Kolumne Heike Boeke

Weil Hüfingen mit am Herzen liegt

„Irgendwann ist Deutschland zugebaut, aber alles ist selbstverständlich naturschutzrechtlich korrekt ausgeglichen“ Axel Mayer , Bund Geschäftsführer (frei zitiert nach Hans Mattern, dem früheren Leiter der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart)

Die Stadt Hüfingen verfügt über ein sogenanntes Ökokonto. Wissen sie was das ist? Ich bis vor Kurzem auch nicht, bis durch die Nachrichten das Wort Ausgleichsmaßnahmen geisterte, die in Deutschland zwar bei der Erschließung neuer Wohngebiete, Straßen und Gewerbeparks verordnet würden, oft jedoch erst Jahre später, unsinnig oder nie umgesetzt werden. Zudem würde viel zu wenig kontrolliert und viele der angeblichen Ausgleichsflächen würden kaum oder gar nicht mehr gepflegt und letztendlich irgendwann untergepflügt. Und hier kommt jetzt das Ökokonto ins Spiel. Es ist kein Konto im eigentlichen Sinne, denn es kann zwar leer aber nie ins Minus rutschen. Man könnte es eher als ein Sparbuch bezeichnen auf dem Maßnahmen eingezahlt werden, die den ökologischen Wert einer Fläche erhöhen und die dann später gegen eine versiegelte Fläche gegengebucht wird. 

Erst  mal eine gute Idee fand ich, bis ich jedoch recherchiert habe, was das für ein Geschäftsmodell ist. Ganz viele Punkte bekommt man auf seinem Konto gutgeschrieben, wenn man z.Bsp. ein Flussgewässer renaturiert oder irgendwo einen Tümpel anlegt. Wenn ein Konto also über genügend Guthaben verfügt, dann kann man erst mal richtig ordentlich bauen und irgendwann die entsprechende Ökopunktzahl abheben.

Deutschland ist, was den Flächenverbrauch betrifft an einem Spitzenplatz. In den letzten 60 Jahren hat sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche mehr als verdoppelt. Im Jahr 2014 alleine wurde täglich eine Fläche von 69 Hektar, die Fläche von ca. 100 Fußballfeldern ausgewiesen, und das zulasten von Landwirtschaft und fruchtbaren Böden ( Quelle Naturschutzbund Baden) Man regt sich hierzulande über den immer kleiner werdenden Amazonasregenwald auf und macht vor der eigenen Haustür das Gleiche, nämlich die Natur zu zerstören und zu versiegeln. Das Geschäft mit den Ökopunkten vereinfacht nämlich den Bau von Straßen, Wohnungen und Gewerbeparks. Inwiefern?

Es wird mit sehr zu hinterfragenden Ausgleichmaßnahmen richtig viel Geld gemacht, denn das Schaffen von Natur auf Vorrat entbindet die Bauherren davon in unmittelbarer Nähe, was gefordert ist, Ausgleichsflächen zu suchen, denn sie können Ökopunkte kaufen. Ein sinnvolle Ausgleich findet dadurch gar nicht statt, denn was nützt irgendein Tümpel, der irgendwo abgelegen angelegt wurde der Natur vor Ort , die mit Schaufel und Bagger zerstört wird?

Ausgerechnet Acker, die zur Nahrungsmittelproduktion notwendig sind, werden zu Schnäppchenpreisen erstanden und sind leicht ökologisch aufzuwerten. Da werden ein paar Hecken gepflanzt und schon fließen die Ökopunkte. Auch Streuobstwiesen sind solche Ökopunktbringer. Nur dass es sich hier um reine Kulturlandschaften handelt, die regelmäßig gepflegt werden müssten, woran es danach meist hapert. Theoretisch kann man also ein ökologisch hochwichtiges  Hochmoor mit der Pflanzung von ein paar Hecken verrechnen. Natur wird daher zum reinen Wirtschaftsgut.

Was wurde in Hüfingen als Ausgleichsmaßnahme für das Neubaugebiet Hohen  durchgeführt? Wie sieht das derzeitige Ökokonto der Stadt Hüfingen aus und welche Maßnahmen stecken dahinter? Wurde bei der Planung der Versiegelungsflächen auch überlegt, wie man diese reduzieren kann?

Planzungen mit ärmlichen Grünstreifen sind an Schnellstraßen gang und gäbe – siehe B27. Ist das der Ausgleich, den sich die Bürger wünschen? Wie sinnvoll sind die auf dem Ökokonto befindlichen Maßnahmen für die Stadt und ihre Bewohner? Das zu erfahren wäre sicherlich für alle sehr interessant. 

Kolumne Heike Boeke

Weil mir Hüfingen am Herzen liegt

Geht Ihnen das manchmal auch so? Man fragt sich, warum logische und nachvollziehbar sinnvolle Ideen sich nicht durchsetzen können. Oft stelle ich dann fest, dass es an der Idee selbst nicht lag, aber der Umsetzungswunsch dazu fehlte. Da werden vermeintliche Hindernisse so lange diskutiert, bis aus einem kleinen Steinchen, das man leicht aus dem Weg hätte räumen  können ein gewaltiger Felsbrocken geworden ist, der nur mit größtem Aufwand beseitigt werden kann. Und dann geht dabei allen die Puste aus! Natürlich gibt es immer zwei Seiten, die es zu bedenken gibt. Nur zu guter Letzt sollte eben eine Entscheidung stehen und kein fauler Kompromiss oder im schlimmsten Fall gar keine Entscheidung. Schließlich sind alle so erschöpft, dass am Ende  keiner mehr weiß , worum es eigentlich gegangen ist.

Statt in Klein-Klein zu denken und nur, weil der politische Gegner einen an sich guten Vorschlag gemacht hat, diesen vom Tisch zu wischen, wäre ein gemeinsamer Vorschlag zum Wohle der Gemeinschaft so viel wichtiger und richtiger. Wie wenig weitsichtig ist das, insbesondere , weil jede heute getroffene Entscheidung oder eben keine Entscheidung Auswirkungen nicht nur auf die jetzige Bevölkerung, sondern auch auf kommende Generationen hat.

Gemeinderäte regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft. Dazu gehören Verkehr, Wasserversorgung, Beleuchtung, Reinigung und Winterdienst für Fahrbahnen innerhalb der geschlossenen Ortslagen, sowie öffentliche Einrichtungen für Sport, Kultur, Kunst und die Wirtschaftsförderung, um nur einige Aufgaben zu nennen.

Wie steht es hier mit der bisherigen Arbeit? Wie sehr wird sich darum bemüht das immer höhere und belastender werdende Verkehrsaufkommen in und um Hüfingen einzudämmen oder wenigstens zu verlangsamen? Sind sie schon einmal abends vom Schwimmbad in Richtung Neubaugebiet gelaufen und mussten feststellen, dass man zumindest eine Taschenlampe benötigt um den Weg zu finden? Wie lange warten sie auf den Räumdienst? Lediglich in Sachen Kunst und Kultur – eine freiwillige Aufgabe – verausgabt sich die Stadt Hüfingen angefangen bei Stadtführungen über den Töpfermarkt bis hin zum Römerbadausbau im großen Stil. Doch wie sieht es mit Wirtschaftsförderung für mittlere Betriebe und Einrichtungen für Jugendliche aus? Sicherlich ist da noch viel Luft nach oben und Entscheidungen dazu sollten nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Eine Hauptstraße, die fast ausschließlich aus Blumenläden, Bäckereien und Friseurgeschäften geprägt ist, und durch die man mit 50 Km/h fahren kann, lockt nicht unbedingt dauerhaft Gäste an, trotz Töpfermarkt ,Museum und allerlei Veranstaltungen. Welche Maßnahmen könnten dazu führen, das sich die grüne Wiese vor den Toren Hüfingen mehr in die Innenstadt verlagert? Wir können Leerstände in Hüfingen besser gelöst werden? Sicherlich keine einfache Aufgabe aber bestimmt auch nicht unlösbar. Was tragen die Verantwortlichen dazu bei, dass das Prädikat Erholungsort nicht nur auf dem Papier steht, sondern tatsächlich und immer wieder erlebbar wird. Fordern sie als Bürger diese Dinge ein, denn nur so kann Hüfingen lebenswert für uns alle werden – nicht nur für Kunstliebhaber und Römerfans.

Die Kunst der Regierung ist die Kunst zu handeln. @Heinrich Laube, deutscher Journalist

Kolumne Heike Boeke

Weil mir Hüfingen am Herzen liegt

Kennen sie den Spruch von Regina Hildebrandt? (Ministerin für Arbeit und Soziales in Brandenburg) Nein?

„Ich will, dass nicht jeder nur in seiner Wohnung und vor seiner Tür kehrt, sondern auch im gemeinsamen Treppenhaus.“

Ja, das  mit dem putzen im Treppenhaus, besonders in Mehrfamilienhäusern, ist so eine Sache. Meist putzt man für den Vorgänger mit , es sei denn, man hat einen Reinigungsservice, der den Dreck von allen entfernt. Aber was heißt das im übertragenen Sinne? Ich habe mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht. Unser liebenswertes Baarstädtchen und die dazugehörigen Ortsteile sind unser gemeinsames Treppenhaus. Und wem überlassen wir es die anfallenden Arbeiten dort zu machen? Was tragen wir persönlich dazu bei, das gemeinsame Treppenhaus in einem gepflegten Zustand zu erhalten?

Vielleicht kennen sie das auch? Man läuft so durch ein Treppenhaus und was findet man? Bonbonpapier, festgetretenes Kaugummi, Schuhhaufen achtlos hingeworfen, verkratzte Wände, ein dreckiges Geländer und eine Klingelanlage, die tief blicken lässt. Ist ein solches Haus einladend oder eher abschreckend? Würden wir gerne in ein solches Haus eintreten und was denken wir von seinen Bewohnern?

Für etwas gemeinsam verantwortlich zu sein fällt oft schwer, weil sich eben nicht alle verantwortlich fühlen. Daher benötigen viele Mehrfamilienhäuser ja auch den Full-Service eines Hausmeisters. Und damit fühlen sie sich noch weniger verantwortlich für diesen gemeinsam genutzten Raum. Die Gemeinde finanziert viele Dinge, sei es Räumfahrzeuge, Straßenreinigung, Sportplätze, Grillhütten, Naturwege, Sitzbänke, Mülleimer, Kindergärten, eine funktionierende Feuerwehr, Schwimmbäder uvm. Wie behandeln wir das von uns gemeinsam genutzte Treppenhaus? Wie sehr schätzen wir die Arbeit der Gemeindemitarbeiter, die Zeit und Geld in seine Pflege investieren? Sehen wir diese Dinge als Selbstverständlichkeit an und werfen im übertragenen Sinne das Bonbonpapier auf den Boden oder tragen wir selbst etwas dazu bei diesen gemeinsamen Raum  zu pflegen? Oft reicht es schon etwas so zu hinterlassen, wie man es vorgefunden hat. Aber wir können auch alle etwas dazu beitragen es schöner zu gestalten. Wollen wir triste graue Fußmatten oder bunte lustige Motive im Treppenhaus? Statt also Gärten die Steinwüsten gleichen anzulegen, erfreut eine Wiese mit Blumen. Statt mit Dreck übersäte Treppenabsätze ist ein blank gewienertes Treppenhaus einladend für alle. Im übertragenen Sinne: Ein vom städtischen Dienst angelegter Grasstreifen sollte nicht mit Hundehaufen oder weggeworfenen Pappbechern übersät werden. Statt einer Klingelanlage , die mit Namensschildern beklebt ist, spricht eine ordentlich versorgte Anlage für die Bewohner. Im übertragenen Sinne: Schöne gepflegte Hausfassaden und Hauseingänge sprechen für sich. Finden sie es schön, wenn im Treppenhaus ständig die Türen knallen, dass die Wände wackeln.  Man muss nicht mit  röhrenden Motoren durch die Stadt und die Nebenstraßen donnern, um gesehen zu werden. Das mag zwar das eigene Ego streicheln aber stört die Mitmenschen.

Was möchten sie , wenn sie in ihr Treppenhaus gehen? Genau! Das Gleiche wünschen sich viele andere Mitmenschen. Tragen sie dazu bei, dass unser gemeinsames Treppenhaus  sauberer wird und Gäste dazu einlädt in unser Haus einzutreten. 

Kolumne Heike Boeke

Weil Hüfingen mir am Herzen liegt

  • Hüfingen inmitten von Straßenkreuzungen und trotzdem liebenswert.
  • Hüfingen inmitten von Maisfeldplantagen und trotzdem liebenswert.
  • Hüfingen mit hohem Verkehrsaufkommen in der Hauptstraße und trotzdem liebenswert.
  • Hüfingen mit mancher Schmuddelecke und trotzdem liebenswert.

Doch liebenswert genügt mir nicht, denn lebenswert nicht dein Gesicht . Drum frag ich mich: „Was könnt man tun?“ Als Bürger sich nicht auszuruhn! Mahnen, melden, engagieren und den Mut nicht zu verlieren. Zu leben jetzt Demokratie und aufzugeben für dich nie.

         Wie schön wäre es also, wenn wir auf den Feldern um Hüfingen herum mehr Wiesen sehen würden, in denen das Leben boomt und Artenvielfalt herrscht. Wie schön wäre es, wenn Hüfingen sich zu einer 30Km/h Zone in der Hauptstraße durchringen würde, so wie viele Orte auf der Baar auch. Wie schön wäre es, wenn der Verkehr um Hüfingen herum in seiner Geschwindigkeit gebremst würde, denn wir wollen hier leben und nicht in Krach und Abgasen ersticken. Wie schön wäre es, wenn jeder für Sauberkeit im Ort sorgen würde und sich alle daran erfreuen können.        

Wir haben nicht nur Verantwortung für uns, sondern auch für kommende Generationen und die Schöpfung, von der wir alle profitieren. Lassen sie uns gemeinsam Hüfingen lebenswert gestalten und fordern sie die Verantwortlichen auf alle ihre Möglichkeiten auszuschöpfen, denn nur dann kann Gutes entstehen. Lassen sie uns als Bürger selbst bestimmen und nicht über uns bestimmen. Weil uns Hüfingen am Herzen liegt – das liebenswerte Baarstädtchen und seine Ortsteile.

Erweiterung der Biogasanlage

Mancher Landwirt im Schwarzwald-Baar-Kreis füttert statt Kühe und Schweine inzwischen lieber seine Biogasanlage. Mais und Gülle in Strom und Wärme zu verwandeln ist wesentlich lukrativer, weil ordentlich subventioniert. Das der Palmhof nun eine Anlage von industriellem Ausmaß genehmigt bekommen hat ist sehr verwunderlich, denn mit einer klimaneutralen Verbrennung ist es leider nicht getan. Selbst Photovoltaik, die auch von Sonneneinstrahlung abhängig ist, schneidet besser ab. Werden Energiepflanzen auf ökologisch wertvollen Flächen angebaut, verschwinden Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Spinnen, kleinere Pflanzen und andere Insekten finden keinen Lebensraum in den dunklen und kühlen von der Sonne nicht erreichbaren Böden auf denen die hohe Maispflanze steht. Auch Bodenbrüter wie die Feldlerche oder der Kiebitz und andere Wiesenbrüter, selbst die Schwalbe sind bedroht von den zunehmenden Maisfeldern. Greifvögel finden keine Mäuse und Kleinsäuger dort. Rehe und der Feldhase dringen dort praktisch nicht vor. Einzig das Wildschwein ist der Nutznießer von den überbordenden Maisplantagen. Weidmannsheil!

Bis 2020 ist eine Steigerung von Ackerflächen für den Anbau von Energieträgern für Biogasanlagen von aktuell 2Mio. ha ohne Einbußen an Natur und Landschaft kaum machbar, zumal die wenig nachhaltige Flächenpolitik, die sich durch Flächenfraß für ausgebaute Straßen, Wohnungen und Gewerbefläche zeigt ungehindert weitergeht – auch und gerade in Hüfingen und Bräunlingen. Der Gewinn bei Biogasanlagen ist abhängig von den weltweiten Preisen für Agrarprodukte. Wenn daher immer mehr Anlagen entstehen verschärft sich die Konkurrenz um Biomasse vom Acker, denn für eine übliche 500-kW-Anlage werden ca. 250ha Anbaufläche benötigt.schädigt. Jedes Methanmolekül, das beim Gären, Aufbereiten oder der Nutzung in die Atmosphäre entweicht, erwärmt unser Klima und verschlechtert die Klimabilanz. Die Gärreste belasten das Grundwasser mit Nitraten und sind die Hauptursache für deren steigenden Werte. Viele und weite Transporte setzten zudem die Anwohner einer Belastung aus, die nur wenig mit BIO zu tun hat, zumal für deren Transport fossile Energien verbraucht werden, von der Geruchsbelästigung die von diesen Anlagen ausgeht mal abgesehen. Das Neubaugebiet Hüfingen lässt grüßen. Für die Verarbeitung der organischen Abfälle wird zudem viel Wasser benötigt – ein kostbares Gut. Und zu guter Letzt: Es werden Materiealien verbraucht, die in bestimmten Monaten gar nicht erhältlich sind und somit auch nicht erneuerbar sind. Von einer guten Entscheidung für die Region zu sprechen ist daher lachhaft. Schade, dass die Gemeinderatsmitglieder und Bürgermeister, die für diese Anlage gestimmt haben sich von dieser Idee blenden ließen. Es lebe die Subvention in Deutschland mit derzeit schon über 9.500 Anlagen.

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