Rudolf Gleichauf

Von meinem Lieblingskünstler habe ich hier ein Jahr vor seinem 200. Geburtstag den Beitrag aufgearbeitet.

Aktualisiert, Originalbeitrag vom März 2023

Ein Mitglied des Hüfinger Künsterkreises war Rudolf Gleichauf (29. Juli 1826 in Hüfingen – 15. Oktober 1896 in Karlsruhe). Nachdem Luzian Reich einige Illustrationen des damals erst zehnjährigen Gleichauf an Julius Schnorr von Carolsfeld geschickt hatte und dieser Gleichaufs Talent bestätigte, erhielt Gleichauf ein Stipendium des Fürsten Karl Egon III. zu Fürstenberg an der Münchner Akademie bei Schnorr von Carolsfeld. Gleichauf folgte Schnorr von Carolsfeld 1846 dann nach Dresden an die Dresdner Akademie, wo er zahlreiche Kopien von Gemälden Alter Meister anfertigte.

Rudolf Gleichauf
(1826 – 1896)

Litographie um 1850 von J.N. Heinemann

Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt “Muckle” (1817 – 1902) mit Fes (Mütze); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf (Vetter) Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.

1848 kehrte er zeitweilig nach Baden zurück. 1850 war er an der Städelschule in Frankfurt am Main. Um jene Zeit schmückte er die Trinkhalle in Baden-Baden mit einem Kinderfries aus. Dort befindet sich auch ein Relief aus gebrannter Tonerde von Gleichauf, das den Türkenlouis darstellt.

Von Frankfurt wurde er von Oberbaudirektor Heinrich Hübsch nach Karlsruhe berufen, um Bauten der Oberbaudirektion mit Wandgemälden zu versehen. Diese Tätigkeit führte er auch unter Hübschs Nachfolger Josef Durm fort. Zu Gleichaufs Werken aus dieser Zeit gehört die Darstellung der Hygeia am Giebel des Vierordtbades. Gleichauf schuf hier ein Bild in Freskomalerei, das allerdings binnen zweier Jahrzehnte verblasst war. Daher wurde das Bild 1892 im Lithokaustik-Verfahren auf Keramik übertragen und blieb so erhalten.

Foto: Andreas Keller,
CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Giebel über dem Eingang des Vierordtbades in Karlsruhe mit Darstellung der Hygeia.
(Lithokaustik 1892 von Professor Robert Ulke; übertragenes Original-Fliesengemälde (etwa 1872) von Rudolf Gleichauf)

Eid des Hippokrates
Ἱπποκράτους ὅρκοςHippokratous horkos

Ὄμνυμι Ἀπόλλωνα ἰητρὸν καὶ Ἀσκληπιὸν καὶ Ὑγείαν καὶ Πανάκειαν καὶ θεοὺς πάντας τε καὶ πάσας ἵστορας ποιεύμενος ἐπιτελέα ποιήσειν κατὰ δύναμιν καὶ κρίσιν ἐμὴν ὅρκον τόνδε καὶ ξυγγραφὴν τήνδε.

„Ich schwöre, Apollon den Arzt und Asklepios, Hygeia und Panakeia sowie alle Götter und Göttinnen als Zeugen anrufend, dass ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil diesen Eid und diesen Vertrag erfüllen werde.“

Die Deckentondi in der Alten Aula der Universität Heidelberg schuf Gleichauf in den Jahren 1885/86.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Theologie.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Theologie.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Bibel und Gesetzestafel mit den zehn Geboten. Teil eines Ensembles der vier Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schriftrolle und Globus.
Teil eines Ensembles der vier Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schlange und Schale. Teil eines Ensembles der vier Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg in der Aula der Alten Universität in Heidelberg.
Interessant hierbei, dass die Dame bei der Skizze für die Familie die Brust bedeckt hat.


Allegorische Darstellung der
Fakultät für Jurisprudenz.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Jurisprudenz.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Richtschwert, Gesetzesbuch und Urkunde.
Teil eines Ensembles der vier Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg in der Aula der Alten Universität in Heidelberg. 

*Fotos aus der Aula der Alten Universität in Heidelberg von: Oliver Fink, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Außer zahlreichen Wandgemälden hat Gleichauf im Auftrag des badischen Hofs und der badischen Regierung zwischen 1862 und 1869 auch 39 Aquarellbilder und eine Vielzahl von Kostümstudien geschaffen, die sich in der Badischen Landessammlung erhalten haben und für ein „umfängliches badisches Trachtenwerk“ geplant waren, das jedoch nicht vollendet wurde. Im Museum war 2009/2010 die Ausstellung mit Werken von Rudolf Gleichauf zu sehen: https://www.stadtmuseumhuefingen.de/rudolf-gleichauf/

Eine Schwester von Rudolf Gleichauf war mit Joseph Heinemann, einem Bruder von Johann Nepomuk Heinemann, verheiratet.

Hier 5 der 10 Abbildungen aus dem Badischen Trachtenwerk:

Trachtenträgerin aus dem Hanauerland

Trachtenträgerin aus Neustadt Lenzkirch.

Trachtenträgerin aus dem Schappachtal

Trachtenträger aus dem Renchthal

Trachtenträger aus dem Hanauerland

Im Kelnhofmuseum in Bräunlingen befinden sich auch einige Drucke an der Wand:


Trachtenmädchen aus der evangelischen Ostbaar:


Die Grabsteine von Adolf Heer und seinem Freund Rudolf Gleichauf

Nach dem Tode Adolf Heers veranlasste der Landschaftsmaler Wilhelm Klose eine würdige Grabstätte für seinen Freund. Die Ausführung lag in den Händen von Bildhauer Johannes Hirt, der ein langjähriger Mitarbeiter von Heer war. Die zwei Bronzereliefs von Heer und Gleichauf am Grabstein sind mit J. Hirt signiert. Das Grabmal fand seinen Platz auf dem sogenannten „Hügel“ auf dem Friedhof in Karlsruhe.

Im Jahre 1976 hieß es im Südkurier: „Silberdisteln schmücken das gemeinsame Grab von A. Heer und R. Gleichauf, wo den Besuchern von der Friedhofsverwaltung erklärt wird: „Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit und Pflicht, den Gräbern Heers und Gleichaufs unsere Aufmerksamkeit zu schenken“. Mit wenigen einprägsamen Worten wird die Bedeutung der Künstler skizziert: .. Heer und Gleichauf haben im vergangenen Jahrhundert mitgeholfen, die Züge des Kunstschaffens in Karlsruhe zu prägen“. *

Monate später wird dann in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Hüfingen und wahrscheinlich auch Vöhrenbach (dort ist Adolf Heer geboren) angefragt, ob Interesse am Grabstein der beiden Künstler bestehe: „Das Grab wird aufgelöst.

Die Stadtverwaltung holte die Grabsteine nach Hüfingen und sie stehen jetzt bei der Aussegnungshalle. Leider fehlt die kunstvolle Einfassung. Auch sollte die Inschrift erneuert werden.

Adolf Heer Bildhauer
geboren 13. September 1819
gestorben 29. März 1898

Grabstein von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf ohne die ehemals kunstvolle Einfassung.

Rudolf Gleichauf Historienmaler
geboren 29. Juli 1826
gestorben 15. Oktober 1896


*Bildhauer Prof. Adolf Heer,
Sein Leben und seine Werke auf der Baar und dem Umland von Erich Willmann
Schriften der Baar 53, (2010)

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