Der Jäger Abschied

(frei nach Joseph Freiherr von Eichendorff)

  1. Wer hat Dich, du schöner Wald,
    Umgebaut dank Plastikhüllen?
    Für den Mischwald wollt ich stimmen,
    Solang noch mein Stimm erschallt.
    Doch so leb wohl,
    Lebe wohl, du resilienter Wald!
  2. Tief die Welt verworren schallt,
    Und wo einst das Rehlein graste,
    Steckt der Wald derweil in Plaste.
    Lebe wohl,
    Lebe wohl, du resilienter Wald.
  3. Was wir still gelobt im Wald:
    Wollten´s Plastik draußen halten,
    Ewig bleiben treu dem Alten,
    Bis das letzte Lied verhallt.
    Lebe wohl,
    Lebe wohl, Du resilienter deutscher Wald.

Waldumbau mit dem Charme von Kriegerfriedhöfen

Verdun lässt grüßen

Rätselauflösung Teil 1

Jetzt kommt Teil 1 der Auflösung, welche Schlangenart zu sehen ist.

Ich war selber unsicher, einige wenige haben den richtigen Tipp abgegeben. Schlangenkenner Dr. Gerrit Müller aus Neustadt, schrieb nur „Aspisviper“ mit Ausrufezeichen (!).

Und ich durfte sie sehen, ein absoluter Oberhammer. Spannend ist auch die Geschichte, wie die Bilder zustande kamen. Sohn Michael und ich kamen von einem Naturspaziergang in unsere Ferienwohnung bei Orleans. Beim Haustüröffnen denke ich, Mann, was kriecht da vorbei an der Wand entlang.

Eine Schlange an einer Mauer - ätsch ich verrate diesmal nicht welche
Eine Schlange an einer Mauer

Bild 3 zeigt die Wand, zwei Steine waren dort angelehnt. Zunächst verschwand sie hinter dem großen ersten, der bot ihr anscheinend zu wenig Deckung. Deshalb verzog sie sich hinter den zweiten kleineren. Dann war Ruhe.

Das Bild zeigt, was ich gemacht habe, nämlich den Stein mit der linken Hand ganz ruhig oben von der Wand weggezogen, so dass Michael dieses schöne Bild 1 gelingen konnte. Ob ihrs glaubt oder nicht, ich versuchte mit der anderen Hand auch zu fotografieren, aber ich war zu langsam. Denn sie entrollte sich und verdrückte sich weiter an der Wand entlang, bis ein Busch ihr vollkommene Deckung gab. Toll war, dass Michael nochmals die Schlange in ganzer Länge aufnehmen konnte, siehe Bild 2.

Interessant war für mich, dass die Schlange beim Abmarsch seltsame relativ leise Geräusche von sich gab. Vielleicht wollte sie sagen, lasst mich ja in Ruhe, sonst beiß ich Euch. Natürlich habe ich die Bilder Google lens und ChatGPT geschickt, aber letztlich war ich froh und dankbar, dass Dr. Gerrit Müller „Aspisviper“! schrieb.

Das war ein Erlebnis, kann ich Euch sagen. Es hat mich etwas daran erinnert, als Cathrin Schelshorn in Ischgl eine Kreuzotter auf Ihren Skistock nahm, ihr erinnert Euch sicherlich noch. Die Aspisviper ist die zweite Giftschlange Deutschlands und der Hammer ist, sie kommt nur im Südschwarzwald auf einer relativ kleinen Fläche vor.

Eine Schlange an einer Mauer

Leider bin ich ihr bei meinen Außendiensten im Hinterwäldergebiet auf den Weideflächen nicht begegnet. Wie die Kreuzotter ist sie lebendgebärend. Unser fotografiertes Exemplar war etwa 50 cm lang, ausgewachsen können sie 85 cm erreichen. Sie werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif. Schaut auf den Kopf, typisch für Vipern ist die etwas vom Körper abgesetzte Dreiecksform. Das Band auf dem Rücken ist nicht gleichmäßig wie das Zickzackband der Kreuzotter. Das ist sehr gut zu sehen auf dem Bild.

Wer weiteres zu dieser interessanten Schlange wissen will, schaue unter https://de.wikipedia.org/wiki/Aspisviper.
Was sich in diesem Fall bestätigt hat, dass Schlangen vor dem Menschen die Flucht ergreifen und nur im Ausnahmefall zubeißen. So ein Ausnahmefall passierte vor kurzem im Schweizer Jura, als ein Kletterer von einer Asisviper in die Hand gebissen wurde: www.alpin.de/kletterer_von_giftschlange_gebissen__aufwendiger_rettungseinsatz. Er überlebte. Im übrigen ist die Giftwirkung der Aspisviper nicht ganz so stark wie die der Kreuzotter.

Vielen Dank allen fürs Miträtseln. Nächste Woche ist der Kracherbaum an der Reihe.

16. September 2026
Liebe Bürgerpostleser,

um etwas Abwechslung anzubieten, seid Ihr dieses Mal gefragt.

Erste Frage, welchen Umfang in 1,30 Meter Höhe hat dieser Baum?
Zweite Frage, um welche Baumart handelt es sich?

Dritte Frage, welche Schlangenart seht Ihr auf den beiden Bildern?
Kleiner Tipp, sie kommt in Deutschland nur im Südschwarzwald vor.

Ich bin gespannt auf Eure Antworten. Die Auflösung folgt im nächsten Beitrag.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Draisine, Dögginger Loch, Ihlemühli

Weg runter in die Schlucht der Eulenmühle

24. April 2021

Wo d Mehlbuebe no mit de Draisine zum Müller gfahre sind,
Und au mit de Draisine zum Hergottsdag:

„Ihr Heilandsakramenter, ihr kennet doch de Fahrplan!“

So moss de Grossvater Felix de gross Bue, de Wilhelm, und de ander Dögginger Stromer , de Starke- Willi, aagjoolet haa. De Grossi Felix war Bahhofsvorstand z Dögginge und hät natierli au s Stellwerk z Dögginge unterhalb vum Dögginger Tunnel vu de Hölletalbah dirigiert. Grad isch en Zug vu Löffinge mit eme uugwöhnlich lange Pfiife in Bahhof iigfahre. De Opa Felix hät no friendli mit de Hand am Bähnlerkappe grüesst, wo scho de verruesst Lokführer, kum hät er d Miggi aadriblet, us em Lokstand abighoppet isch mit ere Sauwut im Ranze de Felix aagjoolet hät.: „ Lek mi doch am Arsch, kinneter nit besser uffbasse, grad sind vor mir zwei so Soecher am End vum Tunnel vure Draisine abihgoppet, hond Mehlsäck abgworfe und d Draisine grad no vum Gleis abgekippt griegt. Wo ni die gsähne han im heale Gegeliicht am Tunneluusgang, hann i gmigget und Pfiffe, dass Fahrgäscht vu de Holzsitz abibolderet sind, bestimmt s Hirn aagschlagge hond und s Frachtguet im ganze Güterwaggon ummenand boggelet und krachet isch. Wa waret des für zwei oefältige Dackel, die Mehlbuebe ? 

Hää ? „ Uusahmswies schtot de bärestark Wälderkaib, sunscht nit grad uff s Muul kait, verdatteret uffem Peron. „ Wa isch do gsiee, wo isch des gsie ? „  Nomol loot de gähwüetig Dampflockvirtuos sin Dampf ab und scheisst de Lix, so hät mer im Opa gsait, nomol zähmet bevor er wieder freie Fahrt gegg Eschinge kriegt. Trotz allem moss de Fahrplan iighaalte were und uff d` Minut dä z Eschinge, am badische Iisebahknotepunkt, so ebbis wie de Arc de Triumph z Paris, iifahre. „ Mundidie „ sait de Felix no paarmol, dene Quatratsladschi gib is aber !“   Mundidie isch im gottesfürchtige Felix sind gwähnliche Fluech, im Gesesatz zu de Booremer Buure die ganz anderi gottsläschterliche und uukeusche Flüech druff hond. Des Mundidie hät er us em 1. Weltkrieg, us Lothringe mitbroocht und hoesst eigentlich dä selli charmant und gottesfürchtig „ Mon Dieux „. „De Mundidie“ hät mer im Lix denno au später z Gräninge gsait, woner aaschliessend au dä Bahhofsvorstand war. 

Paar Minute später fahrt e zweits Gfährt im Bahhof ii. E Draisine, mit zwei grosse Buebe und paar wiisse, handgwobene Meahlsäck druff. Vor em Wohnteil vum Bahhof migget sie und stieget ab. Und denno gohts los: De Vater Felix pforret us em Stellwerk und loot Schräe ab wie en Aabrennte. Jetzet kunnt sii bsunder Strofgricht:  De Lederrähme us em Hosebund und de Wilhelm, sin Bue über s Knie und e paar knallherte Peitscheschläg uff s Fidle. S Bläre khaa de heldhaft 14- Jährig grad no verhebbe. Des sich gsesse. De Starke Willi loht er in Ruhe, des soll seller Vater erledige. Jetzt wered unter de strenge Uffsicht vum Vater die schwere Mehlsäck, zum guete Glick isch konn verplatzt, uff d Bühni trait und i de muusdichte Mehlkischte versorget. D Säck stammet vum Onkel vu de Frau Sophie us Hifinge, vum Kramer – Beppi. Kramer stoht au uff dene guet gwobene Mehlsäck. De Beppi war en guete, dipflischiessige und aagsähnene Leineweber im Süesse Winkle. Der Mehl- Tagesbfehl war zwar erlediget, aber für wa fer en Priis ?

Frühner, also no so bis id 30-erJohr, war e Bahgleis wie d Hölletalbah au e hilfreiche Magistrale für de klei Persone- und Wahreverkehr. Woni hit bei ere Besichtigung vum neue Gleis vu Löffinge bis Dögginge mit eme hochmoderen, vollautomatisierte 400 m lange Gleisausbau.- und Verlegezug z Dögginge westlich vum Tunnle gstande sind, han ich im Joachim Binkert kurz die tragig komisch Familiehistorie aadietet. De Studiefreunmd Joachim isch immer no bi de Bahn aktiv und de Projektleiter vu dere Sanierung. Er und no on, de Andy Glatz und de Schwitzer Rene Müller, sind vu den 25 Semesterkollege Bähnler wore. De Joachim hät de Baaremer und de Hegaufraktion vu iiserem Semester FH Konstanz 1974 die technisch uuglaublich Baustelle zu iiserm grosse Respekt zoeget. 

Eine Draisine aus Holz mit roten Rädern

Draisine

Die Draisinegschicht , die ich für en einmalige Fall z Dögginge ghalte han, hät de Joachim voll bestätigt und ergänzt. Sin Grossvater war Stellwerkbähnler z` Radolfzell Richtung Stahringe. Er isch vu Radolfzell zum so 1 km usserhalb liegende Stellwerk jede Tag hin- und zruck mit de Draisine gfahre. Des war au z` Dögginge die üblich Fahr– Transport u. Reiseart. Im Grossi sie Frau, d Sophie Kramer, war us Hüfinge. Und wenn sie gi Iikaufe, zu de Verwandschaft, zum Zahnarzt Vetter Ernst Kramer oder au a Kirchefeschter z Hüfinge gange sind, sind die mit de ganze Familie Bagage mit ere Draisine gfahre. De Fahrplan hät en Bähnler genau kennt und so isch mer amend uff e Abstellgleis z Huuse oder z Hüfinge gfahre wenn en Zug kumme isch oder me hät die Draisine kurz vum Gleis abi gschunde und denno wieder druff gmorkst. So hond die Manne, Wieber, Kind d Muckibuddi spare kenne. Dä sind au so silbrige, verchromte Pump- und Giegmaschine uffgstellt und me moss sogar no zahle ohne dass mer on Meter vorwärts kunnt.  Bei de Draisine war des alls ummesunscht. 

Zora auf dem Pfad runter zur Eulenmühle

Dögginger Mehlbuebe:  Bahhof, Dögginger Loch, Iihlemülle hin und zruck. (Eulenmühle in der Gauchach) 

Wa isch a dem Werktig i de 20- Johr aber passiert ? De ältscht Bue vu s Hilperts, de bommstark Wilhelm, hät noch de Schuel vu de Motter Sophie und em Vater Felix de Ufftrag griegt, d Fruecht vu dem kleine Woezeäckerli am Bahdamm mahle z lau, dass mer wieder guet Buurebrot ver s ganz Johr bache khaa. Dass es i om goht, hät au de Starke Willi, au er war, Nomen est Omen, scho bäre- Stark, d Fruecht vus Starke, des waret Buure im Ort, mahle lau solle. Dögginger , Unedinger, Dittishuusemer hond i de Ihlemilli i de Obere Gauche bim legendäre Ihlemillier mahle lau. So hond allso die beide grosse Kerli d Fruechsäck vu beide Familie uff d  Draisine vum Bahhofsvorstand glade und sind i de Zugpause geg Weste mit de Handschwengel- Draisine gfahre. Gli noch em Bahhof kunnt s 550 m lang Dögginger Tunnel, s uubeleuchtet Dögginger Loch, s längscht Tunnel vu de Hölletalbah. Des isch ziemelich guet und schnell gange weil dä d Bah Abwärtsgfäll hät bis zu de Gauchachbruck vu uugfähr 2/oo. Dorch s Loch hond sie vu de aazundene Carbitfunzle eweng heal khaa und es isch noch em Scheitelpunkt am Tunneliigang gattig wie gschmiert grennt. Uff de Gauchachbruck hond sie ziemli migge messe, dass sie nit geg Unedinge pforret sind. Dä noch de Bruck hond sie d Fruechsäck vorsichtig, dass sie nit platzt sind , a s Bankett gleit. Denno hond sie die schwere Bolle die gähe Halde mit 40 Meter Höhe a d Gauche, an Weag zu de Ihlemilli, uff em Buckel abi schloepfe messe. D Draisine hät natierli vum Gleis kippt were messe, dass Zueg frei Fahrt ghet hond. Zerscht sind sie zum Ihlemiller gloffe zum en schwere Handloeterewage hole. Mit dem hond sie die Säck a d Ihlemilli uffi gfahre. Im Miller hond sie beim Verwäge genau uff Doope guckt, so wies de Vatter Felix gsait hät, und hond de Wiegrodel in Hosesack gschoppet. D Milleri hät ene no e Glas Milch gähe und en guete Hoemweag gwiescht. Uffizue geg s Dögginger Loch isch es i de Zugpaus, die sie genau kennt hond, jetzt au uhni volle Säck schwerer gange, aber doch schnell gnueg bevor de näscht Zug kumme isch.

Die Eulenmühle

 Oe Woch später hond sie die gmahle War wieder hole kinne. Wieder sind sie noch de Schuel mit de leere Draisine dorch s Loch bis noch de Gauchebruck. Dä wieder Draisine vum Gleis kippt und ab zum Ihlemiller. Bei de Gegewägerei vum Mehl hond sie wieder genau zueguckt. Miller waret nämlich als Trickser, manchmol au als Bschiesser eweng verruefe und nit so aagsehne, obwohl sie meischtens, im Gegesatz zu de Kleibuure oder gar de Bähnler, ziemlich riich waret. Mit em Handwage isches jetzt wieder a d Gauchebruck und mit de zentnerschwere Säck uff em Buckel die gähe Halde uffi as Gleis und a die Draisine. Gwisst hond sie genau, dass de Friiborger Zug bald kumme word. Aber es isch jo so guet grennt beim herfahre und au vor ere Woch. Do hond sie aber d Rechnung nit mit de schwere Säck und de Steigung gege s Dögginger Loch und durchs Loch gmacht. Desmohl hond sie ghörig giige und gampe messe, dass sie gschwitz hond wie Brauereirösser, halt wie Draisinepumper. Vor em Loch no Carbitfunzel aazunde und mit jugendlicher Risikobereitschaft nint wie inni is fischter Tunnel. Wo sie so 200 Meter vor em End vum Loch und fascht am Scheitelpunkt, am Hochpunkt, verzwieflet gege d Schwerkraft kämpfet, höret sies scho fauche, des giegsig Dampross. Es kunnt immer näher und mit letzter Kraft, grad so 50 Meter vor de Lok, werfet sie grad no am Tunneluusgang im Freie d Säck vu de Draisine, hoppet abi , kippet des schwer Draisine Iisegstellarsch vum Gleis und höhret des Gjojl und Gschroe vum Lokführer und vum riesige Heitzer. Des hät sogar die de Höllegrach vu de Lok übertönt. „Leck mi am Arsch, des isch grad no guet gange“, sait de Starke Willi. Und de Wilhelm murmlet kleiluut „ Du häsch guet spotte, de Ranze voll grieg ich und die Strieme vum Ledergurt vum Vatter lond mi die näschte Tag uuruhig uff em herte Schuelbank hucke “

altes Familienfoto

Die Uffstellerei vu de Draisine, des Ufflade und denno die liicht Abfahrt vum Tunnelloch bis an Bahhof war konn Triumpfzug vu heldehafte Athlete, es waret gschlagene, gnickte, brochene Kämpfer gege die Gsetz vu de Schwerkraft und de Gleisneigung. Die Lektion wär mit hängende Köpf und demutsvoll glehrt. De oe isch en erfolgriiche Baustoffhändler wore und de ander zerscht Mechaniker und denno en „Spätberufene Pallottiner Missionar im Palmölgarte des Herrn“ im ferne Brasilie. 

Jo, so war des Mehlbuebedebakel i de 20- er Johr z Dögginge 

Die Kapelle der Eulenmühle mit den großen alten Bäumen

Für mehr demokratische Partizipation!

Demokratie lebt nicht allein davon, dass in regelmäßigen Abständen gewählt wird. Sie lebt auch davon, dass Bürgerinnen und Bürger Einfluss darauf nehmen können, wer politische Verantwortung übernimmt, und dass unterschiedliche Teile der Bevölkerung angemessen vertreten sind.
Gerade auf der Ebene der Landkreise lohnt deshalb ein genauerer Blick auf die Frage, wie demokratische Beteiligung organisiert ist.

Wer die Landräte in Baden-Württemberg bestimmt

Baden-Württemberg gehört gemeinsam mit Schleswig-Holstein zu den beiden Bundesländern, in denen die Landrätinnen und Landräte nicht unmittelbar von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden. In den übrigen elf Flächenländern werden die Landräte direkt gewählt.

In Baden-Württemberg wählt stattdessen der Kreistag den Landrat oder die Landrätin. Die Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist möglich. Der Landrat beziehungsweise die Landrätin ist dabei nicht nur Vorsitzende bzw. Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, sondern zugleich Leiterin bzw. Leiter des Landratsamtes und der staatlichen unteren Verwaltungsbehörde. Damit steht das Amt an einer wichtigen Schnittstelle zwischen kommunaler Selbstverwaltung und staatlicher Verwaltung.

Das Verfahren ist demokratisch legitimiert – aber eben indirekt. Die Bürgerinnen und Bürger wählen den Kreistag; dieser bestimmt anschließend die Person an der Spitze der Kreisverwaltung.
Die Frage ist deshalb durchaus berechtigt, ob eine unmittelbare Wahl durch die Bürgerinnen und Bürger nicht auch auf dieser Ebene mehr demokratische Beteiligung und eine stärkere persönliche Legitimation schaffen könnte.

Und wie sieht es mit der Repräsentation aus?

Ein Blick auf die Geschlechterverteilung macht die Frage besonders interessant.

Von den 35 Landkreisen in Baden-Württemberg werden derzeit gerade einmal zwei von einer Frau geführt: Marion Dammann im Landkreis Lörrach und Stefanie Bürkle im Landkreis Sigmaringen. Damit liegt der Frauenanteil bei den Landrätinnen und Landräten bei nur 5,7 Prozent. An dieser Größenordnung hat sich gegenüber den vergangenen Jahren kaum etwas verändert.

Dabei bilden Frauen keineswegs eine kleine Bevölkerungsgruppe. Im Schwarzwald-Baar-Kreis lebten nach den aktuell verfügbaren Zahlen des Statistischen Landesamtes zum 30. Juni 2024 insgesamt 214.133 Menschen. Davon waren 106.080 Männer (49,5 Prozent) und 108.053 Frauen (50,5 Prozent).

Frauen stellen damit etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung – an der Spitze der Landkreise sind sie dagegen nur in zwei von 35 Fällen vertreten.

Das allein sagt noch nichts über die Qualifikation einzelner Personen oder über die Gründe für diese Verteilung aus. Es zeigt aber eine auffällige Diskrepanz zwischen der Zusammensetzung der Bevölkerung und der Zusammensetzung der politischen Führungsebene.

Genau hier beginnt für mich die eigentliche Frage nach demokratischer Partizipation: Wie können politische Strukturen so gestaltet werden, dass möglichst viele Menschen nicht nur vertreten werden, sondern sich auch tatsächlich angesprochen und beteiligt fühlen?

Die direkte Wahl des Landrats oder der Landrätin wäre dabei eine Möglichkeit. Sie würde die Entscheidung über die Person an der Spitze des Landkreises unmittelbar zu den Bürgerinnen und Bürgern bringen.

Das wäre keine Abwertung des Kreistages. Im Gegenteil: Der Kreistag bleibt ein wichtiges demokratisches Gremium. Aber zwischen der Wahl von Kreisrätinnen und Kreisräten und der anschließenden Entscheidung über die Person an der Spitze der Verwaltung liegt derzeit eine zusätzliche Entscheidungsebene.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, auch in Baden-Württemberg einmal ganz unaufgeregt darüber zu sprechen, ob wir unseren Bürgerinnen und Bürgern an dieser Stelle nicht mehr direkte demokratische Beteiligung zutrauen können.

Gewaltenteilung

Der französische Philosoph Montesquieu beschrieb vor mehr als 200 Jahren ein Grundprinzip moderner Demokratie: Staatliche Macht soll nicht an einer einzigen Stelle konzentriert sein. Die drei Gewalten – Exekutive, Legislative und Judikative – sollen sich gegenseitig begrenzen und kontrollieren.

Die Exekutive, also die ausführende Gewalt, setzt Gesetze und politische Entscheidungen um. Dazu gehört die Verwaltung. Die Legislative, also die gesetzgebende Gewalt, beschließt die Gesetze und kontrolliert die Regierung. Die Judikative schließlich ist die rechtsprechende Gewalt und soll unabhängig von den anderen Gewalten über die Einhaltung des Rechts wachen.

In der Praxis ist das Verhältnis natürlich komplizierter, als es ein einfaches Drei-Säulen-Modell vermuten lässt. Aber der Grundgedanke bleibt wichtig: Demokratische Macht braucht Kontrolle.

Gerade auf kommunaler und regionaler Ebene stellt sich deshalb die Frage, wie gut diese gegenseitige Kontrolle tatsächlich funktioniert. Was passiert, wenn politische Entscheidungsträger, Verwaltung und die Menschen, die über ihre Arbeit berichten, über viele Jahre eng miteinander verbunden sind?

Ich habe diese Frage unter anderem im Zusammenhang mit dem Petitionsausschuss und dem Behlaer Weiher erlebt. Dort entstand bei mir jedenfalls nicht der Eindruck, dass die verschiedenen Institutionen ihre Kontrollfunktion immer so wahrnehmen, wie man es sich von einer lebendigen Demokratie wünschen würde.

Wer kontrolliert die Kontrollierenden?

Zur demokratischen Kontrolle gehört noch eine weitere Kraft, die Montesquieu in dieser Form natürlich noch nicht kennen konnte: die Presse beziehungsweise die Medien.

Zeitungen, Radio, Fernsehen und heute auch digitale Medien sollen nicht nur über politische Entscheidungen informieren. Eine freie Presse soll auch Fragen stellen, Widersprüche sichtbar machen und dort genauer hinschauen, wo staatliches oder politisches Handeln erklärungsbedürftig ist.

Gerade deshalb ist die lokale Presse für eine funktionierende Demokratie so wichtig.

Was geschieht, wenn diese Kontrollfunktion schwächer wird?

In einer kleinen Region kennen sich Politik, Verwaltung, Vereine, Unternehmen und Medien zwangsläufig recht gut. Das kann vieles einfacher machen. Es kann aber auch dazu führen, dass kritische Fragen schwieriger werden.
Wenn offizielle Pressemitteilungen weitgehend übernommen werden, wenn die Perspektive der Verwaltung stärker sichtbar ist als die der betroffenen Bürgerinnen und Bürger oder wenn ehrenamtliches Engagement erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn es in das vorhandene Bild passt, entsteht ein Ungleichgewicht.

Das muss keine große Verschwörung sein. Oft reicht schon Nähe.
Wer sich kennt, geht vielleicht vorsichtiger miteinander um. Wer regelmäßig zusammenarbeitet, möchte den anderen nicht unbedingt vor den Kopf stoßen. Und wer auf Informationen aus Verwaltung oder Politik angewiesen ist, überlegt sich möglicherweise zweimal, wie kritisch er berichtet.

Für eine Demokratie ist deshalb nicht nur wichtig, dass niemand ausdrücklich Druck ausübt. Ebenso wichtig ist, dass Menschen und Institutionen frei genug sind, auch ohne Druck kritisch nachzufragen.
Das gilt für Parlamente und Kreistage genauso wie für Verwaltungen, Gerichte und die lokale Presse.
Demokratische Kontrolle bedeutet schließlich nicht, dass alle gegeneinander arbeiten sollen.
Sie bedeutet, dass Widerspruch möglich sein muss.

Mein Fazit

Demokratie ist mehr als die Möglichkeit, alle paar Jahre ein Kreuz bei einer Wahl zu machen.

Eine Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Anliegen einbringen können, dass unterschiedliche Interessen sichtbar werden und dass politische Macht kontrolliert wird. Dazu gehören starke Parlamente und Gemeinderäte ebenso wie eine unabhängige Verwaltung, eine freie Presse und eine lebendige Zivilgesellschaft.

Gerade deshalb halte ich es für problematisch, wenn politische Entscheidungen und personelle Macht über lange Zeit sehr stark bei wenigen Strukturen konzentriert sind.

Das ist keine Frage der Parteifarbe.

Denn ein demokratisches System sollte nicht nur dann funktionieren, wenn die „richtigen“ Parteien die Mehrheit haben. Es muss auch dann funktionieren, wenn sich politische Mehrheiten verändern.

Wenn heute eine Partei oder eine Parteienkonstellation über viele Jahre die entscheidenden Positionen besetzen kann, dann kann morgen eine andere politische Kraft von denselben Strukturen profitieren. Was wir einer Partei nicht an Macht in die Hände geben möchten, sollten wir deshalb auch keiner anderen geben.

Das gilt ganz besonders angesichts der Veränderungen in unserer politischen Landschaft. Die AfD ist inzwischen in vielen Parlamenten vertreten und erzielt auch in Baden-Württemberg erhebliche Wahlergebnisse. Sollte sie irgendwann in einem Landkreis über eine entsprechende Mehrheit verfügen, würde sie in einem System mit stark konzentrierten Entscheidungsstrukturen nicht plötzlich auf weniger Macht stoßen als die Parteien, die diese Strukturen zuvor genutzt haben.

Genau deshalb sollte die Antwort auf politische Veränderungen nicht lauten, die Machtverhältnisse lediglich gegen andere auszutauschen.

Die Antwort sollte sein, Macht besser zu verteilen.

Dazu gehört für mich auch eine stärkere unmittelbare Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Dazu gehört Transparenz darüber, wie Entscheidungen zustande kommen. Dazu gehört eine lokale Presse, die nicht nur informiert, sondern auch kritisch nachfragt. Und dazu gehört eine Zivilgesellschaft, in der nicht nur die großen und gut sichtbaren Organisationen vorkommen.

Denn auch beim Ehrenamt stellt sich die Frage: Wer wird gesehen?

In einer kleinen Region entstehen jeden Tag unzählige Dinge, die für das Zusammenleben wichtig sind – oft ohne große Vereine, große Budgets oder professionelle Öffentlichkeitsarbeit dahinter. Nicht jedes Engagement hat eine Pressemitteilung, ein perfektes Gruppenfoto oder die Möglichkeit, regelmäßig auf sich aufmerksam zu machen.

Eine lebendige Demokratie sollte aber nicht davon abhängen, wer am besten Öffentlichkeitsarbeit betreiben kann.

Wenn lokale Medien hauptsächlich das veröffentlichen, was ihnen zugetragen wird, bleiben zwangsläufig viele Menschen und Initiativen unsichtbar. Das ist nicht unbedingt Zensur. Es ist oft schlicht eine Folge davon, wer Zugang zur Öffentlichkeit hat und wer nicht.

Gerade deshalb brauchen wir möglichst viele unabhängige Stimmen – in den Parlamenten, in den Vereinen, in Initiativen, in der lokalen Öffentlichkeit und auch in den Medien.

Demokratie bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sein müssen.

Im Gegenteil.

Demokratie bedeutet, dass unterschiedliche Menschen zu Wort kommen, dass Macht Widerspruch aushalten muss und dass niemand darauf vertrauen darf, die eigenen Mehrheiten würden für immer bestehen bleiben.

Vielleicht wäre das ein guter Zeitpunkt, auch in Baden-Württemberg wieder etwas mehr Vertrauen in die Bürgerinnen und Bürger zu haben.

Nicht nur alle paar Jahre an der Wahlurne.

Sondern auch dazwischen.

Für demokratische Partizipation!
Für Parität!

Zwischenhalt in Sachsen-Anhalt

Was war das doch für ein schockierender Wahlabend an diesem 6. September: mit Siegestänzen und Triumphgeheul schon um 18 Uhr bei der AfD, mit Leichenbittermienen und Ratlosigkeit bei der halbierten CDU, mit Bangen noch beim BSW, ob es die fünf Prozent diesmal schaffen wird – und mit Fassungslosigkeit vor dem Fernsehbildschirm! Wie hat es der ewig grinsende neue AfD-Star Siegmund auf seinem nostalgischen blauen DDR-Motorroller bloß geschafft, 44 Prozent der Wahlberechtigten quer durch alle Alters- und Berufsgruppen wie beiderlei Geschlechts für die vom Verfassungsschutz als „in Teilen gesichert rechtsextrem“ eingeschätzte Partei zu gewinnen – und dies bei einer Rekordwahlbeteiligung und mit einem hanebüchenen Wahlprogramm, das Schlimmstes befürchten lässt?

Karikatur von Wolfgang Horsch für die SZ mit dem Siegmund auf einem Roller und mit Victory Zeichen und die Wagenknecht klammert um seinen Bauch.

Karikatur von Wolfgang Horsch in der Süddeutsche Zeitung am 9. Sept. 2026

Drei Sitze, so stellt es sich schließlich heraus, fehlen der AfD zur Mehrheit – ob da nun Sarah Wagenknecht, die vormals eher Linksextreme, aushelfen wird?

Wann immer die TV-Sender nach Sachsen-Anhalt schalteten an diesem beklemmenden Abend (wie auch an den überaus turbulenten Tagen zuvor und danach), grüßte der Magdeburger Dom. Waren da nicht kürzlich erst die Gebeine von Kaiser Otto I, dem Großen, feierlich neu bestattet worden, und hatte die AfD womöglich auch hiervon noch profitiert? Spätestens da kamen in dem so heftig in Unruhe versetzten Ruheständler Erinnerungen hoch: Erinnerungen an seinen eigenen Besuch des Doms – lang, lang ist´s her. In den Sommerferien des Jahres 1958 war er zusammen mit seinem jüngeren Bruder auf strammer Deutschland-Tour per Rad auch in Magdeburg zwischengelandet; denn selbstverständlich durfte dabei auch die „Ostzone“ nicht ausgespart werden, zumal sich hier die Patentante als Etappenziel anbot, bevor ein Stück weiter, knapp jenseits von Sachsen-Anhalt, auch ferne Verwandtschaft noch lockte. Ob es sich da – zur Ablenkung vom garstigen Tagesgeschehen – nicht lohnen würde, mal wieder den gemeinsam verfassten, mit Fotos und Skizzen ausgeschmückten „Fahrtenbericht“ (wie er in jugendbewegten Jahren üblich war) von jener Tour hervor zu holen und darin zu blättern.

altes Foto vom Dom mit nur einer Kuppel

Anno 1958 noch beschädigt: der Dom in Magdeburg

Litfaßsäule mit Plakaten

Plakatwerbung fürs Zentralkomitee

„Es war eigentlich gar nicht so recht einzusehen“, lese ich in meinem handschriftlich verfassten, mittlerweile fast 70 Jahre alten Text, „dass wir nun plötzlich in einem anderen Deutschland sein sollten. Ein schlacksiger Junge, der eng verwandt schien mit einer Kategorie Jugendlicher, die bei uns halbstark genannt wurde, erwies sich uns bereitwilligst als Fremdenführer und gondelte mit seinem Fahrrad vor uns her, bis vor die Haustür der Tante.

Sonntagmorgen in Magdeburg. Rolf und sein kleiner Bruder Kitty (die Söhne der Tante) übernehmen es gern, uns die Stadt zu zeigen und dazu die notwendigen Kommentare zu liefern. Großzügig geplante und halbfertige (stalinistische) Prunkbauten wechselten ab mit den Trümmern der zerbombten Altstadt…

unschafes altes Foto mit Gebäude und zwei Männer in Uniform

Stalinistische Prunkbauten mitsamt Vopos

Wir kamen gerade noch recht zum Gottesdienst im altehrwürdigen gotischen Dom. Ich erinnere mich nicht mehr genau an den Predigttext, aber ich habe noch die Worte im Ohr, mit denen der Pfarrer die Gemeinde zum Aushalten aufrief. Er sprach auf eine so feine und mutige Art, dass wir einfach aufhorchen mussten. Das große Schiff war vollbesetzt bis zur letzten Bank. Vorwiegend bestand die Gemeinde wohl aus älteren Leuten, doch entdeckten wir auch Jugendliche in unserem Alter. Was bloß die russische Reisegesellschaft so an der gotischen Architektur interessierte, die nach dem Gottesdienst den Dom besichtigte?“

Natürlich stand auch noch ein Kinobesuch auf dem Programm: Angeschaut wurde der überall angepriesene sowjetische Monumentalfilm „Ein Kommunist“, der den „Freiheitskampf“ der Kommunisten in eindrucksvollster Taiga-Landschaft nachzeichnet, in der der Held schließlich, zu Tode verwundet, geradezu in die Kamera zu stürzen scheint. Doch wir hatten schon bessere Wildwestfilme gesehen, wie ich festhielt, sodass wir „von kommunistischen Ideen gottlob nicht überzeugt“ werden konnten.

Dann wurden die Räder wieder gesattelt, und nach einem Abstecher ins Brandenburgische zur Verwandtschaft (nach Zitz bei Wusterwitz) ging es südwärts über den Kyffhäuser, den Harz, weiter an der Werra und der Fulda, schließlich dem Main, der Regnitz und der Altmühl entlang bis nach Kelheim an der Donau. Auch dort wie in Magdeburg gab es ja noch eine Freundin der Mutter aus BDM-Zeiten, um noch ein paar Tage verweilen zu können, wo uns doch gewiss auch die Tochter Heidi noch bestens betreuen würde. Aber es nahte das Ferienende und auch das Heimweh hatte zugenommen, sodass wir schließlich nach einer Tag-Nacht-Gewalttour – ein Stück weit freilich auch noch per Anhalter auf einem Lkw – so erschöpft wie glücklich wieder zuhause im Schwarzwald gelandet waren.

Weil ich eben „per Anhalter“ schrieb, drängt sich mir doch prompt die Wahl in Sachsen-Anhalt wieder in den Sinn: Wie wird es weitergehen mit der AfD bei den nächsten Landtagswahlen? Wird die „Deutschlandtour“ der Partei nächstens auch erfolgreich durch den Westen und den Süden führen – um letzten Endes die ganze Republik aufzumischen? Oder droht ihr zuvor die Disqualifikation?

Zirkumzenitalbogen

Liebe Bürgerpostleser,

heute möchte ich Euch etwas „Himmlisches“ zeigen. Auf Bild 1 ist es nur schwach zu sehen, aber ich bin mir sicher, Ihr seht es mit etwas Mühe, wie es mir auch ergangen ist. Einen Farbbogen als Kreisausschnitt im unteren Teil des Bildes. Ich sah das am 22. August 2026 abends um 19.17 Uhr. Jetzt kommt der Hammer, ich erinnerte mir, dass ich so etwas schon einmal gesehen und fotografiert habe, und der Oberhammer ist, dass ich es relativ flott gefunden habe. Und zwar am 11. Juni 2017. Bild 2 und 3 zeigen das Phänomen noch um einiges deutlicher. 

Wolken mit Schlieren und ganz schwach der bunte Bogen
22. August 2026 abends um 19.17 Uhr
Bild vom Himmel der überwiegend blau ist farbigem Bogen und Wolken
11. Juni 2017
Bild vom Himmel mit Farben und Wolken und einer sichtbaren Kurve

Habt Ihr eine Ahnung, was es sei könnte? Ich bin fündig geworden beim Arbeitskreis Meteore e.V. https://www.meteoros.de/themen/halos/haloarten. Es handelt sich um einen Zirkumzenitalbogen (Abkürzung ZZB). Er ist eine Haloerscheinung, wie die Nebensonne, die ich kürzlich am 2. September von Pfohren-Mittelmeß aus aufgenommen durfte. Der ZZB sei eine der schönsten und farbenprächtigsten Haloerscheinungen. Seine Farbigkeit und Helligkeit kann dem Regenbogen gleichkommen. Daher wurde er auch schon häufiger mit einem Regenbogen verwechselt. Im Gegensatz zum Regenbogen, der einen Kreis um den Sonnengegenpunkt bildet, ist der Zirkumzenitalbogen ein Bogen um den Zenit, wobei nur der zur Sonne gerichtete Teil zu sehen ist. Normalerweise ist etwa ein Viertel eines Kreisbogens sichtbar, in Ausnahmefällen auch ein Halbkreis. Bei einer Sonnenhöhe von 32° über dem Horizont verschwindet der Zirkumzenitalbogen im Zenit. Seine größte Helligkeit erreicht der Zirkumzenitalbogen bei einem Sonnenstand von 22,1°. Zwischen 15° und 25° Sonnenhöhe wird er am häufigsten gesehen.

Bild vom Himmel mit Farben und Wolken
Pfohren-Mittelmeß am 2. September 2026

Der Zirkumzenitalbogen entsteht genauso wie die Nebensonnen an horizontal schwebenden Eisplättchen. Hier tritt das Licht allerdings an der Basisfläche des Plättchens ein und an einer Seitenfläche wieder aus. Da die Seitenflächen senkrecht zur Basisfläche sind, beträgt der Brechungswinkel 90°. Falls Nebensonnen sichtbar sind, besteht, insbesondere bei einer Sonnenhöhe zwischen 15° und 25°, eine große Wahrscheinlichkeit, dass auch der Zirkumzenitalbogen gesehen werden kann. Leider ist der Zirkumzenitalbogen kaum jemandem bekannt, obwohl er fast ebenso häufig wie der Regenbogen auftritt. Der Hauptgrund dafür liegt wohl darin, dass man fast senkrecht nach oben schauen muss, um ihn zu sehen. Das sollte nach diesem Beitrag nicht mehr passieren. Einfach bei den beschriebenen Konstellationen mit den Blicken hinauf in den Zenit, liebe Beitragsleser. Ich werde mich auch daran halten, weil es mir auch jetzt erst klargeworden ist. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Gigantismus pur

Die für ihre Handelsketten Lidl und Kaufland bekannte Schwarz-Gruppe will 5,6 Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock investieren. Geplant sei der Aufbau eines Datacenters mit einer Kapazität von 240 Megawatt bis 2033, teilte das Unternehmen mit. (Bad. Zeitung v 28. August 2026)

Wo sie neuerdings doch überall diese riesigen Zentren errichten – was steckt da bloß dahinter? Die in Heilbronn beheimatete Schwarz-Gruppe baue bereits ein weiteres Rechenzentrum in Brandenburg für elf Milliarden Euro, berichtet die Badische Zeitung und zitiert den Chef des Unternehmens, Gerd Chrzanowski: „Digitale Souveränität entsteht nicht durch Appelle oder Reden. Sie entsteht durch Handeln, durch verlässliche Infrastruktur und durch praxistaugliche Anwendungen.“ Standortsvorteile würden Mecklenburg-Vorpommern wie auch Brandenburg bieten durch die hier produzierte Windenergie, wo solche Rechenzentren doch Unmengen von Energie benötigen – spätestens dann, wenn sich der Einsatz künstlicher Intelligenz vollends durchgesetzt haben wird.

Vor unbeherrschbaren Risiken der KI-Revolution glaubt inzwischen allerdings sogar ein Bill Gates warnen zu müssen, der sich bei Microsoft aus dem operativen Geschäft längst zurückgezogen hat. Sein Unternehmen plant unterdessen im Elsass drüben dennoch gerade ebenfalls ein Rechenzentrum gigantischen Ausmaßes. Ob auch dort die dafür verfügbare Energie den Standortsvorteil bringt, scheint eher zweifelhaft zu sein, nachdem das AKW in Fessenheim doch schon seit Jahren stillgelegt ist und nun endlich rückgebaut werden soll. Dass auch auf Kühlung und Wasserkraft des Rheins spätestens seit diesem Hitzesommer kein Verlass mehr ist, sollte sich eigentlich doch auch bis in die Vereinigten Staaten herumgesprochen haben, so sehr man dort weiterhin den Klimawandel meint ignorieren zu können. Oder setzt man bei Microsoft (wie auch beim französischen Energieversorger EDF) bereits auf die Kernfusion als Schlüsseltechnologie der Zukunft?

Ob man sich da nicht auch auf der Baar auf derlei Rechenzentren gefasst machen sollte, seien sie von Lidl oder von ALDI? Ob man sich für die kommunalen Haushalte nicht sogar schon darauf verlassen darf – wo doch bereits die Zentrallager bzw. Logistikzentren dieser Firmen hier angesiedelt sind? Und schaut man auf die Horizonte ringsum: Haben wir in Sachen Wind- und Sonnenenergie nicht mächtig aufgeholt und in den zurückliegenden Jahren schon beinahe mecklen- bis brandenburgische Verhältnisse erreicht. Schade nur, dass wir, was die hiesige Windhöffigkeit anbetrifft, noch immer nicht so ganz konkurrenzfähig sind. Aber was soll´s: wenn rundum alle Windräder 250 Meter hoch wären, so wie unsere neuen auf der Länge, so müsste es doch klappen – allenfalls Repowering der Altanlagen ist also angesagt, wo auf „digitale Souveränität“ (G. Chrzanowski) Wert gelegt wird!

Oder sollte ich da womöglich ein bisschen geträumt haben nach der Lektüre der Tageszeitung bei schwüler Mittagshitze? War es gar ein Albtraum? Vor neun Jahren hatte ich in der Zeitschrift Schwäbische Heimat (2/2017 unter der Überschrift Albtraum badische Alb. Wie ein Waldgebiet der Windkraft geopfert wird) einen recht kritischen Beitrag über die Vorgänge auf der Länge veröffentlicht. Denn kurz vor Jahresschluss 2016 war hier die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für zwei Windparks mit zusammen 13 Anlagen erteilt worden. Was war das damals doch für eine Aufregung unter den Wald-, Landschafts-, Vogel- und Fledermausfreunden – und an was alles werden die sich künftig erst noch zu gewöhnen haben … trotz oder wegen der sich verschärfenden Klima- und Biodiversitätskrisen!

Windenergie auf der Länge – schwer im Kommen!

Kohlwaldtanne

Liebe Bürgerpostleser,

mögt Ihr auch stattliche große Bäume? Dann dürftet Ihr begeistert sein, was heute an der Reihe ist. Es geht um die Kohlwaldtanne. Ein wahrer Koloß, aber bisher wenig bekannt komischerweise. Wolf Hockenjos, der Tannenexperte in Baden Württemberg und Buchautor unter anderem von „Tannenbäume: Eine Zukunft für abies alba“, schrieb mir, nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte: „Donnerwetter – was für ein stattliches Exemplar! Ich schäme mich schier, dass ich die Kohlwaldtanne bisher nicht gewürdigt habe. Ich habe sie heute per Rad besucht und danke Ihnen nachträglich nochmals für den Tipp“! Das will etwas heißen aus solch profundem Munde. 

Nun, eigentlich kenne ich sie schon seit wir nach Hausen vor Wald gezogen sind vor 30 Jahren. Denn sie steht in unmitelbarer Nähe zur Kohlwaldhütte unweit des Waldweges von Hausen vor Wald nach Mundelfingen. Am 11. Januar 2026 brachte mich unser Nachbar Wolfgang Schorp auf die Idee, sie genauer mit ihm anzuschauen. „Das musst Du gesehen haben, wie ihr Stammfuß aussieht“. Und in der Tat, schaut Euch die Bilder an, kann man da glauben, dass dieser Baum nicht schon längst abgestorben ist? Nein, er macht einen vitalen Eindruck und wir hoffen, dass er noch deutlich älter und dicker werden darf. Grund sind Verletzungen durch Holzschleifen, in der Nähe war ein Holzlagerplatz. 

Kohlwaldtanne im Winter
Kohlwaldtanne mit Mann davor
Kohlwaldtanne mit Franz Maus davor
Kohlwaldtanne mit großem vermoderten Loch

Ihr kennt meine Art, den Durchmesser zu bestimmen? Ganz einfach, Ihr seht es auf Bild 2 und auf Bild 4. Gemäß Leonardo da Vinci entspricht die Breite der ausgebreiteten Arme der Größe seines Menschen. Ihr könnt das gerne bei Euch testen. Ich bin 174 cm groß, wie ist dann der Durchmesser auf Bild 2 und Bild 4? Auf Bild 2 sage ich 170 cm und auf Bild 4 werden es etwa 150 cm sein. Bild 4 ist gegenüber von Bild 2 aufgenommen worden. Zwei Gründe für den Unterschied gibt es, der Stamm ist nicht rund und bei Bild 4 stehe ich höher als bei Bild 2. Der Umfang wird gerechnet Durchmesser mal der Zahl „pi“, die etwa 3,14 entspricht. Bei 170 cm ergibt sich ein Umfang von 533,8 cm und bei 150 cm Durchmesser beträgt der Umfang 471 cm. Am 13. Juli bat ich Wolfgang, zur Umfangmessung mitzugehen. Könnt Ihr das Ergebnis lesen auf dem Bild unten?

Kohlwaldtanne mit Maßband das über fünf Meter anzeigt

Das Fünfmeter Maßband reichte nicht aus, ich schätze, 512 cm ist passend. Bei solchen Messungen besteht die Forderung, dass in Brusthöhe gemessen wird. Brusthöhe ist aber kein eindeutiger Begriff, den es eigentlich mit einer genauen Zahl, zum Beispiel 140 cm ersetzt gehört. Eine der stärksten Tannen im Ländle ist die Großvatertanne bei Freudenstadt. In Brusthöhe hat sie 528 cm und in einem Meter Höhe 560 cm Umfang. Die Kohlwaldtanne ist sehr nah dran, echt hammerhart. 

Mann der auf die Kohlwaldtanne schaut

Was macht Wolfgang auf dem Bild? Er vermißt die Tanne mithilfe eines gleichschenkligen Dreiecks. Er kam auf über 45 m Höhe. Die Großvatertanne ist 46 Meter hoch. Unten habe ich die auch stattliche Weißtanne beim Waldlehrpfad zur Gauchach zum Vergleich dargestellt. 2017 kam sie auf 339 cm Umfang, man kann sagen, ein Zwerg gegen die 512 cm der Kohlwaldtanne. 

Infotafel mit Tannenholz

Historisch interessant ist das letzte Bild. Hans Hasenfratz aus Mundelfingen hat es mir zur Verfügung gestellt. Es zeigt die Musikkapelle Mundelfingen und stammt aus dem Jahre 1983. Was sehen wir im Hintergrund? Die  Kohlwaldtanne und das Holzlager. Grund der Aufnahme sei kein Jubiläum gewesen, sondern das Schützenfest „Preussisch Oldenburg“ bei Minden. 

Es zeigt die Musikkapelle Mundelfingen und stammt aus dem Jahre 1983. Was sehen wir im Hintergrund? Die  Kohlwaldtanne und das Holzlager. Grund der Aufnahme sei kein Jubiläum gewesen, sondern das Schützenfest „Preussisch Oldenburg“ bei Minden. 

E Lebensbild Post Mortem über de Beppi Kramer vum Süesse Winkel

18. Juli 2024

Quelle: Historisches Filmmaterial aus dem Nachlass von Ernst Kramer. Die Veröffentlichung dient ausschließlich der Dokumentation der Hüfinger Ortsgeschichte. Sollten Rechteinhaber Einwände haben, bitten wir um eine kurze Mitteilung.

gelesen von Maria Simon

Vu Loeterewäge, Heinze stelle, vum Wiisbom, Karresalbi und Micki tribble. 
E Lebensbild Post Mortem über de Beppi Kramer vum Süesse Winkel. 

So „Gäbeli Zettle“, 
Do kinnt i wette
Im Kramer Beppi wärs en Graus
Für iis isch es en Augeschmaus

Die Heiberei am Galgeberg
Wa war des für e hert Tagwerk
E Ochsefuhrwerk, alls vu Hand
Die Kramerbloos schafft mitenand. 
„Ab i d‘ Schier, vum Schose kunnt e Gwitterwand“ 

Des Ochsegschier, de Hans und Franz
Des waret konni Hoppedanz
lahmarschig all im glieche Schritt
Nu so kunnt do de Beppi mit

Koe Wunder, de letschte aaltbache Städlibuur
Konn hät no so e Kugelfuhr
Alls vu Hand und Koe Maschie
En andre wär do scho lang hii

De Ernst, de Gettibue, hät des alls gfilmet
Dass so Erinnrunge nit bald mol himmlet
So bliibt d‘ Gedankewelt halt wach
Wie s Hei vu Hand kunnt unters Dach

Alls vu Hand: Maije, worbe und verzettle
Zatte mache und zemetreche
Hainze stelle, Hei druff winde
Vor em Dunderwetter, moss mer schinde

Wage lade, guet verdoele
Underm Wiisbom guet versoele
Karresalbi, Achse schmiere
Micki duet, kaasch nit verriehre

So gohts jetzt d‘ Lorete ab
De Nepomuk sait nit mol bapp
S‘ Stadtbächli dismet, jetzt s‘ Spitteltoor
Im Süesse Winkel winkt scho s‘ Schieretoor

Alls vu Hand, des isch famos
Im Beppi keit au nint in Schoss
Und d‘ Emme hilft dagus, dagii
Drum verdäehnet die en Heilgeschii

Des Tagwerk isch ver die koe Lascht
Alls vu Hand, alls uhni Hascht
Im Filmli sieht mer frohgemuet
Wie de Beppi wirft i d Luft de Huet

Bescheide, gottesfürchtig und volksfromm
De Beppi, konn Kerli wie en Bomm
Sin Glaube und sie Zueversicht
Hebt stand au vor em Jüngschte Gricht

Amalgam, Gottfrieds Lade, Uhremacher Riehle und Getti Beppi Kramer

Wilde Karde

Ihr erinnert Euch noch, dass die wilde Karde vor nicht allzu langer Zeit Thema war wegen Ihrer Wassertanks.

Wasser im Blattgund

Ich mache sie nochmals zum Thema und zwar aus dem einfachen Grund, wegen der Frage, ob der Fruchtstand Samen enthält oder nicht. Ihr könnt Euch schon einmal Gedanken machen. 

Fruchtstand der Karde

Zunächst wollen wir aber noch anschauen, wie Schmetterlinge die lilablauen Blüten besuchen.

zwei Schmetterlinge auf Blüte

Das Bild zeigt zwei Kaisermäntel und ein Tagpfauenauge. Kaisermäntel waren die meisten Vertreter, bis zu zehn waren gleichzeitig an den zwei Pflanzen zu sehen.

Zitronenfalter auf Blüte

Das Bild oben schmückt ein schöner Zitronenfalter, so wie er aussieht, ist er noch nicht allzu lange geschlüpft . Wahrscheinlich tragen Schmetterlinge auch zur Befruchtung des Samens bei. Nach der Blüte sehen alle Blütenstände wie tot aus. Vom optischen Eindruck her dachte ich, da sollte kein Samen mehr vorhanden sein. Das dachten übrigens auch viele Betrachter, die meinen Status zu diesem Thema angeschaut hatten. „Leer“ schrieben einige kurz und knapp. 

Also ging ich der Sache auf den Grund und schnitt einen Fruchtstand ab. Ich klopfte ihn auf weißem Papier aus und siehe da, viele kleine braune Partikel fielen heraus.

Samen der Karde

Zunächst dachte ich, das sei der Samen. Aber als ChatGPT die Samengröße mit 3 bis 5 mm Länge und 1 bis 2 mm Breite angab, war klar, dass das nicht der Same war. Vermutlich waren es Blühreste. Jetzt half nur noch eines, den Fruchtstand auseinanderschneiden. Das Ergebnis zeigt sich unten sehr eindrucksvoll, der Same ist in einer Vielzahl vorhanden und das grün zeigt, dass er noch nicht vollens abgereift ist. Wenn das kein Hammer ist, dann weiß ich auch nicht, was man noch schreiben kann.

Fruchtstand mit Samen

Annelie aus Uttenhofen gab eine sehr gute zielsichere Antwort: „Meiner Meinung nach ist der Same noch drin. Denn die Distelfinken hängen immer erst spät im Jahr an den Karden“. Sagenhaft beobachtet Annelie. Dafür gibt’s den Oberhammer. 

Samen der Karde

Wenn möglich, will ich die Karden stehen lassen, bis ich Stieglitze/Distelfinken beim Herauspicken des Samens bestaunen kann. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

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