Nachdem ich drei Tage nicht mehr dort war, habe ich heute exakt 22 Zigarettenkippen auf den Wegen rund um die Siere gefunden. Alle lagen im dürren Gras.
Das ist nicht einfach nur gedankenlos. Das ist grob fahrlässig, rücksichtslos, asozial und gewissenlos!
Wir haben gerade eine massive Waldbrandgefahr. Überall brennt es – und manche Leute werfen ihre glimmenden Zigarettenstummel trotzdem einfach ins trockene Gras. Und bevor jetzt wieder jemand sagt: „Die Raucher sind halt so“ – nein! Die allermeisten Raucher sind anständig und entsorgen ihre Kippen vernünftig. Ich möchte genau diese Menschen bitten, bei solchen Idioten nicht wegzusehen. Sprecht sie an.
Ein Taschenaschenbecher kostet fast nichts, passt in jede Tasche und verhindert genau diesen Wahnsinn.
Nur gemeinsam können wir verhindern, dass aus einer Kippe ein Feuer wird.
Und unsere Feuerwehr? Die rückt im Ernstfall aus und löscht den Mist – ehrenamtlich.
Vielleicht einfach mal darüber nachdenken, bevor die nächste Kippe ins trockene Gras fliegt.
Liebe Kippenwerfer: Seid ihr eigentlich noch ganz dicht?
Das 1. Fröhliche Hüfinger Kippenpulen
Beitrag vom 26. Oktober 2025
Beim 1. Fröhlichen Hüfinger Kippenpulen hatten die Freunde der Natur Hüfingen schlagkräftige Hilfe von den City Cleaners Germany – Schwarzwald-Baar-Kreis mit Miriam Steup und Georg Bentele aus Bad Dürrheim. Dank ihrer Hilfe ist die Hauptstrasse jetzt kurzfristig hübscher anzuschauen und das Kippenpulen wurde richtig fröhlich. Wir werden es im Frühjahr wiederholen und bis dahin haltet bitte unsere Umwelt sauber!
Miriam Steup, Thomas Kring, Hannah M Jaag, Norbert Deininger, Georg Bentele
Jede einzelne achtlos weggeworfene Kippe verseucht unser Wasser, schädigt Bodenorganismen, tötet Amphibien und Insekten. Die Nanopartikel mit den Toxinen und das Plastik belasten unsere Umwelt dauerhaft.
Hüfingen Kippenfrei!
Hüfingen im Mai 2025
Liebe Hüfingerinnen, liebe Hüfinger,
es ist mir ein großes Anliegen, dass Zigarettenkippen nicht mehr in der Natur und auch nicht auf der Straße entsorgt werden!
Deswegen haben wir ein kleines Projekt mit Taschenaschenbecher gestartet.
Im Rahmen dieses Projektes haben wir Taschenaschenbecher auf einschlägigen Bänken verteilt. Diese dürfen gerne gefüllt oder auch mitgenommen werden.
Des weiteren gibt es unser Taschenaschenbecher zu verschenken:
Genaueres kann man auch auf der Webpage der Freunde der Natur Hüfingen nachlesen: Hüfingen kippenfrei
Vorher, währenddessen und auch nach dem Rauchen: Menschen, Amphibien, Fische, Insekten, Pflanzen – alles Leben wird beeinträchtigt. Bitte haltet unsere Umwelt gesund!
Teer verklebt die Flimmerhärchen in den Atemwegen und der Lunge. Dadurch bedingt kann beispielsweise Staub nicht mehr abgehustet werden. Als Folge davon lagern sich Staubpartikel und daran haftende Schadstoffe und Krankheitserreger in den Atemwegen und der Lunge ab.
Teer wird u. a. im Straßenbau verwendet und wurde im Jahr 2002 im Zusammenhang mit dieser Anwendung als überwachungsbedürftiger, gefährlicher Abfall eingestuft (Abfallschlüssel 17 03 01 – kohlenteerhaltige Bitumengemische).
Bei einem täglichen Konsum von einer Schachtel Zigaretten nimmt die Lunge im Laufe eines Jahres etwa die Menge Teer auf, die eine handelsübliche Teetasse fassen kann.
Quecksilber
Quecksilber wirkt u.a. als Zellgift auf Proteine, daher sind lösliche Verbindungen des Quecksilbers giftig. Quecksilber-Dämpfe gelangen z. B. durch die Schleimhäute und über die Lunge in den Körper und werden im zentralen Nervensystem sowie in der Niere eingelagert, wo sie ihre toxische Wirkung entfalten. Bei einer chronischen Quecksilber-Exposition kommt es zu Mattigkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwund, Abfall der Konzentrationsfähigkeit, Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Zittern, Haarausfall und Depressionen.
Quecksibler wird industriell u. a. im Bereich der Schädlingsbekämpfung und bei Spezialleuchtmitteln eingesetzt. Früher wurde Quecksilber auch bei der Herstellung von Amalgamplomben verwendet. Bei der Zigarettenherstellung wird Quecksilber zur Reinigung der Tabakblätter eingesetzt.
Auf normalem Wege tritt bei regelmäßigen Fischessern eine erhöhte Queck-silberkonzentration auf. Besonders belastet sind hier Hai, Schwertfisch, Markrele, Marlin und Thunfisch (Stand 5. 2. 2003). Auch in Gemüse ist in den letzten Jahren ein Ansteig der Quecksilberbelastung nachzuweisen (bedingt durch Schädlingsbekämpfungsmittel) – besonders belastet sind Blattgemüse.
Arsen
Arsen ist ein Element der Stickstoffgruppe, zusammen mit den ebenfalls giftigen Elementen Phosphor, Antimon und Bismut. Arsen hat halbmetallischen Charakter, wobei es in seinen metallischen Eigenschaften zwischen Phosphor und Antimon steht. Wie Phosphor ist es als Stickstoffgruppenelement sehr reaktionsfreudig und kommt in vielerlei organischen und anorganischen Verbindungen vor.
In der Natur vorkommend findet man das goldgelbe Arsentrisulfid, das unter dem Namen Auripigment oder Rauschgelb von Malern als Goldersatz verwendet wurde. Da die so gemalten Bilder eine gewisse Giftigkeit verbreiteten, wird es heute in geschlossenen Räumen nicht mehr benutzt.
Organische Arsen-Verbindungen wurden vor der Penicillin-Ära zur Chemotherapie der Syphilis und verschiedener Protozoen-Erkrankungen benutzt. Damit war Arsen eines der ersten Antibiotika (anti: gegen, bios: leben, z. B. Salvarsan). Es bringt Kleinstlebewesen, besonders Parasiten, schnell den Tod. Leider zu leicht auch dem Wirt. Diese Eigenschaft von Arsen, sich gerne an Parasiten und anderen Mikroben zu vergreifen, war lange Zeit Grund für eine der hauptsächlichen gewerblichen Verwendungen von Arsen: Es wurde und wird noch in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Dabei können Rückstände zu schädlichen Anhäufungen auf Obst, Früchten und sogar im Tabak führen. Im Tabak war es (zumindest bis 1951) in zunehmendem Maße vorhanden (1932: 12,6 Mikrogramm, 1951: 42 Mikrogramm). Dort erhöht es die anderen kanzerogenen Eigenschaften der Zigaretten.
In folgenden Industriezweigen ist Arsen zu finden: Arzneimittelherstellung, Bergbau/Hüttenwesen, Druckereitechnik, Lederwarenherstellung, Sprengstoffindustrie; außerdem ist Arsen Bestandteil von Klärschlämmen und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Toxizität von Arsen und seinen Verbindungen ist unterschiedlich. Metallisches Arsen und schwer lösliche Sulfide sind fast ungiftig, während 3-wertiges Arsen hoch giftig ist. Beim Einatmen von Arsendämpfen werden Schleimhautreizungen, Lungenödeme, Störungen der Nieren- und Leberfunktionen verursacht. Eine Vergiftung äußert sich in Hautreizungen, Kopfschmerzen oder sogar in Tumorbildung.
Cyanide
Cyanide sind Salze der Blausäure (Cyanwasserstoffsäure), die das giftige Cyanid-Anion enthalten. CN sind industriell im Bergbau/Hüttenwesen, in der Metallverarbeitung und Galvanik, in Schädlingsbekämpfungsmitteln, in Farben und Lacken sowie in Erdöl und Kohle zu finden. In diesen Betrieben sind die CN besonders in den Abwässern eine Problemsubstanz. Cyanide wirken toxisch, wenn Blausäure durch Hydrolyse freigesetzt wird, der entstandene Cyanwasserstoff wirkt durch Lähmung des Atemzentrums sofort tödlich.
Cyanide sind für Menschen und Tiere, insbesondere Fische. aber auch Algen hochgiftig. Nach Auskunft des Umweltbundesamtes kann freies Cyanid schon bei einer Konzentration von 40 Millionstel Gramm (Mikrogramm) pro Liter Forellen töten.
Blausäure
Blausäure, also Cyanwasserstoff, ist eine farblose, nach Bittermandeln riechende, sehr giftige und schnellwirkende Substanz, die über die Blockade von Atmungsenzymen die Verbrennung des Sauerstoffs in den Zellen verhindert. Die Wirkung der Blausäure führt damit zu einer Art innerem Ersticken.
Es sei erwähnt, dass bei der Verbrennung von Polyurethanen, also von zahlreich verwendeten Kunststoffen, Blausäure freigesetzt wird. Daher können u. U. sogar Wohnungsbrände zu tödlichen Blausäurevergiftungen führen. Dabei gilt als Faustformel, dass von den dabei entstehenden giftigen Gasen rund 1/3 Kohlendioxid/Kohlenmonoxid, 1/3 Rauchgase und 1/3 Blausäure sind. Ansonsten kommen Vergiftungen mit Blausäure in der metallverarbeitenden und chemischen Industrie, bei der Schädlingsbekämpfung sowie bei der Verschwefelung organischen Materials vor. Weiterhin enthält Tabakrauch teilweise erhebliche Blausäurekonzentrationen.
Nitrosamine
Nitrosamine kommen in der Umwelt des Menschen in vielen Bereichen, u.a. auch in Nahrungsmitteln, Tabak, Kosmetika, Bedarfsgegenständen aus Latex u.a.m. vor (exogene Belastung).
Auch im menschlichen Organismus selbst ist eine Nitrosaminbildung möglich (endogene Belastung), da sowohl die Umwelt als auch die Nahrung nitrosierbare Amine und nitrosierende Stoffe enthält (z. B. Nitrit oder Stickoxide). Bei diesen Substanzen handelt es sich um „Vorläufer“ der Nitrosamine, die erst nach dem Übergang aus dem Produkt in den Speichel oder Magensaft des Menschen durch chemische Reaktion mit Nitrit zu den krebserzeugenden Nitrosaminen umgewandelt werden können.
Die krebserzeugende Wirkung beruht auf reaktiven Metaboliten der Nitrosamine im Stoffwechsel, die mit der Erbsubstanz DNA reagieren, sie dadurch schädigen und Tumore auslösen können. Beim Menschen ist aufgrund der niedrigen Dosierung die Latenzzeit sehr lang, sodass ein kausaler Zusammenhang schwierig zu beweisen ist.
Eine grundsätzlich unschädliche Konzentration kann für Nitrosamine ebenso wenig wie für andere krebserzeugende Stoffe ermittelt werden. Jedoch nimmt die mutmaßliche kanzerogene Wirkung ab, wenn die aufgenommene Menge abnimmt. Heute stellen neben Tabakrauch vor allem Gewürze, gepökelte Fleischwaren und geräucherter Bacon (Frühstücksspeck), denen zwecks Umrötung und Konservierung Nitritpökelsalz zugesetzt wurde, die Hauptnitrosaminquelle dar.
Kinderarbeit im Tabakanbau ist sehr gefährlich und weltweit verboten. Trotzdem arbeiten in allen bedeutenden Tabakanbauländern Kinder auf den Feldern.
Kinder auf den Feldern
Allein in Malawi arbeiten etwa 78.000 Kinder auf den Tabakplantagen. Aber auch in Brasilien, Indonesien, den USA und anderen Ländern ist Kinderarbeit im Tabakanbau weit verbreitet.
Kinder ab 5 Jahren bereiten Saatbeete vor, indem sie Felder umgraben und Bäume fällen. Sie jäten Unkraut auf den Feldern, sie düngen den Tabak und sie sprühen Pestizide, ohne Schutzkleidung zu tragen.
Bei der Ernte der grünen Tabakblätter setzen sie sich der Gefahr einer Nikotinvergiftung aus. Denn sie nehmen das Nikotin aus den Blättern durch die Haut in den Körper auf. Schon eine kleine Menge des Nervengifts führt bei ihnen zur Nikotinvergiftung: Die Grüne Tabakkrankheit verursacht Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Schwächeanfälle.
Kinder in Malawi nehmen bis zu 54 Milligramm Nikotin pro Tag über die Haut auf, zeigt eine Studie von Plan International. Das ist soviel Nikotin wie in 50 Zigaretten enthalten ist.
„Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seelen ihren Atem schöpfen.“ — Johann Wolfgang von Goethe
Gottfried Schafbuch 03.01.1898-23.10.1984
Ein Ehrenbürger, der dem merkwürdigen Slogan der Stadtverwaltung „Wir stehen auf Geschichte“ tatsächlich Bedeutung hätte geben können.
Die Stadt erklärt ja über sich: „Man weiß, wo man herkommt, steht auf geschichtsträchtigem Boden und verbindet mit der ‚Hüfinger DNA‘ Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Bei so viel historischem Pathos ist es bemerkenswert, wie wenig Interesse den Menschen gilt, die diese Stadt und ihre Geschichte tatsächlich geprägt haben.
Gottfried Schafbuch gehört zur „DNA von Hüfingen“ wie kaum ein anderer. Sein Name und seine Arbeiten sind untrennbar mit der Geschichte und den Geschichten dieser Stadt verbunden. „Dä Gopfried“, wie er in Hüfingen liebevoll genannt wurde, war als Heimat- und Mundartdichter und als Chronist des Hüfinger Lebens weithin bekannt.
Er bewahrte nicht nur Geschichten, Menschen und die Sprache seiner Heimat. Er schaute auch genau hin – und sprach aus, wenn etwas nicht stimmte. Wenn ihm etwas nicht passte, war seine Meinung zu hören, und zwar in unverwechselbarem Hüfinger Dialekt. Er hätte vermutlich auch heute einiges zu sagen. Und wahrscheinlich würde er sich dabei nicht besonders diplomatisch ausdrücken.
Aus dem Nachruf in den Schriften der Baar 1984 von Lorenz Honold
Emil Bader hat Schafbuch einen „der guten Geister der Lucian-Reich-Stadt“ genannt. Er war es nicht nur für die Bürger seiner Vaterstadt. Wer immer, von auswärts kommend, der reichen Geschichte, der Kunst und Kultur der einstigen fürstenbergischen Oberamtsstadt auf der Baar nachspürte, der fand im „Hüfinger Stadtschreiber“ einen guten Freund und verläßlichen Wegweiser. Er war die lebendige Chronik seiner Vaterstadt, die er liebte. Echt, treu und herb wußte er das Lob der Baar und seiner Menschen zu singen. Die kirchlichen und weltlichen Feste, den schlichten Alltag und die Natur im Wandel der Jahreszeiten lebte und schilderte er in seiner besinnlich-alemannischen Art wie keiner vor ihm.
Und keiner in unserem Jahrhundert war so wie er berufen, dem Fremden die Schatztruhen Hüfingens zu öffnen. Es war mit ein Verdienst Gottfried Schafbuchs, daß die Stadt 1958 Lucian Reichs „Hieronymus“ , die erste Volkskunde des alemannischen Landes, im Original neu erscheinen ließ. Man hat Schafbuch bisweilen den „Johann Peter Hebel der Baar“ genannt. Zweifellos ist er einer der stärksten und sprachgewandtesten aus dem Hüfinger Künstlervölkchen des vorigen Jahrhunderts, vor allem der Brüder Lucian und Franz Xaver Reich. Ihr Werk und ihre Persönlichkeiten hat er in liebevollen Studien und Essays für die Nachwelt festgehalten.
Vorwiegend Themen der Vergangenheit, der Romantik und dem bürgerlichen Biedermeier auf der Baar galt Schafbuchs schriftstellerisches Schaffen. In seiner Mundartdichtung aber ist er unmittelbar gegenwärtig und unauswechselbar. Der bürgerlich-bäuerliche Mensch, Natur und Jahreszeiten auf der Baar – sie werden von dem Mundartdichter Schafbuch nicht nach-, sondern mitempfunden. Sie sind erlebt: Menschen und Dinge haben ihr Leben aus der schmucklosen, dafür farbenreichen und bildkräftigen Sprache des heimatlichen Idioms. Und Humor und Mutterwitz sind stets rechtzeitig zur Stelle, um diese Volkspoesie nicht ins Rührselige abgleiten zu lassen.
Mii Boor – Mii Hoamet
1972 erschien Gottfried Schafbuchs Hauptwerk „Mii Boor – Mii Hoamet“ – ein Buch über die Baar, ihre Menschen, ihre Geschichte und ihre Geschichten.
I’s Heinemanns Huus hinter de Poscht, Potz tausigsappermoscht, Wohnet jao reacht bravi Lüt Wemers bruchet i de hittige Ziit!
Mi Hoamet uff de liebe Boor, si liit mier halt am Herze, ech mag mech wehre we ech will, ech ka si nitt verschmerze.
Mehrere Gedichte aus „Mii Boor – Mii Hoamet“ wurden von dem Komponisten, Dirigenten und Südwestfunk-Mitarbeiter Alfred Kluten vertont und zu einer mehrteiligen „Baar-Kantate“ zusammengefügt. Sie wurde anlässlich des 6. Verbandsmusikfestes des Blasmusikverbandes Baar-Schwarzwald in Hüfingen von der Stadtmusik und dem gemischten Chor des Liederkranzes zu Gehör gebracht. Den Schluss der Kantate bildete der Marsch „Gruß an die Baar“.
Kluten war als Musiker und Arrangeur beim Südwestfunk tätig und leitete dort unter anderem die „Volksmusikanten“, eine Blaskapelle aus Rundfunkmusikern. Seine Verbindung zur Baar reicht allerdings noch weiter zurück: Den Marsch „Gruß an die Baar“ soll er bereits 1964 für die Stadt Geisingen komponiert haben.
Herrgott, segne du iiseri Boor, schütz iiser Schtädtli lieb, vor Elend, Not und G’fohr. Mier wennt dankbar sii, d’Hüfinger Liit, treu und wohr fer alli Ziit Boor, o Boor, mii Hoamet bischt du. O Boor, o Boor, mii Hoamet bliibscht du.
S’Rotkäppli
1970 erschien „S’Rotkäppli“ auf der Schallplatte „Alemannische Geschichten für große und chlini Lüt. Zehn Sprachbilder in der Muettersproch aus südbadischen Sprachlandschaften“ des Christophorus-Verlags Freiburg. Die Schallplatte sollte die verschiedenen alemannischen Sprachlandschaften nicht nur im geschriebenen Wort, sondern durch die Stimmen ihrer Sprecher hörbar machen. Wie die zeitgenössische Besprechung in der „Badischen Heimat“ hervorhob: „Wie man auf der Baar spricht, weist Gottfried Schafbuch, Hüfingen, vor.“ Schafbuch las „S’Rotkäppli“ selbst.
S’Rotkäppli 1970 gelesen von Gottried Schafbuch
Dem Tod seiner Brüder sowie seiner schwächlichen Konstitution – unter Freunden nannte sich Gottfried einen „Säerbling“ (Schwächling) – hatte er es zu verdanken, dass ihm der Kriegsdienst erspart blieb. Unter dem langjährigen Hüfinger Ratschreiber August Hutzler ausgebildet, wurde er selbst Ratschreiber. Während des Zweiten Weltkrieges tat er Dienst beim Donaueschinger Wehrbezirkskommando.
Schafbuch war mehr als 20 Jahre bei der Stadt Hüfingen beschäftigt, davon 15 Jahre als Ratschreiber. Heute würde man diese Funktion etwa mit der eines Hauptamtsleiters vergleichen.
Am 20. Dezember 1973 wurde Gottfried Schafbuch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wenige Jahre später, 1978, ernannte ihn der Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Max Gilly feierlich zum Ehrenbürger der Stadt Hüfingen.
Max Gilly
Gottfried Schafbuch ist Ehrenbürger der Stadt Hüfingen
aus den Schriften der Baar 1978 Band 32
Am 6. August 1978 wurde unser Ehrenmitglied Gottfried Schafbuch zum Ehrenbürger der Stadt Hüfingen ernannt. Vor der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde während eines Festaktes hielt Bürgermeister Max Gilly die Laudatio, die wir mit seiner Genehmigung nachstehend auszugsweise wiedergeben:
Ich habe heute die Ehre, meinem lieben Freund, unserem langjährigen früheren Ratsschreiber, den Ehrenbürgerbrief der Stadt Hüfingen zu überreichen. Gottfried Schafbuch ist für uns, für die Stadt Hüfingen, das lebende Beispiel jener geistigen Blüte, die unsere Stadt schon im 19. Jahrhundert auszeichnete. Er hat als Poet und Heimatschriftsteller das fortgesetzt, was die berühmten Männer unserer Stadt im 19. Jahrhundert begonnen haben. Ich möchte sagen, ohne die Arbeit unseres Gottfried Schafbuch wäre Hüfingen als Stadt der Dichter, Poeten und Maler ärmer geblieben. Im Mittelpunkt seiner Geschichten und Gedichte steht die Stadt Hüfingen, seine Heimat. Wie ich aus vielen gemeinsamen Gesprächen weiß, hat er nie Fernweh sondern immer nur Heimweh gehabt. Daß er diesen Schritt gewagt hat, diesen Mut gehabt hat, im bescheidenen Rahmen der Heimat zu bleiben, ohne Aussicht, in einem weiteren Bereich bekannt zu werden, das haben wir ihm tief zu danken. Gottfried Schafbuch hat die Gabe, aus den alltäglichen Kleinigkeiten etwas Schönes zu machen, einerlei, ob es sich um einen Brief, eine kleine humorvolle Geschichte oder ein Gedicht handelt. Und gerade seine Gedichte sind Zeugnis dafür, daß er die Volksseele der Baar, in der er von Jugend auf gelebt hat, bestens versteht. Aber er ist ein Mann, der sich gründlich mit der Materie auseinandergesetzt hat. Bevor er sich an seine Mundartgedichte wagte, hat er zuerst einmal die Baaremer Sprache gründlich erlernt; und erst nachdem er sich mit vielen Kapazitäten zusammengesetzt und alles genau erforscht hatte, begann er, seine Gedichte zu schreiben. Alles, was vorher aus seiner Feder kam als Heimatschriftsteller und Erzähler der Geschichte unserer Stadt, hat er elegant mit leichter Hand gemacht. Aber sein ganzes Können hat er erst gegeben, als es ihm um die herbe Mundart der Baar gegangen ist. So hat er uns entscheidend tiefschürfende Werke geschenkt, die immer zum kostbaren Gut der Baar gehören werden. Daß wir mit dieser Ehrung solange gewartet haben, hat sich Gottfried Schafbuch selbst zuzuschreiben. Er hat zu uns immer gesagt:
,Ehrenbürger einer Stadt zu sein, ist das Äußerste und das Letzte, was eine Stadt zu bieten hat; und übertreibt auch solche Sachen nicht‘.
Nun wollen wir hoffen, daß wir noch recht viele Jahre mit ihm zusammen sein können. Ich darf nun die Ehrenbürger-Urkunde verlesen: ,Ehrenbürgerbrief. Gottfried Schafbuch hat als Heimatdichter und Mundartschriftsteller große Verdienste erworben. Der ganze Reichtum des Baaremer Dialektes wurde durch ihn in seiner Vielfalt erkennbar und als unschätzbares Gut erhalten. Darüber hinaus hat er sich mit seinen Schriften aus der Geschichte der Stadt verdient gemacht. Dankbar für all das, was er uns gegeben hat, ernennen wir ihn zum Ehrenbürger seiner von ihm so geliebten Heimatstadt Hüfingen. 6. August 1978, Der Gemeinderat‘.
Sechs Jahre nach seiner Ernennung zum Ehrenbürger war Gottfried Schafbuch tot. Am 23. Oktober 1984 starb er im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit. Ausgerechnet Bürgermeister Max Gilly, der ihm 1978 den Ehrenbürgerbrief überreicht und seine Laudatio mit der Hoffnung beendet hatte, noch viele Jahre mit ihm zusammen sein zu können, fand nach seinem Tod noch einmal Worte für das, was Schafbuch seiner Heimat hinterlassen hatte:
„Die Pflege des heimatlichen Brauchtums, der Baaremer Mundart sowie die Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt lag ihm besonders am Herzen. Wir wollen ihm für all das, was er uns gegeben hat, mit seinen eigenen Worten danken.“
o Boor, mii Boor, hol mech doch hoam; dier g’hör ech alli Ziite , es mont zum Grabgsang mier emool nuu d’Hoametglocke liite.
Feierlichkeiten zum 100. Geburtstages am 3. Januar 1998
Ein Hüfinger Heimatdichter wird 100 – und die Stadt feiert. Zum Geburtstag von Gottfried Schafbuch gab es 1998 noch einen ganzen Abend: Das Stadtmuseum stellte eine Ausstellung zusammen, das Katholische Bildungswerk lud ein, und seine älteste Tochter und Nachlassverwalterin Roswitha Schafbuch las aus dem kurz zuvor erschienenen Nachfolgewerk „Daheim auf der Baar“.
Heute wirkt eine solche Würdigung beinahe wie ein Dokument aus einer anderen Zeit. Damals hielt man es offenbar noch für sinnvoll, die Menschen zu feiern, die zur kulturellen Identität der Stadt beigetragen hatten. Heute schmückt man sich lieber mit der „Hüfinger DNA“ und erklärt, wie wichtig Geschichte und Herkunft seien. Die Menschen, die diese Geschichte tatsächlich geschrieben haben, kommen dabei zunehmend weniger vor.
Zum Glück ist von Roswitha Schafbuch noch etwas erhalten geblieben: eine Aufnahme vom 12. Dezember 1998, auf der sie aus dem Werk ihres Vaters rezitiert. Mein Vater hat die Aufnahme damals gemacht.
In einem Video, das am 6. August in den sozialen Medien veröffentlicht wurde, erläutert Bürgermeister Patrick Haas das in der nicht öffentlichen Sitzung im Anschluss an die letzte Gemeinderatssitzung einstimmig beschlossene Konzept zur künftigen Kinder- und Jugendarbeit in Hüfingen.
Ziel ist es, die Jugendarbeit zukunftsfähig aufzustellen und gleichzeitig auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren.
Künftig soll die Jugendarbeit auf drei Säulen aufbauen:
Offene Kinder- und Jugendarbeit (80 %-Stelle): Das Jugendhaus soll wieder ein niedrigschwelliger Treffpunkt für Kinder und Jugendliche werden. Gleichzeitig sollen langfristige Beziehungen aufgebaut, Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen angeboten sowie Teilhabe und Integration gefördert werden.
Kinder- und Jugendbeteiligung: Dieser Bereich wird ebenfalls über die neue 80 %-Stelle betreut. Bürgermeister Haas betont, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei. Kinder und Jugendliche sollen frühzeitig erfahren, dass sie ihre Stadt mitgestalten und eigene Projekte entwickeln können.
Projekt „ZukunftsWerte“: Jackson Agbonkhese übernimmt diesen Bereich mit einem Stellenumfang von 30 Prozent. Sein Konzept verbindet Bewegung, Wertevermittlung, Resilienz und soziale Kompetenzen und ergänzt die klassische offene Jugendarbeit.
Bürgermeister Haas zeigte sich überzeugt, dass diese drei Bausteine die Kinder- und Jugendarbeit in Hüfingen nachhaltig stärken werden. Abschließend dankte er dem Gemeinderat für den einstimmigen Beschluss und betonte den hohen Stellenwert der Jugendarbeit für die Zukunft der Stadt.
Am 21. März war pünktlich zum Frühlingsanfang wieder Stadtputz in Hüfingen. Vielen Dank an die tollen und engagierten Kippenpicker und Müllwegräumer! Vielen Dank an die Stadt für die gute Organisation! Schade, dass sich, wie immer, die Herren Stadträte zu fein für so etwas sind. Aber man kann sich ja nicht wichtig machen und Geld oder Bier gibt es auch nicht. Um so größeres Lob an unsere tolle Jugend!
2025
Vielen Dank an die Stadt für das schöne frisch gestichene Tor! 25.09.2025
Unser Biopbeauftragter Johannes Geißler mit dem gelben Band am 22. September 2025
Kick-off der Nachbarschaftshilfe am 30. Oktober 2025
Stadtputzete 2025
13. April 2025
Vielen Dank an die tollen und engagierten Kippenpicker und Müllwegräumer! Vielen Dank an die Stadt und fb food für die gute Organisation! Schade, dass unser GR sich für so etwas zu fein ist. Um so größeres Lob an unsere tolle Jugend!
Neuer Biotopbeauftragter
9. April 2025
Diese Seite hier werde ich ab- und an aktualisieren, wenn es etwas besonders wichtiges gibt. Heute wollte ich euch auf unseren neuen „Biotopmann“ hinweisen. Das Foto hierzu habe ich hier aus den Stadtnachrichten unten rein:
von Franz Josef Schelble 1899 aktualisierte Version, Original vom August 2021
Nach der lieben Vaterstadt
Die den grünen Kirchturm hat
Eine humoristische Dichtung
Heimatzauber
Wenn in schwülen Sommertagen Schnaken mich und Hitze plage, Wenn zu ernstem, regem Schaffen Geist und Körper mir erschlaffen, Und die schöne Ferienzeit Reget vieler Menschen Neid: Drängt es mich, den Sohn der Baar, Abzudampfen jedes Jahr Nach dem lieben Oberland, Hin, wo meine Wiege stand, Nach der Baar, der ährenreichen, Nach der Heimat ohne gleichen.
Seh’ ich dann zum erstenmal In der Abendsonne Strahl Wiederum mein Städtlein ragen, Da vermag ich kaum zu sagen, Wie es mir vor lauter Lust Wohlig wird in meiner Brust, Und das Herz mir jünger schlägt, Wie von Zauberkraft bewegt. So hat’s mir, dem alten Mann, Meine Heimat angethan.
Rasch dann geht’s der Herberg zu; Doch es läßt mir keine Ruh, Renn’ das Städtlein auf und ab, Und wo ich Bekannte hab’, Kehr ich ein, sie rasch zu grüßen, Eile dann mit schnellen Füßen Durch das Thor, um dort zu seh’n Ob die Häuser all noch steh’n
Und im Mühlenbache klar Sich noch spiegeln immerdar; Und als ersten Wallfahrtsort Grüße ich Loretto dort, Wo, umrauscht von alten Linden Beter — Trost des Himmels finden.
Eh’ die Nacht sich niedersenkt, Wird der Schritt zurückgelenkt, Und an einem runden Tisch Labet mich ein Schöpplein frisch, Das des Hauses Töchterlein Allzeit freundlich schenkt ein. Wenn die Wächter dann, die alten, Spieße schleppend, Rundgang halten, Sag’ ich, von des Schlafes Nacht Überwältigt: „Gute Nacht!“
Schließ ich dann zu sanften Ruh Meine müden Augen zu, Ach, wie schlaf’ ich da gesund Bis zur frühen Morgenstund! Wacht mich dann der Glocke Ton Vor dem Morgengrauen schon, Ha, da heißt es: „Ausgeträumet“, Länger wird jetzt nicht geträumet, Spute, alter Knabe, dich, Sieh der Himmel rötet sich; Auf, hinaus ins weite Feld, In die schöne Gotteswelt, Wo der Hauch der Freiheit weht, Jeder Unmut rasch vergeht!
Sechsuhrläuten von St. Verena und Gallus
Fange dann zu laufen an, Was nur einer laufen kann, Heute hier, und morgen dort, Und so geht es fort und fort. Und so ging’s auch gestern wieder Berge auf und Berge nieder, Bis die Stern’ am Himmelsbogen Mählich kamen aufgezogen Und des Mondes volle Pracht Still vom hohen Himmel lacht.
Wie ich diesen Tag verbrachte, Wie ich fühle, was ich dachte, Teilt Euch dieses Büchlein mit, Leser nimm vorlieb damit!
1. Hinweg.
Nach der Weid, wo’s Vieh sich tummelt, Bin ich gestern hingebummelt, Hausen, zubenannt vor Wald, hatt‘ ich erreichet bald Und den Weg, mit Staub bedeckt, Raschen Schritts zurückgelegt.
Unterwegs da konnt‘ ich schauen, Wie die neue Bahn sie bauen, Wie sie schaufeln, wie sie graben Und gar saure Arbeit haben. Waledetto, Sakramento Und verworrenes Lamento Von der Welschen wilden Chor Drang an mein erstauntes Ohr.
Bauarbeiten zur Höllentalbahn bei der Luttlinger Bruck 1899 und im Jahr 2021
Habe mich auch unterhalten Unterwegs mit einer alten Aber schönen Italiana, Zubenamet Giuliana, Die dem Mann das Essen brachte, Heiter mit mir sprach und lachte Doch zumeist italienisch, Denn von Deutsch verstand sie wenig. Als sie endlich angekommen Und ihr Mann mich wahrgenommen, Hui, was der für Augen macht‘, Hätt‘ mich sicher umgebracht, Wenn ich nicht noch grimmiger Ausgesehen hätt‘ wie er!
Als ich that durch Hausen schreiten, War ich eingedenk der Zeiten, Da wir vor so vielen Jahren Einst im Pfarrhaus lustig waren, Wo das Bier so hell und klar Und der Pfarrherr heiter war. Guter Max *), längst gingest Du Allzufrüh zur ew’gen Ruh!
*) Max Hochweber, der damalige Pfarrer von Hausen vor Wald.
Darauf ging’s ohne Aufenthalt Durch den frischen Tannenwald, Durch des Waldes Einsamkeit, Wo in Ruhe weit und breit Keinen Laut ich konnt‘ erlauschen Als der Bäume flüsternd Rauschen. Und so wanderte ich weiter Nervenstark, beruhigt, heiter. Legt‘ mich dann ins weiche Gras, Dacht‘ an dies‘ und dacht‘ an das, Dacht‘ an meine teuren Lieben, Sie so fern von mir geblieben. Und in Waldes Schattenruh Sanken mit die Augen zu.
Rasch fuhr ich vom Schlafe auf Fortzusetzen meinen Lauf. Fürbaß ging es weiter dann Aus dem kühlen, dunkeln, Tann. Ha, wie war mein Aug‘ entzückt, Als es in die Landschaft blickt‘, Und die weiten, schönen Auen Von der Höhe konnt‘ erschauen, Wo der Felder gold’ner Segen Schon der Ernte wogt‘ entgegen! Sah die Berge dort, die blauen, Grüßend zu mir rüberschauen, In der schwülen Morgenluft Eingehüllt in leisen Duft; Und der schneeigen Alpen Kranz Winke fern in Sonnenglanz.
Sechsuhrläuten von Mundelfingen. Vielen Dank an Michael Steinemann
Feierlich von Mundelfingen Hörte ich die Glocken klingen, Und auf Gottes freier Flur, Zu dem Tempel der Natur, Senkte sich in meine Brust Stiller Andacht selige Lust, Und mir war’s, als müßt‘ ich beten, Dankend vor den Schöpfer treten, Daß er dieses Tages Pracht Mir so wonnesam gemacht.
2. Auf der Weid.
Sah die „Weid“ dann vor mir liegen, Wo ich schnell hinabgestiegen. In der saubern Hütte drin Grüßet mich die Sennerin Urschel, eine fesche Maid, Wirtin auch auf Josephs Weid.
Klementine und Josef Frank 1926
Plötzlich hörte ich ein Klingen, Leise Laut zum Ohre dringen.
Nun was war’s? Das Telephon Gab der Urschel Instruktion, Daß sie mich bewirten sollte Und mir reichen, was ich wollte. Aß dann Speck, trank Bier dazu, Überließ mich kurzer Ruh‘ Und der Rinder glatte Scharen Sah ich nach den Ställen fahren, Sah die Farren, sah die „Kälble“ Und ich wollt‘, mir wäre selber Wohl wie diesen Viechern hier In der Freiheit Luftrevier.
Postkarte von 1925
(Spaßige Betrachtung.)
Glücklich Kinder preis‘ ich euch. Denn in eurem lust’gen Reich Lebt ihr hier in Wald und Wiese Herrlich wie im Paradiese, Kerngesund, zufrieden, heiter, Alle Tage lustig weiter. Munter sieht euch jeder Morgen, Kennt nicht Verdruß noch Sorgen.
Postkarte 1904
Euch ist stets der Tisch gedeckt, Immer euch die Mahlzeit schmeckt. Tafelmusik auch erklingt, Wo ihr schmauset, wo ihr trinkt. Sagt, wer spielt euch auf so schön? Eurer Glocken traut Getön Und vom nahen Waldeshang Luft’ger Vöglein süßer Sang, Und mit kräft’gen Mu, Mu, Muh Brüllet ihr den Satz dazu. Also grast ihr mit Behagen Und verderbet nie den Magen; Bei dem Trank aus klarem Quell Bleiben Euch die Köpfe hell, Denn auch ohne Alkohol Ist es euch ganz pudelwohl; Das Gespenst „Nervosität“ Niemals euch zu Leibe geht; Seht drum auch nie mürrisch aus Und braucht hier kein Narrenhaus. Mensch, sieh diese Viecher an Nimm Dir ein Exempel dran!
Wenn die Brems‘ und Sonne sticht, habet ihr zu leiden nicht, Könnt euch in die Ställe legen, Ruhig der Siesta pflegen.
Und in eurer Republik Treibt ihr keine Politik, Und der Hader der Parteien Kann euch nimmermehr entzweien, Könnt auch ohne Fraktionen Friedlich hier beisammen wohnen. Solltet ihr in Streit geraten, Braucht ihr keine Advokaten, Denn ihr machet jeden Strauß Sofort mit den Hörnern aus. Auch die Frag‘ „woher, warum“ Geht euch nicht im Kopf herum; Ja, ihr habt es sehr bequeme, Philosophische Probleme Regen euern Geist nicht auf, ’s geht doch alles seinen Lauf. Brauchet euch um nichts zu kränken, Ja, braucht nicht einmal zu denken; In der Zukunft dunklen Schoß Schauet ihr ganz sorgenlos, Denn ihr werdet totgeschlagen, Eh‘ ihr fühlt des Alters Plagen.
3. Achdorf, Blumberg, Stutz
Also denkend eilt‘ ich fort Von dem vielberühmten Ort. Als die Sonne hoch schon stund, War ich in des Thales Grund, Wo ich sah die Wutach schäumen Zwischen Felsgeklüft und Bäumen. Auch durch Achdorf wohlbekannt Bin ich eilend durchgerannt, Sah dort Scheffels Linde prangen; Doch ich bin vorbeigegangen, Ließ mich nicht vom Durst verführen, Dorten eins zu pokulieren, Wollte Blumberg rasch ereilen Und daselbst ein wenig weilen.
Liebe Leut, wie schmeckte da Eine Flasch‘ Bohemia! *) Nahm dann einen Imbiß ein, Trank ein Gläschen guten Wein, Eine Tass‘ Kaffee dazu, hielt im Grase Mittagsruh. Blumberg, stilles Ruhenest, Gerne bin ich hier gewest, Und im Hause Troll vor allen Hat es trefflich mir gefallen Denn wo könnt‘ es besser sein, Als wo der Mahontsverein Manche kreuzfidele Nacht Lustig zechend zugebracht?
Drauf ging es im Sonnenbrand Steil hinan die Bergeswand; Durch den langgestreckten Wald Naht ich mich dem „Stuze“ bald. Welch ein Anblick wunderbar Bot sich hier dem Auge dar! Worte können’s nicht beschreiben, Könnte Stunden hier verbleiben, Würde doch nicht satt mich sehen. Endlich mußt‘ ich weitergehen Und verlassen diesen Ort Eilend nach der Heimat fort.
*) Berühmtes Bier aus der fürstl. Brauerei Donaueschingen
4. Rückkehr über Behla und den Wolfsbühl.
Schon lag Behla hinter mir, Und am nahen Waldrevier Hatte ich erreichet gleich Behlas Schilfbewachs’nen Teich, Wo die Buben Kolben schneiden Und die Gänse lustig weiden, Wo ein Haus auf Pfähl‘ gebaut Düster aus dem Wasser schaut.
Hab die Straße dann gemieden, Mich im Wald herumgetrieben, Meinem lieben Wolfesbühl, Wo ich in dem Dickicht kühl, Zu dem feuchten Waldesgras Oft als Knabe Beeren las. Holde Zeit, wo bist Du hin, Da ich noch mit Kindessinn Heiter in das Leben schaute Manches Luftschloß mir erbaute, Aber schon zufrieden war, Wenn ich in der Knabenschar Einen Beerenplatz gefunden? Ha, wie ließen wir uns munden Erd-, und Him- und Heidelbeeren! Konnten wir noch mehr begehren? Und auch nach der Zukunft hin Schaut‘ ich mit bescheidenem Sinn. Wie das war, frei nicht verhehlt, Sondern treulich hier erzählt.
Schon fing ich Lateinische an Vollen Ernsts beim Kapelan, Und worauf ging mein Bestreben? Dachte mir: „Ein Herrenleben Ist gewiß so übel nicht Weil es da an nichts gebricht.“ Als ich mich studierend plagte Und die gute Mutter fragte: „Wennd‘ emol en Herr worscht si, S’ka nit fehle“, saget sie, „Sag mir doch, wo worscht no au Dir am liebschte koche lau?“ „Motter,“ sag i, „wißt’rwa? Brotni Knöpfli, Eier dra, Zettelisuppe, Auge druf Und am Sunntig Gugelhupf!“ Das war meiner Wünsche Ziel, Und das deuchte mir schon viel.
So in Waldes Einsamkeit Dachte ich der Jugendzeit, Dachte, wie wir einst als Knaben Uns herumgetrieben haben, Und des Übermutes voll Uns gebärdet oft wie toll, Streich‘ auf Streiche ausgeführet, Reue jedoch nie verspüret. Wie ich als ein kleiner Fant Strampelnd auf dem Kopfe stand, Und in raschem, leichten Schwung Machte flott den Rädlisprung, Was wir alles unterfangen, Wie wir in den „Gumper“ sprangen, Wie wir schwammen, wie wir tauchten; Heimlich auch Zigarren rauchten, Bochelestengel, Lindenblatt Qualmten an Tabakes Statt, Bis uns wurde wind und weh Und die Farbe weiß wie Schnee;
Bochele (Wiesenkerbel)
Wie wir Grundeln, Kroppen fingen, Und sie an das Feuer hingen, Und sie gar nicht ausgeweidet Ohne Schmalz zum Mahl bereitet; Wie im Herbst wir ausgefahren Auf die Weid mit Kinderscharen, Wo wir vor dem frühen Nachten Lustig uns ein Feuer machten, Holz und Stroh zusammentrugen, Daß die Flammen hoch aufschlugen, Und Kartoffeln, die das Feld Unerbeten uns gestellt, In den Gluten samt der Schale Brieten uns zum leckern Mahle. Und wie schmeckte Bier und Weck Sonntags uns beim Wägelibeck! Doch erst in der Kronengaß Gab es für uns manchen Spaß, Wenn wir, echte Strolchenknaben, „Mezler“ *) dich geärgert haben! Bist uns manchmal nachgesprungen; Hast den Riemen kühn geschwungen, Hast uns aber nie gepackt, Denn wir sind davongejagt!
*) Komischer Kautz von einem Schuster,
Stadtmüller Philipp Frank (1860)
Doch vom Müller Frank, dem großen, Kriegt ich einmal auf die Hosen, Weil wir, — o der Greuelthat —; Abgestellt sein Mühlenrad.
Mühlrad hinter der Stadtmühle 1925
Doch genug von meinem Treiben! Will es weiter nicht beschreiben; Wollt‘ ich alle Streich‘ erzählen, Würd‘ es mir an Tinte fehlen.
Denk‘ ich dein, o Knabenzeit, Wird es mir im Busen weit, Ja schon die Erinnerung Macht das Herz mir wieder jung. Doch auch Schatten steigen auf, Denk‘ ich, wie im „Zeitenlauf“ Mancher, der „fidel“ einst war In der lust’gen Knabenschar, Ach so frühe von hienieden Nach dem Jenseits abgeschieden! Schlafet sanft, vom Freund betrauert, Ach, wer weiß, wie lang es dauert, Deckt auch mich zur letzten Ruh Irgendwo der Rasen zu!
5. Begegnung im Walde.
So der Knabenzeit gedenkend Und die Schritte weiter lenkend Kam ich an des Waldes Rand, An den Gipsbruch hingerannt.
Und was hört ich? Helles Singen, Heitern Ruf zum Ohre klingen. Ha, wie freute mich der Laut Meiner Heimatsprache traut! Wollte länger nicht mehr lauschen, Wollte lieber Worte tauschen, Und mit eig’nen Augen schauen, War für Mädchen, was für Frauen Beeren lesend in dem Schatten, Also mich entzücket hatten. Und so lief ich, Rock am Arm, Hurtig nach der Mädchen Schwarm Kaum jedoch erreicht ich sie, Als da plötzlich eine schrie:
„Jesses Gott, dä rennt on hear, Ear sieht us fascht wie en Bäar! Jesses, Meidli rennt mit, Sellem Kerli trau i nit!“ Und sie rannten – , und gar bald Waren sie hinaus zum Wald,
Und ich rannte kreuz und quer Ihnen folgend hinterher. Endlich sah sich eine um „Meidli“, sagt sie, „o wie dumm, Daß mer wie die Gäns‘ sont renne; Sella Herr dä sott i kenna, S’ischt dr sell, wo alli Johr Umenanderrennt in dr Boor, Und wo uf de Römerplätz Grabe duet no alte Schätz. *) Loset, ’s ischt kon schlimme Ma, Wo om ebbis due ka!“ Alsdann hielt der Flücht’gen Schar Wie ich ihnen nahe war, Fragt ich: „Was rennt ihr, Warum flieht ihr vor mir? Seh‘ ich denn so schrecklich aus, Daß ihr vor mir reißet aus?“ Sprach dann eine: „Jo, sischt wohr, Blibet doch, es hott ko Gfohr!“ Hett ech Sie nu früher kennt, Wär ech nit so bsesse grennt Als sie ihren Namen nannten Waren’s Töchter von Bekannten Meiner frühen Jugendzeit, Die jetzt hinter mir so weit, Töchter derer, die vor Jahren Mir bekannt, befreundet waren. „Ach“, dacht ich im Weitergehen, „Konntest wieder einmal sehen, Wie’s den fremdgewordenen Mann In der Heimat gehen kann!“
*) Römische Altertümer.
Heute ist der alte mittelalterliche Weg über die ehemalige Hüfinger Allmende versperrt.
6. Hüfingen.
Jetzt ging es gemütlich, heiter Durch die Felder heimwärts weiter, Nach der lieben Vaterstadt, Die den grünen Kirchturm hat, Wo die Rinder in den Gassen Die Visitenkarten lassen, Wo in einer Gasse still Traulich lockt das Krokodil,
Hochzeitsgesellschaft vor dem Krokodil vielleicht in den 1930er Jahren Film von Ernst Kramer
Wo die alte Schächerkatze Nächtlich noch auf ihrem Platze Nach dem Wanderer lauernd späht, Der bezecht nach Hause geht,
Und wo mitten durch das Städtlein Plätschernd fließt ein muntres Bächlein; Wo die Leut‘ mit ihrem Treiben Glücklich noch beim alten bleiben Und recht fleißig alle Zeit Leben in Zufriedenheit; Nach der Stadt, wo jedes Jahr Ich im Herbst so gerne war, Und wohin, solang ich lebe, Jedes Jahr zu kommen strebe.
In dem Thore grüßt‘ ich froh Meinen Freund Antonio, Der als Wirt die Ochsengäste Höchst galant bedient auf’s beste. Als ich eintrat in die Krone, Wo ich ganz gemütlich wohne, Ha, wie schmeckte da der Wein Und das Abendessen fein‘!
Ochsengasse etwa 1910
Legte dann die müden Glieder Ziemlich früh zur Ruhe nieder. So war dieses Tags Verlauf. Punktum, fertig, Streusand drauf!
Im Landesarchiv in Freiburg liegt die Akte Rotrain Staatsarchiv StAF B 695/1 Nr. 731. In dieser Akte wird der Beginn und der Zweck des Vereins der Freunde der Natur Hüfingen vor 200 Jahren beschrieben. Die Akte umfasst etwa 140 Seiten und beschreibt die Aktivitäten von 1820 bis nach dem langsamen aussterben 1845 als der Hüfinger Gesangsverein noch ein letztes Mal die Bänke und Tische hat herrichten lassen. Seit der Revolution wurde die Anlage dann sich selbst überlassen.
Die Freunde der Natur – des Nützlichenund Schönen waren von Beginn an eine basisdemokratische Gesellschaft. Es wurde alles transparent abgestimmt und offengelegt, auch gab es keine Mitgliederbeiträge sondern nur freiwillige, projektbezogene Spenden und freiwillige Arbeit. Die Freunde der Natur Hüfingen e.V. stehen in guter Tradition der alten ehrwürdigen Gesellschaft. Auch heute gibt es sehr viele Unterstützer die ihre Beiträge leisten, sowohl finanziell, ideell als auch durch freiwillige Arbeit – jenseits des modernen Vereinsrechts, das einen jährlichen Mitgliedsbeitrag und auch Mitgliederlisten verlangt.
Ort: Hüfingen Anlage Verschönerung Rubric: Genannte Anstalten In Sachen Der Verschönerung einer Anlage auf dem rothen Rain Jahr 1820-1845
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Zu Hüfingen die Herstellung der Anlage auf dem rothen Rain von 1820 bis 1830
Akten Verzeichniß
1. Urkunde von 1820 über Entstehung den Anlage
2. Protokoll von 1821 über deren Zerstörung
3. Prokoll von 1821 über Auffoderung der Bürgerschaft zur Entdeckung der Frevler
4. a.c. Pasquille von 1821 über die vermeintlichen Thäter
5. belegte Rechnung von 1821 über die Herstellung des Steges
6. Protokoll von 1828 die Herstellung des Forstweges vom Steg in die Anlage
7. Plan zu einem Portal in die Anlage
8. Rechnung über baare Einnahmen und Ausgaben für die Anlage von 1820 bis 1830 gestellt
von dem nun pensionierten Hofrath und Obaramtmann Baur ano 1834.
Epitaph der Familie des Hofraths und Oberamtmanns Anton Baur in der St. Leonhardskapelle in Hüfingen aus dem Jahr 1809.
Anton Baur Fürstlich Fürstenbergischer Hofrat und Obervogt, Großherzoglicher Badischer Hofrat und Oberamtmann. Geboren am 24.06.1769 in Gegenbach gestorben am 24.04.1841 in Donaueschingen.
Er war verheiratet mit Magdalena Schmider (6.11.1778-13.07.1807)
Das Paar hatte eine überlebende Tochter: Magdalena Baur. Sie heiratete am 24.04.1826 Karl Dominik Mangold, den Badischen Salinen-Kassierer in Dürrheim.
Eine Anlage auf dem rothen Rein einer Stadt Waldung von Nadelholz im Schoosen Öschle der berühmte Tonkünstler und Sänger Nepomuk Schelble, wirklicher Director des Musikvereins zu Frankfurth am Mayn, veranlaßte während seines kurzen aber uns unvergeßlichen Sommer Aufenthaltes in seiner Geburts und Vaterstadt dahier diese neue Anlagen dadurch, daß er den rothen Rein zu seinem Lieblings Standpunkt erwählte, wo ein grosser Theil unseres Schönen flachen Hochlandes zu übersehen ist. Ein hier öfter in freundschaftlichem Zirkel um diesen Künstler versammelten Anverwandten Korrektions Haus Verwalter Schelble, dessen Vater (Vater von Johann Nepomuk Schelble), und Oberlehrer Reich (Luzian Reich, verheiratet mit Josefa Schelble), dessen Schwager wollten das Angedenken an den geliebten nun in Rückerinnerung zu dessen vollen Genus der Gast in der freyen Natur dadurch fortan erhalten daß sie gemeinschaftlich mit dem ersten Amtsactuar Guttenberg und dem zweyten Gleichauf auch mit noch mitgenommen werthen Bürgern zuerst das Rondell auf der östlichen Spitze des Berges mit einem angenehmen Wege dahin herstellten.
worunter Xaver Schreiner sich ausgezeichneten
Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837), Lithografie von Heinrich Ott. Foto: Frankfurt am Main: Stadt- und Univ.-Bibliothek
Foto von Luzian Reich senior (07.01.1787-18.12.1866) und Josefa Schelble (18.03.1788-12.11.1866)
Katharina Schelble geb. Götz (01.11.1760-04.04.1847) gemalt von Luzian Reich (senior) ihrem Schwiegersohn im Jahre 1829. Sie ist die Mutter von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und Josefa Schelble.
Diese erste der Anlagen war noch nicht ganz vollendet, so folgten diesem Beyspiel schon mehrern von Freunden der lieben Natur, und so entstand gleich die zweyte Anlage rechts auf einer Ruine vom Rentamts Controlleur Hasenfratz dahier. Ihm folgte der Bezirks Baumeister Dief durch Anlegung eines Weges gleich unter dem erstgenannten Rondel rechts an der Nordwestlichen Seite des Berges durch eine Bergschlucht, von da abwärts diernist Hisele auch einen Wege am Berge her einleitete. Zur eigenen, und zur Beqnümlichkeit derjenigen, welche ohne vörgerliche Anstrengung den Gipfel erreichen wollen, suchte diese der Unterzeichneten dahin auf dem hergestellten Wege Nordwestlich am Berge zu führen welchen, wo dem neuen Steinbruch mit Hülfen aller ein Pendel gleich denn vorderen angelegt wurde.
Höllenstein=Hölenstein=Höllstein=Höhlenstein (seit über 200 Jahren unterschiedlich geschrieben); Römerbad = römische Alterthümer; Schosen = Schoßen; Rotrain=rother Rain; Hammeltal beginnt südlich vom Römerbad; den Galgen hatte Luzian Reich senior etwa zur selben Zeit zusammen mit Bürgermeister Josef Burkhard vom Berg geworfen (siehe Denkbuch)
Alle diese Anlagen geschahen vom August dieses Jahrs in wenigen Wochen ganz freywillig von Natur Freunden mit wirklich erstaunungs würdiger Anstrengung, die nur von Begeisterung für das Schöne zu erwarten ist. So Erstaunlich auch diese neuen Werke wären, so würde doch das Angenehme durch den Anblick der fürchterlich und gefährlichen Ruine des alten Steinbruches Südlich verbittert. Der Unterzeichnete wagte das Unternehmen auch diese Ruine in eine gefahrlose so viel möglich angenehme Anlage zu verwandlen und er bedürfte der Mitwirkung aller Vaterfreunden, um durch den Abgrund zu gangbare Wege zu leiten, zu diesem Ende die dem Einsturz drohenden Felsen abzutragen und dadurch die Abgründe auszufüllen, was unseren schwachen Kräften anfangs übersteigend erachtet wurde, ward durch stets vermehrte Anstrengung hergestellt und in Krone dazu eine Kapelle mit der hölzernen Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel errichtet, in deren Grundstein gegenwärtige Urkunde in einem Stein und in einer blechernen Büchse verwahrt liegen solle, zum Angedenken über die Veranlassung und Entstehung dieser Anlagen, deren Fortsetzung durch die von Natur zu schönen Anlagen geeignete Waldung vom Sinne unserer Mitbürger fürs Schöne und Angenehme zu erwarten, ist. Hüfingen den 10 ten October 1820 Anton Baur Hofrath und Oberamtman
Der Weg der durch den alten Steinbruch nach oben führt.
Der Weg führte zur Kapelle mit einer Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel.
Die Ruhe im Tempel der Natur besänftiget die Stürme des Gemüts
Das Waldhisli wurde vermutlich auf das Fundament der Johannishütte (Johannes Kapelle) gebaut.
Das Waldhisli etwa 1950
Alter Stein vom Fundament
Die Statue des Johannes auf einem Brunnen in Hüfingen. Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 vermutlich Nepomuk Heinemann
>„Die Ruhe im Tempel der Natur besänftiget die Stürme des Gemüts“ wie die Inschrift an der „Johannishütte“ in den gemeinsam von Bürgern und Beamten geschaffenen „Anlagen“ im nahen Tannengewälde des „Rotenraines“ lautete, konnte als Motto für die 20ger Jahre gelten. Es war recht eigentlich die Zeit der Gartenhäuschen, Ruhebänke und idyllischen Plätzchen, verbunden mit Freundschaft und Geselligkeit.< von Lucian Reich im Denkbuch 1896
2. Protokoll von 1821 über deren Zerstörung
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
In Gegenwart sey zu dieser Verhandlung vom Großherzogl. Bezirkamt Hüfingen Speciel commitierten Actuers Guttenberg.
N. 2905. et. 6. Nachdem vor einigen Tagen allgemein das Gerücht sich verbreitet hat, daß in der, im vorigen Herbst von einigen Freunden der Natur neu errichteten Anlage dahier, bereits alle Bäume umgehauen worden, so wurde der im Fragentia benannte vom Großherzoglichen Bezirksamt beauftragt, unter Bezug des Bürgermeisters Neukum, Rathsfreunden Burkard, und Heinmanns einen Augenschein vorzunehmen, und den Erfund nach vorgenommener genauer Prüfung anzuzeigen. In dessen Folge begab man sich heute Mittags um 1 Uhr mit Bürgermeister Neukum und den erwähnten Rathsfreunden Burkard und Heinemann in die Anlage wo folgendes gefunden wurde.
In der Chronik von August Vetter aus 1984 steht, dass früher den Schultheißen ein Stabhalter zur Seite stand. Seit dem frühen 18. Jahrhundert, gab es dann nur noch Bürgermeister. Ihm oblag die Verwaltung des Stadtsäckels. Der Bürgermeister hatte also keinen Stabhalter mehr und wurde von den Bürgern gewählt. Von 1809-1826 lässt sich kein Name in der Chronik ausmachen wer Bürgermeister war. Laut dieser Akte war es aber Bürgermeister Neukum. Ob es der selbe Neukum war, wie der in der Chronik steht, Johann Baptist Neukum, lässt sich nicht feststellen, da im Sippenbuch nichts über Neukum steht. 1854-1863 war auch wieder ein Neukum Bürgermeister, vermutlich der Sohn von Johann Baptist, von daher gehe ich davon aus, dass Hüfingen drei verschiedene Bürgermeister Neukum hatte.
Folgende Bürgermeister stehen in der Chronik: 1803-1809: Xaver Stuckle 1826–1831: Josef Burkhard, Sonnenwirt 1831–1837: Johann Baptist Neukum 1837–1840: Fidel Ganter 1840–1848: Josef Hug
Litographie von Josef Burkhard aus der Bürgermeistermappe im Hüfinger Archiv.
Litographie von Johann Baptist Neukum aus der Bürgermeistermappe im Hüfinger Archiv.
Litographie von Josef Hug aus der Bürgermeistermappe im Hüfinger Archiv.
In der Akte ist von 1820-1840 Bürgermeister Neukum genannt, später kommt dann Bürgermeister Burkhard hinzu. Josef Burkhard (06.03.1772-12.11.1855) – Gastwirt zur Sonne, Metzger, Bierbrauer und Bürgermeister von 1826–1831 steht im Sippenbuch. Bürgermilitäroffizir J. Burkhard schreibt in der Chronik 1806 eine Proklamation an die Hüfinger Bürger. Vermutlich ist das Amt des Bürgermeisters in den Kriegswirren (Frankreich- bzw. Russlandfeldzug) etwas untergegangen. Zu Neukum gibt es leider gar nichts im Sippenbauch. Vielleicht war er oder sein Vater vor Bürgermeister Burkhard Bürgermeister. 1833 werden auf jeden Fall beide als Bürgermeister genannt, Neukum und Burkhard. Von Fidel Ganter ist nirgendwo die Rede, weder in der Akte noch in der Bürgermeistermappe. Er ist im Sippenbuch auch nicht als Bürgermeister, sondern als Gastwirt zur Krone (Fidel Ganter *um 1780-3.10.1853).
Gleich beym Eintritt in die Anlage in dem ovalen Zirkel fand man von den gefället befindlichen Balsampappeln im ganzen – 15. Stück und von den Vogelbeerbäumen ebenfalls 15. Stück theils ganz abgeschnitten, theilen abgesägt, und bemerkten zugleich daß mehrere Hiebe in die Baumstecken fiehlen wodurch zwey von allen Bäumer unbeschädiget blieben. Im Verlaufe der Untersuchung zeigte sich, daß an der mit Stein gemauerten Wand bey der Kapelle Steine ausgebrochen, welches sichbar mit Gewalt geschehen. Als man von dar weiter aufwärts in die stierfache aller Lücken vom vordern Rondel kam, war der Anblick schmerzlich; wie der alles verheerende Hagel einen schauerlichen Anblick der Fluren gewahrt, eben so verwüstet lagen die schönen Bäume von Menschen niedergehauen zu Boden. Die Hiebe wurden die meister linken andere aber rechts geführt, und die Spuren der Fußtritte verraten große Männer. Diese schändliche Handlung ist beispiellos.
Von den Vogelbeerbäumen auf diesem Platze sind 26 Stück von den Kanatensischen Pappeln 19, Balsampappeln 33, Silberpappeln 10, welche alle schon gesetzt, mit Stecken versehen, und bereits getrieben haben, ganz ruinniert, und ebenso nämliche Schicksal traf auch die zum Nachsetzen vorbehaltene, einzugrabenden Bäumen. Von den Kanntensichen Pappeln wurden niedergehauen 52 Stück, von den Silberpappeln 24 Stück und von den Balsampappeln 18 Stück. Dann der in der Mitte dieser Alleen befindliche schöne große Birnbaum wurde bis bereits auf die Hälfte eingsägt. In der geraden Allee oben gegen den Platz sogenannten Musikanten, wurden auch noch drey Balsampappeln ein Opfer der Verwüstung. Unbeschädiget blieben im ganzen mehr nicht als 48 Stück. Zur genauere Übersicht der gesamten Verwürstungen aller Baumgattungen folgt nun die Zusammenstellung derselben an Balsampappeln 69 Stück, Vogelbeerbäume 41 Stück, Kanatensischen Pappel 71 Stück, Silberpappeln 34 Stück, Birnbäume 1 Stück. Zusammen 216 Stück. Hierauf folgt nunmehr die von obangeführten Urkunden Personen nach ihren schon aufgezeichneten Plänen entworfene Berichtung der Beschädigungen.
Sie brachten in Ansatz für 66 Stück Balsampappeln a 154 – 16f30r. für 41 Stück Vogelbeerbäume a 182 – 10 f 15. für 71 Stück Kanatensische Pappeln a 18 – 17. f. 45. für 36 Stück Silberpappeln a 15 – 8. f 30. 3 Stück weitere Balsampappele a 15 – 45. 1 Stück Birnbaum – 30. 216 Stück – 54 f 154.
Hierzu die Auslagen wegen Beyfahrt der Bäume.
Für 2 jährige Vogelbeerbäume von Gutmadingen, a 1 f45 – 3 f 30 Für 2 jährige Pappeln von Allmentshofen a 1 – 2 f Taglöhne für 2 Knechte a 24r des Tage für jeden in zwey mahlen – 1 f 36 Für das Löcher graben, einpflanzen und Binden der Bäume, die Pfähle herführen und diese setzen. Das Stück zu 8 40 für 216 Stück -28 f 48 Dann für die Wiederausbesserung der ruinierten Mauer dem Mauer einen Taglohen 48. Zusammen 90 F 57 R Sampat: 90 f 5 7r für gegenwärtige Untersuchung: Seit dem in praesenten Benannten pro 1/2 Tag Diät dem Bürgermeister 30n dem Rathsfreund Burkhard 20, Heinemann 20. summa 93 f 7
Die Richtigkeit der vorstehenden bekräftiget durch eigenhändige Unterschrift Actuar Guttenberg Neukum Bürgermeister H. Burkhard Rathesfreund Heinemann Rathsfreund
Die fürstenbergische Regierung wollte die Obstbaumzucht in der Baar voran treiben. So sollten Baumschulen an den kältesten und rauhesten Stellen auf magerem Boden angelegt werden. Oberamtmann Anton Baur, Oberlehrer Luzian Reich und Stadtrat Josef Burkhard (später Bürgermeister) setzten sich hier besonders ein. Auch sollte eine Allee zur Baumschule entstehen. Diese Allee wurde mit 400 Pappeln bepflanzt, die vom Fürsten Karl Egon von Fürstenberg gestiftet wurden. Er übernahm auch den größten Teil der Kosten für den Steg vom Höllenstein zu den römischen Altertümern, der dort über die Breg führte und dessen Bau weiter unten erläutert wird. (Nach der Chronik von August Vetter 1984)
Ein alter Briefkopf zeigt Hüfingen etwa 1840 mit den Pappelpflanzungen und der Anlage am Rotrain.
3. Prokoll von 1821 über Auffoderung der Bürgerschaft zur Entdeckung der Frevler
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Actum Hüfingen den 14. März 1821 In Gegenwart des Hofraths und Oberamtmans Baur Acluante Guttenberg betreffend R. N3077. et. 8.
Die Zerstörung der neuen Anlage auf rothen Rain.
Am letzten Faßnacht Sonntag den 21 des Nachts geschah die obengedachte Zerstörung, und zwar, wie das UntersuchungsProtokoll vom 10ten dies No. 2905 nachweiset von mehrern Männern, erkenntlich an den Fußtritten im nassen Lösboden, und wie schon aus der durch Sägen und Spalten sichtlich angewandten Manneskraft zu erkennen war. Der Schaden beträgt im mässigen Anschlag 90f Jor ohne zu berechnen, daß die Bäume bereits im Treiben waren, und dem Nachtheil gänzlich nie mehr vergütet werden kann, weil man bey dem wirklich zum Versetzen noch einzigen Zeitpunkt genüglich Bäume in der Eile nicht aufbrächte, wenn auch die durch diesen abscheulichen Frevel mit Grund mißstimmten Freunde des Nützlichen und Schönen noch in der Lage wären, die Anlage so gut möglich, noch in diesem Fruhjahr wieder herzustellen. Doch, wer möchte hierzu Lust haben, ohne Sicherheit für die Zukunft vor ähnlichen Freveln? Zur Ehre der guten Bürger darf man wohl annehmen, daß diese solches Werk der Finsterniß, und die ruchlosen Thäter mit Abscheu brandmarken; allein daran genügt es noch nicht; allen, die hieran weder Antheil genommen haben, noch diese Schandthat genehmigen, liegt daran, zur Rettung des guten Rufs der Hüfinger mitzuwirken, um die Thäter aus der Verborgenheit ans Tageslicht zu reissen, und sie der Gerechtigkeit zu überantworten. Dies erheischt nebst dem noch das gekeuniäre Interesse so vieler Bürger von hier, welche einen nicht unbeträchtlichen Vortheil dadurch schon gehabt, theils noch zu erwarten hatten, daß die nun zerstörte neue Anlage, und die damit in Verbindung zu setzen vorgehabte römischen Alterthümer manche Auswärtige herbeÿ zog, und letztere den Bürgern durch Arbeit einen Erwerb verschaften, der nun durch diesen kein gänzlich aufhört, denn Secnissimus (der Landesherr) wollen dem Vernehmen nach ganz natürlich die Lust verloren haben, für Nachgrabung dieser Alterthümer etwas mehr aufzuopfern, wenn nicht die Frevler entdeckt, und zur gebührenden Strafe gezogen werden, welche in dessen Ermanglung sonst eben so leicht auch an diesen Altertümern ihre Bosheit verüben könnten. Bürger! Euch allen, die nicht zur kleinen Anzahl dieser Bösewichter gehören legt in obigen Rücksichten der Ehre und des Interesse alles daran, zur Entdeckung der Thäter nach allen Kräften mitzuwirken, wozu jeder auch die mindesten Umstände zur Erreichung dieses guten Endzwecks dahier anzugeben von selbst schon geneigt seyn und hierzu bey seinen Bürgerpflichten aufgefordert wird den Arm zu erheben, welche dieser Gesinnung, und auch geneigt seyen, die neue Anlage wenn sie soviel thünlich repariert würde, eben für die Zukunft so zu sichern wie die römischen Alterthümer darneben, wird man die Bürgerschaft darüber vernehmen, welche gegen das Angenehme und Nützliche dieser neuen Anlagen auf dem Gemeinds Eigenthum etwas einzuwenden haben, wo sofort erst diejenge auch melden mögen, welche in den hierwegen zu errichtenden Verein sich einlaßen wollen. Der nebst der gedachten Reparation, und Fortsetzung der neuen Anlage, auch deren Sicherheit, und jenen der römischen Alterthümer darneben bezweckt. Dieser Verein bildet eine vollkommene gleiche Gesellschaft aus Freunden der Natur, des Nützlichen und Angenehmen, wobey nur mit Beschluß der Mehrheit von allen oder eines vor diesen zu erwählenden engern Ausschuses in allem was die neue Anlage auf rothen Rain betrift, fürgefahren werden solle. Hierauf erklärte sich kein einziger der anwesenden Bürger, welche zum weit größten Theil, nämlich von 183 bis auf 35 anwesend waren, gegen die neue Anlage, im Gegentheil ward ihr Unwille gegen diese Zerstörer sichbar und laut.
Sr Guttenberg (148 Unterstützer!)
Stammbuch: Georg Guttenberg (geboren um 1786) fürstlich Fürstenbergischer Rentmeister.
4. Pasquill von 1821 über die vermeintlichen Thäter
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Am Fasnacht Sontag in der Nacht nahm mancheiner wohl in acht sie giengen über Berg und Thal in die neu gemachte Anlag 2 Dort spielten sie ein schönen Streich, die Bösewichter ohne gleich mit Sägen und auch Beil begannen sie die Anlag zu zerstören 3 Sie fingen nun zu hauen an der Teufel in halber Menschengestalt. Sie hieben 216 Bäume mit karacktenlosem Mut entzwei 4 Dann gehen sie nach verübtem Schmaus mit Schossen Dreck und Koth nach Haus. Das merkte man in aller Früh an ihren angehabten Schuh. 5 Wer nur diese sind gewesen dies läst sich für leicht enträtseln. Sie glaubten sich voll Ehr und Rang darauf folgt aber Spott und Schand. Sie wollten sich zu Räthen erheben und niemand wollt das Mehre ihnen geben darauf worden sie Fuchs teifels wild. Jetzt muss die Anklag sein Verdacht.
29. März 1821
1 komm mein Freund nun komm und Horche was ich hier zusagen hab In dem Roten Rein, jetzt horche, sind die Bäume aber ab 2 Schöne Spuren hat man jetzt nun alle, wer auch dieses hat getan, es wehre nun jetzt auch der Faller dass der Auer es getan 3 Auch Faller Nagler kan es wissen. Er ist auch von dieser Brut das merkt man in sein Gewissen. Auch sein Gesicht ist nicht ganz gut 4 auch der gewissen hafte Martin Ruf gehert auch in ihre Mitten. Er solte gleich die Säg und ruft „Sie haut ich hab sie geschliffen“ 5 auch der Gewissen hafte Mann das sollte man nicht glauben, stellet an noch einen Man zu dem Baum umhauen 6 er Neigt sich vor dem Hochalthar er Neigt sich vor dem Hochalthar, bereit bis zu den Füßen, doch dieses gleichen Häuchler gar, und nicht wert das verschisen
Abschrift Die Zerstorung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821
Pasquill
Abschrift Die Zersterung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821
Fallet Bäumchen fallet Alles heute nacht erschallet Laut vom Jubelthon Luna selbst wird mich erheren Eine Anlag zu zersteren Ruf ich auch noch Pluto an
Als uns gedanken=Räthe niemand wollte Mehren Unterstand ich mich, und half zersteren Ein Erholungsort sehr angenehm und schön Ruf ich jetzt Ruhe es ist geschehen.
Ruft nicht so laut! Sprach nach vollbrachter That ein Heüchlerischer Bether Und nehmt euch wohl in Acht, es gibt ein fürchterliches Wetter. Fort fort es ist geschehen, wir müssen jetzt ganz still nach Hause gehen.
5. belegte Rechnung von 1821 über die Herstellung des Steges
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Die anliegende Rechnung Anno Die Herstellung eines Steges über die Bergach zu den vorgermanischen Alterthümeren ins Hammelthal und zu genannten Anlage auf rothen Rain wird nun auf den hier Verifizierten erhaltenen 81/2 Seiten Stebnisen a 12 f. 30 k. pen. eine Summe von 88 f15x anschein berücksichtigt nicht ist hiesige Schmid Johann Gilly wenn der deßen gießen nur obigen Preis übernommen hat, folgende Zahlungen zu leisten haben. 1.) dem Zaunenmannen Peütschi und Kauferle gehören an 49 f 24. über Abzug des Nachlasses es 8. dannoch 41. 24 Latus 41 24
Weitere Rechnungen mit Namen der Handwerker
Vielleicht Reste vom Steg über die Bregach
Weg hoch zur Anlage am Sumserstein vorbei.
Anlage im Jahr 2025
Rechnung Die Herstellung eines Steges über die Bregach zu den römischen Alterthümer im Hammelthal, und zu der neuen Anlage auf rothen Rain bey Hüfingen
An Arbeitslohn 1. Zimmermann Fritschi mit 4. Gesellens laut Conto. 2. Schmid Heitzmann für 2. Hangwerk. 3. Baumeister Röthele. 4. den Behlamern für 2. Stammen Beifuhr a 1 fl 30 x 5. den Waldhausern für 3. Stämme 2 fl 30 x 6. den Wolterdingern für 10. Flöcklinge 7. Trinkgeld den obigen Zimmer- und Fuhrleuten 8. Für den Anstrich des Steges mit Künöhl, Arbeitslohn zusammen 77.56
An Material Stämme Bauholz von Waldhausen a 2 f 30 x Setto vom Wolfsbühel Das ist 12.30
10. Stöcklinge von Wolterdingen a 40 kr 16. detto von hier à 90 kr für 157 lb Eisen samt Koh Nägel und Klammern Künöhl zum Anstricht 10. Maß à 163 zusammen 3. An Günther Vergütung Dem Baumeister Röthele für den Weg, lang 516. Schuh, breit 8 Schuh tut 4128. Schuh, nach dem Cataster, à 100 fl die Jauchert, betragt Summa Summarium Arbeitslohn, Materialien, Vergütung Beträgt zusammen 151.24 Als Beiträge hierzu kommen hiervon abzuiehen Zimmermann Fritsche et Consorten ad2. Schmid Heitzmann Arbeitslohn. Das ist 16.46
Transport 18.46 ad 3. Baumeister Röthele 4.90 ad 4. den Behlamer Fuhrleuten 3.- ad 5. Waldhauser Fuhrleute 7.30 ad 6. Wolterdinger Furhleute 2.- ad 7. das Trinkgeld ad 2.- ad 8. fürs Anstreichen von Materiale die 3. Stämme Bauholz, in Hoffnung gnädigsten Nachlasses -.4 ad 9. Detto vom Handelsmann Curta 5.- ad 10. Stöcklinge in Hoffnung gnädigsten Nachlasses an Gutsvergütung 16,- Zusammen 71.4 Wenn nun vom ganzen Betrag ad 157.24 Abgezogen werden obige 71.42 Verbleiben noch 79.42
Fürtan wir das Glück, nebst den in Hofnung gnädigsten Nachlasses schon in Abgang geschrieben 7 fl 30 kr, und 6 fl 40 kr für Holz und Stöcklingen entweder obige Summe baar oder zu für 61/2 Zentner Stabisen à 17 fl im Preise zu Hammereisenbach zu erhalten, so wäre dem Rückfluss ausgeglichen.
Hüfingen am 10. Juni 1821 Hofrath und Oberamtamann Baur.
Jakob Seidel, Ambros Röthle, Joseph Willmann, Joseph Martin.
6. Protokoll von 1828 die Herstellung des Forstweges vom Steg in die Anlage
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Zuerst sind Briefe von Hofrath Baur von 1822 über Maßnahmen und Rechnungen und er wünschte ein glückliches neues Jahr am 2. Januar 1822. Es folgen Briefe über Stabeisen mit dem Bergverwalter Mayer aus Hammereisenbach.
Dokument 7 Consignation über die Baukosten, der neuangelegten Straße über den Bregbach hinter Höllenstein. 1. für Zimmermannarbeit Jakob Fritschi 49.24 2. für Schmidarbeit Johan Heizman 32.24 3. Naglerarbeit Ambros Röthele 9.30 Hiervon kommt in Abzug die freywilligen bey Zang als Ambros Röthele laut Beleg No 3 per Johan Heizman, Jakob Fritschi, Joseph Fritschi, Georg Groman, Johan Groman, Leonhart Schafbuch Tut 26.16 bleibt über Abzug dessen 64.2 Hüfingen den 9. Juni 1821 Ambros Röthele
Dokument 8 Conto Endtes gesetzer habe auf Befehl des Herrn Oberamtsmann Manns einen grügen Fußsteg über den Bregbach gemacht. Den 18ten Mai ist Holtz geschlagen worden. Meister Georg Gromann, Leon Schafbuch, Josef Frischi, Johan Groman, Zu diesem Steg ist Freiwilliger Tag vom Jakob Fritschi, Joseph Fritschi, Georg Groman, Johan Groman, Leonhard Schafbuch, Hüfingen den 7. ten Oktober 1821 Jakob Seitz Zimmermeister
Dokument 9 Nota: zu Bemerken ist, das an vorhandenem Conto pa 31 fl 24 kr wegen einem freiwillligen Beitrag 8 fl 16 kr ab gehen. So bleibt noch zu bezahlen 22.38 Hüfingen am 7ten Juni 1821 P. Heizmann Schmid
Vielleicht Reste des Stegs über den Bregebach
Weg am Höllenstein November 2025
Weg zur Anlage bei den römischen Altertümern
Dokument 10 Conto: Eides benannter hat aus dem neuangelegten Stegbau hinteren Höllstein über den Bregebach angeschafft 450 Stück Bodenzigel à 44 4 Stück gantz Leistnägel 8 Stück halb Leistnägel 2 Stück gerlist Flammennägel für Reparation 11 Stück gewisshauen per Stück Vorzeit derselben bei Anweisung des Bauholzes und Aufbauen bei dem Stegbau 3 Zug à 1f30x Summa 9.30 Hüfingen den 9. Juni 1821 Ambros Räthele
Dokument 11 Homma! Ich glaube, Sie und ich kamen wegen dem Holz ganz kurz aus der Geschichte, beim Ziegel einheitlich die Anwesenheit Serenissimi benutzen und höchstselben hinterbringen verbunden, daß das Oberforstamt auf die Zahlung des Holzes dringe und daß es nur ein Wort brauche damit der Oberfürst mit diesen ohnehin unbedeutenden Posten abschreibt. Es geschieht ganz sicher. Verehrungsvoll danehigen den 4. Juni 1821 Ihr Freund und Diener Dilger
Dokument14 Brief: An Herrn Bangamts Verwalter Mayer zu Hammereisenbach. Wir haben im letzten Sommer einen Steg unweit der Oberen Mühl daher zu den römischen Alterthümern und zu der neuen Anlage hierzu hergestellt, wegen uns Serenissimus mit einen gnädigsten Beitrag zugesichert. Nach der mir gestern von Herrn Kabinots Sekretär, Rath Baur zogen nach demünschung gemachter Eröffnung sind sechs und nun halber Zentner Stabeisen auf dem Hamereisenbacher Werke ob solchen Beylang bestimmt. Welches Eisen sogleich abgehalten wieder könne um nun die Bauche verschobene Rechnung berücksichtigen zu können, wollen auf, müßte
Dokument12+13 Brief: An Herren Kalamets, Sekretarius Rath Baur, Zogenrath zu Donaueschingen Hüfingen 16. Nov. 1821. Laped Nachdem Sie Seele Mahler für Seine Herrn Stahen so leicht ich dazu was ich in Mitten der 1790 ger Jahren von Seele zu Donaueschingen – als wird vom Jugend Freund erhielt und brauchbar als eine Freundschaft tiefes Andenken auf vermeichtlichen würdig. Sein Bilder von ihm stehen in der Academie zu Stuttgart nach als Anfängen verfertiget, welches er bei seinem nachherigen Besuche der hier nach keiner Aussehrung zu retounieren wollten zu allein der wasen Schelbischen levis! Brusesting Boll Hauser
(Wenn ich mal Zeit habe versuche ich den Brief besser zu transkribieren)
Als früher Vertreter der Hüfinger Künstlertradition gilt Johann Baptist Seele (27. Juni 1774 in Meßkirch – 27. August 1814 in Stuttgart). Sein Vater Franz Xaver Seele diente ab 1776 in Hüfingen als Unteroffizier im fürstenbergischen Kreiskontingent. Johann Baptist Seele stieg bis zum Hofmaler des württembergischen Königs in Stuttgart auf.
Johann Baptist Seele 1810
Das Altarbild von Seele in St. Verena und Gallus
Das Altarbild in der Stadtkirche zu Hüfingen In der Morgenfrühe des 4. Juni 1812, am Donnerstag nach dem Fronleichnamsfest, fuhr durch das untere Stadttor eine vollbesetzte Kutsche Donaueschingen zu. Stolzer Rosselenker auf dem Bock war der hiesige Josef Neukum, der den ehrenvollen Auftrag hatte, den württembergischen Galeriedirektor und Hofmaler Johann Baptist von Seele und seine beiden Kinder durch die Baar nach Stuttgart, in ihre Heimat, zu führen. Viel Ehre war dem Künstler im gastlichen Hüfingen, wo er bereits eine Woche weilte, zuteil geworden, und reich beschenkt kehrte er nun wieder in die königliche Residenz zurück. J. B. von Seele, der von neidischen Kollegen als „Husaren- und Dragonermaler” angefeindet wurde, hatte aus Liebe für die Bewohner der Stadt Hüfingen, in der er die ersten Jahre seiner Jugendzeit zugebracht, ein Gemälde von 14 Schuh (4,20 m) Länge und 8 Schuh (2,20 m) Breite gemalt, vorstellend den am Kreuz hangenden Christus, darunter die Mutter Maria, den Jünger Johannes und die büßende Magdalena.
Ab Dokument 15 folgt ein Streit um den Weg an der Wiese die der „Hirschenwirt Auer“ vom Handelsmann Curta und dieser vom Baumeister Ambros Röthele gekauft hatte. Augustin Auer (in Tengen geboren um 1770 – 29.09.1837) war mit Magdalena Fritschi verheiratet und hatte mit ihr 9 Kinder. Der Leinenweber und Hirschenwirt war 1821 beteiligt an der Zerstörung der Anlage. Ein Sohn, Franz Josef Auer (04.05.1796-08.11.1832), war Schüler in der Zeichen- und Malschule von Luzian Reich senior (hier „Lehrer Reich“) und wurde später Portraitmaler . Von ihm ist die Rede im Denkbuch von Lucian Reich: „Zwei andre aus der vaterstädtischen Zeichenakademie hervorgegangene Künstler waren der Maler Auer und sein etwas jüngerer Landsmann Durler. Ersterer, der Sohn des Hirschwirts in Hüfingen, hatte sich bei Seele in Stuttgart zum Porträtmaler ausbilden wollen, sich jedoch der strengen Zucht des Meisters frühe schon entzogen, wie sein Landsmann Zwerger, damals im Atelier Danneckers beschäftigt, zu erzählen wußte: Eines Tages war der Freund zu ihm gekommen mit dem Gesuch, ihm doch seinen neuen Frack zu leihen zu einer Fahrt nach Ludwigsburg, wo er einer Hinrichtung beiwohnen wolle. Zwerger entsprach seiner Bitte, hat aber ihn — den neuen Frack — nie mehr zu sehen bekommen(.….)Nach Jahren war der leichtlebige Künstler kränklich in die Vaterstadt zurückgekehrt, wo da und dort in einer Stube noch lange ein von seiner Hand gemaltes Miniaturporträt zu sehen war.“ Der Baumeister Ambros Röthele wohnte offensichtlich nicht in Hüfingen. Der Vater des Handelsmanns Curta ist auf dem Hüfinger Friedhof zu finden, er wurde von österreichischen Plünderern ermordet. Johann Jakob Curta (27.9.1797-18.10.1864) war der Handelsmann der die Wiese vom Baumeister Ambros Röthele gekauft und an Augustin Auer verkauft hatte. Ein Bruder vom Handelsmann Curta, Johann Franz Valentin Curta (24.05.1794-26.04.1837) wird in der Chronik ebenfalls als Gastwirt zum Hirsch und als Wachsfabrikant betitelt.
Johann Franz Valentin Curta, Kaufmann aus Italien, geboren in Gressoney am Monte Rosa, gestorben in Hüfingen am 19.10.1805 . Er wurde von österreichischen Soldaten beim Plündern vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder niedergeschossen und ist drei Stunden später gestorben. Er war verheiratet mit Rosina Burkhard und sie hatten 12 Kinder. Ein Sohn, Johann Franz Valentin Curta, wurde Gastwirt zum Hirsch und Wachsfabrikant und ein Johann Jakob wurde Handelsmann.
Actum Hüfigen den 24ten September 1828. In Gegewwart des Hofrath und Oberamtmann Baur actuante Rchtp. Dilger Hüfingen N. 8521 p1. Der Bürgermeister Burkart erscheint mit nachbenannten Parthien: Hirschewirth Auer, welcher vorbringt: ich habe vor 2 Jahren eine Wiese hinter dem Höllenstein vor Handelsman Curta dahier gekauft, worüber bekanner Dingen ein Fußweg in die Anlage und auf Schoßen eben so wie zu den römischen Allerthümer im Hammelthal von dem neuen Steg angeht. Dieser Fußweg von 6 bis 7 Schutz breit läuft der erkauften Wiese wurde im Jahr 1821 nach Errichtung der Anlage an der damals dem Baumeister Röthele gehörenden Wiese hergestellt, welcher dieselbe nachher an Handelsmann Curta verkaufte. Dieser verfertigte die Producirte Schrift am 13te Nov. 1823 unterzeichnet Von Ambos Röthele bedingt habe den gedachten Fußweg ein nach dem im Praesentia benanten zu Gefallen mit Errichtung der Anlage für weniger Zeit, jedoch nicht herkömlich gestattet haben. Ich will zwar haben Zuschweig ist abeschlagen wissen, jetzige Anlagen ist aber der Stadt eine billige Entschädigung bekommen an zemmi von Leuschen.
Bürgermister Burkard erwidert hierauf: Es ist dem in Raesentia bewusten und lärmliglich bekannt, daß dieser Bregweg zu dem oben erwähnten Endzweck von Baumeister Röthele als dem damaligen Eigenthümer der nachher Curtaischen und zur anrischen Wiese bewilliget, sofort mit Bäumen besetzt und sogar nachher vor guten Grund beraubt würde, so daß man ihn mit Kies auffüllen müßte und noch mehr aufgefällt werden muß. Hiernach kann von einer Entschädigung gar kein Rede mehr sein, weil dieser Fußweg zur Zeit schon bestanden, wo Röthele die Wies an Curta, sofort diese an Auer wieder Verkaufte.
Aussagen von Curta, Auer und zwei andere:
nicht mehr Recht verlange als was dieser von Röthele erworben und lezterer hat bekannter Dinger den befragten Weg unentgedlich gestattet. Man findet hier aus den Akten, betreffend die Errichtung der Anlage zu bemerken nothwendig, daß die gedachte Anlage mit allgemeiner thätiger Mitwirkung des Publicus im durch ergiebige Unterstützung hochfürstl. gnädigster Herrschaft schon aus 1820 angefangen er in der Folge hergestellt wurde daß statt der gefährlichen und unangenehmen Weges neben des Wasenmeisters Haus und Anger vorbei, am linken Ufer von der Bregach ein Weg als nachsorger Inhaben meiner Wies den Grund von diesem Fußweg gegen die Ordung hinweg und duch die Wiese genommen diesen nicht ganz gemäß lautet die Vorliegende, von Curta aufgesezte Schrift, deren Unterzeichung von mir derselbe zu bewirken wußte. Um die ich um nach dem obigen erläutere. Klagender Auer repliciret um: Ich glaubte nach der Vorliegenden Schrift zur Entschädigungsforderung an die Stadt berechtiget zu sein, obschon die Geschichte sich erwähnter Maßen zugetragen habe. Bürgermeiser Burkhard Namens der beklagten Gemeinde deplicirtes: Auer Runta Muu Curta
Handelsmann J. Curta v. dolm hat noch geschehen Ab und Gegenrechnung die an mir erkaufte Wiese hinter dem Höllstein als vollkommens und begehltes Eigenthum zu besitzen – item wird demselben bezeuget, daß er zwischen meine Wiese und Jacob Seidel führende Fußweg keineswegs zu leiden verbunden, sondern derselbe den Frau Hofrathsamtsmeister Baurzi gefallen an mir für einige Zeit – jedoch nicht verbindlich, gestattet werden Hüfingen 13ten October 1823 Ambros Röthele
Der Weg ist mit Bäumen bepflanzt mit beträchtlichen Kosten hergestellt und daß zu diesen Fortsetzung über die Wur der Baumeister Röthele das in den hierzu erforderlichen Platz mehrtgeldlich und als Beitraglos sehr ermöglicht, herzustellen, wenn nun man auch diesen Weg mit Bäumen bepflanzt hat. Bei dieser Kerge ergeht nun der Bescheid Wird der Hirschewirth Auer mit seiner Entschädigungsforderung an die Stadt gewerde wegen des von Baumeister Röthele, als vormaliger Wieseneigenthümer abgetretenen Platzes zum derzeitigen Fußweg hiermit abgewiesen, und in die Kosten dieses Streites verfällt. eröfnet durch 10 Uhr mit den, daß weil der Streitgegenstand nur 1 bis 2 Louis, der Werth beträgt, auch keine Appellation stattfinde P. S. 2 te Test. Dilger Bichtsp
Über Josef Dilger gibt es im Sippenbuch keine Daten, nur dass er später wohl Großherzoglicher Notar war.
8. Rechnung über baare Einnahmen und Ausgaben für die Anlage von 1820 bis 1830 gestellt
Die Anlage auf rothen Rain entstanden a. 1820, wurde bisher verbessert, und im vorigen Jahr mit einem beträchtlichen Kostenaufwand bekannterdingen vollendet, ohne jemanden vom Jahr mit Beiträgen in Anspruch zu nehmen. Allein das Reparieren der Anlage vorzüglich der Tempel und Bänke und das Reinigen der Wege ist auch dieses Jahr erfoderlich, um dieses schöne Werk der Natur und des menschlichen Fleisses vor Verwilderung und seinem Untergang zu erretten. Daß dieses abermals – obschon nicht so beträchtlich, wie in früheren Jahren mit Kosten verbunden, ist eben so begreiflich, als daß diese Kosten nicht wie es im vorigen Jahre geschehen von einem allein bestritten werden können.
Wer nun um Erhaltung dieser öffentlichen Anstalt sich verdient zu machen gedenket, der wird gebethen, denjenigen Beitrag anher gefällig zu bemerken, den er zu geben geneigt ist, worüber seiner Zeit gewissenhafte Rechnung wird gelegt werden. Hüfingen am 3ten Juni 1830.
Baur Oberamtman zu seinen beträchtlichen Auslagen für die Anlage seit ihrer Entstehung und besonders in vorigen Jahr, zum obigen Endzweck Rentmeister Guttenberg mit dem Ansigen überwieß einen weitern Beytrag zu leisten, weden die Unterhaltung der Anllage für zuvor einen größere Aufqand fordern sollte. Amtmann Schweb, wie Herr Rentmeister Gatten bey- Oberunnehmer Kornacher, Oberunnehmer Ahächtt Fischer, Bechtspunkunkt Gantio mit der nämlichen von Herr Rückmeister Guttenberg beigefügten Bemerkung Dilger wie H Gemminister Guttenberg in Bezug des Zeugnißes bemerkete
Conto Die unterschriebenen haben auf Anordung des Herrn Amts Actuar Gleichauf mit Arbeit in der Anlage zu gebracht. Erstlich der Georg Haller und Franz Joseph Mog jeder 3Tag bernen der Michael Jurig und Georg Labor jeder 2Tag perTag Dreysig Kreuzer. Betragt sich zusummen 5 f. Summe 5 f Den Empfang bescheinigt Hüfingen den 22ten August 1831 Fanz Joseph Mog Georg Haller Michael Thury Georg Labor Die Bezahlung haben wie von dem Herrn Rechtsstrackkigkont Ganter mit Dank erhalten.
Rechtsanwalt Johann Nepomuk Ganter geboren 1802 in Meßkirch
Conto Die unterschriebenen haben durch Anordnung des Herrn Amts Actuar Gleichauf mit Arbeit in der Anlag zugebracht. Erstlich Georg Haller per Tag 30x Michael Thury 30x Franz Joseph Moq jeden 1 Tag 30x Ferner Johann Hermann einhalber Tag 15x Georg Labor 5 Tag 2 f 30 x mit 4 f 15 x Den Empfang bescheint durch den Herrn Rechtes Praktikant Ganter mit Dank erhalten Hüfingen 1831 Thury, Georg Labor
Unterzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage von 2 1/2 Tag per 30x erhalten 1f 12 x Hüfingen den 5. Juni 1831 Paster März
Unterzeichneter hat aus dem Anlagefond für viertägige Arbeit zu 30x per Tag erhalten Hüfingen den 5. Juni 1831 Folzmaur
Unterzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage 7 Tage per 30x erhalten is 3 f 30x bescheinigt Hüfingen am 12. Juni 1831 Georg Labor
Unteerzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage für 5 Tage à 30 x erhalten 2 f 30 x Hüfingen am 12.Juni 1831 C. Sulzmann
2 Mahnung an den Hofrath Baur:
Dem Großherz. Bad. Fürstl. Fürstenberg Präsident Herrn Hofrath und Amtmann Baur zu Allmendshofen Hüfingen d 4. Mai 1833 … haben sich Euer wohlgebohren mit einem Beytrag von 8 fr. unterzeichnet, aber hier noch nichts gezahlt Der Verein zur Erhaltung der Anlage…. … Dem Herrn Hofrath und Amtmann Baur zu Donaueschingen Hüfingen 2. Juni 1833 …Euer Wohlgborgen muß ich im Namen der Gesellschaft für die Erhaltung der Anlage auf dem rothen Rain dahier und bezüglich auf mein Schreiben vom 11ten v. M geziemend bitten, Ihnen eigenes werthes Versprechen uns gegeben einen Zuschuss 8 fl aus dem Jahr 1830 bald an mich zu senden…
Es folgt eine Reihe weiterer Bettelbriefe und dann am 4. Juni 1833 dies hier:
Im Jahr 1820 hat unter kräftiger Leitung und Mitwirkung des vorigen hießigen Amtsvorstandes des verehrten Herrn Hofraths und Oberamtmanns Baur die Anlage auf rothen Rain dasein ihre Entstehenz erhalten. Dies ein schönes Wirken der unausgesetzten Thätigkeit, und der steten Unterstützung verehrter Freunde der unseren schönen Natur verdankt diese Anstalt ihr bisheriges Fortbestehen. Die gestellte Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des letztern Helfer aufenthümen . Das Resultat eines Zuschusses von 8 f 24 x allein dieser reicht nicht hin, um nöthig gewordene Reparationen, das Reinigen der Wege, das Verpfahlen und Anbinden der Bäume, das Auffüllen des Kießes in die Wege, u.d.g. bestreiten zu können. Wenn daher die mit unbeschreiblicher Wege und bedeutendem Kostenaufwand gestiftete Anlage nicht wieder zerfallensolle, so sind freiwillige Beiträge zur Erhaltung nöthig, da wir sie zu begleichen keinen Sand besitzen. Ohne mir darüber eine Direction anmassen zu wollen, glaube ich mich doch einigermassen verpflichtet für den gegenwärtigen Augenblick zum weitern Fortbestand der Anlage eine Bitte um Unterstützung an die hier nach benannten Herren machen zu müßen. In der Folge wird es von dem Gutding der betragenen verehrlichen Mitglieder abhängen einen Leiter und Aufseher aus ihrer Mitte zur Erhaltung der Anlage zu wählen. Die nachbenannten Herren werden daher ersucht, die Stunde ihrer Beiträge für dieses Jahr gefällig einzutragen und sich zur Bestätigung am Ende zu unterzeugen. Hüfingen 4. Juni 1833 Schwab Heinemann
Der Oberamtmann Eusebius von Schwab war der Nachfolger von Anton Baur der 1830 in den Ruhestand ging. Es folgt die Liste der Freiwilligen der Freunde der Natur von 1833
Nr. 22 Schwab Amtmann. Sippenbuch: Eusebius von Schwab, Amtsrevisor und Oberamtmann war mit Maria Anna Schmutz verheiratet und sie hatten zwei Töchter. Anna von Schwab heiratete 1839 Heinich von Luseck, fürstlich Fürstenbergischer Ingenieur.
Nr. 26 Salomon Guggenheim wird im Zuge der 1848er Revolution öfters in der Chronik erwähnt und kommt am 20. Juli 1850 vor das Hofgericht in Konstanz wegen Hochverrats. Danach verliert sich seine Spur.
Nr.28 Bürgermeister Johann Baptist Neukum, Bürgermeister von 1831–1837.
Nr.29 Bürgermeister Josef Burkhard (06.03.1772-12.11.1855) . Gastwirt zur Sonne, Metzger, Bierbrauer und Bürgermeister von 1826–1831.
Nr. 33 der Lehrer Reich: Luzian Reich (07.01.1787-18.12.1866) war Oberlehrer und Industrieller, er hatte eine Mal- und Zeichenschule in Hüfingen. Mehr über ihn gibt es im Denkbuch von seinem Sohn Lucian Reich: https://hieronymus-online.de/denkbuch-von-lucian-reich-1896/
Nr. 34 der Musiker Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837) starb, als er von einem Spaziergang in sein „Landgütchen“, das er sein „Ruhetal“ nannte, zurückkehren wollte, am Eingang desselben durch einen Blutsturz in den Armen seiner geliebten Gattin am 6. August 1837 abends um ½7 Uhr. Über den „Onkel Schelble“ berichtet Lucian Reich eingehend in den Wanderblühten.
Brief von Dilger zum Konzert in der Anlage 1833
Der zur Förderung des allgemeinen Vergnügens immer bereite Kapellmeister des hiesigen Bürger Militerrkorps Herr Abstuar Gleichauf hat sich nach gepflogener Rücksprache mit den in dieser Beziehung gleichgesinten weitern Kapellgliedern auf mehrseitiges Verlangen dahin ausgesprochen, daß heute Abend 6 Uhr in den hiesigen Anlagen türkische Musik gemacht werden würde. Der Unterzeichnete nimmt sich daher die Freiheit die hiesigen hochzuverehrenden Freunde der Musik und Geselligkeit hiervon mit dem Anfügen zu benachrichtigen, daß hierdurch eine Auslage von cicta. 6 fl erwächst, die aus Mangel an einem hande durch Repartition auf die Zuhörer getilgt werden muß. Diejenigen hoch zuverehrenden Herrn, die sich zur Tilgung dieser kleinen Ausgabe bereit finden, werden daher ersucht, sich auf der Kehrseite gefällig zu unterzeichnen
Hüfingen am 28 Juni 1833. Dilger
Einladung Zu beliebigen Beiträgen für ferneren Erhaltung und Ausbesserung der Anlage auf rohten Rain hier. Die bekannte Anlage auf rothem Rain verdankt der kräftigen Leitung und unermüdeten Mitwirkung des vorigen hiesigen Amtsvorstandes des Penstannten Herrn Hofraths und Oberamtamanns Baur seine Entstehung im Jahr 1820. Rastlos und mit eigenen bedenkenden Geldaufopferung hat er die Erhaltung und das Fortbestehen dieser von der Natur begünstigten Anlage uns nur mit geringen Beiträgen zu bezweken verstanden, bis in das Jahr 1830, in welcher Zeit er die Versetzung in den Ruhestand nahm. Im Juli 1833, seit dieser Zeit aber nicht wieder, wurden die Trennk dieser Anlage um Beiträge gebeten, um dieselbe nicht ihrem Zerfall heimzugeben. Die eingezogenen Beiträge wurden zur Erhaltung verwendet, und darüber Rechnung geführt, welche auf beliebige Verlangen vorgelegt und eingesehen werden kann. Gegenwärtig aber befindet sich diese Anlage in einem Zustand, der eine bedeutende Verbesserung nöthig macht, wenn das 21te Jahr ihrer Entstehung nicht das Ziel ihrer Auflösung sein solle. Ein Pfand zur Erhaltung besteht nicht, und es muß daher die Güte unter lieben Freunden in Anspruch genommen werden. Die nachbenannten Einen werden dafür ersucht eine belibiege Gabe zu spenden, den Betrag auszuwerfen, und neben demselben Gewerthen Namen beyzusetzten Hüfingen den 11ten April 1841 Schwab
Ansicht von Hüfingen 1833 vom Roten Rain aus. Zeichnung von Josef Burkhard.
Die Ansicht, gezeichnet von Josef Burkhard (Bürgermeister von Hüfingen) zeigt auf dem Rotrain einen Maler beim porträtieren. Links im Bild ist die Seemühle mit dem Wohnhaus. Das große Haus im Vordergrund ist das „Ruhetal“ von Johann Nepomuk Schelble. Am Eingang desselben starb er durch einen Blutsturz in den Armen seiner geliebten Gattin am 6. August 1837 abends um ½7 Uhr. Über den „Onkel Schelble“ berichtet Lucian Reich eingehend in den Wanderblühten.
Das Landgütchen wurde später die Heimat von Xaver Reich und seiner Familie. Auch sieht man schön die neu gepflanzen Bäume der Anlage.
Mitgliederliste 1841
Mitgliederliste1841 Namen der Herrn Spender
Ambühl SchnillungsCommission
Beck fürstl. Gutsverwalter
Bogenschütz Oberforst Infonction Actten
Brunner Amtschürwig
Firchen Amtsa
Ganter Kaplan
Gebhardt
Gleichauf
Hannscher
Huß Amtsakuator
Löstlin Oberstänstinspector Actum
von Lusek Fürstl. Somst Ingenieur
Rebstein Denen
Rebstein Partikulier
Rümel Amtsverhaut immerut
Schreiber Vikar
Schwab Oberamtamann
Ewald Forstinspections Actum
Wagner Dito
Weber Registrator
Wolf Agrotschen
Wunsch Amtsschreiber
Zogst Amtsarzusom
Zur Herstellung des Daches auf der Johannes Kapelle in der Anlage dahier sind 20 Bund Vesenhaub erforderlich. In Ermangelung eines Fonds werden die hiesigen Landwirthe um gefällige Abgab des obigen Berdürfnißes ersucht. Hüfingen den 27. Juni 1841 Schwab Namen der Geber 1. Johann Bausch 2. Gerorg Steinmauer 3. Johan Heinemann 4. Jokob Heinemann Witwe 5. Bek, fürstlicher Gutsverwalter 6. Karl Neukum 7. Joseph Gilly
Die Statue des Johannes auf einem Brunnen in Hüfingen. Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 vermutlich Nepomuk Heinemann
Fesenhaub (auch geschrieben: Vesenhauf, Vesenhaup, Fesenhaup) Bedeutung: Strohbündel, Reisigbündel, Besenbündel – früher verwendet zum Dachdecken, Feuermachen oder Besenbinden.
Es würde irgendwie Sinn machen, dass bei der Renovierung der Johannes Kapelle 1841 der geschnitzte Johannes seinen Weg auf die Viehtränke in der Stadt gefunden hatte.
An dieser Stelle folgen 15 Seiten Rechnungen aus dem Jahr 1841 für die ich unten nur eine einzige zeige:
Verzeichnis
Über gefertigte MaurerArbeit in der Anlage zu Hüfingen.
Da sind die eingestürzten Maueren, auf Anordnung des Herrn OberAmtmann Schwab, und Herrn Gleichauf wieder hier aufgerichtet und hergestellt, wie auch an mehren stellen die Mauerwercke verbessert worden.
Hüfingen am 29ten Juni 1841 Maurer Meister Sepple
Die letzten Seiten der Akte sind aus 1845 als die Sängergesellschaft Hüfingen die Bänke und Tische der Anlage herrichten ließ. Vermutlich sind zu dem Zeitpunkt alle ursprünglichen Mitglieder der Freunde der Natur ausgestorben.
Nach vielseitig geäußertem Wunsch soll die hiesige schöne Anlage wieder hergestellt, und verbessert werden. Da dieses, und insbesondere die Vertigung der nöthigen Tische und Bänke eine größere Auslage erfordert, so muß man in Ermangelung eines Lands den Weg freiwilliger Beiträge der Freunde der Natur empfehlen. Der hiesige Gesangsverein hat bereits beschlossen, die wöchentlichen Beiträge aller Mitglieder einsweilen 4 Wochen lang für die Anlage zu verwenden. Man macht nun an die übrigen Gauernherren und Bürger der hiesigen Stadt das geziemende Ansuchen, zum obigen Zweck einen beliebigen Beitrag leisten und in den gefälligst bemerken zu wollen. Hüfingen am 26. Mai 1845 Namen ausser dem Hufschmid nicht lesber
Rechnung anbeschran Auf Verodnung der Sänger Gesellschaft, hat der unterzeichnete nachstehende Schreiner Arbeit in der hiesigen Anlage geliefert. 5 Bäncke, 1 Tisch und eine Steige Reisige vom Rasina und Stämer herbei geschafft Arbeit 9 Tage per Tg 24x3f 36x Summe Gulden 36 Den 27te Juli 1845 Bescheid Xaver Hepting Schreiner Meister
Heike konnte Fledermäuse am Kofenweiher im Jagdflug filmen.
Nach meiner Einschätzung könnte es sich um Große Abendsegler handeln. Eine sichere Bestimmung allein anhand des Videos ist jedoch nicht möglich, aber er jagt häufig hoch und schnell im freien Luftraum, oft über Gewässern wie dem Kofenweiher. Er fliegt schon in der Dämmerung, oft bevor es richtig dunkel wird und sein Flug wirkt kraftvoll, geradlinig und schnell. Also Große Abendsegler sind dafür bekannt, regelmäßig über Seen und Weihern Insekten zu jagen. Große Mausohren hingegen jagen überwiegend bodennah über Wiesen oder im lichten Wald, ihr Flug wirkt etwas langsamer und wendiger.
Der Film zeigt, wie wertvoll dieser Bereich für Fledermäuse sein kann. Umso mehr bestärkt uns diese Beobachtung in unserem Vorhaben, im Rahmen unseres Projekts „Together for Bats!“ den Lebensraum der Tiere weiter zu verbessern und in unmittelbarer Nähe ein „Haus der Vielfalt“ als Quartier für Fledermäuse und Gebäudebrüter zu schaffen.
Fledermäuse am 2. August 2026 am Kofenweiher. Aufnahme Heike Boeke
Ich freue mich sehr, dass Andreas Braun MdL (CDU) einer Veröffentlichung seiner Antwort zugestimmt hat. Genau eine solche sachliche Auseinandersetzung hatte ich mir von meinem offenen Brief erhofft. Seine Ausführungen liefern wertvolle Hintergrundinformationen zur Geschichte der Landtagswahlkreise und zeigen zugleich auf, auf welchem Weg eine spätere Änderung grundsätzlich möglich wäre.
Herzlichen Dank für die Zeit und Mühe, die er sich für die Beantwortung meiner Fragen genommen hat:
Sehr geehrte Frau Jaag,
vielen Dank für Ihre Anfrage zum Zuschnitt des Landtagswahlkreises.
Zunächst möchte ich festhalten, dass Guido Wolf (CDU) als direkt gewählter Abgeordneter, den Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen im Landtag vertritt. Zudem sind aus diesem Wahlkreis weitere Abgeordnete in den Landtag gewählt. Ich bin mir sicher, dass Guido Wolf seinen gesamten Wahlkreis, unabhängig davon, ob eine Gemeinde zum Landkreis Tuttlingen oder Schwarzwald-Baar gehört, ausgewogen vertritt und allen Belangen die notwendige Aufmerksamkeit widmet.
Zur Erklärung des von Ihnen kritisierten Wahlkreiszuschnitts kurz ein historischer Rückblick: Die Grenzen der Wahlkreise für Landtagswahlen in Baden-Württemberg wurden nach der Kreisgebietsreform von 1973 bereits zur Landtagswahl 1976 grundlegend neu zugeschnitten und seitdem auch nur ganz geringfügig geändert. So wurde 2011 die Stadt Bräunlingen aus dem Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen an den Wahlkreis Villingen-Schwenningen angegliedert. Das erfolgte, um unterschiedliche Wahlkreisgrößen auszugleichen. Kurz gesagt, man versucht einen Kompromiss aus der Fläche eines Wahlkreises und seiner Zahl der Wahlberechtigten zu bilden. Ähnlich verfährt man bei der Festlegung der Wahlkreise für die Bundestagswahl. Hier wurden beispielsweise Gemeinden aus dem Kinzigtal dem Wahlkreis Schwarzwald-Baar zugeschlagen.
Donaueschingen, Hüfingen und Blumberg gehören, wie Sie richtig feststellen, bei der Landtagswahl dem Nachbarwahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen, dem Wahlkreis 55 an. Ausdrücklich hat man diesem Wahlkreis den Zusatz Donaueschingen gegeben. Mit dem Namensbestandteil Donaueschingen soll genau das vermieden werden, was Sie befürchten. Auch die drei Gemeinden im Südlandkreis erfahren damit Sichtbarkeit.
Insgesamt hat Baden-Württemberg 35 Landkreise und neun Stadtkreise, aber 70 Wahlkreise für die Landtagswahl.
Festgeschrieben sind die Landtagswahlkreise im Landtagswahlgesetz. Änderungen könnte der Baden-Württembergische Gesetzgeber, also der Landtag beschließen. Zur Funktionsweise der direktdemokratischen Wege in Baden-Württemberg, der sogenannten Volksgesetzgebung, verweise ich auf das offizielle Beteiligungsportal des Landes: Volksabstimmung: Beteiligungsportal Baden-Württemberg. Dort wird Schritt für Schritt erklärt, wie Bürger über den Volksantrag, das Volksbegehren und schließlich eine Volksabstimmung eigene Gesetzgebungsverfahren einleiten können.
Mit freundlichen Grüßen Andreas Braun MdL
Offener Brief: Warum hat der südliche Schwarzwald-Baar-Kreis keine unmittelbare Vertretung im Landtag?
21. Juli 2026
Hinweis in eigener Sache: Bereits am 31. Mai habe ich diese Frage über das Beteiligungsportal Baden-Württemberg eingereicht. Da ich bis heute keine Antwort erhalten habe, habe ich mich nun mit einem offenen Brief an das Beteiligungsportal, das Innenministerium, die Landtagsfraktionen sowie die Landtagsabgeordneten unserer Region gewandt. Selbstverständlich werde ich eingehende Antworten veröffentlichen und dokumentieren.
Offener Brief an das Beteiligungsportal Baden-Württemberg, das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg, die Fraktionen des Landtags von Baden-Württemberg sowie die Landtagsabgeordneten des Schwarzwald-Baar-Kreises
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 31. Mai habe ich über das Beteiligungsportal Baden-Württemberg eine Frage zur Einteilung der Landtagswahlkreise gestellt. Da ich bis heute keine Rückmeldung erhalten habe, wende ich mich nun in Form dieses offenen Briefes an Sie alle in der Hoffnung, eine Antwort oder zumindest einen Hinweis auf die zuständige Stelle zu erhalten.
Im Zuge der Neuordnung der Landtagswahlkreise wurden die Städte Hüfingen, Donaueschingen und Blumberg dem Wahlkreis Tuttlingen zugeordnet, obwohl sie zum Schwarzwald-Baar-Kreis gehören. Bei Bundestagswahlen sind diese Städte hingegen weiterhin gemeinsam mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis einem Wahlkreis zugeordnet.
Aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger führt dies zu einer unbefriedigenden Situation: Während unsere Region auf Bundesebene durch Abgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis vertreten wird, gibt es im Landtag keine unmittelbar aus unserer Region gewählten Abgeordneten mehr. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Interessen des südlichen Schwarzwald-Baar-Kreises in Stuttgart weniger sichtbar und weniger direkt vertreten sind.
Viele Menschen wünschen sich daher eine Wahlkreiseinteilung, die die kommunalen, historischen und regionalen Zusammenhänge des Schwarzwald-Baar-Kreises stärker berücksichtigt und die Vertretung der Region auf Landesebene verbessert.
Daher bitte ich Sie um die Beantwortung folgender Fragen:
Welche Möglichkeiten haben Bürgerinnen und Bürger, Kommunen oder Landkreise, auf die zukünftige Gestaltung der Landtagswahlkreise Einfluss zu nehmen?
Gibt es Verfahren, Beteiligungsformate oder politische Initiativen, über die eine Angleichung der Landtagswahlkreise an die bestehenden Bundestagswahlkreise angeregt oder geprüft werden kann?
Falls eine solche Änderung grundsätzlich möglich ist: Welche Stellen oder Entscheidungsträger sind hierfür zuständig?
Da dieses Anliegen die demokratische Vertretung einer ganzen Region betrifft, betrachte ich dieses Schreiben als offenen Brief. Ich werde eingehende Antworten dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Am 1. August 1815 wurde Franz Xaver Reich in Hüfingen geboren.
Noch ein großer Künstler, mit dem man dem merkwürdigen Slogan der Stadtverwaltung „Wir stehen auf Geschichte“ ein wenig Leben hätte einhauchen können. Die Stadt erklärt dazu, man wisse, wo man herkomme, stehe auf geschichtsträchtigem Boden und verbinde mit der „Hüfinger DNA“ Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Bei so viel historischem Selbstbewusstsein ist es bemerkenswert, wie wenig Interesse den Menschen gilt, die diese Stadt und ihre Geschichte tatsächlich geprägt haben.
Franz Xaver Reich gehört zu den bedeutenden Künstlern, die Hüfingen hervorgebracht hat. Sein Name und seine Arbeiten sind Teil der Geschichte dieser Stadt. Doch Geschichte bewahrt sich nicht von selbst. Man muss sie kennen, erzählen, zeigen und gelegentlich auch daran erinnern, dass es sie überhaupt gibt.
Denn Geschichte entsteht nicht dadurch, dass man einen Römerkopf zum Logo erklärt. Sie besteht aus Menschen, ihren Werken und den Spuren, die sie hinterlassen haben – vorausgesetzt, jemand interessiert sich noch für sie.
Während eine antike Besatzungsmacht heute Hüfingens Identität verkörpern darf, geraten die Menschen, die hier geboren wurden, lebten und wirkten, zunehmend aus dem Blick.
Deshalb hole ich Franz Xaver Reich zu seinem Geburtstag wieder nach vorne – nicht als Dekoration für einen Leitspruch, sondern als den Menschen und Künstler, der zu Hüfingen gehört.
Überarbeitete Version, 1. Version war am 1. Juni 2022
Die Eltern: Luzian Reich und Josefa Schelble Fotos von Johann Nepomuk Heinemann Anfang 1866
Franz Xaver Reich (1. August 1815 in Hüfingen – 8. Oktober 1881 in Hüfingen) war der ältere Bruder von Lucian und Elisabeth (Lisette).
Die Schelble waren ein Althüfinger Geschlecht. Der Urgroßvater, Franz Xaver (*28.08.1731) war Kunsthandwerker, und zugleich versah er, wie schon sein Vater, den Amtsdienerdienst. Franz Xaver Schelble fertigte die Altäre in Meßkirch, Gutmadingen, Hausach, Löffingen und die mit Hilfe seines Schwiegersohnes und Geschäftsnachfolgers Johann Gleichauf die Seitenaltäre der Hüfinger Pfarrkirche. Johann Gleichauf (4.2.1764-23.03.1816) war mit Anna Maria Schelble (27.03.1760-27.12.1816) verheiratet.
Der GroßvaterFranz Joseph Donat Schelble (*17.02.1762-13.02.1835) war Korrektionshausverwalter und beschäftigte sich mit Uhrenmachen und beaufsichtigte die Römischen Ausgrabungen im Mühleschle und am Fuße des Hölensteins, wofür er vom fürstlichen Protektor mit einer goldenen Repetieruhr beschenkt wurde.
Alter Eingang vom Römerbad
Luzian Reich gründete in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Mal- und Zeichenschule in Hüfingen. Dort unterrichtete er unter anderen auch seine Söhne Lucian und Xaver, die Brüder Nepomuk und Josef Heinemann und auch Rudolf Gleichauf.
So schreibt Lucian Reich im Denkbuch: „Glückliche Zeit so ein Vakanztag, in dem man in der Stube am Zeichentisch sitzt, während es draußen stürmt und den Schnee wirbelnd durch die Gassen jagt, oder regnet, „was abe mag!” Und so saßen auch wir, mein Bruder Fr. Xaver und ich, mit („Muckle”) Joh. Nep. Heinemann (gleich mir im teuren Jahr 17 geboren) manche Stunde zusammen.„
Xaver Reichs Geflügelhof
Aber praktisch, wie der Xaveri in allem war, wollte er bald auch mit seiner Kunstfertigkeit Geld verdienen. So z. B. hatte er einen ganzen Geflügelhof in Thon modelliert, der im Ofen des Hafners Härle gebaut und naturgetreu koloriert wurde.
Es war kurz vor dem Klausenmarkt, und die Herrlichkeit wurde einer vertrauten Käsehändlerin zum Verkauf übergeben. Aber so oft die kleinen Künstler am Tischlein der Frau vorbeistrichen, sahen sie die Schaar noch vollzählig.
Endlich – die meisten Krämer hatten bereits eingepackt – war sie vom Tischlein verschwunden und die Frau händigte den beiden – mit Abzug ihrer Prozente – das Geld hierfür ein. Um den kleinen Spekulanten die Unternehmungslust nicht zu benehmen, hatte die Mutter eine Base auf den Markt geschickt, den ganzen Kram einzukaufen was die Brüder natürlich erst viel später erfuhren.
Lucian Reich, Badische Fortbildungsschule. Nr. 7, 1900, S. 97 ff.
Lucian Reich im Denkbuch: „Mein Bruder hatte sich für die Plastik entschieden. Formensinn und außerordentlich geschickte Hand befähigten ihn hierzu. Jeden Herbst kam Onkel Schelble zu Besuch in die Vaterstadt, und was wir von ihm vom Städel’schen Kunstinstitute hörten, ließ uns Frankfurt in ganz verklärtem Lichte erscheinen. Gegen Ende der 20ger Jahre war Zwerger, der Zögling Danneckers, aus Italien zurückgekommen. In Hüfingen, bei seinem Schwager, Schloßverwalter Wehrle, vollendete er seinen „Hirtenknab” in Karrarischem Marmor. Von Schelble empfohlen, hatte er bald nachher eine Berufung an das Städel’sche Institut erhalten. Und nun erbot er sich, meinen Bruder als Schüler anzunehmen; und somit verließ dieser im Herbste 1832 mit Onkel und Tante die Vaterstadt, und im Jahr darauf fuhr auch ich mit ihnen der ersehnten freien Reichsstadt (Frankfurt) zu. Das Städel’sche Institut war gewissermaßen noch im Entstehen begriffen. Mein Bruder hatte seine Lehrzeit noch im alten Hause auf dem Roßmarkt begonnen, und der Umzug ins neue war kurz vor meiner Ankunft bewerkstelligt worden, so daß zehn oder zwölf Malerschüler, mit mir dem jüngsten, erstmaligen Besitz von den obern vier, in den Hof und Garten hinausgehenden, Ateliers nahmen. Es war eine gemischte Genossenschaft, die sich da zusammengefunden, ein Konglomerat verschiedenster Ausbildungsstufen und Richtungen, jeder mit einem andern Gegenstand beschäftigt.„
Xaver Reich gezeichnet von Nepomuk Heinemann 1838
Foto von Xaver Reich
Franz Xaver Reich Lithografie seines Schwagers Johann Nepomuk Heinemann, 1848, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 609.
Lucian Reich im Denkbuch: „Kamen wir Mittwoch abends aus dem Aktzeichnen, so nahmen wir den Weg an der Hauptwache vorbei zum Rauchschen Hause, in dessen Saal der Verein seine Proben abhielt. Xaver reihte sich dann jedesmal den Sängern an, während ich, oft der einzige Zuhörer, unter der Galerie Platz nahm. Während unsres drei-, resp. vierjährigen Aufenthaltes in der Mainstadt hatten wir, ohne bei befreundeten Familien eingeladen zu sein, selten einen Abend außer dem Hause zugebracht.„
Blick aus einem Fenster des Hotels „Russischer Hof“
auf der Zeil nach Westen zur Hauptwache (William Henry Fox Talbot, 1846) Kalotypie Notiz auf dem Abzug: „street at Frankfort, gloomy day, 32 minutes in camera“ Hinweis: Talbots Abzug ist höchstwahrscheinlich seitenverkehrt. Der 1891 abgerissene Russische Hof befand sich auf der Nordseite der Zeil, siehe dazu auch ein Foto von Mylius, die Katharinenkirche hingegen auf der Südseite. Die Zeil verläuft in ost-westlicher Richtung zur Hauptwache; es ist von der Zeil aus daher nicht möglich, die Katharinenkirche rechts (nördlich) vom Hauptwachengebäude sehen. Foto: Wikipedia
Xaver Reich ging 1836 nach München und arbeitete in der Bildhauerwerkstatt von Ludwig Schaller, der Ludwig Schwanthaler bei der Ausschmückung der 1836 eröffneten Pinakothek unterstützte. Zwerger, Schaller und Schwanthaler waren Vertreter des klassizistischen Stils.
Vermutlich Johann Nepomuk Zwerger (* 28. April 1796 in Donaueschingen; † 26. Juni 1868 in Cannstatt). Deutscher Bildhauer und Hochschullehrer. Hier 1829 gezeichnet von Luzian Reich senior.
Lucian Reich im Denkbuch: „Im Atelier Schallers hatte er (Xaver), obgleich im Steinarbeiten nicht geübt, resolut zu Hammer und Meißel gegriffen und nach Schallers Modell die Holbeinstatue für die Pinatothek in Stein ausgeführt. Im Lehrsaal Zwergers war er bis in die letztere Zeit der einzige Schüler gewesen, der sich ausschließlich der Plastik widmete. Zu den jüngern Fachgenossen, mit denen er jetzt verkehrte, zählte vor allen Hähnel (später Professor in Dresden). Entwürfe, die er mir von seiner Tätigkeit als Mitglied eines Komponiervereins zuschickte, ließen ein frisches, freudiges Schaffen erkennen. Jetzt, nach kurzem Verweilen in der Vaterstadt, hatte er das Glück, an Fürst Karl Egon zu Fürstenberg einen Mäcen zu finden. Der erste bedeutende Auftrag betraf die Donaugruppe für den fürstlichen Park, wozu er das Modell in München fertigen sollte.….
….Im Gesellschaftshause Frohsinn hatte er (Xaver) Atelier und Wohnung gemietet; und ein glücklicher Gedanke war es den Kunstheros Cornelius um einen Besuch zu bitten. Und er kam oft, der kleine große Mann mit dem Blicke des Adlers, und nicht nur mit Worten, auch mit genial hingeworfenen Bleistiftstrichen suchte er den jugendlichen Modelleur auf die Erfordernisse monumentaler Plastik ausmerksam zu machen. Wozu mir in Frankfurt die Anregung gefehlt, das tat ich jetzt wieder, indem ich ein Bild aus dem Leben malte. Hierauf begab auch ich mich ebenfalls nach München, wo ich im „Frohsinn, den auch Schaller und Bildhauer Eduard Wendelstädt, Sohn des Inspektors am Städelschen Institut, bezogen hatten, mich einquartierte. (Das bedeutendste Werk dieses talentbegabten, frühe verstorbenen Künstlers ist die Statue Karls des Großen auf der Mainbrücke zu Frankfurt.)“
Lucian Reich in den Wanderblühten: „Es war am 6. August des Jahres 1837, an einem Sonntag, als das Totenglöcklein der Stadtkirche üblicherweise den Einwohnern verkündete, dass ein Mensch aus ihrer Mitte geschieden sei. – Es war das Scheidezeichen für Johann Nepomuk Schelble. – Im Geleite der Seinigen hatte er denselben Tag einen Spaziergang auf ein entferntes Grundstück unternommen, als er zurückkehrend am Eingange seines Gartens von einem Blutsturz befallen wurde, der seinen Leben in den Armen seiner Gattin ein schmerzliches schnelles Ende machte.„
Lucian Reich im Denkbuch: Unser Schaffen und Streben war im besten Zuge, als uns, wie ein Blitz aus heiterem Himmel — denn er hatte sich ja in anscheinender Besserung befunden — die Nachricht vom Tode Schelbles traf.
Wegen in des Todes kehrten die Brüder nach Hüfinger zurück, wo Xaver 1837 für Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg die monumentale Sandsteingruppe „Donau mit den Zuflüssen Brigach und Breg“ schuf, die ihn öffentlich bekannt machte.
Wilhelm August Rehmann, Leibarzt und Hofrat von Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg veranlasste, dass Xaver Reich eine Skizze modellieren konnte, welche die Donau mit ihren Zuflüsse Brigach und Breg zeigte. Karl Egon II. war vom Ergebnis begeistert und beauftragte Reich damit das Modell 1837 im großen Maßstab herzustellen. Im Schloss Hüfingen erhielt er von seinem Mäzen dann ein Atelier geräumt, um die Gruppe in Sandstein auszuführen. Die Sandsteingruppe wurde auf der „großen Insel im Schwanenweiher“ (heute: Pfaueninsel) im Schlosspark von Donaueschingen aufgestellt.
Danubiagruppe auf der Pfaueninsel (Postkarte 1906)
Durch Heinrich Hübsch ihn erhielt Xaver Reich vom badischen Großherzog Leopold den Auftrag, die Gruppe für das Giebelfeld der Trinkhalle Baden-Baden auszuführen, die Hübsch von 1839 bis 1842 errichtete.
Trinkhalle in Baden-Baden
Heilung durch die Quellennymphe
Durch ein Stipendium von Karl Egon II. wurde es Xaver Reich möglich, sich für einen zweijährigen Italienaufenthalt nach Rom zu begeben (1842/43). Dort freundete er sich mit dem aus Karlsruhe stammenden Bildhauer Christian Lotsch (1790–1873) an, der seit 1822 in Rom ansässig war.
Ostersonntagabend in Rom
Am nämlichen Abend (des Ostersonntags) ist Beleuchtung der Kuppel des Petersdomes. Das ganze Gebäude scheint zu glühen, man glaubt in einer Zauberwelt zu sein. Um ein Uhr in der Nacht wechselt auf einen Augenblick die Beleuchtung auf andern Punkten werden Pechkränze angezündet. Bei jeder Lampe ist ein Mann. Wer dies nicht gesehen hat, für den ist der Eindruck nicht zu beschreiben. Nach aller Aussagen soll auf der ganzen Welt nichts brillianteres stattfinden, selbst in Paris nicht. Die Lokalität ist hierzu äußerst günstig.
Das Schauspiel dauert ungefähr eine halbe Stunde in steter Abwechslung. Kanonen, welche dazwischen feuern, machen sich besonders schön. Zu Ende speit die ganze Engelsburg Feuer – man glaubt sich seines Lebens kaum sicher.«
Franz Xaver Reich, FFA, Tagebuchaufzeichnungen nach Wohl-lebe, J. L., Künstlermappe.
Aus dem Stadtlexikon Karlsruhe
Ludwig Winter in Karlsruhe
Weitere Arbeiten von Reich in Karlsruhe sind das überlebensgroße realistische Standbild des badischen Staatsministers Georg Ludwig Winter (heute Beiertheimer Allee) sowie die Engelsfigur des Denkmals für die Opfer des Theaterbrandes (1847/48). Auch in Baden-Baden finden sich noch Werke von ihm, darunter die Statuen der Justitia (Schwert, Waage) und Lex (Gesetzesbuch, Schwörstab) am Hauptportal des 1842/43 nach Plänen von Friedrich Theodor Fischer erbauten Amtshauses (heute Ärztehaus).
Seine Wettbewerbsteilnahme für eine Kolossalskulptur „Handel und Schifffahrt“ auf dem Hauptportal des nach Plänen von Heinrich Hübsch realisierten Zollareals am Mannheimer Freihafen machte den Karlsruher Oberbaurat Ende der 1830er-Jahre auf Reich aufmerksam. In den folgenden zwei Jahrzehnten fertigte der Bildhauer für Hübschs wichtigste Bauwerke Bauplastiken an. Dazu gehören die Figurenreliefs am Hauptportal der neuen Gemäldegalerie (1837-1845; heute Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), die unter anderen Albrecht Dürer, Hans Holbein den Jüngeren und Peter Vischer zeigen, das Giebelrelief der Trinkhalle in Baden-Baden (1839-1842; Entwurf und Gipsmodell von Johann Christian Lotsch) mit der Heilung der Kranken durch eine Quellnymphe, das Giebelrelief sowie die 20 lebensgroßen Figurenreliefs und 100 Medaillonköpfe mit Gestalten aus Oper und Drama am neuen Großherzoglichen Hoftheater (1851-1853; im Zweiten Weltkrieg zerstört) sowie die beiden Figurenpaare oberhalb der Eingänge in das Orangeriegebäude des Botanischen Gartens (1853-1857), welche Allegorien der vier Jahreszeiten darstellen. Beim Abräumen der Trümmer des Hoftheaters 1963 konnten viele der Medaillons und Figurenreliefs geborgen werden. Sie fanden zur Bundesgartenschau 1967 in und bei der im Wintergarten des Botanischen Gartens eingerichteten Badischen Weinstube eine neue Verwendung. Fünf der Medaillons wurden dem Heimatmuseum in Bad Dürrheim überlassen.
Das von Leopold beauftragte und 1848 aufgestellte Denkmal für die 63 Todesopfer die beim Brand des Karlsruher Hoftheaters am 28. Februar 1847 ums Leben gekommen waren, war der vorerst letzte Auftrag Reichs in Karlsruhe; er kehrte nach Hüfingen heim.
Alter Friedhof Karlsruhe
Familienleben
Am 28. August 1843 heiratete Xaver Reich in Kirchenhausen Josefa Elsässer (* 20. April 1823-19.11.1900).
Josefa Reich, geb. Elsässer (1823-1900)
Kinder von Xaver und Josefa Reich:
1.Berthold Lucian Joseph Reich geboren am 01.06.1844 in Karlsruhe. Hat angeblich später den Ölberg am Aufgang zu St. Johann von Donaueschingen geschaffen. Anna Reich schreibt in ihrem Brief 1876: „So, so dein Amerikaner Vetter, war ein solcher Herzeroberer, nun ich bin froh, daß ich ihn nicht kennen lernte„. Dies spricht dafür, dass es uneheliche Nachfahren gibt, von denen die Cousinen wussten. Ob Berthold in Amerika war, ist nicht bekannt. Anscheinend ist er aber erst 1925 gestorben, wie Vetter schreibt.
In der Chronik vom Vetter steht: „Der Sohn Bertold, im Juni 1854 in Karlsruhe geboren und am 24. Oktober 1925 gestorben, trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls Bildhauer.„
Im Hüfinger Sippenbuch gibt es gleich gar keinen Berthold. Aber dass Berthold 1844 in Karlsruhe geboren wurde, macht mehr Sinn, da 1854 die Reichs in Hüfingen wohnten.
2. Erwina Amalia Josepha, geboren 05.08.1845 in Karlsruhe -?
3. Maria Josefa Amalia, geboren am 21.01.1848 in Hüfingen. Am 8.3.1866 heirat mit Karl Eschborn *9.7.1834, FF Forstverwalter. Lucian Reich 1866 in einem Brief an die Eltern:„Zum hl. Josephsfest meine herzlichsten Glückwünsche dir, liebe Mutter, so wie auch unsere Josepha’s im Garten und neugegründetem Eschborn’schen Hause.“ 1 überlebendes Kind von dreien: Maria Josefa ( *1.6.1867-?)
4. Amalia Maria Anastasia geboren am 23.09.1850 in Hüfingen, gestorben am 22.10.1939 in Hüfingen
5. Klara Mathilde, geboren am 27.11.1852 in Hüfingen, verheiratet am 27.9.1877 mit Sigmund Gayer geboren in Unterliezheim am 23.03.1847, Forstverwalter Geisingen. Enkel Oberforstrat Erwin Gayer ?
6. Karl Guido geboren am 14.11.1858 in Hüfingen. Anna Reich schreibt ihrem Brief 1876: „Soso du sprachst mit meinem Herr Vetter Bodenhopser, Schubladenzieher, wenn du zu ihm kommst wieder, dann bitte ich dich um alles in der Welt, sage zu ihm er sei ein Erdslügner ein fauler Fisch, ein ein ein Spinnenbobelenhirn u. noch vieles Andere hast gehört dieses sagst zum hast’s gehört, er wird dann schon wissen warum u. was drum und dran hängt.“
Carl Guido heiratet eine Josephine (Sophia) Kirchler geboren am 15.12.1864 und beide wandern spätesten 1886 in die USA aus. Sophia Reich stirbt in New Jersey am 24.10.1926.
Census von 1900 New Jersey
Kinder:
Hermann, *13.05.1887 New Jersey – 1953 verheiratet mit Myrtis M Gifford (1893-1981) Kind: Robert Hermann Rich (1930-1992). Kinder von Robert: Pamela Bennetsen, Brian Rich, Robert Rich.
Christian, 11.02.1989 New Jersey
George, 10.03.1890 New Jersey
William Alexander Reich, *9.04.1891 in New Jersey- 25.06.1941 Kinder: Margret Reich, William Reich, Ernest Reich, Ruth Clara (Reich) Prince 4.08.1918 in New York, NY-8.12.2002)
Ernest George Reich, 6.06.1895 in Jersey City, 34.02.1967 in Leon County, Florida, 2 Kinder
Philip Reich, 2.09.1897 in Jersey
Michael Reich, ?
7. Amalia geboren am 25.12.1860-31.8.1955. Wird in den Briefen als „Christkindlein“ erwähnt: „Eine dritte Gratulation bitte ich in Xavers Familie gelangen zu lassen, wegen der glücklichen Ankunft des Christkindleins.„
Fronleichnam
1842/43 war Xaver Reich in Pisa, Florenz und in Verona und begeisterte sich für die Tradition der Blumenteppiche.
Nach italienischem Vorbild fertigte er in Hüfingen vor seinem Elternhaus den ersten Blumenteppich und legte so den Grundstein einer langen Tradition.
In Hüfingen erweiterte er die Ziegelei, die er von seinem Vater übernommen hatte, um die Produktion von Terrakotten.
Tages-Neuigkeiten 1853
Donaueschingen, 15. Febr. Seit mehreren Wochen sah man die hiesigen Freunde der Kunst in das nahe Städtchen Hüfingen wandern, um im fürstlichen Schlosse in dem Atelier des Bildhauers X. Reich das nun bis zum Brennen des Thones vollendete Giebelfeld zu sehen, welches bestimmt ist, den Vorbau des neuen Theaters in Karlsruhe zu schmücken. Wir glauben dasselbe sowohl in der Erfindung, als in der Ausführung ein vollkommen gelungenes nennen zu dürfen. Die durch die bekannte Giebelform für die Komposition so sehr erschwerte Aufgabe wurde auf eine Weise gelöst, als wäre dem Genius des Künstlers die freie Bezwingung seiner Schwingen zu Gebote gestanden.
In der Mitte steht eine hohe weibliche Figur – die Poesie – und theilt nach beiden Seiten des Giebelfeldes den Kranz des Ruhmes aus; an ihre linke Seite lehnt sich der Liebesgott, ein kräftig gesunder Knabe mit Bogen und Pfeil. Die beiden Gruppen zur Linken und Rechten enthalten die Koryphäen der Dichtkunst und der Musik. Zur Linken ist die erste Figur Schiller, der seinem Nachbar und Freunde Goethe ein so eben geschriebenes Gedicht zur freundschaftlichen Prüfung überreicht. Die dritte, in der Ecke des Giebelfeldes ausgestreckte, mit dem Arme auf seinen Werken ruhende Gestalt ist Lessing; er ist in das Lesen eines Buches vertieft, um seine Verdienste nicht nur als schaffender, sondern auch als kritisch prüfender Geist anzuzeigen. Auf der rechten Seite des Feldes erblickt man zuerst den heiteren, liebenswürdigen Mozart mit der Violine in der Hand. Hinter ihm und von ihm abgewendet sitzt Beethoven ernst und düster mit Aufschreiben einer Komposition beschäftigt. In der Ecke der rechten Seite, der Gestalt Lessing’s auf der linken entsprechend, ruht Gluck mit seinem edlen, ritterlichen Kopfe rückwärts gegen Beethoven gewendet; eine griechische Leyer in seiner Hand mag den antiken Geschmack seiner Muse bedeuten.
Sämtliche Figuren sind edle, würdige Gestalten und den besten Vorbildern entsprechende, gelungene Porträts. Die ganze Gruppe ist lebendig und reich; die zwischen rechts und links herrschende Symmetrie, bedingt durch die architektonische Form, hat durchaus nichts Steifes oder Störendes. Wir halten dieses Werk des rühmlich bekannten Künstlers zwar für sein schwierigstes, aber auch für sein gelungenstes, und sind überzeugt, daß wir durch dieses Urtheil die Erwartungen Derjenigen, welche die andern Werke des bescheidenen Meisters, seinen Engel auf dem Friedhofe und die Marmorfiguren an der Akademie ec. zu Karlsruhe, kennen, nicht zu hoch spannen, wenn auch das Material dieser lezteren Skulpturen in dem Auge des Laien ein günstiges Vorurtheil erzeugt.
Möge nun dem Künstler bei dem Brennen dieser seiner größten Arbeit das Glück so günstig sein, als es seine Zuversicht erwartet. Die geringste Ungleichheit im Trocknen würde bei diesen Dimensionen ein Springen der Masse veranlassen und so das Produkt von langen Monaten und unermüdlichem Fleiß vernichten.
Donaueschinger Wochenblatt, Nr. 15 vom 22. Februar 1853
Orangerie KA
Franz Xaver Reichs Terrakotten überstanden großenteils die Bombennacht vom 27. September 1944, der auch das Hoftheater zum Opfer fiel. Der Landtag bewilligte seinerzeit eine hohe Summe zu ihrer Bergung. Bürgermeister Max Gilly gelang es im Jahre 1967, einige der geretteten Medaillons für Hüfingen zu erhalten.
Zu diesen Karlsruher Arbeiten kamen Aufträge zur Ausgestaltung der Orangerie, für die er die vier Jahreszeiten schuf, und der Gewächshäuser. Xaver Reichs bekanntestes Medaillon aber wurde dasjenige des alemannischen Dichterfürsten Johann Peter Hebel auf dessen Grabstein in Schwetzingen.
Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg, W 134 Nr. 061263d
Hebeldenkmal von Lucian Reich
Foto: 3268zauber, Wikipedia 2009
In der Zwischenzeit führte der unermüdlich tätige Künstler, dem ein Atelier im Schloß zur Verfügung stand, ehrenvolle Aufträge des Fürstenhauses in Donaueschingen aus. So entstand der Jagdhumor zeigende Fries an der fürstlichen Gewehrkammer in Donaueschingen. Die Medaillons am gegenüberliegenden Karlsbau, die etwas trocken und kühl wirken, zeigen neben den Häuptern von Dürer, Peter Fischer, Thorwaldsen und Cornelius hauptsächlich Vertreter der Naturwissenschaften. Tiefer empfunden und persönlicher gestaltet sind die mythologische »Flora« am Giebel des Gewächshauses.
Der Engel auf der Elisabetheninsel, den Fürst Carl Egon II in Erinnerung an seine früh verstorbene Gemahlin Elisabeth aufstellen ließ, wurde nach einem Entwurf von Xaver Reich gegossen. Zu seinen Donaueschinger Arbeiten zählt auch das Turnierrelief an der Reithalle.
Die Inschrift auf der Vorderseite des Sockels lautet: „Der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost. Sp. Salomon 14, 23“ auf der Rückseite: „Karl Egon Fürst zu Fürstenberg seiner unvergeßlichen Frau Elisabeth, Prinzessin Reuß ä. L. zu Greiz. geb. 23. März 1824, gest. 7. Mai 1861“ . Das Denkmal wurde nach einen Entwurf von Xaver Reich gegossen.
In der Terrakottenbrennerei schuf er den plastischen Schmuck für das Hoftheater Karlsruhe und den Fries für die fürstliche Gewehrkammer in Donaueschingen sowie die Medaillons am Sammlungsgebäude gegenüber. Im Auftrag des Erzbischöflichen Baumeisters Lukas Engesser fertigte er zusätzliche Werke für badische Kirchen.
Als nach dem Brand des Klosters Maria Hof bei Neudingen Fürst Karl Egon II. in den Jahren 1835-56 die Gruftkirche erbauen ließ, wurde Franz Xaver Reich mit der Ausschmückung beauftragt. Er modellierte die vier Engel aus Zinkguß auf den vier Nebentürmchen, die die Kuppel flankieren. Von ihm stammen ebenso die Madonna und die beiden Heiligenfiguren über der Portalwand wie die beiden Klosterfrauen über dem Portal. Ganz Raphael nachempfunden, dessen Werke Reich während seines Romaufenthaltes besonders stark beeindruckt hatten, ist das Verkündigungsrelief des Hauptaltars. Im Jahre 1870 entstanden die beiden Seitenaltäre, die wiederum eine Madonna und die acht Seligkeiten darstellen.
In Hüfingen sind die Skulpturen des Karl Borromäus im Hof des Landesheimes und eine Madonna über dem Portal der Pfarrkirche aus Sandstein Zeugen des unermüdlichen Schaffens des Hüfinger Künstlers. Eine weitere Madonna schuf Franz Xaver Reich für das Portal des Konstanzer Münsters, und auf der Rheinbrücke standen die Statuen der Bischöfe Konrad (934-974) und Gebhard II. (979-995), die seit den dreißiger Jahren den Rheinsteig schmücken.
Landesheim 1950
Gebhard II.
In den Nischen auf der badischen Seite der zwischen 1858 und 1861 erbauten Rheinbrücke von Kehl standen die Figuren des » Vater Rhein« und der »Mutter Kinzig« von Hans Baur und Franz Xaver Reich. Als der östliche Teil der Brücke nach der Kriegserklärung vom 22. Juni 1870 von badischen Pionieren gesprengt wurde, stürzten auch die Statuen in den Rhein. Die Statue Reichs wurde später wieder gefunden und in Verbindung mit einem Brunnen als Kriegerdenkmal vor dem Rathaus von Kehl aufgestellt. Das Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Kriegsende nicht wieder aufgebaut. Die Kinzigstatue steht seit der Behebung geringer Schäden aber noch heute auf ihrem Platz.
Mutter Kinzig am Kriegerdenkmal 1870/71 in Kehl am Rhein. Foto: Wikipedia 2010
Für den Erzguß der Porträtsbüste des Großherzogs Leopold erstellte Franz Xaver Reich im Auftrag der Stadt Baden-Baden das Modell. Gleichermaßen stammen von ihm die Modelle für die ehernen Standbilder des Abtes Martin Gerbert von St. Blasien in Bonndorf, die Bildnisse des Landgrafen Joachim und des Fürsten Karl Egon II. im Ornate eines Ritters vom Goldenen Vlies für den Monumentalbrunnen in Heiligenberg. Für die Heiligenberger Schloßkapelle modellierte er zusammen mit dem Bildhauer Sauer aus München den Kreuzweg, der, von der Millerschen Erzgießerei in München gegossen, in der Nagelfluwand am Weg zur Klause Egg eingelassen ist.
Madonna an Verena und Gallus von Xaver Reich
St. Peter und Paul in Bonndorf
Die Figurengruppe über dem Haupteingang vom Konstanzer Münster
Denkmal Abt Martin Gerbert von Xaver Reich aus dem Jahr 1856 im Bonndorfer Martinsgarten
Fürstenbrunnen in Heiligenberg von Xaver Reich
Leopold I. Grossherzog von Baden von Xaver Reich
Bischof Konrad (934-974) am Rheinsteig
Gebhard II. (979-995) in Konstanz
Lucian Reich 1860 in einem Brief an die Eltern: „Sollten in Betreff der Leopoldfigur Steine in den Weg zu werfen versucht werden, so würde ich mich entschieden auf das gegeben gutheißend Wort des Großherzogs und seines Bruders des Prinzen Wilhelm berufen, und dem Großherzog zu bedenken geben, daß mit Zurücknahme dieses gegebenen Wortes ?? dein Ruf als Künstler gefährdet werde. Die Figur ist entschieden gut und wird später, wenn sich die Staubwolken verzogen haben, ihre Anerkennung finden. Indem ich bitte der lieben Josephine im Garten zu gratulieren ebenso bei Nober auch bei Heinemanns meine Grüße auszurichten.„
Das Landhaus an der Bräunlinger Straße in dem Johann Nepomuk Schelble und dann Xaver Reich mit Familie gewohnt hat. „Josephines Garten“ war vermutlich vor dem Haus, wo heute noch die alten Bäume der Freunde der Natur stehen.
Zu den bedeutendsten Werken des Bildhauers zählt der Marmorengel am »Echo« in Baden-Baden, der vom Fürsten Karl Egon III. in Auftrag gegeben wurde.
Für das Denkmal seines Schwagers, des langjährigen verdienstvollen Donaueschinger Landtagsabgeordneten Kirsner, am Bahnhof, modellierte er dessen Büste, und für diejenigen des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen wurde ihm die Goldene Medaille des Hofes zuerkannt. Für den Donaueschinger Friedhof hatte Franz Xaver Reich schon im Jahr 1843 einen eindrucksvollen Corpus für das zentrale Kreuz gemeißelt.
Als die Donauquelle im Schloßhof 1875 von Adolf Weinbrenner neu gefaßt und umgruppiert wurde, gestaltete Xaver Reich die Gruppe: „Die junge Donau als Kind im Schoß der Mutter Baar“. 1895 schuf der Künstler Adolf Heer eine neue Marmorgruppe die über die Einfassung der Donauquelle kam – die „Mutter Baar“ darstellend, wie sie ihrer „Tochter“, der jungen Donau, den Weg weist.
Mutter Baar am alten Zusammenfluss
1939 schenkte Fürst Max Egon die Figurengruppe mit der jungen Donau „als Kind im Schoß der Mutter Baar“ von Xaver Reich der Stadt Donaueschingen. Reichs Gruppe fand in den 1970er Jahren in der Nähe des Zusammenflusses von Brigach und Breg eine vorläufige Bleibe. Im Jahr 2021 wurde sie für die Umgestaltung des Zusammenflusses entfernt und im Jahr 2025 am neu gestalteten Zusammenfluss feierlich wieder eingeweiht.
Zum 150. Jubiläum der Figurengruppe – Die jungen Donau als Kind im Schoß der Mutter Baar von Xaver Reich
Zur Wiederaufstellung am neuen Donauzusammenfluss hielt der Leiter des FF-Archives, Dr. Jörg Martin, heute am 14. September 2025 eine Vortrag über die Mutter Baar und Xaver Reich.
Dr. Jörg Martin zur jungen Donau als Kind im Schoß der Mutter am 14. September 2025
Vielen Dank an Dr. Martin der heute so nebenbei auch die lange ungeklärte Frage, wo die Donauquelle nun sei, ein für allemal beantwortet hat.
Die Donauquelle gluckst vor Freude, weil sie jetzt weiß wo es beginnt, ein langer Weg, ein langes Leiden, das jetzt nicht nur im Sand verrinnt. Der Ruf tönt nun wie Donnerhall, auch in den fernen Ländern. Furtwanger beruhigt euch nun, jetzt könnt ihr nichts mehr ändern.
Aus dem Denkbuch von Lucian Reich: „Zu den bedeutendsten Aufträgen, die mein Bruder von Fürst Karl Egon III. erhalten hat, gehörte die Aufgabe, bei der Neueinfassung der Donauquelle im Schloßhofe auch diese mit einer Figur oder Gruppe zu charakterisieren. Statt wieder eine Nymphe, sagte mir Xaver, wolle er die junge Donau als Kind im Schooße der Baar in Vorschlag bringen. Dem Fürsten gefiel dieser die Heimat des Stromes so klar bezeichnende Gedanke; und der Beauftragte modellierte das Modell zu der Gruppe dann in München im Verkehr mit den Freunden Schwind und Schaller und auch mit Professor Widenmann.“
Die junge Donau als Kind im Schoße der Mutter Baar. Hier bei der Zwischenlagerung 2024 in der Verbandskläranlage.
Aus dem Denkbuch von Lucian Reich: „Zu den bedeutendsten Aufträgen, die mein Bruder von Fürst Karl Egon III. erhalten hat, gehörte die Aufgabe, bei der Neueinfassung der Donauquelle im Schloßhofe auch diese mit einer Figur oder Gruppe zu charakterisieren. Statt wieder eine Nymphe, sagte mir Xaver, wolle er die junge Donau als Kind im Schooße der Baar in Vorschlag bringen. Dem Fürsten gefiel dieser die Heimat des Stromes so klar bezeichnende Gedanke; und der Beauftragte modellierte das Modell zu der Gruppe dann in München im Verkehr mit den Freunden Schwind und Schaller und auch mit Professor Widenmann.„
Sein letztes erhaltenes Werk waren die Statuette zu einer Schlittschuhläuferin in moderner Tracht sowie eine Skizze zu einer Grablegung Christi. Er starb am 8. Oktober 1881 in Hüfingen.
Xaver Reich, Bildhauer 1. August 1815 – 8. Oktober 1881 Josepha Reich, geb. Elsässer 23. Aprlil 1823 – 19. November 1900
Quellen: Wikipedia, Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984, Sippenbuch der Stadt Hüfingen, Briefe von Lucian Reich, Briefe von Anna Reich, Denkbuch von Lucian Reich, Fotos von Wikimedia und privat.
Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik 18:15 Uhr
28/2026 Errichtung Sichtschutzzaun in Behla
Geplant ist die Errichtung einer Sichtschutzanlage entlang der bestehenden Terrasse. Entgegen den Festsetzungen des Bebauungsplanes ist eine Befreiung für die Überschreitung der max. Länge von Sichtschutzzäunen (8m anstatt max. 4m) beantragt. Laut Ansicht der Verwaltung kann dem Vorhaben mit der erforderlichen Befreiung vorbehaltlich der Zustimmung des Ortschaftsrates zugestimmt werden.
Beschlussvorschlag:
Dem Bauvorhaben sowie der erforderlichen Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans „Grundäcker“ hinsichtlich der Überschreitung der max. Länge von Sichtschutzzäunen wird zugestimmt.
Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.
29/2026 Carportanbau an bestehenden Werkstatt in Sumpfohren
Das Vorhaben liegt innerhalb der Inneren Abgrenzung von Sumpfohren in einem gemischt genutzten Gebiet. Vorbehaltlich der Zustimmung des Ortschaftsrates, kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.
Beschlussvorschlag: Dem Vorhaben wird zugestimmt.
Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.
30/2026 Einbau einer Gaupe in Fürstenberg
Zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum ist im Dachgeschoss der Einbau einer Gaupe mit einer Breite von 5,00m vorgesehen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Ortschaftsrates, kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.
Beschlussvorschlag: Dem Vorhaben wird zugestimmt.
Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.
31/2026 Denkmalschutzrechtliche Genehmigung – Errichtung einer PV-Anlage in Hüfingen
Die geplante Maßnahme dient der Nutzung erneuerbarer Energien in Kombination mit einer neuen Wärmepumpe. Ziel der Maßnahme ist die nachhaltige Eigenstromerzeugung unter größtmöglicher Berücksichtigung des denkmalpflegerischen Erscheinungsbildes des Gebäudes sowie die harmonische Integration in die Umgebung der Altstadt. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein nach § 2 DSchG geschütztes Kulturdenkmal als „zweigeschossiger Trauseitbau“. Ebenfalls liegt das Gebäude innerhalb des denkmalgeschützten Altstadt-Ensembles von Hüfingen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.
Beschlussvorschlag: Dem Vorhaben wird vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes zugestimmt.
Der Gemeinderat hat mit einer Gegenstimme zugestimmt.
32/2026 denkmalschutzrechtliche Genehmigung – Einbau RWA -Dachfenster im Rathaus
Die Stadtverwaltung beantragt den Einbau eines RWA-Dachfensters im Rathaus. Das RWA-Dachfenster (Rauch- und Wärmeabzugsanlage) in den Abmessungen von 1,14m auf 1,18m wird im Bereich des hinteren Treppenhauses vorgesehen. Der Einbau des Rauch- und Wärmeabzugsfenster ist eine Forderung des Landratsamtes aus der Brandverhütungsschau nach dem Einbau der Bücherei ins Erdgeschoss. Das Dachfenster ist von der Straßenseite her kaum sichtbar. Das Rathaus liegt innerhalb des denkmalgeschützten Altstadt-Ensembles von Hüfingen. Daher ist eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung erforderlich. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes kann laut Ansicht der Verwaltung dem Antrag zugestimmt werden.
Beschlussvorschlag: Dem Vorhaben wird vorbehaltlich der Zustimmung des Landesdenkmalamtes zugestimmt.
Der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt.
SPD beantragt Sonnensegel auf dem Spielplatz Hohen II.
Sitzung des Gemeinderates 18:30 Uhr
Öffentliche Sitzung des Gemeinderates
Änderung der Tagesordnung
Zu Beginn der Sitzung stellte Bürgermeister Patrick Haas einen interfraktionellen Antrag auf Absetzung von TOP 11 „Vergabe des Straßennamens für das Baugebiet ‚Im Stegle‘ in Hausen vor Wald“. Bevor über eine solche Ehrung durch die Benennung einer Straße entschieden werde, solle zunächst eine allgemeine Richtlinie für derartige Würdigungen erarbeitet werden.
Ingeborg Reitze (OV Hausen vor Wald) erinnerte daran, dass der Ortschaftsrat bereits am 27. Mai 2024 für die Benennung nach Rudolf Teichner gestimmt habe. Dieser habe in Hausen vor Wald große Spuren hinterlassen: Über 50 Jahre leitete er den Männergesangverein und engagierte sich sechs Jahrzehnte in der Blasmusik. Für sein langjähriges Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Diamantene Ehrennadel und das Bundesverdienstkreuz.
Markus Leichenauer (CDU) wollte zu diesem Zeitpunkt keine inhaltliche Debatte über die Straßenbenennung führen. Zunächst gehe es ausschließlich um die Frage, ob der Tagesordnungspunkt abgesetzt werde.
Mete Ünal (SPD) hatte sich im Vorfeld über Rudolf Teichner informiert und hielt die geplante Straßenbenennung für eine angemessene Würdigung. Dabei verwies er auch auf das Hüfinger Motto „Wir stehen auf Geschichte“.
Philip Wills (LBU) sah eine allgemeine Richtlinie kritisch, da sie zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursache.
Abstimmung: Mit 13 Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde TOP 11 von der Tagesordnung abgesetzt.
TOP 2 Bürgerfragestunde
Etwa 20 Bürgerinnen und Bürger sind da. Keiner stellt eine Frage.
TOP 3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen
Es gibt keine Bekanntgabe.
TOP 4 Schaffung einer Stelle für die kommunale Kinder- und Jugendarbeit sowie das Projekt „ZukunftsWerte“
Die Stadt Hüfingen verfolgt das Ziel, die offene Kinder- und Jugendarbeit nachhaltig weiterzuentwickeln und gleichzeitig Raum für innovative sozialräumliche Projekte zur Förderung junger Menschen zu schaffen bzw. zu etablieren. Durch die Bündelung dieser beiden Ziele können nach Einschätzung der Verwaltung Synergien geschaffen, bestehende Angebote gestärkt und neue Zielgruppen erreicht werden.
1. Projekt „ZukunftsWerte“ in Kooperation mit Jackson Agbonkhese
Im Gespräch zwischen Bürgermeister Patrick Haas, Susanne Bucher und Jackson Agbonkhese wurde eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit skizziert. Ziel des Projekts ist die Förderung von Wertekompetenz, Resilienz, sozialem Lernen und gesellschaftlicher Teilhabe von Kindern und Jugendlichen im Sozialraum Hüfingen.
Aufgabenbereiche: Jackson Agbonkhese übernimmt die fachliche Leitung des Programms „ZukunftsWerte“ mit folgenden Schwerpunkten: Konzeption, Steuerung und Umsetzung des Programms:
Entwicklung innovativer Bildungs- und Begegnungsformate
Durchführung von Gruppenangeboten und Workshops
Qualitätsentwicklung und Evaluation
Netzwerkarbeit und Kooperation mit lokalen Partnern
Weiterentwicklung des Projekts im Sozialraum
Zum Start der Kooperation werden zwei zentrale Projektpartner eingebunden:
Lucian-Reich-Schule Hüfingen:
Wertebildung
Resilienzförderung
Gruppenangebote
Soziales Lernen
Senioren:
Aufbau einer Generationenbrücke
Begegnungen zwischen jungen Menschen und Seniorinnen und Senioren
Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts
Die Kooperation erfolgt mit einem Umfang von 10 Wochenstunden sowie zusätzlich der entsprechenden Vorbereitungszeit. Jackson Agbonkhese ist bereits als Bildungspartner an Schulen (St. Georgen, Donaueschingen) etabliert. Die Rektorin der Lucian Reich Schule, Frau Schell, kennt die Arbeit von Jackson Agbonkhese, war sehr angetan von den daraus entstehenden Möglichkeiten und würde sich die Kooperation sehr wünschen.
Für einzelne Maßnahmen bestehen zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten über: „Lernen mit Rückenwind“ oder über das „Startchancen-Programm“. Dadurch können zusätzliche Mittel eingeworben und kommunale Aufwendungen reduziert werden.
Jackson Agbonkhese wird dem Gremium sein Projekt persönlich vorstellen.
2. Konzeptionelle Ausrichtung der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit
Der zweite Stellenanteil dient der Weiterentwicklung und Sicherstellung einer bedarfsgerechten, lebensweltorientierten (offenen) Kinder- und Jugendarbeit in Hüfingen, wie in der Vergangenheit in Kooperation mit Mariahof etabliert. Ziel ist es, jungen Menschen verlässliche Begegnungsräume, Beteiligungsmöglichkeiten und attraktive Freizeitangebote zu bieten sowie ihre persönliche und soziale Entwicklung zu fördern.
Offene Jugendarbeit und Jugendhausarbeit
Die offene Jugendarbeit bildet das Fundament der kommunalen Jugendförderung.
Schwerpunkte:
Offener Treff als niedrigschwelliges Angebot
Aufbau tragfähiger Beziehungen zu Jugendlichen
Unterstützung in Krisenlagen / Zusammenarbeit mit Jugendamt
Förderung sozialer Kompetenzen
Unterstützung bei persönlichen Fragestellungen
Freizeit-, Kreativ- und Bildungsangebote
Präventionsangebote (Medien, Gewalt, Sucht)
Integration und Teilhabe
Kooperation mit Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen
Das Jugendhaus fungiert als zentraler Begegnungsort für Jugendliche und bietet Raum für Eigeninitiative und Mitgestaltung.
Kinder- und Jugendbeteiligung
Die Beteiligung junger Menschen an kommunalen Prozessen stellt einen wichtigen Baustein demokratischer Bildung dar.
Aufgaben
Entwicklung geeigneter Beteiligungsformate
Durchführung von Jugendforen und Workshops
Beteiligung bei kommunalen Planungsprozessen
Unterstützung eigener Projekte junger Menschen
Förderung demokratischer Kompetenzen
Ziel ist der Aufbau einer nachhaltigen Beteiligungskultur in der Stadt Hüfingen. Mit der Schaffung einer 50% Stelle werden die kommunale Kinder- und Jugendarbeit sowie die sozialräumliche Präventions- und Bildungsarbeit nachhaltig gestärkt. Die Verbindung von klassischer Jugendarbeit und dem innovativen Projekt „ZukunftsWerte“ schafft einen Mehrwert für Kinder, Jugendliche, Familien und das Gemeinwesen der Stadt Hüfingen und unterstützt die Ziele der Sozialraumorientierung nachhaltig. Zwischen beiden Bausteinen soll ein enger Austausch stattfinden, um Synergieeffekte zu erzielen.
Im Vergleich zur früheren Kooperation mit Mariahof entstehen keine zusätzlichen Kosten. Durch den Verzicht auf eine Vollzeitstelle sowie die Aufteilung der anfallenden Kosten auf zwei Projektbausteine bleibt der finanzielle Aufwand unverändert. Die Verantwortung für die Gesamtsteuerung der beiden Bausteine liegt beim Sachgebiet Sozialraumplanung.
Meine Meinung:
Dieser Tagesordnungspunkt freut mich ganz besonders. Eine gute offene Kinder- und Jugendarbeit ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Gerade niedrigschwellige Angebote, verlässliche Ansprechpersonen und echte Beteiligungsmöglichkeiten sind wichtig, damit junge Menschen ihren Platz in der Gemeinschaft finden und mitgestalten können.
Auch das Projekt „ZukunftsWerte“ klingt vielversprechend. Wertebildung, Resilienz, soziales Lernen und der Aufbau einer Generationenbrücke zwischen Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren sind Themen, die in unserer Gesellschaft immer wichtiger werden. Wenn es gelingt, Schule, offene Jugendarbeit und den Sozialraum sinnvoll miteinander zu verbinden, kann daraus ein echter Mehrwert für Hüfingen entstehen.
Besonders erfreulich ist, dass nach Angaben der Verwaltung gegenüber der bisherigen Lösung keine zusätzlichen Kosten entstehen sollen und gleichzeitig Fördermöglichkeiten genutzt werden können. Ich bin gespannt auf die Vorstellung des Projekts und wünsche diesem Vorhaben viel Erfolg.
Bürgermeister Patrick Haas stellte das Vorhaben vor. Er und Susanne Bucher (Sozialraumplanung) seien von dem Konzept überzeugt. Mit der Neuaufstellung der Kinder- und Jugendarbeit wolle man einen Neustart wagen.
Jackson Agbonkhese stellte anschließend das Projekt „ZukunftsWerte“ vor. Im Mittelpunkt stehe die Frage, welche Kompetenzen Kinder für ihre Zukunft benötigen. Er wolle dabei ausdrücklich alle Kinder in Hüfingen erreichen – nicht nur diejenigen, die bereits in Vereinen aktiv sind oder bei denen Probleme bestehen. Eine zentrale Botschaft seiner Arbeit sei: „Schön, dass es dich gibt.“
Das Projekt sei kein Fußballprojekt, betonte Agbonkhese. Bewegung und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit spielten zwar eine wichtige Rolle, darüber hinaus gehe es jedoch um Werte, soziale Kompetenzen, Prävention und gesellschaftliche Teilhabe. Als vier Bereiche nannte er Bildung und Chancengleichheit, Jugendförderung und Prävention, Integration und Zusammenhalt sowie Standortattraktivität. Ähnliche Angebote habe er bereits in St. Georgen und Donaueschingen durchgeführt und dabei mehr als 200 Kinder erreicht.
In Hüfingen soll Agbonkhese 10,5 Stunden pro Woche tätig sein. Ein wichtiger Zugang sei die Schule, weil dort tatsächlich alle Kinder erreicht werden können. Gleichzeitig seien offene Angebote, die Zusammenarbeit mit Vereinen, Ferienprogramme und Angebote in den Ortsteilen vorgesehen. Die Strukturen seien bereits so weit vorbereitet, dass das Projekt im September starten könne. Sein Anspruch sei, Hüfingen nicht zum Nachahmer zu machen, sondern hier ein eigenes Modell zu entwickeln.
Sarina Bäurer (CDU) dankte für die Vorstellung und begrüßte das Konzept im Namen der CDU-Fraktion. Kinder bräuchten verlässliche Ansprechpartner. Besonders positiv bewertete sie die Verbindung klassischer Jugendarbeit mit Wertebildung und der Zusammenarbeit mit der Schule. Wichtig seien der CDU messbare Ergebnisse und Transparenz über die weitere Entwicklung.
Kerstin Skodell (SPD) bedankte sich ebenfalls und erkundigte sich nach dem Beschäftigungsstatus von Agbonkhese. Dieser erklärte, derzeit noch in der Pharmaindustrie angestellt zu sein und den Schritt in die Selbstständigkeit anzustreben. Für die SPD stehe insbesondere die offene Jugendarbeit im Fokus. Die Fraktion hoffe auf eine schnelle und erfolgreiche Umsetzung, wolle einzelne Fragen jedoch noch nichtöffentlich besprechen.
Michael Steinemann (Bürgerforum) begrüßte ausdrücklich die Abgrenzung zur Soccer-Akademie. Das bisherige Jugendreferat laufe aus seiner Sicht nicht zufriedenstellend. Seine Fraktion tendiere deshalb eher zu einer 100-Prozent-Stelle für die offene Jugendarbeit. Bei einer starken Verlagerung an die Lucian-Reich-Schule gab er außerdem zu bedenken, dass dort auch auswärtige Schülerinnen und Schüler erreicht würden.
Peter Albert (LBU) verwies auf Übergewicht und Bewegungsmangel in der Bevölkerung und begrüßte insofern den Bewegungsaspekt. Er fragte zugleich, welche Rolle die Hüfinger Kultur innerhalb der vermittelten Zukunftskompetenzen spielen solle, und empfand die bisherige Planung als zu kurzfristig. Bürgermeister Patrick Haas stellte klar, dass „ZukunftsWerte“ weit über Sport hinausgehe und gerade die Vermittlung von Werten umfasse.
Auf Nachfrage von Mete Ünal (SPD) nannte Agbonkhese unter anderem soziale Verbundenheit, Verantwortung und Fairness als zentrale Werte.
Markus Leichenauer (CDU) wollte die strukturelle Ausgestaltung genauer verstehen und fragte insbesondere nach der Rolle der Schule und danach, ob das Projekt auch unabhängig von ihr funktionieren könne. Agbonkhese erklärte, die Schule sei wichtig, weil dort alle Kinder erreicht würden. Das Projekt solle sich aber ausdrücklich nicht auf die Schule beschränken. Vereine, offene Angebote, Ferienprogramme und beispielsweise die Grundschule in Hausen vor Wald sollten ebenfalls einbezogen werden.
Petra Moog (CDU) hielt das Vorhaben für wichtig und verwies darauf, dass von außen oft gar nicht sichtbar sei, welche Herausforderungen es in den Klassen der Lucian-Reich-Schule gebe. Sie freue sich deshalb auf die künftigen Berichte über die Entwicklung des Projekts. Auch Kathrin Schwarz (CDU) betonte, dass die Ortsteile keineswegs von allen gesellschaftlichen Problemen verschont blieben. Sie sehe das Projekt als Chance und hoffe, dass daraus etwas Gutes für die Kinder und Jugendlichen entsteht.
Das alles wird später im nicht öffentlichen Teil weiter besprochen.
Die Ergebnisse des nicht öffentlichen Teils kann man hier nachlesen:
Der Entwurf wurde in enger Zusammenarbeit mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern des Gebäudes – darunter Ärztinnen und Ärzte, das FFA, die Sozialstation sowie weitere Beteiligte – entwickelt. Er stellt einen ersten konzeptionellen Vorschlag dar und dient als Grundlage für die weitere fachliche und öffentliche Diskussion.
Weiteres Vorgehen:
Im Rahmen der Klausurtagung des Gemeinderats am 18. und 19. September wird der Planungsentwurf ausführlich beraten, diskutiert und inhaltlich weiter konkretisiert.
Im Anschluss soll der Entwurf im Rahmen einer Informationsveranstaltung gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt, diskutiert und weiterentwickelt werden.
Ein zentraler Schwerpunkt des Beteiligungsprozesses wird die gemeinsame Erarbeitung eines tragfähigen Konzepts für altersgerechte Wohnformen sein. Ziel ist es, festzulegen, welche Wohn- und Betreuungsangebote künftig in dem Gebäude geschaffen werden sollen und wie diese bestmöglich auf die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer abgestimmt werden können. Als „Platzhalter“ wurden hier vorerst normale Wohnungen eingeplant. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Fortführung des Dialogs mit den Ärztinnen und Ärzten. Gemeinsam sollen die Planungen konkretisiert und die Voraussetzungen für eine langfristige Zusammenarbeit sowie eine gemeinsame Zukunftsperspektive geschaffen werden. Hier könnte ein wichtiger Meilenstein für die zukünftige ärztliche Versorgung der Stadt erreicht werden.
Meine Meinung:
Ich hoffe, dass bei diesem wichtigen Projekt nicht nur auf die Baukosten, sondern auch auf die langfristige Entwicklung der Stadt geachtet wird. Eine Tiefgarage wäre zwar zunächst mit höheren Investitionen verbunden, könnte aber durch vermietbare Stellplätze und eine spätere Parkraumbewirtschaftung einen Teil der Kosten wieder einspielen. Gleichzeitig würde sie dazu beitragen, wertvolle Freiflächen zu erhalten und den Parkdruck im Stadtzentrum zu reduzieren. Gerade an diesem zentralen Standort halte ich das für eine Überlegung wert.
Auch die Gestaltung der Außenanlagen bietet eine schöne Chance. Statt ausschließlich Zierpflanzen könnte ich mir klimaangepasste Bäume vorstellen, deren Früchte von den Bürgerinnen und Bürgern geerntet werden dürfen. Maulbeerbäume, Walnussbäume, Maroni, robuste Apfelsorten und Tafeltrauben würden nicht nur den Eingangsbereich aufwerten, sondern auch einen kleinen Beitrag zu Biodiversität und Lebensqualität leisten. Ergänzend könnten ein oder zwei Hochbeete entstehen, die gemeinsam gepflegt werden – vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit dem künftigen Jugendhaus. Solche Ideen kosten vergleichsweise wenig, können einem Ort aber eine ganz besondere Identität verleihen.
Ganz zufällig steht ja so ein Haus schon in Mönchweiler
Die Hochbeete sehen schon mal nett aus, nur Bäume hätte ich gerne was anders und die Tafeltrauben nicht vergessen!
Herr Hofmann von der STEG stellte den aktuellen Planungsentwurf für das Projekt Gasthof Frank vor. Vorgesehen sind unter anderem Arztpraxen, altersgerechte Wohnformen und ein Multifunktionsraum. Die Planung solle dabei ausdrücklich nicht übergestülpt, sondern gemeinsam mit den künftigen Nutzern weiterentwickelt werden. Der Multifunktionsraum könnte im Dachgeschoss untergebracht werden; die dafür notwendige Gebäudehöhe sei städtebaulich grundsätzlich verträglich.
Für eine der Arztpraxen gebe es bereits detailliertere Vorstellungen. Bei einer weiteren möglichen Praxis seien noch Fragen offen; die interessierten jungen Ärztinnen befänden sich auch in Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Arztpraxen hätten bei der weiteren Planung Priorität.
Auch eine Bäckerei ist bislang vorgesehen. Hier gebe es jedoch noch Abstimmungsbedarf hinsichtlich der benötigten Fläche und der Gestaltung zur Donaueschinger Straße. Ebenso müssten die Stellplatzsituation und der Multifunktionsraum weiter geklärt werden. Die offenen Fragen sollen bei der Klausurtagung des Gemeinderats im September ausführlich beraten werden. Hofmann betonte, dass die Planung nicht übers Knie gebrochen werden müsse. Erst nach der weiteren Konkretisierung solle es in Richtung Investorenauswahl gehen.
Bürgermeister Patrick Haas hob insbesondere die Frage hervor, welche altersgerechten Wohnformen an diesem Standort geschaffen werden sollen.
Harald Weh (CDU) begrüßte den Entwurf. Ein Schwerpunkt müsse auf einem tragfähigen Konzept für altersgerechtes Wohnen liegen, zugleich solle der Dialog mit den Ärztinnen und Ärzten fortgeführt werden. Diskussionsbedarf sah er bei der vorgesehenen Bäckerei und stellte die Frage, ob diese tatsächlich benötigt werde. Außerdem regte er einen neuen Namen für das Projekt an: Der Gasthof Frank sei Geschichte, nun solle etwas Neues entstehen.
Kerstin Skodell (SPD) hatte zahlreiche Punkte für die weitere Beratung und begrüßte insbesondere, dass eine größere Gebäudehöhe möglich ist. Auch sie möchte den Schwerpunkt auf die Arztpraxen legen und freut sich auf die ausführliche Beratung bei der Klausurtagung.
Michael Steinemann (Bürgerforum) dankte Hofmann für die Vorstellung. Eine weitere Bäckerei brauche Hüfingen seiner Ansicht nach nicht; ebenso wenig sehe er Bedarf für einen weiteren Blumenladen oder Friseur. Bürgermeister Patrick Haas gab zu bedenken, dass gerade für ältere Menschen, die künftig dort wohnen könnten, eine Einkaufsmöglichkeit unmittelbar am Gebäude attraktiv sein könne.
Peter Albert (LBU) nahm die Planung wohlwollend zur Kenntnis. Für eine Bäckerei brachte er alternativ eine kleinere Pavillonlösung ins Gespräch.
Stephan Happle (Bürgerforum) fragte, welche künftigen Nutzer die weitere Planung bestimmen sollen und welchen Flächenbedarf diese jeweils hätten. Neben den Arztpraxen und einer möglichen Bäckerei sollen unter anderem die Sozialstation, das Fürstlich Fürstenbergische Altenpflegeheim (FFA) und die Nachbarschaftshilfe in die weitere Entwicklung einbezogen werden. Wie viel Fläche die einzelnen Nutzungen letztlich beanspruchen werden, steht derzeit noch nicht fest.
Beschlussvorschlag: Der Gemeinderat nimmt den aktuellen Planungsentwurf für das Projekt „Gasthof Frank“ zur Kenntnis.
TOP 6 Ergebnispräsentation Ortsmitten Qualitätserfassung Hüfingen
Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg und die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbh (NVBW) unterstützen Kommunen im Rahmen des Projektes „Lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten für Baden-Württemberg“ mit verschiedenen Angeboten bei der Umgestaltung von Ortsmitten hin zu lebendigen und verkehrsberuhigten Orten der Begegnung.
Die Stadt Hüfingen hat an dem kostenfreien Angebot der „Ortsmitten Qualitätserfassung“ teilgenommen, welches die Untersuchung von innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen in zentralen Bereichen beinhaltet.
Im Rahmen des Angebots wurde die Hüfinger Ortsmitte im zentralen Abschnitt der Hauptstraße untersucht (Erhebung im Juli 2025). Dabei wurden Stärken und Schwächen herausgearbeitet und 15 Maßnahmenempfehlungen formuliert, wie der Untersuchungsraum unter Aspekten wie Verkehrssicherheit, Fuß- und Radverkehrsfreundlichkeit, Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit verbessert werden könnte.
Die Maßnahmenvorschläge sollen mit Ideen für schnelle bis langfristige Maßnahmen eine erste Diskussionsgrundlage darstellen, auf deren Basis die Weiterentwicklung der Ortsmitte gestartet werden kann. Die Ergebnisse der Qualitätserfassung (Bewertung und ausgewählte Handlungsimpulse) werden durch das von der NVBW mit der Untersuchung beauftragte Fachbüro Planersocietät (Karlsruhe) vorgestellt.
Tim Wiesler von der Planersocietät stellte die Ergebnisse der Ortsmitten-Qualitätserfassung vor. Untersucht wurde der Bereich der Hüfinger Hauptstraße zwischen Ochsengasse und Bahnhofstraße. Dabei gehe es ausdrücklich noch nicht um eine konkrete Planung, sondern um eine Bestandsaufnahme und mögliche Handlungsimpulse für die weitere Entwicklung.
Grundsätzlich bescheinigte Wiesler der Hüfinger Ortsmitte eine gute Ausgangslage. Probleme bestünden jedoch unter anderem durch die hohe Verkehrsbelastung von rund 11.000 Fahrzeugen täglich, teilweise zu schmale Gehwege, Defizite bei der Barrierefreiheit und die Radverkehrsführung. Insbesondere im Bereich des Stadttors sei die derzeitige Führung für Radfahrer unübersichtlich und konfliktträchtig.
Als mögliche kurzfristige Maßnahmen nannte Wiesler zusätzliche Sitzgelegenheiten und den barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen. Langfristig könnten Seitenräume erweitert und der Bereich vor dem Rathaus so umgestaltet werden, dass neben dem Autoverkehr mehr Raum für andere Nutzungen entsteht – beispielsweise für Bäume, Aufenthalt oder den Markt. Für verschiedene Maßnahmen gebe es Fördermöglichkeiten des Landes.
Petra Moog (CDU) sah in der Untersuchung eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung. Besonders interessant fand sie die Radverkehrsführung, die sie selbst täglich mit dem Fahrrad erlebe und bei der viel Aufmerksamkeit erforderlich sei. Gleichzeitig habe Tempo 30 die Situation aus ihrer Sicht bereits spürbar sicherer gemacht. Wichtig seien außerdem Barrierefreiheit und eine Ortsmitte, von der alle Generationen profitieren. Bemerkenswert fand sie, dass auch Jugendliche bei einer Beteiligung zusätzliche Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten angesprochen hätten.
Mete Ünal (SPD) stellte einen Zusammenhang zu einem Termin vor zwei Wochen mit dem Inklusionsbeauftragten Lars Hauser her. Auch beim Thema Barrierefreiheit sei in der Ortsmitte bereits einiges geschehen. Dafür dankte er der Verwaltung.
Michael Steinemann (Bürgerforum) verwies auf die Veränderungen der vergangenen Jahre, darunter die Einführung von Tempo 30. Er äußerte sich kritisch zu einer möglichen weiteren Einschränkung des Autoverkehrs und fragte zugespitzt, ob die Hauptstraße künftig autofrei werden solle.
Mete Ünal (SPD) widersprach dieser Argumentation. Die Diskussion um Tempo 30 sei längst abgeschlossen; aus seiner Sicht müsse sie nicht erneut geführt werden.
Peter Albert (LBU) fragte, wie der untersuchte Bereich der „Ortsmitte“ festgelegt worden sei. Aus seiner Sicht sollte dieser größer gefasst werden, da ansonsten die Gefahr bestehe, dass relevante tatsächliche Gegebenheiten außerhalb des Untersuchungsbereichs nicht berücksichtigt würden. Auch die Sicherheit des Radverkehrs sprach er an.
Beschlussvorschlag: Kenntnisnahme der Ergebnispräsentation.
TOP 7 Vorstellung der Trinkwasserversorgung
In der Gemeinderatssitzung vom 02.07.2026 hat der Gemeinderat um einen Bericht über die Nitratwerte im Trinkwasser gebeten. Wassermeister Mario Metzger stellt in der Sitzung die Struktur der Trinkwasserversorgung und die Eckdaten hierzu dar.
Ich freue mich, dass Wassermeister Mario Metzger (Leiter Wasserwerk) dem Gemeinderat die Struktur unserer Trinkwasserversorgung erläutert. Gerade bei einem so wichtigen Thema sind transparente Informationen und nachvollziehbare Erklärungen besonders wertvoll.
Persönlich bin ich außerdem dankbar, dass unser Trinkwasser bislang nicht vorsorglich chloriert wird. Nach meiner Einschätzung sollte eine prophylaktische Chlorierung nur dann erfolgen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich notwendig ist. Zu diesem Thema gibt es inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die mögliche Risiken einer dauerhaften Chlorierung diskutieren. Ich hoffe deshalb, dass Hüfingen auch künftig auf die hohe Qualität seines natürlichen Trinkwassers setzen kann.
Mario Metzger (Leiter Wasserwerk) stellte die Struktur der Hüfinger Trinkwasserversorgung vor und erläuterte anhand einer Karte unter anderem die Ringleitung. Der Grundwasserstand an den Tiefbrunnen liege derzeit zwischen sechs und acht Metern. Aktuell gebe es in Hüfingen keine Probleme mit der verfügbaren Wassermenge.
Ausführlicher ging Metzger auf die Nitratwerte ein. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter, der aktuelle Wert des Hüfinger Mischwassers bei 25,5 Milligramm pro Liter. Die Werte schwanken im Jahresverlauf. Auch die untersuchten Fungizid- und Herbizidwerte seien gering.
Markus Leichenauer (CDU) dankte für die Vorstellung und erinnerte an den Rundgang im vergangenen Jahr. Hüfingen verfüge über eine gute Wasserversorgung und könne sein Trinkwasser bedenkenlos aus dem Wasserhahn trinken.
Reinhard Isak (SPD) freute sich gerade angesichts der derzeitigen Hitze darüber, dass Hüfingen ausreichend und gutes Trinkwasser zur Verfügung habe. Dies sei auch das Ergebnis erheblicher Investitionen der vergangenen Jahre, die fortgesetzt werden müssten. Den aktuellen Nitratwert bewertete er als gut, wies aber darauf hin, dass die längerfristige Entwicklung beobachtet werden müsse. Sollte sich ein Anstieg abzeichnen, müsse nach den Ursachen gesucht und rechtzeitig gegengesteuert werden. Metzger bot dem Gemeinderat hierzu auch einen Rundgang durch die Wasserversorgung an.
Martin Bausch (Bürgerforum), selbst Wassermeister in Bräunlingen, lobte die Arbeit von Mario Metzger (Leiter Wasserwerk) und die Hüfinger Wasserversorgung.
Peter Albert (LBU) hielt die Nitratbelastung dagegen für zu hoch und verwies zum Vergleich auf niedrigere Werte in Donaueschingen. Er fragte außerdem nach einer Ertüchtigung des Übergabepunkts nach Donaueschingen, damit im Bedarfsfall Wasser zwischen den Versorgungsnetzen ausgetauscht werden könne, sowie nach den damit verbundenen Kosten. Darüber hinaus brachte er eine stärkere Zusammenarbeit beziehungsweise Zusammenlegung der Wasserversorgung mit Nachbarkommunen wie Bad Dürrheim ins Gespräch.
Thilo Mayer (Bauamtsleiter) erklärte, dass eine Verbindung innerhalb des Städtedreiecks bereits bestehe und im Bedarfsfall innerhalb von sieben Tagen aktiviert werden könne. Ein Schieber müsse perspektivisch erneuert werden, funktioniere derzeit aber noch. Eine Verbindung mit Bad Dürrheim sei aufgrund der Entfernung und der dortigen Wasserhärte wenig sinnvoll. Eher komme eine Zusammenarbeit mit Blumberg infrage, mit dem bereits Gespräche geführt würden.
Philip Wills (LBU) wollte wissen, ob der Sonnenbrunnen mit Trinkwasser gespeist werde. Mayer erklärte daraufhin, dass kein Hüfinger Brunnen an das Trinkwassernetz angeschlossen ist. Auch auf dem Friedhof werde kein Trinkwasser verwendet. Die Brunnen würden aus anderen, älteren Wasserfassungen gespeist.
Stephan Happle (Bürgerforum) fragte nach der langfristigen Entwicklung des Grundwasserspiegels. Metzger erklärte, dieser werde monatlich gemessen. In den vergangenen zehn Jahren habe es keine größeren Ausreißer gegeben; die Schwankungen hätten sich in einem Bereich von etwa 1,5 Metern bewegt.
TOP 8 Feststellung des Jahresabschlusses der Stadt Hüfingen 2025
Das ordentliche Ergebnis für das Haushaltsjahr 2025 schloss mit einem Überschuss in Höhe von rund 1,379 Mio. € ab und erhöhte sich gegenüber dem Jahr 2024 um 0,735 Mio. € (Übeschuss 2024: 0,644 Mio. €).
Die Nettoabschreibungen (= Abschreibungen 4,815 Mio. € abzüglich Ertragszuschüsse 2,229 Mio. €) in Höhe von rd. 2,6 Mio. € wurden im Jahr 2025 erwirtschaftet. Das Sonderergebnis für das Haushaltsjahr 2025 schloss mit einem Überschuss in Höhe von rund 198 T € ab. Das Gesamtergebnis für das Haushaltsjahr 2025 schloss mit einem Überschuss in Höhe von rund 1,577 Mio. € ab. Damit konnten die Vorgaben des neuen Haushaltsrechts an den Haushaltsausgleich – Erwirtschaftung der Abschreibungen erreicht werden.
Meine Meinung:
Über diesen Jahresabschluss freue ich mich. Wer Hieronymus-online schon länger liest, weiß, dass ich als Stadträtin den Haushalten der Jahre 2021, 2022 und 2023 nicht zugestimmt habe. Damals hatte ich den Eindruck, dass die finanzielle Entwicklung der Stadt in die falsche Richtung ging. Leider wurde darüber damals teilweise unzutreffend berichtet.
Umso mehr freue ich mich, dass der Jahresabschluss 2025 zeigt, dass sich die finanzielle Situation positiv entwickelt. Besonders wichtig finde ich, dass die notwendigen Abschreibungen erwirtschaftet werden konnten und damit die Vorgaben des neuen kommunalen Haushaltsrechts erfüllt sind. Mein Eindruck ist, dass unter Bürgermeister Patrick Haas und dem heutigen Gemeinderat wieder eine solide finanzielle Richtung eingeschlagen wurde. Ich hoffe, dass dieser Weg auch in den kommenden Jahren konsequent fortgesetzt wird.
Ein guter Jahresabschluss ist kein Selbstzweck. Er schafft den finanziellen Spielraum, damit eine Stadt in ihre Zukunft investieren kann.
Beschlussvorschlag: Auf Grund von § 95 b der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg (GemO) wird der Jahresabschluss der Stadt Hüfingen für das Rechnungsjahr 2025 entsprechend der Anlage Feststellungsbeschluss festgestellt.
Michael Binninger (Kämmerer) stellte den Jahresabschluss 2025 ausführlich vor. Das ordentliche Ergebnis schließt mit einem Überschuss von rund 1,379 Mio. Euro ab, das Gesamtergebnis mit rund 1,577 Mio. Euro. Damit wurde das geplante Ergebnis deutlich übertroffen. Binninger bezeichnete Hüfingen angesichts der finanziellen Entwicklung als krisenresistent. Zugleich verwies er darauf, dass nicht alle vorgesehenen Investitionen bereits umgesetzt und entsprechende Mittel daher noch nicht abgeflossen seien. Auch die vom Gemeinderat selbst gesetzte „eiserne Rücklage“ werde derzeit um rund 3,3 Mio. Euro unterschritten.
Für die kommenden Monate erwartet Binninger weitere Herausforderungen. Insbesondere die steigende Kreisumlage werde den Haushalt belasten.
Markus Leichenauer (CDU) freute sich über das deutlich bessere Ergebnis. Positiv hätten sich insbesondere Gewerbe- und Einkommensteuer entwickelt. Dass Hüfingen ohne neue Schulden auskomme und gleichzeitig finanzielle Mittel für notwendige Investitionen etwa in Feuerwehr, Kindergärten und Breitbandausbau zur Verfügung stünden, sei ein Erfolg. Allerdings seien zahlreiche Investitionen noch nicht umgesetzt und insbesondere die laufenden Kosten der Kindertagesstätten müssten im Blick behalten werden. Für die CDU seien Haushaltsdisziplin und Investitionen in die Zukunft kein Widerspruch. Er dankte der Verwaltung für die Arbeit und kündigte die Zustimmung seiner Fraktion an.
Kerstin Skodell (SPD) sah sich durch den Abschluss in ihrer Einschätzung der vergangenen Jahre bestätigt, dass die finanzielle Situation der Stadt besser sei als teilweise prognostiziert. Hüfingen stehe auf einem soliden Fundament, das Ergebnis einer vorausschauenden Finanzpolitik sei. Auch sie verwies auf die hohen Kosten der Kindertagesstätten, betonte jedoch, dass dies Investitionen in die Zukunft seien und sie nicht bei den Kindern sparen wolle. Die weitere finanzielle Entwicklung müsse aufmerksam begleitet werden. Sie sprach sich gegen eine Politik der Angst und für den Mut aus, weiterhin in die Zukunft zu investieren – mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein.
Michael Steinemann (Bürgerforum) begrüßte ebenfalls die erfreulichen Zahlen und dankte Michael Binninger (Kämmerer). Kritisch äußerte er sich zur Entwicklung von Grundsteuer und Kreisumlage.
Peter Albert (LBU) schloss sich der positiven Bewertung des Jahresabschlusses an und bezeichnete das Ergebnis als erfreulich. Er verwies zugleich auf die Schwankungen bei der Gewerbesteuer und dankte für die Darstellung.
Der Jahresabschluss 2025 wurde vom Gemeinderat einstimmig festgestellt.
TOP 9 Gemeinsame Forstwirteausbildung im Städteviereck
In der Gemeinderatssitzung am 24. Juli 2025 unter TOP12 wurde dem Gemeinderat die Überlegung zu einer gemeinsamen Forstwirtausbildung im Städteviereck (Hüfingen, Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg) vorgestellt.
Angedacht ist, dass für die Ausbildung eine neue Sparte bzw. ein neuer Unterabschnitt beim Zweckverband Volkshochschule (VHS) geschaffen wird, da diesem Zweckverband bereits alle vier beteiligten Städte angehören. Ziel des Projekts ist es, dem zunehmenden Fachkräftemangel im Forstbereich durch eine gemeinsame Ausbildungsoffensive entgegenzuwirken und langfristig dringend benötigte Fachkräfte für die kommunalen Forstbetriebe zu gewinnen. Der Gemeinderat fasste am 24. Juli 2025 den Beschluss, dass die Absicht, eine gemeinsame Ausbildung von Forstwirten im Städteviereck aufzubauen, befürwortet wird. Die Verwaltung wurde beauftragt, in die weitere Detailabstimmung einzusteigen und den Gemeinderat wieder zu informieren. In den drei weiteren beteiligten Kommunen (Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg) wurden gleichlautende Beschlüsse gefasst.
Im Rahmen der weiteren Projektentwicklung fanden zahlreiche Abstimmungsgespräche zwischen den beteiligten Kommunen sowie mit den zuständigen Fachstellen statt. Bei einem Vor-Ort-Termin bei den Technischen Diensten der Stadt Donaueschingen (TDDS), welche als Ausbildungsstützpunkt vorgesehen sind, wurden gemeinsam mit dem Forstlichen Ausbildungszentrum (FAZ) Mattenhof die Anforderungen an eine anerkannte Ausbildungsstätte geprüft.
Hierbei wurde deutlich, dass aufgrund der gesetzlichen und fachlichen Anforderungen zusätzliche Investitionen erforderlich sind. Die einmaligen Investitionskosten wurden daraufhin von ursprünglich rund 100.000 Euro auf voraussichtlich rund 150.000 Euro angepasst. Bei einer Verteilung auf vier Kommunen ergibt sich ein einmaliger Anteil von rund 37.500 Euro je Stadt. Die jährlichen Kosten wurden für eine Ausbildung mit vier Auszubildenden von ursprünglich rund 120.000 Euro auf rund 163.000 Euro angepasst. Der Anteil der Stadt Hüfingen würde sich hierbei auf rund 40.750 Euro jährlich belaufen. Es wurde darauf hingewiesen, dass es sich weiterhin um Schätzwerte handelt und in den ersten Ausbildungsjahren aufgrund einer voraussichtlich nicht vollständigen Auslastung mit geringeren Kosten zu rechnen ist.
Aufgrund der Kostenentwicklung wurde der Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung am 2. Juli 2026 auf Antrag der CDU-Fraktion vertagt. Die Verwaltung wurde beauftragt, die offenen Fragen mit den beteiligten Kommunen zu klären und mögliche Optimierungen beziehungsweise Alternativen zu prüfen. Die nachfolgenden Punkte wurden zwischenzeitlich mit der Stadt Donaueschingen als vorgesehenem Ausbildungsstandort abgestimmt:
Möglichkeiten zur Reduzierung der Investitions- und laufenden Kosten Mit der Stadt Donaueschingen wurde nochmals geprüft, ob Einsparpotenziale bei den einmaligen Investitionskosten oder den laufenden Betriebskosten bestehen. Nach Auskunft der Projektbeteiligten beruhen die vorliegenden Kostenansätze auf den Anforderungen des Forstlichen Ausbildungszentrums Mattenhof sowie den gesetzlichen Vorgaben an einen anerkannten Ausbildungsbetrieb. Die vorgesehenen Investitionen sind erforderlich, um die Anerkennung als Ausbildungsstätte zu erhalten. Wesentliche Einsparpotenziale bestehen daher nach derzeitiger Einschätzung nicht, ohne die Anerkennungsfähigkeit oder die Qualität der Ausbildung zu beeinträchtigen. Die vorhandene Infrastruktur der Technischen Dienste Donaueschingen wird bereits weitgehend genutzt. Vergleichbare oder weitergehende infrastrukturelle Voraussetzungen bestehen bei den übrigen beteiligten Kommunen nicht. Die Anzahl der Ausbildungsplätze kann im Rahmen des Bewerbungsverfahrens an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Die derzeitigen Kosten wurden bewusst realistisch kalkuliert, weitere Anforderungen im laufenden Genehmigungsverfahren können derzeit nicht ausgeschlossen werden.
Überprüfung des Finanzierungsschlüssels Aus dem Gemeinderat wurde insbesondere der bisher vorgesehene Finanzierungsschlüssel einer gleichmäßigen Verteilung der Kosten auf alle vier beteiligten Kommunen hinterfragt.
Dabei wurden alternative Modelle angesprochen: – Kostenverteilung nach späterem Beschäftigungsort des ausgebildeten Forstwirts, – Kostenverteilung nach Waldfläche, – Kostenverteilung nach Einwohnerzahl.
Die vier beteiligten Kommunen haben sich nach intensiver Beratung bereits frühzeitig auf das Modell einer gleichberechtigten Partnerschaft verständigt. Hintergrund hierfür war, dass alle vier Kommunen gleichermaßen einen Bedarf an qualifizierten Forstwirten haben und die Ausbildung nicht ausschließlich einem einzelnen späteren Arbeitsplatz dient. Eine Verteilung nach dem späteren Beschäftigungsort erscheint zudem schwierig, da heute nicht vorhersehbar ist, welche Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss tatsächlich bei welcher Kommune tätig werden. Die Entscheidung über den späteren Arbeitsplatz liegt letztlich auch bei den ausgebildeten Fachkräften selbst. Zudem besteht immer das Risiko, dass Ausbildungen abgebrochen werden oder Absolventen nach der Ausbildung außerhalb der beteiligten Kommunen tätig werden. Auch eine Verteilung nach Waldfläche oder Einwohnerzahl würde den Grundgedanken der gemeinsamen Ausbildung nicht vollständig abbilden. Die Motivation für das Projekt liegt nicht in der Größe des jeweiligen Forstbetriebes oder der Einwohnerzahl, sondern im gemeinsamen Bedarf aller vier Kommunen an qualifiziertem Personal. Eine Änderung des Finanzierungsschlüssels würde zudem eine erneute grundsätzliche Beratung und Beschlussfassung in allen vier Gemeinderäten erforderlich machen
Trägerschaft Weiter wurde hinterfragt, ob die Ausbildung alternativ durch eine einzelne Kommune, beispielsweise die Stadt Donaueschingen als Standortkommune, getragen werden könnte. Dieses Modell wurde geprüft. Eine alleinige Trägerschaft durch eine Kommune würde allerdings dazu führen, dass die Auszubildenden rechtlich und organisatorisch dieser Kommune zugeordnet wären. Dies hätte Auswirkungen auf den Einsatzbereich der Auszubildenden und würde die gleichberechtigte Zusammenarbeit der vier Städte einschränken. Die vorgesehene Lösung über den Zweckverband Volkshochschule bietet hingegen den Vorteil, dass alle vier Kommunen bereits Mitglied dieses Verbandes sind und keine zusätzliche Trägerstruktur geschaffen werden muss. Die Ausbildung würde hierbei eine eigenständige Sparte bzw. einen neuen Aufgabenbereich des Zweckverbandes darstellen. Eine besondere fachliche Zuständigkeit der Volkshochschule für die Forstausbildung ist hierfür nicht erforderlich, da die Steuerung über die zuständigen kommunalen Gremien erfolgt. Die Gründung einer neuen Trägerschaft würde zusätzlichen Verwaltungsaufwand und voraussichtlich weitere Kosten verursachen.
Die Verwaltung empfiehlt weiterhin an der Umsetzung der Forstwirtausbildung festzuhalten. Der Fachkräftemangel im Forstbereich betrifft alle beteiligten Kommunen. Durch die gemeinsame Ausbildung besteht die Möglichkeit, frühzeitig eigene Nachwuchskräfte auszubilden und langfristig an die kommunalen Forstbetriebe zu binden. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass durch den Einsatz eigener ausgebildeter Forstwirte auch Einsparungen bei bislang erforderlichen Fremdleistungen erzielt werden können. Die weitere Umsetzung setzt voraus, dass alle vier beteiligten Kommunen das Projekt weiterhin unterstützen. Nach einer positiven Beschlussfassung könnten die erforderlichen weiteren Schritte über den Zweckverband Volkshochschule vorbereitet werden.
Meine Meinung:
Ich begrüße ausdrücklich, dass die Verwaltung die offenen Fragen aus der letzten Gemeinderatssitzung ausführlich beantwortet und die Stellungnahme veröffentlicht hat. Das schafft Transparenz und ermöglicht eine fundierte Entscheidung.
Die gemeinsame Forstwirtausbildung halte ich weiterhin für ein sinnvolles Zukunftsprojekt. Kritisch sehe ich jedoch nach wie vor den vorgesehenen Finanzierungsschlüssel. Eine gleichmäßige Verteilung der Kosten erscheint mir angesichts der sehr unterschiedlichen Größen der beteiligten Städte nicht gerecht. Donaueschingen hat rund 22.000 Einwohner, Hüfingen etwa 8.000, Blumberg knapp 10.000 und Bräunlingen rund 5.700. Dass alle vier Kommunen unabhängig von ihrer Größe den gleichen Kostenanteil tragen sollen, überzeugt mich deshalb nicht.
Auch bei der Trägerschaft bleiben für mich Fragen offen. Bereits in der letzten Beratung wurde angeregt zu prüfen, ob statt des Zweckverbands Volkshochschule Baar auch eine andere interkommunale Organisationsform – etwa der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) – geeignet sein könnte. Die Verwaltung hält jedoch weiterhin an der Lösung über den Zweckverband Volkshochschule fest. Die vorgelegte Begründung ist nachvollziehbar, überzeugt mich persönlich aber nicht. Gerade weil hier ein neuer technischer Ausbildungsbereich aufgebaut werden soll, hätte ich mir eine ergebnisoffene Prüfung alternativer Trägermodelle gewünscht.
Unabhängig davon freue ich mich, dass die Diskussion diesmal auf einer deutlich transparenteren Grundlage geführt werden kann. Umso gespannter bin ich auf die erneute Beratung im Gemeinderat.
Beschlussvorschlag:
Der Gemeinderat nimmt die Beantwortung der im Rahmen der Vertagung vom 2. Juli 2026 aufgeworfenen Fragen zur Kenntnis.
Der Gemeinderat befürwortet weiterhin die Umsetzung einer gemeinsamen Forstwirtausbildung im Städteviereck mit den Städten Donaueschingen, Bräunlingen und Blumberg.
Der Gemeinderat stimmt dem bisherigen Konzept mit einer gemeinsamen Trägerschaft über den Zweckverband Volkshochschule sowie der gleichmäßigen Kostenverteilung auf die vier beteiligten Kommunen weiterhin zu.
Die Zustimmung der Stadt Hüfingen steht unter dem Vorbehalt, dass auch die übrigen drei beteiligten Kommunen der Fortführung des Projektes zustimmen.
Im Haushalt 2027 werden die erforderlichen Mittel eingestellt
Bürgermeister Patrick Haas erläuterte zunächst eine wesentliche neue Entwicklung: Der Gemeinderat in Blumberg habe dem gemeinsamen Projekt am vergangenen Donnerstag nicht zugestimmt. Damit sei eine der Voraussetzungen des bisherigen Konzepts – die Beteiligung aller vier Städte – derzeit nicht erfüllt. Die zwischenzeitlich diskutierte Trägerschaft über den Gemeindeverwaltungsverband (GVV) komme zudem nicht infrage, da Blumberg diesem nicht angehöre. Dennoch wollte Haas, dass Hüfingen eine eigene Entscheidung trifft.
Markus Leichenauer (CDU) erinnerte daran, dass die CDU die Vorlage in der vergangenen Sitzung nicht vertagen ließ, weil sie gegen die gemeinsame Forstwirtausbildung sei. Anlass seien insbesondere die Kostenentwicklung und offene organisatorische Fragen gewesen. Auch die inzwischen vorliegenden Antworten seien für ihn nicht in allen Punkten zufriedenstellend. Dennoch brauche man gut ausgebildete Forstwirte, und eine gemeinsame Ausbildung im Städteviereck biete dafür große Chancen. Entscheidend sei für ihn die interkommunale Zusammenarbeit. Wenn Hüfingen nun zustimme, liege der Ball bei Blumberg.
Kerstin Skodell (SPD) stellte das Konzept grundsätzlich ebenfalls nicht infrage. Die SPD werde zustimmen, gerade weil sie die interkommunale Zusammenarbeit für wichtig halte. Es wäre bedauerlich, wenn das Projekt nun scheitern würde.
Michael Steinemann (Bürgerforum) blieb dagegen skeptisch. Die Antworten aus Donaueschingen auf die in Hüfingen aufgeworfenen Fragen bezeichnete er als dürftig, auch die vorgesehene Trägerschaft halte seine Fraktion weiterhin nicht für optimal. Nachdem Blumberg das Projekt bereits abgelehnt habe, werde das Bürgerforum dem Vorhaben nicht zustimmen.
Philip Wills (LBU) setzte einen anderen Schwerpunkt. Für ihn stehe die Zusammenarbeit der Kommunen über den einzelnen Bedenken. Diese müsse gepflegt und weiter ausgebaut werden. Er stellte deshalb die Frage, ob Hüfingen seine eigene Entscheidung von der ablehnenden Haltung Blumbergs abhängig machen solle.
Bürgermeister Patrick Haas schlug ergänzend vor, dass bei weiteren Kostensteigerungen erneut der Gemeinderat mit der Angelegenheit befasst werden müsse.
Der Beschluss wurde mit 14 Ja-Stimmen, drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen angenommen.
Damit hat Hüfingen grundsätzlich weiterhin Interesse an der gemeinsamen Forstwirtausbildung signalisiert – ob das bisher geplante Vier-Städte-Modell tatsächlich zustande kommt, ist nach der Ablehnung in Blumberg allerdings offen.
TOP 10 FFW Hüfingen – Umstellung des Einsatzstellenfunks auf Digitalfunk; Beschaffung von 54 Handsprechfunkgeräten
Im Haushalt 2026 wurden 86.000 € für die Umstellung des Einsatzstellenfunks von analog auf digital veranschlagt. Konkret geht es um die Beschaffung von 54 Handsprechfunkgeräten. Der Stadt Hüfingen liegt ein Angebot für die entsprechende Leistung einer Firma vor, welches sich auf insgesamt 73.378,08 € beläuft. Hiervon abgezogen werden kann der ZFeu-Zuschuss in Höhe von 13.500,00 € (Zuwendungsbescheid ging am 06.07.2026 bei der Stadt Hüfingen ein).
Abzüglich des Zuschusses betragen die Kosten demnach: 59.878,08 €.
Beschlussvorschlag: Der Gemeinderat beschließt, den Auftrag zur Beschaffung von 54 Handsprechfunkgeräten für die Umstellung des Einsatzstellenfunks auf Digitalfunk zum Angebotspreis von 73.378,08 Euro zu vergeben.
Daniel Bucher (CDU) begrüßte die Anschaffung der neuen digitalen Handsprechfunkgeräte. Auch Mete Ünal (SPD) unterstützte die Investition und nutzte die Gelegenheit, die Arbeit der Hüfinger Feuerwehr ausdrücklich zu würdigen.
Michael Steinemann (Bürgerforum) sah das Geld ebenfalls gut investiert. Peter Albert (LBU) kündigte die Zustimmung an.
Dem wird einstimmig zugestimmt.
TOP 11 Vergabe des Straßennamens für das Baugebiet „Im Stegle“ in Hausen vor Wald
Der Ortschaftsrat von Hausen vor Wald hat am 27. Mai 2024 über die Festlegung des Straßennamens im Baugebiet „Im Stegle“ beraten. Der Ortschaftsrat hat den Straßennamen „Rudi-Teichner-Straße“ mehrheitlich beschlossen.
Zur Information: Mit der geplanten Straßenbenennung soll das langjährige Wirken von Rudi Teichner gewürdigt werden. Über mehr als fünf Jahrzehnte leitete er den Männergesangverein und die Musikkapelle Hausen vor Wald und prägte damit das kulturelle Leben des Ortsteils maßgeblich. Er verstarb 2023 im Alter von 83 Jahren.
Beschlussvorschlag: Der Gemeinderat beschließt den Straßennamen „Rudi-Teichner-Straße.
Entfällt!
TOP 12 Vergabe Erweiterung Fuhrpark des städtischen Bauhofs
Für den städtischen Bauhof soll ein neues Transportfahrzeug angeschafft werden. Mit diesem Fahrzeug können in Zukunft Materialen, Maschinen und Geräte für die Instandhaltung der städtischen Einrichtungen und Anlagen sicher und trocken transportiert werden, wo dies z. B. mit dem LKW nicht sinnvoll oder möglich ist. Es wurden folgende Angebote bei zwei Händlern für ein größeres Transportfahrzeug eingeholt.
Im Haushaltsplan 2026 sind 30.000 € eingestellt worden.
Ich hätte mir gewünscht, dass auch die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs geprüft wird. Gerade Kommunen können bei der Umstellung auf klimafreundliche Mobilität eine Vorbildfunktion übernehmen. Mich würde daher interessieren, welche Gründe gegen ein E-Fahrzeug gesprochen haben. Schließlich stehen beim Hüfinger Autohaus derzeit einige sehr attraktive E-Modelle – eines davon hätte ich mir durchaus auch gut im Fuhrpark des Bauhofs vorstellen können.
Beschlussvorschlag: Ein Autohaus aus Hüfingen wird mit der Beschaffung des angebotenen Transportfahrzeugs für 28.150,00 € beauftragt.
Thilo Mayer (Bauamtsleiter) erläuterte die Notwendigkeit des neuen Transportfahrzeugs. Der Bauhof sei täglich im Stadtgebiet unterwegs und benötige für viele Aufgaben ein Fahrzeug, bei dem der Einsatz eines Lkw unverhältnismäßig wäre. Als Beispiele nannte er den Transport von Stühlen, Tischen und Bänken oder kleinere Abholungen in der Umgebung.
Auch die Frage nach einem Elektrofahrzeug beantwortete Mayer: Ein vergleichbares E-Fahrzeug wäre etwa doppelt so teuer gewesen. Eine günstigere Alternative sei bereits sechs Jahre alt gewesen und daher für die Neuanschaffung nicht infrage gekommen.
Daniel Bucher (CDU) fragte nach einem bereits vorhandenen Bus. Dieser sei jedoch dem Wasserwerk beziehungsweise dem Abwasserbereich zugeordnet und könne nicht für andere Aufgaben des Bauhofs eingesetzt werden.
Michael Steinemann (Bürgerforum) hätte sich mehr Angebote gewünscht. Auch Philip Wills (LBU) bemängelte die geringe Zahl an Vergleichsangeboten. Mayer erklärte, dass ein Fahrzeug mit einem Ladevolumen von zwölf Kubikmetern benötigt werde. In dieser Größenklasse sei die Auswahl begrenzt; das angebotene Ford-Modell erfülle die Anforderungen, ohne dass dafür eine andere Führerscheinklasse notwendig werde.
Wills kritisierte außerdem, dass erneut ein Dieselfahrzeug angeschafft werde, und hätte eine elektrische Lösung bevorzugt.
Der Vergabe wurde bei zwei Enthaltungen zugestimmt.
TOP 13 Vergabe Eigenkontrollverordnung (EKVO) 2026 Kernstadt Hüfingen Abschnitt 3
Die Stadt Hüfingen plant die Befahrung der Kanalisation in Hüfingen gemäß der Eigenkontrollverordnung auch im Jahr 2026 fortzusetzen. Die Schmutz- und Regenwasserkanäle sollen durch eine Kanaltechnikfirma gereinigt und befahren werden. Die Dokumentation der TV-Befahrung soll in die Kanaldatenbank übernommen und hinsichtlich der Schäden ausgewertet werden. Gegenstand der Ausschreibung sind die Arbeiten für Kanalreinigung und -untersuchungsarbeiten. Die Maßnahme wurde beschränkt ausgeschrieben. An sechs Bieter wurden Angebotsunterlagen verschickt. Zur Submission am 07.07.2026 um 15:00 Uhr lagen drei Angebote vor. Es wurden keine Preisnachlässe angeboten. Die Abgabe von Nebenangeboten war nicht zugelassen.
Die Kostenberechnung für die ausgeschriebenen Leistungen lag bei 46.064,07 € brutto (38.709,30 € netto). Somit befindet sich der Angebotspreis einer Firma aus Bisingen mit einer Angebotsendsumme von 39.723,39 € brutto um 6.340,68 € unter dem bepreisten Leistungsverzeichnis. Im Haushaltsplan 2026 sind für Kanalreinigungs- und Untersuchungsarbeiten 42.71.0724 65.000 € eingeplant.
Beschlussvorschlag: Die Firma aus Bisingen wird mit den Kanalreinigungs- und Untersuchungsarbeiten in Höhe von 39.723,39 € brutto beauftragt.
Markus Leichenauer (CDU) und Kerstin Skodell (SPD) kündigten die Zustimmung ihrer Fraktionen zu den vorgesehenen Kanalreinigungs- und Untersuchungsarbeiten an.
Der Beschluss wurde einstimmig angenommen.
TOP 14 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat
Bürgermeister Patrick Haas berichtete zunächst über den Verkehrsversuch an der Kreuzung in Allmendshofen. Die geänderte Vorfahrtsregelung habe sich bewährt und zu einem besseren Verkehrsfluss geführt. Sie soll deshalb dauerhaft beibehalten werden.
Reinhard Isak (SPD) gab zu bedenken, dass der neue Edeka-Markt noch nicht gebaut sei. Nach dessen Eröffnung könne sich die Verkehrssituation verändern und möglicherweise Rückstau entstehen. Die Entwicklung müsse deshalb weiter beobachtet werden.
Weiter informierte Haas darüber, dass der Feuerwehrbedarfsplan für Hausen vor Wald derzeit fertiggestellt werde und voraussichtlich im September im Gemeinderat beraten werden könne. Außerdem berichtete er von einer Klausurtagung mit den Führungskräften der Stadtverwaltung, bei der insbesondere die Digitalisierung Thema war.
Thilo Mayer (Bauamtsleiter) informierte über die bevorstehende Sanierung der B31. Die Arbeiten seien ausgeschrieben, unter anderem werde die Deckschicht erneuert. Vom 7. September bis 20. November 2026 werde deshalb Verkehr durch Hüfingen umgeleitet. In der Schaffhauser Straße sollen Ampeln eingerichtet werden. Mayer rechnet mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und Rückstaus. Für die Verbindung Donaueschingen–Bräunlingen werde der Blänklepass freigegeben. In der Schaffhauser Straße sei während dieser Zeit auch eine Geschwindigkeitsüberwachung vorgesehen. Auftraggeber der B31-Maßnahme ist das Regierungspräsidium Freiburg, sodass die Stadt auf die Durchführung nur begrenzten Einfluss habe. Da die Schaffhauser Straße durch die Umleitung zusätzlich belastet wird, werde ihr Zustand vor Beginn dokumentiert. Eventuelle durch die Umleitung verursachte Schäden sollen damit nachvollziehbar sein.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das oben Geschriebene wurde von mir mit Hilfe von KI live während der Gemeinderatssitzung erstellt. Jetzt bin ich erschöpft – und falls sich irgendwo Fehler eingeschlichen haben, verbessere ich sie natürlich gerne.
Der 200. Geburtstag von Rudolf Gleichauf wäre eine schöne Gelegenheit gewesen, dem Leitspruch „Wir stehen auf Geschichte“ ein wenig Leben einzuhauchen. Geschichte besteht nicht nur aus Logos und Leitbildern, sondern aus den Menschen, deren Spuren wir bewahren. Oder eben nicht.
Zwischen einem schönen Leitspruch und seiner gelebten Umsetzung kann ein großer Unterschied liegen.
Meinem Lieblingskünstler Rudolf Gleichauf haben wir zu seinem 200. Geburtstag nicht nur den ausführlichen Beitrag gewidmet, sondern auch ein kleines Büchlein mit einigen seiner Werke.
Wer lieber Papier in der Hand hält als auf einen Bildschirm zu schauen, darf mich gerne ansprechen. Besonders für unsere Hüfinger Offline-Familie habe ich Exemplare da und gebe sie gerne weiter.
Für alle anderen gibt es das Büchlein hier auch als PDF:
Ein Mitglied des Hüfinger Künsterkreises war Rudolf Gleichauf (29. Juli 1826 in Hüfingen – 15. Oktober 1896 in Karlsruhe). Nachdem Luzian Reich einige Illustrationen des damals erst zehnjährigen Gleichauf an Julius Schnorr von Carolsfeld geschickt hatte und dieser Gleichaufs Talent bestätigte, erhielt Gleichauf ein Stipendium des Fürsten Karl Egon III. zu Fürstenberg an der Münchner Akademie bei Schnorr von Carolsfeld. Gleichauf folgte Schnorr von Carolsfeld 1846 dann nach Dresden an die Dresdner Akademie, wo er zahlreiche Kopien von Gemälden Alter Meister anfertigte.
Rudolf Gleichauf (1826 – 1896)
Litographie um 1850 von J.N. Heinemann
Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt “Muckle” (1817 – 1902) mit Fes (Mütze); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf (Vetter) Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.
1848 kehrte er zeitweilig nach Hüfingen zurück, musste aber nicht zum Soldatendienst, da er ein Glückslos gezogen hatte. 1850 war er an der Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt am Main. Um jene Zeit schmückte er die Trinkhalle in Baden-Baden mit einem Kinderfries aus. Dort befindet sich auch ein Relief aus gebrannter Tonerde von Gleichauf, das den Türkenlouis darstellt.
Die Trinkhalle Baden-Baden wurde nach den Plänen Heinrich Hübsch rechterhand des Kurhauses erbaut. Die Bilder sind von Jakob Götzenberger gestaltet worden. Sie stellen Szenen aus Mythen und Sagen der Region dar und halten somit auch Ausflugsziele in der näheren Umgebung fest.
Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal von Gleichauf
Dr. Josef Durm (14.02.1837 – 03.04.1919) Abbildung aus der Chronik der Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1896
Von Frankfurt wurde er von Oberbaudirektor Heinrich Hübsch (1795-1863) nach Karlsruhe berufen, um Bauten der Oberbaudirektion mit Wandgemälden zu versehen. Diese Tätigkeit führte er auch unter Hübschs Nachfolger Josef Durm (1837—1919) fort.
Zu Gleichaufs Werken aus dieser Zeit gehört die Darstellung der Hygeia am Giebel des Vierordtbades. Gleichauf schuf hier ein Bild in Freskomalerei, das allerdings binnen zweier Jahrzehnte verblasst war. Daher wurde das Bild 1892 im Lithokaustik-Verfahren auf Keramik übertragen und blieb so erhalten.
Giebel über dem Eingang des Vierordtbades in Karlsruhe mit Darstellung der Hygeia in Begleitung (Lithokaustik 1892 von Professor Robert Ulke; übertragenes Original-Fliesengemälde (etwa 1872) von Rudolf Gleichauf)
Eid des Hippokrates Ἱπποκράτους ὅρκοςHippokratous horkos
„Ich schwöre, Apollon den Arzt und Asklepios, Hygeia und Panakeia sowie alle Götter und Göttinnen als Zeugen anrufend, dass ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil diesen Eid und diesen Vertrag erfüllen werde.“
1864 schuf er für den Wartesaal des im 2. Weltkrieges zerstörten Bahnhofes in Freiburg Medaillions. Dies waren Metallplatten, die auf Goldgrund Trachtenköpfe zeigten.
Die Deckentondi in der Alten Aula der Universität Heidelberg schuf Gleichauf in den Jahren 1885/86.
Alte Aula der Universität Heidelberg
Allegorische Darstellung der Fakultät für Theologie.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Theologie. Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Bibel und Gesetzestafel mit den zehn Geboten und einem blauen Gewand. Blau ist in der Bibel eine Farbe, die reich an Symbolik und spiritueller Bedeutung ist. In der gesamten Heiligen Schrift taucht sie in verschiedenen Zusammenhängen auf, die ihre vielfältigen Facetten in Verbindung mit der Göttlichkeit, dem Himmel, der Heiligkeit und der göttlichen Offenbarung beleuchten. Es handelt sich um eine Farbe, die mit Gott und seinem Heiligtum sowie mit dem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Gesetz in Verbindung gebracht wird.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie. Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schriftrolle und Globus mit einem gelben Gewand. Gelb gilt als die Farbe der Weisheit, des Wachstums, Licht, Kreativität, Neugier, Intellekt und Wissbegierde. Sie ist aber auch die Farbe des Neids und der Gier.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin. Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schlange und Schale und grünem Gewand. Grün steht für Wachstum, Heilung, Gleichgewicht, Harmonie, Barmherzigkeit, Hoffnung, Gesundheit aber auch Gift. Sola dosis facit venenum (Paracelsus) Interessant hierbei, dass die Dame bei der Skizze für die Familie die Brust bedeckt hat.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Jurisprudenz.
Allegorische Darstellung der Fakultät für Jurisprudenz. Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Richtschwert, Gesetzesbuch und Urkunde mit rotem Gewand. Rot ist die Farbe der Justiz. Blutsühne, rote Wimpel bei Gerichtstagen, rote Tinte bei Todesurteilen, rote Talare hoher Richter
Außer zahlreichen Wandgemälden hat Gleichauf im Auftrag des badischen Hofs und der badischen Regierung zwischen 1862 und 1869 auch 39 Aquarellbilder und eine Vielzahl von Kostümstudien geschaffen, die sich in der Badischen Landessammlung erhalten haben und für ein „umfängliches badisches Trachtenwerk“ geplant waren, das jedoch nicht vollendet wurde. Im Museum war 2009/2010 die Ausstellung mit Werken von Rudolf Gleichauf zu sehen: https://www.stadtmuseumhuefingen.de/rudolf-gleichauf/
Rudolf Gleichauf und die „Badischen Landestrachten“
von Susanne Huber-Wintermantel im Almanach 1996
Rudolf Gleichauf ist neben Lucian Reich der „Kronzeuge“ für die Tracht der Baar. 1826 in Hüfingen geboren und väterlicherseits mit Johann Nepomuk Schelble verwandt, wurde ihm eine solide Ausbildung am Städel’schen Institut in Frankfurt ermöglicht. Er verbrachte mehrere Jahre in München bei Schnorr von Carolsfeld, später lebte und wirkte er in Karlsruhe und starb dort 1896.
Gleichauf war ein sehr guter Portraitist, außerdem arbeitete er mit den großherzoglichen Baudirektoren Hübsch und Durm zusammen. Er wirkte unter anderem an der Ausmalung der Kunsthalle, des Hoftheaters und des Vierordtbades in Karlsruhe, der Trinkhalle in Baden-Baden und verschiedenen Kirchen mit. Auch am fürstlichen Hofe in Donaueschingen war Rudolf Gleichauf als Dekorationsmaler tätig.
Die Tracht war nicht sein eigentliches Thema und vermutlich galt ihr auch nicht sein besonderes Interesse. Ein großherzoglicher Auftrag vom 1. Februar 1861 bewirkte jedoch, daß sich der Künstler mit Akribie mit Trachten befasste: Er sollte eine „systematische bildnerische Dokumentation“ der badischen Trachten anfertigen. Rudolf Gleichauf schuf bis zum Ende des Jahres 1869 39 Aquarelle, die heute im Besitz des Badischen Landesmuseums sind.
Geplant war, ein umfassendes badisches Trachtenwerk zu veröffentlichen. Der Kunstverlag H. Müller in Stuttgart sollte die Bilder herausgeben – das Unternehmen gelang nur ansatzweise: nachdem zehn Blätter in den Handel gekommen waren, wurde der Druck weiterer Bilder eingestellt, da es an interessierten Abnehmern mangelte.
Für Hüfingen ist interessant, daß jedoch noch weitere Drucke hergestellt wurden – nicht von Müller, sondern vom Hüfinger Lithographen Johann Nepomuk Heinemann. Diese Blätter unterscheiden sich durchaus von den Müller-Drucken, zeichnen sich durch zurückhaltendere Farbgebung aus und sind dem Original-Aquarell von Gleichauf ähnlicher.
Trachtenmädchen aus der evangelischen Ostbaar
Die Gleichaufschen Trachten werden von ihren Trägern regelrecht „präsentiert“; auch die den Aquarellen vorhergegangenen Skizzen zeigen keine „Schnappschüsse“ sondern Personen, die dem Künstler Modell saßen. Zieht man noch in Betracht, daß Rudolf Gleichauf selbst zu den baaremer Trachten, die er zwischen 1862 und 1865 dokumentierte, geschrieben hat, daß sie zu diesem Zeitpunkt sehr selten, 40 Jahre zuvor, also um 1820 noch häufiger anzutreffen gewesen seien, so erstaunt seine Darstellungsweise nicht. Rudolf Gleichauf kannte demzufolge aus eigener Anschauung die Tracht nicht mehr als allgemein übliche Kleidung, genausowenig wie die Personen, die ihm in der Tracht Modell saßen. Schwierigkeiten, jemanden zu finden, der noch eine Tracht besaß und bereit war, dem Künstler Modell zu sitzen, könnte auch ein Grund für den relativ langen Zeitraum von acht Jahren, die Gleichauf für seine Dokumentation brauchte, gewesen sein. Auch die Tatsache, daß die fertige Serie kaum Abnehmer fand und der Druck nach nur zehn Blättern eingestellt worden ist, spricht für sich.
Die Gleichauf’schen Trachtenbilder entsprechen Darstellungen in einem Modejournal, sind ästhetisch sehr ansprechende Werke, dazu ist Rudolf Gleichauf bis ins Detail genau – jeder Knopf, jede Naht und jeder Stich sind zu erkennen. Dazu kommt die ausführliche Beschreibung jeder Tracht und die Auflistung aller Einzelbestandteile mit der Preisangabe für eine „feinere“ und eine „geringe“ Ausführung. Vergleicht man nun die Kosten für die Anschaffung einer einfacheren Tracht mit dem Verdienst eines Knechtes bzw. einer Magd zu dieser Zeit, so wird schnell deutlich, daß eine Tracht nicht für jeden erschwinglich war.
In den nachfolgenden Ausführungen gibt Rudolf Gleichauf eine Beschreibung der Volkstrachten aus der Baar und zwar aus dem westlichen Teil (es handelt sich um handschriftliche Aufzeichnungen, die bisher nicht veröffentlicht worden sind:
Die Tracht der Baar ist zu Hause in den Orten:
Donaueschingen, Hüfingen, Allmendshofen, Pfobren, Unterbaldingen, Aasen, Gutmadingen, Sumpfohren, Neudingen, Fürstenberg, Behla, Riedböbringen, Riedöschingen, Blumberg, Hausenvorwald, Bacheim, Unadingen, Döggingen, Mundelfingen, Ofterdingen, Bräunlingen, Löffingen, Bruggen, Hubertshofen, Wolterdingen, Tannheim, Aufen, etc. Dieselbe wurde vor etwa 40 Jahren noch ziemlich allgemein getragen, gegenwärtig findet man sie in ihrer Ächtheit nur noch bei Einzelnen oder mit vielen modernen Abweichungen. Sie besteht bei den Männern in dem bis an die Hüften reichenden Kittel „Schopen“ von dunkelgrünem oder schwarzem Samt mit Stahlknöpfen, oder auch, besonders bei Verheirateten Männern in dem langen dunkelblauen Tuchrock mit Stehkragen u. engen Ärmeln u. weißem Futtertuch, u. in dem schwarz u. rothseidenen Halstuch, das aber zuweilen mit einem goldenen Ring zusammengehalten wird u. über welchem der Kragen des Leinenhemdes hervorsieht, sodann in der Pelzmütze von Marderpelz mit Goldtroddeln, oder in dem hohen runden, schwarzen Filzhut mit handbreitem Rand, den kurzen schwarzen enganliegenden Lederhosen mit reicher Verzierung an den Hüften u. großen blanken Stahlknöpfen besetzt, den weißen baumwollen oder wollenen gestrickten Strümpfen u. den bis über die Knöchel reichenden Lederschuhen „Knodenschuhen“ oder in Stiefeln, die hier über die Waden oder die Knie reichen, das Hemd ist von Leinenzeug u. hat ziemlich weite Ärmel, das Brusttuch von rothem Scharlach bis an die Hüften reichend, wird über der Mitte der Brust mit runden blanken eng aneinander gereihten Knöpfen von Zink zusammengeknöpft. Die weibliche Tracht ist charakteristisch durch den hohen weißen, etwas spitz zulaufenden Strohhut mit schmalem Rand, der an den Stellen wo er über den Schläfen aufzusitzen kommt, mit breiten schwarzen seidenen „gewässerten“ Bändern besetzt ist, die oben zu einer Schleife gebunden zu beiden Seiten bis beinahe auf die Füße herabreichen, unter diesem, oder auch
(wie in gegenwärtıger Zeit) ohne diesen wird die schwarze Kappe getragen, die nach vorne zu mit zwei schwarzseidenen Bändern besetzt ist, die gleich denen auf der Rückseite entweder frei herabhängen oder unter dem Kinn gebunden werden, die nur wenig erhöhte handbreite flache Rückseite der Kappe ist mit Silber oder Goldstickereien auf Samt oder mit gelben Brockat verziert, an dem unteren Ende desselben sind zwei schwarzseidene Bänder oben schleifenartig verbunden, befestigt, und hängen bis auf die Füße herab; ein weiterer Bestandteil bildet der Schopen (Ärmelschopen) von schwarzem Tuch mit engangliegenden vorne umgeschlagenen Ärmeln, hinten kurz und nach vorn zu länger ausgeschnitten, auf der vorderen Fläche und auf den Ärmelumschlägen mit aufgemodelten (verzierten) handbreiten schwarzen Seidenbändern besetzt, am oberen Rand und auf der Rückseite in der Form der Schulterblätter ist 1½ Zoll breiten gemodelten schwarzen Samtbändern besetzt; der Goller, meist von Samt, mit Gold oder Silberstickerei und Flimmer umschließt zur Hälfte den Hals, und bedeckt den oberen Theil der Brust und des Mieders, an seinen vorderen Ecken rothseidene Bänder oder Ketten, die unter den Armen durch-geschlungen an den Ecken der hinteren Seite befestigt werden; über dem Goller ist das große roth oder schwarzseidene Halstuch mit lichten Randverzierungen geschlungen, und auf dem Rücken geknüpft; Brust und Rücken sind von dem oberen Theil der Jüppe (Hüppe) von buntem Brockatstoff oder von buntem Samt oder Seidenstoff bekleidet, vorn durch den mit Stickerei verzierten Brustlatz (Vorstecker) verbunden, der durch die Nestel (schmale farbige Samtbändchen oder auch Ketten, die durch die an den Seiten befindlichen Haften gezogen werden) festgehalten wird; die „Hüppe“, der Oberrock besteht aus schwarzem Wollenstoff, ist sehr eng gefältelt, ein Fuß hoch am unteren Rande mit roth und blauem Wollenstoff besetzt, und reicht bis an die Knöchel; der Unterrock ist von scharlachrothem Wollenzeug, die Schürze von farbigem, meist blauem oder grünem Baumwollenstoff mit schmalen gelben Streifen ist in viele Falten gezogen und so groß, daß sie beinahe den Oberrock vollständig bedeckt, bei reichen Frauen und festlichen Anlässen ist sie auch von Seidenzeug; das Hemd von Leinenzeug hat faltenreiche Ärmel die über dem Ellenbogen festgebunden werden; an Sonntagen, bei Kindstaufen, Hochzeiten etc. ist die Gürtelkette, über den Hüften um den Leib geschlungen, von versilbertem Messingdraht oder von Silber vorn in vielen Kettenreihen herabfallend, eine besondere Zierde; die Strümpfe von weißer Baumwolle sind gestrickt die Schuhe von schwarzem Leder sind weit ausgeschnitten.
In früheren Zeiten trugen die Jungfrauen bei Prozessionen, bei Hochzeiten die Braut die Schapeltracht; die Schapel war eine 1 Fuß hohe, oben 5 Zoll breite Jungfrauenkrone, von bunten Glasperlen, Blumen, Gold und Silberflitter, von welcher zwei lange buntseidene Bänder bis auf die Füße herabhingen; in die, von der Stirne straff zurückgezogenen Haare wurde hochrothes Wollengarn geflochten nach mittelalterlicher Weise; ein schwarzer Flor oder taffetnes Tuch war in der Gegend der Schläfen befestigt und nach Art der altdeutschen Marienbilder um Wangen und Kinn und Hals bis auf die Brust herab geschlungen, zu dem festlichen Anzuge trugen sie eine schwarzseidene Schürze und die Gürtelkette, in der Hand eine Wachskerze, und ein weißes Schild mit rothen Rosen und dem Nahmenszug der Hl. Maria bemalt.
In längsvergangenen Jahren sollen die Männer unter dem blauen langen Tuchrock einen beinahe ebenso langen Rock ohne Kragen von karmesinrothem Wollenstoff getragen haben, ferner von Hosenträgern über dem Brusttuch festgeknüpft; die Frauen der damaligen Zeit Pelzkappen ähnlich denen, wie sie später Männer und Burschen trugen. In Trauerfällen war die ganze Tracht schwarz, nur der Hut der Frauen weiß und darunter eine Spitzenhaube, die unter dem Kinn mit schwarzen Bändern gebunden wurde. Besuche und Reisen in der Gegend wurden von den Bauernhofsbesitzern und ihren Frauen zu Pferd gemacht.
Es ist natürlich, daß bei den Feldgeschäften der Landleute manche wesentliche Theile der Tracht zur bequemeren Verrichtung der Arbeit, oder auch um die Kleider zu schonen, nicht angezogen wurden, sodaß man, um die ganze Tracht zur Anschauung zu bringen, genöthigt ist, zumeist die Sonntagstracht darzustellen, und hierbei hat auch selten eine Ausnahme gemacht werden können; zur Sommerszeit arbeiten Männer und Burschen fast immer in gewöhnlichen Kitteln oder Hemdärmeln, die langen Röcke werden vermieden; Frauen und Mädchen tragen statt der schwarzen „Hüppe“ und statt dem Brustlatz und der engen Nesteleinfassung eine leichtere Bekleidung, auch das enganliegende Käppchen wird oft vermieden, und statt dessen ein farbiges Tuch entweder einfach um den Kopf gelegt und am Kinn gebunden, oder bei großer Hitze nur oben auf dem Kopfe von den Zöpfen festgehalten, sodaß es in leichtem Faltenwurf über das Gesicht hervorsteht und Schatten gewährt, ist das Mädchen, daß sich einen derartigen Kopfputz zurechtmacht, noch jung, vielleicht auch hübsch und guter Laune, so wird noch ein lustig blühend und rankendes Zweiglein bin-eingeflochten, das sich oft nicht minder glücklich ausnimmt, als die silbergestickten auf dem sonntäglichen dunkelsamtenen Goller.
In vier Bildern, und zwar drei Bildern in Kniestückformat und ein Gesamtbild in ganzen Figuren, beschreibt Rudolf Gleichauf die Trachten der westlichen Baar.
Das Bild links zeigt die männliche Tracht, einen Burschen in dem Samtschopen mit Stahlknöpfen, in der Marderpelzmütze, in dem „rothen“ Brusttuch „Leible“ mit den vielen runden Knöpfen, den schwarzen, verzierten Lederhosen, die stets bereite Ulmer Pfeife in der Hand steht er im „Esch“ (Gemarkung) zwischen Kornfeldern, einen Bekannten erwartend; die Ferne ist im Charakter der Baar gehalten.
Das Bild rechts zeigt die weibliche Tracht, eine junge Frau in dem hohen weißen Strohhut mit den schwarzseidenen Bändern zur Seite, in dem großen seidenen Halstuch, in dem schwarzen Armelschopen, mit dem gestickten Vorstecker und den „rothsamtenen“ Nesteln, mit der silbernen Gürtelkette auf der festtäglichen Schürze, dem „Bigkorb“ an dem einen Arm ist sie als auf der Wanderung in ein nahegelegenes Dorf oder Städtchen gedacht.
Das Bild links stellt ein junges Mädchen dar als Schnitterin in der fruchtbaren Baar; das Kopftuch aufgebunden, mit breiten Zöpfen und grünen Ranken geschmückt, mit der Sichel in der Hand von der Arbeit ausruhend, sitzt sie im Freien neben sich den Krug und ein Sträußlein Erdbeeren.
Das Gesamtbild unten zeigt männliche und weibliche Trachten, wie sie oben beschrieben sind, in ganzen Figuren, darunter auch ein Schapelmädchen.
Unten 6 Abbildungen vom Hüfinger Lithographen Johann Nepomuk Heinemann:
Trachtenträgerin aus dem Hanauerland
Trachtenträgerin aus Neustadt Lenzkirch.
Trachtenträgerin aus dem Schappachtal
Trachtenträger aus dem Renchthal
Trachtenträger aus dem Hanauerland
Schnitterin mit Hausen vor Wald im Hintergrund
Im Kelnhofmuseum in Bräunlingen befinden sich auch einige Drucke an der Wand:
Trachtenträgerin aus Neustadt Lenzkirch
Trachtenträger mit Ulmerkopf (Pfeife)
Trachtenträgerin von der Baar
Trachtenträger aus dem Renchthal
Trachtenträger aus dem Hauauerland
Trachtenträgerin aus dem Hauauerland.
Trachtenträgerin aus dem Schappachtal.
Trachtenträgerin aus dem Hauenstein
Trachtenträger aus dem Hauenstein
Gleichauf 1896 Fotografie von Th. Schuhmann & Sohn, Karlsruhe
Links Abbildung aus: Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1896, S. 52f.
Rechts Ansicht der Bundesfestung Rastatt 1859. Vermutlich hat er die Skizze hierfür bei einem Besuch seines Vetters Lucian Reich in Rastatt angefertigt.
Ansicht der Bundesfestung Rastatt (nach einer Zeichnung von Rudolf Gleichauf) 1859 Generallandesarchiv Karlsruhe J-B Rastatt 4
Ein Kehlkopfleiden endete das erfolgreiche Leben Rudolf Gleichaufs am 15. Oktober 1896.
Christi Himmelfahrt in der Friedhofskapelle
Gemütvoll schildert Dr. Cathiau den Abschied der Freunde von dem Heimgegangenen. Sie hatten sich versammelt „in jener heimeligen Friedhofskapelle von Karlsruhe, von deren Altarwand das Werk des Verblichenen, „Christi Himmelfahrt“, im Abendsonnengolde verklärt niederblickte. Als der Sarg über der Gruft schwebte, da sang aus dem herbstlichen Laubdickicht des nahen Fasanengartens ein verspäteter Buchfink sein Vale amice! . . .“ (Aus Badische Heimat 31 (1951), Rudolf Gleichauf – Ein Gedenkblatt von Balthasar Mooser)
Die Grabsteine von Adolf Heer und seinem Freund Rudolf Gleichauf
Nach dem Tode Adolf Heers veranlasste der Landschaftsmaler Wilhelm Klose eine würdige Grabstätte für seinen Freund. Die Ausführung lag in den Händen von Bildhauer Johannes Hirt, der ein langjähriger Mitarbeiter von Heer war. Die zwei Bronzereliefs von Heer und Gleichauf am Grabstein sind mit J. Hirt signiert. Das Grabmal fand seinen Platz auf dem sogenannten „Hügel“ auf dem Friedhof in Karlsruhe.
Im Jahre 1976 hieß es im Südkurier: „Silberdisteln schmücken das gemeinsame Grab von A. Heer und R. Gleichauf, wo den Besuchern von der Friedhofsverwaltung erklärt wird: „Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit und Pflicht, den Gräbern Heers und Gleichaufs unsere Aufmerksamkeit zu schenken“. Mit wenigen einprägsamen Worten wird die Bedeutung der Künstler skizziert: .. Heer und Gleichauf haben im vergangenen Jahrhundert mitgeholfen, die Züge des Kunstschaffens in Karlsruhe zu prägen“. *
Monate später wird dann in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Hüfingen und wahrscheinlich auch Vöhrenbach (dort ist Adolf Heer geboren) angefragt, ob Interesse am Grabstein der beiden Künstler bestehe: „Das Grab wird aufgelöst.“
Die Stadtverwaltung holte die Grabsteine nach Hüfingen und sie stehen jetzt bei der Aussegnungshalle.
Adolf Heer Bildhauer geboren 13. September 1819 gestorben 29. März 1898
Grabmal 1973 noch in Karlsruhe
Grabstein von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf ohne die ehemals kunstvolle Einfassung.
Rudolf Gleichauf Historienmaler geboren 29. Juli 1826 gestorben 15. Oktober 1896
*Bildhauer Prof. Adolf Heer, Sein Leben und seine Werke auf der Baar und dem Umland von Erich Willmann Schriften der Baar 53, (2010)