Vielen Dank an Tobias Korta für die Überlassung des für Hüfingen relevanten Artikels aus dem Staatsarchiv Freiburg mit dem Titel: Materialsammlung zur Familie Curta in Freiburg / 1933-1934 / T1 (Zugang 1992/0346).
Von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 über seinen Großvater.
Über Franz Joseph Curta (*10. Februar 1801 in Hüfingen – 1861 in Donaueschingen) wird berichtet dass er teilweise die Revolution von 1848 als Fahnenträger mit gemacht hatte und die von den Hüfinger Frauen gestickte Fahne trug. Er rettete sie beim Rückzug indem er das vom Stock entfernte Tuch um den Leib wickelte.
Was weiterhin aus der Fahne wurde wird nicht erläutert.
Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen! Worte können unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern.
(*1, 2, 3 Erste Version war am 15.01.2020)
Paul Revellio
Paul Revellio hat beschrieben wie am 10. April 1848 Friedrich Hecker von Konstanz aus die in Hüfinger Wirtshäusern versammelten Bauern, Tagelöhner und Handwerker aufgerufen hat, sich bewaffnet den Donaueschingern anzuschliessen:
Dezember 1848 Carl Revellio, Bürgermeister Joseph Hug und Sägewerksbesitzer Wilhelm Steiner gründen mit einer Art Rütlischwur den bald 114 Mitglieder umfassenden und stets im Ratssaal tagenden Volksverein. (nach 3)
Die Ackerbürgerschaft ging also in der bewegenden und bewegten Zeit auf die Barrikaden und machte 1848/49 Revolution über ihre Wehrausschüsse und über den Volksverein, unter dessen 114 Mitgliedern keine Frau war. (1)
Deshalb gründete sich 1849 der 130 Mitglieder zählende Frauenverein und setzte sich auf seine Weise für eine Veränderung ein.
Der Verein hatte mit den 130 Mitgliedern mehr als der Hüfinger Volksverein. Leider gäbe es im Hüfinger Stadtarchiv keine Hinweise auf die Tätigkeit des demokratischen Frauenvereins (3). Da ich weiß, dass dort Seiten aus den Büchern heraus getrennt wurden, könnten diese Hinweise durchaus nachträglich vernichtet worden sein.
Josefa Reich, geborene Elsässer (1823-1900)
Elisabeth Reich 1819-1871
Elisabeth (Lisette) Heinemann, geb. Reich 1819-1871
Josepha Reich geborene Schelble. Foto von 1865
Katharina Nober 1805-1871
Josefa Reich, geb. Elsässer (1823-1900)
Durch mehrere Berichte im Donaueschinger Wochenblatt gibt es aber einige Hinweise auf das Treiben des Vereins:
Hüfingen, 13. Juni. Eine ziemliche Anzahl hiesiger Frauen und Jungfrauen hat sich vereinigt, die hiesige Wehrmannschaft teils durch Geldbeiträge, teils durch Fertigung und Anschaffung der zum Felddienste erforderlichen Bedürfnisse nach Kräften zu unterstützen.
Zu demselben Zwecke wurden deshalb von jenen folgende Gegenstände und Geldbeträge bereits geliefert:
Kleidungsstücke und Weißzeug. 1 Schlafrock, 1 gestrickter Kittel, 80 Hemden, 19 Leintücher, 36 Handtüchlein, 18 paar Unterhosen, 72 paar Socken. Verbandsgegenstände. 138 Verbandtüchlein, 146 Binden, 12 Säckchen, 1 Korb voll Charpie. Ferner: 1 Couverte. An barem Gelde 31 fl. 40 kir. An das Finanzministerium wurden schon früher eingesandt 61 f. 36 kt. zusammen 93 fl. 16 kr.
Indem man dieses hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringt, wird den edlen Spenderinnen zugleich der Dank ausgedrückt für ihre wohltätige Unterstützung und warme Teilnahme am Kampfe für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes.
Der Civilkommissär Häfelin
Donaueschinger Wochenblatt 13. Juni 1849
*Fotos aus „American Dreams“ im Haus der Geschichte Stuttgart, Dezember 2023
Friederich Hecker’s Abschied in Strasbourg auf seiner Reise nach Amerika. Setzt Eure Hoffnung nicht auf mich allein, einen sterblichen Mann, sondern auf Eurer gutes Recht und Euren eigenen Muth, auch ich verzweifle nicht an dem Gelingen der gorssen Volkssache, ungeachtet ich Vaterland, Frau und Kinder verlassen muss, ungeachtet mir mein mühsam erworbenes Gut genommen, und die Fürstenknechte mit ihrem aussaugenden Gefolge mich noch täglich vor der Welt mit Schmähungen übergiessen – nie ist eine große Sache ohne Opfer errungen worden!
Friedrich Hecker’s Ankunft in Nord-Amerika. Nach 14 tägiger Seereise betrat der edle Republikaner mit seinem Freunde Schöninger den freien Boden Nord Amerikas. Dort wurde ihm von seinen unzähligen Freunden ein Empfang bereitet, wie wenige gekrönte Häupter dessen sich rühmen können. Durch die oberste Behörde persönlich bewillkomt, wurde er Ehrengast der gesamten Freistaaten. Dort wird er freiere Staalseinrichtungen beobachten, und einst in sein bedrängtes Vaterland zuruckgekehrt, verwirklichen, was von so vielen als unerreichbar dargestellt wird.
Der Frauen- und Jungfrauen-Verein.
Das teure Vaterland ist in Gefahr, So rüstet euch, ihr edle Nationen, Bewaffne dich, du treue Männerschaar, Es gilt die stolzen Fürsten zu entthronen, Es gilt gerechtem Völkerkrieg, Der goldnen Freiheit ihren Sieg!
So ruft das edle Volk von Ost bis West, So ruft es selbst in Nordens düstern Gauen; Drum mutig auf was Gott am Leben läßt, Die Tyrannei soll eure Wunder schauen: Es gilt gerechtem Völkerkrieg, Der goldnen Freiheit ihren Sieg!
In Ungarn wo der Söldnerkampf erbraust, Dort seht ihr umgestürzte Trümmer rauchen; Mit Zorn geballt ist jede Mannes-Faust, Das Flammenschwert in Fürstenblut zu tauchen: Es gilt gerechtem Völkerkrieg, Der goldnen Freiheit ihren Sieg!
So schleudern höhnend die Tyrannen jetzt, Des Blitzes Glut in unserm deutschen Lande Eidbrüchige! ihr habt den Schwur verletzt, Habt aufgelöst der Gesellschaft Bande: Drum gilt’s gerechtem Völkerkrieg, Der goldnen Freiheit ihren Sieg!
Es stehen selbst des Volkes Frauen ein, Die friedlich sonst im eignen Hause wohnen, Und bilden einen Tätigkeits-Verein, Zur Unterstützung deutscher Legionen: Ja, gilt es doch dem Völkerkrieg, Der goldnen Freiheit ihren Sieg!
Jungfrauen, Frauen, kommt und schaaret euch! Besorget, spendet eure Kampfesgaben! Die allgemeine Not macht alle gleich, Und Alle werden sich am Siege laben: Drum „Vorwärts,“ Gut und Blut dem Krieg, Um jeden Preis der Freiheit Sieg!
Der Frauen und Jungfrauen Verein dahier zählt nun 130 Mitglieder, die alle gern und willig bereit sind, dem Zwecke des Vereins zu dienen, und daher freudig ihre Gaben auf den Altar des Vaterlandes niederlegen. Damit aber der Verein glücklich bestehe und gedeihe ist nötig, daß unter den Mitgliedern stets Einigkeit sei und bleibe. Daß diese sowohl von den gegenwärtigen als auch von den allenfalls noch beitretenden Mitgliedern gepflegt werde, steht zu erwarten, da alle vom Geiste der Eintracht und Liebe beseelt sind, womit sie an der guten Sache Anteil nehmen und Unterstützung da gewähren wollen, wo es notwendig ist.
Hüfingen, den 27. Juni 1849. Die Vorsteherin: Karoline Höfler. Die Schriftführerin: Elisabetha Gilli.
Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849
Elisabetha Gilly geboren am 16.05.1825 und verheiratet am 08.01.1852 mit Markus Frey aus Hausen vor Wald, Gastwirt zum Löwen.
Karoline Höfler. Geboren als Karoline Aberle um 1817. Eltern Andreas Aberle und Magdalena Eytenbenz aus Möhringen. Wirtin vom Gasthaus Löwen. Ihr Mann Michael Höfler stirbt 1842 mit nur 29 Jahren.
Elisabetha Gilly war die Tochter von Josef Gilly aus Hondingen und Agatha Wagner. Sie wurde nach ihrer Großmutter Elisabetha Martin benannt.
…und an hohen Festtagen spielte er in der Kirche die Orgel, und der „Leuenbaschi” (Löwenwirt) sagte dann: „I ha’s bim erschte Griff scho gmerkt, daß es nit de Prezepter Thäddä ischt!” Dieser, der pensionierte Präzeptor Thaddäus Bader, war nämlich stets noch Organist.
Denkbuch von Lucian Reich 1896
Foto von Wikimedia von einem Frauenverein um 1900
Hüfingen, 27. Juni. Es ist wahrhaft erfreulich, wenn man wahrnimmt, wie hiesige Frauen und Jungfrauen in bedeutender Anzahl sich gleichsam wetteifernd bestreben, beim gegenwärtigen deutschen Freiheitskampfe unterstützend mitzuwirken, so viel sie nur immer vermögen. Dies beweist, wie sehr sie erkennen, was dem Volke und Vaterlande not tut, und was der Geist der Zeit fordert.
Dieselben haben darum einen Verein gebildet, wohlwissend, daß das Wirken für eine edle Sache nur durch vereinigte Kraft mit segenbringendem Erfolge gekrönt sein kann. Diesem Vereine haben sie daher Festigkeit verliehen durch angemessene Statuten, welche am 18. d. M. festgesetzt wurden, an welchem Tage sonach der Frauen- und Jungfrauen-Verein daselbst seine förmliche Konstituierung erhielt.
Der Zweck desselben ist zunächst die Teilnahme an den allgemeinen Freiheitsbestrebungen, die Unterstützung der hiesigen Wehrmannschaft und solcher hiesiger Personen, welche im Dienste der Freiheit unglücklich werden. Zur Erreichung dieses Zweckes werden alle 14 Tage von den Mitgliedern Geldbeiträge in die Vereinskasse entrichtet, die jedoch nicht festgesetzt, sondern dem Ermessen eines jeden Mitgliedes anheim gestellt sind. Auch werden Kleidungsstücke und zum Feld- und Wehrdienste erforderliche Bedürfnisse herbeigeschafft. Über schon früher eingegangene Beiträge und angeschaffte Gegenstände wurde schon am 13. d. M. vom Civil-Kommissär daher in diesem Blatte berichtet.
Es wurde nun noch von den Frauen und Jungfrauen eine neue, äußerst geschmackvolle und sinnreiche Fahne angeschafft und gefertigt. Am 20. d. M. fand die feierliche Übergabe derselben an das Bataillon des ersten Aufgebots des diesseitigen Bezirkes auf dem quadratförmigen, freien Platze bei der Kirche dahier statt: die Frauen und Jungfrauen des Vereins bildeten vom Rathause aus, wo sie sich gesammelt hatten, in festlicher Kleidung mit dreifarbigen Bändern und Schärpen geschmückt, einen Zug. Demselben voran gingen drei hierfür erwählte Jungfrauen, von denen eine derselben die zu übergebende Fahne trug, die dann, nachdem der Zug auf dem dem genannten Platze angekommen war, die Fahne nach gehaltener Rede dem Bataillons-Komandanten überreichte.
In dieser Rede wurde besonders herorgehoben, daß auch das weibliche Geschlecht beim Kampfe für die Rechte und Freiheiten des Volkes nicht gleichgültig zusehe, sondern bereit sei, sich nach der ihm dargebotenen Möglichkeit daran zu beteiligen. Unter Anderm enthielt die Rede auch den Wunsch, daß, wie einst unsere tapfern und heldenmütigen Vorfahrer unter der deutschen Fahne das unerträgliche Joch der römischen Zwingherrschaft brachen, auch diese Fahne sich entfalten möge im heiligen Kampfe gegen unsere deutschen Freiheitsunterdrücker, und daß sie, vereint mit andern wackern Streitern, mit Gott zum Siege für Volk und Vaterland führen möge, auf daß endlich Freiheit, Wohlstand und Bildung sich über Alle erstrecke.
In geeigneter Weise erwiderte auch der Bataillons-Kommandant und endete mit einem Hoch auf die Frauen und Jungfrauen des Vereins. Am Nachmittage desselben Tages marschierte dann das mutige und staatliche Bataillon nach Geisingen und Möhringen, wo es bis heute harrt, um nach dem wirklichen Kampfplatze zu ziehen, wo unsere badischen Brüder schon kämpfen gegen hessische, mecklenburgische, nassauische und preußische Söldner, die noch so verblendet sind, daß sie sich mißbrauchen lassen für die Unterdrückung des Bürgers. Hoffentlich werden auch diese noch zur Einsicht gelangen, daß sie im Fürstenheere nur für ihre eigene Knechtung und Unterjochung die Waffen führen.
Vincenz Rombach im Donaueschinger Wochenblatt am 27. Juni 1849
Die Hüfinger „Wehrmanschaft“ schloß sich am 7. Juli 1849 Sigels Volksarmee an, als diese durch Hüfingen marschierte. Hier, so berichtete Lucian Reich als Augenzeuge, „sah man noch einmal sämtliche Artillerie im Schloßhof aufgestellt . Um Mitternacht bei magischem Vollmondschein machte die ganze Retirade noch einen kurzen Halt in den Gassen. Dann ging es weiter der Schweizer Grenze zu nach Stühlingen. Unterwegs verbrannte man noch die gedeckte hölzerne Wutachbrücke in Grimmelshofen“
Die vom Frauenverein angefertigte Fahne wurde allem Anschein nach bei Grimmelshofen verloren. So schreibt der „Verweser“ Gilly dem Ortsvorsteher von Grimmelshofen einen Brief mit der Bitte sich nach der Fahne zu erkundigen. Der Ortsvorsteher schrieb zurück, dass keine Fahne zurückgeblieben sei. (3)
Mit der Niederschlagung der Badischen Revolution fand der Frauenverein anscheinend noch kein Ende und existierte im Untergrund fort. So spendete der Verein 1908 für die bei der Donaueschinger Brandkatastrophe Geschädigten 30 Mark. (2)
Brandkatastrophe in Donaueschingen am 5. August 1908. Hier spendete der Frauenverein den Geschädigten 30 Mark.
Formale Zusammenschlüsse und damit eine organisierte Frauenbewegung gab es im Deutschen Bund erst ab 1859 mit dem Badischen Frauenverein.
Der Hüfinger Frauenverein war somit wohl 1849 der erste demokratische Frauenverein im Deutschen Bund und mit 130 Mitgliedern auch beachtlich groß.
(1) Begegnungen mit dem 925-jährigen Hüfingen, Hugo Siefert, Schriften der Baar Bd 52 ab Seite 17, (2009)
(2) Hüfingen 1083-2008 Beschreibung einer Stadt im 925. Jubiläumsjahr. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 9, Hugo Siefert (2009).
(3) Hüfingen und die Badische Revolution. Von Biedermännern und Heckerhüten. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 3, Beatrice Scherzer (1998).
Skulptur in Donaueschingen am Bahnhof
Hüfinger Frauenverband im Schwarzwälder Hausschatz 2025
Unterstützung für die republikanischen Rebellen 1848/1849
Teile vom Artikel unten erschienen im Schwarzwälder Hausschatz 2025 zusammen mit dem großen Franz Filipp sel.A.
Der gesamte Hieronymus liegt seit 2023 in Textform vor. Vorlage war die von Lucian Reich überarbeitete Auflage, die er zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen konnte und die 1957, von der Heimatzunft Hüfingen als Band XII der Schriftenreihe des Kreises Donaueschingen, unter großem Aufwand von Dr. Johne, veröffentlicht wurde.
Vierzehntes Kapitel gelesen aus dem Hieronymus von Lucian Reich
E freude Stund e guti Stund, s’ erhaltet Lib und Lebe gsund, doch muß es in der Ordnig goh, sust het me Schand und Leid dervo. >Johann Peter Hebel
Besuche aus der Heimat – Zur Erntezeit – Die Fastnacht
Der nahende Herbst hatte unserem Hieronymus mehrere Besuche von zu Hause gebracht, erst den Vater und die Mutter, welche kamen, nach des Lehrlings Tun und Treiben und nach der Zufriedenheit des Meisters sich zu erkundigen. Dionys, des Stabhalters Sohn, war sogar später bei ihm über Nacht geblieben und hatte mit ihm das Lager geteilt. Er hatte ihm verschiedene Grüße ausgerichtet und Neuigkeiten erzählt aus der Heimat, worunter die interessanteste gewesen, daß die Florentine immer vollkommener und schöner werde. Von sich selber konnte der junge Handelsmann sagen, daß, ohne Rühmens, sein Geschäft prächtig floriere, und daß auf dem ganzen Wald kein Geschäftsmann zu finden sei, dem mehr Geld durch die Hand laufe als ihm und seinem Vater.
Die Eltern des Hieronymus waren hoch erfreut über das gute Zeugnis, welches der Meister seinem Lehrling ausgestellt, nach Hause zurückgekehrt. Denn auch der Feldwaibel hatte ihnen halb scherzhaft die Versicherung gegeben, daß er, als Beistand, bis jetzt noch nicht den mindesten Grund gehabt, hinsichtlich der geleisteten Bürgschaft irgendwie in Sorgen zu sein.
Nicht nur im eigentlichen Geschäft, auch bei Feldarbeiten griff Hieronymus wacker ein, wobei er – dank der Erziehung daheim – in allen Sätteln sich gerecht erzeigte. – Als sein Meister, der nebenbei auch Feldbau betrieb, zur Erntezeit einmal eines Garbenbinders wegen sehr in Verlegenheit war, erbot sich der Lehrling zur Verrichtung dieses sonst nur geübten Männern anvertrauten Geschäftes. Der Meister schüttelte anfangs ungläubig den Kopf; jener aber ergriff alsbald den Bindnagel, holte aus dem Stadtbächlein die dort zum Einweichen eingelegten „Wieden“, die Magd nahm den „Schaub“ auf den Kopf, die mit frischem Wasser gefüllte „Lägel* an den Arm, und die Meisterin ging zum Antragen mit. Und siehe da – Hieronymus band die hundert Korngarben so regelrecht, wie es der geschickteste Oberknecht nicht hätte besser machen können.
Ebenso willig und gewandt zeigte er sich als Mäher. Frühmorgens, wenn kaum der erste Wachtelschlag den anbrechenden Tag verkündete, schritt er mit andern zum Tor hinaus, die Sense oder das Räff (zum Mähen der Mischelfrucht) über der Schulter, das hölzerne „Futterfäßle“ mit dem Wetzstein hinten am ledernen Gurt befestigt. Und kam er nach vollbrachter Arbeit abends heim, und waren Suppe und Sauermilch verspeist, so nahm er ungeheißen wieder das „Dangelgeschirr“ zur Hand und dengelte, auf einem Holzblock vor dem Scheuertor sitzend, mit den Nachbarn lustig um die Wette. – War dieses Geschäft besorgt und hatte er am Brunnen sich gewaschen, dann erst konnte er sich Ruhe gönnen, indem er sich ein Stündchen noch zur Familie setzte, auf das Bänklein vor dem Haus.
Wie zur Winterszeit gewisse Stuben und Stüblein Sammelorte waren für nachbarliche Abendgesellschaften, so waren es im Sommer die Bänklein vor den Häusern, bei welchen die Freunde in und außer dem Haus sich zu versammeln pflegten.
Erforderten unter der Woche die Erntearbeiten ein frühes Schlafengehen, um morgens wieder zeitig bei der Hand zu sein, so fiel diese Rücksicht am Samstagabend sowie vor einem Feiertag natürlich weg. – Da saßen sie denn oft bis Mitternacht, hemdärmelig, barhäuptig unter dem Himmel voll Sternengefunkel und Wetterleuchten, während im offenstehenden Haus nichts sich regte als das Heimchen und der laute Schlag der Wanduhr in der Stube. – Es hörte sich angenehm zu, dem Gesang der fremden Schnitter und Schnitterinnen, die in Gruppen vor dem Haus des Bauers dort noch ein Stündchen sich verkühlen lassen wollten. Und war auch der Oberamtsrat ein gestrenger Herr, so konnte es ihm doch entfernt nicht einfallen, den Schnittersleuten das Singen überhaupt verbieten zu wollen, wie dies ein halbes Säkulum später von einer nahen Amtsstadt aus geschehen sein soll.
Da es dem fruchtreichen Gau zur Erntezeit an Arbeitskräften fehlt, so kam – wie heute noch – regelmäßig Aushilfe vom benachbarten Heuberg oder von den nächsten Schweizerorten daher, jede Schar unter der Obhut eines besonderen Schnittmeisters. Auch Kinder mit Säcklein zum Ährenlesen waren dabei. War ein Großbauer nicht ganz von der filzigen Sorte, so ließ es sein in diesem Punkte löblicher Stolz gewiß nicht zu, seinem Gesinde das Zusammenrechen hinter dem Garbenbinden her zu gestatten. – Das Verzettelte sollte eben lediglich den Armen gehören.
Bevor es ganz einwinterte, war unserm jungen Freunde noch ein unverhofftes Zusammentreffen vorbehalten. Die Heugabel auf der Schulter, war er mit dem Meister und seinen Leuten zum oberen Tor hinausgeschritten, auf der Schlehwiese noch einiges Ohmdgras einzuheimsen, als von dem Wege, welcher nach dem Roten Rain führt, ein wohlbekannter Pfiff sein Ohr traf.
Das Zeichen kam von einem Patrone, welcher auch dem Leser nicht zum erstenmal vor die Augen tritt. Der Kommende trug über der Schulter, an einem glattgeschälten, äpfelbaumenen Stock, eine Anzahl Vogelkäfige, unter dem Arme, in ein hochrotes Nastuch gewickelt, eine Geige; die kurzen, hellgrün gestreiften Beinkleider waren am Knie mit flatternden Bändeln befestigt; über dem rot und gelb getupften „Leible“ glänzte eine herzförmige silberne Busennadel zum Anheften des leicht geschlungenen Halstüchleins.
Ein breiter Filzhut mit Pfauenfedern und ein zinnener Schlagring mit schwerem Knopfe am kleinen Finger der rechten Hand, womit schon manche Stirn und Nase blau oder rot gesiegelt worden, vollendeten das Kostüm eines Landfahrers; und daß es der Lange Hans sei, bedurfte für Hieronymus keines zweiten Blickes. Er war, vom Walde kommend, seiner Bande vorangeschritten, die Baar der Kirchweih willen zu besuchen.
„Auf e paar Wörtle!“ raunte er dem stehengebliebenen Hieronymus zu, indem er ihn etwas auf die Seite nahm. „Der Zufall hot mer ‚en Gang verspart; schau“, sagte er geheimnisvoll, als sie allein waren, „di haun i grad aufsuche wölle!“ -„Ihr kommt von daheim?“ fragte Hieronymus. „Es sind doch alle g’sund und wohl?“ „Alls g’sund und wohl!“ bestätigte der Lange. „Schau! Du woißt gar nit, was de for e Glückskind bist, Gott soll mi leaba lau – wenn’s nit wohr ist. Schau, i hau der no e b’sundere Gruß ausz richte von enere G’wisse – de kennst mi scho – Hieronymus!“ lispelte er verschmitzt, „schau, i hau der was z’bringen; i kenn reiche Bauresöhn, en Finger vo der Hand gäbet si drum, wenn ihne so was passiere tät; roht, was haun i do, Männle?“ Mit diesen Worten zog er ein Päcklein aus der Rocktasche. „Ihr macht Spaß, Hans“, meinte Hieronymus, mit forschendem Blick auf den Langen. „Koi bißle!“ versetzte dieser. – „Schau, i will di nit lang im Wunder lau -’s Laubhauserbaure Töchterle hot mer auftrage, i soll di schäa grüeße – und do schickt dir das Dundersmädle ne Krämle – i haun ihr’s sealber b’sorge müesse auf’m Vöhrebacher Johrmärkt; i hau scho lang g’merkt, wo Barthle de Most holt!“ Dem jungen Burschen war das Blut ins Angesicht geschossen; der Lange hatte ihm das Päcklein überreicht. Der Empfänger aber war unwillkürlich mit der Hand in die Tasche gefahren, als wollte er den wohlverdienten Botenlohn herauslangen. „Hans“, sagte er nach einigem scheinbaren Grübeln, „ich hab kein Münz, wenn Ihr aber nach der Kirchweih wieder bei mir einspreche wollt „ „Hot nix z’sage, Hieronymus! Schau, i bin die best Seel im ganze Ländle, und wenn i nor älle Leuta healfa könnt – als Menschefreund – beim Dunder, tät’s!“ – Bei diesen Worten hatte der Landfahrer seinen Hut aufs linke Ohr gedrückt; „mer schwätze noch später mit’nander von deare Sach – adjes!“ sagte er, mit einem Händedruck und streifte im Fortgehen ein Blatt vom nahen Weidenbusche, um darauf die Melodie des Liedes: „Und du kennst mi au mit“ zu pfeifen. Hieronymus aber eilte rasch seinen Leuten nach.
Das Ohmd auf der Wiese war bald in Schober gehäufelt, und der Lehrling erhielt vom Meister die Weisung, auf den Fuhrmann zu warten. Kaum sah der Zurückgebliebene sich allein, als er, aufs duftige Ohmdgras niedergelassen, sein Päcklein bedächtig und nicht ohne einige Beklommenheit öffnete. – Ein schwarzseidenes Halstuch mit roten Zipfeln fiel ihm in die Augen, dabei ein Schreiben von seiner ehemaligen Schülerin: Dieses wenige, schrieb sie, schicke sie ihm für den Kleiderkasten, den er ihr so schön renoviert und für welchen sie ihm noch nichts habe geben können. „Mich und Deine Mutter“, schloß der Brief, „dunkt es schon eine halbe Ewigkeit, seit Du fort bist, und wir reden oft von Dir und hat Dich noch keins vergessen, und wenn wir beten, beten wir auch für Dich.“ – Unten am Rande des Schreibens hatte die Briefstellerin noch ein Verslein beigesetzt:
„So viel Tröpflein in dem Meer, So viel Sandkörnlein hin und her, Als Blatt und Früchten an Bäumen sein, Als Strahlen hat der Sonnenschein, Als Gras und Kraut die Erde tragt, Als Stern und Geist der Himmel hat, So viel hunderttausend Mal seist Du gegrüßt.“
Er lag noch lange träumerisch auf dem weichen Lager und schaute aufwärts in die Luft. In den abgemähten Stoppeln zirpten die Grillen ihr eintöniges Lied, und von den nahen Schlehenbüschen zitterten vergilbte Blätter schon herbstlich zu Boden, aber Hieronymus war es zumute, als breche eben der Frühling an mit all seinen Knospen und Blüten; und wenn er hinüberschaute nach den dunkelblauen Höhenzügen des Schwarzwaldes, wo der Rauch von den Kohlenmeilern wie Säulen in die stille Luft aufstieg und das ferne Rufen und Singen vereinzelter Hirten in den Wiesen umher durch die Landschaft klang – so glaubte er tausend Grüße zu vernehmen aus der Heimat.
Der Fuhrmann war gekommen, der Wagen geladen, und der Glückliche bestieg ihn, um mit dem Hochgefühl eines Siegers durch das Tor in die Stadt einzuziehen. Die Winternebel lagen auf der Landschaft, und schon hatte es der Lehrling so weit gebracht, daß ihn sein Meister für würdig hielt, einen erst kürzlich entdeckten Grundpfeiler der bildenden Kunst kennenzulernen. Es war , die durch Vereinigung der Natur und Kunst auf den rechten Grund und Grad der Vollkommenheit gesetzte Zeichnungswissenschaft oder Proportion der Figuren von der Geburt bis zum vierundzwanzigsten Jünglingsalter«. Ein Werk, worin, beiläufig gesagt, die leibliche Gestalt des Menschen mit ebensoviel Sicherheit und Scharfsinn ausgemessen war wie seine geistige Natur in gewissen philosophischen Abhandlungen der alten und neuen Zeit. – Hieronymus brachte das Heft oft zu seinem Freunde Severin, wo die beiden im warmen Stüblein manche Mußestunde mit Zeichnen und Tuschen zubrachten.
Unter solchen Beschäftigungen verging der Winter; Advent, Weihnachten, der Neujahrstag waren vorüber sowie der Dreikönigstag; und man näherte sich der Zeit, von welcher es heißt: Lichtmeß bei Tag eß, das Spinnen vergeß. – Die Fastnacht fiel heuer ziemlich frühe, und Hieronymus freute sich, das ungewohnte Leben und Treiben dieser Tage einmal mit ansehen zu können.
Bereits einige Tage vor dem „schmutzigen Donnerstag“ , dem ersten der drei Narrentage, sah man allabendlich die Gassenjugend vor dem Untertor versammelt, wo der Baptistle, ihr Liebling, wohnte. – Welch ein Jubel und Geschrei, wenn bald da, bald dort an einem Fensterlein des Tores der Kopf des närrischen Kauzes in wunderlicher Grimasse, ähnlich dem Lällekönig zu Basel, zum Vorschein kam – oder wenn eine Hand herausfuhr, welche Wolken von Puder unter den Haufen streute – oder wenn durch irgendeinen Spalt des alten Gebäudes plötzlich eine große Schlange unter das jugendliche Publikum raschelte, die, ehe sie erhascht werden konnte, ebenso schnell wieder oben verschwand.
Baptistle bewohnte sein Torstüblein, wie Diogenes sein Faß, in Armut, aber in philosophischer Geringschätzung alles dessen, was die Menschen irdische Güter und Schätze zu nennen pflegen. – Hinter dem grünen Kachelofen lagen in bunten Haufen seine Narrenkleider, zusammengeflickte Fetzen, seltsame wunderliche Trachten, welche ihm in Ermangelung eines Bettes das ganze Jahr hindurch zum Lager dienen mußten, weshalb er auch zu sagen pflegte: es gehe nichts über ein Federbett, er habe nur eine einzige Feder darin und schlafe herrlich wie ein König, wie gut müßten erst diejenigen schlafen, die viele darin hätten. Eine gräuliche, an vielen Stellen schon geflickte Riesenschlange nebst einem ausgestopften Kalb, dessen Kopf und Hinterteil einst vergoldet gewesen, teilten mit dem närrischen Patron den engen Stubenraum. – Es war dieses Getier das einzige, was er aus der Erbschaft seiner seligen Großmutter als wünschenswert an sic gezogen, und stammte ursprünglich aus einer Zeit, in welcher man für gut gefunden, moralisch-deklamatorische Aufzüge statt der altväterischen Fastnachtspossen dem Volke zur Erbauung vorzuführen. „Ludendo corrigo mores!“ lautete das Motto auf einem noch vorhandenen Programm. Bei solch einem Umzug, wobei in Begleitung von Instrumental- und Vokalmusik die sieben Todsünden dargestellt wurden und wobei auch die Großmutter des Baptistle mitgewirkt hatte, dienten jene Tiere als symbolische Beigaben.
Wenn unser moderner Diogenes auch keinen eigentlichen Lebenszweck zu kennen schien, denn seine Narrheit war rein um ihrer selbst willen da, und grünte, um zu grünen, wie das Semper vivum, so war er doch in Wirklichkeit nicht ohne Sorgen. Diese aber bestanden nicht etwa darin, daß er sich gekümmert hätte, was er wohl morgen essen werde (dafür ließ der Philosoph unsern Herrgott und gute Leute sorgen), sein Sinn bezog sich lediglich auf die Instandhaltung und zweckmäßige Vermehrung seiner Narrengarderobe. – Ein Geschäft, welches, wenn auch unbewußt, von manch andern, sich weise dünkenden Menschenkindern ebenso sorgsam gepflegt wird!
Sah unser Baptistle eine schön geputzte Person in neuen Kleidern über die Gasse gehen, so konnte man sicher sein, daß der Narr alsbald bei jener seine Aufwartung machte, bittend um einige Abfälle von dem neuen Prachtgewande; ja, ich glaube, wäre ein neuer Alexander vor ihn hingetreten mit der Aufforderung: eine Gnade sich zu erbitten – Baptistle hätte nur um einen einzigen Zipfel des königlichen Purpurs gebeten, um damit seine Narrenjacke zu flicken!
Einmal war allgemeine Landestrauer und das Narrenlaufen von Amts wegen verboten; man mußte sich, wenn auch ungern, fügen. Baptistle aber vermochte es nicht zu überwinden, daß sein Dichten und Trachten eines ganzen Jahres, gerade als er die Früchte davon zu ernten vermeinte, verkümmert und vernichtet werden sollte. Er ging, dem Herrn Amtsrat seine untertänigste Aufwartung zu machen und demütigst die Bitte vorzutragen: ob es ihm nicht wenigstens gestattet werden möchte, maskiert den Kopf durch das Fenster zu stecken? – Dies allenfalls konnte, unbeschadet des Ansehens der obrigkeitlichen Verfügung, verwilligt werden. – Mit vielen Bücklingen nahm Baptistle die gnädigste Erlaubnis entgegen, und mit schmunzelnder Miene sah man ihn seinem Stüblein zuschreiten.
Des anderen Morgens, am Schmutzigen Donnerstag, als der Herr Rat in Seelenruhe sein Pfeifchen zum Fenster herausschmauchte, denn die Frau Rätin liebte den Qualm im Zimmer nicht, entsteht gewaltiger Rumor auf der Gasse; der Stadtknecht stürzt zur Tür herein: „Der Baptistle“, berichtet er atemlos, „erfrecht sich – narrenzulaufen!“ „Augenblicklich her mit ihm“, befiehlt mit zornglühendem Antlitz der Rat. – Und man führt den Kontravenienten vor den gestrengen Herrn. – Baptistle hatte sein stattliches Narrenhäß angetan und ein Schiebfenster als Halskragen über den Kopf gestülpt.
Überrascht starrt der Amtmann bald den Baptistle, bald dessen seltsame Halskrause an, dann aber fährt er heraus: „ Wer hat Ihm erlaubt?“ „Gestrenger Herr!“ entgegnete der Schalksnarr mit tiefer Reverenz, „haben mir ja Permission erteilt zum Maskieren und den Kopf zu meim‘ Fenster rausstrecken zu dürfen. – Das hier ist mein Stubenfenster, wo ich rausschau!“ — Ob diesem Gebaren war selbst richterlicher Ernst nicht mehr haltbar, und mit gnädigem Lächeln gab der Rat den Bescheid: „Für diesmal soll es Ihm hingehen, aber auf den Gassen laß er sich hinfüro nicht mehr blicken – verstanden?“ Der Baptistle geht.
Aber am zweiten Fastnachtstag erblicken die Einwohner des Städtleins oben am Schellenberger Wald ein seltsames Schauspiel. – Es war unser Eulenspiegel mit der Schuljugend, welcher eingedenk der Worte des Stadtgebieters: sich nicht mehr auf der Gasse blicken zu lassen, das freie Feld zum Tummelplatz seiner Narrenstreiche gewählt hatte.
Aus diesem Vorgang hätte der Herr Rat wohl merken können, daß man einen tief gewurzelten Baum nicht wohl ausreißen kann, ohne daß einige Würzelein und Zäserchen zurückbleiben, welche von neuem ausschlagen.
Als diesmal der erste Fastnachtsmorgen angebrochen, hatte sich gleich nach dem Gottesdienste wieder die ganze Kinderschar vor dem Untertor versammelt. – Als der Held nicht alsogleich erscheinen wollte, erhob sich wie bei einem Theaterpublikum Lärm und Spektakel. – Endlich rumpelt es auf der Stiege – Baptistle erscheint – und zwar in der Gestalt eines „Eselsreiters“. – Unter dem scheckigen Waffenröcklein schaut der hölzerne Kopf des Langohrs hervor, auf welchem der Ritter, im Sattel sitzend und die Zügel in der Hand, zu reiten scheint, während auf der Kehrseite Schwanz und Hinterteil des Tierleins zu schauen sind. Über der Schulter hängt die ausgestopfte Kälberhaut, eine malerische Beigabe, die ihrem Träger beinahe das Ansehen eines in die Neuzeit übersetzten Herkules verlieh.
Donnernder Jubelruf erschallt beim Anblick des Heros, der, seiner Rosinante die Sporen gebend, kühn unter den Haufen sprengt – fort bewegt sich der Troß -, während der Ritter, wie Zeus seine Blitze auf verweglich nahende Sterbliche, sein an einem Stricke befestigtes Kalb den neckenden Buben stäubend auf den Rücken schleudert. Gaß auf, Gaß ab, durch Dick und Dünn geht der Ritt, und die begleitende Schar, blau vor Zeter und Rennen, läßt im Chorus die Narrenverslein erschallen:
Alle Vöglele singet so hell Bis am Samstig z’Obed! Alle Meideli hättest mi gern, O! wie bin i ploget! Narroh!
Hideli, hädele, hinterm Städtlele Hät en Bettelma Hochzit, Es giget e Müüsli, Es tanzet e Lüüsli, Es schlagt en Igeli Trumme, Alle Tierli, wo Wädeli hond, Sollet zur Hochzit kumme! Narroh!
Somit war die Fastnacht eröffnet, dem Faß der Zapfen ausgestoßen, und nach dem Sprichwort: „ein Narr macht hundert“, ließ sich mancher vorher unentschlossene Geselle bewegen, einzusteigen ins allgemeine Narrenschiff und die zwei- oder dreitägige Lustfahrt mitzumachen.
Doch sehen wir uns gelegentlich auch einmal nach unserm Lehrling um, welche Rolle denn dieser gespielt. Wenn es schwer ist, in solch bewegtem Durcheinander den einzelnen im Auge zu behalten, so darf doch als gewiß angenommen werden, daß Hieronymus weder unter den Maskierten noch auf dem Tanzboden zu finden gewesen; denn unsere Voreltern hatten den einfältigen Glauben, daß einem Lehrjungen (so wie auch einem Schulpflichtigen) noch keine Stelle allda gebühre, und daß ein solcher, dort betroffen, von Meistern und Gesellen nach Haus gejagt zu werden verdiene. Deshalb dürfen wir mit gutem Grund annehmen, daß er unter den Zuschauern sich befunden, ein Platz, der diesmal besonders ergötzlich gewesen sein mochte.
Es waren zu jener Zeit die alten, etwas in Abgang gekommenen Nationalmasken, die „Hansel“, oder wie sie auch heißen, die „Narro“ wieder in Aufnahme gekommen; denn weil Narrheit und Mode sozusagen Geschwisterkind sind, so unterliegt auch erstere dem Wechsel der Zeit und der Laune.
Das „Häß“ dieser Hansel war kurz vorher in der Werkstatt des Meisters Amtsdiener hübsch renoviert, d. h. bunt bemalt worden.
Der Hansel oder „Heine“, in den Städten Rottweil, Villingen, Donaueschingen und Hüfingen sowie in mannigfacher Abwechslung in der Seegegend heimisch, erscheint als ein Gemisch des altdeutschen Pickelhärings und des italienischen Pantalone. Eine große Holzlarve, „Scheme„, bedeckt das Gesicht, eine Kapuze mit hängendem Fuchsschwanz, zuweilen auch ein breiter Kragen, zieren Kopf und Hals. Die weite Jacke, die schlotterige Hose, beide von weißem Zwillich, bemalt mit Laubwerk und Figuren, und die kreuzweis übergehängten Riemen mit schweren metallenen Schellen sind die Kleidung des Hansels. – Als Waffe schwingt er den hölzernen Flamberg oder die Pritsche, oder er bedient sich der weit ausgreifenden „Narrenscher“. – In allen Häusern ist ihm Zutritt gestattet; und hat er hier die Bolzen seines Witzes verschossen oder gestrehlt, wie die Villinger sagen – so betritt er sein eigentliches Lustrevier, die Gasse, wo die dankbare Jugend seiner harrt -; und daß er ja in Gang und Haltung sich nicht verrate, bediente er sich des üblichen „Narrensprungs“, unnachahmlich jedem Hergelaufenen, d. h. Fremden.
Unser Bildchen soll eine solche Hanselsszene veranschaulichen. Gelockt von Apfelkorb und Bierkrug, umschwärmt ein tobender, schreiender, haschender Haufe den Hansel, fort geht es im Takte des Schellengeklingels, und aus hundert Kehlen erschallt es lustig:
I ha de Narr am Seile, I han e recht erwischt; I laß en nimme renne, Bis d’Fasnet umen ischt!
Narro, Narro siebe sie, Siebe, siebe Narro gsi; Narro, Narro Gigeboge, Was de seist, isch all’s verloge. Narroh!
Nicht immer iedoch sind’s die alten Liedle, welche der jugendliche Troß dem „auswerfenden“ Hansel singt; manchmal bringt dieser ein neues, eigens auf bestimmte Persönlichkeiten oder Ereignisse gereimtes auf’s Tapet. – Erscheint er aber „nüchtern“, d. h. mit leeren Händen, dann muß er sich’s gefallen lassen, selbst die Zielscheibe des Spottes zu werden:
Hansele, due Lumpehund! Häst nit g’wißt, daß d‘ Fasnet kummt? Hättest ’s Muul mit Wasser g’riebe, Wär der’s Geld im Beutel bliebe! Narroh!
Dem guten Wälderkinde Hieronymus wollte das Tollen und Treiben des närrischen Theaters fast befremdlich vorkommen; ja, es war ihm anfangs unheimlich zumut, wenn ihn so ein schellenbehangener Narr auf der Straße anredete und er dann – in die finstern Augenhöhlen der großen, lächelnden Holzlarve blickend – nicht recht wußte, wie er den „hänselnden“, foppenden Ton des Schalkes passend erwidern sollte. Und da er, wie schon angedeutet – ohnedies als Lehrling zur Passivität verurteilt war, so entschloß er sich, die freie Zeit des letzten Fastnachtstages zu einem Besuch im stillen Dorfe der betagten Großeltern zu benützen. Des andern Tages, am Aschermittwoch, wollte er dann, über Villingen zurückkehrend, seinen Freund Severin aufsuchen, der dort im Wirtshaus „Zum Hecht“ jedesmal über diese Zeit bei der Tanzmusik mitwirkte. Die „Hecht“-Wirtin war die Patin des musikalischen Altgesellen, und dieser nicht der Mann, einem sich darbietenden Nebenverdienst so leicht den Rücken zu kehren.
Auch dort, in der alten vorderösterreichischen Reichsstadt, stand dazumal die Narrenzunft im höchsten Flor. Der erste Tag, der schmutzige Donnerstag, gehörte in Villingen ehedem ausschließlich der Schuljugend; da hatten die Buben das Recht, narrenzulaufen. Fiel es aber einem Jungen ein, auch an den folgenden Tagen maskiert unter die Erwachsenen sich zu mischen, so wurde er ergiffen und zur Abkühlung des allzu hitzigen Narrengeblüts in den nächsten Brunnen getaucht.
Die derben, mitunter anstößigen Späße und Possen der früheren Zeit, die rücksichtslosen Kundgebungen und verletzenden Persiflagen in Prosa und Versen sind überall verschwunden und haben löblicherweise einem harmloseren Humor das Feld eingeräumt; ebenso manche der unschönen, ständigen Figuren der alten Narrenbühne, wie zum Beispiel die „Hexe“ und der „ Wuest„, die es mit ihren Besen in der Hand lediglich auf Scharmützel mit den Gassen-buben abgesehen hatten, sowie auch der wild sich gebärdende „Butzesel*, der stets von einer Anzahl Narros begleitet sein mußte, die ihn mit Peitschenhieben von beliebten Angriffen auf das, namentlich ländliche, Publikum abzuhalten hatten.
Wueschtvater a.D. Roland Weißer
Als der Held unserer Erzählung, nachdem er bei den Großeltern übernachtet, am Aschermittwoch-Nachmittag die Stadt Villingen betrat und über den Marktplatz schritt, bemerkte er dort viele, müßig um ein schwarzes Gerüst herumstehende Leute, und weiterhin in einer Gasse sah er leidtragende Männer in schwarzen Ratsmänteln mit langen, flatternden Trauerflören daherkommen. – Schon wollte er einen Vorübergehenden fragen, was für eine vornehme Person denn begraben werden solle, als ihm einfiel, es werde wohl der alten Fastnacht gelten. Denn schon in Hüfingen hatte er gehört, daß heute auch dort die Fastnacht „begraben“ werden sollte.
Mit Severin, den er richtig noch im „Goldenen Hecht“ traf, konnte er sodann Zeuge sein von dieser, im Charakter damaliger Zeit liegenden (jetzt aber erfreulicherweise nicht mehr gebräuchlichen) Zeremonie. – Nachdem sie im Wirtshaus zusammen eine Flasche geleert und sich die von der Gotte „Hecht“-Wirtin zubereiteten Fastenküchle trefflich schmecken lassen, begaben sie sich auf den Marktplatz, wo man auf einer Art Sarkophag die irdischen Reste der Entschwundenen – in Gestalt eines mit Stroh ausgestopften Narros – bereits enthüllt auf dem Paradebett liegen sah.
Mittlerweile hatte der Zug sich gebildet. In den wunderlichsten An- und Aufzügen, eine antiquarische Blumenlese aus allen Gerümpelkammern des Orts, waren die Teilnehmer herbeigekommen, ohne Larven, nur mit bemalten oder berußten Gesichtern. Die Agnaten und nächsten Anverwandten der allerhöchst Vergangenen trugen alle schwarze Ratsmäntel, von welchen sich dazumal in jedem Hause mindestens ein Exemplar vorfand, weil kein Bürger ohne diesen Mantel vor Rat erscheinen durfte. – Unter lautem Wehklagen und Seufzen setzte sich der Kondukt in Bewegung, voran die Totengräber und der Standartenträger, hinter ihnen die von vier Narro getragene Bahre, dann sämtliche in Sack und Asche trauernden Zunftgenossen, und ganz zuletzt trippelte – als Hauptperson der Feierlichkeit – die „Leidfrau“, in einem Kostüm, wie die Hex vor Tag, wie man zu sagen pflegt. Aller Spott, alle schlechten Witze, gereimt und ungereimt, wurden von den das Geleite umschwärmenden Zuschauern auf die Leidfrau losgelassen, die in unbändigstem Schmerze sich die Haare ausraufte und ganze Fetzen aus ihrer antiken Gewandung riß.
Am meisten Spaß hatten Hieronymus und sein Begleiter an der Person des mit vielen hohen – nunmehr aber schwarzverschleierten Orden gezierten Hofastrologen der jüngst verwichenen Herrscherin, der gravitätisch unter den übrigen traurigen Hof- und Kammerlakaien einherschritt. Durch den oberen Teil einer Kunkel schaute der gelehrte chaldäische Doktor, wie durch ein Fernrohr, beständig nach den Sternen, als sollten dort – wie dies beim Tode mächtiger Potentaten schon der Fall gewesen sein soll – außerordentliche Zeichen und wichtige Ereignisse verkündende Konstellationen sich zeigen; und eben wollte er dem mutwilligen Publikum den nahe bevorstehenden Weltuntergang prophezeien, als er – zum nicht geringen Gelächter der Zuschauer – auf einer, durch das herrschende Tauwetter schlüpferig gewordenen Stelle ausglitschte und – ziemlich unsanft zunächst an seine eigene Hinfälligkeit erinnert wurde.
Das Ziel des Zuges war – eine bittere Ironie auf den Ausgang aller menschlichen Lust und Herrlichkeit – der große Dung- und Kehrichthaufen am Spital, der den Leichnam aufzunehmen bestimmt war. Große Eile hatte es übrigens damit nicht; denn überall, wo man unterwegs ein Wirtshaus traf, wurde haltgemacht und das grambeschwerte Herz mit der süßen Bacchusgabe zu erleichtern gesucht.
Am genannten Orte angekommen, ging sodann die Versenkung mit allerlei Parodien und einer Predigt vor sich – wobei manche alte Narren – wie Hieronymus und Severin zu bemerken glaubten – in ihrem Katzenjammer wirkliche Tränen vergossen – wahrscheinlich im betrübenden Gedanken an ihre so leicht gewordenen Geldbeutel und an die Buß- und Fastenpredigten, die ehelicherseits zu Hause ihrer warteten.
Unsere Schilderung aber sei mit dem bis auf den heutigen Tag noch gültigen Sprichworte geschlossen:
„Würden alle Narren Kolben tragen, so würde das Holz teuer.„
Drei Filme der Hüfinger Fasnet von 2015
Hier noch zum Vergleich ein Filmchen von 2014 mit Villinger Narros
Und weil es so schön passt hier noch der Hexensunntig in Bräunlingen 2011
ergänzt mit Fotos und Infos, Originalbeitrag vom 16. Dezember 2022
Der Leinenweber, bzw. Tuchmacher Johann Martin Nober wurde am 9.01.1688 in Hüfingen geboren und verstarb ebenda am 27.11.1741. Ein Enkel, Joh. (C)Kaspar Nober (1765-1842) wurde Tuchmachermeister und kaufte das Haus an der Hauptstraße 5.
Katharina Schelble, geborene Götz (1760-1847)
Sohn Johannes Evangelist Nober (18.10.1806-11.02.1887) heiratet Katharina Schelble (1806-1871, Tochter des Korrekturhausverwalters Franz Josef Schelble und Katharina Götz). Mit der Heirat wird Luzian Reich der Ältere sein Schwager, da dieser mit der Schwester von Katharina, Josepha Schelble, verheiratet ist. Der Bruder der beiden Schwestern ist der berühmte Musiker Johann Nepomuk Schelble.
Die Fabrikantenfamilie Nober betreibt auch eine Weberei außerhalb in der Donaueschinger Straße.*
J.C. Nober ist hier der Sohn Johann Evangelist Nober 16.10.1806 -11.02.1887
Die Anfänge des Hauses Hüfingen Hauptstraße 5 sind nicht geklärt.
Haus J.C. Nober etwa 1900
1953
Haus Nober 1910
Haus J.C. Nober etwa 1930
1978
Haus Nober 1998
Die Hauptstrasse als wesentlicher Teil der Vorderstadt scheint nach einem Brand irgendwann um 1400 erbaut worden sein. 1702 Abriss des alten oberen Schlosses und Beginn eines Neubaus durch die Fürstenberger. Es werden auch Steine des alten hinteren Schlosses verwendet. Bis 1744 wohnte der Fürst von Fürstenberg zeitweise selbst im Schloss.
Das Haus Hauptstraße 5 muss irgendwie mit dem Schloss zu tun gehabt haben und möglicherweise auf Grund der Stilrichtung in Richtung Barock zwischen 1702 und 1744 errichtet oder wenigstens modernisiert worden zu sein.*
Auf einer Karte von 1786 besitzt das Haus schon den heutigen Grundriss (leider keine Quelle in dem Zeitungsartikel).
Alle Bürger Hüfingens, egal welchen Handwerks, hatten im Nebenerwerb noch etwas Landwirtschaft und so hatte auch das Haus Hauptstraße 5 noch bis 1960 eine Scheuer und noch Relikte von Aufbewahrungsräumen und möglicherweise kleine Stallungen.
Ende 18.Jhd war es nachweislich das Gasthaus zur Sonne.*
Das Sonnenkreuz trägt im Fuße des Sockels die Jahreszahl 1783
Thomas Winterhalder von der Kalten Herberge (Urach) hatte das Haus 1811 gekauft und war bis 1816 als Besitzer und Wirt eingetragen. Winterhalder war mit Maria Mayer (1769 –1813 ) verheiratet und hatte 8 Kinder, ein Sohn war Matthä Winterhalder (23.07.1799-18.11.1863). Thomas Winterhalder war Uhrmacher und dessen Sohn gründete ca. 1850-1860 die Firma Winterhalder und Hofmeier (W&H, Schwärzenbach). (Infos per E-Mail von Dr. Peter Schlesselmann).
Nach dem Tod von Maria Mayer hatte Winterhalder das Haus 1815 an seinen Pächter Fischerkeller verkauft und zog nach Fiedenweiler. Er hatte aber noch eine Hypothek von 2500 Gulden auf dem Besitz.
Im Jahre 1823 erwarb urkundlich Johann Caspar Nober das Haus Hüfingen Hauptstraße 5 durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder bzw. seinem Pächter und seit 1815 auch Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853).
Fischerkeller war mit Martha Engesser verheiratet (seit 1813) und baute sich ein neues Gasthaus zu Sonne an der Schaffhauser Straße.
Fischerkeller musste diese “Winterhalder- Hypothek“ auf sein neues Anwesen übertragen, damit J.C. Nober den vollen Kaufpreis an Fischerkeller bezahlen und die Eigentumsübertragung erfolgen konnte. *
Hier ruht Johann Babtist Fischerkeller geboren zu Donaueschingen den 21ten August 1749. gundler Kaplan zu Jungnau druch 13 – zu Kaseifingen G_ und endlich dazu ad 6. Blasium durch 26 Jahre ? seine irdische Laufbahn den 21 ten Juny 1852. Gott gebe Ihm und allen ? die Ewige ? Amen
Aufnahme „Fischerkeller“ von 1880. Vermutlich Ferdinand oder Mathias, Gastwirt zur Sonne
Caspar Nober stellte im Haus Webstühle auf und betrieb eine Woll-und Textilweberei. Er hatte das Geschäft der Weberei von seinem Vater, Johannes Nober (16.12.1719-13.09.1788) und Großvater Martin Nober (9.01.1688 -27.11.1741) erlernt. (Fa. Martin Nober und Comp).
In dem Universal Lexikon von dem Großherzoglichen Baden von 1843 steht unter anderem: „Hüfingen hat 238 Häuser…. Herr Xaver Reich hat hier ein Bildhaueratelier…. In diesem Schloss wohnen gewöhnlich die Witwen aus der Fürstenbergischen Familie. Unweit des Schlosses steht eine Nobersche Spinnmaschinenfabrik für Tuchweber, wobei 12 Arbeiter beschäftigt sind…..“*
Später betrieb Caspar Nober zusammen mit seinem Sohn Johann Evangelist Nober die Weberei in noch größerem Stil in der Schaffhauserstraße (nach dem 2. WK Schreinerei Schelble). Firma Caspar Nober und Sohn.*
Maria Heinemann (23.12.1857-19.05.1948)
Maria Josepha Heinemann am Brunnen an der Hauptstrasse 52 mit ihrer Cousine Elisabeth Heinemann (Grießhaber). Maria Heinemann war die Tochter von J. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich, der Tochter von Luzian Reich.
Marie Heinemann und Joh. Karl Nober
Maria Nober (geborene Heinemann) im Jahr 1878
Johann Evangelist jüngster Sohn (von 14 Kindern), Johann Karl Nober (11.04.1850-11.12.1920) heiratete Maria Josefa Heinemann (23.12.1857-19.05.1948) die Enkeltochter von Luzian Reich und Tochter des Litographen Joh. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich. Sie übernahmen später die Hauptstraße 5, handelten dort mit Woll- und Textilwaren und nannten sich J.C. Nober, wie schon der Vater in seiner Todesanzeige. Das Gründungsdatum des Geschäftes wurde auf den Beginn der Nobers in diesem Haus mit 1823 festgeschrieben.
Eingang mit alter Tür 1974
Glasnegativ von Wilhelm Kratt (1869-1949), Generallandesarchiv Karlsruhe
Die Spinnerei in der Schaffhauser Straße wurde von seinen Brüdern weiterbetrieben und wurde 1875 geschossen.*
Robert Rosenstiel und Klara Nober. Im Hintergrund das Gemälde von Marie Heinemann.
Das Wollgeschäft des Johann Karl Nobers funktionierte erfolgreich weiter und wurde später an den Schwiegersohn Robert Rosenstiel aus Unadingen übergeben.
Maria Josepha Nober, geborene Heinemann in der Hauptstr. 5
*Alle Daten und Infos sind aus dem Sippenbuch von Hüfingen und den unten aufgeführten Zeitungsausschnitten.
Hüfingen, 15. März 1927 Zur Zeit läßt Herr Kaufmann Robert Rosenstiel in seinem alten Patrizierhaus dem ehemaligen Gashaus zur Sonne die Zimmer renovieren. Dabei wurden im oberen Stock die Deckengemälde blosgelegt, von deren Vorhandensein die Familie wohl Kenntnis hatte, aber nie wußte, was die Gemälde darstellen und welchen Charakter und Kunstwert sie haben. Dann seit Jahrzehnten sind die Gemälde übertüncht gewesen und nur die reiche Stückarbeit im ganzen Obergeschoß verriet, daß hier echte Heimatkunst einmal herrliche Räume geschaffen hatte. Die ganze Lamperie zeigt später eingemalte Jagdszenen. An der Decke wurden nun die Bildwerke in den reichumrahmten Feldern wenigstens zum Teil frei gelegt. Es stellt sich heraus, daß lauter biblische Bilder wohl aus dem 18. Jahrhundert an die Decke gemalt sind und zwar ist die Geschichte des ägyptischen Josef in verschiedenen Szenen dargestellt, Josef wird von seinen Brüdern verkauft, Josef und das Weib des Buthiphar, Josef als König, wie er sich zu erkennen gibt etc. Wenn einmal die Bilder wieder von kunstfertiger Hand hergestellt sind, dann besitzt sicher Herr Rosenstiel eines der schönsten Häuser weit und breit. Die Familie bewahrt auch noch eine ganze Reihe von kunstvollen Schnitzarbeiten, Zeichnungen, Bildern und allerlei anderen Kunstgegenständen aus dem Nachlaß der Hüfinger Künstlerfamilien Heinemann-Reich als kosbare Erbstücke auf, denn Frau Rosenstiel ist die Enkelin des Lithographen J. Nep. Heinemann und amit mit den Künstlern Luzian und Franz Xaver Reich und Gleichauf verwandt oder verschwägert. Herr Rosenstiel weiß den reichen Familienschatz wohl zu würdigen.
Zeitungsartikel von 1927
Wappen Rosenstiel
Zeitungsartikel unbekannter Herkunft und Datum
Das Geschlecht der Tuchmacher und Wollenweber Nober war in den Kirchenbüchern der katholischen Pfarrei Hüfingen seit 1596 erwähnt. In direkter Linie können folgende Ahnherren festgestellt werden: Georg Nober, geboren am 2. Juni 1679, Johannes Nober (28. Dezember 1641 bis April 1690), Johann Martin Nober, Tuchwalker (9. Januar 1688 bis 27. November 1741), Johannes Nober, Leineweber und Tuchmacher (16. Dezember 1719 bis 13. September 1788), Johann Caspar Nober, Tuchmachermeister und Leineweber (13. Dezember 1765 bis August 1842), Johann Evangelist Nober, Kaufmann und Tuchfabrikant (18. Oktober 1806 bis 11. Februar 1887), Johann Carl Nober, Textilkaufmann (11. April 1850 bis 11. Dezember 1920), Robert Rosenstiel, Textilkaufmann (4. Juni 1887 bis 3. Dezember 1960), verheiratet mit der einzigen Tochter Clara des Johann Carl Nober (am 22. Oktober 1912).
Erwerb des Geschäftshaus in der Hauptstraße am Tor 1823 durch Johannes Caspar Nober und zwar durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalter, Vormals aus Friedenweiler bei Neustadt, beziehungsweise seinem Pächter und Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller, Gastwirt zur Sonne (30.Juni 1781 bis 25. August 1853), der seit 18. November 1813 mit Martha Engesser verheiratet war und sich ein neues Gasthaus zur Sonne vor dem Tor an der Schaffhauser Straße an der Abzweigung nach Freiburg erbaute. Die Ehefrau des vormaligen Sonnenwirts Thomas Winterhalter, Maria Mayer, geboren 1769, war am 20. Juni 1813 kinderlos gestorben. Dieser hatte das Haus um 1815 an den oben genannten Johann Baptist Fischerkeller verkauft, hatte aber noch eine Hypothek von 2500 Gulden auf dem Anwesen, welche dann von Fischerkeller auf seinen Neubau übernommen wurden, so dass Caspar Nober den Kaufpreis ganz an Fischerkeller zu bezahlen hatte.
Gründung der Firma J. C. Nober: Sie ist auf 1823 datiert. Daß der »Handel mit Wolle und Wollenwaaren schon vom Vater des Johann Caspar Nober unter der Firma Martin Nober & Comp. und später unter der Firma Caspar Nober & Sohn, ferner, dass Johann Evangelist Nober das Geschäft des Wollenwaaren-Handels bei seinem Vater erlernt und betrieben habe«, geht aus einen Zivilprozess des Jahres 1839 (16. April) »in Sachen des Handelsmannes Limberger und Comp. von hier, Kläger, gegen den Tuchmacher Johann Evang. Nober wegen Beeinträchtigung im Handelsgewerb« beim Bezirksgericht Hüfingen hervor.
Tuchfabrik und Wollweberei: Diese betrieben Johann Caspar und Johann Evangelist Nober in Hüfingen an der Schaffhauser Straße (jetzige Schreinerei Schelble). Diese konnte unter den Brüdern des Johann Carl Nober um 1875 den Anschluss an das Maschinenzeitalter nicht mehr finden und ging als Handwerksbetrieb in den folgenden Jahren ein. Nur das Handelsgeschäft mit Textilwaren und Wolle wurde von Johann Carl Nober im Haus Hauptstraße 5 und später von dessen Schwiegersohn Robert Rosenstiel unter der Firma J. C. Nober, Textilwaren und Garngroßhandlung, weiter betrieben.
Ofen in der Hauptstr. 5
Zeitungsartikel unbekannter Herkunft etwa aus 1990 vermutlich von von Franz-J. Filipp
Die Josefsgeschichte an der Stuckdecke
Bilder aus der Genesis im Obergeschoss
Hüfingen (ff). In fünf Bildszenen dokumentiert ist im Gebäude Rosenstiel-Nober in Hüfingens Hauptstraße im zweiten Obergeschoss die so genannte Josefsgeschichte als Deckengemälde, eingefasst in Stuck. Thema ist die biblische Erzählung, die auch Stoff für Thomas Manns Roman, aber auch für das Musical zum Thema Josef waren. Ein historischer Kern mag sicher vorhanden, aber nicht belegt sein. Literarisch ist die Josefsgeschichte als Novelle zu betrachten. Wie die Geschichte erzählt, begegnet der zweitjüngste Sohn des Erzvaters als Siebzehnjähriger Jakob (Genesis 37 bis 50, Ps 105). Wegen der Bevorzugung durch den Vater und seiner Träume, die einen Vorrang vor seinen Brüdern und sogar vor seinen Eltern ausdrückt, erregt er den Hass seiner Brüder. Die Absicht der Brüder, ihn zu töten, wird wegen des Einspruchs von Ruben, dem Ältesten, und von Juda nicht ausgeführt. Er wird aber als Sklave an eine ismaelitische Karawane mitgegeben und durch diese nach Ägypten verkauft. Dem Vater wird der Tod durch ein wildes Tier vorgetäuscht. Der reiche Ägypter Potifar kauft Josef schließlich als Sklaven.
Das erste Motiv der Deckengemälde stellt die Brüder Josefs dar wie sie ihn an ägyotische Kaufleute verkaufen. Dieses Deckengemälde wurde durch Bombenabwürfe in der Nähe des heutigen Bürgerhauses Krone im Kriegsjahr 1945 in Mitleidenschaft gezogen.
Ein weiteres Bild zeigt den Versuch der Verführung Josefs im Hause Potifars durch dessen Ehefrau.
Das zentrale Motiv, das heute jedoch durch eine Zwischenwand zerteilt wird und deshalb in seiner Bildaussage nicht erkennbar ist, stellt eine Traumszene des König mit sieben mageren und sieben fetten Kühen dar. Das vierte Bild unmittelbar über dem Eingang zur Wohnstube von der Treppe zeigt ein Gastmahl, zu dem Josef als Verwalter der königlichen Kornspeicher eingeladen hatte. Auf einem abgebildeten Becher ist die Jahreszahl 1748 zu erkennen, was Rückschlüsse auf das Alter der Gemälde zulassen dürfte. In der letzten Szene direkt am Fenster zur Hauptstraße ist Josef schließlich mit seinen Brüdern zu sehen.
Decke7
Bild 1 von 8
Für Theo Wössner, den langjährigen Vorsitzenden des katholischen Bildungswerkes Hüfingen und dessen Frau die in dem Haus früher gewohnt hat, sind die Darstellungen »einmalig«, wie er erklärt. Und Klaus Sigwart, der Hüfinger Restaurator, verweist in diesem Zusammenhang auf Bürgerhäuser in Villingen. Dort konnten sich die Gemälde in den Stuben lediglich nur wohlhabende Bürger leisten.
Zeitungsartikel vom 19. Juni 2004 von Franz-J. Filipp
Biblische Szenen über dem Sofa
Hüfingen. Strategien und Lösungsansätze für den Einzelhandel, ein Thema mit dem sich schon bald der neu gewählte Gemeinderat beschäftigen dürfte. Doch mit dem Ankauf des Hauses Rosenstiel-Nober hat die Stadt Hüfingen zugleich auch ein historisches Erbe angetreten.
Das alte Gemäuer entpuppt sich für Bürgermeister Anton Knapp und Stadtbaumeister Ewald Fürderer bei einem ersten Rundgang als kleines Schatzkästchen. Vor allem die in Stuck gefassten Deckengemälde sind älteren Datums und eine Rarität, direkt über dem Wohnzimmersofa der heutigen Wohnungsmieter.
Und was von der Straßenseite hinter der in früheren Jahren sanierten Fassade kaum zu vermuten ist, Türen, Holztäfelungen oder Fußböden scheinen ebenfalls die Jahrhunderte unbeschadet überstanden zu haben. Bis auf das Ladengeschäft mit einer Nutzfläche von 184,5 Quadratmetern im Erdgeschoss geben die alten Holzdielen auf den 183,9 Quadratmetern im ersten Obergeschoss knarrende Stadtgeschichte preis. Mit zum Teil alten Schlössern bewehrte Tü-ren, dem alten Kachelofen oder durch die Trennwände mit kunstvollen Schnitzereien eröffnet das Haus Rosenstiel-Nober zugleich den Blick auf ein Stück Stadtgeschichte.
Weitere 191,7 Quadratmeter Nutzfläche stehen im zweiten Obergeschoss zur Verfügung.
Hüfingens Verwaltungschef möchte zudem die Idee eines Dienstleistungszentrums in dem historischen Gemäuer mit den neu gewählten Bürgervertretern voraussichtlich noch vor der Sommer im Rahmen einer Klausurtagung gemeinsam mit der Komm-In GmbH aus Sternenfels zur Diskussion stellen. Ziel soll es dabei sein, Dienstleister in der Kernstadt zu halten. Das Konzept von Dienstleistungen, etwa der Stadtverwaltung oder von Banken, sowie Lebensmittelhandel oder Bäcker unter einem Dach als modulares System soll durch interessante Öffnungszeiten etwa an Samstagen neue Impulse zur Belebung der Innenstädte bieten und »Tante-Emma-Läden«, überlebensfähig machen. Träger der Zentren können dabei Kommunen oder Investoren sein.
Der letzte Zeitungsartikel über das Haus war am 9. Januar 2014
Zeitungsartikel über das Haus am 9. Januar 2014 von Stephanie Jakober
Hoffnung für das Haus Nober
Das Gebäude an der Hüfinger Hauptstraße besitzt einen spätmittelaltern Kernbau. 1747 wurde es umgebaut. Diese spätbarocke Ausstattung dominiert das heutige Erscheinungsbild. Vor allem im Inneren, wo die beiden oberen Stockwerke durch hochwertige Ausstattung geprägt werden. In einer bauhistorischen Untersuchung wird das Haus als Quelle der Kulturgeschichte bezeichnet, die Einblick in das Leben und Wirken der Menschen ab dem 16. Jahrhundert ermöglicht.
Der Textilbetrieb Nober: 1823 wurde das Haus von Johann Caspar Nober erwoben. Davor war es im Besitz des Sonnenwirts Thomas Winterhalter. Nober war Tuchmacher und Leinenweber und machte aus dem Haus an der damaligen Marktstraße sein Geschäftshaus, um dort mit Wolle und Wollwaren zu handeln. Johann Caspar und sein Sohn Johann Evangelist führten auch ein große Tuchfabrik und Wollweberei an der Schaffhauser Straße. Diese musste aber um 1875 unter Johann Karl Nober geschlossen werden. Danach wurde nur noch der Textil- und Wollbetrieb weitergeführt.
Von Johann Karl Nober ging dann der Betrieb an dessen Schwiegersohn Robert Rosenstiel über, dessen Tochter Hildegard von 1960 bis 1984 Eigentümerin war und auch das Geschäft selbst geführt hat. Danach übernahm Peter Biechele das Textilgeschäft, führte es aber unter dem Namen Nober weiter. Lange Zeit war Hildegard Rosenstiel noch im Betrieb als Beraterin zu Stell, wenn es um den Einkauf der Kollektionen ging. 2002 führten die Töchter Petra und Elke Biechele das Geschäft weiter. Der Mietvertrag mit der Erbengemeinschaft lief 2004 aus, die Schwestern gaben daraufhin ihr Geschäft auf.
Bauantrag aus dem Jahr 2020
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2020
Seit 2019
Seit 2020 Krav Maga umgezogen ist, steht das Gebäude leer. Im Jahr wurde 2020 dem Gemeinderat ein Bauantrag gezeigt und die Baufreigabe erfolgte im Dezember 2022. Im September 2023 gab es kurzfristig einige Aktivitäten und am Fenster des Zimmers mit dem Tanzboden und dem Gastraum mit den Wandbemalungen aus 1748, wurden ermordete Fische getrocknet.
Laut Landratsamt würde „das Vorhaben von einem denkmalerfahren Architekten begleitet“.
Was also mal übrig bleibt von den barocken Kunstwerken steht in den Sternen.
Liebe Leserinnen und liebe Leser, Das Denkbuch von Lucian Reich aus dem Jahr 1896 ist ein Herzensprojekt von mir das ich seit April 2022 voran treibe und immer wieder neue Erkenntnisse beifüge. Momentan befinde ich mich noch im Jahr 1806 in Villingen bei den Benediktinern. Es ist für mich total faszinierend wie sich die Menschen und Ereignisse im frühen 19. Jahrhundert zusammen fügen und auch bis heute noch so Vieles von unserem Denken und Tun beeinflussen.
Ganz neu habe ich in der Badischen Heimat einen Beitrag über den Hänslihof aus dem Jahr 1938 entdeckt. Der Hof ist im Dezember 1985 vollständig abgebrannt und eigentlich war alles verloren geglaubt. Nicht ganz. Weil es gibt diesen wunderbaren Artikel von Arnold Tschira. Die pdf von diesem unglaublich interessanten Artikel über das Elternhaus von Luzian Reich (07.01.1787- 18.12.1866) habe ich unten an geeigneter Stelle auch eingefügt.
Das Nützliche, das Schöne und unsere Wurzeln
Unsere Geschichte ist ein lebendiger Teil von uns und um so mehr wir darüber wissen, um so mehr verstehen wir, wie wir und unsere Zeitgenossen ticken. Auch in der Gegenwart wäre es wichtig, würden die Menschen hin schauen wo das Nützliche, Schöne und unsere Wurzeln liegen.
Das Denkbuch von Lucian Reich hat er 1896 in den Schriften der Baar veröffentlicht.
Die Schriften der Baar werden auf den Seiten des Baarvereins zur Verfügung gestellt.
In den Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und der angrenzenden Landesteile in Donaueschingen stand 1896:
Der Ausschuß hat diese „Blätter“ des geehrten Verfassers gern veröffentlicht und ist überzeugt, daß sie nicht nur von seinen engeren Landsleuten gern werden gelesen, sondern auch allein schon wegen der vielen darin vorkommenden in der Literatur und Kunst bekannten Persönlichkeiten weitere Kreise interessieren werden.
Unten findet sich die Transkription vom Denkbuch in kursiv. Für die heutige Zeit habe ich es mit Bildern und Informationen ergänzt.
Blätter aus meinem Denkbuch.
Von Lucian Reich.
Die Großeltern — denn mit diesen muß ein richtiges biographisches Denkbuch beginnen — väterlicherseits sind mir nur aus frühester Jugend im Gedächtnis. Wir Kinder kamen nicht so oft mit ihnen zusammen.
Eltern von Xaver, Lucian und Elisabeth: Luzian Reich (07. 01.1787 – 18.12.1866) und Josefa Schelble (19.03.1788-12.11.1866). Großeltern von Xaver, Lucian und Elisabeth: Mathias Reich (07.05.1754 – 24.11.1827) und Anastasia Buckin (23.12.1752-24.11.1824). Franz Josef Schelble (12.02.1862-13.02.1835) und Katharina Götz (01.11.1760-04.04.1847).
Die Fahrt von Hüfingen nach Dürrheim war eine beschwerliche. Von Donaueschingen aus führte nur ein schlecht unterhaltener Karrenweg am Weiherhaus und seinem riesigen Schlagbaum, wo Weg- und Brückengeld erhoben wurde, vorbei durch die einsamen, von der Stillen Musel durchzogenen Weiherwiesen.
Karte von Martin Menradt etwa 1663 Foto: Dr. Jörg Martin FF Archiv
Landkarte der Baar 1620
Die Weiherwiese war früher ein fürstlicher Fischweiher nördlich von Donaueschingen am Römerweg.
Wie der Großvater Mathias, der ältere, daher nach altem Herkommen nicht erbberechtigte Sohn eines Hofbauern, durch den Machtspruch des Komturs von Hintersheim zum „zweiunddreißigsten Bürger“ der „geschlossenen“ Gemeinde Dürrheim auf- und angenommen wurde, habe ich im „Hieronymus“ eingeflochten.
>Der Vater des Mathias war im Kirnachertal daheim, auf der Grenze zwischen dem Schwarzwald und der Baar. Das elterliche Gut war kein unbeträchtliches, aber der Vater des Mathias war der älteste Sohn, und nur der jüngste konnte dem „Recht“ nach in den Besitz eintreten, während die älteren Brüder sozusagen leer ausgingen. So durfte der Mann noch von Glück sagen, daß er eine vermögliche Witwe im Dorfe Dürrheim kennenlernte, welche ihm ihre Hand reichte, wie er dann auch nach langem Warten dort das Ortsbürgerrecht erhielt. Unter mehreren Kindern aus dieser Ehe hatte unser Mathias ebenfalls das Unglück, ein Erstgeborener zu sein, weshalb er sehen konnte, wie und wo er sich durchbringen werde, wollte er nicht zeitlebens in Abhängigkeit vom jüngsten Bruder gleichsam als Knecht im Hause leben.<
Dürrheim war dazumal noch ein stilles Dorf, dessen Bewohner sich fast ausschließlich mit Feldbau beschäftigten. So anfänglich auch der Großvater. „Von einem ledig verstorbenen Bruder hatte er etliche Jauchert eigentümliches Feld geerbt und nebenbei ödeliegende Plätze auf der Gemarkung gepachtet und urbar gemacht; aber nie länger als auf 6 Jahre sich gebunden, weil er wohl wußte“ heißt es in den väterlichen Aufzeichnungen, „daß Neubruch nach Verfluß dieser Zeit im Ertrag nachläßt. Durch Fleiß und Umsicht hatte er’s zu einer geachteten Stellung in der Gemeinde gebracht. Oft berieten sich die Ortsvorgesetzten mit ihm über Kulturen und Verbesserungen.“ „Zwischen der Feldarbeit, namentlich über Winter, drechselte er Kunkeln, Spinnrädlein, Häspel u. dgl. Ein alter Bildschnitzer und Faßmaler, der mit seiner ledigen Tochter von Ort zu Ort zog und Heiligenbilder verkaufte, übernachtete oft bei uns im Haus: und dieser veranlaßte den Vater sich ebenfalls mit solchen Arbeiten zu befassen. Und so schnitzte er Kirchenleuchter, Fahnenknöpfe, Wirtsschilde und Kirchhofkreuze, welch letztere Arbeit eine andauernde und ziemlich einträgliche war.“
Beim Flachs brechen.
Spinnerin.
Der Hänslehof im Jahr 1967. Foto: WDR Digit/overland
„Die Mutter war Hebamme (Anastasia Buckin 23.12.1752- 24.01.1824 vom Hänslehof), da sie ein sehr gutes Examen bestanden, mit der Befugnis, aderlassen, schröpfen und eine kleine Hausapotheke halten zu dürfen. Kein Krankes war im Ort, das nicht zuerst bei ihr Hilfe gesucht hätte. Nebstdem war sie eine geschickte Näherin, die nicht nur gewöhnliche Schneiderarbeit, auch zur Bauerntracht gehörige Stickereien und Kirchenparamente zu fertigen verstand und eine bedeutende Kundsame hatte.“
Kundsame ist ein vergessenes alemannisches Wort für Kundschaft. Anastasia Buckin war also Ärztin und Künstlerin und hatte eine große Kundschaft.
Der Hänslehof in Bad Dürrheim ist am 12. Dezember 1985 vollständig abgebrannt. Es gibt aber in der Badischen Heimat über die Baar aus dem Jahr 1938 einen wunderbaren Artikel von Arnold Tschira mit vielen Bildern vom Hänslehof. Den Artikel habe ich abfotografiert und hier gibt es die pdf dazu – schaut euch zumindest mal die tollen Fotos an!
„Und ich, was soll ich über mein Tun und Treiben sagen? Ich war eben ein vergratner Bauernbub; die landwirtschaftlichen Geschäfte konnte ich zwar alle und wurde auch streng dazu angehalten, aber sie gewährten mir keine Aussicht selbständig zu werden. An eine Verheiratung oder Versorgung, wie man es nannte, durfte ich nicht denken. Wie und wann ich angefangen zu malen, d. h. anzustreichen, und zu schnitzen, weiß ich nicht zu sagen, ich wurde eben darin erzogen.“
Benediktinerkloster in Villingen von der Schulgasse aus, fertiggestellt 1693.
„Der vielfältige, oft wochenlange Aufenthalt im Villinger Benediktinerkloster, wo der Bruder meiner Mutter den Dienst des Konventdieners und Klosterschneiders versah, hatte mich, da ich auch Vorlesungen über Physik und Mathematik besuchen durfte, bald so weit gebracht, daß ich einen Schritt weiter tun konnte als der Vater. Doch blieb alles ohne eigentlichen Zusammenhang. Pinsel und Meißel wechselten täglich mit dem Pflug, der Sense und der Holzaxt. Und dabei hieß es immer, der Salber hat auch gar keine Lust zum Feldgeschäft!“
„Das sagten aber nur meine beiden Geschwister, die Eltern dachten anders, besonders die Mutter, die meinte, ich könnte es doch zu etwas Rechtem bringen. Also machte ich immer zu, schnitzte Küchengerätschaften, Lichtstöcke, Fahnenstangen und Grabkreuze in Menge, malte Motivtafeln dem Dutzend nach, flickte Heiligenbilder und Hausaltärchen oder strichBrautfahrten an, ging wieder eine zeitlang ins Kloster, porträtierte die alten Herrn und ließ mich loben oder auslachen, je nachdem.“
„Die Patres konnten mich alle recht gut leiden. Einmal sollte ich nach ihrem Willen zu einem Uhrenschildmaler in Furtwangen in die Lehre gehen, ein andermal wollten sie mich in einer Kattunfabrik in St. Gallen als Musterzeichner unterbringen; schon hatte ich den Paß und alles nötige bereit; aber es wurde nichts daraus, was dem Vater recht war denn sagte er, wenn der Bue geht, bin ich ohne Hilf und kann nichts mehr machen“.
Lucian Reich hat in den Wanderblühten die Schildermaler Familie Kirner festgehalten. Dort gibt es auch die Chronik,oder Etwas von dem Ursprung dieses Hauses, so wie über die Lebensverhältnisse der Familie Kirner.Niedergeschrieben von Anton Kirner.
Aus dem Kirner Kabinett in Furtwangen: „Die Eltern in der Stube. Mutter Genofeva, geb. Dilger (1765-1838) und Vater Johann Baptist (1767-1835) genannt Schuhpeterhänsle. Das Ölbild hat Johann Baptist Kirner fast 30 Jahre nach dem Tod seiner Eltern in Erinnerung an seine Jugendzeit im Elternhaus gemalt. Einige Details hatte er in früheren Jahren in Skizzen festgehalten. Das Gemälde hatte er seinem Neffen Hermann Duffner zur Hochzeit versprochen; es ist eines der letzten Werke vor seinem Tode im Jahre 1866.“
Kattun ist dichtes Baumwoll-Gewebe in Leinwandbindung. Über die Kattunfabrik Hösli in St. Gallen gibt es nur diesen Eintrag
„Bei der Sekundiz des Prälaten 1804, welcher der Bischof und andere hohen Herrn anwohnten, sollte auf dem Klostertheater die neue Oper, die 7 Makkabäischen Brüder, gegeben werden. Zur Herstellung der Dekorationen war der Maler Sandhas (später Hofmaler in Darmstadt) berufen worden. Diesem machte ich den Farbenreiber und durfte wohl auch selbst mit Hand anlegen; und auf diese Weise lernte ich manches von der Malerkunst.“ Und daß der Gehilfe etwas von dem praktischen Meister gelernt, beweisen die in Oel gemalten Bildnisse seiner Eltern in ihrer ehrbaren altbaarischen Tracht.
Prälat (Abt) Anselm Schababerle geboren 10. März 1730 in Baden-Baden, gestorben am 26. Januar 1810 in Villingen war der letzte Abt des Benediktinerklosers in Villingen. Eine Sekundiz ist ein 50-jähriges Priesterjubiläum. Dem zufolge wurde Schababerle 1754 zum Priester geweiht, da er 1804 seine Sekundiz feierte.
Epitaph von Abt Anselm in der Benediktinekirche in Villingen
Petition des Abts Anselm vom 24.02.1806 um Erhaltung und Bestätigung der dortigen Lehranstalt.
Die Petition aus St. Georgen zu Villingen den 24ten Hornung 1806. Unterschrieben ist die Petition von: allerunterthänigst treugehorsamste Anselm Abt P. Niklaus Schababerle Prior und Konvent.
In Klöstern steht P. für Pater (Ordenspriester). Ein Prior ist ein Pater, daher bedeutet P. Niklaus = Pater Niklaus. Der Abt („Anselm Abt“) unterschreibt als 1. und der Prior („P. Niklaus Schababerle Prior“) unterschreibt als 2., und er tut das „für den Konvent“. Pater Schababerle war vermutlich mit dem Abt verwandt und stand in der Hierarchie direkt unter dem Abt Anselm. Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart E 31 Bü 138
Der Abt hatte also vergeblich versucht, die Schule zu erhalten.
Ansicht des Garteneingangs hinter dem Schloss in Darmstadt von Josef Sandhaas. Josef Sandhaas wurde im Kinzigtal geborgen. Er erhielt seine Ausbildung als Maler bei dem Kunstmaler Joseph Anton Morath in Stühlingen und begann seine Laufbahn als Klostermaler im Benediktinerkloster in Villingen. Leider ist von ihm sehr wenig erhalten, nicht mal das Geburtsdatum auf Wikipedia kann stimmen. Quelle: Wikimedia Commons
Die Oper der sieben Makkabäischen Brüder stammt aus 1644 von dem Jesuitenorden. Quellle: Würzburg, der Jesuitenorden und die Anfänge der Oper von Irmgard Scheitler.
Im Jahre 1804 gehörte Villingen noch zum Bistum Konstanz. Karl Theodor von Dalberg (8.02.1744 – 10.02.1817) war von 1799 bis 1817 der wohl letzte Bischof in Konstanz.
Geboren im J. 1786 (Lucian Reich wurde am 7. Januar 1787 in Bad Dürrheim geboren) mit unverkennbaren Anlagen würde er’s ohne Zweifel zum tüchtigen Künstler gebracht haben. Allein es waren Kriegszeiten, und nachdem das Kloster aufgehoben war, fand der junge Mann keine Stütze mehr. Denn die Kunst, in welcher ihn der Pfarrer daheim heran ziehen wollte, hatte mit der bildenden nichts gemein. Ein leidenschaftlicher Nimrod, nahm dieser seinen Schüler häufig mit hinaus, und zwar so lange, bis ihnen von herumstreifenden Franzosen die Gewehre abgenommen wurden.
נִמְרוֹד – Nimrod wird im Hebräischen von der Wurzel מרד mrd, deutsch‚ sich widersetzen, rebellieren abgeleitet. Nimrod gilt gewöhnlich als derjenige, der den Bau des Turmes von Babel anregte, ein Sinnbild dafür, dass die Selbstüberschätzung des Menschen gegenüber Gott zum Niedergang führt. Bild: König Nimrod nimmt die Huldigungen der Steinmetze entgegen. Detail des Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel d. Ä., 1563. Nach Pieter Brueghel the Elder, Public domain, via Wikimedia Commons
Endlich wandte er sich dem Schulfache zu. Nachdem er die Vorbereitungen an der Normalschule in Villingen beendet und bei Schulvisitator Pfarrer Flad in Urach (1810) das vorschriftsgemäße Examen mit bester Note bestanden — obgleich er in der Musik sich nicht ausgebildet hatte —, erhielt er den Dienst in Bubenbach. „Zum Einstand“, schreibt er, „hatte mir der Vater 6 Viertel Frucht mitgegeben, die ich alsbald zum Müller schickte“. „Muß es Brod gei (geben)?“ fragte dieser. „Ja, sagte ich, wußte aber nicht, daß auf dem Wald der Müller insgemein auch Bäcker ist. Nach einigen Tagen erhielt ich circa 30 Laib Brod, die ich, wollte ich sie nicht schimmlig werden lassen, unter die Armen verteilte.“
Schon nach anderthalb Jahren wurde er auf die Oberlehrerstelle in Hüfingen befördert; denn als Beförderung, und zwar in doppelter Beziehung, mußte es angesehen werden, weil er kein geborener Fürstenberger war. Als er sich seinem neuen Bestimmungsorte näherte, trugen sie just den letzten Freiherrn von Schellenberg, den Sprossen eines weiland um Kaiser und Reich vielfach verdienten Geschlechtes, zum Thor hinaus nach dem Friedhof St. Leonhard. Und dem gänzlich verarmten Manne sollte der neue Lehrer dann bald nachher eine Gedenktafel in die Stadtkirche fertigen.
Luzian Reich senior und seine Ehefrau Maria Josefa Schelble. Fotos von Johann Nepomuk Heinemann etwa 1865.
Die Schelble waren ein Althüfinger Geschlecht. Der Urgroßvater, Franz Xaver (*28.08.1731) war Kunsthandwerker, und zugleich versah er, wie schon sein Vater, den Amtsdienerdienst, und daß er in ersterem Fache — im Marmorieren, Vergolden und Gravieren in Grund Tüchtiges zu leisten verstand, bezeugen (oder bezeugten) die Altäre in Meßkirch, Gutmadingen, Hausach, Löffingen und die mit Hilfe seines im Hause erzogenen Schwiegersohnes und Geschäftsnachfolgers Joh. Gleichauf gefertigten Seitenaltäre der Hüfinger Pfarrkirche.
Johann Gleichauf (4.2.1764-23.03.1816) war mit Anna Maria Schelble (27.03.1760-27.12.1816) verheiratet. Ein Enkel war Rudolf Gleichauf.
Alter Eingang vom Römerbad
Mit Vorliebe trieb er Musik, sowie auch sein Sohn Franz Joseph, mein Großvater. (Franz Joseph Donat Schelble *17.02.1762-13.02.1835). Im Laufe der 20iger Jahre als Korrektionshausverwalter in den Ruhestand versetzt, beschäftigte sich dieser mit Uhrenmachen für Leute, die für Reparaturen nichts ausgeben wollten oder konnten, beaufsichtigte die Römischen Ausgrabungen (im Volksmunde Schatzgräberei genannt) im Mühleschle und am Fuße des Hölensteins, wofür er vom fürstlichen Protektor mit einer goldenen Repetieruhr beschenkt wurde, verfertigte uns Enkeln Schlittschuhe und Schlagnetze zum Vogelfang, und an hohen Festtagen spielte er in der Kirche die Orgel, und der „Leuenbaschi“ (Löwenwirt) sagte dann: „I ha’s bim erschte Griff scho gmerkt, daß es nit de Prezepter Thäddä ischt!“ Dieser, der pensionierte Präzeptor Thaddäus Bader, war nämlich stets noch Organist.
Aquatinta von W. Scheuchzer und G.L. von Kreß sc. Verlag J. Velten in Karlsruhe etwa 1825
Da das Denkbuch für einen einzelnen Beitrag inzwischen zu groß geworden ist, werde ich es in unterschiedliche Abschnitte unterteilen. Dann hat sich die Software die letzten Jahre geändert und die Bearbeitung der alten Datei ist fast unmöglich geworden.
Dies war also der 1. Teil bis 1812 als Luzian Reich nach Hüfingen kam und seiner Heirat mit Josefa Schelble 1813.
Thomas Winterhalder aus Urach war von 1811 bis 1816 der Besitzer vom Haus Nober, dem damaligen Gasthaus „Sonne“. Seine 8 Kinder (von denen wohl nur Matthä, Maria, Karl und Thomas erwachsen wurden) gingen bei Luzian Reich senior in die Schule. Nach dem Tod seiner Frau verließ Thomas Winterhalder mit seiner Familie Hüfingen wieder, um in seiner Heimat bei Friedenweiler eine Uhrenwerkstatt einzurichten.
Vermutlich verband die Familien Reich und Winterhalder auch nach dem Umzug eine langjährige Freundschaft. So berichtet Lucian Reich junior in den Wanderblühten lange über seine wiederholten Urlaube in Friedenweiler und Umgebung bei Freunden. Ein Freund, dessen Namen er nicht nennt, war mit einer Uhrenschildmalerin verheiratet, die früh verstorben ist: https://hieronymus-online.de/die-beiden-schwestern. In den Wanderblühten beschreibt Lucian Reich auch mehrfach, dass damals viele Wirtshäuser von Frauen geführt wurden, sie aber einen männlichen „Beschützernamen“ hierfür brauchten, da nur Männer offiziell Geschäfte führen durften. Ebenso wie die Künstlerinnen, deren Kunst nicht unter ihrem Namen verkauft werden konnte. Auch drückt er seinen Unwillen, aber auch Verständnis, darüber aus, dass viele junge Frauen in die USA ausreisten, um ein eigenes Leben verwirklichen zu können. Des Weiteren schrieb Lucian Reich damals die Hauschronik einer Schwarzwälder Schildmalers-Familie von Anton Kirner ab.
“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886). Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller
Über das Haus Nober ist der Kontakt zu Dr. Peter Schlesselmann entstanden, der anlässlich der 950 Jahr Feier, am 20.10.2023, in Friedenweiler einen Vortrag zur Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation gehalten hatte.
Vielen Dank für die Überlassung des Textes!
Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation
Dr. Peter Schlesselmann 12.02.2025
1. Wo es begann: Kalte Herberge, Urach
Das Gasthaus Kalte Herberge ist am oberen Ende des Urach-Tals, 1370 zum ersten Mal erwähnt. Es ist zentral gelegen, am Durchgangsverkehr zwischen Breisgau und der Baar.
1.1 Thomas Winterhalder (1761 – 1838) auf der Kalten Herberge
Thomas Winterhalder war Uhrmacher, Wirt und Bauer auf dem Steighof. Seine Eltern waren Georg (1730-1783) und Veronika Winterhalder (1740-1809), Besitzer von Steighof und Gasthaus. Thomas kam am 15. Dezember 1761 als zweites von neun Kindern zur Welt.
Die Kalte Herberge und der Steighof (auf der anderen Strassenseite, 1989 abgetrennt)
Thomas besuchte die Dorfschule in Urach und lernte in der Uhrmacherwerkstätte von Anton Dilger, dem damaligen Wirt auf der Kalten Herberge das Uhrenmachen. Im Herbst 1789 reichte Thomas Winterhalder bei der fürstlichen Regierung in Donaueschingen ein Baugesuch ein, um einen Acker kaufen und eine Wohnhaus neben das Wirtshaus bauen zu können, was ihm erlaubt wurde (Mathisle Häusle, abgebrannt 1831, 1832 neu erbaut). Gleichzeitig war er noch Bauer auf dem Steighof, bis sein jüngster Bruder, Lorenz (1777-1853), sein Erbe als Steighofbesitzer antreten konnte (1798). Im Mai 1792 feierte er seine Hochzeit mit Maria Mayer (1789-1813), der Tochter des Magremmebauern Franz Mayer aus Schwärzenbach. Auf der Kalten Herberge stellten sich nun nach und nach acht Kinder ein. Für die weitere Geschichte sind die Brüder Matthä, Karl und Thomas zu erwähnen.
2. Umzug nach Hüfingen
Thomas machte sich etwa 1810 als Uhrmacher selbständig. Allerdings entschloss er sich 1811 zum Kauf des Gasthaus „Sonne“ in Hüfingen und zog mit der Familie um. Den Kaufpreis von 4.347 Gulden für das Anwesen konnte er bar bezahlen, was sicher ein Zeugnis seines Wohlstandes ist. Das Gasthaus lag innerhalb der Stadtmauern, Hauptstr. 5, Ecke Ochsengasse, nahe zum südlichen Tor Richtung Döggingen.
Im April 1811 beantragte Thomas die Bürgeraufnahme für seine Familie. Warum Thomas Winterhalder nach Hüfingen umgezogen ist, lässt sich nur vermuten: zum einen die nicht endenden Kriegsverhältnisse, auf Grund dieser Verhältnisse waren wohl die Export-Möglichkeiten für Uhren sehr schwierig bis unmöglich, sodass das Einkommen mit dem Uhrenbau nicht gesichert war.
1811-1816 war Thomas Winterhalder Wirt in der „Sonne“. Über die Tätigkeit des neuen Sonnenwirtes und über den Geschäftsgang ist uns nichts bekannt. Es ist wohl anzunehmen, dass er, wenigstens nebenbei, auch die Uhrmacherei weiter betrieben hat. In einem Kassenbuch des Neustädter Uhrengroßhändlers Kromer aus dem Jahre 1812 (Stadtarchiv Neustadt) kommt ein Thomas Winterhalder vor, leider wird sein Wohnort nicht genannt, aber es könnte der Hüfinger Sonnenwirt sein.
Es liegt nahe, dass Thomas die Wirtsgeschäfte mehr seiner Frau überließ und nebenbei die Uhrenherstellung weiterführte. Die Kinder gingen wohl in Hüfingen zur Schule, Lehrer war damals Oberlehrer Reich, der Vater jenes Lucian Reich, der ein bedeutender Schwarzwaldmaler wurde.
Pater Winterhalder hatte in seiner Familien-Chronik das Gasthaus „Sonne“ dem Haus, Dögginger-Strasse 1, gegenüber der Weinhandlung Baum, zugeordnet, ausserhalb der Stadt, vor dem Stadttor und vor der Brücke über die Breg, was allerdings wohl nicht korrekt ist. Laut den Unterlagen zum Haus Nober, Hauptstrasse 5, erwarb urkundlich 1823 Johann Caspar Nober das Haus, durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder und dessen Pächter, Johannes Fischerkeller. Dieser baute danach, also nach 1823, dieses neue Gasthaus „Zur Sonne“, Dögginger Strasse 1. Dieses Haus brannte 1891 ab und wurde neu gebaut (Siehe: Haus Nober).
Leider starb 1813 seine Frau Maria, was sicher ein harter Schlag für die Familie mit 4 Kindern war. In diesem Jahr waren viele Truppen auf dem Rückmarsch von Russland und machten natürlich auch Halt in Hüfingen. Die Soldaten und Verwundeten brachten ansteckende Krankheiten (z.B. Typhus, Fleckfieber) nach Hüfingen „Es ist ein Elend, es sind kaum noch 10 -12 Häuser ohne Kranke vorhanden“ (Aug. Vetter, Chronik Hüfingen, S.266).
Ob seine Frau infolge dieser Krankheiten starb, ist nicht bekannt. Nach dem Tode seiner Frau beschloss Thomas, das Gasthaus zur Sonne zu verkaufen (oder zu verpachten) und nach Friedenweiler zu ziehen. Ob er diesen Entschluss gleich fasste oder noch ein bis zwei Jahre wartete, ist nicht klar.
3. Thomas Winterhalder in Friedenweiler
Es gibt einen Kaufvertrag 1816 für das, „Alte Haus“ sodass der Umzug der Familie mit 4 Kindern nach Friedenweiler wohl 1816-17 stattgefunden hat. In seinem neu erworbenen Haus richtete er seine Uhrenwerkstatt ein und begann mit der Herstellung von Uhren. In welchem Ausmaß er tätig war und wieviele Angestellte er beschäftigte, ist nicht festzustellen. Allerdings war Thomas auch als Weinhändler tätig, wie später nach der Übergabe des Geschäfts an Matthä offenkundig wurde. Thomas gewann bald die Wertschätzung seiner Mitbürger, er war 1819-1829 Gemeinderechner in Friedenweiler.
Inzwischen waren die Kinder größer geworden. Matthä war ein tüchtiger Mitarbeiter in der Werkstatt des Vaters. Tochter Maria musste tüchtig zugreifen, um die Mutter zu ersetzen.
Die Söhne Karl und Thomas zeigten gute Begabung für das Studium. Offenbar war es Thomas, der zuerst zum Studieren bestimmt wurde, bald nach ihm begann auch Karl damit, wohl nachdem er die Grundschule beendete und auch schon mit der Uhrmacherlehre begonnen hatte. Es ist anzunehmen, dass die beiden in Donaueschingen das Gymnasium besuchten.
Thomas entschied sich zur zweiten Heirat. Seine Wahl fiel auf Marianna Straub aus Schollach, was sicher auch gut war für seine noch minderjährigen Kinder. Sie war am 14. Juni 1775 geboren, also 14 Jahre jünger als Thomas, der 45 Jahre alt war, als am 19. Juli 1820 in Friedenweiler die Hochzeit gefeiert wurde. Von Maria Anna Straub wissen wir nicht viel. Es sind lediglich zwei Schriftstücke da, wonach sie am 14. September 1830 ein Testament aufsetzte und 1838 eine Bürgschaft für 100 Gulden leistete. 1830 übergab er das Haus und das Geschäft an Sohn Matthä, die Eltern gingen ins Altenteil „Libding“ (d.h. eigene Wohnung im Haus). Ein Drittel des Krautgartens wurde ihnen belassen, und Matthä hatte die Auflage, den Garten alle Jahre gut zu düngen. Auf dem Acker am Rudenberger Weg konnten sie jährlich Kartoffeln setzen, auch dort hatte Matthä für die Düngung zu sorgen. Einmal im Tag durften sie eine Kuh nach Wahl melken, ein Schwein wurde jährlich für sie gemästet.
Altes Haus, Friedenweiler, ca. 1970, heute, Lindenstrasse 6
Im Erdgeschoss vorne und auf der rechten Seite sind jew. 3 Fenster, dort war sicher die Uhrmacherwerkstatt von Thomas Winterhalder. Dort lernte wohl auch sein Sohn das Handwerk (oder hat schon vorher in Hüfingen Kenntnisse erhalten).
Friedenweiler, Bildauschnitt aus dem Gemälde von Nikolaus Ganter
Uhren von Thomas Winterhalder
Welche Uhren hat er hergestellt? Bis jetzt wurde nur eine Uhr mit seinem Namen gefunden (es tragen auch nur wenige Uhren den Namen des Herstellers). Aber, wie in dieser Zeit (1780-1830) üblich, hat er wohl Lackschilduhren mit Holzplatinen, mit Holzzahnrädern oder Messing Zahnräder angefertigt. Ob er auch Wanduhren, (wag on the wall – Postman’s Alarm clock), mit rundem Lackschildern für den englischen Markt hergestellt hat, weiss man nicht.
4. Matthä Winterhalder (1799 – 1863) in Friedenweiler
Eine entscheidende Wende im Leben Matthä Winterhalders brachte das Jahr 1830. Nach der Übergabe von Haus und Hof heiratete Matthä Johanna Höfler, 26 Jahre alt, sie stammte vom Kilianhof in Schwärzenbach. Der Ehevertrag gibt uns Einblick in die Vermögensverhältnisse der Brautleute. Matthä besaß damals ein Vermögen von 7.600 Gulden, von denen er 1.860 Gulden in die Ehegemeinschaft einlegte. Johanna Höfler brachte 1.300 Gulden, eine recht ansehnliche Mitgift. Erhalten ist auch noch eine eigenhändig geschriebene Liste von Dingen, die Vater Thomas noch zum Hochzeitsgut gab.
Nicht ganz ein Jahr waren die beiden verheiratet, da starb die junge Frau am 17. August 1831, sie hatten keine Kinder . Im Januar 1832 heiratete Matthä Winterhalder ein zweites Mal. Er wählte Magdalena Beha, Ihr Vater, Johann Beha, war Pächter, des Schafhofes in Friedenweiler. Laut Ehevertrag betrug das Vermögen von Matthä Winterhalders 8.000 Gulden. Matthä und Magdalena Winterhalder hatten 7 Kinder: Für die weitere Geschichte sind Thomas (1834-1906), Karl (1836- 1918), Anton (1838,-1912) und Johannes (1842- 1916) wichtig.
Um die Jahreswende 1837 und 1838 wurde der Vater Thomas krank und starb am 9. Januar 1838. Nach seinem Tod wurde eine große Menge Wein, 2800 l, versteigert. Dies lässt darauf schließen, dass Thomas, der ehemalige Kalt-Herberge-Wirt und Sonnenwirt von Hüfingen, in Friedenweiler noch einen Weinhandel betrieb. Matthä hatte offenbar kein Interesse daran.
Die Erbschaft verbesserte Matthä´s Vermögensstand erheblich: Am Friedenweiler Gemeindeleben nahm Matthä Winterhalder regen Anteil. Er war in der Gemeinde ein angesehener Mann und wirkte von 1843 bis 1846 als Gemeinderechner und von 1852 bis 1863, also bis zu seinem Tode, als Gemeinderat.
Matthä Winterhalder
4.1. Uhren von Matthä Winterhalder, 1830-1860
Kunden in Vereinigten Königreich, (England, Schottland und Irland), der bedeutendste Markt dieser Zeit, waren besonders interessiert an Tischuhren („Biedermeier Uhren“) und drop dial-Uhren mit Voll-Messing-Uhrwerken. Diese Uhrwerke waren bekannt für ihre hohe Ganggenauigkeit. Um sich an die Marktbedürfnisse in England anzupassen, musste auch Matthä sich diesem Trend anschliessen denn die Herstellung und Einbau von Messing-Platinenwerken, brachte höhere Preise.
Tischuhr mit Holz-Platinenwerk www.heimatmuseumschwarzwald.de Matthias Hüttlin, Furtwangen
Drop-dial Uhr mit Messig- Platinenwerk
5. Johannes Hofmeier (1802-1876) in Schwärzenbach
Als siebter von 9 Kindern kam 1802 Johannes Hofmeier auf dem „Ahorn“ in Schwärzenbach zur Welt. Seine Eltern waren Joseph Hofmeier (1758 – 1825) und Katharina, geb. Bär (1764-1812), sie heirateten 1789. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1812 heiratete Joseph Hofmeier Anna Willmann (1767-1840). Wie so viele Söhne von Schwarzwälder Bauern, die keine Aussicht hatten, den Hof zu erben, lernte er Uhrmacher. Auch seine Brüder Georg (1800-1825, Uhrenhändler, + Spanien), Fidel (1798-1869), Jakob (1807-1835, Uhrenhändler, + Spanien) und Martin (1809-1880, Uhrenhändler in England) wurden Uhrmacher.
Wer sein Lehrmeister war, ist nicht bekannt. Es muss aber ein fähiger Meister gewesen sein, denn er machte aus Johannes einen ausgezeichneten und gewandten Uhrmacher, darüber hinaus aber auch einen unternehmungsfreudigen Geschäftsmann, der seinen Betrieb zu einer großen Firma ausbauen konnte. 1825 starb sein Vater der schon vorher ins Libding gegangen war. Den Hof und das Gasthaus „Ahorn“ hatte er seinem Sohn Fridolin überlassen.
Ahornhof, Schwärzenbach
Johannes kaufte am 25. Mai 1836 dasAhornhäusle von seinem Bruder Fridolin. Es ist zu vermuten, dass er schon vorher dort gewohnt und seine Uhrmacherei dort betrieben hat. Schon vor dem Kauf des Hauses war Johannes auf Brautschau gegangen. Er heiratet 1832 Agatha Mayer vom Magremmehof. Sie war vier Jahre jünger als er, geboren 1806. Lange mussten sie auf ein Kind warten. 1838 kam eine Tochter, Elisabeth, zur Welt. Es war eine schwere Geburt, die junge Mutter starb leider kurz danach, erst 32 Jahre alt. 1839 heiratet Johannes zum zweiten Mal, Maria Mayer (1812-1897), die Schwester seiner ersten Frau. Wie man auf den Bild hier sieht, war er ein stattlicher Mann.
Hier sind noch Bilder von ihm in späteren Jahren, und seiner 2. Frau, Maria (Gemälde wohl von Dionys Ganter).
Laut Winterhalder Chronik von Pater Christof Winterhalder, war Johannes Hofmeier wohl 14-mal in England. In seiner Chronik hat Pater Winterhalder diese Reisen etwas ausgeschmückt, als wäre Johannes Hofmeier und manchmal auch sein Bruder Martin, der Uhrenhändler in Birmingham war, zu Fuss mit Krätze und Uhren nach England gereist. Es war aber schon damals üblich, Uhren, in Kisten gepackt, per Spedition in die Zielländer, Frankreich England oder Russland, zu transportieren. Laut einer Anzeige im Bericht in Gewerbeblatt für den Schwarzwald, im Dez. 1852, organisierte damals schon die Spedition Johann Michael Widt, Strassburg, den Transport von Neustadt, Furtwangen oder Triberg nach London innerhalb von 10 Tagen!
Die Kosten waren: Nach Strassburg: 1 Gulden / Zentner Strassburg bis London: 3 Gulden / Zentner Über Frankreich nach England : 2 Gulden / Zentner
Die Uhren wurden in grosse Holzkisten, ca. 2 x 0.6 x 0,6 m verpackt, geschützt durch Stroh oder anderes Material. Manchmal wurde auch noch Speck oder Butter mit in die Kisten gepackt, damit die Uhrmacher nicht auf einheimische Kost verzichten mussten.
Ausserdem ist zu bedenken, dass das erste Dampfschiff schon 1838 bis Basel kam, und 1847 die Eisenbahn bis Freiburg gebaut war. Die Tulla Rheinbegradigung (1817-1876) war im nördlichen Teil schon weit fortgeschritten, südlich von Breisach dauerte es etwas länger. Wie hoch die Preise für Kutsche, Eisenbahn oder Schiff waren, ist nicht bekannt.
5.1. Johannes Hofmeier Uhren
Johannes Hofmeier fertigte überwiegend Uhren mit Holz-Platinenwerken, eine Uhr mit Messing-Platinenwerk mit seiner Signatur wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Seine bekannten „Drop-dial Uhren“ mit eigener Uhrenkasten-Form oder typischer englischer Form findet man öfters.
R.Constable, London
Heitzmann &Co, Cardiff
Wehrle, Cambridge
C.J.J. Ketterer, Ware
Drop dial Uhren mit und ohne Schlag
6. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation 6.1. Zusammenschluss der Firmen
Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen, Winterhalder, Friedenweiler und Hofmeier, Schwärzenbach erfolgte wohl ca. 1850-1860. Das genaue Datum ist unbekannt, da keine Geschäftsunterlagen oder Steuerunterlagen mehr vorhanden sind. Es könnte Johannes Hofmeiers Idee gewesen sein, die Verwaltung und Uhrenherstellung beiden Firmen zu zentralisieren und ein gemeinsames Marketing zu nützen, um Produktsortiment aus der heimischen Uhrenherstellung bereitzustellen, das mit einer grossen Uhrenfabrik konkurrieren konnte (siehe auch Preis-Courant von ca. 1875). Diesen Punkt kann man auch darin sehen, dass in den 1860er Jahren Kuckucksuhren von Baptist Beha ins Sortiment kamen, zum Teil aber auch eigene Entwicklungen auf Basis der Beha Uhrwerke erfolgten. Später wurden aber Kuckucksuhren wieder aus dem Sortiment genommen. Es bestanden ausserdem verwandtschaftliche Beziehungen, der Sohn von Matthä, Anton, arbeitete bei Hofmeier und heiratete 1864 seine Tochter Elisabeth.
Firmengründer (1. Generation) waren also Matthä Winterhalder (1799 – 1863), hervorragend im Nutzen von Innovationen, Entwicklung neuer Uhrwerke und andere Uhrenformen, und Johannes Hofmeier (1802-1876), führend in Nutzen von geschäftlichen Beziehungen in England, aber eher konservativ in Bezug auf Technik. Einen grossen Einfluss auf der Hofmeier Seite hatte sicher seine Tochter Elisabeth.
Man stellte sich wohl erst allmählich auf Tischuhren, Standuhren und Wecker um. Je mehr aber der Export nach England aufblühte, umso mehr wandte man sich der rentableren Herstellung der für England bestimmten Uhren zu und überliess die Anfertigung der Kuckucksuhren anderen Betrieben.
Etikette mit Datum 2.8.67, also nach dem Tod von M. Winterhalder (1864)
6.2. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, oHG
Die Söhne von Matthä Winterhalder, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. hatten ja beim Vater Matthä in Friedenweiler das Uhrmacherhandwerk gelernt Anton Winterhalder arbeite nach seiner Lehre bei Johannes Hofmeier in Schwärzenbach. Matthä Winterhalder starb 1864, sodass seine Söhne nun im gemeinsamen Geschäft mit Johannes Hofmeier vertreten waren. Ab 1869 wurde die Firma in eine neue Rechtsform, offene Handelsgesellschaft (oHG) in Schwärzenbach, übergeführt.
Gesellschafter: 2. Generation: Winterhalder-Seite: Söhne von Matthä: Thomas (1834-1906), Anton (1838-1912), Karl (1836-1918), Johannes sen. (1842-1921) Hofmeier-Seite: Johannes Hofmeier (bis 1876), Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899), Frau von Anton Winterhalder Nach dem Tod von Johannes Hofmeier war von der Hofmeier Seite nur noch Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899) als Ehefrau von Anton Winterhalder vertreten, der Name Hofmeier im Firmenname wurde deshalb beibehalten.
Die Herstellung der Uhren war wie folgt verteilt: Herstellung Uhrenteile Thomas (1834-1906), Friedenweiler, (Strandbadstrasse 6 / Schwesternhaus) Herstellung Uhrwerke Karl (1836-1918), Friedenweiler, Altes Haus, Lindenstrasse 6, Werkstatt und Haus vom Vater Johannes (1842-1918) Neustadt, Wohnhaus und Fabrik, Scheuerlenstrasse 3 (37)?), Gesamtleitung der Firma ab 1870. Herstellung Uhrwerke, Uhrwerke in Gehäuse einbauen und Vertrieb Anton (1838-1912), Schwärzenbach, Haus 19a. Übernahme Werkstatt Hofmeier (nach dem Tod von Johannes Hofmeier). Gesamtleitung der Firma bis 1869.
W & H Wanduhr (Postman´s – wag on the wall clock) für den englischen Markt
6.3. Uhren aus der Zeit 1860-1870
Die folgende Uhren sind wohl in der Zeit von 1860-1870 entstanden. Leider lässt sich keine genaues Entstehungsjahr finden, da keine Kataloge oder Markierungen vorhanden sind. Es sind Holz-Platinen- oder Messing-Platinen-Uhrwerke verbaut.
7. Entwicklung in Schwärzenbach
Während des Krieges 1870/71 stockte das Geschäft, da viele Arbeiter eingezogen waren oder dienstverpflichtet wurden. Dann blühte das Geschäft aber mächtig auf, und Anton mußte an eine Erweiterung der Arbeitsräume und an Neubau denken. Am 25. November 1873 übergab Johannes Hofmeier das ganze Anwesen seiner Tochter. Er war damals 71 Jahre alt. Zweieinhalb Jahre später, am 22. März 1876, starb er. Kurz nach dem Tode seines Schwiegervaters entschloß sich Anton zum Bau eines neuen Hauses östlich neben dem alten „Ahornhäusle“. Noch 1876 wurde der Bau begonnen. Nach seiner Fertigstellung verlegte er die Uhrmacherei in die neuen Räume, weshalb das neue Haus auch einfach die „Uhrmacherei“ hieß. Er selbst zog mit seiner Frau ebenfalls in dieses Haus.
Mitarbeiter in Schwärzenbach, vor dem Ahornhäusle
Nach und nach wurden weitere Häuser und Werkstätten um das Stammhaus „Ahornhäusle“ mit dem Anbau für Matthä und seine Frau Elisatbeth herum gebaut. Es kam die die Packerei/Holzmagazin (1874), die Schreinerei, die Meisterwohnung D. Kleiser und das Haus für Bernhard Kleiser dazu (1878).
8. Entwicklung in Neustadt
Schon 1869 war als Sitz der Firma Neustadt festgelegt und ins ins Handelsregister eingetragen worden. Antons Bruder Johannes Winterhalder hatte 1873 einen Teilbetrieb der Firma M. Winterhalder und Hofmeier nach Neustadt, in der Scheuerlenstraße gegründet. Er baute ein Wohnhaus mit Werkstätten und Büros, Die Uhrmacherwerkstätten wurden dort im ersten Stock links untergebracht, während rechts die Büroräume lagen. Im zweiten Stock des Neubaus hatte Johannes seine Wohnung. Damit war die erste Niederlassung eines Teilhabers der Firma M. Winterhalder und Hofmeier in Neustadt begründet.
Im Jahr darauf, am 26. Mai 1874 feierte Johannes in Friedenweiler seine Hochzeit mit Emma Oberle aus Saig, Tochter des Saiger Oberlehrers Joseph Oberle, geboren 1850. Trauzeugen waren Karl Winterhalder, der Bruder des Bräutigams, und Adolf Oberle, der Bruder der Braut, der der erste Geschäftsreisende der Winterhalder-Firma wurde. Es war ihm eine Selbstverständlichkeit, dass er seine Arbeiter gut behandelte. Er bezahlte ihnen immer Stundenlohn, während zum Beispiel sein Bruder Anton fast nur im Akkord arbeiten ließ, allerdings in einem gut angesetzten Akkord. Dabei war er aber nicht etwa unwirtschaftlich in seiner Betriebsführung, sondern leitete seine Firma gut und rentabel. Dementsprechend waren seine wirtschaftlichen Verhältnisse immer sehr gut Die Winterhalder in Neustadt erweiterten natürlich auch ihren Besitz mit zusätzlichen Häusern für ihre Kinder.
9. Entwicklung in Friedenweiler
Thomas (1834-1906) und Karl (1836-1918), Winterhalder hatten ihre Werkstätten in Friedenweiler. Karl im Elternhaus, Lindenstrasse 6 (Altes Haus) und Thomas in seinem Haus Strandbadstrasse 6 (später Schwesternhaus). Beide fertigten Uhrwerke, die In Schwärzenbach in Gehäuse eingebaut wurden. Karl heirate 1864 Katharina Kirner (1841-1897) aus dem Kleineisenbächle. Sein Ansehen war sehr gross, er war 1870 – 1885 Bürgermeister von Friedenweiler. Er baute 1873 das „Neue Haus,neben dem „Alten Haus“. Sein Sohn Adolf (1883-1954) übernahm später das Haus. Thomas war sehr eigenbrötlerisch und sein Lebtag ein eingefleischter Junggeselle. Er wollte bei seiner Arbeit allein sein und frei über seine Zeit verfügen können. Er machte deshalb seine Uhrenbestandteile allein für sich in der kleinen Werkstätte in seinem Haus, das er sich am Weg zum Klosterweiher erworben hatte. Er arbeitete sehr exakt, und seine Arbeit erbrachte ihm jedenfalls soviel, dass er in geordneten finanziellen Verhältnissen lebte . Er war ein Individualist, groß gewachsen. Wenn er ausging, trug er immer einen dunklen Havelock, einen Herrenmantel mit langem Pelerinenkragen. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein Gesicht.
10. Entwicklung in Rudenberg
Matthäus (1868-1937), Sohn von Karl Winterhalder, erbte 1893 durch Heirat das Haus Nr. 28 in Rudenberg. Matthäus, ausgebildeter Uhrmacher, war eher ein Einzelgänger. Er baute in seinem Haus Uhren und Uhrenbestandteile, Joseph, ebenfalls Sohn von Karl Winterhalder, kaufte 1895 den Kirnerhof (Haus Nr.10). Er hatte Uhrmacher gelernt, war aber unzufrieden mit seiner Rolle im Firmenverbund. Er war zuständig für die Transporte der Uhrenteile von Friedenweiler nach Schwärzenbach und Neustadt, deshalb gab er diese Aufgabe auf und widmete sich nur noch der Landwirtschaft.
11. W & H Firmen-Etiketten mit Medaillen
Die Firma Winterhalder & Hofmeier beteiligte sich mehrmals an Ausstellungen im In- und Ausland und erhielt dort mehrere Medaillen, die sie natürlich stolz auf ihren Firmen-Etiketten zeigten.
Verdienstmedaille Wien 1873, III. Preis-Medaille Melbourne (AUS) 1881
11. Preis-Courant von ca 1875
Als einziges Dokument aus der Zeit von 1870-1875 ist eine Preisliste (Preis-Courant) vorhanden. Daraus lässt sich die Vielfalt der angebotenen Uhrentypen erschliessen. Es scheint, dass die Firma sich nach aussen als Lieferant aller typischen Schwarzwalduhren darstellen wollte. Allerdings ist wohl klar, dass sie, auf Grund der geringen Mitarbeiterzahl sicher nicht alle Uhren selbst herstellen konnten, sondern nicht selbst produzierte Typen zukauften.
12. Uhrentypen aus der Zeit 1880-1900
Einer der schönsten Kataloge von W&H stammt von ca. 1890. Zusätzlich gibt es noch einen Preis-Courant, der Einblick in die Vielfalt der hergestellten Uhrwerktypen und die verlangten Grosshandelspreise gibt. Es wird angenommen, dass die dort gezeigten Uhren sicher zum Teil auch ab ca. 1880 hergestellt wurden. Eine eigene Uhrenkastenschreinerei war ja schon ca 1870, mit dem Meister Philipp Kirner, eingerichtet worden. Es wurden aber immer noch Gehäuse zugekauft. Es sind nun auch eigene Entwürfe von Gehäusen zu sehen. Ob diese zu grossem Umsatz geführt haben, lässt sich natürlich nicht herausfinden, es fehlen detaillierte Geschäftsbücher. Lediglich ein Kontobuch, wohl von Winterhalder in Friedenweiler ist aufgetaucht. Darin finden sich Angaben über die Zeit von 1901-1909 (und die Zünder-Produktion in den Jahren 1914-1917).
13. 1885-1914: Die besten Jahre
Ob alle Uhrengehäuse selbst in der eigenen Schreinerei gefertigt wurden ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, das Gehäuse mit aufwendigen Schnitzereien ( wie Nr. 321, 325, 349, 351 entweder als Teile oder als Ganzes zugekauft wurden. In der Chronik von Eisenbach (Auf dem hohen Wald,(1991), S.192) wird Rupert Wehrle als Lieferant von Uhrenkästen für Winterhalder & Hofmeier erwähnt (1891). Eventuell wurden auch Uhrwerke nach England geliefert und in dort zugekaufte Uhrengehäuse eingebaut. Es gibt einige Beispiele, bei denen in identischen oder ähnlichen Uhrengehäusen englische Uhrwerke zu finden sind, also dort hergestellt worden waren. Dazu kamen bei den neuen Uhrengehäusen auch künstlerische Messing-Applikationen, die sicher zugekauft waren. Die schönen, aufwendigen Zifferblätter wurden in Eisenbach bei Johann Hogg hergestellt.
Zifferblätter von Kaminuhren, Johann Hogg, Eisenbach. Ähnliche Zifferblätter findet man auch in Standuhren
Laternenuhren, um 1900, ca. 40 cm hoch, Messing. Das Gehäuse der Laternenuhren wurde wohl in Friedenweiler gefertigt, dies ergibt sich aus Eintragungen in einem Kontobuch von 1901-1909 (Leihgabe Norbert Winterhalder, Friedenweiler). Die Applikationen wurden sicher zugekauft.
14. Geschäfts-Rückgang, 1900-1903
In den Jahren 1900-1903 gingen die Umsätze stark zurück. Die junge Generation, besonders Ludwig und Linus Winterhalder, führten das auf die veralteten Uhrenmodelle zurück. Nach sicher heftigen Diskussionen überliessen die Senioren, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. (alle über 60 Jahre alt) die Entscheidungen der jüngeren Generation. Ludwig und Linus Winterhalder forcierten den Umbau auf neue Modelle, wobei die reduzierte Produktion der alten Modelle wegen Bedenken aus Friedenweiler beibehalten wurde. Ludwig und Linus bauten die Fabrikation in Neustadt durch Errichtung neuer Gebäude für Werkstätten und einer Gehäuseschreinerei aus. Der Absatz stieg nun wieder merklich an. Den neuen Stil kann man in den Katalogen der folgenden Jahre sehen. Auch in den Bildern des Ausstellungsraums von 1908 lässt sich das feststellen.
Ausstellungsraum, um 1900 (aus:“In die Neue Zeit (1999))
15. Winterhalder & Hofmeier oHG ab 1909
In den Jahren 1908-1909 zog sich die ältere Generation, die Söhne von Matthä Winterhalder, Thomas, Karl Anton und Johannes, alle geboren 1834-1842, vollständig aus dem Geschäft zurück und die junge Generation, Söhne von Anton und Karl Winterhalder übernahm offiziell die Firma. Die Firma lief nun unter dem Namen M. Winterhalder & Hofmeier GmbH Neustadt (Baden).
16. Neuer Stil der Uhrengehäuse, ab ca. 1901
In der Übergangsphase wurden die neuen Gehäuse noch mit althergebrachten Zifferblättern, reich verziert ausgestattet. Später findet man nur noch die einfachen silberfarbenen Zifferblätter.
Der neue Namen der Firma, M. Winterhalder & Hofmeier, Neustadt (Baden) wurde nun auch als Markierung auf den Uhrwerken verwendet.
17. Handelsagenten in UK und USA
Winterhalder & Hofmeier arbeiteten als Uhren-Grosshändler mit Uhrengeschäften in UK und USA zusammen. Dabei wurden sie durch ihren Vertreter (Geschäftsreisenden) in England, Adolf Oberle (Saig), (1846-1927), unterstützt. Er war der Schwager von Johannes sen. Winterhalder. Gelegentlich war auch Linus Winterhalder in England. Er hatte ja seine Ausbildung in Buchhaltung und Finanzwesen in England gemacht und hatte auch einige Monate bei Camerer & Kuss, London gearbeitet. Die Haupt-Abnehmer ihrer Uhren waren: Morath Brothers, Liverpool und Nordengland Beringer Bros (aus Langenordnach) in Belfast, Irland Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988) Lorenz Fehrenbach, London Kleyser & Laule, Kleyser & Tritschler, Oxford Street, London In USA war es die Firma J.E. Caldwell & Co in Philadelphia.
Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)
Was noch übrig bleibt
Es ist wirklich vorbei… Heute ist nichts mehr übrig von der ruhmreichen Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, wie bei vielen bekannten anderen Uhrenfabriken im Schwarzwald. In Schwärzenbach erinnert nur noch die umfangreiche Sammlung von W&H Uhren im „Cafe Feldbergblick“.
Herr Vogelbacher hat viele seiner Schätze direkt im Cafe ausgestellt, lohnenswert.
Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation incl. aller Abbildungen aller bekannten Uhren und Uhrwerke, der Geschichte der HAWINA, Standuhrenfabrik, Hans Winterhalder, und vielen Katalogen von W&H sind im Buch „Winterhalder & Hofmeier aus Friedenweiler, Schwärzenbach und Neuststadt, 1816-1932“ zu finden. Das Buch (328 Seiten, 40€ + Versand) ist erhältlich über: winterhalder.hofmeier@gmail.com Peter Schlesselmann
Ein Mitglied vom Hüfinger Künstlerkreis war Josef Heinemann, geboren am 29. Dezember 1825 in Hüfingen und gestorben am 2. April 1901 ebenfalls in Hüfingen. Das Grab scheint leider ganz abgeräumt zu sein.
Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt „Muckle“ (1817 – 1902) mit Fes (Das Tragen eines Fes war im Biedermeier ein Zeichen der Gemütlichkeit); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.
Der Vater, Josef Heinemann (18.03.1794 – 31.12.1855) war Naglermeister und Armenhausverwalter. Er war am Bau der Hüfinger Anlage beteiligt und wird in dieser Beziehung mehrfach in den Akten erwähnt: Akte über die Anlage auf dem Rotrain. Die Mutter Katharina Strobel (16.04.1791-20.11.1869) war die Tochter des herrschaftlichen Försters Anton Strobel (1762-02.10.1812) aus Mundelfingen.
Josef Heinemann, hat am 03.11.1857 Maria Josefa Gleichauf (10.02.1828-23.03.1891) in Bonndorf geheiratet. Josefa war eine Schwester von seinem Freund Rudolf Gleichauf und das Paar hatte 7 Kinder.
Josef Heinemann (1825 – 1901) Bleistiftzeichnung von seinem Bruder Nepomuk Heinemann.
Pfarrer Josef Heinemann, Onkel des Malers Josef Heinemann und des Lithographen Nepomuk Heinemann.
Marie Heinemann (1857 – 1948) Gemalt von ihrem Taufpaten und Onkel Josef Heinemann. Mehr zu Marie gibt es im Artikel über das Haus Nober.
Marie und Kätherli (Katharina Heinemann 30.04.1828-27.01.1900. Kätherli war die Schwester von J. Nepomuk und Josef Heinemann) Foto von Johann Nepomuk Heinemann etwa 1868
Großherzog Leopold finanzierte Josef Heinemann ein Stipendium in Höhe von 200 Gulden, das ihm einen Aufenthalt in München ermöglichte. Dort hielten sich damals auch Lucian und Xaver Reich, Rudolf Gleichauf sowie sein Bruder Nepomuk auf. Sein erster Lehrer in München wurde der Akademieprofessor Strählhuber und nach ihm Julius Schnorr von Carolsfeld. Damals arbeitete Schnorr an seinen Darstellungen aus dem Nibelungenbuch. Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:
Mit Jäger, Gießmann und Strähuber, die unter Schnorrs Leitung dessen Nibelungen in der Residenz ausführten, bekannt geworden, beteiligte ich mich regelmäßig an ihren Kegelabenden in einem Privatgarten.
Josephsgeschichte: Jacob schenkt Joseph einen bunten Rock (1850)
Bildnis der Malerin Ida Müller, Freiburg (1841). Heinemann war hier erst 16 Jahre alt.
Xaver Reich, etwa 1850 gezeichnet von Josef Heinemann
In das vielseitige, nach außen hin aber wenig bewegte Leben unseres Frankfurter Aufenthaltes tönten bald auch schrille Mißklänge politischer Geschehnisse. Mit dem Rufe auf der Straße: Die Liberalen stürmen die Hauptwache waren eines Abends die Bewohner der freien Stadt aus ihrer Ruhe und Behaglichkeit geschreckt worden. Es galt, wie bekannt, zunächst den Sitzen der Herrn in der Eschenheimer Gasse. Das über die festgenommenen studentischen Tollköpfe verhängte, jahrelange heimliche Gerichtsverfahren, von dem nur zuweilen ein Schein gleich dem einer Blendlaterne in die Öffentlichkeit drang, war nichts weniger als geeignet, die bundestägliche Justiz populär zu machen. Und als eines Morgens — wir befanden uns just auf dem Wege zum Städelschen Institut — einer dem andern in den Straßen zurief: Sie sind durch heut Nacht! und die Leute in Gruppen vor der Konstablerwache standen und zu den Käfigen hinauf schauten, an welchen die Stricke, an denen sie sich herabgelassen, noch zu sehen waren, und es hieß, draus im Weiher beim Bethmannschen Garten habe man die Fußstapfen der Flüchtlinge entdeckt — da war unter der nach hunderten zählenden Menge gewiß nicht Einer, der ihnen nicht von Herzen glückliche Reise gewünscht hätte. … Nachdem der Sturm sich gelegt, und man in Ruhe sich wieder den Künsten des Friedens zuwenden konnte, hatten wir, ehe wir unser angefangenes Werk fortsetzten, Musterblätter für Schwarzwälder Uhrenschildmaler herauszugeben begonnen, wozu auch Joseph Heinemann und Heinrich Frank Beiträge gaben. … Im Jahr 52 hatte mich der Bau eines andern Kunsttempels wieder in die Residenz geführt, das Hoftheater, an und in welchem es Verschiedenes zu malen gab, wozu auch Joseph Heinemann und Gleichauf berufen wurden und auch mein Bruder mit seinen Terrakotten sich beteiligen sollte.
Josef Heinemann kam danach wieder zurück nach Hüfingen. Hier wurde er berühmt durch die Bilderbibel die er im Auftrag der Herderschen Verlagsbuchhandlung schuf.
Nach dieser Bilderbibel schnitten die Holzschneider die Illustrationen in der Schulbibel für Volksschulen des Freiburger Weihischofs von Dr. Friedrich Justus Knecht, die später von Dr. J. Schuster und G. May neu bearbeitet, in mehreren Diözesen offiziell eingeführt und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Ein Foto einer kolorierten Fassungen ist sogar schon in den Kommentaren auf dem Hieronymus aufgetaucht.
Zu den Arbeiten Josef Heinemanns zählen auch 14 Kreuzwegstationen für die Kirche in Ettlingen, Wandbilder in der Kirche von Ohlsbach und Oberöwisheim und ein Apostelzyklus im Chor und in der Kuppel der Gruftkirche zu Neudingen. Er malte auch die Fresken in der Kapelle des Schlosses Heiligenberg und das Rosenkranzbild für einen Seitenaltar in der Stadtkirche zu Donaueschingen, der im Jahre 1873 aufgestellt wurde. Er zeichnete 1868 die Kartons für die Glasfenster der Donaueschinger Stadtkirche. Im Treppenhaus eines Museums in Donaueschingen war auch mal eine Kohlenzeichnung mit dem Titel: Graf Heinrich zu Fürstenberg nach der siegreichen Schlacht bei Dürnkrut 1278 auf seine Burg Fürstenberg zurückkehrend.
Unten die Biblische Geschichte für Schule und Haus
Biblische Geschichte für Schule und Haus
Die Erschaffung der Welt
Adam und Eva
Kain und Abel
Die Sündflut
Noah geht aus der Arche und opfert
Turmbau zu Babel
Abraham
Joseph wir von seinen Brüdern verkauft
Joseph prüft seine Brüder
Jakobs und Josephs Tod
Der geduldige Job
Moses‘ Geburt
Moses‘ Flucht und Berufung
Die zehn Plagen
Das Osterlamm und der Auszug aus Ägypten
Der Durchgang durch das Rote Meer
Die Wunder in der Wüste
Gott verkündet die zehn Gebote
Das heilige Zelt
Der Hohepriester, die Priester und die Leviten
Moses‘ und Marons Zweifel. Die eherne Schlange.
Der Einzug in das Gelobte Land.
Heli und Samuel
David wird zum Könige gesalbt
Davids Kampf mit dem Riesen Goliath
David, der fromme und gotterleuchtete König
Salomons Gebet und weises Urteil.
Der Bau und die Einweihung des Tempels.
Der Prophet Elias.
Das Opfer des Elias.
Elias wird getötet und beruft den Elisäus. Seine Auffahrt.
Tobias und der Engel Raphael.
Judith
Jeremias
Daniel rettet die keusche Susanna.
Die drei Jünglinge im Feuerofen
Daniel in der Löwengrube
Esther
Die makkabäischen Brüder
Die Verkündung der Geburt des Johannes
Die Verkündung der Geburt Jesu
Mariä Heimsuchung
Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Weisen aus dem Morgenlande
Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr
Der Knabe Jesu im Tempel
Jesu wird von Johannes getrauft
Die Hochzeit zu Kana
Jesus reinigt den Tempel
Jesus und die Samariterin
Jesus lehrt, treibt den Teufel aus und heilt Kranke
Der reiche Fischfang
Die Bergpredigt
Der Erweckung des Jünglings von Raim
Die Büßerin Magdalena
Die Seepredigt
Der Sturm auf dem Meer
Die Tochter des Jairus und das kranke Weib
Jesus vermehrt Brote
Bekenntnis und Vorrang des Petrus. Gewalt der übrigen Apostel
Die Verklärung Jesu
Das Gleichnis vom bamherzigen Samariter
Jesu der gute Hirt
Das Gleichnis vom verlorenen Sohne.
Das Gleichnis von dem reichen Manne und dem armen Lazarus.
Jesu segnet Kinder.
Die Auferweckung des Lazarus.
Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem.
Das Osterlamm und die Fußwaschung.
Jesus sagt den Verrat des Judas, die Flucht der Apostel und die Verleugnung des Petrus vorher.
Jesus am Ölberge.
Jesus wird dem Barabbas nachgesetzt, gegeiselt und gekrönt.
Jesus wird dem Volke vorgestellt und zum Tode verurteilt.
Jesus wird gekeuzigt.
Jesus spricht die sieben letzten Worte und stirbt.
Die Eröffnung der Seite und das Begräbnis Jesu.
Die Auferstehung Jesu.
Die Himmelfahrt Jesu.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Stephanus der erste Märtyrer.
Der Kämmerer aus Äthopien.
Die Bekehrung des Saulus.
Die Taufe des Heiden Kornelius.
das letzte Bild fehlt im Buch. Falls jemand noch ein vollständiges hat, freue ich mich über ein Foto!
Leider wurde die künstlerische Arbeit Josef Heinemanns seit dem Beginn der 1870er Jahre durch den Grünen Star (Glaukom) immer stärker gehemmt. Es zwang ihn schließlich, Pinsel und Stift für immer aus der Hand zu legen. Am 2. April 1901 starb Josef Heinemann in Hüfingen.
Fridolin Heinemann (19.12.1859-4.2.1926) führte später das künstlerische Erbe des Vaters weiter. Er stand als Glasmaler in München in hohem Ansehen. Die Glasgemälde in der Heiliggeistkirche in München und in St. Verena und Gallus in Hüfingen wurden im 2. Weltkrieg zerstört. In der Lorettokapelle ist ein Gemälde von ihm zu finden.
„Madonna“ (laut Chronik von August Vetter 1984 sei das eine Madonna?) in der Lorettokapelle von Fridolin Heinemann.
Der gesamte Hieronymus liegt seit 2023 auch in Textform vor. Vorlage war die von Lucian Reich überarbeitete Auflage, die er zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen konnte und die 1957, von der Heimatzunft Hüfingen als Band XII der Schriftenreihe des Kreises Donaueschingen, unter großem Aufwand von Dr. Johne, veröffentlicht wurde.
Zehntes Kapitel gelesen aus dem Hieronymus von Lucian Reich
“E freie frohe Muth e gsund und frölich Blut goht über Geld und Guth.” >Johann Peter Hebel
Es muß kalt sein, denn wir sehen auf dem Bilde den Stoffel wider Gewohnheit frühe schon von der Jagd heimkehren. Mag aber auch das Alter Ursache haben, vor dem rücksichtslosen Gaste sich zurückzuziehen und Türen und Fenster zu verschließen, so hat doch für die Jugend jegliche Jahreszeit ihre eigenen Freuden: ist es nicht die blühende Rose am Stock, so ist es die Eisblume an der Fensterscheibe.
Nehmen wir einen Sonntagnachmittag. Der Nebel hat das Feld geräumt und die Sonne strahlt glanzvoll über dem weißbepuderten Tannenwald; die Birken und Erlen sehen aus, als kämen sie frisch vom Zuckerbäcker – und in tausend und tausend flimmernden Sternchen glitzert das Schneefeld. – Das ist für die Buben eine Lust, denn jetzt gilt es zu zeigen, wer dort auf der „Schleifer“ des Mühlbachs der Gewandteste und Keckste sei – und die Mädchen am besten zu necken verstehe. – Das waren auch für Hieronymus und seine Kameraden stets um so vergnügtere Tage gewesen, als sie nicht so häufig sind, diese Tage fröhlichen Treibens; denn oft erblickt man in der tief eingeschneiten Landschaft auch nicht ein menschliches Wesen. Nur Raben und Schneegeier flattern über das öde Gefilde, während scharfe Windswehen die Hütten und Höfe mit gewaltigen Schneemassen förmlich in Belagerungszustand versetzen, so daß der Hausvater morgens weder Laden noch Haustüre zu öffnen vermag und genötigt ist, wenn er dem Nachbar einen Besuch machen will, zuerst Minen und Tunnels zu graben.
Wie aber nach dem Ausspruch des Dichters: „Eines schickt sich nicht für alle“, gewisse Dinge in Scherz und Ernst immer nur einem gewissen Alter zukommen, so sahen die herangewachsenen Bürschlein bereits schon eine jüngere Altersklasse lustig auf dem Eis sich tummeln. – Ganz entsagen jedoch konnten sie diesem Vergnügen nicht. War die Schuljugend mit einbrechender Dämmerung vom Bache verschwunden, stieg der Vollmond über dem Wald empor und bestrahlte er die Schneelandschaft so helle, als wollte er’s mit wunderbarem Flimmern und Blitzen der verschwundenen Sonne fast gleichtun, so begaben sich Hieronymus, Dionys und Romulus mit anderen auf den überfrorenen „Gumpen“ unterhalb der Mühle; und auch Florentina und Juliana mit ihren Gespielinnen machten sich herbei, um ein halbes Stündchen lang die spiegelglatte Bahn wieder einmal zu probieren.
Die kurzen Tage hindurch saß Hieronymus fleißig bei der Arbeit. Die langen Abende jedoch gewährten Muße genug, auch noch eine Nebenbeschäftigung vornehmen zu können. – Wie damals in den meisten Kirchen bildliche Weihnachtsvorstellungen, sogenannte Kripplein, beliebt waren, so konnte man in manchen Häusern ebenfalls welche sehen. Für Kinder bildeten sie eine sehr anmutige Unterhaltung. Denn nicht nur erblickten sie da in romantischer Landschaft den Stall mit der Heiligen Familie, auch die drei Weisen aus dem Morgenlande kamen bereits über das Gebirge daher, und am Neujahrstag fand die Darstellung im Tempel statt – und so ging es fort, bis zum ersten Wunder am Hochzeitstisch zu Kana.
Auch Vater Mathias besaß von früher her eine Schachtel voll solcher Figürchen, nur war ihm bisher noch nie so viel Zeit geblieben, dieselben renovieren und eine Landschaft dazu erbauen zu können. Diesem Geschäfte unterzog sich jetzt Hieronymus. Frisch machte er sich daran, von Kohlenstücken eine Felsenlandschaft zu gestalten – eine Schöpfung, die indes nicht sogleich gelingen wollte. Denn bereits war der Berg erbaut, und Bachweber, der sich’s nicht nehmen ließ, auch mit Hand anzulegen, wollte eben als Schlußstein noch ein Kohlenstück einsetzen, als der Brocken seinen Fingern entschlüpfte und der Erschrockene, im Begriff, denselben noch zu erhaschen, an eine der hinten angebrachten Stützen stieß, wodurch – zum nicht geringen Entsetzen der Zuschauer, unter denen auch der Laubhauser sich befand – ein fataler Rutsch erfolgte, der dem mühsam geschaffenen Heiligen Lande den Untergang brachte. – Beim zweiten Versuch wurde der Leim zu schwach genommen und das Werk zu nahe an den warmen Ofen gestellt, was abermals Senkungen und Risse zur Folge hatte; und so gelang die Arbeit erst, nachdem Bruder Cyriak herbeigeholt und zu Rat gezogen worden war. Der in solchen Dingen wohlerfahrene Mann gab die rechten Rezepte und Anleitungen zum Leimen – und bald konnte man zum Grundieren und Kolorieren der Landschaft schreiten.
Der Bruder hatte sich anheischig gemacht, ein neues, in Wachs gegossenes Christkindlein zu stiften, während Hieronymus sich angeregt fühlte, manche Lücke im biblischen Personal kunstgerecht auszufüllen. Er machte es hierbei wie die alten Meister: er griff keck ins Leben hinein und brachte Personen seiner nächsten Umgebung – so gut es seiner Unzulänglichkeit gelingen mochte – in den historischen Rahmen. So stellte er seinen Vater, kenntlich an Haltung und Kleidung, als Hirten dar, sich selbst nebst Dionys und Romulus als Hirtenkinder. Auch der Lehrer Bachweber erschien in einer folgenden Darstellung, und zwar als Schriftgelehrter.
Am meisten Beifall erhielten von seinen Schöpfungen: ein Einsiedler, der im Habit des Bruders Cyriak oben auf den Felsen hinter Bethlehem vor seiner mit einem Kreuze gezierten Klause das Ave-Maria läutete; ferner ein Tiroler Gemsjäger, benebst einer Schwarzwälder Ankenhändlerin, im Begriff, mit ihrer Ware den Wochenmarkt in Jerusalem zu besuchen. – Um die Kritik gelehrter Ästhetiker und Kunstliteraten brauchte er sich ebensowenig zu kümmern wie die alten Meister, weil er glücklicherweise ebensowenig wie diese von solchen etwas wußte.
Am Heiligen Abend und die ganze Weihnachtszeit über kamen viele Kinder und Erwachsene aus dem Tal, um das Werk zu bewundern. Manche fühlten sich bemüßigt, dem Christkindle ein kleines Opfer zu entrichten – was zwar nicht verlangt, aber vernünftigerweise auch nicht abgelehnt wurde.
War unter dem Opfergeld auch mehr Kupfer als Silber zu finden, so gab solches dem Künstler doch schon wieder – rechnete er – Futterzeug zum neuen Rock; denn daß ein solcher notwendig, darüber herrschte im Hause längst keine Meinungsverschiedenheit mehr; nur hatte die Anschaffung bisher immer verschoben werden müssen, der im vorigen Kapitel erwähnten finanziellen Bedrängnisse wegen.
Am Neujahrstage mußte Hieronymus, wie gewöhnlich an diesem Tage, schon vor dem Kirchgang mit den Eltern hinübergehen in den Hof, um den bäuerlichen Herrschaften pflichtschuldigst zu gratulieren. Es geschah mit der üblichen Redensart: Glückseliges Neujahr, und man wünsche, was man sich selber wünsche – Gesundheit und langes Leben und nach diesem die ewige Seligkeit usw. Auf dem Tisch im Hofe dufteten bereits die von allen übrigen Gratulanten sehr bewunderten Attribute des Tages, Meisterstücke der Bäckerkunst unseres Mathias und seiner Anastas: ein mit Zucker bestreuter „Guck-inofen“ nebst etlichen mürben, von Butter glänzenden „Eierringen“, im Durchmesser nicht viel kleiner als ein Pflugrad.
Festtäglich geputzt trat Florentina rasch aus der Kammer in die Stube ein, dem Besuche das Neujahr „abzugewinnen“- Hieronymus sah sie heute zum erstenmal wieder seit ihrer Rückkehr aus dem Hause des Kaiserzollers, wo sie seit etwa acht Wochen sich aufgehalten, um nach dem Wunsche der Mutter im dortigen Wirtshaus das Kochen zu lernen. – Hieronymus konnte eine leichte Überraschung kaum verbergen; war es die Glorie der Morgensonne, die in vollem Winterglanze durch die Scheiben strahlte, oder machten es die neuen Kleider, in denen die Tochter des Hauses nun zum erstenmal in die Kirche gehen wollte – genug, der Freund schien sich heute zum erstenmal bewußt zu werden, daß Florentina ein – bildschönes Mädchen sei. Und fast gar wäre ihm der Ausruf entschlüpft: „O wie schön bist du!“ – Aber er korrigierte sich schnell und sagte – „sind deine Kleider!“
Es waren in der Tat auch Prachtstücke von bestem Samt und Seide: das grüne, reich verzierte Goller, fast zu eng für den weißen Hals, der dunkelrote Brustlatz, gestickt in echtem Gold und Silber, dazu die bauschige, violett schimmernde Taffetschürze mit dem silbernen Gürtel darüber, das faltenreiche Halstuch, die feinen Hemdärmel, weiß wie frisch gefallener Schnee. – Alles zeigte klar, daß ihr Vater in Sachen des Putzes, wie er jetzt selbst oft zu sagen pflegte, nimmer Meister sei.
Und als die liebliche Maid ihrem jugendlichen Freund zur Bekräftigung der guten Wünsche für das neue Jahr die Hand gab, bemerkte dieser am Ringfinger der dargebotenen Rechten ein massiv silbernes Ringlein mit einem leuchtenden Karfunkelstein – ein Neujahrsgeschenk war’s von ihrer Patin, der Frau Kaiserzollerin.
Wie nun das an der Schwelle des jungfräulichen Alters stehende Mädchen in diesem standesgemäßen Anzuge vor ihm prangte, mochte ihm wohl ein leises Gefühl sagen, wie beträchtlich der Abstand sei zwischen dem Sohne des armen Hausmanns – und der Tochter des reichsten Hofbauern im ganzen Tal.
Geschärft mochte diese Erkenntnis noch werden durch das Gespräch der Eltern, die im Fortgehen zu allerlei Betrachtungen sich veranlaßt fühlten über den Reichtum der Familie und über das einstige große Heiratsgut des einzigen Töchterleins, auf dessen Hand sicherlich schon dieser und jener vermögliche Hofbauernsohn spekuliere usw. – Oft schon hatte Hieronymus dieses Thema von den Eltern besprechen gehört, aber noch nie war es ihm so nachhaltig ins Gehör gefallen – wie heute.
Zerstreut kam er aus der Kirche nach Haus; und nach dem Essen begab er sich zum Stabhalter, diesem einen schön gemalten Neujahrswunsch zu überreichen; ein blankes Käsperle war der Lohn für diese Aufmerksamkeit, welches Geldstück der Empfänger mit einer gewissen Befriedigung den übrigen Sparpfennigen beigesellte. – War er nur einmal gehörig ausgerüstet – dann sollte ihn nichts mehr zurückhalten hier im Tal; denn daß da sein Glück nicht blühe, daß er hinaus, etwas Rechtes erlernen und werden müsse, das wurde dem guten Burschen mit jedem Tage mehr klar.
Im Laufe des Nachmittags kamen noch sämtliche nächste Anverwandte des Laubhausers auf den Hof. Es ging hoch her im Haus, denn bei solchen Anlässen wollte der Bauer zeigen, wie gut es mit Küche und Keller zu Laubhausen bestellt sei. Aber nur Ebenbürtige waren zur Teilnahme berechtigt.
Vettern und Basen, mit denen kein Staat zu machen war, wurden nur so nebenbei, in der Küche oder im Hinterstüblein abgespeist. Während kleinere Hausmanns- oder Taglöhnerskinder vor der Haustür dort standen und die ankommenden Schlitten und ihre Insassen musterten oder begehrlich und wunderfitzig durch die Fensterscheiben lugten und vom Peter zuweilen ein duftendes „Küchle“ oder ein paar „Sträuble“ hinausgelangt bekamen – wandelte Hieronymus gedankenvoll hinter den Häusern hinweg, hinüber zur einsamen Hütte des Stoffels.
Jagdschloss im Unterhölzer Wald
Der wunderliche alte Junggeselle war eben im Begriff, von seinem unzertrennlichen Dachshund begleitet, einen Gang in den Wald zu machen, und Hieronymus schloß sich ihm an. – Im Fortgehen erzählte der Stoffel seinem jungen Freund, wie nächstens wieder ein großes, von der Herrschaft anbefohlenes Treibjagen auf Säu und Hochwild abgehalten werden solle. „Du weißt“, sagte er, „daß kürzlich in Unterhölzer beim Wartenberg der große Eichwald zum Tiergarten eingezäunt worden ist, wo allein noch Hoch- und Schwarzwild g’hegt werde soll. «
„Vorgestern“, bestätigte Hieronymus, „hab ich g’seh‘, wie sie schon die Wehrblahen und die Garn und Schweinsseil mit den Steckgabeln auf Wägen von Donaueschingen herbracht haben – nüber ins Jägerhaus. Da sind schon die Hundsbube versammelt mit den Leit- und Hetzhund; auch das Zelt hab ich g’sehen ablade für die Herrschaft, – die Fürstin soll ja selber eine so g’schickte Jägerin sein.“
„Allerdings – aber wenn’s so fortgeht“, meinte der Alte verdrießlich, indem er Feuer schlug, um seinen Ulmer wieder in Brand zu versetzen, „wird’s bald höre haben mit der Jagd auf Edelwild. Weiß noch gut die Zeit, wo die Hirsch rudelweis in strenge Winternächte vor die Bauernhöf komme sind, oft bis in die Scheuern, wenn der Knecht vergessen hat, das Scheuertor recht zu schließe.“
Ulmerkopf aus der
Privatsammlung von Anton Manger,
Pfeifenbauer aus Wollbach/Unterfranken.
Fotos: Jenny Schmitt
Indem sie unter solchen Gesprächen den Wald durchstreiften, der – weil der Schnee fest gefroren – gut zu begehen war, und der Stoffel seinen Begleiter da und dort auf die Fährten und das Getieger des Wildes aufmerksam machte – flog ein Kreuzschnabel über ihren Köpfen hinweg. – „So ein Kreuzschnabel„, sagte der Stoffel, „ist ein wahrhafter echter Schwarzwälder. Wenn die andern wehleidig vor dem Winter Reißaus nehmen oder vor den Häusern und Scheuren auf dem Bettel rumziehen, ist es dem Bürschle erst recht wohl im Wald, so daß es mitten im Winter, im Jänner schon, ans Nesten und Brüte denkt.“
Kreuzschnabel im Schwarzwald
Zu einer Lichtung des Waldes gekommen, wo ein hungriges Häslein um einzelne, aus der Schneedecke ragende Sträucher und Stäudlein sich mühte, nahm der Stoffel seinen Stutzen von der Schulter und machte mit einem wohlgezielten Schusse den Nahrungssorgen des guten Tierles, wie er sich ausdrückte, ein Ende. – „Es wird auf eins rauskomme“, lachte er, indem er zur Stelle schritt und den armen Lampe in den Büchsenranzen schob, „ob dich heut nacht ein Fuchs oder morgen der alte Stoffel verspeist. – Einer lebt vom andern, das ist der Lauf der Welt – und selber essen macht fett, das heutig‘ Evangelium! – Hast du Lust, Hieronymus, so bist du höflich invitiert auf morgen zum ersten Werktagsschmaus. – Man darf die alten ehrwürdige Bräuch nit abgehe lasse.«
„Ihr habt’s gut, Stoffel!“ entgegnete Hieronymus, den Alten, der sein Gewehr wiederum lud, mit lächelnder Miene betrachtend. „Ihr lebt, wie es Euch g’fallt, und schert Euch um niemand und um nix, was andern ’s Herz schwer macht.“
„Närrischer Kerl“, versetzte mit heiserem Lachen der Stoffel, „kannst’s ja auch so haben, wenn du willst! – Was braucht sich einer viel zu kümmern, wenn er nur sein bißle Leben und von Zeit zu Zeit sein Brätesle uf em Tisch hat!“ „Um das handelt es sich nit allein!“ sagte Hieronymus mit einem halb unterdrückten Seufzer. „Man strebt halt b’ständig weiter – in der Hoffnung -„ „Ei was, Hoffnung!“ brummte der Alte, unwirsch ihn unterbrechend. „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Die Hoffnung ist ein betrügliches Weibsbild, das viel verspricht und wenig halt‘; hat manchen schon sein Lebtag am Narrenseil rumg’führt.“ „Wenn die Hoffnung nit wär“, meinte Hieronymus ernst, „so wär’s ja zum Verzweifeln. – Und wege was soll man nit hoffen und trachten – nach Glück und -„ „Hoffen und trachte nach Luftschlössern?“ fiel der Alte höhnisch ein. „Schau, en Spatz in der Hand ist mir lieber als die Taub uf ‚em Dach, das magre Häsle da im Ranzen mir ang’nehmer als der fetteste Rehbock drüben am Feldberg. – Laß das unnötige Schmachten und Trachte. – Laß anderen ihr eingebildet Glück; laß ihne den Geldsack und die Ehrestelle. – Hast du wenig – so brauch wenig, hast dann au nit nötig, dich viel zu bedanken oder jemand zu schmeicheln. – Und kommt dir trotzdem emal einer überzwerch – so zeig ihm, wo er her ist – und daß du nix nach ihm z‘ frage hast.“ Das war in kurzen Worten so ziemlich die ganze Lebensphilosophie des Stoffels, der übrigens seinen jungen Freund nicht ganz verstanden, nicht erraten zu haben schien, wo diesen der Schuh drückte. – Der Alte kümmerte sich in der Tat um niemand, und niemand kümmerte sich viel um ihn, weder der Stabhalter, Vogt noch Amtmann oder der Pfarrer. Er seinerseits brauchte keinen; er zahlte weder Steuern noch Abgaben, weder Sporteln noch Frevelbußen, und kam auch nie in die Lage, Stolgebühren entrichten oder um Dispens nachsuchen zu müssen. – Von Haus aus Wilderer und Fischer nach Belieben, an dem die Jäger und Aufseher gerne vorbeigingen, als hätten sie ihn nicht gesehen, hatte er später sich herbeigelassen, ein Dienstlein anzunehmen.
Der einsichtsvolle Oberförster übertrug ihm nämlich die Aufsicht über das Wild und die Dressur der Jagdhunde. Die Besoldung bestand hauptsächlich im Schußgeld vom Raubzeug; und wenn hie und da auch einmal eine Kugel nebenaus ging und zufällig einen fetten Rehbock oder – wie heute – ein unvorsichtiges Häslein traf, so fiel es niemand ein, den Schützen deshalb zur Rede setzen zu wollen.
Die Raben zogen schon heimwärts, den Bergwäldern zu, als die beiden, herabgestiegen ins Tal, den Rückweg antraten – und am Kreuzweg sich verabschiedeten. – Der klare Wintertag schloß mit einem prächtigen Sonnenuntergang. Als Hieronymus einmal zurückschaute, sah er das Tagesgestirn eben in glühendes, nach oben hin violett verschwimmendes Rot hinabsinken.
Die Berge standen in kaltblauen Schatten am Horizont, nur der Schnee im Tal und auf dem eingefrorenen Bache schimmerte stellenweis wie angehaucht vom Abendrot. – Gedankenvoll betrachtete Hieronymus das schöne Naturspiel eine Weile – dann schritt er weiter. – Aus eisgrauen Wolkenschichten schaute im Osten die blaßgelbe, unvollkommene Scheibe des Mondes über die Höhen, finster schon lagen die Häuser und Hütten – nur die Fenster am Laubhauserhof flammten und spiegelten noch die späte Glut des Himmels ab.
Am andern Tage kam richtig der Gemeindsbote mit der Ansage zur großen Jagd. – Auch Hieronymus rüstete sich dazu; es war nicht das erste Mal, daß er eine solche Hetze mitmachen mußte. – Aber die fürstlichen Herrschaften kamen nicht; die Jagd wurde verschoben, von einem Tag zum andern – bis endlich Tauwetter einfiel. – Ein lauer Föhn war über Nacht ins Land gekommen. Die Tannen verloren ihren Duft und schauten schwarz und melancholisch über das Schneefeld. Es schien, als wolle am Dreikönigstag der Frühling schon seinen Einzug halten. Seine Vorboten, Sturm und Regen, hatten bereits eine allgemeine Mobilmachung angeordnet, und selbst das Eis auf dem Bache erhielt schleunigst Marschbefehl. Es drängten und schoben sich die Schollen auf- und untereinander, gleich einem retirierenden Heere, das im Abziehen noch Brücken und Stege sprengt und soviel wie möglich am Wege hin verwüstet. – Aus allen Wäldern und Schluchten stürzten reißende Gießbäche hervor; das Wasser wuchs stündlich, und man fürchtete für die Hütten und Höfe im Tal, und selbst im Laubhauserhof fand man’s geraten, die Haus- und die Stalltüre mit Mist zu verschanzen.
Einsilbig, in sich gekehrt, verbrachte der von seinem Spaziergang gehörig durchlüftete Bursche den Abend. Früh ging er zu Bett, aber noch lange traf die laute Unterhaltung drüben im Hof sein Ohr – er hörte die umständliche Verabschiedung der Gäste vor der Haustür, das „Bhütigott!“ und „Kommet guet heim!“ der Zurückbleibenden und der Scheidenden – bis endlich, mit dem Geklingel des letzten abziehenden Schlittens, alles in Nacht und Schweigen versank.
Aber der besiegte Winter gab sein Spiel noch lange nicht verloren. Kurz nach Lichtmeß nahm er, als erfahrener Feldherr, im Sturme wieder die Höhen und Pässe – und es fiel eine solche Masse Schnee, daß die Wohnungen in den Niederungen förmlich gesperrt und blockiert wurden.
Dazumal war es auch, daß ein einsamer Hof am Feldberg mit seinen Bewohnern wochenlang unter der Schneedecke begraben lag, bis endlich – es war gerade Karfreitag – Umwohnende den Dachfirst endlich wieder aus dem Schneemeer hervorragen sahen und zu Hilfe zogen. Man brach ein Loch in das Dach und rief hinunter, ob alle noch am Leben seien. „Ja“, erscholl es aus der Tiefe. „Wißt ihr auch, daß heut Karfreitag ist?“ war die zweite Frage der Obenstehenden. „Gottsnamen!“ hieß es unten, »wir verspeisen soeben ’s letzte Stück vom letzten Stier!«
Feldberg vom Klippeneck aus
Auch Unglücksfälle durch Lawinen kamen vor, ähnlich der gänzlichen Zertrümmerung des Königenhofs bei Waldau in neuerer Zeit, wobei die vom jähen, von keinem schützenden Waldmantel mehr bedeckten Berg herabrutschende Schneemasse sämtliche Bewohner mit ins Grab riß. – Wie häufig geschieht, mußten auch damals die Leute am Feldberg aufgeboten werden, diesem Beherrscher des Schwarzwaldes im Juli oder August den Schnee vom Haupte zu schäufeln; denn, sagen sie, wär’s ihm nur einmal wieder gelungen, die uralte Mode einzuführen und die Haube das ganze Jahr hindurch aufzubehalten, so wäre der Schwarzwälder Gletscher fertig, wie er’s vor Jahrtausenden gewesen.
In der ersten Ausgabe hatte Lucian Reich auch noch den Text eines Liedes mit drin:
Ich bring heut ein`sehr fröhliche Bost, Auf daß ihr Hirten die Freuden verkost`; Als ich nun bei der Nacht, Bei meinen Schäflein wacht, Habens ein`liebliche Musik gemacht.
Ich greif einlends nach meiner Schalem; Und ruf gleich meinen Schäflein herbei, Aber sie lassen mich, Sammt meiner Pfeif`im Stich, Springen, frohlocken und erfreuen sich.
Kommt laß uns nach Bethlehem geh`n Um nun alldorten das Wunder zu seh`n: Es war ein alter Stall, Der voller Feuer stral`, Wo sich die himmlische Musik erschall.
Ich sah dorten das göttliche Kind, Liegen im Viehstall bei Esel und Rind. Herzliebstes Jesulein, Wir wollen dir dankbar sein, Daß du bei Sünder gekehret hast ein!
Die erste Version von diesem Artikel hatte ich am 07. Juli 2020 veröffentlicht. Seit damals hat sich viel getan. Die Kunst, die Menschen und die historischen Begebenheiten haben sich zu einem kontinuierlichem Geflecht aus zusammenhängenden Ereignissen entwickelt. Von diesem Geflecht ist der Hieronymus-online die logische Fortsetzung und hier kommt eine grobe Zusammenfassung des Hüfinger Künstlerkreises:
Die Familie Menradt
Hierzu wird es am Montag den 23. Februar 2026 um 19:00 Uhr in der Rathausgalerie ein Vortrag von Dr. Jörg Martin, dem Leiter des FF Archives, geben. Der Vortrag kommt selbstverständlich auf dem Hieronymus.
von Martin Menrad ein Gemälde von 1682, das er im Auftrag des Fürsten Anton Egon zu Fürstenberg-Heiligenberg gemalt hatte.
Karte aus dem Jahr 1662 von Hüfingen von Martin Menradt Foto: Dr. Jörg Martin
Die Stadt Hüfingen im Jahre 1682 nach einem Gemälde von Martin Menrard
Hieronymus Lang
folgt irgendwann.
Der Hofmaler Joseph Weiß
Der FF Hofmaler Franz Joseph Weiß (15.02.1735-16.06.1790) ist einer der frühesten Vertreter der Hüfinger Künstlertradition. Das Geschlecht läßt sich bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges zurückverfolgen, ist aber erloschen. Der früh verstorbene Joseph Weiß, der Großvater des Malers, war Gastwirt im Gasthaus zum Hirsch gewesen.
Franz Joseph wurde am 15. Februar 1735 als zweitältestes Kind der Eheleute Josef Weiß und Elisabeth Spiegelhalter geboren. Von seinen sechs Geschwistern lassen sich in der Folgezeit nur zwei als in Hüfingen seßhaft belegen. Er selber schloß zwei Ehen in Donaueschingen. Aus der ersten Ehe gingen die drei Kinder Johannes Nepomuk, Xaver und Maria Anna hervor. Sie war 1762 in Donaueschingen geschlossen worden. Seine zweite Ehefrau hieß Maria Anna Neyerin. Sie verstarb 1796 im Alter von 40 Jahren.
Er hat die Fahne der Jakobusbruderschaft für das Jokobifest gemalt. Der Jakobitag ist am 25. Juli und wird in vielen Städten heute noch gefeiert. Das Jokobifest war auch in Hüfingen einst sehr wichtig und wurde dann leider vergessen, weil Blumen ausreissen anscheinend mehr Spaß macht. Die etwa 300 Jahre alte Fahne der Jakobuspilgerbruderschaft erinnert noch an diese Pilgerwanderungen.
Die Jakobusfahne wird heute an Fronleichnam bei Prozessionen mitgeführt und begegnet uns in Kapitel 17 und 23 im Hieronymus. Der Hofmaler Weiß war mit den Reichs befreundet und ist in allen Büchern von Lucian Reich zu finden. In St. Verena und Gallus hat er die Seitenaltäre von Maria Anna und und Jakobus gemalt.
Fahne der Jakobsbruderschaft vom Hofmaler Weiß Vielen Dank an Markus Leichenauer für das Foto!
Seitenaltar in St. Verena und Gallus.
Jakobus mit Wanderstab in der Hand, dem Volke predigend aus 1774. Die links unten auf der Tafel gemalte Männergestalt soll ein Selbstbildnis des Hofmalers Franz Josef Weiß sein.
Xaver Schelble, Sebastian Fritschi und Johann Georg Kaltenbach
folgt irgendwann
Johann Baptist Seele
Als weiterer früher Vertreter der Hüfinger Künstlertradition gilt Johann Baptist Seele (27. Juni 1774 in Meßkirch – 27. August 1814 in Stuttgart). Sein Vater Franz Xaver Seele diente ab 1776 in Hüfingen als Unteroffizier im fürstenbergischen Kreiskontingent. Johann Baptist Seele stieg bis zum Hofmaler des württembergischen Königs auf. In den Wanderblühten widmet ihm Lucian Reich Seele ein ganzes Kapitel: Wanderblühten – Johann Baptist Seele.
Fun Fact: Der Hof- und Theatermaler Josef Sandhaas aus dem Kinzigtal war der Zeichenlehrer von Luzian Reich am Benediktinerkloster in Villingen bis zum Jahr 1805 (Denkbuch). Dessen Schwester Gretel (Maria Margarete) Sandhaas (1771–1830) hat damals in Hüfingen Seele „bussiert“. Der Sohn aus dieser Beziehung, Carl Friedrich Sandhaas, wurde später ein großer, aber auch komplizierter Künstler.
Johann Baptist Seele 1792
Johann Baptist Seele1800
Johann Baptist Seele 1810
Fotos aus den Schriften der Baar 44 (2001). Der Maler Johan Baptist Seele und sein Werk, von Gabriele Brugger.
Luzian Reich
Der eigentliche Künstlerkreis entstand um den Unternehmer Luzian Reich (7. Januar 1787 in Bad Dürrheim – 18. Dezember 1866 in Hüfingen), auch genannt „der Ältere“. Er selber zeichnete mit „Senior“.
Über Luzian Reich, auch von ihm selber geschrieben, steht viel im Denkbuch, das sein Sohn im Jahr 1896 in den Schriften der Baar veröffentlich hat.
Luzian Reich etwa 1866. Foto von seinem Schwiegersohn Johann Nepomuk Heinemann
Tafel im Stadtmuseum
Kunstdruck aus der Zeichenschule von Luzian Reich mit der Akelei von Dürer (etwa 1830)
Luzian Reich etwa 1860 Foto: Nepomuk Heinemann
Die Zeichenschule von Luzian Reich: Der Oberlehrer, Maler, Kunstschreiner und Bildhauer gründete in Hüfingen eine Zeichenschule für Buben und Mädchen. Er sammelte Ölbilder, Kupferstiche, Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Skulpturen und Töpferkunst die zum Teil aus aufgehobenen Klöstern stammten. Diese vielfältige Sammlung diente seinen Kunstschülern als Lehr-und Anschauungsmaterial.
Katharina Götz (01.11.1760-04.04.1847) mit Goldhaube, gemalt von Luzian Reich, ihrem Schwiegersohn im Jahre 1829 . Sie ist die Mutter von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und die Großmutter von Elisabeth, Xaver und Lucian Reich.
Eltern von Xaver, Lucian und Elisabeth: Luzian Reich und Josefa Schelble. Großeltern: Mathias Reich und Anastasia Buckin (Bad Dürrheim). Franz Josef Schelble und Katharina Götz (Hüfingen).
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731
Auch gründete Luzian Reich zusammen mit seinem Schwager Schelble und dem Hofrath Baur den Verein Freunde der Natur. Die Freunde der Natur – des Nützlichen und Schönen errichteten auf dem Rotrain eine Anlage in der auch Konzerte gegeben wurden.
Der Musikdirektor Johann Nepomuk Schelble Sohn, Bruder, Schwager und Onkel
Der Bruder von M. Josefa Schelble (18. März 1788 -12. November 1866) war Johann Nepomuk Schelble (16. Mai 1789 – 7. August 1837 ), der Gründer des Cäcilienvereins in Frankfurt a. Main.
Johann Nepomuk Schelble war Chorknabe im Kloster Marchtal wo er wissenschaftlichen und musikalischen Unterricht erhielt. Als das Kloster 1803 aufgehoben wurde, kehrte er zu seiner Familie nach Hüfingen zurück. In der Stadtmusik Hüfingen spiele er Piccoloflöte und besuchte die Schule in Donaueschingen, wo er an dem kunstliebenden Fürsten Karl Egon von Fürstenberg einen Beschützer fand. Am 24. Juli 1818 gründete er in Frankfurt den Cäcilienvererin.
Foto: Allegorie zur Namensgebung des Cäcilienvereins. Zeichung von Moritz August von Bethmann-Hollweg um 1828.
Neue Disputa:
Oben bei den Engeln die heilige Cäcilia und Händel, Beethoven, Mozart, Hayden unten Schelble, seine Frau Molly und die Gründungsmitglieder des Cäcilinvereins.
Foto aus >Die Leute singen mit so viel Feuer…< Der Cäcilienchor Frankfurt am Main 1818 bis 2018.
1820 erhielt Schelble ein Angebot vom Fürsten Karl Egon die Stelle des Hofkapellmeisters zu übernehmen. Um ihn in Hüfingen zu halten wurde die Anlage am Rotrain zum großen Teil vom Fürstenhaus finanziert. Nach der mutwilligen Zerstörung durch Faller, Auer und Ruf in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821, hatte Schelble dann in Frankfurt einen 10-Jahres Vertrag abgeschlossen.
In Hüfingen erwarb Schelble 1824 ein „Landgütchen“, das er sein „Ruhetal“ nannte. Mit 48 Jahren starb Schelble in den Armen seiner Frau Molly am Eingang seines Hüfinger Hauses an der Bräunlinger Straße.
Eine Freude für sie war, wenn nachmittags der „Nepomuk und die Molly“ kamen. Aber auch sie waren immer viel in Anspruch genommen mit Einrichtung und Verbesserungen ihres Hauses und Gütchens. Die Großmutter stammte aus der Hofbauernfamilie Götz, deren Haus in der Vorderstadt noch ganz die mittelalterliche Bauart zeigte und auch eine allerdings trübselige geschichtliche Bedeutung hatte, insofern als die Scheuer der Hauptschauplatz war des gräuelvollen Blutbades vom Jahre 1632 beim Überfall der Stadt durch Württembergisches Kriegsvolk.… Gelegentlich einer Reise, die Onkel Schelble zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit nach Gastein unternommen, wobei wir ihn bis München begleiten durften, hatten wir Schaller, den Landsmann Binders, kennen gelernt. — Die Badekur hatte den erwarteten Erfolg nicht gehabt; im Sommer 1836 sah der gute Onkel sich genötigt, aller Tätigkeit zu entsagen und sich nach Hüfingen in sein von ihm mit so großem Interesse gegründetes Landgütchen zurückzuziehen. Ich war so lange noch in Frankfurt geblieben, um das Fortschaffen der Möbel überwachen zu können. Felix Mendelssohn war gekommen, die interimistische Leitung des Cäcilienvereins zu übernehmen. aus dem Denkbuch
Das Landgütchen Foto von Karl Schweizer 1980
Im Bade Gastein hatte er vergeblich Heilung gesucht; ist so mächtig in die Heimat zu, wo er in der stärkenden Luft des Hochlandes Besserung hoffen durfte. – Und wirklich schien erneutes Leben noch einmal wiederkehren zu wollen – doch war es leider nur Täuschung – das Vollgefühl der Gesundheit kehrte nimmermehr wieder. Demungeachtet war er noch immer unausgesetzt thätig. Nebst der Sorge für die häusliche Einrichtung seiner kleinen Gartenwohnung beschäftigte ihn der Singunterricht der Kinder, die er um sich versammelt hatte; auch hier im Kleinen, wie früher im Großen, wollte er den Sinn und die Empfänglichkeit für das Schöne wecken und fördern. – Frohe Hoffnung gänzlicher Genesung beschlichen die Brust der Seinigen; um so unvorbereiteter traf sein plötzliches Dahinscheiden.
Es war am 6. August des Jahres 1837, an einem Sonntag, als das Totenglöcklein der Stadtkirche üblicherweise den Einwohnern verkündete, dass ein Mensch aus ihrer Mitte geschieden sei. – Es war das Scheidezeichen für Johann Nepomuk Schelble. – Im Geleite der Seinigen hatte er denselben Tag einen Spaziergang auf ein entferntes Grundstück unternommen, als er zurückkehrend am Eingange seines Gartens von einem Blutsturz befallen wurde, der seinen Leben in den Armen seiner Gattin ein schmerzliches schnelles Ende machte.
Ein Mitglied des Cäcilienvereins (Johannes Weismann) unternahm es, für die Freunde in kurzgefassten Zügen eine Schilderung des Lebens und Wirkens des Verewigten zu entwerfen. Und wohl darf er als die Denkweise Vieler betrachtet werden, wenn der Verehrer am Schlusse seines Nekrologs ausruft: „Fürwahr, ein ungewöhnlicher, ein großer Mensch ist mit ihm von der Erde geschieden; denn seine Aufgabe war eine große, und er hat sie im großen Sinn aufgefaßt und gelöst. Darum erkannte sich der Verein mit tiefem Schmerze verwaist, als er sich ihm die Überzeugung aufdrang, dass Schelble ihm unwiederbringlich entrissen sei. Darum ist es so natürlich, dass wir immer von Neuem an ihn erinnert werden, dass wir ihn immer wieder vor unserem Geistesauge erblicken, den Mann mit der großen Stirne, mit dem edelgebildeten Haupte, dem tiefblickenden Auge, wie er anspruchslos am Klavier saß und mit klarem, ruhigen Sinn die Tonwelt, das Ganze wie das Einzelne beherrschte“. aus den Wanderblühten – Johann Nepomuk Schelble
Man kann kaum glauben, wie viel ein einziger Mensch, der was will, auf alle andern wirken kann; S. steht dort ganz allein…Er hat sich einen sehr bedeutenden Wirkungskreis geschaffen und die Leute im eigentlichsten Sinne weiter gebracht … Felix Mendelssohn Bartholdy in einem Brief an Carl Friedrich Zelter
Lucian Reich
Ein Sohn von Luzian Reich und Josefa Schelble und somit der Neffe von Nepomuk Schelble war Lucian Reich (26. Februar 1817 – 2. Juli 1900).
Lucian Reich, gezeichnet von seinem Schwager Nepomuk Heinemann.
Lucian Reich hat aus Geldnot erst am 8. August 1874 Margareta Stoffler (1825-1880) aus Geisingen geheiratet; die Tochter Anna Reich war deswegen unehelich und ihre Daten sind nicht bekannt. Anna Reich kam mit ihrem Vater später wieder nach Hüfingen und pflegte ihn bis zu seinem Tod am 2. Juli 1900. Danach heiratete sie einen verwitweten Landwirt in Neudingen und zog seine (8 ?) Kinder groß. Sie selber hatte nie eigene Kinder und starb hoch betagt in der Neudinger Mühle.
Lucian Reich wirkte jahrzehntelang als Zeichenlehrer am damaligen Großherzoglichen Lyceum in Rastatt. Einen Namen machte er sich vor allem durch seine heimatkundlichen Bücher und seine Illustrationen.
Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt „Muckle“ (1817 – 1902) mit Fes (Das Tragen eines Fes war im Biedermeier ein Zeichen der Gemütlichkeit); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch.
Die Tochter von Luzian und Josefa Reich und Schwester von Lucian und Xaver war Elisabeth Reich (15. Dezember 1819 – 24. Juni 1871). Sie heiratete am 31. Januar 1854 einen Schüler ihres Vaters, Johann Nepomuk Heinemann (30.05.1817 – 22.02.1902).
Elisabeth (Lisette) Reich 1819-1871
Allegorie der Donauquelle von J.N. Heinemann
Selbstportrait von Nepomuk Heinemann
Der Fotograf und Schnitzer Muckle Heinemann Schwager und Neffe
Johann Nepomuk Heinemann (30.05.1817 – 22.02.1902) begann eine Lehre als Uhrschild-Maler in Neustadt. Danach lernte er in Donaueschingen die Technik der Lithographie. Wie alle Hüfinger Künstler hielt er sich in den folgenden Jahren, wie sein Bruder Joseph, zu Studienzwecken in München auf.
Bleistiftzeichnung Karl von Schneider (1847 – 1923) von Johann Nepomuk Heinemann
Uhrenbild von Heinemann 1850
Johann Nepomuk Heinemann war einer der ersten Fotografen im Land. Auch das Fürstenhaus Fürstenberg in Donaueschingen zählte zu seinen Kunden. Dieses Geschäft blühte in den 1860er Jahren auf und zahlreiche Portraits von Zeitgenossen entstanden in seinem Studio.
So auch Amélie Karoline Gasparine Leopoldine Henriette Luise Elisabeth Franziska Maximiliane Fürstenberg. Geboren am 25.05.1848 Schaffhausen und verstoben am 08.03.1918 in Baden-Baden. Tochter von Karl Egon II Fürst zu Fürstenberg (1820-1892).
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Die Tochter von Nepomuk Heinemann und Lisette Reich war Maria Josepha Heinemann („Marie“ 23. Dezember 1857 – 19. Mai 1948) die am 19. September 1881 den Kaufmann Karl Nober (Haus Nober Hauptstr. 5) geheiratet hat.
Marie Heinemann (1857 – 1948)
Marie und Kätherli (Katharina Heinemann 30.04.1828-27.01.1900. Kätherli war die Schwester von Nepomuk und Josef Heinemann) Fotos von Nepomuk Heinemann etwa 1868
Selbstbildnis von Johann Nepomuk Heinemann von 1840
Xaveri Der Bildhauer Xaver Reich Bruder und Vater
Ein weiterer Sohn von Luzian Reich war Franz Xaver Reich (1. August 1815 – 8. Oktober 1881). Nach initialer Förderung durch seinen Vater, kam Xaver Reich 1832 auf Empfehlung seines Onkels Johann Nepomuk Schelble an das Städelsche Institut. Durch seinen Onkel wurde er auch Mitglied in dessen Cäcilienverein.
Wilhelm August Rehmann, Leibarzt von Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg veranlasste, dass Reich eine Skizze modellieren konnte, welche die Donau mit ihren Zuflüsse Brigach und Breg zeigte. Karl Egon II. war vom Ergebnis begeistert und beauftragte Reich damit das Modell 1837 im großen Maßstab herzustellen. Im Schloss Hüfingen erhielt er von seinem Mäzen dann ein Atelier geräumt, um die Gruppe in Sandstein auszuführen. Die Sandsteingruppe wurde auf der „großen Insel im Schwanenweiher“ (heute: Pfaueninsel) im Schlosspark von Donaueschingen aufgestellt.
Danubiagruppe auf der Pfaueninsel (Postkarte 1906)
Nach Vollendung der Arbeit machte sich Xaver Reich 1842 zu einer Romreise auf. Aufenthalte in Pisa, Florenz und in Verona begeisterten ihn für die Tradition der Blumenteppiche.
Nach Vorbild aus Portici fertigte er in Hüfingen vor seinem Elternhaus den ersten Blumenteppich und legte so den Grundstein einer Tradition in Hüfingen die leider den Gallustag ersetzen sollte.
Film von Ernst Kramer in den späten 1920er
Franz Xaver Reich wohnte mit seiner Familie im ehemaligen Anwesen seines Onkels Johann Nepomuk Schelble an der Bräunlinger Straße. In Hüfingen hatte er die Ziegelei seines Vaters übernommen und zu einer Terrakottenbrennerei umgewandelt. In ihr brannte er plastischen Schmuck. (aus dem Denkbuch von Lucian Reich)
Ziegelhütte und Terrakottenbrennerei Reich. Sie stand da, wo heute der Kofenweiher ist.
Der Engel auf der Elisabetheninsel, den Fürst Carl Egon II in Erinnerung an seine früh verstorbene Gemahlin Elisabeth aufstellen ließ, wurde nach einem Entwurf von Xaver Reich gegossen. Zu seinen Donaueschinger Arbeiten zählt auch das Turnierrelief an der Reithalle.
Die Inschrift auf der Vorderseite des Sockels lautet: „Der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost. Sp. Salomon 14, 23“ auf der Rückseite: „Karl Egon Fürst zu Fürstenberg seiner unvergeßlichen Frau Elisabeth, Prinzessin Reuß ä. L. zu Greiz. geb. 23. März 1824, gest. 7. Mai 1861“. Das Denkmal wurde nach einen Entwurf von Xaver Reich gegossen.
Die junge Donau als Kind im Schoße der Mutter Baar von Xaver Reich von 1875. Sandsteingruppe am alten Zusammenfluss von Brigach und Breg in Donaueschingen. Foto aus dem Jahr 1980.
Als die Donauquelle im Schloßhof neu gefaßt und umgruppiert wurde, gestaltete Xaver Reich die Gruppe: „Die junge Donau als Kind im Schoß der Mutter Baar“. Sie musste allerdings in den siebziger Jahren der Marmorgruppe des Vöhrenbacher Bildhauers Adolf Heer weichen, die heute noch die von Adolf Weinbrenner geschaffene Quellfassung schmückt. Reichs Gruppe fand in der Nähe des Zusammenflusses von Brigach und Breg eine vorläufige Bleibe und wurde 2025 am neu gestalteten Donauzusammenfluss wieder aufgestellt.
Der Maler Rudolf Gleichauf Vetter
Ein weiters Mitglied des Hüfinger Künsterkreises war Rudolf Gleichauf (29. Juli 1826 in Hüfingen – 15. Oktober 1896 in Karlsruhe). Gleichauf erhielt ein Stipendium des Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg an der Münchner Akademie bei Schnorr von Carolsfeld.
Außer zahlreichen Wandgemälden hat Gleichauf im Auftrag des badischen Hofs und der badischen Regierung zwischen 1862 und 1869 zahlreiche Aquarellbilder und eine Vielzahl von Kostümstudien geschaffen, die sich in der Badischen Landessammlung erhalten haben und für ein „umfängliches badisches Trachtenwerk“ geplant waren, das jedoch nicht vollendet wurde.
Unten Allegorische Darstellungen der Fakultäten für Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und Medizin für die Universtität Heidelberg von Rudolf Gleichauf.
Theologie
Philosophie
Jurisprudenz
Medizin
Die zwei Bronzereliefs des Bildhauer Johannes Hirt auf dem Grabstein von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf befinden sich auf dem Hüfinger Friedhof.
Adolf Heer Bildhauer geboren 13. September 1819 gestorben 29. März 1898
Grab Adolf Heer und Rudolf Gleichauf
Josef Heinemann Der vergessene Hüfinger Maler
Eine Schwester von Rudolf Gleichauf war mit dem Künstler Josef Heinemann (27.12.1825 – 02.04.1901) einem Bruder von Johann Nepomuk Heinemann, verheiratet.
Josef Heinemann (1825 – 1901) Bleistiftzeichnung von seinem Bruder Johann Nepomuk Heinemann.
Marie Heinemann (1857 – 1948) Gemalt von ihrem Taufpaten Josef Heinemann.
Auch Josef Heinemann studierte wie sein Schwager Gleichauf an der Münchner Akademie bei Julius Schnorr von Carolsfeld.
Jacob schenkt Joseph einen bunten Rock (1850) Die selten dargestellte Szene der Josephsgeschichte des Alten Testaments entstand im Umfeld von Bibel-Illustrationen. Heinemann arbeitete an verschiedenen Editionen sogenannter Bilder-Bibeln mit.
Bildnis der Ida Müller, verh. Maier (1841) Heinemann porträtiert die 20-jährige Blumen- und Stillebenmalerin als „Tochter aus gutem Hause“. Die noch ungleiche anatomische Exaktheit von ausdrucksstarkem Gesicht und summarischer Hand zeigt, dass es sich um ein Jugendwerk des 18-jährigen Zeichners handelt.
Im Landesarchiv in Freiburg liegt die Akte Rotrain Staatsarchiv StAF B 695/1 Nr. 731. In dieser Akte wird der Beginn und der Zweck des Vereins der Freunde der Natur Hüfingen vor 200 Jahren beschrieben. Die Akte umfasst etwa 140 Seiten und beschreibt die Aktivitäten von 1820 bis nach dem langsamen aussterben 1845 als der Hüfinger Gesangsverein noch ein letztes Mal die Bänke und Tische hat herrichten lassen. Seit der Revolution wurde die Anlage dann sich selbst überlassen.
Die Freunde der Natur – des Nützlichenund Schönen waren von Beginn an eine basisdemokratische Gesellschaft. Es wurde alles transparent abgestimmt und offengelegt, auch gab es keine Mitgliederbeiträge sondern nur freiwillige, projektbezogene Spenden und freiwillige Arbeit. Die Freunde der Natur Hüfingen e.V. stehen in guter Tradition der alten ehrwürdigen Gesellschaft. Auch heute gibt es sehr viele Unterstützer die ihre Beiträge leisten, sowohl finanziell, ideell als auch durch freiwillige Arbeit – jenseits des modernen Vereinsrechts, das einen jährlichen Mitgliedsbeitrag und auch Mitgliederlisten verlangt.
Ort: Hüfingen Anlage Verschönerung Rubric: Genannte Anstalten In Sachen Der Verschönerung einer Anlage auf dem rothen Rain Jahr 1820-1845
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Zu Hüfingen die Herstellung der Anlage auf dem rothen Rain von 1820 bis 1830
Akten Verzeichniß
1. Urkunde von 1820 über Entstehung den Anlage
2. Protokoll von 1821 über deren Zerstörung
3. Prokoll von 1821 über Auffoderung der Bürgerschaft zur Entdeckung der Frevler
4. a.c. Pasquille von 1821 über die vermeintlichen Thäter
5. belegte Rechnung von 1821 über die Herstellung des Steges
6. Protokoll von 1828 die Herstellung des Forstweges vom Steg in die Anlage
7. Plan zu einem Portal in die Anlage
8. Rechnung über baare Einnahmen und Ausgaben für die Anlage von 1820 bis 1830 gestellt
von dem nun pensionierten Hofrath und Obaramtmann Baur ano 1834.
Epitaph der Familie des Hofraths und Oberamtmanns Anton Baur in der St. Leonhardskapelle in Hüfingen aus dem Jahr 1809.
Anton Baur Fürstlich Fürstenbergischer Hofrat und Obervogt, Großherzoglicher Badischer Hofrat und Oberamtmann. Geboren am 24.06.1769 in Gegenbach gestorben am 24.04.1841 in Donaueschingen.
Er war verheiratet mit Magdalena Schmider (6.11.1778-13.07.1807)
Das Paar hatte eine überlebende Tochter: Magdalena Baur. Sie heiratete am 24.04.1826 Karl Dominik Mangold, den Badischen Salinen-Kassierer in Dürrheim.
Eine Anlage auf dem rothen Rein einer Stadt Waldung von Nadelholz im Schoosen Öschle der berühmte Tonkünstler und Sänger Nepomuk Schelble, wirklicher Director des Musikvereins zu Frankfurth am Mayn, veranlaßte während seines kurzen aber uns unvergeßlichen Sommer Aufenthaltes in seiner Geburts und Vaterstadt dahier diese neue Anlagen dadurch, daß er den rothen Rein zu seinem Lieblings Standpunkt erwählte, wo ein grosser Theil unseres Schönen flachen Hochlandes zu übersehen ist. Ein hier öfter in freundschaftlichem Zirkel um diesen Künstler versammelten Anverwandten Korrektions Haus Verwalter Schelble, dessen Vater (Vater von Johann Nepomuk Schelble), und Oberlehrer Reich (Luzian Reich, verheiratet mit Josefa Schelble), dessen Schwager wollten das Angedenken an den geliebten nun in Rückerinnerung zu dessen vollen Genus der Gast in der freyen Natur dadurch fortan erhalten daß sie gemeinschaftlich mit dem ersten Amtsactuar Guttenberg und dem zweyten Gleichauf auch mit noch mitgenommen werthen Bürgern zuerst das Rondell auf der östlichen Spitze des Berges mit einem angenehmen Wege dahin herstellten.
worunter Xaver Schreiner sich ausgezeichneten
Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837), Lithografie von Heinrich Ott. Foto: Frankfurt am Main: Stadt- und Univ.-Bibliothek
Foto von Luzian Reich senior (07.01.1787-18.12.1866) und Josefa Schelble (18.03.1788-12.11.1866)
Katharina Schelble geb. Götz (01.11.1760-04.04.1847) gemalt von Luzian Reich (senior) ihrem Schwiegersohn im Jahre 1829. Sie ist die Mutter von dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und Josefa Schelble.
Diese erste der Anlagen war noch nicht ganz vollendet, so folgten diesem Beyspiel schon mehrern von Freunden der lieben Natur, und so entstand gleich die zweyte Anlage rechts auf einer Ruine vom Rentamts Controlleur Hasenfratz dahier. Ihm folgte der Bezirks Baumeister Dief durch Anlegung eines Weges gleich unter dem erstgenannten Rondel rechts an der Nordwestlichen Seite des Berges durch eine Bergschlucht, von da abwärts diernist Hisele auch einen Wege am Berge her einleitete. Zur eigenen, und zur Beqnümlichkeit derjenigen, welche ohne vörgerliche Anstrengung den Gipfel erreichen wollen, suchte diese der Unterzeichneten dahin auf dem hergestellten Wege Nordwestlich am Berge zu führen welchen, wo dem neuen Steinbruch mit Hülfen aller ein Pendel gleich denn vorderen angelegt wurde.
Höllenstein=Hölenstein=Höllstein (seit über 200 Jahren unterschiedlich geschrieben); Römerbad= römische Alterthümer; Schosen=Schoßen; Rotrain=rother Rain; Hammeltal beginnt südlich vom Römerbad; den Galgen hatte Luzian Reich senior etwa zur selben Zeit zusammen mit Bürgermeister Neukum oder Burkhard vom Berg geworfen (siehe Denkbuch)
Alle diese Anlagen geschahen vom August dieses Jahrs in wenigen Wochen ganz freywillig von Natur Freunden mit wirklich erstaunungs würdiger Anstrengung, die nur von Begeisterung für das Schöne zu erwarten ist. So Erstaunlich auch diese neuen Werke wären, so würde doch das Angenehme durch den Anblick der fürchterlich und gefährlichen Ruine des alten Steinbruches Südlich verbittert. Der Unterzeichnete wagte das Unternehmen auch diese Ruine in eine gefahrlose so viel möglich angenehme Anlage zu verwandlen und er bedürfte der Mitwirkung aller Vaterfreunden, um durch den Abgrund zu gangbare Wege zu leiten, zu diesem Ende die dem Einsturz drohenden Felsen abzutragen und dadurch die Abgründe auszufüllen, was unseren schwachen Kräften anfangs übersteigend erachtet wurde, ward durch stets vermehrte Anstrengung hergestellt und in Krone dazu eine Kapelle mit der hölzernen Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel errichtet, in deren Grundstein gegenwärtige Urkunde in einem Stein und in einer blechernen Büchse verwahrt liegen solle, zum Angedenken über die Veranlassung und Entstehung dieser Anlagen, deren Fortsetzung durch die von Natur zu schönen Anlagen geeignete Waldung vom Sinne unserer Mitbürger fürs Schöne und Angenehme zu erwarten, ist. Hüfingen den 10 ten October 1820 Anton Baur Hofrath und Oberamtman
Der Weg der durch den alten Steinbruch nach oben führt.
Der Weg führte zur Kapelle mit einer Statue des heiligen Johannes in der Wüste auf dem Giebel.
Das Waldhisli wurde vermutlich auf das Fundament der Johannes Kapelle gebaut.
Das Waldhisli etwa 1950
Alter Stein vom Fundament
Die Statue des Johannes auf einem Brunnen in Hüfingen. Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 vermutlich Nepomuk Heinemann
2. Protokoll von 1821 über deren Zerstörung
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
In Gegenwart sey zu dieser Verhandlung vom Großherzogl. Bezirkamt Hüfingen Speciel commitierten Actuers Guttenberg.
N. 2905. et. 6. Nachdem vor einigen Tagen allgemein das Gerücht sich verbreitet hat, daß in der, im vorigen Herbst von einigen Freunden der Natur neu errichteten Anlage dahier, bereits alle Bäume umgehauen worden, so wurde der im Fragentia benannte vom Großherzoglichen Bezirksamt beauftragt, unter Bezug des Bürgermeisters Neukum, Rathsfreunden Burkard, und Heinmanns einen Augenschein vorzunehmen, und den Erfund nach vorgenommener genauer Prüfung anzuzeigen. In dessen Folge begab man sich heute Mittags um 1 Uhr mit Bürgermeister Neukum und den erwähnten Rathsfreunden Burkard und Heinemann in die Anlage wo folgendes gefunden wurde.
In der Chronik von August Vetter aus 1984 steht, dass früher den Schultheißen ein Stabhalter zur Seite stand. Seit dem frühen 18. Jahrhundert, gab es dann nur noch Bürgermeister. Ihm oblag die Verwaltung des Stadtsäckels. Der Bürgermeister hatte also keinen Stabhalter mehr und wurde von den Bürgern gewählt. Von 1809-1826 lässt sich kein Name in der Chronik ausmachen wer Bürgermeister war. Laut dieser Akte war es aber Bürgermeister Neukum. Ob es der selbe Neukum war, wie der in der Chronik steht, Johann Baptist Neukum, lässt sich nicht feststellen, da im Sippenbuch nichts über Neukum steht.
Folgende Bürgermeister stehen in der Chronik: 1803-1809: Xaver Stuckle; 1826–1831: Josef Burkhard Sonnenwirt; 1831–1837: Johann Baptist Neukum; 1837–1840: Fidel Ganter; 1840–1848: Josef Hug.
In der Akte ist von 1820-1840 Bürgermeister Neukum genannt, später kommt dann Bürgermeister Burkhard hinzu. Josef Burkhard (06.03.1772-12.11.1855) – Gastwirt zur Sonne, Metzger, Bierbrauer und Bürgermeister von 1826–1831 steht im Sippenbuch. Bürgermilitäroffizir J. Burkhard schreibt in der Chronik 1806 eine Proklamation an die Hüfinger Bürger. Vermutlich ist das Amt des Bürgermeisters in den Kriegswirren (Frankreich- bzw. Russlandfeldzug) etwas untergegangen. Zu Neukum gibt es leider gar nichts im Sippenbauch. Vielleicht war er schon vor Bürgermeister Burkhard Bürgermeister und dann irgendwie nach 5 Jahren wieder eingesprungen. 1833 werden auf jeden Fall beide als Bürgermeister genannt, Neukum und Burkhard.
Gleich beym Eintritt in die Anlage in dem ovalen Zirkel fand man von den gefället befindlichen Balsampappeln im ganzen – 15. Stück und von den Vogelbeerbäumen ebenfalls 15. Stück theils ganz abgeschnitten, theilen abgesägt, und bemerkten zugleich daß mehrere Hiebe in die Baumstecken fiehlen wodurch zwey von allen Bäumer unbeschädiget blieben. Im Verlaufe der Untersuchung zeigte sich, daß an der mit Stein gemauerten Wand bey der Kapelle Steine ausgebrochen, welches sichbar mit Gewalt geschehen. Als man von dar weiter aufwärts in die stierfache aller Lücken vom vordern Rondel kam, war der Anblick schmerzlich; wie der alles verheerende Hagel einen schauerlichen Anblick der Fluren gewahrt, eben so verwüstet lagen die schönen Bäume von Menschen niedergehauen zu Boden. Die Hiebe wurden die meister linken andere aber rechts geführt, und die Spuren der Fußtritte verraten große Männer. Diese schändliche Handlung ist beispiellos.
Von den Vogelbeerbäumen auf diesem Platze sind 26 Stück von den Kanatensischen Pappeln 19, Balsampappeln 33, Silberpappeln 10, welche alle schon gesetzt, mit Stecken versehen, und bereits getrieben haben, ganz ruinniert, und ebenso nämliche Schicksal traf auch die zum Nachsetzen vorbehaltene, einzugrabenden Bäumen. Von den Kanntensichen Pappeln wurden niedergehauen 52 Stück, von den Silberpappeln 24 Stück und von den Balsampappeln 18 Stück. Dann der in der Mitte dieser Alleen befindliche schöne große Birnbaum wurde bis bereits auf die Hälfte eingsägt. In der geraden Allee oben gegen den Platz sogenannten Musikanten, wurden auch noch drey Balsampappeln ein Opfer der Verwüstung. Unbeschädiget blieben im ganzen mehr nicht als 48 Stück. Zur genauere Übersicht der gesamten Verwürstungen aller Baumgattungen folgt nun die Zusammenstellung derselben an Balsampappeln 69 Stück, Vogelbeerbäume 41 Stück, Kanatensischen Pappel 71 Stück, Silberpappeln 34 Stück, Birnbäume 1 Stück. Zusammen 216 Stück. Hierauf folgt nunmehr die von obangeführten Urkunden Personen nach ihren schon aufgezeichneten Plänen entworfene Berichtung der Beschädigungen.
Sie brachten in Ansatz für 66 Stück Balsampappeln a 154 – 16f30r. für 41 Stück Vogelbeerbäume a 182 – 10 f 15. für 71 Stück Kanatensische Pappeln a 18 – 17. f. 45. für 36 Stück Silberpappeln a 15 – 8. f 30. 3 Stück weitere Balsampappele a 15 – 45. 1 Stück Birnbaum – 30. 216 Stück – 54 f 154.
Hierzu die Auslagen wegen Beyfahrt der Bäume.
Für 2 jährige Vogelbeerbäume von Gutmadingen, a 1 f45 – 3 f 30 Für 2 jährige Pappeln von Allmentshofen a 1 – 2 f Taglöhne für 2 Knechte a 24r des Tage für jeden in zwey mahlen – 1 f 36 Für das Löcher graben, einpflanzen und Binden der Bäume, die Pfähle herführen und diese setzen. Das Stück zu 8 40 für 216 Stück -28 f 48 Dann für die Wiederausbesserung der ruinierten Mauer dem Mauer einen Taglohen 48. Zusammen 90 F 57 R Sampat: 90 f 5 7r für gegenwärtige Untersuchung: Seit dem in praesenten Benannten pro 1/2 Tag Diät dem Bürgermeister 30n dem Rathsfreund Burkhard 20, Heinemann 20. summa 93 f 7
Die Richtigkeit der vorstehenden bekräftiget durch eigenhändige Unterschrift Actuar Guttenberg Neukum Bürgermeister H. Burkhard Rathesfreund Heinemann Rathsfreund
Die fürstenbergische Regierung wollte die Obstbaumzucht in der Baar voran treiben. So sollten Baumschulen an den kältesten und rauhesten Stellen auf magerem Boden angelegt werden. Oberamtmann Anton Baur, Oberlehrer Luzian Reich und Stadtrat Josef Burkhard (später Bürgermeister) setzten sich hier besonders ein. Auch sollte eine Allee zur Baumschule entstehen. Diese Allee wurde mit 400 Pappeln bepflanzt, die vom Fürsten Karl Egon von Fürstenberg gestiftet wurden. Er übernahm auch den größten Teil der Kosten für den Steg vom Höllenstein zu den römischen Altertümern, der dort über die Breg führte und dessen Bau weiter unten erläutert wird. (Nach der Chronik von August Vetter 1984)
Ein alter Briefkopf zeigt Hüfingen etwa 1840 mit den Pappelpflanzungen und der Anlage am Rotrain.
3. Prokoll von 1821 über Auffoderung der Bürgerschaft zur Entdeckung der Frevler
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Actum Hüfingen den 14. März 1821 In Gegenwart des Hofraths und Oberamtmans Baur Acluante Guttenberg betreffend R. N3077. et. 8.
Die Zerstörung der neuen Anlage auf rothen Rain.
Am letzten Faßnacht Sonntag den 21 des Nachts geschah die obengedachte Zerstörung, und zwar, wie das UntersuchungsProtokoll vom 10ten dies No. 2905 nachweiset von mehrern Männern, erkenntlich an den Fußtritten im nassen Lösboden, und wie schon aus der durch Sägen und Spalten sichtlich angewandten Manneskraft zu erkennen war. Der Schaden beträgt im mässigen Anschlag 90f Jor ohne zu berechnen, daß die Bäume bereits im Treiben waren, und dem Nachtheil gänzlich nie mehr vergütet werden kann, weil man bey dem wirklich zum Versetzen noch einzigen Zeitpunkt genüglich Bäume in der Eile nicht aufbrächte, wenn auch die durch diesen abscheulichen Frevel mit Grund mißstimmten Freunde des Nützlichen und Schönen noch in der Lage wären, die Anlage so gut möglich, noch in diesem Fruhjahr wieder herzustellen. Doch, wer möchte hierzu Lust haben, ohne Sicherheit für die Zukunft vor ähnlichen Freveln? Zur Ehre der guten Bürger darf man wohl annehmen, daß diese solches Werk der Finsterniß, und die ruchlosen Thäter mit Abscheu brandmarken; allein daran genügt es noch nicht; allen, die hieran weder Antheil genommen haben, noch diese Schandthat genehmigen, liegt daran, zur Rettung des guten Rufs der Hüfinger mitzuwirken, um die Thäter aus der Verborgenheit ans Tageslicht zu reissen, und sie der Gerechtigkeit zu überantworten. Dies erheischt nebst dem noch das gekeuniäre Interesse so vieler Bürger von hier, welche einen nicht unbeträchtlichen Vortheil dadurch schon gehabt, theils noch zu erwarten hatten, daß die nun zerstörte neue Anlage, und die damit in Verbindung zu setzen vorgehabte römischen Alterthümer manche Auswärtige herbeÿ zog, und letztere den Bürgern durch Arbeit einen Erwerb verschaften, der nun durch diesen kein gänzlich aufhört, denn Secnissimus wollen dem Vernehmen nach ganz natürlich die Lust verloren haben, für Nachgrabung dieser Alterthümer etwas mehr aufzuopfern, wenn nicht die Frevler entdeckt, und zur gebührenden Strafe gezogen werden, welche in dessen Ermanglung sonst eben so leicht auch an diesen Altertümern ihre Bosheit verüben könnten. Bürger! Euch allen, die nicht zur kleinen Anzahl dieser Bösewichter gehören legt in obigen Rücksichten der Ehre und des Interesse alles daran, zur Entdeckung der Thäter nach allen Kräften mitzuwirken, wozu jeder auch die mindesten Umstände zur Erreichung dieses guten Endzwecks dahier anzugeben von selbst schon geneigt seyn und hierzu bey seinen Bürgerpflichten aufgefordert wird den Arm zu erheben, welche dieser Gesinnung, und auch geneigt seyen, die neue Anlage wenn sie soviel thünlich repariert würde, eben für die Zukunft so zu sichern wie die römischen Alterthümer darneben, wird man die Bürgerschaft darüber vernehmen, welche gegen das Angenehme und Nützliche dieser neuen Anlagen auf dem Gemeinds Eigenthum etwas einzuwenden haben, wo sofort erst diejenge auch melden mögen, welche in den hierwegen zu errichtenden Verein sich einlaßen wollen. Der nebst der gedachten Reparation, und Fortsetzung der neuen Anlage, auch deren Sicherheit, und jenen der römischen Alterthümer darneben bezweckt. Dieser Verein bildet eine vollkommene gleiche Gesellschaft aus Freunden der Natur, des Nützlichen und Angenehmen, wobey nur mit Beschluß der Mehrheit von allen oder eines vor diesen zu erwählenden engern Ausschuses in allem was die neue Anlage auf rothen Rain betrift, fürgefahren werden solle. Hierauf erklärte sich kein einziger der anwesenden Bürger, welche zum weit größten Theil, nämlich von 183 bis auf 35 anwesend waren, gegen die neue Anlage, im Gegentheil ward ihr Unwille gegen diese Zerstörer sichbar und laut.
Sr Guttenberg (148 Unterstützer!)
Stammbuch: Georg Guttenberg (geboren um 1786) fürstlich Fürstenbergischer Rentmeister.
4. Pasquill von 1821 über die vermeintlichen Thäter
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Am Fasnacht Sontag in der Nacht nahm mancheiner wohl in acht sie giengen über Berg und Thal in die neu gemachte Anlag 2 Dort spielten sie ein schönen Streich, die Bösewichter ohne gleich mit Sägen und auch Beil begannen sie die Anlag zu zerstören 3 Sie fingen nun zu hauen an der Teufel in halber Menschengestalt. Sie hieben 216 Bäume mit karacktenlosem Mut entzwei 4 Dann gehen sie nach verübtem Schmaus mit Schossen Dreck und Koth nach Haus. Das merkte man in aller Früh an ihren angehabten Schuh. 5 Wer nur diese sind gewesen dies läst sich für leicht enträtseln. Sie glaubten sich voll Ehr und Rang darauf folgt aber Spott und Schand. Sie wollten sich zu Räthen erheben und niemand wollt das Mehre ihnen geben darauf worden sie Fuchs teifels wild. Jetzt muss die Anklag sein Verdacht.
29. März 1821
1 komm mein Freund nun komm und Horche was ich hier zusagen hab In dem Roten Rein, jetzt horche, sind die Bäume aber ab 2 Schöne Spuren hat man jetzt nun alle, wer auch dieses hat getan, es wehre nun jetzt auch der Faller dass der Auer es getan 3 Auch Faller Nagler kan es wissen. Er ist auch von dieser Brut das merkt man in sein Gewissen. Auch sein Gesicht ist nicht ganz gut 4 auch der gewissen hafte Martin Ruf gehert auch in ihre Mitten. Er solte gleich die Säg und ruft „Sie haut ich hab sie geschliffen“ 5 auch der Gewissen hafte Mann das sollte man nicht glauben, stellet an noch einen Man zu dem Baum umhauen 6 er Neigt sich vor dem Hochalthar er Neigt sich vor dem Hochalthar, bereit bis zu den Füßen, doch dieses gleichen Häuchler gar, und nicht wert das verschisen
Abschrift Die Zerstorung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821
Pasquill
Abschrift Die Zersterung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821
Fallet Bäumchen fallet Alles heute nacht erschallet Laut vom Jubelthon Luna selbst wird mich erheren Eine Anlag zu zersteren Ruf ich auch noch Pluto an
Als uns gedanken=Räthe niemand wollte Mehren Unterstand ich mich, und half zersteren Ein Erholungsort sehr angenehm und schön Ruf ich jetzt Ruhe es ist geschehen.
Ruft nicht so laut! Sprach nach vollbrachter That ein Heüchlerischer Bether Und nehmt euch wohl in Acht, es gibt ein fürchterliches Wetter. Fort fort es ist geschehen, wir müssen jetzt ganz still nach Hause gehen.
5. belegte Rechnung von 1821 über die Herstellung des Steges
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Die anliegende Rechnung Anno Die Herstellung eines Steges über die Bergach zu den vorgermanischen Alterthümeren ins Hammelthal und zu genannten Anlage auf rothen Rain wird nun auf den hier Verifizierten erhaltenen 81/2 Seiten Stebnisen a 12 f. 30 k. pen. eine Summe von 88 f15x anschein berücksichtigt nicht ist hiesige Schmid Johann Gilly wenn der deßen gießen nur obigen Preis übernommen hat, folgende Zahlungen zu leisten haben. 1.) dem Zaunenmannen Peütschi und Kauferle gehören an 49 f 24. über Abzug des Nachlasses es 8. dannoch 41. 24 Latus 41 24
Weitere Rechnungen mit Namen der Handwerker
Vielleicht Reste vom Steg über die Bregach
Weg hoch zur Anlage am Sumserstein vorbei.
Anlage im Jahr 2025
Rechnung Die Herstellung eines Steges über die Bregach zu den römischen Alterthümer im Hammelthal, und zu der neuen Anlage auf rothen Rain bey Hüfingen
An Arbeitslohn 1. Zimmermann Fritschi mit 4. Gesellens laut Conto. 2. Schmid Heitzmann für 2. Hangwerk. 3. Baumeister Röthele. 4. den Behlamern für 2. Stammen Beifuhr a 1 fl 30 x 5. den Waldhausern für 3. Stämme 2 fl 30 x 6. den Wolterdingern für 10. Flöcklinge 7. Trinkgeld den obigen Zimmer- und Fuhrleuten 8. Für den Anstrich des Steges mit Künöhl, Arbeitslohn zusammen 77.56
An Material Stämme Bauholz von Waldhausen a 2 f 30 x Setto vom Wolfsbühel Das ist 12.30
10. Stöcklinge von Wolterdingen a 40 kr 16. detto von hier à 90 kr für 157 lb Eisen samt Koh Nägel und Klammern Künöhl zum Anstricht 10. Maß à 163 zusammen 3. An Günther Vergütung Dem Baumeister Röthele für den Weg, lang 516. Schuh, breit 8 Schuh tut 4128. Schuh, nach dem Cataster, à 100 fl die Jauchert, betragt Summa Summarium Arbeitslohn, Materialien, Vergütung Beträgt zusammen 151.24 Als Beiträge hierzu kommen hiervon abzuiehen Zimmermann Fritsche et Consorten ad2. Schmid Heitzmann Arbeitslohn. Das ist 16.46
Transport 18.46 ad 3. Baumeister Röthele 4.90 ad 4. den Behlamer Fuhrleuten 3.- ad 5. Waldhauser Fuhrleute 7.30 ad 6. Wolterdinger Furhleute 2.- ad 7. das Trinkgeld ad 2.- ad 8. fürs Anstreichen von Materiale die 3. Stämme Bauholz, in Hoffnung gnädigsten Nachlasses -.4 ad 9. Detto vom Handelsmann Curta 5.- ad 10. Stöcklinge in Hoffnung gnädigsten Nachlasses an Gutsvergütung 16,- Zusammen 71.4 Wenn nun vom ganzen Betrag ad 157.24 Abgezogen werden obige 71.42 Verbleiben noch 79.42
Fürtan wir das Glück, nebst den in Hofnung gnädigsten Nachlasses schon in Abgang geschrieben 7 fl 30 kr, und 6 fl 40 kr für Holz und Stöcklingen entweder obige Summe baar oder zu für 61/2 Zentner Stabisen à 17 fl im Preise zu Hammereisenbach zu erhalten, so wäre dem Rückfluss ausgeglichen.
Hüfingen am 10. Juni 1821 Hofrath und Oberamtamann Baur.
Jakob Seidel, Ambros Röthle, Joseph Willmann, Joseph Martin.
6. Protokoll von 1828 die Herstellung des Forstweges vom Steg in die Anlage
Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820
StAF B 695/1 Nr. 731
Zuerst sind Briefe von Hofrath Baur von 1822 über Maßnahmen und Rechnungen und er wünschte ein glückliches neues Jahr am 2. Januar 1822. Es folgen Briefe über Stabeisen mit dem Bergverwalter Mayer aus Hammereisenbach.
Dokument 7 Consignation über die Baukosten, der neuangelegten Straße über den Bregbach hinter Höllenstein. 1. für Zimmermannarbeit Jakob Fritschi 49.24 2. für Schmidarbeit Johan Heizman 32.24 3. Naglerarbeit Ambros Röthele 9.30 Hiervon kommt in Abzug die freywilligen bey Zang als Ambros Röthele laut Beleg No 3 per Johan Heizman, Jakob Fritschi, Joseph Fritschi, Georg Groman, Johan Groman, Leonhart Schafbuch Tut 26.16 bleibt über Abzug dessen 64.2 Hüfingen den 9. Juni 1821 Ambros Röthele
Dokument 8 Conto Endtes gesetzer habe auf Befehl des Herrn Oberamtsmann Manns einen grügen Fußsteg über den Bregbach gemacht. Den 18ten Mai ist Holtz geschlagen worden. Meister Georg Gromann, Leon Schafbuch, Josef Frischi, Johan Groman, Zu diesem Steg ist Freiwilliger Tag vom Jakob Fritschi, Joseph Fritschi, Georg Groman, Johan Groman, Leonhard Schafbuch, Hüfingen den 7. ten Oktober 1821 Jakob Seitz Zimmermeister
Dokument 9 Nota: zu Bemerken ist, das an vorhandenem Conto pa 31 fl 24 kr wegen einem freiwillligen Beitrag 8 fl 16 kr ab gehen. So bleibt noch zu bezahlen 22.38 Hüfingen am 7ten Juni 1821 P. Heizmann Schmid
Vielleicht Reste des Stegs über den Bregebach
Weg am Höllenstein November 2025
Weg zur Anlage bei den römischen Altertümern
Dokument 10 Conto: Eides benannter hat aus dem neuangelegten Stegbau hinteren Höllstein über den Bregebach angeschafft 450 Stück Bodenzigel à 44 4 Stück gantz Leistnägel 8 Stück halb Leistnägel 2 Stück gerlist Flammennägel für Reparation 11 Stück gewisshauen per Stück Vorzeit derselben bei Anweisung des Bauholzes und Aufbauen bei dem Stegbau 3 Zug à 1f30x Summa 9.30 Hüfingen den 9. Juni 1821 Ambros Räthele
Dokument 11 Homma! Ich glaube, Sie und ich kamen wegen dem Holz ganz kurz aus der Geschichte, beim Ziegel einheitlich die Anwesenheit Serenissimi benutzen und höchstselben hinterbringen verbunden, daß das Oberforstamt auf die Zahlung des Holzes dringe und daß es nur ein Wort brauche damit der Oberfürst mit diesen ohnehin unbedeutenden Posten abschreibt. Es geschieht ganz sicher. Verehrungsvoll danehigen den 4. Juni 1821 Ihr Freund und Diener Dilger
Dokument14 Brief: An Herrn Bangamts Verwalter Mayer zu Hammereisenbach. Wir haben im letzten Sommer einen Steg unweit der Oberen Mühl daher zu den römischen Alterthümern und zu der neuen Anlage hierzu hergestellt, wegen uns Serenissimus mit einen gnädigsten Beitrag zugesichert. Nach der mir gestern von Herrn Kabinots Sekretär, Rath Baur zogen nach demünschung gemachter Eröffnung sind sechs und nun halber Zentner Stabeisen auf dem Hamereisenbacher Werke ob solchen Beylang bestimmt. Welches Eisen sogleich abgehalten wieder könne um nun die Bauche verschobene Rechnung berücksichtigen zu können, wollen auf, müßte
Dokument12+13 Brief: An Herren Kalamets, Sekretarius Rath Baur, Zogenrath zu Donaueschingen Hüfingen 16. Nov. 1821. Laped Nachdem Sie Seele Mahler für Seine Herrn Stahen so leicht ich dazu was ich in Mitten der 1790 ger Jahren von Seele zu Donaueschingen – als wird vom Jugend Freund erhielt und brauchbar als eine Freundschaft tiefes Andenken auf vermeichtlichen würdig. Sein Bilder von ihm stehen in der Academie zu Stuttgart nach als Anfängen verfertiget, welches er bei seinem nachherigen Besuche der hier nach keiner Aussehrung zu retounieren wollten zu allein der wasen Schelbischen levis! Brusesting Boll Hauser
(Wenn ich mal Zeit habe versuche ich den Brief besser zu transkribieren)
Als früher Vertreter der Hüfinger Künstlertradition gilt Johann Baptist Seele (27. Juni 1774 in Meßkirch – 27. August 1814 in Stuttgart). Sein Vater Franz Xaver Seele diente ab 1776 in Hüfingen als Unteroffizier im fürstenbergischen Kreiskontingent. Johann Baptist Seele stieg bis zum Hofmaler des württembergischen Königs in Stuttgart auf.
Johann Baptist Seele 1810
Das Altarbild von Seele in St. Verena und Gallus
Das Altarbild in der Stadtkirche zu Hüfingen In der Morgenfrühe des 4. Juni 1812, am Donnerstag nach dem Fronleichnamsfest, fuhr durch das untere Stadttor eine vollbesetzte Kutsche Donaueschingen zu. Stolzer Rosselenker auf dem Bock war der hiesige Josef Neukum, der den ehrenvollen Auftrag hatte, den württembergischen Galeriedirektor und Hofmaler Johann Baptist von Seele und seine beiden Kinder durch die Baar nach Stuttgart, in ihre Heimat, zu führen. Viel Ehre war dem Künstler im gastlichen Hüfingen, wo er bereits eine Woche weilte, zuteil geworden, und reich beschenkt kehrte er nun wieder in die königliche Residenz zurück. J. B. von Seele, der von neidischen Kollegen als „Husaren- und Dragonermaler” angefeindet wurde, hatte aus Liebe für die Bewohner der Stadt Hüfingen, in der er die ersten Jahre seiner Jugendzeit zugebracht, ein Gemälde von 14 Schuh (4,20 m) Länge und 8 Schuh (2,20 m) Breite gemalt, vorstellend den am Kreuz hangenden Christus, darunter die Mutter Maria, den Jünger Johannes und die büßende Magdalena.
Ab Dokument 15 folgt ein Streit um den Weg an der Wiese die der „Hirschenwirt Auer“ vom Handelsmann Curta und dieser vom Baumeister Ambros Röthele gekauft hatte. Augustin Auer (in Tengen geboren um 1770 – 29.09.1837) war mit Magdalena Fritschi verheiratet und hatte mit ihr 9 Kinder. Der Leinenweber und Hirschenwirt war 1821 beteiligt an der Zerstörung der Anlage. Ein Sohn, Franz Josef Auer (04.05.1796-08.11.1832), war Schüler in der Zeichen- und Malschule von Luzian Reich senior (hier „Lehrer Reich“) und wurde später Portraitmaler . Von ihm ist die Rede im Denkbuch von Lucian Reich: „Zwei andre aus der vaterstädtischen Zeichenakademie hervorgegangene Künstler waren der Maler Auer und sein etwas jüngerer Landsmann Durler. Ersterer, der Sohn des Hirschwirts in Hüfingen, hatte sich bei Seele in Stuttgart zum Porträtmaler ausbilden wollen, sich jedoch der strengen Zucht des Meisters frühe schon entzogen, wie sein Landsmann Zwerger, damals im Atelier Danneckers beschäftigt, zu erzählen wußte: Eines Tages war der Freund zu ihm gekommen mit dem Gesuch, ihm doch seinen neuen Frack zu leihen zu einer Fahrt nach Ludwigsburg, wo er einer Hinrichtung beiwohnen wolle. Zwerger entsprach seiner Bitte, hat aber ihn — den neuen Frack — nie mehr zu sehen bekommen(.….)Nach Jahren war der leichtlebige Künstler kränklich in die Vaterstadt zurückgekehrt, wo da und dort in einer Stube noch lange ein von seiner Hand gemaltes Miniaturporträt zu sehen war.“ Der Baumeister Ambros Röthele wohnte offensichtlich nicht in Hüfingen. Der Vater des Handelsmanns Curta ist auf dem Hüfinger Friedhof zu finden, er wurde von österreichischen Plünderern ermordet. Johann Jakob Curta (27.9.1797-18.10.1864) war der Handelsmann der die Wiese vom Baumeister Ambros Röthele gekauft und an Augustin Auer verkauft hatte. Ein Bruder vom Handelsmann Curta, Johann Franz Valentin Curta (24.05.1794-26.04.1837) wird in der Chronik ebenfalls als Gastwirt zum Hirsch und als Wachsfabrikant betitelt.
Johann Franz Valentin Curta, Kaufmann aus Italien, geboren in Gressoney am Monte Rosa, gestorben in Hüfingen am 19.10.1805 . Er wurde von österreichischen Soldaten beim Plündern vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder niedergeschossen und ist drei Stunden später gestorben. Er war verheiratet mit Rosina Burkhard und sie hatten 12 Kinder. Ein Sohn, Johann Franz Valentin Curta, wurde Gastwirt zum Hirsch und Wachsfabrikant und ein Johann Jakob wurde Handelsmann.
Actum Hüfigen den 24ten September 1828. In Gegewwart des Hofrath und Oberamtmann Baur actuante Rchtp. Dilger Hüfingen N. 8521 p1. Der Bürgermeister Burkart erscheint mit nachbenannten Parthien: Hirschewirth Auer, welcher vorbringt: ich habe vor 2 Jahren eine Wiese hinter dem Höllenstein vor Handelsman Curta dahier gekauft, worüber bekanner Dingen ein Fußweg in die Anlage und auf Schoßen eben so wie zu den römischen Allerthümer im Hammelthal von dem neuen Steg angeht. Dieser Fußweg von 6 bis 7 Schutz breit läuft der erkauften Wiese wurde im Jahr 1821 nach Errichtung der Anlage an der damals dem Baumeister Röthele gehörenden Wiese hergestellt, welcher dieselbe nachher an Handelsmann Curta verkaufte. Dieser verfertigte die Producirte Schrift am 13te Nov. 1823 unterzeichnet Von Ambos Röthele bedingt habe den gedachten Fußweg ein nach dem im Praesentia benanten zu Gefallen mit Errichtung der Anlage für weniger Zeit, jedoch nicht herkömlich gestattet haben. Ich will zwar haben Zuschweig ist abeschlagen wissen, jetzige Anlagen ist aber der Stadt eine billige Entschädigung bekommen an zemmi von Leuschen.
Bürgermister Burkard erwidert hierauf: Es ist dem in Raesentia bewuten und lärmliglich bekannt, daß dieser Bregweg zu dem oben erwähnten Endzweck von Baumeister Röthele als dem damaligen Eigenthümer der nachher Curtaischen und zur anrischen Wiese be-williget, sofort mit Bäumen besetzt und sogar nachher vor guten Grund beraubt würde, so daß man ihn mit Kies auffüllen müßte und noch mehr aufgefällt werden muß. Hiernach kann von einer Entschädigung gar kein Rede mehr sein, weil dieser Fußweg zur Zeit schon bestanden, wo Röthele die Wies an Curta, sofort diese an Auer wieder Verkaufte.
Aussagen von Curta, Auer und zwei andere:
nicht mehr Recht verlange als was dieser von Röthele erworben und lezterer hat bekannter Dinger den befragten Weg unentgedlich gestattet. Man findet hier aus den Akten, betreffend die Errichtung der Anlage zu bemerken nothwendig, daß die gedachte Anlage mit allgemeiner thätiger Mitwirkung des Publicus im durch ergiebige Unterstützung hochfürstl. gnädigster Herrschaft schon aus 1820 angefangen er in der Folge hergestellt wurde daß statt der gefährlichen und unangenehmen Weges neben des Wasenmeisters Haus und Anger vorbei, am linken Ufer von der Bregach ein Weg als nachsorger Inhaben meiner Wies den Grund von diesem Fußweg gegen die Ordung hinweg und duch die Wiese genommen diesen nicht ganz gemäß lautet die Vorliegende, von Curta aufgesezte Schrift, deren Unterzeichung von mir derselbe zu bewirken wußte. Um die ich um nach dem obigen erläutere. Klagender Auer repliciret um: Ich glaubte nach der Vorliegenden Schrift zur Entschädigungsforderung an die Stadt berechtiget zu sein, obschon die Geschichte sich erwähnter Maßen zugetragen habe. Bürgermeiser Burkhard Namens der beklagten Gemeinde deplicirtes: Auer Runta Muu Curta
Handelsmann J. Curta v. dolm hat noch geschehen Ab und Gegenrechnung die an mir erkaufte Wiese hinter dem Höllstein als vollkommens und begehltes Eigenthum zu besitzen – item wird demselben bezeuget, daß er zwischen meine Wiese und Jacob Seidel führende Fußweg keineswegs zu leiden verbunden, sondern derselbe den Frau Hofrathsamtsmeister Baurzi gefallen an mir für einige Zeit – jedoch nicht verbindlich, gestattet werden Hüfingen 13ten October 1823 Ambros Röthele
Der Weg ist mit Bäumen bepflanzt mit beträchtlichen Kosten hergestellt und daß zu diesen Fortsetzung über die Wur der Baumeister Röthele das in den hierzu erforderlichen Platz mehrtgeldlich und als Beitraglos sehr ermöglicht, herzustellen, wenn nun man auch diesen Weg mit Bäumen bepflanzt hat. Bei dieser Kerge ergeht nun der Bescheid Wird der Hirschewirth Auer mit seiner Entschädigungsforderung an die Stadt gewerde wegen des von Baumeister Röthele, als vormaliger Wieseneigenthümer abgetretenen Platzes zum derzeitigen Fußweg hiermit abgewiesen, und in die Kosten dieses Streites verfällt. eröfnet durch 10 Uhr mit den, daß weil der Streitgegenstand nur 1 bis 2 Louis, der Werth beträgt, auch keine Appellation stattfinde P. S. 2 te Test. Dilger Bichtsp
Über Josef Dilger gibt es im Sippenbuch keine Daten, nur dass er später wohl Großherzoglicher Notar war.
8. Rechnung über baare Einnahmen und Ausgaben für die Anlage von 1820 bis 1830 gestellt
Die Anlage auf rothen Rain entstanden a. 1820, wurde bisher verbessert, und im vorigen Jahr mit einem beträchtlichen Kostenaufwand bekannterdingen vollendet, ohne jemanden vom Jahr mit Beiträgen in Anspruch zu nehmen. Allein das Reparieren der Anlage vorzüglich der Tempel und Bänke und das Reinigen der Wege ist auch dieses Jahr erfoderlich, um dieses schöne Werk der Natur und des menschlichen Fleisses vor Verwilderung und seinem Untergang zu erretten. Daß dieses abermals – obschon nicht so beträchtlich, wie in früheren Jahren mit Kosten verbunden, ist eben so begreiflich, als daß diese Kosten nicht wie es im vorigen Jahre geschehen von einem allein bestritten werden können.
Wer nun um Erhaltung dieser öffentlichen Anstalt sich verdient zu machen gedenket, der wird gebethen, denjenigen Beitrag anher gefällig zu bemerken, den er zu geben geneigt ist, worüber seiner Zeit gewissenhafte Rechnung wird gelegt werden. Hüfingen am 3ten Juni 1830.
Baur Oberamtman zu seinen beträchtlichen Auslagen für die Anlage seit ihrer Entstehung und besonders in vorigen Jahr, zum obigen Endzweck Rentmeister Guttenberg mit dem Ansigen überwieß einen weitern Beytrag zu leisten, weden die Unterhaltung der Anllage für zuvor einen größere Aufqand fordern sollte. Amtmann Schweb, wie Herr Rentmeister Gatten bey- Oberunnehmer Kornacher, Oberunnehmer Ahächtt Fischer, Bechtspunkunkt Gantio mit der nämlichen von Herr Rückmeister Guttenberg beigefügten Bemerkung Dilger wie H Gemminister Guttenberg in Bezug des Zeugnißes bemerkete
Conto Die unterschriebenen haben auf Anordung des Herrn Amts Actuar Gleichauf mit Arbeit in der Anlage zu gebracht. Erstlich der Georg Haller und Franz Joseph Mog jeder 3Tag bernen der Michael Jurig und Georg Labor jeder 2Tag perTag Dreysig Kreuzer. Betragt sich zusummen 5 f. Summe 5 f Den Empfang bescheinigt Hüfingen den 22ten August 1831 Fanz Joseph Mog Georg Haller Michael Thury Georg Labor Die Bezahlung haben wie von dem Herrn Rechtsstrackkigkont Ganter mit Dank erhalten.
Rechtsanwalt Johann Nepomuk Ganter geboren 1802 in Meßkirch
Conto Die unterschriebenen haben durch Anordnung des Herrn Amts Actuar Gleichauf mit Arbeit in der Anlag zugebracht. Erstlich Georg Haller per Tag 30x Michael Thury 30x Franz Joseph Moq jeden 1 Tag 30x Ferner Johann Hermann einhalber Tag 15x Georg Labor 5 Tag 2 f 30 x mit 4 f 15 x Den Empfang bescheint durch den Herrn Rechtes Praktikant Ganter mit Dank erhalten Hüfingen 1831 Thury, Georg Labor
Unterzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage von 2 1/2 Tag per 30x erhalten 1f 12 x Hüfingen den 5. Juni 1831 Paster März
Unterzeichneter hat aus dem Anlagefond für viertägige Arbeit zu 30x per Tag erhalten Hüfingen den 5. Juni 1831 Folzmaur
Unterzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage 7 Tage per 30x erhalten is 3 f 30x bescheinigt Hüfingen am 12. Juni 1831 Georg Labor
Unteerzeichneter hat für Arbeiten in der Anlage für 5 Tage à 30 x erhalten 2 f 30 x Hüfingen am 12.Juni 1831 C. Sulzmann
2 Mahnung an den Hofrath Baur:
Dem Großherz. Bad. Fürstl. Fürstenberg Präsident Herrn Hofrath und Amtmann Baur zu Allmendshofen Hüfingen d 4. Mai 1833 … haben sich Euer wohlgebohren mit einem Beytrag von 8 fr. unterzeichnet, aber hier noch nichts gezahlt Der Verein zur Erhaltung der Anlage…. … Dem Herrn Hofrath und Amtmann Baur zu Donaueschingen Hüfingen 2. Juni 1833 …Euer Wohlgborgen muß ich im Namen der Gesellschaft für die Erhaltung der Anlage auf dem rothen Rain dahier und bezüglich auf mein Schreiben vom 11ten v. M geziemend bitten, Ihnen eigenes werthes Versprechen uns gegeben einen Zuschuss 8 fl aus dem Jahr 1830 bald an mich zu senden…
Es folgt eine Reihe weiterer Bettelbriefe und dann am 4. Juni 1833 dies hier:
Im Jahr 1820 hat unter kräftiger Leitung und Mitwirkung des vorigen hießigen Amtsvorstandes des verehrten Herrn Hofraths und Oberamtmanns Baur die Anlage auf rothen Rain dasein ihre Entstehenz erhalten. Dies ein schönes Wirken der unausgesetzten Thätigkeit, und der steten Unterstützung verehrter Freunde der unseren schönen Natur verdankt diese Anstalt ihr bisheriges Fortbestehen. Die gestellte Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des letztern Helfer aufenthümen . Das Resultat eines Zuschusses von 8 f 24 x allein dieser reicht nicht hin, um nöthig gewordene Reparationen, das Reinigen der Wege, das Verpfahlen und Anbinden der Bäume, das Auffüllen des Kießes in die Wege, u.d.g. bestreiten zu können. Wenn daher die mit unbeschreiblicher Wege und bedeutendem Kostenaufwand gestiftete Anlage nicht wieder zerfallensolle, so sind freiwillige Beiträge zur Erhaltung nöthig, da wir sie zu begleichen keinen Sand besitzen. Ohne mir darüber eine Direction anmassen zu wollen, glaube ich mich doch einigermassen verpflichtet für den gegenwärtigen Augenblick zum weitern Fortbestand der Anlage eine Bitte um Unterstützung an die hier nach benannten Herren machen zu müßen. In der Folge wird es von dem Gutding der betragenen verehrlichen Mitglieder abhängen einen Leiter und Aufseher aus ihrer Mitte zur Erhaltung der Anlage zu wählen. Die nachbenannten Herren werden daher ersucht, die Stunde ihrer Beiträge für dieses Jahr gefällig einzutragen und sich zur Bestätigung am Ende zu unterzeugen. Hüfingen 4. Juni 1833 Schwab Heinemann
Der Oberamtmann Eusebius von Schwab war der Nachfolger von Anton Baur der 1830 in den Ruhestand ging. Es folgt die Liste der Freiwilligen der Freunde der Natur von 1833
Nr. 22 Schwab Amtmann. Sippenbuch: Eusebius von Schwab, Amtsrevisor und Oberamtmann war mit Maria Anna Schmutz verheiratet und sie hatten zwei Töchter. Anna von Schwab heiratete 1839 Heinich von Luseck, fürstlich Fürstenbergischer Ingenieur.
Nr. 26 Salomon Guggenheim wird im Zuge der 1848er Revolution öfters in der Chronik erwähnt und kommt am 20. Juli 1850 vor das Hofgericht in Konstanz wegen Hochverrats. Danach verliert sich seine Spur.
Nr.28 Bürgermeister Johann Baptist Neukum, Bürgermeister von 1831–1837.
Nr.29 Bürgermeister Josef Burkhard (06.03.1772-12.11.1855) . Gastwirt zur Sonne, Metzger, Bierbrauer und Bürgermeister von 1826–1831.
Nr. 33 der Lehrer Reich: Luzian Reich (07.01.1787-18.12.1866) war Oberlehrer und Industrieller, er hatte eine Mal- und Zeichenschule in Hüfingen. Mehr über ihn gibt es im Denkbuch von seinem Sohn Lucian Reich: https://hieronymus-online.de/denkbuch-von-lucian-reich-1896/
Nr. 34 der Musiker Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837) starb, als er von einem Spaziergang in sein „Landgütchen“, das er sein „Ruhetal“ nannte, zurückkehren wollte, am Eingang desselben durch einen Blutsturz in den Armen seiner geliebten Gattin am 6. August 1837 abends um ½7 Uhr. Über den „Onkel Schelble“ berichtet Lucian Reich eingehend in den Wanderblühten.
Brief von Dilger zum Konzert in der Anlage 1833
Der zur Förderung des allgemeinen Vergnügens immer bereite Kapellmeister des hiesigen Bürger Militerrkorps Herr Abstuar Gleichauf hat sich nach gepflogener Rücksprache mit den in dieser Beziehung gleichgesinten weitern Kapellgliedern auf mehrseitiges Verlangen dahin ausgesprochen, daß heute Abend 6 Uhr in den hiesigen Anlagen türkische Musik gemacht werden würde. Der Unterzeichnete nimmt sich daher die Freiheit die hiesigen hochzuverehrenden Freunde der Musik und Geselligkeit hiervon mit dem Anfügen zu benachrichtigen, daß hierdurch eine Auslage von cicta. 6 fl erwächst, die aus Mangel an einem hande durch Repartition auf die Zuhörer getilgt werden muß. Diejenigen hoch zuverehrenden Herrn, die sich zur Tilgung dieser kleinen Ausgabe bereit finden, werden daher ersucht, sich auf der Kehrseite gefällig zu unterzeichnen
Hüfingen am 28 Juni 1833. Dilger
Einladung Zu beliebigen Beiträgen für ferneren Erhaltung und Ausbesserung der Anlage auf rohten Rain hier. Die bekannte Anlage auf rothem Rain verdankt der kräftigen Leitung und unermüdeten Mitwirkung des vorigen hiesigen Amtsvorstandes des Penstannten Herrn Hofraths und Oberamtamanns Baur seine Entstehung im Jahr 1820. Rastlos und mit eigenen bedenkenden Geldaufopferung hat er die Erhaltung und das Fortbestehen dieser von der Natur begünstigten Anlage uns nur mit geringen Beiträgen zu bezweken verstanden, bis in das Jahr 1830, in welcher Zeit er die Versetzung in den Ruhestand nahm. Im Juli 1833, seit dieser Zeit aber nicht wieder, wurden die Trennk dieser Anlage um Beiträge gebeten, um dieselbe nicht ihrem Zerfall heimzugeben. Die eingezogenen Beiträge wurden zur Erhaltung verwendet, und darüber Rechnung geführt, welche auf beliebige Verlangen vorgelegt und eingesehen werden kann. Gegenwärtig aber befindet sich diese Anlage in einem Zustand, der eine bedeutende Verbesserung nöthig macht, wenn das 21te Jahr ihrer Entstehung nicht das Ziel ihrer Auflösung sein solle. Ein Pfand zur Erhaltung besteht nicht, und es muß daher die Güte unter lieben Freunden in Anspruch genommen werden. Die nachbenannten Einen werden dafür ersucht eine belibiege Gabe zu spenden, den Betrag auszuwerfen, und neben demselben Gewerthen Namen beyzusetzten Hüfingen den 11ten April 1841 Schwab
Ansicht von Hüfingen 1833 vom Roten Rain aus. Zeichnung von Josef Burkhard.
Die Ansicht, gezeichnet von Josef Burkhard (Bürgermeister von Hüfingen) zeigt auf dem Rotrain einen Maler beim porträtieren. Links im Bild ist die Seemühle mit dem Wohnhaus. Das große Haus im Vordergrund ist das „Ruhetal“ von Johann Nepomuk Schelble. Am Eingang desselben starb er durch einen Blutsturz in den Armen seiner geliebten Gattin am 6. August 1837 abends um ½7 Uhr. Über den „Onkel Schelble“ berichtet Lucian Reich eingehend in den Wanderblühten.
Das Landgütchen wurde später die Heimat von Xaver Reich und seiner Familie. Auch sieht man schön die neu gepflanzen Bäume der Anlage.
Mitgliederliste 1841
Mitgliederliste1841 Namen der Herrn Spender
Ambühl SchnillungsCommission
Beck fürstl. Gutsverwalter
Bogenschütz Oberforst Infonction Actten
Brunner Amtschürwig
Firchen Amtsa
Ganter Kaplan
Gebhardt
Gleichauf
Hannscher
Huß Amtsakuator
Löstlin Oberstänstinspector Actum
von Lusek Fürstl. Somst Ingenieur
Rebstein Denen
Rebstein Partikulier
Rümel Amtsverhaut immerut
Schreiber Vikar
Schwab Oberamtamann
Ewald Forstinspections Actum
Wagner Dito
Weber Registrator
Wolf Agrotschen
Wunsch Amtsschreiber
Zogst Amtsarzusom
Zur Herstellung des Daches auf der Johannes Kapelle in der Anlage dahier sind 20 Bund Vesenhaub erforderlich. In Ermangelung eines Fonds werden die hiesigen Landwirthe um gefällige Abgab des obigen Berdürfnißes ersucht. Hüfingen den 27. Juni 1841 Schwab Namen der Geber 1. Johann Bausch 2. Gerorg Steinmauer 3. Johan Heinemann 4. Jokob Heinemann Witwe 5. Bek, fürstlicher Gutsverwalter 6. Karl Neukum 7. Joseph Gilly
Die Statue des Johannes auf einem Brunnen in Hüfingen. Vielleicht war es der Johannes von der Kapelle. Foto: 1886 vermutlich Nepomuk Heinemann
Fesenhaub (auch geschrieben: Vesenhauf, Vesenhaup, Fesenhaup) Bedeutung: Strohbündel, Reisigbündel, Besenbündel – früher verwendet zum Dachdecken, Feuermachen oder Besenbinden.
Es würde irgendwie Sinn machen, dass bei der Renovierung der Johannes Kapelle 1841 der geschnitzte Johannes seinen Weg auf die Viehtränke in der Stadt gefunden hatte.
An dieser Stelle folgen 15 Seiten Rechnungen aus dem Jahr 1841 für die ich unten nur eine einzige zeige:
Verzeichnis
Über gefertigte MaurerArbeit in der Anlage zu Hüfingen.
Da sind die eingestürzten Maueren, auf Anordnung des Herrn OberAmtmann Schwab, und Herrn Gleichauf wieder hier aufgerichtet und hergestellt, wie auch an mehren stellen die Mauerwercke verbessert worden.
Hüfingen am 29ten Juni 1841 Maurer Meister Sepple
Die letzten Seiten der Akte sind aus 1845 als die Sängergesellschaft Hüfingen die Bänke und Tische der Anlage herrichten ließ. Vermutlich sind zu dem Zeitpunkt alle ursprünglichen Mitglieder der Freunde der Natur ausgestorben.
Nach vielseitig geäußertem Wunsch soll die hiesige schöne Anlage wieder hergestellt, und verbessert werden. Da dieses, und insbesondere die Vertigung der nöthigen Tische und Bänke eine größere Auslage erfordert, so muß man in Ermangelung eines Lands den Weg freiwilliger Beiträge der Freunde der Natur empfehlen. Der hiesige Gesangsverein hat bereits beschlossen, die wöchentlichen Beiträge aller Mitglieder einsweilen 4 Wochen lang für die Anlage zu verwenden. Man macht nun an die übrigen Gauernherren und Bürger der hiesigen Stadt das geziemende Ansuchen, zum obigen Zweck einen beliebigen Beitrag leisten und in den gefälligst bemerken zu wollen. Hüfingen am 26. Mai 1845 Namen ausser dem Hufschmid nicht lesber
Rechnung anbeschran Auf Verodnung der Sänger Gesellschaft, hat der unterzeichnete nachstehende Schreiner Arbeit in der hiesigen Anlage geliefert. 5 Bäncke, 1 Tisch und eine Steige Reisige vom Rasina und Stämer herbei geschafft Arbeit 9 Tage per Tg 24x3f 36x Summe Gulden 36 Den 27te Juli 1845 Bescheid Xaver Hepting Schreiner Meister
Der gesamte Hieronymus liegt seit 2023 in Textform vor. Vorlage war die von Lucian Reich überarbeitete Auflage, die er zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen konnte und die 1957, von der Heimatzunft Hüfingen als Band XII der Schriftenreihe des Kreises Donaueschingen, unter großem Aufwand von Dr. Johne, veröffentlicht wurde.
Neuntes Kapitel
“So sprechen die Kinder und drücken sich schnell, Da zeigt sich vor ihnen ein alter Gesell. Nur stille Kind! Kinderlein, stille!” Goethe
Über den „Klausenstag“, Gebete, Prüfungen, Geschenke und den Beelzebub.
Unser Bildchen führt uns wieder zurück ins gewöhnliche Geleise der Lebensgeschichte. – Es ist St.-Nikolaus-Tag; und Hieronymus gedenkt gerne der harmlosen Kinderzeit, wo er nicht anders wußte und glaubte, als der wohlwollende Heilige komme schon einige Nächte vor seinem Namens- und Bescherungstag vom Himmel auf die Erde herab, um vor den Hütten und Höfen zu lauschen, ob die Kinder folgsam und fleißig seien, um darnach seine Gaben einrichten und bemessen zu können.
Damals, als Kind, betete Hieronymus gewiß schon einige Wochen vorher jeden Abend drüben im Hof mit seinem Gespänlein Florentina. Sie saßen dabei auf der Staffel am Hinterofen bei der Großmutter, die jetzt nun auch schon dies Plätzlein längst mit einem viel engeren an der Kirchhofmauer vertauscht hatte. Und wie die Kinder ein Vaterunser beendet, so wurde es gewissenhaft auf dem „Klausenhölzle“ eingekerbt, oder ins selbstgefertigte Büchlein mit Rötel, oder zuweilen auch mit dem Löffelstiel strichweise eingetragen; und diese Dokumente kindlicher Frömmigkeit legten sie dann am Vorabend auf den Teller, welcher über Nacht mit der ersehnten Bescherung sich füllen sollte.
Bevor dies geschah, hatten die Kleinen jedesmal noch ein strenges Examen zu bestehen. – Es schellte draußen in der finsteren Hausöhre, die Stubentür ging auf – einige Apfel und Nüsse rollten herein, und der Santiklaus in höchst eigener Person erschien als Bischof gekleidet, ein Lichtlein auf der Mütze; hinter ihm seine Ministranten – und etwas weiter rückwärts – noch einer, den die Kinder aber lieber nicht gesehen hätten -, der Heilige spricht:
„Ich komm vom hohen Himmel herab, Will schauen, ob ich fleißige Kinder hab; Sind sie brav, gehören sie mein, Sind sie bös, so laß ich den Belzebub herein.“
Nun begann die Prüfung, und wehe dem Unwissenden und Faulen, der sein Sprüchlein aus dem Katechismus nicht geläufig hersagen konnte, denn der gefürchtete Belznikel war jeden Augenblick bereit, einzutreten und seine Strafgewalt auszuüben – nicht selten in einer Manier, daß den armen Kleinen dabei Hören und Sehen verging. Dieses letztere Ämtlein hatte immer der älteste Knecht auf dem Hof dort bekleidet, während Bruder Cyriak gar schön den heiligen Nikolaus vorzustellen wußte.
Hieronymus erinnerte sich noch oft, wie er in kindlicher Einfalt die Mutter einst fragte: warum denn der Santiklaus den Kindern des armen Hansjörg auch gar nichts gebracht habe, sie hätten ja doch ebenso fleißig gebetet wie er und Florentina? – Eine Frage, welche die gute Anastasia fast in Verlegenheit gesetzt hätte.
War er auch längst den Kinderschuhen entwachsen, so wollten die Eltern dem herkömmlichen Brauch doch nicht ganz entsagen. Auch jetzt noch wurde der Sohn jedesmal mit einer Gabe erfreut – allerdings nur solche Dinge brachte der Klaus, welche ohnehin hätten angeschafft werden müssen.
Diesmal aber brachte der betreffende Dezembermorgen etwas Außergewöhnliches: eine schöne Farbenschachtel mit diversen Haarpinseln – ein längst gehegter Herzenswunsch des Sohnes. Vater Mathias hatte das kostbare Material vom Klausenmarkt in Furtwangen mitgebracht. Aber nicht zu bloßem Zeitvertreib sollte es dienen, es sollte und konnte ein hübsches Stück Geld damit verdient werden.
Die Familie hatte Unglück gehabt. Vorigen Herbst war sie um ihre Kuh gekommen, die, verbläht von der Weide heimgetrieben, mit knapper Not noch geschlachtet werden konnte. Kein geringer Verlust! – Das Jahr vorher hatte der Vater auf Bitten eines jüngeren, in der Baar verheirateten Bruders, der in zurückgekommenen Verhältnissen lebte, eine Bürgschaft von über hundert Gulden übernommen. Dem Bruder brannte das Haus ab – und Mathias mußte – nach dem alten Satz: den Bürgen muß man würgen – die Summe aus dem eigenen Beutel erlegen. – Bald darauf erkrankte er selbst und konnte über vier Wochen das Bett nicht verlassen.
So war eins aufs andere gekommen, und Mathias war genötigt, sich nach Nebenverdiensten umzusehen. Die herrschaftliche Forstei hatte zur Zeit ein Quantum Holz im Wald zu machen und ins Tal herabzuschaffen ausgeschrieben. Mathias mit andern übernahm die Hälfte davon, d. h. Hieronymus, der indessen ziemlich kräftig geworden, sollte die Arbeit für seinen Teil verrichten. Es war kein Leichtes, zumal der Winter sich frühe und strenge eingestellt. Jeden Morgen vor Tagesanbruch ging’s hinaus in den Wald, spät abends kamen sie heim. Die Genossen unseres Hieronymus waren der Hansjörg und seine drei Söhne. Dieser Mann, der früher mit Erzgraben am Feldberg ein mühsames Leben gefristet und dann im Tal sich niedergelassen, diente dem Mathias zuweilen auch als Aushelfer in der Mühle.
Wäre der Winter nicht als ein so strenger Herrscher aufgetreten, so würde das Geschäft, das Hieronymus nicht zum erstenmal verrichtete, kein so großes Ungemach im Gefolge gehabt haben. So aber kamen sie, Menschen und Kleider, oft vor Kälte starrend nach Haus. Obwohl sie im Wald, um sich zu wärmen, beständig ein Feuer unterhielten, so diente es doch nur dazu, Schnee und Eis an den schweren Bundschuhen in Nässe zu verwandeln, die noch nachteiliger wirkte als selbst der Frost.
Daneben war das Geschäft nicht ohne Gefahr, namentlich das Dirigieren der schwerbeladenen Holzschlitten die Halden und Schluchten hinab – wobei schon mehr als ein Holzmacher das Leben eingebüßt. – Trotz alldem hätte Hieronymus ausgehalten, wenn ihn nicht die Folgen einer Erkältung genötigt hätten, Waldsäge und Holzaxt niederzulegen und den Wald mit Stube und Bett zu vertauschen. Eine starke „Überröte“ war’s, eine Geschwulst im Gesicht, langwierig und schmerzhaft zugleich. Es zuckte und riß ihm in der Wange, als hätt er eine Klopfsäge darin. – Nichts wollte anschlagen, weder die warmen Überschläge der Mutter noch die Sympathien und Kräuter des Cyriak. Eine bösartige Verhärtung hatte sich gebildet, und schon wollte der aus Vöhrenbach herbeigeholte Doktor zum Messer greifen – aber der Patient, von der Mutter unterstützt, konnte sich nicht zur Operation entschließen. – Anastasia setzte hierauf ihre Überschläge von Kamillen und erhitztem Bachsand wieder fleißig fort – und gottlob, mit gutem Erfolg. Die Geschwulst legte und zerteilte sich.
Aber der Rekonvaleszent hatte indes noch langweilige Tage genug durchzumachen hinterm Ofen. Und wenn er mit verbundenem Gesicht so dasaß, während der Vater den klappernden Mahlgang besorgte und die Mutter beim sorgsam unterhaltenen Ollämplein bis tief in die Nacht mit Nähen sich mühte, so wünschte er sehnlichst, daß auch für ihn die Zeit bald wieder kommen möchte, wo er tätig mit eingreifen könne. – Und als er dann endlich imstande war, wieder eine Beschäftigung vorzunehmen – so wollte es ihm beinahe scheinen, als habe ihm das Schicksal das Übel nur deshalb zugeschickt, um ihn dem Zeichnen und Malen wieder zuzuführen. Die neue Farbenschachtel kam ihm jetzt trefflich zustatten. Er kolorierte papierene Uhrenschilde, auch sogenannte Agathazettel, schön verzierte Haussegen oder Spielkarten auf Glanzpapier, Arbeiten, die fast noch besser sich rentierten als das Holzmachen im Wald.
Als er einst von einem Besuch beim kunstfertigen Bruder Cyriak heimkehrte, fand er auf dem Weg einen hübschen neuen Perpendikel. Er paßte denselben alsogleich der alten Wanduhr an, die der Vater noch aus seiner Heimat mitgebracht. Zu der neuen Zier aber wollte das verdunkelte papierene Zifferblatt nun nicht mehr passen, und er machte sich daran, ein neues zu beschaffen. Von einem in der Nähe wohnenden „Brettlemacher“ erhielt er einen hölzernen, gut zugerichteten Schild, auf welchen er mit den Ölfarben des Vaters die Ziffer und ob darüber seinen Namenspatron malte. – Nach dem Urteil aller, die das Werk zu sehen bekamen, war es aufs beste gelungen. – Der Verfertiger erntete viel Lob und erhielt sogleich Bestellungen. – Der Stabhalter verlangte ein ähnliches Kunstwerk, und selbst der Hofbauer gestattete, daß Hieronymus die hölzerne Wanduhr, welche seit alten Zeiten dort in der Stube hing, auf ähnliche Weise renovieren dürfe.
In die vier Ecken des Zifferblattes malte er hübsche große Blumen und oben in den Rundbogen den Laubhauserhof mit seinem Garten davor, in welchem Florentina – wenigstens sollte sie es sein – zu sehen war, in grüner Jüppe und schneeweißen Hemdärmeln, in der Hand eine Rose haltend. Auch dies Werk gefiel so gut, daß der Bauer nicht umhin konnte, in den Beutel zu greifen und dem Verfertiger ein ansehnliches Douceur zu spendieren – was alle, die den Mann kannten, in nicht geringe Verwunderung versetzte. – Die Aufträge mehrten sich; und bereits gab man sich in der Mühle der Hoffnung hin, gegen das Frühjahr wenn nicht wieder ein Kühlein, so doch eine Geiß zu den vorhandenen hin kaufen und einstellen zu können.
In der ersten Ausgabe war noch ein Gedicht, welches Lucian Reich wohl als „allzu bekannt“ in der zweiten Ausgabe weg gelassen hatte:
Scharmanti bruni Bire, welchi Nuß und menge rothen Aepfel ab der Hurt, e Gusebüchsli, doch wills Gott der Her ke Guse drin. Vom zarte Bese-Ris e goldig Rüethli schlank und nagelneu! Lueg, so ne Muetter het ihr Chindli lieb! Lueg, so ne Muetter ziehts verständig uf, und wird mi Bürstli meisterlos, und meint, er sei der Her im Hus, se hebt sie b’herzt der Finger uf, und förcht ihr Büebli nit, und seit: „Weisch nit, was hinterm Spiegel steckt?“ Und’s Büebli folgt und wird e brave Chnab“
Ich freue mich über mehr Erkenntnisse zu diesem Podcast in den Kommentaren!
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