Das Kastell Hüfingen

Cover vom Buch aus 1937.

von Professor Paul Revellio, 1937

Unweit der Stelle, wo die aus dem Schwarzwald kommende Breg dicht unterhalb von Donaueschingen in die Donau mündet, lag auf der Höhe südlich von ihrem breiten Tal ein Kastell, das in die Frühzeit des römischen Vordringens zum oberen Neckargebiet gehört. Von seinen Wehrbauten und Innenanlagen haben sich im Ackerland keine äußerlich sichtbaren Reste erhalten. Nur die Ruine des Badehauses in der Mulde, die sich westlich vom Kastell gegen das Tal zu öffnet, bildet, vor Jahren ausgegraben und durch Überdachung geschützt, eines der ansehnlichsten römischen Denkmäler in Baden. Der antike Name des Kastells und der dazugehörigen Niederlassung Brigobanne oder wohl richtiger Brigobanna, (ein Name keltischen Ursprunges), ist durch die Peutingersche Karte als letzte Station auf der Straße von Vindonissa nach Arae Flaviae überliefert, und die Lage des Ortes ist durch Reste der Straße und die Entfernungsangaben der Karte gesichert.

Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)
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Alte Karte von Hüfingen aus dem Buch mit dem Ausschnitt der Kirchhalde und dem Kastell

Inschriftliche Zeugnisse für diesen Ortsnamen sind in Hüfingen bis jetzt nicht gefunden worden. Der pflügende Bauer des Mittelalters sah in den von Ackerboden überdeckten starken Fundamenten des römischen Kastellbades die Reste einer zerstörten Kirche. Kirchen waren ja lange Zeit die einzigen Steinbauten in den Dörfern. So ist der Flurname Kirchhalde, den der Hang westlich von dem Bade trägt, für Jahrhunderte wohl die einzige Erinnerung geblieben an das römische Brigobanna.

sein Portrait abfotografiert aus der Chronik

Erst das Zeitalter der Renaissance schuf die Vorbedingungen für das Verständnis dieser Reste und erweckte das Interesse für die Zeugen der römischen Kultur im heimatlichen Boden.

In Vindonissa und Augst nahm man sich während des 16. Jahrhunderts zum erstenmal wieder der dortigen Römerbauten an. In Augst fanden bald nach 1580 die ersten Grabungen statt.
In Württemberg gewann Simon Stüdion 1597 den Herzog für eine Grabung im Kastellgelände von Benningen. Da traf es sich günstig, daß das Städtchen Hüfingen in Hans von Schellenberg einen Herrn bekam, der humanistisch gebildet war und regen Sinn für das Altertum hatte. Er spricht nicht nur in seinem Briefwechsel mit dem Schaffhauser Chronisten und Pfarrer Johann Jakob Rüeger von römischen in Hüfingen gefundenen Münzen, sondern läßt auch 1605 drei Gewölbe unter dem Galgen, der an der Stelle des heutigen Wasserbehälters auf der Kastellhöhe stand, untersuchen. Es handelte sich wohl um natürliche Höhlen, die sich auf der zur Verkarstung neigenden Höhe immer wieder bilden.

Foto vom alten Wasserhochbehälter

Bei Anlage des Wasserbehälters im Jahre 1903 wurde dort der ganze Ackerboden bis auf den gewachsenen Fels abgehoben, ohne daß eine Spur von Mauerwerk gefunden werden konnte. Außerdem ließ Hans von Schellenberg im Tale einen römischen Fußboden abdecken, dessen Plättchen nach Art des Opus spicatum angeordnet waren. Er ist damals wohl auf einen der höher gelegenen Fußböden des Bades, etwa des Frigidariums oder Apodyteriums gestoßen. Freilich für eine richtige Deutung dieser Trümmer war die Zeit noch nicht gekommen. Hans hält die Reste für den Fußboden eines heidnischen Tempels oder einer jüdischen Synagoge.

Mit Hans erlosch dann zunächst das Interesse an den Resten. Die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und der Franzosenkriege waren für solche Studien wenig geeignet. Immerhin verzeichnet schon eine handschriftliche Oberamtsbeschreibung des Oberamts Hüfingen aus den Jahren 1767 und 1768 eine alte Sage, daß in dem Tal unter dem Galgenberg einst Tempelherrn wohnten, und sie bringt damit fälschlicherweise den Flurnamen „Münchshof und Münchswiese“ in Verbindung.

Sie berichtet ferner, daß man vor einigen Jahren in dem Tal beim Pflügen silberne und bronzene Münzen von Titus und Vespasian und kleine saubere Besetzplättchen und Spuren von einem weitläufigen und starken Gemäuer gefunden habe. Auch das Historisch-statistisch-topographische Lexicon von Baden von J. B. Kolb II. Band 1814 berichtet S. 98 von Münzfunden im „Mühlöschle“, der Flur, auf der die zivile Siedlung war, und unterirdischem Gemäuer gegen Bräunlingen hin und bringt diese Reste zum erstenmal mit der Station Brigobanne der Peutingerstraße in Verbindung, freilich, ohne bei der damaligen archäologischen Forschung damit Beachtung zu finden.

Andreas Buchner (1776-1856), seit 1811 Professor der Geschichte am Lyzeum in Regensburg, brachte die Untersuchung von neuem in Gang, als er den Verlauf des Limes zu verfolgen suchte und dabei auch die Peutingerstraße in seine Forschungen einbezog. Von Rottweil kommend, hatte er schon an Brigach und Breg alle Winkel durchsucht und war im Begriffe wieder abzureisen, als er auf Münzfunde bei Hüfingen aufmerksam gemacht wurde.

Foto der Büste im Schlosspark Donaueschingen

Auf seine Veranlassung befahl Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg 1821 die erste Grabung im Mühlöschle und die Aufdeckung der Gebäudetrümmer des Kastellbades. Sie wurde ausgeführt durch eine Kommission unter Leitung des fürstlichen Leibarztes Wilhelm August Rehmann, eine der ersten systematischen Grabungen in Baden, die mit ihren sorgfältigen Plänen und Ansichtsskizzen und dem Verzeichnis der gefundenen Münzen für ihre Zeit eine tüchtige Leistung war.

Ansichtsskizze des Kastells von August Rehmann

Ansichtsskizze des Kastells von August Rehmann 1821

Auch der Freiburger Historiker Heinrich Schreiber erwarb sich große Verdienste um die Sache; auf seine Veranlassung lieferte 1824 sein Schüler Josef Frick die erste Beschreibung des Bades. Im Herbst 1823 wurde im Kastellgebiet der sogenannte Tempel, ein Horreum, freigelegt und ein Plan davon aufgenommen. Bei einer Überschwemmung im Mai 1834 mußte man zum Schutze des am Nordhang des Galgenbergs gelegenen sogenannten Henkerhauses einen Damm aufführen, wofür die Erde vom Nordhang der Kastellhöhe genommen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde eine 60 cm starke Brandschuttschicht freigelegt, in der zahlreiche Kleinfunde lagen. Es handelte sich um den Schutt von einem Lagerbrand, der über den Nordhang der Kastellhöhe hinabgeworfen worden war, wie das in Vindonissa mit dem Schutt des Kalberhügels in ähnlicher Weise geschehen ist.

Neue Anregung erhielt die Erforschung des römischen Brigobanna durch den Gymnasiumsdirektor C. B. A. Fickler, der 1818 die erste zusammenfassende Darstellung der Grabungsergebnisse lieferte, eine dankenswerte Arbeit, die freilich im einzelnen sorgfältiger Nachprüfung bedarf, da Fickler sich zu sehr auf mündliche Überlieferung stützte und die ihm durch genaue Beobachtung des damals noch besser erhaltenen Bades gegebenen Erkenntnisquellen nicht genügend benutzte.

Von einer Grabung im Jahre 1871 sind nur einige Funde, keine Aufzeichnungen vorhanden. Zu bedeutenderen Ergebnissen konnte die Untersuchung erst kommen, als die Limesforschung die nötigen sicheren Grundlagen lieferte. Bei einer Straßenuntersuchung entdeckte Schumacher im August 1897 den südlichen Spitzgraben des kleinen Dauerkastells und verfolgte ihn von der Südwestecke 30 m weit nach Osten.

Aus den dabei gemachten Funden schloß Schumacher auf die Gründung der Niederlassung in claudischer und auf ein Erdkastell vespasianischer Zeit und gab dem Bad seine immer wieder umstrittene Deutung als Kastellbad. Der Bau der verlängerten Höllentalbahn 1899/1900 führte an der Ostseite der Kastellanlagen entlang und schnitt die Nordostecke des Kastellgrabens ab, ohne daß dieser erkannt wurde. Er brachte aber mit den Funden in den Klüften des Bahneinschnitts zum erstenmal einwandfrei claudische Sigillata und bei der Eisenbahnbrücke über die Breg eine Menge Gegenstände aus der Brandschicht von 1834, die hier wieder angeschnitten wurde.

Leider wurden die meisten dieser Funde verschleudert. Die von Schumacher gefundene Südfront des kleinen Dauerkastells wurde in den Jahren 1904—1906 von Gustav Rieger bis zur Südostecke weiter verfolgt und auch die Ostfront auf 20 m festgelegt. Leider hat Rieger keine Planaufnahmen gemacht; auch fehlt eine genaue Beschreibung der Sigillaten, so daß es heute nicht mehr mit Sicherheit möglich ist, diese von den Sigillaten der von ihm teilweise ausgegrabenen Villa im Deggenreuschen Wald zu trennen. Auf Grund des von Rieger veröffentlichten Materials und der in das Mainzer Zentralmuseum gelangten Proben erklärte Barthel in dem Bericht über die Erforschung des obergermanisch-rätischen Limes 1908—1912 dem Urteil Schumachers über die claudische Gründung der Hüfinger Anlagen nicht ganz beipflichten zu können. Diese Streitfrage zu klären, war der unmittelbare Anlaß zu weiteren Grabungen, die nunmehr die Reichs-Limeskommission in die Hand nahm.

Die Arbeiten begannen im Herbst 1913 unter der Leitung von Friedrich Leonhard und des aus Hüfingen selbst stammenden Bearbeiters. Da der Fonds der Limeskommission für Ausgrabungen erschöpft war, wurden die erforderlichen Mittel von der Römisch-Germanischen Kommission des Archäologischen Institutes und vom Badischen Ministerium des Kultus und Unterrichts zu gleichen Teilen zur Verfügung gestellt. Schon diese erste Grabung führte zur Feststellung des kleineren Kastells, das unten als „die behelfsmäßige Kastellanlage“ bezeichnet wird, mit seinem Südtore und zahlreichen Anhaltspunkten für weitere erfolgversprechende Untersuchungen. Aber durch den Krieg unterbrochen, konnten die Ausgrabungen erst 1924 wieder aufgenommen werden. Sie wurden dann von dem Bearbeiter bis zur Erschöpfung des Gegenstandes im Jahre 1932 fortgesetzt.

Die in Betracht kommenden Ackerstücke gehörten bei Beginn der Grabung zwar zum Besitz des Fürstlichen Hauses zu Fürstenberg in Donaueschingen, waren aber an verschiedene Nutznießer verpachtet, so daß immer nur einzelne Stücke zur Verfügung standen und die Grabungen oft unterbrochen werden mußten. Dank der sehr genauen von Leonhard begonnenen Aufnahmen ließ sich jedoch der Zusammenhang der ausgegrabenen Teile vollständig wahren.

Die Römisch-Germanische Kommission und der dem badischen Unterrichtsministerium unterstehende Ausschuß für Ur- und Frühgeschichte Badens gewährten nach wie vor bereitwillig die nötigen Mittel, während die Reichs-Limeskommission die geschäftliche Leitung des Unternehmens wahrnahm und dem Bearbeiter beratend zur Seite stand. Über den Fortgang der
Arbeiten wurde regelmäßig in der Germania, dem Korrespondenzblatt der Römisch-Germanischen Kommission, ausführlich berichtet. Die Funde gelangten in die Fürstlichen Sammlungen zu Donaueschingen, deren Leitung ihre Bearbeitung in jeder nur denkbaren Weise unterstützte.

Die Lage des Kastells und seine Verbindungen.

Alte Karte von Hüfingen aus dem Buch mit dem Ausschnitt der Kirchhalde und dem Kastell

Die Befestigungsanlagen liegen auf ebener Fläche 4 km südlich der Donauquelle und 800 m südwestlich des Städtchens Hüfingen am Südrande des Tales der Breg, kurz bevor diese in die Ebene des Rieds hinaustritt. Die Kastellebene überragt die Sohle der Breg um 22 m.

Dadurch entstanden an ihrer Nord- und Westseite steile Hänge, die natürlichen Schutz boten, ohne daß die Wasserversorgung des Kastells besondere Schwierigkeiten bot, wie das bei den weiter westlich gelegenen Höhen der Fall ist, wo die Höhenunterschiede viel größer sind. Auch an der Ostseite der Kastellebene zieht eine flachere Mulde entlang, die aber heute durch den Eisenbahneinschnitt teilweise beseitigt ist. Dazu genießt man von der Kastellebene einen weiten Ausblick in das Vorgelände. Der Blick schweift über das Ried hinweg auf die Stufenlandschaft der Ostbaar und findet eine Begrenzung erst an den steilen Höhen des weißen Jura wie dem Hohenlupfen und dem Himmelberg bei Oefingen.

Die Kastellhöhe von Westen, vorn der Schutzbau des Rämerbades 1937

Nach Westen zu sind es bis zur Buntsandsteingrenze, wo im Altertum schon die geschlossene Walddecke des Schwarzwaldes und damit das unbesiedelte Gebiet begann, immerhin noch 6 Kilometer. Die trockene Muschelkalkhöhe, die dazwischen liegt, war nur licht bestockt und daher leicht zu kontrollieren. Nach Norden zu aber schützte die unten vorbeiziehende Breg und weiter ostwärts das sumpfige und damals noch schwer zugängliche Ried. Es gibt in der weiten Umgebung von Hüfingen keinen Platz, der so die Vorzüge des natürlichen Schutzes mit der Möglichkeit eines weiten Ausblickes verbindet.

Dazu kommt, daß sich in der Nähe des Kastells alte Wege kreuzten. Unmittelbar westlich von ihm zieht ein solcher Weg als Hohlgasse auf die Muschelkalkhöhe, durchkreuzt als Burgerweg die Gemarkungen Hüfingen und Bräunlingen, überschreitet bei der Papiermühle das Gauchachtal (Sigillatafund) und zieht an Dittishausen vorbei nach Löffingen. Er verläuft auf der kürzesten Verbindung nach dem Breisgau. Südlich Dittishausen ist sein quer durch die Wiesen verlaufender Damm mit Steineinlage noch sichtbar. Vielleicht war dieser Weg streckenweise von den Römern ausgebaut.

Ein zweiter vorgeschichtlicher Weg, der ebenfalls von den Römern benutzt wurde, kam vom Schweizer Rhein und zog von Schleitheim über die Wutach nach Stühlingen, und über Weizener Häusle nach Ewattingen. Dort durchquerte er das Wutachtal ein zweites Mal, um an Mundelfingen vorbei gerade auf Kastell Hüfingen zuzustreben. Auf ihm sind wohl die Römer von Schleitheim aus an die Donau vorgerückt. Er wurde aber nicht als Kunststraße ausgebaut, wohl weil er zweimal das Wutachtal kreuzte.

Bauarbeiten von der Höllentalbahn an der Luttlinger Bruck 1899
Luttlinger Bruck 1899

Die von den Römern ausgebaute Strecke verlief von Schleitheim über Zollhaus und unter der jetzigen Landstraße Schaffhausen—Donaueschingen bis nördlich Behla, verließ sie beim Behlaer Weiher, um durch den Wolfbühl das Kastellgelände zu erreichen. Sie überquerte auf der Luttlinger Brücke, die wohl ihretwegen gebaut wurde, das Bächlein in den Schleewiesen und wurde durch den Bau der Höllentalbahn abgelenkt.

Aber westlich des Bahndamms ist sie von dem Höhenpunkt 692,5 ab auf eine Strecke von 200 m erhalten, weil dieses Stück bis zum Jahre 1870 von der Straße Hausenvorwald—Hüfingen benutzt wurde. Obwohl es zum Gesamtverlauf der Straße nicht paßte, wurde es doch in sie einbezogen, weil es ausgebaut und bei der Entstehung dieser Verbindung schon vorhanden war. Das spricht für sein Alter.

Westlich des Kastellbades und östlich der Seemühle wurde der Straßenkörper angeschnitten. Von dem Kreuz an der Bräunlinger Straße ist dann bis zum Schächer an der Donaueschinger Straße ein 1200 m langes Stück mit dem Namen Hochstraße erhalten. Aber auch die Donaueschinger Straße südlich des Schächers hat einen römischen
Straßenkörper. Es wird sich hier um die Durchgangsstraße handeln, während die Hochstraße der Verbindung von Kastell und Canabae mit dieser diente.

Die Donautalstraße, die Hüfingen mit den claudischen Kastellen an der Donaugrenze verbunden haben muß, ist noch wenig gesichert. Die erste Schwierigkeit liegt östlich von Hüfingen in der Überquerung des Rieds. Die von Hertlein in die Karte Die Römer in Württemberg Blatt II eingetragene Linie stützte sich vor allem auf die angebliche Feststellung eines Straßenkörpers in der kleinen Baugrube eines Hauses südlich des Bahnhofs Hausenvorwald.

Zur Geschichte des Kastells.

Uebersichtskarte des obergermanischen und raetischen Limes

Durch die Grabungen in Aislingen, Rißtissen und Unterkirchberg war die Besetzung der Donaulinie in claudischer Zeit erwiesen worden. Auch in Hüfingen weisen die ältesten Funde in diese Zeit. Die frühesten Sigillaten sind gleichzeitig mit denen von Rißtissen und Unterkirchberg, während die von Aislingen einen noch etwas ältere Eindruck machen. Die Reihe der stempelfrischen Münzen beginnt ähnlich wie in Hofheim und Aislingen mit einer unter Tiberius geprägten Divus Augustus-Münze, dann folgt ein unter Caligula geprägter Germanicus, darauf die Claudiusmünzen. Halbierte Münzen wie barbarische Nachprägungen, für die Zeit bis Claudius bezeichnend, sind ebenso vertreten.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Die frühen Rosettenfibeln hat Hüfingen mit Aislingen und Vindonissa, ebenso die Eisenfibeln vom Spätlatènetyp und die Bronzedrahtfibeln vom sogenannten Mittellatènetyp mit Aislingen und Hofheim gemeinsam.

Was Hüfingen von den genannten claudischen Fundplätzen trennt, ist das reiche Spätlatène-Inventar, Keramik wie Münzen, das aus dem Kastellgebiet gewonnen wurde. Es ist das naheliegendste anzunehmen, daß dieses Inventar auf eine vorrömisch-keltische Anlage zurückgeht, die an der Stelle des Kastells bestanden hat. Das müßten dann eben die von uns ausgegrabenen ältesten Befestigungsanlagen sein, in deren Gräben und Baracken wir dieses Material so zahlreich gefunden haben; denn anderes wurde nicht gefunden. Demgegenüber ergab der Graben B aus seiner Tiefe in mehreren Schnitten (s. o. S.6) eine Reihe claudischer Funde. Er war also in claudischer Zeit bis in seine Spitze offen; ebenso wurden in der Tiefe der Gräben M, Y und F einwandfreie frührömische Funde gemacht. Unzweifelhaft ist auch die vom Graben J umschlossene Daueranlage im engsten Anschluß an die ältesten Befestigungsanlagen errichtet; das wäre bei einer vor längerer Zeit hier bestehenden keltischen Anlage ebenfalls undenkbar.

Der Befund ließe nur die eine, freilich wenig wahrscheinliche Deutung zu, daß die Römer eine bis in die vierziger Jahre des ersten Jahrhunderts bestehende keltische Anlage erobert und sich dann selbst in ihr festgesetzt hätten. Demgegenüber bleibt die frühere Annahme immer noch die wahrscheinlichere, daß das Spätlatène-Material in die römische Okkupationszeit hineinreicht, wie dies ja auch Ulrich Karstedt, Die Kelten in den decumates agri, Nachrichten der Gesellsch. der Wissenschaften zu Göttingen 1933 S. 300 und Bittel, Die Kelten in Württemberg

Bei der Bedeutung dieses Anhaltspunktes hielt ich es (1935) für notwendig, neben dem Haus den Straßenkörper weiter zu verfolgen. Dabei stellte sich heraus, daß in der Baugrube nicht ein Straßenkörper angeschnitten worden war, sondern die Trümmer der dort in der Nähe anstehenden Quarzitbank.

Mir scheint der wahrscheinlichste Verlauf immer noch die Straße Hüfingen-Behla (Landstr. 27 der Karte) bis zu ihrer Abbiegung nach Süden und von dort in gerader Fortsetzung der Feldweg nach dem Berchenwald (am Ostrand des Waldes einige tiefe Hohlen). Vom Berchenwald ab wird die Straße unter der jetzigen Straße nach Pfohren bis zum Schloßbuck verlaufen sein. Hier mußte das Ried auf 500 m durchquert werden bis zum Michelberg und von da nach Neidingen.

Die behelfsmäßigen Kastellanlagen.

Plan der Anlage des Kastells

*laut Berichtignung muss es hier 1:2,8 heißen

Die ältesten Wehranlagen sind die inneren. Alles deutet darauf hin, daß es sich bei ihnen um feldmäßige Stellungen handelt, die unter dem Drange des Bewegungskrieges entstanden und dann immer wieder behelfsmäßig verstärkt und erweitert wurden. Das tritt uns besonders deutlich vor Augen, wenn wir die Gräben dieser frühen Anlagen vergleichen mit den sorgfältig ausgebauten Gräben der letzten für die Dauer bestimmten Anlage. Die Gräben sind an den verschiedenen Stellen ungleich breit und tief, mit holprigen und unebenen Böschungen; bald ist die innere Böschung steil, bald die äußere. Derselbe Graben endet bald in eine Spitze, bald in eine Sohle. Primitiv muß auch der hinter den Grüben aufgeführte Wall befestigt gewesen sein. Nirgends hat sich eine Spur von Pfostenlöchern für eine Wallversteifung gefunden. Aus denselben Gründen haben sich die Römer den natürlichen Schutz zunutze gemacht und die Anlage im Norden und Westen an die Steilhänge des Galgenberges vorgeschoben.

Erhalten ist von dieser ältesten Anlage nur die Süd- und Ostfront, wohl gerade die beiden interessantesten Flanken des Kastells, weil sie, von Natur am wenigsten geschützt, der Befestigung am dringendsten bedurften, beide aus vier hintereinander liegenden Gräben bestehend, wobei freilich sehr fraglich ist, ob alle vier Gräben gleichzeitig offen waren.

Die Gräben der Süd- und Ostfront.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Graben A. Die durchschnittliche Breite des Grabens beträgt hier 3—3,30 m, seine Tiefe nimmt nach Osten, wohin der Graben sein Gefälle hat, bedeutend zu, von 1,10 (Schnitt 1) bis 1,60 m (Schnitt 2). Er ist Sohlgraben; nur das Profil von 2 nähert sich einer Spitze. Schnitt 4 geschnitten zunächst in eine 30 cm starke Kulturschicht und dann in Kalkfels. Die Füllung des Grabens besteht in der Tiefe aus großen Kalksteinbrocken, die nach oben mit dem Gewachsenen aufhören. In die noch offen gebliebene Mulde zeigte sich in allen Profilen des Grabens eine 30-10 cm dicke Lehmschicht eingelagert, offenbar um den Graben ganz einzuebnen.

Wann dies geschehen sein kann, dafür gibt der in der Lehmeinfüllung von Schnitt 3 gefundene Tellerbodenstempel CRESTI einen Anhalt. Möglicherweise hängt die Einebnung mit der Anlage des ersten Dauerkastells zusammen, und der Lehm stammt aus dem Aushub des Ostgrabens dieses Lagers.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Graben B. Seine durchschnittliche Breite im Gewachsenen beträgt 3,30 m, seine Tiefe 1,50 m. Geschnitten wurde er in vier Schnitten 5—8. Das Kopfende des Grabens am Südtor wurde ganz freigelegt, ebenso das Ende des nach Norden gewendeten Teils des Grabens (Schnitt 8).

alte Fotos mich Gräben. Auf dem rechten Foto steht ein Mann mit Hut.

Dieses ist bedeutend schmäler: 2,30 m, seine Tiefe im Gewachsenen nur 1,10 m (1d). Die Profile von 6 und 7 zeigen eine sehr unregelmäßige Füllung (1b und c).

Grabenprofil - alte Zeichnung
Schnitt 6 durch Graben B
Grabenprofil - alte Zeichnung

Steinfüllung wechselt mit schwarzer Kulturerde. Bänder aus Brandschutt und Barackenlehm durchziehen die Profile. Im Grabenkopf und in den Schnitten 5 und 7 wurden für die Datierung der Gesamtanlage wichtige Funde gemacht.
Im Grabenkopf fand sich neben einheimischem Geschirr eine Stierpferdchenmünze und ein römischer Ringschlüssel. In einer Tiefe von 10 cm lagen über die ganze Breite des Grabenkopfs zerstreut Bruchstücke der Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 3).

Gezeichnete Scherben

Ferner lag in dem Grabenkopf das Bodenstück eines Schälchens Dragd. 24/25 mit Strichelrand, ferner ein Sigillatabruchstück einer halbkugeligen Schale mit den Resten eines Graffitos.

In Schnitt 5 in der Sohle wurde gefunden neben primitiven schwarzen Scherben das Bruchstück eines halbkugeligen
Schälchens mit Grießbewurf, weiter oben ein Bruchstück eines kleinen Täßchens mit Strichelrand, ferner wieder zahlreiche Scherben der Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 6), die wohl spätclaudischer Zeit angehört.

In der Sohle von Schnitt 7 fanden sich zahlreiche Bruchstücke einer außen rot bemalten und geglätteten Schüssel mit Wandknick und nach außen gelegtem Rand wie sie aus dem Gräberfeld von Bregenz bekannt geworden sind (wie Taf. XVIII Fig. 78), ferner ein spiegelnd glänzendes Bruchstück eines kleinen Schälchens aus Sigillata mit geknickter, im oberen Teil senkrechter Wand. Außerdem wurde das Mittelerz des Claudius Nr. 2 aus dem Aushub dieses Schnittes aufgelesen.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Graben C ist ein Sohlgraben. Seine Breite beträgt durchschnittlich 3 m, seine Tiefe im Gewachsenen 1—1,20 m, in der Biegung in die Ostfront ist er schmäler. Auch dieser Graben hat Gefälle nach Osten. Er hat eine ziemlich gleichmäßige Füllung aus hellem Kalkschotter.

Die Profile zeigen im Gegensatz zu A keine Einschwemmungen von dunkler Kulturerde, auch wenige Scherben. Er scheint danach nur kürzere Zeit offen gewesen und dann künstlich eingedeckt worden zu sein. Der Osttrakt des Grabens ist durch den späteren großen Kastellgraben beseitigt.

Graben D gehörte, wie sich im Verlaufe der Grabungen herausstellte, ebenfalls zu den inneren, frühen Kastellanlagen. Er endete am Südtor in einem Grabenkopf mit ziemlich breiter Sohle (obere Breite 3,80 m, Tiefe 1,40 m) und wurde auf eine große Strecke an der Südfront von dem Kastellgraben der Daueranlage weggeschnitten.

Fotos von Bodenprofilen

Erst 1929 wurde seine Ostfront noch östlich des Ostgrabens der Daueranlage gefunden. Hier war er in den Schnitten 20 und 21 Spitzgraben bei einer Breite von 3,4 und 3,8 m und einer Tiefe von 1,8 m.

Der Graben wurde im Norden vom Eisenbahneinschnitt abgeschnitten. Westlich des Südtors hat er keine Fortsetzung, wohl deshalb, weil hier die Annexgräben an seine Stelle getreten waren.

Über den Zweck von Graben H vermag ich auch nach Abschluß der Grabung nichts zu sagen. Er beginnt an der Südwestecke des Pfeilerbaues und läuft kurz vor dem Südtor allmählich aus. Er hatte eine waagrechte Sohle von 1,20 m Breite und nahezu senkrechte Ränder. Er war in seinem östlichen Teil durchschnittlich 50 cm in den Fels eingetieft. Gefälle hat er nach Osten. Er muß lange offen gelegen haben, sein Profil zeigt an den Rändern eine sehr starke, eingeschwemmte Kulturschicht. In die nach dieser Einschwemmung noch vorhandene Mulde wurde heller Kalkschotter so fest eingestampft, daß die Füllung von oben fast wie gewachsener Fels aussah. Sein Profil erinnert an das einer Fundamentgrube. Es fand sich aber in keinem der Schnitte auch nur eine Spur von Mörtel.

Westlich des Südtors wurden die drei Gräben K, L und M durch mehrere Schnitte über den Grasweg hinaus bis in die Wiese hinein nach Westen verfolgt. Sie waren hier nur noch 50-60 cm tief. Trotzdem die Gräben bis an den Steilrand hinaus verfolgt wurden, konnte nicht einmal bei den beiden nördlichen (K und L) der Beginn einer Umbiegung in die Westfront festgestellt werden; sie muß also noch weiter westwärts gelegen haben. Während auf der Ostseite des Tordurchgangs alle drei Grabenköpfe durch einen Graben miteinander verbunden sind, sind es an der Westseite nur K und I. In diesem Graben war eine starke Kohlenschicht eingelagert. Der südliche Grabenkopf war bei dem Bau der kleinen Daueranlage als Pfostenloch für einen Zwischenturm benutzt und dafür mit senkrechten Böschungen versehen und mit schweren Steinen bepackt.

Die ganze Tafel II mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Die Toranlage.

Von besonderer Eigenart ist die Toranlage (Taf. III Fig. 3). Wie ein Keil ist die ganze Südfront gegen das am leichtesten zugängliche Gelände vorgeschoben; dadurch daß der Toreingang an der Spitze des Keils liegt, entsteht zwischen den beiderseitigen Grabenköpfen ein weiter, nach dem Tor zu sich verengender Raum, der von drei Seiten erreichbar ist. Am eigenartigsten aber ist der parallel zu den westlichen Grabenköpfen von Norden nach Süden verlaufende Graben P. Er hatte an seinem Nordende bei einer Breite von 2 m eine Tiefe von 1,40 mim Gewachsenen und eine 50 em breite Sohle, an seinem Ostende war er 2,25 m breit und 1,20 m tief. Er biegt auf der Höhe von M nach Osten um und reicht weit in den Torraum hinein, vor diesen eine zweite Sperre legend. Die übereinander greifenden Grabenköpfe von P nach C erinnern an das Lager von Hofheim und vorrömische Gewohnheiten.

Über den Zweck des Grabens P ist schwer etwas zu sagen. Vielleicht ist er erst angelegt als die beiden Annexcräben E und F an das Lager angeschlossen wurden, und hatte die Aufgabe, den Eingang in den von den Annexgräben umschlossenen Raum zu flankieren.

Nördlich von Grabenkopf B wurde die Erde in einer Breite von 8 und einer Länge von 14 m abgehoben. Es fanden sich aber keine Pfostenlöcher, die nach ihrer Tiefe und ihrer Lage für einen Torturm oder für die Wallversteifung in Frage kommen konnten. Wenn solche vorhanden gewesen wären, so hätten sie in dem harten Kalkfels unbedingt gefunden werden müssen.

Grabenprofil - alte Zeichnung

In Schnitt 4 war die Kulturschicht hinter Graben C in einer Länge von 3 m unterbrochen, und am nördlichen Ende dieser Unterbrechung war eine Vertiefung. Man könnte vermuten, daß diese Unterbrechung durch einen hinter dem Graben errichteten Wall verursacht war und die Vertiefung am Ende einen Pfosten oder ein Widerlager zur Wallversteifung aufgenommen habe. Aber diese Unterbrechung der Kulturschicht konnte in den benachbarten Schnitten nicht mehr beobachtet werden. Da in der Nähe des Horreums früher schon gegraben wurde, lassen sich auf diesen einmaligen Befund sichere Schlüsse für das Vorhandensein des Walles nicht bauen.

Auch im Torweg selbst fanden sich nur zwei Pfostenlöcher, die nach ihrer Tiefe und ihrem Durchmesser für einen Torverschluß in Frage kommen konnten. Ebenso zeigte sich auch hinter dem westlichen Grabenkopf, wo die Erde ebenfalls in einer Länge von 6 m 4 m breit abgehoben war, keine Spur von Pfostenlöchern. Es waren also hinter den Grabenköpfen von B und K keine den Tordurchgang flankierenden Türme vorhanden.

Die Erweiterungen auf der Südseite.

Eine Erweiterung der frühen Kastelle stellt die von den drei Annexgräben E, F und G (Taf. II, die Profile Taf. IV Fig. 1f-h) umschlossene Fläche dar.

Grabenprofil - alte Zeichnung
Grabenprofil - alte Zeichnung
Schnitt im Graben G

Die Gräben ziehen sich vom Südtor in flachem Bogen nach Südwesten bis an den westlichen Steilrand der Höhe, wo sie in scharfer Ecke nach Norden umbiegen, um dort in den nicht mehr vorhandenen Westtrakt des Grabens M oder L einzumünden. E und G haben nur einen Westgraben. Sie sind also gleichzeitig und unterscheiden sich von F‘ auch dadurch, daß sie keine Grabenunterbrechung haben.

So muß F zuerst der einzige Graben gewesen sein. E und G sind später angelegt worden. Sie sind dem Graben F nicht der Verstärkung wegen vorgelegt worden, sondern, um mehr Platz zu gewinnen, wobei dann F eingeebnet wurde. In der Spitze der Südwestecke von F fand sich das Bruchstück einer Sigillatatasse, wohl Dragd. 27 mit Stempelrest IN oder …NI. Die Breite der Gräben betrug 3,50 m, ihre Tiefe schwankte zwischen 1,20 und 1,60 m. Über den wieder zugefüllten Graben E hinweg zieht sich kurz vor seiner Einmündung in den gemeinsamen Westgraben eine Brandschicht mit zahlreichen Dachziegelbruchstücken, darunter eines mit Stempelrest und das Bruchstück einer Sigillataschüssel Dragd. 29 vespasianischer Zeit (Taf. XIV Fig. 26).

Grabenprofil - alte Zeichnung

Die Annexgräben sind wenig sorgfältig angelegt und können nur kurze Zeit offen gewesen sein, da die Einfüllung sehr arm an Kulturspuren ist. Das gilt vor allem auch von dem Graben Y, durch den diese frühen Anlagen vielleicht noch einmal um zwei Drittel ihres bisherigen Umfangs erweitert wurden. Die Art, wie diese Lagererweiterung an die Annexgräben angeschlossen ist, zeigt so recht den behelfsmäßigen Charakter dieser Erweiterung.

Die Breite von Y schwankte zwischen 3,50 und 4,10 m. Seine Tiefe hinter dem Südtor des großen Lagers betrug etwa 2,30 m. Die Füllung des Grabens zeigt fast gar keine Kulturspuren. Ein Schnitt (9) hinter dem Südtor des großen Lagers brachte zwei rot bemalte Tellerbruchstücke mit Viertelrundstab, Nachahmungen eines Sigillatatellers der älteren Form, die den unteren Teil der Wandung als ausgesprochene Kehlung zeigt (Taf. XVIII Fig. 70). Ein benachbarter Schnitt (10) zeigte in seiner Füllung das Profil eines Pfostens des großen Südtors.

Nach Osten nahm Graben Y an Breite und Tiefe ab. Er strebte hier offenbar auf den Steilhang jener Mulde zu, die vor dem Eisenbahnbau von Norden her vom Bregtal heraufzog, aber größtenteils durch den Eisenbahneinschnitt zerstört wurde. Nur der nördlichste Teil dieser Mulde ist noch vorhanden. Dort wurde durch drei Schnitte vergebens versucht, den Osttrakt von Y oder seine Umbiegung in die Nordfront zu fassen.

Die Gräben der übrigen Seiten.

Von den frühen Gräben der Ostfront wurde der äußerste durch den Eisenbahneinschnitt abgeschnitten, lange ehe er den Nordhang erreichte. Er endete in eine Spitze und hatte im letzten Schnitt eine Tiefe von 1,8 m bei einer Breite von 3,8 m. Die beiden inneren Gräben der frühen Ostfront konnten bis fast an den Nordrand der Lagerebene verfolgt werden. Sie nahmen beide nach Norden zu an Breite wie an Tiefe ab. Der nördlichste Schnitt von Graben O, etwa 15 m vom Nordhang entfernt, war nur noch 60 cm tief, der von A fast an der Nordgrenze des Ackers hatte bei einer Breite von 1,80 m eine Tiefe von einem Meter.

Graben A wurde durch zahlreiche Schnitte untersucht. Eine Grabenunterbrechung, die auf ein Osttor schließen ließe, wurde nicht gefunden. Die nördlichsten Schnitte zeigten auch keine Anfänge einer Umbiegung der Gräben von der Ostfront in die Nordfront. Freilich ganz am Nordrand der Lagerebene sind die Gräben überhaupt nicht mehr festzustellen, ebensowenig wie die Nordfront der späteren Anlage (s. u.). Hier zeigten sich nach Abhebung des Ackerbodens tiefe Klüfte.

Der Fels war in große Blöcke zerspalten und diese verschoben. Die Breg, die hier einmal ganz nahe an den Hang herangetreten sein muß, hat die Unterlage unterspült, so daß die oberen Bänke nachrutschten und nach der Breg zu absanken. Diese Bewegung ist auch heute noch nicht abgeschlossen, wie die Klüfte, die sich in den Äckern dort immer wieder öffnen, beweisen.

Ebensowenig wie von der Nordfront ist von der Westfront der frühen Anlage etwas vorhanden. Hier muß in nachrömischer Zeit ein Teil des Hanges wohl durch Steinbruch beseitigt worden sein. Obwohl die Gräben K, L, M soweit als möglich bis an den Hang hinaus verfolgt wurden, war auch hier von einer Umbiegung in die Westfront nichts zu erkennen. Doch muß der Westtrakt von L wohl in der Flucht des späteren großen Kastellgrabens verlaufen sein, der ihm vermutlich gefolgt ist. Freilich ist auch der große Kastellgraben durch den Hang beseitigt, aber sein Verlauf ist wenigstens festgelegt durch den 8 m weiter östlich parallel zu ihm verlaufenden Graben N 1. Denkbar wäre auch hier, daß man wie beim Westtrakt der Annexgräben sich infolge der natürlichen Sicherung durch den Steilhang mit einem Westgraben begnügte und die beiden anderen (K und M) in ihn einmünden ließ. Für K kann man das fast sicher sagen; denn sonst müßte seine Wendung in die Westfront durch Schnitt 11 noch erfaßt worden sein.

Die ganze Tafel II mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Die Innengräben.

Von der Raumdisposition im Innern der frühen Kastellanlagen steht nur eines fest: die Richtung der Hauptlagerstraße, die durch die Unterbrechung der Gräbchen nördlich von S festgelegt ist. Das Gelände nördlich von dem Gräbchensystem bei S enthält keine römischen Kulturspuren mehr. Dort ist die alte Oberfläche verschwunden, und eine kaum 10 cm starke Humusschicht bedeckt den hier anstehenden Trigonodusdolomit. Um dieses Gelände zu untersuchen, wurde an dem Ostrand des Grasweges entlang ein langer Suchgraben bis zum Wasserbehälter geführt, ein zweiter wurde von den Grabenköpfen des Systems S aus auf dasselbe Ziel hin angelegt. Aber beide Schnitte ergaben unter einer geringen Humusdecke den gewachsenen Fels. Um auch das Gelände weiter östlich nach Spuren abzutasten, wurden von dem Nordrand her gegen Süden die drei Schnitte Q, R und T in einem Abstand von etwa 10 m geführt. Der westliche stieß schon in geringer Tiefe auf das Gewachsene und zeigte keinerlei Kulturspuren. Der mittlere, der auf eine Länge von 60 m ausgehoben wurde, war bis in eine Tiefe von 2 m geführt, ohne daß man auf das Gewachsene oder auf eine Kulturschicht stieß.

Er legte an seinem Südende eine von Ost nach West ziehende Verwerfungsspalte frei. Hier waren die oberen Kalkbänke infolge der Verkarstung der Unterlage in die Tiefe gesunken. Der Schnitt verlief in der Längsachse des eingebrochenen Stückes. Da sich selbst in 2 m Tiefe noch keine römische Kulturschicht zeigte, so möchte man annehmen, daß der Einbruch erst in nachrömischer Zeit erfolgte oder sich wenigstens fortsetzte. Der östliche der drei Schnitte hatte in einer Tiefe von 1 m auf seiner Sohle stellenweise Brandstellen ohne nennenswerte Funde.

Unmittelbar neben diesem Schnitt war man schon 1913 21 m nördlich von der damaligen Grenzsteinlinie in eine schmale kanalartige Kluft (U) geraten, die in nordsüdlicher Richtung zog. Sie war aufgefüllt, und schon bald stieß man auf die Sockelplatte eines Votivsteins (bei Punkt 12), zu der sich dann auch noch einige Bruchstücke des Leibes mit Karniesrahmung und die untere rechte Ecke der Inschrift fanden (letzte Reste von 4 Zeilen, Taf. V Fig. 4a und b).

Foto eines Votisteins
Bruchstück mit RS und dann R eingemeißelt

Vergeblich wurde nach weiteren Fragmenten des Votivsteins gesucht. Die Kluft biegt etwas nach Westen aus, um dann die alte nordsüdliche Richtung wieder aufzunehmen. Sie ist voll von Schutt, Ziegeln, Barackenlehm, Scherben und vielen Knochen. Auch zwei römische Münzen, Claudius Nr. 7 und Vespasian Nr. 17, fanden sich darin.

Tafel IX


Keltische Münzen

1 Leuker, gut erhalten, Vorderseite Kopf n. I., Rückseite Eber, Gewicht 2,79 g
2 Dieselbe, etwas aufgequollen, Gewicht 3,96 g
3 Dieselbe, leicht beschädigt, Gewicht 3,15 g
4 Dieselbe, leicht beschädigt, Gewicht 3,75 g
5 Sequaner, fast vllständig erhalten, Voerderseite Kpf n.l., Rückseite Stier, Gewicht 4,65 g
6 Dieselbe, vollständig erhalten, Gewicht 5,1 g;
7 Dieselbe, aber aus hellem Potin, schlecht erhalten, Gewicht 4,8 g
8-12 Dieselbe, teilweise beschädigt

13 Ein ganz ähnliches Stück, von mir 1913 in der Villa rustica im Deggenreuschenwald bei Hüfingen gefunden

14-23 Dieselbe
24 Helvetier, ziemlich beschädigt, Rückseite gehörntes Tier,

Verzeichnis sämtlicher auf Gemarkung Hüfingen gefundenen Münze

So ist in den nordwestlichen Lagerpartien das Gräbchensystem nördlich von S das letzte, was erhalten geblieben ist, und auch hier ist die alte Oberfläche nicht mehr da, sondern nur noch die Vertiefungen, die Gräbchen und Mulden. Nördlich von dem Graben S und parallel zu ihm laufen in leichtem Bogen vier Gräbchen. Sie sind alle unterbrochen und markieren dadurch den Verlauf der Hauptlagerstraße. Diese Gräbchen zeigen sich im Frühjahr als nasse Streifen auf dem sonst trockenen Ackergelände, weil dieses nur eine geringere Humusschicht deckt und rascher abtrocknet als die in den Gräbchen befindliche Erde. Die Gräbchen wurden vom Grasweg aus durch mehrere Schnitte verfolgt und ihre Köpfe beiderseits des Lagerwegs freigelegt. Dann wurde im Anschluß an den schon 1913 abgeputzten Streifen ein weiterer abgedeckt (Taf. VIII Fig. 5).

Tafel mit Fotos verschiedener Bodenprofile. auf Foto 1 ist wieder der Mann mit Hut. Man sieht hier gut die alten Grabungsstätten

Tafel VIII

Wie schon die großen Kastellgräben, nahmen auch diese Gräbchen nach Westen zu bedeutend an Breite und Tiefe ab, ein Zeichen, daß hier im Verlaufe der Zeit ziemlich viel Boden abgetragen sein muß. Deshalb waren auch die Funde in dem abgedeckten Teil verhältnismäßig spärlich: Bruchstücke einer Bregenzer Schüssel, kleiner Bronzering mit Inschrift, Bodenstück eines Schälchens Dragd. 27, das Bronzebeschlägstück Taf. XI Fig. 18.

Tafel mit verschiedenen Fundstücken von Nummer 1 bis 103

Tafel XI

Beschreibung Tafel XI

Grabenprofil - alte Zeichnung

Auch westlich der Lagerstraße wurden die Gräben weiter verfolgt. Die Humusdecke nimmt hier an Dicke zu, und damit mehren sich auch die Kulturspuren und Funde. Hier geriet man bald in die Gräbchen der überlagernden Baracke Ib. Die Profile der Gräbchen nördlich von S zeigen meistens flache Böschungen und eine kleine Sohle. Zwei größere Gräben S und S3 flankieren zwei schmälere und flachere. Der breiteste ist S, dessen Profil Fig. 1i wiedergibt. Die Sohle hat in den Schnitten 17, 18 und 19 eine rinnenartige Vertiefung, wie sie für Wasserabzugsgräben charakteristisch ist. Für diesen Zweck spricht auch die Füllung der Sohle mit dunkler, eingeschlämmter Kulturerde. Schon 1913 waren diese Gräbchen durch ihre dunkle Füllung aufgefallen. Es können keine Barackengräbchen sein. Das zeigen die Profile.

Der Unterschied wurde besonders deutlich, als wir die schmalen und senkrecht in den Fels eingetieften Gräbchen der Baracke I kennen lernten.

Graben S kann aber auch nicht als Umfassungsgraben einer ältesten, womöglich noch vorrömischen Anlage gedeutet werden. Das Kartenbild des Grabens entspricht nicht seiner Bedeutung; seine Tiefe ist gering; sie schwankt zwischen 80 cm an der Westfront und 1,20 m in Schnitt 17. Das Ostende des Grabens ist etwas nach Norden abgebogen und sorgfältig ausgearbeitet. Das ließ zunächst an eine Torlücke denken. Aber die nördlich und östlich von dem Ende in mehreren Abständen gezogenen Suchschnitte zeigten, daß S hier wirklich zu Ende war und sich nicht nach einer Unterbrechung nach Norden oder Nordosten oder Osten fortsetzte. Um auch über die Zeitstellung restlose Klarheit zu schaffen, wurde der Graben in Schnitt 17 auf eine Strecke von 2,50 m ganz ausgehoben. Dabei wurde in seiner Tiefe außer der einheimischen Gebrauchsware eine weite halbkugelige Sigillataschale mit horizontal abstehendem Rand (Ritterling, Hofheim Typus XII und Knorr, Aislingen S. 76 zu Fig. 22) und die barbarische Prägung einer Lyoner Altarmünze gefunden. Die Füllung von Schnitt 19 enthielt mehrere Bruchstücke eines kleinen Sigillatatäßchens mit geknickter, im oberen Teil senkrechter Wand mit Stempelbruchstück. Die Gräbchen gehören zu den ältesten Innenbauten der frühen Anlage. Es gibt wohl kaum eine bessere Erklärung für dieses Gräbchensystem, als daß es den Zweck hatte, die dazwischen gelegenen Streifen zu entwässern und dadurch eine trockene Wohnebene für Zelte oder sonstige leichte Bauten zu schaffen. Die bei den Abdeckungen gefundenen Mulden und sehr flachen Quergräbchen mögen damit zusammenhängen.

Demselben Zweck wie die Gräben nördlich von S dienten auch die drei unter dem Pfeilerbau (dem Horreum) durchgehenden frühen Gräbchen (Taf. III Fig. 4).

Die ganze Tafel III mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Daß es keine Barackengräbchen waren, sieht man an den Profilen wie an der Art, wie das nördliche Q an der Ostecke
des Pfeilerbaues in leichtem Bogen in den Nordsüdgraben V einmündet (Taf. III Fig. 4). Auch die Füllung, schwarzer Schlamm, durchsetzt mit zahlreichen Funden, spricht dagegen. Das nördliche dieser Gräbchen (im Gewachsenen Breite 1,35 m, Tiefe 35 cm) begann in der Nähe des Ofens, Ost- und Westmauer des Pfeilerbaues waren über das Gräbchen hinweggeführt, ohne daß das Fundament der Mauer in dieses hinunter reichte. In diesem nördlichen Gräbchen fanden sich westlich des Pfeilerbaues zahlreiche frühe Funde:
Die Militärfibel Taf. X Fig. 9, die beiden Rosettenfibeln Taf. X Fig. 8 und 10, der Pionierpickel Taf. XIII Fig. 16, die Bruchstücke eines Henkels von Millefioriglas Taf. XIII Fig. 23, ein halbkugeliges Schälchen mit Grießbewurf und Bruchstücke eines Sigillatatellers mit Viertelrundstab.

Tafel X mit Fundstücken wie Haarnadeln Nummer 1 bis 66

Tafel X

Beschreibungen Tafel X

Tafel XII mit Speerspitzen

Tafel XII

Beschreibung Tafel XII

Das mittlere Gräbchen (im Gewachsenen 60 cm breit, 30 cm tief) mündete ebenfalls in den Nordsüdgraben V, der hier unter der Ostmauer des Pfeilerbaues liegt. Am Westende dieses Gräbchens lag ein römischer Spitzamphorenfuß mit Henkelbruchstück, das Bruchstück eines violetten Glasarmrings Taf. XIII Fig. 36, ein Sigillatatellerbruchstück mit Viertelrundstab und dom Stempel Felicis Taf. XVI Fig. 9, der bronzene Stiel eines Weinsiebs Taf. XII Fig. 6a und die Fibeln Taf. X Fig. 13, 26, 28 und 29. Das südlichste und mächtigste der Gräbchen (im Gewachsenen 1,56 m breit, 50 cm tief) endete nicht in dem Graben V, sondern in A. Sein Anfang konnte nicht mehr festgestellt werden. Aus seiner Tiefe stammt die rote Schüssel Taf. XVIII Fig. 78. Der Graben V hatte gegenüber der Nordostecke des Pfeilerbaues eine Breite von 1,5 m bei einer Tiefe von 1,65 m; er wurde nach Norden immer breiter und flacher und lief allmählich ganz aus.

Der Graben ergab gegenüber dem Pfeilerbau an Funden einen großen Schiebeschlüssel Taf. XII Fig. 18 und einen Breitmeißel aus Eisen Taf. XIII Fig. 3 sowie das Bodenstück eines Schälchens Dragd. 27 mit Stempelbruchstück Taf. XVI Fig. 31, wohl Acuti.

Im Innern des Pfeilerbaues wurde ein Wasserbehälter S von 6,5 × 8 m Grundfläche freigelegt. Er war 65 cm tief und mit einer 50 cm starken Lehmschicht ausgekleidet. Die Wände waren nach innen geböscht. Die Ostwand ist wahrscheinlich bei der Ausgrabung im Jahre 1823 zerstört worden; seine Westwand sitzt teilweise unter der Pfeilerbaumauer. Daß der Behälter älter ist als der Pfeilerbau, zeigt überdies das Postament I, das einfach auf die Lehmverkleidung aufgesetzt war (Taf. VIII Fig. 3).

Spuren von einer sonst bei solchen Anlagen vorhandenen Holzverkleidung waren nicht mehr zu erkennen. Vielleicht waren sie durch die erste Ausgrabung zerstört. Ähnliche Anlagen fanden sich in dem Erdkastell der Saalburg, Saalb. Jhrb. VI 1914-24 S. 25. Das Gräbchen R (im Gewachsenen 75 cm breit, 30 cm tief) mit waagrechter Sohle, diente wohl als Abflußrinne des Beckens. Es muß angelegt gewesen sein, ehe Graben V vorhanden war. Möglicherweise gehört der Behälter zu einer „Holzbadeanlage“, wie sie in Vindonissa gefunden wurde. Weitere Reste können durch die erste Ausgrabung des Pfeilerbaues zerstört sein. Reste eines „Lehmstreifs“, der aus der Südostecke des Baues bis zum Gräbchen R (Taf. III Fig. 4) nach Norden zog, wo er von der späteren Ostmauer abgeschnitten wurde, konnte Leonhard 1913 noch beobachten. Eine solche Anlage würde es erklären, weshalb der Graben B nicht hinter der ganzen Südfront durchgeführt war.

Tafel XIII mit Fundstücken

Tafel XIII

Beschreibung Tafel XIII

Die Tafel 14 mit den ganzen durchnummerierten Scherben

Tafel XIV

Tafel 15 mit den Bruchstücken von Vasen

Tafel XV

Tafel XVI sechzehn mit Bruchstücken

Tafel XVI

Beschreibung Tafel XIV, XV, XVI

Artefakte auf Tafel 17

Tafel XVII

Die Tafel 18 mit den ganzen durchnummerierten Scherben

Tafel XVIII

Beschreibung Tafel XVII+XVIII

Ziegel, Lampe und Steine

Die Baracken.

Die ganze Tafel III mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Wie bei den Wehrbauten handelt es sich auch bei den Baracken der frühen Kastelle um sehr leichte Anlagen, die im Boden oft nur dürftige Spuren hinterlassen haben. Es sind durchaus lange Bauten von geringer Tiefenausdehnung, durch zahlreiche Querwände in einzelne Contubernien eingeteilt, deren Breite durchschnittlich 3 m betrug. Eine Unterteilung nach der Tiefe war bei diesen frühen Baracken nicht vorhanden. Da die Bauten sehr leicht waren, wurden sie auch sehr oft verändert. Daher die zahlreichen Querwändchen, die sich oft nebeneinander wie die Geleise eines vielbefahrenen alten Weges im Boden einzeichneten. Oft sind die Spuren so schwach, daß wir sie nur bei umfangreichen Abdeckungen in ihrem System zu erkennen vermochten, so bei den frühen Barackengräbchen unmittelbar hinter dem Graben B.

So waren die Spuren von solchen Barackengräbchen auch nur östlich von dem Hauptlagerweg zu erkennen, weil westlich davon mit einem Teil der alten Oberfläche auch die wenig tiefen Gräbchen verschwunden sind. Aber auch östlich ist nicht mehr so viel erhalten, daß ein System in der Verteilung der Baracken mit Sicherheit zu gewinnen ist. Immerhin läßt sich doch einiges erkennen (vg). Taf. III Fig. 1, wo die älteren Barackengräbchen unschraffiert sind.

Die ältesten Baracken waren wohl nach dem Graben A orientiert. Dazu gehörto die Baracke 1a, die mit ihrem Gegenbau, der ersten Anlage von 1b, eine Doppelkaserne bildete. Vielleicht stellte das Gräbchen 18b die Rückwand einer zweiten solchen Doppelkaserne dar, die sich dann bis zur Nordwand von Baracke II erstreckt hatte. Dieses System wurdo, wie Baracke II zeigt, geändert, als Graben B angelegt und die Baracke II nach ihm ausgerichtet wurde (Taf. III Fig. 2). Innerhalb der Baracken wurde viel Barackenlehm gefunden, aus dem die Wände ausgeführt waren. Seine Stärke (etwa 1 cm) zeigt, daß es sich um sehr leichte Bauten handelte. Ziegelplatten wurden kaum gefunden, der leichte Oberbau hätte eine Ziegelbedachung nicht getragen.

Die Baracke Ia war die erste Baracke, die untersucht wurde (Taf. III Fig. 1). Der langgestreckte Bau konnte auf eine Länge von 33 m verfolgt werden. Die durchschnittlich 40 cm breiten Gräbchen sind mit senkrechten Rändern 20—30 cm tief sorgfältig in den Kalkfels eingeschnitten. Nach Süden zu verschwinden die Spuren allmählich, weil hier die Fundamentgräbchen nur in den Humus eingesetzt waren. Die im ersten Bericht genannten Pfostenlöcher dürften mit der Baracke nichts zu tun haben. Damit entfällt auch die dort genannte Tiefe von 11 m. Die Tiefe der Baracke dürfte vielmehr 4,5 m betragen haben. Die Rückwand ist in den Ostteilen noch zu erkennen, und am Westende dürfte sie durch das Grübchen 18a bezeichnet sein. Die einzelnen Contubernien hatten eine Breite von 3 m. Eine Unterteilung nach der Tiefe war nicht vorhBruchstücken einer claudischen Schüssel Dragd. 29 Taf. XIV Fig. 1anden. Funde aus dieser Baracke bestanden in zahlreichem Latènegeschirr, einem Sigillatatäßchen mit Strichelrand, reich profiliertem Sigillatateller, Bruchstücken einer claudischen Schüssel Dragd. 29 Taf. XIV Fig. 1, Potinmünze Nr. 9, Mittelerz des Tiberius (Divus Augustus) Nr. 3.

Nördlich von Baracke la war ursprünglich ein gleich leicht gebautes Gegenstück, dessen Spuren in der später wiederholt umgebauten Baracke Ib (auf Taf. III Fig. 1 schraffiert) stecken.

Die Baracke II gehört ebenfalls in die frühe Zeit (Taf. III Fig. 2). Sie verläuft parallel zu Graben B. Ihr voraus ging eine nach dem Graben A orientierte Anlage, die etwas nach Norden verschoben wurde, als Graben B gebaut wurde. Der Bau muß ebenfalls ungefähr 33 m lang gewesen sein, wenigstens bietet der Graben B soviel Raum für ihn. Im Ostteil waren Spuren der Baracke nicht mehr zu finden, obwohl durch mehrere Schnitte nach ihnen gesucht wurde. Dagegen waren die Barackengräbchen im Westteil sehr gut erhalten (Gesamttiefe 80 cm, Breite der senkrecht eingetieften Gräbchen 40—50 cm). Freigelegt und genau festgestellt konnten noch fünf Contubernien werden. Sie hatten eine durchschnittliche Breite von 3 m und zuletzt eine Tiefe von 7,5 m. Eine Unterteilung war nicht vorhanden, denn die Längsschwelle, die die Baracke im Innern durchzieht, gehört zu einer früheren, nach Graben A orientierten Anlage. Auch in dieser jüngeren Anlage wurden die Scheidewändchen zwischen den einzelnen Contubernien noch wiederholt versetzt. Die Funde in dieser Baracke waren:
gewöhnliches Geschirr fast nur einheimischer Technik, keltische Potinmünzen: eine vom Ebertyp Nr. 3, drei vom Pferdchentyp Nr. 15, 18, 19, Victoriat, Stempel des frühen südgallischen Töpfers Secundus (Taf. XVI Fig. 25), Sigillatabecher Dragd. 30 (Taf. XV Fig. 5), Fragment einer Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 2).

Baracken III und IV (Taf. II, schraffiert). Die beiden Baracken laufen parallel zum Ostarm des Grabens Y, gehören also zur letzten Erweiterung des frühen Kastells. Bei Baracke III hob sich das Fundamentgräbchen der Nordwand in dem hier anstehenden Lehm durch seine senkrechten Ränder und die steinige Füllung vorzüglich ab, während die Gräbchen der Südwand weniger tief und teilweise unterbrochen waren. Das Ostende der Baracke war durch den späteren großen Kastellgraben abgeschnitten, östlich von diesem fand sich keine Spur mehr davon.

In einem Abstand von 9 m wurde weiter nördlich eine zweite, gleichgerichtete Baracke IV angeschnitten. Ihre in den blauen Lehm senkrecht eingetieften Gräbchen (Breite 40 cm, Tiefe im Gewachsenen 30 cm) waren in den östlichen Partien sehr deutlich zu erkennen. Nach Westen, wo Kalkstein ansteht, nahm die Tiefe der Gräbchen rasch ab, so daß westlich von dem Gräbchen N 2 keine Spur der Baracke mehr zu erkennen war. In der Nähe der Baracken fanden sich meistens Kochstellen und Abfallgruben. Die Kochstellen waren in der Regel an der großen Menge von Scherben, die mit Asche und Ruß zusammenlagen, zu erkennen. In dem gowachsenen Boden hoben sie sich als flache, rundliche Mulden ab, während die Abfallgruben bis zu 1 m tief in diesen eingeschnitten waren. Mehrere solche Kochetellen lagen in der Nähe von Barake III mit zahlreichen Scherben nur einheimischer Art. In der nördlichen dieser Kochstellen (15) fand sich auch die ausgezeichnet erhaltene Potinmünze Nr: 22 und ein Feuersteinschaber. Da diese Kochstellen bis an den Grabenrand von Y heranreichen, müssen sie früher sein als Y, also auch als die Baracke. Die Grube 46a ist eine Abfallgrube.

Auch südlich von Baracke Ia war ein soches Kochloch, und wenige Meter weiter südlich wurden die Reste eines Herdes oder Ofens freigelegt. Er hatte Achterform. Der größere, südliche Teil war von einer Steinsetzung umgeben, der kleinere war nur in Lehm eingetieft. Beide waren durch eine kleine Öffnung, die beiderseits von Steinen begrenzt war, verbunden. Im innern, größeren Teil sind Steine und Lehm rot verbrannt, im vorderen ist alles schwarz und voll Ruß und Brandschutt. Die Steine um den inneren Herd stehen an der Nordwestseite hochkant, hinten liegen sie. Im Innern des hinteren Herdes ist eine 13 cm tiefe, trapezförmige Grube in den Lehmboden eingelassen. Der Herd war etwa 60 cm in den umgebenden Lehm eingetieft, darüber lagen noch 75 cm Humus. Die Nordwestseite des Herdes ist später einmal abgerissen worden. Die Umgebung des Herdes lieferte zahlreiche Scherben von Flaschen, Krügen und Schalen in guter Latènetechnik. Es ist technisch die beste Ware, die hier gefunden wurde.

In der Nähe von Baracke II wurden zwei große Abfallgruben freigelegt; die eine an der Nordwand ohne bemerkenswerten Inhalt. Aus der großen, ovalen Grube (1,80 m lang, 80 cm tief) vor der Westseite der Baracke wurde zahlreiches Scherbenmaterial gehoben:
Fußstückeines Täßchens Dragd. 27 mit Stempel COSIVS VRAP (Taf. XVI Fig. 4),
Bruchstück einer Sigillataschale mit Kragenrand, eines großen Nigratellers mit hohem rechteckigem Fuß, ein fast vollständiger Teller in Nigra ohne Standring, dazu viele Bruchstücke schwarzer, geglätteter Ware und auch weiß und rot bemalter Ware, das frische Mittelerz des Tiberius (Divus Augustus) Nr. 4.

Die Dauerkastelle.

Zeigten die bisher behandelten Wehranlagen in der geringen Tiefe ihrer Gräben, der mangelnden Sorgfalt, mit der sie ausgehoben wurden, mehr die Merkmale feldmäßiger Befestigungsweise, so dürfen wir in den Wehranlagen des kleinen und des großen Lagers mehr das Bestreben sehen, diese behelfsmäßigen Anlagen durch eine für die Dauer berechnete Anlage, die mehr Widerstandskraft hatte, zu ersetzen. Der 6 m breite Graben J mit einer Tiefe von 3,20—3,90 m war ein gefährliches Annäherungshindernis, was uns besonders dann zum Bewußtsein kam, wenn die Arbeiter, die ihn ausgehoben hatten, die größte Mühe hatten, aus seiner Tiefe an den glatten Böschungen wieder emporzukommen. Er stellte auch an die Mannschaft, die ihn ausheben mußte, die größten Anforderungen, da er größtenteils in den harten Trigonodusdolomit eingeschnitten werden mußte. Von den frühen Kastellgräben in Rißtissen, Unterkirchberg, Waldmössingen erreicht ihn keiner an Breite und Tiefe. Nur der Graben des großen Lagers von Rottweil, der ihm auch zeitlich am nächsten steht, kommt ihm stellenweise gleich.

Die Umfassungsgräben des kleinen Lagers.

Die Südfront ist am besten erhalten. Da an ihr allein dessen Zeitstellung festgestellt werden konnte, so wurde sie durch neun die Spitze des Grabens J freilegende Schnitte untersucht. Wichtig für die relative Chronologie ist Schnitt 25 östlich des Südtors (Taf. III Fig. 3, Profil Taf. IV Fig. 1k und Ansicht Taf. VII Fig. 4).

Er zeigt deutlich, wie die helle Füllung des Grabens C durch die dunkle Füllung von J abgeschnitten wurde. Graben J ist also jünger als C. Besonders untersucht sind die Grabenköpfe des Südtors (Taf. III Fig. 3), des einzigen, das festgestellt werden konnte. Steil waren vor allem die Kopfböschungen. Der westliche Grabenkopf war in einer Breite von 3 m ausgehoben und erreichte eine Tiefe von 3,90 m (Profil Taf. IV Fig. 1m). Die Füllung zeigte oben eine 1 m starke Humusschicht, darin lagen zuoberst Bodenplättchen und Dachziegelbruchstücke, darunter einer mit Stempel der 11. Legion (Taf. XVI Fig. 41), darunter folgte eine 1,70 m dicke Schicht von lehmiger Ackererde mit wenig Steinen, dann über der Spitze eine 30 cm starke Lage von Rollkieseln, die offenbar zu Lebzeiten des Grabens in seine Spitze hinuntergerollt oder absichtlich hineingeworfen waren (vgl. Abt. A Strecke 1 S. 51 Anm. 2). An datierbaren Stücken fanden sich in 1,50 m Tiefe das Bruckstück der Sigillataschüssel Dragd. 29 claudisch-neronischer Zeit (Taf. XIV Fig. 8) und in 2 m Tiefe ein schwarzes Schüsselfragment mit eingebogenem Rand. Auch der östliche Grabenkopf wurde in einer Länge von 3,40 m ausgehoben und ergab dieselbe steinlose Erdfüllung und dieselben sorgfältig bearbeiteten Böschungen, aber auch dieselben dürftigen Einschlüsse: an Sigillaten zwei Bruchstücke einer Schüssel mit horizontal abstehendem Rand und die Sequanermünze Nr. 20. Bei diesem Schnitte wurde auch gleichzeitig der frühe Graben C (Taf. VII Fig. 5) und die Einmündung des die Grabenköpfe B, A und C verbindenden Gräbchens freigelegt (Taf.VII Fig. 6). Ebenso dürftig waren die Einschlüsse in den Schnitten in der Nähe der Südwestecke (Taf. II Punkt 2223): kleine Bruchstücke der schwarzen geglätteten und der mit roten und weißen Streifen bemalten Ware. Die Füllung bestand hier aus kleingeschlagenem Kalkschotter. Fundarm war auch der Schnitt 24, der die Nordböschung und die Spitze freilegte, und Schnitt 26, der die südliche Hälfte des Grabens und die Spitze aushob. Aus 24 stammt als einziges Fundstück das kleine Bruchstück aus Sigillata Taf. XIV Fig. 15. Die auffallende Fundarmut dieses Grabens, durch so viele Schnitte bewiesen, kann kein Zufall sein. Sie kommt daher, daß der Graben J nur kurze Zeit offen war.

Die Westfront des kleinen Kastells ist größtenteils nicht mehr vorhanden. Schnitt 33 zeigte noch einmal den ganzen Graben. Die Westböschung berührte aber schon an ihrem oberen Ende den Steilabfall des Galgenbergs nach dem Römerbad zu. In Schnitt 43 konnte die östliche Böschung eben noch festgestellt werden. Von hier ab ist der ganze nördliche Teil des Westgrabens nicht mehr vorhanden. Er ist wohl in früheren Jahrhunderten durch Steinbruchbetrieb beseitigt worden. Auch ganz in der Nordwestecke, wo heute die Lagerebene etwas weiter gegen Westen vorspringt und in die Flucht des Westgrabens eben noch hineinreichen müßte, zeigt sich keine Spur dieses Grabens, noch auch von der hier zu erwartenden Umbiegung in die Nordfront. Aber die Richtung des Grabens ist trotzdem festgelegt durch das 8 m weiter ostwärts parallel zu ihm verlaufende Gräbchen N, das soweit nach Norden verfolgt wurde, bis es ebenfalls den Hang erreichte. Das Gräbchen hatte eine Breite von 1,20—1,60 m, senkrechte Ränder und waagrechte Sohle, die etwa 50 cm in das Gewachsene eingetieft war. Von diesem Gräbchen zweigt nördlich von K ein kleiner Kanal nach Westen ab (11), der wohl der Ableitung des Wassers in den Kastellgraben diente. Da der Westgraben nicht mehr vorhanden ist, so eröffnete sich vielleicht hier die Möglichkeit, an einer Untersuchung dieses Gräbchens die Lage eines Westtors festzulegen, das ja durch die Notwendigkeit einer Verbindung mit dem Bad gefordert wird. Aber die Schnitte nördlich und südlich von 11 zeigten, daß das Gräbchen N nicht unterbrochen war. Leider ist die Umgebung der Stelle wegen der Wiese und der Nähe des Hanges, wo die Spuren verwischt sind, für eine umfassendere Untersuchung nicht geeignet.

Die Nordfront ist heute ganz verschwunden. Fast möchte ich bezweifeln, ob hier je ein Graben vorhanden war.
In Vindonissa, dessen Nordfront ebenfalls an einen Steilhang vorgeschoben ist, hält Laur-Belart (Vindonissa S. 16) einen Graben für überflüssig. Der ganze Nordhang ist durch die Verkarstung der Unterlage und durch die Unterspülung der Breg in
zahlreiche Klüfte zerspalten, die meistens ostwestlich, oft aber auch nordsüdlich verlaufen.

Heute ist der Hang künstlich mit einer Terrasse und mit einem Aufstieg versehen. Auf dieser Terrasse suchte Leonhard durch zwei Schnitte (39 und 40) den Nordgraben zu fassen. Bei den Profilen, die er dabei anschnitt, war es sehr zweifelhaft, ob sie nicht durch natürliche Klüfte entstanden waren. Ich suchte deshalb durch die Schnitte 37 und 38 in dem Wäldchen beim Wasserbehälter den Nordgraben zu finden. Der Schnitt 38 legte am Rande der Lagerebene einen stufenartigen Abfall frei, der in 1,50 m Tiefe in eine waagrechte Ebene aus festem Kalkstein überging. Auf der Höhe der letzten Stufe war eine Steinsetzung, auf der Scherben der späten Bronzezeit lagen, wie sie Schumacher vor der Ostfront des Kastells im Bahneinschnitt 1899 schon festgestellt hatte. Im Wege stehende Bäume verhinderten es, daß der Schnitt 37 bis an den Steilabhang des Berges hinausgeführt wurde; der zu diesem Zweck angelegte Schnitt 38 stieß alsbald auf den gewachsenen Fels. Von einem Kastellgraben fand sich keine Spur. In römischer Zeit sind hier überhaupt keine Veränderungen vorgenommen worden, wie die geschlossene bronzezeitliche Schicht zeigt. Ebensowenig erbrachten eine Spur von dem Graben die beiden Schnitte 35 und 36, die in der äußersten Nordwestecke der Kastellhöhe angelegt wurden, wo die Umbiegung in die Westfront hätte erreicht werden müssen.

Die Ostfront wurde schon von Leonhard mit sehr eng aneinander liegenden Schnitten nach einer Grabenunterbrechung vergebens abgesucht. Als ich die Suche hinter dem Graben wieder aufnahm, ausgehend von der Vermutung, daß nördlich der Vorhalle des Pfeilerbaues die Principalstraße die Umwehrung durchquert haben könnte, stieß ich statt des erwarteten Tores auf die Pfostenlöcher der Walltürme. Die Ostfront wurde in zwei ganzen Schnitten geschnitten. In der Füllung lagen teilweise große Kalkblöcke, wohl vom Wall stammend, die in den Schnitten auf der Südfront vollständig fehlten. Die Nordostecke ist durch den Eisenbahneinschnitt beseitigt.

Hinter der Ostfront fand sich auch wieder das Gräbchen N. Es war, wie die Untersuchungen Jacobis im Erdkastell der Saalburg gezeigt haben, ein Entwässerungsgraben für die Aufnahme des Regenwassers des Walles und begrenzte das Intervallum. Da dieses Gräbchen hinter der Südfront des kleinen Lagers nicht gefunden werden konnte, wohl aber hinter der Ostfront des großen, so gehört es nur der letzten Lagerperiode an, und dem entsprechen auch die in ihm gemachten Funde.

Die Walltürme des kleinen Lagers.

Nachdem die Pfostenlöcher hinter der Ostfront als zu Walltürmen gehörend erkannt waren, wurden in einem Abstand von 1 m hinter dem Graben 1—1,50 m breite lange Streifen abgedeckt, um die vordere Flucht dieser Türme zu fassen. Der durchschnittliche Abstand der einzelnenTürme betrug 12-13 m. Die vier Pfostenlöcher eines Turmes umschlossen eine Fläche von 3,5 x 3,5 oder von 3,5 x 4 m. Die Pfostenlöcher hatten einen Durchmesser von 1 m und waren ebenso tief in den Fels eingehauen. Auch hier war meistens an der dunkleren Färbung der eigentliche Pfosten mit einem Durchmesser von etwa 25 cm zu erkennen (Taf. VIII Fig. 6). Nördlich der Einmündung von Gräbchen N 2 in den Kastellgraben konnten trotz breiter Abdeckung keine Pfostenlöcher mehr gefunden werden. Dagogen fanden sie sich hinter der westlichen Hälfte der Südfront des kleinen Lagers. Östlich des Tores wurde systematisch nur bis auf die Höhe des Grasweges gesucht. An der Westfront konnten die drei Pfostenlöcher des südlichen Wallturmes (bei 42) noch festgestellt werden.

Das vierte sitzt in der Füllung von Graben M. Auch von dem in der Eckabrundung der Südwestecke des kleinen Lagers stehenden Turm konnten die vier Pfostenlöcher freigelegt werden, und gleichzeitig wurde festgestellt, daß dieser Turm der Lagererweiterung dadurch angepaßt wurde, daß parallel zur neuen Grabenrichtung zwei vordere Pfostenlöcher neu ausgehoben und für die hinteren die zwei übereck stehenden Pfostenlöcher des früheren Turmes verwendet wurden. Bei all diesen Abdeckungen wurden keine weiteren Pfostenlöcher für die Wallversteifung gefunden. Nur in der Mitte zwischen zwei Türmen an der Ostfront war ein Paar wenig tiefer Pfostenlöcher, die diesem Zweck gedient haben können. Dieselbe Beobachtung machten wir an Ost- und Südfront des großen Lagers. Wir haben also für den Aufbau des Walles keine anderen Anhaltspunkte gewinnen können als die Walltürme; die Entfernung ihrer vorderen und hinteren Pfostenlöcher (3-3,5 m) würde der bei anderen frühen Lagern wie Vindonissa und Novaesium beobachteten Breite des Walles von 10—12′ = rund 3 m entsprechen. In Erdlagern waren die Zwischentürme bis jetzt nicht festgestellt. Sie finden sich aber bezeichnenderweise in den beiden benachbarten frühen Steinkastellen Waldmössingen und Sulz.

Das Südtor des kleinen Lagers.

Die Erdbrücke zwischen den beiderseitigen Grabenköpfen J beträgt 8 m, genau soviel wie in Rißtissen (Taf. III Fig. 3). Die Stirnseiten der Grabenköpfe stehen nicht senkrecht auf der Längsrichtung des Grabens, sondern passen sich in ihrem Verlauf der Lagerstraße an, die von der früheren Anlage übernommen wurde. Hinter den Grabenköpfen liegen beiderseits die Pfostenlöcher der flankierenden Türme, je sechs. Der westliche Turm konnte eingehend untersucht werden. Die Pfostenreihe springt um eine Pfostenbreite über den Grabenkopf vor, so daß dadurch der Torweg etwas verengert wird. Der Turm bedeckt mit den sechs Pfostenlöchern eine Fläche von 4 × 6 m. Er erhebt sich 2 m hinter der inneren Böschung des Grabens. Die vordere Pfostenlochreihe geriet in den früheren Graben P. Die durch die Eintiefung des westlichen vorderen Pfostenlochs entstandene Aussparung in der Böschung war noch deutlich zu erkennen. Die Pfostenlöcher entsprachen in ihrer Tiefe und Größe denen der Walltürme. Von dem östlichen Torturm konnten wegen der Bebauung einige Pfostenlöcher nicht mehr freigelegt werden.

Die Umfassungsgräben des großen Lagers.

Wichtig für das Verhältnis von dem großen und dem kleinen Lager war Schnitt 28 durch die Südostecke des kleinen Lagers. In ihm war die Westböschung des großen Kastellgrabens künstlich aus großen Kalksteinen aufgesetzt, und erst in einem Abstand von 1,5 m hinter dieser Böschung lag die natürliche Böschung des Grabens J, der hier bereits in der Umbiegung in die Südfront begriffen war (Taf. II, Profil Taf. IV Fig. 1n, Ansicht Taf. VIII Fig. 8). Diese künstliche Böschung wurde im Schnitt 28 2 m weit nach Norden verfolgt. Schnitt 27 wurde dann so angelegt, daß er auf die Stelle treffen mußte, wo die in Schnitt 28 angeschnittene künstliche Böschung auf der natürlichen aufsaß (Taf. VIII Fig. 7). Dieselbe Feststellung wurde auch durch einen Schnitt durch die Südwestecke gemacht (Taf. II).

Alle diese Schnitte zeigten, daß die Südfront des Grabens J beiderseits durch künstliche Böschungen gegen Osten und Westen abgedämmt war. Das kann nur geschehen sein, als die Südfront um 58 m nach Süden vorgeschoben und damit das kleine Lager zum großen erweitert wurde. Das kleine ist also das frühere, das große das spätere. Die Grabenprofile des erweiterten Kastells sind etwas anders als die des kleinen. Während das Profil des Grabens J (Taf. IV Fig.1 m) das normale römische Grabenprofil darstellt, das einem gleichseitigen Dreieck nahekommt, zeigen die Schnitte am Südtor des erweiterten Lagers einen Knick in der inneren Grabenbüschung (Taf. IV Fig. 1o). Die Böschung verlief zunächst flach, um dann nach einem Knick in der halben Tiefe steil in eine scharfe Spitze auszulaufen. Über dem Knick durchzog den Graben eine etwa 40 cm starke Schicht besonders dunkler Kulturerde.

Hier lagen die meisten Funde. Der Graben ist offenbar nicht lange ganz offen geblieben und hat nach der Zufüllung der Spitze als breitsohlige Mulde offen gelegen zu einer Zeit, als das Lager eine besonders starke Belegung erfuhr, deren Niederschlag die Schicht dunkler Kulturerde ist.

In Schnitt 29 lagen in dieser Schicht viele Bruchstücke des Bechers Dragd. 30 Taf. XV Fig. 9. Unter dem aus den Schnitten am Südtor des großen Lagers gewonnenen Scherbenmaterial herrscht die Gebrauchsware römischer Technik vor. An Sigillaten
fand sich tief im westlichen Grabenkopf (Schnitt 30) das Bodenstück einer Schüssel mit dem Stempel C. AN PATR (Taf. XVI Fig. 1). In Schnitt 31 lag an der Oberfläche der dunklen Schicht das Bruchstück einer Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 14) und das Fußstück eines Schälchens Dragd. 27. In der Tiefe des Grabenkopfs lagen außerdem viele Bruchstücke von Dachziegeln und Bodenplättehen. Der östliche Grabenkopf konnte nicht ausgehoben werden, da er unter dem Zufahrtsweg liegt. In den Schnitten durch den Westzug des Grabens J bestand dessen ganze Füllung aus dunkler Erde. In Schnitt 32 lagen in der Grabenspitze das Bruchstück eines kleinen Täßchens mit Strichelrand und das Stempelbruchstück Taf. XVI Fig. 18 des Töpfers Patricius.

Das Südtor des großen Lagers.

Betrug die Erdbrücke zwischen den beiderseitigen Grabenköpfen im kleinen Lager 8 m (Tat. III Fig. 3), so hatte sie hier die ungewöhnliche Breite von 12,50 m (Fig. 5). Ebenso groß war auch der lichte Abstand der beiden Flankierungstürme, da die Innenseite der Türme mit den Stirnseiten der Gräben auf gleicher Höhe liegt. Die Gesamtbreite der Toranlage beträgt 22,8 m, die Tiefe 7 m, die Gräben nicht mitgerechnet. Die Tortürme sind nach dem Weg orientiert, der den Südgraben in spitzem Winkel schneidet, nicht nach dem Südgraben selbst.

Die Fläche, die jeder der beiden Flankierungstürme bedeckte, betrug 7,5 x 4,5 m. Das mittlere Pfostenlochpaar war von dem vorderen rund 3 m, von dem hinteren 3,5 m entfernt. Die Pfostenlöcher des Westturms waren in den Kalkfels eingehauen, die des Ostturms in Lehm. Sie hatten die übliche Größe und Tiefe. Meistens war auch hier an der dunkleren Färbung der Füllung der Pfosten selbst deutlich zu erkennen, und zwar sofort nach Abhebung der Ackererde und besonders scharf bei den in Lehm eingeschnittenen Pfostenlöchern des Ostturms. Der westliche hintere Pfosten des Tordurchgangs zeigte sich im Profil des Schnittes 13 durch den Graben Y. Er hatte in der Grabenfüllung eine Länge von 1,40 m bei einem Durchmesser von 25 cm.

Dieser Pfosten und die Breite der Torlücke veranlaßte mich, nach weiteren Pfosten des Tordurchgangs zu suchen. Das Ergebnis war die vierschiffige Toranlage, deren einzelne Pfostenlöcher sich sehr deutlich abhoben. Die außerordentliche Größe der Toranlage erklärt sich wohl daraus, daß es das einzige Tor war, das für den größeren Verkehr in Frage kam. Nördlich des Tores wurde der Lagerweg auf seiner Westseite von einem flachen Gräbchen begleitet. Um so merkwürdiger war, daß außerhalb des Lagers keine Spur von dem so wichtigen Zugangsweg gefunden werden konnte, weder von einer Kiesschüttung oder Stickung, noch von begleitenden Straßengräbchen, obwohl danach gesucht wurde, sowohl durch den Schnitt unmittelbar quer vor dem Tor wie durch die langen, den Grasweg begleitenden Schnitte, von denen der westliche bis an die Dögginger Straße geführt wurde. Auch ein langer Querschnitt, der die verlängerte Flucht des Weges an der Dögginger Straße schneiden sollte, brachte wie die anderen nicht die geringsten Spuren.

Innenbauten der Dauerkastelle.

Zu den Innenbauten der Dauerkastello gehört die Baracke Ib (auf Taf. II und Taf. III Fig. 1 schraffiert). Sie war wohl einstens ebenso leicht errichtet wie das Gegenstück Ia. Das war nach den in la gemachten Funden in claudischer Zeit gewesen. Aber später wurde an ihrer Stelle ein soliderer Bau errichtet. Die sorgfältig in den gewachsenen Fels bis zu 60 cm eingetieften Fundamentgräbchen zeigen den Unterschied der beiden Barackenbauten mit aller Deutlichkeit. Liegt am Westende der Baracke nur wenig Ackerboden auf dem Gewachsenen, so daß dieses vom Pflug aufgerissen ist und die Feststellungen erschwert sind, so sind die Barackengräbchen vom zweiten Contubernium von Westen her ausgezeichnet erhalten. Im Ostteil der Baracke aber ist durch den nahen Einbruch der Kalktafel der Fels zerbröckelt, und dadurch sind die Gräbchen schwerer zu erkennen.

Der Grundriß (Taf. III Fig. 1, wo die ältere Anlage unschraffiert, die jüngere schraffiert ist) zeigt in der doppelten Vorder- und Rückwand wie in den doppelten Scheidewänden zwischen den einzelnen Zeltgenossenschaften, daß hier zwei Perioden übereinander liegen. Der älteren Periode gehören die nördliche der beiden Längsschwellen und die östlichen der Querwändchen an. In beiden Bauten bestanden die einzelnen Contubernien aus zwei hintereinander liegenden Räumen von 7,5 m Tiefe. In dem älteren Bau schied das Gräbchen III die beiden hintereinander liegenden Räume derselben Zeltgenossenschaft. Dieser Bau wurde durch Brand zerstört, denn in der Tiefe des Fundamentgräbchens der Nordwand fanden sich die verkohlten Reste der Längsschwelle. Darüber war helle Kalkerde eingefüllt. Ebenso wurde auch das Gräbchen der Scheidewand III, die die beiden hintereinanderliegenden Räume trennte, wieder eingefüllt. Dann wurde der Bau einen halben Meter weiter nach Süden von neuem erstellt und dabei für Nord- und Südwand neue Fundamentgräbchen gezogen und im Westteil neue Querwändchen. Aber auch im Innern wurde die Raumverteilung geändert. Waren früher die beiden hintereinander gelegenen Räume ungefähr gleich groß gewesen, so stand jetzt dem vorderen Gemach nur noch ein Drittel des Raumes zur Verfügung. Auch dieser zweite Bau ist durch Brand zerstört worden. Die Brandschicht lagert über dem nördlichen Teil der Baracke und füllt ihre Fundamentgräben aus. In die Fundamentgräben des zugedeckten ersten Baues konnte sie nicht eindringen und kennzeichnet diese damit als zur ersten Periode gehörig. Für die Längsschwelle im Innern der Baracke war das besonders deutlich im Gräbchen O. Dieses Gräbchen war ebenfalls mit Brandschutt aufgefüllt. Da, wo Gräbchen O den Graben III schnitt, war diese Brandschicht auf beiden Seiten scharf begrenzt und breitete sich nicht seitwärts in den Graben III aus, weil dieser zur Zeit des zweiten Brandes schon eingedeckt war.

Der Brand ließ sich zeitlich durch zahlreiche Funde aus der Brandschicht und der Baracke festlegen. Aus dieser oberen Brandschicht wurden von mir selbst an Münzen gehoben das frische ME. des Nero Nr. 11 und das des Vespasian Nr. 8 . Außerdem wurden gefunden die beiden vollständig abgeschliffenen republikanischen Silberdenare (GEns Nonia und Rubia Nr. 6 und 7). An Sigillaten lagen in der Brandschicht die verbrannten Bruchstücke des Bechers Dragd, 30 Taf. XV Fig. 17, Ferner wurde gefunden der jetzt graue Teller mit Viertelrundstab und Stempel …lo fec, (Taf. XVI Fig. 36).

Die Brandkatastrophe muß demnach in den ersten Jahren Vespasians eingetreten sein. Dem entsprechen auch die sonst in der Baracke gemachten Funde: die beiden stempelfrischen Mittelerze Neros und ein drittes durch Brand zerstört, zwei ebenso frische Mittelerze Vespasians. Dazu kommen die Sigillaten:
Teller Dragd. 18/31 mit Stempel Primul Taf. XVI Fig. 22,
das Bruchstück mit Stempel Of. Bassi Taf. XVI Fig. 2.

Die gewöhnliche Ware zeigte römische Technik, darunter eine Reibschale mit Stempel C. Atisius Gratus Taf. XVI Fig. 43. Besonders reich waren die Bronzegegenstände von der Soldatenausrüstung (Taf. XI-XIII): Gürtelhaken, Ösenlaschen, Riemenkappen, Gürtelschnallen, Schnallen vom Panzer, Backenschutzplatte; von der Pferdeausrüstung: Riemenlaschen mit Ring, Schnalle vom Sattelgurt, Phalerae, Anhänger, Sporn; dazu Teile von Gebrauchsgegenständen: Kasserollengriffe, halbkugelige Bronzeschale, gerippte Glasschalen, Spielknöpfe aus Glasflußs, Würfel, gerippte Tonperlen, Lampen und Speerspitzen, Bogenschuhe.

Der Pfeilerbau.

Der einzige Bau mit gemauertem Fundament gehört schon seiner Orientierung nach der letzten Lagerperiode an. Er wurde bereits 1823 von Rehmann ausgegraben. Wir besitzen von dieser Grabung einen Plan (1 : 20) aus dem Nachlasse Heinrich Schreibers im Freiburger Stadtarchiv. Leider fehlt ein gleichzeitiger Ausgrabungsbericht. Die erste Beschreibung lieferte Fickler, Die Altertümer der badischen Baar S. 168 erst 24 Jahre später; er stützte sich dabei auf die Erinnerungen

eines Augenzeugen der Grabung, des Oberlehrers Reich, des Vaters des bekannten Malers und Schriftstellers Luzian Reich. Dieser Bericht ist nicht ohne Irrtümer.

So sind die Substruktionen der drei Mittelpfeiler im Innern als Gruben bezeichnet. Der Bau (16,50 bzw. 16 × 27 m) ist ein sogenannter Pfeilerbau (Abt. B Bd. VII Nr. 66a Kastell Urspring S. 20). Er hat an den beiden Langseiten je acht um 90 cm über die Mauerflucht vorspringende Pfeiler, während über die beiden Giebelseiten nur zwei Pfeiler in der Verlängerung der Langseiten vorspringen. Von uns wurden die vier Ecken des Gebäudes (Taf. VI Fig. 2), die drei nördlichen Pfeiler der Ostseite und der dritte der Westseite freigelegt. Die Mauerstärke betrug 90 cm. Das Mauerwerk besteht aus unbehauenen Bruchsteinen, die durch möglichst viel Mörtel zusammengehalten sind; es ist ohne Fundamentgrube auf das Gewachsene aufgesetzt, teilweise auch auf die Auffüllung der unter dem Bau durchziehenden früheren Gräbchen. Es hat heute nur noch eine Höhe von 15-20 em und ist teilweise bis auf die letzte Schicht ausgebrochen.

Nach dem Grundriß handelt es sich um ein Horreum, einen Bau, wie er sich in zahlreichen Kastellen am Limes bei uns und in England findet, wenn auch in Hüfingen über Funde von Getreideresten wie bei anderen Horrea nichts berichtet wird. Mit diesem Zweck des Baues hängen auch die drei Reihen von aufgemauerten Postierungen im Innern zusammen (Taf. VIII Fig. 3), denen an den beiden Giebelseiten Verstärkungen der Mauer entsprechen, die nicht im Verband mit der Umfassungsmauer, also wohl nachträglich aufgeführt sind. Sie waren die Widerlager für die drei Unterzüge, auf denen der Schwebeboden, wie er für solche Räume verlangt wurde, auflag. Die dreischiffige Anlage im Innern erinnert sehr stark an den ähnlichen
Bau von Haltern, der dort als armamentarium gedeutet wird (Röm.-German. Korrespondenz- bl. VI 1913 S. 20). Es ist sehr wohl möglich, daß die drei Mittelpostamente als Unterlage für Balken dienten, die den First trugen, während die seitlichen das Dach tragen helfen mussten und zugleich die Lagerböden gegen den mittleren Durchgang abtrennten. Ich halte es kaum für möglich, daß das primitive Mauerwerk der Umfassungswände bis auf die Höhe des Daches emporgeführt war, sondern daß es nur als Sockel diente für einen darüber errichteten Holzbau.

Das Römerbad.

Das Bad wurde von dem fürstenbergischen Leibarzt Rehmann mit den Mitteln des Fürsten Karl Egon II. 1821 ausgegraben und mit einem Schutzdach versehen, dem seine Erhaltung zu verdanken ist. Ein sorgfältiger Plan mit Querschnitten und Ansichtsskizze berichtet über den Zustand bei der Ausgrabung (Taf. V Fig. 2).

Tafel 5 mit Römerbad und Votivstein

Auch ein eingehendes Verzeichnis der damals gemachten Münzfunde wurde angelegt. Leider erstattete Rehmann keinen Ausgrabungsbericht, obwohl der Freiburger Historiker Heinrich Schreiber immer wieder darauf drängte.

Als Ersatz dafür mögen einigermaßen dienen der Bericht eines Schülers von Schreiber, Josef Frick, in dem Herbstprogramm des Freiburger Lyceums vom Jahre 1824 und vor allem der bisher viel zu wenig herangezogene Brief Schreibers vom 5. November 1822, der eine vollständige Beschreibung des Bades enthält (Fürstl. Fürstenberg. Archiv). Dann hat Fickler das Bad beschrieben in seinem oben zitierten Aufsatz. Seine Darstellung diente fast allen späteren als Grundlage.

Die auflagernde Humusdecke war in den südlichen Teilen der Ruine bedeutend stärker als in den nördlichen. Daher waren die nördlichen Partien, wo schon vor der Grabung Steine weggeführt worden waren, stärker zerstört als die südlichen. Raum A nimmt fast die ganze nördliche Hälfte des Baues ein. Die Umfassungsmauer dieses Raumes ist heute an der Nordseite nur noch in dürftigen Spuren vorhanden. Ob eine Lücke in der Westmauer, wie sie die Ansicht des ausgegrabenen Bades zeigt, einstens als Eingang diente, darüber ist in den Berichten nichts gesagt. Der nahezu quadratische Anbau C an der Nordostecke (4,80 × 5,05 m) war schon bei der Ausgrabung nur sehr dürftig erhalten.

Der Rundbau B an der Nordwestecke, dessen Vorhandensein schon Leichtlen in einem Brief vom 22. Februar 1822 bezweifelte, und der deshalb später in den Plänen oft weggelassen wurde, war tatsächlich vorhanden. Die Umfassungsmauer des Rundbaus ist da, wo sie an der nördlichen Umfassungsmauer ansitzt, noch in einer Höhe von 80 cm erhalten. Auch außerhalb des Schutzbaues habe ich sie durch Grabung festgestellt. Bei dieser Grabung fand sich im Innern der Rundung ein Heizkachelbruchstück. Der Raum ist nachträglich angebaut, dafür spricht auch die Heizkachel, da Heizkacheln bei der ursprünglichen Anlage noch nicht zur Verwendung kamen. Man wird in dem Raum ein heizbares Winterapodyterium zu sehen haben, dessen Bau wegen des kalten Klimas der Baar notwendig wurde. Ein Raum in ähnlicher Lage im Bad von Marienfels.

alte Zeichnung zum Badebäude mit Caldarium, Tepidarium und Abdeckplatte der Brüstung des Wasserbeckens im Apodyterium und Wanne im Frigidarium

Inmitten des großen Raumes A (17,60 × 13,90 m) ist ein gemauertes Wasserbecken von einer lichten Weite von 4,60 × 6,60 m, dessen Aufbau von Fickler und seinen Nachfolgern durchaus unrichtig dargestellt ist. Heute ist von seinem aufgehenden Mauerwerk nur noch die Südwestecke und die Südwand einigermaßen erhalten (Taf. VI Fig. 7). Wir bewundern noch heute die sorgfältige Abdichtung des Beckens (Taf. III Fig. 7). Der Boden hatte zunächst unmittelbar über dem gewachsenen Boden eine etwa 20 cm starke Stickung aus auf die Kante gestellten Kalksteinen; darüber lag zur Abdichtung eine Lehmschicht, darüber folgte wieder eine Lage von Kalksteinen als Grundlage für den darauflagernden Estrich, der nach oben mit immer feinerem Ziegelschlag durchmischt war. Darauf folgten erst die auf die Kante gestellten, nach Art des Opus spicatum angeordneten Ziegelplättchen, die an den Rändern des Beckens von 55 cm breiten Dolomitplatten umgeben waren. Die ganze Dicke der Isolierschicht betrug 80 cm. Ebenso sorgfältig wie der Boden waren auch die Umfassungswände abgedichtet. Sie bestanden zunächst aus einer 60 cm starken Bruchsteinmauer. Ihr folgten nach innen in einem Abstand von 15 cm aufrechtstehende Dolomit- und Sandsteinplatten, die in Falze der den Rand des Beckens umgebenden Dolomitplatten aufsaßen. Der Zwischenraum zwischen den Dolomitplatten und der Bruchsteinmauer war zur Abdichtung mit Ziegelestrich ausgegossen. Um die Isolierung zu vervollständigen, war außerdem noch um die Umfassungsmauer des Beckens eine 1 m dicke Lehmschicht herumgelegt. Diese Lehmschicht war oben mit Dolomitplatten abgedeckt, die eine flache Rinne hatten (Taf. IV Fig. 2b). Sie lagen mit leichter Neigung nach außen auf gleicher Höhe wie der Fußboden des umgebenden Gemachs‘). Wie die übrigen Teile der das Becken umgebenden Brüstung abgedeckt waren, war anscheinend schon bei der Ausgrabung nicht mehr ganz sicher. Nach den Querschnitten auf dem Plan (Taf. V Fig. 2) war auch die Mauer mit einer Dolomitplatte abgedeckt, die auf derselben Höhe lag wie die äußere Platte mit der Rinne, und die inneren aufrecht stehenden Dolomitplatten reichten auf dieselbe Höhe hinauf.

In der Mitte des Beckens nimmt Schreiber eine Trennungswand an, was nicht unwahrscheinlich ist. Solche Doppelbecken zeigen z. B. die Kastellbäder von Köngen und Stockstadt. In der Nordwestecke des Beckens waren Stufen, auf denen man hinunterstieg. Die unterste Stufenplatte ist noch in situ, hintergossen von Ziegelestrich. Nach dem Abstand dieser Platte von der Ecke ist noch Raum für zwei überlagernde Stufen vorhanden. Nach den Untersuchungen von Krenker wird man den Raum als überdecktes Apodyterium deuten müssen.

Das südlich anschließende Gemach D (5,37 × 8,45 m) hatte denselben Boden wie das Becken des vorhergehenden Raumes A. In der Nord- und Südostecke sind noch Reste vorhanden, überdeckt von dem die Wände bekleidenden Wasserestrich, so daß man auch hier Badewannen vermuten muß. Nicht ohne Grund endet der Wasserabzugskanal gerade an der Nordwand dieses Raumes. Er geht nicht, wie manche Pläne es andeuten, unter diesem Raum hindurch, was ich durch Grabung festgestellt habe. Da der Fußboden dieses Gemachs sehr hoch liegt, sind seine Umfassungswände weitgehend zerstört. Nach dem Tepidarium zu ist noch eine Schwelle sichtbar mit merkwürdig gerundeter Oberfläche. Die Ostwand öffnet sich in ein Badebecken (2,87 × 4,10 m), dessen Boden etwa 1,20 m tiefer liegt als der Boden von Raum D. Einige Stufen, deren Spuren bei der Ausgrabung noch sichtbar waren, führten in das Becken hinunter aus dem Bad nur in der obersten Einfüllung von Graben J. Es sind Bodenplättchen und Dachziegel zum Teil mit Stempel der 11. Legion, und zwar demselben Stempeltyp, wie er auch im Bad gefunden wurde. Als das Bad gebaut wurde, war also der Graben J schon eingefüllt. Ziegel der 11. Legion können erst im Jahre 70 nach Hüfingen gekommen sein. Nach dem Jahre 74 ist die Besatzung alsbald abgezogen. Das Bad muß also zwischen 70 und 74 gebaut worden sein. Damit stimmt auch die Münzreihe des Bades überein: mit Vespasian schnellt sie auf 16 Stück empor, während die Kaiser vor und nach Vespasian nur mit wenigen Stücken vertreten sind. Es ist wohl das älteste sicher datierbare Bad der Dekumatlande und nimmt unter diesen deshalb auch eine gewisse Sonderstellung ein. In den späteren Bädern fehlt das große, die Hälfte des ganzen Bades einnehmende Apodyterium mit dem großen Becken in der Mitte.

Auch hat bei den späteren Bädern die Erfahrung zu einer vorteilhafteren Anordnung der unterheizten Räume geführt. Bei den späteren Büdern sind Caldarium und Tepidarium in einer Achse hintereinander gereiht, wodurch die Luftzirkulation unter dem Hohlboden erleichtert ward. Auf das Labrum und die Wandheizung durch Nischen und Warzenziegel ist als Einrichtungen einer älteren Epoche schon hingewiesen worden.

Tafel VI mit Fotos aus dem Römerbad

S’Hondinger Mareile

S’Hondinger Mareile gelesen von Maria Simon
Bildnis Maria Martin aus Hondingen Adlerwirtstochter, geb. Gilly, in baaremer Bänderkappe und schwarzer Jacke mit Keulenärmeln. Von dem Dögginger Meister Ignaz Weisser (1808-1896) 
Bildnis Maria Martin aus Hondingen Adlerwirtstochter, geb. Gilly, in baaremer Bänderkappe und schwarzer Jacke mit Keulenärmeln. Von dem Dögginger Meister Ignaz Weisser (1808-1896) 

S’Mareile hätt si Scheese packt
mit Butter, Schtriiß und Gickel.
Im Lade hättes no o zwackt
und goht druff zu Frau Bickel.
“O jeeli, bruuchet Ihr hitt ninnt?
Ech ha so gueti Sache.
En Gickel, nu fer Eu bestimmt,
zum Broote oder Bache.”
“Ein Kikal, was ist das wohl nur?
Ich kann Sie nicht verstehen.
Das Kikal traget auf den Flur,
auf daß ich es kann sehen.”
“Waa, Ihr wend Frau Direkder sii
und kennt nit en Gickel?
En Gickel ischt e Federvieh,
wo kreije duet , Fau Bickel.”

>Gottfried Schafbuch<
(03.01.1898 – 23.10.1984)

Gottfried Schafbuch

„Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seelen ihren Atem schöpfen.“
— Johann Wolfgang von Goethe

Gottfried Schafbuch 03.01.1898-23.10.1984

Ein Ehrenbürger, der dem merkwürdigen Slogan der Stadtverwaltung „Wir stehen auf Geschichte“ tatsächlich Bedeutung hätte geben können.

Die Stadt erklärt ja über sich: „Man weiß, wo man herkommt, steht auf geschichtsträchtigem Boden und verbindet mit der ‚Hüfinger DNA‘ Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Bei so viel historischem Pathos ist es bemerkenswert, wie wenig Interesse den Menschen gilt, die diese Stadt und ihre Geschichte tatsächlich geprägt haben.

Gottfried Schafbuch gehört zur „DNA von Hüfingen“ wie kaum ein anderer. Sein Name und seine Arbeiten sind untrennbar mit der Geschichte und den Geschichten dieser Stadt verbunden. „Dä Gopfried“, wie er in Hüfingen liebevoll genannt wurde, war als Heimat- und Mundartdichter und als Chronist des Hüfinger Lebens weithin bekannt.

Er bewahrte nicht nur Geschichten, Menschen und die Sprache seiner Heimat. Er schaute auch genau hin – und sprach aus, wenn etwas nicht stimmte. Wenn ihm etwas nicht passte, war seine Meinung zu hören, und zwar in unverwechselbarem Hüfinger Dialekt. Er hätte vermutlich auch heute einiges zu sagen. Und wahrscheinlich würde er sich dabei nicht besonders diplomatisch ausdrücken.

Aus dem Nachruf in den Schriften der Baar 1984 von Lorenz Honold

Emil Bader hat Schafbuch einen der guten Geister der Lucian-Reich-Stadt  genannt. Er war es nicht nur für die Bürger seiner Vaterstadt. Wer immer, von auswärts kommend, der reichen Geschichte, der Kunst und Kultur der einstigen fürstenbergischen Oberamtsstadt auf der Baar nachspürte, der fand im Hüfinger Stadtschreiber einen guten Freund und verläßlichen Wegweiser. Er war die lebendige Chronik seiner Vaterstadt, die er liebte. Echt, treu und herb wußte er das Lob der Baar und seiner Menschen zu singen. Die kirchlichen und weltlichen Feste, den schlichten Alltag und die Natur im Wandel der Jahreszeiten lebte und schilderte er in seiner besinnlich-alemannischen Art wie keiner vor ihm.

Und keiner in unserem Jahrhundert war so wie er berufen, dem Fremden die Schatztruhen Hüfingens zu öffnen. Es war mit ein Verdienst Gottfried Schafbuchs, daß die Stadt 1958 Lucian Reichs Hieronymus , die erste Volkskunde des alemannischen Landes, im Original neu erscheinen ließ. Man hat Schafbuch bisweilen den Johann Peter Hebel der Baar genannt. Zweifellos ist er einer der stärksten und sprachgewandtesten aus dem Hüfinger Künstlervölkchen des vorigen Jahrhunderts, vor allem der Brüder Lucian und Franz Xaver Reich. Ihr Werk und ihre Persönlichkeiten hat er in liebevollen Studien und Essays für die Nachwelt festgehalten.

Vorwiegend Themen der Vergangenheit, der Romantik und dem bürgerlichen Biedermeier auf der Baar galt Schafbuchs schriftstellerisches Schaffen. In seiner Mundartdichtung aber ist er unmittelbar gegenwärtig und unauswechselbar. Der bürgerlich-bäuerliche Mensch, Natur und Jahreszeiten auf der Baar – sie werden von dem Mundartdichter Schafbuch nicht nach-, sondern mitempfunden. Sie sind erlebt: Menschen und Dinge haben ihr Leben aus der schmucklosen, dafür farbenreichen und bildkräftigen Sprache des heimatlichen Idioms. Und Humor und Mutterwitz sind stets rechtzeitig zur Stelle, um diese Volkspoesie nicht ins Rührselige abgleiten zu lassen.

Mii Boor – Mii Hoamet

1972 erschien Gottfried Schafbuchs Hauptwerk „Mii Boor – Mii Hoamet“ – ein Buch über die Baar, ihre Menschen, ihre Geschichte und ihre Geschichten.

Buchumschlag mit altem Haus und Kirchturm dahinter

I’s Heinemanns Huus hinter de Poscht,
Potz tausigsappermoscht, Wohnet jao reacht bravi Lüt
Wemers bruchet i de hittige Ziit!

Mehrere Gedichte aus „Mii Boor – Mii Hoamet“ wurden von dem Komponisten, Dirigenten und Südwestfunk-Mitarbeiter Alfred Kluten vertont und zu einer mehrteiligen „Baar-Kantate“ zusammengefügt. Sie wurde anlässlich des 6. Verbandsmusikfestes des Blasmusikverbandes Baar-Schwarzwald in Hüfingen von der Stadtmusik und dem gemischten Chor des Liederkranzes zu Gehör gebracht. Den Schluss der Kantate bildete der Marsch „Gruß an die Baar“.

Kluten war als Musiker und Arrangeur beim Südwestfunk tätig und leitete dort unter anderem die „Volksmusikanten“, eine Blaskapelle aus Rundfunkmusikern. Seine Verbindung zur Baar reicht allerdings noch weiter zurück: Den Marsch „Gruß an die Baar“ soll er bereits 1964 für die Stadt Geisingen komponiert haben.

Herrgott, segne du iiseri Boor,
schütz iiser Schtädtli lieb,
vor Elend, Not und G’fohr.
Mier wennt dankbar sii,
d’Hüfinger Liit, treu und wohr fer alli Ziit
Boor, o Boor, mii Hoamet bischt du.
O Boor, o Boor, mii Hoamet bliibscht du.

S’Rotkäppli

1970 erschien „S’Rotkäppli“ auf der Schallplatte „Alemannische Geschichten für große und chli­ni Lüt. Zehn Sprachbilder in der Muettersproch aus südbadischen Sprachlandschaften“ des Christophorus-Verlags Freiburg. Die Schallplatte sollte die verschiedenen alemannischen Sprachlandschaften nicht nur im geschriebenen Wort, sondern durch die Stimmen ihrer Sprecher hörbar machen. Wie die zeitgenössische Besprechung in der „Badischen Heimat“ hervorhob: „Wie man auf der Baar spricht, weist Gottfried Schafbuch, Hüfingen, vor.“ Schafbuch las „S’Rotkäppli“ selbst.

S’Rotkäppli 1970 gelesen von Gottried Schafbuch

Dem Tod seiner Brüder sowie seiner schwächlichen Konstitution – unter Freunden nannte sich Gottfried einen „Säerbling“ (Schwächling) – hatte er es zu verdanken, dass ihm der Kriegsdienst erspart blieb. Unter dem langjährigen Hüfinger Ratschreiber August Hutzler ausgebildet, wurde er selbst Ratschreiber. Während des Zweiten Weltkrieges tat er Dienst beim Donaueschinger Wehrbezirkskommando.

Schafbuch war mehr als 20 Jahre bei der Stadt Hüfingen beschäftigt, davon 15 Jahre als Ratschreiber. Heute würde man diese Funktion etwa mit der eines Hauptamtsleiters vergleichen.

Am 20. Dezember 1973 wurde Gottfried Schafbuch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wenige Jahre später, 1978, ernannte ihn der Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Max Gilly feierlich zum Ehrenbürger der Stadt Hüfingen.

Max Gilly

Gottfried Schafbuch ist Ehrenbürger der Stadt Hüfingen

aus den Schriften der Baar 1978 Band 32

Am 6. August 1978 wurde unser Ehrenmitglied Gottfried Schafbuch zum Ehrenbürger der Stadt Hüfingen ernannt. Vor der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde während eines Festaktes hielt Bürgermeister Max Gilly die Laudatio, die wir mit seiner Genehmigung nachstehend auszugsweise wiedergeben:

Ich habe heute die Ehre, meinem lieben Freund, unserem langjährigen früheren Ratsschreiber, den Ehrenbürgerbrief der Stadt Hüfingen zu überreichen. Gottfried Schafbuch ist für uns, für die Stadt Hüfingen, das lebende Beispiel jener geistigen Blüte, die unsere Stadt schon im 19. Jahrhundert auszeichnete. Er hat als Poet und Heimatschriftsteller das fortgesetzt, was die berühmten Männer unserer Stadt im 19. Jahrhundert begonnen haben. Ich möchte sagen, ohne die Arbeit unseres Gottfried Schafbuch wäre Hüfingen als Stadt der Dichter, Poeten und Maler ärmer geblieben. Im Mittelpunkt seiner Geschichten und Gedichte steht die Stadt Hüfingen, seine Heimat. Wie ich aus vielen gemeinsamen Gesprächen weiß, hat er nie Fernweh sondern immer nur Heimweh gehabt. Daß er diesen Schritt gewagt hat, diesen Mut gehabt hat, im bescheidenen Rahmen der Heimat zu bleiben, ohne Aussicht, in einem weiteren Bereich bekannt zu werden, das haben wir ihm tief zu danken. Gottfried Schafbuch hat die Gabe, aus den alltäglichen Kleinigkeiten etwas Schönes zu machen, einerlei, ob es sich um einen Brief, eine kleine humorvolle Geschichte oder ein Gedicht handelt. Und gerade seine Gedichte sind Zeugnis dafür, daß er die Volksseele der Baar, in der er von Jugend auf gelebt hat, bestens versteht. Aber er ist ein Mann, der sich gründlich mit der Materie auseinandergesetzt hat. Bevor er sich an seine Mundartgedichte wagte, hat er zuerst einmal die Baaremer Sprache gründlich erlernt; und erst nachdem er sich mit vielen Kapazitäten zusammengesetzt und alles genau erforscht hatte, begann er, seine Gedichte zu schreiben. Alles, was vorher aus seiner Feder kam als Heimatschriftsteller und Erzähler der Geschichte unserer Stadt, hat er elegant mit leichter Hand gemacht. Aber sein ganzes Können hat er erst gegeben, als es ihm um die herbe Mundart der Baar gegangen ist. So hat er uns entscheidend tiefschürfende Werke geschenkt, die immer zum kostbaren Gut der Baar gehören werden. Daß wir mit dieser Ehrung solange gewartet haben, hat sich Gottfried Schafbuch selbst zuzuschreiben. Er hat zu uns immer gesagt:

,Ehrenbürger einer Stadt zu sein, ist das Äußerste und das Letzte, was eine Stadt zu bieten hat; und übertreibt auch solche Sachen nicht‘.

Nun wollen wir hoffen, daß wir noch recht viele Jahre mit ihm zusammen sein können. Ich darf nun die Ehrenbürger-Urkunde verlesen: ,Ehrenbürgerbrief. Gottfried Schafbuch hat als Heimatdichter und Mundartschriftsteller große Verdienste erworben. Der ganze Reichtum des Baaremer Dialektes wurde durch ihn in seiner Vielfalt erkennbar und als unschätzbares Gut erhalten. Darüber hinaus hat er sich mit seinen Schriften aus der Geschichte der Stadt verdient gemacht. Dankbar für all das, was er uns gegeben hat, ernennen wir ihn zum Ehrenbürger seiner von ihm so geliebten Heimatstadt Hüfingen.
6. August 1978, Der Gemeinderat‘.

Sechs Jahre nach seiner Ernennung zum Ehrenbürger war Gottfried Schafbuch tot. Am 23. Oktober 1984 starb er im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit. Ausgerechnet Bürgermeister Max Gilly, der ihm 1978 den Ehrenbürgerbrief überreicht und seine Laudatio mit der Hoffnung beendet hatte, noch viele Jahre mit ihm zusammen sein zu können, fand nach seinem Tod noch einmal Worte für das, was Schafbuch seiner Heimat hinterlassen hatte:

„Die Pflege des heimatlichen Brauchtums, der Baaremer Mundart sowie die Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt lag ihm besonders am Herzen. Wir wollen ihm für all das, was er uns gegeben hat, mit seinen eigenen Worten danken.“

Das Grab von Gottfried Schafbuch auf den Hüfinger Friedhof

o Boor, mii Boor, hol mech doch hoam;
dier g’hör ech alli Ziite ,
es mont zum Grabgsang mier emool
nuu d’Hoametglocke liite.

Einladung zum 100. Geburtstag von Gottfried Schafbuch


Feierlichkeiten zum 100. Geburtstages am 3. Januar 1998

Ein Hüfinger Heimatdichter wird 100 – und die Stadt feiert. Zum Geburtstag von Gottfried Schafbuch gab es 1998 noch einen ganzen Abend: Das Stadtmuseum stellte eine Ausstellung zusammen, das Katholische Bildungswerk lud ein, und seine älteste Tochter und Nachlassverwalterin Roswitha Schafbuch las aus dem kurz zuvor erschienenen Nachfolgewerk „Daheim auf der Baar“.

Heute wirkt eine solche Würdigung beinahe wie ein Dokument aus einer anderen Zeit. Damals hielt man es offenbar noch für sinnvoll, die Menschen zu feiern, die zur kulturellen Identität der Stadt beigetragen hatten. Heute schmückt man sich lieber mit der „Hüfinger DNA“ und erklärt, wie wichtig Geschichte und Herkunft seien. Die Menschen, die diese Geschichte tatsächlich geschrieben haben, kommen dabei zunehmend weniger vor.

Zum Glück ist von Roswitha Schafbuch noch etwas erhalten geblieben: eine Aufnahme vom 12. Dezember 1998, auf der sie aus dem Werk ihres Vaters rezitiert. Mein Vater hat die Aufnahme damals gemacht.

Einladung vom Katholischen Bildungswerk 1992
Zm 100. Geburtstag von Gottfried Schafbuch
Roswitha Schafbuch am 12.12.1998



Ferienbummlers Rundgang in der Baar

von Franz Josef Schelble 1899
aktualisierte Version, Original vom August 2021

Hüfinger Kirchturm

Nach der lieben Vaterstadt

Die den grünen Kirchturm hat

Eine humoristische Dichtung

Heimatzauber

Wenn in schwülen Sommertagen
Schnaken mich und Hitze plage, 
Wenn zu ernstem, regem Schaffen
Geist und Körper mir erschlaffen,
Und die schöne Ferienzeit
Reget vieler Menschen Neid:
Drängt es mich, den Sohn der Baar,
Abzudampfen jedes Jahr
Nach dem lieben Oberland,
Hin, wo meine Wiege stand,
Nach der Baar, der ährenreichen, 
Nach der Heimat ohne gleichen.

Alter Stich von Brigobannis


Seh’ ich dann zum erstenmal
In der Abendsonne Strahl
Wiederum mein Städtlein ragen,
Da vermag ich kaum zu sagen,
Wie es mir vor lauter Lust
Wohlig wird in meiner Brust,
Und das Herz mir jünger schlägt,
Wie von Zauberkraft bewegt.
So hat’s mir, dem alten Mann,
Meine Heimat angethan.

alte Postkarte von Hüfingen


Rasch dann geht’s der Herberg zu;
Doch es läßt mir keine Ruh,
Renn’ das Städtlein auf und ab,
Und wo ich Bekannte hab’,
Kehr ich ein, sie rasch zu grüßen,
Eile dann mit schnellen Füßen
Durch das Thor, um dort zu seh’n
Ob die Häuser all noch steh’n

Mühlibach altes Foto vielleicht 1930


Und im Mühlenbache klar
Sich noch spiegeln immerdar;
Und als ersten Wallfahrtsort
Grüße ich Loretto dort,
Wo, umrauscht von alten Linden
Beter — Trost des Himmels finden.

Aufgang zu Loretto

Eh’ die Nacht sich niedersenkt,
Wird der Schritt zurückgelenkt,
Und an einem runden Tisch
Labet mich ein Schöpplein frisch,
Das des Hauses Töchterlein
Allzeit freundlich schenkt ein.
Wenn die Wächter dann, die alten,
Spieße schleppend, Rundgang halten,
Sag’ ich, von des Schlafes Nacht
Überwältigt: „Gute Nacht!“

Stadtkirche mit grünem Kirchturm


Schließ ich dann zu sanften Ruh
Meine müden Augen zu,
Ach, wie schlaf’ ich da gesund
Bis zur frühen Morgenstund!
Wacht mich dann der Glocke Ton
Vor dem Morgengrauen schon,
Ha, da heißt es: „Ausgeträumet“,
Länger wird jetzt nicht geträumet,
Spute, alter Knabe, dich,
Sieh der Himmel rötet sich;
Auf, hinaus ins weite Feld,
In die schöne Gotteswelt,
Wo der Hauch der Freiheit weht,
Jeder Unmut rasch vergeht!

Sechsuhrläuten von St. Verena und Gallus

Fange dann zu laufen an,
Was nur einer laufen kann,
Heute hier, und morgen dort,
Und so geht es fort und fort.
Und so ging’s auch gestern wieder
Berge auf und Berge nieder,
Bis die Stern’ am Himmelsbogen
Mählich kamen aufgezogen
Und des Mondes volle Pracht
Still vom hohen Himmel lacht.

Wie ich diesen Tag verbrachte,
Wie ich fühle, was ich dachte,
Teilt Euch dieses Büchlein mit,
Leser nimm vorlieb damit!


1. Hinweg.

Nach der Weid, wo’s Vieh sich tummelt,
Bin ich gestern hingebummelt,
Hausen, zubenannt vor Wald,
hatt‘ ich erreichet bald
Und den Weg, mit Staub bedeckt,
Raschen Schritts zurückgelegt.

Alte Postkarte von Hausen


Unterwegs da konnt‘ ich schauen,
Wie die neue Bahn sie bauen,
Wie sie schaufeln, wie sie graben
Und gar saure Arbeit haben.
Waledetto, Sakramento
Und verworrenes Lamento
Von der Welschen wilden Chor
Drang an mein erstauntes Ohr.

Dampflock beim Bau der Höllentalbahn über der Brücke
Brücke an der selben Stelle im Jahr 2021

Bauarbeiten zur Höllentalbahn bei der Luttlinger Bruck 1899 und im Jahr 2021

Habe mich auch unterhalten
Unterwegs mit einer alten
Aber schönen Italiana,
Zubenamet Giuliana,
Die dem Mann das Essen brachte,
Heiter mit mir sprach und lachte
Doch zumeist italienisch,
Denn von Deutsch verstand sie wenig.
Als sie endlich angekommen
Und ihr Mann mich wahrgenommen,
Hui, was der für Augen macht‘,
Hätt‘ mich sicher umgebracht,
Wenn ich nicht noch grimmiger
Ausgesehen hätt‘ wie er!

altes Gemälde von Hausen

Hausen vor Wald von Hans Schroedter (1872-1957)

Als ich that durch Hausen schreiten,
War ich eingedenk der Zeiten,
Da wir vor so vielen Jahren
Einst im Pfarrhaus lustig waren,
Wo das Bier so hell und klar
Und der Pfarrherr heiter war.
Guter Max *), längst gingest Du
Allzufrüh zur ew’gen Ruh!

*) Max Hochweber, der damalige Pfarrer von Hausen vor Wald.

Kirche in Hausen vor Wald


Darauf ging’s ohne Aufenthalt
Durch den frischen Tannenwald,
Durch des Waldes Einsamkeit,
Wo in Ruhe weit und breit
Keinen Laut ich konnt‘ erlauschen
Als der Bäume flüsternd Rauschen.
Und so wanderte ich weiter
Nervenstark, beruhigt, heiter.
Legt‘ mich dann ins weiche Gras,
Dacht‘ an dies‘ und dacht‘ an das,
Dacht‘ an meine teuren Lieben,
Sie so fern von mir geblieben.
Und in Waldes Schattenruh
Sanken mit die Augen zu.

Blick nach Mundelfingen


Rasch fuhr ich vom Schlafe auf
Fortzusetzen meinen Lauf.
Fürbaß ging es weiter dann
Aus dem kühlen, dunkeln, Tann.
Ha, wie war mein Aug‘ entzückt,
Als es in die Landschaft blickt‘,
Und die weiten, schönen Auen
Von der Höhe konnt‘ erschauen,
Wo der Felder gold’ner Segen
Schon der Ernte wogt‘ entgegen!
Sah die Berge dort, die blauen,
Grüßend zu mir rüberschauen,
In der schwülen Morgenluft
Eingehüllt in leisen Duft;
Und der schneeigen Alpen Kranz
Winke fern in Sonnenglanz.

Sechsuhrläuten von Mundelfingen. Vielen Dank an Michael Steinemann

Feierlich von Mundelfingen
Hörte ich die Glocken klingen,
Und auf Gottes freier Flur,
Zu dem Tempel der Natur,
Senkte sich in meine Brust
Stiller Andacht selige Lust,
Und mir war’s, als müßt‘ ich beten,
Dankend vor den Schöpfer treten,
Daß er dieses Tages Pracht
Mir so wonnesam gemacht.

Blick über Mundelfingen

2. Auf der Weid.

Sah die „Weid“ dann vor mir liegen,
Wo ich schnell hinabgestiegen.
In der saubern Hütte drin
Grüßet mich die Sennerin
Urschel, eine fesche Maid,
Wirtin auch auf Josephs Weid.

Klementine und Josef Frank 1926


Plötzlich hörte ich ein Klingen,
Leise Laut zum Ohre dringen.

altes Foto von meinem Opa und einem Freund mit Telefon vor einer Steckanlage etwa 1920


Nun was war’s? Das Telephon
Gab der Urschel Instruktion,
Daß sie mich bewirten sollte
Und mir reichen, was ich wollte.
Aß dann Speck, trank Bier dazu,
Überließ mich kurzer Ruh‘
Und der Rinder glatte Scharen
Sah ich nach den Ställen fahren,
Sah die Farren, sah die „Kälble“
Und ich wollt‘, mir wäre selber
Wohl wie diesen Viechern hier
In der Freiheit Luftrevier.

Postkarte vom Haus vom Schäfer Frank

Postkarte von 1925

(Spaßige Betrachtung.)

Glücklich Kinder preis‘ ich euch.
Denn in eurem lust’gen Reich
Lebt ihr hier in Wald und Wiese
Herrlich wie im Paradiese,
Kerngesund, zufrieden, heiter,
Alle Tage lustig weiter.
Munter sieht euch jeder Morgen,
Kennt nicht Verdruß noch Sorgen.

Postkarte von der Alpenweide

Postkarte 1904

Euch ist stets der Tisch gedeckt,
Immer euch die Mahlzeit schmeckt.
Tafelmusik auch erklingt,
Wo ihr schmauset, wo ihr trinkt.
Sagt, wer spielt euch auf so schön?
Eurer Glocken traut Getön
Und vom nahen Waldeshang
Luft’ger Vöglein süßer Sang,
Und mit kräft’gen Mu, Mu, Muh
Brüllet ihr den Satz dazu.
Also grast ihr mit Behagen
Und verderbet nie den Magen;
Bei dem Trank aus klarem Quell
Bleiben Euch die Köpfe hell,
Denn auch ohne Alkohol
Ist es euch ganz pudelwohl;
Das Gespenst „Nervosität“
Niemals euch zu Leibe geht;
Seht drum auch nie mürrisch aus
Und braucht hier kein Narrenhaus.
Mensch, sieh diese Viecher an
Nimm Dir ein Exempel dran!

Wenn die Brems‘ und Sonne sticht,
habet ihr zu leiden nicht,
Könnt euch in die Ställe legen,
Ruhig der Siesta pflegen.

Kühe auf der Weide


Und in eurer Republik
Treibt ihr keine Politik,
Und der Hader der Parteien
Kann euch nimmermehr entzweien,
Könnt auch ohne Fraktionen
Friedlich hier beisammen wohnen.
Solltet ihr in Streit geraten,
Braucht ihr keine Advokaten,
Denn ihr machet jeden Strauß
Sofort mit den Hörnern aus.
Auch die Frag‘ „woher, warum“
Geht euch nicht im Kopf herum;
Ja, ihr habt es sehr bequeme,
Philosophische Probleme
Regen euern Geist nicht auf,
’s geht doch alles seinen Lauf.
Brauchet euch um nichts zu kränken,
Ja, braucht nicht einmal zu denken;
In der Zukunft dunklen Schoß
Schauet ihr ganz sorgenlos,
Denn ihr werdet totgeschlagen,
Eh‘ ihr fühlt des Alters Plagen.

Mühlrad in Achdorf

3. Achdorf, Blumberg, Stutz

Also denkend eilt‘ ich fort
Von dem vielberühmten Ort.
Als die Sonne hoch schon stund,
War ich in des Thales Grund,
Wo ich sah die Wutach schäumen
Zwischen Felsgeklüft und Bäumen.
Auch durch Achdorf wohlbekannt
Bin ich eilend durchgerannt,
Sah dort Scheffels Linde prangen;
Doch ich bin vorbeigegangen,
Ließ mich nicht vom Durst verführen,
Dorten eins zu pokulieren,
Wollte Blumberg rasch ereilen
Und daselbst ein wenig weilen.

Scheffellinde in Aachdorf
Flasche Bohemia 1283

Liebe Leut, wie schmeckte da
Eine Flasch‘ Bohemia! *)
Nahm dann einen Imbiß ein,
Trank ein Gläschen guten Wein,
Eine Tass‘ Kaffee dazu,
hielt im Grase Mittagsruh.
Blumberg, stilles Ruhenest,
Gerne bin ich hier gewest,
Und im Hause Troll vor allen
Hat es trefflich mir gefallen
Denn wo könnt‘ es besser sein,
Als wo der Mahontsverein
Manche kreuzfidele Nacht
Lustig zechend zugebracht?

Drauf ging es im Sonnenbrand
Steil hinan die Bergeswand;
Durch den langgestreckten Wald
Naht ich mich dem „Stuze“ bald.
Welch ein Anblick wunderbar
Bot sich hier dem Auge dar!
Worte können’s nicht beschreiben,
Könnte Stunden hier verbleiben,
Würde doch nicht satt mich sehen.
Endlich mußt‘ ich weitergehen
Und verlassen diesen Ort
Eilend nach der Heimat fort.

*) Berühmtes Bier aus der fürstl. Brauerei Donaueschingen

Eichbergstutz

4. Rückkehr über Behla und den Wolfsbühl.

Schon lag Behla hinter mir,
Und am nahen Waldrevier
Hatte ich erreichet gleich
Behlas Schilfbewachs’nen Teich,
Wo die Buben Kolben schneiden
Und die Gänse lustig weiden,
Wo ein Haus auf Pfähl‘ gebaut
Düster aus dem Wasser schaut.

Behlaer Weiher 2020
Der Weiher ist ein Rest von mittelalterlichen Fischweihern auf deren Damm heute die B27 liegt.

Hab die Straße dann gemieden,
Mich im Wald herumgetrieben,
Meinem lieben Wolfesbühl,
Wo ich in dem Dickicht kühl,
Zu dem feuchten Waldesgras
Oft als Knabe Beeren las.
Holde Zeit, wo bist Du hin,
Da ich noch mit Kindessinn
Heiter in das Leben schaute
Manches Luftschloß mir erbaute,
Aber schon zufrieden war,
Wenn ich in der Knabenschar
Einen Beerenplatz gefunden?
Ha, wie ließen wir uns munden
Erd-, und Him- und Heidelbeeren!
Konnten wir noch mehr begehren?
Und auch nach der Zukunft hin
Schaut‘ ich mit bescheidenem Sinn.
Wie das war, frei nicht verhehlt,
Sondern treulich hier erzählt.

Wolfsbühl. Baum mit Tafel Wolfsbühlweg.

Schon fing ich Lateinische an
Vollen Ernsts beim Kapelan,
Und worauf ging mein Bestreben?
Dachte mir: „Ein Herrenleben
Ist gewiß so übel nicht
Weil es da an nichts gebricht.“
Als ich mich studierend plagte
Und die gute Mutter fragte:
„Wennd‘ emol en Herr worscht si,
S’ka nit fehle“, saget sie,
„Sag mir doch, wo worscht no au
Dir am liebschte koche lau?“
„Motter,“ sag i, „wißt’rwa?
Brotni Knöpfli, Eier dra,
Zettelisuppe, Auge druf
Und am Sunntig Gugelhupf!“
Das war meiner Wünsche Ziel,
Und das deuchte mir schon viel.


So in Waldes Einsamkeit
Dachte ich der Jugendzeit,
Dachte, wie wir einst als Knaben
Uns herumgetrieben haben,
Und des Übermutes voll
Uns gebärdet oft wie toll,
Streich‘ auf Streiche ausgeführet,
Reue jedoch nie verspüret.
Wie ich als ein kleiner Fant
Strampelnd auf dem Kopfe stand,
Und in raschem, leichten Schwung
Machte flott den Rädlisprung,
Was wir alles unterfangen,
Wie wir in den „Gumper“ sprangen,
Wie wir schwammen, wie wir tauchten;
Heimlich auch Zigarren rauchten,
Bochelestengel, Lindenblatt
Qualmten an Tabakes Statt,
Bis uns wurde wind und weh
Und die Farbe weiß wie Schnee;

Bochele (Wiesenkerbel)

Bochele (Wiesenkerbel)

Wie wir Grundeln, Kroppen fingen,
Und sie an das Feuer hingen,
Und sie gar nicht ausgeweidet
Ohne Schmalz zum Mahl bereitet;
Wie im Herbst wir ausgefahren
Auf die Weid mit Kinderscharen,
Wo wir vor dem frühen Nachten
Lustig uns ein Feuer machten,
Holz und Stroh zusammentrugen,
Daß die Flammen hoch aufschlugen,
Und Kartoffeln, die das Feld
Unerbeten uns gestellt,
In den Gluten samt der Schale
Brieten uns zum leckern Mahle.
Und wie schmeckte Bier und Weck
Sonntags uns beim Wägelibeck!
Doch erst in der Kronengaß
Gab es für uns manchen Spaß,
Wenn wir, echte Strolchenknaben,
„Mezler“ *) dich geärgert haben!
Bist uns manchmal nachgesprungen;
Hast den Riemen kühn geschwungen,
Hast uns aber nie gepackt,
Denn wir sind davongejagt!

*) Komischer Kautz von einem Schuster,

Foto vom Stadtmüller Philipp Frank (1860)

Stadtmüller Philipp Frank (1860)

Doch vom Müller Frank, dem großen,
Kriegt ich einmal auf die Hosen,
Weil wir, — o der Greuelthat —;
Abgestellt sein Mühlenrad.

Mühlrad hinter der Stadtmühle 1925

Mühlrad hinter der Stadtmühle 1925


Doch genug von meinem Treiben!
Will es weiter nicht beschreiben;
Wollt‘ ich alle Streich‘ erzählen,
Würd‘ es mir an Tinte fehlen.

Foto vom Schwimmbad mit vorne einer Dame die über den Weiher blickt auf das Wohnhaus der Seemühle.

Schwimmbad an der Seemühle etwa 1920

Denk‘ ich dein, o Knabenzeit,
Wird es mir im Busen weit,
Ja schon die Erinnerung
Macht das Herz mir wieder jung.
Doch auch Schatten steigen auf,
Denk‘ ich, wie im „Zeitenlauf“
Mancher, der „fidel“ einst war
In der lust’gen Knabenschar,
Ach so frühe von hienieden
Nach dem Jenseits abgeschieden!
Schlafet sanft, vom Freund betrauert,
Ach, wer weiß, wie lang es dauert,
Deckt auch mich zur letzten Ruh
Irgendwo der Rasen zu!

5. Begegnung im Walde.

So der Knabenzeit gedenkend
Und die Schritte weiter lenkend
Kam ich an des Waldes Rand,
An den Gipsbruch hingerannt.

Bild aus dem Wolfsbühl mit Schild Gipsbruch


Und was hört ich? Helles Singen,
Heitern Ruf zum Ohre klingen.
Ha, wie freute mich der Laut
Meiner Heimatsprache traut!
Wollte länger nicht mehr lauschen,
Wollte lieber Worte tauschen,
Und mit eig’nen Augen schauen,
War für Mädchen, was für Frauen
Beeren lesend in dem Schatten,
Also mich entzücket hatten.
Und so lief ich, Rock am Arm,
Hurtig nach der Mädchen Schwarm
Kaum jedoch erreicht ich sie,
Als da plötzlich eine schrie:

„Jesses Gott, dä rennt on hear,
Ear sieht us fascht wie en Bäar!
Jesses, Meidli rennt mit,
Sellem Kerli trau i nit!“
Und sie rannten – , und gar bald
Waren sie hinaus zum Wald,

Und ich rannte kreuz und quer
Ihnen folgend hinterher.
Endlich sah sich eine um
„Meidli“, sagt sie, „o wie dumm,
Daß mer wie die Gäns‘ sont renne;
Sella Herr dä sott i kenna,
S’ischt dr sell, wo alli Johr
Umenanderrennt in dr Boor,
Und wo uf de Römerplätz
Grabe duet no alte Schätz. *)
Loset, ’s ischt kon schlimme Ma,
Wo om ebbis due ka!“
Alsdann hielt der Flücht’gen Schar
Wie ich ihnen nahe war,
Fragt ich: „Was rennt ihr,
Warum flieht ihr vor mir?
Seh‘ ich denn so schrecklich aus,
Daß ihr vor mir reißet aus?“
Sprach dann eine: „Jo, sischt wohr,
Blibet doch, es hott ko Gfohr!“
Hett ech Sie nu früher kennt,
Wär ech nit so bsesse grennt
Als sie ihren Namen nannten
Waren’s Töchter von Bekannten
Meiner frühen Jugendzeit,
Die jetzt hinter mir so weit,
Töchter derer, die vor Jahren
Mir bekannt, befreundet waren.
„Ach“, dacht ich im Weitergehen,
„Konntest wieder einmal sehen,
Wie’s den fremdgewordenen Mann
In der Heimat gehen kann!“

*) Römische Altertümer.

Heute ist der alte mittelalterliche Weg über die ehemalige Hüfinger Allemende versperrt.
Bild vom Lidl Zentrallager
Heute ist der alte mittelalterliche Weg über die ehemalige Hüfinger Allmende versperrt.

6. Hüfingen.

Jetzt ging es gemütlich, heiter
Durch die Felder heimwärts weiter,
Nach der lieben Vaterstadt,
Die den grünen Kirchturm hat,
Wo die Rinder in den Gassen
Die Visitenkarten lassen,
Wo in einer Gasse still
Traulich lockt das Krokodil,

Hochzeitsgesellschaft vor dem Krokodil vielleicht in den 1930er Jahren
Film von Ernst Kramer

Wo die alte Schächerkatze
Nächtlich noch auf ihrem Platze
Nach dem Wanderer lauernd späht,
Der bezecht nach Hause geht,

D’Schächerkatzen an der Fasnet - Kirchturm im Hintergrund

D’Schächerkatzen und d’Schächerkapelle


Und wo mitten durch das Städtlein
Plätschernd fließt ein muntres Bächlein;
Wo die Leut‘ mit ihrem Treiben
Glücklich noch beim alten bleiben
Und recht fleißig alle Zeit
Leben in Zufriedenheit;
Nach der Stadt, wo jedes Jahr
Ich im Herbst so gerne war,
Und wohin, solang ich lebe,
Jedes Jahr zu kommen strebe.

Das Hüfinger Tor 2021


In dem Thore grüßt‘ ich froh
Meinen Freund Antonio,
Der als Wirt die Ochsengäste
Höchst galant bedient auf’s beste.
Als ich eintrat in die Krone,
Wo ich ganz gemütlich wohne,
Ha, wie schmeckte da der Wein
Und das Abendessen fein‘!

Foto der Ochsengasse etwa 1910

Ochsengasse etwa 1910

Legte dann die müden Glieder
Ziemlich früh zur Ruhe nieder.
So war dieses Tags Verlauf.
Punktum, fertig, Streusand drauf!






Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845. Geschichte der Freunde der Natur Hüfingen.

18. Dezember 2025

Im Landesarchiv in Freiburg liegt die Akte Rotrain Staatsarchiv StAF B 695/1 Nr. 731. In dieser Akte wird der Beginn und der Zweck des Vereins der Freunde der Natur Hüfingen vor 200 Jahren beschrieben. Die Akte umfasst etwa 140 Seiten und beschreibt die Aktivitäten von 1820 bis nach dem langsamen aussterben 1845 als der Hüfinger Gesangsverein noch ein letztes Mal die Bänke und Tische hat herrichten lassen. Seit der Revolution wurde die Anlage dann sich selbst überlassen.

Die Freunde der Natur – des Nützlichen und Schönen waren von Beginn an eine basisdemokratische Gesellschaft. Es wurde alles transparent abgestimmt und offengelegt, auch gab es keine Mitgliederbeiträge sondern nur freiwillige, projektbezogene Spenden und freiwillige Arbeit. Die Freunde der Natur Hüfingen e.V. stehen in guter Tradition der alten ehrwürdigen Gesellschaft. Auch heute gibt es sehr viele Unterstützer die ihre Beiträge leisten, sowohl finanziell, ideell als auch durch freiwillige Arbeit – jenseits des modernen Vereinsrechts, das einen jährlichen Mitgliedsbeitrag und auch Mitgliederlisten verlangt.

Großherzogliches Badisches Fürstlich Fürstenbergisches
Bezirksamt Hüfingen
Verwaltungssachen

Ort: Hüfingen
Anlage Verschönerung
Rubric: Genannte Anstalten
In Sachen
Der Verschönerung einer Anlage auf dem rothen Rain
Jahr 1820-1845

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

1.  Urkunde von 1820 über Entstehung den Anlage

Zu Hüfingen
die Herstellung der Anlage auf dem rothen Rain von 1820 bis 1830

Akten Verzeichniß

  • 1.  Urkunde von 1820 über Entstehung den Anlage
  • 2. Protokoll von 1821 über deren Zerstörung
  • 3. Prokoll von 1821 über Auffoderung der Bürgerschaft zur Entdeckung der Frevler
  • 4. a.c. Pasquille von 1821 über die vermeintlichen Thäter
  • 5. belegte Rechnung von 1821 über die Herstellung des Steges
  • 6. Protokoll von 1828 die Herstellung des Forstweges vom Steg in die Anlage
  • 7.  Plan zu einem Portal in die Anlage
  • 8. Rechnung über baare Einnahmen und Ausgaben für die Anlage von 1820 bis 1830 gestellt

von dem nun pensionierten Hofrath und Obaramtmann Baur
ano 1834.

Epitaph der Familie des Hofraths und Oberamtmanns Anton Baur in der St. Leonhardskapelle in Hüfingen aus dem Jahr 1809.

Anton Baur Fürstlich Fürstenbergischer Hofrat und Obervogt, Großherzoglicher Badischer Hofrat und Oberamtmann. Geboren am 24.06.1769 in Gegenbach gestorben am 24.04.1841 in Donaueschingen.

Er war verheiratet mit Magdalena Schmider (6.11.1778-13.07.1807)

Das Paar hatte eine überlebende Tochter: Magdalena Baur. Sie heiratete am 24.04.1826 Karl Dominik Mangold, den Badischen Salinen-Kassierer in Dürrheim.

Eine Anlage auf dem rothen Rein einer Stadt Waldung von Nadelholz im Schoosen Öschle der berühmte Tonkünstler und Sänger Nepomuk Schelble, wirklicher Director des Musikvereins zu Frankfurth am Mayn, veranlaßte während seines kurzen aber uns unvergeßlichen Sommer Aufenthaltes in seiner Geburts und Vaterstadt dahier diese neue Anlagen dadurch, daß er den rothen Rein zu seinem Lieblings Standpunkt erwählte, wo ein grosser Theil unseres Schönen flachen Hochlandes zu übersehen ist.
Ein hier öfter in freundschaftlichem Zirkel um diesen Künstler versammelten Anverwandten Korrektions Haus Verwalter Schelble, dessen Vater
(Vater von Johann Nepomuk Schelble), und Oberlehrer Reich (Luzian Reich, verheiratet mit Josefa Schelble), dessen Schwager wollten das Angedenken an den geliebten nun in Rückerinnerung zu dessen vollen Genus der Gast in der freyen Natur dadurch fortan erhalten daß sie gemeinschaftlich mit dem ersten Amtsactuar Guttenberg und dem zweyten Gleichauf auch mit noch mitgenommen werthen Bürgern zuerst das Rondell auf der östlichen Spitze des Berges mit einem angenehmen Wege dahin herstellten.

worunter Xaver Schreiner sich ausgezeichneten

Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837), Lithografie von Heinrich Ott. Foto: Frankfurt am Main: Stadt- und Univ.-Bibliothek
Das Leben und wirken von Johann Nepomuk Schelble wird von seinem Neffen Lucian Reich in den Wanderblühten beschrieben: https://hieronymus-online.de/wanderbluhten-johann-nepomuk-schelble-2/
Foto von Luzian Reich senior (07.01.1787-18.12.1866)
und
Josefa Schelble (18.03.1788-12.11.1866)
Katharina Schelble geb. Götz (01.11.1760-04.04.1847) gemalt von Luzian Reich (senior) ihrem Schwiegersohn im Jahre 1829. Sie ist die Mutter von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und Josefa Schelble.

Diese erste der Anlagen war noch nicht ganz vollendet, so folgten diesem Beyspiel schon mehrern von Freunden der lieben Natur, und so entstand gleich die zweyte Anlage rechts auf einer Ruine vom Rentamts Controlleur Hasenfratz dahier. Ihm folgte der Bezirks Baumeister Dief durch Anlegung eines Weges gleich unter dem erstgenannten Rondel rechts an der Nordwestlichen Seite des Berges durch eine Bergschlucht, von da abwärts diernist Hisele auch einen Wege am Berge her einleitete. Zur eigenen, und zur Beqnümlichkeit derjenigen, welche ohne vörgerliche Anstrengung den Gipfel erreichen wollen, suchte diese der Unterzeichneten dahin auf dem hergestellten Wege Nordwestlich am Berge zu führen welchen, wo dem neuen Steinbruch mit Hülfen aller ein Pendel gleich denn vorderen angelegt wurde.

Höllenstein=Hölenstein=Höllstein=Höhlenstein (seit über 200 Jahren unterschiedlich geschrieben); Römerbad = römische Alterthümer; Schosen = Schoßen; Rotrain=rother Rain; Hammeltal beginnt südlich vom Römerbad; den Galgen hatte Luzian Reich senior etwa zur selben Zeit zusammen mit Bürgermeister Josef Burkhard vom Berg geworfen (siehe Denkbuch)

Alle diese Anlagen geschahen vom August dieses Jahrs in wenigen Wochen ganz freywillig von Natur Freunden mit wirklich erstaunungs würdiger Anstrengung, die nur von Begeisterung für das Schöne zu erwarten ist.
So Erstaunlich auch diese neuen Werke wären, so würde doch das Angenehme durch den Anblick der fürchterlich und gefährlichen Ruine des alten Steinbruches Südlich verbittert. Der Unterzeichnete wagte das Unternehmen auch diese Ruine in eine gefahrlose so viel möglich angenehme Anlage zu verwandlen und er bedürfte der Mitwirkung aller Vaterfreunden, um durch den Abgrund zu gangbare Wege zu leiten, zu diesem Ende die dem Einsturz drohenden Felsen abzutragen und dadurch die Abgründe auszufüllen, was unseren schwachen Kräften anfangs übersteigend erachtet wurde, ward durch stets vermehrte Anstrengung hergestellt und in Krone dazu eine Kapelle mit der hölzernen Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel errichtet, in deren Grundstein gegenwärtige Urkunde in einem Stein und in einer blechernen Büchse verwahrt liegen solle, zum Angedenken über die Veranlassung und Entstehung dieser Anlagen, deren Fortsetzung durch die von Natur zu schönen Anlagen geeignete Waldung vom Sinne unserer Mitbürger fürs Schöne und Angenehme zu erwarten, ist. 
Hüfingen den 10 ten October 1820
Anton Baur
Hofrath und Oberamtman

Der Weg der durch den alten Steinbruch nach oben führt.
Der Weg führte zur Kapelle mit einer Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel.

Die Ruhe im Tempel der Natur besänftiget die Stürme des Gemüts

Das Waldhisli wurde vermutlich auf das Fundament der Johannishütte (Johannes Kapelle) gebaut.
Das Waldhisli etwa 1950
Alter Stein vom Fundament
Bild aus der Hüfinger Chronik mit dem Brunnen
Die Statue des Johannes auf einem Brunnen in Hüfingen. Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 vermutlich Nepomuk Heinemann

>„Die Ruhe im Tempel der Natur besänftiget die Stürme des Gemüts“ wie die Inschrift an der „Johannishütte“ in den gemeinsam von Bürgern und Beamten geschaffenen „Anlagen“ im nahen Tannengewälde des „Rotenraines“ lautete, konnte als Motto für die 20ger Jahre gelten. Es war recht eigentlich die Zeit der Gartenhäuschen, Ruhebänke und idyllischen Plätzchen, verbunden mit Freundschaft und Geselligkeit.<
von Lucian Reich im Denkbuch 1896

2. Protokoll von 1821 über deren Zerstörung

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

Actum
Hüfingen den 10ten März 1821.

In Gegenwart sey zu dieser Verhandlung vom Großherzogl. Bezirkamt Hüfingen Speciel commitierten Actuers Guttenberg.

N. 2905. et. 6.
Nachdem vor einigen Tagen allgemein das Gerücht sich verbreitet hat, daß in der, im vorigen Herbst von einigen Freunden der Natur neu errichteten Anlage dahier, bereits alle Bäume umgehauen worden, so wurde der im Fragentia benannte vom Großherzoglichen Bezirksamt beauftragt, unter Bezug des Bürgermeisters Neukum, Rathsfreunden Burkard, und Heinmanns einen Augenschein vorzunehmen, und den Erfund nach vorgenommener genauer Prüfung anzuzeigen.
In dessen Folge begab man sich heute Mittags um 1 Uhr mit Bürgermeister Neukum und den erwähnten Rathsfreunden Burkard und Heinemann in die Anlage wo folgendes gefunden wurde.


In der Chronik von August Vetter aus 1984 steht, dass früher den Schultheißen ein Stabhalter zur Seite stand. Seit dem frühen 18. Jahrhundert, gab es dann nur noch Bürgermeister. Ihm oblag die Verwaltung des Stadtsäckels. Der Bürgermeister hatte also keinen Stabhalter mehr und wurde von den Bürgern gewählt. Von 1809-1826 lässt sich kein Name in der Chronik ausmachen wer Bürgermeister war. Laut dieser Akte war es aber Bürgermeister Neukum. Ob es der selbe Neukum war, wie der in der Chronik steht, Johann Baptist Neukum, lässt sich nicht feststellen, da im Sippenbuch nichts über Neukum steht. 1854-1863 war auch wieder ein Neukum Bürgermeister, vermutlich der Sohn von Johann Baptist, von daher gehe ich davon aus, dass Hüfingen drei verschiedene Bürgermeister Neukum hatte.

Folgende Bürgermeister stehen in der Chronik:
1803-1809: Xaver Stuckle
1826–1831: Josef Burkhard, Sonnenwirt
1831–1837: Johann Baptist Neukum
1837–1840: Fidel Ganter
1840–1848: Josef Hug

Litographie von Josef Burkhard dem Hüfinger Bürgermeister im frühen 19. Jahrhundert.
Litographie von Josef Burkhard aus der Bürgermeistermappe im Hüfinger Archiv.
Litographie von Johann Baptist Neukum aus der Bürgermeistermappe im Hüfinger Archiv.
Litographie von Josef Hug aus der Bürgermeistermappe im Hüfinger Archiv.

In der Akte ist von 1820-1840 Bürgermeister Neukum genannt, später kommt dann Bürgermeister Burkhard hinzu. Josef Burkhard (06.03.1772-12.11.1855) – Gastwirt zur Sonne, Metzger, Bierbrauer und Bürgermeister von 1826–1831 steht im Sippenbuch. Bürgermilitäroffizir J. Burkhard schreibt in der Chronik 1806 eine Proklamation an die Hüfinger Bürger. Vermutlich ist das Amt des Bürgermeisters in den Kriegswirren (Frankreich- bzw. Russlandfeldzug) etwas untergegangen. Zu Neukum gibt es leider gar nichts im Sippenbauch. Vielleicht war er oder sein Vater vor Bürgermeister Burkhard Bürgermeister. 1833 werden auf jeden Fall beide als Bürgermeister genannt, Neukum und Burkhard. Von Fidel Ganter ist nirgendwo die Rede, weder in der Akte noch in der Bürgermeistermappe. Er ist im Sippenbuch auch nicht als Bürgermeister, sondern als Gastwirt zur Krone (Fidel Ganter *um 1780-3.10.1853).


Gleich beym Eintritt in die Anlage in dem ovalen Zirkel fand man von den gefället befindlichen Balsampappeln im ganzen – 15. Stück und von den Vogelbeerbäumen ebenfalls 15. Stück theils ganz abgeschnitten, theilen abgesägt, und bemerkten zugleich daß mehrere Hiebe in die Baumstecken fiehlen wodurch zwey von allen Bäumer unbeschädiget blieben. Im Verlaufe der Untersuchung zeigte sich, daß an der mit Stein gemauerten Wand bey der Kapelle Steine ausgebrochen, welches sichbar mit Gewalt geschehen. Als man von dar weiter aufwärts in die stierfache aller Lücken vom vordern Rondel kam, war der Anblick schmerzlich; wie der alles verheerende Hagel einen schauerlichen Anblick der Fluren gewahrt, eben so verwüstet lagen die schönen Bäume von Menschen niedergehauen zu Boden. Die Hiebe wurden die meister linken andere aber rechts geführt, und die Spuren der Fußtritte verraten große Männer. Diese schändliche Handlung ist beispiellos.

Von den Vogelbeerbäumen auf diesem Platze sind 26 Stück von den Kanatensischen Pappeln 19, Balsampappeln 33, Silberpappeln 10, welche alle schon gesetzt, mit Stecken versehen, und bereits getrieben haben, ganz ruinniert, und ebenso nämliche Schicksal traf auch die zum Nachsetzen vorbehaltene, einzugrabenden Bäumen.
Von den Kanntensichen Pappeln wurden niedergehauen 52 Stück, von den Silberpappeln 24 Stück und von den Balsampappeln 18 Stück. Dann der in der Mitte dieser Alleen befindliche schöne große Birnbaum wurde bis bereits auf die Hälfte eingsägt. In der geraden Allee oben gegen den Platz sogenannten Musikanten, wurden auch noch drey Balsampappeln ein Opfer der Verwüstung. Unbeschädiget blieben im ganzen mehr nicht als 48 Stück.
Zur genauere Übersicht der gesamten Verwürstungen aller Baumgattungen folgt nun die Zusammenstellung derselben an Balsampappeln 69 Stück, Vogelbeerbäume 41 Stück, Kanatensischen Pappel  71 Stück, Silberpappeln 34 Stück, Birnbäume 1 Stück. Zusammen 216 Stück.
Hierauf folgt nunmehr die von obangeführten Urkunden Personen nach ihren schon aufgezeichneten Plänen entworfene Berichtung der Beschädigungen.

Sie brachten in Ansatz 
für 66 Stück Balsampappeln a 154  – 16f30r.
für 41 Stück Vogelbeerbäume a 182 – 10 f 15.
für 71 Stück  Kanatensische Pappeln a 18 – 17. f. 45.
für 36 Stück Silberpappeln a 15 – 8. f 30.
3 Stück weitere Balsampappele a 15 – 45.
1 Stück Birnbaum – 30.
216 Stück –  54 f 154.

Hierzu die Auslagen wegen Beyfahrt der Bäume.

Für 2 jährige Vogelbeerbäume von Gutmadingen, a 1 f45 – 3 f 30
Für 2 jährige Pappeln von Allmentshofen a 1 – 2 f
Taglöhne für 2 Knechte a 24r des Tage für jeden in zwey mahlen – 1 f 36
Für das Löcher graben, einpflanzen und Binden der Bäume, die Pfähle herführen und diese setzen. Das Stück zu 8 40 für 216 Stück -28 f 48
Dann für die Wiederausbesserung der ruinierten Mauer dem Mauer einen Taglohen 48. Zusammen 90 F 57 R Sampat: 90 f 5 7r
für gegenwärtige Untersuchung:
Seit dem in praesenten Benannten pro 1/2 Tag Diät dem Bürgermeister 30n dem Rathsfreund Burkhard 20, Heinemann 20. summa 93 f 7

Die Richtigkeit der vorstehenden bekräftiget durch eigenhändige Unterschrift
Actuar Guttenberg
Neukum Bürgermeister
H. Burkhard Rathesfreund
Heinemann Rathsfreund


Die fürstenbergische Regierung wollte die Obstbaumzucht in der Baar voran treiben. So sollten Baumschulen an den kältesten und rauhesten Stellen auf magerem Boden angelegt werden. Oberamtmann Anton Baur, Oberlehrer Luzian Reich und Stadtrat Josef Burkhard (später Bürgermeister) setzten sich hier besonders ein. Auch sollte eine Allee zur Baumschule entstehen. Diese Allee wurde mit 400 Pappeln bepflanzt, die vom Fürsten Karl Egon von Fürstenberg gestiftet wurden. Er übernahm auch den größten Teil der Kosten für den Steg vom Höllenstein zu den römischen Altertümern, der dort über die Breg führte und dessen Bau weiter unten erläutert wird. (Nach der Chronik von August Vetter 1984)

Ein alter Briefkopf zeigt Hüfingen etwa 1840 mit den Pappelpflanzungen und der Anlage am Rotrain.

3. Prokoll von 1821 über Auffoderung der Bürgerschaft zur Entdeckung der Frevler

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

Actum
Hüfingen den 14. März 1821
In Gegenwart des Hofraths und Oberamtmans Baur Acluante Guttenberg betreffend R. N3077. et. 8.

Die Zerstörung der neuen Anlage auf rothen Rain.

Am letzten Faßnacht Sonntag den 21 des Nachts geschah die obengedachte Zerstörung, und zwar, wie das UntersuchungsProtokoll vom 10ten dies No. 2905 nachweiset von mehrern Männern, erkenntlich an den Fußtritten im nassen Lösboden, und wie schon aus der durch Sägen und Spalten sichtlich angewandten Manneskraft zu erkennen war. Der Schaden beträgt im mässigen Anschlag 90f Jor ohne zu berechnen, daß die Bäume bereits im Treiben waren, und dem Nachtheil gänzlich nie mehr vergütet werden kann, weil man bey dem wirklich zum Versetzen noch einzigen Zeitpunkt genüglich Bäume in der Eile nicht aufbrächte, wenn auch die durch diesen abscheulichen Frevel mit Grund mißstimmten Freunde des Nützlichen und Schönen noch in der Lage wären, die Anlage so gut möglich, noch in diesem Fruhjahr wieder herzustellen.
Doch, wer möchte hierzu Lust haben, ohne Sicherheit für die Zukunft vor ähnlichen Freveln?
Zur Ehre der guten Bürger darf man wohl annehmen, daß diese solches Werk der Finsterniß, und die ruchlosen Thäter mit Abscheu brandmarken; allein daran genügt es noch nicht; allen, die hieran weder Antheil genommen haben, noch diese Schandthat genehmigen, liegt daran, zur Rettung des guten Rufs der Hüfinger mitzuwirken, um die Thäter aus der Verborgenheit ans Tageslicht zu reissen, und sie der Gerechtigkeit zu überantworten.
Dies erheischt nebst dem noch das gekeuniäre Interesse so vieler Bürger von hier, welche einen nicht unbeträchtlichen Vortheil dadurch schon gehabt, theils noch zu erwarten hatten, daß die nun zerstörte neue Anlage, und die damit in Verbindung zu setzen vorgehabte römischen Alterthümer manche Auswärtige herbeÿ zog, und letztere den Bürgern durch Arbeit einen Erwerb verschaften, der nun durch diesen kein gänzlich aufhört, denn Secnissimus (der Landesherr) wollen dem Vernehmen nach ganz natürlich die Lust verloren haben, für Nachgrabung dieser Alterthümer etwas mehr aufzuopfern, wenn nicht die Frevler entdeckt, und zur gebührenden Strafe gezogen werden, welche in dessen Ermanglung sonst eben so leicht auch an diesen Altertümern ihre Bosheit verüben könnten.
Bürger! Euch allen, die nicht zur kleinen Anzahl dieser Bösewichter gehören legt in obigen Rücksichten der Ehre und des Interesse alles daran, zur Entdeckung der Thäter nach allen Kräften mitzuwirken, wozu jeder auch die mindesten Umstände zur Erreichung dieses guten Endzwecks dahier anzugeben von selbst schon geneigt seyn und hierzu bey seinen Bürgerpflichten aufgefordert wird den Arm zu erheben, welche dieser Gesinnung, und auch geneigt seyen, die neue Anlage wenn sie soviel thünlich repariert würde, eben für die Zukunft so zu sichern wie die römischen Alterthümer darneben, wird man die Bürgerschaft darüber vernehmen, welche gegen das Angenehme und Nützliche dieser neuen Anlagen auf dem Gemeinds Eigenthum etwas einzuwenden haben, wo sofort erst diejenge auch melden mögen, welche in den hierwegen zu errichtenden Verein sich einlaßen wollen. Der nebst der gedachten Reparation, und Fortsetzung der neuen Anlage, auch deren Sicherheit, und jenen der römischen Alterthümer darneben bezweckt.
Dieser Verein bildet eine vollkommene gleiche Gesellschaft aus Freunden der Natur, des Nützlichen und Angenehmen, wobey nur mit Beschluß der Mehrheit von allen oder eines vor diesen zu erwählenden engern Ausschuses in allem was die neue Anlage auf rothen Rain betrift, fürgefahren werden solle.
Hierauf erklärte sich kein einziger der anwesenden Bürger, welche zum weit größten Theil, nämlich von 183 bis auf 35 anwesend waren, gegen die neue Anlage, im Gegentheil ward ihr Unwille gegen diese Zerstörer sichbar und laut.

Sr Guttenberg
(148 Unterstützer!)

Stammbuch: Georg Guttenberg (geboren um 1786) fürstlich Fürstenbergischer Rentmeister.

4. Pasquill von 1821 über die vermeintlichen Thäter

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

22. März 1821

Am Fasnacht Sontag in der Nacht nahm mancheiner wohl in acht sie giengen über Berg und Thal in die neu gemachte Anlag
2
Dort spielten sie ein schönen Streich, die Bösewichter ohne gleich mit Sägen und auch Beil begannen sie die Anlag zu zerstören
3
Sie fingen nun zu hauen an der Teufel in halber Menschengestalt. Sie hieben 216 Bäume mit karacktenlosem Mut entzwei
4
Dann gehen sie nach verübtem Schmaus mit Schossen Dreck und Koth nach Haus. Das merkte man in aller Früh an ihren angehabten Schuh.
5
Wer nur diese sind gewesen dies läst sich für leicht enträtseln. Sie glaubten sich voll Ehr und Rang darauf folgt aber Spott und Schand. Sie wollten sich zu Räthen erheben und niemand wollt das Mehre ihnen geben darauf worden sie Fuchs teifels wild.
Jetzt muss die Anklag sein Verdacht.

29. März 1821

1
komm mein Freund nun komm und Horche was ich hier zusagen hab
In dem Roten Rein, jetzt horche, sind die Bäume aber ab
2
Schöne Spuren hat man jetzt nun alle, wer auch dieses hat getan, es wehre nun jetzt auch der Faller dass der Auer es getan
3
Auch Faller Nagler kan es wissen. Er ist auch von dieser Brut das merkt man in sein Gewissen. Auch sein Gesicht ist nicht ganz gut
4
auch der gewissen hafte Martin Ruf gehert auch in ihre Mitten. Er solte gleich die Säg und ruft „Sie haut ich hab sie geschliffen“
5
auch der Gewissen hafte Mann das sollte man nicht glauben, stellet an noch einen Man zu dem Baum umhauen
6
er Neigt sich vor dem Hochalthar er Neigt sich vor dem Hochalthar, bereit bis zu den Füßen, doch dieses gleichen Häuchler gar, und nicht wert das verschisen

Abschrift
Die Zerstorung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821

Pasquill

Abschrift 
Die Zersterung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821

Fallet Bäumchen fallet
Alles heute nacht erschallet
Laut vom Jubelthon
Luna selbst wird mich erheren
Eine Anlag zu zersteren
Ruf ich auch noch Pluto an

Als uns gedanken=Räthe niemand wollte Mehren
Unterstand ich mich, und half zersteren
Ein Erholungsort sehr angenehm und schön
Ruf ich jetzt Ruhe es ist geschehen.

Ruft nicht so laut! Sprach nach vollbrachter That ein Heüchlerischer Bether
Und nehmt euch wohl in Acht, es gibt ein fürchterliches Wetter.
Fort fort es ist geschehen, wir müssen jetzt ganz still nach Hause gehen.

5. belegte Rechnung von 1821 über die Herstellung des Steges

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

Die anliegende Rechnung
Anno
Die Herstellung eines Steges über die Bergach zu den vorgermanischen Alterthümeren ins Hammelthal und zu genannten Anlage auf rothen Rain wird nun auf den hier Verifizierten erhaltenen 81/2 Seiten Stebnisen a 12 f. 30 k. pen. eine Summe von 88 f15x anschein berücksichtigt nicht ist hiesige Schmid Johann Gilly wenn der deßen gießen nur obigen Preis übernommen hat, folgende Zahlungen zu leisten haben. 1.) dem Zaunenmannen Peütschi und Kauferle gehören an 49 f 24. über Abzug des Nachlasses es 8. dannoch 41. 24 Latus 41 24

Weitere Rechnungen mit Namen der Handwerker

Vielleicht Reste vom Steg über die Bregach
Weg hoch zur Anlage am Sumserstein vorbei.
Anlage im Jahr 2025

Rechnung
Die Herstellung eines Steges über die Bregach zu den römischen Alterthümer im Hammelthal, und zu der neuen Anlage auf rothen Rain bey Hüfingen

An Arbeitslohn
1. Zimmermann Fritschi mit 4. Gesellens laut Conto.
2. Schmid Heitzmann für 2. Hangwerk.
3. Baumeister Röthele.
4. den Behlamern für 2. Stammen Beifuhr a 1 fl 30 x
5. den Waldhausern für 3. Stämme 2 fl 30 x
6. den Wolterdingern für 10. Flöcklinge
7. Trinkgeld den obigen Zimmer- und Fuhrleuten
8. Für den Anstrich des Steges mit Künöhl,
Arbeitslohn zusammen 77.56

An Material
Stämme Bauholz von Waldhausen a 2 f 30 x
Setto vom Wolfsbühel
Das ist 12.30

10. Stöcklinge von Wolterdingen a 40 kr
16. detto von hier à 90 kr für 157 lb Eisen samt Koh Nägel und Klammern
Künöhl zum Anstricht 10. Maß à 163 zusammen
3. An Günther Vergütung
Dem Baumeister Röthele für den Weg, lang 516. Schuh, breit 8 Schuh tut 4128. Schuh, nach dem Cataster, à 100 fl die Jauchert, betragt Summa 
Summarium
Arbeitslohn, Materialien, Vergütung
Beträgt zusammen 151.24
Als Beiträge hierzu kommen hiervon abzuiehen Zimmermann Fritsche et Consorten ad2. Schmid Heitzmann Arbeitslohn. Das ist 16.46

Transport 18.46
ad 3. Baumeister Röthele 4.90
ad 4. den Behlamer Fuhrleuten 3.-
ad 5. Waldhauser Fuhrleute 7.30
ad 6. Wolterdinger Furhleute 2.-
ad 7. das Trinkgeld ad 2.-
ad 8. fürs Anstreichen von Materiale die 3. Stämme Bauholz, in Hoffnung gnädigsten Nachlasses -.4

ad 9. Detto vom Handelsmann Curta 5.-
ad 10. Stöcklinge in Hoffnung gnädigsten Nachlasses
an Gutsvergütung 16,-
Zusammen 71.4
Wenn nun vom ganzen Betrag ad 157.24
Abgezogen werden obige  71.42
Verbleiben noch 79.42

Fürtan wir das Glück, nebst den in Hofnung gnädigsten Nachlasses schon in Abgang geschrieben 7 fl 30 kr, und 6 fl 40 kr für Holz und Stöcklingen entweder obige Summe  baar oder zu für 61/2 Zentner Stabisen à 17 fl im Preise zu Hammereisenbach zu erhalten, so wäre dem Rückfluss ausgeglichen.

Hüfingen am 10. Juni 1821
Hofrath und Oberamtamann
Baur.

Jakob Seidel, Ambros Röthle, Joseph Willmann, Joseph Martin.

Rotrain 1821 und 1968

Aus Orthophotos 1968 von leo-bw

6. Protokoll von 1828 die Herstellung des Forstweges vom Steg in die Anlage

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

Zuerst sind Briefe von Hofrath Baur von 1822 über Maßnahmen und Rechnungen und er wünschte ein glückliches neues Jahr am 2. Januar 1822.
Es folgen Briefe über Stabeisen mit dem Bergverwalter Mayer aus Hammereisenbach.

Dokument 7
Consignation über die Baukosten, der neuangelegten Straße über den Bregbach hinter Höllenstein.
1. für Zimmermannarbeit Jakob Fritschi 49.24
2. für Schmidarbeit Johan Heizman 32.24
3. Naglerarbeit Ambros Röthele 9.30
Hiervon kommt in Abzug die freywilligen bey Zang als Ambros Röthele laut Beleg No 3
per Johan Heizman, Jakob Fritschi, Joseph Fritschi,
Georg Groman, Johan Groman, Leonhart Schafbuch
Tut 26.16 bleibt über Abzug dessen 64.2
Hüfingen den 9. Juni 1821
Ambros Röthele

Dokument 8
Conto Endtes gesetzer habe auf Befehl des Herrn Oberamtsmann Manns einen grügen Fußsteg über den Bregbach gemacht.
Den 18ten Mai ist Holtz geschlagen worden. Meister Georg Gromann, Leon Schafbuch, Josef Frischi, Johan Groman,
Zu diesem Steg ist Freiwilliger Tag vom Jakob Fritschi, Joseph Fritschi, Georg Groman, Johan Groman, Leonhard Schafbuch,
Hüfingen den 7. ten Oktober 1821
Jakob Seitz Zimmermeister

Dokument 9
Nota: zu Bemerken ist, das an vorhandenem Conto pa 31 fl 24 kr wegen einem freiwillligen Beitrag 8 fl 16 kr ab gehen. So bleibt noch zu bezahlen 22.38
Hüfingen am 7ten Juni 1821 P. Heizmann Schm
id

Vielleicht Reste des Stegs über den Bregebach
Weg am Höllenstein November 2025
Weg zur Anlage bei den römischen Altertümern

Dokument 10
Conto: Eides benannter hat aus dem neuangelegten Stegbau hinteren Höllstein über den Bregebach angeschafft
450 Stück Bodenzigel à 44
4 Stück gantz Leistnägel
8 Stück halb Leistnägel
2 Stück gerlist Flammennägel
für Reparation 11 Stück gewisshauen per Stück
Vorzeit derselben bei Anweisung des Bauholzes und Aufbauen bei dem Stegbau 3 Zug à 1f30x Summa 9.30
Hüfingen den 9. Juni 1821
Ambros Räthele

Dokument 11
Homma! Ich glaube, Sie und ich kamen wegen dem Holz ganz kurz aus der Geschichte, beim Ziegel einheitlich die Anwesenheit Serenissimi benutzen und höchstselben hinterbringen verbunden, daß das Oberforstamt auf die Zahlung des Holzes dringe und daß es nur ein Wort brauche damit der Oberfürst mit diesen ohnehin unbedeutenden Posten abschreibt. Es geschieht ganz sicher. Verehrungsvoll danehigen den 4. Juni 1821
Ihr Freund und Diener Dilger

Dokument14
Brief: An Herrn Bangamts Verwalter Mayer zu Hammereisenbach.
Wir haben im letzten Sommer einen Steg unweit der Oberen Mühl daher zu den römischen Alterthümern und zu der neuen Anlage hierzu hergestellt, wegen uns Serenissimus mit einen gnädigsten Beitrag zugesichert. Nach der mir gestern von Herrn Kabinots Sekretär, Rath Baur zogen nach demünschung gemachter Eröffnung sind sechs und nun halber Zentner Stabeisen auf dem Hamereisenbacher Werke ob solchen Beylang bestimmt. Welches Eisen sogleich abgehalten wieder könne um nun die Bauche verschobene Rechnung berücksichtigen zu können, wollen auf, müßte

Dokument12+13
Brief: An Herren Kalamets, Sekretarius Rath Baur, Zogenrath zu Donaueschingen
Hüfingen 16. Nov. 1821. Laped
Nachdem Sie Seele Mahler für Seine Herrn Stahen so leicht ich dazu was ich in Mitten der 1790 ger Jahren von Seele zu Donaueschingen – als wird vom Jugend Freund erhielt und brauchbar als eine Freundschaft tiefes Andenken auf vermeichtlichen würdig. Sein Bilder von ihm stehen in der Academie zu Stuttgart nach als Anfängen verfertiget, welches er bei seinem nachherigen Besuche der hier nach keiner Aussehrung zu retounieren wollten zu allein der wasen Schelbischen levis!
Brusesting Boll Hauser

(Wenn ich mal Zeit habe versuche ich den Brief besser zu transkribieren)


Als früher Vertreter der Hüfinger Künstlertradition gilt Johann Baptist Seele (27. Juni 1774 in Meßkirch – 27. August 1814 in Stuttgart). Sein Vater Franz Xaver Seele diente ab 1776 in Hüfingen als Unteroffizier im fürstenbergischen Kreiskontingent. Johann Baptist Seele stieg bis zum Hofmaler des württembergischen Königs in Stuttgart auf.

Johann Baptist Seele 1810
Das Altarbild von Seele in St. Verena und Gallus

Das Altarbild in der Stadtkirche zu Hüfingen
In der Morgenfrühe des 4. Juni 1812, am Donnerstag nach dem Fronleichnamsfest, fuhr durch das untere Stadttor eine vollbesetzte Kutsche Donaueschingen zu. Stolzer Rosselenker auf dem Bock war der hiesige Josef Neukum, der den ehrenvollen Auftrag hatte, den württembergischen Galeriedirektor und Hofmaler Johann Baptist von Seele und seine beiden Kinder durch die Baar nach Stuttgart, in ihre Heimat, zu führen. Viel Ehre war dem Künstler im gastlichen Hüfingen, wo er bereits eine Woche weilte, zuteil geworden, und reich beschenkt kehrte er nun wieder in die königliche Residenz zurück.
J. B. von Seele, der von neidischen Kollegen als „Husaren- und Dragonermaler” angefeindet wurde, hatte aus Liebe für die Bewohner der Stadt Hüfingen, in der er die ersten Jahre seiner Jugendzeit zugebracht, ein Gemälde von 14 Schuh (4,20 m) Länge und 8 Schuh (2,20 m) Breite gemalt, vorstellend den am Kreuz hangenden Christus, darunter die Mutter Maria, den Jünger Johannes und die büßende Magdalena.


Ab Dokument 15 folgt ein Streit um den Weg an der Wiese die der „Hirschenwirt Auer“ vom Handelsmann Curta und dieser vom Baumeister Ambros Röthele gekauft hatte.
Augustin Auer (in Tengen geboren um 1770 – 29.09.1837) war mit Magdalena Fritschi verheiratet und hatte mit ihr 9 Kinder. Der Leinenweber und Hirschenwirt war 1821 beteiligt an der Zerstörung der Anlage. Ein Sohn, Franz Josef Auer (04.05.1796-08.11.1832), war Schüler in der Zeichen- und Malschule von Luzian Reich senior (hier „Lehrer Reich“) und wurde später Portraitmaler . Von ihm ist die Rede im Denkbuch von Lucian Reich: „Zwei andre aus der vaterstädtischen Zeichenakademie hervorgegangene Künstler waren der Maler Auer und sein etwas jüngerer Landsmann Durler. Ersterer, der Sohn des Hirschwirts in Hüfingen, hatte sich bei Seele in Stuttgart zum Porträtmaler ausbilden wollen, sich jedoch der strengen Zucht des Meisters frühe schon entzogen, wie sein Landsmann Zwerger, damals im Atelier Danneckers beschäftigt, zu erzählen wußte: Eines Tages war der Freund zu ihm gekommen mit dem Gesuch, ihm doch seinen neuen Frack zu leihen zu einer Fahrt nach Ludwigsburg, wo er einer Hinrichtung beiwohnen wolle. Zwerger entsprach seiner Bitte, hat aber ihn — den neuen Frack — nie mehr zu sehen bekommen(.….)Nach Jahren war der leichtlebige Künstler kränklich in die Vaterstadt zurückgekehrt, wo da und dort in einer Stube noch lange ein von seiner Hand gemaltes Miniaturporträt zu sehen war.
Der Baumeister Ambros Röthele wohnte offensichtlich nicht in Hüfingen. Der Vater des Handelsmanns Curta ist auf dem Hüfinger Friedhof zu finden, er wurde von österreichischen Plünderern ermordet. Johann Jakob Curta (27.9.1797-18.10.1864) war der Handelsmann der die Wiese vom Baumeister Ambros Röthele gekauft und an Augustin Auer verkauft hatte. Ein Bruder vom Handelsmann Curta, Johann Franz Valentin Curta (24.05.1794-26.04.1837) wird in der Chronik ebenfalls als Gastwirt zum Hirsch und als Wachsfabrikant betitelt.

Johann Franz Valentin Curta, Kaufmann aus Italien, geboren in Gressoney am Monte Rosa, gestorben in Hüfingen am 19.10.1805 . Er wurde von österreichischen Soldaten beim Plündern vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder niedergeschossen und ist drei Stunden später gestorben. Er war verheiratet mit Rosina Burkhard und sie hatten 12 Kinder. Ein Sohn, Johann Franz Valentin Curta, wurde Gastwirt zum Hirsch und Wachsfabrikant und ein Johann Jakob wurde Handelsmann.

Actum Hüfigen den 24ten September 1828. In Gegewwart des Hofrath und Oberamtmann Baur actuante Rchtp. Dilger
Hüfingen N. 8521 p1.
Der Bürgermeister Burkart erscheint mit nachbenannten Parthien:
Hirschewirth Auer, welcher vorbringt: ich habe vor 2 Jahren eine Wiese hinter dem Höllenstein vor Handelsman Curta dahier gekauft, worüber bekanner Dingen ein Fußweg in die Anlage und auf Schoßen eben so wie zu den römischen Allerthümer im Hammelthal von dem neuen Steg angeht. Dieser Fußweg von 6 bis 7 Schutz breit läuft der erkauften Wiese wurde im Jahr 1821 nach Errichtung der Anlage an der damals dem Baumeister Röthele gehörenden Wiese hergestellt, welcher dieselbe nachher an Handelsmann Curta verkaufte. Dieser verfertigte die Producirte Schrift am 13te Nov. 1823 unterzeichnet Von Ambos Röthele bedingt habe den gedachten Fußweg ein nach dem im Praesentia benanten zu Gefallen mit Errichtung der Anlage für weniger Zeit, jedoch nicht herkömlich gestattet haben. Ich will zwar haben Zuschweig ist abeschlagen wissen, jetzige Anlagen ist aber der Stadt eine billige Entschädigung bekommen an zemmi von Leuschen.

Bürgermister Burkard erwidert hierauf: Es ist dem in Raesentia bewusten und lärmliglich bekannt, daß dieser Bregweg zu dem oben erwähnten Endzweck von Baumeister Röthele als dem damaligen Eigenthümer der nachher Curtaischen und zur anrischen Wiese bewilliget, sofort mit Bäumen besetzt und sogar nachher vor guten Grund beraubt würde, so daß man ihn mit Kies auffüllen müßte und noch mehr aufgefällt werden muß. Hiernach kann von einer Entschädigung gar kein Rede mehr sein, weil dieser Fußweg zur Zeit schon bestanden, wo Röthele die Wies an Curta, sofort diese an Auer wieder Verkaufte.

Aussagen von Curta, Auer und zwei andere:

nicht mehr Recht verlange als was dieser von Röthele erworben und lezterer hat bekannter Dinger den befragten Weg unentgedlich gestattet.
Man findet hier aus den Akten, betreffend die Errichtung der Anlage zu bemerken nothwendig, daß die gedachte Anlage mit allgemeiner thätiger Mitwirkung des Publicus im durch ergiebige Unterstützung hochfürstl. gnädigster Herrschaft schon aus 1820 angefangen er in der Folge hergestellt wurde daß statt der gefährlichen und unangenehmen Weges neben des Wasenmeisters Haus und Anger vorbei, am linken Ufer von der Bregach ein Weg als nachsorger Inhaben meiner Wies den Grund von diesem Fußweg gegen die Ordung hinweg und duch die Wiese genommen diesen nicht ganz gemäß lautet die Vorliegende, von Curta aufgesezte Schrift, deren Unterzeichung von mir derselbe zu bewirken wußte. Um die ich um nach dem obigen erläutere.
Klagender Auer repliciret um: Ich glaubte nach der Vorliegenden Schrift zur Entschädigungsforderung an die Stadt berechtiget zu sein, obschon die Geschichte sich erwähnter Maßen zugetragen habe.
Bürgermeiser Burkhard Namens der beklagten Gemeinde deplicirtes:
Auer Runta Muu Curta

Handelsmann J. Curta v. dolm hat noch geschehen Ab und Gegenrechnung die an mir erkaufte Wiese hinter dem Höllstein als vollkommens und begehltes Eigenthum zu besitzen – item wird demselben bezeuget, daß er zwischen meine Wiese und Jacob Seidel führende Fußweg keineswegs zu leiden verbunden, sondern derselbe den Frau
Hofrathsamtsmeister Baurzi gefallen an mir für einige Zeit – jedoch nicht verbindlich, gestattet werden
Hüfingen 13ten October 1823
Ambros Röthele

Der Weg ist mit Bäumen bepflanzt mit beträchtlichen Kosten hergestellt und daß zu diesen Fortsetzung über die Wur der Baumeister Röthele das in den hierzu erforderlichen Platz mehrtgeldlich und als Beitraglos sehr ermöglicht, herzustellen, wenn nun man auch diesen Weg mit Bäumen bepflanzt hat.
Bei dieser Kerge ergeht nun der Bescheid
Wird der Hirschewirth Auer mit seiner Entschädigungsforderung an die Stadt gewerde wegen des von Baumeister Röthele, als vormaliger Wieseneigenthümer abgetretenen Platzes zum derzeitigen Fußweg hiermit abgewiesen, und in die Kosten dieses Streites verfällt.
eröfnet durch 10 Uhr mit den, daß weil der Streitgegenstand nur 1 bis 2 Louis, der Werth beträgt, auch keine Appellation stattfinde
P. S. 2 te Test. Dilger Bichtsp

Über Josef Dilger gibt es im Sippenbuch keine Daten, nur dass er später wohl Großherzoglicher Notar war.


8. Rechnung über baare Einnahmen und Ausgaben für die Anlage von 1820 bis 1830 gestellt

Die Anlage auf rothen Rain entstanden a. 1820, wurde bisher verbessert, und im vorigen Jahr mit einem beträchtlichen Kostenaufwand bekannterdingen vollendet, ohne jemanden vom Jahr mit Beiträgen in Anspruch zu nehmen.
Allein das Reparieren der Anlage vorzüglich der Tempel und Bänke und das Reinigen der Wege ist auch dieses Jahr erfoderlich, um dieses schöne Werk der Natur und des menschlichen Fleisses vor Verwilderung und seinem Untergang zu erretten.
Daß dieses abermals – obschon nicht so beträchtlich, wie in früheren Jahren mit Kosten verbunden, ist eben so begreiflich, als daß diese Kosten nicht wie es im vorigen Jahre geschehen von einem allein bestritten werden können.

Wer nun um Erhaltung dieser öffentlichen Anstalt sich verdient zu machen gedenket, der wird gebethen, denjenigen Beitrag anher gefällig zu bemerken, den er zu geben geneigt ist, worüber seiner Zeit gewissenhafte Rechnung wird gelegt werden.
Hüfingen am 3ten Juni 1830.

Baur Oberamtman zu seinen beträchtlichen Auslagen für die Anlage seit ihrer Entstehung und besonders in vorigen Jahr, zum obigen Endzweck Rentmeister Guttenberg mit dem Ansigen überwieß einen weitern Beytrag zu leisten, weden die Unterhaltung der Anllage für zuvor einen größere Aufqand fordern sollte.
Amtmann Schweb, wie Herr Rentmeister Gatten bey- Oberunnehmer Kornacher, Oberunnehmer Ahächtt Fischer, Bechtspunkunkt Gantio mit der nämlichen von Herr Rückmeister Guttenberg beigefügten Bemerkung Dilger wie H Gemminister Guttenberg in Bezug des Zeugnißes bemerkete

Thadäus Harpher, Engesser, Amtsregeser Zoff, Verwalter, Limberger Schliesser Limberger, Joseph Gleichauf

Conto
Die unterschriebenen haben auf Anordung des Herrn Amts Actuar Gleichauf mit Arbeit in der Anlage zu gebracht. Erstlich der Georg Haller und Franz Joseph Mog jeder 3Tag bernen der Michael Jurig und Georg Labor jeder 2Tag perTag Dreysig Kreuzer.
Betragt sich zusummen 5 f.
Summe 5 f
Den Empfang bescheinigt
Hüfingen den 22ten August 1831
Fanz Joseph Mog
Georg Haller
Michael Thury
Georg Labor
Die Bezahlung haben wie von dem Herrn Rechtsstrackkigkont Ganter mit Dank erhalten.

Rechtsanwalt Johann Nepomuk Ganter geboren 1802 in Meßkirch

Conto
Die unterschriebenen haben durch Anordnung des
Herrn Amts Actuar Gleichauf mit Arbeit in der Anlag zugebracht.
Erstlich Georg Haller per Tag 30x
Michael Thury 30x
Franz Joseph Moq jeden 1 Tag 30x
Ferner Johann Hermann einhalber Tag 15x
Georg Labor 5 Tag 2 f 30 x mit 4 f 15 x
Den Empfang bescheint durch den Herrn Rechtes Praktikant Ganter mit Dank erhalten Hüfingen 1831
Thury, Georg Labor

Unterzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage von 2 1/2 Tag per 30x erhalten 1f 12 x
Hüfingen den 5. Juni 1831 Paster März

Unterzeichneter hat aus dem Anlagefond für viertägige Arbeit zu 30x per Tag erhalten Hüfingen den 5. Juni 1831 Folzmaur

Unterzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage 7 Tage per 30x erhalten is 3 f 30x bescheinigt Hüfingen am 12. Juni 1831 Georg Labor

Unteerzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage für 5 Tage à 30 x erhalten 2 f 30 x Hüfingen am 12.Juni 1831
C. Sulzmann

2 Mahnung an den Hofrath Baur:

Dem Großherz. Bad. Fürstl. Fürstenberg Präsident Herrn Hofrath und Amtmann Baur zu Allmendshofen Hüfingen d 4. Mai 1833
… haben sich Euer wohlgebohren mit einem Beytrag von 8 fr. unterzeichnet, aber hier noch nichts gezahlt
Der Verein zur Erhaltung der Anlage….
… Dem Herrn Hofrath und Amtmann Baur zu Donaueschingen Hüfingen 2. Juni 1833
…Euer Wohlgborgen muß ich im Namen der Gesellschaft für die Erhaltung der Anlage auf dem rothen Rain dahier und bezüglich auf mein Schreiben vom 11ten v. M geziemend bitten, Ihnen eigenes werthes Versprechen uns gegeben einen Zuschuss 8 fl aus dem Jahr 1830 bald an mich zu senden

Es folgt eine Reihe weiterer Bettelbriefe und dann am 4. Juni 1833 dies hier:

Im Jahr 1820 hat unter kräftiger Leitung und Mitwirkung des vorigen hießigen Amtsvorstandes des verehrten Herrn Hofraths und Oberamtmanns Baur die Anlage auf rothen Rain dasein ihre Entstehenz erhalten.
Dies ein schönes Wirken der unausgesetzten Thätigkeit, und der steten Unterstützung verehrter Freunde der unseren schönen Natur verdankt diese Anstalt ihr bisheriges Fortbestehen. Die gestellte Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des letztern Helfer aufenthümen .

Das Resultat eines Zuschusses von 8 f 24 x allein dieser reicht nicht hin, um nöthig gewordene Reparationen, das Reinigen der Wege, das Verpfahlen und Anbinden der Bäume, das Auffüllen des Kießes in die Wege, u.d.g. bestreiten zu können. Wenn daher die mit unbeschreiblicher Wege und bedeutendem Kostenaufwand
gestiftete Anlage nicht wieder zerfallen
solle, so sind freiwillige Beiträge zur Erhaltung nöthig, da wir sie zu begleichen keinen Sand besitzen.
Ohne mir darüber eine Direction anmassen zu wollen, glaube ich mich doch einigermassen verpflichtet für den gegenwärtigen Augenblick zum weitern Fortbestand der Anlage eine Bitte um Unterstützung an die hier nach benannten Herren machen zu müßen.
In der Folge wird es von dem Gutding der betragenen verehrlichen Mitglieder abhängen einen Leiter und Aufseher aus ihrer Mitte zur Erhaltung der Anlage zu wählen.
Die nachbenannten Herren werden daher ersucht, die Stunde ihrer Beiträge für dieses Jahr gefällig einzutragen und sich zur Bestätigung am Ende zu unterzeugen.
Hüfingen 4. Juni 1833
Schwab
Heinemann

Der Oberamtmann Eusebius von Schwab war der Nachfolger von Anton Baur der 1830 in den Ruhestand ging.
Es folgt die Liste der Freiwilligen der Freunde der Natur von 1833

  1. Baur Amts Physian
  2. Bekk, Emil Zimmermann Gutsverwalter
  3. Billmann Vikar
  4. Brunner Landmesser
  5. Dilger Actuar
  6. Ebner von Eßlingen
  7. Eckhardt Alumnus
  8. Engeßer Bezirksbaumeister
  9. Ganter Actuar
  10. Gebhardt Obermüllerinspektor
  11. Gerhardt Aktuar
  12. Gindel Oberförster
  13. Gleichauf Actuar
  14. Gmeinder Mauermeister
  15. Hirsch Bezirksagronom
  16. Kaliwoda Forstmann
  17. Rebstein Decan und Pfarrer
  18. Rebstein Particulier
  19. Reichlin Amtman
  20. Schmidt Camaro Prantz
  21. Schwab Spitten Prunter
  22. Schwab Amtman
  23. Wintermantel Actum
  24. Wolf Apotheker
  25. Zepf Amtsdiener
  26. Salomon Gugenheim

27. Herr Ruef
28. Bürgermeister Neukum übernimmt die Herstellung des Steges
29. Bürgermeister Burkard
30. Kronenwirth Ganter
31. Löschenoth Höfler
32. Kranzwirt Heinemann
33. Lehrer Reich
34. Musiker Schelble
35. Schmid Gespanner
36. Hendler
37. Zugmeister Werle
38. Handelsmann Curta
39. Zimmermann Zepf

Nr. 22 Schwab Amtmann. Sippenbuch: Eusebius von Schwab, Amtsrevisor und Oberamtmann war mit Maria Anna Schmutz verheiratet und sie hatten zwei Töchter. Anna von Schwab heiratete 1839 Heinich von Luseck, fürstlich Fürstenbergischer Ingenieur.

Nr. 26 Salomon Guggenheim wird im Zuge der 1848er Revolution öfters in der Chronik erwähnt und kommt am 20. Juli 1850 vor das Hofgericht in Konstanz wegen Hochverrats. Danach verliert sich seine Spur.

Nr.28 Bürgermeister Johann Baptist Neukum, Bürgermeister von 1831–1837.

Nr.29 Bürgermeister Josef Burkhard (06.03.1772-12.11.1855) . Gastwirt zur Sonne, Metzger, Bierbrauer und Bürgermeister von 1826–1831.

Nr. 33 der Lehrer Reich: Luzian Reich (07.01.1787-18.12.1866) war Oberlehrer und Industrieller, er hatte eine Mal- und Zeichenschule in Hüfingen. Mehr über ihn gibt es im Denkbuch von seinem Sohn Lucian Reich: https://hieronymus-online.de/denkbuch-von-lucian-reich-1896/

Nr. 34 der Musiker Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837) starb, als er von einem Spaziergang in sein „Landgütchen“, das er sein „Ruhetal“ nannte, zurückkehren wollte, am Eingang desselben durch einen Blutsturz in den Armen seiner geliebten Gattin am 6. August 1837 abends um ½7 Uhr. Über den „Onkel Schelble“ berichtet Lucian Reich eingehend in den Wanderblühten.

Brief von Dilger zum Konzert in der Anlage 1833

Der zur Förderung des allgemeinen Vergnügens immer bereite Kapellmeister des hiesigen Bürger Militerrkorps Herr Abstuar Gleichauf hat sich nach gepflogener Rücksprache mit den in dieser Beziehung gleichgesinten weitern Kapellgliedern auf mehrseitiges Verlangen dahin ausgesprochen, daß heute Abend 6 Uhr in den hiesigen Anlagen türkische Musik gemacht werden würde.
Der Unterzeichnete nimmt sich daher die Freiheit die hiesigen hochzuverehrenden Freunde der Musik und Geselligkeit hiervon mit dem Anfügen zu benachrichtigen, daß hierdurch eine Auslage von cicta. 6 fl erwächst, die aus Mangel an einem hande durch Repartition auf die Zuhörer getilgt werden muß. Diejenigen hoch zuverehrenden Herrn, die sich zur Tilgung dieser kleinen Ausgabe bereit finden, werden daher ersucht, sich auf der Kehrseite gefällig zu unterzeichnen

Hüfingen am 28 Juni 1833.
Dilger

Einladung
Zu beliebigen Beiträgen für ferneren Erhaltung und Ausbesserung der Anlage auf rohten Rain hier.
Die bekannte Anlage auf rothem Rain verdankt der kräftigen Leitung und unermüdeten Mitwirkung des vorigen hiesigen Amtsvorstandes des Penstannten Herrn Hofraths und Oberamtamanns Baur seine Entstehung im Jahr 1820. Rastlos und mit eigenen bedenkenden Geldaufopferung hat er die Erhaltung und das Fortbestehen dieser von der Natur begünstigten Anlage uns nur mit geringen Beiträgen zu bezweken verstanden, bis in das Jahr 1830, in welcher Zeit er die Versetzung in den Ruhestand nahm.
Im Juli 1833, seit dieser Zeit aber nicht wieder, wurden die Trennk dieser Anlage um Beiträge gebeten, um dieselbe nicht ihrem Zerfall heimzugeben. Die eingezogenen Beiträge wurden zur Erhaltung verwendet, und darüber Rechnung geführt, welche auf beliebige Verlangen vorgelegt und eingesehen werden kann.
Gegenwärtig aber befindet sich diese Anlage in einem Zustand, der eine bedeutende Verbesserung nöthig macht, wenn das 21te Jahr ihrer Entstehung
nicht das Ziel ihrer Auflösung sein solle. Ein Pfand zur Erhaltung besteht nicht, und es muß daher die Güte unter lieben Freunden in Anspruch genommen werden. Die nachbenannten Einen werden dafür ersucht eine belibiege Gabe zu spenden, den Betrag auszuwerfen, und neben demselben Gewerthen Namen beyzusetzten
Hüfingen den 11ten April 1841
Schwab

Ansicht von Hüfingen 1833 vom Roten Rain aus. Zeichnung von Josef Brukhard.
Ansicht von Hüfingen 1833 vom Roten Rain aus. Zeichnung von Josef Burkhard.

Die Ansicht, gezeichnet von Josef Burkhard (Bürgermeister von Hüfingen) zeigt auf dem Rotrain einen Maler beim porträtieren. Links im Bild ist die Seemühle mit dem Wohnhaus.
Das große Haus im Vordergrund ist das „Ruhetal“ von Johann Nepomuk Schelble. Am Eingang desselben starb er durch einen Blutsturz in den Armen seiner geliebten Gattin am 6. August 1837 abends um ½7 Uhr. Über den „Onkel Schelble“ berichtet Lucian Reich eingehend in den Wanderblühten.

Das Landgütchen wurde später die Heimat von Xaver Reich und seiner Familie.
Auch sieht man schön die neu gepflanzen Bäume der Anlage.

Mitgliederliste 1841

Mitgliederliste1841 Namen der Herrn Spender

  1. Ambühl SchnillungsCommission
  2. Beck fürstl. Gutsverwalter
  3. Bogenschütz Oberforst Infonction Actten
  4. Brunner Amtschürwig
  5. Firchen Amtsa
  6. Ganter Kaplan
  7. Gebhardt
  8. Gleichauf
  9. Hannscher
  10. Huß Amtsakuator
  11. Löstlin Oberstänstinspector Actum
  12. von Lusek Fürstl. Somst Ingenieur
  13. Rebstein Denen
  14. Rebstein Partikulier
  15. Rümel Amtsverhaut immerut
  16. Schreiber Vikar
  17. Schwab Oberamtamann
  18. Ewald Forstinspections Actum
  19. Wagner Dito
  20. Weber Registrator
  21. Wolf Agrotschen
  22. Wunsch Amtsschreiber
  23. Zogst Amtsarzusom

Zur Herstellung des Daches auf der Johannes Kapelle in der Anlage dahier sind 20 Bund Vesenhaub erforderlich.
In Ermangelung eines Fonds werden die hiesigen Landwirthe um gefällige Abgab des obigen Berdürfnißes ersucht.
Hüfingen den 27. Juni 1841
Schwab

Namen der Geber
1. Johann Bausch
2. Gerorg Steinmauer
3. Johan Heinemann
4. Jokob Heinemann Witwe
5. Bek, fürstlicher Gutsverwalter
6. Karl Neukum
7. Joseph Gilly

Bild aus der Hüfinger Chronik mit dem Brunnen
Die Statue des Johannes auf einem Brunnen in Hüfingen. Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 vermutlich Nepomuk Heinemann

Fesenhaub (auch geschrieben: Vesenhauf, Vesenhaup, Fesenhaup)
Bedeutung: Strohbündel, Reisigbündel, Besenbündel – früher verwendet zum Dachdecken, Feuermachen oder Besenbinden.

Es würde irgendwie Sinn machen, dass bei der Renovierung der Johannes Kapelle 1841 der geschnitzte Johannes seinen Weg auf die Viehtränke in der Stadt gefunden hatte.

An dieser Stelle folgen 15 Seiten Rechnungen aus dem Jahr 1841 für die ich unten nur eine einzige zeige:

Verzeichnis

Über gefertigte MaurerArbeit in der Anlage zu Hüfingen.

Da sind die eingestürzten Maueren, auf Anordnung des Herrn OberAmtmann Schwab, und Herrn Gleichauf wieder hier aufgerichtet und hergestellt, wie auch an mehren stellen die Mauerwercke verbessert worden.

Hüfingen am 29ten Juni 1841
Maurer Meister Sepple

Die letzten Seiten der Akte sind aus 1845 als die Sängergesellschaft Hüfingen die Bänke und Tische der Anlage herrichten ließ. Vermutlich sind zu dem Zeitpunkt alle ursprünglichen Mitglieder der Freunde der Natur ausgestorben.

Nach vielseitig geäußertem Wunsch soll die hiesige schöne Anlage wieder hergestellt, und verbessert werden.
Da dieses, und insbesondere die Vertigung der nöthigen Tische und Bänke eine größere Auslage erfordert, so muß man in Ermangelung eines Lands den Weg freiwilliger Beiträge der Freunde der Natur
empfehlen.
Der hiesige Gesangsverein hat bereits beschlossen, die wöchentlichen Beiträge aller Mitglieder einsweilen 4 Wochen lang für die Anlage zu verwenden.
Man macht nun an die übrigen Gauernherren und Bürger der hiesigen Stadt das geziemende
Ansuchen, zum obigen Zweck einen beliebigen Beitrag leisten und in den gefälligst bemerken
zu wollen.
Hüfingen am 26. Mai 1845
Namen ausser dem Hufschmid nicht lesber

Rechnung
anbeschran
Auf Verodnung der Sänger Gesellschaft, hat der unterzeichnete nachstehende Schreiner Arbeit in der hiesigen Anlage geliefert.
5 Bäncke, 1 Tisch und eine Steige Reisige
vom Rasina und Stämer herbei geschafft
Arbeit 9 Tage per Tg 24x3f 36x Summe Gulden 36
Den 27te Juli 1845
Bescheid Xaver Hepting Schreiner Meister

Zwangsarbeit in Hüfingen von 1943-1945

Originalartikel vom Winter 2019


Der klare Blick des jungen holländischen Zwangsarbeiters Bart Heyning auf die Baar der Jahre 1943-45

„Hartes Brot zu essen, ist hart,
Gar kein Brot zu essen, ist noch viel härter.“

Reinhard May.

Aus dem Tagebuch eines „Nicht- arisierbaren“, dem sie „sein Land geschunden haben“.

Hüfingen im Rückspiegel:

Rathausgalerie Hüfingen 26.11.2019:

Buchvorstellung von Dr. Rüdiger Schell, Julie Heyning- van Maanen (Frau des Neffen von Bart Heyning) und Bart Heyning Junior (Neffe von Bart Heyning).

Nachdem Dr. Rüdiger Schell das Tagebuch des holländischen Zwangsarbeiters Bart Heyning vorgestellt hat, übergab er das Wort an Frau Julie Heyning. Sichtlich bewegt, was sie auch äußerte, nahm sie die Besucher mit auf eine kleine Zeitreise in das Jahr 1943, wie sie sagte. Schon dieses Eintauchen in eine sehr persönliche Familiengeschichte machte die lobenswerte Anreise der beiden Holländer zu einem zeitlosen aber auch erschütternden Erlebnis. Was zunächst in Delft in Holland sehr banal anfing, wurde zu einem Lebensdrama von Onkel Bart Heyning, zu seiner lebenslang schwelenden „Banalität des Bösen“.

Im idyllischen Universitäts- Grachten- Porzellan und Kunstststädtchen Delft sitzen junge Technik Studenten zusammen und feiern den Semesterabschluss. Es klingelt, es wird geöffnet und herein kommen zwei Polizisten. Dieses Öffnen öffnet das Tor zu einer Schreckenswelt. Wer den feinen, satirischen Humor der Holländer kennt, zumal einige Glas Jenever die Stimmung sicher gehoben haben dürfte, kann sich leicht vorstellen, dass das Gespräch zumindest mit dem einen Gendarm ziemlich locker und entspannt von statten ging. Die beiden Polities bemängelten, dass die Studenten ihren Festraum nach der allgemeinen Anordnung nicht verdunkelt haben. In heiterer Stimmung und mit Witz wurde der Rüge folgegeleistet. Einen zweiten, dann sehr fatalen Fehler hatten die gebildeten, stolzen Holländer jedoch gemacht. Dem unerbittlicheren, verbiesterten Gendarm ist ein Buch auf dem Tisch mit dem Titel „ Widerstand „ aufgefallen. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Am Morgen des fröhlichen Abschiedes reisten die Studenten nach Hause. Nur Bart wartete auf seinen Kommilitonen Piit, der sich vertrödelt hat. Der dritte schicksalhafte Fehler. Kurz bevor sie das Haus verließen wurden sie verhaftet und ins Konzentrationslager Vught bei d` Hertogenbosch gebracht. („Bosch“ nennen umgangssprachlich die Holländer diese Stadt)

Ab hier kann man das Schicksal von Bart Heyning im Buch von Dr. Rüdiger Schell, Julie Heyning und dem Tagebucherzähler, dem Zwangsarbeiter Bart Heyning nachspüren und auch nachfühlen. Dieser unglaubliche schicksalsträchtige Abend und Morgen in Delft bewegt und erschüttert nachhaltig und deutlich fühlbar Frau Julie Heyning heute noch. Wenn wir einen Teil dieser Erschütterung aus der Lektüre des Buches mitnehmen, darüber reflektieren und mit Mitbürgern, mit jungen Leuten und Schülern sprechen, hat dieses Buchprojekt seinen Sinn erfüllt.

Im anschließenden Gespräch mit der klugen und charmanten Julie Heyning, einer Psychologin, fragte ich nach Repressalien gegenüber den ca. 400 000 zurückgekehrten holländischen Zwangsarbeitern in die Heimat. Denn mit großem Misstrauen wurden diese verschleppten Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen , insbesondere in den vermeintlich arisierbaren Ländern wie Holland, Dänemark und Norwegen, als vermeintliche Kollaborateure lange Jahre behandelt und verunglimpft. Ja, auch Bart Heyning der Rückkehrer sei von diesem versteckten Vorwurf einige Zeit betroffen gewesen. Seinem Vater jedoch, der im Konzentrationslager Dachau gelitten hat, nahm man die Rolle des Opfers vorbehaltlos ab. Auch diese Aspekte der Rückkehr von Zwangsarbeit, Gefangenschaft, Gastarbeit und echter Kollaboration in allen europäischen Ländern blieb lange ein unbewältigtes, vielfaches Drama.

Bucheindruck:

Es gibt Bücher die in keinem Bücherschrank auf der Baar fehlen sollten. Für mich ist es seit diesem Sommer ein Buch, mein Buch des Jahres, das Tagebuch des Holländers Bart Heyning über seine Zwangsarbeiterjahre von 1943 bis 1945 in Hüfingen auf der Baar. Es ist aber auch das Buch von Rüdiger Schell, einem unermüdlichen Aufklärer. Er hat mit dem sicheren Instinkt des geübten Historikers den einmaligen Wert dieses klugen Tagebuches eines jungen 23 jährigen, erstaunlich gebildeten und kultivierten Holländers erkannt und gehoben. Rüdiger Schells treffende Fußnoten helfen, den Gesamtzusammenhang noch besser zu verstehen. Die Fährte zu diesem Tagebuchschatz jedoch hat eine Nichte von Bart Heyning, Julie Heyning, gelegt. Sie wollte nach der bewegenden Lektüre des Tagebuch- Kellerfundes ihres Onkels Bart und dem anschließenden digitalen Speicherfund von Rüdiger Schells Buch im Internet „Reichsarbeitsdienstlager Hüfingen“ von 2014 „einfach nur aufklären“ wie sie sagte. Es ist ihr trefflich und sehr verdienstvoll bestens gelungen.

Bereits 1943 wurde Vater Cornelis Heyning von den Nazis verhaftet und nach Dachau deportiert. Ähnliches widerfuhr mindestens weiteren 400 000 Holländern. Sowohl Norweger, Dänen als auch Holländer hielten die Nazis wegen ihren meist blonden Mähnen und anderen vermeintlich untrüglichen arischen Merkmale nach dem größenwahnsinnigen Endsieg für gut arisierbar. Aus diesem Grund bekamen diese Volksgruppen als erbeutete Zwangsarbeiter in Deutschland, ganz im Gegensatz zu slawische, romanischen und französischen Gefangenen, einen erstaunlichen, an liberalen Freigang erinnernden, Sonderstatus. Mit diesem für diese Zwangsarbeiter eher zweifelhaften Privileg, dennoch wussten sie es sehr zu schätzen und zu nutzen, konnten sie das Leben auf der Baar aus einer ganz anderen Perspektive betrachten und bewerten. Auch auf der Baar rückte der Krieg in diesen Jahren immer näher. Nicht nur mental durch ständige leidvolle Gefallenen Meldungen, durch Nazi Repressalien und Lebensmittelknappheit, sondern nun auch real als Bombardierungen und Jagdbomberüberflüge.

Vom „Mont Schell“, wie Bart Heyning den Schellenberg nannte (Nomen est Omen, ausgerechnet sein Tagebuchbeförderer, der namensverwandte R. Schell, sollte sein Tagebuch entdecken), genossen die Niederländer zunächst an klaren Tagen die Baarlandschaft und das Sehnsuchtsland Schweizer Alpen. Aber bald erschütterten die Bombentage in Donaueschingen, Bräunlingen, Hüfingen und Wolterdingen die gesamte Baar und die Holländer beobachteten dies mit Grauen. Über die pulverisierenden Infernos in Freiburg, Pforzheim, Friedrichshafen und anderen Städten waren sie bestens informiert. Auch über den Frontverlauf, die Vorgänge in der Heimat und die politische Weltlage waren sie erstaunlich gut auf dem Laufenden. Woher sie das alles ziemlich genau wussten, darüber hat der kluge Bart Heyning entweder gar nichts aufgeschrieben oder in einer Art Chriffre, so daß es bei einer eventuellen Auffindung der Aufzeichnungen kaum oder nicht verfänglich war.

So katalogisierte er die zahlreichen Baaremer Bekannten mit dem Synonym „ Falsch „ für Nazi und „ Richtig “ für Regime- Ablehner. Erstaunt liest man, dass die Sägewerkszwangsarbeiter, diese Holländergruppe, nach Villingen, Blumberg, beim charmant- witzigen Bart Heyning süffisant „ Montefiore“ genannt, fahren konnten. Obwohl es dort in der völlig übervölkerten Bergwerkstadt, in einem Schmelztigel vieler Nationen, überhaupt nicht nach Blumen duftete und die dort zwangsarbeitenden Holländer die geschundetste, die geplagteste Niederländergruppe im Südwesten war. Auch nach Freiburg, Hausach, Hornberg, Neustadt fuhren sie öfter. Ein Holländer brachte es sogar fertig, eine Liebschaft mit einer Elsässerin in Strassburg alle 14 Tage illegal zu kultivieren, ohne dass er jemals in die Fänge von Reichsbahnpolizisten kam. Kam den Holländern bei solchen Eskapaden die blonden Haare und das arische Aussehen zu pass, weil sie bei derartigen Ausflügen meist unbehelligt blieben? Ein anderer bandelte in Villingen mit einer „ Falschen „ an, was ihm das Brandmahl des Verräters bei seinen dafür verständnislosen holländischen Kollegen einbrachte. Und ganz im Gegensatz zu slawischen Zwangarbeitern, die bei derartigen lebensbedrohlichen Abenteuern entdeckt wurden, mussten diese so ein Verhältnis meist sogar mit dem Leben bezahlen. Daran kann man auch den Wahn erkennen, zu glauben, dass geknechtete, aber stolze Völker so ganz nebenher arisierbar seien und die Untermenschen das immer blieben, was sie seien. Nämlich ausrottbar oder inhuman nutzbar und verwertbar.

Sogar krankenversichert waren sie, diese vermeintlich Arisierbaren. Und deshalb kommt auch plötzlich und unerwartet ein Onkel von mir ins Spiel, der in der Familie als Filou, als Schürzenjäger und als Spieler galt. Die Ahnung bestätigte sich: In Bart Heynings Karteikästchen steckte er bei den „ Falschen „. Ganz im Gegensatz zu einer fürsorglichen Krankenpflegerin im Krankenhaus Bräunlingen und einem dortigen absolut tadellosen, hippokratisch agierenden Arzt. Wie Bart Heyning, bildungs- und fremdsprachenhungrig , an Literatur, sogar aus der Unibibliothek Freiburg kam, das kommt nicht ganz klar aus den Aufzeichnungen hervor, zeigt aber die gewisse Freizügigkeit der Holländer im Zwangsarbeiterlager Hüfingen und auch ihren Bildungshunger.

Auch das Ende der Gefangenschaft, dieser ganz persönliche, lebenslange Albtraum, mit zaghaften, missglückten Fluchtversuchen in die Schweiz, zeigt nochmals die Befindlichkeit seiner Situation aber auch die der Bevölkerung im südlichen Grenzgebiet. Plastisch, schelmisch bis dramatisch schildert dieser „Kanitverstan“ diese Jahre. Auch den kurzen Kontakt mit den befristeten, deshalb sehr großzügigen, gönnerhaften Gastgebern der durchreisenden, abreisenden Zwangsarbeiter, den benachbarten Schweizern, schildert er treffend.

Bart Heyning hat uns Baaremer aus der Sicht eines Außenstehenden, aber im doppelten Sinn , zutiefst Betroffenen , aus dem Leben und den Erfahrungen eines Gequälten, ein Tagebuch ohne militärhistorische Belehrung und Erläuterung und mit wenig Geschichtswertung hinterlassen. Deshalb ist es auch so authentisch. Im Spiegel, den er uns ziemlich sachlich, klar, aber auch schonungsvoll vorhält, können wir uns und den Zustand, den er widerspiegelt sehr genau betrachten.

Warum er nie mehr auf die Baar, in die „Sierra Nera“, wie er den Schwarzwald nennt, gekommen ist, obwohl er ein gebildeter, erfolgreicher, sprachgewandter und aufgeklärter Familienmensch, Cosmopolit, Demokrat, und Europäer war, ist vielleicht nur aus dieser markanten Aussage abzulauschen:

„20 % waren Verantwortliche, das enthebt aber die Übrigen 80% nicht, ihrer ebenso grossen Verantwortung gerecht zu werden und etwas dagegen zu tun“

Und in seinem erschütterndem, bitteren Poem von Seite 73:

„Sie haben mein Land geschunden, meine Freiheit geraubt,
die Städte und Dörfer ausgebeutet,
seine Nahrung geraubt und verschlungen“

So dürfte es tatsächlich gewesen sein und deshalb sollte es unbedingt in die Geschichtsstunden und die Literatur der Schulen, der Haushalte, der Medien und Bibliotheken auf der Baar aufgenommen und gelesen werden.

Der Hüfinger Künstlerkreis

Die erste Version dieses Artikels habe ich am 7. Juli 2020 veröffentlicht. Damals war der Hüfinger Künstlerkreis für mich noch vor allem eine Gruppe von Namen und Werken, die miteinander in Verbindung standen. Seitdem hat sich viel getan – und mit jedem neuen Fund sind weitere Verbindungen sichtbar geworden.

Aus einzelnen Künstlerbiografien ist nach und nach ein dichtes Geflecht aus Familien, Freundschaften, Lehrern und Schülern, Mäzenen und Weggefährten entstanden. Malerei und Bildhauerei verbinden sich darin mit Musik, Literatur, Fotografie und Kunsthandwerk. Die Wege führen von Hüfingen nach Donaueschingen, München, Frankfurt, Karlsruhe, Rastatt und bis nach Italien – und immer wieder zurück nach Hüfingen.

Luzian Reich und seine Zeichenschule stehen mitten in diesem Geflecht. Seine Kinder Xaver, Elisabeth und Lucian gehören ebenso dazu wie die Brüder Nepomuk und Josef Heinemann und ihr Vetter Rudolf Gleichauf. Johann Nepomuk Schelble verbindet die Hüfinger Kunstgeschichte mit der Musikgeschichte Frankfurts, Xaver Reich brachte von seiner Italienreise die Idee der Blumenteppiche mit nach Hüfingen, Nepomuk Heinemann wurde zu einem der frühen Fotografen des Landes und Lucian Reich hielt Menschen, Geschichten und Erinnerungen schließlich in seinen Büchern fest.

Doch der Hüfinger Künstlerkreis beginnt nicht erst im 19. Jahrhundert. Seine Spuren reichen weit zurück – zu Künstlern wie Martin Menradt, dem Hofmaler Franz Joseph Weiß oder Johann Baptist Seele. Und auch im 19. Jahrhundert erschöpft er sich nicht in den bekannten Namen. Immer wieder tauchen Menschen auf, die bislang am Rand standen oder beinahe vergessen wurden.

So ist aus diesem Artikel über die Jahre etwas anderes geworden als ursprünglich geplant: keine abgeschlossene Kunstgeschichte Hüfingens, sondern eine fortlaufende Spurensuche. Denn hinter jedem Namen öffnet sich eine neue Geschichte, hinter jedem Bild eine weitere Verbindung.

Und genau aus diesem Geflecht heraus ist auch Hieronymus-online gewachsen. Der Name ist dabei kein Zufall: Lucian Reichs „Hieronymus. Lebensbilder aus der Baar und dem Schwarzwalde“ gehört selbst zu dieser Hüfinger Kunst- und Erzähltradition. Hieronymus-online führt sie auf seine Weise weiter – mit den Menschen, Bildern, Dokumenten und Geschichten, die sich bis heute finden lassen.

Was folgt, ist deshalb keine vollständige Geschichte des Hüfinger Künstlerkreises. Es ist eine Zusammenfassung dessen, was sich bislang zusammengefügt hat – und sie wird vermutlich nie ganz fertig sein.

Die Familie Menradt

Die Familie Menrad gehört zu einer der ältesten Hüfinger Künstlerfamilien. Hierzu gab es am 23. Februar 2026 einen Vortrag von Dr. Jörg Martin, dem Leiter des FF Archives.

Vortrag über Martin Menrad von Dr. Jörg Martin

von Martin Menrad ein Gemälde von 1682, das er im Auftrag des Fürsten Anton Egon zu Fürstenberg-Heiligenberg gemalt hatte.
Karte aus dem Jahr 1664 von Hüfingen, Behla und Sumpfohren von Martin Menrad
Karte aus dem Jahr 1662 von Hüfingen von Martin Menradt
Foto: Dr. Jörg Martin
Die Stadt Hüfingen im Jahre 1682 nach einem Gemälde von Martin Menrard

Hieronymus Lang

folgt irgendwann.

Der Hofmaler Joseph Weiß

Der FF Hofmaler Franz Joseph Weiß (15.02.1735-16.06.1790) ist einer der frühesten Vertreter der Hüfinger Künstlertradition. Das Geschlecht läßt sich bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges zurückverfolgen, ist aber erloschen. Der früh verstorbene Joseph Weiß, der Großvater des Malers, war Gastwirt im Gasthaus zum Hirsch gewesen.

Franz Joseph wurde am 15. Februar 1735 als zweitältestes Kind der Eheleute Josef Weiß und Elisabeth Spiegelhalter geboren. Von seinen sechs Geschwistern lassen sich in der Folgezeit nur zwei als in Hüfingen seßhaft belegen. Er selber schloß zwei Ehen in Donaueschingen. Aus der ersten Ehe gingen die drei Kinder Johannes Nepomuk, Xaver und Maria Anna hervor. Sie war 1762 in Donaueschingen geschlossen worden. Seine zweite Ehefrau hieß Maria Anna Neyerin. Sie verstarb 1796 im Alter von 40 Jahren.

Er hat die Fahne der Jakobusbruderschaft für das Jokobifest gemalt. Der Jakobitag ist am 25. Juli und wird in vielen Städten heute noch gefeiert. Das Jokobifest war auch in Hüfingen einst sehr wichtig und wurde dann leider vergessen, weil Blumen ausreissen anscheinend mehr Spaß macht. Die etwa 300 Jahre alte Fahne der Jakobuspilgerbruderschaft erinnert noch an diese Pilgerwanderungen.

Die Jakobusfahne wird heute an Fronleichnam bei Prozessionen mitgeführt und begegnet uns in Kapitel 17 und 23 im Hieronymus. Der Hofmaler Weiß war mit den Reichs befreundet und ist in allen Büchern von Lucian Reich zu finden. In St. Verena und Gallus hat er die Seitenaltäre von Maria Anna und und Jakobus gemalt.

Fahne der Jakobsbruderschaft vom Hofmaler Weiß
Vielen Dank an Markus Leichenauer für das Foto!
Seitenaltar in St. Verena und Gallus.
Jakobus mit Wanderstab in der Hand, dem Volke predigend aus 1774.
Die links unten auf der Tafel gemalte Männergestalt soll ein Selbstbildnis des Hofmalers Franz Josef Weiß sein.

Xaver Schelble, Sebastian Fritschi und Johann Georg Kaltenbach

folgt irgendwann

Johann Baptist Seele

Als weiterer früher Vertreter der Hüfinger Künstlertradition gilt Johann Baptist Seele (27. Juni 1774 in Meßkirch – 27. August 1814 in Stuttgart). Sein Vater Franz Xaver Seele diente ab 1776 in Hüfingen als Unteroffizier im fürstenbergischen Kreiskontingent. Johann Baptist Seele stieg bis zum Hofmaler des württembergischen Königs auf. In den Wanderblühten widmet ihm Lucian Reich Seele ein ganzes Kapitel: Wanderblühten – Johann Baptist Seele.

Fun Fact: Der Hof- und Theatermaler Josef Sandhaas aus dem Kinzigtal war der Zeichenlehrer von Luzian Reich am Benediktinerkloster in Villingen bis zum Jahr 1805 (Denkbuch). Dessen Schwester Gretel (Maria Margarete) Sandhaas (1771–1830) hat damals in Hüfingen Seele „bussiert“. Der Sohn aus dieser Beziehung, Carl Friedrich Sandhaas, wurde später ein großer, aber auch komplizierter Künstler.

Johann Baptist Seele 1792
Johann Baptist Seele1800
Johann Baptist Seele 1810

*Fotos aus den Schriften der Baar 44 (2001). Der Maler Johan Baptist Seele und sein Werk, von Gabriele Brugger.

Luzian Reich

Der eigentliche Künstlerkreis entstand um den Unternehmer Luzian Reich (7. Januar 1787 in Bad Dürrheim – 18. Dezember 1866 in Hüfingen), auch genannt „der Ältere“. Er selber zeichnete mit „Senior“.

Über Luzian Reich, auch von ihm selber geschrieben, steht viel im Denkbuch, das sein Sohn im Jahr 1896 in den Schriften der Baar veröffentlich hat.

Luzian Reich senior ein Selbstbildnis im Stadtmuseum Hüfingen
Selbstbildnis im Stadtmuseum
Foto vom alten Luzian Reich mit Stock und Mütze auf einem geschnitzten Stuhl
Luzian Reich etwa 1866.
Foto von seinem Schwiegersohn Johann Nepomuk Heinemann
Von einer Tafel aus dem Museum mit Foto der alten Kaplanei ein der der Unterricht statt fand
Tafel im Stadtmuseum
Kunstrdruck aus der Zeichenschule von Luzian Reich mit der Akelei von Dürer etwa aus dem Jahr 1830
Kunstdruck aus der Zeichenschule von Luzian Reich mit der Akelei von Dürer (etwa 1830)
Luzian Reich etwa 1860
Foto: Nepomuk Heinemann

Die Zeichenschule von Luzian Reich:
Der Oberlehrer, Maler, Kunstschreiner und Bildhauer gründete in Hüfingen eine Zeichenschule für Buben und Mädchen. Er sammelte Ölbilder, Kupferstiche, Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Skulpturen und Töpferkunst die zum Teil aus aufgehobenen Klöstern stammten. Diese vielfältige Sammlung diente seinen Kunstschülern als Lehr-und Anschauungsmaterial.

Luzian Reich und seine Ehefrau Maria Josefa Schelble
Fotos von Johann Nepomuk Heinemann Anfang 1866
Tafel im Stadtmuseum mit Abbildung der Ziegelhütte
Tafel im Stadtmuseum

Katharina Götz (01.11.1760-04.04.1847) mit Goldhaube, gemalt von Luzian Reich, ihrem Schwiegersohn im Jahre 1829 .
Sie ist die Mutter von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und die Großmutter von Elisabeth, Xaver und Lucian Reich.

Eltern von Xaver, Lucian und Elisabeth: Luzian Reich und Josefa Schelble.
Großeltern: Mathias Reich und Anastasia Buckin (Bad Dürrheim).
Franz Josef Schelble und Katharina Götz (Hüfingen).

Josepha Schelble ein Gemälde von Luzian Reich senior im Stadtmuseum Hüfingen

M. Josefa Schelble (19.03.1788-12.11.1866) gemalt von ihrem Ehemann Luzian Reich.
Sie ist die Schwester von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und die Mutter von Xaver Reich, Elisabeth Heinemann geb. Reich und Lucian Reich dem Jüngeren.

Luzian Reich unterrichtete in seiner Mal- und Zeischenschule neben seinen Kindern Xaver, Elisabeth und Lucian die Brüder Nepomuk und Josef Heinemann, sowie deren Vetter Rudolf Gleichauf.

Madonna von Luzian Reich senior
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731

Auch gründete Luzian Reich zusammen mit seinem Schwager Schelble und dem Hofrath Baur den Verein Freunde der Natur. Die Freunde der Natur – des Nützlichen und Schönen errichteten auf dem Rotrain eine Anlage in der auch Konzerte gegeben wurden.

Der Musikdirektor Johann Nepomuk Schelble
Sohn, Bruder, Schwager und Onkel

Der Bruder von M. Josefa Schelble (18. März 1788 -12. November 1866) war Johann Nepomuk Schelble (16. Mai 1789 – 7. August 1837 ), der Gründer des Cäcilienvereins in Frankfurt a. Main.

Johann Nepomuk Schelble (1789 -1837)
Zeichnung von unbekannt.

Über Schelble gibt es hier die Dissertation von Oskar Bormann aus dem Jahr 1926. Lucian Reich hat seinem Onkel zwei Kapitel in den Wanderblühten gewidmet: Wanderblühten – Johann Nepomuk Schelble – Prolog und Wanderblühten – Johann Nepomuk Schelble und auch im Denkbuch wird er oft erwähnt.

Johann Nepomuk Schelble war Chorknabe im Kloster Marchtal wo er wissenschaftlichen und musikalischen Unterricht erhielt. Als das Kloster 1803 aufgehoben wurde, kehrte er zu seiner Familie nach Hüfingen zurück. In der Stadtmusik Hüfingen spiele er Piccoloflöte und besuchte die Schule in Donaueschingen, wo er an dem kunstliebenden Fürsten Karl Egon von Fürstenberg einen Beschützer fand. Am 24. Juli 1818 gründete er in Frankfurt den Cäcilienvererin.

alte Zeichnung

Foto: Allegorie zur Namensgebung des Cäcilienvereins. Zeichung von Moritz August von Bethmann-Hollweg um 1828.

Neue Disputa:

Oben bei den Engeln die heilige Cäcilia und Händel, Beethoven, Mozart, Hayden
unten
Schelble, seine Frau Molly und die Gründungsmitglieder des Cäcilinvereins.

Foto aus >Die Leute singen mit so viel Feuer…< Der Cäcilienchor Frankfurt am Main 1818 bis 2018.

1820 erhielt Schelble ein Angebot vom Fürsten Karl Egon die Stelle des Hofkapellmeisters zu übernehmen. Um ihn in Hüfingen zu halten wurde die Anlage am Rotrain zum großen Teil vom Fürstenhaus finanziert. Nach der mutwilligen Zerstörung durch Faller, Auer und Ruf in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821, hatte Schelble dann in Frankfurt einen 10-Jahres Vertrag abgeschlossen.

In Hüfingen erwarb Schelble 1824 ein „Landgütchen“, das er sein „Ruhetal“ nannte. Mit 48 Jahren starb Schelble in den Armen seiner Frau Molly am Eingang seines Hüfinger Hauses an der Bräunlinger Straße.

Eine Freude für sie war, wenn nachmittags der „Nepomuk und die Molly“ kamen. Aber auch sie waren immer viel in Anspruch genommen mit Einrichtung und Verbesserungen ihres Hauses und Gütchens. Die Großmutter stammte aus der Hofbauernfamilie Götz, deren Haus in der Vorderstadt noch ganz die mittelalterliche Bauart zeigte und auch eine allerdings trübselige geschichtliche Bedeutung hatte, insofern als die Scheuer der Hauptschauplatz war des gräuelvollen Blutbades vom Jahre 1632 beim Überfall der Stadt durch Württembergisches Kriegsvolk.
Gelegentlich einer Reise, die Onkel Schelble zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit nach Gastein unternommen, wobei wir ihn bis München begleiten durften, hatten wir Schaller, den Landsmann Binders, kennen gelernt. — Die Badekur hatte den erwarteten Erfolg nicht gehabt; im Sommer 1836 sah der gute Onkel sich genötigt, aller Tätigkeit zu entsagen und sich nach Hüfingen in sein von ihm mit so großem Interesse gegründetes Landgütchen zurückzuziehen.
Ich war so lange noch in Frankfurt geblieben, um das Fortschaffen der Möbel überwachen zu können. Felix Mendelssohn war gekommen, die interimistische Leitung des Cäcilienvereins zu übernehmen.
aus dem Denkbuch

Das Landgütchen
Foto von Karl Schweizer 1980

Im Bade Gastein hatte er vergeblich Heilung gesucht; ist so mächtig in die Heimat zu, wo er in der stärkenden Luft des Hochlandes Besserung hoffen durfte. – Und wirklich schien erneutes Leben noch einmal wiederkehren zu wollen – doch war es leider nur Täuschung – das Vollgefühl der Gesundheit kehrte nimmermehr wieder. Demungeachtet war er noch immer unausgesetzt thätig. Nebst der Sorge für die häusliche Einrichtung seiner kleinen Gartenwohnung beschäftigte ihn der Singunterricht der Kinder, die er um sich versammelt hatte; auch hier im Kleinen, wie früher im Großen, wollte er den Sinn und die Empfänglichkeit für das Schöne wecken und fördern. – Frohe Hoffnung gänzlicher Genesung beschlichen die Brust der Seinigen; um so unvorbereiteter traf sein plötzliches Dahinscheiden.

Es war am 6. August des Jahres 1837, an einem Sonntag, als das Totenglöcklein der Stadtkirche üblicherweise den Einwohnern verkündete, dass ein Mensch aus ihrer Mitte geschieden sei. – Es war das Scheidezeichen für Johann Nepomuk Schelble. – Im Geleite der Seinigen hatte er denselben Tag einen Spaziergang auf ein entferntes Grundstück unternommen, als er zurückkehrend am Eingange seines Gartens von einem Blutsturz befallen wurde, der seinen Leben in den Armen seiner Gattin ein schmerzliches schnelles Ende machte.

Ein Mitglied des Cäcilienvereins (Johannes Weismann) unternahm es, für die Freunde in kurzgefassten Zügen eine Schilderung des Lebens und Wirkens des Verewigten zu entwerfen. Und wohl darf er als die Denkweise Vieler betrachtet werden, wenn der Verehrer am Schlusse seines Nekrologs ausruft: „Fürwahr, ein ungewöhnlicher, ein großer Mensch ist mit ihm von der Erde geschieden; denn seine Aufgabe war eine große, und er hat sie im großen Sinn aufgefaßt und gelöst. Darum erkannte sich der Verein mit tiefem Schmerze verwaist, als er sich ihm die Überzeugung aufdrang, dass Schelble ihm unwiederbringlich entrissen sei. Darum ist es so natürlich, dass wir immer von Neuem an ihn erinnert werden, dass wir ihn immer wieder vor unserem Geistesauge erblicken, den Mann mit der großen Stirne, mit dem edelgebildeten Haupte, dem tiefblickenden Auge, wie er anspruchslos am Klavier saß und mit klarem, ruhigen Sinn die Tonwelt, das Ganze wie das Einzelne beherrschte“.
aus den Wanderblühten – Johann Nepomuk Schelble

Man kann kaum glauben, wie viel ein einziger Mensch, der was will, auf alle andern wirken kann; S. steht dort ganz allein…Er hat sich einen sehr bedeutenden Wirkungskreis geschaffen und die Leute im eigentlichsten Sinne weiter gebracht …
Felix Mendelssohn Bartholdy in einem Brief an Carl Friedrich Zelter

Lucian Reich

Ein Sohn von Luzian Reich und Josefa Schelble und somit der Neffe von Nepomuk Schelble war Lucian Reich (26. Februar 1817 – 2. Juli 1900).

Lucian Reich, gezeichnet von seinem Schwager Nepomuk Heinemann.

Lucian Reich hat aus Geldnot erst am 8. August 1874 Margareta Stoffler (1825-1880) aus Geisingen geheiratet; die Tochter Anna Reich war deswegen unehelich und ihre Daten sind nicht bekannt. Anna Reich kam mit ihrem Vater später wieder nach Hüfingen und pflegte ihn bis zu seinem Tod am 2. Juli 1900. Danach heiratete sie einen verwitweten Landwirt in Neudingen und zog seine (8 ?) Kinder groß. Sie selber hatte nie eigene Kinder und starb hoch betagt in der Neudinger Mühle.

Maria Josepha Heinemann Brunnen an der Hauptstrasse 52 mit Elisabeth Heinemann (Grießhaber) und ihrer Cousine Maria Heinemann (Nober). Maria Heinemann war die Tochter von J. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich.

Briefe der Anna Reich an ihre Cousine Marie Heinemann 1875-1881

Lucian Reich nach einer Photographie gezeichnet von Karl v. Schneider. Hüfingen 1907.

Briefe von Lucian Reich an seine Eltern und seinen Schwager 1853-1880

Anna Reich 1885
Foto von Nepomuk Heinemann

Lucian Reich wirkte jahrzehntelang als Zeichenlehrer am damaligen Großherzoglichen Lyceum in Rastatt. Einen Namen machte er sich vor allem durch seine heimatkundlichen Bücher und seine Illustrationen.

Zeichnung aus den Wanderblühten.

Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind;
J. Nepomuk Heinemann, genannt „Muckle“ (1817 – 1902) mit Fes (Das Tragen eines Fes war im Biedermeier ein Zeichen der Gemütlichkeit);
Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife;
Rudolf Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr;
Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch.

Das bekannteste von Reich geschriebene und illustrierte Buch trägt den Titel „Hieronymus. Lebensbilder aus der Baar und dem Schwarzwalde„.

Lisette Reich
Die übersehene Schwester

Die Tochter von Luzian und Josefa Reich und Schwester von Lucian und Xaver war Elisabeth Reich (15. Dezember 1819 – 24. Juni 1871). Sie heiratete am 31. Januar 1854 einen Schüler ihres Vaters, Johann Nepomuk Heinemann (30.05.1817 – 22.02.1902).

Elisabeth (Lisette) Reich 1819-1871
Allegorie der Donauquelle von J.N. Heinemann
Selbstportrait von Nepomuk Heinemann

Der Fotograf und Schnitzer Muckle Heinemann
Schwager und Neffe

Johann Nepomuk Heinemann (30.05.1817 – 22.02.1902) begann eine Lehre als Uhrschild-Maler in Neustadt. Danach lernte er in Donaueschingen die Technik der Lithographie. Wie alle Hüfinger Künstler hielt er sich in den folgenden Jahren, wie sein Bruder Joseph, zu Studienzwecken in München auf.

Die Eröffnung einer eigenen Druckerei in Hüfingen wurde ihm auf Intervention des Fürstenhauses genehmigt. Mit Entwürfen von Lucian Reich, seines Bruders Joseph Heinemann und von Heinrich Frank begann er das Buchprojekt Hieronymus – Lebensbilder aus der Baar und dem Schwarzwalde.

Bleistiftzeichnung Karl von Schneider (1847 – 1923) von Johann Nepomuk Heinemann
Bild mit Liebespaar und einer Ziege
Uhrenbild von Heinemann 1850

Johann Nepomuk Heinemann war einer der ersten Fotografen im Land. Auch das Fürstenhaus Fürstenberg in Donaueschingen zählte zu seinen Kunden. Dieses Geschäft blühte in den 1860er Jahren auf und zahlreiche Portraits von Zeitgenossen entstanden in seinem Studio.

So auch Amélie Karoline Gasparine Leopoldine Henriette Luise Elisabeth Franziska Maximiliane Fürstenberg. Geboren am 25.05.1848 Schaffhausen und verstoben am 08.03.1918 in Baden-Baden. Tochter von Karl Egon II Fürst zu Fürstenberg (1820-1892).

  • Altes Foto der Fürstenfamilie



Die Tochter von Nepomuk Heinemann und Lisette Reich war Maria Josepha Heinemann („Marie“ 23. Dezember 1857 – 19. Mai 1948) die am 19. September 1881 den Kaufmann Karl Nober (Haus Nober Hauptstr. 5) geheiratet hat.


Marie Heinemann (1857 – 1948)

Marie und Kätherli
(Katharina Heinemann 30.04.1828-27.01.1900. Kätherli war die Schwester von Nepomuk und Josef Heinemann)
Fotos von Nepomuk Heinemann etwa 1868

Nepomuk Heinemann 1895
Nepomuk Heinemann 1895
Todesanzeige vom 24.02.1902

Selbstbildnis von Johann Nepomuk Heinemann von 1840


Xaveri
Der Bildhauer Xaver Reich
Bruder und Vater

Ein weiterer Sohn von Luzian Reich war Franz Xaver Reich (1. August 1815 – 8. Oktober 1881).
Nach initialer Förderung durch seinen Vater, kam Xaver Reich 1832 auf Empfehlung seines Onkels Johann Nepomuk Schelble an das Städelsche Institut. Durch seinen Onkel wurde er auch Mitglied in dessen Cäcilienverein.

Xaver Reich
gezeichnet von Nepomuk Heinemann 1838

Foto von Xaver Reich im Stadtmuseum

Franz Xaver Reich
gezeichnet von Josef Heinemann

Lucian Reich schreibt viel über seinen Bruder im Denkbuch: https://hieronymus-online.de/denkbuch-von-lucian-reich-1896/

Josefa Reich, geb. Elsässer (1823-1900)

Wilhelm August Rehmann, Leibarzt von Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg veranlasste, dass Reich eine Skizze modellieren konnte, welche die Donau mit ihren Zuflüsse Brigach und Breg zeigte. Karl Egon II. war vom Ergebnis begeistert und beauftragte Reich damit das Modell 1837 im großen Maßstab herzustellen. Im Schloss Hüfingen erhielt er von seinem Mäzen dann ein Atelier geräumt, um die Gruppe in Sandstein auszuführen. Die Sandsteingruppe wurde auf der „großen Insel im Schwanenweiher“ (heute: Pfaueninsel) im Schlosspark von Donaueschingen aufgestellt.

Danubiagruppe auf der Pfaueninsel (Postkarte 1906)

Nach Vollendung der Arbeit machte sich Xaver Reich 1842 zu einer Romreise auf. Aufenthalte in Pisa, Florenz und in Verona begeisterten ihn für die Tradition der Blumenteppiche.

Nach Vorbild aus Portici fertigte er in Hüfingen vor seinem Elternhaus den ersten Blumenteppich und legte so den Grundstein einer Tradition in Hüfingen die leider den Gallustag ersetzen sollte.

Film von Ernst Kramer in den späten 1920er

Franz Xaver Reich wohnte mit seiner Familie im ehemaligen Anwesen seines Onkels Johann Nepomuk Schelble an der Bräunlinger Straße. In Hüfingen hatte er die Ziegelei seines Vaters übernommen und zu einer Terrakottenbrennerei umgewandelt. In ihr brannte er plastischen Schmuck. (aus dem Denkbuch von Lucian Reich)

Ziegelhütte und Terrakottenbrennerei Reich.
Sie stand da, wo heute der Kofenweiher ist.

Der Engel auf der Elisabetheninsel, den Fürst Carl Egon II in Erinnerung an seine früh verstorbene Gemahlin Elisabeth aufstellen ließ, wurde nach einem Entwurf von Xaver Reich gegossen. Zu seinen Donaueschinger Arbeiten zählt auch das Turnierrelief an der Reithalle.

Die Inschrift auf der Vorderseite des Sockels lautet:
„Der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost. Sp. Salomon 14, 23“ auf der Rückseite: „Karl Egon Fürst zu Fürstenberg seiner unvergeßlichen Frau Elisabeth, Prinzessin Reuß ä. L. zu Greiz. geb. 23. März 1824, gest. 7. Mai 1861“.
Das Denkmal wurde nach einen Entwurf von Xaver Reich gegossen.
Die junge Donau als Kind im Schoße der Mutter Baar von Xaver Reich von 1875.
Sandsteingruppe am alten Zusammenfluss von Brigach und Breg in Donaueschingen.
Foto aus dem Jahr 1980.

Als die Donauquelle im Schloßhof neu gefaßt und umgruppiert wurde, gestaltete Xaver Reich die Gruppe: „Die junge Donau als Kind im Schoß der Mutter Baar“. Sie musste allerdings in den siebziger Jahren der Marmorgruppe des Vöhrenbacher Bildhauers Adolf Heer weichen, die heute noch die von Adolf Weinbrenner geschaffene Quellfassung schmückt. Reichs Gruppe fand in der Nähe des Zusammenflusses von Brigach und Breg eine vorläufige Bleibe und wurde 2025 am neu gestalteten Donauzusammenfluss wieder aufgestellt.

Der Maler Rudolf Gleichauf
Vetter

Ein weiters Mitglied des Hüfinger Künsterkreises war Rudolf Gleichauf (29. Juli 1826 in Hüfingen – 15. Oktober 1896 in Karlsruhe). Gleichauf erhielt ein Stipendium des Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg an der Münchner Akademie bei Schnorr von Carolsfeld.

Rudolf Gleichauf
29. Juli 1826 – 15. Oktober 1896

Außer zahlreichen Wandgemälden hat Gleichauf im Auftrag des badischen Hofs und der badischen Regierung zwischen 1862 und 1869 zahlreiche Aquarellbilder und eine Vielzahl von Kostümstudien geschaffen, die sich in der Badischen Landessammlung erhalten haben und für ein „umfängliches badisches Trachtenwerk“ geplant waren, das jedoch nicht vollendet wurde.

Unten Allegorische Darstellungen der Fakultäten für Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und Medizin für die Universtität Heidelberg von Rudolf Gleichauf.

Theologie
Philosophie
Jurisprudenz
Medizin

Die zwei Bronzereliefs des Bildhauer Johannes Hirt auf dem Grabstein von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf befinden sich auf dem Hüfinger Friedhof.

Adolf Heer Bildhauer geboren 13. September 1819 gestorben 29. März 1898

Grab Adolf Heer und Rudolf Gleichauf


Josef Heinemann
Der vergessene Hüfinger Maler

Eine Schwester von Rudolf Gleichauf war mit dem Künstler Josef Heinemann (27.12.1825 – 02.04.1901) einem Bruder von Johann Nepomuk Heinemann, verheiratet.

Josef Heinemann (1825 – 1901)
Bleistiftzeichnung von seinem Bruder Johann Nepomuk Heinemann.

Marie Heinemann (1857 – 1948)
Gemalt von ihrem Taufpaten Josef Heinemann.

Auch Josef Heinemann studierte wie sein Schwager Gleichauf an der Münchner Akademie bei Julius Schnorr von Carolsfeld.

Jacob schenkt Joseph einen bunten Rock (1850)
Die selten dargestellte Szene der Josephsgeschichte des Alten Testaments entstand im Umfeld von Bibel-Illustrationen. Heinemann arbeitete an verschiedenen Editionen sogenannter Bilder-Bibeln mit.

Bildnis der Ida Müller, verh. Maier (1841)
Heinemann porträtiert die 20-jährige Blumen- und Stillebenmalerin als „Tochter aus gutem Hause“. Die noch ungleiche anatomische Exaktheit von ausdrucksstarkem Gesicht und summarischer Hand zeigt, dass es sich um ein Jugendwerk des 18-jährigen Zeichners handelt.


Es fehlen hier noch einige Hüfinger Künstler. Ich verweise auch noch auf die Seite der Hüfinger Persönlichkeiten: https://hieronymus-online.de/huefinger-persoenlichkeiten/


Fotos und Infos zum Hüfinger Künstlerkreis gibt es auch auf der Seite des Stadtmuseums:

Der Hüfinger Frauenverband

Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen!
Worte können unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern
.

Erste Version war am 15.01.2020

Paul Revellio
Bürgermeister Joseph Hug von 1840-1848

Paul Revellio hat beschrieben wie am 10. April 1848 Friedrich Hecker von Konstanz aus die in Hüfinger Wirtshäusern versammelten Bauern, Tagelöhner und Handwerker aufgerufen hat, sich bewaffnet den Donaueschingern anzuschliessen:

Dezember 1848 Carl Revellio, Bürgermeister Joseph Hug und Sägewerksbesitzer Wilhelm Steiner gründen mit einer Art Rütlischwur den bald 114 Mitglieder umfassenden und stets im Ratssaal tagenden Volksverein. *3

Die Ackerbürgerschaft ging also in der bewegenden und bewegten Zeit auf die Barrikaden und machte 1848/49 Revolution über ihre Wehrausschüsse und über den Volksverein, unter dessen 114 Mitgliedern in Hüfingen keine Frau war. *1

Ähnliche Erfahrungen veranlaßte Louise Otto, eine Zeitung herauszugeben.

Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848*4

Im April 1849 gründete Louise Otte eine Frauenzeitschrift unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb‘ ich Bürgerinnen„.

Frauen, die die langwierigen Debatten über die „Grundrechte des deutschen Volkes“ und das „Reichswahlgesetz“ in der Frankfurter Nationalversammlung verfolgt hatten, mußten enttäuscht feststellen:

„... aber sie denken bei all‘ ihren endlichen Bestrebungen nur an eine Hälfte des Menschengeschlechts – nur an die Männer. Wo sie das Volk meinen, da zählen die Frauen nicht mit.“ (Frauen-Zeitung 1/1849) *4

Im Programm der ersten Nummer schrieb Louise Otto:

die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt, daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen.“ (Frauen-Zeitung 1/1849)

Gegen zunehmenden reaktionären Druck, aber getragen von der Zustimmung ihrer Leserinnen und der wachsenden Zahl gleichgesinnter, vorwiegend weiblicher Mitarbeiter, schaffte sie es, von April 1849 bis Dezember 1850 wöchentlich eine Nummer herauszugeben. Auf acht Seiten waren darin neben Noveletten und Gedichten mit sozialkritischer Tendenz, neben Nachrichten und Kommentaren zum Zeitgeschehen und Korrespondenzen aus vielen Städten des Deutschen Bundes Abhandlungen zu frauenspezifischen, kulturellen und religiösen Fragen zu lesen, sowie in der Rubrik ,Blick in die Runde‘ Verschiedenes aus dem Alltag der Frauen.*4

Die Teilnahme der Frauen an der Revolution aber beschränkte sich nicht auf Worte und Beteuerungen oder fürsorgende Hilfsdienste: „Da ist es nicht getan mit Charpie-Zupfen, Verwundete pflegen, Kleidernähen und Kochen für das Heer“ (Frauen Zeitung 14/1849). Die Frauen blieben nicht länger Zuschauer, die um die Helden der Revolution trauerten und ihre Toten beweinen durften. Sie legten selbst Hand an. Wir erfahren, dass Frauen auf den Barrikaden Dresdens gekämpft, dass sie die Festungen Rastatts, jenen letzten vergeblichen Kampfplatz zwischen Revolutionstruppen und preußischem Militär, mit ihren Männern gemeinsam verteidigt haben.*4 (Charpie ist ein Wundverband aus aus weich gezupften Fäden von Leinenstoffen)

Wenn die Geschichte dieser Tage einst mit historischer Treue geschrieben wird, dann werden die ‚Frauen Rastatts“ einen ehrenvollen Platz in ihr einnehmen.“ (Frauen-Zeitung 24/1850)

Die Geschichte wird auch heute nicht immer mit jener „historischen Treue“ geschrieben, die Louise Otto bereits 1850 einforderte. Frauen erscheinen in vielen historischen Darstellungen nach wie vor seltener als Männer – nicht, weil sie keine Rolle gespielt hätten, sondern weil ihre Beiträge häufig übersehen oder nicht dokumentiert wurden.

Auch in der regionalen Geschichtsschreibung zeigt sich dieses Muster. Veröffentlichungen des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar oder des Almanachs Schwarzwald-Baar widmen sich überwiegend den Männern. Frauen treten meist nur am Rande in Erscheinung oder bleiben ganz unerwähnt.

Bereits 1982 schrieb die Historikerin Ute Gerhard, das Geschichtsbild werde „erst neuerdings […] in wesentlichen Zügen korrigiert“. Mehr als vier Jahrzehnte später ist diese Korrektur vielerorts noch immer ausgeblieben. Auch im 21. Jahrhundert werden Frauen in der historischen Überlieferung häufig ausgeklammert – und mit ihnen ein bedeutender Teil der lokalen Geschichte.

Wer die Geschichte der Frauen nicht erzählt, erzählt die Geschichte einer Gesellschaft nur zur Hälfte.

Der Hüfinger Frauenverein

Überraschend ist die große Zahl der Frauenvereine um 1848, die aufgrund der neuen Quellen aus dem „Dunkel der Geschichte“ aufgetaucht sind. Durch die mehrfachen Aufrufe in der Frauen-Zeitung zur Gründung von Frauenvereinen, insbesondere das Angebot der Redaktion, „den Vereinen als Organ zu dienen“ und ihre Angelegenheiten zu besprechen (Frauen-Zeitung 11/1850), wurde eine große Zahl von Frauen-Zusammenschlüssen bekannt.*4

So pathetisch im Stil der Zeit war die Redeweise der Breslauerin nicht, die von einem „festen und schönen Band“ der Frauenvereine träumte, das wie ein „diamantener Gürtel das ganze Vaterland umgeben soll“ (Frauen-Zeitung 9/1850).

Neu an den Vereinigungen von 1848 war ihre politische Zielsetzung, die schon in ihrer Bezeichnung als „demokratische Frauenvereine“ zum Ausdruck kommt, aber nicht in allen Zusammenschlüssen der Frauen mit gleicher Intensität verfolgt wurde. Der Schritt zur Vereinsgründung ist sicherlich nicht ohne den allgemeinen Zug der Zeit zum Vereinswesen als Vorstufe politischer Parteiungen zu verstehen. Dennoch war eine derartige Initiative für Frauen in der männlichen Öffentlichkeit in jedem Fall ein persönliches Wagnis, das Mut und Organisationstalent erforderte.*4

Georgine, die sich in der Frauen-Zeitung wiederholt für die Gründung von Vereinen, insbesondere für die Assoziation der Arbeiterinnen einsetzte, schrieb:

lassen wir uns aber durch das Geschrei der am ,alt Hergebrachten‘ festhängenden Menge über Emanzipation nicht irre machen, verlieren wir den Mut nicht, wenn man uns lächerlich zu machen sucht, sondern legen wir kräftig Hand an, um die veralteten Schranken niederzureißen…. Viele werden mir entgegenhalten, daß es in diesen unruhigen Tagen nicht an der Zeit sei, solche Neuerungen und Reformen zu beginnen, doch ich halte die Jetztzeit gerade für die passendste, weil die Not der Arbeiterinnen jetzt einen so hohen Grad erreicht hat, daß Zögerung Sünde wäre …“ (Frauen-Zeitung 11/1849).

Motiv für die Vereinsgründungen war für die einen die soziale Not, für andere eine politische Erfahrung, für die es in dieser Zeit nicht an Gelegenheiten mangelte. Wie die vielen Solidaritätsadressen und Teilnahmebriefe an Eugenie Blum belegen, muss die Hinrichtung Robert Blums, des linken Demokraten und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, im Oktober 1848 in Wien für viele Frauen wie ein Signal gewirkt haben. Das Schicksal der Witwe des Freiheitskämpfers bot Identifikationsmöglichkeiten, die zur Teilnahme und Mitwirkung drängten.*4

Obgleich diese Frauenvereine auf den ersten Blick wie traditionelle Wohltätigkeitsvereine wirkten und mit zunehmender Behinderung durch die Reaktion zur Tarnung so wirken wollten, war ihre Zielsetzung doch eine politische, ja, ihre Mitglieder verwahrten sich ausdrücklich gegen die Festlegung der Frauenaktivitäten auf die „den Menschen niederdrückende Wohltätigkeit“ (Frauen-Zeitung 10/1849) oder das „Wohltätigkeitsprinzip“ (Frauen-Zeitung 10/1850). Sie nahmen mit ihrer praktischen Hilfe Partei zunächst für die Aufständischen – sie nannten sie „Freiheitskämpfer“ oder „Vaterlandsfreunde*4

Vor diesem Hintergrund ist auch die Gründung des Hüfinger Frauenvereins im Jahr 1849 zu sehen. Er entstand in einer Zeit, in der sich überall in Deutschland Frauen zusammenschlossen, um sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Die Gründung eines Frauenvereins war damals keineswegs selbstverständlich. Sie erforderte Mut und den Willen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft neu zu denken.

Über den Hüfinger Frauenverein selbst ist heute jedoch nur wenig bekannt. Fest steht, dass er 1849 gegründet wurde und rund 130 Mitglieder zählte – mehr als der Hüfinger Volksverein. Allein diese Zahl zeigt, dass der Verein in Hüfingen keine Randerscheinung war, sondern auf eine breite Unterstützung stieß.

Über seine konkrete Tätigkeit haben sich bislang fast keine Unterlagen erhalten. Im Stadtarchiv finden sich heute keine Hinweise mehr auf einen Frauenverein. Ob entsprechende Dokumente nie dauerhaft aufbewahrt wurden, später verloren gingen oder bewusst beseitigt wurden, lässt sich heute nicht mehr klären. Da in anderen historischen Quellen nachweislich Seiten aus Archivbänden entfernt wurden, kann auch eine spätere Vernichtung einzelner Hinweise nicht ausgeschlossen werden. Belegen lässt sich dies jedoch derzeit nicht.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Frauenvereine der Revolution von 1848/49. Sie zeigen das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem auch der Hüfinger Frauenverein entstand. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, welche Ideen und Ziele seine Gründerinnen bewegt haben könnten.

Die folgenden Lithografien zeigen junge Hüfingerinnen aus der Zeit um die Gründung des Frauenvereins. Ob sie dem Verein angehörten, ist nicht überliefert.
Hüfingen zählte 1834 insgesamt 1.466 Einwohner (Gemeindelexikon des Großherzogtums Baden). Der Frauenverein hatte rund 130 Mitglieder. Damit gehörte ihm nahezu jeder zehnte Einwohner Hüfingens an. Bezogen auf die Zahl der erwachsenen Frauen dürfte der Anteil der Vereinsmitglieder sogar deutlich höher gewesen sein.

Josefa Elsässer (1823-1900)
Elisabeth Reich
(1819-1871)
Katharina Nober
(1805-1871)

Durch mehrere Berichte im Donaueschinger Wochenblatt gibt es einige Hinweise auf das Treiben des Vereins.


Hüfingen, 13. Juni.
Eine ziemliche Anzahl hiesiger Frauen und Jungfrauen hat sich vereinigt, die hiesige Wehrmannschaft teils durch Geldbeiträge, teils durch Fertigung und Anschaffung der zum Felddienste erforderlichen Bedürfnisse nach Kräften zu unterstützen.

Zu demselben Zwecke wurden deshalb von jenen folgende Gegenstände und Geldbeträge bereits geliefert:

Kleidungsstücke und Weißzeug.
1 Schlafrock, 1 gestrickter Kittel,
80 Hemden, 19 Leintücher, 36 Handtüchlein, 18 paar Unterhosen, 72 paar Socken.
Verbandsgegenstände.
138 Verbandtüchlein, 146 Binden, 12 Säckchen, 1 Korb voll Charpie.
Ferner: 1 Couverte.
An barem Gelde 31 fl. 40 kir.
An das Finanzministerium wurden schon früher eingesandt 61 f. 36 kt.
zusammen 93 fl. 16 kr.

Indem man dieses hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringt, wird den edlen Spenderinnen zugleich der Dank ausgedrückt für ihre wohltätige Unterstützung und warme Teilnahme am Kampfe für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes.

Der Civilkommissär Häfelin

Donaueschinger Wochenblatt 13. Juni 1849


Der Bericht vermittelt einen Einblick in die Arbeit des Hüfinger Frauenvereins. Die Frauen organisierten nicht nur Kleidung, Verbandsmaterial und Geldspenden in beachtlichem Umfang. Der öffentliche Dank des Civilkommissärs macht zugleich deutlich, dass ihr Engagement als Unterstützung des Kampfes „für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes“ verstanden wurde.

*Fotos aus „American Dreams“ im Haus der Geschichte Stuttgart, Dezember 2023


Friederich Hecker’s Abschied in Strasbourg auf seiner Reise nach Amerika. Setzt Eure Hoffnung nicht auf mich allein, einen sterblichen Mann, sondern auf Eurer gutes Recht und Euren eigenen Muth, auch ich verzweifle nicht an dem Gelingen der gorssen Volkssache, ungeachtet ich Vaterland, Frau und Kinder verlassen muss, ungeachtet mir mein mühsam erworbenes Gut genommen, und die Fürstenknechte mit ihrem aussaugenden Gefolge mich noch täglich vor der Welt mit Schmähungen übergiessen – nie ist eine große Sache ohne Opfer errungen worden!


Friedrich Hecker’s Ankunft in Nord-Amerika. Nach 14 tägiger Seereise betrat der edle Republikaner mit seinem Freunde Schöninger den freien Boden Nord Amerikas. Dort wurde ihm von seinen unzähligen Freunden ein Empfang bereitet, wie wenige gekrönte Häupter dessen sich rühmen können. Durch die oberste Behörde persönlich bewillkomt, wurde er Ehrengast der gesamten Freistaaten. Dort wird er freiere Staalseinrichtungen beobachten, und einst in sein bedrängtes Vaterland zuruckgekehrt, verwirklichen, was von so vielen als unerreichbar dargestellt wird.

Kaum ein Dokument vermittelt den Geist des Jahres 1849 eindrucksvoller als das Gedicht unten. Es zeigt, mit welcher Selbstverständlichkeit Frauen damals zum gemeinsamen Handeln aufgerufen wurden. Nicht als stille Helferinnen im Hintergrund, sondern als Teil einer Bewegung, die für Freiheit, Demokratie und gesellschaftliche Veränderung eintrat:


Der Frauen- und Jungfrauen-Verein.

Das teure Vaterland ist in Gefahr,
So rüstet euch, ihr edle Nationen,
Bewaffne dich, du treue Männerschaar,
Es gilt die stolzen Fürsten zu entthronen,
Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

So ruft das edle Volk von Ost bis West,
So ruft es selbst in Nordens düstern Gauen;
Drum mutig auf was Gott am Leben läßt,
Die Tyrannei soll eure Wunder schauen:
Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

In Ungarn wo der Söldnerkampf erbraust,
Dort seht ihr umgestürzte Trümmer rauchen;
Mit Zorn geballt ist jede Mannes-Faust,
Das Flammenschwert in Fürstenblut zu tauchen:
Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

So schleudern höhnend die Tyrannen jetzt,
Des Blitzes Glut in unserm deutschen Lande
Eidbrüchige! ihr habt den Schwur verletzt,
Habt aufgelöst der Gesellschaft Bande:
Drum gilt’s gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

Es stehen selbst des Volkes Frauen ein,
Die friedlich sonst im eignen Hause wohnen,
Und bilden einen Tätigkeits-Verein,
Zur Unterstützung deutscher Legionen:
Ja, gilt es doch dem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

Jungfrauen, Frauen, kommt und schaaret euch!
Besorget, spendet eure Kampfesgaben!
Die allgemeine Not macht alle gleich,
Und Alle werden sich am Siege laben:
Drum „Vorwärts,“ Gut und Blut dem Krieg,
Um jeden Preis der Freiheit Sieg!

Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849


Nur zwei Wochen später veröffentlichte der Hüfinger Frauen- und Jungfrauenverein einen weiteren Bericht im Donaueschinger Wochenblatt. Daraus geht hervor, dass der Verein inzwischen 130 Mitglieder zählte. Zugleich werden erstmals die Namen der beiden Vereinsvorstände genannt: Karoline Höfler als Vorsteherin und Elisabetha Gilli als Schriftführerin.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl der Mitglieder als das Selbstverständnis des Vereins. Im Mittelpunkt stehen Einigkeit, gemeinsames Handeln und die Unterstützung der „guten Sache“. Der Text vermittelt das Bild einer gut organisierten Gemeinschaft von Frauen, die sich ihrer Verantwortung bewusst war und ihren Beitrag zu den politischen Ereignissen des Jahres 1849 leisten wollte:


Epitaph auf dem Hüfinger Friedhof.

Der Frauen und Jungfrauen Verein dahier zählt nun 130 Mitglieder, die alle gern und willig bereit sind, dem Zwecke des Vereins zu dienen, und daher freudig ihre Gaben auf den Altar des Vaterlandes niederlegen. Damit aber der Verein glücklich bestehe und gedeihe ist nötig, daß unter den Mitgliedern stets Einigkeit sei und bleibe. Daß diese sowohl von den gegenwärtigen als auch von den allenfalls noch beitretenden Mitgliedern gepflegt werde, steht zu erwarten, da alle vom Geiste der Eintracht und Liebe beseelt sind, womit sie an der guten Sache Anteil nehmen und Unterstützung da gewähren wollen, wo es notwendig ist.

Hüfingen, den 27. Juni 1849.
Die Vorsteherin: Karoline Höfler.
Die Schriftführerin: Elisabetha Gilli.

Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849


Elisabetha Gilly geboren am 16.05.1825 und verheiratet am 08.01.1852 mit Markus Frey aus Hausen vor Wald, Gastwirt zum Löwen.

Karoline Höfler. Geboren als Karoline Aberle um 1817. Eltern Andreas Aberle und Magdalena Eytenbenz aus Möhringen. Wirtin vom Gasthaus Löwen. Ihr Mann Michael Höfler stirbt 1842 mit nur 29 Jahren.

Elisabetha Gilly war die Tochter von Josef Gilly aus Hondingen und Agatha Wagner. Sie wurde nach ihrer Großmutter Elisabetha Martin benannt.

Der Löwenwirt hieß „Leuenbaschi„. Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

…und an hohen Festtagen spielte er in der Kirche die Orgel, und der „Leuenbaschi” (Löwenwirt) sagte dann: „I ha’s bim erschte Griff scho gmerkt, daß es nit de Prezepter Thäddä ischt!” Dieser, der pensionierte Präzeptor Thaddäus Bader, war nämlich stets noch Organist.

Denkbuch von Lucian Reich 1896

Foto von Wikimedia von einem Frauenverein um 1900

Mit Karoline Höfler und Elisabetha Gilly erhalten die wenigen überlieferten Nachrichten über den Hüfinger Frauenverein ein Gesicht. Hinter den Namen stehen zwei Frauen aus der Mitte der Hüfinger Bürgerschaft, deren Engagement heute nur noch durch wenige Zeitungsberichte und Einträge im Sippenbuch nachvollziehbar ist.

Bemerkenswert ist, dass sich ihre Lebenswege mit dem Gasthaus „Löwen“ verbinden. Karoline Höfler führte das Gasthaus nach dem frühen Tod ihres Mannes als Wirtin weiter. Elisabetha Gilly heiratete später den Löwenwirt Markus Frey. So wurde ausgerechnet der „Leuenbaschi“, den Lucian Reich in seinem Denkbuch mit einer Anekdote verewigte, zu einem kleinen Bindeglied in der Geschichte des Hüfinger Frauenvereins.

Die Fahne vom Hüfinger Frauenverband

Die Gründung des Vereins wurde schon wenige Tage später durch eine öffentliche Fahnenweihe sichtbar:


Hüfingen, 27. Juni.
Es ist wahrhaft erfreulich, wenn man wahrnimmt, wie hiesige Frauen und Jungfrauen in bedeutender Anzahl sich gleichsam wetteifernd bestreben, beim gegenwärtigen deutschen Freiheitskampfe unterstützend mitzuwirken, so viel sie nur immer vermögen. Dies beweist, wie sehr sie erkennen, was dem Volke und Vaterlande not tut, und was der Geist der Zeit fordert.

Dieselben haben darum einen Verein gebildet, wohlwissend, daß das Wirken für eine edle Sache nur durch vereinigte Kraft mit segenbringendem Erfolge gekrönt sein kann. Diesem Vereine haben sie daher Festigkeit verliehen durch angemessene Statuten, welche am 18. d. M. festgesetzt wurden, an welchem Tage sonach der Frauen- und Jungfrauen-Verein daselbst seine förmliche Konstituierung erhielt.

Der Zweck desselben ist zunächst die Teilnahme an den allgemeinen Freiheitsbestrebungen, die Unterstützung der hiesigen Wehrmannschaft und solcher hiesiger Personen, welche im Dienste der Freiheit unglücklich werden. Zur Erreichung dieses Zweckes werden alle 14 Tage von den Mitgliedern Geldbeiträge in die Vereinskasse entrichtet, die jedoch nicht festgesetzt, sondern dem Ermessen eines jeden Mitgliedes anheim gestellt sind. Auch werden Kleidungsstücke und zum Feld- und Wehrdienste erforderliche Bedürfnisse herbeigeschafft. Über schon früher eingegangene Beiträge und angeschaffte Gegenstände wurde schon am 13. d. M. vom Civil-Kommissär daher in diesem Blatte berichtet.

Es wurde nun noch von den Frauen und Jungfrauen eine neue, äußerst geschmackvolle und sinnreiche Fahne angeschafft und gefertigt. Am 20. d. M. fand die feierliche Übergabe derselben an das Bataillon des ersten Aufgebots des diesseitigen Bezirkes auf dem quadratförmigen, freien Platze bei der Kirche dahier statt: die Frauen und Jungfrauen des Vereins bildeten vom Rathause aus, wo sie sich gesammelt hatten, in festlicher Kleidung mit dreifarbigen Bändern und Schärpen geschmückt, einen Zug. Demselben voran gingen drei hierfür erwählte Jungfrauen, von denen eine derselben die zu übergebende Fahne trug, die dann, nachdem der Zug auf dem dem genannten Platze angekommen war, die Fahne nach gehaltener Rede dem Bataillons-Komandanten überreichte.

In dieser Rede wurde besonders herorgehoben, daß auch das weibliche Geschlecht beim Kampfe für die Rechte und Freiheiten des Volkes nicht gleichgültig zusehe, sondern bereit sei, sich nach der ihm dargebotenen Möglichkeit daran zu beteiligen. Unter Anderm enthielt die Rede auch den Wunsch, daß, wie einst unsere tapfern und heldenmütigen Vorfahrer unter der deutschen Fahne das unerträgliche Joch der römischen Zwingherrschaft brachen, auch diese Fahne sich entfalten möge im heiligen Kampfe gegen unsere deutschen Freiheitsunterdrücker, und daß sie, vereint mit andern wackern Streitern, mit Gott zum Siege für Volk und Vaterland führen möge, auf daß endlich Freiheit, Wohlstand und Bildung sich über Alle erstrecke.

In geeigneter Weise erwiderte auch der Bataillons-Kommandant und endete mit einem Hoch auf die Frauen und Jungfrauen des Vereins. Am Nachmittage desselben Tages marschierte dann das mutige und staatliche Bataillon nach Geisingen und Möhringen, wo es bis heute harrt, um nach dem wirklichen Kampfplatze zu ziehen, wo unsere badischen Brüder schon kämpfen gegen hessische, mecklenburgische, nassauische und preußische Söldner, die noch so verblendet sind, daß sie sich mißbrauchen lassen für die Unterdrückung des Bürgers. Hoffentlich werden auch diese noch zur Einsicht gelangen, daß sie im Fürstenheere nur für ihre eigene Knechtung und Unterjochung die Waffen führen.

Vincenz Rombach im Donaueschinger Wochenblatt am 27. Juni 1849


Die von den Hüfinger Frauen gestiftete und gefertigte Fahne begleitete das Hüfinger Aufgebot in den letzten Wochen der Badischen Revolution. Als sich Sigels Volksarmee Anfang Juli 1849 über den Schwarzwald in Richtung Schweizer Grenze zurückziehen musste, verliert sich zunächst ihre Spur:

Die Hüfinger „Wehrmanschaft“ schloß sich am 7. Juli 1849 Sigels Volksarmee an, als diese durch Hüfingen marschierte. Hier, so berichtete Lucian Reich als Augenzeuge, „sah man noch einmal sämtliche Artillerie im Schloßhof aufgestellt . Um Mitternacht bei magischem Vollmondschein machte die ganze Retirade noch einen kurzen Halt in den Gassen. Dann ging es weiter der Schweizer Grenze zu nach Stühlingen. Unterwegs verbrannte man noch die gedeckte hölzerne Wutachbrücke in Grimmelshofen“. Die vom Frauenverein angefertigte Fahne wurde allem Anschein nach bei Grimmelshofen verloren. So schreibt der „Verweser“ Gilly dem Ortsvorsteher von Grimmelshofen einen Brief mit der Bitte sich nach der Fahne zu erkundigen. Der Ortsvorsteher schrieb zurück, dass keine Fahne zurückgeblieben sei. (3)

Aus dem Schriftwechsel geht hervor, dass der Verweser Gilly beim Ortsvorsteher von Grimmelshofen nach der Fahne nachfragen ließ. Dort war sie jedoch nicht zurückgeblieben.

Erst Jahrzehnte später findet sich ein weiterer Hinweis von Hugo Alfred Curta der 1935 über seinen Großvater Franz Joseph Curta berichtet.


Vielen Dank an Tobias Korta für die Überlassung des für Hüfingen relevanten Artikels aus dem Staatsarchiv Freiburg mit dem Titel: Materialsammlung zur Familie Curta in Freiburg / 1933-1934 / T1 (Zugang 1992/0346).

Geschlecht Curta von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 Auszug aus dem Bericht
Von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 über seinen Großvater.

Über Franz Joseph Curta (*10. Februar 1801 in Hüfingen – 1861 in Donaueschingen) wird berichtet dass er teilweise die Revolution von 1848 als Fahnenträger mit gemacht hatte und die von den Hüfinger Frauen gestickte Fahne trug. Er rettete sie beim Rückzug indem er das vom Stock entfernte Tuch um den Leib wickelte.

Ob die Fahne die Wirren der Revolution überstand und irgendwo erhalten blieb oder später verloren ging, ist bis heute nicht bekannt.

Der Frauenverein von Hüfingen im 20. Jahrhundert

Mit dem Jahresbegin 1850 begann die Repression: „Das Verbot der Versammlungen des Frauen-Vereins für hilfsbedürftige Familien ist bereits keine Neuigkeit mehr, über die ich zu berichten hätte. Man geht jetzt so weit, nicht nur Vereine, sondern auch einzelne Personen zu überwachen und sie für alles, was sie reden und tun, verantwortlich zu machen…“ (Frauen-Zeitung 17/1850)….Selbst Konzerte „zum Besten der hilfsbedürftigen Familien“ wurden von der Polizeibehörde untersagt (Frauen-Zeitung 40/1850).*4

Ein wichtiges Prinzip sowohl der demokratischen wie der Bildungsvereine jener Zeit war im Gegensatz zu vielen Vereinsgründungen nach der Mitte der 60er Jahre ihre demokratische Verfassung und das Selbstvertretungsrecht der Frauen.

Vor allem anderen aber verfolgten die Frauenvereine das Ziel, die Frauen „in größerer Selbständigkeit und Selbstachtung zuüben“ (Frauen-Zeitung 27/1850). Die Zweckmäßigkeit einer gesonderten, autonomen Vereinigung für Frauen bei grundsätzlich gleichen politischen Zielen mit der demokratischen Opposition wurde also reflektiert. Die Frauen kamen zu dem Schluss, dass da, wo ihre Interessen mit denen der Männer nicht identisch sind, sie sich untereinander assoziieren müßten (Frauen-Zeitung 4/1849); auch sie machten bereits die bittere Erfahrung, daß die „Linken“ die Frauen nicht unbedingt unterstützten (Frauen-Zeitung 5/ 1850).*4

Die Frauenvereine ereilte das Schicksal aller Arbeiterassoziationen und -vereine, sie wurden mit gleicher Härte verfolgt. Seit der Mitte des Jahres 1850 wurden sie aufgelöst, zunehmenden Repressalien ausgesetzt durch Haussuchungen, Beschlagnahmungen der Vereinskassen, Verhaftungen der Vorstände und schließlich ganz verboten (Frauen-Zeitung 17, 22, 30, 40/1850) usw.). Als die ersten Versammlungen in Gegenwart von Polizisten stattfanden, lästerten die Frauen noch: „Die bewaffnete Macht wird sich doch unmöglich vor den Frauen fürchten?“ (Frauen-Zeitung 13/1850).*4

Die in nahezu allen Bundesstaaten nach 1850 erlassenen Vereinsgesetze verboten „Frauenspersonen“ und Minderjährigen nicht nur die Mitgliedschaft in politischen Vereinen, sondern sogar den Besuch politischer Versammlungen. Insbesondere die Vereinsgesetze, die mehr als ein halbes Jahrhundert gültig waren (in Preußen bis 1908), nahmen den Frauen alle öffentlichen Rechte und Einwirkungsmöglichkeiten und trugen wesentlich dazu bei, die ersten Anfänge einer deutschen Frauenbewegung zu zerstören. Die scharfe staatliche Repression gegen die Vereinigung von Frauen und Organisation von Fraueninteressen liefert jedoch nicht zuletzt einen Beleg für die politische Bedeutung der deutschen Frauenbewegung um 1848.*4

Mit der Niederschlagung der Badischen Revolution endete auch die erste deutsche Frauenbewegung. Frauenvereine wurden überwacht, ihre Versammlungen verboten, Vorstände verfolgt und schließlich politische Vereinigungen von Frauen durch die Vereinsgesetze vieler deutscher Staaten für Jahrzehnte unmöglich gemacht.

Brandkatastrophe in Donaueschingen am 5. August 1908.
Hier spendete der Frauenverein den Geschädigten 30 Mark.

Umso bemerkenswerter ist ein späterer Nachweis aus Hüfingen. Im Jahr 1908 spendete der Frauenverein 30 Mark für die Geschädigten der verheerenden Brandkatastrophe in Donaueschingen*2. Damit ist belegt, dass es in Hüfingen auch Jahrzehnte nach der Revolution noch einen Frauenverein gab.

Auch in der Festschrift von 1914 vom Gausängertag von 1914 wird der Hüfinger Frauenverein im Zusammenhang mit dem Krieg von 1870 erwähnt. Ob es sich dabei um eine unmittelbare Fortführung des 1849 gegründeten Vereins handelt oder um eine spätere Neugründung, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen.

Fest steht jedoch, dass der Hüfinger Frauenverein bereits 1849 bestand – zu einer Zeit, als organisierte politische Frauenvereine noch eine Ausnahme waren. Erst mit dem Badischen Frauenverein entstand ab 1859 wieder eine dauerhaft organisierte Frauenbewegung im Großherzogtum Baden.

(1) Begegnungen mit dem 925-jährigen Hüfingen, Hugo Siefert, Schriften der Baar Bd 52 ab Seite 17, (2009)

(2) Hüfingen 1083-2008 Beschreibung einer Stadt im 925. Jubiläumsjahr. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 9, Hugo Siefert (2009).

(3) Hüfingen und die Badische Revolution. Von Biedermännern und Heckerhüten. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 3, Beatrice Scherzer (1998).

(4) Über die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848. Von Ute Gerhard in Frauen suchen ihre Geschichte (1982)

Skulptur in Donaueschingen am Bahnhof

Hüfinger Frauenverband im Schwarzwälder Hausschatz 2025

Unterstützung für die republikanischen Rebellen 1848/1849

Teile vom Artikel unten erschienen im Schwarzwälder Hausschatz 2025
zusammen mit dem großen
Franz Filipp sel.A.

Den Hausschatz gibt es beim

Heute wäre Eva von Lintig 95 Jahre alt geworden – Hüfingens einzige Ehrenbürgerin.

Unvergessen.

Heute wäre die Hüfinger Ehrenbürgerin, Gründerin des Stadtmuseums und langjährige Stadträtin Eva von Lintig 95 Jahre alt geworden.

Sie stammte aus einer Familie, in der Naturschutz gelebt wurde. Als Tochter von Dr. Erwin Sumser und später als Ehefrau von Dr. Harm von Lintig standen ihr sicherlich Türen offen, die anderen Frauen ihrer Generation oft verschlossen blieben. Doch hindurchgehen musste sie selbst. Was sie daraus machte, war ihre eigene Leistung.

Sie hat uns gezeigt, was selbst in Hüfingen möglich ist, wenn jemand eine Idee, Beharrlichkeit und den Mut hat, für seine Überzeugungen einzustehen. Geschichte und Naturschutz waren für sie keine Schlagworte – sie hat beides gelebt: leise, glaubwürdig und mit einer Beharrlichkeit, die so manchen zum Umdenken brachte.

Zu ihrem 90. Geburtstag erzählte sie mir mit einem verschmitzten Lächeln, sie habe die Männer im Gemeinderat immer „ein bisschen vor sich hergetrieben“. Das war typisch Eva von Lintig: freundlich, klug, streitbar und mit feinem Humor.

Menschen wie sie hinterlassen mehr als Erinnerungen. Sie hinterlassen Spuren – in einer Stadt, in ihrer Geschichte und in den Herzen der Menschen, die sie kennenlernen durften.

Wer sich heute für Geschichte, Natur oder unsere Heimat einsetzt, geht auch ein Stück auf den Wegen weiter, die Eva von Lintig mit angelegt hat. Dafür gebührt ihr bis heute unser Dank.

Eva von Lintig und Bertold Hummel
Bertold Hummel und Eva von Lintig im Jahr 1993
März 2003 mit Dr. von Lintig
März 2003 mit Dr. von Lintig
2003 in der Rathausgalerie
2003 in der Rathausgalerie
2021 an ihrem 90. Geburtstag
2021 an ihrem 90. Geburtstag

Eva von Lintig ist tot

11. September 2023

Die Hüfinger Ehrenbürgerin und Gründerin des Stadtmuseums Eva von Lintig ist gestern, am 10. September, im Alter von 92 Jahren verstorben.

Da ich vermute, dass die SPD und auch das Stadtmueum einen würdigen Nachruf verfassen, verzichte ich hier darauf.

Mein herzliches Beileid an die Familie!

Hüfingen’s Infamous Reflecting Pool

The greatest blue reflecting pool. Tremendous craftsmanship. Absolutely beautiful. Perfectly restored in the magnificent colors of Hüfingen. Strong blue. Beautiful blue. Nobody does blue better than Hüfingen. People come from everywhere to admire it. The greatest reflecting pool in the history of reflecting pools. Everybody agrees!

Marienbrunnen à la Christo

Der Marienbrunnen unter der Haube am 23. Juni 2026

Marienbrunnen

Gemälde von Hans Schroedter von Hüfingen mit Mariabrunnen und Stadtkirche
1925 von Hans Schroedter

Das Ölgemälde aus 1929 von Karl Merz befindet sich irgendwo im Besitz der Stadt Hüfingen.
Postkarte von Andreas Weißhaar.
Hüfingen im Jahr 1930
Der Marienbrunnen im Jahr 1930
Auf dem Bild ist die Stadtkirche und der Marienbrunnen zu sehen
Marienbrunnen gemalt von Hans Lang
Foto: Alfred Riegger

Im Zuge der Neugestaltung des Stadtbächles wurde 1964 auch der Marienbrunnen vor das neue Rathaus versetzt. Die bisherige achteckige Form des Brunnenbeckens sollte erhalten bleiben, aber das Becken mußte völlig erneuert werden. Der graue Sandstein war sehr verwittert und wurde durch große Betonflickstellen zusammengehalten.

Marienbrunnen vor dem Rathaus. Altes Fotos von German Hasenfratz
Marienbrunnen mit geflicktem Fundament vor 1964
Foto: German Hasenfratz
vermutlich am selben Tag aufgenommen mit geringfügig anderer Perspektive.
Bild im Rathaus von German Hasenfratz aus dem Jahr 1978
Bild im Rathaus von German Hasenfratz aus dem Jahr 1978
Marienbrunnen vor dem Rathaus
Der Marienbrunnen im Oktober 2025
Mari von Johann Baptist Riegger
Mari von Johann Baptist Riegger

Quelle: Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter (1984)

Der Marienbrunnen von Johann Baptist Riegger

Im Jahr 1703 erhielt der Brunnen vor dem Rathaus den Namen Marienbrunnen und wohl auch ein Marienbild das etwa 1850 von Xaver Reich war. Da der laufende Brunnen besonders stark unter Witterungsschäden zu leiden hatte, waren häufig Erneuerungsarbeiten notwendig.

Die Marienstatue die heute auf der Brunnensäule steht wurde von dem Bildhauer Johann Baptist Riegger geschaffen.

Johann Baptist Riegger wurde am 11. Juni 1855 in Hüfingen als Sohn des Lägelwirts Mathias Riegger geboren und erlernte bei Xaver Reich den Beruf des Bildhauers. 1892 ging er nach Strasbourg und am 14. Februar 1916 legte er dem Gemeinderat von Hüfingen die Federzeichnung des Marienbrunnens vor. Der Gemeinderat erteilte dem Hüfinger Bildhauer in der Fremde den Auftrag zum Preis von 750 Mark und Riegger schuf mit der Madonna auf dem Rathausbrunnen eines seiner letzten Werke. Er starb am 26. September 1916 in Strasbourg.

Bildhauer, (C) (* Hüfingen, Baden, 1855 † Straßburg 26.9.1916).
Sohn von Matthaeus Riegger, Gastwirt, und Agathe NN. ∞ Margareth Maria Herzog (* 1852 in Zwettl, Österreich, † Straßburg 28.10.1913), Tochter von Ignatius Herzog und Maria NN. Kam 1892 nach Straßburg.

Medaillon von Bucer in der Église Saint-Thomas.
Foto: Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Schöpfer von 22 Medaillons, die die Fassaden der National- und Universitätsbibliothek Straßburg schmücken, sowie von sechs Kaiserstatuen, die einst die Fassade der Grande Poste zierten: Barbarossa, Rudolf von Habsburg, Maximilian I., Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.; die letzten drei wurden 1918 enthauptet. Riegger schuf 1891 auch das Medaillon von Bucer (Église Saint-Thomas) und die beiden Statuen, die das Elsass und Lothringen darstellen, an der Fassade des heutigen Nationaltheaters von Straßburg, das nach 1920 zum Konservatorium und nach 1946 zum Konservatorium und Nationaltheater wurde, sowie die Büste von Jules Sengenwald und die Statue „Fleur épanouie” (Blühende Blume).

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