Hagestolz (Substantiv, männlich): Ein Mann, der nie heiratete und dennoch genug Stoff für Geschichten hinterließ.
Rudolf Gleichauf war kein Hüfinger, der zufällig irgendwo ein bisschen gemalt hat. In Hüfingen geboren, von Luzian Reich in der Hüfinger Künstlerschule entdeckt und gefördert, führte ihn sein Weg an die Akademien in München, Dresden und Frankfurt. Später gestaltete er bedeutende Gebäude in Freiburg, Baden-Baden, Karlsruhe und Heidelberg und gehörte zu den anerkannten badischen Künstlern seiner Zeit.
Hüfingen hat einige Künstler hervorgebracht, die in ganz Baden ihre Spuren hinterlassen haben: Luzian Reich, Johann Nepomuk Schelble, Xaver Reich, Josef Heinemann, Lucian Reich und Nepomuk Heinemann. Doch nur einer von ihnen war ein Hagestolz: Rudolf Gleichauf.
Wer beim Wort Hagestolz allerdings an einen griesgrämigen Junggesellen hinter zugezogenen Vorhängen denkt, liegt bei Rudolf Gleichauf falsch. Er blieb zwar unverheiratet, führte aber keineswegs ein zurückgezogenes Leben. Künstler, Reisender, Lebemann – vielleicht beschreibt das alte Wort gerade deshalb so gut einen Menschen, der den Erwartungen seiner Zeit höflich auswich und lieber seinem eigenen Weg folgte.

Rudolf Gleichauf wurde gemeinsam mit seinem Freund Adolf Heer in Karlsruhe beigesetzt. Heute befindet sich die Grabplatte der beiden auf dem Hüfinger Friedhof. Fast könnte man sagen: Der große Hüfinger Hagestolz ist nach Hause zurückgekehrt.




