Die Schächerkapelle

Eine erste Version des Beitrags über die Schächerkapelle war im Sommer 2019

Bräunlinger mappa aus dem Jahr 1620

Vermutlich wurde die Schächerkapelle in den Jahren 1608/1609 erbaut, sicher vor dem 30-jährigen Krieg.
Im Jahr 1622 ist erstmals von einem „Cruzifix- oder Schächerhäuslein“ die Rede. Auch auf der Bräunlinger mappa ist ein Kreuz mit einem Häuslein eingezeichnet. Die Entstehung und die Herleitung des Namens sind weitgehend ungeklärt. Zwar gibt es das mittelalterliche Wort „Schächer“, was so viel heißt wie „Räuber, Verbrecher“, und auch eine Verbindung zu den Sühnekreuzen ist denkbar. Beides jedoch ist nicht belegt.*

Traditionsgemäß stehen solche Kapellen an den Verbindungsstrassen als Zufluchtsorte für von Unwettern bedrohte Wanderer. Eine noch heute lesbare Inschrift an der Kapelle lautet:

„In Sturm und Wetter,
Sei Gott mein Retter.
In Krieg und Frieden
Sei uns sein Schutz beschieden.“

Die Schächerkapelle gezeichnet von Dennig-Ruh 1967

Die Schächerkapelle von Gottfried Schafbuch

Die Schächerkapelle gezeichnet von Franz Wintermantel 1972
Die Schächerkapelle gezeichnet von Franz Wintermantel 1972

„Anfangs Mai 1916 wurde durch den Fürstlich Fürstenbergischen Archivrat Dr. Tumbült, Donaueschingen, und Bürgermeister Bausch, Hüfingen, das Eigentumsverhältnis der Schächerkapelle an der Straße nach Donaueschingen festgestellt.
Es ging damals um die Bezahlung der Kosten für die notwendige Instandsetzung der seiner Zeit ziemlich verwahrlost gewesenen Kapelle.
In der Niederschrift der Verhandlung wird erwähnt, daß die Schächerkapelle seit Menschengedenken aus Mitteln wohltätiger Stifter baulich unterhalten wurde, da niemand Eigentümer des Heiligtums sein wollte.

Vermutlich wurde die Kapelle in den Jahren 1608/09 erbaut. Bis etwa 1864 befand sich in der hiesigen Schächerkapelle ein Kruzifix aus Gips, das nachts von einem betrunkenen Gotteslästerer aus Allmendshofen blindlings total zerstört wurde. Da kein Eigentümer der Kapelle vorhanden war und die Mittel für ein neues Kruzifix sehr spärlich eingingen, hatte Prinzessin Elise zu Fürstenberg das jetzt noch vorhandene Christusbild aus Eisenguß und in Gold gefaßt, gestiftet.

Bei der Nachforschung nach dem Eigentümer der Schächerkapelle wurde festgestellt, daß auf der Bannkarte vom Jahre 1788 der Standort der Kapelle angegeben ist; merkwürdigerweise läßt sich aber im Urbarium vom gleichen Jahr ein Eigentümer nicht feststellen. Das Gelände war wohl Fürstliches Herrschaftsfeld, doch wurde bei einer Flurvermessung der Zipfel, auf dem die Schächerkapelle steht, mit dem Gemeindegrundstück Hochstraße vereinigt und ist somit Eigentum der Stadt Hüfingen.

In seiner Sitzung am 3. August 1917 faßte der Hüfinger Gemeinderat folgenden Beschluß:

„Nachdem die im Mai 1916 vorgenommene Nachforschung nach dem Eigentimer der Schächerkapelle ergeben hat, daß die Kapelle bei der Katastervermessung mit dem Gemeindegrundstück Hochstraße vereinigt wurde und somit die Gemeinde Hüfingen zweifellos Eigentümerin der Schächerkapelle ist, wird dieselbe als Eigentum hiesiger Gemeinde anerkannt.“

Die zwei mächtigen Silberpappeln samt dem Hasenwäldle werden bei klarem Wetter selbst vom Wartenberg, wie auch vom Fürstenberg aus gesehen.

Bei der 1968/69 erfolgten Instandsetzung der Schächerkapelle wurden dem Kruzifix rechts und links die hiesigen Kirchenpatrone. St. Verena und St. Gallus, beigegeben. Diese beiden Figuren standen ehedem auf dem Hauptaltar der Stadtkirche.“

Selbst von einer sagenhaften Gestalt, die späten Heimkehrern begegnet, ist seit eh und je die Rede. Ein unbekannt gebliebener Poet hinterließ uns nachstehendes Gedicht über die Schächerkatze:

Dert, wo de Weag gi Eschinge goht,
zwischet zwo große Pappele schtoht
e Käpelli,’s ischt suuber und nätt,
ech mecht nuu wisse, wears gschtiftet hätt.
I dem Käpelli seit mer Schächer bi iis,
es hätt en goldige Herrgott im Ghiis.
Und d’Bämm, die schtond scho meh als hundert Johr,
drum sieht mer’s au fascht i de ganze Boor.
Meng Wiibervolk und au menge Maa,
die Kummer, Sorge und Kriiz hond khaa,
sind i des Käpelli inni gruckt,
hond andächtig drinn ere Load verdruckt.
Duet Sankt Petrus emol e Wätter loslau,
no ka mer ganz rüejig drinn unterschtau.
Doch ischt es bim Schäer scho gfähli gsii

Gottfried Schafbuch in Bii Boor – Mii Hoamet 1972

D’Schächerkatzen
https://www.narrenzunft-huefingen/Schaecherkatze

Aus der Chronik von 1984

Hermann Lauer ist der Meinung, dass das Schächerkreuz an der Straße nach Donaueschingen in den Jahren kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg entstand. Tatsächlich ist im Jahre 1622 erstmals vom »Crucifix- oder Schächerhäußlein« die Rede. Demnach bestand die Kapelle bereits in jenem Jahr.

Während sich die Bedeutung der Schächerkapelle im Schächer von Fürstenberg, erklären läßt, ist die Herkunft der kleinen Kapelle am Ausgang Hüfingens in Richtung Donaueschingen ungeklärt. Zwar ist der »Schächer« aus dem Mittelhochdeutschen herzuleiten und bedeutet soviel wie »Räuber, Verbrecher«, aber auch in diesem Zusammenhang ist eine Deutung nicht zu finden. Möglicherweise steht der Hüfinger »Schächer« mit den Sühnekreuzen in Verbindung.

Unter Pfarrer Rudolf Rauber haben 1909 die Gebrüder Marmon, Bildhauer-Atelier in Sigmaringen, den jetzigen Altaraufbau mit Tabernakel und Verena- und Gallusfigur angefertigt. 1960 wurden die Figuren der hl. Verena und Gallus in der Schächerkapelle untergebracht, 1993 jedoch im Auftrag von Herrn Dekan Andreas Huber wieder zurückgeholt und neben dem Altar aufgestellt, wo früher die Beichtstühle waren.

Die Kapelle war nach dem Ende der napoleonischen Kriege dem Verfall nahe. Da aber nicht klar war, wem die Kapelle gehörte, wurde im Auftrag des Stadtrates eine Kollekte veranstaltet, um die kleine Kapelle reparieren zu können. Im Jahre 1838 aber stürzte das Gewölbe der Kapelle ein, weil es alt und baufällig gewesen war. Wieder wurde eine Kollekte durchgeführt und die Arbeit versteigert. Sie wurde von der Gemeinde zum Mindestgebot von 50 fl. vergeben. Nach Gottfried Schafbuch befand sich in der Kapelle ein Kruzifix aus Gips, das nachts von einem betrunkenen Gotteslästerer aus Allmendshofen zerstört worden sei. Da die Kapelle keinerlei Fundus besaß, war niemand für die Wiederherstellung offiziell zuständig. Prinzessin Elise zu Fürstenberg stiftete darum das heute noch vorhandene Kruzifix, das aus Eisenguss besteht und in Gold gefaßt wurde.

Während der folgenden Jahrzehnte verfiel die herrenlose Kapelle immer mehr, und während des Ersten Weltkrieges wurde die Renovierung immer dringender, aber ein Eigentümer der Kapelle war noch immer nicht bekannt. Darum versuchten Dr. Georg Tumbült, der bekannte fürstenbergische Archivrat, und Bürgermeister Bausch aus Hüfingen im Mai 1916 die Eigentumsverhältnisse zu klären. Es zeigte sich dabei, dass die Kapelle seit Menschengedenken von Wohltätern erhalten worden war. Es zeigte sich weiter, dass auf der Bannkarte aus dem Jahre 1788 zwar der Standort der Kapelle angegeben, im Urbar der Stadt Hüfingen jedoch kein Eintrag zu finden ist. Zwar befand sich die Kapelle auf Herrschaftsfeld, aber bei einer Feldvermessung wurde die Fläche, auf den die Kapelle steht, mit einem Gemeindegrundstück vereinigt. In einer Sitzung am 3. August 1917 anerkannte der Gemeinderat das Eigentum der Schächerkapelle.

Die kleine Kapelle zwischen den zwei mächtigen Silberpappeln wurde 1968/69 instand gesetzt. Links und rechts des Kruzifixes wurden die Statuen der hl. Verena und des hl. Gallus angebracht. Sie hatten einst ihren Platz wohl auf einem Hauptaltar der Hüfinger Pfarrkirche.

Die Figuren befinden sich heute wohl irgendwo in der Sakristei und dienten als Vorlage der Figuren die heute in St. Verena und Gallus stehen.

Vielen Dank an Matthias Sigwart.
(Am 10. August 2024 in den Kommentaren)

Die Heilige Verena in Verena und Gallus
Die heilige Verena und
der heilige Gallus in der Stadtkirche

Die zwei mächtigen Silberpappeln die bei klarem Wetter vom Wartenberg und auch vom Fürstenberg aus gesehen wurden:

Schächer im Herbst 1964
Alte Donaueschinger Strasse
in den 1970ern
Fotos: Karl Schweizer
hier die Reste im Sommer 2019

Quellen:
Die Chronik von Hüfingen von August Vetter (1984)
Mii Boor – Mii Hoamet von Gottfried Schafbuch (1972)
Kirchen und Kapellen in der Stadt Hüfingen von Dr. Maren Nickel (2006)

9 Kommentare zu „Die Schächerkapelle“

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Überarbeitung des Themas Schächerkapelle Hannah. Früher verlief die Hauptstraße vorbei, heute muss man genau hinschauen, dass man sie findet.

    Herzliche Grüße
    Franz

    Antworten
  2. Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie ein Ensemble mit einer solchen Vielfalt an Instrumenten klingen kann: Flöten, Klarinetten, Oboen, Posaunen, Trompeten, Schlagzeug… Aber wie der Autor des Artikels sagt, ist es nicht nur eine Reihe von Klängen, sondern eine ganze Symphonie, in der jedes Instrument in einen Dialog tritt und einen harmonischen Klang erzeugt.

    Ich kann nicht anders, als von der Geschichte der Schacherkapelle beeindruckt zu sein. Zu erfahren, wie dieses Orchester die Jahrhunderte überlebt und dabei seine Einzigartigkeit und Traditionen bewahrt hat, hat meinen Respekt für dieses musikalische Erbe geweckt. Dies ist ein wahres Beispiel dafür, wie Musik nicht nur zur Unterhaltung dienen kann, sondern Teil eines kulturellen Codes ist, der von Generation zu Generation weitergegeben wird.

    Antworten
    • Falls sich jemand wundert:
      Es gibt anscheinend eine Musikkapelle mit diesem Namen.
      Die Dame hatte noch einen download link dabei, den ich entfernt habe.
      Ich lösche nur offensichtliche Beleidigungen und offensichtliche Werbung. Der Rest bleibt stehen.
      Dies hier ist lediglich Thema verfehlt. 🙂
      Grüße aus Südbaden an Natali

      Antworten
  3. Bei der Frage nach dem Verbleib der beiden Figuren St. Verena und Gallus kann ich gerne weiterhelfen: diese befinden sich seit 1993 wieder in der Stadtkirche, rechts und links vom Hochaltar (an der Stelle, an der früher die Beichtstühle waren). Bevor die beiden Figuren in die Schächerkapelle kamen, befanden sie sich auf den beiden Sockeln auf dem Hochaltar, auf denen sich nun die beiden Anbetungsengel befinden. Die Anbetungsengel wiederum standen früher direkt rechts und links vom Tabernakel.

    Antworten
    • Super, Vielen Dank!
      Verena hatte ich sogar hier ein Foto drin, das mit der Schächerkapelle hatte ich total vergessen. Den Gallus fand ich auch toll und wollte mal was dazu machen. Bei Verena schreibt Schafbuch: „Nach der Kirchenrechnung des Jahres 1743 erhielt der Villinger Bildhauer Johann Ignatz Schupp für das Bildnis der hl. Verena am 15. Januar 1743 insgesamt 9 fl.“

      Die heilige Verena

      Antworten
      • Hallo,

        die erwähnte Verena-Statue vom Villinger Bildhauer Schupp dürfte aber eine andere sein, siehe Anhang (S. 14 des kleinen Kirchenführer-Heftchens, welches meine ich immer noch in der Kirche aufliegt).
        Über den Verbleib dieser Statue könnte wahrscheinlich der Messmer Auskunft geben, ich nehme an, dass sich diese wie erwähnt immer noch in der Sakristei befindet.

        Die beiden abgebildeten Figuren von Verena und Gallus, die sich seit 1993 wieder in der Stadtkirche befinden, müssten nach meinen Informationen 1909 von den Bildhauer-Gebrüdern Marmon aus Sigmaringen angefertigt worden sein (siehe Anhang, S. 9 aus demselben Heftchen). Somit befanden sie sich von 1909 an bis in die 60er-Jahre auf den beiden Sockeln links und rechts auf dem Hochaltar, sind dann in die Schächerkapelle gewandert, um dann 1993 wieder neben dem Hochaltar platziert zu werden (am jetzigen Standort).

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

The maximum upload file size: 32 MB. You can upload: image, audio, video, document, spreadsheet, interactive, text, archive, code, other. Links to YouTube, Facebook, Twitter and other services inserted in the comment text will be automatically embedded. Drop file here