Schnappathmung z’Eschinge i de 60-er Johr

28. April 2024

Vorgelesen von Maria Simon

Im Waldi Hartmann, im legendär Sportreporter, isch emol d`Luft fascht eweg blibbe. Er heb e Schnappathmung khaa. Mitte vu de 60- Johr hond au villi Eschinger so e Schnappathmung khaa. De erscht wo ebbis gmerkt hät war de bellig aber nit bissig Donauquelle Wachund, de Egon Rahm. De näscht war de untertänig fürschtlich Parkwächter, de Julius Ganter. Er war de Testes vum Park und hät fascht gmond de wunderschee Park, den er stolz, pflichtbewusst, treu, guet und huldvoll für sin adlige Dienstherr, de Fürscht, betreut, ghegt und pflägt hät, der dai ihm fascht selber ghöre. Sin Park hät er am allergernschte mege. Er war sii Lebe. Die beide Manne sind fascht ziitglich uff d `Kammer, uffs iidrücklich Residenzamt, in Vatikan vu de FF- Verwaltung i de Josefstrooß zottlet und hond eweng verdatteret, aber unterwürfig vermeldet: „Iiiseri Donauquelle isch verlächeret, versiegt, versorret, am Quelletempili ruuschts nimme, es brienzlet nu no eweng“. Des waret die zwei Erschte dene d`Luft eweg blibbe isch und eweng hond die vorem Zorn vum Ferschtehuus au eweng mores ghet.


Nochem erschte Con(g)jac vu dene Kammer Manne hät d`Schnappathmung bei dene allene bald wieder zaghaft iigsetzt. Noch paar tiefe Züg a de Havanna isch de Kammerpräsi, des war der mit dem hochadlige Name Achatius Graf Saurma, a des schwarz Gabel- Telefon a de Wand mit de Wählschiebe und em Schellebom obedruff gange und hät d`Stadt, de Borgermoeschter Robert Schrempp, aaglietet. Ziemli grob und wenig vernäm hät er in Baggelitt- Höhrer innibläret: „Herr Bürgermeischter, wir haben den schweren, unglaublichen Verdacht, dass die Stadt uns das Wasser für unsere Donauquelle abgegraben hat. Sie wissen dass diese Quelle das Wahrzeichen der ganzen Stadt, der Herzschlag von Donaueschingen und dem Fürstenhaus ist. Unsere Untergebenen berichten gerade, dass die Stadt vor der Falkenpost und in der Brigach beim Schützen sehr tief buddeln lässt“.

Wie e gsengte Sau isch denno de Borgemorschter noch dem granate Aaschiss zu sim Stadtbaumoschter uffi grennt, hät d` Derre uni aaklopfe uffgrisse und de Twarze – Horscht aagjohlet, wa denn do laufe dät. Beidi hond denno au d` Schnappathmung griegt. De Borgermoeschter au wegem bressante Trepperenne und de Kathastrophe Botschaft und de Twarz wege dem Gjohl, wann er vum Borgermoeschter Schrempp bis jetzt no nit gwähnt war. Natierli au wege dere Hiobs Botschaft, wege dere versiegte Dunne- Quell.

Wie e gsengte Sau isch denno de Borgemorschter noch dem granate Aaschiss zu sim Stadtbaumoschter uffi grennt, hät d` Derre uni aaklopfe uffgrisse und de Twarze – Horscht aagjohlet, wa denn do laufe dät. Beidi hond denno au d` Schnappathmung griegt. De Borgermoeschter au wegem bressante Trepperenne und de Kathastrophe Botschaft und de Twarz wege dem Gjohl, wann er vum Borgermoeschter Schrempp bis jetzt no nit gwähnt war. Natierli au wege dere Hiobs Botschaft, wege dere versiegte Dunne-Quell.

Jetzt sind die zwei as Telefon grennt und hond im Patron vum Büro Greiner, im Theo Greiner aatelefoniert. Au bei dem hät jetzt e` Schnappathmung iigsetzt wege dem Ton, den er vu dene zwei Herre nit gwähnt war und natierli wege dere biblische, apokalyptische Hiobsbotschaft. Au de Greiner Theo war vergelschteret und isch wie de Blitz on Stock uffi grennt und isch au im Kessler Hermann is Büro platz uhni aaklopfet. Sellem isch s`obligat „Burger„–Stimpli sogar usem Muul khait und au der hät schwer noch Luft gschnappt.

„Kann es sein, dass wir durch die starke Grundwasser-Pumperei am neuen Brigach- Dückerkanal zwischem Schützen und der Poschtstraße und dem Regenüberlaufschacht der Donauquelle im nahen Schlosspark so stark das Wasser abgezwaggt haben?“ pforret de Greiner de Kessler Hermann uugwähnlich luut aa. Oe Stund später sind alli die Manne vu dere Telefonkette am Loch a de Brigach und denno au am Quelletempeli gstande und hond zerscht überhaupt konn guete Root ghet. Ebbis hond aber alli gwisst: Wenn des Wasser noch dem Wasserklau, dere Karstwasserpumperei nimme kunnt, denno isch aber de Teifel los. Daß des vorerscht aber verstecklet bliibe sot, do dribber war mer sich oenig. Nu hät die verdruckt Macherei bei de Eschinger Quelle- verliebte Bürger natierli überhaupt nint gnizt. Des hät mer bald a allne Wirtshuusstammtisch verkartet. D Wiiber hond drübert bin Iikaufe zagatet und i de Ziitings- Schlagziele hät mer tagsdruff scho fettdruckt gläse:

„Stadt gräbt dem Fürscht das Wasser ab“ oder: „Der Herzschlag der Stadt hat ausgesetzt“

No hämischer isches natierli a de Stammtisch zuegange. Und am meischte hond natierli d`Fortwanger gfeixt, gjohlet, glacht und bleedi Sprich gmacht. Dere eren Zunftobet war ver des Johr scho im Summer grettet und s` Motto isch gstande. Dieselle hond koe Schnappathmung kriegt, die hond sich mit volle Backe uffbloose und uf die oachene Wirtstisch ghaue, dass es nu so klepperet hät.

Wa aber isch do passiert? Zu dere Ziit isch d` Eschinger Kläralag im Habefeld baut wore und do demit sind au neii Kanäl verleit wore. S` Abwasser us de Poschtstrooß, de Haldestrooß und vu de Kerchstrooß, also die ganz Mittelstadt, hät ere Abwasser i grosse Rohr Richtung Josefstrooß und Prinz- Fritzi – Allee gegs Haberfeld nei vergrabe und ableite miesse. Die Gilleschapfeziit und Gilleführerei war dodemit vorbei. Dodezu hät mer Brigach oberhalb vu de Schützebruck uugfähr 3 m unter de Bachsohle unterquere miesse. Daß des Brigachwasser umpumpe scho nit so ganz oafach si word, mit selem hät mer scho grechnet. Daß aber diesell ominös Brauereiquell mit dere s`Bier e ziihtlang anne 1750 bis 1780 braut wore isch, so e mords Kummedi und so e Maleur sie word, mit dem hät sogar de Tiefbau-erfahre Kessler Hermann nit grechnet.


Die Quell druckt eigentlich ziemlich uusichtbar dert unneuffi, artesisch wie mer sait, sie stooßt uff und versorret i de Brigach oder im Grundwasser- Kies. Derlei Uffstooßquelle gihts so uugfähr 20 Stuck im Parkberiich. Wieso aber stoosset die uff und drucket uffizue? Zmols hät mer also gmerkt, dass die beide Quelle mitenand „kommunizieret“. Des Wort us de Quellekundi kennt mer natierli als Minschtrant au us em fundamental- sakrale Lebe, weils dert au gnomme word und es hoasst sovill wie: „Me macht gmeinsame Sach, me isch i enger Verbindung.“

Unter de ganze Unterstadt- und de Parkaue liet im Untergrund en Art Deckel, e Platte us Muschelkalk- Karst, also us re Kalkstoe- Platte. A manche Stelle isch aber die Platte dolineartig uffbroche, verlächeret und hät Riß oder Spalte. Und dorch derartige Löcher i dere Platte druckt no des Wasser, wa unter dere Platte mit eme schwache Überdruck astoht, wells vu de Schwarzwaldostabdachung obe abi druckt, plötzlich dorch und macht die mindschtens 20 Quelluustritt. A sonnere Uustrittstell, de Poschtrosse oder Brauereiquelle wie mer sait, hät mer also s`Grundwasser fascht total abbpumpt. Und des hät e Absenkung vu dem unterirdische See verursacht. Wege dem hät also die nu 200 m entfernt Dunnequell ebe au koe Wasser meh khaa. Sie isch also versiegt. Gnad Gott dene Manne, die des verbockt und z`wenig überdenkt hond. Daß mer aber dorch de Bach moß und de Schacht baue muess war allne klar. Me kha sich guet vorstelle, dass die Kolpingbrüeder usem Büro Greiner s`oe oder ander gnaderiichs Gsetzle betet hond. Ganz im Glaube und de Zueversicht dass die Fürschtlich Quell wieder aakunnt, wieder aaspringt, wemmer die grosse und villne Pumpe a de Falkeposcht wieder abstellt.
Wo mer denno noch paar Woche die mords Pumpemaschinerie wieder abgstellt hät, isch Dunnequell wieder zu de gwaltige Erliichterung vu allne wieder aakumme und hät gütig und ergiebig wie immer gschüttet. Wieviel mol word denno de Kessler Hermann zwische de Poschtstroß und de Schlossquell hin und her grennt sie, bis er genau gwisst hät, dass sie wieder unneuffibläterlet, dass sie wieder aakumme isch. Am Quelletempeli häts wieder idyllisch gruuscht und glutteret, so wie vorher. De Wassergott hät wieder usem Grundwasser unne uffi bumpet wie sit Johrhunderte. De Herzschlag vu Eschinge hät wieder iigsetzt und s`Wach- Koma vu Eschinge war vorbei.

Daß a dem Obet e paar Kischte Pils us de Bügelflasche d` Gorgle abi sind, des dierft klar sii. No selte sind gstandeni Manne am Quellegländer gloehnet und hond im Neptun, im Poseidon oder dem christliche, multifunktional Heilige, dem Wasserheilige, em Johannes Nepomuk, verstohlle ghuldiget. Und de Heilig Johannes hät gnädig, segnend, gütig vu de Stadtkirch St. Johann obe aabi gucket.



Wer kennt den Vogel?

Liebe Bürgerpostleser,

endlich mal wieder ein Bericht über einen Vogel, werden manche von Euch vielleicht denken. Ihr dürft Euch gerne testen, schaut die Kollage an und zu welchem Schluß kommt ihr? Habt ihr eine Spur, welcher Vogel auf dem Nest sitzt?
Wie komm ich zu den Bildern? Ingo Kirchhoff aus Wietzen in Niedersachsen schickte mir sie dankenswerter Weise. „Schau mal Franz, es wird jede Höhle genutzt, wie hier in einem Fachwerkbalken, den ich im Garten aufgestellt habe“. Aber auch Ingo wußte nicht, welcher Vogel bei ihm brütet, denn auf meine Frage antwortete er „es müsste eine Gartengrasmücke oder so sein“. Apropos, seid ihr schon weiter in der Bestimmung?

Es ist ein Vogel, den ich aus meiner Kindheit kenne. Wir hatten einen großen Garten mit hohen Bäumen und da war er zu sehen. Am besten, wenn er sich von einem Ast in die Luft erhob, um ein Fluginsekt zu erbeuten. Das ist zu 💯 Prozent seine Jagdmethode. Farblich und gesanglich ist er kein Juwel, man hört ein „ziet“ oder ein warnendes „zie-tek-tek“. Er ist auch nicht lange bei uns, bereits Ende Juli verlässt er uns wieder, nachdem er erst im Mai gekommen ist. Diese kurze Zeit spielt vermutlich auch eine Rolle, dass er nicht so wahrgenommen wird.
Und, seid Ihr schon draufgekommen, wer es ist?
Die Nestform im Fachwerkbalken ist absolut typisch für ihn, man nennt ihn Halbhöhlenbrüter wie den Hausrotschwanz. Geschlossene Nistkästen haben keinen Wert für ihn. Im Fachhandel werden sie angeboten. Man kann sie aber auch einfach selber herstellen.
Die Art ist in Deutschland noch weit verbreitet, befindet sich aber seit Jahrzehnten in einem schleichenden Rückgang. Der Erhalt alter Bäume und naturnaher Gärten und ein hohes Insektenangebot gilt als entscheidend, um die Bestände langfristig zu stabilisieren. 

Bei den Lindenbäumen am Brigachufer in Donaueschingen habe ich in den letzten Jahren immer welche gesehen. Wer sowieso in Donaueschingen weilt, kann versuchen, ihn dort zu finden, ich bin überzeugt, das Beobachten wird Euch Freude bereiten. Achso, bevor ich es noch vergesse, wie heißt der nun beschriebene Bursche? Natürlich …….. Grauschnäpper.

Ingo, vielen Dank für die Überlassung der Bilder, die diesen Beitrag über den unscheinbaren Grauschnäpper ermöglicht haben.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Stahlhelm zu Gilleschapfe

30. Juli 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

Vom Denken in Gegenständen :

Denkt man mit Hilfe von Objekten, von Artefakten, über die Vergangenheit oder eine vergangene Zeit, eine vergangene Epoche nach, so hat das immer etwas von einer poetischen Neuschöpfung dieser Zeit und der Gedankenwelt dieser Zeit.

von Ian McGregor „ Die Weltgeschichte in 100 Objekten“

gelesen am 30. Juli 2020 Hubert Mauz
Gülleschöpfe eine mit Eimer eine mit Stahlhelm

Stahlhelm zu Gilleschapfe

Im Herbscht wenn de Saloot und s Kruut i de Gmiesgärte vum Linseösch, em Lassberg- , de Paffehofe- und de Lehestrooß abgrumm war und die grössere Buebe Huusgärte widerwillig umgstoche hond, isch oni vu de uuagnehmschte Arbete i de Kleibürgerliche- und de Arbeiterhuushalt aagstande. I de 50-er häts no koe Abwasserkanalisation und koe Kläraalag z Eschinge gähe. Diesell nei Kläralaag im Haberfeld isch erscht i de 60-er Johr baue wore und au die Kanäl wo denno s Abwasser vu de Hieser abgleitet hond, sind erscht dä nochenand baue wore. Bis die Hieser aagschlosse waret hät jedes Huus e oages Gilleloch, e Jauchegrueb kha. All paar Monet hät de Städtle -Gillepumper die Gruebe usfiere messe. Bsunders i de Innestadt wo s konni Gärte hinter de Hieser gäe hät, war der Gillemaa nit nu en tägliche Aablick. Er war Alltag im Städtli nit wegzumschmecke.Schmecke hoasst uf Booremerisch „riechen“ Die mundartukundige Schriftsproochler saget „ Das schmeckt aber lecker, das Essen“ Mit sim Guu hät de Gillepumper je noch Wetterlag gege de fein Hopfeguu vu de Brauerei aagstunke. Gwunne hät immer er. Dieselle bürgerliche Aawese aber mit Gärte hond noch dem uralte, abdroschene Googewitz ghandlet und hond d Gille sorgfältig verwertet. Desell Witz isch so guet erfunde dass er a jedem Stammtisch, ob im Bürgerstiebbli, de Katakombe, em Rote Hans oder de Insel, all Woch uverdrosse verzelt were hät kinne. Und jedesmol wered tribbert Schräe abglau, briehlet, gjohlet und sie hauet uf de Stammtisch dass Gläser hoppet. Jeder kaa sich i sim promillgfillte Hirnstüble so lebhaft vorstelle wie des zuegange isch. Bime gute Witz oder ere aaregende Gschecht oder au eme iidrückliche Objekt isch s aascherre vu de Phantasie s Wechtigscht.

„ Z Tiibenge“ heb emol en Goog, en Wingerter, so hoasset dä die Wiibuure, dieselle wo den suure Wii a de Neckerhalde aabauet, mit „em Weib, de Kend ond eme klepprige Gäule“ s Gillefass de steil Wengert uffi gschunde. Wo sie denno dobbe aakumme sind noch dere granate Schinderei, hät der aalt, zemtkeit Glepper en Fehltritt dau no bevor s Weib d Micki zuedriller hät. S Gillefaß isch samt em koschtbare Inhalt scheppernd mit eme Höllekrach s Loch ab in Necker bolderet. Entgoaschtered hät die ganz Familie dem vermauchete Fäßli noogucket. Noch em allerletschte Gumpp über die unterscht Wiibergmuur isch des Faß zu Kuder und Fetze verplatzt und die schee, geal Brie isch im Necker versteibt. Noch paar Schnapper hät des Wii- Bierli wieder d Sprooch gfunde. Wie sichs ver en gottesfürchtige, pietistische Goog us Tiibenge ghert hät er sin frommschte Fluuch hinneverri kromet und gruufe: „Heilegs Hergettle vo Bieberach, guets Weib, jetzet hemmer s` ganz Joohr ommesonscht gsoicht ond gschisse“

So ebbis kha imme Eschinger nit passiere. S giht ebbe konni steile Wiiberg. D Gille word ums Huus verwertet. Gsparrig und umsichtig goht mer mit em Naturdünger um und loot kon Tropfe verkumme, kon Kiebbel word verlätteret. Die Gottesgab usem Gilleloch word nit verdummbeillet. Die kunnt in Gmiesgarte dass d Salootkepf und d Gealriebli, d Zwieble und Radiesli und d Kruutbolle im näschte Johr no greesser weret. No kennet die giffizige Nochbere no neidischer und no nissiger über s` Stakete- Gartehaag schäche.

Ame nasse Oktobertag kunnt d Aawiesung vum Vatter , folgsam überwacht vum Huus- Gealriebeförschter, de mild- strenge Motter: „S Gilleloch word Aafang vu de Woch gleert, wenns goht am Mäntig. Wenn d` Huusufgabe gmacht sind gohts draa. De Gstankt sot über de ganz Woch versorre kinne. De Guu sot mer am Sunntig nimme schmecke messe. Wenns denno no soacht, isches ganz guet. Hoffemer no, dass de Nochber, de Käfer – Buckli, nit am Friitig und Samschtig, so wie im letzschte Johr, gillet und de ganz Sunntig verstinkt“. De Vatter hät de Zink- Gilleschapfe im Schopf abghängt, gugget ob er konni Roschtlöcher hät und ob de Holzstiel no nit ganz vermauchet war. Sichereheitshalber hät er de krumm, verroschtet Nagel usem Schapfe – Aasatz zoge und en neie inni gschlagge. Wenn de Schapfe is Gilleloch kait, no häsch en aber gsenne.

Bi dere Aktion isch ihm alljohr ebbis im Kopf ummegsorret. En spoote Lebenstraum isch denno in ihm ufgstigge. Bi sinne Bilanzprüfunge bi de Milch- und Waregnosseschafte im Wälderwald hät er bime Buur en ganz gattige Gilleschapfe gsähne und bei dem giffizige Storiax den de Buur verzellt hät ganz genau zueglosset.

„Wissener, selt Tail haan ich im Wald aneme Tanneascht hänge gsehne. Wahrschienli het den en Deserteur dert nahghenkt. Ainer vun dene stille Helde die nimme ver des Saupack de Kopf underm Stahlhelm naheebe het welle. En Soldateschoope isch denebe ghengt. Wenn i den troffe het, den het ich bei mir in de Oftere verschobbet dass en die dreckige Werwölf und die gnadelose Wehrmachtsnazi nit gfunde hettet. Solang bis de Krieg ganz rum gsin wär und er sicher und friedfertig haim zu Frau und Kind het kinne. Ich haan den Helm mit dem vierflüglige Hitler- Hakekritz mit haim gnomme. De Hammer- Schmied, de alt King, het mier e Röhrli an de Site na gschmiedet. En scheene, guet gscheelte Stangestiel han ich draan bäschtlet und jetzt han ich en ganz gattigi Gilleschapfe. Alli Buure usem Gai klopfe sich vergniegt uf d Schenkel wenn sie mich Gilleschöpfe sehne und verzehles au mit grossem Gschrai an de Stammtisch. Nu der endlich abgseblet Ortsgruppeleiter, sell krummbohret Nazi- Rindviech, fuschtet beigott immer riebber wenn er mich sieht wenn ich mit dem sauglatte Gschirr rumfuhrwerche duen. Ich schwai denno erscht reacht en Schöpfer voll Mischtlache in sieni Richtung. Denno isch ellemol gstuhlet und er verschlupft mit ere Gähwuet im Ranze in sie Abtritthiesli. S Einzig was der nit bin mir vertlähne wird, seld isch mini Stahlhelmgilleschapfe. Sunsch kamer alles bruuche. Sit ich den Schapfe han isch des Gillefieher fascht schoo e gnisslichi Freid. Bin jedem Schöpfer denk ich mir en Name vun some Obernazi uus. Wissener wie beim futtere vume Kleikindli, und vermach dene min Hausdrunkt: „Zum Wohl Göhring, ains ver del Aadolf, ains ver de Meindl, ains ver de Göbbels „ , und so witterscht. Waa glaubener wie gattig denno ellemol des Gillefässli voll isch“

Des hät im Vatter Frieder uubache guet gfalle. Und sit her hät s ihm troomt, dass ihm au mol so en verroschtete Stahlhelm mit sellem verhasse Zoeche über de Weag lauft, oder er au so on im Wald findet wie sell knitz Wälderbierle. No het er im Lassberg au gilleschepfe kennne und denne Altnazzi au zue proschte kenne. Us sim Kopf het er gnueg Näme ver die Satanslitanei, ver die vergniegliche Gille- Kinderraim hinneveri kromet. Im dämols immer no Nazi- verseuchte Eschinge, dodebie hät natierli d Kaserne und die tausende Wehrmächtler vum Tausendjährige Reich e grosse Rolle gspillt, dä häts glaub noch dem bruune Krieg nu ganz wenigi derartige Gilleschapfe gäe. Do hät mer sich no nit so getraut und all no Mores kha vor dere bedrohliche Fuschterei vu dene no zahlriiche und heimliche Uuverbesserliche. De Vatter het sich getraut, wenn er so en Helmschapfe überkumme het. Und mit sim gute Freund i dene Pazifismussache, em Journalischt und Schriftsteller Hans Fleischer usem Linsösch, het er noch so ere Stahlhelm- Gillefieherei ein- zwei Fläsche vum beschte Ihringer gletteret und de Hans het im Fritz vergniegt zueproschtet und zuezwinkeret. Beschtimmt het de Fleischer- Hans au furchtlos und ufreacht wiener war e Satire dribber gschribbe.

Wemmer ammel als Buebe uf dem stoanene Stahlhelm vor em Roothuus ummegräslet und ummegrutscht sind, isch de Huusmoaschter vum Roohthuus konni fünf Minute später usigrennt und hät iis respektlosi Hosesoacher gsteibt und iis au verzürnt hinnedrii gfuschtet. Wenn i Hitzutag a dem martialische Stoahelm vorbeikumm denk ich en andere, min Troom: Hoffentlich sind unter dene Näme uf de Gedenktafle au e paar vu dene wohre, ufreachte Helde. Nämlich Fahneflüchtige die mit unvorstellbarer Courage, Moral und Aastand dene schändliche Gselle vertloffe sind. Die dene Nazi ninnt meh vermacht hond und ihre Lebenskraft nimme a die Faschiste verschwende hond welle. Dene große Moralischte knapp ich kurz und leider viel z` verstolle zue.

Zu mim Verdruss isch us dem Troom vum Vatter real nie äbbis wore. Bim Troom isch`s blibbe. Aber de Hintersinn und die Gedanke dezue, die hät er iis vermittlet broocht.
Den Troom vum iisene Helm- Gilleschapfe sotet mir alli mit Pfiff und Poesie bewahre und ufreacht erhalte. Des sind Symbol mit dene mer sich treffend, aaschaulich und mit ere herzhafte, grobe Poesie köstlich i die beide vergangene Epoche zruckdenke kaa.

Jo so wars , des Buebelebe mit em väterliche Vorbild und sim Gilleschapfe- Troom.

Gülleschöpfe eine mit Eimer eine mit Stahlhelm
gelesen am 30. September 2020 Hubert Mauz

De Gilleschapfe Troom

I iserm Schopf do stoht e Gschier
Me mond es sei gar nit vu hier
De Nochber hät au so e Zieg
Des hät mer bruucht, vor –und noch em Krieg

Und vor em Krieg, dä wars us Zinn Und nochem Krieg , ich glaub ich spinn Dä wars us Iise und mit Verzierung
Des war e Zoache, e Art Vie- rung

De Vatter het säll Gschier gearn khaa,
En Troom wars, vu dem guete Maa
acht Johr hond d` Mörderbande ihm scho gstolle drum duet er denne gherig schmolle

Fünf Halbe- Waisle hond die ihm verbroche Wa hond die ihm nit alls versproche
Sie Frau verkarret, des war s` Schlimmscht Im Hoamweh denktscht dass jetzet spinnscht

En Dietwart hät en aaschwatiert
Und schnell bisch vum dem Pack verfiehrt Ich root dier, Frieder „Gang standepee, Glii Morge no i d` NSDeAPe“

Anne 34 hät er` s scho gschpannt
Die zindet aa en Weltebrand
Drum künd` t er schnell sie Mitgliedschaft „Die krieget nit mi ganzi Kraft“

Und Quittung kriegte er kuntenend
Kriegle moss er, vu Aafang bis zum bittre End Dehoam koe Frau für die fünf Kind
Nie wieder Krieg, so hät er`s iis allfort verkind

Wa die ihm aadau hond, wer kaa`s verdänke Im Schopf bim Gilleschapf abhänke
Troomt er vum „Schwedetrunk“ – kredenze „Zum Wohl“ ihr bruune Eminenze

En iisne Helm statt zinneni Kübel
Wo frühner war uf hohle Nazi – Riebbel Mit Nazi- Schapfe gi Gillefiehre gau
En Troom vum Vatter, ganz schee schlau

I some hintersinn`ge Allefanz
Ghert hit all no en Lorbeerkranz Des het so manch en Nazi gfuxet Wenn Gille usme Helm ruus sprutzet

E gnitz Symbol, des moss mer sagge Au so gängs bruune Bruet an Kragge En Blechschapfe us de Vorkriegsziit Im mit Stahlhelm us de Naziziit

Wieviel kaa des iis hit no sagge Drum sotet mir au nit verzagge Und muetig des Symbol uusstelle Mit Pfiff lot sich soo vill verzelle

beim Gülle schöpfen mit Stahlhelm

Der große Hüfinger Hagestolz

Hagestolz (Substantiv, männlich): Ein Mann, der nie heiratete und dennoch genug Stoff für Geschichten hinterließ.

Rudolf Gleichauf war kein Hüfinger, der zufällig irgendwo ein bisschen gemalt hat. In Hüfingen geboren, von Luzian Reich in der Hüfinger Künstlerschule entdeckt und gefördert, führte ihn sein Weg an die Akademien in München, Dresden und Frankfurt. Später gestaltete er bedeutende Gebäude in Freiburg, Baden-Baden, Karlsruhe und Heidelberg und gehörte zu den anerkannten badischen Künstlern seiner Zeit.

Christi Himmelfahrt in der Friedhofskapelle
Christi Himmelfahrt in der Karlsruher Friedhofskapelle
Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal von Gleichauf
Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal der Trinkhalle in Baden-Baden
Foto von Gleichauf 1896
Gleichauf 1896 Fotografie von Th. Schuhmann & Sohn, Karlsruhe
Das Bild links stellt ein junges Mädchen dar als Schnitterin in der fruchtbaren Baar; das Kopftuch aufgebunden, mit breiten Zöpfen und grünen Ranken geschmückt, mit der Sichel in der Hand von der Arbeit ausruhend, sitzt sie im Freien neben sich den Krug und ein Sträußlein Erdbeeren.
Baaremer Schnitterin
Medizin
Allegorie der Medizin für die Aula der Uni Heidelberg

Hüfingen hat einige Künstler hervorgebracht, die in ganz Baden ihre Spuren hinterlassen haben: Luzian Reich, Johann Nepomuk Schelble, Xaver Reich, Josef Heinemann, Lucian Reich und Nepomuk Heinemann. Doch nur einer von ihnen war ein Hagestolz: Rudolf Gleichauf.

Wer beim Wort Hagestolz allerdings an einen griesgrämigen Junggesellen hinter zugezogenen Vorhängen denkt, liegt bei Rudolf Gleichauf falsch. Er blieb zwar unverheiratet, führte aber keineswegs ein zurückgezogenes Leben. Künstler, Reisender, Lebemann – vielleicht beschreibt das alte Wort gerade deshalb so gut einen Menschen, der den Erwartungen seiner Zeit höflich auswich und lieber seinem eigenen Weg folgte.

Rudolf Gleichauf wurde gemeinsam mit seinem Freund Adolf Heer in Karlsruhe beigesetzt. Heute befindet sich die Grabplatte der beiden auf dem Hüfinger Friedhof. Fast könnte man sagen: Der große Hüfinger Hagestolz ist nach Hause zurückgekehrt.

Stein des Anstoßes

Fahrrad von Wolf am Stein vor der Schranke im Hintergrund der Riedsee

Wer als Radler von Norden her den Riedsee ansteuert und nicht etwa links abbiegt, um (am Modellflugplatz vorbei) den Nacktstrand aufzusuchen oder weiter in Richtung Pfohren und Geisingen zu strampeln, muss auf dem Weg seewärts längs der B27 seit eh und je eine Schranke umkurven. Die ab hier nicht mehr geteerte Geradeausvariante ist freilich nur für den landwirtschaftlichen Verkehr frei, wie einem Zusatzschild unter der runden Verbotstafel für Fahrzeuge aller Art zu entnehmen ist. Und selbst für Fußgänger ist der Weg gesperrt, wie eine weitere Tafel aufklärt. Was freilich weder für diese und schon gar nicht für Radler je ein Anlass war, auf diese Zufahrt zum See zu verzichten und dafür den Umweg über Hüfingen in Kauf zu nehmen. Zumal die Beschilderung in Gegenrichtung, vom See gen Norden, weder für Radler noch für Fußgänger ein Sperrschild aufweist; allenfalls mit ungeeigneten Schuhen und Reifen würde er sich wegen des mitunter auch etwas gröberen Schotters nicht unbedingt empfehlen.

Die Umfahrung der Schranke stellte für geübte Radler bislang keinerlei Problem dar, und manchmal scheinen sich, der Spurenlage zufolge, auch motorisierte Vierradfahrer mehr oder minder erfolgreich damit versucht zu haben. Doch seit dieser Badesaison hat sich etwas verändert: Jetzt musste man sehr viel geschmeidiger, nur ja nicht zu flott, aber auch nicht zu langsam, die Umfahrung der Schranke in Angriff nehmen. Wie ich gleich beim Ersten Versuch auf dem Heimweg (vom See herkommend) schmerzhaft erfahren musste beim unfreiwilligen Abstieg und Griff in die Brennnesseln. Als heimtückisch erwiesen hatten sich nebst holpriger Grasnarbe auch zwei scharfkantige Steinbrocken zur Linken und ein größerer Granitfindling zur Rechten, die es nun umso sorgfältiger zu umkurven gilt. Sollte man da im fortgeschrittenen Seniorenalter nicht besser vorher absteigen und das Rad hindurchschieben? Andererseits hatte ich es auf der Hinfahrt doch eben noch, auf dem Sattel sitzenbleibend, geschafft, angespornt durch zwei jüngere Radler, die knapp vor mir elegant und ohne nennenswerten Zeitverlust hindurchgelangt waren. Wie würde ich die heiklen Klippen beim nächsten Mal umschiffen? Und wer eigentlich hatte sie wohl installiert, Hüfingens Ordnungsamt oder das Baggerunternehmen, das längs des Wegs auch schon Erdaushubwälle angehäuft hatte?

Fahrrad von Wolf am Stein vor der Schranke

Man wird ja nicht klüger im Alter: Hätte mich nicht schon beim ersten Mal ein auf dem Findling hinterlassener Sturzhelm eines hier offenbar gestrandeten Radlers gewarnt haben müssen? Auf dem Hinweg zum nächsten Badevergnügen ist es dann prompt passiert: Mag sein, dass ich eine Spur zu vorsichtig, sprich: zu langsam, in die Gefahrenstelle hineingefahren und seitlich umgekippt bin, sodass ich hernach meine blutenden Schrammen im Riedsee abwaschen musste. Logisch, dass ich diesmal auf dem Heimweg freiwillig abgestiegen bin vor der verfluchten Engstelle.

Wie gut, dass ein Schwall Kaltluft die Badesaison für ein paar Tage unterbrochen hat, sodass die Schrammen an Beinen und Ellenbogen einigermaßen verkrusten konnten. Doch beim nächsten sonnigen Tag, der auf erträgliche Luft- und Wassertemperaturen hoffen ließ, musste es bereits wieder sein – diesmal mit Absteigen und Schieben, versteht sich. 

Offener Brief an den Gemeinderat von Hüfingen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,

wie Sie alle wissen, steht der Hieronymus seit Jahren für Transparenz, Bürgerbeteiligung und eine lebendige kommunale Demokratie.

Umso befremdlicher ist es, dass das neue Stadtlogo im vergangenen Jahr in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen wurde.  § 35 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg stellt klar, dass die Sitzungen des Gemeinderats grundsätzlich öffentlich sind. Gerade weil die Gemeindeordnung die Öffentlichkeit als Regelfall und die Nichtöffentlichkeit als Ausnahme vorsieht, erscheint die Entscheidung über ein Stadtlogo besonders erklärungsbedürftig. Nichtöffentlich darf nur verhandelt werden, wenn das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner dies erfordern. Bei einem Stadtlogo handelt es sich jedoch nicht um eine Personalangelegenheit, nicht um vertrauliche Vertragsinhalte und nicht um schutzwürdige private Interessen. 

Es handelt sich um das öffentliche Erscheinungsbild unserer Stadt, um ein Zeichen, das alle Bürgerinnen und Bürger repräsentieren soll. Ein Stadtlogo ist kein Verwaltungsakt. Es ist Ausdruck unserer gemeinsamen Identität. 

Deshalb hätte ein solcher Beschluss aus meiner Sicht öffentlich diskutiert werden müssen. Die Öffentlichkeit hätte nicht ausgeschlossen, sondern einbezogen werden müssen. Wer Transparenz und Bürgerbeteiligung ernst nimmt, sollte über die Symbole unserer Stadt nicht hinter verschlossenen Türen entscheiden und Monate später der Bürgerschaft präsentieren.

Wer Bürgerbeteiligung als Wert nennt, sollte sie gerade bei Fragen ermöglichen, die das Selbstverständnis einer Stadt betreffen.

Deshalb schlage ich vor, den Vorgang nicht weiter zu verteidigen, sondern ihn durch einen offenen und demokratischen Prozess zu heilen. Zum Beispiel hierdurch:

  • Die Stadt schreibt öffentlich einen Ideenwettbewerb für ein Stadtlogo aus.
  • Alle kreativen Menschen aus Hüfingen erhalten die Möglichkeit, Entwürfe einzureichen.
  • Sämtliche eingereichten Vorschläge werden in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgestellt und diskutiert.
  • Der Gemeinderat wählt daraus fünf Finalisten aus.
  • Auch das derzeitige Logo kann selbstverständlich als Vorschlag teilnehmen und von Gemeinderat und Verwaltung begründet werden.
  • Anschließend stimmen die Bürgerinnen und Bürger im Hüfinger Boten oder über ein anderes geeignetes Verfahren über die Vorschläge ab.

Ein solcher Prozess würde kaum Geld kosten. Er würde jedoch etwas viel Wertvolleres schaffen: Vertrauen.

Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Bürgerinnen und Bürger fertige Entscheidungen präsentiert bekommen. Vertrauen entsteht, wenn Menschen die Möglichkeit haben, ihre Stadt mitzugestalten.

Eine solche Abstimmung würde zeigen, dass die Stadt bereit ist, Kritik ernst zu nehmen. Sie würde zeigen, dass Bürgerbeteiligung mehr ist als ein Schlagwort. Sie würde zeigen, dass Transparenz nicht nur dann gilt, wenn sie bequem ist.

Vor allem aber würde am Ende ein Logo stehen, das demokratisch legitimiert ist. Ganz gleich, welcher Entwurf gewinnt: Es wäre das Logo der Hüfingerinnen und Hüfinger.

Deshalb geht es mir nicht nur um einen Männerkopf oder um ein Logo. Es geht um die Frage, ob die Grundsätze von Transparenz, Öffentlichkeit und Bürgerbeteiligung in Hüfingen gelten sollen, wenn es darauf ankommt.

Viele Grüße ausm Backoffice vom Hieronymus
Hannah

Frauenschuh

Liebe Bürgerpostleser,

wenn ich es recht im Kopf habe, war der Frauenschuh noch nicht thematisiert. Dieses Jahr bewegen mich zwei Dinge, über ihn etwas zu schreiben, erstens seine Vermehrungsstrategie und zweitens die Anzahl Blüten pro Stängel. Ich habe mich erinnert, vor langer Zeit, genauer gesagt, vor 20 Jahren dreiblütige Stängel auf dem Tannbüel an einer Stelle gesehen zu haben. Und tatsächlich, im Archiv habe ich zwei Bilder heraus fischen können.

Ich finde drei Blüten pro Stengel sind etwas besonders Schönes beim eh schönen Frauenschuh. Ich denke, das könnt ihr nachvollziehen.  Dieses Jahr waren dreiblütige Fehlanzeige, es waren zwar viele zweiblütige Stengel zu sehen, aber nicht eine einzige dreiblütige. Auch ein Aufruf im Status gab keine positive Rückmeldung. Vielleicht auch hier noch der Aufruf, wer so etwas zu Gesicht bekommt, es mir bitte mitzuteilen.

Dann hat Karl Wild aus Maichingen beim Rundgang auf dem Tannbüel das Bild geschossen und mich aufgeklärt, wieso diese Wildbiene, vermutlich eine Sandbiene im Frauenschuh hockt.

Wenn Ihr befürchtet, dass der Frauenschuh eine fleischfressende Pflanze sei, so gebe ich knallharte Entwarnung. Es hängt mit der Vermehrungsstrategie zusammen. Die Blüte lockt kleine Insekten durch Farbe und Duft an. Die schuhförmige Lippe der Blüte ist wie eine Falle: Das Insekt rutscht hinein und kann nicht direkt wieder heraus. Das wird Kesselfallen-Prinzip genannt. Beim einzigen Ausgang muss das Insekt an den Pollensäcken vorbei. Hat es vorher Pollen von einer anderen Frauenschuh-Blüte mitgebracht, bleibt dieser an der Narbe hängen und die Blüte wird befruchtet. Danach entsteht eine Samenkapsel mit sehr vielen winzigen Samen.

Das Bild zeigt eine solche Kapsel vom letzten Jahr mit einer zweiblütigen Pflanze von diesem Jahr. Das Insekt nimmt neue Pollen mit und kann weitere Blüten besuchen, in die Falle gehen und befruchten. Das nenn ich mal einen Oberhammer.

Vor 20 Jahren habe ich das Bild geschossen mit der Haarfliege im Kessel, jetzt erst verstehe ich, dass auch sie zur Befruchtung beigetragen. Ist das nicht fantastisch? Die Samen haben kaum Nährstoffe. Sie können deshalb nur keimen, wenn sie mit bestimmten Bodenpilzen zusammenarbeiten, was die Vermehrung schwierig macht.

Zusätzlich kann sich der Frauenschuh über sein unterirdisches Rhizom, das ist ein unterirdisch wachsendes Sprossachsensystem, ausbreiten und neue Triebe bilden. Interessant ist auch, dass der Frauenschuh sehr langsam wächst – oft dauert es mehrere Jahre, bis aus einem Samen eine blühende Pflanze entsteht.

Zu guter Letzt nochmals ein Hammerbild. Seht Ihr die veränderliche Krabbenspinne? Veränderlich deshalb, weil sie Ihre Färbung der Umgebung anpasst. Gelb auf Gelb, bestens getarnt. Offenbar weiß sie instinktiv, dass da Insekten vorbeikommen an der Frauenschuhblüte zur Befruchtung. Seht Ihr, wie sie für eine liebevolle, sprich tödliche Umarmung vorbereitet ist? Der Frauenschuhkessel ist voller Beutetiere, also Verhungern mußte sie garantiert nicht. 

Also die nächsten Tage ist die Vollblüte vorbei, trotzdem lohnt sich noch eine Besuch zum Beispiel auf dem Hüfinger Orchideenpfad, auf Tannbühl und auf Schopfeln Rehletal bei Hattingen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

De Hintsch

De Hintsch gelesen am 2. Februar 2024 von von Hubert Mauz

E Rinderkranket usem Kuriositätekabinett vum Roßdokter

Schwarzwaldhof im Schnee

Am Herdeplatz am Weagroa im Spotherbscht anne 1938 hät de Fischer Lambert, de Förschter vu Wolterdinge, sin aalte Fahrradgeppel uffbockt und flickt sin Plattfuess won er uf dem stoenige Weag vum Kohlwald unne uffi sech gard iigfahre hät. Er fluecht und sakramanetiert: „ Gottverdammi, scho wieder en Platte, erscht geschtert hani bim Blenkle- Schmied z` Briilinge neii Fahrradflick und Kleaber gholet. Die Gummischliech und die Vulkan- Kleaber sind halt au nimme des wa sie mol waret. Sit de Adolf ame Krieg ummizindlet bruucht er allen Gummi, de guet Kautschuk ver die Laschtwäge, Kübelwäge und Nazi- Motorräder. Mir, die Kleine, grieget nu no de Schiissdreck und de Uusschuss. Der Schluuch hät fanget meh Flick wie des Rad Spoache hät. Me sieht fascht konn Gummi meh. Sakrament, Schiessdreck aber au, so en Soach.

„Jo wa kunnt denn do vu Buebach unneuffi ?“ . „ En Guete“ sait des Biebli mit dem Kiehli, ganz matt und daigig, meh ghuuchet wie g muht: „Muuhhh“„ . „Au en Guete, Biebli. Kunscht aber scho frie vu Buebach unneuffi. Wit zum Hagge gi Huvershofe ? Moneter, dass es mit dem Kleppergschtell no ebbis giit. Dät sage do nitz nit emol de bescht Briilinger Hagge no ebbis“ . „ He Naai, ich muen s Kiehli gi Bittelbrunn fiehre“ . „ Jo waa, so wiit no, monsch der Serbling kunnt dert no aa ? , wem kehrsch Biebli und wie hoasch ?“ . „ Ich biin de Rohrer Rheinhold vuns Rohrers, wissener, d` Alma het de Hintsch griegt“ . „ Oh Jesses Maraie, diesell Kranket wo`s nu im Buebach giht und in de Obere Schoole, do sinner aber schwer blooget. Hai, hilf mer no den Geppel wieder zämet z Schruube, So, also guet.“ . „ Wo wenn ihr im Buebach no naa ?“ . „Waisch, Reinholdle, bi iis am Halleberg isch en gruusige Storiax dorchgfahre und hät vill Bämm umbänglet und umgworfe. Ich han en Sau- Verhau und bruuch no meh guete Holzmacher zum Uffrumme vorem Winter. Und dinni Buebacher Manne sind schaffigi, fliessige und pfiffige Holzhauer und Schlaifer, grad bi so Stormverhau. Do bruuch i paar devu, do will i im Bierhiesli am Friehschoppe die beschte aabohre und aawerbe.“ „He jo, ich han grad e paar gsehne ins Bierhuus wackle, de Babbe isch au debie. Bin dem Sauwetter schaffets hit idde „ . „Also no ischs jo guet, no find i jo e Paar vu dene bommstarke Kerli. Adee, und bring des serblig Kiehli guet gi Bittelbrunn, guck dass es nit vorher scho zenmetkhait, de Rohrer- Albert dät gherig mit der gosche. Und gucket, dass die Kur im Kuhe- Kurhuus Bittelbrunn dusse guet aaschleht. Adje, Reinholdle „ und gottbefohle ver din wiite Weag“ . „En Gute , Förschter Lambert, und mick jo guet des Sauloch do rab, sunsch kehnts eich schwer uf d` Schnurre schlaan wie scho villi wo dert nab graitet sind. Un im Bierhuus briicht mer de Hepf zum s` Loch im Kopf uusspiele und nit ver d` Goorgle„ .“Des isch baigott en gattige kleine Hoseforzer, der häts Muul und s` Hirni am reachte Fleck“, denkt de Lambert bim Abfahre gi Buebach.

Bim Iitrette is Bierhiesli:
„Dees war beigott wieder e Graiterei do nab. D` Micki het scho aagfange zum gliehe und de vorder Bremsklotz hät scho gstunke, breeselet und qualmet wie e Köhler- Fier. Soo, do wäremer“ .
„ Gute Morge, Griess Gott, zum Wohl. So kamers uushalte bi dem Saichwetter am warme Kachelofe ufem Ofebank vum Bierhuus.“
Alli brummlet verdruckt zruck: „Au en Guedde, Lambert“ . „ Kresenz, en Hepf und en Halbe vum Friedewielemer Klosterbier“. E paar Minute isches still, alle beschweiget sich aaregend gegesiitig bis de Lambert de aahaltend Kuuscht- Friede bricht: „ Bi iis dusse hät de letscht Herbschtstoriax gherig in Halleberg inniglanget. A dere Haalde homm mir en mords Verhau. Des sot i no vorem Winter uffrumme“ „Soso“ . „Soso“ „He nai, so ebbis“ „ Do henner aber kaini gute Waldheilige aabetet“ . „ So ebbis koscht Geld“ . „So ebbis giht meh Brennholz wie Bretter“ . „ So , so“ . „ Ha so ebbis“ . „He nai, wa du idde saisch“. Brummlets. Allmählich plazt im Lambert de Kragge woner merkt dass en die giffizige Buebacher Schaalme abschwarte wend.
„Ihr honds scho gmerkt, ich sot gute Holzhauer und uusgfuxti Schlaipfer mit gute Rooß han, wer macht mit ?“ „ Jetz hemer gmaint du kunsch zum Schnäpsle ins Bierhuus, do gohts jo um Arbet. Was zahlsch im Taglohn?“. „ So, so, seld isch aber weenig. Fier die saughä knochebrecher- Halde wemmer 20 Pfennig meh fer de Maa und ver d` Roß ai Mark meh und de guet gschrotet Haber vum Gehringer Miller ummesunscht“ . „ Also guet, wa bliebt mer anders ibbrig, abgmacht, s`gilt.“
Alle bekräftiget`s mit eme Handschlag und schächet giffizig und gnitz iber de Tisch. „ Also, kann i ufschriebe: Wunderle……, Schöpperle……….., Schwörer………. mit de Roß, Meder……….., Rohrer………mit zwei Ochse., Kleiser……….mit de Roß, Junkel………., Schwarz …………… saget mol, gihts nu die Näme im Buebach ? ; do words aber Ziit für frisch Bluet, soll ich eich mol Beerliwieber vu Wolterdinge, Hufertshofe und Zindelstai an Glattacker un ins Moos schicke?“ . „Seld kaansch ruhig mol mache, no weremer scho sehne…….“.
„Du, Rohrer Albert, din Bue, sell pfiffig Reinholdle, han i hit Morge am Herdeplatz troffe. Er isch miteme daigige Kieheli gi Bittelbrunn unterwäegs. Honn er wider de Hintsch?“ . „ He joo, s` het iis wiedermool verdwidscht. Sidder drei Johr waremer verschoont, do hends andri khaan. Waisch, mir hen Verwandschaft z` Bittelbrunn duuse. Wemers dert 3-4 Woche in ere Art Kur unterstelle kinne, no kumets ellemol wieder ganz guet aa. Defier bringt de Bue Morge ains vu de Bittelbrunner Kälbli zruck in Buebach wa deno bin iis gfueteret wird. Iiser Fuetter duet denne ihre War ellemol au ganz guet. So goht ains mit em andre. Beid hend ebbis devoo“ . „Aber jetzt saget mol, wa isch denn des ver e kaibe schreegi Kranket wo d` Rindli so serblet und daigig weret do hinne bei eich?“ . „ He waaisch, de Hintsch, so saage mir, manchi sage au de Semper oder d` Darri, den giihts nu im Buebacher Tal, in de Obere Schoole und selte im Hammer. In de Untere Schoole isch er idde. Drum dient die Buure us de Obere Schoole ihre Rindli, wenns wiedermol de Hintsch hend, rab in die Unter Schoole. Dert kummet sie denno ellemol wieder noch paar Wuche ganz guet aa“. „ Jo sag nuu, aber saget mol, waa isch des ver e Siichi ?“ „ He waisch, die Kiehli und Rindli stehn uf aimol ganz daig und gstärrig naa, fresse nint meh, knagget nu no a Holz und gstärrige Riisäscht ummenand und fange a z`verkheie. Well sie so abmager maint mer d`Kepf were greeser. Selleweg sait mer au „Die Grosskopfete“ , dieselle hend ellemol au de Hintsch. S ́ muen e Mangelkranket siin, wo vum Wasser und vum Boode kunnt. Z` viel Kreizblietler uf de Matte kinntet au en Aalass ver die Kummedi siin. Genau waiss mers halt all no idde. De Roßdoktor us de Neistadt kaan Spritze gai, soviel waiss mer, aber desell und die Briehje wo der denno all paar Dag dene Viecher ins Fiddle jagt, des koscht halt au ganz schee Geld. Do isch des Verstelle vun de War ginschtiger. Wenn natierli Verwandschaft im Schwobbe hesch, wie die Rohrer in Bittelbrunn, no bisch no guet draa“. „ Waisch, dert dusse im Kalch und Lettebodde gihts kain Hintsch und de Kalch isch ver die Hintsch- Kiehli wie e Kur. Grad so wie fier die schwindsichtige Engländer- Gaisse wenns im „Schnecke“, im Schoolemer Kurhuus Luft, Wasser, Hei und Mischtlache- Guu schnappe. Die hend halt au de Hintsch, stehn au bockstärrig naa, gucket die mit Glupschauge aa und muhet giegsig: „ Haaiy, wellkom, häf e naiss daiy“ und verschwinde wieder unterm Parablüe, daß se joh kai Sunne abkriege. „Wa machet no d` Hammricher mit ihrne Viecher wenns de Hintsch hen?“ . „Dieselle Halbtiroler Bergmannejockel wered vielleicht en Mirabelle- oder en Tombinambur oder e Bier verabriiche, …… nai ehnder idde, den suufe se lieber selber. Nai, nai, die diens au ins Brigital, an Spittelhof oder ins unter Bregtal verstelle; so ab Brugge, Brielinge. Dert hets wieder Kalchbodde wo sie wieder aakumme“ „ De Roßdokter het neilich gsait dass es den kaibe Saich baigott au in de sandige Lüneborger Heide gäb. Iberhaupt sei uffallend daß es immer in sandige Böde, so wie im Granit- und Gneissand wie z` Buebach und de Obere Schoole und in de kiesige Hammer- Au, der muens jo wisse“.

Brielinge


„Anne 1840 het s Buebacher Stabhalteramt en Rodel uff Brielinge iigei, dass uns erlaubt sei, wieterscht Waldweide z betriebe. Dämols hät de Grossherzog verbote, in Wald z fahre zum Waide. D Buebacher hend gschriebe: „Die Zeit des Austriebs unseres Viehs ist herangenaht und es lässt der Austrieb wegen der sogenannten Hindsch, die allendhalben auszubrechen droht, unmöglich länger hinauszuschieben“. „Do draan kaan mer sehne, dass iiseri Väter scho gwisst hend , dass im Wald durch die Hürscht und Grüetli d Wiederkäuer nit hindschig wore sind. Wo s Waldfahre endgültig verbotte war, isch die Hindsch- Kummedi no erscht recht wieder ghörig losgange“.

„So, So, jetzt hanni wieder ebbis glehrt und: , Rohrer- ………, ich winsch der und hoff ver dich dass die Reinholdle baald wieder e gsund und starchs Rindli vun de Kur im Bittelbrunn heimbringt und kein so kripplige Serbling.
Vergelts eich Gott ihr Buebacher und am näschte Mändig um Siebni treffe mer iis am Zindelstainer Hauptbahhof zum d` Arbet iidaile, d` Schleipfroß zueteile und de Haber ver d`Roß portioniere. Sellen lan i mit em Bregtäler am Rampe vum Bahhefli abstelle. Un bevor mer Aafange gommer a s`Kriezwehbildsteckli am „Schwarze Bue „ und bete e Gsetzli Rosekranz ver e guti Verrichtung und dass nint passiert. Und wenn ainer vu eich s`Buckelweh hät, des wered die meeschte sii, denno kanner grad no ver den Breschte au no bete, dass ers wieder eweg bringt. Sell Wallfahrtskrietz hät scho villne mit Kriezweh gholfe.“

„ Adieu, Nint ver uguet und en gsegnete Tag !“
„Au, fascht het is vergesse: A die Beerliwieber denk ech mol un schick sie im näschte Spootsummer ins Falzmoos und an Glattacker. Adie und : E Gueti Ziit“.

Ja so wars, im einsame, seeleruhige und wundersame Buebach mit dem Hintsch.

Ursach, Wirkung und Behandlung vu de Hintsch- Rinderkranket

De Forbelepold mit Bart überm Hals. Worum wohl, muen er ebbis verstecke?

De Hintsch oder au de Semper oder d` Darri isch e Mangelkranket vu wiederkäuende Rinder, aber au Schoof, die meschtens uf sandige Böde vorkunnt. Bsunders im verwitterte Granit und Gneis, im Urgestei. Im Schwarzwald fascht nu i dene Täler Buebach, Obere Schoole und im Hammer. Im Lettige und kalkhaltige Bode uf de Boor, im Schwobe und au im Unterland kennt mern gar nit. Im Erzgebirge und i de Lüneborger Heide kunnt er au no vor. Grund isch en Kobaldmangel, de Mangel also vu dem Muckeseckeli vume Spureelement. I dene sandige Böde, au wenns im verwitterete Felsbereich vum Urgestein isch, word des Spurelement scho sit Johrmillione sterker, tiefer und schneller uusgwäscht und verschwindet ver immer im tiefe Bodde, ebe meh wie i de dichtere Böde. Jedes Lebewese, aber hauptsächlich d Wiederkäuer, bruchet den Kobald, des Spurelement. Me kann en aber au us andere Gegende, mit anderem Futter oder Esse kriege, hole. Des kaa aber e Rindli us Buebach nit wa all nu Gras vu de oegene Buebacher Matte kriegt. Z` Norwege im sandige Urgestein und au z`Australie, i dene sandige Gegende , ischer au verbreitet und e Ploog. I Küschteregione wo` s vielmol au nu Sand hät, kaas e klei weng dorch s` jodhaltig Klima vum Meersalz uusgliche were. Wenns also i dene heimische Täler au meh Jod gäb, wärs nit ganz so werksam und schlimm. Daß es aber au grad a Jod manglet, selewäeg hät mer friehner vor de Schuel- Jodtablette Abgabe iberkumme und häts sie vor em Schuelmoaschter rabworge messe. Im jodarme Waald dä hinne häts gern Krepf gähe. Wenn d` Wälderkind oemol im Johr amend i d Boor oder an Schätzeli- Märt kumme sind, hond sie d` Motter villmol verwunderet gfroget: „Muedder, wieso sehnet die Liit do vorne im Schwobbe so komisch uus? die hend jo gar kaini Kröpf?“ . „He waisch Thebusle, me muen froh sin, wenn aim nint fehlt, so wie dene arme Schwobbe“.

S` Lineli und s` Mineli traget e Moritat ibber die Tal- Bloog, de Hintsch vor:

Zindelstai im Hieronymus

De Hintsch

Im Felsetal, im Buebach, au in de Schoole
Des muesch beigott dir so uusmoole
Dert gihts en Mangel, me kaahns kuum glaube

Do gihts kai „ Muuhhh „… nu no e Schnaube

Wenns Kiehli dostoht, gstärrig , daig
No isch des Lebe am Verzwaig
Des Bierli usem Buebebach
Des wort denno ganz schnell hellwach

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Der waiss jetzt glii vu de Vorfahre
Des Kälbli muensch jetzt schnell verfahre
Am Beschte glii ins Schwobbe nuss
So giehts am Wenigschte en mords Verdruss

Hai, Biebli, bring die Alma furt
Gii Bittelbrunn zum Vetter Kurt
Und bring e andri grad mit haim
So gohts halt gattig, grad in aim

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

De Vetter bringt sie schnell uf d` Bai
De Bodde, s` Wasser in dem Gai
Hät villmool gholfe bei so Krippl
So bruucht de Mexer halt kain Knippl

Drei Woche bruuchts, s` isch nimmi krumm
Des Kiehli hät jetzt wieder Mumm
Hai, Biebli, fier d` Alma an de Naase
Brings haim uf Buebach, zum gmietli Graase

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en

Saich Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Ortserklärunge:

Herdeplatz: Kreuzung am Höchschte Punk/ Passhöhe zwische Mischtelbrunn/ Kohlwaldhieser u. Buebach wo s` steil gi Buebach is Falzmoos abi goht.

Halleberg: Südl. Hangwald zwische Zindelstai u. Wulterdinge wo s`steil vu 670 m bis gege 920 m uffi goht is Oberholz. Dä waret wichtigi Schliefstai Stoabrich wo en gute, feinkörnige Sandstai gwunne wore isch. De ganz Hang isch dorchwühlt fu Brüch, Löcher und Hangschutt. Dä hond Stoahauert bis so 1910 ? gwirkt.

Bittelbrunn: Kleine Weiler südl. vu Waldhuuse mit 2-3 Hieser / Höf gege de Tabor / Diddishuuse.

Bierhuus: S`Wirtshuus vu Buebach wa zerscht e Glashitte- Aasiedlung war, denno e Schitzerdorf war wo hauptsächlich Prothese us Holz u. Scharnier herstellt wore sind. Drum hät sich d`Feinmechanik entwicklet. De Dr. Sauerbruch vu de Charite`soll de Bescht Abnehmer gsi sie?

Kriezwehkreuz

Kriezwehkreuz: Kreuz und Sandsteinbildstöckle westl. vom „Schwarzen Buben“ im Zindelstai. Bis i d 1950-er Johr e kleis Walffahrts- Gedenkort für Liit mit Ruckeweh und Kriezbeschwerde. Wahrscheinlich entstande zu ebe de Schliefstei- Stoabruchziit. Die Manne die die sauschwer Schinderei uf sich gnomme hond, die hond sich natierli krumm und bucklig gschafft bi Wind und Wetter, Rege, Froscht und Schnee und hond so en Gnadeort i de nächschte Nähi bruucht ver ihre Breschte.

D` Schoole: Gemeinde Schollach im gliichnamige , wunderscheene, molerische Schollachtal zwische de Blessingsägi und de Magrutt uf de Passhöhe gege Schwärzebach. Historisches Kurhaus „Schneckehof“ wo de Skilift vum Robert Winterhalter erfunde wore isch und wa zu de drei gröschte und bedietenschte Hotel im Schwarzwald gherz hät nebem Feldbergerhof und em Kurhaus Wehrle in Triberg. Gäscht waret hausptsächlich sau riichi Engländer. Heut immer no e Kultwirtschaft mit dem knorrige, schreege Schnecke Klaus und sinere liebe Schwester als reserviert, aufmerksame und kultivierte Bedienung mit ebefalls Kultstatus Sehenswert !

Alma, das Störchlein mit den kurzen Beinen

Das Buch Alma, das Störchlein mit den kurzen Beinen, kann unter sima-ria@web.de, Friedrich-Farb-klecks@gmx.de oder im Café Vanilli’s in Donaueschingen käuflich erworben werden.

Storchekläpperle von Hubert Mauz, vorgetragen von Maria Simon am 22.06.2024

Gezeichnet von Sandra Friedrich

Störche auf dem roten RAthaus in Allmendshofen gezeichnet

Storchekläpperle

E Storchepärle jung und nett
Huckt dobbe wie uff me Tablett
Hät guete Root uff rotem Giebel
Der Uusguck, der isch gar nit ibel

Dä, z Amedshofe überm Ried
E Nescht isch wo mer ganz wiit sieht
Me trohnt dä uff me Rote Huus
Und sieht rundum i d Boor dä nuus

So kaamer Krotte, Mies und Frösche jagge
de Storche Clan bruucht nit verzagge
E Residenz uff’s Rothuus Firscht
Do isch mer halt de Storchefürscht

So kaa mer villi Störch ernähre
Die allfort kläpperlet und blähre
I so me Ort gihts drum vill Zwilling
Und immer wieder mol au Drilling

Die honds dä nett, kummet mords guet aa
Kennt wette, die gond scho bald i‘ De J K aa
Bei sore Fürsorge i dem warme Nescht
Gohts fidel zue, wie bei me Klapperstorche Fescht.

De Schurz vum Grossi isch parat:

Beim Tränli trockne im z‘ hoesse Bad
Beim Ännikeije mit em Rad
Beim erschte Kindergarte Zoff
Bruuchts au emol den sanfte Stoff

Beim Tröschte „Fünf bis Sechs“ i Spanisch
Aber Reli „Eins“, e Grossi word do koe weng panisch
Beim Wache wegem hohne Fieber
„Hai Oma, kumm doch schnell mol nieber“

Beim Wadewickel wickle,
Puhh… Lebertran, au do gihts nint zum Zickle
Beim Gosche weg dem Oefalt Phoebe
„Die Kueh, des isch e ganz e bleede“

Beim erschte grosse Liebesschmerz
Druckt d‘ Oma dich a s mollig Herz
Wenns später mol ums Schaffe goot
BHät s‘ Omi au no guete Rot

S‘ Schnuuferli Gitta vu de Enteborg
Hät Tag und Nacht e grossi Sorg
Dass Neschterplatte sind parat
Am beschte us me Schpoecherat

E Glück isch’s i dem Storcheort zum Huuse
drum gihts halt au so vill zum Schmuuse
Und so gohts bald vu Vorne los
des Storchekläppre, des Famos.

Hans Thoma Preis

Umbenennung vom Hans-Thoma-Preis zum Landespreis für bildende Kunst

Beitrag vom 23. Mai 2024

Hans Thoma: Das wandernde Bächlein (1906)

Weidberge, Bächlein, weit überstehende Walmdächer, Wald: der Südschwarzwald gilt uns bis heute, wo immer er sich noch als Idylle präsentieren darf, als „Hans-Thoma-Landschaft“. Und alle zwei Jahre pflegt die Kunstwelt nach Bernau zu pilgern, um im dortigen Hans-Thoma-Museum der Verleihung des Hans-Thoma-Preises beizuwohnen und die Ausstellung mit den Werken des aktuellen Preisträgers zu begutachten. Doch diesmal wurden nicht nur wir Schwarzwälder Hans-Thoma-Verehrer von Medienberichten aufgeschreckt: Der Preisträger des Jahres 2023, Prof. Marcel van Eeden, Rektor der Karlsruher Staatl. Akademie der Bildenden Künste, habe sich kritisch mit Thoma auseinandergesetzt und dabei aufgedeckt, dass dieser ein völkisch antimodernes Weltbild vertreten und sich mehrfach antisemitisch geäußert habe. Dies stünde jedoch im Widerspruch zu dem mit 25.000 Euro dotierten Preis, mit dem ja „innovative Positionen“ ausgezeichnet werden sollen. Woraufhin das Stuttgarter Kultusministerium beschlossen habe, den Preis umzubenennen. Neu konzipiert werde 2024 zum hundertsten Todestag des Malers auch die Bernauer Dauerausstellung.

Bekannt war bislang allenfalls, dass Hans Thoma zu den Unterzeichnern des Manifests der 93 gehörte, mit dem Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller im September 1914 den Versuch unternommen hatten, den deutschen Militarismus zu verteidigen und die gleich zu Beginn des Kriegs in Belgien an der Zivilbevölkerung begangenen Kriegsverbrechen abzustreiten. Doch van Eeden deckte zudem Dokumente von einer Reise Thomas zur Rembrandt-Ausstellung in Amsterdam auf, anhand derer er glaubt nachweisen zu können, dass Deutschlands  populärster Maler, zugleich Rektor der Karlsruher Akademie und Abgeordneter, bekennender Antisemit gewesen sei. Weshalb bloß hatte man bisher nie etwas davon mitbekommen? Dass er posthum auch von den Nazis vereinnahmt wurde, ist ihm ja nicht mehr anzulasten und hat seiner Beliebtheit dann auch bis heute nichts mehr anhaben können. So wenig wie der Umstand, dass er vom Impressionismus und Expressionismus seiner Malerkollegen nichts mehr gehalten hat.

Selbstbildnis vor einem Birkenwald 1899
Hans Thoma, Public domain, via Wikimedia Commons

Im Jahr 1919, fünf Jahre vor seinem Tod, hat Hans Thoma seinen Lebensrückblick Im Winter des Lebens: Aus acht Jahrzehnten gesammelte Erinnerungen veröffentlicht. Das Buch ist 1989 zur 150. Jährung seines Geburtstags vom Landkreis Waldshut und der Gemeinde Bernau unverändert neu herausgegeben worden. So kritisch man es heute durchmustern mag, es findet sich darin nicht die geringste Spur von Völkischem, gar von Antisemitismus. Als ob der soeben verlorene Krieg, als ob Dolchstoßlegende, Revolution und Verbannung des Kaisers einem für imperialen Zungenschlag Anfälligen, den der Großherzog 1907 in die erste badische Ständekammer berufen hatte, nicht Anlässe genug geboten hätten, sein „völkisch antimodernes Weltbild“ (absichtlich oder unbeabsichtigt) in den Text einfließen zu lassen. Nichts dergleichen lässt sich darin finden – selbst in Passagen, in welchen sich Hans Thoma mit Politik und mit seiner Selbsteinschätzung als Abgeordneter befasst (Textprobe):

Ich kam auch bei jeder Landtagsperiode ein oder zweimal zum Reden, dabei ließ ich mich nur auf Fragen ein, in denen auch ein Künstler mitsprechen kann. So z. B. über Naturschutz, über Vogelschutz, auch über die jährlich wiederkehrenden Kunstakademie- und Galeriefragen, über Zeichenunterricht, auch einmal über Sittlichkeitsfragen, insoweit sie die Kunst berühren.

Auch das Thema Krieg hat er nicht ausgespart:

Ich sitze in meinem Waldhäuschen Marxzell, wo wir gerade noch, es ist August 1918, von ferne die Fliegerabwehrkanonen von Karlsruhe her hören. Bei meinem recht langen Lauf durchs Leben habe ich so viel Elend und Menschenjammer erlebt, um zu wissen, dass es nicht erst dieses mörderischen Krieges bedurft hätte, um zu wissen, dass unser Dasein Leiden ist, nicht der Mühe wert, es abzuspinnen. Der Krieg ist ein schlagendes Beispiel dafür, wie wenig Wert die Menschenknochen haben. Im fünften Jahr schon erzählen die Tagesberichte der Völker sich gegenseitig, wie viel Menschenkörper durch ihre Mordmaschinen vernichtet worden sind, sie rühmen sich, wie viel Herzeleid sie sich angetan haben.

Schreibt so ein Völkischer, ein Imperialist? Nein, dem Achtzigjährigen fehlt es in seinem Lebensrückblick auch durchaus nicht an Selbstkritik:

Ja, wenn auf einer Wegstrecke auch der leibhaftige Teufel einmal mitgewandert sein sollte und man sich mit ihm ganz gut unterhalten hat, so sollte man höchstens von ihm sagen, dass einem sein Geruch widerlich war. Das mag aber wohl gegenseitig gewesen sein.

Egal, welcher Teufel auf welcher Wegstrecke da „einmal mitgewandert“ sein sollte: War die Umbenennung des Hans-Thoma-Preises wirklich unumgänglich? Ist sein Fall auch nur annähernd vergleichbar mit dem Schicksal des Malers Emil Nolde, nachdem sich bei ihm herausgestellt hatte, dass er einerseits zwar als „entarteter Künstler“ verfemt war, andererseits aber dennoch Rassist, Antisemit und Anhänger des Nationalsozialismus? Oder wirft der Bernauer Vorgang nicht eher ein bezeichnendes Licht auf den gegenwärtigen Kunst- und Wissenschaftsbetrieb –  mit dessen Hang zur Politisierung, zu Diversifizierung, Skandalisierung und zum Canceln?

Hans Thoma (* 2. Oktober 1839 in Oberlehen, Bernau – 7. November 1924 in Karlsruhe)

Tod du machst mein Aug‘ zu nichts,
doch nimmermehr die Macht des Lichts.
Das Licht hat einst das Aug‘ gebaut
zum Werkzeug nur, mir dem es selbst sich schaut.
Die Zeit ist nun erfüllt, das Ende da,
das Aug längst sich müde sah.
Ein morsches Werkzeug wird zu Trümmern,
es siegt des Glaubens Licht!
Uns soll des Grabes Nacht nicht kümmern.

Die Inschrift auf dem Grabstein
Das Grab von Hans Thomas in Karlsruhe auf dem Friedhof
Grab von Hans Thoma auf dem Karlsruher Friedhof

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