Fast alle Vögel die Nistkästen nutzen, bauen ihr neues Nest auf das Alte des Vorjahrs. Das heißt, wenn die Kästen nicht gereinigt werden, werden sie mit den Jahren immer voller. Dann haben Räuber wie Marder und Eichhörnchen leichtes Spiel. Sie können einfach in den Kasten „hineingreifen“ und so leicht Beute machen. Das Ausräumen kann also lebenswichtig für die Vögel sein! Hinzu kommt natürlich die Gefahr von Verunreinigungen wie Parasiten, Milben und Flöhen.
Warum im Spätsommer oder Frühherbst?
Im September ist die letzte Brut sicher vorbei und es sind noch keine Wintergäste in den Kästen. Wintergäste können sein: Fledermäuse, Siebenschläfer, Meise, Kleiber, Spatzen, Zaunkönige, Kleintiere wie Hasel- oder Waldmaus, aber auch Ohrwürmer, Florfliegen, Wespen- und Hummelköniginnen .
Da manche Tiere die Kästen auch als Schlafplatz nutzen können, empfiehl es sich vor der Reinigung anzuklopfen.
Gemeinsam auf der Jungviehweide
Am 6. Oktober 2026 wurden die Nistkästen mit den Auszubildenden der Sparkasse repariert und gereinigt. Außerdem wurden einige neue Nistkästen aufgehängt. Drei abgestorbene Streuobstbäume wurden durch eine Conferencebirne und die beiden Apfelsorten Rubinola und Florina ersetzt. Bürgermeister Patrick Haas und Ortsvorsteher Michael Jerg unterstützten die Aktion und informierten sich vor Ort über die Arbeiten. Die gemeinsame Aktion von Sparkasse Schwarzwald-Baar, NABU Schwarzwald-Baar und den Freunden der Natur Hüfingen verbindet praktische Naturschutzarbeit mit der Pflege und dem Erhalt der Streuobstwiese.
Die Freunde der Natur Hüfingen bedanken sich bei allen Beteiligten von Sparkasse, NABU, Michael Birk, Bürgermeister Patrick Haas und Ortsvorsteher Michael Jerg für ihre Unterstützung.
2025
Am Samstag 18. Oktober 2025 trafen wir uns wieder auf der Jungviehweide, um die Nistkästen zu reinigen.
2024
Am Samstag 19. Oktober 2024 trafen wir uns auf der Jungviehweide, um die Nistkästen zu reinigen. Dieses Jahr kam unser Bürgermeister Patrick Haas und Ortsvorsteher Michael Jerg dazu, um sich zu informieren.
2023
Am Samstag 21. Oktober 2023 trafen wir uns wieder auf der Jungviehweide um Nistkästen zu reinigen. Im Anschluss an die praktische Arbeit fand die Mitgliederversammlung statt. Vielen Dank an die Helfer!
2022
Am Samstag, 17. September 2022 trafen wir uns auf der Jungviehweide um die rund 30 Nistkästen zu reinigen. Die Kontrolle ergab, dass in fünf Kästen Kohlmeisen gebrütet haben. In je zwei Kästen wohnten Wespen und Hornissen. Sehr erfreut zeigte sich das siebenköpfige Team von den zwei gefundenen Siebenschläfer Nestern. Im Anschluss an die praktische Arbeit fand die Mitgliederversammlung statt.
JungviehweideMundelfingenMitgliederversammlung am 17.09.2022
1966 wurde in Hüfingen ein außergewöhnliches alamannisches Reitergrab entdeckt. Zwei der drei silbernen Zierscheiben des Pferdegeschirrs waren bekannt – die dritte aber verschwunden.
Prof. Dr. Gerhard Fingerlin, der sich intensiv mit dem Grab beschäftigte, ließ die Frage nach der dritten Scheibe nicht los. Bei seiner Beschäftigung mit dem Fund erkannte er, dass das Pferdegeschirr ursprünglich aus drei silbernen Zierscheiben bestanden haben musste. Die Anordnung solcher Scheiben am Zaumzeug gaben den entscheidenden Hinweis.
2008 eröffnete Fingerlin mit einem Vortrag über die ältesten christlichen Bilder der Baar die Tagung „Die Baar als Königslandschaft“. Er legte dar, dass es in Hüfingen nicht nur zwei, sondern drei Silberscheiben gegeben haben musste.
Und dann geschah das Unerwartete: Noch im selben Jahr wurde die fehlende Scheibe anonym im Briefkasten des Pfarrers zurückgegeben.
Ja, damals gab es in Hüfingen tatsächlich noch einen Pfarrer, der hier wohnte und für seine Gemeinde da war – von der Taufe über Kommunion, Firmung und Hochzeit bis zur Beerdigung. Er war da, wenn ein neues Leben begann, wenn Menschen miteinander durchs Leben gingen und wenn am Ende Abschied genommen werden musste. Dass ausgerechnet sein Briefkasten zur Anlaufstelle für eine jahrzehntelang verschwundene archäologische Kostbarkeit wurde, ist eine Geschichte für sich. Man könnte fast versucht sein, von seligen Zeiten zu sprechen.
Was die wieder aufgetauchte Scheibe zeigt:
Die wieder gefundene dritte Scheibe zeigt den selben Reitertyp wie in der ersten Scheibe, nun aber nicht im Kampf, sondern als Sieger. Die rechte Hand ist zum Zeichen des Triumphs erhoben. Das Motiv gehört zu einer christlich geprägten Bilderreihenfolge, in dem der Reiter den Sieg über das Böse verkörpert.
Aber zurück zur Geschichte des Hüfinger Reiters und Gerhard Fingerlin. Die lasse ich am besten Susanne Huber-Wintermantel sel. A. erzählen. Sie schrieb 2017 in den Schriften der Baar einen Nachruf auf Prof. Dr. Gerhard Fingerlin. Darin schildert sie nicht nur seinen wissenschaftlichen Werdegang, sondern auch die erstaunliche Rückkehr der dritten Zierscheibe.
Susanne Huber-Wintermantel: Zum Gedenken an Professor Dr. Gerhard Fingerlin (1937–2016)
Einer der profiliertesten Referenten unseres Vereins und Autor grundlegender Aufsätze über die frühmittelalterliche Baar verstarb am 26. August 2016: DerArchäologe Gerhard Fingerlin.
Von 1963 bis zu seiner Pensionierung 2002 war Gerhard Fingerlin am Staatlichen Amt für Ur- und Frühgeschichte in Freiburg tätig. Seit 1972 leitete er das Referat Bodendenkmalpflege im Regierungsbezirk Freiburg und war seit 1996 als Honorarprofessor für provinzialrömische und frühgeschichtliche Archäologie an der Universität Freiburg beschäftigt.
Am Beginn seiner Tätigkeit im Freiburger Amt war auch die erste Begegnung mit der Archäologie der Baar: 1966 wurde bei Aushubarbeiten an der Hüfinger „Gierhalde“ ein alamannisches Adelsgrab aus dem frühen 7. Jahrhundert gefunden, dessen Inhalt Gerhard Fingerlin als sensationell einstufte. Unter den kostbaren Grabbeigaben des „Hüfinger Reiters“ befanden sich auch zwei silberne Zierscheiben eines Pferdegeschirrs, die bis heute als die ältesten christlichen Bilder der Alamannia gelten dürfen.
2008 fand dieses spannende Kapitel der heimischen Archäologie eine ungeahnte Fortsetzung, als Gerhard Fingerlin die Tagung „Die Baar als Königslandschaft“ (veranstaltet vom Alemannischen Institut Freiburg in Kooperation mit der Stadt Donaueschingen und dem Baarverein) mit einem Vortrag eröffnete, in dem er nachwies, dass es in Hüfingen drei und nicht nur zwei Silberscheiben im Reitergrab gegeben haben müsse. Seine Ausführungen führten (mit Hilfe des Hüfinger Alt-Bürgermeisters Max Gilly) tatsächlich dazu, dass die 1966 aus dem Grab entwendete dritte Silberscheibe noch im Jahr 2008 anonym zurückgegeben wurde.
Auch die Ausgrabungen im Bräunlinger Gewann „Niederwiesen“ (1996/97), die einzigartige Erkenntnisse über die früh-merowingerzeitliche Besiedelung der Bregaue zwischen Hüfingen und Bräunlingen brachten und unter anderem eine Goldgriffspatha und eine 40 Zentimeter hohe, unzerstörte Glasflasche zu Tageförderten, leitete Gerhard Fingerlin selbst. Bis wenige Monate vor seinem Tod war er mit Forschungsarbeiten beschäftigt und beabsichtigte auch, eine detaillierte Bearbeitung der Niederwiesen-Funde vorzulegen, was ihm leider nicht mehr vergönnt war.
Was den gebürtigen Lörracher neben seinen in Fachkreisen hochgeschätzten Kenntnissen auszeichnete, war seine verbindliche Art, auch Laien für die Archäologie zu begeistern, ihnen geduldig sein Wissen auf verständliche Art zu vermitteln – im schönen hochalemannischen Dialekt seiner Markgräfler Heimat.
In den Schriften der Baar sind folgende Aufsätze von Gerhard Fingerlin erschienen: Reiter von Hüfingen (Band 31 –1976) – Das frühgeschichtliche Hüfingen (Band 32 – 1978) – Ein alamannischer Adelshof im Tal der Breg (Band 44 – 2001) – Vom Oberrhein zur jungen Donau (Band 51 – 2008) – Die ältesten christlichen Bilder der Alamannia (Band 55 – 2012). Viele von Gerhard Fingerlin verfasste, die Baar betreffende Artikel sind in den „Archäologischen Nachrichten von Baden“ erschienen, der Publikationsreihe des „Förderkreises Archäologie in Baden“, den Fingerlin 1968 mitgegründet und geprägt und für den er sich bis zuletzt engagiert hatte.
Ich glaube an einen Gott Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1, Schwarzwald-Baar-Kreis Um 600, Silberblech. Inv.-Nr.: 73/171 a-b; L 601 1966 wurde in Hüfingen das reich ausgestattete Grab eines jungen Mannes entdeckt. Zu den Beigaben gehörte ein Pferdegeschirr mit drei Zierscheiben. Die mittlere Scheibe zeigt Maria mit dem Christuskind. Auf den beiden anderen ist jeweils ein mit einer menschenköpfigen Schlange kämpfender Reiter dargestellt. Die Reiter ziehen im Namen Christi und unter seinem Schutz in den Kampf gegen das Böse. Solche Motive weisen in den byzantinischen Raum, doch handelt es sich wohl um eine Arbeit aus Oberitalien. landesmuseum.de/archaeologie-in-baden
Quellen:
Gerhard Fingerlin: Ein alamannisches Reitergrab aus Hüfingen. In: Studien zur vor- und frühgeschichtlichen Archäologie. Festschrift für Joachim Werner zum 65. Geburtstag, Teil II, 1974, S. 591–628.
Gerhard Fingerlin: Der Reiter von Hüfingen. Notizen zu einem alamannischen Adelsgrab auf der Baar. In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 31 (1976), S. 53–66.
Gerhard Fingerlin: Die ältesten christlichen Bilder der Alamannia. Zur Herkunft und Ikonographie der drei silbernen Phalerae aus dem Kammergrab von der „Gierhalde“ in Hüfingen. In: Schriften der Baar 55 (2012), S. 7–26.
Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Ich glaube an einen Gott – Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1. Badisches Landesmuseum
Susanne Huber-Wintermantel, „Zum Gedenken an Professor Dr. Gerhard Fingerlin (1937–2016)“, Schriften der Baar, Band 60 (2017), S. 193–194.
*Die historische Abbildung aus den „Schriften der Baar“ wurden für die Darstellung auf Hieronymus-online mithilfe von KI technisch aufbereitet und verbessert.
Seit dem 9. Oktober gibt es wieder ein Jugendhaus.
Beitrag vom 17. August 2026
Jackson Agbonkhese war in der letzten Gemeinderatssitzung zu Gast und hat dort sein Konzept für „ZukunftsWerte“ vorgestellt. Ab September übernimmt er damit einen Teil der neuen Hüfinger Kinder- und Jugendarbeit. Im Oktober soll das Projekt dann richtig starten.
Sein Ansatz verbindet Bewegung, Wertevermittlung, Resilienz und soziale Kompetenzen und soll die klassische offene Jugendarbeit ergänzen. Wer mehr über die Vorstellung im Gemeinderat wissen möchte, findet hier meinen Bericht über die Gemeinderatssitzung.
Natürlich sind wir alle neugierig, was daraus entstehen wird. Ich habe mich deshalb heute mit Jackson getroffen, um mehr über ihn und seine Ideen zu erfahren.
Die schlechten Tage dieser alten Hütten auf dem Schari sind gezählt!
Wo heute noch kaputte Scheiben und keine Farben zu sehen sind, soll wieder Leben einziehen. Ein eigener Ort für die Hüfinger Kinder und Jugendlichen – zum Treffen, Gestalten und gemeinsamen Machen.
Ich freue mich so sehr, dass es wieder losgeht! ❤️
Was ich dabei übrigens selbst noch gar nicht wusste: Jackson lebt schon seit längerer Zeit in Hüfingen. Wie er überhaupt hierhergekommen ist, erzählt er in einem kurzen Podcast:
Wie Jackson nach Hüfingen kam
Und natürlich wollte ich auch genauer wissen, was hinter „ZukunftsWerte“ steckt und was er ab September mit den Kindern und Jugendlichen in Hüfingen vorhat:
Das Konzept „ZukunftsWerte“
Jetzt darf es also losgehen. Ab September startet Jackson mit einem Teil seiner Arbeit, im Oktober soll „ZukunftsWerte“ dann richtig Fahrt aufnehmen.
2018 wurde die Brücke vom Hölenstein zum Römerbad unter Leitung von unserem Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger Anton Knapp neu errichtet. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie blöde es war, als wir die Brücke noch nicht hatten. Ich hatte schon 2021 – sozusagen zur 200 Jahr Feier – ein Album und Film zum Jahreslauf der Breg gemacht. Leider hat das Plugin (ein Programm um Fotos in einer Galerie anzuzeigen) das Zeitliche gesegnet und mit ihm die einzelnen Fotos. Der Film ist aber noch unten zu bestaunen. Im Jahr 2023 war ich leider krank und konnte erst wieder ab Juni 2024 Fotos von der Brücke machen. Jetzt habe ich auch ein neues Plugin und hoffe das arbeitet besser.
Hier also die Fotos von der Brücke über die Bregach seit Juni 2024
2026-10-05
2026-09-22
2026-08-30
2026-07-26
2026-06-14
2026-05-02
2026-04-29
2026-04-07
2026-03-02
2026-02-15
2026-01-04
2025-12-16
2025-11-20
2025-11-01
2025-10-14
2025-10-06
2025-09-26
2025-08-28
2025-07-03
2025-06-03
2025-05-09
2025-04-30
2025-04-04
2025-03-28
2025-02-08
2025-01-10
2024-12-21
2024-11-23
2024-11-03
2024-10-22
2024-10-07
2024-09-04
2024-08-13
2024-07-17
2024-06-05
6. Oktober 2021
Die Bregbrücke beim Römerbad ist ein Geschenk das mich persönlich sehr bereichert hat und ja, die mich auch sehr glücklich gemacht hat.
Vielen Dank an Anton Knapp!
Die einzelnen Bilder aus 2021 sind wegen eines alten Plugins nicht mehr verfügbar aber der Film mit Aufnahmen vom Oktober 2020 bis 2021.
200 Jahre nach Errichtung des Steges durch die Freunde der Natur, des Nützlichen und Schönen ein Jahreslauf von der Brücke bis Oktober 2021.
Es war einmal, vor langer, langer Zeit, eine kleine Siedlung namens Brigobanna.
Sie lag auf einem Hügel über der Bregach, dort, wo das Wasser seinen Weg aus den Wäldern heraus sucht. Von oben konnte man weit über das Land schauen. Man sah die Hügel, die Wälder und das Wasser, und wenn das Wetter klar war, konnte man bis weit über das Tal hinausblicken.
Brigobanna war keine große Stadt. Aber sie war reich. Nicht nur reich an Dingen, sondern reich an Menschen, an Geschichten und an Wissen. Händler kamen vorbei, brachten Waren aus fernen Ländern mit und erzählten von Orten, die niemand aus Brigobanna je gesehen hatte. Handwerker arbeiteten mit Holz, Metall und Ton. Kinder liefen zwischen den Häusern herum, Hunde schliefen in der Sonne und irgendwo fand sich immer jemand, der etwas zu erzählen hatte.
Mitten in Brigobanna lag ein großer Platz. Die Menschen nannten ihn Agora. Dort wurde nicht nur gehandelt, sondern auch viel geredet. Dort traf man sich, wenn etwas Wichtiges zu entscheiden war. Man diskutierte über das Wasser, über die Wege, über die Felder und darüber, was im kommenden Winter gebraucht wurde. Man stritt sich auch, manchmal sogar heftig. Denn Menschen sind Menschen, und auch in Brigobanna hatte nicht jeder dieselbe Meinung. Aber die Agora hatte ihre eigenen Regeln, wer hier sprach, sollte gehört werden; wer widersprach, durfte widersprechen und wenn zwei Menschen so wütend wurden, dass aus Worten Zorn wurde, dann schritt Briganti ein.
Briganti war die Königin von Brigobanna.
Sie war eine kluge Frau, aber ihre größte Stärke war nicht, dass sie immer wusste, was richtig war, ihre Stärke war, dass sie zuhören konnte. Sie ließ die Menschen reden, sie ließ sie widersprechen, sie ließ sie sogar wütend sein, aber sie achtete darauf, dass niemand den anderen klein machte, nur weil er anders dachte. Wenn ein Streit begann persönlich zu werden, hob sie die Hand, denn Briganti wusste, dass ein Streit keine Feindseligkeit ist, eine andere Meinung kein Angriff.
Ihre Töchter standen oft neben ihr auf der Agora. Sie sollten lernen, zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen und zu erkennen, wann jemand etwas sagte, obwohl er eigentlich etwas ganz anderes meinte. Sie lernten, dass Macht nicht darin bestand, immer das letzte Wort zu haben und sie lernten, dass manchmal gerade derjenige etwas Wichtiges zu sagen hatte, der am leisesten sprach.
Neben den Töchtern war noch jemand da: Ein kleiner Kobold in der alten Esche. Niemand wusste so genau, woher er gekommen war. Manche behaupteten, er habe schon unter dem ältesten Baum der Siedlung gewohnt, lange bevor Brigobanna gebaut worden war. Andere sagten, er sei eines Morgens einfach auf der Agora gesessen, als wäre er schon immer dort gewesen.
Der Kobold sagte wenig, dafür beobachtete er viel. Er achtete auf die Menschen, auf die kleinen Bewegungen, darauf, wer plötzlich schwieg, wer zu laut wurde, wer zu laut lachte, obwohl ihm gar nicht zum Lachen war. Er konnte Stimmungen hören – zumindest behauptete er das. Er sagte, Gefühle hätten Schwingungen, und Schwingungen würden niemals einfach verschwinden. Sie gingen nur manchmal unter.
Deshalb war er mit auf der Agora und fing alles auf. Die Freude, die Ungeduld, die Angst, den Ärger, die Hoffnung und manchmal auch die Traurigkeit, die jemand mitgebracht hatte, obwohl an diesem Tag überhaupt nicht über Traurigkeit gesprochen wurde.
Briganti wusste, dass der Kobold da war, sie wusste auch, dass er Dinge bemerkte, die selbst ihr entgingen. Darum ließ sie ihn im Baum sitzen, zuhören und freute sich auf seine Einschätzungen. Denn Briganti hatte verstanden, dass eine Gemeinschaft nicht nur aus dem bestand, was ausgesprochen wurde, eine Gemeinschaft bestand auch aus allem, was zwischen den Worten lag.
Und so standen sie dort auf der Agora: Briganti, ihre Töchter und der Kobold in der alten Esche – um sie herum die Menschen von Brigobanna. Sie ahnten noch nicht, dass ihre kleine Siedlung eines Tages von Fremden entdeckt werden würde. Sie ahnten noch nicht, dass Männer kommen würden, die andere Götter mitbrachten, andere Regeln und andere Vorstellungen davon, wem ein Land gehören konnte. Sie ahnten noch nicht, dass von Brigobanna eines Tages nur noch wenige Spuren übrig sein würden.
Aber die Bregach würde weiterfließen, der Hügel würde bleiben und manches, was die Menschen von Brigobanna geglaubt, gehofft und erzählt hatten, würde länger leben als ihre Häuser. Denn manche Dinge verschwinden nicht, sie warten nur.
Als die 11. Legion des Römischen Imperiums Brigobanna unterwarf, töteten sie auch die Götter. Sie stürzten ihre Bilder, sie zerbrachen ihre Zeichen, sie verbrannten, was ihnen fremd war, und nahmen mit, was ihnen wertvoll erschien. Sie plünderten die Häuser und Speicher, sie nahmen das Vieh, das Getreide, die Werkzeuge und alles, was sich tragen ließ. Wer sich widersetzte, wurde getötet – manche Menschen wurden auch einfach so erschlagen, andere wurden fortgeführt. Denn die Römer brachten nicht nur ihre Waffen nach Brigobanna – sie brachten auch ihre Ordnung mit.
Und in dieser Ordnung gab es Menschen, die frei waren und Menschen, die anderen gehören konnten. Die Töchter Brigantis gehörten von diesem Tag an nicht mehr sich selbst, die Soldaten nahmen sie mit. Sie wurden voneinander getrennt und als Sklavinnen verkauft. Briganti, die Königin, die über ihre Menschen geherrscht hatte, konnte nicht einmal mehr ihre eigenen Kinder vor den Soldaten schützen.
Auch mit den Frauen von Brigobanna machten die Soldaten, was Besatzungssoldaten immer mit Frauen machen. Es war keine Liebe mehr, es war keine Begegnung, es war Gewalt. Die Körper der Frauen wurden zu einem weiteren Teil dessen gemacht, was die Sieger glaubten, erbeuten zu dürfen. Aus einer dieser Gewalttaten wurde später ein Kind geboren, ein Junge. Seine Mutter nannte ihn Brigo. Vielleicht, weil sie ihm etwas von dem Ort mitgeben wollte, den es nicht mehr gab. Vielleicht, weil sie wollte, dass wenigstens sein Name sich erinnerte. Vielleicht auch, weil sie wusste, dass ein Kind seinen Vater nicht kennen muss, um zu wissen, woher es kommt. Brigo wuchs zwischen den Ruinen von Brigobanna auf. Er war Sohn einer Frau von hier und Sohn eines römischen Soldaten. Niemand wusste, ob das Blut seines Vaters ihm etwas bedeutete. Brigo wusste nur, dass seine Mutter manchmal lange zum Hügel hinaufsah. Dorthin, wo einmal die Häuser gestanden hatten. Dorthin, wo die Agora gewesen war. Dorthin, wo Briganti mit ihren Töchtern gestanden hatte.
Denn Briganti war fort, die Töchter waren fort, die Menschen waren fort und die Götter waren fort. Nur einer war geblieben: Der kleine Kobold. Er saß in einem anderen Baum am Ufer der Bregach und schaute hinüber zu den Soldaten. Er hatte gesehen, wie die Römer gekommen waren. Er hatte gesehen, wie sie getötet hatten. Er hatte gesehen, wie die Töchter Brigantis verschleppt wurden. Er hatte gesehen, wie Kinder ihre Väter, wie Männer ihre Frauen und Familien ihre Kinder verloren hatten. Er hatte gesehen, wie aus einer lebendigen Siedlung ein Ort wurde, an dem fremde Soldaten ihre Befehle gaben.
Eigentlich wunderte er sich über nichts mehr, dafür hatte er schon zu viel gesehen.
Die Bregach floss weiter, sie floss am Hügel vorbei, unter den Bäumen hindurch und weiter in die Landschaft und wenn der Wind durch die Zweige fuhr, bewegten sich die Blätter. Der Kobold legte den Kopf schief, er hörte hin. Denn tief unter dem Lärm der Soldaten, unter dem Hämmern und Rufen und unter den fremden Stimmen, glaubte er etwas zu hören. Eine Stimme, sehr leise, eine Stimme, die er kannte. Die Stimme von Briganti.
Nach fast einem Jahr Leerstand und einigen komplizierten Verhandlungen mit dem Landratsamt konnte die Pizzeria in den vergangenen Monaten endlich fertig umgebaut werden. Jetzt gibt es auch neue Pächter: Francesco und Giuseppe bringen wieder italienisches Leben in die Bude!
Geöffnet ist täglich von 11 bis 14 Uhr und von 17 bis 22 Uhr. Dienstag ist Ruhetag.
Und für den google crawler: Hauptstr. 41, 78183 Hüfingen, Telefon: 0771-18596760
Wir freuen uns gewaltig, dass hier endlich wieder Licht brennt, gekocht wird und Menschen zusammenkommen!
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1966 wurde in Hüfingen das reich ausgestattete Grab eines jungen Mannes entdeckt. Der Archäologe Dr. Gerhard Fingerlin hat darüber mehrere Beiträge veröffentlicht, die ich hier zusammenfassen möchte.
Fingerlin beschreibt das an der Gierhalde entdeckte Kammergrab, das er zunächst in die Zeit zwischen 600 und 610 n. Chr. datierte. Trotz einer bereits in früher Zeit erfolgten Beraubung ließ sich erkennen, dass hier ein junger Mann von sehr hohem Rang bestattet worden war. Dafür sprechen nicht nur die außergewöhnlich reichen Beigaben, sondern auch die große, aus Eichenholz gebaute Grabkammer und ihre Lage auf einem kleinen Sonderfriedhof, den Fingerlin mit adligen Familien und Herrenhöfen in Verbindung bringt. Zur Ausstattung gehörten Waffen, Reitausrüstung, kostbare Gürtelbeschläge, Gefäße, Möbel und Speisebeigaben. Besonders außergewöhnlich sind ein Bronzebecken aus dem Mittelmeerraum und drei figürlich verzierte Silberscheiben vom Pferdegeschirr.
Lanzenreiter, der über eine menschenköpfige Schlange hinwegstürmt*
Thronende Muttergottes mit dem Jesuskind*
Reiter als Sieger, die rechte Hand zum Zeichen des Triumphes erhoben. *
*Die historischen Abbildungen aus den „Schriften der Baar“ wurden für die Darstellung auf Hieronymus-online mithilfe von KI technisch aufbereitet und verbessert.
Die drei Scheiben bilden ein ungewöhnliches christliches Bildprogramm: Maria mit dem Christuskind in der Mitte, flankiert von zwei Reitern – der eine kämpfend, der andere als Sieger.
Wie diese Stücke nach Hüfingen gelangten, lässt sich nicht sicher sagen. Fingerlin hält Handel für eher unwahrscheinlich. Er denkt vielmehr an eine politisch motivierte Ehrengabe oder an Beutegut aus einem Italienzug. Eine unvollständige Inschrift auf einer der Scheiben könnte dabei auf einen früheren Besitzer hinweisen. Für Fingerlin handelt es sich um die ältesten christlichen Darstellungen auf süddeutschem Boden. Gleichzeitig finden sich in der Ausstattung des Grabes eindeutig alamannische und nichtchristliche Elemente. Ob der Reiter selbst Christ war, lässt Fingerlin deshalb ausdrücklich offen.
Ich glaube an einen Gott Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1, Schwarzwald-Baar-Kreis Um 600, Silberblech. Inv.-Nr.: 73/171 a-b; L 601 1966 wurde in Hüfingen das reich ausgestattete Grab eines jungen Mannes entdeckt. Zu den Beigaben gehörte ein Pferdegeschirr mit drei Zierscheiben. Die mittlere Scheibe zeigt Maria mit dem Christuskind. Auf den beiden anderen ist jeweils ein mit einer menschenköpfigen Schlange kämpfender Reiter dargestellt. Die Reiter ziehen im Namen Christi und unter seinem Schutz in den Kampf gegen das Böse. Solche Motive weisen in den byzantinischen Raum, doch handelt es sich wohl um eine Arbeit aus Oberitalien. landesmuseum.de/archaeologie-in-baden
Für Fingerlin erzählt dieses eine Grab jedoch weit mehr als die Geschichte eines einzelnen Mannes. Er sieht darin den Hinweis auf eine überregional bedeutende Adelsfamilie.
Hüfingen lag seiner Interpretation nach an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt: Hier traf die Donaustraße auf die Verbindung vom Schweizer Mittelland in den Neckarraum und weiter Richtung Oberrhein. Der hier bestattete Reiter könnte deshalb eine Kontrollfunktion im Auftrag eines Königs oder Herzogs ausgeübt haben. Mit dem Gierhalde-Grab wurde damit ein bis dahin kaum sichtbarer militärischer, politischer und wirtschaftlicher Schwerpunkt erkennbar, der die Geschichte der umliegenden Landschaft im frühen Mittelalter wesentlich geprägt haben könnte.
Tafeln am Fundort
Quellen:
Gerhard Fingerlin: Ein alamannisches Reitergrab aus Hüfingen. In: Studien zur vor- und frühgeschichtlichen Archäologie. Festschrift für Joachim Werner zum 65. Geburtstag, Teil II, 1974, S. 591–628.
Gerhard Fingerlin: Der Reiter von Hüfingen. Notizen zu einem alamannischen Adelsgrab auf der Baar. In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 31 (1976), S. 53–66.
Gerhard Fingerlin: Die ältesten christlichen Bilder der Alamannia. Zur Herkunft und Ikonographie der drei silbernen Phalerae aus dem Kammergrab von der „Gierhalde“ in Hüfingen. In: Schriften der Baar 55 (2012), S. 7–26.
Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Ich glaube an einen Gott – Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1. Badisches Landesmuseum
Wieder ist eine Ladung Kronkorken nach St. Georgen. Ihr seid großartig!
Joachim Jantzen konnte mit eurer Hilfe im September 15,9 Tonnen Kronkorken abgeben. Das gab einen Erlös von 3.200 Euro für den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Am 12. Juni wurden 148 kg Koronkorken von Joachim Jantzen persönlich abgeholt:
Die Wege der Kronkorken wurden letztes Jahr in der Landesschau beschrieben und können in der Mediathek angeschaut werden:
4 volle Kisten Kronkorken gingen am 17. März 2026 nach Bad Dürrheim.
Übergabe der Hüfinger Kronkorken an Miriam Steup von den City Cleaners Germany – Schwarzwald-Baar am 3. November 2025
Kronkorkensammelstelle in Hüfingen für den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Die Freunde der Natur Hüfingen haben seit 19. August in Kooperation mit den City Cleaners Germany – Schwarzwald-Baar eine Sammelstelle für Kronkorken eingerichtet:
Kronkorken können in die Kiste gelegt werden oder auch bei den Freunden der Natur Hüfingen abgegeben werden.
Die Kiste befindet sich vor unserer Geschäftsstelle bei Rosis Blumenstudio.
Wir werden diese dann zu gegebener Zeit nach Bad Dürrheim zu Miriam Steup von den City Cleaners bringen. Die Kronkorken dürfen aber auch gerne direkt nach Bad Dürrheim gebracht werden.
Miriam Steup im Sommer 2025 mit gesammelten Kronkorken
Der Erlös geht zu 100% an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.!
Keine Kippe verschwindet im Gulli. Keine Kippe verschwindet im Meer.
Die Tauben, die ihr für schöne Fotos in den Himmel fliegen lasst, verschwinden nicht. Sie verenden oft elendiglich vor Hunger.
Und auch Luftballons verschwinden nicht im Himmel. Sie landen irgendwann in unserer Natur. Im besten Fall werden sie einfach nur Müll, im schlimmsten Fall eine tödliche Falle für Vögel und andere Tiere.
Vielleicht sollten wir aufhören, Dinge cool zu finden, nur weil sie auf Fotos gut aussehen.
Vom 29. auf den 30. September – von Michel zu Hieronymus
Der heilige Hieronymus von Stridon
Eigentlich hieß er Sophronius Eusebius Hieronymus von Stridon. Er war Priester, Bibelübersetzer und Theologe – und eine der schillerndsten Gestalten der frühen Christenheit. Geboren wurde er im März 347 in Stridon, dem heutigen Štrigova in Kroatien, gestorben ist er im September 420 in Betlehem.
Hieronymus stammte aus wohlhabenden christlichen Verhältnissen. Seine Eltern ermöglichten ihm eine umfassende Ausbildung, zunächst in Mailand und Rom. Dort verschlang er die Schriften der großen Philosophen, vor allem Ciceros und Platons. Er war ein leidenschaftlicher Leser – vielleicht ein wenig zu leidenschaftlich für das, was man damals von einem Christen erwartete.
Eines Nachts erschien ihm im Traum ein Engel, nahm ihm die Bücher aus der Hand und führte ihn vor den himmlischen Richter. Der soll ihn gefragt haben, wer er sei. „Du bist kein Christ, du bist Ciceronianer. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“
Die Wirkung war offenbar nachhaltig. 366 ließ sich Hieronymus taufen.
Doch damit war sein Bildungsweg keineswegs beendet. In Trier lernte er das Klosterleben kennen, anschließend ging er nach Aquileia und schloss sich dort dem asketischen Bund Chor der Seligen an. Hieronymus verfügte über ein phänomenales Gedächtnis, war außergewöhnlich sprachbegabt und rhetorisch so scharf, dass man ihm wohl besser nicht leichtfertig in eine Diskussion geraten wäre.
373 reiste er nach Antiochia, dem heutigen Antakya in der türkischen Provinz Hatay. Dort lernte er Griechisch, wurde Schüler des Apollinaris von Laodicea und beschäftigte sich mit den Schriften des Origenes – eines Gelehrten, dessen Werke er später allerdings verleugnete und scharf kritisierte.
Von Antiochia aus zog es ihn noch weiter hinaus: Bis 378 lebte Hieronymus als Einsiedler in der Wüste Chalkis bei Aleppo in Syrien. Er hauste dort in einer Felsenhöhle, übte sich in Askese und widmete sich dem Studium.
Und wieder war es ein Traum, der seinem Leben eine neue Richtung gab. Hieronymus legte das Gelübde ab, sich nicht länger von der heidnischen philosophischen Literatur bestimmen zu lassen.
Ganz losgeworden ist er die Bücher allerdings nie.
Die Löwenlegende
Eine der bekanntesten Geschichten über Hieronymus ist die Löwenlegende. Sie ist der Grund, weshalb der Heilige auf unzähligen Gemälden mit einem Löwen an seiner Seite dargestellt wird.
Eines Tages, so erzählt die Legende, kam ein hinkender Löwe in die Felsenhöhle, in der Hieronymus mit anderen Einsiedlern lebte. Die Mönche bekamen es mit der Angst zu tun und flohen. Nur Hieronymus blieb. Er sah das wilde Tier an und fragte, weshalb es zu ihnen gekommen sei.
Da hob der Löwe seine verletzte Pranke.
Hieronymus erkannte, dass das Tier nicht gekommen war, um die Mönche anzugreifen. In seiner Pfote steckte ein Dorn, die Wunde war entzündet und blutete. Er ließ Wasser bringen, die Wunde reinigen und den Dorn herausziehen. Die Mönche pflegten den Löwen, bis seine Pranke wieder geheilt war.
Und der Löwe blieb.
Fortan lebte er bei den Mönchen und übernahm eine ungewöhnliche Aufgabe: Während die Männer im Wald Holz sammelten, bewachte er ihre Weidetiere. Damit hatte das Kloster einen ziemlich eindrucksvollen Wachhund.
Doch eines Tages geschah ein Unglück. Der Löwe schlief beim Hüten der Tiere ein. Eine vorbeiziehende Karawane nutzte die Gelegenheit und stahl unbemerkt einen Esel. Als die Mönche den Verlust bemerkten, hielten sie den Löwen für den Schuldigen. Er musste nun, zur Strafe, selbst die Holzlasten tragen. Bis eines Tages die Karawane wieder auftauchte. Der Löwe erkannte den gestohlenen Esel sofort. Er stürmte auf die Männer zu und brüllte so gewaltig, dass sie vor Schreck beinahe zu Tode kamen. Reumütig brachten sie den Esel zurück zu Hieronymus. Der aber empfing die Diebe freundlich und erhielt von ihnen schließlich sogar reichen Lohn für das Kloster.
Die Geschichte erinnert an die Legende vom heiligen Gallus und natürlich auch an Bruder Martin, die mit einem Bären zu tun bekommen.
Der streitbare Gelehrte
Hinter der Löwenlegende verschwindet beinahe der andere Hieronymus: der Gelehrte, der kaum jemals aufhörte zu lesen, zu schreiben und zu streiten.
In der Einsamkeit der Wüste vertiefte er sich immer intensiver in theologische Schriften, fertigte Abschriften an, schrieb Briefe und lernte Hebräisch. Nach einigen Jahren kehrte er nach Antiochia zurück, wo er 379 zum Priester geweiht wurde. 382 ging er über Konstantinopel nach Rom. Dort nahm ihn Papst Damasus I. in seinen Dienst und beauftragte ihn mit einer Aufgabe, die sein Nachleben entscheidend prägen sollte: Hieronymus sollte die Bibel ins Lateinische übersetzen. Das Ergebnis wurde als Vulgata bekannt. Sie wurde zur maßgeblichen lateinischen Bibel der westlichen Kirche und prägte die katholische Bibeltradition über viele Jahrhunderte. Die heute verbindliche Fassung ist die später überarbeitete Nova Vulgata.
In Rom war Hieronymus nicht nur als Gelehrter gefragt. Er wurde auch als Seelsorger geschätzt, besonders von aristokratischen Frauen, die sich einem asketischen Leben zuwandten. Zu seinem Kreis gehörten unter anderem Marcella sowie die römische Witwe Paula und ihre Töchter Blaesilla und Eustochium.
Hieronymus war allerdings nicht gerade jemand, der sich mit allen gut verstand. Er kritisierte den Klerus scharf, führte erbitterte theologische Auseinandersetzungen und scheute sich auch sonst nicht, Gegner öffentlich anzugreifen. Seine Nähe zu den Frauen seines Kreises wurde ihm zudem zum Vorwurf gemacht. Nach dem Tod seines Förderers Papst Damasus im Jahr 384 spitzten sich die Konflikte zu. Nach dem Tod der jungen Blaesilla wurde Hieronymus zusätzlich für deren strenge asketische Lebensweise verantwortlich gemacht.
385 verließ er Rom.
Zusammen mit Paula und einer Gruppe von Frauen reiste er über Zypern und Antiochia bis in die ägyptische Einsiedlerkolonie Nitria. Schließlich kam er 386 in Betlehem an. Dort sollte er bleiben. Paula setzte ihr Vermögen ein, um in Betlehem mehrere Klöster zu gründen: drei für Frauen und eines für Männer. Hieronymus übernahm die Leitung des Männerklosters. Die nächsten 35 Jahre lebte er dort vergleichsweise zurückgezogen – und schrieb. Er verfasste Bibelkommentare, theologische Abhandlungen, Briefe und Schriften über die hebräische Sprache. Besonders seine Kenntnisse der Bibel und der antiken Welt machten ihn zu einem der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Gleichzeitig blieb er der alte Hieronymus: scharfzüngig, polemisch und keineswegs zimperlich, wenn es darum ging, einen theologischen Gegner auseinanderzunehmen. Einige seiner Auseinandersetzungen gingen so weit, dass er sich zeitweise verstecken musste.
Am 30. September 420 starb Hieronymus in Betlehem.
Sein Grab befand sich ursprünglich in der Krypta der Geburtskirche. Im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Rom überführt und in der Basilika Santa Maria Maggiore beigesetzt. Das Mittelalter machte aus Hieronymus eine große Lehrautorität – vor allem in Fragen der Bibel und des asketischen Lebens. Und aus dem Gelehrten, der sich einst im Traum vom Engel vorwerfen lassen musste, er sei eher Ciceronianer als Christ, wurde schließlich ein Heiliger mit einem Löwen an seiner Seite.
„Der heilige Hieronymus sitzt ziemlich weit im Bildhintergrund an einem Schreibpult und arbeitet. Der Tisch ist ein für die Renaissance typischer Wangentisch. In einer Ecke des Tisches steht ein Kalvarienkreuz. Zieht man vom Kopf des Hieronymus über das Kreuz eine Linie, wird der Blick des Betrachters zum Totenschädel neben dem Fenster gelenkt und damit werden diese zwei Gegenstände – Tod und Auferstehung – miteinander in Verbindung gebracht. Eine abgebrannte Kerze auf dem Regal deutet auf das Lebensende hin, ebenso die Sanduhr, die an die verrinnende Zeit mahnt. Der Kirchenvater widmet sich hierbei nicht dem Werk der Heiligen Schrift (Bibel), in der vom gegen Gott ungehorsamen und damit todbringenden Adam bis zum „zweiten Adam“, nämlich Christus die Rede ist, der durch die Auferstehung den Tod besiegt hat und das Ewige Leben in Aussicht stellt. Die Frage bleibt für den Betrachter offen, ob er diese Erlösungstat annimmt. Es geht vielmehr um die Darstellung seiner Tätigkeit als Briefeschreiber, die zu den meistgelesenen Schriften im Spätmittelalter zählen.
Im Bildvordergrund befinden sich ein Löwe, traditionell ein Bestandteil der Ikonographie des Hieronymus, und ein schlummernder Hund. Beide sind Bestandteil der durch die Legenda aurea überlieferten Geschichten von Hieronymus. Dazu gehört auch die Legende vom büßenden Hieronymus, der den Schädel Adams unter dem Hügel von Golgatha im Heiligen Land vermuten lässt.
Das Bild ist voll von kleinen Gegenständen, die den Blick des Betrachters einfangen und auf Episoden aus dem Leben des Heiligen anspielen, etwa der von der Decke herabhängende Kürbis, der für einen theologischen Disput mit dem Kirchenvater Augustinus steht, wo sie sich in der Übersetzung von Jona 4,6-10 EU nicht einig sind, welche Pflanze, Kürbis oder Efeu, gemeint ist. Deshalb verfasst er hier einen Brief an jenen, um seine Sicht der Dinge klarzulegen.“