt worden, innerhalb des gleichen Tages zu bezalen oder dafür ein hinreichendes Pfand zu stellen und alle Kosten zu tragen. Verschuldete ein ehrbarer, redlicher Mann einen einfachen Frevel, so durfte derselbe nicht in den Thurm gelegt werden, wenn er im Stande war, das Recht zu vertrösten, d. h. eine rechtliche Bürgschaft zu leisten. Wer zu Hüfingen mit Roß und Karren versehen war, hatte dem Herren alle Jahre auf Weihnachten, Ostern und Pfingsten zwei Fuhren Holz vor die Burg zu liefern, wovon alsdann der Stadtknecht für seine Bemühung dabei jährlich zwei Fuhren erhielt. Unterließ Einer diesen Frondienst, so wurde er um 1 Pfund gebüßt und gleichwohl noch zu dessen nachträglicher Verrichtung gezwungen.
Der Schuldheiß hatte die Bußgelder, welche der Gemeinde verfallen waren, einzuziehen oder dieselben zu erfetzen, wenn der Einzng vernachläßigt worden. Auch mußte er alljährlich sein Vermögen berechnen und dasjenige versteuern, was davon 500 Pfund überstieg. Dieses war die hüfingische Verfassung nach dem Inhalte des Stadtbriefes von 1452. Herr Berchtold von Schellenberg hatte denselben für sich und seine Nachkommen und Junker Heinrich von Almendshofen für die Bürgerschaft besigelt, indem die letztere noch kein eigenes Stadtsigel besaß 10). Es geht aus der merkwürdigen Urkunde deutlich hervor, daß die
11) Oder hatte die Stadt damals etwa nur vorübergehend keinen Sigelstempel? Später, wie eine Urkunde von 1493 beweißt, führte sie ein Sigel, worin ein Thurm mit Thor und Eckthürmlein erscheint. Was den merkwürdigen Stadtbrief von 1459 betrifft, so wird er in Mone’s Zeitschr. sür Geschichte des Oberrheins nächstens abgedruckt und erläutert erscheinen.
Hüfinger völlig leibeigene Leute waren, und größtentheils von der Landwirtschaft lebten, welche sie auf ihren eigentümlichen und Almendgütern betrieben. Bald nach den Tageu dieser friedlichen Vereinbarung begannen die Schweizerkriege, den Oberrhein und Schwarzwald zu beunruhigen, und die Kriegsläufe des Jahres 1499 brachten auch für die Baar und unsere Stadt Hüfingen mancherlei Gefahr und Verderben.
Kaiser Max l hatte die angränzenden Kantone, welche sich immer noch „seine und des Reiches Getreue“ nannten, vergeblich aufgefordert, dem schwäbischen Kreise beizutreten. Da wollte er Ernst zeigen und von Drohungen kam es zum Kriege, wobei Frankreich, der alte Erbfeind Deutschlands, die Schweizer mit Geld und Rathschlägen unterstützte. Der hegauische Adel, hoch erfreut, sich einmal an dem verhaßten Bauernvolke rächen zu können, ließ es an junkerlich übermüthigen Herausforderungen nicht fehlen, leitete aber die Landes-Vertheidigung dermaßen schlecht, daß Jedermann sagte: „Wenn der Käiser selber im Land wär‘, so gieng es nit also schändlich.“ Am Donnerstage nach Aschermittwoch 1499 zogen die Villinger mit „zwei guten Rothschlangen“ in Hüfingen ein, und setzten des andern Tages ihren Marsch nach Engen fort, wohin die Mannschaft der Grafen von Fürstenberg bereits ausgezogen war, und wo die Hauptleute, darunter die Ritter von Schellenberg und von Blumberg, Kriegsrath hielten. Es wurde indeß nichts Entscheidendes gewagt. Hinter den Mauern von Engen und Ach schauten die adeligen Krieger unthätig zu, wie ganze Dörfer und Ortschaften von den Schweizerschaaren in Brand gesteckt wurden.
Die Städter kehrten heim, zogen aber über Ostern zum zweiten Male aus, und beim Kirchhofe von Hallau kam es diesmal zu einem Zusammenftoß, von dem der Villinger Chronist sagt: „Wenn alle Knechte im vorderen Haufen sich so gehalten Hätten, wie die von Villingen, so hätten wir den Kirchhof genommen.“ Blumberg, welcher 1500 Kriegsknechte befehligte,
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war zu spät auf dem Kampfplatze erschienen. Schon am Donnerstage nach Ostern hatten die Villinger und ihre Verbündeten sich wiederum nach Hüfingen zurückgezogen, „gar müd, mit sieben verwundeten Knechten, von denen aber keiner starb.“
Die Schweizer, in mehreren Treffen siegreich, plünderten und verheerten die ganze herrliche Gegend vom Bodensee bis gegen Basel hinab, und führten den Raub nach Schafhausen. Nur im Schlosse zu Blumberg hatten sie ernstlichern Widerstand gefunden.
Als die dortige Besatzung die verhaßten „Kuhmäuler“ daher kommen sah, verbrannten sie das Dorf selbst und setzten sich im Schlosse so tapfer zur Wehr, daß die Feinde unverrichteter Sache abziehen mußten. „Dies war das erst‘ Erwehren auf unsrer Seiten“, sagt der Chronist. Von da drangen die Schweizer nicht weiter in die Baar vor, und im Herbst wurde der Frieden geschlossen.
In Anbetracht des großen Schadens, welchen die schellenbergische Familie in diesem Kriege erlitten, bewilligte der Kaiser (1500) dem Konrad von Schellenberg und seinen Nachkommen in der Stadt Hüfingen, „so des Hauses Oesterreich Oeffnung sei“, fortan einen Pflasterzoll zu erheben, wobei der geladene Wagen zu 2 Kreuzern taxiert wurde. Von größerer Bedeutung, als der schweizerische, war für unser Städtlein der Bauernkrieg, welcher in dieser oberen Gegend zuerst seinen Ausbruch nahm, nachdem anderwärts schon seit Langem die s. g. Bundschuhe sich als Vorspiel der blutigen Tragödie angekündigt. Auch in Hüfingen zeigte das Verhalten der Bürgerschaft, daß die Städte der bäurischen Sache nicht geneigt waren; denn der Bauer erhob stch nicht allein gegen die Vorrechte und den Uebermuth des Adels und der Geistlichkeit, sondern erklärte auch den Privilegien des Stadtbürgertums den Krieg. Die Lage des „armen Mannes“ aber war eine um so schlimmere, als er nirgends Abhilfe, ja nicht einmal einiges Gehör für seine gegründeten Klagen und Beschwerden fand. Jeder Versuch zu gemeinsamen Schritten in dieser Richtung wurde von den Obrigkeiten für einen Versuch zum Aufruhr ausgelegt und
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demgemäß bestraft. Auch waren bei der gränzenlosen, durch das Lehenwesen herbeigeführten Zerstückelung der Verwaltungs- und Regierungsgewalten die politischen Zustände des Reiches derartig, daß durchgreifende Reformen im Allgemeinen nicht Platz finden konnten, während ewige, gewöhnlich mit Raubsucht geführte Fehden und Kriege, und eine gegen den untern Stand höchst ungerechte Gesetzgebung ein zahlreiches Proletariat erzeugten, welches meistens dem Landmanne auf dem Nacken lag.
Im Herbste des Jahres 1524 brach das Gewitter unter den Bauern des Grafen von Lupfen los, und auf den Donnerstag nach Michaeli zog ein Bauernhaufen aus dem Stülingischen über Bachheim nach Hüfingen, um den Ort zu besetzen. Der Hauptmann dieser Schaaren war Hanns Müller von Bulgenbach, eine der hervorragendsten Gestalten jener Zeit. Er hatte früher die Feldzüge wider den König Franz von Frankreich mitgemacht und besaß bei viel natürlichem Verstande eine große Schlauheit und Beredsamkeit. Wenn der stattliche Mann, im rothen Mantel und rothen Barette mit wallenden Federn, an der Spitze seiner mehrere tausend Mann starken Haufen erschien, so fuhr hinter ihm her der Zierwagen, welcher mit Laubgewinden, Bändern und der schwarz-gold-rothen Sturmfahne geschmückt war. Vor demselben aber ritt ein Zierhold mit dem gedruckten Artikelbriefe, um durch sein Geschrei die Gemeinden aufzurufen und die Artikel zu verlesen.
Als der Haufe vor Hüfingen ankam, fand er die Thore geschlossen. Hanns und Burghart von Schellenberg hatten beim Herannahen des Unwetters ihre Schriften und Kleinodien schleunigst nach dem festen Villingen geschafft und zugleich sich selber in die Flucht begeben. Die Bauern zogen an den Mauern der Stadt vorbei, nach Löffingen, Lenzkirch, Neustatt, Furtwangen, Förenbach und Bränd, wo sie Zuzug aus der Baar und vom Schwarzwalde erhielten. Es wurde gezecht, gepredigt und Jedermann zu seinem Rechte zu helfen versprochen. Als sie hierauf, etwa 500 Mann stark, gen Donaueschingen kamen, sagte man ihnen, der Ort sei von den mitt-
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lerweile aufgebotenen Truppen des schwäbischen Kreises besetzt; das gleiche war der Fall in Hüfingen und Neidingen, an welchen Plätzen, unter dem Befehl der Bundeshauptleute Jakob von Landau und Dieterich von Hornberg, mehrere Fähnlein Reiter und Fußvolkes lagen. Die Bauern, die keine Lust hatten, mit den Kriegsknechten anzubinden, zogen auf Umwegen an die Wutach, wo Abgeordnete der einheimischen Ritterschaft und des Bischofs von Constanz bei ihnen erschienen, um eine gütliche Beilegung des gefährlichen Handels zu versuchen. Es kam aber Nichts zu Stande, denn „die Bauern waren zu halsstarrig.“ Hanns Müller mit seinem Anhang hatte indessen den Rath zu Villingen und die Dürrheimer vergeblich für die Sache des „göttlichen und menschlichen Rechts“ zu gewinnen gesucht. Ebenso wenig Erfolg hatte er in Hochemmingen, wo ihm die Bürger den Bescheid ertheilten, „sie wollten bei ihrem frommen Herrn (dem Grafen von Fürstenberg) verbleiben, welcher es mit seinen armen Leuten gut meine.“ Auch von Thuningen und Trossingen ließ sich Niemand zur Theilnahme und zum Mitziehen bewegen.
Aber kurz vor St. Nikolaustag zog der aus 200 Mann bestehende Haufen von Bräunlingen her abermals vor die Thore der Stadt Hüfingen, allwo er sich lagerte. Die Bürgerschaft ließ den Bauern hinaus sagen, ihre Junker seien nicht daheim; man möge sich gedulden bis Montag, dann werde eine bestimmte Antwort erfolgen. Eilig schickte der Stadtrath nach Villingen, um Hilfe zu begehren. Der dortige Magistrat bestärkte die Hüfinger im Entschlusse, die Bauern nicht aufzunehmen, und rieth ihnen, denselben sagen zu lassen, „sie hätten ihren Junkern einen Eid der Treue geschworen, Niemand ohne deren Vorwissen in die Stadt einzulassen; weil aber die Herren nicht zu Hause wären, wollten sie ihnen über die Sache schreiben, und was dieselben verlangten, das wollten sie thun.“ Zugleich wurde den Hüfingern bereitwillige Hilfe zugegesagt und ungesäumt ein Reitender an die vorderösterreichische
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Regierung nach Ensisheim abgefertigt mit dem Begehren, „man möge Mannschaft heraufschicken, um vereint mit den Villingern der bedrängten Stadt Hüfingen beizustehen.“ Auch nach Tuttlingen wurden Boten abgeschickt, und als von dorther etwa 60 Reiter unter dem Befehle der Ritter von Ehingen und von Hornberg anrückten, nahmen die Bauern, welche sich unterdessen auf Bräunlingen zurückgezogen, eilends Reißaus, um an den unwegsamen Ufern der Wutach eine gesicherte Stellung zu gewinnen. Um Hüfingen nun vor weiterer Bedrängniß zu schützen, wurden von Villingen aus, wohin die vorderösterreichische Regierung Truppen geschickt, 600 Mann mit 60 Pferden in die Stadt gelegt. Und als die Bauern unter Oswald Meder wirklich einen Handstreich wagen wollten, genügte schon die Kunde von der Anwesenheit der Reichstruppen, dieselben von dem Unternehmen abzuhalten. Sie zogen ins Brigachthal, wo ihnen die Villinger, vereint mit einem Zug Reiter, entgegeneilten und sie in die Flucht jagten. Vergeblich hatte das Bauernheer die Straße nach Wolterdingen mit Karren und Wagen verrammelt; die Villinger sezten ihnen nach bis Bräunlingen und zogen des andern Tages im Triumphe nach Hüfingen, wo man sie mit Essen und Trinken bundesfreundlich bewirtete und beherbergte. Es wurden nun Schritte zu gütlicher Beilegung der Wirren versucht, und der Graf von Fürstenberg erschien mit „drei Tagherren vom Reich“ und den Junkern von Schellenberg zu diesem Zwecke in unserer Stadt. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, und ungeachtet der bäurischen Niederlage bei Günzburg, spielte Hans Müller mit seinen 4000 Mann im Hegau und in der Baargegend immer noch den Meister, hielt Neidingen und Pfohren besetzt und zog am grünen Donnerstage ungehindert in die Thore von Hüfingen ein. Um den Schwarzwald zu decken, hatte er den dritten Mann zur Landwehr einberufen. Just um dieselbe Zeit stand der vertriebene Herzog Ulrich von Wirtenberg mit seinen Anhängern bei Rotweil, um mit Hilfe der Aufständischen wieder in
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sein (dem Hause Oesterreich übergebenes) Land zu kommen. Er sendete deßhalb seine Unterhändler in das Bauernlager vor Hüfingen mit dem Ansinnen, Müller solle ihm die Hauptmannschaft abtreten oder Zuzug schicken. Der Schwarzwälder Oberist aber verweigerte Beides, indem die Seinigen schrieen, „sie wären nit auf, Herren ein-, sondern ab zusetzen.“ Von Hüfingen aus rückten die Bauernhaufen nach Donaueschingen, Fürstenberg und Wartenberg, welche Vesten sie mit den Dörfern Geisingen und Möringen unschwer in ihre Gewalt bekamen.
Es war also Villingen noch der einzige geschlossene Platz in der Baar, welcher ihnen nicht gehorchte. Gleichwohl gerieth ihre Sache jetzt in’s Gedränge; denn „der Bauernjörg“, der Truchseß von Waldburg, nahte mit seiner Macht heran, und der „Bulgenbacher“ mußte sich über Hüfingen, Wolterdingen und Triberg in’s Breisgau hinabziehen. Da fiel in Wirtenberg der Schlag von Böblingen an’s Haupt der Bauern, in dessen Folge Müller genöthigt war, die Höhen des Schwarzwaldes und der Baar wieder zu suchen 12). Mit dem Reste seiner Schaaren besezte er Bräunlingen, Schwenningen und Hüfingen; es kam aber zu keinem ernstlichen Kampfe mehr; denn die Kunde von den weiteren Niederlagen der Bauern entmuthigte die Müllerisch en, und was noch am Leben war, „kehrte heim und flehte um Gnade.“ Am 14ten Juli 1525 ritten die Junker von Schellenberg mit 3 Verordneten des Villinger Rathes nach Hüfingen, und am Freitag nach St. Ulrich schworen ihre Unterthanen den Eid der Treue, nachdem sich 37 derselben, welche dem Frieden nicht trauten, davon gemacht. Von grausamen, unmenschlichen Strafen (wozu bekanntlich selbst Luther den Fürsten gerathen), wie sie an den meisten Orten über die besiegten Bauern verhängt wurden, erfuhr man
12) Die Quellen dieser Schilderung sind hauptsächlich die alte Villinger Chronik, die Chroniken des A. Letsch uud des Abtes Caspar von S. Blasien, und die Salemer Aufzeichnung, welche in der bad. Quellensamml. von Mone (II, 42 bis 133) abgedruckt erschienen.
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im Fürftenbergischen nichts. Der Landesherr, Graf Friderich, suchte die Gemüther durch Milde und Großmuth zu versöhnen, wie es im Badischen Markgraf Philipp that. Betrachten wir nunmehr die Verhältnisse der Familie von Schellenberg, welche sich vor ihrem traurigen Zerfalle noch kurze Zeit eines scheinbaren Glanzes durch schöne Besitzvermehrungen und Stiftungen erfreute. Dieselbe hatte sich in zwei Linien getheilt und wahrscheinlich zu Anfang des 16ten oder zu Ende des vorhergehenden Jahrhunderts das obere Schloß erbaut; denn der Stadtbries von 1452 spricht nur von einem Schlosse, der „Burg.“ Auch hatte dazumal die Stadt nur einen Herrn; bald hernach aber erscheint der Besitz von Hüfingen als ein getheilter, und da die städtischen Schriften eines Theilungsvergleichs vom Dounerstag nach Martini 1523 erwähnen, so könnte diese Theilung etwa die Erbauung des zweiten Schlosses veranlaßt haben. Die Söhne des Konrad von Schellenberg und der Adelheid von Blumeneck waren Burghart und Johann, und durch letzteren verzweigte sich die Familie auch außerhalb der Baar, indem er die randeckische Erbtochter ehelichte und eine Nachkommenschaft hinterließ, deren zahlreiche Glieder sich fortan von Randeck schrieben. Zu Hüfingen verewigte sich Herr Johann durch die Stiftung eines Altars in der Pfarrkirche 13) „zum Andenken seiner Schwiegerältern, des gestrengen Herrn Eucharius von Reischach und der edlen Euphrosine von Honburg, so die Letzte ihres Stammes und Namens gewesen.“ Herr Burghart aber, welcher mit Barbara Auer vermählt war, erwarb die Veste Landstrost im Burgauischen und das Dorf und Schlößlein Oefingen in der Baar. Sein Sohn Arbogast verheiratete sich mit einer Freiin von Rechberg und
13) Nach dem Stiftungsbrief von 1608 bestund die Priesterschaft zu Hüfingen damals aus dem Pfarrherrn Hanns Gaß, und aus den Caplänen Jodok Glunk ad s. Blasium, Hanns Heim ad s. Barbaruam, Georg Stockmann ad s.. Jacobum und Jacob Forster ad s Corpus.
hinterließ die Leibeserben Wolfgang und Heinrich, wovon ersterer den landstrost-öfingischen, und lezterer als Besitzer der Herrschaft Hausen vor Wald mit der Veste Neuenburg den hausen-neuenburgischen Zweig der Familie gründete 14). Der ansehliche schellenbergische Besizstand begann jedoch bald, sich zu verringern. Schon 15 Jahre nach dem Hingange Herrn Arbogasts befand sich das obere Schloß zu Hüfingen mit allem, was die landstrostische Linie daselbst besaß (namentlich mit der Ochsenscheuer und Seemüle), in der Hand der Lehensherrschaft von Fürstenberg. Und auch für die Hauptlinie des Geschlechtes waren die Tage finanzieller Bedrängniß gekommen. In der „Tafelstube“ des hinteren Schlosses faßen sie am 11ten Jänner 1620 beisammen — der verschuldete Freiherr Burghart von Schellenberg und die Vormünder seiner noch minderjährigen Geschwister, und verhandelten über den Verkauf ihres Besiztums. Dasselbe umfaßte das hintere Schloß mit den Buß-, Ein- und Abzugsgeldern, dem Ungelde und einem Drittel von den Wirtshäusern; den Grabengarten, die Müle in der Stadt, eine Ziegelhütte, eine Wiese, drei Weier, die Gerechtigkeit des Waidgangs für 100 Stücke Viehes, das Bau- und Brennholz für’s Schloß, etliche Fruchtzinse, das Fischerei- und Jagdrecht, das Stand-, Weg- und Brückengeld, den Metzigzius mit dem Unschlicht, den Judenzoll und die jährliche Steuer von 50 Gulden, die Frondienste, den Roßhaber und die verschiedenen Leibeigenschaftsgefälle. Dies alles verkaufte die Familie sosort an Fürstenberg um die Summe von 60,000 Gulden. Vorbehalten hatte sich dieselbe allein den Zehnten, welcher ein reichenauisches Lehen war, und den Kirchensatz für je ihren Aeltesten. Hierauf verließ sie Hüfingen, welches ihr über 300 Jahre lang gehorcht hatte, und bezog das Schlößlein zu Hausen 15).
14) Diese Nachrichten sind aus Gerberts Silva nigar (II, 220) und aus den Lehenacten des großh. Landesarchives geschöpft. 15) Nach verschiedenen Actenstücken über diese Kaufhandlung, von 1620.
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Der damalige Landesherr, Graf Vratislaus, welcher sich 1622 selber zu Hüfingen aufhielt, suchte die neue Erwerbung durch verschiedene Kauf- und Tauschhandlungen zu vervollständigen. So erwarb derselbe von der Wittwe Häfelin das „Wirtshaus zur Krone“, von der Stadt aber ein „Almendstück im Wildholz“, wogegen er ihr um 500 Gulden ein ehemals schellenbergisches Haus in der Vorstadt überließ, welches die Gemeinde sofort zu ihrem Rathhaus bestimmte. Der Graf wurde hierauf auch der Wohlthäter von Hüfingen, indem er durch den Vergleich von 1628 die herrschaftlichen Schupslehen sämmtlich in Erblehen verwandelte. Das Ende des Prozesses, welchen die schellenbergischen Kinder, nachdem sie volljährig geworden, gegen ihn erhoben, um den Kauf von 1620 rückgängig zu machen, erlebte er nicht mehr. Mittlerweile war der dreißigjährige Krieg in’s Land hereingebrochen.
Als Vorspiel desselben erschien die Hungersnoth von 1622 mit ihrer Nachfolgerin von 1628. In ersterem Jahre stieg der Vesen aus 30 und der Kernen auf 100 Gulden; in letzterem aber erreichte die Noth einen solchen Grad, daß zu Hüfingen viele Armen beim Wasenmeister um Fleisch bettelten 16), um ihren Hunger zu stillen! Aber ein noch furchtbareres Uebel waren damals die Hexenverfolgungen, welche eine Menge der traurigsten Justizmorde zur Folge hatten. Diese moralische Seuche, deren Wuth die gesellschaftliche Verkommenheit jener Zeit vollendete, forderte auch von den Hüfingern ihre Beute. So wurden daselbst noch 1613, bevor der Kriegssturm den gräulichen Hexenwahn verscheuchte, mehrere Bürgersfrauen zum Scheiterhaufen verurtheilt, einigen davon jedoch, auf Bitte des Pfarrers, aus Gnade „zuvor das Haupt abgenommen.“ Die Oertlichkeit, wo diese Opfer fielen, heißt noch heutzutage der Hexenberg, und noch immer wird das „Schosemer Thal“
16) Wie eine Notiz des Jahrzeitbuches der Hüfinger Caplanei ad S. Blasium besagt.
im Volksmunde als der Sammelplatz bezeichnet, wo die Hexen der Umgegend ihre nächtlichen Orgien gehalten! Was den Krieg betrifft, so blieb unsere Gegend vom ganzen ersten Acte des blutigen Dramas noch verschont. Erst nach der Schlacht bei Lützen wendeten sich der Feldmarschall Horn und Herzog Bernhard von Weimar gegen Oberdeutschland, und erst mit der Belagerung der befestigten Stadte Constanz und Ueberlingen durch die schwedischen Völker, wurde der Anfang zu den „schweren Läufen und Kriegsempörungen“ in unserer Gegend gemacht.
Denn vergeblich erfüllte der Prager Frieden (1635) alle Gemüther mit Freude und Hoffnung. — die Krone Frankreich, unverwandt ihr altes Ziel im Auge, die Macht des Hauses Oesterreich zu schwächen und das linke Rheinufer an sich zu reißen, schürte den Krieg auf’s Neue an. Es schienen ihr die Tage gekommen, um mit deutscher Hilfe blutige Aernte in Deutschland zu halten; sie schickte ihre mit dem Weimarer verbündeten Truppen an den Oberrhein und bis in den Hegau, wo die Kaiserlichen viele festen Plätze besetzt hielten. Radolfszell aber und Hohentwiel waren von protestantischen Truppen besetzt. Der Erbmarschall von Pappenheim (ein Vetter des berühmten Reitergenerals der katholischen Liga), welcher die Herrschaft Engen vom Kaiser zu Lehen trug, erklärte sich zu Gunsten der Union, und in Folge dieses Schrittes wurde sein Sohn zum Kommandanten von Zell ernannt. Im October 1632 marschierte der junge Herr mit einem Haufen wirtenbergischen Volkes aus dem Hegau in die Baar, um, namentlich das Städtlein Hüfingen, zu brandschatzen. Beim Herrannahen des Feindes hatten sich viele Bauern umligender Dörfer dahin geflüchtet, und die Einwohner, auf Tod und Leben sich zu verteidigen entschlossen, verrammelten die Thore und feuerten mit großem und kleinem Geschütze von den Mauern und Thürmen, mußten aber, von der Uebermacht gedrängt, sich zu einem Accorde bequemen. Kaum sah sich der Feind im Besitze der Stadt, als er über Bürger, Weiber und Kinder herfiel und die Wehrlosen (darunter
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Viele, die sich in eine Scheuer der Vorderstadt geflüchtet) niedermezelte. Diese abscheuliche Unthat rief im Lande allgemeine Entrüstung hervor, und mehr als eine damalige Feder hat sie der Nachwelt überliefert. So der Stadtpfarrer Wiehl zu Hüfingen im dortigen Jahrzeitbuche, und so der Abt Gaiser zu Villingen in seinen Jahrbüchern. Ersterer erzält die blutige Tragödie in folgenden Versen:
Im Jahr eintausend sechshundert zwey und drehßig, Mein lieber Christ, lies Nachgeschriebenes fleißig, Den sechzehnten Weinmonat, an Sanct Gallen Tag, Geschah zu Hüfingen ein‘ blutige Niederlag. Von gottlosen wirtenbergischen Nachbarlauren Seind ermordet worden zweyhundert Bauren. Denn als ein Ketzer, Relinger genannt, Zu Altenhöwen im Hegau, wohl bekannt, Mit dreihundert Franzosen thät sich legen, Vermeinend, es werd‘ sich Niemands wider ihn regen, Beschickt‘ er der Nachbarschast Vogt‘ und Ambtleut‘, Wenn s‘ nit kämten, ‚müßten s‘ werden sein‘ Beut‘. Die Bürger wollten Solches nit eingehen, Sondern mit gewehrter Hand ihm widerstehen. Sie wollten auch kein‘ Contribution nit geben, Und eher sich wehren mit Leib und Leben.
Als Solches den Franzosen ward kund gethan, Thäten sie alsbald Altenhöwen verlan. Da rufte der Jung‘ von Pappenheim Die Wirtenberger, unier dem Rhein, Als wäre er mit Leut‘ und Land Ueberfallen von Hüfingen, wohlbekannt. Er rufte die Wirtenberger um Gotteswillen, Sie sollten kommen, die Hüftnger zu stillen.
Und siehe, er bringt in vierzehn Tägen Zusannnen mancherlei Diebeskrägen. Wohl bei fünftansend Mann, für wohr, Zugen heran für’s Hüfinger Thor. Aus dem nächsten Wirtenberg kamen die Bauren Und bedrängten des Städtleinö Manren. Hüfingen aber schoß mit Hacken und Stucken, Daß mancher Wirtenberger sich mußte ducken.
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Sie wären auch damals nit eingedrungen, Wen s‘ nit versprochen mit ketz’rischen Zungen, Sie wollten Quartier und Sicherheit geben Und schonen der Bürger ihr Gut und Leben.
Die verlaß’ne Bürgerschaar ihnen glaubt‘, Weil ihr fehlte ein oberstes Haupt, Das ihnen muthig zu thät sprechen: „Nur d’rauf, diese Hoffahrt wollen wir brechen.“ Da haben die Pforten sie aufgesperrt, Weil sie von Sicherheit Leibes und Gut’s gehört. Ach die Ketzer, sie waren da kein‘ Stund‘, So thäten sie brechen ihr’e verlogn’en Bund. Trieben wie d‘ Schwein in ein‘ Scheuer die Bauren Und mord’ten s‘ mit Äxten, ohn alles Bedauren.
Aus Hüfingen und darum, so darf ich sagen, Haben die Ketzer zweyhundert Leut‘ erschlagen, Und, dieweil’s dabei nit verblieben, Wohl tausend Stück Vieh hinweg getrieben; Haben gestohlen viel Hab‘ uud Gut Und vergoßen viel unschuldig’s Blut, Vier Kelch‘ und ein‘ Ampel der Kirch‘ entwendet, Und daneben zwei schöne Kapellen geschändet. Die Kirchenzier und die Meßgewand‘ Trug ein jeder Ketzer in seiner Hand; Die Pfeifen der Orgel schleppten s‘ herum Und machten damit auf, statt einer Trumm‘; Die Heiltum‘ der Altär‘ rissen s‘ heraus — Ach Golt, wie war mir das ein Graus! Als ich in der Kirch‘ thät meine Augen auf, Sah ich ein manchen unzüchtigen Haus‘. Gott woll‘ den Gemord’ten die Seligkeit geben, Die begehrten, den Ketzern zu widerstreben.
Abt Gaiser von Villingen aber in seinem merkwürdigen Tagebuche 17) erzält den unglückseligen Hergang mit Angabe verschiedener Umstände, deren obige Reime nicht erwähnen. Er schreibt beim 15ten October des Jahres 1632: „Um die zehente Stunde des Vormittags hörte man zu Villingen aus der Gegend von Hüfingen her gewaltigen
17) Mone, bad. Quellensamml. II, 159 bis 528.
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Geschützesdonner. Das Städtlem hatte eine ziemliche Besatzung von Bauern und Bürgern, welche viel Muth zeigten, und verschloß den Wirtenbergern seine Thore. Diese hatten aber eine besondere Watz auf die Hüfinger und wollten den Ort durchaus in ihre Gewalt bekommen.“ „Das wußte man zu Villingen und noch weiter wußte man, daß eine starke Anzal Bauern das Thal bei Hüfingen besezt hielt, um den Feind daselbst, wenn er nahe, zu überfallen. Der Geschützesdonner machte die Villinger nun glauben, daß dies geschehen seie, und es erhob sich eine Partei, welche darauf drang, den Bauern zu Hilfe zu kommen. Also verließen 200 Mann bewaffnet die Stadt. Ueberall auf ihrem Wege fanden dieselben Merkmale der Verwüstung. Als sie nach Almannshofen kamen, sahen sie den Gräuel von Hüfingen (excidium Hüfingense), verzweifelten an einer Hilfe und kehrten heim.“ „Nur Einer, Namens Leli, ein Schmidt, drang bis an die Stadtmauern vor, sezte dort die Bickelhaube eines todten Feindes auf und gelangte so glücklich zu seinen Mitbürgern zurück, welche Abends um 8 Uhr in Villingen wieder anlangten, von ihrem Muthe sehr abgekühlt.“ „Der Zug der Wirtenberger nach Hüfingen war eine wahre Schlächterei. Sie sind abscheulich mit den armen Leuten umgegangen, haben unbarmherzig gehaust und nach ihrer gewohnten Weise beinahe Alles bis auf den Stumpen ausgeplündert, verheert und verwüstet. Der Vorgesezte von Biesiugen verübte bei dieser bestialischen Geschichte (in ferali laniena) ein besonderes Menschengemetzel und tanzte dabei in einem Meßgewande wie betrunken in der Stadt herum.“ Das Zeitbuch der Schwester Veronica zu Engen aber berichtet: „Zu Hüfingen in dem Städtlein hat der von Pappenheim mit den wirtenbergischen Bauern die dortigen Bürger und Landleute in großer Zahl niedermachen lassen, um deswillen es viel‘ Wittwen und Waisen gegeben. Und nimmt man au, dies erbärmliche Wesen sei vom Himmel dadurch gerächt und gestraft worden, daß der pappenheimische Grafenstamm bald darauf verdorrt und abgestorben.“
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Großes Ungemach brachten der Stadt auch dte nächstfolgenden Jahre durch die dreimalige Belagerung von Villingen. Denn während dieser Operationen war Hüfingen beständig mit „wirtenbergischen und schwedischen Kriegsvölkern“ überschwemmt, und hatte abermals eine „harte Plünderung“ auszustehen 18). Um das Nöthigste bestreiten zu können, mußte die „ausgesogene, verarmte Gemeinde“, im Verein mit dem Städtlein Fürstenberg, bei einem Schweizer, welcher ihr bereits ein großes Quantum Weines geliefert, ein Kapital von 6000 Gulden ausnehmen. „Viele Leute“, sagt das Anniversarienbuch der Kaplanei, „sind dazumal in Hüfingen vor Hunger gestorben. Man aß Beeren, und Brod von Spreu, von welch‘ elender Nahrung Viele aufschwollen und starben. Viele auch wurden ganz von Haus und Hof vertrieben.“ Im März 1634, als die französischen Truppen bei Rotweil lagen, begab sich ein Theil von ihnen nach Hüfingen in’s Quartier. Einige Wochen später, nachdem der Feind wiederum abgezogen, erschienen die Villinger mit 40 Wagen, um das daselbst vom Gültlinger aufgehäuste und hinterlassene Getreide abzufassen, was ihnen auch glücklich gelang. Am 15ten Juli kamen sodann Morgens früh die französischen Söldlinge unter ihrem Führer Gassion aus dem Hegau wieder nach Hüfingen und Bräunlingen zurück. Die Villinger Reiter griffen dieselben an und erschlugen sechse davon. Im Jahre 1638, am 26ten Oktober, wurde unsere Stadt von weimarischen Reiterschwadronen völlig ausgeplündert, und im November darauf schwer gebrandschatzt, wobei ein Bürger am Oberthor durch den Kopf geschossen, der Kaplan Gestle mit dem angesehenen Bürger Wiehl gefangen und nach Blumberg geführt, Abends jedoch, als die geforderte Summe erlegt war, wieder entlassen wurden 19)
18) Schuldverschreibung von 1635 im städtischen Archiv. 19) Anniversarienbuch der Kaplanei S. Blasi. Ebendaselbst findet sich bei’m Jahr 1639 die Bemerkung: „Am 12. Juli verbrannte kaiserliches Volk das Schloß Höwen.“
Im Jahre 1642 waren Baiern zu Hüfingen und Bräunlingen einquartiert; aber im darauf folgenden flüchtete Alles, geschreckt durch Feindesgefahr, mit Vieh und anderer Habe, was man in Eile mitschleppen konnte, in die Wälder. Am 4ten Juni geschah es auch wirklich, daß die Baiern in Hüfingen und Donaueschingen von den weimarisch-französischen Truppen überfallen und zum Rückzug in’s Hegau gezwungen wurden. Und also gieng es fort bis zum Friedensschlusse von 1648. Wie schr das hüfingische Gemeinwesen unter diesen Stürmen gelitten und in Unorduung gerathen, läßt sich denken, und geht schon allein aus dem Umstande hervor, daß vou 1632 bis lang nach dem Frieden die Gemeindeprotokolle gäuzlich fehlen. Und wenn wir lesen, Bräunlingen habe vier Jahre nach dem Kriege nur uoch 12o männliche Einwohner gezält, so läßt sich daraus ein Schluß auf unfer Hüfingen ziehen. Viele Grundstücke waren lange Zeit gar nicht mehr angebaut worden, woraus hernach viele Streitigkeiten und Prozesse über Eigentumsrechte entstanden. Waldhausen, ganz ausgeftorben und ruiniert, wurde erst 1670 wieder angebaut, und ebenso standen in Hubertshofen die Häuser mehrere Jahre lang leer und zerfalleu. Die Zeit vom dreißigjährigen Kriege bis zur französischen Revolution verlief für unser Hüfingen ebenfalls nicht ohne mancherlei schwere Heimsuchungen. Der nächste kurze Friedcn wurde dazu benützt, die Schäden nach Möglichkeit auszubessern und das zerrüttete Hauswesen vor gänzlichem Zerfalle zu bewahren. Graf Franz Christoph von Fürstenberg hatte der Stadt den Maßpfennig bewilligt auf so lange, bis die während des Krieges gemachten Schulden getilgt wäreu 20). Die
20) Diese Abgabe dauerte bis in die neuere Zeit. Im Jahr 1780 wurden dahier in 9 Wirtshäusern 365 Saum Weins verzapft; 1782 aber 569 und 1809 nur 200 Saum. Vom Saum bezop die Stadt 30 Kreuzer, vom Saum Biers dagegen nur halbsoviel. In früherer Zeit wurden meist Schweizer-, Elsäßer- und Landwein gehalten; heutzutage hält man Schweizer und Markgräfler, mit welch letzterem Namen alle weißen Weine beehrt werden, selbst der ärgste, in der Baar nur zu häufig verzapfte Sauerampfer!
Gemeinde, im Vereine mit Bela, Sumpfohren und andern Dörfern, mußte abermals ihre Zuflucht zu einem leidigen Geldanleheri nehmen und zur Sicherheit dafür ihre sämmtlichen Liegenschaften verpfänden. Unter den Nachfolgern des Grafen Franz wurde die Bewillignng des Ungeldes der Stadt erneuert; die Einnahme desselben sollte zur Erhaltung der städtischen Bauten, namentlich zur „Reparierung der Stadtmaner“, verwendet werden. Kaum jedoch hatte die dezimierte Einwohnerschaft sich wieder ein wenig erholt, als neue Kriegsstürme auch wieder neue Lasten und Leiden brachten. Der Franzosenkönig Ludwig XlV schickte seine Heere von 1673 bis 1678, von 1688 bis 1697 und von 1702 bis 1714, unter trefflichen Führern alljährlich an den Rhein, und die kaiserlichen Feldherren hatten Alles aufzubieten, um den Westen von Deutschland vor seiner Eroberungssucht zu retten. Während dieser Zeiteu fehlte es auch in Hüfingen wieder nicht an Durchmärschen, Einlagerungen, Einquartierungen, Brandschazungen und anderen schweren Kriegskosten. Die städtischen Schriften berichten von einer außerordentlichen „Rekrutierung der Kreisvölker“, vom Durchzug „kommandirter Truppen“, von drückenden „Einquartierungen, Requisitionen und Contributionen“, von den Kosten der Stadt „durch längeren Aufenthalt allda stationierter Werber und Schanzarbeiter.“ Im Jahre 1689 lagen kurbaierische und lothringische Regimenter in Hüfingen, und die Gemeinde fühlte sich wieder dergestalt „ausgesogen und entkräftigt“, daß sie unvermögend war, die jährlichen Steuern zu bezalen, und abermals zur bittern Arznei des Schuldenmachens greifen und ein tüchtiges „Stück Geld“ aufnehmen mußte. Wie muthwillig „dazumal, als der Franzos durch’s Land gegangen“ , hin- und herziehende Rotten das arme Landvolk behandelten, davon geben jetzt noch einzelne Votivtafeln in Kirchen und Kapellen bildlich sprechendes Zeugniß. Im Jahre 1705, „beim Ausmarsch an die Gränzen der Herrschaft“, hatte Hüfingen 8 Mann zu stellen; 1708 waren
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Hüfinger, an der Schiffbrücke bei Neuenburg und am hohlen Graben thätig, und zum Schlusse der langen Kriegsmisere wurde das Land von einer heftigen Viehseuche heimgesucht, welche die Bewohner unserer Stadt zu einem großen Bittgange nach Gnadenthal veranlaßte. Während der Belagerung von Freiburg 21), im Herbste 1713, wurde der Schwarzwald wieder plötzlich vom Feinde heimgesucht. „Die französischen Räuber plünderten Alles aus und trieben das Vieh heerdenweise mit sich fort, wobei etliche derselben von den Hirten erlegt wurden.“ Im Verlaufe der gewaltigen Kriegszüge, welche die französische Revolution zur Folge hatte, wiederholte sich das frühere Schauspiel. Oesterreich, die natürliche Schutzmacht des südwestlichen Deutschlands, schickte seine Heere zur Verteidiguug an die Rheingränze; da sich aber Preußen durch den Basler Separatfrieden von der deutschen Sache getrennt und auch andere Fürsten zur Neutralität verleitet hatte, so sah man den Gallier bald wieder seine Rosse in der Donau tränken. Als Moreau 1796, von Erzherzog Karl verfolgt, seinen Rückzug durch den Schwarzwald nahm, erlitt Hüfingen eine kleine Plünderung, die sich besonders auf Schuhwerk und Kleidungsstücke erstreckte. Nach der Schlacht bei Stockach (1799) wurde das hiesige Zuchthaus, nachdem die Sträflinge in das feste Schloß Wildenstein verbracht waren, zu einem Lazarete eingerichtet; es reichte aber nicht hin, die herbeigeführten Verwundeten gehörig aufzunehmen, man mußte viele derselben im Vorplatze und Stiegenhause unterbringen. Der Platz im „kleinen Stückle“, wohin die vielen Todten beerdigt wurden, heißt noch jetzt der Franzosenkirchhof. Als Moreau 1800 über den Rhein gedrungen, hob der kaiserliche Feldzeugmeister Kray das Lager bei Hüfingen auf und lieferte dem Feinde die Treffen bei Stockach und Engen, bei Meßkirch und Tuttlingen. Beim Vorrücken der Alliierten gegen den Rhein, im
21) Man sehe die „kurze Geschichte der Wallfahrt Triberg“ von 1834.
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„Russenwinter“ (1813 auf 14) raffte das Nervenfieber in Hüfingen viele Opfer dahin, während ungeheure Durchmärsche stattfanden. Auch war die Stadt dazumal der Sammelplatz zur Bildung des 2ten Landwehrbataillons. Während der Flucht der revolutionären badischen Truppen im Sommer 1849 sahen wir sämmtliche Artillerie derselben im Schloßthore zu Hüfingen aufgestellt. Um Mitternacht, bei magischem Vollmondschein, machte die ganze Retirade noch einen kurzen Halt in den Gassen, um Erfrischungen zu sich zu nehmen. Am folgenden Morgen rückten die Reichstruppen (Kurhessen) ein. Das Jahr darauf wurde das Bezirksamt zu Hüfingen mit sämmtlichen anderen großherzoglichen Stellen, längst ein Gegenstand freundnachbarlicher Sehnsucht, endlich nach Donaueschingen verlegt. Da diese Verlegung so unmittelbar auf die Ereignisse von 1849 folgte, so gewann es den Anschein, als wolle man die Stadt dafür büßen lassen, daß sich ein größerer Theil ihrer Bewohner ebenso (aber gewiß nicht mehr) in den Strudel der Bewegung hatte hineinreißen lassen, wie fast alle übrigen Gemeinden des Ober- und Unterlandes.
‚ Nach dieser geschichtlichen Skizze dürfte eine kurze Ortsbeschreibung unseres Städtleins für manche Leser von Interesse sein. Ich beginne mit der Pfarrkirche. Dieselbe ist den Heiligen Jakobus und Verena geweiht, und wie wir gesehen, muß die Stiftung der Pfarrei in sehr früher Zeit geschehen sein. Das älteste vorhandene Datum findet sich im Kirchenthurme, oben am Schlusse der steinernen Wendeltreppe; ein dort angeketteter Stein trägt die Jahreszahl 1222 — wohl das Erbauungsjahr des Thurmes, wofür noch ein weiteres Merkmal spricht. Die Rippen am Gewölbe des Glockenhauses sind nämlich Rundstäbe, die aus romanischer Zeit stammen, während sie im Style der spätern Gothik eine scharf eingezogene, nach Außen zugespitzte Form haben müßten.
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Damals hatte der Thurm entweder ein s. g. Satteldach, wie wir’s an den ältesten Kirchthürmen der Umgegend sehen, oder ein solches, wie der Thurm der alten Gottesackerkirche zu Bräunlingen. Ein Beweis hiefür sind die (Thierleiber vorstellenden) steinernen Wasserabgüsse auf allen vier Seiten, welche durch die spätere bauliche Veränderung zwecklos geworden. Diese Veränderung, ein achteckiger Aufsatz mit einem hohen gerundeten Ziegeldache, wurde 1613 vorgenommen, wozu Junker Hanns von Schellenberg, laut leztwilliger Verfügung, 50 Gulden beigesteuert hat. Die große Glocke, welche 1789 leider zersprang, wurde in Villingen umgegossen; das übrige Geläute aber dürfte aus sehr alter Zeit herrühren, was schon die Mönchsbuchstaben der Glockeninschriften verrathen. Die Kirche selber trägt vom ursprünglichen Baue nichts mehr an sich. Das Langhaus, für die zunehmende Bevölkerung ohne Zweifel zu klein, wurde 1563 abgerissen und von einem Baumeister Alberti neu hergestellt. Die im Renässanyestyle geschnizten Thürflügel sind schön und deßhalb erhaltenswerth. Der alte Chor machte erst 1699 einem neuen Platz 22). Der späteste Theil des Baues aber ist die Sakristei, denn bis zum Schlusse des vorigen Jahrhunderts diente hierzu das Glockenhaus. Die alten Altäre waren meist schellenbergische Stiftungen. Der jezige Hochaltar wurde nach einem Entwurfe von Seele in den zwanziger Jahren durch meinen Vater ausgeführt. Das schöne Altarblatt ist ein Werk jenes Meisters und von ihm der Stadt, worin er seine Jugendjahre verlebt, zum Geschenk gemacht worden. Die beiden erhaltenswerthen Nebenaltäre fertigte mein Urgroßvater Schelble; die Altarblätter sind eine Arbeit des fürstenbergischen Hofmalers Weiß, dessen Portrait auf dem einen Bilde zu sehen.
22) Der Altarstiftungsbrief des Hanns von Schellenberg enthält von späterer Hand die Notiz, „das Docmnent, sei bei Erbauug eines neuen Chors und Hinwegräumung des Fronleichnams-Altars gefunden worden.
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Aus den Zeiten, wo die Hüfinger Kirche die Grablege der schellenbergischen Familie war, finden sich noch mehrere Grabsteine in den Wänden eingemauert. Die beiden ältesten stammen aus den Jahren 1523 und 1541. Ein dritter von 1572 ist dem Andenken Burghards von Schellenberg gesezt, der als fürstlicher Rath „dem Hause Bayern 72 Jahre gedient“, und der vierte, sehr wahrscheinlich von dem Konstanzer Bildhauer Morink verfertige Grabstein, darf als beachtenswerthes Muster der Bildhauerkunst des 16ten Jahrhunderts gelten. Derselbe ist von Junker Hanns, dem lezten Sprossen des schellenberg-randeckischen Astes, seinen Ältern Gebhard und Barbara (einer Gebornen von Fulach) Anno 1583 gestiftet. Den unteren Raum des Grabmals nehmen sechs etwas unter Lebensgroße gehaltene knieende Potraitsfiguren ein, welche ein getreues Familienbild aus ihrer Zeit darstellen. Links sehen wir den geharnischten Gebhard, welcher den schmalkaldischen Krieg „als Avanturio“ auf eigene Kosten mitgemacht. Hinter ihm knieen zwei Gestalten in spanischem Wamms und Mantel, wahrscheinlich der Sohn (der Stister) und dessen Schwager Vintler von Pläts, und ihnen gegenüber betend ihre Frauen. Der Stifter Johann war ein großer Altertums und Kunstfreund, der eine hübsche Bibliothek besaß und mit vielen Gelehrten in Briefwechsel stand. Ein vierter Grabstein ist 1605 für Junker Arbogast zu Hüfingen, Landstrost und Öffingen, den österreich-baierischen Rath gesezt, und ein weiterer besagt: „Hier liegt ein braver Ofizier der suggerischen Cnrassier vom schellenbergischen Haus, hieß Karl Jgnatz, Gott gebe ihm die ewige Ruh.“ Das Andenken des lezten Sprossen aus diesem Geschlechte bewahrte eine von meinem Vater gefertigte Steintafel mit einem alabasternen Wappen im Chore. Der Pfarrhof wurde 1753 unter Pfarrer Riesterer gebaut. Demselben schräg gegenüber sehen wir das fürstliche Rentamt, in früheren Zeiten „Sennhof“ geheißen, ein geräumiges Haus mit einem Zinnengiebel und angebanten Oekonomiegebäuden. Es steht auf der Stelle der alten Burg; im
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dortigen „Grabengarten“, wie in anderen anstoßenden Grundstücken, stößt man immer noch auf starke Grundmauern. Dieses Schloß, die Wohnung der schellenbergischen Hauptlinie, war in früherer Zeit durch einen Wassergraben von der „Vorder-Stadt“ getrennt, weßhalb heute noch die dortige Häuserreihe „auf dem Graben“ heißt. Hinter dem jetzigen Meßnerhaus stand ein massiver Rundthurm, der wahrscheinlich früher den Eingang verteidigte, später zum Gefängnisse (Stock im Graben) diente, und vor etlichen zwanzig Jahren erst abgetragen wurde. Anno 1606 beschwerte sich die Gemeinde über dieses strenge Gefängniß, in welches „auch Bürger neben Malestzische gelegt würden“, und beantragte, daß an einem andern Ort „ein‘ mildere Custodie“ erbaut werde. Graf Karl Egon von Fürstenberg ließ das Schloß 1702 für sich und seine Gemahlin wohnlich herrichten; aber schon sein Nachfolger Froben gab 1712 den Befehl, es niederzureißen, und im jetzigen Gebäude errichtete die Herrschaft hernach eine Sennerei, während ein Theil davon zu Wohnungen der fürstlichen Beamteten diente. Das gegenüber ligende ehmalige fürstenbergische Zuchthaus war 1775 erbaut; in den Kriegszeiten wurden, wie gemeldet, seine Räume unter der Verwaltung meines Großvaters Schelble zu Lazareten eingerichtet, nach dem Uebergange der Stadt aber an Baden richtete man das Gebäude zu einem Correktionshause ein, und gegenwärtig beherbergt dasselbe die von Mariahof nach Hüfingen verlegte Besserungsanstalt für sittlich verwahrloste Knaben. In der Nähe befindet sich das alte mit dem Bildniße des städtischen Schutzheiligen Gallus gezierte Stadthaus, welches ehedem das Rathhaus war und später zur Unterbringung von wohnungslosen Ortsarmen diente. Zur „Vorderstadt“ uns wendedd, beginnen wir mit dem oberen Schlosse. Im Jahre 1712, unter Graf Froben, wurde das alte weiland schellenbergische Herrenhaus, dessen Gestalt uns eine Abbildung der Stadt Hüfingen im fürstlichen
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Archive 22) überliefert hat, ebenfalls abgebrochen. Dem „Thorbauer“, der Eigentümer des mit dem Schlosse verbundenen Thorgebäudes war, wurde dafür ein Bauplatz „aus dem Graben“ überlassen, und das neue Schloß nach dem Plane eines Franziskaners von Mersburg gebaut. Es diente oft Gliedern des fürstenbergischen Hauses zum Aufenthalt, und wurde durch den Fürsten Wenzel in den 70er Jahren ziemlich verschönert. Die lezte fürstliche Bewohnerin desselben war die verwittwete Fürstin Karoline; sie residierte hier seit 1804 einige Jahre bis zu ihrem Abzuge nach Wien. Aeltere Bürger erinnern sich noch mit Vergnügen jener Zeit. Gegenwärtig befinden sich die reichhaltigen fürstlichen Mineralien- und Altertümersammlungen daselbst. Wie das Rathhaus, ein ehemaliges schellenbergisches Gebäude, durch Tausch an die Stadt gekommen, habe ich schon oben bei’m Jahre 1622 erwähnt. Mit Beibehaltung vielleicht der Giebel scheint es 1741 neu „wieder auferbaut“ worden zu sein. Zur Deckung der Kosten verpachtete man dazumal dem herrschaftlichen Vogt Gritzer die Schafwaide für jährlich 196 Gulden, und überließ zugleich einen Theil des Almendfeldes den meistbietenden Bürgern zu Eigentum. Eine zweite Bauveränderung geschah im Jahre 1827, wobei leider die stattliche bis in den zweiten Stock führende massiv eiserne Freitreppe verschwinden mußte. Das danebenstehende Amthaus wurde nach Wegzug der Amtsstelle von der Stadt angekauft und zu Schulstuben und Lehrerswohnungen eingerichtet. Das zweite ältere Schulhaus ist das frühere St. Barbara-Kaplaneihaus. Bis zum Jahr 1816 besaß Hüfingen kein besonderes Schulhaus, obwohl die Sladt schon seit langer Zeit angestellte Lehrer hatte. Beim Jahre 1400 kommt in den Anniversarienbüchern bereits der Schulmeister vor, welcher nebst den „singenden Schulknaben“ in mehreren spätern Vermächtnissen mit Gaben an
22) Eine von N. Heinemann und mir gefertigte Copie derselben befindet sich auf dem Rathhause
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Geld und Naturalien bedacht wurde. Er bezog einen kleinen Gehalt und hatte einen „Schulgarten“ und Holz anzusprechen, während die Gemeinde bald da, bald dort eine Schulstube miethete; zuweilen wurde auch das Rathhaus hierzu benützt oder das eigene Haus des „Präceptors.“ Eine Verordnung von l746 verpflichtete zum Schulbesuche von Martini bis Ostern, 1795 aber wurde die Normalschule eingeführt. Das benachbarte Kaplaneihaus (St. Bläsi), dessen Außenwand früher mit dem Bilde seines Heiligen bemalt war, gehört zu den ältesten Gebäuden des Orts, und ist diese Kaplanei zur Zeit die einzige noch vorhandene; die übrigen fünf Kaplaneipfründen hatten ein sehr verschiedenes Schicksal. Die St. Barbara-Kaplanei, von einem Schellenberg im 15ten Jahrhundert gestiftet, sah ihren Fond vor etwa 50 Jahren an die Pfarrei Hausen vor Wald übergehen.
Die Kaplanei S Jacobum ebenfalls eine schellenbergische Stiftung, kam von der landstrostischen an die Hausener Linie und gieng später auf die Herren von Neuenstein über. Die Pfründe ad S. Georgium 1383 von den Edeln von Blumenberg gegründet, vereinigte man 1614 mit der Stadtpfarrei. Die Stiftung ad S Nicolaum, ebenfalls von den Schellenbergern stammend, wurde mit ihren Gewitterglöcklein von der Bürgerschaft nothdürftig unterhaltet, zuweilen auch von Gutthätern bedacht, und gieng 1788 „wegen mangelnden Mitteln“ ein. Die Pfründe Corporus Christi endlich, abermals von Schellenbergern herrührend, wurde theils der Kaplanei ad S Blasium, theils der Pfarrei einverleibt. Der westliche Stadttheil, der „süße Winkel“, welche Benennnng in mehreren größern Städtcn auch vorkommt, bestand früher mit Ausnahme etlicher Bauernhäuser nur aus Oekonomie – Gebände n. In der nördlichen Ecke desselben befand sich jener Gefängnißthurm, „das Stöckle“, worüber sich die Hüfinger so bitter beschwert hatten, indem „ohne Unterschied neben die Malefizischen auch Bürger darein gelegt würden.“ Die außerhalb der Stadt, am rechten Bregufer ligende St. Leonhardskapelle ist eine Stiftung Conrad’s und
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Burghart’s von Schellenberg, aus dem Jahre 1479. Diese Herren widmeten dem Baue die Zehenten „in Breitenlachen“, während die Stadt zwei Almendwiesen dahin vergabte. Als Merkwürdigkeit, gleichsam als das Wahrzeichen von Hüfingen, erblickt man an der Außenwand dieser Kapelle eine rings unter dem Dache hinlaufende schwere eiserne Kette mit drei Hufeisen. Nach einer Sage soll dieselbe von einem Fuhrmann herrühren, unter dessen Lastwagen die nahe hölzerne Bregbrücke eingebrochen, er aber wunderbar gerettet worden sei. Wahrscheinlicher jedoch steht die sonderbare Zierde in Beziehung zu dem Heiligen des Kirchleins; denn Sankt Leonhard ist der Patron der Kettengefangenen, weßhalb er stets mit einer eisernen Fessel in der Hand abgebildet wird. Ein glücklich Erlößter mochte sich gedrungen fühlen, auf die angedeutete Weise seinen Dank abzutragen. Der Gottesacker von S. Leonhard scheint zu verschiedener Zeit, wahrscheinlich bei großer Sterblichkeit, als Begräbnißstatte gedient zu haben, wie 1630 und später. Erst am Schlusse des vorigen Jahrhunderts, als man den Kirchhof vor der Pfarrkirche eingehen ließ, wurde derselbe erweitert und ausschließlich benützt. An der Wand des Kirchleins aber finden wir außergewöhnlich hohe Wasserstände verzeichnet, worunter der höchste die Jahrzal 1778 trägt. Die anmuthig gelegene, von mächtigen Linden beschattete Lorettokapelle verdankt ihr Dasein dem Stadtpfarrer Reichlin. Bei der Grundsteinleguug 1710 begab sich die ganze Bürgerschaft in feierlicher Prozession auf das Berglein. Das Steingehäuse, mit dem schellenbergischen Wappen und der erhaltenswerthen Figur der heiligen Barbara, wurde gestiftet von Hektor v. Schellenberg, fürstenbergischem Oberjägermeister zu Hüfingen, während das steinerne Cruzifix, welches die Stelle ziert, wo die Straßen nach Freiburg und Schafhausen sich kreuzen, eine bankische Stiftung und von dem ehemaligen geschickten Steinhauer Fritschi verfertigt ist. In der Nähe, auf dem „oberen Anger“, sehen wir das alte von Fürst Froben der Stadt geschenkte Schützenhaus
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welches uns an die Zeiten mahnt, wo die Schießübungen noch als Gemeindesache behandelt wurden. Die alte Schützenordnung verpflichtete jeden angehenden Bürger, die Uebungen drei Jahre lang mitzumachen. Mit Trommel und Pfeife und fliegender Fahne zogen die Schützen alljährlich beim Beginne des Schießens (das s. g. Herrenschießen) auf den Platz, nachdem jeder jüngere Bürger vorher auf dem Rathhause vorschriftsgemäß sein „Unter- und Obergewehr, benebst dem Feuerkübel“ vorgezeigt hatte. Die Hüfinger Schützengilde ist eine ziemlich alte; denn schon die Statuten von 1558 erwähnen des dasigen Schießhauses, indem sie unter Anderem vorschreiben: „Unterhalb der Bruck bis zum Furt bei der Schießhütte soll kein Hanf (zum Rötzen) in die Breg eingelegt werden.“
Seit mehreren Jahren besteht wieder eine Schützengesellschaft in Hüfingen. Sie hat ihren Freihandstand auf dem „hinteren Anger“, einer hübschen kleinen Insel, und verdankt ihr geräumiges, sehr zweckmäßig eingerichtetes Schützenhaus (ein Holzbau und vor dem Kegelhaus im Schloßgarten) der Munificenz des Fürsten Karl Egon. Als Angedenken aus altbürgerlichen Zeiten finden wir darin die unter dem Fürsten Karl Friderich Maria zu Meßkirch gegebene Schützenordnung von 1744 sorgfältig aufbewahrt, Ein anderes städtisches Gebäude war das (bereits 1427 erwähnte) Leprosen- oder Siechenhaus, früher nebst dem „Bettelhäusle“ das einzige Haus vor dem untern Thor an der Straße nach Donaueschingen. Auch den „Sondersiechen“ bezeigten sich die Schellenberger zu verschiedenen Zeiten wohlthätig. Noch am Schlusse des vorigen Jahrhunderts beherbergte das Haus einen Siechen, welcher in vorgeschriebener Tracht mit seiner Klapper sich bettelnd umhertrieb. Als Wohnung armer Leute brannte das Gebäude in den zwanziger Jahren ab, und der Bauplatz gieng in Privatbesitz über. Ein mit eigenem Fond versehenes Armenhaus besitzt Hüfingen erst seit 1846. Durch die Stiftung des (in der Stadt gebürtigen) Hofraths Dierhammer von 16,000 Gulden wurde
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man in den Stand gesezt, das fürstliche Oekonomiegebaude an der Straße nach Bräunlingen um den mäßigen Preis von 6000 Gulden zu erwerben und Wohnungen darin einzurichten. Die steinerne Brücke und der Stadtbrunnen mit der Figur der Muttergottes stammen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, wo unter der Regieruug des Fürsten Froben gar Manches für die Verschönerung der Stadt geschah. Aber bis in unser Jahrhundert herein hatte Hüfingen sein mittelalterliches Aeußere insofern erhalten, als die Stadtmauer, und theilweise auch die Wassergräben, und ein paar Thürme noch bestunden. War das Städtlein auch kein eigentlich fester Platz, so konnte es doch geschlossen und eine kurze Zeit verteidigt werden, wie wir im Bauern- und im dreißigsährigen Kriege gesehen. Ein starker Rundthurm stand am westlichen Ende des oberen Schlosses, ein zweiter (die jetzige Gärtnerswohnung) ist noch vorhanden, wie der Rest eines südlich gelegenen; einen hohen Geviertthurm aber, den „Hohentwiel“, welcher den „Wagrain“ beherrschte, hat man abgetragen. Das gleiche Schicksal traf 1824 das untere Thor, ein nicht sonderlich festes Werk mit einer Wohnuug, denn beide Stadtthore, wie das „Petersthörle“, hatten in früheren Zeiten ihre Wächter. Ein ganz neuer, jedoch nicht besonders glücklich angelegter Stadttheil ist der „hinter dem Herrengarten.“ In den alten und neuen Gassen aber dürfte, zumal bei der stark betriebenen Viehzucht, mehr auf Reinlichkeit gesehen werden; ebenso wäre zu wünschen, daß bei dem Ueberflusse an Quellwasser laufende Brunnen in allen Stadttheilen errichtet würden. Sparsamkeit ist gut, aber nicht überall am Platze. Wie sich die Gemeinde einer sehr ausgedehnten Gemarkung erfreut, ist auch ihr Almendbesitz ein verhältnißmäßig großer. Unter Beibehaltung der gemeinen Viehwaiden, wurden von Zeit zu Zeit Almendtheilungen vorgenommen; die allgemeine Theilung von 1836 aber hatte die Aufhebung der gemeinen Waidgänge und die Einführung der Stallfütterung, wie die Festsetzung der Bürgergenüsse aus 205 Theile, zur Folge.
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Noch im vorigen Jahrhunderte bestand der Almendgenuß in einem „Rübtheil“ im entlegensten Gewanne der Gemarkung. Das Recht, sein Vieh auf die Waide zu treiben, hieng für den Bürger von einem gewissen Maße des Feldumtriebcs ab; 4 bis 8 Jaucherte berechtigten zu einem Stücke Waidviehes 23). Es gab gemäß dieser Berechtigungen im Jahre 1786 zu Hüfingen 67 „ganze Bauern“ und 8 halbe. Wollte der Minderbesitzende ebenfalls Antheil am gemeinen Waidgange haben, so mußte er noch Felder pachten. Bann – oder Gemarkungsverträge schlossen die Hüfinger verschiedene ab, so mit Bräunlingen 1446 und 1493, mit Almendshofen (den Waidgang betreffend) 1535, mit Behla (in Betreff der Roßwaide) 1602 und 1784. Der früher gemeinschaftliche Wald von Mistelbrunn wurde 1620, unter Burghart von Schellenberg abgetheilt, wie später nochmals unter dem Oberforstmeister Hektor von Schellenberg. Bannstreitigkeiten entschied man gewöhnlich nach Maßgabe der Aussagen alter Leute, und der Beaugenscheinigung durch die geistlichen und weltlichen Ortsvorgesetzten. Die jetzige Gemarkung umfaßt (zu 25,000 Quadratfußen die Jauchcrt) an Aeckern 2983, an Wiesen 1417, an Gärten 50, an Waldung 1358, und an vertheiltem Almendfelde (Gräben und Wege eingerechnet) 1662 Jancherte. Das Hüfinger Steuerkapital, einschließlich der Ausmärker, der Standesherrschaft und Staatsdomänen, beläuft sich auf 1,135,685 Gulden. An kirchlichen und mildthätigen Fonds sind vorhanden: der Kirchenfond mit 67,450, der Armenfonds mit 37,413, der Lorettofond mit 2,634, und die straub – hanenbergische Stiftung 25) für einheimische Studirende mit 6,875 Gulden. Das Zehentablösungskapital endlich bcträgt 44,286 Gulden.
23) Siehe meine „Baar in der Badenia, I, 431. 24) Laut der großen Hüfinger Bannkarte von 1786. 25) Allgemeine Armenkasse, Aufstetlung von „Armenvätern“ rc. in der fürstenb. Verordnung von 1778. 26) Von Pfarrer Straub -Hanenberg zu Mundelfingen, 1586.
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Der Bürgernutzen besteht in 4 Jaucherten und 2 Vierteln Garten-, Wiesen- und Ackerlandes, 2 Klaftern Holzes, 100 Reiswellen und 2000 Stücken Torfes. An Hand elsgewachsen werden gebaut Hanf, Flachs, Rehs und Kleesamen; Wasserwerke sind im Betrieb, nebst den beiden herrschaftlichen Mühlen, eine Walke und Sägmühle, erstere 1777 von Georg Steiner, letztere von seinem Nachfolger errichtet; eine Oelmühle, aus alter Zeit im Besitze der Familie Götz; eine Gipsmühle, Wasserkalkfabrik und Thonbrennerei, errichtet von meinem Vater; die Nobersche Wollenspinnerei, 1829 als Gipsmühle gebant, nachdem von meinem Vater ein Gipslager auf der Hüfinger Gemarkung entdeckt worden war. Aus altväterlichen Zeiten ist nachträglich zu erwähnen, daß der Stadtrath mit einem Schuldheißen, einem Bürgermeister (später Stabhalter), elf Rathsverwandten, drei zugegebenen Richtern und dem Stadtschreiber besezt war; den Schuldheißen bestellte der Landesherr, Bürgermeister und Rath bildeten den administrativen Theil des Ortsvorstandes. Die Competenz dieser Vorgesetzten erstreckte sich natürlich nur auf die niedere Gerichtsbarkeit. Die Bürgerschaft war leibeigen, d. h. die Bürger mußten gewisse Frondienste leisten und durften ohne Erlaubniß ihres angestammten Herrn keinem anderen unterthan werden oder sich anderswo niederlassen. Gemeindedienste gab es polizeiliche und ökonomische. Zu den polizeilichen gehörten der Pfennigpfleger, die Thor und Nachtwächter, der Stadtknecht, die Feuerschauer, der Stubenmeister, die Bannwarte, die Gewicht- und Maßschätzer, die Brod und Weinschätzer, die Fleisch- und Kornschätzer, die Häring-, Salz und Roßschätzer; zu den ökonomischen die Hirten für Pferde, Hornvieh, Schweine und Schafe. Geht man die Verordnungen der hüfingischen Vorfahren durch, so verrathen sie einen, namentlich das Wohl der ärmeren Klasse bezweckenden Geist der Güte, Fürsorglichkeit und Billigkeit, welcher alle Anerkennung verdient. Sie sind aus langer Erfahrnng hervorgegangen und immer praktisch eingerichtet.
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Nach den Zeiten des dreißigjährigen Krieges war freilich schon Alles verschlimmert; der Bürger hatte in seinen eigenen Angelegenheiten beinahe nichts mehr zu sagen, alle Weisheit floß aus der Kanzlei- und Polizeistube. Der gemeine Mann wurde vornehm oder geringschätzig bevormundet und verlernte dadurch das bürgerliche Selbstgefühl beinahe völlig. Was die Gewerblichkeit der alten Hüfinger betrift, so herrschten die Zeugmacher, Wollenweber und Gerber unter den Zünften vor. Die ersten versorgten die Stadt und das Landvolk mit Kleiderstoffen; das Fabrikat der Weber war rother und grüner Oerlinger, welcher meistens in die Schweiz und nach Italien gieng, und viele Ortsbewohner mit Wollenspinnen beschäftigte. Auch das Hüfinger Leder erfreute sich eines guten Rufes in der ganzen Nachbarschaft. Von jeher aber war Landwirtschaft die Hauptnahrungsquelle der Hüfinger. Die Ausfuhr gieng ebensalls nach der Schweiz, wie überhaupt die Straße nach Schafhausen und Zürich ein uralter Handels- und Verkehrsweg ist; daher eine Eisenbahn von Villingen direkt nach diesen Städten für die Zunkunft nicht ausbleiben wird 27). Besondere kirchliche Feste zu Hüfingen sind das Herzjesu und das Jakobifest (die Herzjesubruderschaft wurde 1701 errichtet). Beide in die schönste Jahreszeit fallenden Feste (wie der Fronleichnamstag) erhielten früher besondern Glanz durch das Bürgermilitär mit seiner Musik und durch eine große Menge schaulustigen Landvolkes. Ein lustiges Schul- und Kinderfest war der Gregoristag, gleichsam die lockende Fernsicht aus der staubigen Schulstube, der mit Sehnsucht erwartete Ehren- und Freudentag am Ende des langen Schuljahrs. Nach dem Gottesdienste und dem
27) Von der traditionellen Behauptung, vor dern Eingehen des Handelsweges nach der Levante, hätten von der Constanzer Messe zurückkehrende Kaufleute Waarenlager in Hüfingcn gehabt, konnte ich schriftliche Spuren keine auffinden; wohl aber die Nachricht, daß man einzelnen hausirenden Italienern das Handeln mit Artikeln, die im Orte nicht selbst verfertigt und gehalten wurden, durch Rathsbeschluß erlaubte.
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mit „Küchlein“ reichlich versehenen Mittagstische gieng der festlich bebänderte Zug in’s Wirtshaus, wo den jugendlichen Paaren unschuldige Gelegenheit gegeben war, unter Aufsicht ihrer Lehrer die ersten Tanzversuche zu machen. Die moralisierende Neuzeit hat dieses Fest als ein unangemessenes abgeschafft, läßt der heranwachsenden Jugend aber dafür Dinge zu, welche gefährlicher sind, als alle Gregoriussreuden je gewesen.
Löblich war auch das alte Herkommen des Armenseelenbrodes. Von schellenbergischen und bürgerlichen Vermächtnissen herrührende milde Gaben an Brod und Mülfrüchten zu Gunsten der Ortsarmen wurden insgesammt aus den Allerseelentag verlegt, woraus der schöne Brauch erwuchs, daß alle Bauern und vermöglichen Einwohner von ihrem Ärnte- und Herbstüberslusse dazu beisteuerten 28). Wie gegenwärtig beinahe nur noch im Oberammergau, so waren im vorigen Jahrhunderte auch zu Hüfingen die Passionsspiele gebräuchlich, und selbst die Fastnachtsauszüge hatten eine Zeitlang verwandten Charakter. An der Fastnacht 1781 z. B. fand ein Umzug statt, bestehend aus mehreren hundert Personen „der katholischen hochfürstlich fürstenbergischen Stadt Hüfingen“, die sieben Todsünden mit Beishielen aus der Bibel und griechischen Mythologie vorstellend, „erklärt im Vorüberziehen vom Theater, zwischen Instrumental- und Vocalmusik.“ Wenn man mit Recht sagen darf, es geschehe in der Baar für Herstellung von angenehmen Sommerwirtschaften, Spaziergängen und dergleichen beinahe gar nichts (für behagliche Wirtschaftslokale äußerst wenig), so müßen Ausnahmen hievon mit desto größerer Genugthuung hervorgehoben werden. Die Namen „Anlage“ und „rother Rain“ bezeichnen für unser Städtlein eine Zeit, welche noch im freundlichsten Angedenken vieler Einwohner (troz dem Lobe der Gegenwart) fortlebt.
28) Ein außergewöhnliches Fest in diesem Sinne fand im gesegneten Jahrgange 1840 zu Hüfingen statt, wo die ersten Garbenwägen mit Kränzen und Sprüchen schön verziert, unter’m Schalle der Musik in die Stadt gebracht und den Armen überlassen wurden. Die Seekreisler haben für solche Dinge eine glückliche Gabe.
Von einem Vereine gleichgesinnter Bürger und Beamten, an der Spitze den Bürgerlich gesinnten Oberamtmann Baur, wurde jener längs der Breg hinziehende waldige Rain in sehr hübsche Anlagen mit Ruhebänken, Hütten und Wegen verwandelt. Dem Interesse des Schaffens entsprachen noch viele Jahre nachher die mancherlei geselligen Veranstaltungen, welche den grünen mit Sinn und Geschmack hergerichteten Naturtempel zu beleben pflegten.
Zugleich war von Privaten sehr Namhaftes für Obstbaumzucht, wie für Cultivierung und Verschönerung vernachläßigter Plätze gethan worden. So am „Holenstein“ durch meinen Vater und Bürgermeister Burkhart, an der Straße nach Bräunlingen durch meinen Oheim, Musikdirektor Schelble, auf Schoßen durch Herrn Curta und so weiter.
Eine freundliche, an jene Zeit sich anschließende Erscheinung dürfen auch die Cäcilienfeste genannt werden, wie sie damals unter Gleichauf’s musikalischer, von Schelble vielfach angeregter Leitung durch Aufführung klassischer Gesangstücke (gemischte Chöre) gefeiert wurden. Und noch manches Andere in gleichem Sinne, wie jener große Maskenzug zu Anfang der 20er Jahre, könnte hier angereiht werden, wenn es der bemessene Raum unserer Darstellung gestatten würde.
In Akte über die Erstellung der Anlage am Rotrain ist viel von den römischen Altertümern die Rede. Allerdings wussten die Hüfinger damals noch nichts von der Villa Rusica, die Prof. Dr. Paul Revellio (aus einer Hüfinger Familie) 1913 ausgegraben hatte. Man kann aber sicher sein, dass Dr. Paul Revellio viel über die Anlage am Rotrain und auch das Deggenreuschen Elseli wusste. Die Hüfinger „Mutter Courage“ hatte hier Zuflucht gesucht, nachdem sie vor dem Württembergischen Militär während des „Hüfinger Blutbades“ am 15. Oktober 1632 geflüchtet war. Dort soll sie sogar das Badezimmers genutzt haben. Das Deggenreuschen Elseli ist heute noch im Wald und lacht von oben aus dem Bäumen die dummen Menschen aus.
Alles was an die Ausgrabungen von 1913 erinnert ist ein einsames Schild mit der Aufschrift „Ruinenweg“. Ich vermute, dass die Funde heute in Freiburg irgendwo in einem Archiv schlummern. Von der ausgegrabenen Villa ist nicht mehr viel zu sehen. Nicht mal ein Schild weist auf die Ruine hin. Unten die Artikel von Prof. Dr. Paus Revellio hierzu, von denen ich am 29. September 2020 Teile veröffentlicht hatte.
Dr. Paul Revellio 1921(*1+2)
Im Jahre 1903 stießen Waldarbeiter beim Suchen nach Steinen am Südostrand des Deggenreuschenwaldes auf Mauerwerk. W Rieger stellte fest, daß es sich um die Trümmer einer villa rustica handeln müsse und legte auch bereis einen Raum der Anlage frei. Seine Grabungen wurden sehr erschwert durch den Hochwald, der den Platz der Villa damals bedeckte, und deshalb aufgegeben. Inzwischen ist der Wald gefällt und bald darauf der Platz von neuem bepflanzt worden, so daß, wenn jetzt die Untersuchung nicht vollständig durchgeführt wurde, in absehbarer Zeit ganz darauf verzichtet werden mußte. So hat denn der Gemeinderat der Stadt Hüfingen auf meine Anregung hin die nötigen Mittel für die Grabungen bereit gestellt. Diese fanden im August und September 1913 statt.
Vila rustica Hüfingen gezeichnet von Dr. Paul Revellio 1913 (2)
Auf halber Höhe eines sanften Hanges gelegen die Front nach Südosten gerichtet, so daß Morgen- und frühe Mittagssonne ungehindert Zutritt hatten, gewährte die Villa einen weiten Blick hinüber zur Länge und zum Wartenberg und war durch den überhängenden Hang doch geschützt gegen die kalten Nordwinde. Dazu ist in nächster Nähe eine Quelle.
Von Einzelfunden wäre zu erwähnen: 2 Fibeln, 6 Münzen: eine keltische, eine von Vespasian, zwei von Trajan, eine von Valerian dem jüngeren und eine des Tetricus , eine Schnalle, und Zierbleche aus Bronze, eine Kuhglocke, Türbänder aus Eisen, Schiebeschlüssel, Scherben von terra sigillata sowohl verzierte, wie unverzierte Ware und gewöhnliches Geschirr.
Dr. Paul Revellio 1921 (*2):
Um einen quadratischen Hof gruppieren sich Wohn- und Wirtschaftsräume. Die Schauseite des Gehöftes zeigt eine Querhalle flankiert von zwei Ecktürmen. Hier und an der sonnigen Süd- und Südwestseite liegen die Wohnräume, darunter meistens eine kleines Badezimmer mit Hypokaustenheizung.
Badezimmer der villa rustica. Das Bild zeigt die unterste Lage der Heizkacheln, durch die die warme Luft des Kohlbodens in die Höhe steigt und die Wand erwärmt. Die Kacheln sind da, wo sie den Boden verlassen, durch einen Viertelrundstab gegen Beschädigungen geschützt und an ihrer Vorderseite geraut, damit der Wandstuck besser haftet.(*2)
Dr. Paul Revellio 1921 (*2):
Wohnkeller der Hüfinger Villa
Nie fehlt der sorgfältig ausgemauerte Wohnkeller mit halbrunden Nischen und Lichtschacht und einem steinernen Tisch in der Mitte zur Aufstellung des besseren Geschirrs. Ein Blick auf die Villen von Hüfingen und Hausenvorwald zeigt, daß sie sich überdies ungefähr auch noch in der Größe entsprechen. Sie bedecken ein Quadrat von rund 100 römischen Fuß Seitenlänge und sie haben diese Eigenschaft gemeinsam mit einer gleich gebauten Villa von Alpnach-Dorf in der Schweiz, in der sich Stempel der 21. und 11. Legion gefunden haben. Es ist wohl nicht anders: Ein Baukommando der 11. Legion hat an diesen Villen gebaut und ihre Bewohner sind zumeist alte Veteranen, die hier eine Kriegerheimatstätte bekamen.
Dr. Paul Revellio 1921 (*1):
Die Entstehung der Anlage fällt in die Zeit bald nach dem Jahre 74 wohl sicher noch in das erste nachchristliche Jahrhundert. … Das Gebäude ist durch Feuer zerstört worden., wie der bei der Ausgrabung gefundene Brandschutt beweist. Ein glücklicher Fund belehrt uns auch über die Zeit der Zerstörung. Beim Ausräumen des Kellers fanden sich etwa 1 m über dem eigentlichen Kellerboden 2 römische Münzen und eine barbarische Nachahmung einer römischen Münze, die alle aus der Zeit 265-270 stammen. … Hier hatte sich vielleicht eine alamannische Horde vorübergehend gelagert und dabei diese Münzen verloren. Wie dem auch sei: die Villa war ums Jahr 270 n. Chr. eine Ruine, und das stimmt nur zu der allgemeinen Annahme, daß der Limes um das Jahr 260 von den Römern aufgegeben wurde.
Dr. Paul Revellio 1920 (*1):
Man hat beobachtet, wie gerade diese einfachen Bauten in regelmäßigen Abständen längs der Straße wiederkehren und hat daraus geschlossen, daß diese Bauten mit Staatshilfe errichtet und ausgedienten Legionären als Zivilversorgung überwiesen wurden, vielleicht gegen die Verpflichtung die Straße zu unterhalten und einen Teil des Ertrages ihrer Wirtschaft, man ist fast geneigt an den Zehnten zu denken (agri decumates), zur Verproviantierung der benachbarten Kastelle abzuliefern. Diese regelmäßige Anlage der Gehöfte längs der Straße stellt sich auch immer mehr für unsere Baar heraus. Kaum 2 km südöstlich von unserer Villa wurde im Jahre 1833 eine solche mit ähnlichem Grundriß auf dem Auenberg bei Hausenvorwald freigelegt, weitere 2 km nach Osten traten in unmittelbarer Nähe des Röhrlebachbrunnens römischer Mauerschutt, Tonscherben und eine Münze des Claudius zutage, sichere Zeugen einer Villa.
3 km weiter nach Westen konnte ich im Herbst 1913 am Fuße des Fürstenbergs am Südrand des Städtchens ein weiteres Gehöft auffinden. Ein Loch, das mir der Landwirt Jakob Gut auf seinem Grundstück auf meine Vermutungen hin machte, förderte sofort Bruchstücke von Leistenziegeln, Heizkacheln, Ziegelbeton, polierte Alabasterplätttchen zutage. Der Platz wurde vom Volk „Ziegelbühl“ genannt. In seiner unmittelbaren Nähe befindet sich eine Quelle. In den benachbarten Äckern ließen sich die Spuren von Nebengebäuden erkennen. https://hieronymus-online.de/villa-rustica-in-fuerstenberg/ … Von Hüfingen bis Schwenningen ist nicht eine einzige mit Sicherheit nachgewiesen. Münz- und andere Funde fehlen auf dieser Strecke fast vollständig. Man wird sich bei der Suche vor allem von den Quellen führen lassen müssen, die sich bei Hüfingen als untrügliche Begleiter der ländlichen Gehöfte erwiesen haben.
So zahlreich wie bei Hüfingen werden wir sie nicht erwarten dürfen. Erfahrungsgemäß häufen sich diese Villen im Schutze und in der Umgebung der militärischen Stützpunkte.
Es ist eine Pflicht des Dankes, der Unterstützung und Förderung zu gedenken, die die Ausgrabungen durch den Gemeinderat der Stadt Hüfingen und vor allem durch den damaligen Bürgermeister Bausch erfahren haben.
Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)
(*1) Ein römisches Bauernhaus im Deggenreuschenwald bei Hüfingen von Dr. Paul Revellio in den Schriften der Baar 14 (1920) (*2) Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921)
Der Ort isch tot für immer. Aber die doale saget nei ! Mir bruuchet lebige Musee`e, wo Liit mit ihrene Wurzle bekannt gmacht wered oder andere die Wurzle kennelehre könnet.
Mir bruuchet die ursprünglich, die oache Natur.
D Gschicht sott uns glehrt haa, en so wesentliche Teil vu unsere Kultur wie e derartigs Dorf i iiseri Obhuet z nehme. De Puls muess schlaa. Denno kennet mir iis gegesiitig mit Kreativität und Phantasie beflügle. D` Bäckerei dezue bringe, dass sie wieder duftet, de Lade und s` Wirtshuus, dass die Türeglocke und d` Gläser wieder klinglet.
Die Obere hond aagfange Verantwortung defüer allmählich zuezgäe.
Du triffscht villi guete Geischter im Ort. E paar sind besunders uff die Obere uus und uff sonige, die nit sehnet, dass iiseri Kultur en Schatz isch, wo bewahrt were muess. Nit nuu fer iis und dieselle, die noch iis kummet. Nei, au dass s` Urteil vu de Gschicht über iis e klei weng milder uusfallt.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Die Gespenschter ruefet jungi Liit, die meh erlebe wend wie stickige Stubbe, locket Reisende mit Erlebniss, wo sie i me Kurhuus oder uff e me Traumschiff nit überkummet. Die Gespenschter versuchet, die aazrege, die Gschichte und Määrli wohrnehmet, dass sie und mir alli, vu dene ihrem Riichtum ebbis abzwacke kinnet.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Do isch e Perle, die noch johrhunderte langem Waarte zu dere Perle wore ischt. Sie word en uuwürdige Tod sterbe, wenn ihr sie mit falsche Glunker und Nippes uusstaffieret.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Frei in Baaremer Mundart nach Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin, Bestseller „Dina“ u. „Der lange Weg“ von Hubert Mauz / Donaueschingen Nov. 2018
Artefakt sind Botschafterinne us e re Ziit, die nie meh zruckkumme word, wenn mir uuachtsam und nochlässig ihre Zeitreis „ abbreche „ wered.
Die Magie lebender Museen
Dieser Ort ist tot für immer. Aber einige sagen nein ! Wir brauchen lebende Museen, wo Menschen mit ihren Wurzeln bekannt gemacht werden oder die Wurzeln anderer kennenlernen können.
Wir brauchen die ursprüngliche Natur.
Die Geschichte sollte uns gelehrt haben, einen so wesentlichen Teil unserer Kultur wie ein solches Dorf in unsere Obhut zu nehmen. Der Puls muss schlagen. Dann kann man sich gegenseitig mit Kreativität und Phantasie beflügeln. Die Bäckerei dazu bringen, dass sie wieder duftet, den Laden und das Wirtshaus, dass die Türglocke und die Gläser wieder klingeln.
Die Politiker haben angefangen die Verantwortung dafür zuzugeben
Du triffst viele guten Geister im Dorf. Einige sind besonders auf Politik aus und auf solche, die nicht sehen, dass unsere Kultur ein Schatz ist, den wir bewahren müssen. Nicht nur für uns und die, die nach uns kommen, sondern auch, um das Urteil der Geschichte über uns etwas zu mildern.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Die Gespenster rufen junge Menschen, die etwas mehr erleben wollen als stickige Klassenzimmer, locken Reisende mit Erlebnissen, die sie in einem Hotel oder Traumschiff nicht bekommen. Die Gespenster versuchen, die zu gewinnen, die Geschichten und Mythen wahrnehmen, um von ihrem Reichtum zu profitieren.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Da ist eine Perle, die in jahrhunderte langem Warten zu dieser Perle geworden ist. Sie wird einen unwürdigen Tod sterben, wenn ihr sie mit falschem Beiwerk und Tand schmückt.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin Weltbestseller „Dina“ und „Der lange Weg“
Artefakte sind Botschafterinnen aus einer Zeit, die nie zurückkehren wird, falls wir unachtsam ihre Zeitreise „abbrechen“ werden.
Unser herzliches Beileid an seine Witwe und allen Angehörigen.
Hier stellte Hermann Sumser im April 2021 das Brigobannis-Projekt im Hieronymus vor:
Brigobannis auf kulturellen Abwegen
06.04.2021 von Hermann Sumser
Statt nach der Realisierung der Fußgängerbrücke über die Breg ein nächstes Element im Rahmen des „Brigobannis-Projektes“ anzugehen, riskiert man auf Anraten der CDU-Fraktion wie ich annehme lieber den Untergang dieses Projektes und der angesagten 50%-Zuschüsse des Landes, um das verfügbare Kapital für das nächste Großprojekt der Stadt anzusparen: z.B. die Umwandlung von Grünlandschaft in kommunales Bauland in der Kernstadt und in den Ortsteilen entgegen der Umweltpolitik des Landes und riskiert damit auch noch den Verlust der verfügbaren Finanzen durch riskante Geldanlagen, die keinesfalls dem Fachbeamten allein anzulasten sind, sondern der politischen Vorgabe durch den Bürgermeister und die CDU-Fraktion, wie ich annehme.
Nun nach dem möglichen Verlust von 3 Millionen und dem großzügigen Verlust von Zuschüssen zum von Anfang an verunglimpften Projekt des „Römerparks“ kann man sich wohl die Wunschvorstellungen der Rekonstruktion von Serpentinenpfaden zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ und hoch vom Römerbad zum Galgenberg und die Landschaftsgestaltung zur optischen Wiedergabe des Kastells auf dem Galgenberg bis zum Beispiel die Umwandlung der leer stehenden Wasserreservoire in Schauräume zur Ausstellung von wichtigen Repliken des „Hüfinger Reiters und anderer spektakulären archäologischen Fundobjekten an den Hut schreiben; wahrscheinlich auch das Vorhaben der Darstellung des „Unteren Tores“ im Städtle als wichtigen Abschluss der Straßengestaltung in den letzten 10 Jahren, die das Städtle attraktiver gestalten und das Geschichtsbewusstsein der Einwohner stärken soll.
Vermutlich können sich die Hüfinger Bürger auch das begehbare Archiv im Erdgeschoss des Hüfinger Rathauses und die Ausstellung der Hüfinger Geschichte dort vergessen, weil kein Geld für sowas „Überflüssiges“ nach einem solchen Verlust mehr da ist, zumal auch noch die Großinvestition der Erneuerung des Schwimmbades ansteht. Wie schön, dass man immer die verzichtbaren Kultur-Investitionen im Auge hat. Schon einmal wie vor 200 Jahren, als einige engagierte Personen, wie z.B. Luzian Reich der Ältere die Hüfinger „Anlagen“ und jene noch heute wunderbare Fußgänger-Baumallee als Zugang, zum Teil sogar auf eigene Kosten, realisiert haben und dafür von den Hüfinger Normalbürgern belächelt wurden.
Liebe Hüfingerinnen, liebe Hüfinger,
was macht Hüfingen im Vergleich zu den umliegenden Städten zu etwas Besonderem, das es immer wieder zu stärken gilt? Es sind die Zeugnisse aus der Frühgeschichte und das Stadtbild aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt.
Vor mittlerweile 60 Jahren hatte mich eines Tages Altbürgermeister Max Gilly zu meiner Überraschung nach bestandenem Abitur ins Rathaus rufen lassen, um mit mir über die Zukunft von Hüfingen zu sprechen. Auf seine Fragestellung habe ich ihm damals geantwortet, dass das größte Kapital von Hüfingen seine mittelalterliche Altstadt ist. Wenige Jahre später gehörte Hüfingen zu den ersten Antragstellern an die zuständige Behörde der Landesregierung nach Aufnahme in das neue Städtebauförderungsprogramm. Die folgenden Jahre waren in Hüfingen geprägt von den Sanierungsmaßnahmen in der „Hinterstadt“, später in der „Vorderstadt“, schließlich in der Unterstadt, in der Folge auch von den Auseinandersetzungen um den Erhalt von historischen Häusern in der „Hinterstadt“, dem Sanierungsgebiet Nr. 1. Als ein von Bürgermeister Gilly an mich beauftragtes Gutachten im Ergebnis das Zerschneiden des besonderen Baudenkmals in der Hinterstadt Nr. 7-9 in Frage stellte, dessen Abbruch schon vorgesehen war, scheiterte bei unserem Antrag zur Bewahrung dieses nach Aussage des zuständigen Denkmalschützers, der sich voll hinter mein Gutachten zur Bewahrung diese bedeutenden Baudenkmals stellte, unser Antrag zum Erhalt in der anschließenden Gemeinderatssitzung an der CDU-Mehrheitsfraktion. Der Abbruch wurde nach Beschluss im Gemeinderat vollzogen.
Vor nunmehr mehr als 30 Jahren hat das Land Baden-Würrtemberg auf einen Hinweis des inzwischen als Nachfolger gewählten Bürgermeisters Anton Knapp auf die heruntergekommene Ruine des „Römerbades“ auf eigene Rechnung des Landes das Ruinenfeld wieder rekonstruiert und in aufwändiger Form eine Besichtigungsbühne auf halber Höhe über den Ruinen mittels einer Stahlkonstruktion einbringen lassen und damit dem bedeutenden Baudenkmal wieder zu neuem Glanz verholfen. Wenige Jahre später habe ich das Projekt „Brigobannis“ mit mehr als 20 Einzelelementen konzipiert vom „Pavillon“ über die Tribünen an der Römerwiese, über eine Brücke über die Breg in Fortsetzung der früheren Römerstraße, über die Reaktivierung von historischen Pfaden im Umfeld des Römerbades bis hin zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ mit Aussicht auf die Altstadt, über die Darstellung des ehemaligen Kastells auf dem Galgenberg mit landschaftlich gestalteten Außenanlagen bis hin zum Ausbau von zwei vorhandenen unterirdischen Wasserreservoiren, die aufgegeben wurden, weil sie technisch überholt waren zu unterirdischen Schauräumen, in denen die bedeutenden Funde der Hüfinger Geschichte aus den verschiedenen archäologischen Grabungsfeldern, die in den Archiven des Landes ruhen, in Hüfingen präsentiert werden sollten über den Einbau eines unterirdischen Verbindungsbauwerks zwischen den unterirdischen Schauräumen und die Herstellung von Repliken dieser Fundgegenstände. Das Projekt wurde von Bürgermeisetr Knapp aufgenommen und mit der Zentrale des Denkmalschutzes in Esslingen kommuniziert. Der damalige Präsident des Landesdenkmalschutzes Professor Dr. Bader erschien persönlich zu einer Besprechung in Hüfingen und hat seine Zustimmung signalisiert. Das Regierungspräsidium in Freiburg hat das Projekt begrüßt und die Bezuschussung in Höhe von 50% der jeweiligen Baukosten in Aussicht gestellt. Im Gemeinderat in Hüfingen habe ich das Projekt vorgestellt. Einige Elemente wurden realisiert und zu 50% bezuschusst, andere scheiterten bislang am Einspruch der CDU-Fraktion und wurden vorerst zurückgestellt.
Ein anderer Projektvorschlag: das „Untere Tor“, das ich planerisch und im Detail ausgearbeitet hatte, hat Bürgermeister Knapp ebenfalls im Gemeinderat eingebracht. Es ging dabei um die Darstellung dieses ehemaligen wichtigen Gebäudes der Vorderstadt, das ca. 1840 durch Antrag der Fuhrunternehmer abgebrochen wurde. Die Darstellung in Konturen, die durch eine Stahlkonstruktion erfolgen soll, um wieder die ehemalige räumliche Wirkung in moderner Form zu vermitteln, ist sie eine wichtige städtebauliche Maßnahme, die das „Städtle“ als Veranstaltungsraum stärken soll. Die Realisierung scheiterte vor 20 Jahren wieder einmal am dem Widerspruch der CDU-Fraktion in der betreffenden Gemeinderatssitzung. Es wäre gleichzeitig eine bewusste Schickane, um den immer noch heftigen Durchfahrtsverkehr etwas zu reduzieren, die Attraktivität im und vor dem „Städtle“ zu steigern und das Brauchtum zu stärken durch die Figuren-Installationen an dieser Stahlkonstruktion und die Einbeziehung in die Hüfinger Fasnacht.
Sie sehen, dass in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ansätze zur Bewahrung und zur Belebung des Hüfinger Stadtbildes und zur Veranschaulichung der bedeutenden Hüfinger Geschichte durch mich und durch die Unterstützung durch den Bügermeister erfolgt sind. Vor nunmehr 2 Jahren habe ich dem jetzigen Bürgermeister in einem Gespräch im Rathaus diese Projekte vorgestellt, die er als ehemals auswärtiger Bewerber um das Bürgermeisteramt natürlich noch nicht kennen konnten. Sie sehen, dass immer wieder auch wichtige Vorschläge von Außen an den Bürgermeister herangetragen wurden, die immer wieder von den aufeinander folgenden Bürgermeistern aufgenommen wurden und zur Profilierung der Stadt und auch ihres Bürgermeisters beigetragen haben.
Obgleich der Bürgermeister bei dem Gespräch einen wirklich interessierten Eindruck auf mich gemacht hat, ist bis heute keinerlei Berücksichtigung erkennbar. Statt dessen ist die Stadtverwaltung bestrebt in der Kernstadt und in allen Ortsteilen die landschaftliche Umgebung zu Bauland umzuwidmen entgegen der allgemeinen politischen Absicht im Land. Statt dessen schockt uns vor wenigen Tagen die jüngste Nachricht von einem Verlust von 3 Millionen im Stadtsäckel durch eine verloren gegangene Einlage der Stadtverwaltung in einer privaten Bank. Für diesen Betrag hätten problemlos manche dieser vorgeschlagenen Elemente des Projektes realisiert werden können. Ohne jegliche Schuldzuweisung auszusprechen, schmerzt mich natürlich dieser finanzielle Verlust. Vielleicht wäre eine gewisse Offenheit gegenüber meinen Vorschlägen als gebürtiger und geschichtsbewussten Hüfinger Bürger hilfreich. Statt dessen erklärte der Bürgermeister damals: das Projekt „Brigobannis“ werde nicht weiter verfolgt, auf Anraten wieder mal der CDU-Fraktion, wie ich annehme, obgleich auch die Realisierung der Wege und Pfade, die Rekonstruktion des Waldhauses, die gärtnerische Gestaltung des Kastells auf dem Galgenberg einmal abgesehen von den unterirdischen Schauräumen genügend Ansätze bieten, auch überschaubare Elemente des Projektes zu realisieren. Also verzichtet man auch großzügig auf die angesagten Zuschüsse des Regierungspräsidiums.
Da scheinbar Interesse besteht und es hier bald noch mehr Infos gibt, wollte ich diesen Artikel vom 17. September 2023 mit der Steinaxt bisschen weiter nach oben kramen:
Auf Loretto und in dem neuen Gewerbegebiet Ziegeleschle wurden Magnetometerprospektionen (auch Geomagnetik genannt) durchgeführt. Auf dem hierdurch angefertigten digitalen Bild ließen sich dort Siedlungsreste erkennen.
Das Magnetfeld der Erde wird durch die magnetischen Eigenschaften verschiedener Materialien, wie Gesteine, Böden, gebrannte Lehmziegel oder Holzreste gestört ‒ also auch von archäologischen Überresten. Zur Aufzeichnung dieser Magnetfeldstörungen kommt ein hochempfindliches Cäsium-Magnetometer auf einem Rollwagen zum Einsatz. Auch Unterschiede zwischen den physikalischen Eigenschaften des Zielobjekts und dem umgebenden Boden lassen sich hierbei messen.
Ausgrabungen
Ziegeleschle
15. März 2023
Die Firma ArchaeoTask hatte das Gelände mit dem Bagger und Sonden durchsucht und es konnten Artefakte aus dem Endneolithikum gefunden werden.
Das Endneolithikum bezeichnet die jüngste neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ (veraltet auch Streitaxt-Kultur) gleichgesetzt und reicht in Süd- und Mitteldeutschland von ca. 2800–2200 v. Chr. (*und nein, liebe CDU, „die Eiszeit“ war es nicht.)
Steinaxt aus dem Endneolithikum.
Grabbeigaben aus der Jungsteinzeit.
Eine Silexklinge wird durch Abschlag aus Feuerstein (Silex) hergestellt.
Die Artefakte oben wurde beim diesjährigen Römerfest vom Denkmalamt ausgestellt. Dabei war auch noch ein mittelalterlicher Mühlstein, der womöglich als Baumaterial dort oben benutzt wurde.
Fragment eines Mühlsteines aus dem Hochmittelalter (11./12. Jahrhundert)
Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden. Die Urnenfelderkultur (1300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) war später.
In dem Artikel von Dr. Paul Revellio (3) wurde ein Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des 4. Jahrhunderts, erklärt. Es ist eine eine kartografische Darstellung, aus dem spätrömischen Reich von den Britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten bis nach Indien und Zentralasien. Der Ausschnitt von Revellio (3) zeigt die Römerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg).
Da auch die Suche nach der Villa Rustica in Fürstenberg läuft, kam ich auf die Idee mir die Römerstraßen rund um Brigobannis (Hüfingen) etwas genauer anzuschauen. Hierbei kamen mir die Schriften der Baar zu Hilfe.
Der Artikel in den Schriften der Baar ist zwar ungewohnt unwissenschaftlich, aber er bietet einen guten Überblick über die Literatur der letzten 200 Jahre.
Peutingerkarte
Die Tabula Peutingeriana ist nach Konrad Peutinger (1465–1547) benannt und zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie ist in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt.
Die Datenbank der Karte ist Teil des DFG-Projekts „Kommentar zur Tabula Peutingeriana“ und steht online auf der Seite https://tp-online.ku.de/ zur freien Verfügung.
Tabula Peutingeriana. Brigobanne auf 2A5 der Karte die rote Linie ist die Römerstraße. Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de
Arbor felix (segenbringender Baum) auf der anderen Seite Sees ist das Kastell Arbon bei Arbon im Kanton Thurgau und rechts daneben ist Brigantio (Bregenz). So ist der dicke grüne Fleck der Bodensee. Tenedone (Zurzach) und Juliomagus (Schleitheim) ist auf der Karte links von Brigobanne. Aris Flavis (Rottweil) und Samulocenis (Rottenburg) sind rechts von Brigobanne.
Der Abzweig der Römerstraße auf der Hüfingen liegt geht also von Vindonissa (Windisch) nach Adlunam (Kastell Urspring).
Wer hier mehr erleben möchte, auf der Webpage Römertraße gibt es noch so einiges. Vielleicht gute Ausflugstipps für den nahenden Sommer?
Römerstraße um Hüfingen
Der römische Geograph Strabo berichtet, dass Tiberius, der Stiefsohn von Kaiser Augustus, 15. v. Chr. zu den Quellen der Donau kam, also in den Raum der Baar und vielleicht bereits bis nach Hüfingen, der kleinen keltischen Siedlung an einer Handelsstraßenkreuzung am Ufer der Breg mit einer Furt.(1)
TIBERIUS IN ILLYRICUM Contributions to the history of the Danubian provinces under Tiberius’ reign (14–37 AD) Eötvös Loránd University, Dept. of Ancient History und University of Debrecen Dept. of Classical Philology and Ancient History
Im dritten Kapitel desselben Buches erklärte Strabo, dass der Danuvius ursprünglich der Name des Oberlaufs dieses Flusses gewesen sei: „Denn sie [die Römer] gaben dem oberen Teil des Flusses vom Gebiet seiner Quellen bis zu den Katarakten den Namen Danuvius, nämlich dem Teil, der hauptsächlich durch die Gebiete der Daker fließt, während sie den unteren Teil des Flusses, der durch die Gebiete der Geten fließt, von den Katarakten bis zum Pontus „Ister“ nennen. Die Identität des Danuvius und des Ister wurde möglicherweise erst während des Feldzuges des Statthalters von Makedonien C. Scribonius Curio im Jahre 72/73 v. Chr. gegen die Dardaner und Moesier erkannt.
Die Aussage von Strabo, Tiberius habe die Donauquellen nach nur einer Tagesreise erreicht, entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Entfernung, die länger ist. Dies würde vielleicht darauf hindeuten, dass er nur bis zum Zusammenfluss von Breg und Brigach östlich von Donaueschingen kam.
Als historische Quelle der Donau gilt die Quelle des Donaubachs bei Donaueschingen, während die tatsächlichen Quellen der Donau hydrologisch gesehen die der größeren Breg sind, die sich bei der Martinskapelle bei Furtwangen befindet.
Unabhängig davon, welchen Bach im Bereich der Donauquellen Tiberius tatsächlich gesehen hat, lässt sich feststellen, dass die Römer noch in der augusteischen Zeit über ein völlig unzureichendes Wissen über die Geographie der Alpenregionen verfügten
Übersetzt von: TIBERIUS IN STRABO’S GEOGRAPHY: ECHOES OF HIS ACTIVITIES IN ILLYRICUM von MARJETA ŠAŠEL KOS, Seite 139-155, TIBERIUS IN ILLYRICUM
Unabhängig davon, welchen Bach Tiberius tatsächlich gesehen hat, darf die geneigte Leserin und auch der Leser, unten die Breg beim Römerbad im Wechsel der Jahreszeiten sehen.
Die Römer legten eine Militärstraße an, überquerten den Hochrhein bei Zurzach und marschierten über die Höhen bei Blumberg gegen Norden weiter nach Hüfingen, Rottweil, Rottenburg bis nach Regensburg. Später errichteten die Römer zwischen Donau und Main den Limes als Schutzwall gegen die Germanen und sicherten ihr erobertes Gebiet durch weitere Straßen und Kastelle. (1)
Römerstraßen und Limes mit Windonissa, Tenedo, Juliomagus, Brigobannis Foto: Wikipedia
Nach der Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter (1984) hatte sich Hans von Schellenberg 1605 schon mit Altertümern im Gebiet des Hüfinger Galgenberges befasst. Unterhalb fand man am 17. März 1768 in einem Ackerfeld silberne und metallene römische Münzen von Titus, Vespasian „und andere“. Im Jahr 1820 vermutete Professor Andreas Buchner (1776-1856) aus Regensburg das römische Brigobanne der Peutingerkarte bei Hüfingen. Er fand nach kurzen Grabungen im Mühlöschle römisches Mauerwerk. Noch im gleichen Jahr stieß eine vom Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg (1796-1869) eingesetzte Kommission, die sich aus Alois Hirt, Luzian Reich, E.J. Leichtlen, Heinrich Schreiber und dem fürstenbergischen Leibarzt W.A. Rehmann als Leiter zusammensetzte, auf das Römerbad. (4) Mehr dazu gibt es im Denkbuch von Lucian Reich.
Karl Alois Fickler beschreibt 1821 unmittelbar westlich des Römerbades einen römischen Straßenkörper, der durch das Hammeltal bis zum Deckrischen Wald (Deggenrauschen) verfolgt wurde. (1)
Hammeltal auf dem Weg nach Deggenreuschen
Die vom Klettgau kommende römische Hauptstraße zog das Tal von Riedböhringen hinauf über die Wasserscheide zwischen Aitrach und Donau gegen Behla. Etwa 1 km vor Behla schlägt die Straße die Richtung Hausen vor Wald ein, wohl um die sumpfigen Ausläufer des Donaueschinger Rieds zu umgehen. Während der römische Straßenkörper bis dahin in den Äckern und Wiesen rechts und Iinks der heutigen Straße (ca. 1895) sicher nachzuweisen ist, fehlt es zwischen Hausen vor Wald und Hüfingen an jeder Spur.
Ein zweiter vorgeschichtlicher Weg, der ebenfalls von den Römern benutzt wurde, kam vom Schweizer Rhein und zog von Schleitheim über die Wutach nach Stühlingen und über Weizener Häusle nach Ewattingen. Dort durchquerte er das Wutachtal ein zweites Mal, um an Mundelfingen vorbei gerade auf das Kastell Hüfingen zuzustreben. Auf ihm sind wohl die Römer von Schleitheim aus an die Donau vorgerückt. Die von den Römern ausgebaute Strecke verlief von Schleitheim über Zollhaus und unter der jetzigen Landstraße Schaffhausen-Donaueschingen bis nördlich Behla, verließ sie beim Behlaer Weiher, um durch den Wolfsbühl das Kastellgelände zu erreichen.
Die Römerstraße überquerte auf der Luttlinger Brücke, die wohl ihretwegen gebaut wurde, das Bächlein (Kennerbach) in den Schleewiesen und wurde durch den Bau der Höllentalbahn abgelenkt. Aber westlich des Bahndamms ist sie von dem Höhenpunkt 692,5 ab auf eine Strecke von 200 m erhalten, weil dieses Stück bis zum Jahre 1870 von der Straße Hausen vor Wald-Hüfingen benutzt wurde.
Paul Revellio (1937) (1)
Bauarbeiten zur Höllentalbahn bei der Luttlinger Bruck 1899
Das kann allerdings so kaum stimmen, da diese beiden Wege keinesfalls auch nur wenige Meter parallel verliefen, sondern sich mit nahezu 90° kreuzten.
Luftbildaufnahmen von 1961/62 ließen südlich des Kastellgeländes im Gewann „Krumme Äcker“ auf ein weiteres römisches Bauwerk schließen. Bei der eingeleiteten Notgrabung wegen Ausbaues der Bundesstraße 31 (1977/78) ergaben sich Hinweise auf ein zeitlich dem Galgenberg-Kastell vorausgehendes Truppenlager, zu dem ein ungewöhnlich großer, vierflügeliger Holzbau gehören dürfte. Noch etwas weiter südlich konnten 31 römische Brandgräber mit Urnen und weiteren Beigaben aufgedeckt werden. Weitere Grabungen ab 1952 im Bereich Mühlöschle bestätigten das römische Dorf (vicus) und damit neben dem Römerbad die Bedeutung von Hüfingen als wichtiger römischer Garnisonsort mit Kastell, Handwerkern und Händlern am Knotenpunkt uralter und von den Römern erbauter Verkehrswege in alle vier Himmelsrichtungen.
Diese musste das Kastell am Galgenberg und das Erdkastell im Gewann „Krumme Äcker“ tangieren und zwangsläufig am Römerbad vorbei zur Furt durch die Breg gehen, um den gegenüberliegenden vicus im Mühlöschle zu erreichen. Von dort ist die Straße vor Allmendshofen, bei der ehemaligen Kammgarnspinnerei Wirth, in Richtung Donaueschingen gesichert.
(1) Wie die Römer nach Hüfingen kamen von Günter Hofmann in den Schriften der Baar 46 (2003)
Nördlich vom Höhlenstein ist das MühlöschleGalgenäcker und Krumme Äcker
Leider sind die vielen Aufzeichnungen und Funde von Straßenbauamt nicht zu finden, ebenso die Erkenntnisse des Denkmalamtes scheinen geheim. Gesichert sind Funde bei Behla beim Bau der Wasserleitung.
Deshalb schließe ich hier. Wir müssen wohl zufrieden sein mit dem aufkochen von über 100 Jahre alten Erkenntnissen.
Aquatinta von W. Scheuchzer und G.L. von Kreß sc. Verlag J. Velten in Karlsruhe etwa 1825
(1) Wie die Römer nach Hüfingen kamen von Günter Hofmann in den Schriften der Baar 46 (2003) (2) Ein römisches Bauernhaus im Deggenreuschenwald bei Hüfingen von Dr. Paul Revellio in den Schriften der Baar 14 (1920) (3) Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921) (4) Chronik der Stadt Hüfingen. August Vetter (1984)
Vielen Dank an Helmut Vogel, Heidi Mayer-Löhr und an alle Beteiligten für das tolle Fest!
Hier ein paar Eindrücke von uns:
Am Samstag Abend marschierten das Grenadiercorps 1810 aus Villingen, die historische Bürgerwehr Hüfingen und das Fähnlein Rottweil zum Platz jenseits der Breg und nahmen auf Kommando ihre Position für den dreifachen Böllersalut ein. Diese Darbietung soll im Besonderen an die Belagerung 1632 und das grauenvolle Blutbad sowie an die Sinnlosigkeit der vielen Kriege erinnern.
Zur Zeit der Römer war Schotter das wichtigste Baumaterial für den Straßenbau. Ein sehr typisches Merkmal der Römerstraße im Alpenvorland ist die Dammschüttung gewesen. Die Römer schütteten vor allem in Gebieten, in denen man im Winter mit heftigen Schneefällen zu rechnen hatten zum Teil 10 Meter breite Dämme aus Schotter für die Fahrbahn auf.
Offensichtlich gibt es aus dieser Zeit noch viele Schottergruben, die der eigentlichen Nutzung entzogen wurden, denn die heutigen Bewohner von Brigobannis lieben es sich den Schotter direkt vor die Tür zu kippen.
Und jetzt Scherz beiseite: Als Gebietskörperschaften sind Gemeinden zuständig, wenn es um die Regelungen für die Flächennutzung geht. Die Summe vieler kleiner Vorgärten stellt in einer Kommune durchaus eine große Fläche dar, weshalb es vielerorts Vorgaben und Empfehlungen für Haus und Grundbesitzer gibt. In Zeiten des Klimawandels sind Kommunen zudem gefragt Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln, damit vor Ort das Klima erträglicher und das (Hoch-)Wassermanagement sicherer wird. Die rechtlichen Vorgaben dazu finden sich im Baugesetzbuch. Dort wird zu einer Bauleitplanung vorgegeben, dass Flächennutzungsplan und Bebauungspläne dazu beitragen sollen eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürliche Lebensgrundlage zu schützen und zu entwickeln. Dazu sind gemäß §1 Abs. 6 BauGB insbesondere auch die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohnverhältnisse sowie Belange des Umweltschutzes zu berücksichtigen. Kommunen können auch übergreifende Satzungen für die Gestaltung bestimmter Flächen erlassen, wie zum Beispiel eine Vorgartensatzung. Rechtlich steht eine solche auf gleichem Niveau wie ein Bebauungsplan, ist also verbindlich, hat aber in der Regel einen übergreifenden räumlichen Geltungsbereich. Die kommunalen Satzungen werden mit den Gemeinderäten politisch verhandelt und mehrheitlich beschlossen.
Doch in Hüfingen gilt : Schotter statt Pflanzen, Grau statt Grün. Doch was ist Schotter und was ist Stein? Der Frage wollen sich zumindest die Hüfinger Gemeinderäte nicht stellen und verwiesen auf höhere Ebenen die durch Personalmangel geprägt und daher untätig bleiben werden. Wie einfach macht es sich unser Gemeinderat? Aber ganz im Sinne von Brigobannis scheint es auch heute noch üblich zu sein Schotterhalden aufzuschütten und es schick zu finden und das auch noch mit Genehmigung eines hier überwiegend untätigen Gemeinderates. Gesetze haben wir genug, es liegt leider am minimalen Willen der Beteiligten diese durchzusetzen. Hier würde ich mir als Bürgerin von den Stadtoberen wesentlich mehr Schwung wünschen und zwar nicht nur, wenn eine in ihren Augen unästhetische Wand den Blick auf tote Rasenflächen verwehrt.
Die alte Künstlertraditon des Hüfinger Künstlerkreises lebt fort in der Moderne. Hier der Text zum Bild vom Künstler Dede Hegenauer:
Bei uns im Schwarzwald Baar Kreis hatten wir eigentlich gar keine Bollenhüte. Dennoch aber auch sehr schöne Trachten. Das Bild malte ich in Anlehnung an ein Bild von Rudolf Gleichauf aus dem 19. Jhdt. und es zeigt ein Mädchen in traditioneller Baaremer Bauerntracht. Ich würde auch davon Drucke erstellen lassen. Wer mag, kann mir gern schreiben! Grüße aus eurer Baaremer Stube