Nikelaus du Butterfidle…

Donaueschingen den 27. November 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

„ Santikloos du Butterfidle………“

Aus „Mi Boor, mi Hoemet“ von Gottfried Schafbuch.
Stadt Hüfingen 1972 ; Seite 231

Bsuech vum Onkel Richard us Amerika

Uuswanderer Bsuech:

Alle zwei bis drei Johr isch i de fufzger Johr de Onkel Richard us Amerika, vu Thomastown in Ohio, um d` Wihnächstziit i sie Hoemet gi Hifinge kumme. De Kramer Richard war en Vetter vu de Motter und hät zu dere aaltiigsessene, zahlriiche Kramer- Schofbuechebloos ghert us em Hifinger Städtle.
Er war de Brueder vu de Iidde Schmid geborene Kramer, d Frau vum respektable und ehrliche, handwerklich gàachete Opel- Autohuus i de Schaffhuuserstrooss. Dene beide ihre Motter war Tante Marie, die i ihre Jugend e paar Johr z` London bi stoeriiche, englische Gschäftsliit i Stellung war. Hit dät mer on pair- Maidli sage. Drum hät sie au, so isch zmindscht gsait wore, beurteile han ichs dämols no nit kinne, ziemlich guet Oxford – Englisch gschwätzt. Und voller Stolz und Freid hät sie des mit Ihrem Sohn au gschwätz, wenn de Bue, de Uuswanderer Richard Kramer, i sinere Hoamet war. Im Städtle häts sies nit bruuche kinne, dä hät sie krottebroats Baaremerisch gschwätzt. Aber amel hät sie doch eweng hoffärtig mache kinne, wenn sie weng mit dere domols uugwähnliche Sprochkenntnis aagähe hät. Ebbe wie de Graf Koox vum Gaswerk. No hond d` Wäschwieber z` Hifinge bestimmt amel gsait: „Guck do, d` Marie wieder, die all mit ihrem hoffärtige Englisch- Krattel, aber die macht au krummi Fiess, wenn sie uff em Abort huckt“.

De Richard hät i de zwonzger Johr z` Schwenninge Uhremacher glehrt. Wahrschienli weil er vume Onkel, s kinnt sogar de Getti gsi sii, dem sie de „Professer“ gsait hond, weil er immer s` Perpetuum Mobile erfinde hät welle, aaschwattiert und dodezu aaghalte wore isch. Amend isch der Richard vu dem aagscherret wore, au den selli dipflischiessige Beruef z` lehre. Desell war nämli au Uhremacher und hät all noch eme künschtliche Aatrieb für de Webstuhl vu sim Onkel gsuucht. Der war nämli Liituch- Weber im miechtelige Untergschoss vu me Städli- Buurehuus im Süesse Winkel. Ebe vu dem Kramerhuus.

Wie s halt so isch und wies sichs testosteronmässig so ergiit, hät der Richard dä z` Schwenninge au e Maidli kenneglehrt und denno au ghiirote: D` Selma. Natierli hät sie „ Schläeker „ ghoasse, wa susch. Halt so wie sich`s für e reachti, oacheni Schwenningeri ghert. Au sie, die herzig Tante Selma, hät Ur-Schwenningerisch gschwätzt, uuverfälscht au vu ihre dezueglehrte Amisprooch und des krottebroet wenn sie uff de Boor waret, s` ganz Lebe lang.

Wo die Goldene Zwonzger am abschnappe waret und au d` Uhremacher fascht koe Arbet meh überkumme hond, sind die beide, oder au scho die drei, gi Ämereka uusgwanderet. De Ritschert II, cobaymässig uusgschwätzt, de klei Bue dürft nämlich scho uff de Welt gsii sii. Zerscht hät sich de Ritschert I in ere Uhrefabrik, bei me US- Gschäftspartner vu sim ehemalige Schwenninger Patron, mit sim zueverlässige Schwarzwälder Uhremachertalent iibroocht. „Des wa die kinnet, des kahn ich au, und Beziehunge zu de Schwarzwälder und Baaremer Uhrefabrikante han ich au“. Also macht er e oegeni Buddi uff, e „Companie“ hoasst so ebbis dä dänne. Des wisset mir Gschiedle natierli us de Cobayfilm, de Fuzzi- Hefle, vum Al Capone und de Alaska Büecher vum Jack London über d` Hudson Bay Company.

S` goht schnell uffwärts, immerhin hät de Iiwanderer Richard viel meh kinne wie nu Tellerwäsche, nämlich feinschte Zahrädli fräse, winzigi Welle drehe, hauchdünne Platine bohre und vor allem: Verkaufe, trade, promote, halt verscherble, verkimmle, verkippere. In Thomastown entstoht so e „Watch- Business“ by Richard Kreimer from Old Germany/ Black Forest mit ebe dem guete Ruef. Weil die grobe, schrundige, amend au verschossene, schrundige Cobayhänd halt oafach nit so feinfühlig, so uhremachermässig schaffe kinnet, orderet er villi feine Teil vu de andere Siite vum grosse Teich. I de Hoamet vu de Selma und vu ihm, z` Schwenninge und im Uhremacher- Eldorado im Wälderwald. Drum kunnte er mindschdens alli zwei Johr grad i de ruhigere Wihnächtsziit hoam. Mit eme Turbo- Propp Flieger groundet er denno z` Klote, verdlehnt sich dä en „Mörcidis Bens“ und fahrt uff d` Boor zu de Motter, de Schweschter und de ganze bucklige Verwandschaft.

Die hochbetragt Motter, Tante Marie, isch natierli jedesmol aagrührt, dass sie de Bue doch nomol sehne kha und dass sie wiedermol ihre gschliffe Oxford- Englisch uuspacke und vorfiehre khaa. I dere Ziit isch sie die Königin- Mutter, i de Familie aber au im Städtli. Ob sie allerdings de Bue mit sim kaugummibroete und doagige Middelwest- Ami- Englisch immer verstande hät, des bezwiefli hitzutag selli. Aber die drei, d Tante Marie, d Selma und de Richard, hond jo no e Uuswaichsprooch kha, ihr oeche, krottebroets Booremerisch.

Kurz vor Wihnächte hät er no sini Uhregschäftli z` Schwenninge, , i de Schoone, z` Triberg, z` Giedebach, im Scheewald und z` Fortwange gmacht. Vill Uhrefabrikante hond ihn scho kennt, aber doch nit alli. Sie gnitzi Spezialität war, mit dene Wälder wo nu dürftig Schuelenglisch, wenn überhaupt, gradebrecht hond uff Amerikanisch, viellmols mit Händ und Fiess, z` Kommuniziere. Es hät ihm mords Spass gmacht, die eweng hinterfotzig z` verseckle und sich stundelang absolut nit als bodeständige, alemannische Landsmaa uusgähe. Oemol hät er sich amerikanisch direkt, wortgewaltig und luut über e granatemässig vermorksete Lieferung uusglau. Kleiluut und unterwürfig hond die Fabrikäntli, die Mäeschter, die Buechhalter d` Schuld natierli uff de Kleischt, de versoffe, verkumme Dreher Basili vum Hintereck, abgschobe. Wo dene devote Fabrikler vor Hennefidligkeit nint meh a Uusrede iigfalle isch, hät sich de gross Manitou, er war werklich e mächtige Gstaalt vum Erscheinungsbild her, vor sie uffbaut, sich uffblose und gjoolet:
„Schlaanet ihm de Schuhe in Arsch !, dem Saukaib, dem verkummene Nintnutz“.
Dodemit war de Bann broche und verdatteret hond sie gmerkt, dassd er jo on vu ihne isch. Und sie sinni zueverlässige, ehrliche Wälder Gschäftsfreund. Gschäfter sind vu dä eweg no besser gloffe, fein ghölt, gspindlet, gfräst und drechslet, so wies halt die präzise mechanische und mentale Wälderuhrwerk so a sich hond.

Niklaus isch en Gute Maa………………

Weil bei uns i de Grossfamilie i de Lassbergstroos natierli am Meischte bote war, isch er am Klosetagobet, nochdem er stundelang uff em Klosemärt uff- und ab gange isch und verzelle und Sprich mit em halbe Städtli hät mache messe, denno immer zu ihs kumme. „Santa Claus“ war für ihn als Hifinger Kloose- Märt prägte, halt genetisch bedingt, der Tag, de höchscht Fiirtig im Johr. Und den hät er erlebe messe und genosse wie sunscht nint uff sim glückselige Hoametbsuech.


De Nikelaus und de Beltzenickel also waret bstellt, de Sack mit de Gschenkle für d` Kinder im Kärstägeabgang ännigrichte und de Tisch feschtlich deckt und mit frischbachene Breetli uusgstaffiert. D` Motter hät de Adventskranz aazunde und d` Fleete vu de Maidli, d` Giige vu de Motter und Noteblättli ännigrichtet. De Vatter hät de küehl Kiechlinsberger Ölberg und d ́ Gläser parat gstellt und d ́ Annanas- Bowle und die Kardamom und Zimt Breetli hond de Guu vu de Karibik und em Vordere Orient verströhmt. De „Mörcidis Bens“ mit Schwiizer Nummere hät komischerwiis scho im Linseösch aaghalte. De mächtig Onkle Richard und sie Zärtele, de Hämpfling, die klei Tante Selma, geborene Schläecker, sin uusgstige wie Staatsgäscht und dorch de pudrig Pulverschnee in Lassberg gfiehrt wore . A de Huusdere zerscht no schnell und hählinge en Kirsch mit em Vatter, halt mol konn Whysky, uffs Wohl vu de Gäscht us em Mittlere Weschte vu Ämerika und denno nint wie inni i die warm und eng Stubbe. Grossmotter Sophie, de Opa Felix, d` Gotte, Vatter, Motter und die 7 Kind mond eng zemetrucke, dass die beide Amerikaner sich wohlig i die zwei Sessel kaie lau kinnet.


Und scho schellets luut und klockehell und es morret vor de Huusdiere her: De Nikolaus mit em Bischoffstab und de Mitra, de rappeschwarz Belzenickel, dem d` Motter no schnell de Gschenklisack zutrait hät, schreitet würdevoll und furchtiiflössend i die nuu mit Kerzeliicht feierlich erhellt Stubbe. Niklaus- und Adventsliedle wered mit Flöte- und Giegebegleitung innbrünstig gsunge, Gedichtli scheu uffgsait und denno wered die Schandtate und die guete Werk vu de Kinder vum Nikelaus mit dere sonore, würdevolle Stimm, die us dem dichte, silbrige Bartgwöll hinneverrikunnt, briehwarm uffzellt und us me Rodel vu me uralte Messbuech vorglese. De Belzenikel fuchtlet manchmol mit de Ruet, mit de Schelle und em Sack. Dä inni schobbet er, noch dem er d` Gschenkle usem Sack vertoalt hät, de vorwitzig und uffsässig, aber denno doch selli verdutzt Fritzli inni und schloapft ihn in Käher abi. No bevor de Nikolaus und de Belzenickle ganz us em Huus sind, kunnt er scho wieder unneuffi und verkündet rotzfrech, dass er vorsichtshalber e Scheer im Hosesack geht hai zum de Sack uffschniede. Mit dem luute Uusruef vum Belzenickel „ Du Satansbroote, du Elende“ goht im allgemeine Hallo und Glächter der eigentlich feierlich, bsinnlich Toal vum Obet unter. Am Allermeiste waret aber die beide Amerikaner über den giffizige Soacher Fritzli „Verry amused“, wa sie im broete Hifingerisch und Schwenningerisch spassig kund dau hond. Überhaupt hät mer koe weng ebbis vum Amerikanisch uusigheert. Für mich hond die beide die reinrassigscht Mundart gschwätzt. So broat hät mer si amel nit emol vum Hifinger Mundart- Original, em Onkel Gottfried, ghehrt.
Und jetzt ruckt de Onkel Richard no mit sim neischte Nikolausgschichtli uussi:

Ganz i Gedanke a s` Uhregschäfte versunke, sei er grad vor paar Minute im uudurchsichtige Schneegstöber mit sim Mörcidis d` Krankehuusstross unneuffu gfahre. Zmols sei ihm so en lange Lulatsch mit eme verfilzete, wiisgraue Bart und eme so oafältige, rote Fasnethäs über de Weag dappet. Dem Dackel het er grad no huupend uuswiiche kinne, aber hinnedrii wär no so en schwarze Kohlsack dappet. Den het er ums Hoor no verwischt und verkarret. Wo die beide ihm denno gähwietig und uuchrischtlich hinnedri gfuuschtet und sakramentiert hetet, wärs ihm kumme: „ Des war jo bigott de Nikelaus und de Kneacht Ruprecht, leck mi doch am Arsch, hoffentlich gond die hit obet nit zu s` Mauze“.

Drum heb er s` Auto im Linseösch scho abgstellt und sei er so still gsii i de duuschtere Stubbe und het sich nit vermuckisiert, dass sie ihn jo nit erkennet und dass nit au er no in Sack kunnt wege dere fascht- Verkarrerei und er mit de Rute vum Belzenickel de Ranze voll kriegt.
Marry Christmess and Happy New Year, so klingt de Obet uus noch em obligate Schunke im Brotdoag vum Klärle und em Herdepfelsaloot vu de Gotte. Familieseelig, weinseelig, fidel und hoametseelig.

Drei König

Und nomol kunnt de Richard und d` Selma is Huus. Bevor sie z` Klote noch Drei König wieder in Flieger stieget, wend sie au no die Drei König us em Morgeland i de Hoamet verlebe.


Im Mariehuus wered vu de Müettervereinsfraue, dene Vikar, de Oberminschtrante, em Messmer und em Pfarr drei Gruppe als Heilige Drei König usstaffiert. De Schwarz König word zerscht dick mit Niveacreme iigsalbet und denno mit Ruessfarb zentralafrikanisch, rappeschwarz aagmoolet. Nu no s` Wiiss i de Auge giht en Kontrascht. De Schwarz war alljohr de Hansjörg. Amend well er eweng kanibalisch uusgsähne hät ? Zu jedere Gruppe, sie bestoht jewiehls us fünf Minschtrante i uugfähr de gliiche Grösse, ghört no de Sterneträger und de klei Kässlibue, de Bettelsack oder de mitleidig Gabe Fechter, und eme Vikar oder Oberminschtrant mit ere wiesse Kriede im Hosesack. Ganz wichtig isch au e Loaterewägeli. So gohts noch ere korze Aasproch vum Pfarr über die arme Missionskinder, de Hunger i de Welt und em Friede uff Erde i die onzelne Pfarreitoel. S` Rauchfass word vor jedere Huusdiere frisch glade, dass es jo gherig reicht und gut noch Harz und Kohle riicht, daß d` Buddi mit Weihrauch und Myrre tagelang iigneblet isch. S`goht i d` Siedlung, de Linseösch und i d Unterstadt, Käferstroos, Milligass und Eile. A jedere katholische Huusdiere word, gschellt. Me woass genau wer Mariekerchler isch. Wenn uffgmacht word, gihts e Begrüssungssprichli vum Sterneträger, jeder König sait en Segensspruch und de Spendekässlibue bettlet wehliidig um e Milde Gabe für die Arme vu de Ärmste i de Missione.

De Oberminschtrant moolet no die drei Buechstabe „ C*M*B* „ mit de Johreszahl an Kriezstock. Meischtens gihts no paar Tafle Schokelad, Äpfel, Nüss oder Bretli, die in schnell gfüllte Loaterewage innibieget wered. Die Gabe wered no am Obet im Mariehuus ganz gerecht und gliichmässig a die Sternsingerbuebe verdoalt. S` Geld im Kässli word zemetglait und a d` Sternsingeraktion vu de Diözese gschickt. I om Johr homer mol 7 000.- Mark zemetbroocht und waret die 3. bescht Pfarrei im Sternsinger- Sammle vu de Diözese. Do druff waret mir Mariekerchler mords stolz und hond de Stadtkerchler wieder mol e langi Nase gmacht.

Weils vielmol iisig kalt, verschneit, verregnet und stürmisch war, hät mer i de Halbziit bei ere vorher uusgmachte Familie i de warme Stubbe en Kako, e paar Wienerli oder e guete, dicki Suppe kriegt. Desjohr war die Uffwärmpaus bei iis im Lassberg. Dä nämlich hond scho iisri Amis uf die Drei König gwartet. Die andere Sternsinger hond scho gschpannt gucket, ob die werklich en Cobayhuet uffhond, e Marlboro rauchet und en Kaugummi im Muul ummidoaget. Die Erwartunge sind nit ii Erfüllung gange. Die hond jo uusgsähne wie du und ich au au so gschwätzt wie mir ? Nochdem die Segenssprüchle, die Liedle und die Spendesprüchle uffgsait waret, s` Kässle gfüeteret war, hond alli tatsächlich no jeder en Original- Chewinggum vum Onkel Richard kriegt.

One Dollar

Und jedem hät de Onkel Richard no ebbis persönlich i d` Hand druckt: En wiis- graue, abgriffene Schii uff dem „ One Dollar“ gstande isch und wo om de Georg Washington weise, staatsmännisch aber au väterlich aaguckt hät. So ebbis hät no kon vorher gsehne oder griegt. Nit emol i de Cobayfilm. Dä hät de Baarkeeper immer zerscht i den Golddollar bisse, bevor er dem dorschtige, verstunkene, miechtelige Cobay e gross Wasserglas mit billigem Whisky uusgschenkt hät. Daß die verkummene, vollbusige Baarwieber uff so Kerli innikait sind, isch mer lang e Rätsel gsii und erscht i de Latschi- Hormon Johr uffgange.

Mit krottebroetem Baaremerisch hät sich de Onkel Richard und Selma bei dene Heilige us em Morgeland bedankt und verabschiedet und gsait, dass er Morge au wieder in e wiit entfernt Land abreise dät, uff die ander Siite vu de Weltkugel i d` Nähe vu de, jetzt uff broets amerikansich, Naiagära Folls (Niagara Falls).

Für paar Tag war mer wege dem Ami- Onkel, em Kaugummi und dem Dollarschii de Held. Woni tagsdruff au no hoffährtig aagähe han, dass en andere Onkel au dä dänne i Südamerika, i de Nähi vu de Iquasuu Wasserfäll, die hundert mol grösser wie de oafältig Rhifall z` Schaffhuuse seiet, und dä dänne z` Brasilie lebe und missioniere dai, han ichs endgültig für Woche für die Grosskotzigkeite verschisse khaa. So vergänglich kaa Ehre und Ruhm sih. Bsunders unter Luusbuebe, unter Minschtrante, wemmers mit em Aagähe so saumässig und überzwerris übertriebt.

Erinnerung

Wa aber lang nit vergänglich war, war de Geldschii. Den han ich Johrelang in ere Schatulle uffghebt, nit iidauscht und nit verputz, vermärtet und verdummbeitlet. Ghiehtet han ich ihn wie en Schatz für Notziite und doch isch er emol verschwunde gsii. Ganz im Gegesatz zu villne Erinnerungsstückli vu Onkel, Dante, Gotte, Getti, Oma und Opa. Sogar s `Gebiss vu de Oma, d` Sackuhr vum Opa, de Finnedolch usem Norwegekrieg vum Getti, s` Glasaug und d Leica IIIF vum Onkel Wilhelm, em Brasilie- Pater, und s` Goldvreneli vum Onkel Josef han ich immer no.

D` Erinnerung aber an Onkel Richard und a d` Tante Selma, die lebt und bliibt im poesivolle, episodische Gedächtnis us de seelige und feschtliche Kinderziit erhalte.

Jo , so wars.

Trotzdem dass desell Dollarschii verschwunde isch.


Die Schächerkapelle

Die Schächerkapelle gezeichnet von Dennig-Ruh 1967
Die Schächerkapelle gezeichnet von Dennig-Ruh 1967

Eine erste Version des Beitrags über die Schächerkapelle war im Sommer 2019

Bräunlinger mappa aus dem Jahr 1620 mit Pfeil zur Schächerkapelle
Bräunlinger mappa aus dem Jahr 1620

Vermutlich wurde die Schächerkapelle in den Jahren 1608/1609 erbaut, sicher vor dem 30-jährigen Krieg. Im Jahr 1622 ist erstmals von einem „Cruzifix- oder Schächerhäuslein“ die Rede. Auch auf der Bräunlinger mappa ist ein Kreuz mit einem Häuslein eingezeichnet. Die Entstehung und die Herleitung des Namens sind weitgehend ungeklärt. Zwar gibt es das mittelalterliche Wort „Schächer“, was so viel heißt wie „Räuber, Verbrecher“, und auch eine Verbindung zu den Sühnekreuzen ist denkbar. Beides jedoch ist nicht belegt.*

Traditionsgemäß stehen solche Kapellen an den Verbindungsstrassen als Zufluchtsorte für von Unwettern bedrohte Wanderer. Eine noch heute lesbare Inschrift an der Kapelle lautet:

„In Sturm und Wetter,
Sei Gott mein Retter.
In Krieg und Frieden
Sei uns sein Schutz beschieden.“

Die Schächerkapelle von Gottfried Schafbuch

Die Schächerkapelle gezeichnet von Franz Wintermantel 1972
Die Schächerkapelle gezeichnet von Franz Wintermantel 1972

Anfangs Mai 1916 wurde durch den Fürstlich Fürstenbergischen Archivrat Dr. Tumbült, Donaueschingen, und Bürgermeister Bausch, Hüfingen, das Eigentumsverhältnis der Schächerkapelle an der Straße nach Donaueschingen festgestellt.
Es ging damals um die Bezahlung der Kosten für die notwendige Instandsetzung der seiner Zeit ziemlich verwahrlost gewesenen Kapelle.
In der Niederschrift der Verhandlung wird erwähnt, daß die Schächerkapelle seit Menschengedenken aus Mitteln wohltätiger Stifter baulich unterhalten wurde, da niemand Eigentümer des Heiligtums sein wollte.

Vermutlich wurde die Kapelle in den Jahren 1608/09 erbaut. Bis etwa 1864 befand sich in der hiesigen Schächerkapelle ein Kruzifix aus Gips, das nachts von einem betrunkenen Gotteslästerer aus Allmendshofen blindlings total zerstört wurde. Da kein Eigentümer der Kapelle vorhanden war und die Mittel für ein neues Kruzifix sehr spärlich eingingen, hatte Prinzessin Elise zu Fürstenberg das jetzt noch vorhandene Christusbild aus Eisenguß und in Gold gefaßt, gestiftet.

Bei der Nachforschung nach dem Eigentümer der Schächerkapelle wurde festgestellt, daß auf der Bannkarte vom Jahre 1788 der Standort der Kapelle angegeben ist; merkwürdigerweise läßt sich aber im Urbarium vom gleichen Jahr ein Eigentümer nicht feststellen. Das Gelände war wohl Fürstliches Herrschaftsfeld, doch wurde bei einer Flurvermessung der Zipfel, auf dem die Schächerkapelle steht, mit dem Gemeindegrundstück Hochstraße vereinigt und ist somit Eigentum der Stadt Hüfingen.

In seiner Sitzung am 3. August 1917 faßte der Hüfinger Gemeinderat folgenden Beschluß:

„Nachdem die im Mai 1916 vorgenommene Nachforschung nach dem Eigentimer der Schächerkapelle ergeben hat, daß die Kapelle bei der Katastervermessung mit dem Gemeindegrundstück Hochstraße vereinigt wurde und somit die Gemeinde Hüfingen zweifellos Eigentümerin der Schächerkapelle ist, wird dieselbe als Eigentum hiesiger Gemeinde anerkannt.“

Die zwei mächtigen Silberpappeln samt dem Hasenwäldle werden bei klarem Wetter selbst vom Wartenberg, wie auch vom Fürstenberg aus gesehen.

Bei der 1968/69 erfolgten Instandsetzung der Schächerkapelle wurden dem Kruzifix rechts und links die hiesigen Kirchenpatrone. St. Verena und St. Gallus, beigegeben. Diese beiden Figuren standen ehedem auf dem Hauptaltar der Stadtkirche.

Die Heilige Verena in Verena und Gallus
Die heilige Verena und

Unter Pfarrer Rudolf Rauber haben 1909 die Gebrüder Marmon, Bildhauer-Atelier in Sigmaringen, den jetzigen Altaraufbau mit Tabernakel und Verena- und Gallusfigur angefertigt. 1960 wurden die Figuren der hl. Verena und Gallus in der Schächerkapelle untergebracht, 1993 jedoch im Auftrag von Herrn Dekan Andreas Huber wieder zurückgeholt und neben dem Altar aufgestellt, wo früher die Beichtstühle waren.

* Vielen Dank an Matthias Sigwart.
(Am in den Kommentaren)

der heilige Gallus in der Stadtkirche

Selbst von einer sagenhaften Gestalt, die späten Heimkehrern begegnet, ist seit eh und je die Rede. Ein unbekannt gebliebener Poet hinterließ uns nachstehendes Gedicht über die Schächerkatze:

Dert, wo de Weag gi Eschinge goht,
zwischet zwo große Pappele schtoht
e Käpelli,’s ischt suuber und nätt,
ech mecht nuu wisse, wears gschtiftet hätt.
I dem Käpelli seit mer Schächer bi iis,
es hätt en goldige Herrgott im Ghiis.
Und d’Bämm, die schtond scho meh als hundert Johr,
drum sieht mer’s au fascht i de ganze Boor.
Meng Wiibervolk und au menge Maa,
die Kummer, Sorge und Kriiz hond khaa,
sind i des Käpelli inni gruckt,
hond andächtig drinn ere Load verdruckt.
Duet Sankt Petrus emol e Wätter loslau,
no ka mer ganz rüejig drinn unterschtau.
Doch ischt es bim Schäer scho gfähli gsii
wo d’Geäschter no gange sind heär und hii.
Wear d’Schächerkatz hätt uffem Buckel khaa,
dear denkt miiner Seel’siiner Lebtig draa.
Es ischt e großi, kohlschwarzi Katz,
mit giirige Auge und ere Teifelsfratz.
Hätt allbott on z’naacht um zwölfi gschtellt;
ischt ihm sogar uff de Rucke geschnellt.
Hätt kretzt und hätt bisse am Hals und am Kopf,
bis ’s Bluet ischt kumme dem arme Tropf
und bis ear ischt gewackelet baald hott baald wischt
und z’letscht no in Grabe innibocklet ischt.
’s ischt hitt no nitt suuber, ech sagters glii,
trinkscht nuu emool e Schöppli zvil Wii
und kunnscht no an Schächer de Mitte i de Naacht,
derno moscht dech neä malefizmäßig inaacht.
Gang goddig din Weag, bliib joo nitt schtau
wenn am Schächer e Katz huckt und bläret miau.

Die zwei mächtigen Silberpappeln die bei klarem Wetter vom Wartenberg und auch vom Fürstenberg aus gesehen wurden:

Schächer im Herbst 1964
Alte Donaueschinger Strasse
in den 1970ern
Fotos: Karl Schweizer
hier die Reste im Sommer 2019

Quellen:
Die Chronik von Hüfingen von August Vetter (1984)
Mii Boor – Mii Hoamet von Gottfried Schafbuch (1972)
Kirchen und Kapellen in der Stadt Hüfingen von Dr. Maren Nickel (2006)

S’Hondinger Mareile

04. September 2021

Bildnis Maria Martin aus Hondingen Adlerwirtstochter, geb. Gilly, in baaremer Bänderkappe und schwarzer Jacke mit Keulenärmeln. Von dem Dögginger Meister Ignaz Weisser (1808-1896) 
Bildnis Maria Martin aus Hondingen Adlerwirtstochter, geb. Gilly, in baaremer Bänderkappe und schwarzer Jacke mit Keulenärmeln. Von dem Dögginger Meister Ignaz Weisser (1808-1896) 

S’Mareile hätt si Scheese packt
mit Butter, Schtriiß und Gickel.
Im Lade hättes no o zwackt
und goht druff zu Frau Bickel.
“O jeeli, bruuchet Ihr hitt ninnt?
Ech ha so gueti Sache.
En Gickel, nu fer Eu bestimmt,
zum Broote oder Bache.”
“Ein Kikal, was ist das wohl nur?
Ich kann Sie nicht verstehen.
Das Kikal traget auf den Flur,
auf daß ich es kann sehen.”
“Waa, Ihr wend Frau Direkder sii
und kennt nit en Gickel?
En Gickel ischt e Federvieh,
wo kreije duet , Fau Bickel.”

>Gottfried Schafbuch<
(03.01.1898 – 23.10.1984)

Spaziergang über den Friedhof zu Allerheiligen

aktualisierter Beitrag, 1. Version war am 02. April 2021

St. Leonhardkapelle
31. Oktober 2025
Mond über dem Kreuz und Friedhofsmauer mit Baum
31. Oktober 2025
Mond über dem Friedhof mit Kerzen
31. Oktober 2025
St Leonhardt
31. Oktober 2025
Leonhardskapelle bei Nacht
31. Oktober 2025
Leonhardtskapelle bei Nacht
31. Oktober 2023

Spaziergang über den Friedhof

Die Kette mit den 6 Hufeisen an der Leonhardskapelle befindet sich trotz aller Sagen wohl dort, weil an so gut wie allen Leonhardskapellen Ketten sind. St. Leonhard lebte im 6. Jahrhundert (starb wohl 559) und gehört zu den 14 Nothelfern – er ist der Patron der Fuhrleute. Die Kette gilt als „aneinandergereihte Danksagung“ an den Patron aller Wesen, der Gefangenen und der Stalltiere.

Die Statue in der Kapelle stellt St. Leonhard sitzend mit einer Kette mit Handschelle und Schloß und mit dem Abtsstab dar.

Ebenfalls vorne an der Leonhardskapelle (erbaut 1479 und gestiftet von Konrad und Burckhart von Schellenberg) kann man die verschiedenen Wasserpegel von Hüfingen bestaunen:


Der Friedhof wurde im Jahre 1629 vom Abt Georg Gaisser des Beneditinerklosters St. Georgen geweiht und wurde 1806 und 1861 erweitert. Problem war nicht nur, dass wegen des Dreißigjährigen Krieges der Friedhof bei der Stadtkirche zu klein wurde, sondern auch die ermordeten der sogenannten „Hexenverfolgung“ verscharrt werden mussten. Archivrat Franck meint 1872: “Wen mahnt es aber nicht an höhere Strafe und Gerechtigkeit, wenn er sich erinnert, daß über die Hüfinger Blutmenschen selbst schon am 15. Oktober 1632 das fürchterliche Blutbad durch die Würtemberger hereinbrach?

Aus dem Jahre 1620 stammt die „Bräunlinger mappa„, in der die Territorialgrenze gegen Bräunlingen hervorgehoben ist. Sie enthält auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen, die allerdings ungenau gezeichnet ist. Dagegen sind die Schächerkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der große Weiher (Behlaer Weiher) richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar.
Verzeichnet sind das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.
Karte aus dem Jahr 1664 von Hüfingen
Karte aus dem Jahr 1662 von Hüfingen von Martin Menradt

Siehe auch https://hieronymus-online.de/stadtwappen-hohentwiel-und-grenzsteine/

Landtafel der Baar von 1620 von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo die Stadtapotheke war. Deutlich lassen sich die an die Stadtmauer gebauten Häuser erkennen.
Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der » Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.

Als Sinnbild der Vergänglichkeit kennt jeder die Rose, dabei ist der Efeu schon seit vorchristlicher Zeit das Sinnbild der Erlösung und des ewigen Lebens.


Epitaphien sind Grabinschriften für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder in der Friedhofsmauer. Hier will ich einige zeigen und beginne aber erst mit der Mauer von German Hasenfratz in den 1970er

Friedhofsmauer von German Hasenfratz etwa 1970

Lucian Reich
Schriftsteller und Kunstmaler
26. Februar 1817 – 2. Juli 1900

Xaver Reich
Bildhauer
1. August 1815 – 8. Oktober 1881
Josepha Reich
geb. Elsässer
23. Aprlil 1823 – 19. November 1900

Johann Nepomuk Heinemann
Litograf
30. Mai 1817 – 22. Februar 1902

Karl Bromberger, Litograph
Ehernbürger der Stadt Hüfingen
1873-1965
Clara Bromberger, geb. Bölke
1871-1958

Durchbohrt von eines Mörders Hiebe.
Blieb CURTA noch ein Muster von Geduld.
Noch sterbend sprach er voll der Liebe.
Vergebet meinem Mörder seine Schuld.

Dieses Denkmal der Liebe weihet ihrem Gatten Vallentin Curta Handelsmann seine betrübte Witwe mit VIII. verzogenen Kindern. Geboren zu der H. Dreyfaltigkeit in Gressoney. Starb den IV. Oktober MDCCCV. im LIII. Jahr seines Alters. R.I.P.

Dieses Denkmahl der Einzigen Liebe und des oantbiex? andenkens seihen dir Sehrvermißten Curtaischen Kinder ihrer ? für ? und alle jene, die sehr herzlichen unvergeßlichen Mutter
Rosina Burkhard
verehelichten Curta deren Geist aus der zerbrechlichen irdischen Hülle zu der ewigen Stütze und zur fehgälich gewünschten wiedervereinigung zu ihrem vorangegangenen Gatten eille.
der 22. März 1808. eben als die das 40 e Lebensjahr angefangen hatte.
Gottes friede weh in Blumen düften Vater Mutter über Euer Gräber her.

Johann Franz Valentin Curta (Kurta im Stammbuch), Kaufmann aus Italien, * in „Dreifaltigkeit ind der Cresonai“ (=Gressoney am Monte Rosa). Gestorben in Hüfingen am 19.10.1805 . Er wurde von österreichischen Soldaten beim Plündern vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder niedergeschossen und drei Stunden später gestorben. Er war verheiratet mit Rosina Burkhard und sie hatten 12 Kinder. Ein Sohn Johann Franz Valentin Curta wurde Hirschenwirt und Johann Jakob Handelsmann.

Maria Franziska von Ehren
geb. D. IX. September gestorben D. 22 ANG. 1863
?

Denkmal
Ihrer Hochedelgebohrenen Frau Katharina Kletser gebohrene Bosch. Sie starb den 5. November 1815 im 40 Lebensjahr.

Lasset die Kinder zu mir kommen
Dem hoffnungsvollen Knaben
Ferdinand Fischerkeller
Geb. den 8. August 1818
Gest. 25 April 1828
Weihen dieses Denkmal seine trauernden Eltern

Hier ruht
Johann Babtist Fischerkeller
geboren zu Donaueschingen den 21ten August 1749.
gundler Kaplan zu Jungnau druch 13 – zu Kaseifingen G_ und endlich dazu ad 6. Blasium durch 26 Jahre ? seine irdische Laufbahn den 21 ten Juny 1852.
Gott gebe Ihm und allen ? dir Ewige ? Amen

Francisco Neser
Josepf Anton Heizman
Raul Stoerk

Ruhestätte des Hochwürdigen Herrn LOS. Benedict Rebsteix
(Pfarrer?)

2. von links: Maria Magdalena Nober geb. Moog 24. Juni 1765 – 14. Juli 1840

Dem Andenken Des Hochwürdigen Herrn
Benedici Merck
Des villino, Rur:Kap;Exdecans
Bischöf. Konk, geist. Raths, und durh 35 Jahrepfarrer dahier
Legte ab die Körperliche Hülle nach 7 Jahren Leiden den 21 May 1798 im 64 Alterjahre: Geweiht v. seinen Geschwistern.

In der Mitte das Epitaph eines Bäckers.
Die Brezel bindet die gesenkte Fackel des Todes ein.





Das von Franz Xaver Reich 1864 erschaffene Steinkreuz verbindet die Hauptachse des alten Friedhofsteiles mit dem neuen Teil.
Der obere Teil scheint neuer zu sein. Vielleicht weiß ja jemand wo sich das ursprüngliche obere Kreuz befindet?


Die Einsegnungshalle wurde 2007 vom damaligen Bürgermeister Anton Knapp zusammen mit dem Architekten Rolf Schafbuch mit einer großen „Lichterscheinung“ vom Hüfinger Künstler Emil Kiess neu gestaltet.

Das Glasfenster von Emil Kiess mit 6000 kleinen Glasplatten spiegelt den Friedhof wie ein Mosaik.


Ebenfalls bei der Einsegungshalle befinden sich die Grabplatten von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf.



Adolf Heer Bildhauer geboren 13. September 1819 gestorben 29. März 1898

Grabstein Adolf Heer und Rudolf Gleichauf

Rudolf Gleichauf Historienmaler geboren 29. Juli 1826 gestorben 15. Oktober 1896

Die Grabstätte (Grabstein) von Adolf Heer und seinem Freund Rudolf Gleichauf ehemals auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe.

Nach dem Tode Adolf Heers veranlasste der Landschaftsmaler Wilhelm Klose, ein ehr vermögender Karlsruher Mäzen (Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe), eine würdige Grabstätte für seine Freunde zu errichten. Die Ausführung lag in den Händen von Bildhauer Johannes Hirt, der ein langjähriger Mitarbeiter von Heer bei der Gestaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmal war. Auch die zwei Bronzereliefs von Heer und Gleichauf am Grabstein sind mit J. Hirt signiert. J. Hirt wurde vom Verlassenschaft -Gericht als Abwickler der noch nicht vollendeten Arbeiten von Heer bestimmt. Er wurde ein bekannter Bildhauer in Karlsruhe. Das Grabmal fand seinen Platz auf dem sogenannten „Hügel“, eine bevorzugte Lage mit Bäumen, Farnen und Stechpalmen – wahrscheinlich unter Denkmalschutz stehend.

Wenig verständlich erscheint ein Bericht im Südkurier im Jahre 1976, „Silberdisteln schmücken das gemeinsame Grab von A. Heer und R. Gleichauf, wo den Besuchern von der Friedhofsverwaltung erklärt wird: „Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit und Pflicht, den Gräbern Heers und Gleichaufs unsere Aufmerksamkeit zu schenken“. Mit wenigen einprägsamen Worten wird die Bedeutung der Künstler skizziert: .. Heer und Gleichauf haben im vergangenen Jahrhundert mitgeholfen, die Züge des Kunstschaffens in Karlsruhe zu prägen“. Monate später wird dann in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Hüfingen und wahrscheinlich auch Vöhrenbach angefragt, ob Interesse am Grabstein der beiden Künstler bestehe: „Das Grab wird aufgelöst.“ Die Stadtverwaltung Hüfingen holte den Grabstein, der jetzt bei der Aussegnunghalle und den Urnenstelen steht. Leider ist der Stein nur ein Torso, denn die kunstvolle Einfassung fehlt. Auch sollte die Inschrift erneuert werden.


Bildhauer Prof. Adolf Heer,
Sein Leben und seine Werke auf der Baar und dem Umland von Erich Willmann
Schriften der Baar 53, (2010)



Dr. Erwin Sumser
(8. Oktober 1891 in Merzhausen bei Freiburg im Breisgau als Erwin Josef Sumser – 22. Januar 1961 in Hüfingen).
Pionier des Naturschutzes.

Eva von Lintig
geboren 11. Juli 1931
gestorben 10. September 2023

Eva von Lintig
Ehrenbürgerin
11.07.1931 – 10. 09.2023

Max Gilly
Ehrenbürger und Bürgermeister
Träger des Bundesverdienstkreuzes
31.03.1921- 15.08.2006

Gottfried Schafbuch

De Goppfried Schafbuch
(* 3. Jänner 1898 z Hiifinge – 23. Oktober 1984)
isch e dytsche Dialäktdichter un Haimetforscher gsii.



German Hasenfratz
29.05.1923- 2008

Zita Hasenfratz
1926-2021


Hermann Felder (1772 – 1954)
Geistlicher Rat

Monsignore Hermann Josef Kast (01.09.1888 – 21.06.1967)
Ehrenbürger von Hüfingen und Rektor von Mariahof

Abschließen möchte ich diesen Spaziergang mit dem Hüfinger Künstlerkreis und dessen Gedenkstein von der Hüfinger Heimatzunft im Park gegenüber der Breg.

Für Ergänzungen und Tipps bin ich jederzeit dankbar!

Die Schwestern Perpetua und Consolata alias Karolina und Theresia Schafbuch

aktualisierter Beitrag vom 19. Juli 2024


Schwester Perpetua, (Karolina genannt Lineli), geboren am 31.01.1907  in Hüfingen  gestorben am 02.01.1991 in Bonn und Schwester Consolata, (Theresia, genannt Reseli) geboren am 16.10.1901 Hüfingen gestorben im Jahr 1983 in Bonn, waren Ordensschwestern der Benediktinerinnen „Schwestern von der Ewigen Anbetung“, dem Kloster „Maria Hilf“ in Bonn-Endenich.


Sie waren die Schwestern des Ehrenbürgers und Mundartdichters Gottfried Schafbuch und des Musketiers Josef Schafbuch.

Kloster Maria Hilf mit Marterkapelle, Bonn-Endenich, Luftaufnahme (2017). Foto: Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons Wolkenkratzer

Maria Hilf

1927 folgte Karolina Schafbuch ihrer Schwester ins Benediktinerinnenkloster „Schwestern von der Ewigen Anbetung“ nach Bonn-Endenich. Warum ausgerechnet die Benediktinerinnen in Endenich gewählt wurden, bleibt wohl ein Rätsel. Vermuten lässt sich allerdings die Nähe zur Marterkapelle, wo im 3. Jahrhundert die römischen Soldaten der thebäischen Legion Cassius und Florentius gemeinsam mit sieben weiteren Gefährten wegen ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben hingerichtet worden seien.
Die Heilige Verena kam mit Mauritius und der thebäischen Legion aus Theben, siehe: https://hieronymus-online.de/die-heilige-verena/

Die Marterkapelle in Bonn-Endenich. Hawobo, CC BY-SA 3.0 DE https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en, via Wikimedia Commons
Die heilige Verena in St. Verena und Gallus in Hüfingen

Aus der selbstgewählten Zurückziehung aus dem weltlichen Leben, so dachten sie zumindest anfänglich, gäbe es keine Wiederkehr. Eine Annahme, die sich jedoch nicht bestätigen sollte. Die beiden Schwestern, Consolata und Perpetua haben stets einmütig und übereinstimmend versichert, daß sie im Kloster ihr Glück gefunden haben, von dem jene, die „draußen“ leben, sich kaum eine Vorstellung machen könnten. Oberste und vornehmste Aufgabe der Schwestern im Kloster war die Anbetung und das sühnende Gebet. Sie arbeiteten in der Hostienbäckerei und der Paramentenstickerei. Das Kloster mußte sich durch die Arbeit der Schwestern selbst unterhalten.*2

Frater Benno Haan, Dalmatik des Weihnachtsornates (1680), Nadelmalerei und Reliefstickerei, Stift Admont Konrad Rainer,
(Wikipedia)

Ab der Machtübernahme der Nationalsozialisten sahen sich die Benediktinerinnen mehreren Problemen ausgesetzt. So durften sie am 12. November 1933 nicht wählen, bekamen aber kurz vor Ende der Wahlen von Beamten Wahllisten überbracht, da die NSDAP nicht auf ihre Stimmen nicht verzichten wollte. Im Oktober 1934 wurde der vorgeschriebene Eintopf-Sonntag eingeführt, 1935 wollten die Schwestern ein neues Kloster in Ostpreußen gründen – diese Pläne wurden jedoch von der Regierung abgelehnt. Im Juli 1936 fassten die Nationalsozialisten den Beschluss, den Klostergarten an sich zu reißen und ihn für militärische Zwecke zu nutzen. Nach mehreren Bittprozessionen der Benediktinerinnen kam es zu einer Änderung des Plans: Die geplante Kaserne wurde in Duisdorf gebaut. Ab November 1939 bekam das Kloster von einem NSDAP-Mann weltanschaulich-ideologischen Unterricht. Im selben Jahr kamen Gerüchte auf, dass eine Beschlagnahmung des Klosters bevorstehen würde. Diese Beschlagnahmung fand schließlich am 20. April 1941 statt: Gegen 11 Uhr kamen sechs Gestapo-Leute und befahlen den Benediktinerinnen das Kloster in einer Stunde zu räumen.*5

Die Gebäude wurden zum Sammel- und Zwischenlager für Bonner Jüdinnen und Juden, die von hier aus in die KZ-Vernichtungslager deportiert wurden und die „unter erbärmlichen Zuständen von der Gestapo interniert wurden“. 474 Erwachsene und Jugendliche wurden im Endenicher Kloster zusammengepfercht, mussten in der nahe gelegenen Industrie arbeiten und wurden von dort in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur sieben von ihnen überlebten.*3

Auch Endenich
Ist noch vielleicht das Ende nich!
Was in den letzten Monaten gegen die Juden geschehen ist, erweckt begründete Angst, dass man uns einen für uns erträglichen Zustand nicht mehr erleben lassen wird.
*4

Diese Zeilen schrieb der Bonner Mathematiker Felix Hausdorff am 25. Januar 1942 an seinen Freund Hans Wollstein. Bei den zitierten Zeilen handelt es sich um einen Auszug aus dem Abschiedsbrief, welcher von Hausdorff verfasst wurde, kurz bevor er sich zusammen mit seiner Frau und ihrer Schwester das Leben nahm. Hausdorff und seine Angehörigen verstarben am 26. Januar, einen Tag nach dem Verfassen des Briefes. Der Grund für den Suizid war die Anordnung der Nationalsozialisten, dass jegliche jüdische Restbevölkerung, die bis dahin noch nicht vertrieben war, in das Endenicher Lager übersiedeln musste. Doch Endenich „ist noch vielleicht das Ende nich“ — und Hausdorff war sich bewusst, dass die Zwangsumsiedlung nach Endenich nichts Gutes bringen würde. In diesem Brief bat er Wollstein, einen jüdischen Bonner Rechtsanwalt darum, sich um die Bestattung von ihm und seiner Familie zu kümmern. Familie Hausdorff wünschte sich, mit Feuer bestattet zu werden — doch diesem Wunsch konnte Wollstein nie nachkommen, da er selbst festgenommen und deportiert wurde. Wollstein wurde in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager ermordet. Endenich war das Ende nich, da von dort aus die letzten jüdischen Menschen in Bonn die Deportation in die Vernichtungslager im Osten antraten. Der letzte Ort vor der Ermordung: Das Kloster Mariahilf der Benediktinerinnen der Ewigen Anbetung in Bonn-Endenich.*5

Die Internierten wurden vom Kloster aus in Konzentrationslager nach Theresienau, Lodz und Minsk deportiert und ermordet.

Ein kleines Mahnmal am Gebäude erinnert vor allem an die Kinder: Es sind kleine Steine mit ihren Namen und Geburtsdaten darauf. Da findet sich zum Beispiel Ruth Daniel, die seit ihrem sechsten Lebensjahr den Fremdenhass der Nazis zu spüren bekam und im Alter von 15 Jahren mit ihrer Familie nach einem Aufenthalt im Kloster Endenich in einem Wald bei Minsk ermordet wurde. Das gleiche Schicksal ereilte Egon Bucki, der nur 14 Jahre alt wurde. Und nicht zuletzt Ruth Herz aus Beuel, deren Briefe und Karten an ihren Onkel aus dem Kloster einen Eindruck von der leidvollen Zeit dort vermitteln, aber auch Hoffnung ausdrücken. Sie wurde 17 Jahre alt.*6

Exil

Ohne vorherige Ankündigung beschlagnahmten am 20. April 1941 sechs Gestapo-Männer das Kloster und verluden die 140 Benediktinerinnen auf Lastwagen, Mittel- und orientierungslos wurden sie auf einer Landstraße nahe der holländischen Grenze abgesetzt. Nach Irrwegen traten nach kurzem Aufenthalt in einem Kloster in Pempen die Schwestern Consolate und Perpetua in alten Zivilkleidern in Hüfingen bei der Familie ihres Bruders Gottfried ein. Umgehend dienstverpflichtet, mußten sie im Schnellverfahren einen Pflegekurs absolvieren und wurden im Beuroner Klosterhof, der damals als Lazarett diente, als Pflegekräfte eingesetzt. Dieser Einsatz, den beide „Hüfinger Schwestern“ gern übernahmen, war für sie nach ihrem bisherigen kontemplativen Leben ohne Kontakte zur Außenwelt und schon gar nicht zum männlichen Geschlecht, eine unwahrscheinliche Umstellung.*1

Maria Hilf

Am Ende des Krieges zog es die Ordensfrauen wieder zurück nach Bonn. Hier standen sie jedoch vor einem großen Trümmerhaufen an dem Platz, wo ihr Kloster gestanden hatte. Der Wiederaufbau zog sich über mehr als 15 Jahre hinweg. Seit den 50er-Jahren verrichteten die Benediktinerinnen Arbeiten wie die Altenpflege und die Hostienbäckerei, um Verdienstmöglichkeiten zu schaffen*3

Nach Änderung der strengen Bestimmungen durch das Zweite Vatikanische Konzil durfte Schwester Perpetua für ein paar Wochen in Hüfingen einen Erholungsurlaub verbringen, wo sie vieles verändert vorfand. Wenn auch körperlich gebrechlich, so verfolgte sie mit wachem Geist und heiteren Wesens alles was in der Heimat geschah. Der Ehrentag des diamantenen Profeß im Jahr 1990 bescherte Schwester Perpetua den Besuch von Angehörigen. Ihr Neffe, Pater Gerold Schafbuch, hat den Festgottesdienst in der Klosterkirche zelebriert.*1

1982 waren es nur noch 36 Schwestern, von denen viele selbst pflegebedürftig waren.*3

Zeitungsartikel vom 13. Juni 1990 zur diamantenen Profeß von Schwester Perpetua.

Bis 2000 sank die Zahl auf zehn Schwestern, deren Priorin noch im selben Jahr starb. Daraufhin wurde die Schließung des Klosters beschlossen. Der Besitz ging an das Erzbistum Köln über, das ein Jahr später die Einrichtung des Priesterseminars Redemptoris Mater entschied.*3


*1 Zeitungsartikel von Isolde Weidenbach vom 13. Juni 1990
*2 Stammbuch der Stadt Hüfingen
*3 Generalanzeiger 28.08.2019
*4 Abschiedsbrief Felix Hausdorffs: https://de.wikisource.org/wiki/Abschiedsbrief_Felix_Hausdorffs
*5 Bonner Leerstellen von Hera Shokohi: https://bonnerleerstellen.net/kloster-endenich-2/ Stand: 19.07.2024
*6 General-Anzeiger, Kloster in Endenich von Stefan Knopp, 24.10.2013

75 Jahre nach der Abstimmung für einen Südweststaat

Wahlergebnisse 1950

Südbaden nach dem Krieg

Am 24. September 1950 stimmten 60 % der Bevölkerung Südbadens für die Beibehaltung Badens. Gleich im Anschluß an die Abstimmung hatte Leo Wohleb erklärt, „der schwäbische Angriff auf Baden ist abgeschlagen„.

Allerdings wurde damals nicht gesehen, dass dies nur eine „Volksbefragung“ war und um das badische Volk hat sich Stuttgart noch nie sonderlich geschert.






Baden in die Schweiz eingliedern?

Am 10. November 2024 habe ich eine kurze, eher spöttische, Bemerkung von den Südbadischen Landsenioren in der Zeitung gelesen : „….schlug er mit mit einem Lächeln vor, Baden in die Schweiz einzugliedern…“. Dies war auf die Landkäufe in Südbaden von Schweizern bezogen – aber die Bemerkung hat doch einige Überlegungen in mir ausgelöst.

Wenn man es genau nimmt, so wurde Südbaden nach dem Krieg gegen seinen Willen von Stuttgart annektiert. Aber fangen wir früher an, bei den Schellenbergern. Diese stammten nämlich aus Liechtenstein:

Burg Schellenberg in Liechtenstein.

Nach den Schellenbergern wurde Hüfingen an das Haus Fürstenberg verkauft und gehörte sehr lange dem Fürstenhaus – obwohl immer wieder verschiedene plündernde Armeen durchzogen. Während der 1848er Revolution waren die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger ganz vorne dabei und der Fürst flüchtete in die Schweiz. Nach Zuhilfenahme der Württemberger Armeen wurden die Aufständischen, soweit nicht rechtzeitig in die Schweiz und USA entfleucht, ermordet.

Also gehörte Hüfingen im Grunde seit der missglückten 1848er Revolution den Preussen und dem Deutschen Kaiser. Dies ist natürlich sehr verkürzt dargestellt und die Nazizeit lasse ich besser mal weg. (Da gibt es mal einen eigenen Artikel sobald ich Zeit habe.)

Heute wird Hüfingen von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg als Stadthalter verwaltet. Wir unterliegen also der Landkreisordnung von Baden-Württemberg, die den Bürgerinnen und Bürgern nur sehr wenig demokratische Rechte einräumt.

Deswegen hätte die Idee ein Schweizer Kanton zu werden doch einigen Charme. Wir hätten eine von uns gewählte Kantonsregierung und eine Regierungspräsidentin oder Regierungspräsident, anstatt eines von oben bestimmten Landrates. – Der Regierungspräsident wechselt in der Regel jährlich oder nach dem Anciennitätsprinzip (Anzahl Jahre in der Regierung). Dieses Amt wäre mit keinerlei anderen Privilegien und keinem anderen Sonderstatus verbunden als der Leitung der Regierungssitzungen.

Davon abgesehen würden die Schweizer uns auch besser verstehen, als die in Stuttgart.

De Südweschtstaat

1950 von Gottfried Schafbuch

S’rumoret zmol landuff, landab.
Min Nochber debret bsässe:
Jetzt, guck emol des Gschmier do aa,
d’Badenser sottes fresse.

Südweschtstaat schtoht do krottebroat,
Potzhageldunderwätter,
sott ech am End en Schwob no geä?
Ho sell, sell wär no nätter.

Wertschaftlech dei’s iis besser gau,
Minischter kennt mer spare.
Und s’badisch Ländle sei fer sech
en ganz verfahrne Karre!

Wie dear Borscht frech ischt mit sim Gschmuus!
Dem will ech d’Moaning sage.
Am liebschte dät jo schüttle ech
des Schwäbli fescht am Krage.

Worum wend d’Schwobe iis denn ha,
dont alli Schlech probiere?
Merkscht nit, sie wend e riiechi Bruut
gi Schtugart inni fiehre.

Sie wend de Rhii und d’Häfe haa,
de Wald und iisri Rübe.
De hoaße Quelle boazets au,
de Dubak no denäbe.

Nitt lang wurs gau, no dätet hie
im Rothuus Schwobe sitze
und i de Schuel e Schwäbli dät
zmol iisri Kinder fitze.

Glaub nu, iis ginges dräckig gnueg,
mier dierftet ninnt me sage.
Vum Muschterländli wäret d’Liit
… halt blos s’fifft Rad am Wage.

Wer des nit merkt, kennt d’Schwobe nitt,
die ‚Hoiligsblechliberger‘.
Ech glaub, wer nit fer Bade schtimmt,
der goschet nochher erger.

Wenn Wertteberg iis sacket ii,
dont d‘ Kind i spätre Ziite
im Kerchhof vu de Hoamettreu
uff isri Grabschtea diite.

Guet Nacht, schloof gsund, und moarn nitt z’frich.
Dues hinter d’Ohre schriibe:
Wear nitt im Hern vernaglet ischt,
will oafach BADISCH bliibe!

Die Einweihung von unserem neuen Sonnenbrunnen!

Sonnenbrunnen

Am 4. September 2025 um 17:00 Uhr wurde der Sonnenbrunnen im strömenden Regen feierlich eingeweiht und gesegnet.

Der Gemeinderat hatte am 20. Mai 2016 beschlossen für den abgebauten Sonnenbrunnen Ersatz zu schaffen. Fast exakt 9 Jahre, am 25. April 2025 steht er!

Skizze von Alexander Albert

Die Festschrift vom Gausängertag wurde 1924 im Auftrage des Gesangvereins Liederkranz verfaßt.
Darin wurde darauf hin gewiesen dass „eine erschöpfende Darstellung der Geschichte des Hüfinger Liederkranzes leider nicht möglich ist, da ein Teil der Vereinsakten bei dem im Jahre 1897 stattgehabten Brande des Gasthauses zur Sonne in welchem sich zu jener Zeit das Vereinslokal befand, zerstört wurde.

Es gab in Hüfingen mehrere Gasthäuser zur Sonne. Hier ist die um 1815 von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) neu erbaute Sonne an der Schaffhauser Straße gemeint. Sie befand sich in der Nähe des Sonnenkreuzes und des Sonnenbrunnens und ist 1897 abgebrannt.

Das Sonnenkreuz zu Hüfingen

Am 1. September 2023 bei den Bauarbeiten Schaffhauser Straße.

Beitrag vom 21. März 2021

Dort, wo sich am südlichen Ausgang des Städtchens Hüfingen die Hast und Unrast auf der Bundesstraße teilt und nach rechts durch das Höllental Freiburg zu weiterbraust und linksab mit Sonnenhunger und Fernweh in die Schweiz und nach dem Süden führt, steht, geschützt in einer kleinen Grasinsel, das sogenannte steinerne Sonnenkreuz.

Landauf und landab, in den einsamen Tälern des Schwarzwaldes, an stillen Wanderwegen und auf manch luftigen Höhenzügen trifft man wohl vielfach Wegkreuze aus Stein oder Holz. Jedoch alldort kaum so wenig wie an den poesielosen Autostraßen, die wie fiebernde Pulsadern durch die Länder ziehen, dürfte ein Kreuz mit einer so seltsamen Inschrift in deutscher Sprache, wie sie das Sonnenkreuz in Hüfingen zeigt, zu finden sein.

Das Steinkreuz trägt im Fuße des Sockels die Jahreszahl 1783 und weiter oben, in einem Sockelfeld folgende Inschrift:

2ten IvnI
stirb HeIneMann
StIfter DIeses
CrVCIfIX
Gott Lasse Ihn
eVVIg rVhen.

Wohl schon mancher Beschauer dieser Inschrift mag an der Lösung dieses Rätsels herumgeraten haben und ohne Klarheit zu bekommen, kopfschüttelnd weitergegangen sein. Es ist eine Zeitinschrift, in der die römischen Zahlbuchstaben, die besonders als große Buchstaben hervorgehoben sind, zusammengezählt die Jahreszahl der Begebenheit angeben, von der die Rede ist. Diese Zeitinschrift wird Chronogramm und je nach der Art des Verses auch Chronostichon genannt.

Zählt man nun die Zahlwerte der Buchstaben dieser Inschrift, dieses sind IVIIMIDICVCIIXLIVVIV zusammen, so erhält man die vermeintlich fehlende Angabe des Todesjahres des Stifters, nämlich das Jahr 1794, und das Rätsel ist gelöst.

Der großzügige Stifter des Steinkreuzes, Matthäus Heinemann, wurde am 20. September 1723 als Sohn des Bäckers und Gastwirts Andreas Heinemann und der Katharina Benz zu Hüfingen geboren.

Von Gottfried Schafbuch (03.01.1898 – 23.10.1984) aus „Mii Baar – Mii Hoamet“ (1972)

Sonnenkreuz auf einer alten Postkarte

Roswitha Schafbuch

Als ältestes von fünf Kindern von Gottfried Schafbuch und seiner Frau Paula, geborene Nabholz, wuchs Roswitha zusammen mit ihren Geschwistern in der Hauptstraße auf und zog später in den Wagrain um.

Sie galt als das Synonym für die Muettersproch schlechthin und hielt die Erinnerungen an den großen Heimatdichter durch Vorträge wach. „Kratzete“ oder „Doroste“ waren Begriffe, die sie dabei neu belebte.

Hier ein altes Video von der Goldenen Hochzeit meiner Großeltern vom 12.12.1998. Der Ton ist leider sehr schlecht, aber ein bisschen kann man raus hören.

Roswitha Schafbuch am 12.12.1998

Einladung vom Katholischen Bildungswerk 1992

Roswitha Schafbuch starb im Alter von 87 Jahren im Dezember 2012.

Amalgam, Gottfrieds Lade, Uhremacher Riehle und Getti Beppi Kramer

überarbeiteter Beitrag vom 16.02.2021

„Hai,Hai,los, mirgond„

Uugeduldig ruefts dorchs Huus im Lassberg. „ Heinz, jetz sind er frisch aazoge und scho wieder dappsch i die onzig Drecklache, s Hubertle häsch au verlättertet, zienet frische Kniestrümpf aa ! dass mer eich z Hifinge zoege khaa. Hond er Zai fescht bürschtlet und d Fingernägel putzt ? Dorle , du nimmsch d Mechtild a d Hand, ab gohts. Mir gond, jetzt laufet zue bigott“. Die Fünf Mauze hoppet gattig am Rothuus vorbei gege de Bahhof. Dä gohts über de Iisesteg a de Labrante, geg de Schützeberg mit em Pavillion, em Bellvedere. A Aamedshofe vorbei verzellt d Motter no die Gschicht vum Viktor v. Scheffel über de Jüngling, Kreuzfahrer und Maidlischmecker Juniperus, der mit dem Sevelpalme. Und scho sim mit dene kortzwiehlige Gschichte vu de Motter, vum Klärle, am Schächerkäppele. Wie sichs für e streng liberal- katholische Famile ghöhrt, word dä no e Vater Unser und e Gegrüsset seist du Marial betet. Au dä verzellt d Motter, e halbe Hifingerei, die Heiligegschicht vu de Schächerkapelle und die Sage vu de Schächerkatz dezue. D Mechtild isch noch dem lange Weag scho ganz schee muuggig und drum muess sie de wuselig Heinz, dem goht de Moscht nie uus, uff de Buckel nähe und bis zum Onkel Ernscht i de Eschingerstroos trage. Dä word gschellet und es giht e gross Halloo. De Onkel Ernscht kunnt uussi, de Sohn, de Siegfried, d Tochter , d Tante Anny und de hinter, e weng hännefiddlig, d Tante Else, d Frau vum Ernscht. Sie isch e Sächsin bei Dräsden und liidet drum als derartige Fremdsprochlerin ziemlich im Huuswese und im Boor- Städtle. De Onkel Ernscht isch en erfolgriiche Zahnarzt, en Dentischt, und de Sohn Siegfried hät au scho e Behandlungszimmer im Huus und unterstützt scho anerkannt und globt de Vater Ernscht. Hifinge und halb Eschinge goht wegem guete Ruef und de nit ganz unumstrittene vergangene Beziehunge zum Kamerad Ernst Kramer gi Zai mache lau. Gi s Klavier richte lau, wie mer au salopp sait. Die jung Tante Anny, d Tochter vum Ernscht, isch au mit eme Zahschlosser verhierotet, mit em Preise Karl us Aamedshofe. Die beide triebet au scho erfolgriich e Dentischtebuddi z Blumberg um. Dä, im Schmelztiegel der Nationen uff de Boor, gihts i de Mühler, me kennt au sage i de Muhlsteibrüch vu dene Bergwerks- Haudege, fascht soviel zum Bohre, wie zu de Doggererz Bergwerksziit z Blombe i de Doggererz- Stolle. E guets Gschäft für Zahschlosser isch au de legendär und berüchtigt Boxclub Blumberg. Vu dene Max Schmeling Nocheiferer hät kaum no on die vordere Zai. Also vill Arbet für de Karl mit Gebiss mache. Im Geld aber muess er bei dene Schlawacke aber immer schwer hinnedriirenne.


Else, Amalgam aariehre ! aber zack, zack !

„So Klärle, wen nemmer mer z erscht draa ? Guet, die klei Mechtild. Die andere sollet in Garte, d Anny isch au grad uff Bsuech, no kennet sie mit em Ingridli spiele„ Dä, im pflegte und schee möbilierte, herrschaftliche Garte stond Schaukle, Sandkäschte und Spielsache die iis immer e grosse Freud und Spass machet.
Iiseri Kleini nimmt im grosse Patientestuehl platz, d Motter hebt ere eweng s Händli und hät e frisch, wiis Sackduech parat. De Onkel Ernscht nimmt uff me Art Baarhocker, der mit feinem Leder beschlage isch, platz. So Baarhocker wered später mol, wie mer no sehne wered, au e grosse, uusägliche Liedeschaft vum Onkel Ernscht. Drei, vier Zängli. silbrigi Hääckli und e winzigs Spiegeli leit er z reacht, de riesig Lampebolle word aaknips und de schattelos Strahl uffs Muul uusgrichtet und des Bohrergstellaasch word uusmöbiliert. Der Bohrergalge mit 2-3 Glenk, mit silbrige spiral- Triebrähmli und eme handliche Bohrfuetterhalter isch s angschiiflössend Gschierr i dem Raum und macht en sorrige, giigsige Contertenor- Ton. „ So , mach mol s Muul uff, Kleini, ganz guet, do hät s Klärli als Zahputzgendarm guet gschaffet. Aha, koe onzig Loch, dir momer nuu eweng Zahstoe abschliefe.“ Jetzt kunnt des Bohrergstell i Iisatz, es fangt a i hohne, gruusige Tön zum Sorre aa. En Polierbohrer word iigsetzt und eweng a de Zähnli ummegschrupperet. „Guet isch, Maidli, Klärle, kaasch se abilupfe, bisch Tapfer gsii. Gang ussi in Garte zum Spiele. Bring mer de näscht, Klärle“ Jetzt kumm ich draa und e weng goht mer s Klämmerli scho. Wieder die gliich Prozedur, aber desmol endeckt er e Loch. „ A4, obe, Else riehr Amalgam aa ! Uffpasse Biebli, jetzet bohremer e klei weng, Mosch ganz tapfer sii. So des hetemer, no verputze mit Amalgam und denno kaasch wieder Eis und Malzer schlecke uhni dass es die im Muul elektrisiert. Klärle , s Näscht “ Au beim Dorle find er nuu oe Loch und sie isch sowieso die Geduldigtscht, Liedensfähigscht und Tapferscht vu de ganz Famile. Au hit no. „Heinz du Strolch, kumm inni, häsch wieder d Maidli zwickt und pfätz und ploget, du bisch doch en Oberbandit“ De Heinz gilt als hertgsottene Eisefuess i de Stadt, dem nähmert z Noh kumme derf. Er wacht über iiseri Maidli und au über mich wie en scharfe Hofhund. Aber uff em Zahnarztschragge isch er en Hoseschiesser. De onzig wo drääset und joomeret und kum stillhebt. Natierli hät er, halt au eweng disziplinloser bim Zaiputze wie mir andere Kinder, gar zwei Löcher wo bohret, gstopf und verschliffe were mond. Sogar de zäh und hertgsotte Onkel Ernscht isch froh, wo ner den scharrige Satansbroote ab em Stuhl hät. Bei de Cousine Klärle muess au nuu Zahstoe grasplet were. Dass de Vetter Ernst gearn eweng noh a de Wiiber aalohnet und sogar vor de nette, mit keltischem Uusähne uusgstatte Cousine, die warm Nähe suucht, des büglet s Klärle couraschiert ab. D Sächsin „Äelse“ moss des all im Hintergrund vielmol aagucke und liide. „Jetztet goht s no in Garte, Else, mach dene Kinder no en Kakkoo, bring en siesse Silberperle Sprudel und Breetli. Siegfried, lass emel noo und kumm au uussi, wenn s Klärle scho mol do isch“ Silberperle Sprudel gihts nit all Tag und so gueti Breetli vum andere Bue vum Onkle Ernscht, vum Konditor Karl- Heinz, des isch erscht reacht en seltene Gnuss. So isch de erscht Bsuch z Hifinge scho e Freid und e unterhaltsams Erlebnis.

Beim Vetter Gottfried im Lade:

Die ganz Bandi rennt jetzet frsich gstärkt die paar hundert Meter geg s Städli. Dä am Peterstörle, wie mer dere Engstell zwische de Kirch St. Verena und em Schoofbuechelade sait, stürmemer de Kauflade vum Onkel Gottfreid. „Ja wa kunnt denn do, Gute Tag Bäsli- Klärle, bisch wieder mol mit de ganze Bagage do z Hiefinge. Hai kumm inni und verzell mer s Neischt vu ei und us Eschinge. Verena, bring dene Kind en Sprudel und e paar Malzer. Im Klärle e Likörle und mir en dopplete Rossler. Soso. Bim Ernscht warteter scho. Du, guck emol, do hanni no e neis Biechle; „Mi Boor mi Hoemet“. Des schenkt i der, no hät de Frieder au ebbis zum Lese am Obet, wenn die ganz Kinderbandi im Nescht isch. Ah soo, jetzt gond er zerscht no zum Riehle Wilhelm ums Eck ?, Schee dass er do waret und de Vetter Gottfried nit vergesset. Also Adee, bis denno wieder im Herbscht“.


Uhrmacherluupe, Holzfuess, Ohreringli bim Wilhelm Riehle i de Weitegass:

Die ganz Bloos rennt jetzt ums Eck ummi i d Weitegass zum kleine Lädeli vum Uhremacher Wilhelm Riehle. Des isch de Haus- und Hofuhremacher und Lieferant für Kettli, Kriezli, Uhre und Schmuck für die ganz Familie. I dere grosse Familie gihts ständig Geburtstäg, Kommunione, Taufe , Feschter, Firmunge womer ebbis netts und uuvergänglichs zum Schencke hät. D Maidli grieget Ohreringli, wo mer Löchli steche muess, zu de Kommunion en Roskranz oder au vu de Oma e goldene Uhr und zu de Firmung e Kriezli mit eme goldige Kettle. Hit sticht de Riehle, desell hät immer so e Uhrmachluppe i om Aug innizwickt und en Holzfuess,e uuseligs Kriegsaadenke, de kleine Mechthild Löchle i d Ohrläppli, weil des Äffli zu Oschtere die erschte Ohrringli grieget. Er huckt uff me runde, oefiessige Drehstuehl am Fenschter zum Liicht und käsperlet präzis und feinfühlig a ere Sackuhr ummenand und isch umgähe vu winzige Werkziig, Schruubezierli, Pinzettli, Zängli, Zahrädli, Lupe und Pinseli, die alli uff me Samett- Teppichle akkurat parat nebeenand lieget. D Mechtild word e weng abglenkt vu de Motter und scho hät de Riehle s erscht Ohrläppli gstoche, es rennet zwei Tröpfle Bluet uss und denno kunnt au s ander Orläppli draa. Tapfer hät des Maidli stillghebt und nuu paar Tränli rennet am Bäckli abi. Hoffahrt muess halt au liide. So, au des vum Hifinger Bsuech isch erlediget und me verabredet sich uff de Ostersamschtig zum Uussueche vu dene Ohrringli. D Ladeschelle macht Ding – Dong und mir wetzet gattig devuu.

Tante Emme und de Getti Wilhelm „Beppi“ Kramer, de letscht Städlibuur.

Zum näschte Bsuech sinds nuu paar Schritt ums Eck ummi, i de Süess Winkel, zum Getti vu de Motter Klare, zum Wilhelm Kramer oder, wie er im Städtli hoesst: Zum Kramer Beppi. Desell isch on vu de letschte Städlibuure, der all no kon Kramer 13 PS Alleschaffer hät und all no mit de Stier und Kuhefuhrwearch uffs Feld, gi Heibe und Öhmde, Herdepfelhacke und Mische uusfahrt. Bis er uff de Äcker mit sim klepprige Iisereife- Loeterwage a de Lorete oder am Siirebrinnili isch, sind die andere Buure mit ehrne neie, naglende Diesel- Bulldogg, mit Gummiwäge draa, scho bi de zweite Fuhri. De knitz und boemager, en Hämpfling isch er, de Getti Beppi. Er wohnt im zweite Stock im Kramer- Eckhuus und gegenüber vum Gässli isch sin Stall, wo er die klepprige Wäderkiehli, de Stier, e paar Goesse und Hiener iiquartiert hät. Es isch e hohlose Buureschafferei, bei dere er vu de walküreartige, on Kopf grössere wie de Beppi, de Tante Emme, e gebürtige, Döggingerei, fliessig und schaffig unterstützt word. Statt „suscht“ sait sie „suss“, wa ere i de Familiechronik de Übername „De Suss“ iidrait. D Tante Emme und de Beppi hät gwisst, dass die ganz Eschinger Bagage kunnt und uff Punkt Zwölfi hät d Tante Emme en grosse Hafe selbergmachti, dampfende Nuddlesuppe uff em Tisch. Dezue gihts alls us em oegene Huus- und Buurewese: En grosse Krueg kühle, frischgmolkeni Milch, wahrschienlich vum beschte Kühli, de Alma. Dezue en Riebbel Buurebrot mit eme wunderbare Guh und mit frischem Anke, wo no Wassertropfli bim Striiche uussispritzet. Die Beide sind kinderlos und hond für die ein- zwei Stunde, wo die ganz Bandi im Huus ummistricht, e grossi Freid. Sind aber au froh, wo wieder bald die gwohnt Ruhe is Huus iikehrt. Oe Attraktion isch im muffige Untergschoss: en alte Webstuhl vu de Vorfahre, die alli Weber waret und dene ihr Webgstellarsch de Beppi no i Ehre haltet, bis es bald emmol no ganz vermauchet isch und verkheit. Zum Abschied griegt jedes Kind no e greichte, duftende Brotwurscht als Wegzehrung und wieter gohts mit Karacho gege s Spitaltor.


Friedhofsbsuech

A de Bregbruck, korz vor em Friedhof, word natierli, wie sichs für e fromme Familie ghört, no schnell e „Gruesst seist du Marie“ vor em Heilige Sank Nepomuk bruddlet. Desell soll helfe, dass s Städtli nit bei dene Breghohwasser absuuft. Helfe duets aber doch nit all. Uff em Friedhof wered no alli Gräber vu de Hifinger Vorfahre bsuecht. D Motter woes gnau wo die alli lieget und a jedem Grab word no mit em alte Rasierbemsel oder eme Sevelpalme , wo im Weihwasswerkesseli a jedem Grab liet, e „Ruhe in Frieden“ gmurmlet und drei mol Weihwasser bemslet.


Bim Onkel Karl i de Autowerkstatt und de Tante Idde und de knorrige Tante Marie, de Kramer- Engländere.
De buebegrechtescht Bsuech stoht jetzt no aa. Bim Onkel Karl, im Opel Autohaus und Tankstell Schmid i de Schaffhuuserstross dürfet d Buebe mit em güetige und geduldige Onkel Karl eweng dorch die verölt Werkstatt muuse. Dä schmeckts noch Altöl, Gummi, Benzin, Schweissapparat und Kompresser Luft. En Opel Kapitän, en Opel Record und en Gogo hät er grad uff de Hebebühni i de Kur und giht de Gselle und Lehrbuebe Aawiesung, wa sie schruube mond, nochfille und iistelle sollet. D Maildi sind scho bei de Tante Idde und de Grosstante Marie i de guete Stubbe gie en Kakoo trinke. D Töchter vum Karl und de Idde, d Helene und d Elisabeth, hond Tankstelledienst und kennet nu ganz korz emol i d Stubbe innischaeche und eweng wunderfitze, wa die Eschinger Bandi so triebt. Und i jedem Kind schenket sie e Relleli rappeschwarze Bäredreck us em Tankstellekiosk. Natierli zogatet mer wieder über de ussergwöhnlich Uffenthalt vu de Tante Marie in London, wo sie als Junge Frau i „Stellung“ bei riiche, brittische Gschäftsliit war und ganz guet Oxford Englisch glehrt hät. D Motter kaa au no eweng Englisch und giht genauso mit e paar englische Sätz aa , wie d Tante Marie. Des hond beidi scho manchmol hoffährtig uussighängt. Und natierli hät d Tante Marie und Tante Idde verzellt, wa de Bue Ritschert und d Selma, die Uswanderer gi Amerika , gi Tomaston/ USA, so alls triebet und wa de Enkel- Bue, de Ritscherd- Wendelin II so macht und ob und wenn sie wiedermol i d Hoemet kummet zum de Uhrehandel mit Old Germany am Lebe z haalte.

Hoem gohts mit em Bregtäler i de Holzklass

Mensch war des wieder en Tag do z Hiefinge bei de Verwandschaft. Wieder vill erfahre, vill vu de Verwandschaft mitgriegt, d Werkstatt mit dem Riesbolle vu Auto, em Opel Kapitän, erlebt und vor allem die Stroriax vum Onkel us Amerika stolz genosse und und im Kopfkino uusgmolt. „Wa du häsch en Onkel z Amerika“ wäret sie Morge i de Schuel wieder frooge und erhabe und aageberisch saisch denno: „ Yes, his name is Ritscherd Kreimer“.

Weil alli ziemlich kaputt sind gomer as Hifinger Bahhöfle und passet der Bregtäler Arbeiterzug um Fievi ab, wo scho Arbeiter us Briilinge hucket und no e ganze Horde vu Sägwerksarbeiter vu de FF – Holzwerk uff de Fierobetzug wartet. D Motter moss no e Familiekärtli für so uugfähr Oe Mark am Schalter löse, bevor mir iis mit de Sägwerker zemet i de Bregtäler innizwänget. De Motter machet die noch Holz, Sägmeahl, Schweiss und Carbolineum stinkende Holzwürm uff eme Holzbank platz und mir Kinder stond im Gang, hebet iis a de bäppige, schweissige Lederrähme , die vu de Decke abi hanget und sehnet nomol d Schächerkapelle vu hinne, z Amedshofe d Juniperusquell, am DJK Platz de Lokfriedhof, denno s Drehkriez am Lokschuppe, de Steg a de Labrante vu unne und s Stellwerk am Eschinger Bahhof und scho simer wieder dehoem.

Jo so, wars, des mit em Almalgam, em Sprudel, de Nudlesuppe, de Brotworscht, em Ohrläpplisteche, em Holzfuess vum Riehle, em Benzinguh und em Bäredreck vum Tankstellekiosk und em Onkel us Amerika.