Im Frühlingswald

06. März 2026 von Thomas Kring

Wer im Frühjahr durch den Wald spaziert, wird viele Pflanzen finden, die bereits blühen. Manchmal ein wahres Blütenmeer, wie beim Märzenbecher.

Märzenbecher

Bild 1 von 4

Der Märzenbecher ist auch als Frühlings-Knotenblume bekannt.

Diese früh blühenden Pflanzen im Wald werden auch Frühlingsgeophyten genannt. Bei Geophyten handelt es sich um mehrjährige krautige Pflanzen, die eine ungünstige Jahreszeit, zum Beispiel den Winter oder trockene Sommer, unterirdisch überdauern. Sie bilden dann bei günstigeren Verhältnissen aus unterirdischen Erneuerungsknospen (Wurzeln, Knollen, Zwiebeln) neue Triebe.

Die Frühlingsgeophyten der Laubwälder blühen so früh, weil dann noch viel Licht den Waldboden erreicht. Damit können die Pflanzen Photosynthese betreiben und genug assimilieren, um Früchte auszubilden. Damit müssen die Pflanzen weitestgehend fertig sein bevor der Lichtreichtum endet, wenn die Bäume mit dem Laubaustrieb beginnen.

Die hier gezeigten Aufnahmen sind alle vom 06. März 2026.

Weiße Pestwurz

Bild 1 von 10


Eine Besonderheit ist der Zinnoberrote Kelchbecherling, dessen Fruchtkörper vor allem zwischen Januar und April auf totem Laubholz zu finden ist.

Zinnoberroter Kelchbecherling

Bild 1 von 2


Zinnoberrote Kelchbecherling oder auch Scharlachroter Prachtbecherling genannt.

Auch die Vogelwelt ist hoch aktiv. So lassen sich verschiedene Meisen, Zaunkönige, Buchfinke, Singdrosseln und Waldbaumläufer vernehmen.

Anhand des letzten Fotos kann der ein oder andere bestimmt feststelle, wo die Aufnahmen für den Artikel entstanden sind.

Wächter der Wutach
Wächter der Wutach

Der Zuckerbäcker

De Zuckerbeck von Hubert Mauz, gelesen von Maria Simon

De Zuckerbeck, am Siesse Winkel Eck

Es giht en Beck der no meh khaa
Drum fange mer vu vorne aa
Nuu Wecke, Halbwiess, Buurelaib
On woess vum Bache no meh bscheid

Es isch de Zuckerbeck, Conditor gnennt
Der hät bigott mords gschickti Händ
Im Kopf vill zuckrigi Rezept
Wa der alls khaa, Respekt, Respekt

Er doeget zerscht en Tortebode
Fürs Fundament muß mer ihn scho lobe
Wa dä druff kunnt, loset jetzt guet zue
Des haut di fascht scho us de Schuhe

I ville Häfe Zimt Zucker, Meähl
De Safran macht e Torte geäl
En Huufe Zuetate stond parat
Iidolt, gwoge, akkurat

Sie hohe Kunscht isch Schwarzwald Kirsch
Wer die genießt word zu me Hirsch
Sie Kaffeestub isch drum en Kult
Und Bsuecher lobets, voller Huld

Au Sachertorte hät er druff
De Duft verschleht der fascht de Schnuff
Schwarzbeer vu de Beerliewieber
En Torte Zauber, konn wid meh lieber

En Schoko Traum, so zart und fein
Sind d Pralinee, ob gross, ob klein
Au Nougat kha ganz guet der Maa
Nuu Feinback – Fraue kummet a den draa

Wa wär e Städtle ohni Zuckerbeck
Verzicht wär schad uffs Feingebäck
Drum lobet mir de Städtli Beck
Am Huefinger Siesse Winkel Eck

Was ein Zuckerbecker alles kann von Maria Simon, Alemannisch von Hubert Mauz

Was ein Konditor alles kann

Er kann backen wie ein Bäcker,
doch auch wie ein Apotheker
mengen, wiegen, extrahieren,
wie ein Stuckateur verzieren.

Er kann kandieren und gelieren,
aber auch noch modellieren,
macht Figuren aus Marzipan
wie`s aus Ton der Künstler kann.

Wie ein Maurer Stein auf Stein
dazwischen Mörtel streichet ein.
Mit zarter Krem, wenn`s ist vonnöten
streicht ein der Konditor Tortenböden

Er kann hobeln wie ein Schreiner
Schokospäne, so kann´s keiner.

Wie ein Gipser verputzt die Wände,
Torten überzieht er ganz behände.

Er entwirft ein Ornament
wie ein Grafiker das kennt,
spritzt dann aus `nem feinen Tütchen
schokoladig schmucke Hütchen.

Kunstmaler sind berühmt und bekannt
für ihre feinmotorische Hand.
Auch ein Konditor zeichnet mit Bravour,
er spritzt auf Torten Bilder mit Glasur.

Aus flüssigem Glase formt der Bläser,
formvollendet seine Gläser.
Auch der Konditor bläst mit Gefühl
aus Zucker ein schönes Formenspiel.

Schneidet der Konditor dann
zuallerletzt sein Kunstwerk an,
so muss es zart und locker, fein
verzehrbar mittels Gäbelchen sein.

Moderne Landwirtschaft

von Heinrich Musch aus Bad Schussenried

Die Welt versinkt im Chaos. Kriege, Unwetter, Hitze, Dürren, Ernteausfälle … usw., als habe die Endzeit begonnen. Bad news all over, so dass man´s bald nicht mehr hören mag.

Das sechste große Artensterben ausgelöst durch menschliche Dummheit und Gier. Vollzogen durch die Ausbeutung und Zerstörung der Biodiversität und natürlichen Ressourcen. Hauptakteur ist die  moderne Landwirtschaft oder besser gesagt die Industrielandwirtschaft und diese ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen. WELTWEIT! Nicht nur alle wildlebenden Tiere wurden durch diese raubtierhafte Bewirtschaftung nahezu ausgerottet bzw. dramatisch reduziert, sondern auch die Biodiversität im Gesamten zerstört. Gedeckt und gefördert wird dieses Treiben durch Lobbyismus, Scheinheiligkeit und dumme Profitgier.

Es scheint, als wären wir aller Instinkte beraubt, gepaart mit erschreckender Gleichgültigkeit. Wir sehen, wie sich z.B. eine Kulturlandschaft in eine Monokulturlandschaft verwandelt, und es ist uns schlichtweg egal. Wir spüren die Auswirkungen der Pestizideinsätze, aber ignorieren sie. Die Pestizide wirken heute systemisch, was bedeutet, dass auch die jeweilige Frucht selber toxisch wird. Wir sehen was auf uns zukommt und zucken noch nicht einmal mit den Schultern. 

Die Leidtragenden jedoch sind am langen Ende trotzdem wir. Immer mehr Krebstote, immer mehr Allergien, immer mehr Autoimmunerkrankungen … usw. Die Agrarlobby argumentiert, dass nur mit Pestizideinsatz Lebensmittelsicherheit gewährleistet werden kann. Das Gegenteil ist der Fall! Die vergifteten Böden können bereits heute nur noch mit massivem Einsatz von künstlichem Dünger überhaupt noch Ernteerträge erzeugen. 

Landwirtschaftsminister Özdemir verlängert z.B. nach Vorgabe der EU den Glyphosateinsatz um 10 Jahre. In einer Studie an 182 Stadtbewohnern aus 18 europäischen Ländern wurde bei 45 % der Teilnehmer Glyphosat im Urin nachgewiesen.  Besorgniserregend ist dies, da Glyphosat bereits in geringen Mengen menschliche Embryonal- und Plazenta-Zellen sowie die DNA von Menschen und Tieren schädigt: So stellte eine französische Studie fest, dass Glyphosat menschliche Zellen innerhalb eines Tages abtötet – und das selbst bei einer 100.000-fachen Verdünnung des Wirkstoffes. Zudem wirken viele Pestizide beim Menschen wie Östrogene und sind nachweislich für hormonbedingte Krebserkrankungen mit verantwortlich. Parkinson wird bei Landwirten zwischenzeitlich als Berufskrankheit anerkannt. Spinnen wir eigentlich?

Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Hauk forderte neulich, dass neue Pflanzenschutzmittel schneller zugelassen werden und dass bereits verbotene doch wieder verwendet werden sollten. Das macht sprachlos! Mit immer noch mehr Gift das heilen, was durch  Gift krank wurde. Respekt – das ist durchdacht! 

Fakt ist, dass ein Höfesterben in der ganzen EU stattfindet, mit dem Ergebnis, dass immer weniger Landwirte immer mehr Fläche bewirtschaften und sich die Höfe in landwirtschaftliche Großindustriebetriebe transformieren. Also immer mehr Tiere in Massenhaltung gehalten werden.  Seuchen, Krankheiten, Salmonellen und daraus resultierender Antibiotikamissbrauch sind vorprogrammiert. Immer größere Ackerflächen werden von noch größeren Maschinen bewirtschaftet. Bodenverdichtung, Monokultur mit allen Ausprägungen und Biodiversitätsverlust sind die Folge. Wie kann es zu solchen Fehlentwicklungen kommen, fragt man sich? Nun, wenn der europäische Präsident des Bauernverbandes mitunter einer der größten Nutznießer einer verfehlten europäischen EU Agrarsubventionspolitik ist, braucht man sich eventuell nicht wundern? Vollstrecker dieses programmierten Wahnsinns sind die örtlichen Landwirtschaftsämter, welche die restlichen Landwirte so lange reglementieren, schikanieren und zur Aufgabe zwingen, bis sie schließlich das Handtuch werfen. 

Es ist doch blanker Hohn von Biogas bzw. Bioethanol zu sprechen, wenn man weiß, dass dafür einerseits in Südamerika Urwald abgeholzt wird und sich Agrarbarone durch Anbau von Soja oder Palmöl dumm und dämlich verdienen. Aufbereitet, wird dieses nach Deutschland verfrachtet, dort unseren Treibstoffen beigemischt um dann von 10% Bioethanolanteil zu reden, welcher ein aktiver Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen sei! Wirkungsgrad in Richtung null! Haben wir eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Das Mercosur Abkommen ist jetzt unterzeichnet, von all den scheinheiligen Politikern, wohlwissend, dass dies sowohl dem südamerikanischen Urwald als auch den europäischen Landwirten den endgültigen Todessstoß versetzen wird.

Andererseits ist unsere Produktion von Biogas nicht besser, eher (noch) schlimmer. Um die flächendeckende Zerstörung durch Produktion von Biogas zu sehen, brauchen wir nur vor die Haustüre zu schauen. Wiesen werden mitunter bis zu sechs mal im Jahr gemäht. Supertraktoren mit „Butterflymähwerken“ (welche Ironie!) mähen in etwa eine Schnittbreite von 10 Meter und das bei einer Geschwindigkeit von um die 20 km/h. Das überlebt kein einziges Tier! Kein Frosch, kein Insekt und keine sonstigen Wiesenbewohner. Was dort an Tieren noch nicht zerhäckselt werden sollte, wird anschließend auf den Feldern zu Tode vergiftet. Aber auch die Bodenbiodiversität wird durch das Biogaskonzentrat – ausgebracht als Gülle – vollkommen vernichtet. Eine bunt blühende Wiese verliert bereits durch ein einziges Düngen mit diesem Substrat sämtliche Blumen. Nach mehrmaligem Düngen überlebt nur noch Weidelgras diese Tortur und selbst dieses dünnt von Jahr zu Jahr mehr aus. Rechnet man dann noch den enormen Dieselverbrauch der Traktoren, die Verdichtung der Böden … etc. dazu, stellt sich doch die Frage, wie dieses Verfahren zur Bioetikette kommt?

Man kann feststellen, dass nicht nur vielen Landwirten, sondern uns allen, sowohl das Gefühl für die Natur, als auch der Respekt vor ihr, restlos verloren ging. Das hochgelobte Mercosur Handelsabkommen wird dem (Rest-)Urwald wohl nun endgültig den Garaus machen! Großgrundbesitzer, welche zur Ernte- und/oder Fleischerzeugung „nur“ ein Feuerzeug brauchen, dürfen ihre Produkte dann zu Billigstpreisen bei uns verhökern. Natürlich werden wir diese Billigprodukte kaufen  – Ideologien hören meistens an der Theke auf! Peter Hauk, baden württembergischer Landwirtschaftsminister, sagte vor kurzem, dass in 2024 weniger Pflanzenschutzmittel als in den Vorjahren eingesetzt worden seien. Das Gegenteil ist der Fall! Die neuartigen Neonicotinoide sind ca. 7000 (www.mellifera.de) mal wirksamer als beispielsweise DDT. Eine Kurzbeschreibung zu Neonicotinoide:

Neonicotinoide sind hochwirksame systemische Insektizide, die über Wurzeln oder Blätter in die gesamte Pflanze aufgenommen werden und Schädlinge (saugende und beißende Insekten) durch Störung ihres Nervensystems töten, wobei sie als Kontakt- oder Fraßgift wirken und lange anhaltend sind, was sie besonders effektiv macht, aber auch massive Risiken für Nicht-Zielorganismen wie Bienen, Hummeln und Vögel birgt, da sie schon in geringsten Mengen zu Orientierungsverlust, Reproduktionsstörungen und Massensterben führen können. Die Gifte sind natürlich auch im Fruchtkörper vorhanden, der von uns gegessen wird.

Eine Kettenreaktion der Vernichtung beginnt: 

Die Äcker werden mit Pestiziden behandelt. Diese gelangen auf Nachbargrundstücke, in Gewässer und ins Grundwasser. Bodenbiodiversität wird getötet. Insekten an Land und im Wasser sterben. Vögel und Fische sterben. Ökosysteme brechen zusammen. Soweit sind wir bereits! Auf diesen Moment aber warten die Spezialisten unter den Insekten, die mit den bisherigen Giften nicht getötet werden können. Glasflügelzikaden und Japankäfer, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Natürliche Fressfeinde sind keine mehr da, die Nematoden im Boden vernichtet. Das ist genau die Basis auf welche diese Generalisten unter den Insekten gewartet haben. Im Badischen geht´s übrigens bereits los. Immer mehr deutsche Landwirte sehen bereits ihre Existenz durch diese Insekten bedroht. Landwirtschaftsminister Hauk hat aber eine einfache Lösung: noch mehr Gift – noch schnellere Zulassungsverfahren – bereits verbotene Gifte aus dem Giftkeller holen … usw.

Anderes Beispiel: 

Die Tigermücke breitet sich rasant aus und hat nahezu keine Fressfeinde. Frösche, Molche … etc. sind fast vollständig ausgerottet. Die Tigermücke überträgt Malaria, Dengue-, Zika- und Chikungunya-Fieber sowie das West-Nil-Virus. Zudem kann sie bei Tieren auch Herzwürmer übertragen. Aus diesen Gründen schlägt BAYER Managerin, Chefin von BAYER CropScience Deutschland, Karin Guendel Gonzales, Alarm! Kurz gesagt empfiehlt sie einen höheren Pestizideinsatz. Mit (noch mehr) Gift retten, was durch Gift aus dem Gleichgewicht geriet! So ein Denkansatz macht sprachlos?

Die Tigermücke wird aber zunehmend resistent gegen die gängigen Insektizide. Bereits heute gibt es zwei nachgewiesene Mutationen. Und jetzt …. ?

Ein Mitarbeiter eines Landwirtschaft Amtes sagte, ich zitiere: „früher war alles so bunt und farbenfroh, weil es die Landwirtschaft noch nicht besser konnte!“ Was soll man darauf antworten?

Noch heute wird in den Landwirtschaftsschulen gelehrt, dass es eine „Spritzschande“ sei, wenn in einer Ecke eines Kornfeldes noch eine einzige Blume blühen würde und dass ein Pferd mit seinen Hufen den Boden stärker verdichten würde, als ein Traktorgespann mit 40 to. Gesamtgewicht – auf mm³ bezogen … etc.

Wo fängt ein Umdenken an? An der Ladentheke, an der landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim, in den Landwirtschaftsschulen oder in der Politik? Wann fängt ein Umdenken an?         Zu spät, dessen bin ich mir sicher. 

Um aber von all dem abzulenken nimmt statt dessen unsere Regierung die Bevölkerung auf´s Korn. So gestattet sie einerseits der Landwirtschaft die vollständige Ausrottung aller Insekten stellt aber das Töten z.B.: einer einzigen Wespe unter Strafe. Kann es sein, dass ein Ordnungsgeld bis zu 5000,-€ verhängt werden würde? Es werden Fledermaustunnel und Fledermausüberflugschneisen und weiß was Gott noch alles gebaut, koste es was es wolle, gestattet aber parallel die Vernichtung der Lebensgrundlage dieser Tiere – absurd!

Warum berichten Sie nicht über unsere Meere und der abscheulichen, gnadenlosen Ausbeutung derselben? Wie dort mit den Tieren umgegangen wird?

Warum berichten Sie nicht über die brutale Ausbeutung unserer Wälder? Wie dort mehrmals im Jahr mit modernsten Vollerntern buchstäblich alles kurz und klein geholzt wird. Ein Bild der Zerstörung. Falls aber ein Bürger im falschen Moment einen Baum einkürzt, drohen ihm bis zu 50.000,-€ Strafe, verhängt von einem Staat, der vorgibt Umweltstandards mit einem FSC Siegel zu setzen, welches zwischenzeitlich zu 100% IKEA gehört. Diese Firma ist hauptverantwortlich für die Abholzung des nahezu gesamten europäischen Urwalds. Natürlich unter Einhaltung der FSC Standards!

Ich weiß nicht, was mit uns allen los ist? Mir scheint, dass wir alle unserer Instinkte und eines normalen Menschenverstandes beraubt sind. Irgendwann stellt sich doch die Frage nach dem „Warum“! Warum sind wir, wie wir sind und warum machen wir all diese Dinge? 

In welcher Welt wollen wir zukünftig leben? In einer schrillen, lärmenden und zerstörten Welt ohne Tiere und Blumen? Das würden auch wir nicht überleben. Es ist für uns alle beschämend, dass wir diesen Zustand herbeiführen und anscheinend resignierend akzeptieren. Ein happy end jedoch wird das nicht geben.

Lassen Sie mich mit der Weissagung der Cree-Indianer enden:

„ Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet ist, werden wir begreifen, dass man Geld nicht essen kann. “ 

Äschemittwoch

von Gottfried Schafbuch

gelesen von Ingeborg Jaag

Grau und näblig schliift de Morge
us em Fasnethas in Dag.
Iisig ischt’s, e bissig Lüftli
pfifet ibers ’s Schtudehaag.

A de Bämmli dont no pfladdre
ganzi Bändel grell Bapiir
und en Wearchschnauz samt de Nase
geitschet dert, a sell’re Tir.

I de Ohre heerscht all schuusre,
Narremarsch und Hanselgschell.
Duescht mit Gwalt dech ummidrille;
’s kunnt en Walzer uff de Schtell

Magscht dech wehre no so selli
geget ’s Fasnetgjugs und Gschroa.
Bringscht’s nitt loos, du muescht es heere,
siehscht dezue no ’s närrisch Doa

Endli duet de Schloof mol kumme.
Droome duet es dier reacht glii,
daß du uhni Hemb und Hose
sei-ischt bi de Fasnet gsii.

D’Litt schtond doo, dont uff dech dite;
lachet, daß du näckig bischt.
’s gilt en Ruck; jetz bischt verwachet,
freischt dech, daß ’s verloge ischt.

Niini schleet jetz d‘ Uhr im Schtübli,
d‘ Fasnet ischt verbei des Johr.
…. Äsche schtreut mer grad dim Gretli
i de Kerch uff’s Gruselhoor.

Storchenpaar auf St. Verena und Gallus

Storch auf St. Verena vor Vollmond

Fotos von Thomas Kring

Dieses Jahr war der 1. Storch schon am 27. Januar auf dem Kirchturm und inzwischen ist auch seine Frau hier. Exakt am selben Tag, dem 16. Februar, wie letztes Jahr.

Störche auf Verena und Gallus
Störche auf Verena und Gallus
Störche auf Verena und Gallus
Störche auf Verena und Gallus
Störche auf Verena und Gallus

16. Februar 2026

Die drei Storchenkinder am 18. Juni 2025

Die Dohlen auf St. Verena wären auch mal einen Artikel wert.

Am 25. Mai 2025 während Hüfingen spielt.

Storchenkinder

am 30.Mai 2025

Seit 16. Februar 2025 sind sie wieder zu zweit.

28. Januar 2025

22.07.2024 von Thomas Kring

Dieses Jahr gibt es drei Jungtiere die alle gut durch das nasse Frühjahr gekommen sind.


Fertig zum Abflug in den Süden

Thomas Kring am 14. September 2022


Thomas Kring am 29. Mai 2021

Gleich vier hungrige Schnäbel haben die Altvögel zu stopfen.

Weißstorch mit dem später getöteten Kücken am 21. Mai 2020

Störche auf St. Verena und Gallus

Thomas Kring am 7. Juni 2020

Seit 2018 brüten auf einem Wasserspeier der Kirche St. Verena und Gallus in Hüfingen Weißstörche (Ciconia ciconia). Der männliche Storch ist beringt (AU333) und kam 2019 und 2020 nach Hüfingen zurück. 2020 war auch das weibliche Tier zu identifizieren: A1Y92. Zusammen haben sie dieses Jahr drei Eier bebrütet. Allerdings ist daraus nur ein Küken geschlüpft.

Dem ein oder anderen ist es in den letzten Tagen wohl aufgefallen: Seit Ende Mai sind die Weißstörche nicht mehr da! Nur gelegentlich schaut mal ein Alttier vorbei. Was ist also geschehen?

Anwohner beobachteten am Mittwoch, 27. Mai 2020, einen Hubwagen und jemanden, der sich am Horst „zu schaffen machte“. Der Mesner, darauf angesprochen, schaute aus dem Kirchturm ins Nest und stellte fest, dass dieses leer ist. Die nicht ausgebrüteten zwei Eier und das Jungtier sind weg!

Ein Telefonat mit dem Weißstorch-Beauftragten des Regierungspräsidium Freiburg brachte Klarheit: Bei seiner Kontrolle des Horstes lag dort ein totes Küken, aber keine Eier. Seiner Aussage nach kommt es bei den Störche immer wieder zu Konflikten. Im Zuge einer solchen Auseinandersetzung wurde das Jungtier wohl von einem rivalisierenden Storch getötet. Die beiden beringten Weißstörche sind aber wohl auf und noch auf der Baar unterwegs.

Nun hoffen wir, dass im nächsten Jahr AU333 wieder nach Hüfingen zurück kommt und mit A1Y92 oder einem anderen Partner das Brutgeschäft wieder aufnimmt.

Hier die Aufnahmen aus den Jahren 2018-2020

2018 gab es das erste Nest. Hier ein Foto vom 6. April 2018. Damals konnten wir uns nicht vorstellen, dass dies funktionieren kann. Weitere Fotos von 2018 bis heute unten.

6. April 2018

Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation

Vorwort

13.02.2025 Hannah Miriam Jaag

Thomas Winterhalder aus Urach war von 1811 bis 1816 der Besitzer vom Haus Nober, dem damaligen Gasthaus „Sonne“. Seine 8 Kinder (von denen wohl nur Matthä, Maria, Karl und Thomas erwachsen wurden) gingen bei Luzian Reich senior in die Schule. Nach dem Tod seiner Frau verließ Thomas Winterhalder mit seiner Familie Hüfingen wieder, um in seiner Heimat bei Friedenweiler eine Uhrenwerkstatt einzurichten.

Vermutlich verband die Familien Reich und Winterhalder auch nach dem Umzug eine langjährige Freundschaft. So berichtet Lucian Reich junior in den Wanderblühten lange über seine wiederholten Urlaube in Friedenweiler und Umgebung bei Freunden. Ein Freund, dessen Namen er nicht nennt, war mit einer Uhrenschildmalerin verheiratet, die früh verstorben ist: https://hieronymus-online.de/die-beiden-schwestern. In den Wanderblühten beschreibt Lucian Reich auch mehrfach, dass damals viele Wirtshäuser von Frauen geführt wurden, sie aber einen männlichen „Beschützernamen“ hierfür brauchten, da nur Männer offiziell Geschäfte führen durften. Ebenso wie die Künstlerinnen, deren Kunst nicht unter ihrem Namen verkauft werden konnte. Auch drückt er seinen Unwillen, aber auch Verständnis, darüber aus, dass viele junge Frauen in die USA ausreisten, um ein eigenes Leben verwirklichen zu können.
Des Weiteren schrieb Lucian Reich damals die Hauschronik einer Schwarzwälder Schildmalers-Familie von Anton Kirner ab.

“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886).
Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller

Luzian Reich senior und Josefa Schelble 1866

Friedenweiler in den Wanderblühten

Friedenweiler 2022

Ahorn im März 2022

Geschichten zum Ahorn gibt es hier: https://www.historische-gasthaeuser.de/gasthaeuser-b/gasthaus-ahorn

Über das Haus Nober ist der Kontakt zu Dr. Peter Schlesselmann entstanden, der anlässlich der 950 Jahr Feier, am 20.10.2023, in Friedenweiler einen Vortrag zur Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation gehalten hatte.

Vielen Dank für die Überlassung des Textes!

Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation

Dr. Peter Schlesselmann 12.02.2025

1. Wo es begann: Kalte Herberge, Urach

Das Gasthaus Kalte Herberge ist am oberen Ende des Urach-Tals, 1370 zum ersten Mal erwähnt. Es ist zentral gelegen, am Durchgangsverkehr zwischen Breisgau und der Baar.

1.1 Thomas Winterhalder (1761 – 1838) auf der Kalten Herberge

Thomas Winterhalder war Uhrmacher, Wirt und Bauer auf dem Steighof. Seine Eltern waren Georg (1730-1783) und Veronika Winterhalder (1740-1809), Besitzer von Steighof und Gasthaus. Thomas kam am 15. Dezember 1761 als zweites von neun Kindern zur Welt.

Die Kalte Herberge und der Steighof (auf der anderen Strassenseite, 1989
abgetrennt)

Kalte Herberge im Schnee 1988

Schnee Fotos von Wolf Hockenjos

Thomas besuchte die Dorfschule in Urach und lernte in der Uhrmacherwerkstätte von Anton Dilger, dem damaligen Wirt auf der Kalten Herberge das Uhrenmachen.
Im Herbst 1789 reichte Thomas Winterhalder bei der fürstlichen Regierung in Donaueschingen ein Baugesuch ein, um einen Acker kaufen und eine Wohnhaus neben das Wirtshaus bauen zu können, was ihm erlaubt wurde (Mathisle Häusle, abgebrannt 1831, 1832 neu erbaut). Gleichzeitig war er noch Bauer auf dem Steighof, bis sein jüngster Bruder, Lorenz (1777-1853), sein Erbe als Steighofbesitzer antreten konnte (1798).
Im Mai 1792 feierte er seine Hochzeit mit Maria Mayer (1789-1813), der Tochter des Magremmebauern Franz Mayer aus Schwärzenbach. Auf der Kalten Herberge stellten sich nun nach und nach acht Kinder ein. Für die weitere Geschichte sind die Brüder Matthä, Karl und Thomas zu erwähnen.

2. Umzug nach Hüfingen

Thomas machte sich etwa 1810 als Uhrmacher selbständig. Allerdings entschloss er sich 1811 zum Kauf des Gasthaus „Sonne“ in Hüfingen und zog mit der Familie um. Den Kaufpreis von 4.347 Gulden für das Anwesen konnte er bar bezahlen, was sicher ein Zeugnis seines Wohlstandes ist. Das Gasthaus lag innerhalb der Stadtmauern, Hauptstr. 5, Ecke Ochsengasse, nahe zum südlichen Tor Richtung Döggingen.

Im April 1811 beantragte Thomas die Bürgeraufnahme für seine Familie. Warum Thomas Winterhalder nach Hüfingen umgezogen ist, lässt sich nur vermuten: zum einen die nicht endenden Kriegsverhältnisse, auf Grund dieser Verhältnisse waren wohl die Export-Möglichkeiten für Uhren sehr schwierig bis unmöglich, sodass das Einkommen mit dem Uhrenbau nicht gesichert war.

1811-1816 war Thomas Winterhalder Wirt in der „Sonne“. Über die Tätigkeit des neuen Sonnenwirtes und über den Geschäftsgang ist uns nichts bekannt. Es ist wohl anzunehmen, dass er, wenigstens nebenbei, auch die Uhrmacherei weiter betrieben hat. In einem Kassenbuch des Neustädter Uhrengroßhändlers Kromer aus dem Jahre 1812 (Stadtarchiv Neustadt) kommt ein Thomas Winterhalder vor, leider wird sein Wohnort nicht genannt, aber es könnte der Hüfinger Sonnenwirt sein.

Es liegt nahe, dass Thomas die Wirtsgeschäfte mehr seiner Frau überließ und nebenbei die Uhrenherstellung weiterführte. Die Kinder gingen wohl in Hüfingen zur Schule, Lehrer war damals Oberlehrer Reich, der Vater jenes Lucian Reich, der ein bedeutender Schwarzwaldmaler wurde.

Pater Winterhalder hatte in seiner Familien-Chronik das Gasthaus „Sonne“ dem Haus, Dögginger-Strasse 1, gegenüber der Weinhandlung Baum, zugeordnet, ausserhalb der Stadt, vor dem Stadttor und vor der Brücke über die Breg, was allerdings wohl nicht korrekt ist. Laut den Unterlagen zum Haus Nober, Hauptstrasse 5, erwarb urkundlich 1823 Johann Caspar Nober das Haus, durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder und dessen Pächter, Johannes Fischerkeller. Dieser baute danach, also nach 1823, dieses neue Gasthaus „Zur Sonne“, Dögginger Strasse 1. Dieses Haus brannte
1891 ab und wurde neu gebaut (Siehe: Haus Nober).

Leider starb 1813 seine Frau Maria, was sicher ein harter Schlag für die Familie mit 4 Kindern war. In diesem Jahr waren viele Truppen auf dem Rückmarsch von Russland und machten natürlich auch Halt in Hüfingen. Die Soldaten und Verwundeten brachten ansteckende Krankheiten (z.B. Typhus, Fleckfieber) nach Hüfingen „Es ist ein Elend, es sind kaum noch 10 -12 Häuser ohne Kranke vorhanden“ (Aug. Vetter, Chronik Hüfingen, S.266).

Ob seine Frau infolge dieser Krankheiten starb, ist nicht bekannt.
Nach dem Tode seiner Frau beschloss Thomas, das Gasthaus zur Sonne zu verkaufen (oder zu verpachten) und nach Friedenweiler zu ziehen. Ob er diesen Entschluss gleich fasste oder noch ein bis zwei Jahre wartete, ist nicht klar.

3. Thomas Winterhalder in Friedenweiler

Es gibt einen Kaufvertrag 1816 für das, „Alte Haus“ sodass der Umzug der Familie mit 4 Kindern nach Friedenweiler wohl 1816-17 stattgefunden hat. In seinem neu erworbenen Haus richtete er seine Uhrenwerkstatt ein und begann mit der Herstellung von Uhren. In welchem Ausmaß er tätig war und wieviele Angestellte er beschäftigte, ist nicht festzustellen. Allerdings war Thomas auch als Weinhändler tätig, wie später nach der Übergabe des Geschäfts an Matthä offenkundig wurde. Thomas gewann bald die Wertschätzung seiner Mitbürger, er war 1819-1829 Gemeinderechner in Friedenweiler.

Inzwischen waren die Kinder größer geworden. Matthä war ein tüchtiger Mitarbeiter in der Werkstatt des Vaters. Tochter Maria musste tüchtig zugreifen, um die Mutter zu ersetzen.

Die Söhne Karl und Thomas zeigten gute Begabung für das Studium. Offenbar war es Thomas, der zuerst zum Studieren bestimmt wurde, bald nach ihm begann auch Karl damit, wohl nachdem er die Grundschule beendete und auch schon mit der Uhrmacherlehre begonnen hatte. Es ist anzunehmen, dass die beiden in Donaueschingen das Gymnasium besuchten.

Thomas entschied sich zur zweiten Heirat. Seine Wahl fiel auf Marianna Straub aus Schollach, was sicher auch gut war für seine noch minderjährigen Kinder. Sie war am 14. Juni 1775 geboren, also 14 Jahre jünger als Thomas, der 45 Jahre alt war, als am 19. Juli 1820 in Friedenweiler die Hochzeit gefeiert wurde. Von Maria Anna Straub wissen wir nicht viel. Es sind lediglich zwei Schriftstücke da, wonach sie am 14. September 1830 ein Testament aufsetzte und 1838 eine Bürgschaft für 100 Gulden leistete.
1830 übergab er das Haus und das Geschäft an Sohn Matthä, die Eltern gingen ins Altenteil „Libding“ (d.h. eigene Wohnung im Haus). Ein Drittel des Krautgartens wurde ihnen belassen, und Matthä hatte die Auflage, den Garten alle Jahre gut zu düngen. Auf dem Acker am Rudenberger Weg konnten sie jährlich Kartoffeln setzen, auch dort hatte Matthä für die Düngung zu sorgen. Einmal im Tag durften sie eine Kuh nach Wahl melken, ein Schwein wurde jährlich für sie gemästet.

Altes Haus, Friedenweiler, ca. 1970, heute, Lindenstrasse 6

Im Erdgeschoss vorne und auf der rechten Seite sind jew. 3 Fenster, dort war sicher die Uhrmacherwerkstatt von Thomas Winterhalder. Dort lernte wohl auch sein Sohn das Handwerk (oder hat schon vorher in Hüfingen Kenntnisse erhalten).

Friedenweiler, Bildauschnitt aus dem Gemälde von Nikolaus Ganter

Uhren von Thomas Winterhalder

Welche Uhren hat er hergestellt? Bis jetzt wurde nur eine Uhr mit seinem Namen gefunden (es tragen auch nur wenige Uhren den Namen des Herstellers). Aber, wie in dieser Zeit (1780-1830) üblich, hat er wohl Lackschilduhren mit Holzplatinen, mit Holzzahnrädern oder Messing Zahnräder angefertigt.
Ob er auch Wanduhren, (wag on the wall – Postman’s Alarm clock), mit rundem Lackschildern für den englischen Markt hergestellt hat, weiss man nicht.

4. Matthä Winterhalder (1799 – 1863) in Friedenweiler

Eine entscheidende Wende im Leben Matthä Winterhalders brachte das Jahr 1830. Nach der Übergabe von Haus und Hof heiratete Matthä Johanna Höfler, 26 Jahre alt, sie stammte vom Kilianhof in Schwärzenbach. Der Ehevertrag gibt uns Einblick in die Vermögensverhältnisse der Brautleute. Matthä besaß damals ein Vermögen von 7.600 Gulden, von denen er 1.860 Gulden in die Ehegemeinschaft einlegte. Johanna Höfler brachte 1.300 Gulden, eine recht ansehnliche Mitgift. Erhalten ist auch noch eine eigenhändig geschriebene Liste von Dingen, die Vater Thomas noch zum Hochzeitsgut gab.

Nicht ganz ein Jahr waren die beiden verheiratet, da starb die junge Frau am 17. August 1831, sie hatten keine Kinder .
Im Januar 1832 heiratete Matthä Winterhalder ein zweites Mal. Er wählte Magdalena Beha, Ihr Vater, Johann Beha, war Pächter, des Schafhofes in Friedenweiler. Laut Ehevertrag betrug das Vermögen von Matthä Winterhalders 8.000 Gulden. Matthä und Magdalena Winterhalder hatten 7 Kinder: Für die weitere Geschichte sind Thomas (1834-1906), Karl (1836- 1918), Anton (1838,-1912) und Johannes (1842- 1916) wichtig.

Um die Jahreswende 1837 und 1838 wurde der Vater Thomas krank und starb am 9. Januar 1838. Nach seinem Tod wurde eine große Menge Wein, 2800 l, versteigert. Dies lässt darauf schließen, dass Thomas, der ehemalige Kalt-Herberge-Wirt und Sonnenwirt von Hüfingen, in Friedenweiler noch einen Weinhandel betrieb. Matthä hatte offenbar kein Interesse daran.

Die Erbschaft verbesserte Matthä´s Vermögensstand erheblich: Am Friedenweiler Gemeindeleben nahm Matthä Winterhalder regen Anteil. Er war in der Gemeinde ein angesehener Mann und wirkte von 1843 bis 1846 als Gemeinderechner und von 1852 bis 1863, also bis zu seinem Tode, als Gemeinderat.

Matthä Winterhalder

4.1. Uhren von Matthä Winterhalder, 1830-1860

Kunden in Vereinigten Königreich, (England, Schottland und Irland), der bedeutendste Markt dieser Zeit, waren besonders interessiert an Tischuhren („Biedermeier Uhren“) und drop dial-Uhren mit Voll-Messing-Uhrwerken. Diese Uhrwerke waren bekannt für ihre hohe Ganggenauigkeit. Um sich an die Marktbedürfnisse in England anzupassen, musste auch Matthä sich diesem Trend anschliessen denn die Herstellung und Einbau von Messing-Platinenwerken, brachte höhere Preise.

Tischuhr mit Holz-Platinenwerk
www.heimatmuseumschwarzwald.de
Matthias Hüttlin, Furtwangen

Drop-dial Uhr mit Messig-
Platinenwerk

5. Johannes Hofmeier (1802-1876) in Schwärzenbach

Als siebter von 9 Kindern kam 1802 Johannes Hofmeier auf dem „Ahorn“ in Schwärzenbach zur Welt. Seine Eltern waren Joseph Hofmeier (1758 – 1825) und Katharina, geb. Bär (1764-1812), sie heirateten 1789. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1812 heiratete Joseph Hofmeier Anna Willmann (1767-1840). Wie so viele Söhne von Schwarzwälder Bauern, die keine Aussicht hatten, den Hof zu erben, lernte er Uhrmacher. Auch seine Brüder Georg (1800-1825, Uhrenhändler, + Spanien), Fidel (1798-1869), Jakob (1807-1835, Uhrenhändler, + Spanien) und Martin (1809-1880, Uhrenhändler in England) wurden Uhrmacher.

Wer sein Lehrmeister war, ist nicht bekannt. Es muss aber ein fähiger Meister gewesen sein, denn er machte aus Johannes einen ausgezeichneten und gewandten Uhrmacher, darüber hinaus aber auch einen unternehmungsfreudigen Geschäftsmann, der seinen Betrieb zu einer großen Firma ausbauen konnte. 1825 starb sein Vater der schon vorher ins Libding gegangen war. Den Hof und das Gasthaus „Ahorn“ hatte er seinem Sohn Fridolin überlassen.

Ahornhof, Schwärzenbach

Johannes kaufte am 25. Mai 1836 dasAhornhäusle von seinem Bruder Fridolin. Es ist zu vermuten, dass er schon vorher dort gewohnt und seine Uhrmacherei dort betrieben hat.
Schon vor dem Kauf des Hauses war Johannes auf Brautschau gegangen. Er heiratet 1832 Agatha Mayer vom Magremmehof. Sie war vier Jahre jünger als er, geboren 1806. Lange mussten sie auf ein Kind warten. 1838 kam eine Tochter, Elisabeth, zur Welt. Es war eine schwere Geburt, die junge Mutter starb leider kurz danach, erst 32 Jahre alt.
1839 heiratet Johannes zum zweiten Mal, Maria Mayer (1812-1897), die Schwester seiner ersten Frau.
Wie man auf den Bild hier sieht, war er ein stattlicher Mann.

Hier sind noch Bilder von ihm in späteren Jahren, und seiner 2. Frau, Maria (Gemälde wohl von Dionys Ganter).

Laut Winterhalder Chronik von Pater Christof Winterhalder, war Johannes Hofmeier wohl 14-mal in England. In seiner Chronik hat Pater Winterhalder diese Reisen etwas ausgeschmückt, als wäre Johannes Hofmeier und manchmal auch sein Bruder Martin, der Uhrenhändler in Birmingham war, zu Fuss mit Krätze und Uhren nach England gereist. Es war aber schon damals üblich, Uhren, in Kisten gepackt, per Spedition in die Zielländer, Frankreich England oder Russland, zu transportieren.
Laut einer Anzeige im Bericht in Gewerbeblatt für den Schwarzwald, im Dez. 1852, organisierte damals schon die Spedition Johann Michael Widt, Strassburg, den Transport von Neustadt, Furtwangen oder Triberg nach London innerhalb von 10 Tagen!

Die Kosten waren:
Nach Strassburg: 1 Gulden / Zentner
Strassburg bis London: 3 Gulden / Zentner
Über Frankreich nach England : 2 Gulden / Zentner

Die Uhren wurden in grosse Holzkisten, ca. 2 x 0.6 x 0,6 m verpackt, geschützt durch Stroh oder anderes Material. Manchmal wurde auch noch Speck oder Butter mit in die Kisten gepackt, damit die Uhrmacher nicht auf einheimische Kost verzichten mussten.

Ausserdem ist zu bedenken, dass das erste Dampfschiff schon 1838 bis Basel kam, und 1847 die Eisenbahn bis Freiburg gebaut war. Die Tulla Rheinbegradigung (1817-1876) war im nördlichen Teil schon weit fortgeschritten, südlich von Breisach dauerte es etwas länger. Wie hoch die Preise für Kutsche, Eisenbahn oder Schiff waren, ist nicht bekannt.

5.1. Johannes Hofmeier Uhren

Johannes Hofmeier fertigte überwiegend Uhren mit Holz-Platinenwerken, eine Uhr mit Messing-Platinenwerk mit seiner Signatur wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Seine bekannten „Drop-dial Uhren“ mit eigener Uhrenkasten-Form oder typischer englischer Form findet man öfters.

R.Constable,
London

Heitzmann &Co, Cardiff

Wehrle, Cambridge

C.J.J. Ketterer, Ware

Drop dial Uhren mit und ohne Schlag

6. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation
6.1. Zusammenschluss der Firmen

Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen, Winterhalder, Friedenweiler und Hofmeier, Schwärzenbach erfolgte wohl ca. 1850-1860. Das genaue Datum ist unbekannt, da keine Geschäftsunterlagen oder Steuerunterlagen mehr vorhanden sind.
Es könnte Johannes Hofmeiers Idee gewesen sein, die Verwaltung und Uhrenherstellung beiden Firmen zu zentralisieren und ein gemeinsames Marketing zu nützen, um Produktsortiment aus der heimischen Uhrenherstellung bereitzustellen, das mit einer grossen Uhrenfabrik konkurrieren konnte (siehe auch Preis-Courant von ca. 1875). Diesen Punkt kann man auch darin sehen, dass in den 1860er Jahren Kuckucksuhren von Baptist Beha ins Sortiment kamen, zum Teil aber auch eigene Entwicklungen auf Basis der Beha Uhrwerke erfolgten. Später wurden aber Kuckucksuhren wieder aus dem Sortiment genommen. Es bestanden ausserdem verwandtschaftliche Beziehungen, der Sohn von Matthä, Anton, arbeitete bei Hofmeier und heiratete 1864 seine Tochter Elisabeth.

Firmengründer (1. Generation) waren also Matthä Winterhalder (1799 – 1863), hervorragend im Nutzen von Innovationen, Entwicklung neuer Uhrwerke und andere Uhrenformen, und Johannes Hofmeier (1802-1876), führend in Nutzen von geschäftlichen Beziehungen in England, aber eher konservativ in Bezug auf Technik. Einen grossen Einfluss auf der Hofmeier Seite hatte sicher seine Tochter Elisabeth.

Man stellte sich wohl erst allmählich auf Tischuhren, Standuhren und Wecker um. Je mehr aber der Export nach England aufblühte, umso mehr wandte man sich der rentableren Herstellung der für England bestimmten Uhren zu und überliess die Anfertigung der Kuckucksuhren anderen Betrieben.

Etikette mit Datum 2.8.67,
also nach dem Tod von M. Winterhalder (1864)

6.2. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, oHG

Die Söhne von Matthä Winterhalder, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. hatten ja beim Vater Matthä in Friedenweiler das Uhrmacherhandwerk gelernt Anton Winterhalder arbeite nach seiner Lehre bei Johannes Hofmeier in Schwärzenbach.
Matthä Winterhalder starb 1864, sodass seine Söhne nun im gemeinsamen Geschäft mit Johannes Hofmeier vertreten waren. Ab 1869 wurde die Firma in eine neue Rechtsform, offene Handelsgesellschaft (oHG) in Schwärzenbach, übergeführt.

Gesellschafter: 2. Generation:
Winterhalder-Seite: Söhne von Matthä:

Thomas (1834-1906), Anton (1838-1912), Karl (1836-1918), Johannes sen. (1842-1921)
Hofmeier-Seite:
Johannes Hofmeier (bis 1876), Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899), Frau von Anton Winterhalder
Nach dem Tod von Johannes Hofmeier war von der Hofmeier Seite nur noch Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899) als Ehefrau von Anton Winterhalder vertreten, der Name Hofmeier im Firmenname wurde deshalb beibehalten.

Die Herstellung der Uhren war wie folgt verteilt:
Herstellung Uhrenteile
Thomas (1834-1906), Friedenweiler, (Strandbadstrasse 6 / Schwesternhaus)
Herstellung Uhrwerke
Karl (1836-1918), Friedenweiler, Altes Haus, Lindenstrasse 6, Werkstatt und Haus vom Vater
Johannes (1842-1918) Neustadt, Wohnhaus und Fabrik, Scheuerlenstrasse 3 (37)?), Gesamtleitung der Firma ab 1870.
Herstellung Uhrwerke, Uhrwerke in Gehäuse einbauen und Vertrieb
Anton (1838-1912), Schwärzenbach, Haus 19a. Übernahme Werkstatt Hofmeier (nach dem Tod von Johannes Hofmeier). Gesamtleitung der Firma bis 1869.

W & H Wanduhr (Postman´s – wag on the wall clock) für den englischen Markt

6.3. Uhren aus der Zeit 1860-1870

Die folgende Uhren sind wohl in der Zeit von 1860-1870 entstanden. Leider lässt sich keine genaues Entstehungsjahr finden, da keine Kataloge oder Markierungen vorhanden sind. Es sind Holz-Platinen- oder Messing-Platinen-Uhrwerke verbaut.

7. Entwicklung in Schwärzenbach

Während des Krieges 1870/71 stockte das Geschäft, da viele Arbeiter eingezogen waren oder dienstverpflichtet wurden. Dann blühte das Geschäft aber mächtig auf, und Anton mußte an eine Erweiterung der Arbeitsräume und an Neubau denken.
Am 25. November 1873 übergab Johannes Hofmeier das ganze Anwesen seiner Tochter. Er war damals 71 Jahre alt. Zweieinhalb Jahre später, am 22. März 1876, starb er.
Kurz nach dem Tode seines Schwiegervaters entschloß sich Anton zum Bau eines neuen Hauses östlich neben dem alten „Ahornhäusle“. Noch 1876 wurde der Bau begonnen. Nach seiner Fertigstellung verlegte er die Uhrmacherei in die neuen Räume, weshalb das neue Haus auch einfach die „Uhrmacherei“ hieß. Er selbst zog mit seiner Frau ebenfalls in dieses Haus.

Mitarbeiter in Schwärzenbach, vor dem Ahornhäusle

Nach und nach wurden weitere Häuser und Werkstätten um das Stammhaus „Ahornhäusle“ mit dem Anbau für Matthä und seine Frau Elisatbeth herum gebaut. Es kam die die Packerei/Holzmagazin (1874), die Schreinerei, die Meisterwohnung D. Kleiser und das Haus für Bernhard Kleiser dazu (1878).

8. Entwicklung in Neustadt

Schon 1869 war als Sitz der Firma Neustadt festgelegt und ins ins Handelsregister eingetragen worden. Antons Bruder Johannes Winterhalder hatte 1873 einen Teilbetrieb der Firma M. Winterhalder und Hofmeier nach Neustadt, in der Scheuerlenstraße gegründet. Er baute ein Wohnhaus mit Werkstätten und Büros, Die Uhrmacherwerkstätten wurden dort im ersten Stock links untergebracht, während rechts die Büroräume lagen. Im zweiten Stock des Neubaus hatte Johannes seine Wohnung. Damit war die erste Niederlassung eines Teilhabers der Firma M. Winterhalder und Hofmeier in Neustadt begründet.

Im Jahr darauf, am 26. Mai 1874 feierte Johannes in Friedenweiler seine Hochzeit mit Emma Oberle aus Saig, Tochter des Saiger Oberlehrers Joseph Oberle, geboren 1850. Trauzeugen waren Karl Winterhalder, der Bruder des Bräutigams, und Adolf Oberle, der Bruder der Braut, der der erste Geschäftsreisende der Winterhalder-Firma wurde. Es war ihm eine Selbstverständlichkeit, dass er seine Arbeiter gut behandelte. Er bezahlte ihnen immer Stundenlohn, während zum Beispiel sein Bruder Anton fast nur im Akkord arbeiten ließ, allerdings in einem gut angesetzten Akkord. Dabei war er aber nicht etwa unwirtschaftlich in seiner Betriebsführung, sondern leitete seine Firma gut und rentabel. Dementsprechend waren seine wirtschaftlichen Verhältnisse immer sehr gut Die Winterhalder in Neustadt erweiterten natürlich auch ihren Besitz mit zusätzlichen Häusern für ihre Kinder.

9. Entwicklung in Friedenweiler

Thomas (1834-1906) und Karl (1836-1918), Winterhalder hatten ihre Werkstätten in Friedenweiler. Karl im Elternhaus, Lindenstrasse 6 (Altes Haus) und Thomas in seinem Haus
Strandbadstrasse 6 (später Schwesternhaus). Beide fertigten Uhrwerke, die In Schwärzenbach in Gehäuse eingebaut wurden. Karl heirate 1864 Katharina Kirner (1841-1897) aus dem Kleineisenbächle. Sein Ansehen war sehr gross, er war 1870 – 1885 Bürgermeister von Friedenweiler. Er baute 1873 das „Neue Haus,neben dem „Alten Haus“.
Sein Sohn Adolf (1883-1954) übernahm später das Haus. Thomas war sehr eigenbrötlerisch und sein Lebtag ein eingefleischter Junggeselle. Er wollte bei seiner Arbeit allein sein und frei über seine Zeit verfügen können. Er machte deshalb seine Uhrenbestandteile allein für sich in der kleinen Werkstätte in seinem Haus, das er sich am Weg zum Klosterweiher erworben hatte. Er arbeitete sehr exakt, und seine
Arbeit erbrachte ihm jedenfalls soviel, dass er in geordneten finanziellen Verhältnissen lebte . Er war ein Individualist, groß gewachsen. Wenn er ausging, trug er immer einen dunklen Havelock, einen Herrenmantel mit langem Pelerinenkragen. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein Gesicht.

10. Entwicklung in Rudenberg

Matthäus (1868-1937), Sohn von Karl Winterhalder, erbte 1893 durch Heirat das Haus Nr. 28 in Rudenberg. Matthäus, ausgebildeter Uhrmacher, war eher ein Einzelgänger. Er baute in seinem Haus Uhren und Uhrenbestandteile, Joseph, ebenfalls Sohn von Karl Winterhalder, kaufte 1895 den Kirnerhof (Haus Nr.10). Er hatte Uhrmacher gelernt, war aber unzufrieden mit seiner Rolle im Firmenverbund. Er
war zuständig für die Transporte der Uhrenteile von Friedenweiler nach Schwärzenbach und Neustadt, deshalb gab er diese Aufgabe auf und widmete sich nur noch der Landwirtschaft.

11. W & H Firmen-Etiketten mit Medaillen

Die Firma Winterhalder & Hofmeier beteiligte sich mehrmals an Ausstellungen im In- und Ausland und erhielt dort mehrere Medaillen, die sie natürlich stolz auf ihren Firmen-Etiketten zeigten.

Goldene / Silberne Verdienstmedaille
Freiburg/Brsg (1887)

Verdienstmedaille Wien 1873, III. Preis-Medaille Melbourne (AUS) 1881

11. Preis-Courant von ca 1875

Als einziges Dokument aus der Zeit von 1870-1875 ist eine Preisliste (Preis-Courant) vorhanden. Daraus lässt sich die Vielfalt der angebotenen Uhrentypen erschliessen. Es scheint, dass die Firma sich nach aussen als Lieferant aller typischen Schwarzwalduhren darstellen wollte. Allerdings ist wohl klar, dass sie, auf Grund der geringen Mitarbeiterzahl sicher nicht alle Uhren selbst herstellen konnten, sondern nicht selbst produzierte Typen zukauften.

12. Uhrentypen aus der Zeit 1880-1900

Einer der schönsten Kataloge von W&H stammt von ca. 1890. Zusätzlich gibt es noch einen Preis-Courant, der Einblick in die Vielfalt der hergestellten Uhrwerktypen und die verlangten Grosshandelspreise gibt.
Es wird angenommen, dass die dort gezeigten Uhren sicher zum Teil auch ab ca. 1880 hergestellt wurden. Eine eigene Uhrenkastenschreinerei war ja schon ca 1870, mit dem Meister Philipp Kirner, eingerichtet worden. Es wurden aber immer noch Gehäuse zugekauft. Es sind nun auch eigene Entwürfe von Gehäusen zu sehen. Ob diese zu grossem Umsatz geführt haben, lässt sich natürlich nicht herausfinden, es fehlen detaillierte Geschäftsbücher. Lediglich ein Kontobuch, wohl von Winterhalder in Friedenweiler ist aufgetaucht. Darin finden sich Angaben über die Zeit von 1901-1909 (und die Zünder-Produktion in den Jahren 1914-1917).

13. 1885-1914: Die besten Jahre

Ob alle Uhrengehäuse selbst in der eigenen Schreinerei gefertigt wurden ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, das Gehäuse mit aufwendigen Schnitzereien ( wie Nr. 321, 325, 349, 351 entweder als Teile oder als Ganzes zugekauft wurden. In der Chronik von Eisenbach (Auf dem hohen Wald,(1991), S.192) wird Rupert Wehrle als Lieferant von Uhrenkästen für Winterhalder & Hofmeier erwähnt (1891). Eventuell wurden auch Uhrwerke nach England geliefert und in dort zugekaufte Uhrengehäuse eingebaut. Es gibt einige Beispiele, bei denen in identischen oder ähnlichen Uhrengehäusen englische Uhrwerke zu finden sind, also dort hergestellt worden waren. Dazu kamen bei den neuen Uhrengehäusen auch künstlerische Messing-Applikationen, die sicher zugekauft waren. Die schönen, aufwendigen Zifferblätter wurden in Eisenbach bei Johann Hogg hergestellt.

Zifferblätter von Kaminuhren, Johann Hogg, Eisenbach.
Ähnliche Zifferblätter findet man auch in Standuhren

Laternenuhren, um 1900, ca. 40 cm hoch, Messing.
Das Gehäuse der Laternenuhren wurde wohl in Friedenweiler gefertigt, dies ergibt sich aus Eintragungen in einem Kontobuch von 1901-1909 (Leihgabe Norbert Winterhalder, Friedenweiler). Die Applikationen wurden sicher zugekauft.

14. Geschäfts-Rückgang, 1900-1903

In den Jahren 1900-1903 gingen die Umsätze stark zurück. Die junge Generation, besonders Ludwig und Linus Winterhalder, führten das auf die veralteten Uhrenmodelle zurück. Nach sicher heftigen Diskussionen überliessen die Senioren, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. (alle über 60 Jahre alt) die Entscheidungen der jüngeren Generation. Ludwig und Linus Winterhalder forcierten den Umbau auf neue Modelle, wobei die reduzierte Produktion der alten Modelle wegen Bedenken aus Friedenweiler beibehalten wurde. Ludwig und Linus bauten die Fabrikation in Neustadt durch Errichtung neuer Gebäude für Werkstätten und einer Gehäuseschreinerei aus. Der Absatz stieg nun wieder merklich an. Den neuen Stil kann man in den Katalogen der folgenden Jahre sehen. Auch in den Bildern
des Ausstellungsraums von 1908 lässt sich das feststellen.

Ausstellungsraum, um 1900 (aus:“In die Neue Zeit (1999))

15. Winterhalder & Hofmeier oHG ab 1909

In den Jahren 1908-1909 zog sich die ältere Generation, die Söhne von Matthä Winterhalder, Thomas, Karl Anton und Johannes, alle geboren 1834-1842, vollständig aus dem Geschäft zurück und die junge Generation, Söhne von Anton und Karl Winterhalder übernahm offiziell die Firma. Die Firma lief nun unter dem Namen M. Winterhalder & Hofmeier GmbH Neustadt (Baden).

16. Neuer Stil der Uhrengehäuse, ab ca. 1901

In der Übergangsphase wurden die neuen Gehäuse noch mit althergebrachten Zifferblättern, reich verziert ausgestattet. Später findet man nur noch die einfachen silberfarbenen Zifferblätter.

Der neue Namen der Firma, M. Winterhalder & Hofmeier, Neustadt (Baden) wurde nun auch als Markierung auf den Uhrwerken verwendet.

17. Handelsagenten in UK und USA

Winterhalder & Hofmeier arbeiteten als Uhren-Grosshändler mit Uhrengeschäften in UK und USA zusammen. Dabei wurden sie durch ihren Vertreter (Geschäftsreisenden) in England, Adolf Oberle (Saig), (1846-1927), unterstützt. Er war der Schwager von Johannes sen. Winterhalder. Gelegentlich war auch Linus Winterhalder in England. Er hatte ja seine Ausbildung in Buchhaltung und Finanzwesen in England gemacht und hatte auch einige Monate bei Camerer & Kuss, London gearbeitet.
Die Haupt-Abnehmer ihrer Uhren waren:
Morath Brothers, Liverpool und Nordengland
Beringer Bros (aus Langenordnach) in Belfast, Irland
Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)
Lorenz Fehrenbach, London
Kleyser & Laule, Kleyser & Tritschler, Oxford Street, London
In USA war es die Firma J.E. Caldwell & Co in Philadelphia.

Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)

Was noch übrig bleibt

Es ist wirklich vorbei…
Heute ist nichts mehr übrig von der ruhmreichen Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, wie bei vielen bekannten anderen Uhrenfabriken im Schwarzwald.
In Schwärzenbach erinnert nur noch die umfangreiche Sammlung von W&H Uhren im „Cafe Feldbergblick“.


Herr Vogelbacher hat viele seiner Schätze direkt im Cafe ausgestellt, lohnenswert.

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation incl. aller Abbildungen aller bekannten Uhren und Uhrwerke, der Geschichte der HAWINA, Standuhrenfabrik, Hans Winterhalder, und vielen Katalogen von W&H sind im Buch „Winterhalder & Hofmeier aus Friedenweiler, Schwärzenbach und Neuststadt, 1816-1932“ zu finden.
Das Buch (328 Seiten, 40€ + Versand) ist erhältlich über:
winterhalder.hofmeier@gmail.com
Peter Schlesselmann

De Schniederli Ferdl

von Dr. Martin Fehrle

De Schniederli Ferdl

Ende Febr 2019 ischt er gschdorbe, de Schniederli Ferdl. Er ischt 88 Johr alt wore. Uf d´Welt kumme ischt er z Ase, i dem Dorf, wo au ech uffgwaße bi, bloß 19 Johr vor mir, also 1930. De Vaddr ischt  de Burgwirt gsii und e Landwirtschaft het er au gha. D’Aasemer Burg giits immer noch, au wenn us de alte Dorfwirtschaft hit e renommierts Restaurant wore ischt. Es het on Michelin Stearn und dodemit on vu dri Michelin Stearn z’Ase. Di andere zwo gheered em Ösch Noir im Öschberghof. Au säll Restaurant ischd uf Aasemer Gmarkig. So het es z’Ase bi uugfähr 1200 Iwohner drei Michelin Stearn. Wievil miesd es also z’Berlin gäa bi uugfär 4 Millione Iiwohner? 

„Burg“ in Aasen, gemalt 1948 von Ernst Fehrle 1948

I d Volksschuel isch de glei Ferdl nu e baar Johr gange, er het nämli en beese Fueß gha, au vu de Middelschuel het er nit älli Johr mache kinne uus em gliiche Grund. Nooch de Middelschuel het de Ferdl e landwirtschaftlichi Lehr gmacht uf de Hochburg bi Emmedinge. Säll het im abr nit glanget und so isch er denoo gi Bad Kreuznach gange zu ne re Uusbildig im Wiibau. Wo säll ferdig gsi ischt, het de Ferdl gsait: So etzt dät ech gern schdudiere. Dodefir het mr abr i de Fuffzgerjohr s Abidur bruucht. Wie kriegt mr abr etzed s Abidur mit e baar Johr Volks- und Middelschuel? Mr mues halt s wildi Abidur mache, säll hoaßd, mr mues fer sech lehre und deno ame Gimnasium mit de normale Schieler zemme d Abidurspriefung mache. So ischd de Ferdl mit ugfär 25 Johr zu mim Vaddr kumme und het gfroged, ob er im viliecht helfe kinnt bi de Vorbereitung uff die Abidurspriefung. Min Vaddr het mit em Ferdl deno Dietsch und Gschichte gmacht, und zwoa Kolleginne vu mim Vaddr hond au gholfe: D Frau Aleck het mit em Ferdl Mathe und Chemie gmacht und d Frau Lienhard, d Schweschtr vum Landrat Englisch. D Priefung het de Ferdl deno abr aloanig mache mieße und er het si bschdande. So ischd er i de Middi vu de Fuffzgerjohr gi Schtuegert Hohenheim gange und het Landwirtschaft schdudiert. Wo n er denn Diplomlandwirt gsi ischd, het er gsait: Etzted mach ech no de Dokder. De frischbache Dokder agr. isch deno bald gi Friburg gange und het sech dert am Schdaatliche Wiibauinschdidut mit Bedriebs- und Arbetswirtschaft beschäfdigt.

Gege Ende vu de Fuffzgerjohr het de Ferdl emol de Ekkehard vum Scheffel vu mim Vaddr uusglie. Wo ner des Buech widr zruck broocht het, han echs au gläse. Es ischt min erschde Roman gsi und ech war grad emol 10 Johr jung. 

Solang de Ferdl no Junggsell gsi ischt, ischt er ämmel gern am alde Obed zu isere Famili gi Ase kumme. S hät selber gmachti Sülz zum Esse gäe und de Ferdl het mir e klaini Dischkanon mitbroocht. Sälli het mr entwedr mit eme Schdriichholz oder zum Helzli-Schbare mit ere Kerz zinde kinne. D Kerz het mr abr schnell vu de Zindschnuer wegziehe miese, sunscht het die Druckwelle d Kerz uusbloose und mer het koni Schdriichhelzli gschbart. Abr Feinschtaub het sälli Dischkanon vil wenigr gmacht wie di hittige Rakete.

Mini Eltere hond i sällere Ziit koa Audo gha und so isch es fer mech a bsunders Vergniege gsi, wenn de Ferdl ab und zu am Sunndig mit sim Käfr kumme ischt und iis zum e Fährlti an Bodesee oder zum Feldberg iiglade het. 

Modorradfahre isch au e Hobby vum Ferdl gsi, bis er i sällere 180 Grad Kurv vum Feldberg abi is Wisedal usgrudscht ischt. Ech woaß nimme, ob en Eelfleck uf de Schdrooß war. Jedenfalls isch de Ferdl mit eme brochene Boa, säll wo vu Kinderziite her krank war, wochelang z Friiburg i de Klinik glege, bis mer im gsait het, dass mr sell Boa ambudiere mueß. Siit sällere Ziit het de Ferdl e Holzboa gha.

Ende vu de Sächzgerjohr han ech z Friiburg aagfange Chemie zum Schdudiere. Fer en Schdudent wars kon Fähler, nebebei e weng Geld zum Verdiene. De Ferdl war i sällere Ziit scho Leitr vu de Abteilung Bedriebs- und Arbeitswirtschaft am Wiibauinschdidut und ech ha im schdundewies helfe derfe. So han ech emol a riisigi Tabelle gmacht, wo mr het ablese kinne, wie lang en Wiibur fer onn Hekdar Rebe bruucht abhängig vum Ziileabschdand und vu des Bulldog-Gschwindigkeit. Ech ha defier e mechanischi Rechenmaschie vu Olivetti gha und sälli Maschie rechdig zum Rauche broocht. Mr het de Dampf vum Eel gschmeggt. 

Scheen isch au gsi, dass ech ha debei si dirfe bei de große Wiiprobe vum Inschdidut. Wemmr z Ase, also innere Biergegend uffgwaße ischt, isch Wii scho e neii Erfahrig, vor ällem wenn de Wii vu Brofis vorgschdellt wurd. Und als Insdidutsmitarbeiter han ech au no 50 Brozent Rabatt kriegt bim Wii-Ikaufe.

1973, de Ferdl waar scho mit de Eva verhiiroded und het zwei gleini Buebe gha, hond mier die Schnapsidee zue nere Schdudiereis gi Italie gha. S Thema wared die Vulkan und ihre Folge. En Doal vu de Vorbereitig war e ganz dolli Pompeji-Usstellig in de Villa Hügel z Esse. Also sind de Ferdl und ech mit Audo und Zelt gi Italie gfaare, am erschde Dag bis zum Trasimener See, am zweite bis gi Neapel. Gfare bin ech. Vum Audobahnend in Caserta bis zu iiserem Quardir im Stadtzentrum hommer 2 Schdund bruucht. Links en Fiat, rechts en Fiat, vorne en Fiat, hinne en Fiat und älli imme Abschdand vu 5 cm. Am andere Morge sin mir deno z Fueß i de Stadt gsi und am Nochmidag het de Ferdl gsait, er sei krank und ech mies in sofort zum Flueghafe bringe, er mieß hoam fliege. Säll han ech nadierlich nit gmacht, sondern en Dokder organisiert, wo gsait hat, de Ferdl sei nit reisefähig. Jetzt wa mache? Gott sei Dank hond mier d Adress vum Hermann Keller gha, vum Sohn vum Sauna-Keller z Eschinge, wo i sellere Ziit als Inscheneer z Neapel gschafft het. De Herman  Keller het e Huus gha in Baia Domizia am Meer und gnueg wiit weg vu dem Chaos vu Neapel. Säll Chaos war nämlig de Grund fer die Kranket vum Ferdl. De Krach, de Dreck, des Durenand hond em Ferdl uf de Kreislauf gschlage. Also han ech de Ferdl zu de Famili Keller gi Baia Domizia gfare, bi wider zruck gi Neapel, ha mi Auto mit vil Gottverdraue vor iserem Quartier parkt und ha am Obed s Schiff gi Stromboli gnomme. Dert bin ech am friee Morge akumme, ha e Privatquartier bimme Rentnerpaar us München gha, ha de ganz Dag am Schdrand verblemberet und bi deno am Obed 3 Stund lang zum Gipfl uffgschige. De Hauptkrater war e weng unterhalb vum Gipfel und älli Viertelschdund het de Vulkan gschbuggt. Di meischt Lava ischt widr zruck i de Krater gfloge, bloß en kloane Doal de Hang abi is Meer. Es het dolli Fotos gäa. Am Morge mit em erschde Liecht bi ech widr abgschige, ha de ganz Dag am Schtrand verschlofe und am Obed widr s Schiff gi Neapel gnomme. Derd hets Audo brav uf mech gwarded und ech bi widr gi Baia Domizia gfare. Wie erwartet hat sech de Ferdl i sellere Rue vu Baia Domizia und dank de guete Pfleg vu de Familie Keller vollschdändig erholt und mir hond iser Programm wiiter mache kinne. Etzed war zerscht de Vesuv dra. Mir hond im valle del cavallo, säll ischt e dal zwischem Krater vum aalde monte somma und em neie Vesuv, zelded.

Unser Zeltplatz im Valle del Cavallo am Vesuv

Zum Kraterrand vum Vesuv hätt mr scho e baar hundert Meter uffeme zimli schteile Weag uffi lauffe miese. Koa Problem fer de Ferdl mit sim Holzfuaß. Denoo wared die Folge vu sällem Usbruch dra: Pompeji und Herculaneum. I beide Oart ware mir vum Morge bis zum Obed und de Ferdl hät koa Problem demit kha, zwoa Täg lang dorch die zwoa Ort z laufe. Uffm Wäag gi Sizilie simmer nadierli au gi Paestum kumme. Scho wider mindeschdens en halbe Dag zum Laufe, wel mr au s Museum hät agugge mieße. Vor Reggio Calabria, wo d Fähri gi Messina abgoot, hommer noch en Abschdecher zum Aspromonte gmachd, wo sech dozumol de Garibaldi umme dribbe het.

Ferdl am Kraterrand des Vesuv

I irgend onere Beiz, wo mier uffem Weag z Obed gässe hond, hommer im italienische Fernsehe gsähe, wie in Neapel die Schdrooße kalkt wore sind als Desinfektion gege Cholera. Zimli schnell hommer gwißt, dass die Inkubationsziit bei Cholera bloß 12 Schdunde ischt. Es wared scho wiit me als 12 Schdunde, dass mier z Neapel Muschele gesse hond. Also älles klar! Etzed war de Ätna dra. Mit em Audo hommer bis Nicolosi uf 1900 m fahre kinne. Deno isches no e Stuck wiit mit de Soalbaa gange, weli grad nit hii war. Aber die letschde baar hundert Meter uffi zum Hauptkrater hommer mieße z Fuaß laufe. Koa Problem fer im Ferdl sin Holzfuaß. Obe am Krater hommer Bsuech kriegt: Uf oamol ischt im große Boge en Schdoa vor iis glandet. Zerscht han ech mir dra d Finger verbrennt, aber nochher han ech den neugeborene Schdoa mit mim Dascheduech abidrait. Die Brandschbure am Dascheduech kammer hit noch sene. Nochem Ätna hom mier eigentlech um die ganz Insel ummi fahre welle: Syrakus, Agrigent, Selinunt, Segesta, Palermo,Taormina. Aber wege de Cholera hond die Italiener i de Zwischeziit die Schdränd vu Sizilie gschberrt. Also wars nint mit de Inselumrundung. So sind mir halt wider abzoge, hond no drei Däg lang in Scilla an Odysseus denkt und sind dann  imme große Boge um Neapel ummi i die Albaner Berg gfüchded. Dert giits e dolls Bild vum Ferdl imme Ruaderboot uffm Lago di Nemi. Vu de Albaner Berg simmer i oam Rutsch gi Nizza gfaare und deno iber älli sälli Päss vu de Tour de France zum Genfer See. D Habsburg bi Aarau war deno de letscht Programmpunkt vu isere Schdudiereis. Es war doll wie de Ferdl äll des gschaffed het, nochdem er s Chaos vu Neapel  verdaut het.

Ferdl im Aspromonte

2010 han ech im zum 80. no drei Flasche Wii i de Hindeburgring broocht, wo er mit de Eva sin verdiende Ruhestand gnosse het. Letscht Woch hommern uff em Eschinger Friedhof beerdit und e Abordnung vu sinnere Studendeverbindung ischt in Wichs am Sarg gschdande.  

De Schniederli Ferdl isch fer mech e  Paradebeischbil dodefir, dass en Mensch uus oafache Verhältnis – hit dät mer sage „bildungsfernen Schichten“ – e erfolgriichi akademischi Karrier und e glunges Läbe schaffe ka, wenn er nu intelligent, fliesig und zielschdrebig ischd.

Ferdl als Ruderer auf dem Nemisee