Wilde Karde

Ihr erinnert Euch noch, dass die wilde Karde vor nicht allzu langer Zeit Thema war wegen Ihrer Wassertanks.

Wasser im Blattgund

Ich mache sie nochmals zum Thema und zwar aus dem einfachen Grund, wegen der Frage, ob der Fruchtstand Samen enthält oder nicht. Ihr könnt Euch schon einmal Gedanken machen. 

Fruchtstand der Karde

Zunächst wollen wir aber noch anschauen, wie Schmetterlinge die lilablauen Blüten besuchen.

zwei Schmetterlinge auf Blüte

Das Bild zeigt zwei Kaisermäntel und ein Tagpfauenauge. Kaisermäntel waren die meisten Vertreter, bis zu zehn waren gleichzeitig an den zwei Pflanzen zu sehen.

Zitronenfalter auf Blüte

Das Bild oben schmückt ein schöner Zitronenfalter, so wie er aussieht, ist er noch nicht allzu lange geschlüpft . Wahrscheinlich tragen Schmetterlinge auch zur Befruchtung des Samens bei. Nach der Blüte sehen alle Blütenstände wie tot aus. Vom optischen Eindruck her dachte ich, da sollte kein Samen mehr vorhanden sein. Das dachten übrigens auch viele Betrachter, die meinen Status zu diesem Thema angeschaut hatten. „Leer“ schrieben einige kurz und knapp. 

Also ging ich der Sache auf den Grund und schnitt einen Fruchtstand ab. Ich klopfte ihn auf weißem Papier aus und siehe da, viele kleine braune Partikel fielen heraus.

Samen der Karde

Zunächst dachte ich, das sei der Samen. Aber als ChatGPT die Samengröße mit 3 bis 5 mm Länge und 1 bis 2 mm Breite angab, war klar, dass das nicht der Same war. Vermutlich waren es Blühreste. Jetzt half nur noch eines, den Fruchtstand auseinanderschneiden. Das Ergebnis zeigt sich unten sehr eindrucksvoll, der Same ist in einer Vielzahl vorhanden und das grün zeigt, dass er noch nicht vollens abgereift ist. Wenn das kein Hammer ist, dann weiß ich auch nicht, was man noch schreiben kann.

Fruchtstand mit Samen

Annelie aus Uttenhofen gab eine sehr gute zielsichere Antwort: „Meiner Meinung nach ist der Same noch drin. Denn die Distelfinken hängen immer erst spät im Jahr an den Karden“. Sagenhaft beobachtet Annelie. Dafür gibt’s den Oberhammer. 

Samen der Karde

Wenn möglich, will ich die Karden stehen lassen, bis ich Stieglitze/Distelfinken beim Herauspicken des Samens bestaunen kann. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

S Hüfinger Krokodil, zappe mer mol dorch d Krokodilwelt

Zum Krokodil Hüfingen geht es auch hier: Das Krokodil in Hüfingen

14. April 2025

S Hüfinger Krokodil, zappe mer mol dorch d Krokodilwelt

Dass de Name vum Huefinger Krokodil i de Hinterstadt vunere Baiz z Karlsruhe mit dem Name Krokodil stamme dai, des hät de Sigwarte Roland iis verkartet. Au die i dere badische Fächerstadt e aagsehnene Vereins- Gesellschafts- und Kulturwirtschaft, die gihts immer no. Gwunderet häts mi scho immer wieso die Huefinger Traditionswirtschaft den Name hät. Won i denno im Filmli vum Onkel Ernst Kramer vu de Hotzig vu sinere Tochter Anni  mit em Karl Preis us Amedshofe überm Wirtshuusname „Zum Krokodil“ au no de Name Joseph Schafbuch gsehne han, hät mi s Krokodil endgültig a de Gorgle packt. Des Filmle gihts  im Hieronymus zum aagucke. Und de  Baizer, de Schofbueche Beppi, isch au no en Vorfahre. So kunnt oes noch em andere und es kunnt no dicker.

S Internet sait, dass es no z Hornberg, z Balingen und am fränkische Brombachsee Wirtschafte mit dem zooligische Name gäb. I dem am Brombachsee han ich scho mol gschpeisst und uuruhig gschloofe. Wahrschiinli weil i troomt ha, dass mer so e Vieh am Fuess ummignagge will. Dert a dere grosse Seenplatte, die de Bayernhäuptling F. J. Strauss, baue lau hät, passt der Name sogar eweng. Dä siehts uus wie a dene See ‚e im Kongo wo die blutrünstige Krokodil hinterhältig uff e liichtsinnige Gazelle a de Tränke laueret. Überhaupt wunderets om, wieso die schrundig, schuppig, eigentlich mords wüeschte, grossmäulige, glupschäugige, krallepfotige, bestialische  Raubechse bei iis so aagsehne und populär sind. Koe Fleckli kuschligs  Fell oder zarti Federli wie bei me Bärli, Häsli oder Entli. Naselöcher wie beim fauchende  Nibelunge Drache.

E Gebiss und Zai wo nit emol de todesmutig Zahnarzt Ernscht Kramer e Amalgam Füllung trotz Maulsperre mache dät. Mit 3 to Beisskraft hät es s stärkscht Gebiss im Tierreich. Koe weng e Kuscheltier. Und doch so populär. Sogar  beim Kaschperle i sim Theater spielt des grossgoschig Tier e tragende Roll. Dert spielt es e harmlose, klapper Hauptrolle und i kom Playmobilzoo derf e Krokodil fehle. 

Sogar e Eidechse Brünneli, die europäisch  Verniedlichungform vum Kaiman, gihts z Eschinge a de Buchhalde. Leider isch die wasserspeiend Bronze Echs scho so vill mol gstohle wore, dass mer se nimme erneueret hät. Schad drum.

Wirtschafte lauret wahrscheinlich mit dem Name uff hungrige, gfrässige und dorschtigi Gäscht. Wurum hät des gemein Raubtier im Ferne Europa so en Freundeskreis bei Alt und Jung? Spätestens bei dene abstossende Greuelpartys a dene Afrikanische Krokodil See‘ e vum gruusige Bokassa und vum holose Idi Amin het mer doch monne kinne, dass de Ruef als Kinderzimmer Tier und Lokomotivname endgültig ruiniert sei. So kha mer sich täusche. Sogar beim neue Ami Präsi us sim Florida Domizil gruuset om der us em Kopfkino uffstiegend Phantasie  Gedanke, dass der en Kaimane – Pool im Mar a Lago hät, woner die europäische widerborschtige, unfolgsame, uudankbare, bocksboenige Fehldemokrate us Old Germani  enthemmt inni wirft.

Wonni d Uusstellung i de FF Sammlungen :„Wolterdingen in 50 zig Sache“ iigrichtet han, bin i wiedermol i die wundersame zooligische Sammlung inni dapet. Dert lauret am Iigang e gross, uusgstopfts Krokodil geduldig uff Bsuecher. Sit über hundert Johr macht es en delikate Bäreschunke aa. Nämlich vum bedrohliche, mächtige, maiestätische au uusgstopfte Braunbär us de Karpaten, sim Nochber. Die beide kummet aber friedlich mitenand uus. Also sinds doch d Vorlag vu de Kuscheltierle.

Wo ni denno im Ijoma Mangold sin Beschtseller: „Das Deutsche Krokodil“ raubgierig verschlunge han, han au ich wieder min Friede mit dem vielfältige Viech gschlosse. Aber us ganz andere, unbiologische, us elektrische kraftprotzerei Gründ.

De Ijoma Mangold isch sit Johre de Literaturchef vu de ZEIT und en witzige Buchkritiker. Wie kunnt so en hochgschiede Maa uff so en Buchtitel mit eme winzige Kunscht Holzkrokodil uffem Cover ?

Ich glaub nit, dass des gschied Bieble, de Ijoma, dä z Heidelberg lang mit em Kasperle sim Krokodil gschnäblet hät und mit Playmobil Krokodil gäggelet hät. Nai, ihn hät scho frühe s „Deutsche Krokodil“ in Bann zoge. Verrotet mir oe Biebli us de 60-er Johr wo nit vum 6 achsige, gräene Märklin Krokodil geschwärmt und troomet  hät? De no größer, ehnder unerreichbar Troom war der vum 8 achsige bruune oder gräene  Schwiizer Gotthard- oder Simplon- oder Löschbergbah Krokodil. Oder vum knallrote Ösi Semmeringbah Krokodil.  So ebe au de Kindheitstroom vum dunkelhäutige  Ijoma mit dickem schlesische aber au afrikanischem Bluet.

Verrotet mir doch bittschee emol, wieso dass mit zunehmendem Alter d Zufälle so überhand nähmed? So wie jetzt grad, wie Hit grad.

Geschterd han i de Hannah ver de Hieronymus des uusuufernd  Gschichtle über s Hiefinger und andere Krokodil druckfertig geschickt. Am Tag druf, also Hit, muess i Skiservice Material, wa grad us Skandinavie z Innsbruck aakumme isch, hoem in Schwarzwald hole. Natierli dorschluurfet mer no d Innsbrucker Altstadt, schlappet dorch d Maria Theresiastross, trinkt no en Kaffee und me lot sich stilgerecht an Kaiserschmorrn kredenze. Während dem Gaumeschmaus gihts plötzli au no en Augeschmaus. Die Glotzbeppel bliebet wie blendet, starr vor Überraschung, a me Wirtshuusschild uff de andere Strossesiite hange. „CROKODILES“ stoht i silberne Buechstabe über de  Glasfront. Zahle muss jetzt d Frau und blitzschnell, wie vu me Krokodil is Fiddle pfetzt, renn i dorri zu me Foto vu dere Wirtschaft mache.

Hinter de Theke stot e hübsche, frindliche Frau und hät e Freid, dass ich ihri Wirtschaft abfötele due. S Emblem vum Restaurant muss au no in Fotospeicher und denno gang ich inni, wo die Frau mich galant begrüesst. Wie sie uff die Idee kumme seiet, des Restaurant uusgrechnet „Crocodiles“ z nenne, frog Ich verdatteret die nett Frau. Ich heb grad e Gschicht Gschribe über e Hifinger Wirtschaft wo au Krokodil hoesse dai, erklär ich ihre. Sie und de Brueder Emil seiet us Bulgarie und de Emil heb gsait, der Name dai d Liit unweigerlich zum guets  Esse verschlinge aarege. Der Iifall het ganz genau uff de Zwölfer troffe. D Gäscht kämet i Schaare und dätet Esse fresse und Trinke suufe wie die Crocodiles mit ihrene gwaltige Gebiss. Im übrige dai sie Hüfingen und vor allem iiseri Donauquell kenne. So wie d Muselmane oemol im Lebe gi Mecka hatsche miesstet, so wär au jeder Bulgar dezue vergatteret, oemol im Lebe a d Dunnequell z‘ gau. Vu nere Breg Quell wisst sie und ihre au dunneseelige Landsliit gar nint.

Von Friedrich Hucke https://www.blackforest-fritz-art.com

A Neun Länder dät des Dunnequellewasser vorbeifliesse und sie, d Bulgare, dätet den für sie heilige Strom denno fascht spirituell im Meer übergähe. Mir aber währed die Dunne Spender, und sie die gütige Übermittler in ewige Wasserkreislauf. So poesievoll, so ergriffen, so fascht aadächtig han i des no nie ghöhrt wie des die gschied Bulgarefrau gefühlvoll erklärt. Wa Krokodil doch alls z weäeg bränget. Jetzt ware mer ganz platt und um e seelevolle Dunnegschicht riicher.

Jetzt hät die hübsch Tiroler Bulgarin iis friendli  am Arm  gnomme, ums Huuseck geführt und stolz  i die am heale Tag prallvoll Holzofe  Pizzeria „Crocodiles“ begleitet, die zweit Gastronomie wo sie und de Bruder Emil mit Herzbluet umtriebet.  Dass de Emil mit sinnere Namenswahl für sini Gaststätte, ganz i de Näh vum Goldene Dacherl, goldrichtig glege isch, des hommer gsenne. D Frau Malcheva glaubt, dass nu sie den gfrässige  Name hebet i ganz Austria.

Die Donau Einwanderer honds gschafft. Verdanke kennet sie des au eweng im Krokodil, dem sie koe Krokodilsträn nobläre Mond. Ganz im Gegetoel. Für sie isch der Name en Sege. Hoffentlich au fürs Huefinger Krokodil.

Wa wär Tirol ohne die fliessige „Neumitbürger“. Nuu oe onzige Tirolerin hommer ums Golde Dächerl rum bediene gsänne. Alls nuu umtriebige Iiwanderer oder Ösimundart palavernde  Secondos.

Für so e Gschicht bruuchts no e paar guetige Bildli vu dene Iisebah Krokodil. Also Gang i zu de Modell Iisebahfreund is Vereinsheim im Stellwerk am Bahhof z Eschinge. De Kleiser Bernd loset mir zerscht uugläubig zue wa der Spinner verzellt. Allmählich schnallt er wan ich will. Und jetzt gohts  Modellbah Krokodil au i ihm dorch. Begeischteret, fascht euphorisch verzellt er mir fundiert  die Geschichte vu dene vier Iisebahkrokodil. Oe Vitrine noch de andere macht er uff und leit die unerfüllte Träum vu minere Modelliisebah Kindheit uff e Sammettuech. Erscht s sechsachsig, lindgräe, s Deutsche Krokodil. Baureihe xy…, woes de Kenner Bernd uuswendig us em Kopf. Denno die beide 8 achsige Schwiitzer Krokodil, gräe und bruu. Aber er isch no nit fertig mit de Vorstellung: Jetzt holt er no s Austris- bluetrot  Östricher Semmering Krokodil us de tabernakelartige Vitrin. Do dätet die Äugli vum Ijoma Mangold aber glühje.


Eidechsebrünnele und Bombeleger

Weils natürli au e sanfte, heimische Art vu so Lurche giht, muess mer au no die Gschicht vum ehemals kultige Eschinger Eidechsebrünnele verzelle. Und au die artet ghörig uus. I de fufzger Johr hät s Gregori Fescht uff de grosse Hohebni uff em Schelleberg bei de Amaliehitte und de Uussichtsplattform stattgfunde. Um Nieni isch de knusprig Gregoriwecke vum Schütze Beck, den de Fürscht gstiftet hät, i de Volksschul und im Gymnasium vertoelt wore. Denno sind alli Klasse in zweireihige Marschordnung dorch Stadt, d Wolterdingerstroos, de Borer uffi und unterm Naturfreundehuus gege de Schelleberg gwanderet. Dä unterm Zeltplatz vu de Naturfreund isch im Wald e Brünnele: S Eidechsebrünnele. E grosse bronzene Eidechs, fascht scho e Krokodil, speiht us em Muul frisches, erfrischends Quellwasser. Dä muess jeder vu dene hunderte Schüler natierli en durschtstillende Schluck nehme. Jeder kennt des Brünnele, es isch Eschinger Kult, fascht so aagsehne wie d Dunnequell. Au am Sunntig wered Familieuusflieg dä änni gmacht. Sogar d Uuffemer Pfuttlimusik macht dä e idyllischs Eidechsebrünnele Waldfest. Kummedi isch nuu, dass die Bronze- Echs immer wieder mol klaut word. Aber d Stadt lot sie immer wieder mache. Trotzdem isch sie sit gut 30 Johr leider doch verschwunde. No immer hommer bisher nit emol e Bild devu gfunde. Nu no s Brunnebeckeli isch no do und useme triviale Röhrli brienzlet immer no e Muckeseckeli Wasser. Leider nimme us eme Eidechsemuul. Und plözli schnapps Raubkrokodil doch wieder mol gruusig zue. Z mols isch d Eidechs en Drache us de Bundesgschicht, wenn nit sogar de Weltgschicht. Wiedermol isch d Eidechs abgsäget, abmontiert , klaut wore. Für on junge Eschinger Kerli hät des kultig Echsle uubedingt wieder her messe. Er goht uffs Rothuus zum Zimmermanne Erscht und bietet ihm en neue, selbergmachte, selbergossene Nochbildung i Originalgrösse aa. Natierl isch de Hauptamtsleiter ganz begeischtere, nimmt des Präsent aa und lot die neu gschenkt Eidechs, allerdings vermutli nimme i Bronze, sondern ehnder silbrig, stahlgussmässig vum Wassermoeschter montiere. Wie der jung, freundlich Kerli die gmacht hät, des frogt frogt de Ernscht nit. Uugfähr sechs Woche später isch d Rothuussportgruppe uff ere Bergtour. Beim hoemfahre höred sie am Radio verdatteret vum Oktoberwiese- Attentat und dass de Bombeleger vermuetlich en Eschinger sei. De Gundolf Köhler. Uusgrechnet desell, wo vor paar Woche die neu Eidechs bäschtlet hät und de Stadt gschenkt hät. Mit de Gaudi und em Spass noch dere Bergtour isch es umme. Kah en Bombebäschtler au Eidechse bäschtle und giesse? Des triebt de Zimmermanne Ernscht und sini Spezie beim Hoemfahre ghöhrig und zerknitscht um. Sit her isch die Gundolf Köhler Eidechs übrigens wieder verschwunde. Isch sie amend i de Asservatekammer vum BND, isch sie amend sichergstellt wore? Und will mer sie sellewäeg nimme als Art Religvie und als Wallfahrtsort fer Rechtsradikale aabringe?

Eidechsenbrünnele Buchhalde Eschingen

Wa so schuppige Echse doch alls z`wäeg bränget. Zu de Kummunion vu iisere Enkelin sind die langjährige guet Freund us Nordnorwege aagreist. Am letschte Tag vor em Rückflug gommer mit ene a d Albulabahn. Dä stoht vor em Bahmuseum e stillgleits, bruus Albulabah Krokodil. Endlich han i emol Ziit des Kultobjekt vu nohem und nit nuu im Vorbeifahre mit de Berninabah genau aazgucke und aadachtsvoll abzfotograpiere. Au des isch en stimmungsvolle Moment. De Norges verzell ich denno die Krokodilsgschicht im stilvolle Bahnmuseums- Bischtro. Au d Astrid un de Helge flieget mit dere uubachene, gmüetsvolle Gschicht beeidruckt wieder zruck an krokodilfreie Polarkreis.

Und immer no isch s Krokodil nit verschlupft. Woni bei dere Sauhitz e Summerhemdli us em Kaschte zieh, wa schnappt do zue: uf de linke Bruscht schnablet und zwickt mi s Lacost Krokodil i d Bruschtwarz. Au Werbung khaa des Viech. Mit em Kraftwerksmoeschter Willi Brugger triff i mi im KW Waldhuse vum Kirnbergstromprojekt. Und wa laueret am Rand vu sim Fischweiherli: E Krokodilsculpur, fascht i Lebensgrösse und laueret uff e Fischli. Überall isch mer vu dem Satan umzinglet. Es hört oefach nit uff: Woni die uubache kurios Gschicht i de Mundartrundi vorlis, do trau i mine Auge nit. Mir gegenüber huckt de Ecke Bächle und wa hät er a dem Summerobet aa? Und nimmt mer fascht de Schnuuf? E Lacost Hemdli. Wie wenn er gwisst het wa a dem Obet bote word.

Paar Tag später muess i a mim Gebiss wieder emol e weng ummibäschtle lau. Und wa lieht do uff em gschmackvolle Fenschterbank vum kunstsinnige Zahschlosser Constantin Keller: E wunderschees Eidechsli, fascht wie e nochgmachti Sculptur vum Eidechsebrinneli. Woni ihm die Gschicht vum Gundolf Köhler aadeut, isch er ganz verdatteret.

Jetzt am End vu dere Gschicht woess i überhaupt nimme, wa des eigentlich fer en Storiax isch :

Isch es e Essay, e Satire, isch es en Troom, e Komödie, en Klamauk, e Hirngspinnscht, e Cabaret?
Oder isch es e Kaschperle Gschicht?
E Hinterstädtle  Stammtisch Wirtshuus  Gschicht?
E Bulgarische Dunne Crocodil Gschicht?
E Austria Krokodil Gschicht?
E Afrikanisch Schauermärli?
E Verzehl Vita vu de Krokodil?
E Gotthardbah, e Semmeringbah, oder e Hölletalbah Krokodil Gschicht?
E Märklin Iisebähnli Gschicht?
En Playmobil Kinderzimmer Zoo Gschicht?
E Eidechsebrünnele Gschicht?
Oder e Hommage as gross, uusgstopft FF Sammlunge Krokodil?
Oder wurum verströmet mir Europäer uusgrechnet  Krokodilstränli, obwohl der wild  Drache beim Gazelle Vesper mit dem gewaltige Gebiss  bestimmt koe onzige Trän verdruckt?

Oder oefach nuu:

Weils Huefinger Hinterstadt Krokodil iis oefach so e schees allerwelts Märli nebem Vesper und em Bier  kredenzt.

Wie wärs mol mit ere philosophisch- tiefenpsychologische Bätschelerarbet mit dem Thema: „Das afrikanische Krokodil im Dienste der Gaststätten, Kinderzimmer, Eisenbahnen und Zooligischen Sammlungen“.

Rotes Ordensband

Liebe Bürgerpostleser, 

Rotes Ordensband an Hauswand

am 15. Juli 2026 sah ich glücklicher Weise an unserer Hauswand den realtiv großen Falter ruhen. Schaut Euch seine großen Augen an, sofort ist klar, das es ein Nachfalter ist. Sie zeichnen sich zudem durch wenig Farbpracht aus im Vergleich zu den Tagfaltern. Ich hatte einen Verdacht, wer es sein könnte, aber dazu musste ich die Unterflügel sehen. Ich versuchte ihn, dazu zu bewegen, aber das gefiel ihm nicht und er flog weg. Allerdings konnte ich die Unterflügel erkennen und mir war klar, entweder es ist das rote Ordensband oder ein Weidenkarmin. Diese Entscheidung lassen wir noch etwas offen. Ich hoffte, ihn nochmals zu sehen und mit den Unterflügeln abzulichten. Was jetzt kommt hört sich fantastisch an. Tatsächlich sah ich ihn tagsdarauf auf der Norseite unseres Hauses sehr aufgeregt hin- und herfliegen. Ich befürchtete, dass es nichts wird mit dem Unterflügelbild. Und jetzt kommt der absoluter Oberhammer: Unbedachter Weise hatte ich die Hintertür einen Spalt offengelassen und was macht der Kerle? Genau, er fliegt hinein, ich vermute, weil er gemerkt hat, dass es drinnen kühler ist. Egal, man kann auch interpretieren, damit ich das Bild schießen konnte:

Denn schnell machte ich die Tür zu. Er wollte wieder über den hellen Glasteil der Türe hinaus und ich konnte abdrücken. Kommt da nicht etwas Herrliches heraus auf den Unterflügeln? Und durch die Fotografie gegen das Licht sieht man auch die hellen Partien im Oberflügel, nicht schlecht Herr Specht. Ich ließ ihn anschließend in Ruhe auf die Nacht vorbereiten. Zu später Stunde gegen 23.30 Uhr war er im Obergeschoß, beim Licht anmachen sah ich ihn herumfliegen. So, was tat ich dann? Ich machte im Bad das Licht an, wie erhofft, flog er hinein, setzte sich an die Decke und ich konnte ihn mit einem Plastikbehälter einfangen und in die Nacht entlassen. Wow, was für ein Geschichte. 

Dann erinnerte ich mich, dass ich diesen Gesellen schon einmal hatte im Jahre 2015, das schöne Bild oben stammt von damals. Sie erinnern sich vielleicht noch, ich hatte eine schmackhafte Mixtur an unseren Apfelbaum gestrichen und neben vielen anderen Nachtgestalten tauchte auch er auf. Damals habe ich ihn als Weidenkarmin bestimmt. Jetzt ging es noch um diese Frage, was ist er in Wirklichkeit und was war der von 2015. Langer Rede kurzer Sinn, beides Mal war es ein rotes Ordensband. Der Hauptunterschied ist die graue statt braune Grundfärbung mit mehr Struktur beim Weidenkarmin. Grundsätzlich heißt es, eine Unterscheidung ist nicht einfach.

Übrigens, die Unterflügel zeigt er im Sitzen deshalb, um mögliche Feinde zu erschrecken.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Di jung Donau

Di jung Donau von Gottfried Schafbuch

Bild von Donaueschingen von Martin Menrad 1680
Die jung Donau von Gottfried Schafbuch gelesen von Maria Simon
Foto von einem Bild von Donaueschingen mit St. Johann und Brigach

Vernehm liischt du i de Windle.
D’Modder Boor giit uff dech acht.
Zwischet Schloß und hohne Kerchderm
lehrt si ’s Laufe dier ganz gschlacht.
Kum kascht du e kleinweng tripple,
Duet mer scho vill Ehr dier aa.

Nitt nu d’Wiege ischt e Kunschtwerk;
au din Tempel nebedra.
Dor de Park duescht no scharwenzle,
’s bruddlet d’Briig mit dier vergnüegt.
Luschtig rännt dier d’Breg vergege.

… Jetz häscht du din Taufschii kriegt.
Khäb am Ufer sitzt dert d’Modder,
seit bhüet Gott! mit bsorgtem Blick.
’s Läbe word zmol ernscht, muescht schaffe.
’s ischt verbei di Kinderglück.

Bild von Karl Merz mit Pfohren und der alten Brücke

Gell, de Abschiid macht dech truurig,
uß de Boor duescht härb doch gau.
Villmool guckischt z’ruck a d‘ Wiege,
kehrscht dech um und bliibscht gearn schtau.
I de tränefiichte Auge
spieglet Treppegibel sech.

Foto der Entenburg in Pfohren

D’Enteborg di groii, duet winke,
Duuerli begleitet dech.
Mengi Mülli muescht scho triibe,
schpitzscht und hopsischt iber d’Wehr.
Wenn im Friehling d’Berg sech siibret
dnzischt gearn no kriiz und quer.

D’Schwoobe duescht du ’s meeschtmool ergre,
glii wenn due am Gränzpfohl schtohscht.
Häscht du ebbis uffm Kerbholz,
daß dech b’sinnscht ob zu’ne gohscht?

Badisch bischt und meechscht’s halt bliibe,
machscht bockboanig und verschliifscht,
kriichscht no untererdisch wiiters,
guckischt, daß du badisch bliibscht.
’s Hegi witt du oafach sähne.
Kunnscht als Trotzkopf z’Aach i d’Höh,
leischt din Name ab, du Kaibli,
und verdlaufscht in Bodensee.

Gottfried Schafbuch (03.01.1898 – 23.10.1984)

Dämmerungs- Gegendämmerungsstrahlen

Liebe Bürgerpostleser,

am 26. Juni 2026 gab es ein phantastisches Himmelsphänomen. Ich glaube nicht, dass einer von uns so etwas schon gesehen hat:

Oder sollte ich mich täuschen? Dann freue ich mich auf eine Rückmeldung. Ein erstes Bild erhielt ich von Andrea Meyer aus Behla, aber die Qualität war leider zu schwach. Dann sah ich diese Bilder im Facebook. Dietmar Schweigler vom Randen hatte es eingestellt. Natürlich mit der Frage, was das ist. Ich konnte mit ihm Kontakt aufnehmen und Dietmar schickte mir die beiden Bilder und auch den selbst hergestellten Kartenausschnitt. Mit einer Veröffentlichung klärte er sich freundlicher Weise einverstanden. 

Ich war überfragt mit der Geschichte. In atmosphärischen Fragen ist Claudia Hinz vom Meteor e.V. meine Ansprechpartnerin. Sie schrieb: „Auf dem farbenprächtigen Bild sind Dämmerungs-, in der Fachsprache Crepuscularstrahlen zu sehen. Das sind Schatten entweder von entfernten Bergen oder, wie in unserem Fall, Wolken, die auf einer höher liegenden „Leinwand“ abgebildet werden“. Sehr schön sieht man dieses Phänomen auch auf meinen Bildern:

Jetzt geht’s um Bild 1. Und da kommt der Oberhammer. Diese Dämmerungsstrahlen können sich über den gesamten Himmel bis in den Gegendämmerungsbereich verlaufen. Deshalb werden sie Gegenstrahlen beziehungsweise Antikrepuskularstrahlen genannt. Und dieses relativ seltene Phänomen ist eindrucksvoll auf Bild 1 zu sehen. Man sieht übrigens auch den zunehmenden Mond rechts im Bild. Vielleicht muss man bewußt bei Dämmerungsstrahlen in die Gegenrichtung schauen, damit man sie wahrnehmen kann.

Etwas Interessantes ist erwähnenswert: Durch die Perspektive scheinen die Strahlen am Gegenpunkt der Sonne am Horizont wieder zusammenzulaufen – genau in die Richtung, in die das Foto aufgenommen wurde. In Wirklichkeit verlaufen sie nahezu parallel über viele Kilometer. Die scheinbare Zusammenlaufen ist derselbe perspektivische Effekt wie bei Eisenbahnschienen, die je weiter weg, umso näher sie sich kommen. Man kann es kaum nachvollziehen, aber jeder glaubt das mit den Eisenbahnschienen, oder? Das ist der zweite Oberhammer.

Die Karte zeigt, dass dass Bild 2 gegen die Sonne aufgenommen wurde und Bild 1 genau gegenüber. 

Herzlichen Dank an Dietmar Schweigler vom Randen für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Das Dorf der Visionäre

Buchbesprechung:

Rainer Bayreuther u. Gunilla Eschenbach:
Das Dorf der Visionäre
Aufbruch in die Bundesrepublik 1927 – 1947
Gutkind-Verl., 20226
461 S., 30 Euro

Ein Buch, das in keine Kategorie zu passen scheint, geschrieben von zwei ausgewiesenen Wissenschaftlern: von Gunilla Eschenbach vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach und von Rainer Bayreuther Musikwissenschaftler, Philosoph und Theologe mit Lehrtätigkeit in Freiburg, Frankfurt/Main und Bayreuth, beide im schwäbischen Marbach zuhause. Allein schon das Quellen- und Literaturverzeichnis ihres Werks mitsamt Endnoten und Namensverzeichnis umfasst 44 (!) Seiten, was auf ein enormes Quellenstudium und auf einen hohen literaturwissenschaftlichen Anspruch schließen lässt – im Gegensatz zum bunten Buchcover mit dem verträumten Blick auf den Titisee, was eher eine Schwarzwaldidylle erwarten lässt.

Titel- und überwiegender Handlungsort sind das Schwarzwalddorf Saig, auf knapp eintausend Meter Meereshöhe unterm Hochfirst und überm Titisee gelegen, mit freiem Blick über die Schwarzwaldhöhen hinweg und oft auch mit Alpensicht gesegnet. Spätestens ab den 1920er Jahren wird das Dorf zum Rückzugsort für vielerlei Prominenz, für Künstler, Journalisten, Industrielle und Intellektuelle, für völkisch Gesinnte wie für Verfolgte und Widerständler: darunter Martin Heidegger, Gerhard Ritter, Edmund Husserl, Otto Dix, Marie Luise Kaschnitz, Hanns Martin Schleyer, Konzerndirektoren, Stars der Babelsberger Filmstudios, Stauffenberg-Vertraute wie auch der von Hitler so geschätzte Bildhauer Fritz Klimsch; der hatte sich als einer der Ersten mit seiner Familie hier in einem der Bauernhöfe (dem Hierahof mit seiner prächtigen Esche) eingemietet. Sie alle zieht es immer wieder in dieses bäuerlich-rustikale Milieu zurück mit seiner Ruhe und seinem bezaubernden Fernblick – ohne dass sie dabei allzu viel Aufsehen erregt hätten. 

Hier oben kreuzen sich ihre Wege und Weltanschauungen, von den beiden Autoren spannend erzählt und sorgfältigst belegt aus Briefen, Aufzeichnungen und Veröffentlichungen ihres schier unerschöpflichen Archivs. Wie schließlich der Krieg endete und wie sich, oft genug durch die Saiger Gäste initiiert und mitgestaltet, für die junge Bundesrepublik wichtige Entscheidungen anbahnten, das hat sich im Langzeitgedächtnis der Schwarzwälder kaum niedergeschlagen. Umso verdienstvoller ist daher das aufwühlende Porträt dieses Dorfs voller Visionäre – selbst wenn den Einheimischen nicht immer alles stimmig erscheinen mag. So etwa, wenn die Autoren immer wieder von „Almen“rund um das Dorf schreiben und von braunem (anstatt vom braunweiß gefleckten) Hinterwäldervieh. Das Buch ist für den Hochschwarzwald und weit darüber hinaus dennoch ein überaus wertvolles zeit- wie geistesgeschichtliches Dokument.

Die drei Brändbacher Wassertröpfle

Die drei Brändbacher Wassertröpfle gelesen von Maria Simon, getextet von Hubert Mauz und gezeichnet von Heiner Graf

Deckblatt
Mösle
Oberbränd
Kirnbergsee
Staumauer
Turbine
Brielinge

* Das Buch dazu gibt es bei der Stadtverwaltung Bräunlingen.

Ausstellung „100 Jahre Brändbachtalsperre“ am 5. März 2023

Heute war das große Event im Kelnhofmuseum in Bräunlingen zur Ausstellung „100 Jahre Brändbachtalsperre“ mit Maria Simon, Heiner Graf und Hubert Mauz.

Wegen des großen Ansturms auf das Museum musste der Vortrag gleich nach dem ersten noch ein zweites Mal gehalten werden. Für alle die nicht mehr rein gepasst haben hier eine kleine Impression.


Kraftakt

Kraftakt getextet von Hubert Mauz und gelesen von Maria Simon

Z‘ Waldhuuse bei de Siebe Hiesli Liit
Dä isch ebs, was sunscht nähnets giit
Im Siebte Hiesli wohnt kon Mensch
Wa word dää sii,…wa denksch?

Dä sorrets, summts und fauchts und stampfts
Des isch Bigo kon Allefanz
Wo des alls wartet, schmiert und fettet
Wenn die den guete Maa nit hettet

De Willi Brugger III (drei)
Wa der alls khaa, jo heidenai
Us milliardefache Brändbachtröpfle
Macht der vill Strom, druckt nuu paar Knöpfle

Die Wassertröpfle wered gsammlet
Und im Kirnbergsee sind die no versammlet
Bevor’s i grosse Rohr rabdunndret
Und Strom druus Word, wa villi wundret

Turbine triebet Dynamo aa
Wa Brändbachwasser doch so alls khaa?
Demit khaa mer im Stausee bade
Für d‘ Freizeit isch des au kon Schade

So kinnet d‘ Brielinger Wäsche, Bache
Maschine Triebe für villi Sache
De Straub khaa Bappedeckel falte
i Hochregal nuu kurz no b‘ haalte
Millionen Schachtle, bisch ganz backe?
Me weltwiit bruucht zum s‘ Sach verpacke

Verdanke duet mer des de Manne
Die baue hond e grossi
Wanne
E Bogemuur und Rohr us Iise
Lond’s Brändbachwasser aabischiesse

Im Kraftwerkshuss z’Waaldhuuse
Duets hundert Johr scho kräftig schuuse
Us Wasser macht mer dä de Strom
Energie für Brielinge isch de Lohn

Drum lobet, jublet dene zue
Die allvort, niemols gänd koe Rueh
Dass Kirnberg Wasser schaffe kaa
Gnueg Strom do isch für jedermaa

(Drum isch es manchmal au e Freid
Wenn’s Wasser vum Himmel abi kheit
En Segen ischs für Flur und Feld
Und bringt sogar de Stromer Geld)

Zu Besuch beim Nationalerbe-Baum 

Kürzlich machte auch im Schwarzwald ein Kuratorium Nationalerbe-Bäume von sich reden, initiiert von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft e. V. und gefördert von der Eva Mayr-Stihl Stiftung, mit dem lobenswerten Ziel, 100 Bäume in Deutschland als Nationalerbe-Bäume auszurufen: „Wir suchen, erhalten, pflegen und schützen besondere Charakterbäume in Deutschland, um sie in Würde altern zu lassen“, so lautet das offizielle Programm. Klar, dass da die allerstärksten Eichen und Linden zum Zuge kommen, natürlich auch die auf ein Alter von 1.100 (aber auch von bis zu 4.000) Jahren geschätzte Eibe von Balderschwang im Allgäu, der wohl älteste Baum Deutschlands. Doch unlängst ist man dann auch im Schwarzwald fündig geworden mit einem würdigen „Charakterbaum“: Ausgewählt wurde die „Danieltanne“, mit 46 m Höhe und mit über 5,80 m Brusthöhenumfang zweifellos eine der prominentesten Weißtannen des Schwarzwalds. Sie steht, neben einer zweiten Riesin, der kaum schmächtigeren „Danielatanne“, im Gemeindewald von Grafenhausen in knapp 1000 m Meereshöhe, per Fußmarsch leicht erreichbar vom Parkplatz am Hüsli aus, dem Heimatmuseum, besser noch bekannt als schwarzwaldtypischer „Wohnsitz“ von Professor Brinkmann aus der einst weltweit gesendeten TV-Serie „Die Schwarzwaldklinik“, in Sichtweite zur Badischen Staatsbrauerei Rothaus. 

Ob die Danieltanne (die nach der Waldabteilung Daniel benannt ist) zwar tatsächlich gegen 400 Jahre alt ist, wie bei der Verkündung des Nationalerbe-Baums behauptet wurde, erscheint etwas gewagt, denn wer weiß, wie lange in ihrer Jugend ihr „Schattenschlaf“ unterm Schirm des Vorbestands gedauert hat, in welchem sie nur mikroskopisch enge Jahrringe ausbilden konnte; die lassen sich vom Dendrologen allenfalls mithilfe eines Spezialgeräts (eines Resistographen) ermitteln und abzählen, das hier jedoch nicht zum Einsatz gekommen ist.

Der Besuch der frischgekürten Danieltanne erfolgte diesmal im Rahmen des Peter-und-Paul-Treffens der hochschwarzwälder Forstleute, die damit einer uralten Tradition zu folgen pflegen: alljährlich am 29. Juni hatten auch sie einstmals ihr Vieh auf die Hochweiden des Feldbergs getrieben und anschließend zusammen gehörig gefeiert. Inzwischen will es das Programm, dass jeweils eine Wanderung angeboten wird, bei welcher zumindest aus der Ferne der Gipfel des Höchsten noch zu erblicken sein sollte; doch aus Anlass der Kür des Nationalerbe-Baums durfte es ausnahmsweise auch einmal etwas weiter weg nach Süden gehen. Und so standen sie denn bald, bei hochsommerlichen Temperaturen selbst im Tannenschatten, staunend vor dem geschützten Naturdenkmal, zuallermeist grauköpfige Ruheständler, die die Angaben der hölzernen Tafel mit den Maßen (Stand 2014) studierten und den Erläuterungen des jungen, örtlich zuständigen Forstkollegen lauschten. Wieviel mochte der Baum inzwischen zugelegt haben? Auch wurden die Wanderer daran erinnert, dass die Forstleute eigentlich ja schon immer ein besonderes Faible hatten für die allerstärksten Exemplare des „Schwarzwälder Charakterbaumes“, der Weißtanne – sieht man mal von jener sog. „Keilschirmschlag-Ära“ des scharfzüngigen und überdynamischen Landesforstmeisters KARL PHILIPP in den 1920er Jahren ab, der darauf gedrängt hatte, „die faulen Gesellen“ zeitiger zu ernten , womit er nicht nur die überstarken Stämme im Staatswald meinte, sondern auch ältere Berufskollegen. Andererseits erschien doch schon 1908 das Buch Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden des Botanik-Professors Ludwig Klein, in dem auch die allerstärksten Tannen gewürdigt wurden, wie auch 1915 im Schwäbischen Baumbuch des Forstassessors Otto Feucht.

Nur über die exakten Maße von „Deutschlands größter Tanne“, des „Hölzlekönigs“ hart an der Landesgrenze im Wald zwischen Villingen und Schwenningen, den sie beide aufgesucht hatten, konnten sie sich nicht einigen. Und 1975 hatte dann der Forstminister den Assessor Hockenjos damit beauftragt, nachzuschauen und zu dokumentieren, was aus den Baumriesen der Jahrhundertwende geworden war (veröffentlicht im Bildtextband Begegnung mit Bäumen). Gegen Ende des Jahrtausends wurden die aufgefundenen allerstärksten Tannen dann durch die Freiburger Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) mithilfe moderner Lasertechnik vermessen, denn deren Volumen lässt sich bekanntlich nur über eine „Formzahl“ genauestens ermitteln. Die Danieltanne, damals noch namenlos, hatte sich dabei als im Brusthöhenumfang (BHD) stärkste, nicht jedoch voluminöseste der Schwarzwälder Tannenriesen herausgestellt; aktuelle Rekordhalterin war (und ist es wohl noch immer) eine Konkurrentin: die telegene Großvatertanne im Staatswald bei Freudenstadt. „Die mit 5,37 m Umfang (in Brusthöhe) dickleibigste Tanne“, so wurde es damals in der Fachzeitschrift (AFZ/DerWald 6/1998) im Bericht über die erfolgte Vermessungsaktion festgehalten, „steht (beinahe in Tuchfühlung zu vier weiteren kapitalen Prachtexemplaren) im Gemeindewald Grafenhausen im Südschwarzwald.“ Wobei der Berichterstatter und Fotograf längst schon erkannt hatte, dass seine Tannen auf den Fotos desto stärker ausfielen, je schlanker die an den Stammfuß plazierte Person ausgewählt worden war.

Ob von den fünf erwähnten „Prachtexemplaren“ die heute fehlenden drei derweil eines natürlichen Todes gestorben sind, ob sie per Stihl-Motorsäge genutzt wurden oder ob sie den Dürre- und Hitzephasen dieses Jahrtausends erlegen sind: darüber mochten die Peter-und-Paul-Wanderer beim Örtlichen nicht weiter nachbohren. Beim Anblick der allem Anschein nach jedoch noch recht gesunden Kuppelkronen von Daniel- und Danielatanne konnte sich bei ihnen immerhin wieder etwas Zuversicht einstellen in der so dringlichen wie heiklen Frage nach der erforderlichen Resilienz von Weißtannen – ein Wunder fast nach dem erst tags zuvor erduldeten neuen Hitzerekord. 

Der Abschluss in der Gaststätte neben der Badischen Staatsbrauerei – bei Tannenzäpfle, versteht sich, und badischem Wurstsalat – musste freilich etwas beschleunigt werden, denn es galt ja noch, zuhause bis nach Mitternacht das WM-Schicksalsspiel der Nation nicht zu verpassen. Spätestens nach dem Elfmeterschießen war es dann wieder vorbei mit der am Nationalerbe-Baum neugewonnenen Zuversicht!

Deutschlands derzeit Allerstärkste:
die Große Waldhaustanne im Bayerischen Wald

Kleine Galerie der Baaremer Tannenriesen

Beitrag vom 11. Juni 2022

Die Weiß- oder Edeltanne ist, ähnlich der Eiche unter den Laubhölzern, durch den Adel der Gestalt wie durch das Alter und die mächtigen Dimensionen, welche einzelne besonders günstig entwickelte Exemplare erreichen, unstreitig die Königin unserer Nadelhölzer.

Ludwig Klein: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden. Karlsruhe (1908)

Die Tanne nimmt eine ganz untergeordnete Stellung ein, obgleich sie in einzelnen riesenhaften Exemplaren und fast allenthalben als Überständer vorkommt.

Aus den Forsteinrichtungsakten des ehem. Wolterdinger Gemeindewalds (1833)

Ein Hoch auf die Weißtanne! Auch wenn sich die „Königin unserer Nadelhölzer“ (L. Klein) im Wald der Baar und des Baarschwarzwalds schon seit längerem ziemlich rar gemacht hat. Dabei war sie, wie es die  Pollenprofile beweisen, auch hier die führende Nadelbaumart. An ihrer Stelle hat die frostharte und gegen Wildverbiss so viel robustere Fichte das Rennen gemacht. Wo immer der Wald im schachbrettartigen Altersklassenverfahren nach Maßgabe des badischen Forstgesetzes (ab 1833) bewirtschaftet worden ist, wo gar Kahlschläge grassierten und Sturmblößen um sich gegriffen haben, war es um die gegen Spätfrost so empfindliche Tanne geschehen. Weshalb bis heute labile Fichtenreinbestände („Monokulturen“) den Ton angeben, so sehr die Förster bemüht waren, den Tannenanteil wieder anzuheben. Fast schon resignierend heißt es etwa 1960 in den Forsteinrichtungsakten des Bräunlinger Stadtwalds: „Die Tanne hat sich mit 3 % behauptet, […] die immer wieder geforderte Erhöhung des Tannenanteils gelang nicht.“ Derzeit liegt er noch immer deutlich unter 10 %. Oft genug lag es auch an übertriebener Rehwildhege (Winterfütterung, unzulängliche Bejagung), dass alle waldbaulichen Bemühungen um die Tanne umsonst waren. Weil aber im Zeichen des Klimawandels der Waldumbau hin zu stabileren, ökologisch wie ökonomisch vorteilhafteren Mischwäldern (mit mehr Weißtannen und Buchen als Fichten) zur neuen Jahrhundertaufgabe der Forstwirtschaft avanciert ist, gerät die Forstpartie oft genug unter öffentlichen Druck, ob mit oder ohne Zutun des Bestsellerautors Peter Wohlleben. Denn der gleichwüchsige, fichtenlastige „Tausendsäulensaal“ hat ausgedient angesichts der Anforderungen an den Wald der Zukunft, als da sind CO2-Speicherung, Kühlung und Widerstandskraft (Resilienz).

Umso dankbarer nimmt man zur Kenntnis, dass da und dort wenigstens ein paar einzelne alte Weißtannen (im Forstjargon sog. „Überständer“ oder „Überhälter“) allen Stürmen und  Immissionen, selbst dem Trocken- und Hitzestress der zurückliegenden Jahre getrotzt haben. Denn als Samenspender sind sie noch immer im Stande, für den lang ersehnten Nachwuchs zu sorgen. Einige dieser Veteranen aus tannenfreundlicheren Epochen haben inzwischen bereits Dimensionen erreicht, die längst durch kein Sägewerksgatter mehr passen. Was schon Generationen von Waldeigentümern und Förstern dazu veranlasst hat, ihnen das Gnadenbrot zu gewähren. Mitunter tragen sie dann sogar Namensschilder, stehen womöglich unter Naturdenkmalschutz und sind inzwischen zum Stolz ihrer Eigentümer und zu bestaunten Attraktionen für Waldbesucher herangewachsen. 

Was Prominenz und Bekanntheitsgrad solcher Uralttannen anbetrifft, so bleibt natürlich „Deutschlands größte Tanne“ unerreicht: der „Hölzlekönig“, der einst im Gewann Hölzle zwischen Villingen und Schwenningen residierte. Der märchenhaft populäre, geschätzt über 350 jährige Riese, an den noch ein Ausflugslokal gleichen Namens erinnert, hat mit seinem Umfang von 6 Metern in Brusthöhe und mit seinem Holzvolumen von –  sage und schreibe – 64 (!) Festmetern freilich schon vor einhundert Jahren das Zeitliche gesegnet, nachdem er zuvor durch Blitzschlag und Wipfelbruch beschädigt worden war. Auch die etwas schmächtigere „Hölzlekönigin“ an seiner Seite hat ihn nicht mehr lange überlebt. Das Ableben des Königs dürfte zudem durch den Umstand beschleunigt worden sein, dass unter seiner Krone ausgiebig Waldfeste gefeiert worden sind, was zu baumschädlicher Bodenverdichtung geführt haben muss. 

Waldfest unterm Hölzlekönig

Weißtannen können im Extremfall bis zu 700 Jahre alt werden, wie sie nachweislich per Jahrringzählung an einem jener Thüringer Tannengiganten ermittelt worden sind, unter denen auch die Nachfolgerin des „Hölzlekönigs“ als Deutschlands neuer Superlativ gefunden wurde: die „Königstanne“; benannt nach Gottlob König (1779 – 1849), dem Gründer und Direktor der Eisenacher Forstlehranstalt. Weil er als Begründer der Dendrometrie, der Holzmesslehre, gilt, dürften Zweifel am Holzvolumen der ihm gewidmeten Tanne, an deren phänomenalen 66 Festmetern, unangebracht sein, so sehr Volumenangaben von stehenden Bäumen ansonsten mit Vorsicht zu genießen sind. Wirklich Verlass ist meist nur auf Durchmesser und Umfang in Brusthöhe.

Auch wenn die heutigen Starktannen der Baar und des Baarschwarzwalds noch nicht zur absoluten Spitzenklasse zählen, so spricht doch nichts dagegen, dass die eine oder andere durchaus das Zeug dazu hat, in die allererste Garnitur aufzusteigen. Aktuelle deutsche Rekordhalterin ist die „Große Waldhaustanne“ im Nationalpark Bayerischer Wald mit 6,35 m Brusthöhenumfang (BHU) bei einer Baumhöhe von 50 m; für Baden-Württemberg hält bislang die „Großvatertanne“ unweit Freudenstadt den Rekord mit 5,50 m BHD, einer Baumhöhe von 50 m und ca. 40 Festmetern Volumen. Gegen derlei Konkurrenz mögen die hiesigen Spitzenreiter fast noch schmächtig erscheinen, doch staunenswert sind sie allemal. Weshalb zumindest ein paar wenige es verdient haben, dem Leser vorgestellt zu werden.

1. Meßmer-Tanne

Mit einem BHU von „nur“ 3,70 m zählt sie noch nicht zum engeren Kreis der Giganten, doch weil sie einem Donaueschinger Bürgermeister gewidmet, soll sie hier aufgeführt werden: Leopold Meßmer, nach dem auch eine Straße benannt ist, war, wie man einer Tafel am Baum entnehmen kann, von 1945 – 1953 amtierend. Als Verfolgter des NS-Regimes wurde er gleich nach Kriegsende von der französischen Besatzungsmacht inthronisiert, was ihn nicht daran gehindert hat, die Bürgermeistergeschäfte so überzeugend zu versehen, dass man ihm eine der Tannen-Überhälter im Oberholz hart an der Mistelbrunner Grenze gewidmet hat. Die Benadelung seiner dem Wind ausgesetzten Krone ist bereits etwas schütter, dennoch scheint ihr Gesundheitszustand noch immer zufriedenstellend zu sein. In der Wanderkarte 1:35.000 des Schwarzwald-Baar-Kreises ist die Tanne allerdings nur mit einer winzigen Signatur als „Hervorragender Baum“ verzeichnet, und der Wanderbetrieb hält sich hier offenbar in Grenzen – damit auch die Zahl der an Donaueschingens Zeitgeschichte interessierten Bewunderer Meßmers und seiner Tanne. Immerhin habe sich vor Jahren einmal die  SPD-Fraktion zu einem Besuch der Tanne aufgerafft, um ihres Genossen zu gedenken.



2. Fischer-Tanne

Wie die Meßmer-Tanne schmückt auch die Fischer-Tanne den Donaueschinger Stadtwald-Distrikt Oberholz. Und auch sie ist einem Bürgermeister gewidmet: dem von 1885 bis 1909 amtierenden Hermann Fischer und an dessen Wirken bis heute auch eine Hermann-Fischer-Allee in der Stadt erinnert. Bei ihrem BHD von 4,60 m und mit dem am Stamm angebrachten Namensschild ist sie von Hubertshofen aus kaum zu verfehlen. Steht sie doch am schnurgeraden, von der Richard Fesenmeyer Hütte (benannt nach dem Großvater des derzeitigen, in 6. Generation für den Stadtwald zuständigen Försters) aus durch schier endlosen Fichtenforst führenden Fischertannenweg und ist auch in der Wanderkarte verzeichnet. Ausweislich der dichten Benadelung ihrer Krone erfreut sie sich bester Gesundheit, was verwundern muss. Denn in der Rinde des mächtigen Stammes hat unverkennbar ein Blitz seine gewundene Spur hinterlassen. Ein kleines Kruzifix neben dem Stammfuß könnte die Vermutung aufkommen lassen, dass nicht nur die Tanne getroffen wurde, sondern auch noch ein Waldbesucher, der hier am 11. März 2005 den Tod gefunden hat.  Doch es war ein Waidmann, den hier ein Herzschlag ereilt hat, und die Narben am Stamm sind offenbar älteren Datums. Eine Kanzel neben der Tanne, gepaart mit einer saftig-grünen Äsungsfläche, erinnert daran, wie sehr eine erfolgreiche Rehwildbejagung über Wohl und Wehe von Weißtannen entscheidet. Umso schmerzlicher vermisst man im weiten Umkreis jegliche Ansätze von Ansamung und Anreicherung mit Tannenjugend. 



 3. Georg-Mayer-Tanne

Sie ist unübersehbar ein extrastarkes Kaliber mit ihrem BHU von 4,80 m, sodass die Sitzbank am Stammfuß optisch zum Bänkchen zusammenschrumpft. Gewidmet wurde die Tanne, wie einer hölzernen Tafel am Stamm zu entnehmen ist, dem F.F. Revierförster Georg Mayer, der von 1962 bis 1999 das Revier Hubertshofen versah und 2020 84jährig verstarb. Schon zuvor hatte der kapitale Baum mit seinem mächtigen Kandelaber-Ast in der Krone unter dem Namen „Habseck-Tanne“ einen gewissen Bekanntheitsgrad genossen, ist er doch vom Startplatz der Hubertshofener Skiloipe aus auf dem waldeinwärts führenden Weg bequem erreichbar. Sein Alter dürfte, gemessen an seinem Stammumfang, die 250 Jahre längst überschritten haben. Nur schade, dass es auch ihm zeitlebens nicht gegönnt war, für Tannen-Nachwuchs zu sorgen: im weiten Umkreis dominiert ausschließlich die Fichte. Tannenkeimlinge bevorzugen zwar auch deren Halbschatten, doch leider werden sie bereits als Sternchen vom Rehwild so vernascht, dass der Nachwuchs chancenlos bleibt.

Georg Mayer-Tanne

4. Die Große Eggwaldtanne

Bis unlängst war sie noch – mit ihrem BHU von 5,20 m und einer Baumhöhe von 50 m – die unzweifelhaft stärkste Tanne des Landkreises. Doch im Winter 2020 wurde sie vom Wintersturm „Sabine“ in ca. 30 m Höhe geköpft, der abgerissene Wipfel maß an der Bruchstelle noch immer  einen Dreiviertelmeter. Weil der Stamm aber noch über genügend grüne Äste verfügt, wird er wohl alsbald eine Ersatzkrone aufsetzen, sodass das Schicksal des Baumes noch lange nicht besiegelt sein muss. Dass er auch schon in intaktem Zustand nur wenig Aufsehen erregt hat, liegt an seinem versteckten Standort: Der Gigant steht eingetieft auf der Sohle der „Hofbächleschlucht“ im äußersten Westen des tannenreichen Brigachtaler Gemeindewalddistrikts Eggwald, weshalb er schon vor dem Sturmschaden das Bestandesdach kaum überragte. Wipfelbrüche sind für derlei Tannentürme nichts Ungewöhnliches: Schon einmal, im Kriegsjahr 1942, ist es der Eggwaldtanne widerfahren, wie es alte Überauchener Holzhauer bezeugt haben.  Weißtannen besitzen, wie sich hier zeigt, eine famose Fähigkeit zur Ausheilung abhanden gekommener Wipfel.

Die Große Eggwaldtanne – ein geschütztes Naturdenkmal

2013 war mit einem Spezialgerät, einem auf Holzdichte kalibrierten Resistographen, der Versuch unternommen worden, das genaue Alter der Tanne zu ergründen, wobei nur gegen 200 Jahrringe gezählt werden konnten. Doch der innerste Kern wies mikroskopisch enge Jahrringe auf, was auf einen längeren „Schattenschlaf“ unter dem Bestandesdach schließen lässt, für Schatten ertragende Weißtannen ein nicht ungewöhnlicher Lebenslauf, der das wahre Alter der Bäume zu verschleiern pflegt: Bis über hundert Jahre lang können sie als sog. „Vorwüchse“ überdauern, um dann bei Lichtzutritt loszuwachsen wie ein biologisch junger Baum. Der Riesenwuchs korrespondiert also nicht durchweg mit dem Alter, sondern weit mehr mit der Waldstruktur und dem verfügbaren Nährstoff- und Wasserangebot. Im Wurzelraum der Tanne haust gegenwärtig ein Dachs, der bisweilen morsches Wurzelholz nach oben zu befördert. Ob dies auf eine beeinträchtigte Statik des geschützten Naturdenkmals hindeutet, bleibt einstweilen dahin gestellt. Sollte sein Schicksal doch eines Tages besiegelt sein, so bietet sich ein Stück bachabwärts am Steilhang der „Schlucht“ bereits eine würdige Nachfolgerin an.

Im Wurzelraum wohnt der Dachs

5. Tanne im Krumpendobel

Unweit des Fischerhofs zweigt vom Bregtal rechts der Krumpendobel ab. Zuhinterst, wo 1565 der letzte Bär von F.F. Jägern erlegt worden ist, versteckt sich hart am Bachlauf eines Seitentälchens eine namenlose, doch offensichtlich sehr vitale Starktanne. „Waldbiotop“, verkündet ein Schildchen am Stamm, „geschützt durch Fürstenberg Forst“ und zeigt damit an, dass die Tanne nicht geerntet wird und also noch richtig alt werden darf bis zu ihrem natürlichen Ende. Dank optimaler Wasser- und Nährstoffversorgung wie auch durch ihren vor Stürmen bestens geschützten Standort hat sie gute Chancen, dereinst in die Spitzenklasse der Tannenveteranen aufzurücken, auch wenn ihr BHU eben erst die Viermeter übersprungen hat. Ihr Stammvolumen wird sich weiterhin progressiv vergrößern, weil das Dickenwachstum von Tannen bis ins höchste Greisenalter anhält und jeder Jahrring sich um einen noch größeren Holzzylinder legt. 

Im Krumpendobel

Wer sie aufsuchen will, nehme den Waldweg durch den Krumpendobel bis rechter Hand der Hangweg zum mysteriösen Krumpenschloss „Altfürstenberg“ abzweigt und wo von links ein Bächlein herabplätschert. Exakt an diesem, keine 20 m vom Fahrwegrand entfernt, versteckt sie sich im Fichtenbestand. Dass auch das lange Zeit überaus fichtenfreudige F.F. Fürstenhaus sich mittlerweile mehr Weißtannen erhofft im Wald der Zukunft, zeigt sich im steilen Talabschluss, wo etliche weitere Tannen als Überhälter von der Holzernte ausgespart geblieben sind und mit ihrem Nachwuchs die nächste, wenn nicht gar übernächste Waldgeneration bereichern dürfen. Sogar die eigentliche Gesellschafterin der Weißtannen, die Buche, konnte sich hier hinten behaupten.

6. Die Linacher Tanne

Noch versteckter als die Tanne im Krumpendobel wartet der Wald des Linacher Hansenhofs mit einem leider schon stark ramponierten Riesen auf, dem man kaum mehr eine Zukunft zutrauen mag. Viele Jahrzehnte lang war er von der Kreisstraße aus leicht auszumachen, denn seine Kuppelkrone überragte den Wald im (dem Hansenhof gegenüberliegenden) Dobel beträchtlich. Ein Gerücht will sogar wissen, dass im Taumel des „Dritten Reichs“ auf der Tanne auch schon mal die Hakenkreuzfahne gehisst worden sei, wem auch immer das gelungen sein soll. Doch inzwischen ist die Tanne nach dem Verlust des Wipfels abgetaucht, nachdem auch ihre sie bedrängenden halbstarken Sprösslinge an Höhenwachstum kräftig zugelegt haben. Der BHU des gewaltigen Stammes mit den zahlreichen abgebrochenen dürren Starkästen beträgt 4,75 m; dabei wird es wohl auch bleiben, denn ob der Baum mit der geringen ihm verbliebenen Nadelmasse doch noch einmal eine Sekundärkrone ausbilden kann, erscheint höchst zweifelhaft. Von einem Besuch ist deshalb eher abzuraten.

Im Wald des Hansenhof

7. Schillertanne

Sie ist die Einzige, die in der Wanderkarte mit Namen aufgeführt wird, auch als geschütztes Naturdenkmal. Und noch ein Alleinstellungsmerkmal verdient festgehalten zu werden: Sie hat für reichlich Tannenverjüngung gesorgt, was für den St. Georgener Stadtwalddistrikt Röhlinwald wenig überraschend sein mag, denn hier scheint die Balance zwischen Wald und Wild zu stimmen. Dennoch ist die ca. 350jährige Tanne, die Ihren Namen wohl seit dem hundertsten Todestag des Dichters (am 9. Mai 1909) trägt, das Sorgenkind unter den Naturdenkmälern: Weil ein als Rad- und Wanderweg markierter Forstweg an ihr vorbeiführt, hatte die untere Naturschutzbehörde auf Antrag der Forstverwaltung bereits 2010 ihrer Fällung aus Verkehrssicherungsgründen zugestimmt. Denn in ca. 11 m Höhe ist der Stamm durch einen halbseits sichtbaren Tannenkrebs befallen, an dessen Totholzgeschwür auch der Fruchtkörper des Weißfäule verursachenden Feuerschwamms und mehrere Spechthöhlen erkennbar sind. Hätte nicht ein Baumsachverständiger rasch noch ein Gutachten gefertigt, das zugunsten eines einstweiligen Verbleibs der Tanne ausgefallen war und somit die Verkehrsgefährdung relativiert hatte, wäre es um den Baum geschehen gewesen. Allein das Grummeln in der St. Georgener Bevölkerung oder die vom Naturschutzgesetz geschützten Spechthöhlen hätten ihn gewiss nicht mehr gerettet. Immerhin wurde aus Sicherheitsgründen eine Sitzbank vom Stammfuß wegversetzt.

Tannenjungwuchs zu Füßen der Schillertanne

Ausweislich der 1993 erstellten Erläuterungstafel hatte die Schillertanne damals einen BHU von 4.35 m, dabei aber nur eine Baumhöhe von 28 m, denn 30 Jahre zuvor war ihr im Sturm der Wipfel abgebrochen, woraufhin sie die tannenübliche Ersatzkrone aufgesetzt hatte; die hat inzwischen dafür gesorgt, dass der Stamm bis heute an Umfang noch einmal kräftig zulegt hat und jetzt 4,70 m misst.

Tannenkrebs mit Spechthöhlen und Feuerschwamm – ist die Tanne noch zu retten?

Neuerdings wurde erneut ein Gutachten angefordert, denn der Tannenkrebs könnte sich unterdessen ja weiter ausgebreitet und das Risiko für Radler und Wanderer noch vergrößert haben. Dabei war im Jahr 2010 das Bundeswaldgesetz ergänzt worden um eine geringfügige, für die Verkehrssicherungspflicht jedoch desto bedeutsamere Änderung: So wurde die durch die Bundesländer umzusetzende Rahmenregelung, wonach bislang (im § 14 Abs. 1 BWaldG) die Benutzung des Waldes „auf eigene Gefahr“ geschieht, ergänzt um einen klärenden Satz: „Dies gilt insbesondere für waldtypische Gefahren.“

Lässt sich die Schillertanne vielleicht doch noch retten? Immerhin bestünde die Möglichkeit, ihren Stamm in Höhe des Krebses zu kappen und so jegliche Verkehrsgefährdung zu minimieren. Denn knapp darunter hat sich bereits ein mächtiger Ast empor gerichtet, der dafür sorgen könnte, dass die Tanne ein weiteres Mal eine Ersatzkrone bildet und so den St. Georgenern weiterhin erhalten bleibt – wer weiß, vielleicht bis zum 250. Todestag Friedrich Schillers.

Im Umgang mit „Gedächtnistannen“ hat man Erfahrung in der Bergstadt: Spätestens seit 1719, als der hiesige Vikar und Magister der Philosophie sein dickleibiges Buch über die wahre Donauquelle veröffentlichte. In ihm hatte er ihm Auftrag des württembergischen Herzogs den Nachweis zu führen, dass die Donau nicht etwa in Donaueschingen, sondern am Hirzbauernhof im damals Württembergischen entspringt. Sein frappierender Beweis: eine gewaltige Wettertanne, die man auf dem dortigen Weidfeld schon deshalb nie gefällt habe, weil sie seit Urzeiten dem Andenken an die Donauquelle gewidmet gewesen sei.

Ob sich die Schillertanne am Ende also doch erhalten lässt – trotz (waldtypischer?) Gefahrenlage für Radler und Wanderer? Halten wir uns an den Dichter:

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen.
(Wilhelm Tell IV, 2)

8. Tanne am Reichenbächle

Ein letzter, vergleichsweise schlanker, doch hoch aufgeschossener Tannenveteran soll hier noch angefügt werden, denn auch ihm (wie unmittelbar daneben zwei weiteren stattlichen Weißtannen) droht möglicherweise Gefahr. Gegenwärtig präsentiert er sich noch in  bester  gesundheitlicher Verfassung. Sein Pech ist. dass er ausgangs des Reichenbächles (im Volksmund des „Badmühlenbächles“) steht und daher nur knapp überm Staubereich des neuen Wolterdinger Hochwasserdammes, der im Katastrophenfall das Bregtal abriegeln soll, um die Donautalbewohner vor exorbitanten Hochwässern zu schützen. Und die Szenarien der im Zuge des Klimawandels zu befürchtenden Starkniederschläge lassen es nicht mehr als ganz und gar abwegig erscheinen, dass die Breg im Falle eines Jahrhunderthochwassers fast bis zur Dammkrone ansteigen wird. Da könnte die tief wurzelnde Tanne womöglich nasse Füße bekommen, und ab wann ihr die Überflutung schaden wird, ist ungewiss. 

Einstweilen erbauen sich die Wolterdinger Waldgänger noch an ihrer stolzen, namenslosen Tanne – ahnend, dass diese Baumart noch immer Seltenheitswert besitzt in ihrem Wald. Um ihren Stammfuß herum hat ein Baumliebhaber ein Bänkchen gezimmert, das zum Rasten einlädt und zum Staunen über die Wuchspotenz der Weißtanne. Noch hat sie erst einen BHU von 3,90 m erreicht, doch angesichts bester Wasser- und Nährstoffversorgung wird auch sie alsbald die Viermeterschwelle übersprungen haben – immer vorausgesetzt, dass die Jahrhundert- oder gar Jahrtausendhochwässer nicht überhand nehmen werden. Das Einzugsgebiet der Breg ist überaus waldreich, und Wälder sollten auch bei Starkregen tunlichst noch als Schwämme und Regenrückhalt taugen, so es sich denn um die richtige Sorte von (Misch-)Wald handelt. Die Tannenriesen geben hierzu die nötigen Fingerzeige.

Am Reichenbächle


                                                      

                                                                                                      

Blaugrüne Mosaikjungfer

Liebe Bürgerpostleser.

schaut Euch die beiden Fotos an. Es sieht zweifelsohne spektakulär aus. Was denkt Ihr, dass es darstellt? Hat da die wunderschöne Libellenart „Blaugrüne Mosaikjungfer“ Beute gemacht und sich mit ihr auf dem Holzstapel niedergelassen, um sich in Ruhe dem Fressen hinzugeben? Auf den ersten Blick wäre diese Interpretation der Situation möglich oder nicht?

frisch geschlüpfte Libelle mit ihrer alten Haus
frisch geschlüpfte Libelle mit ihrer alten Haus

Aber diese Geschichte ist weitaus spektakulärer. Es zeigt den grandiosen Moment der Verwandlung einer Libellenlarve in die fertige Libelle. Hans Kindler aus Mundelfingen war zur rechten Zeit am richtigen Ort und dankenswerter Weise hat er mir die Bilder zur Verfügung gestellt.
Wie geht diese Verwandlung vor sich? Nach der Paarung werden die Eier von trächtigen Weibchen in Gewässer abgelegt. Dort entwickeln sie sich mit mehreren Häutungen zu gefräßigen fertigen Libellenlarven. Dieser Vorgang dauert ein bis zwei Jahre. Dann krabbelt sie an Land, um mit einer letzten Häutung die Verwandlung zum Land- und Luftwesen Libelle zu vollziehen. Ist das nicht ein absoluter Hammer?

Die Larvenhülle wird übrigens Exuvie genannt. Eine Libelle lebt je nach Art etwa ein bis drei Monate. Im Flug kann sie bis zu 50 km/h erreichen, kein Mensch ist so schnell. Ist es Euch schon aufgefallen, Großlibellen, wie die Mosaikjungfer haben die Flügel immer ausgebreitet, Kleinlibellen klappen sie nach dem Flug ein. Die Libelle kann zudem ihre Flügel unabhängig voneinander bewegen. Dadurch ist sie in der Lage, ihre Flugrichtung plötzlich zu ändern, in der Luft stehen zu bleiben und teilweise sogar rückwärts zu fliegen. Grandios.
Libellen sind Räuber und ernähren sich von anderen Tieren: Die Larven jagen verschiedene Wassertiere, ausgewachsene Libellen fangen ihre Beute, andere Insekten, im Flug. Libellen sind auch Lebewesen, die unser Sommergefühl steigern können.

Vielen Dank Hans Kindler für die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Luchse: Endlich Nachwuchs

Bild vom Luchsbaby im Wald

„Erster Luchsnachwuchs nach 200 Jahren:  Luchskätzchen in Baden-Württembergs Wäldern“, so ist die Pressemitteilung unserer neuen Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges MdL, vom 22. Juni 2026 überschrieben, „ein großer Erfolg des Auswilderungsprojekts“. Darunter sind zwei so herzige Fotos des Kätzchens angefügt, dass man sicher sein darf: die Erfolgsmeldung wird weiteste mediale Verbreitung finden! Dass das Monitoring-Team des Wildtierinstituts der Freiburger Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) diesen Nachweis führen konnte, ist den Telemetriedaten von Luchsmutter Elisabeth zu verdanken, die im vergangenen Herbst im Nordschwarzwald ausgewildert worden ist; mit deren Hilfe konnte nun die Wurfhöhle ausfindig gemacht werden und das Kleine der Öffentlichkeit präsentiert werden. Man darf davon ausgehen, dass dabei Profis am Werk waren, sodass keine Negativauswirkungen des Fototermins auf das Kätzchen zu befürchten sind. Dass nicht nur der Wolf, sondern auch der Beutegreifer Luchs Sympathiewerbung durchaus gebrauchen kann, zeigen die Fälle illegaler Wilderei in seinem wiederbesiedelten mitteleuropäischen Lebensraum: Vor wenigen Wochen erst wurde ein aus dem Hotzenwald über den Hochrhein hinweg in die Schweiz gewechselter Luchskuder tot aufgefunden. Immerhin dürfte sich die baden-württembergische Jägerschaft mittlerweile voll mit dem Luchsauswilderungsprojekt identifizieren: ihr Verband verschickte ebenfalls eine Pressemitteilung mit der Erfolgsmeldung „Meilenstein im Luchsprojekt: Luchsin Elisabeth hat Nachwuchs“.

Dass inzwischen elf Luchse in Baden-Württemberg nachgewiesen sind und dass es sich dabei fast drei Jahrzehnte lang ausschließlich um männliche Zuwanderer aus der benachbarten Schweiz gehandelt hat ohne realistische Aussicht auf eine Populationsgründung, hatte lange genug mit der Ablehnung von Seiten der Jäger und Landwirte zu tun – umso erfreulicher nun die Akzeptanz des Projekts. Und es gibt Hoffnung auf weiteren Nachwuchs: So wird in der Pressemitteilung der Ministerin angemerkt, dass die 2024 ausgewilderte Luchsin Verena und Kuder Reinhold (benannt jeweils nach bekennenden Luchsförderern) in der zurückliegenden Ranzzeit gemeinsam  ertappt und fotografiert worden seien, für die einzelgängerischen Luchse ein klares Indiz!

Nicht vor 200, sondern erst vor 30 Jahren wurde auf der Baar in einer Waldhütte zusammen mit schweizerischen, elsässischen und bayerischen Luchsexperten die Luchs-Initiative Baden-Württemberg gegründet. Auch für sie ist heute ein Freudentag! Drücken wir die Daumen, dass das Kleine durchkommt.


Luchse: auf Finja folgen Verena und Reinhold

28. Dezember 2024

Für das baden-württembergische Bestandesstützungsprogramm scheint das Jahr 2024 doch noch recht erfolgreich verlaufen zu sein, so sehr es die Luchs-Sympathisanten im Juli geschmerzt hatte, dass die im Dezember 2023 unter großem medialem Widerhall im Nordschwarzwald ausgewilderte Luchskatze Finja nachweislich an der Viruserkrankung Staupe (und nicht etwa an Vergiftung) eingegangen war.

Auf dem Sprung in die Freiheit: Luchs Reinhold
(Foto: Timo Deible)

Sehr viel weniger öffentliches Aufsehen erregten die Pressemitteilungen von Peter Hauk MdL, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, vom 27. November und  vom 19. Dezember 2024 jeweils über die Auswilderung der Luchskatze Verena und des Luchskuders Reinhold. Wie schon Finja, stammen auch diese beiden aus dem Auswilderungsgehege des Thüringer Wildkatzendorfs Hütscheroda und wurden durch das Projektteam der Freiburger Versuchs- und Forschungsanstalt FVA in den Nordschwarzwald verbracht. Verenas Freilassung ist im nachstehenden Film dokumentiert:

                       Ein weiterer Luchs in Baden-Württemberg ausgewildert    

Getauft wurden die beiden Luchse diesmal mit den Vornamen zweier um das Luchsprojekt besonders verdienter Persönlichkeiten: der Vorsitzenden der bereits seit 35 Jahren existierenden Luchs-Initiative Baden-Württemberg e. V. Verena Schiltenwolf sowie des Abgeordneten der Grünen im Landtag Reinhold Pix, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Bestandesstützungsprojekt Eingang in den grün/schwarzen Koalitionsvertrag von 2022 gefunden hatte. Waren doch seit 2004 bis zu 18 männliche Luchse (Kuder) aus der benachbarten Schweiz zugewandert – ohne jegliche Aussicht auf Nachwuchs. Die nächste winterliche Ranzzeit der Luchse könnte nun also schon zu einem Happyend führen, sei es mit dem seit Jahren im Nordschwarzwald nachgewiesenen Luchskuder Toni, sei es zwischen Verena und Reinhold.

Und natürlich sollen nach dem Schwarzwald bald auch die anderen waldreichen Landesteile wiederbesiedelt und die europäische Luchspopulation miteinander vernetzt werden. Zu Recht weist der BUND Baden-Württemberg jedoch in seinem Kommentar vom 19. 12. 2024 darauf hin, dass dies einhergehen müsse mit dem Bau von  Grünbrücken, wo doch auf den baden-württembergischen Autobahnen schon mehrere Luchse zu Tode gekommen sind. Man denke insbesondere an die A 81, wo von Heilbronn bis Engen  keinerlei Grünbrücken existieren. Bestandesstützung und der Bau von Durchlässen und Übergängen für wandernde Wildtiere müssen Hand in Hand gehen. Andernfalls droht die genetische Verarmung.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner