Gottfried Schafbuch

„Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seelen ihren Atem schöpfen.“
— Johann Wolfgang von Goethe

Gottfried Schafbuch 03.01.1898-23.10.1984

Ein Ehrenbürger, der dem merkwürdigen Slogan der Stadtverwaltung „Wir stehen auf Geschichte“ tatsächlich Bedeutung hätte geben können.

Die Stadt erklärt ja über sich: „Man weiß, wo man herkommt, steht auf geschichtsträchtigem Boden und verbindet mit der ‚Hüfinger DNA‘ Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Bei so viel historischem Pathos ist es bemerkenswert, wie wenig Interesse den Menschen gilt, die diese Stadt und ihre Geschichte tatsächlich geprägt haben.

Gottfried Schafbuch gehört zur „DNA von Hüfingen“ wie kaum ein anderer. Sein Name und seine Arbeiten sind untrennbar mit der Geschichte und den Geschichten dieser Stadt verbunden. „Dä Gopfried“, wie er in Hüfingen liebevoll genannt wurde, war als Heimat- und Mundartdichter und als Chronist des Hüfinger Lebens weithin bekannt.

Er bewahrte nicht nur Geschichten, Menschen und die Sprache seiner Heimat. Er schaute auch genau hin – und sprach aus, wenn etwas nicht stimmte. Wenn ihm etwas nicht passte, war seine Meinung zu hören, und zwar in unverwechselbarem Hüfinger Dialekt. Er hätte vermutlich auch heute einiges zu sagen. Und wahrscheinlich würde er sich dabei nicht besonders diplomatisch ausdrücken.

Aus dem Nachruf in den Schriften der Baar 1984 von Lorenz Honold

Emil Bader hat Schafbuch einen der guten Geister der Lucian-Reich-Stadt  genannt. Er war es nicht nur für die Bürger seiner Vaterstadt. Wer immer, von auswärts kommend, der reichen Geschichte, der Kunst und Kultur der einstigen fürstenbergischen Oberamtsstadt auf der Baar nachspürte, der fand im Hüfinger Stadtschreiber einen guten Freund und verläßlichen Wegweiser. Er war die lebendige Chronik seiner Vaterstadt, die er liebte. Echt, treu und herb wußte er das Lob der Baar und seiner Menschen zu singen. Die kirchlichen und weltlichen Feste, den schlichten Alltag und die Natur im Wandel der Jahreszeiten lebte und schilderte er in seiner besinnlich-alemannischen Art wie keiner vor ihm.

Und keiner in unserem Jahrhundert war so wie er berufen, dem Fremden die Schatztruhen Hüfingens zu öffnen. Es war mit ein Verdienst Gottfried Schafbuchs, daß die Stadt 1958 Lucian Reichs Hieronymus , die erste Volkskunde des alemannischen Landes, im Original neu erscheinen ließ. Man hat Schafbuch bisweilen den Johann Peter Hebel der Baar genannt. Zweifellos ist er einer der stärksten und sprachgewandtesten aus dem Hüfinger Künstlervölkchen des vorigen Jahrhunderts, vor allem der Brüder Lucian und Franz Xaver Reich. Ihr Werk und ihre Persönlichkeiten hat er in liebevollen Studien und Essays für die Nachwelt festgehalten.

Vorwiegend Themen der Vergangenheit, der Romantik und dem bürgerlichen Biedermeier auf der Baar galt Schafbuchs schriftstellerisches Schaffen. In seiner Mundartdichtung aber ist er unmittelbar gegenwärtig und unauswechselbar. Der bürgerlich-bäuerliche Mensch, Natur und Jahreszeiten auf der Baar – sie werden von dem Mundartdichter Schafbuch nicht nach-, sondern mitempfunden. Sie sind erlebt: Menschen und Dinge haben ihr Leben aus der schmucklosen, dafür farbenreichen und bildkräftigen Sprache des heimatlichen Idioms. Und Humor und Mutterwitz sind stets rechtzeitig zur Stelle, um diese Volkspoesie nicht ins Rührselige abgleiten zu lassen.

Mii Boor – Mii Hoamet

1972 erschien Gottfried Schafbuchs Hauptwerk „Mii Boor – Mii Hoamet“ – ein Buch über die Baar, ihre Menschen, ihre Geschichte und ihre Geschichten.

Buchumschlag mit altem Haus und Kirchturm dahinter

I’s Heinemanns Huus hinter de Poscht,
Potz tausigsappermoscht, Wohnet jao reacht bravi Lüt
Wemers bruchet i de hittige Ziit!

Mehrere Gedichte aus „Mii Boor – Mii Hoamet“ wurden von dem Komponisten, Dirigenten und Südwestfunk-Mitarbeiter Alfred Kluten vertont und zu einer mehrteiligen „Baar-Kantate“ zusammengefügt. Sie wurde anlässlich des 6. Verbandsmusikfestes des Blasmusikverbandes Baar-Schwarzwald in Hüfingen von der Stadtmusik und dem gemischten Chor des Liederkranzes zu Gehör gebracht. Den Schluss der Kantate bildete der Marsch „Gruß an die Baar“.

Kluten war als Musiker und Arrangeur beim Südwestfunk tätig und leitete dort unter anderem die „Volksmusikanten“, eine Blaskapelle aus Rundfunkmusikern. Seine Verbindung zur Baar reicht allerdings noch weiter zurück: Den Marsch „Gruß an die Baar“ soll er bereits 1964 für die Stadt Geisingen komponiert haben.

Herrgott, segne du iiseri Boor,
schütz iiser Schtädtli lieb,
vor Elend, Not und G’fohr.
Mier wennt dankbar sii,
d’Hüfinger Liit, treu und wohr fer alli Ziit
Boor, o Boor, mii Hoamet bischt du.
O Boor, o Boor, mii Hoamet bliibscht du.

S’Rotkäppli

1970 erschien „S’Rotkäppli“ auf der Schallplatte „Alemannische Geschichten für große und chli­ni Lüt. Zehn Sprachbilder in der Muettersproch aus südbadischen Sprachlandschaften“ des Christophorus-Verlags Freiburg. Die Schallplatte sollte die verschiedenen alemannischen Sprachlandschaften nicht nur im geschriebenen Wort, sondern durch die Stimmen ihrer Sprecher hörbar machen. Wie die zeitgenössische Besprechung in der „Badischen Heimat“ hervorhob: „Wie man auf der Baar spricht, weist Gottfried Schafbuch, Hüfingen, vor.“ Schafbuch las „S’Rotkäppli“ selbst.

S’Rotkäppli 1970 gelesen von Gottried Schafbuch

Dem Tod seiner Brüder sowie seiner schwächlichen Konstitution – unter Freunden nannte sich Gottfried einen „Säerbling“ (Schwächling) – hatte er es zu verdanken, dass ihm der Kriegsdienst erspart blieb. Unter dem langjährigen Hüfinger Ratschreiber August Hutzler ausgebildet, wurde er selbst Ratschreiber. Während des Zweiten Weltkrieges tat er Dienst beim Donaueschinger Wehrbezirkskommando.

Schafbuch war mehr als 20 Jahre bei der Stadt Hüfingen beschäftigt, davon 15 Jahre als Ratschreiber. Heute würde man diese Funktion etwa mit der eines Hauptamtsleiters vergleichen.

Am 20. Dezember 1973 wurde Gottfried Schafbuch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wenige Jahre später, 1978, ernannte ihn der Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Max Gilly feierlich zum Ehrenbürger der Stadt Hüfingen.

Max Gilly

Gottfried Schafbuch ist Ehrenbürger der Stadt Hüfingen

aus den Schriften der Baar 1978 Band 32

Am 6. August 1978 wurde unser Ehrenmitglied Gottfried Schafbuch zum Ehrenbürger der Stadt Hüfingen ernannt. Vor der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde während eines Festaktes hielt Bürgermeister Max Gilly die Laudatio, die wir mit seiner Genehmigung nachstehend auszugsweise wiedergeben:

Ich habe heute die Ehre, meinem lieben Freund, unserem langjährigen früheren Ratsschreiber, den Ehrenbürgerbrief der Stadt Hüfingen zu überreichen. Gottfried Schafbuch ist für uns, für die Stadt Hüfingen, das lebende Beispiel jener geistigen Blüte, die unsere Stadt schon im 19. Jahrhundert auszeichnete. Er hat als Poet und Heimatschriftsteller das fortgesetzt, was die berühmten Männer unserer Stadt im 19. Jahrhundert begonnen haben. Ich möchte sagen, ohne die Arbeit unseres Gottfried Schafbuch wäre Hüfingen als Stadt der Dichter, Poeten und Maler ärmer geblieben. Im Mittelpunkt seiner Geschichten und Gedichte steht die Stadt Hüfingen, seine Heimat. Wie ich aus vielen gemeinsamen Gesprächen weiß, hat er nie Fernweh sondern immer nur Heimweh gehabt. Daß er diesen Schritt gewagt hat, diesen Mut gehabt hat, im bescheidenen Rahmen der Heimat zu bleiben, ohne Aussicht, in einem weiteren Bereich bekannt zu werden, das haben wir ihm tief zu danken. Gottfried Schafbuch hat die Gabe, aus den alltäglichen Kleinigkeiten etwas Schönes zu machen, einerlei, ob es sich um einen Brief, eine kleine humorvolle Geschichte oder ein Gedicht handelt. Und gerade seine Gedichte sind Zeugnis dafür, daß er die Volksseele der Baar, in der er von Jugend auf gelebt hat, bestens versteht. Aber er ist ein Mann, der sich gründlich mit der Materie auseinandergesetzt hat. Bevor er sich an seine Mundartgedichte wagte, hat er zuerst einmal die Baaremer Sprache gründlich erlernt; und erst nachdem er sich mit vielen Kapazitäten zusammengesetzt und alles genau erforscht hatte, begann er, seine Gedichte zu schreiben. Alles, was vorher aus seiner Feder kam als Heimatschriftsteller und Erzähler der Geschichte unserer Stadt, hat er elegant mit leichter Hand gemacht. Aber sein ganzes Können hat er erst gegeben, als es ihm um die herbe Mundart der Baar gegangen ist. So hat er uns entscheidend tiefschürfende Werke geschenkt, die immer zum kostbaren Gut der Baar gehören werden. Daß wir mit dieser Ehrung solange gewartet haben, hat sich Gottfried Schafbuch selbst zuzuschreiben. Er hat zu uns immer gesagt:

,Ehrenbürger einer Stadt zu sein, ist das Äußerste und das Letzte, was eine Stadt zu bieten hat; und übertreibt auch solche Sachen nicht‘.

Nun wollen wir hoffen, daß wir noch recht viele Jahre mit ihm zusammen sein können. Ich darf nun die Ehrenbürger-Urkunde verlesen: ,Ehrenbürgerbrief. Gottfried Schafbuch hat als Heimatdichter und Mundartschriftsteller große Verdienste erworben. Der ganze Reichtum des Baaremer Dialektes wurde durch ihn in seiner Vielfalt erkennbar und als unschätzbares Gut erhalten. Darüber hinaus hat er sich mit seinen Schriften aus der Geschichte der Stadt verdient gemacht. Dankbar für all das, was er uns gegeben hat, ernennen wir ihn zum Ehrenbürger seiner von ihm so geliebten Heimatstadt Hüfingen.
6. August 1978, Der Gemeinderat‘.

Sechs Jahre nach seiner Ernennung zum Ehrenbürger war Gottfried Schafbuch tot. Am 23. Oktober 1984 starb er im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit. Ausgerechnet Bürgermeister Max Gilly, der ihm 1978 den Ehrenbürgerbrief überreicht und seine Laudatio mit der Hoffnung beendet hatte, noch viele Jahre mit ihm zusammen sein zu können, fand nach seinem Tod noch einmal Worte für das, was Schafbuch seiner Heimat hinterlassen hatte:

„Die Pflege des heimatlichen Brauchtums, der Baaremer Mundart sowie die Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt lag ihm besonders am Herzen. Wir wollen ihm für all das, was er uns gegeben hat, mit seinen eigenen Worten danken.“

Das Grab von Gottfried Schafbuch auf den Hüfinger Friedhof

o Boor, mii Boor, hol mech doch hoam;
dier g’hör ech alli Ziite ,
es mont zum Grabgsang mier emool
nuu d’Hoametglocke liite.

Einladung zum 100. Geburtstag von Gottfried Schafbuch


Feierlichkeiten zum 100. Geburtstages am 3. Januar 1998

Ein Hüfinger Heimatdichter wird 100 – und die Stadt feiert. Zum Geburtstag von Gottfried Schafbuch gab es 1998 noch einen ganzen Abend: Das Stadtmuseum stellte eine Ausstellung zusammen, das Katholische Bildungswerk lud ein, und seine älteste Tochter und Nachlassverwalterin Roswitha Schafbuch las aus dem kurz zuvor erschienenen Nachfolgewerk „Daheim auf der Baar“.

Heute wirkt eine solche Würdigung beinahe wie ein Dokument aus einer anderen Zeit. Damals hielt man es offenbar noch für sinnvoll, die Menschen zu feiern, die zur kulturellen Identität der Stadt beigetragen hatten. Heute schmückt man sich lieber mit der „Hüfinger DNA“ und erklärt, wie wichtig Geschichte und Herkunft seien. Die Menschen, die diese Geschichte tatsächlich geschrieben haben, kommen dabei zunehmend weniger vor.

Zum Glück ist von Roswitha Schafbuch noch etwas erhalten geblieben: eine Aufnahme vom 12. Dezember 1998, auf der sie aus dem Werk ihres Vaters rezitiert. Mein Vater hat die Aufnahme damals gemacht.

Einladung vom Katholischen Bildungswerk 1992
Zm 100. Geburtstag von Gottfried Schafbuch
Roswitha Schafbuch am 12.12.1998



Xaver Reich zum 211. Geburtstag

Am 1. August 1815 wurde Franz Xaver Reich in Hüfingen geboren.

Noch ein großer Künstler, mit dem man dem merkwürdigen Slogan der Stadtverwaltung „Wir stehen auf Geschichte“ ein wenig Leben hätte einhauchen können. Die Stadt erklärt dazu, man wisse, wo man herkomme, stehe auf geschichtsträchtigem Boden und verbinde mit der „Hüfinger DNA“ Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Bei so viel historischem Selbstbewusstsein ist es bemerkenswert, wie wenig Interesse den Menschen gilt, die diese Stadt und ihre Geschichte tatsächlich geprägt haben.

Franz Xaver Reich gehört zu den bedeutenden Künstlern, die Hüfingen hervorgebracht hat. Sein Name und seine Arbeiten sind Teil der Geschichte dieser Stadt. Doch Geschichte bewahrt sich nicht von selbst. Man muss sie kennen, erzählen, zeigen und gelegentlich auch daran erinnern, dass es sie überhaupt gibt.

Denn Geschichte entsteht nicht dadurch, dass man einen Römerkopf zum Logo erklärt. Sie besteht aus Menschen, ihren Werken und den Spuren, die sie hinterlassen haben – vorausgesetzt, jemand interessiert sich noch für sie.

Während eine antike Besatzungsmacht heute Hüfingens Identität verkörpern darf, geraten die Menschen, die hier geboren wurden, lebten und wirkten, zunehmend aus dem Blick.

Deshalb hole ich Franz Xaver Reich zu seinem Geburtstag wieder nach vorne – nicht als Dekoration für einen Leitspruch, sondern als den Menschen und Künstler, der zu Hüfingen gehört.

Überarbeitete Version, 1. Version war am 1. Juni 2022

Die Eltern: Luzian Reich und Josefa Schelble
Fotos von Johann Nepomuk Heinemann Anfang 1866

Franz Xaver Reich (1. August 1815 in Hüfingen – 8. Oktober 1881 in Hüfingen) war der ältere Bruder von Lucian und Elisabeth (Lisette).

Die Schelble waren ein Althüfinger Geschlecht. Der Urgroßvater, Franz Xaver (*28.08.1731) war Kunsthandwerker, und zugleich versah er, wie schon sein Vater, den Amtsdienerdienst.
Franz Xaver Schelble fertigte die Altäre in Meßkirch, Gutmadingen, Hausach, Löffingen und die mit Hilfe seines Schwiegersohnes und Geschäftsnachfolgers Johann Gleichauf die Seitenaltäre der Hüfinger Pfarrkirche. Johann Gleichauf (4.2.1764-23.03.1816) war mit Anna Maria Schelble (27.03.1760-27.12.1816) verheiratet.

Der Großvater Franz Joseph Donat Schelble (*17.02.1762-13.02.1835) war Korrektionshausverwalter und beschäftigte sich mit Uhrenmachen und beaufsichtigte die Römischen Ausgrabungen im Mühleschle und am Fuße des Hölensteins, wofür er vom fürstlichen Protektor mit einer goldenen Repetieruhr beschenkt wurde.

Alter Eingang vom Römerbad

Luzian Reich gründete in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Mal- und Zeichenschule in Hüfingen. Dort unterrichtete er unter anderen auch seine Söhne Lucian und Xaver, die Brüder Nepomuk und Josef Heinemann und auch Rudolf Gleichauf.

So schreibt Lucian Reich im Denkbuch: „Glückliche Zeit so ein Vakanztag, in dem man in der Stube am Zeichentisch sitzt, während es draußen stürmt und den Schnee wirbelnd durch die Gassen jagt, oder regnet, „was abe mag!” Und so saßen auch wir, mein Bruder Fr. Xaver und ich, mit („Muckle”) Joh. Nep. Heinemann (gleich mir im teuren Jahr 17 geboren) manche Stunde zusammen.

Xaver Reichs Geflügelhof

Aber praktisch, wie der Xaveri in allem war, wollte er bald auch mit seiner Kunstfertigkeit Geld verdienen. So z. B. hatte er einen ganzen Geflügelhof in Thon modelliert, der im Ofen des Hafners Härle gebaut und naturgetreu koloriert wurde.

Es war kurz vor dem Klausenmarkt, und die Herrlichkeit wurde einer vertrauten Käsehändlerin zum Verkauf übergeben. Aber so oft die kleinen Künstler am Tischlein der Frau vorbeistrichen, sahen sie die Schaar noch vollzählig.

Endlich – die meisten Krämer hatten bereits eingepackt – war sie vom Tischlein verschwunden und die Frau händigte den beiden – mit Abzug ihrer Prozente – das Geld hierfür ein. Um den kleinen Spekulanten die Unternehmungslust nicht zu benehmen, hatte die Mutter eine Base auf den Markt geschickt, den ganzen Kram einzukaufen was die Brüder natürlich erst viel später erfuhren.

Lucian Reich, Badische Fortbildungsschule. Nr. 7, 1900, S. 97 ff.

Nach der Förderung durch seinen Vater, kam Xaver Reich 1832 auf Empfehlung seines Onkels Johann Nepomuk Schelble an das Städelsche Institut. Durch seinen Onkel wurde er auch Mitglied in dessen Cäcilienverein.

Lucian Reich im Denkbuch: „Mein Bruder hatte sich für die Plastik entschieden. Formensinn und außerordentlich geschickte Hand befähigten ihn hierzu. Jeden Herbst kam Onkel Schelble zu Besuch in die Vaterstadt, und was wir von ihm vom Städel’schen Kunstinstitute hörten, ließ uns Frankfurt in ganz verklärtem Lichte erscheinen. Gegen Ende der 20ger Jahre war Zwerger, der Zögling Danneckers, aus Italien zurückgekommen.
In Hüfingen, bei seinem Schwager, Schloßverwalter Wehrle, vollendete er seinen „Hirtenknab” in Karrarischem Marmor. Von Schelble empfohlen, hatte er bald nachher eine Berufung an das Städel’sche Institut erhalten. Und nun erbot er sich, meinen Bruder als Schüler anzunehmen; und somit verließ dieser im Herbste 1832 mit Onkel und Tante die Vaterstadt, und im Jahr darauf fuhr auch ich mit ihnen der ersehnten freien Reichsstadt (Frankfurt) zu. Das Städel’sche Institut war gewissermaßen noch im Entstehen begriffen. Mein Bruder hatte seine Lehrzeit noch im alten Hause auf dem Roßmarkt begonnen, und der Umzug ins neue war kurz vor meiner Ankunft bewerkstelligt worden, so daß zehn oder zwölf Malerschüler, mit mir dem jüngsten, erstmaligen Besitz von den obern vier, in den Hof und Garten hinausgehenden, Ateliers nahmen. Es war eine gemischte Genossenschaft, die sich da zusammengefunden, ein Konglomerat verschiedenster Ausbildungsstufen und Richtungen, jeder mit einem andern Gegenstand beschäftigt.

Xaver Reich gezeichnet von
Nepomuk Heinemann 1838

Foto von Xaver Reich

Franz Xaver Reich
Lithografie seines Schwagers Johann Nepomuk Heinemann, 1848, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 609.

Franz Xaver Reich
gezeichnet von Josef Heinemann

Lucian Reich schreibt viel über seinen Bruder im Denkbuch:
https://hieronymus-online.de/denkbuch-von-lucian-reich-1896/

Josefa Reich, geb. Elsässer (1823-1900)

Lucian Reich im Denkbuch: „Kamen wir Mittwoch abends aus dem Aktzeichnen, so nahmen wir den Weg an der Hauptwache vorbei zum Rauchschen Hause, in dessen Saal der Verein seine Proben abhielt. Xaver reihte sich dann jedesmal den Sängern an, während ich, oft der einzige Zuhörer, unter der Galerie Platz nahm. Während unsres drei-, resp. vierjährigen Aufenthaltes in der Mainstadt hatten wir, ohne bei befreundeten Familien eingeladen zu sein, selten einen Abend außer dem Hause zugebracht.

Blick aus einem Fenster des Hotels „Russischer Hof“

auf der Zeil nach Westen zur Hauptwache (William Henry Fox Talbot, 1846)
Kalotypie Notiz auf dem Abzug: „street at Frankfort, gloomy day, 32 minutes in camera“ Hinweis: Talbots Abzug ist höchstwahrscheinlich seitenverkehrt. Der 1891 abgerissene Russische Hof befand sich auf der Nordseite der Zeil, siehe dazu auch ein Foto von Mylius, die Katharinenkirche hingegen auf der Südseite. Die Zeil verläuft in ost-westlicher Richtung zur Hauptwache; es ist von der Zeil aus daher nicht möglich, die Katharinenkirche rechts (nördlich) vom Hauptwachengebäude sehen.
Foto: Wikipedia

Xaver Reich ging 1836 nach München und arbeitete in der Bildhauerwerkstatt von Ludwig Schaller, der Ludwig Schwanthaler bei der Ausschmückung der 1836 eröffneten Pinakothek unterstützte. Zwerger, Schaller und Schwanthaler waren Vertreter des klassizistischen Stils.

Vermutlich Johann Nepomuk Zwerger
(* 28. April 1796 in Donaueschingen; † 26. Juni 1868 in Cannstatt).
Deutscher Bildhauer und Hochschullehrer.
Hier 1829 gezeichnet von Luzian Reich senior.

Lucian Reich im Denkbuch: „Im Atelier Schallers hatte er (Xaver), obgleich im Steinarbeiten nicht geübt, resolut zu Hammer und Meißel gegriffen und nach Schallers Modell die Holbeinstatue für die Pinatothek in Stein ausgeführt. Im Lehrsaal Zwergers war er bis in die letztere Zeit der einzige Schüler gewesen, der sich ausschließlich der Plastik widmete. Zu den jüngern Fachgenossen, mit denen er jetzt verkehrte, zählte vor allen Hähnel (später Professor in Dresden). Entwürfe, die er mir von seiner Tätigkeit als Mitglied eines Komponiervereins zuschickte, ließen ein frisches, freudiges Schaffen erkennen. Jetzt, nach kurzem Verweilen in der Vaterstadt, hatte er das Glück, an Fürst Karl Egon zu Fürstenberg einen Mäcen zu finden. Der erste bedeutende Auftrag betraf die Donaugruppe für den fürstlichen Park, wozu er das Modell in München fertigen sollte.….

….Im Gesellschaftshause Frohsinn hatte er (Xaver) Atelier und Wohnung gemietet; und ein glücklicher Gedanke war es den Kunstheros Cornelius um einen Besuch zu bitten. Und er kam oft, der kleine große Mann mit dem Blicke des Adlers, und nicht nur mit Worten, auch mit genial hingeworfenen Bleistiftstrichen suchte er den jugendlichen Modelleur auf die Erfordernisse monumentaler Plastik ausmerksam zu machen. Wozu mir in Frankfurt die Anregung gefehlt, das tat ich jetzt wieder, indem ich ein Bild aus dem Leben malte. Hierauf begab auch ich mich ebenfalls nach München, wo ich im „Frohsinn, den auch Schaller und Bildhauer Eduard Wendelstädt, Sohn des Inspektors am Städelschen Institut, bezogen hatten, mich einquartierte. (Das bedeutendste Werk dieses talentbegabten, frühe verstorbenen Künstlers ist die Statue Karls des Großen auf der Mainbrücke zu Frankfurt.)“

Johann Nepomuk Schelble, der geliebte Onkel und Gönner starb viel zu früh am 06.08.1837.

Lucian Reich in den Wanderblühten: „Es war am 6. August des Jahres 1837, an einem Sonntag, als das Totenglöcklein der Stadtkirche üblicherweise den Einwohnern verkündete, dass ein Mensch aus ihrer Mitte geschieden sei. – Es war das Scheidezeichen für Johann Nepomuk Schelble. – Im Geleite der Seinigen hatte er denselben Tag einen Spaziergang auf ein entferntes Grundstück unternommen, als er zurückkehrend am Eingange seines Gartens von einem Blutsturz befallen wurde, der seinen Leben in den Armen seiner Gattin ein schmerzliches schnelles Ende machte.

Lucian Reich im Denkbuch: Unser Schaffen und Streben war im besten Zuge, als uns, wie ein Blitz aus heiterem Himmel — denn er hatte sich ja in anscheinender Besserung befunden — die Nachricht vom Tode Schelbles traf.

Wegen in des Todes kehrten die Brüder nach Hüfinger zurück, wo Xaver 1837 für Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg die monumentale Sandsteingruppe „Donau mit den Zuflüssen Brigach und Breg“ schuf, die ihn öffentlich bekannt machte.

Wilhelm August Rehmann, Leibarzt und Hofrat von Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg veranlasste, dass Xaver Reich eine Skizze modellieren konnte, welche die Donau mit ihren Zuflüsse Brigach und Breg zeigte. Karl Egon II. war vom Ergebnis begeistert und beauftragte Reich damit das Modell 1837 im großen Maßstab herzustellen. Im Schloss Hüfingen erhielt er von seinem Mäzen dann ein Atelier geräumt, um die Gruppe in Sandstein auszuführen. Die Sandsteingruppe wurde auf der „großen Insel im Schwanenweiher“ (heute: Pfaueninsel) im Schlosspark von Donaueschingen aufgestellt.

Danubiagruppe auf der Pfaueninsel (Postkarte 1906)

Durch Heinrich Hübsch ihn erhielt Xaver Reich vom badischen Großherzog Leopold den Auftrag, die Gruppe für das Giebelfeld der Trinkhalle Baden-Baden auszuführen, die Hübsch von 1839 bis 1842 errichtete.

Trinkhalle in Baden-Baden

Heilung durch die Quellennymphe

Durch ein Stipendium von Karl Egon II. wurde es Xaver Reich möglich, sich für einen zweijährigen Italienaufenthalt nach Rom zu begeben (1842/43). Dort freundete er sich mit dem aus Karlsruhe stammenden Bildhauer Christian Lotsch (1790–1873) an, der seit 1822 in Rom ansässig war.

Ostersonntagabend in Rom

Am nämlichen Abend (des Ostersonntags) ist Beleuchtung der Kuppel des Petersdomes. Das ganze Gebäude scheint zu glühen, man glaubt in einer Zauberwelt zu sein. Um ein Uhr in der Nacht wechselt auf einen Augenblick die Beleuchtung auf andern Punkten werden Pechkränze angezündet. Bei jeder Lampe ist ein Mann. Wer dies nicht gesehen hat, für den ist der Eindruck nicht zu beschreiben. Nach aller Aussagen soll auf der ganzen Welt nichts brillianteres stattfinden, selbst in Paris nicht. Die Lokalität ist hierzu äußerst günstig.

Das Schauspiel dauert ungefähr eine halbe Stunde in steter Abwechslung. Kanonen, welche dazwischen feuern, machen sich besonders schön. Zu Ende speit die ganze Engelsburg Feuer – man glaubt sich seines Lebens kaum sicher.«

Franz Xaver Reich, FFA, Tagebuchaufzeichnungen nach Wohl-lebe, J. L., Künstlermappe.

Aus dem Stadtlexikon Karlsruhe

Ludwig Winter in Karlsruhe

Weitere Arbeiten von Reich in Karlsruhe sind das überlebensgroße realistische Standbild des badischen Staatsministers Georg Ludwig Winter (heute Beiertheimer Allee) sowie die Engelsfigur des Denkmals für die Opfer des Theaterbrandes (1847/48). Auch in Baden-Baden finden sich noch Werke von ihm, darunter die Statuen der Justitia (Schwert, Waage) und Lex (Gesetzesbuch, Schwörstab) am Hauptportal des 1842/43 nach Plänen von Friedrich Theodor Fischer erbauten Amtshauses (heute Ärztehaus).

Seine Wettbewerbsteilnahme für eine Kolossalskulptur „Handel und Schifffahrt“ auf dem Hauptportal des nach Plänen von Heinrich Hübsch realisierten Zollareals am Mannheimer Freihafen machte den Karlsruher Oberbaurat Ende der 1830er-Jahre auf Reich aufmerksam. In den folgenden zwei Jahrzehnten fertigte der Bildhauer für Hübschs wichtigste Bauwerke Bauplastiken an. Dazu gehören die Figurenreliefs am Hauptportal der neuen Gemäldegalerie (1837-1845; heute Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), die unter anderen Albrecht Dürer, Hans Holbein den Jüngeren und Peter Vischer zeigen, das Giebelrelief der Trinkhalle in Baden-Baden (1839-1842; Entwurf und Gipsmodell von Johann Christian Lotsch) mit der Heilung der Kranken durch eine Quellnymphe, das Giebelrelief sowie die 20 lebensgroßen Figurenreliefs und 100 Medaillonköpfe mit Gestalten aus Oper und Drama am neuen Großherzoglichen Hoftheater (1851-1853; im Zweiten Weltkrieg zerstört) sowie die beiden Figurenpaare oberhalb der Eingänge in das Orangeriegebäude des Botanischen Gartens (1853-1857), welche Allegorien der vier Jahreszeiten darstellen. Beim Abräumen der Trümmer des Hoftheaters 1963 konnten viele der Medaillons und Figurenreliefs geborgen werden. Sie fanden zur Bundesgartenschau 1967 in und bei der im Wintergarten des Botanischen Gartens eingerichteten Badischen Weinstube eine neue Verwendung. Fünf der Medaillons wurden dem Heimatmuseum in Bad Dürrheim überlassen. 

https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-1185
Trinkhalle in Baden-Baden mit Giebelrelief von Xaver Reich
Trinkhalle in Baden-Baden mit Giebelrelief von Xaver Reich
Figurenreliefs an der Trinkhalle

Lucian Reich schreibt am 25.März 1853 an seine Eltern: „Hübsch wartet sehnlichst auf den Giebel. Xaver wird einige Zeit hier verweilen müssen.

Das von Leopold beauftragte und 1848 aufgestellte Denkmal für die 63 Todesopfer die beim Brand des Karlsruher Hoftheaters am 28. Februar 1847 ums Leben gekommen waren, war der vorerst letzte Auftrag Reichs in Karlsruhe; er kehrte nach Hüfingen heim.

Alter Friedhof Karlsruhe

Familienleben

Am 28. August 1843 heiratete Xaver Reich in Kirchenhausen Josefa Elsässer (* 20. April 1823-19.11.1900).

Josefa Reich, geb. Elsässer (1823-1900)

Kinder von Xaver und Josefa Reich:

1. Berthold Lucian Joseph Reich geboren am 01.06.1844 in Karlsruhe. Hat angeblich später den Ölberg am Aufgang zu St. Johann von Donaueschingen geschaffen. Anna Reich schreibt in ihrem Brief 1876: „So, so dein Amerikaner Vetter, war ein solcher Herzeroberer, nun ich bin froh, daß ich ihn nicht kennen lernte„. Dies spricht dafür, dass es uneheliche Nachfahren gibt, von denen die Cousinen wussten. Ob Berthold in Amerika war, ist nicht bekannt. Anscheinend ist er aber erst 1925 gestorben, wie Vetter schreibt.

In der Chronik vom Vetter steht: „Der Sohn Bertold, im Juni 1854 in Karlsruhe geboren und am 24. Oktober 1925 gestorben, trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls Bildhauer.

Im Hüfinger Sippenbuch gibt es gleich gar keinen Berthold. Aber dass Berthold 1844 in Karlsruhe geboren wurde, macht mehr Sinn, da 1854 die Reichs in Hüfingen wohnten.

2. Erwina Amalia Josepha, geboren 05.08.1845 in Karlsruhe -?

3. Maria Josefa Amalia, geboren am 21.01.1848 in Hüfingen. Am 8.3.1866 heirat mit Karl Eschborn *9.7.1834, FF Forstverwalter. Lucian Reich 1866 in einem Brief an die Eltern: „Zum hl. Josephsfest meine herzlichsten Glückwünsche dir, liebe Mutter, so wie auch unsere Josepha’s im Garten und neugegründetem Eschborn’schen Hause.“
1 überlebendes Kind von dreien: Maria Josefa ( *1.6.1867-?)

4. Amalia Maria Anastasia geboren am 23.09.1850 in Hüfingen, gestorben am 22.10.1939 in Hüfingen

5. Klara Mathilde, geboren am 27.11.1852 in Hüfingen, verheiratet am 27.9.1877 mit Sigmund Gayer geboren in Unterliezheim am 23.03.1847, Forstverwalter Geisingen. Enkel Oberforstrat Erwin Gayer ?

6. Karl Guido geboren am 14.11.1858 in Hüfingen. Anna Reich schreibt ihrem Brief 1876: „Soso du sprachst mit meinem Herr Vetter Bodenhopser, Schubladenzieher, wenn du zu ihm kommst wieder, dann bitte ich dich um alles in der Welt, sage zu ihm er sei ein Erdslügner ein fauler Fisch, ein ein ein Spinnenbobelenhirn u. noch vieles Andere hast gehört dieses sagst zum hast’s gehört, er wird dann schon wissen warum u. was drum und dran hängt.“

Carl Guido heiratet eine Josephine (Sophia) Kirchler geboren am 15.12.1864 und beide wandern spätesten 1886 in die USA aus. Sophia Reich stirbt in New Jersey am 24.10.1926.

Census von 1900 New Jersey

Kinder:

Hermann, *13.05.1887 New Jersey – 1953 verheiratet mit Myrtis M Gifford (1893-1981)
Kind: Robert Hermann Rich (1930-1992). Kinder von Robert: Pamela Bennetsen, Brian Rich, Robert Rich.

Christian, 11.02.1989 New Jersey

George, 10.03.1890 New Jersey

William Alexander Reich, *9.04.1891 in New Jersey- 25.06.1941
Kinder: Margret Reich, William Reich, Ernest Reich, Ruth Clara (Reich) Prince 4.08.1918 in New York, NY-8.12.2002)

Catherine Katie ? (Reich) Smith, 8.09.1895-?
Tochter: Virginia Catherine (Smith) Macian 9.03.1920-30.05.2001 Plam Beach

Ernest George Reich, 6.06.1895 in Jersey City, 34.02.1967 in Leon County, Florida,
2 Kinder

Philip Reich, 2.09.1897 in Jersey

Michael Reich, ?

7. Amalia geboren am 25.12.1860-31.8.1955. Wird in den Briefen als „Christkindlein“ erwähnt: „Eine dritte Gratulation bitte ich in Xavers Familie gelangen zu lassen, wegen der glücklichen Ankunft des Christkindleins.

Fronleichnam

1842/43 war Xaver Reich in Pisa, Florenz und in Verona und begeisterte sich für die Tradition der Blumenteppiche.

Nach italienischem Vorbild fertigte er in Hüfingen vor seinem Elternhaus den ersten Blumenteppich und legte so den Grundstein einer langen Tradition.

Film von Ernst Kramer in den späten 1920er

Franz Xaver Reich wohnte mit seiner Familie im ehemaligen Anwesen seines Onkels Johann Nepomuk Schelble an der Bräunlinger Straße.

In Hüfingen erweiterte er die Ziegelei, die er von seinem Vater übernommen hatte, um die Produktion von Terrakotten.

Tages-Neuigkeiten
1853

Donaueschingen, 15. Febr. Seit mehreren Wochen sah man die hiesigen Freunde der Kunst in das nahe Städtchen Hüfingen wandern, um im fürstlichen Schlosse in dem Atelier des Bildhauers X. Reich das nun bis zum Brennen des Thones vollendete Giebelfeld zu sehen, welches bestimmt ist, den Vorbau des neuen Theaters in Karlsruhe zu schmücken. Wir glauben dasselbe sowohl in der Erfindung, als in der Ausführung ein vollkommen gelungenes nennen zu dürfen. Die durch die bekannte Giebelform für die Komposition so sehr erschwerte Aufgabe wurde auf eine Weise gelöst, als wäre dem Genius des Künstlers die freie Bezwingung seiner Schwingen zu Gebote gestanden.

In der Mitte steht eine hohe weibliche Figur – die Poesie – und theilt nach beiden Seiten des Giebelfeldes den Kranz des Ruhmes aus; an ihre linke Seite lehnt sich der Liebesgott, ein kräftig gesunder Knabe mit Bogen und Pfeil. Die beiden Gruppen zur Linken und Rechten enthalten die Koryphäen der Dichtkunst und der Musik. Zur Linken ist die erste Figur Schiller, der seinem Nachbar und Freunde Goethe ein so eben geschriebenes Gedicht zur freundschaftlichen Prüfung überreicht. Die dritte, in der Ecke des Giebelfeldes ausgestreckte, mit dem Arme auf seinen Werken ruhende Gestalt ist Lessing; er ist in das Lesen eines Buches vertieft, um seine Verdienste nicht nur als schaffender, sondern auch als kritisch prüfender Geist anzuzeigen. Auf der rechten Seite des Feldes erblickt man zuerst den heiteren, liebenswürdigen Mozart mit der Violine in der Hand. Hinter ihm und von ihm abgewendet sitzt Beethoven ernst und düster mit Aufschreiben einer Komposition beschäftigt. In der Ecke der rechten Seite, der Gestalt Lessing’s auf der linken entsprechend, ruht Gluck mit seinem edlen, ritterlichen Kopfe rückwärts gegen Beethoven gewendet; eine griechische Leyer in seiner Hand mag den antiken Geschmack seiner Muse bedeuten.

Sämtliche Figuren sind edle, würdige Gestalten und den besten Vorbildern entsprechende, gelungene Porträts. Die ganze Gruppe ist lebendig und reich; die zwischen rechts und links herrschende Symmetrie, bedingt durch die architektonische Form, hat durchaus nichts Steifes oder Störendes. Wir halten dieses Werk des rühmlich bekannten Künstlers zwar für sein schwierigstes, aber auch für sein gelungenstes, und sind überzeugt, daß wir durch dieses Urtheil die Erwartungen Derjenigen, welche die andern Werke des bescheidenen Meisters, seinen Engel auf dem Friedhofe und die Marmorfiguren an der Akademie ec. zu Karlsruhe, kennen, nicht zu hoch spannen, wenn auch das Material dieser lezteren Skulpturen in dem Auge des Laien ein günstiges Vorurtheil erzeugt.

Möge nun dem Künstler bei dem Brennen dieser seiner größten Arbeit das Glück so günstig sein, als es seine Zuversicht erwartet. Die geringste Ungleichheit im Trocknen würde bei diesen Dimensionen ein Springen der Masse veranlassen und so das Produkt von langen Monaten und unermüdlichem Fleiß vernichten.

Donaueschinger Wochenblatt, Nr. 15 vom 22. Februar 1853
Orangerie KA

Franz Xaver Reichs Terrakotten überstanden großenteils die Bombennacht vom 27. September 1944, der auch das Hoftheater zum Opfer fiel. Der Landtag bewilligte seinerzeit eine hohe Summe zu ihrer Bergung. Bürgermeister Max Gilly gelang es im Jahre 1967, einige der geretteten Medaillons für Hüfingen zu erhalten.

Zu diesen Karlsruher Arbeiten kamen Aufträge zur Ausgestaltung der Orangerie, für die er die vier Jahreszeiten schuf, und der Gewächshäuser. Xaver Reichs bekanntestes Medaillon aber wurde dasjenige des alemannischen Dichterfürsten Johann Peter Hebel auf dessen Grabstein in Schwetzingen.

Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg, W 134 Nr. 061263d

Hebeldenkmal von Lucian Reich

Foto: 3268zauber, Wikipedia 2009

In der Zwischenzeit führte der unermüdlich tätige Künstler, dem ein Atelier im Schloß zur Verfügung stand, ehrenvolle Aufträge des Fürstenhauses in Donaueschingen aus. So entstand der Jagdhumor zeigende Fries an der fürstlichen Gewehrkammer in Donaueschingen. Die Medaillons am gegenüberliegenden Karlsbau, die etwas trocken und kühl wirken, zeigen neben den Häuptern von Dürer, Peter Fischer, Thorwaldsen und Cornelius hauptsächlich Vertreter der Naturwissenschaften. Tiefer empfunden und persönlicher gestaltet sind die mythologische »Flora« am Giebel des Gewächshauses.

Der Engel auf der Elisabetheninsel, den Fürst Carl Egon II in Erinnerung an seine früh verstorbene Gemahlin Elisabeth aufstellen ließ, wurde nach einem Entwurf von Xaver Reich gegossen. Zu seinen Donaueschinger Arbeiten zählt auch das Turnierrelief an der Reithalle.

Die Inschrift auf der Vorderseite des Sockels lautet:
Der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost. Sp. Salomon 14, 23
auf der Rückseite: „Karl Egon Fürst zu Fürstenberg seiner unvergeßlichen Frau Elisabeth, Prinzessin Reuß ä. L. zu Greiz. geb. 23. März 1824, gest. 7. Mai 1861“ .
Das Denkmal wurde nach einen Entwurf von Xaver Reich gegossen.


In der Terrakottenbrennerei schuf er den plastischen Schmuck für das Hoftheater Karlsruhe und den Fries für die fürstliche Gewehrkammer in Donaueschingen sowie die Medaillons am Sammlungsgebäude gegenüber. Im Auftrag des Erzbischöflichen Baumeisters Lukas Engesser fertigte er zusätzliche Werke für badische Kirchen.

Als nach dem Brand des Klosters Maria Hof bei Neudingen Fürst Karl Egon II. in den Jahren 1835-56 die Gruftkirche erbauen ließ, wurde Franz Xaver Reich mit der Ausschmückung beauftragt. Er modellierte die vier Engel aus Zinkguß auf den vier Nebentürmchen, die die Kuppel flankieren. Von ihm stammen ebenso die Madonna und die beiden Heiligenfiguren über der Portalwand wie die beiden Klosterfrauen über dem Portal. Ganz Raphael nachempfunden, dessen Werke Reich während seines Romaufenthaltes besonders stark beeindruckt hatten, ist das Verkündigungsrelief des Hauptaltars. Im Jahre 1870 entstanden die beiden Seitenaltäre, die wiederum eine Madonna und die acht Seligkeiten darstellen.

Neudingen

Foto mit dem Storch von
Wolf Hockenjos

In Hüfingen sind die Skulpturen des Karl Borromäus im Hof des Landesheimes und eine Madonna über dem Portal der Pfarrkirche aus Sandstein Zeugen des unermüdlichen Schaffens des Hüfinger Künstlers. Eine weitere Madonna schuf Franz Xaver Reich für das Portal des Konstanzer Münsters, und auf der Rheinbrücke standen die Statuen der Bischöfe Konrad (934-974) und Gebhard II. (979-995), die seit den dreißiger Jahren den Rheinsteig schmücken.

Landesheim 1950

Gebhard II.

In den Nischen auf der badischen Seite der zwischen 1858 und 1861 erbauten Rheinbrücke von Kehl standen die Figuren des » Vater Rhein« und der »Mutter Kinzig« von Hans Baur und Franz Xaver Reich. Als der östliche Teil der Brücke nach der Kriegserklärung vom 22. Juni 1870 von badischen Pionieren gesprengt wurde, stürzten auch die Statuen in den Rhein. Die Statue Reichs wurde später wieder gefunden und in Verbindung mit einem Brunnen als Kriegerdenkmal vor dem Rathaus von Kehl aufgestellt. Das Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Kriegsende nicht wieder aufgebaut. Die Kinzigstatue steht seit der Behebung geringer Schäden aber noch heute auf ihrem Platz.

Mutter Kinzig am Kriegerdenkmal 1870/71 in Kehl am Rhein.
Foto: Wikipedia 2010

Für den Erzguß der Porträtsbüste des Großherzogs Leopold erstellte Franz Xaver Reich im Auftrag der Stadt Baden-Baden das Modell. Gleichermaßen stammen von ihm die Modelle für die ehernen Standbilder des Abtes Martin Gerbert von St. Blasien in Bonndorf, die Bildnisse des Landgrafen Joachim und des Fürsten Karl Egon II. im Ornate eines Ritters vom Goldenen Vlies für den Monumentalbrunnen in Heiligenberg. Für die Heiligenberger Schloßkapelle modellierte er zusammen mit dem Bildhauer Sauer aus München den Kreuzweg, der, von der Millerschen Erzgießerei in München gegossen, in der Nagelfluwand am Weg zur Klause Egg eingelassen ist.

Madonna an Verena und Gallus von Xaver Reich

St. Peter und Paul in Bonndorf

Die Figurengruppe über dem Haupteingang vom Konstanzer Münster

Denkmal Abt Martin Gerbert von Xaver Reich aus dem Jahr 1856 im Bonndorfer Martinsgarten

Fürstenbrunnen in Heiligenberg von Xaver Reich

Leopold I. Grossherzog von Baden
von Xaver Reich

Bischof Konrad (934-974)
am Rheinsteig

Gebhard II. (979-995)
in Konstanz

Lucian Reich 1860 in einem Brief an die Eltern:Sollten in Betreff der Leopoldfigur Steine in den Weg zu werfen versucht werden, so würde ich mich entschieden auf das gegeben gutheißend Wort des Großherzogs und seines Bruders des Prinzen Wilhelm berufen, und dem Großherzog zu bedenken geben, daß mit Zurücknahme dieses gegebenen Wortes ?? dein Ruf als Künstler gefährdet werde. Die Figur ist entschieden gut und wird später, wenn sich die Staubwolken verzogen haben, ihre Anerkennung finden.
Indem ich bitte der lieben Josephine im Garten zu gratulieren ebenso bei Nober auch bei Heinemanns meine Grüße auszurichten.

Das Landhaus an der Bräunlinger Straße in dem
Johann Nepomuk Schelble und dann Xaver Reich mit Familie gewohnt hat.
Josephines Garten“ war vermutlich vor dem Haus,
wo heute noch die alten Bäume der Freunde der Natur stehen.

Zu den bedeutendsten Werken des Bildhauers zählt der Marmorengel am »Echo« in Baden-Baden, der vom Fürsten Karl Egon III. in Auftrag gegeben wurde.


Für das Denkmal seines Schwagers, des langjährigen verdienstvollen Donaueschinger Landtagsabgeordneten Kirsner, am Bahnhof, modellierte er dessen Büste, und für diejenigen des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen wurde ihm die Goldene Medaille des Hofes zuerkannt. Für den Donaueschinger Friedhof hatte Franz Xaver Reich schon im Jahr 1843 einen eindrucksvollen Corpus für das zentrale Kreuz gemeißelt.

Als die Donauquelle im Schloßhof 1875 von Adolf Weinbrenner neu gefaßt und umgruppiert wurde, gestaltete Xaver Reich die Gruppe: „Die junge Donau als Kind im Schoß der Mutter Baar“. 1895 schuf der Künstler Adolf Heer eine neue Marmorgruppe die über die Einfassung der Donauquelle kam – die „Mutter Baar“ darstellend, wie sie ihrer „Tochter“, der jungen Donau, den Weg weist.

Mutter Baar am alten Zusammenfluss

1939 schenkte Fürst Max Egon die Figurengruppe mit der jungen Donau „als Kind im Schoß der Mutter Baar“ von Xaver Reich der Stadt Donaueschingen. Reichs Gruppe fand in den 1970er Jahren in der Nähe des Zusammenflusses von Brigach und Breg eine vorläufige Bleibe. Im Jahr 2021 wurde sie für die Umgestaltung des Zusammenflusses entfernt und im Jahr 2025 am neu gestalteten Zusammenfluss feierlich wieder eingeweiht.

Zum 150. Jubiläum der Figurengruppe – Die jungen Donau als Kind im Schoß der Mutter Baar von Xaver Reich

Zur Wiederaufstellung am neuen Donauzusammenfluss hielt der Leiter des FF-Archives, Dr. Jörg Martin, heute am 14. September 2025 eine Vortrag über die Mutter Baar und Xaver Reich.

Dr. Jörg Martin zur jungen Donau als Kind im Schoß der Mutter am 14. September 2025

Vielen Dank an Dr. Martin der heute so nebenbei auch die lange ungeklärte Frage, wo die Donauquelle nun sei, ein für allemal beantwortet hat.

Die Donauquelle gluckst vor Freude,
weil sie jetzt weiß wo es beginnt,
ein langer Weg, ein langes Leiden,
das jetzt nicht nur im Sand verrinnt.
Der Ruf tönt nun wie Donnerhall,
auch in den fernen Ländern.
Furtwanger beruhigt euch nun,
jetzt könnt ihr nichts mehr ändern.

F.Hucke (Haimaddischder)
https://hieronymus-online.de/donauquelle-folge-352/

Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:
 „Zu den bedeutendsten Aufträgen, die mein Bruder von Fürst Karl Egon III. erhalten hat, gehörte die Aufgabe, bei der Neueinfassung der Donauquelle im Schloßhofe auch diese mit einer Figur oder Gruppe zu charakterisieren. Statt wieder eine Nymphe, sagte mir Xaver, wolle er die junge Donau als Kind im Schooße der Baar in Vorschlag bringen. Dem Fürsten gefiel dieser die Heimat des Stromes so klar bezeichnende Gedanke; und der Beauftragte modellierte das Modell zu der Gruppe dann in München im Verkehr mit den Freunden Schwind und Schaller und auch mit Professor Widenmann.

Die junge Donau als Kind im Schoße der Mutter Baar.
Hier bei der Zwischenlagerung 2024 in der Verbandskläranlage.

Aus dem Denkbuch von Lucian Reich: „Zu den bedeutendsten Aufträgen, die mein Bruder von Fürst Karl Egon III. erhalten hat, gehörte die Aufgabe, bei der Neueinfassung der Donauquelle im Schloßhofe auch diese mit einer Figur oder Gruppe zu charakterisieren. Statt wieder eine Nymphe, sagte mir Xaver, wolle er die junge Donau als Kind im Schooße der Baar in Vorschlag bringen. Dem Fürsten gefiel dieser die Heimat des Stromes so klar bezeichnende Gedanke; und der Beauftragte modellierte das Modell zu der Gruppe dann in München im Verkehr mit den Freunden Schwind und Schaller und auch mit Professor Widenmann.

Sein letztes erhaltenes Werk waren die Statuette zu einer Schlittschuhläuferin in moderner Tracht sowie eine Skizze zu einer Grablegung Christi. Er starb am 8. Oktober 1881 in Hüfingen.

Xaver Reich, Bildhauer
1. August 1815 – 8. Oktober 1881
Josepha Reich, geb. Elsässer
23. Aprlil 1823 – 19. November 1900

Quellen: Wikipedia, Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984, Sippenbuch der Stadt Hüfingen, Briefe von Lucian Reich, Briefe von Anna Reich, Denkbuch von Lucian Reich, Fotos von Wikimedia und privat.

Rudolf Gleichauf zum 200. Geburtstag

Der 200. Geburtstag von Rudolf Gleichauf wäre eine schöne Gelegenheit gewesen, dem Leitspruch „Wir stehen auf Geschichte“ ein wenig Leben einzuhauchen. Geschichte besteht nicht nur aus Logos und Leitbildern, sondern aus den Menschen, deren Spuren wir bewahren. Oder eben nicht.

Zwischen einem schönen Leitspruch und seiner gelebten Umsetzung kann ein großer Unterschied liegen.

Meinem Lieblingskünstler Rudolf Gleichauf haben wir zu seinem 200. Geburtstag nicht nur den ausführlichen Beitrag gewidmet, sondern auch ein kleines Büchlein mit einigen seiner Werke.

Wer lieber Papier in der Hand hält als auf einen Bildschirm zu schauen, darf mich gerne ansprechen. Besonders für unsere Hüfinger Offline-Familie habe ich Exemplare da und gebe sie gerne weiter.

Für alle anderen gibt es das Büchlein hier auch als PDF:

Aktualisiert, Originalbeitrag vom März 2023

Ein Mitglied des Hüfinger Künsterkreises war Rudolf Gleichauf (29. Juli 1826 in Hüfingen – 15. Oktober 1896 in Karlsruhe). Nachdem Luzian Reich einige Illustrationen des damals erst zehnjährigen Gleichauf an Julius Schnorr von Carolsfeld geschickt hatte und dieser Gleichaufs Talent bestätigte, erhielt Gleichauf ein Stipendium des Fürsten Karl Egon III. zu Fürstenberg an der Münchner Akademie bei Schnorr von Carolsfeld. Gleichauf folgte Schnorr von Carolsfeld 1846 dann nach Dresden an die Dresdner Akademie, wo er zahlreiche Kopien von Gemälden Alter Meister anfertigte.

Rudolf Gleichauf
(1826 – 1896)

Litographie um 1850 von J.N. Heinemann

Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt “Muckle” (1817 – 1902) mit Fes (Mütze); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf (Vetter) Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.

1848 kehrte er zeitweilig nach Hüfingen zurück, musste aber nicht zum Soldatendienst, da er ein Glückslos gezogen hatte. 1850 war er an der Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt am Main. Um jene Zeit schmückte er die Trinkhalle in Baden-Baden mit einem Kinderfries aus. Dort befindet sich auch ein Relief aus gebrannter Tonerde von Gleichauf, das den Türkenlouis darstellt.

Die Trinkhalle Baden-Baden wurde nach den Plänen Heinrich Hübsch rechterhand des Kurhauses erbaut. Die Bilder sind von Jakob Götzenberger gestaltet worden. Sie stellen Szenen aus Mythen und Sagen der Region dar und halten somit auch Ausflugsziele in der näheren Umgebung fest.

Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal von Gleichauf

Foto etwa 1900
Dr. Josef Durm
(14.02.1837 – 03.04.1919)
Abbildung aus der Chronik der Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1896

Von Frankfurt wurde er von Oberbaudirektor Heinrich Hübsch (1795-1863) nach Karlsruhe berufen, um Bauten der Oberbaudirektion mit Wandgemälden zu versehen. Diese Tätigkeit führte er auch unter Hübschs Nachfolger Josef Durm (1837—1919) fort.

Zu Gleichaufs Werken aus dieser Zeit gehört die Darstellung der Hygeia am Giebel des Vierordtbades. Gleichauf schuf hier ein Bild in Freskomalerei, das allerdings binnen zweier Jahrzehnte verblasst war. Daher wurde das Bild 1892 im Lithokaustik-Verfahren auf Keramik übertragen und blieb so erhalten.

Giebel über dem Eingang des Vierordtbades in Karlsruhe mit Darstellung der Hygeia in Begleitung (Lithokaustik 1892 von Professor Robert Ulke; übertragenes Original-Fliesengemälde (etwa 1872) von Rudolf Gleichauf)

Eid des Hippokrates
Ἱπποκράτους ὅρκοςHippokratous horkos

Ὄμνυμι Ἀπόλλωνα ἰητρὸν καὶ Ἀσκληπιὸν καὶ Ὑγείαν καὶ Πανάκειαν καὶ θεοὺς πάντας τε καὶ πάσας ἵστορας ποιεύμενος ἐπιτελέα ποιήσειν κατὰ δύναμιν καὶ κρίσιν ἐμὴν ὅρκον τόνδε καὶ ξυγγραφὴν τήνδε.

„Ich schwöre, Apollon den Arzt und Asklepios, Hygeia und Panakeia sowie alle Götter und Göttinnen als Zeugen anrufend, dass ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil diesen Eid und diesen Vertrag erfüllen werde.“

1864 schuf er für den Wartesaal des im 2. Weltkrieges zerstörten Bahnhofes in Freiburg Medaillions. Dies waren Metallplatten, die auf Goldgrund Trachtenköpfe zeigten.

Die Deckentondi in der Alten Aula der Universität Heidelberg schuf Gleichauf in den Jahren 1885/86.

Alte Aula der Universität Heidelberg

Allegorische Darstellung der Fakultät für Theologie.

Frau mit blauem Gewand und Schrifttafel, Buch und Kreuz auf dem Haarreif

Allegorische Darstellung der Fakultät für Theologie.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Bibel und Gesetzestafel mit den zehn Geboten und einem blauen Gewand. Blau ist in der Bibel eine Farbe, die reich an Symbolik und spiritueller Bedeutung ist. In der gesamten Heiligen Schrift taucht sie in verschiedenen Zusammenhängen auf, die ihre vielfältigen Facetten in Verbindung mit der Göttlichkeit, dem Himmel, der Heiligkeit und der göttlichen Offenbarung beleuchten. Es handelt sich um eine Farbe, die mit Gott und seinem Heiligtum sowie mit dem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Gesetz in Verbindung gebracht wird.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie.

Frau auf Globus mit Schriftrolle und gelbem Gewand Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie. Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schriftrolle und Globus. Teil eines Ensembles der vier Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg in der Aula der Alten Universität in Heidelberg

Allegorische Darstellung der Fakultät für Philosophie.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schriftrolle und Globus mit einem gelben Gewand.
Gelb gilt als die Farbe der Weisheit, des Wachstums, Licht, Kreativität, Neugier, Intellekt und Wissbegierde. Sie ist aber auch die Farbe des Neids und der Gier.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin.

Frau mit grünem Gewand und Schale mit Schlange

Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Schlange und Schale und grünem Gewand.
Grün steht für Wachstum, Heilung, Gleichgewicht, Harmonie, Barmherzigkeit, Hoffnung, Gesundheit aber auch Gift.
Sola dosis facit venenum (Paracelsus)
Interessant hierbei, dass die Dame bei der Skizze für die Familie die Brust bedeckt hat.


Allegorische Darstellung der
Fakultät für Jurisprudenz.

Frau mit rotem Gewand und Schwert und Buch in

Allegorische Darstellung der Fakultät für Jurisprudenz.
Weibliche Sitzfigur mit den charakteristischen Attributen Richtschwert, Gesetzesbuch und Urkunde mit rotem Gewand.
Rot ist die Farbe der Justiz. Blutsühne, rote Wimpel bei Gerichtstagen, rote Tinte bei Todesurteilen, rote Talare hoher Richter

Außer zahlreichen Wandgemälden hat Gleichauf im Auftrag des badischen Hofs und der badischen Regierung zwischen 1862 und 1869 auch 39 Aquarellbilder und eine Vielzahl von Kostümstudien geschaffen, die sich in der Badischen Landessammlung erhalten haben und für ein „umfängliches badisches Trachtenwerk“ geplant waren, das jedoch nicht vollendet wurde. Im Museum war 2009/2010 die Ausstellung mit Werken von Rudolf Gleichauf zu sehen: https://www.stadtmuseumhuefingen.de/rudolf-gleichauf/

Eine Schwester von Rudolf Gleichauf war mit Joseph Heinemann verheiratet, einem Bruder von Johann Nepomuk Heinemann.

Rudolf Gleichauf und die „Badischen Landestrachten“

von Susanne Huber-Wintermantel im Almanach 1996

Rudolf Gleichauf ist neben Lucian Reich der „Kronzeuge“ für die Tracht der Baar. 1826 in Hüfingen geboren und väterlicherseits mit Johann Nepomuk Schelble verwandt, wurde ihm eine solide Ausbildung am Städel’schen Institut in Frankfurt ermöglicht. Er verbrachte mehrere Jahre in München bei Schnorr von Carolsfeld, später lebte und wirkte er in Karlsruhe und starb dort 1896.

Gleichauf war ein sehr guter Portraitist, außerdem arbeitete er mit den großherzoglichen Baudirektoren Hübsch und Durm zusammen. Er wirkte unter anderem an der Ausmalung der Kunsthalle, des Hoftheaters und des Vierordtbades in Karlsruhe, der Trinkhalle in Baden-Baden und verschiedenen Kirchen mit. Auch am fürstlichen Hofe in Donaueschingen war Rudolf Gleichauf als Dekorationsmaler tätig.

Die Tracht war nicht sein eigentliches Thema und vermutlich galt ihr auch nicht sein besonderes Interesse. Ein großherzoglicher Auftrag vom 1. Februar 1861 bewirkte jedoch, daß sich der Künstler mit Akribie mit Trachten befasste: Er sollte eine „systematische bildnerische Dokumentation“ der badischen Trachten anfertigen. Rudolf Gleichauf schuf bis zum Ende des Jahres 1869 39 Aquarelle, die heute im Besitz des Badischen Landesmuseums sind.

Geplant war, ein umfassendes badisches Trachtenwerk zu veröffentlichen. Der Kunstverlag H. Müller in Stuttgart sollte die Bilder herausgeben – das Unternehmen gelang nur ansatzweise: nachdem zehn Blätter in den Handel gekommen waren, wurde der Druck weiterer Bilder eingestellt, da es an interessierten Abnehmern mangelte.

Für Hüfingen ist interessant, daß jedoch noch weitere Drucke hergestellt wurden – nicht von Müller, sondern vom Hüfinger Lithographen Johann Nepomuk Heinemann. Diese Blätter unterscheiden sich durchaus von den Müller-Drucken, zeichnen sich durch zurückhaltendere Farbgebung aus und sind dem Original-Aquarell von Gleichauf ähnlicher.

Trachtenmädchen aus der evangelischen Ostbaar

Die Gleichaufschen Trachten werden von ihren Trägern regelrecht „präsentiert“; auch die den Aquarellen vorhergegangenen Skizzen zeigen keine „Schnappschüsse“ sondern Personen, die dem Künstler Modell saßen. Zieht man noch in Betracht, daß Rudolf Gleichauf selbst zu den baaremer Trachten, die er zwischen 1862 und 1865 dokumentierte, geschrieben hat, daß sie zu diesem Zeitpunkt sehr selten, 40 Jahre zuvor, also um 1820 noch häufiger anzutreffen gewesen seien, so erstaunt seine Darstellungsweise nicht. Rudolf Gleichauf kannte demzufolge aus eigener Anschauung die Tracht nicht mehr als allgemein übliche Kleidung, genausowenig wie die Personen, die ihm in der Tracht Modell saßen. Schwierigkeiten, jemanden zu finden, der noch eine Tracht besaß und bereit war, dem Künstler Modell zu sitzen, könnte auch ein Grund für den relativ langen Zeitraum von acht Jahren, die Gleichauf für seine Dokumentation brauchte, gewesen sein. Auch die Tatsache, daß die fertige Serie kaum Abnehmer fand und der Druck nach nur zehn Blättern eingestellt worden ist, spricht für sich.

Die Gleichauf’schen Trachtenbilder entsprechen Darstellungen in einem Modejournal, sind ästhetisch sehr ansprechende Werke, dazu ist Rudolf Gleichauf bis ins Detail genau – jeder Knopf, jede Naht und jeder Stich sind zu erkennen. Dazu kommt die ausführliche Beschreibung jeder Tracht und die Auflistung aller Einzelbestandteile mit der Preisangabe für eine „feinere“ und eine „geringe“ Ausführung. Vergleicht man nun die Kosten für die Anschaffung einer einfacheren Tracht mit dem Verdienst eines Knechtes bzw. einer Magd zu dieser Zeit, so wird schnell deutlich, daß eine Tracht nicht für jeden erschwinglich war.

In den nachfolgenden Ausführungen gibt Rudolf Gleichauf eine Beschreibung der Volkstrachten aus der Baar und zwar aus dem westlichen Teil (es handelt sich um handschriftliche Aufzeichnungen, die bisher nicht veröffentlicht worden sind:

Die Tracht der Baar ist zu Hause in den Orten:

Donaueschingen, Hüfingen, Allmendshofen, Pfobren, Unterbaldingen, Aasen, Gutmadingen, Sumpfohren, Neudingen, Fürstenberg, Behla, Riedböbringen, Riedöschingen, Blumberg, Hausenvorwald, Bacheim, Unadingen, Döggingen, Mundelfingen, Ofterdingen, Bräunlingen, Löffingen, Bruggen, Hubertshofen, Wolterdingen, Tannheim, Aufen, etc.
Dieselbe wurde vor etwa 40 Jahren noch ziemlich allgemein getragen, gegenwärtig findet man sie in ihrer Ächtheit nur noch bei Einzelnen oder mit vielen modernen Abweichungen. Sie besteht bei den Männern in dem bis an die Hüften reichenden Kittel „Schopen“ von dunkelgrünem oder schwarzem Samt mit Stahlknöpfen, oder auch, besonders bei Verheirateten Männern in dem langen dunkelblauen Tuchrock mit Stehkragen u. engen Ärmeln u. weißem Futtertuch, u. in dem schwarz u. rothseidenen Halstuch, das aber zuweilen mit einem goldenen Ring zusammengehalten wird u. über welchem der Kragen des Leinenhemdes hervorsieht, sodann in der Pelzmütze von Marderpelz mit Goldtroddeln, oder in dem hohen runden, schwarzen Filzhut mit handbreitem Rand, den kurzen schwarzen enganliegenden Lederhosen mit reicher Verzierung an den Hüften u. großen blanken Stahlknöpfen besetzt, den weißen baumwollen oder wollenen gestrickten Strümpfen u. den bis über die Knöchel reichenden Lederschuhen „Knodenschuhen“ oder in Stiefeln, die hier über die Waden oder die Knie reichen, das Hemd ist von Leinenzeug u. hat ziemlich weite Ärmel, das Brusttuch von rothem Scharlach bis an die Hüften reichend, wird über der Mitte der Brust mit runden blanken eng aneinander gereihten Knöpfen von Zink zusammengeknöpft.
Die weibliche Tracht ist charakteristisch durch den hohen weißen, etwas spitz zulaufenden Strohhut mit schmalem Rand, der an den Stellen wo er über den Schläfen aufzusitzen kommt, mit breiten schwarzen seidenen „gewässerten“ Bändern besetzt ist, die oben zu einer Schleife gebunden zu bei
den Seiten bis beinahe auf die Füße herabreichen, unter diesem, oder auch

(wie in gegenwärtıger Zeit) ohne diesen wird die schwarze Kappe getragen, die nach vorne zu mit zwei schwarzseidenen Bändern besetzt ist, die gleich denen auf der Rückseite entweder frei herabhängen oder unter dem Kinn gebunden werden, die nur wenig erhöhte handbreite flache Rückseite der Kappe ist mit Silber oder Goldstickereien auf Samt oder mit gelben Brockat verziert, an dem unteren Ende desselben sind zwei schwarzseidene Bänder oben schleifenartig verbunden, befestigt, und hängen bis auf die Füße herab; ein weiterer Bestandteil bildet der Schopen (Ärmelschopen) von schwarzem Tuch mit engangliegenden vorne umgeschlagenen Ärmeln, hinten kurz und nach vorn zu länger ausgeschnitten, auf der vorderen Fläche und auf den Ärmelumschlägen mit aufgemodelten (verzierten) handbreiten schwarzen Seidenbändern besetzt, am oberen Rand und auf der Rückseite in der Form der Schulterblätter ist 1½ Zoll breiten gemodelten schwarzen Samtbändern besetzt; der Goller, meist von Samt, mit Gold oder Silberstickerei und Flimmer umschließt zur Hälfte den Hals, und bedeckt den oberen Theil der Brust und des Mieders, an seinen vorderen Ecken rothseidene Bänder oder Ketten, die unter den Armen durch-geschlungen an den Ecken der hinteren Seite befestigt werden; über dem Goller ist das große roth oder schwarzseidene Halstuch mit lichten Randverzierungen geschlungen, und auf dem Rücken geknüpft; Brust und Rücken sind von dem oberen Theil der Jüppe (Hüppe) von buntem Brockatstoff oder von buntem Samt oder Seidenstoff bekleidet, vorn durch den mit Stickerei verzierten Brustlatz (Vorstecker) verbunden, der durch die Nestel (schmale farbige Samtbändchen oder auch Ketten, die durch die an den Seiten befindlichen Haften gezogen werden) festgehalten wird; die „Hüppe“, der Oberrock besteht aus schwarzem Wollenstoff, ist sehr eng gefältelt, ein Fuß hoch am unteren Rande mit roth und blauem Wollenstoff besetzt, und reicht bis an die Knöchel; der Unterrock ist von scharlachrothem Wollenzeug, die Schürze von farbigem, meist blauem oder grünem Baumwollenstoff mit schmalen gelben Streifen ist in viele Falten gezogen und so groß, daß sie beinahe den Oberrock vollständig bedeckt, bei reichen Frauen und festlichen Anlässen ist sie auch von Seidenzeug; das Hemd von Leinenzeug hat faltenreiche Ärmel die über dem Ellenbogen festgebunden werden; an Sonntagen, bei Kindstaufen, Hochzeiten etc. ist die Gürtelkette, über den Hüften um den Leib geschlungen, von versilbertem Messingdraht oder von Silber vorn in vielen Kettenreihen herabfallend, eine besondere Zierde; die Strümpfe von weißer Baumwolle sind gestrickt die Schuhe von schwarzem Leder sind weit ausgeschnitten.

In früheren Zeiten trugen die Jungfrauen bei Prozessionen, bei Hochzeiten die Braut die Schapeltracht; die Schapel war eine 1 Fuß hohe, oben 5 Zoll breite Jungfrauenkrone, von bunten Glasperlen, Blumen, Gold und Silberflitter, von welcher zwei lange buntseidene Bänder bis auf die Füße herabhingen; in die, von der Stirne straff zurückgezogenen Haare wurde hochrothes Wollengarn geflochten nach mittelalterlicher Weise; ein schwarzer Flor oder taffetnes Tuch war in der Gegend der Schläfen befestigt und nach Art der altdeutschen Marienbilder um Wangen und Kinn und Hals bis auf die Brust herab geschlungen, zu dem festlichen Anzuge trugen sie eine schwarzseidene Schürze und die Gürtelkette, in der Hand eine Wachskerze, und ein weißes Schild mit rothen Rosen und dem Nahmenszug der Hl. Maria bemalt.

In längsvergangenen Jahren sollen die Männer unter dem blauen langen Tuchrock einen beinahe ebenso langen Rock ohne Kragen von karmesinrothem Wollenstoff getragen haben, ferner von Hosenträgern über dem Brusttuch festgeknüpft; die Frauen der damaligen Zeit Pelzkappen ähnlich denen, wie sie später Männer und Burschen trugen.
In Trauerfällen war die ganze Tracht schwarz, nur der Hut der Frauen weiß und darunter eine Spitzenhaube, die unter dem Kinn mit schwarzen Bändern gebunden wurde. Besuche und Reisen in der Gegend wurden von den Bauernhofsbesitzern und ihren Frauen zu Pferd gemacht.

Es ist natürlich, daß bei den Feldgeschäften der Landleute manche wesentliche Theile der Tracht zur bequemeren Verrichtung der Arbeit, oder auch um die Kleider zu schonen, nicht angezogen wurden, sodaß man, um die ganze Tracht zur Anschauung zu bringen, genöthigt ist, zumeist die Sonntagstracht darzustellen, und hierbei hat auch selten eine Ausnahme gemacht werden können; zur Sommerszeit arbeiten Männer und Burschen fast immer in gewöhnlichen Kitteln oder Hemdärmeln, die langen Röcke werden vermieden; Frauen und Mädchen tragen statt der schwarzen „Hüppe“ und statt dem Brustlatz und der engen Nesteleinfassung eine leichtere Bekleidung, auch das enganliegende Käppchen wird oft vermieden, und statt dessen ein farbiges Tuch entweder einfach um den Kopf gelegt und am Kinn gebunden, oder bei großer Hitze nur oben auf dem Kopfe von den Zöpfen festgehalten, sodaß es in leichtem Faltenwurf über das Gesicht hervorsteht und Schatten gewährt, ist das Mädchen, daß sich einen derartigen Kopfputz zurechtmacht, noch jung, vielleicht auch hübsch und guter Laune, so wird noch ein lustig blühend und rankendes Zweiglein bin-eingeflochten, das sich oft nicht minder glücklich ausnimmt, als die silbergestickten auf dem sonntäglichen dunkelsamtenen Goller.

In vier Bildern, und zwar drei Bildern in Kniestückformat und ein Gesamtbild in ganzen Figuren, beschreibt Rudolf Gleichauf die Trachten der westlichen Baar.

Das Bild links zeigt die männliche Tracht, einen Burschen in dem Samtschopen mit Stahlknöpfen, in der Marderpelzmütze, in dem „rothen“ Brusttuch „Leible“ mit den vielen runden Knöpfen, den schwarzen, verzierten Lederhosen, die stets bereite Ulmer Pfeife in der Hand steht er im „Esch“ (Gemarkung) zwischen Kornfeldern, einen Bekannten erwartend; die Ferne ist im Charakter der Baar gehalten.

Das Bild rechts zeigt die weibliche Tracht, eine junge Frau in dem hohen weißen Strohhut mit den schwarzseidenen Bändern zur Seite, in dem großen seidenen Halstuch, in dem schwarzen Armelschopen, mit dem gestickten Vorstecker und den „rothsamtenen“ Nesteln, mit der silbernen Gürtelkette auf der festtäglichen Schürze, dem „Bigkorb“ an dem einen Arm ist sie als auf der Wanderung in ein nahegelegenes Dorf oder Städtchen gedacht.

Das Bild links stellt ein junges Mädchen dar als Schnitterin in der fruchtbaren Baar; das Kopftuch aufgebunden, mit breiten Zöpfen und grünen Ranken geschmückt, mit der Sichel in der Hand von der Arbeit ausruhend, sitzt sie im Freien neben sich den Krug und ein Sträußlein Erdbeeren.

Das Gesamtbild unten zeigt männliche und weibliche Trachten, wie sie oben beschrieben sind, in ganzen Figuren, darunter auch ein Schapelmädchen.

Unten 6 Abbildungen vom Hüfinger Lithographen Johann Nepomuk Heinemann:

Trachtenträgerin aus dem Hanauerland

Trachtenträgerin aus Neustadt Lenzkirch.

Trachtenträgerin aus dem Schappachtal

Trachtenträger aus dem Renchthal

Trachtenträger aus dem Hanauerland

Schnitterin mit Hausen vor Wald im Hintergrund

Im Kelnhofmuseum in Bräunlingen befinden sich auch einige Drucke an der Wand:

  • Trachtenträgerin aus Neustadt Lenzkirch 


Foto von Gleichauf 1896
Gleichauf 1896
Fotografie von Th. Schuhmann & Sohn, Karlsruhe

Links Abbildung aus: Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1896, S. 52f.

Rechts Ansicht der Bundesfestung Rastatt 1859.
Vermutlich hat er die Skizze hierfür bei einem Besuch seines Vetters Lucian Reich in Rastatt angefertigt.

Stich von Rastatt
Ansicht der Bundesfestung Rastatt (nach einer Zeichnung von Rudolf Gleichauf) 1859
Generallandesarchiv Karlsruhe J-B Rastatt 4


Ein Kehlkopfleiden endete das erfolgreiche Leben Rudolf Gleichaufs am 15. Oktober 1896.

Christi Himmelfahrt in der Friedhofskapelle

Gemütvoll schildert Dr. Cathiau den Abschied der Freunde von dem Heimgegangenen. Sie hatten sich versammelt „in jener heimeligen Friedhofskapelle von Karlsruhe, von deren Altarwand das Werk des Verblichenen, „Christi Himmelfahrt“, im Abendsonnengolde verklärt niederblickte. Als der Sarg über der Gruft schwebte, da sang aus dem herbstlichen Laubdickicht des nahen Fasanengartens ein verspäteter Buchfink sein Vale amice! . . .“
(Aus Badische Heimat 31 (1951), Rudolf Gleichauf – Ein Gedenkblatt von Balthasar Mooser)

Die Grabsteine von Adolf Heer und seinem Freund Rudolf Gleichauf

Nach dem Tode Adolf Heers veranlasste der Landschaftsmaler Wilhelm Klose eine würdige Grabstätte für seinen Freund. Die Ausführung lag in den Händen von Bildhauer Johannes Hirt, der ein langjähriger Mitarbeiter von Heer war. Die zwei Bronzereliefs von Heer und Gleichauf am Grabstein sind mit J. Hirt signiert. Das Grabmal fand seinen Platz auf dem sogenannten „Hügel“ auf dem Friedhof in Karlsruhe.

Im Jahre 1976 hieß es im Südkurier: „Silberdisteln schmücken das gemeinsame Grab von A. Heer und R. Gleichauf, wo den Besuchern von der Friedhofsverwaltung erklärt wird: „Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit und Pflicht, den Gräbern Heers und Gleichaufs unsere Aufmerksamkeit zu schenken“. Mit wenigen einprägsamen Worten wird die Bedeutung der Künstler skizziert: .. Heer und Gleichauf haben im vergangenen Jahrhundert mitgeholfen, die Züge des Kunstschaffens in Karlsruhe zu prägen“. *

Monate später wird dann in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Hüfingen und wahrscheinlich auch Vöhrenbach (dort ist Adolf Heer geboren) angefragt, ob Interesse am Grabstein der beiden Künstler bestehe: „Das Grab wird aufgelöst.

Die Stadtverwaltung holte die Grabsteine nach Hüfingen und sie stehen jetzt bei der Aussegnungshalle.

Adolf Heer Bildhauer
geboren 13. September 1819
gestorben 29. März 1898

Grabmal 1973 noch in Karlsruhe

Grabstein von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf ohne die ehemals kunstvolle Einfassung.

Rudolf Gleichauf Historienmaler
geboren 29. Juli 1826
gestorben 15. Oktober 1896


*Bildhauer Prof. Adolf Heer,
Sein Leben und seine Werke auf der Baar und dem Umland von Erich Willmann
Schriften der Baar 53, (2010)

Der Jakobstag – Hüfingens vergessenes Fest

Jakobusfahne vom Hofmaler Weiß

Am 25. Juli ist Jakobitag.

Einst gehörte dieser Tag zu den bedeutendsten Festtagen Hüfingens. Heute erinnern nur noch historische Zeugnisse an unseren Stadtpatron. Dabei wird der Gedenktag des Apostels Jakobus des Älteren in vielen Städten und Gemeinden bis heute mit einem Jakobifest begangen.

Ausgerechnet in Hüfingen, das so gerne betont, auf seine Geschichte zu stehen, ist dieses alte Fest nahezu in Vergessenheit geraten. Der Stadtpatron Jakobus ist zwar noch an vielen Stellen sichtbar – auf einer historischen Prozessionsfahne, am Jakobusaltar in der Stadtkirche, am Jakobusbrunnen und nicht zuletzt in der Geschichte des Jakobswegs. Gefeiert wird er jedoch nicht mehr.

Dabei führte bereits im Mittelalter ein Abzweig des Jakobswegs durch Hüfingen. Zahlreiche Pilger machten hier Station, die sogenannten Jakobsbrüder. Daran erinnert bis heute eine rund 300 Jahre alte Fahne der Jakobuspilgerbruderschaft, geschaffen vom fürstlich-fürstenbergischen Hofmaler Franz Joseph Weiß (*15. Februar 1735 in Hüfingen, †14. Juni 1790 in Donaueschingen). Sie wird heute an Fronleichnam mitgetragen.

Geschichte lebt nicht allein von Logos oder Slogans. Sie lebt davon, dass man sich an sie erinnert – und sie weiterträgt. Der Jakobitag wäre dafür ein guter Anlass.

Jakobsfahne vom Hofmaler Weiss

Jakobusfahne vom Hofmaler Weiß
Vielen Dank an Markus Leichenauer für das Foto!

Jakobusbrunnen im Jahr 1976

Jakobusstele von Bernhard Wintermantel.


Jakobus mit Wanderstab in der Hand, dem Volke predigend aus 1774.

Die links unten auf der Tafel gemalte Männergestalt soll ein Selbstbildnis des Hofmalers Franz Josef Weiß sein.*


In den Wanderblühten beim Kapitel über den armen Konrad beschreibt Lucian Reich das Jakobifest und wie sich Hüfingen darauf vorbereitet hatte. Da er von einem Sonntag spricht, war hier das Jahr 1824 gemeint und Lucian Reich war 7 Jahre alt:

…So viel ist entschieden gewiss, dass zu Anfang der 20er Jahre, am 24. Juli, dem Samstag vor dem Jakobifeste, das zufällig auf den Sonntag fiel, der klarste blauste Himmel sich über dem alten Städtlein Hüfingen wölbte. Damals war sein Aus- und Eingang noch jeglicher mit einem Tore gesegnet; und hing noch ein gutes Stück der verwitterten Stadtmauer umher.

Das untere Tor zu Hüfingen
gemalt von Karl von Schneider 1909


Zu den Hüfinger Stadtanlagen gehörte das untere und das obere Tor. Im Jahre 1814 wurde zuerst das obere Tor in seiner bisherigen Form abgerissen und neu überbaut und 1829 wurde das untere Tor abgebrochen. Dies war nötig geworden, wegen der großen Frachtwagen.*

Die Sonne stand schon tief. Auf den Gartenhägen waren da und dort weiße Kleidungsstücke von jener Gattung aufgehängt, die ein redliches Gemüt geradezu Hosen zu nennen wagt, sie sahen frisch gewaschen und appetitlich aus und hatten eine kriegerische Bedeckung von Säbelkuppeln und Fangschnüren. In der Ferne hörte man trommeln. Buben von zehn, zwölf Jahren marschierten einen entlegenen Feldweg hin und übten sich in dieser nützlichen Kunst. Auf den Lauben (Galerien) der Häuser wurden dunkelblaue Uniformen mit weißen Aufschlägen ausgeklopft. Wer im Felde zu tun hatte, der machte sich früher als gewöhnlich heim, um noch so Manches für morgen herzurichten. Der hatte sein Säbelgefäß und die Rockknöpfe noch mit Ziegelmehl abzureiben, dieser mußte sein Tschako noch lackieren, jener erwartete vom Schuhmacher die neuen Stiefel, die er morgen einweihen wollte. Alles sprach nur von morgen und freute sich des schönen Wetters.

„Wenn es nur auch so hält“, sagte der alte Hafnermeister (Ofenbauer), in den er seinen Sappeursbart (sapeur = Steinhauer), den er morgen anlegen wollte, wieder ein wenig heraus ausstaffierte.
Es bleibt gut“, bemerkte ein Nachbar, der sassianene Gerbermeister. „Mein Laubfrosch sitzt jetzt schon seit vorgestern früh hoch auf der Leiter, und das Männle am Rathausfähnle läßt gutes Wetter supponieren.“
Es wird einen merkwürdigen Zulauf von Fremden geben“, erwiderte der Andere.
Und was war denn das für ein Tag, auf welchen so ausgebreitete Zurüstungen gemacht wurden? Es galt nichts weniger, als das Fest des heiligen Jakobus, Kirchenpatrons von Hüfingen, das seit uralten Zeiten mit geziemender Würde begangen wird.

Jakobsfahne vom Hofmaler Weiss

Das Fest des heiligen Jakobus, Kirchenpatrons von Hüfingen, wurde seit uralten Zeiten mit geziemender Würde begangen.




*Jakobusfahne vom Hofmaler Weiß
Vielen Dank an Markus Leichenauer für das Foto!

Zur Zeit unserer Erzählung war dieser Tag für die ganze Baar sozusagen ein Volksfest, zu welchem die Gäste von nah und fern zusammenströmten. Nicht wenig zum Glanz des Tages trug eine bürgerliche Miliz und ein Musikkorps bei, welche beide nach dem Muster anderer kleinen Städte auch hier errichtet worden waren. Die Musik, von ihrem unermüdlichen Kapellmeister aufs trefflichste eingeübt, hatte den Beifall aller Hörer und die wackeren Musketiere exerzierten und manövrierten, dass es eine Lust war, ihnen zuzusehen. Und weil dazumal noch nicht jeder alte Student und Gevatter Handschuhmacher sich einbildete, ein größerer Mann zu sein, der das Volk beglücken und Deutschland umgestalten müsse, so ginge alles im besten Contento, zur Freude für Jung und Alt.

Der damalige Major und Bürgermeister war ein Kriegsoberster, der trefflich Manneszucht zu halten wußte, und recht stattlich sah es aus, wenn er in der Uniform mit kurzen hirschledernen Beinkleidern und Suwarowstiefeln, ähnlich einem Erzherzog Karl oder Fürst Schwarzenberg, vor der Fronte stand.

Die Seele der Armada von Hüfingen aber, wenigstens wenn man ihn selbst hörte, war der alte Marte, der zu dieser Stunde noch auf der Stiege hinter seinem Hause stand und bedächtig das Wetter beobachtete, ob die Sonne kein Wasser ziehe oder ob der Wind sich nicht drehe. Wahrscheinlich wäre er noch lange so gestanden, wenn nicht ein kleiner Bub in der Eigenschaft eines Feldjägers atemlos und schwitzend daher gelaufen wäre mit der Meldung, alles sei versammelt, man warte nur noch auf ihn.

Gedachter Marte war der Feldwaibel beim Corpo, der die Rekruten einschulen mußte, und zu diesem Behufe hatte er auch das Exerzieren gründlich studiert bei den Österreichern. Unter vier Augen ließ er oft Winke fallen, dass selbst der Major „das Meiste von ihm habe“. „Gleich!“ sagte er, „gleich werd‘ ich erscheinen.“ Er rückte noch einmal seine Waffen zurecht, und eilte durch das Städtlein, wo vor allen Häusern gekehrt, an allen Brunnen gefegt und gewaschen wurde, hinaus auf den Anger vor dem Schützenhause. Sobald er anlangte, stellte sich das Bürgerkorps in Reih und Glied und begann sämtliche Schwenkungen und Manövers, welche das morgige Fest verherrlichen sollten, zur Vorübung auszuführen. Hinter her aber zog ein Haufen von Buben mit Bohnenstecken statt der Gewehr, und machten alle Exercitien glücklich nach.

Postkarte von 1890 aus der Sammlung Dieter Friedt.

Das Schützenhaus war immer sehr wichtig in Hüfingen und 1814 vor dem Schloss

Postkarte von 1943 aus der Sammlung Dieter Friedt.

Hüfingen mit dem Schützenhaus von Martin Menradt 1664.
Vielen Dank an Dr. Jörg Martin für das Foto!

Postkarte von 1929 aus der Sammlung Dieter Friedt.

Das Schützenhaus hat mehrfach den Ort gewechselt und ist jetzt Richtung Hausen vor Wald.

Stellt euch“, sagt der Major und Bürgermeister, als diese beendet waren. „Stellt euch nur morgen auch Alle präzis ein und nehmt euch zusammen, besonders was das Feuern anbelangt, dass wir den alten Ruhm nicht einbüßen“.

Nach dieser öffentlichen Anrede zog er den Feldwebel Marte und den Korporal-Nachtwächter auf die Seite und flüsterte diesen seinen Vertrauen zu: „Ihr Leut‘, ich fürcht‘, dass uns die Zwei“ – hier winkte er verstohlen gegen zwei Rekruten hin – „morgen bei den Salven Confusion machen. Entweder schießen sie vor, oder, was noch schlimmer, sie laden unrichtig. Es wird gut sein, wenn sie morgen gar keine Patronen erhalten!

„Herr Major“, warf der Feldwaibel mit wichtiger Miene ein: das wird’s nicht wohltun; wofür verzürnen die Leutele. Ich weiß ein besser Mittel, laßt mir mich machen. Morgen, bevor und dass wir einmarschieren, will ich tun, als visitiere ich ihre Musketen, und werde dann unvermerkt jedem einen tüchtigen Lichtstumpfen auf die Schwanzschraube hinunterstoßen; dann schießt keiner vor, es gibt kein Unglück, und die Leut‘ haben ihre Plaisir.“ – Der Major gab dieser Maßregel seine oberbefehlshaberliche Genehmigung und commandierte demnächst „Auseinander“, worauf sich die Buben schon längst gefreut hatten, weil sie jetzt ihren Alten die Musketen heimtragen durften.

Die Brücke ist ein Hauptschauplatz im Leben der Bürger dieser guten Stadt. Besonders am Sonntag nach dem Mittagessen wandern sie in aller Seelenruhe zum Tore hinaus und lassen sich auf der breiten steinernen Brustwehr um den heiligen Johann von Nepomuk nieder. Denn unter Gottes freiem Himmel spricht sich ja gar so gut von Allem, was die Woche über passiert, von Altem und Neuen, von Kriegs- und Friedenstagen. Diese Sonntagsfreude ist aber einem fleißigen Bürger wohl zu gönnen, sie kommt auch wohlfeiler, als die im Wirtshause.

Heute, an so einem geschäftigen Abend, war natürlich niemand auf der Brücke zu sehen als ihr Patron, der seit alten Zeiten in Stein gehauen, auf der Brustwehr steht. Zur Feier des kommenden Festes hatte man ihm bereits einen großen frischen Blumenstrauß statt des alten verwelkten in den Arm gegeben; er schien sich aber wenig daraus zu machen. Mit gesenktem Haupt und bedächtiger Miene sah er, wie immer, dem Lauf des Baches nach, der in einiger Entfernung die Stadtmühle treibt.

Der Müller Josef Frank

Der Wanderer verließ die Brücke und gegen den Fußweg hin, dadurch abgemähte Wiesen führte. Er achtete wenig auf die im Wege liegende, mit Kreuzen und Namen bezeichneten Bretter, die den Vorübergehenden zum Gebet für die Verstorbenen ermahnen, und doch hielt er mitten in seinem Geschwindschritte oft plötzlich ein, und bald ging es wie eine hoffnungsreiche Morgensonne in seinem frischen Gesichte auf, bald zog sich die gebräunten Züge wieder zusammen, als ob finstere Nacht und böses Unwetter im Anzug wäre. Solches Zögern verschaffte ihm noch einen Genuß, den kein echter Hüfinger diesen Abend entbehrt haben würde. Denn nachdem die Betglocken, welche in der Umgegend den kommenden Festtage verkündigten, ausgeklungen hatten, erfüllte die türkische Musik, nach langer gründlicher Probe auf der Rathaussstube, die Straßen mit ihrem Getöse, und in ihrer Gesellschaft rasselte der Zapfenstreich weit in die still gewordene abendliche Gegend hinaus. Er traf das Ohr des Wanderers, der aus der Zerstreuung auffuhr und plötzlich seine Schritte beflügelte.


Im nächsten Kapitel der Wanderblühten beschreibt Lucian Reich das Jakobifest:

In der Stadt aber dämmerte kaum der erste Morgenstrahl, als die guten Hüfinger durch die „Tagwacht“ aus ihren Träumen aufgerufen wurden. Mit innerlichem Behagen hörten sie von ihren Federn aus, wie die türkische Musik durch alle Straßen zog. Dazwischen knallten Schüsse freudig in den jungen Tag hinein und luden Nah und Fern zum Feste. Sie kamen von vom unteren Thore, wo die kurzen Böller, Katzenköpfe genannt, aufgestellt waren, die ein grauer Veteran bediente.

Vom frühen Morgen an war das Militär auf dem Exerzierplatz beim Schützenhause versammelt. Der Major ließ es nicht an Ermahnungen fehlen, während seine Mannschaft fröhlich zusah, wie auf allen Wegen die Einwohner der umliegenden Dörfer in Scharen zu den Toren der Stadt hineinströmten. Alles freute sich über den klaren Tag und den schönen blauen Himmel.

Hüfingen mit dem Schützenhaus von Martin Menradt 1664

Schützenhaus 1664 von Martin Menradt

Das Musikkorps aber hatte den goldenen Ochsen zum Sammelplatz gewählt, um sich auf die bevorstehenden Strapazen des Tages gehörig vorzubereiten. Ein ansehnliches Gabelfrühstück wurde aufgetragen, denn die Weisheit der Völker weiß, dass es sich mit leerem Magen mangelhaft musiziert, besonders was Blasinstrumente anbelangt. Eben kam noch eine volle Platte geschmälzter Kutteln auf den Tisch, als eine Ordonnanz vom Major erschien und den Tagesbefehl überbrachte: schleunig aufbrechen! Es war Zeit zum Einmarsch, die Glocken konnten jeden Augenblick in die Kirche läuten. Auf! rief der Kapellmeister. Alle griffen nach ihren Instrumenten und stürzten mit pflichtschuliger Eile zu Tür und Tor hinaus. Nur einer blieb noch ein wenig zurück. Die volle Schüssel mit der köstlichen, fein zubereiteten Leibspeise hielt seine Seele gefesselt. Wie? die sollte unberührt, gewissermaßen unbegraben bleiben? – Ich seh‘ nicht ein, warum ich dem Ochsenwirt das schenken sollte, sagte er kaltblütig, indem er das Futter seines geräumigen Tschakos aufknüpfte und den duftenden Inhalt der Schüssel hineinschüttete. Dies getan, zog er den Knoten wieder zu, setzte den Tschako auf und eilte mit der Gottesbescherung seiner Truppe nach.

…Als nämlich der Major „Angetreten!“ kommandierte und die Trommler sich eben in Bereitschaft setzten, den Wirbel zu beginnen, bemerkte man erst, dass die große Trommel ihres Bearbeiters ermangele. Ohne diese Hauptperson war nichts zu machen. Noch fünf Minuten höchstens! und außer Vermutung und Gerüchte, wie sie täglich in den Zeitungen zu finden sind, war nicht Sicheres über den Vermißten in Erfahrung zu bringen. Jeder wollte ihn in einer anderen Schenke gesehen haben. Der Tambour-Major rückte seine große Bärenmütze etwas seitwärts auf das linke Ohr und murmelte Flüche. Lauf, sagte er dem Kapellmeister zu dem Triangelspieler, einem 11-jährigen Dilettanten in einem faltigen roten Frack, dessen Flügel bis auf den Boden hingen: Lauf! und zählte ihm ein halbes Dutzend Bierhäuser an den Fingern her.

Der Triangelist gab sein Instrument in die Hände des Brentenschlägers, dessen Tonwerkzeug auch Rollensieb oder zur Abwechslung Tambourin geheißen wird, nahm den großen Tschako unter den einen, den rolandsmäßigen Hirschfänger unter den anderen Arm, verteilte seine beiden Frackflügel eben so und begann nach solchen Vorbereitungen spornstreichs zum Tor hineinzurennen, als im gleichen Augenblick der sehnlichst Erwartete noch eiliger zum Thor herausrannte, so dass ihr Zusammentreffen einen musikalischen Klang, ähnlich einem Schlag auf die große Pauke, zur Folge hatte.

Nachdem der Spätling von allen Seiten gehörig abgekapitelt wurde und der verblüffte Triangulist an seinen Posten zurückgekehrt war, wirbelten die Trommeln und der Einmarsch begann. Unter dem gewölbten Tore erscholl die Musik. Zur gleichen Zeit fiel das Glockengeläut ein. Eine unabsehbare Menschenmenge wälzte sich neben und hinter dem Zuge her. Alle Fenster waren mit geputzten Menschen, mit fröhlichen Gesichtern gefüllt; über die ganze Stadt verbreitete sich das herrliche Festgefühl. Die Bajonnete der Bürgersoldaten blinkten und blitzten im goldenen Sonnenschein; die blaue Fahne mit dem Stadtwappen und dem Wahlspruch „für Gott und sein Volk“ flatterte freudig in der klaren Morgenluft. Im Taktschritte bewegte sich die Menge gegen die Kirche.

Seht! sagten die Bauersleute, der dort spielt das schwerste Instrument, der schwitzt wie ein Präceptor. Damit meinten sie ohne Zweifel den, welcher das Frühstück im Tschako hatte. Das Fett mochte durch das Futter seiner Kopfbedeckung gedrungen sein, und da und dort über das Gesicht des Musikanten herunter rieseln. Gleichwohl machte der Wackere eine so zufriedene Miene, als ob er sagen wollte: „Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an.“

Nach der Predigt erfolgte ein feierlicher Umgang durch die Stadt, wobei sechs schmucke Jungfrauen in Schappeltracht das blumengeschmückte Muttergottesbild trugen.

Hausener Tracht mit Gürtelkette

Tracht Hausen vor Wald mit Gürtelkette

Foto der Lithographie von Heinemann von der Schnitterin

Bataillon, fertig!“ wurde vor der Kirche commandiert.
Feuer!“ und die Gewehre krachten so dass das arme Mariannele beinahe vor Schrecken das Buch zu Boden fallen ließ. Dumpfe Böllerschüsse schlugen unteren Tore her an die Kirchenfenster.

Nach dem Gottesdienst spielte die Musik noch eine Zeit lang vor dem Pfarrhofe und Rathause. Der Schmelz und die Blüte des Festes war aber jetzt vorüber. Wohl wurde noch exerziert und musiziert, manche Gewehrsalve krachte noch, aber die eigentliche Feststimmung war verflogen.

Um den rechten Übergang vom Außerordentlichen zum Alltäglichen zu treffen, gibt es eine äußerst scharfsinnige Erfindung, welche auf der Uhrtafel gewöhnlich mit der Ziffer Zwölf bezeichnet ist. Diese traten auch jetzt zur angemessenen Zeit in ihre Rechte ein, oder, wenn es sich unverblümt sagen soll, die Leute begaben sich zum Mittagessen. Die Zahl der fremden Zuschauer war bedeutend angewachsen, und die vierfüßigen sowohl als auch die geflügelten Bewohner der Baar erlitten an diesem Tage eine Niederlage, welche die Geschichte zu den schwersten zählt.

In der Wirtsstube ging es sehr lärmend und lustig her. Die halbe Baar saß da und zechte wacker. Soldaten und Musikanten der Stadt verzehrten ihre Löhnung; denn nach Beendigung der Parade war jedem 15 Kreuzer Gage aus der Stadtkasse verabreicht worden, und wer sich eines Schnurrbarts rühmen konnte, der hatte noch eine Zulage von einem Groschen erhalten. Auf den Tischen lagen musikalische Instrumente umher; an den Wänden hingen da und dort die abgeschnallten Seitengewehre.


Auch im Hieronymus erwähnt Lucian Reich mehrfach das Jakobifest. Im Kapitel 13 steht:

Ein anderes, ihm ebenso neues Gepräge trug das Jakobifest zu Ehren des Kirchenpatrons, wobei die gesamte Jakobsbruderschaft sich von nah und fern in Pilgertracht mit Stab und Muschelhut zu versammeln pflegte, um, geleitet von sämtlichen Zünften, einen Umzug zu halten.

Bei all der andächtigen Stimmung, die unsern Lehrling an solchen Tagen zu erfassen pflegte … Und so können wir nicht verschweigen, daß ihn die am Herz-Jesu-Fest von Händlern aus dem nahen Klettgau hergebrachten Kirschenkörbe und am Jakobifest die Zainen (Körbe) voll duftender „Bestlebirnen“ fast ebensosehr interessierten wie die vorgenannten Umzüge.

Im Kapitel 23 schreibt Lucian Reich:

Er hielt den Wanderer seiner Kleidung nach für einen Jakobsbruder, der auf dem Wege nach Hüfingen im Begriffe stehe, zum dortigen Jakobifest zu pilgern.


Quellen

* Kirchen und Kapellen in der Stadt Hüfingen von Dr. Maren Nickel (2006)
* Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter (1984)
* Sippenbuch der Stat Hüfingen (1962)
* Hieronymus und Wanderblühten von Lucian Reich

Der Hüfinger Frauenverband

Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen!
Worte können unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern
.

Erste Version war am 15.01.2020

Paul Revellio
Bürgermeister Joseph Hug von 1840-1848

Paul Revellio hat beschrieben wie am 10. April 1848 Friedrich Hecker von Konstanz aus die in Hüfinger Wirtshäusern versammelten Bauern, Tagelöhner und Handwerker aufgerufen hat, sich bewaffnet den Donaueschingern anzuschliessen:

Dezember 1848 Carl Revellio, Bürgermeister Joseph Hug und Sägewerksbesitzer Wilhelm Steiner gründen mit einer Art Rütlischwur den bald 114 Mitglieder umfassenden und stets im Ratssaal tagenden Volksverein. *3

Die Ackerbürgerschaft ging also in der bewegenden und bewegten Zeit auf die Barrikaden und machte 1848/49 Revolution über ihre Wehrausschüsse und über den Volksverein, unter dessen 114 Mitgliedern in Hüfingen keine Frau war. *1

Ähnliche Erfahrungen veranlaßte Louise Otto, eine Zeitung herauszugeben.

Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848*4

Im April 1849 gründete Louise Otte eine Frauenzeitschrift unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb‘ ich Bürgerinnen„.

Frauen, die die langwierigen Debatten über die „Grundrechte des deutschen Volkes“ und das „Reichswahlgesetz“ in der Frankfurter Nationalversammlung verfolgt hatten, mußten enttäuscht feststellen:

„... aber sie denken bei all‘ ihren endlichen Bestrebungen nur an eine Hälfte des Menschengeschlechts – nur an die Männer. Wo sie das Volk meinen, da zählen die Frauen nicht mit.“ (Frauen-Zeitung 1/1849) *4

Im Programm der ersten Nummer schrieb Louise Otto:

die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt, daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen.“ (Frauen-Zeitung 1/1849)

Gegen zunehmenden reaktionären Druck, aber getragen von der Zustimmung ihrer Leserinnen und der wachsenden Zahl gleichgesinnter, vorwiegend weiblicher Mitarbeiter, schaffte sie es, von April 1849 bis Dezember 1850 wöchentlich eine Nummer herauszugeben. Auf acht Seiten waren darin neben Noveletten und Gedichten mit sozialkritischer Tendenz, neben Nachrichten und Kommentaren zum Zeitgeschehen und Korrespondenzen aus vielen Städten des Deutschen Bundes Abhandlungen zu frauenspezifischen, kulturellen und religiösen Fragen zu lesen, sowie in der Rubrik ,Blick in die Runde‘ Verschiedenes aus dem Alltag der Frauen.*4

Die Teilnahme der Frauen an der Revolution aber beschränkte sich nicht auf Worte und Beteuerungen oder fürsorgende Hilfsdienste: „Da ist es nicht getan mit Charpie-Zupfen, Verwundete pflegen, Kleidernähen und Kochen für das Heer“ (Frauen Zeitung 14/1849). Die Frauen blieben nicht länger Zuschauer, die um die Helden der Revolution trauerten und ihre Toten beweinen durften. Sie legten selbst Hand an. Wir erfahren, dass Frauen auf den Barrikaden Dresdens gekämpft, dass sie die Festungen Rastatts, jenen letzten vergeblichen Kampfplatz zwischen Revolutionstruppen und preußischem Militär, mit ihren Männern gemeinsam verteidigt haben.*4 (Charpie ist ein Wundverband aus aus weich gezupften Fäden von Leinenstoffen)

Wenn die Geschichte dieser Tage einst mit historischer Treue geschrieben wird, dann werden die ‚Frauen Rastatts“ einen ehrenvollen Platz in ihr einnehmen.“ (Frauen-Zeitung 24/1850)

Die Geschichte wird auch heute nicht immer mit jener „historischen Treue“ geschrieben, die Louise Otto bereits 1850 einforderte. Frauen erscheinen in vielen historischen Darstellungen nach wie vor seltener als Männer – nicht, weil sie keine Rolle gespielt hätten, sondern weil ihre Beiträge häufig übersehen oder nicht dokumentiert wurden.

Auch in der regionalen Geschichtsschreibung zeigt sich dieses Muster. Veröffentlichungen des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar oder des Almanachs Schwarzwald-Baar widmen sich überwiegend den Männern. Frauen treten meist nur am Rande in Erscheinung oder bleiben ganz unerwähnt.

Bereits 1982 schrieb die Historikerin Ute Gerhard, das Geschichtsbild werde „erst neuerdings […] in wesentlichen Zügen korrigiert“. Mehr als vier Jahrzehnte später ist diese Korrektur vielerorts noch immer ausgeblieben. Auch im 21. Jahrhundert werden Frauen in der historischen Überlieferung häufig ausgeklammert – und mit ihnen ein bedeutender Teil der lokalen Geschichte.

Wer die Geschichte der Frauen nicht erzählt, erzählt die Geschichte einer Gesellschaft nur zur Hälfte.

Der Hüfinger Frauenverein

Überraschend ist die große Zahl der Frauenvereine um 1848, die aufgrund der neuen Quellen aus dem „Dunkel der Geschichte“ aufgetaucht sind. Durch die mehrfachen Aufrufe in der Frauen-Zeitung zur Gründung von Frauenvereinen, insbesondere das Angebot der Redaktion, „den Vereinen als Organ zu dienen“ und ihre Angelegenheiten zu besprechen (Frauen-Zeitung 11/1850), wurde eine große Zahl von Frauen-Zusammenschlüssen bekannt.*4

So pathetisch im Stil der Zeit war die Redeweise der Breslauerin nicht, die von einem „festen und schönen Band“ der Frauenvereine träumte, das wie ein „diamantener Gürtel das ganze Vaterland umgeben soll“ (Frauen-Zeitung 9/1850).

Neu an den Vereinigungen von 1848 war ihre politische Zielsetzung, die schon in ihrer Bezeichnung als „demokratische Frauenvereine“ zum Ausdruck kommt, aber nicht in allen Zusammenschlüssen der Frauen mit gleicher Intensität verfolgt wurde. Der Schritt zur Vereinsgründung ist sicherlich nicht ohne den allgemeinen Zug der Zeit zum Vereinswesen als Vorstufe politischer Parteiungen zu verstehen. Dennoch war eine derartige Initiative für Frauen in der männlichen Öffentlichkeit in jedem Fall ein persönliches Wagnis, das Mut und Organisationstalent erforderte.*4

Georgine, die sich in der Frauen-Zeitung wiederholt für die Gründung von Vereinen, insbesondere für die Assoziation der Arbeiterinnen einsetzte, schrieb:

lassen wir uns aber durch das Geschrei der am ,alt Hergebrachten‘ festhängenden Menge über Emanzipation nicht irre machen, verlieren wir den Mut nicht, wenn man uns lächerlich zu machen sucht, sondern legen wir kräftig Hand an, um die veralteten Schranken niederzureißen…. Viele werden mir entgegenhalten, daß es in diesen unruhigen Tagen nicht an der Zeit sei, solche Neuerungen und Reformen zu beginnen, doch ich halte die Jetztzeit gerade für die passendste, weil die Not der Arbeiterinnen jetzt einen so hohen Grad erreicht hat, daß Zögerung Sünde wäre …“ (Frauen-Zeitung 11/1849).

Motiv für die Vereinsgründungen war für die einen die soziale Not, für andere eine politische Erfahrung, für die es in dieser Zeit nicht an Gelegenheiten mangelte. Wie die vielen Solidaritätsadressen und Teilnahmebriefe an Eugenie Blum belegen, muss die Hinrichtung Robert Blums, des linken Demokraten und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, im Oktober 1848 in Wien für viele Frauen wie ein Signal gewirkt haben. Das Schicksal der Witwe des Freiheitskämpfers bot Identifikationsmöglichkeiten, die zur Teilnahme und Mitwirkung drängten.*4

Obgleich diese Frauenvereine auf den ersten Blick wie traditionelle Wohltätigkeitsvereine wirkten und mit zunehmender Behinderung durch die Reaktion zur Tarnung so wirken wollten, war ihre Zielsetzung doch eine politische, ja, ihre Mitglieder verwahrten sich ausdrücklich gegen die Festlegung der Frauenaktivitäten auf die „den Menschen niederdrückende Wohltätigkeit“ (Frauen-Zeitung 10/1849) oder das „Wohltätigkeitsprinzip“ (Frauen-Zeitung 10/1850). Sie nahmen mit ihrer praktischen Hilfe Partei zunächst für die Aufständischen – sie nannten sie „Freiheitskämpfer“ oder „Vaterlandsfreunde*4

Vor diesem Hintergrund ist auch die Gründung des Hüfinger Frauenvereins im Jahr 1849 zu sehen. Er entstand in einer Zeit, in der sich überall in Deutschland Frauen zusammenschlossen, um sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Die Gründung eines Frauenvereins war damals keineswegs selbstverständlich. Sie erforderte Mut und den Willen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft neu zu denken.

Über den Hüfinger Frauenverein selbst ist heute jedoch nur wenig bekannt. Fest steht, dass er 1849 gegründet wurde und rund 130 Mitglieder zählte – mehr als der Hüfinger Volksverein. Allein diese Zahl zeigt, dass der Verein in Hüfingen keine Randerscheinung war, sondern auf eine breite Unterstützung stieß.

Über seine konkrete Tätigkeit haben sich bislang fast keine Unterlagen erhalten. Im Stadtarchiv finden sich heute keine Hinweise mehr auf einen Frauenverein. Ob entsprechende Dokumente nie dauerhaft aufbewahrt wurden, später verloren gingen oder bewusst beseitigt wurden, lässt sich heute nicht mehr klären. Da in anderen historischen Quellen nachweislich Seiten aus Archivbänden entfernt wurden, kann auch eine spätere Vernichtung einzelner Hinweise nicht ausgeschlossen werden. Belegen lässt sich dies jedoch derzeit nicht.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Frauenvereine der Revolution von 1848/49. Sie zeigen das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem auch der Hüfinger Frauenverein entstand. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, welche Ideen und Ziele seine Gründerinnen bewegt haben könnten.

Die folgenden Lithografien zeigen junge Hüfingerinnen aus der Zeit um die Gründung des Frauenvereins. Ob sie dem Verein angehörten, ist nicht überliefert.
Hüfingen zählte 1834 insgesamt 1.466 Einwohner (Gemeindelexikon des Großherzogtums Baden). Der Frauenverein hatte rund 130 Mitglieder. Damit gehörte ihm nahezu jeder zehnte Einwohner Hüfingens an. Bezogen auf die Zahl der erwachsenen Frauen dürfte der Anteil der Vereinsmitglieder sogar deutlich höher gewesen sein.

Josefa Elsässer (1823-1900)
Elisabeth Reich
(1819-1871)
Katharina Nober
(1805-1871)

Durch mehrere Berichte im Donaueschinger Wochenblatt gibt es einige Hinweise auf das Treiben des Vereins.


Hüfingen, 13. Juni.
Eine ziemliche Anzahl hiesiger Frauen und Jungfrauen hat sich vereinigt, die hiesige Wehrmannschaft teils durch Geldbeiträge, teils durch Fertigung und Anschaffung der zum Felddienste erforderlichen Bedürfnisse nach Kräften zu unterstützen.

Zu demselben Zwecke wurden deshalb von jenen folgende Gegenstände und Geldbeträge bereits geliefert:

Kleidungsstücke und Weißzeug.
1 Schlafrock, 1 gestrickter Kittel,
80 Hemden, 19 Leintücher, 36 Handtüchlein, 18 paar Unterhosen, 72 paar Socken.
Verbandsgegenstände.
138 Verbandtüchlein, 146 Binden, 12 Säckchen, 1 Korb voll Charpie.
Ferner: 1 Couverte.
An barem Gelde 31 fl. 40 kir.
An das Finanzministerium wurden schon früher eingesandt 61 f. 36 kt.
zusammen 93 fl. 16 kr.

Indem man dieses hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringt, wird den edlen Spenderinnen zugleich der Dank ausgedrückt für ihre wohltätige Unterstützung und warme Teilnahme am Kampfe für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes.

Der Civilkommissär Häfelin

Donaueschinger Wochenblatt 13. Juni 1849


Der Bericht vermittelt einen Einblick in die Arbeit des Hüfinger Frauenvereins. Die Frauen organisierten nicht nur Kleidung, Verbandsmaterial und Geldspenden in beachtlichem Umfang. Der öffentliche Dank des Civilkommissärs macht zugleich deutlich, dass ihr Engagement als Unterstützung des Kampfes „für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes“ verstanden wurde.

*Fotos aus „American Dreams“ im Haus der Geschichte Stuttgart, Dezember 2023


Friederich Hecker’s Abschied in Strasbourg auf seiner Reise nach Amerika. Setzt Eure Hoffnung nicht auf mich allein, einen sterblichen Mann, sondern auf Eurer gutes Recht und Euren eigenen Muth, auch ich verzweifle nicht an dem Gelingen der gorssen Volkssache, ungeachtet ich Vaterland, Frau und Kinder verlassen muss, ungeachtet mir mein mühsam erworbenes Gut genommen, und die Fürstenknechte mit ihrem aussaugenden Gefolge mich noch täglich vor der Welt mit Schmähungen übergiessen – nie ist eine große Sache ohne Opfer errungen worden!


Friedrich Hecker’s Ankunft in Nord-Amerika. Nach 14 tägiger Seereise betrat der edle Republikaner mit seinem Freunde Schöninger den freien Boden Nord Amerikas. Dort wurde ihm von seinen unzähligen Freunden ein Empfang bereitet, wie wenige gekrönte Häupter dessen sich rühmen können. Durch die oberste Behörde persönlich bewillkomt, wurde er Ehrengast der gesamten Freistaaten. Dort wird er freiere Staalseinrichtungen beobachten, und einst in sein bedrängtes Vaterland zuruckgekehrt, verwirklichen, was von so vielen als unerreichbar dargestellt wird.

Kaum ein Dokument vermittelt den Geist des Jahres 1849 eindrucksvoller als das Gedicht unten. Es zeigt, mit welcher Selbstverständlichkeit Frauen damals zum gemeinsamen Handeln aufgerufen wurden. Nicht als stille Helferinnen im Hintergrund, sondern als Teil einer Bewegung, die für Freiheit, Demokratie und gesellschaftliche Veränderung eintrat:


Der Frauen- und Jungfrauen-Verein.

Das teure Vaterland ist in Gefahr,
So rüstet euch, ihr edle Nationen,
Bewaffne dich, du treue Männerschaar,
Es gilt die stolzen Fürsten zu entthronen,
Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

So ruft das edle Volk von Ost bis West,
So ruft es selbst in Nordens düstern Gauen;
Drum mutig auf was Gott am Leben läßt,
Die Tyrannei soll eure Wunder schauen:
Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

In Ungarn wo der Söldnerkampf erbraust,
Dort seht ihr umgestürzte Trümmer rauchen;
Mit Zorn geballt ist jede Mannes-Faust,
Das Flammenschwert in Fürstenblut zu tauchen:
Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

So schleudern höhnend die Tyrannen jetzt,
Des Blitzes Glut in unserm deutschen Lande
Eidbrüchige! ihr habt den Schwur verletzt,
Habt aufgelöst der Gesellschaft Bande:
Drum gilt’s gerechtem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

Es stehen selbst des Volkes Frauen ein,
Die friedlich sonst im eignen Hause wohnen,
Und bilden einen Tätigkeits-Verein,
Zur Unterstützung deutscher Legionen:
Ja, gilt es doch dem Völkerkrieg,
Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

Jungfrauen, Frauen, kommt und schaaret euch!
Besorget, spendet eure Kampfesgaben!
Die allgemeine Not macht alle gleich,
Und Alle werden sich am Siege laben:
Drum „Vorwärts,“ Gut und Blut dem Krieg,
Um jeden Preis der Freiheit Sieg!

Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849


Nur zwei Wochen später veröffentlichte der Hüfinger Frauen- und Jungfrauenverein einen weiteren Bericht im Donaueschinger Wochenblatt. Daraus geht hervor, dass der Verein inzwischen 130 Mitglieder zählte. Zugleich werden erstmals die Namen der beiden Vereinsvorstände genannt: Karoline Höfler als Vorsteherin und Elisabetha Gilli als Schriftführerin.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl der Mitglieder als das Selbstverständnis des Vereins. Im Mittelpunkt stehen Einigkeit, gemeinsames Handeln und die Unterstützung der „guten Sache“. Der Text vermittelt das Bild einer gut organisierten Gemeinschaft von Frauen, die sich ihrer Verantwortung bewusst war und ihren Beitrag zu den politischen Ereignissen des Jahres 1849 leisten wollte:


Epitaph auf dem Hüfinger Friedhof.

Der Frauen und Jungfrauen Verein dahier zählt nun 130 Mitglieder, die alle gern und willig bereit sind, dem Zwecke des Vereins zu dienen, und daher freudig ihre Gaben auf den Altar des Vaterlandes niederlegen. Damit aber der Verein glücklich bestehe und gedeihe ist nötig, daß unter den Mitgliedern stets Einigkeit sei und bleibe. Daß diese sowohl von den gegenwärtigen als auch von den allenfalls noch beitretenden Mitgliedern gepflegt werde, steht zu erwarten, da alle vom Geiste der Eintracht und Liebe beseelt sind, womit sie an der guten Sache Anteil nehmen und Unterstützung da gewähren wollen, wo es notwendig ist.

Hüfingen, den 27. Juni 1849.
Die Vorsteherin: Karoline Höfler.
Die Schriftführerin: Elisabetha Gilli.

Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849


Elisabetha Gilly geboren am 16.05.1825 und verheiratet am 08.01.1852 mit Markus Frey aus Hausen vor Wald, Gastwirt zum Löwen.

Karoline Höfler. Geboren als Karoline Aberle um 1817. Eltern Andreas Aberle und Magdalena Eytenbenz aus Möhringen. Wirtin vom Gasthaus Löwen. Ihr Mann Michael Höfler stirbt 1842 mit nur 29 Jahren.

Elisabetha Gilly war die Tochter von Josef Gilly aus Hondingen und Agatha Wagner. Sie wurde nach ihrer Großmutter Elisabetha Martin benannt.

Der Löwenwirt hieß „Leuenbaschi„. Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

…und an hohen Festtagen spielte er in der Kirche die Orgel, und der „Leuenbaschi” (Löwenwirt) sagte dann: „I ha’s bim erschte Griff scho gmerkt, daß es nit de Prezepter Thäddä ischt!” Dieser, der pensionierte Präzeptor Thaddäus Bader, war nämlich stets noch Organist.

Denkbuch von Lucian Reich 1896

Foto von Wikimedia von einem Frauenverein um 1900

Mit Karoline Höfler und Elisabetha Gilly erhalten die wenigen überlieferten Nachrichten über den Hüfinger Frauenverein ein Gesicht. Hinter den Namen stehen zwei Frauen aus der Mitte der Hüfinger Bürgerschaft, deren Engagement heute nur noch durch wenige Zeitungsberichte und Einträge im Sippenbuch nachvollziehbar ist.

Bemerkenswert ist, dass sich ihre Lebenswege mit dem Gasthaus „Löwen“ verbinden. Karoline Höfler führte das Gasthaus nach dem frühen Tod ihres Mannes als Wirtin weiter. Elisabetha Gilly heiratete später den Löwenwirt Markus Frey. So wurde ausgerechnet der „Leuenbaschi“, den Lucian Reich in seinem Denkbuch mit einer Anekdote verewigte, zu einem kleinen Bindeglied in der Geschichte des Hüfinger Frauenvereins.

Die Fahne vom Hüfinger Frauenverband

Die Gründung des Vereins wurde schon wenige Tage später durch eine öffentliche Fahnenweihe sichtbar:


Hüfingen, 27. Juni.
Es ist wahrhaft erfreulich, wenn man wahrnimmt, wie hiesige Frauen und Jungfrauen in bedeutender Anzahl sich gleichsam wetteifernd bestreben, beim gegenwärtigen deutschen Freiheitskampfe unterstützend mitzuwirken, so viel sie nur immer vermögen. Dies beweist, wie sehr sie erkennen, was dem Volke und Vaterlande not tut, und was der Geist der Zeit fordert.

Dieselben haben darum einen Verein gebildet, wohlwissend, daß das Wirken für eine edle Sache nur durch vereinigte Kraft mit segenbringendem Erfolge gekrönt sein kann. Diesem Vereine haben sie daher Festigkeit verliehen durch angemessene Statuten, welche am 18. d. M. festgesetzt wurden, an welchem Tage sonach der Frauen- und Jungfrauen-Verein daselbst seine förmliche Konstituierung erhielt.

Der Zweck desselben ist zunächst die Teilnahme an den allgemeinen Freiheitsbestrebungen, die Unterstützung der hiesigen Wehrmannschaft und solcher hiesiger Personen, welche im Dienste der Freiheit unglücklich werden. Zur Erreichung dieses Zweckes werden alle 14 Tage von den Mitgliedern Geldbeiträge in die Vereinskasse entrichtet, die jedoch nicht festgesetzt, sondern dem Ermessen eines jeden Mitgliedes anheim gestellt sind. Auch werden Kleidungsstücke und zum Feld- und Wehrdienste erforderliche Bedürfnisse herbeigeschafft. Über schon früher eingegangene Beiträge und angeschaffte Gegenstände wurde schon am 13. d. M. vom Civil-Kommissär daher in diesem Blatte berichtet.

Es wurde nun noch von den Frauen und Jungfrauen eine neue, äußerst geschmackvolle und sinnreiche Fahne angeschafft und gefertigt. Am 20. d. M. fand die feierliche Übergabe derselben an das Bataillon des ersten Aufgebots des diesseitigen Bezirkes auf dem quadratförmigen, freien Platze bei der Kirche dahier statt: die Frauen und Jungfrauen des Vereins bildeten vom Rathause aus, wo sie sich gesammelt hatten, in festlicher Kleidung mit dreifarbigen Bändern und Schärpen geschmückt, einen Zug. Demselben voran gingen drei hierfür erwählte Jungfrauen, von denen eine derselben die zu übergebende Fahne trug, die dann, nachdem der Zug auf dem dem genannten Platze angekommen war, die Fahne nach gehaltener Rede dem Bataillons-Komandanten überreichte.

In dieser Rede wurde besonders herorgehoben, daß auch das weibliche Geschlecht beim Kampfe für die Rechte und Freiheiten des Volkes nicht gleichgültig zusehe, sondern bereit sei, sich nach der ihm dargebotenen Möglichkeit daran zu beteiligen. Unter Anderm enthielt die Rede auch den Wunsch, daß, wie einst unsere tapfern und heldenmütigen Vorfahrer unter der deutschen Fahne das unerträgliche Joch der römischen Zwingherrschaft brachen, auch diese Fahne sich entfalten möge im heiligen Kampfe gegen unsere deutschen Freiheitsunterdrücker, und daß sie, vereint mit andern wackern Streitern, mit Gott zum Siege für Volk und Vaterland führen möge, auf daß endlich Freiheit, Wohlstand und Bildung sich über Alle erstrecke.

In geeigneter Weise erwiderte auch der Bataillons-Kommandant und endete mit einem Hoch auf die Frauen und Jungfrauen des Vereins. Am Nachmittage desselben Tages marschierte dann das mutige und staatliche Bataillon nach Geisingen und Möhringen, wo es bis heute harrt, um nach dem wirklichen Kampfplatze zu ziehen, wo unsere badischen Brüder schon kämpfen gegen hessische, mecklenburgische, nassauische und preußische Söldner, die noch so verblendet sind, daß sie sich mißbrauchen lassen für die Unterdrückung des Bürgers. Hoffentlich werden auch diese noch zur Einsicht gelangen, daß sie im Fürstenheere nur für ihre eigene Knechtung und Unterjochung die Waffen führen.

Vincenz Rombach im Donaueschinger Wochenblatt am 27. Juni 1849


Die von den Hüfinger Frauen gestiftete und gefertigte Fahne begleitete das Hüfinger Aufgebot in den letzten Wochen der Badischen Revolution. Als sich Sigels Volksarmee Anfang Juli 1849 über den Schwarzwald in Richtung Schweizer Grenze zurückziehen musste, verliert sich zunächst ihre Spur:

Die Hüfinger „Wehrmanschaft“ schloß sich am 7. Juli 1849 Sigels Volksarmee an, als diese durch Hüfingen marschierte. Hier, so berichtete Lucian Reich als Augenzeuge, „sah man noch einmal sämtliche Artillerie im Schloßhof aufgestellt . Um Mitternacht bei magischem Vollmondschein machte die ganze Retirade noch einen kurzen Halt in den Gassen. Dann ging es weiter der Schweizer Grenze zu nach Stühlingen. Unterwegs verbrannte man noch die gedeckte hölzerne Wutachbrücke in Grimmelshofen“. Die vom Frauenverein angefertigte Fahne wurde allem Anschein nach bei Grimmelshofen verloren. So schreibt der „Verweser“ Gilly dem Ortsvorsteher von Grimmelshofen einen Brief mit der Bitte sich nach der Fahne zu erkundigen. Der Ortsvorsteher schrieb zurück, dass keine Fahne zurückgeblieben sei. (3)

Aus dem Schriftwechsel geht hervor, dass der Verweser Gilly beim Ortsvorsteher von Grimmelshofen nach der Fahne nachfragen ließ. Dort war sie jedoch nicht zurückgeblieben.

Erst Jahrzehnte später findet sich ein weiterer Hinweis von Hugo Alfred Curta der 1935 über seinen Großvater Franz Joseph Curta berichtet.


Vielen Dank an Tobias Korta für die Überlassung des für Hüfingen relevanten Artikels aus dem Staatsarchiv Freiburg mit dem Titel: Materialsammlung zur Familie Curta in Freiburg / 1933-1934 / T1 (Zugang 1992/0346).

Geschlecht Curta von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 Auszug aus dem Bericht
Von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 über seinen Großvater.

Über Franz Joseph Curta (*10. Februar 1801 in Hüfingen – 1861 in Donaueschingen) wird berichtet dass er teilweise die Revolution von 1848 als Fahnenträger mit gemacht hatte und die von den Hüfinger Frauen gestickte Fahne trug. Er rettete sie beim Rückzug indem er das vom Stock entfernte Tuch um den Leib wickelte.

Ob die Fahne die Wirren der Revolution überstand und irgendwo erhalten blieb oder später verloren ging, ist bis heute nicht bekannt.

Der Frauenverein von Hüfingen im 20. Jahrhundert

Mit dem Jahresbegin 1850 begann die Repression: „Das Verbot der Versammlungen des Frauen-Vereins für hilfsbedürftige Familien ist bereits keine Neuigkeit mehr, über die ich zu berichten hätte. Man geht jetzt so weit, nicht nur Vereine, sondern auch einzelne Personen zu überwachen und sie für alles, was sie reden und tun, verantwortlich zu machen…“ (Frauen-Zeitung 17/1850)….Selbst Konzerte „zum Besten der hilfsbedürftigen Familien“ wurden von der Polizeibehörde untersagt (Frauen-Zeitung 40/1850).*4

Ein wichtiges Prinzip sowohl der demokratischen wie der Bildungsvereine jener Zeit war im Gegensatz zu vielen Vereinsgründungen nach der Mitte der 60er Jahre ihre demokratische Verfassung und das Selbstvertretungsrecht der Frauen.

Vor allem anderen aber verfolgten die Frauenvereine das Ziel, die Frauen „in größerer Selbständigkeit und Selbstachtung zuüben“ (Frauen-Zeitung 27/1850). Die Zweckmäßigkeit einer gesonderten, autonomen Vereinigung für Frauen bei grundsätzlich gleichen politischen Zielen mit der demokratischen Opposition wurde also reflektiert. Die Frauen kamen zu dem Schluss, dass da, wo ihre Interessen mit denen der Männer nicht identisch sind, sie sich untereinander assoziieren müßten (Frauen-Zeitung 4/1849); auch sie machten bereits die bittere Erfahrung, daß die „Linken“ die Frauen nicht unbedingt unterstützten (Frauen-Zeitung 5/ 1850).*4

Die Frauenvereine ereilte das Schicksal aller Arbeiterassoziationen und -vereine, sie wurden mit gleicher Härte verfolgt. Seit der Mitte des Jahres 1850 wurden sie aufgelöst, zunehmenden Repressalien ausgesetzt durch Haussuchungen, Beschlagnahmungen der Vereinskassen, Verhaftungen der Vorstände und schließlich ganz verboten (Frauen-Zeitung 17, 22, 30, 40/1850) usw.). Als die ersten Versammlungen in Gegenwart von Polizisten stattfanden, lästerten die Frauen noch: „Die bewaffnete Macht wird sich doch unmöglich vor den Frauen fürchten?“ (Frauen-Zeitung 13/1850).*4

Die in nahezu allen Bundesstaaten nach 1850 erlassenen Vereinsgesetze verboten „Frauenspersonen“ und Minderjährigen nicht nur die Mitgliedschaft in politischen Vereinen, sondern sogar den Besuch politischer Versammlungen. Insbesondere die Vereinsgesetze, die mehr als ein halbes Jahrhundert gültig waren (in Preußen bis 1908), nahmen den Frauen alle öffentlichen Rechte und Einwirkungsmöglichkeiten und trugen wesentlich dazu bei, die ersten Anfänge einer deutschen Frauenbewegung zu zerstören. Die scharfe staatliche Repression gegen die Vereinigung von Frauen und Organisation von Fraueninteressen liefert jedoch nicht zuletzt einen Beleg für die politische Bedeutung der deutschen Frauenbewegung um 1848.*4

Mit der Niederschlagung der Badischen Revolution endete auch die erste deutsche Frauenbewegung. Frauenvereine wurden überwacht, ihre Versammlungen verboten, Vorstände verfolgt und schließlich politische Vereinigungen von Frauen durch die Vereinsgesetze vieler deutscher Staaten für Jahrzehnte unmöglich gemacht.

Brandkatastrophe in Donaueschingen am 5. August 1908.
Hier spendete der Frauenverein den Geschädigten 30 Mark.

Umso bemerkenswerter ist ein späterer Nachweis aus Hüfingen. Im Jahr 1908 spendete der Frauenverein 30 Mark für die Geschädigten der verheerenden Brandkatastrophe in Donaueschingen*2. Damit ist belegt, dass es in Hüfingen auch Jahrzehnte nach der Revolution noch einen Frauenverein gab.

Auch in der Festschrift von 1914 vom Gausängertag von 1914 wird der Hüfinger Frauenverein im Zusammenhang mit dem Krieg von 1870 erwähnt. Ob es sich dabei um eine unmittelbare Fortführung des 1849 gegründeten Vereins handelt oder um eine spätere Neugründung, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen.

Fest steht jedoch, dass der Hüfinger Frauenverein bereits 1849 bestand – zu einer Zeit, als organisierte politische Frauenvereine noch eine Ausnahme waren. Erst mit dem Badischen Frauenverein entstand ab 1859 wieder eine dauerhaft organisierte Frauenbewegung im Großherzogtum Baden.

(1) Begegnungen mit dem 925-jährigen Hüfingen, Hugo Siefert, Schriften der Baar Bd 52 ab Seite 17, (2009)

(2) Hüfingen 1083-2008 Beschreibung einer Stadt im 925. Jubiläumsjahr. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 9, Hugo Siefert (2009).

(3) Hüfingen und die Badische Revolution. Von Biedermännern und Heckerhüten. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 3, Beatrice Scherzer (1998).

(4) Über die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848. Von Ute Gerhard in Frauen suchen ihre Geschichte (1982)

Skulptur in Donaueschingen am Bahnhof

Hüfinger Frauenverband im Schwarzwälder Hausschatz 2025

Unterstützung für die republikanischen Rebellen 1848/1849

Teile vom Artikel unten erschienen im Schwarzwälder Hausschatz 2025
zusammen mit dem großen
Franz Filipp sel.A.

Den Hausschatz gibt es beim

Stahlhelm zu Gilleschapfe

30. Juli 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

Vom Denken in Gegenständen :

Denkt man mit Hilfe von Objekten, von Artefakten, über die Vergangenheit oder eine vergangene Zeit, eine vergangene Epoche nach, so hat das immer etwas von einer poetischen Neuschöpfung dieser Zeit und der Gedankenwelt dieser Zeit.

von Ian McGregor „ Die Weltgeschichte in 100 Objekten“

gelesen am 30. Juli 2020 Hubert Mauz
Gülleschöpfe eine mit Eimer eine mit Stahlhelm

Stahlhelm zu Gilleschapfe

Im Herbscht wenn de Saloot und s Kruut i de Gmiesgärte vum Linseösch, em Lassberg- , de Paffehofe- und de Lehestrooß abgrumm war und die grössere Buebe Huusgärte widerwillig umgstoche hond, isch oni vu de uuagnehmschte Arbete i de Kleibürgerliche- und de Arbeiterhuushalt aagstande. I de 50-er häts no koe Abwasserkanalisation und koe Kläraalag z Eschinge gähe. Diesell nei Kläralaag im Haberfeld isch erscht i de 60-er Johr baue wore und au die Kanäl wo denno s Abwasser vu de Hieser abgleitet hond, sind erscht dä nochenand baue wore. Bis die Hieser aagschlosse waret hät jedes Huus e oages Gilleloch, e Jauchegrueb kha. All paar Monet hät de Städtle -Gillepumper die Gruebe usfiere messe. Bsunders i de Innestadt wo s konni Gärte hinter de Hieser gäe hät, war der Gillemaa nit nu en tägliche Aablick. Er war Alltag im Städtli nit wegzumschmecke.Schmecke hoasst uf Booremerisch „riechen“ Die mundartukundige Schriftsproochler saget „ Das schmeckt aber lecker, das Essen“ Mit sim Guu hät de Gillepumper je noch Wetterlag gege de fein Hopfeguu vu de Brauerei aagstunke. Gwunne hät immer er. Dieselle bürgerliche Aawese aber mit Gärte hond noch dem uralte, abdroschene Googewitz ghandlet und hond d Gille sorgfältig verwertet. Desell Witz isch so guet erfunde dass er a jedem Stammtisch, ob im Bürgerstiebbli, de Katakombe, em Rote Hans oder de Insel, all Woch uverdrosse verzelt were hät kinne. Und jedesmol wered tribbert Schräe abglau, briehlet, gjohlet und sie hauet uf de Stammtisch dass Gläser hoppet. Jeder kaa sich i sim promillgfillte Hirnstüble so lebhaft vorstelle wie des zuegange isch. Bime gute Witz oder ere aaregende Gschecht oder au eme iidrückliche Objekt isch s aascherre vu de Phantasie s Wechtigscht.

„ Z Tiibenge“ heb emol en Goog, en Wingerter, so hoasset dä die Wiibuure, dieselle wo den suure Wii a de Neckerhalde aabauet, mit „em Weib, de Kend ond eme klepprige Gäule“ s Gillefass de steil Wengert uffi gschunde. Wo sie denno dobbe aakumme sind noch dere granate Schinderei, hät der aalt, zemtkeit Glepper en Fehltritt dau no bevor s Weib d Micki zuedriller hät. S Gillefaß isch samt em koschtbare Inhalt scheppernd mit eme Höllekrach s Loch ab in Necker bolderet. Entgoaschtered hät die ganz Familie dem vermauchete Fäßli noogucket. Noch em allerletschte Gumpp über die unterscht Wiibergmuur isch des Faß zu Kuder und Fetze verplatzt und die schee, geal Brie isch im Necker versteibt. Noch paar Schnapper hät des Wii- Bierli wieder d Sprooch gfunde. Wie sichs ver en gottesfürchtige, pietistische Goog us Tiibenge ghert hät er sin frommschte Fluuch hinneverri kromet und gruufe: „Heilegs Hergettle vo Bieberach, guets Weib, jetzet hemmer s` ganz Joohr ommesonscht gsoicht ond gschisse“

So ebbis kha imme Eschinger nit passiere. S giht ebbe konni steile Wiiberg. D Gille word ums Huus verwertet. Gsparrig und umsichtig goht mer mit em Naturdünger um und loot kon Tropfe verkumme, kon Kiebbel word verlätteret. Die Gottesgab usem Gilleloch word nit verdummbeillet. Die kunnt in Gmiesgarte dass d Salootkepf und d Gealriebli, d Zwieble und Radiesli und d Kruutbolle im näschte Johr no greesser weret. No kennet die giffizige Nochbere no neidischer und no nissiger über s` Stakete- Gartehaag schäche.

Ame nasse Oktobertag kunnt d Aawiesung vum Vatter , folgsam überwacht vum Huus- Gealriebeförschter, de mild- strenge Motter: „S Gilleloch word Aafang vu de Woch gleert, wenns goht am Mäntig. Wenn d` Huusufgabe gmacht sind gohts draa. De Gstankt sot über de ganz Woch versorre kinne. De Guu sot mer am Sunntig nimme schmecke messe. Wenns denno no soacht, isches ganz guet. Hoffemer no, dass de Nochber, de Käfer – Buckli, nit am Friitig und Samschtig, so wie im letzschte Johr, gillet und de ganz Sunntig verstinkt“. De Vatter hät de Zink- Gilleschapfe im Schopf abghängt, gugget ob er konni Roschtlöcher hät und ob de Holzstiel no nit ganz vermauchet war. Sichereheitshalber hät er de krumm, verroschtet Nagel usem Schapfe – Aasatz zoge und en neie inni gschlagge. Wenn de Schapfe is Gilleloch kait, no häsch en aber gsenne.

Bi dere Aktion isch ihm alljohr ebbis im Kopf ummegsorret. En spoote Lebenstraum isch denno in ihm ufgstigge. Bi sinne Bilanzprüfunge bi de Milch- und Waregnosseschafte im Wälderwald hät er bime Buur en ganz gattige Gilleschapfe gsähne und bei dem giffizige Storiax den de Buur verzellt hät ganz genau zueglosset.

„Wissener, selt Tail haan ich im Wald aneme Tanneascht hänge gsehne. Wahrschienli het den en Deserteur dert nahghenkt. Ainer vun dene stille Helde die nimme ver des Saupack de Kopf underm Stahlhelm naheebe het welle. En Soldateschoope isch denebe ghengt. Wenn i den troffe het, den het ich bei mir in de Oftere verschobbet dass en die dreckige Werwölf und die gnadelose Wehrmachtsnazi nit gfunde hettet. Solang bis de Krieg ganz rum gsin wär und er sicher und friedfertig haim zu Frau und Kind het kinne. Ich haan den Helm mit dem vierflüglige Hitler- Hakekritz mit haim gnomme. De Hammer- Schmied, de alt King, het mier e Röhrli an de Site na gschmiedet. En scheene, guet gscheelte Stangestiel han ich draan bäschtlet und jetzt han ich en ganz gattigi Gilleschapfe. Alli Buure usem Gai klopfe sich vergniegt uf d Schenkel wenn sie mich Gilleschöpfe sehne und verzehles au mit grossem Gschrai an de Stammtisch. Nu der endlich abgseblet Ortsgruppeleiter, sell krummbohret Nazi- Rindviech, fuschtet beigott immer riebber wenn er mich sieht wenn ich mit dem sauglatte Gschirr rumfuhrwerche duen. Ich schwai denno erscht reacht en Schöpfer voll Mischtlache in sieni Richtung. Denno isch ellemol gstuhlet und er verschlupft mit ere Gähwuet im Ranze in sie Abtritthiesli. S Einzig was der nit bin mir vertlähne wird, seld isch mini Stahlhelmgilleschapfe. Sunsch kamer alles bruuche. Sit ich den Schapfe han isch des Gillefieher fascht schoo e gnisslichi Freid. Bin jedem Schöpfer denk ich mir en Name vun some Obernazi uus. Wissener wie beim futtere vume Kleikindli, und vermach dene min Hausdrunkt: „Zum Wohl Göhring, ains ver del Aadolf, ains ver de Meindl, ains ver de Göbbels „ , und so witterscht. Waa glaubener wie gattig denno ellemol des Gillefässli voll isch“

Des hät im Vatter Frieder uubache guet gfalle. Und sit her hät s ihm troomt, dass ihm au mol so en verroschtete Stahlhelm mit sellem verhasse Zoeche über de Weag lauft, oder er au so on im Wald findet wie sell knitz Wälderbierle. No het er im Lassberg au gilleschepfe kennne und denne Altnazzi au zue proschte kenne. Us sim Kopf het er gnueg Näme ver die Satanslitanei, ver die vergniegliche Gille- Kinderraim hinneveri kromet. Im dämols immer no Nazi- verseuchte Eschinge, dodebie hät natierli d Kaserne und die tausende Wehrmächtler vum Tausendjährige Reich e grosse Rolle gspillt, dä häts glaub noch dem bruune Krieg nu ganz wenigi derartige Gilleschapfe gäe. Do hät mer sich no nit so getraut und all no Mores kha vor dere bedrohliche Fuschterei vu dene no zahlriiche und heimliche Uuverbesserliche. De Vatter het sich getraut, wenn er so en Helmschapfe überkumme het. Und mit sim gute Freund i dene Pazifismussache, em Journalischt und Schriftsteller Hans Fleischer usem Linsösch, het er noch so ere Stahlhelm- Gillefieherei ein- zwei Fläsche vum beschte Ihringer gletteret und de Hans het im Fritz vergniegt zueproschtet und zuezwinkeret. Beschtimmt het de Fleischer- Hans au furchtlos und ufreacht wiener war e Satire dribber gschribbe.

Wemmer ammel als Buebe uf dem stoanene Stahlhelm vor em Roothuus ummegräslet und ummegrutscht sind, isch de Huusmoaschter vum Roohthuus konni fünf Minute später usigrennt und hät iis respektlosi Hosesoacher gsteibt und iis au verzürnt hinnedrii gfuschtet. Wenn i Hitzutag a dem martialische Stoahelm vorbeikumm denk ich en andere, min Troom: Hoffentlich sind unter dene Näme uf de Gedenktafle au e paar vu dene wohre, ufreachte Helde. Nämlich Fahneflüchtige die mit unvorstellbarer Courage, Moral und Aastand dene schändliche Gselle vertloffe sind. Die dene Nazi ninnt meh vermacht hond und ihre Lebenskraft nimme a die Faschiste verschwende hond welle. Dene große Moralischte knapp ich kurz und leider viel z` verstolle zue.

Zu mim Verdruss isch us dem Troom vum Vatter real nie äbbis wore. Bim Troom isch`s blibbe. Aber de Hintersinn und die Gedanke dezue, die hät er iis vermittlet broocht.
Den Troom vum iisene Helm- Gilleschapfe sotet mir alli mit Pfiff und Poesie bewahre und ufreacht erhalte. Des sind Symbol mit dene mer sich treffend, aaschaulich und mit ere herzhafte, grobe Poesie köstlich i die beide vergangene Epoche zruckdenke kaa.

Jo so wars , des Buebelebe mit em väterliche Vorbild und sim Gilleschapfe- Troom.

Gülleschöpfe eine mit Eimer eine mit Stahlhelm
gelesen am 30. September 2020 Hubert Mauz

De Gilleschapfe Troom

I iserm Schopf do stoht e Gschier
Me mond es sei gar nit vu hier
De Nochber hät au so e Zieg
Des hät mer bruucht, vor –und noch em Krieg

Und vor em Krieg, dä wars us Zinn Und nochem Krieg , ich glaub ich spinn Dä wars us Iise und mit Verzierung
Des war e Zoache, e Art Vie- rung

De Vatter het säll Gschier gearn khaa,
En Troom wars, vu dem guete Maa
acht Johr hond d` Mörderbande ihm scho gstolle drum duet er denne gherig schmolle

Fünf Halbe- Waisle hond die ihm verbroche Wa hond die ihm nit alls versproche
Sie Frau verkarret, des war s` Schlimmscht Im Hoamweh denktscht dass jetzet spinnscht

En Dietwart hät en aaschwatiert
Und schnell bisch vum dem Pack verfiehrt Ich root dier, Frieder „Gang standepee, Glii Morge no i d` NSDeAPe“

Anne 34 hät er` s scho gschpannt
Die zindet aa en Weltebrand
Drum künd` t er schnell sie Mitgliedschaft „Die krieget nit mi ganzi Kraft“

Und Quittung kriegte er kuntenend
Kriegle moss er, vu Aafang bis zum bittre End Dehoam koe Frau für die fünf Kind
Nie wieder Krieg, so hät er`s iis allfort verkind

Wa die ihm aadau hond, wer kaa`s verdänke Im Schopf bim Gilleschapf abhänke
Troomt er vum „Schwedetrunk“ – kredenze „Zum Wohl“ ihr bruune Eminenze

En iisne Helm statt zinneni Kübel
Wo frühner war uf hohle Nazi – Riebbel Mit Nazi- Schapfe gi Gillefiehre gau
En Troom vum Vatter, ganz schee schlau

I some hintersinn`ge Allefanz
Ghert hit all no en Lorbeerkranz Des het so manch en Nazi gfuxet Wenn Gille usme Helm ruus sprutzet

E gnitz Symbol, des moss mer sagge Au so gängs bruune Bruet an Kragge En Blechschapfe us de Vorkriegsziit Im mit Stahlhelm us de Naziziit

Wieviel kaa des iis hit no sagge Drum sotet mir au nit verzagge Und muetig des Symbol uusstelle Mit Pfiff lot sich soo vill verzelle

beim Gülle schöpfen mit Stahlhelm

Der große Hüfinger Hagestolz

Hagestolz (Substantiv, männlich): Ein Mann, der nie heiratete und dennoch genug Stoff für Geschichten hinterließ.

Rudolf Gleichauf war kein Hüfinger, der zufällig irgendwo ein bisschen gemalt hat. In Hüfingen geboren, von Luzian Reich in der Hüfinger Künstlerschule entdeckt und gefördert, führte ihn sein Weg an die Akademien in München, Dresden und Frankfurt. Später gestaltete er bedeutende Gebäude in Freiburg, Baden-Baden, Karlsruhe und Heidelberg und gehörte zu den anerkannten badischen Künstlern seiner Zeit.

Christi Himmelfahrt in der Friedhofskapelle
Christi Himmelfahrt in der Karlsruher Friedhofskapelle
Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal von Gleichauf
Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal der Trinkhalle in Baden-Baden
Foto von Gleichauf 1896
Gleichauf 1896 Fotografie von Th. Schuhmann & Sohn, Karlsruhe
Das Bild links stellt ein junges Mädchen dar als Schnitterin in der fruchtbaren Baar; das Kopftuch aufgebunden, mit breiten Zöpfen und grünen Ranken geschmückt, mit der Sichel in der Hand von der Arbeit ausruhend, sitzt sie im Freien neben sich den Krug und ein Sträußlein Erdbeeren.
Baaremer Schnitterin
Medizin
Allegorie der Medizin für die Aula der Uni Heidelberg

Hüfingen hat einige Künstler hervorgebracht, die in ganz Baden ihre Spuren hinterlassen haben: Luzian Reich, Johann Nepomuk Schelble, Xaver Reich, Josef Heinemann, Lucian Reich und Nepomuk Heinemann. Doch nur einer von ihnen war ein Hagestolz: Rudolf Gleichauf.

Wer beim Wort Hagestolz allerdings an einen griesgrämigen Junggesellen hinter zugezogenen Vorhängen denkt, liegt bei Rudolf Gleichauf falsch. Er blieb zwar unverheiratet, führte aber keineswegs ein zurückgezogenes Leben. Künstler, Reisender, Lebemann – vielleicht beschreibt das alte Wort gerade deshalb so gut einen Menschen, der den Erwartungen seiner Zeit höflich auswich und lieber seinem eigenen Weg folgte.

Rudolf Gleichauf wurde gemeinsam mit seinem Freund Adolf Heer in Karlsruhe beigesetzt. Heute befindet sich die Grabplatte der beiden auf dem Hüfinger Friedhof. Fast könnte man sagen: Der große Hüfinger Hagestolz ist nach Hause zurückgekehrt.

Wir lieben Geschichte. Aber welche eigentlich?
Oder wie das Altarbild von Seele Hüfingen fast in den Ruin trieb

Da momentan wieder viel über Geld diskutiert wird, möchte ich an einen Text von Gottfried Schafbuch unten erinnern.

Das berühmte Altarbild von Johann Baptist Seele in der Stadtkirche hätte Hüfingen 1812 beinahe in den Ruin getrieben. Die Kosten entsprachen damals etwa einem Siebtel der Jahreseinnahmen der Stadt. Trotzdem entschieden sich die Bürger dafür, das Kunstwerk zu behalten.

Eine bemerkenswerte Geschichte. Gerade heute, wo man in Hüfingen an vielen Stellen lesen kann, dass wir Geschichte lieben würden. Die eigentliche Geschichte findet man allerdings nicht auf Fahnen, sondern dort, wo sie entstanden ist: in unseren Gebäuden, Archiven, Kunstwerken und den Erinnerungen der Menschen.

Das Altarbild in St. Verena und Gallus

Das „geschenkte“ Altarbild war gar nicht so geschenkt, wie man heute oft denkt.

Der aus Hüfingen stammende bzw. hier aufgewachsene Maler Johann Baptist Seele schenkte der Hüfinger Bürgerschaft 1812 das große Kreuzigungsbild für die Stadtkirche. In der Schenkungsurkunde legte er fest, dass das Bild nicht der Kirche, sondern den Bürgern von Hüfingen gehören solle und dauerhaft in der Kirche bleiben müsse. 

Was lange kaum bekannt ist: Die Stadt musste für das angebliche Geschenk enorme Kosten tragen. Für Material, Transporte, Reisen, Bewirtung, Rahmen, Vergoldung und weitere Auslagen wurden insgesamt rund 675 Gulden ausgegeben – etwa ein Siebtel des gesamten städtischen Jahreseinkommens. In einer Zeit großer Armut war das eine gewaltige Belastung. 

Deshalb löste die Schenkung zunächst nicht nur Freude aus, sondern auch Ärger und politische Streitigkeiten. Bürgermeister Xaver Stuckle (1803–1809) geriet deswegen unter Druck und verwahrte die Schenkungsurkunde jahrelang privat, bevor sie ins Stadtarchiv kam. 

Trotzdem wurde Seele selbst von den Hüfingern nie angegriffen. Seine Verbundenheit mit Hüfingen galt als echt, und sein Altarbild entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kunstwerke der Stadt. Nach seinem frühen Tod 1814 hielten die Bürger sogar ein Seelenamt für ihn ab. 

1846 erhielt Hüfingen zusätzlich ein Selbstporträt Seeles als Geschenk. Das Altarbild überstand später sogar die Kriegsschäden des Zweiten Weltkriegs unversehrt. 

Originalbeitrag vom 18. Oktober 2022

Johann Baptist Seele 1810



Gottfried Schafbuch schreibt 1972 in Mii Boor – Mii Hoamet:

Das Altarbild in der Stadtkirche zu Hüfingen

In der Morgenfrühe des 4. Juni 1812, am Donnerstag nach dem Fronleichnamsfest, fuhr durch das untere Stadttor eine vollbesetzte Kutsche Donaueschingen zu. Stolzer Rosselenker auf dem Bock war der hiesige Josef Neukum, der den ehrenvollen Auftrag hatte, den württembergischen Galeriedirektor und Hofmaler Johann Baptist von Seele und seine beiden Kinder durch die Baar nach Stuttgart, in ihre Heimat, zu führen. Viel Ehre war dem Künstler im gastlichen Hüfingen, wo er bereits eine Woche weilte, zuteil geworden, und reich beschenkt kehrte er nun wieder in die königliche Residenz zurück.
J. B. von Seele, der von neidischen Kollegen als „Husaren- und Dragonermaler” angefeindet wurde, hatte aus Liebe für die Bewohner der Stadt Hüfingen, in der er die ersten Jahre seiner Jugendzeit zugebracht, ein Gemälde von 14 Schuh (4,20 m) Länge und 8 Schuh (2,20 m) Breite gemalt, vorstellend den am Kreuz hangenden Christus, darunter die Mutter Maria, den Jünger Johannes und die büßende Magdalena.

In der am 30. Mai 1812 niedergeschriebenen Schenkungsurkunde hat v. Seele ausdrücklich bestimmt, „daß dieses Bild zwar in der Hüfinger Pfarrkirche vor dem Hochaltar aufgemacht, allein nie Eigentum der Kirche werde, sondern den wirklichen Inwohnern Hüfingens, ihren Erben und Nachkommen, solang sie dahier wohnen, als eine Schenkung zugehören solle, worüber sie aber nie anderst als zur öffentlichen Aufstellung in der Pfarrkirche zu verfügen haben; viel weniger soll, was immer für eine Behörde, weder unter dem Titel als Patron der Kirche, weder als Oberpflegschaft der Kirchenfabrik, weder als Obervormund der Gemeinde, noch aus was immer für einem Grunde oder Vorgeben, über dieses Bild zu verfügen berechtigt sein, weil sonst in solch einem Falle dem Stifter, dessen Erben und Nachkommen das Wiederzueignungsrecht auf dieses Bild gegen Erstattung der empfangenen Auslagen und kleinen Erkenntlichkeiten zu ewigen Zeiten zustehen solle“.

Der damalige Bürgermeister Stuckle fügte der Schenkungsurkunde noch den Vermerk bei:


Diese großmütige Schenkung nehmen die hiesigen Inwohner, nämlich die heute dahier zum weit größten Teil versammelte Bürgerschaft, dann die gesamte Beamtung und Klerisei von hier für sich, ihren Erben und Nachkommen durch den hier unterzeichneten Stadtrat mit innigstem Danke und mit der feierlichen Versicherung an, daß nie ein anderer, als der oben bestimmte Gebrauch von diesem vürtrefflichen Bilde gemacht werden solle.

Urkundlich nachstehender Fertigung

So geschehen zu Hüfingen, Samstag, den 30. Mai 1812.

Bürgermeister Stuckle, Fritschi, Stadtrechner, Marx Sulzmann, Joseph Burkhard, Jakob Kuttruff.” Auf die Rückseite des Altarbildes wurde folgender Hinweis aufgeleimt: „Dieses Gemälde, Christus am Kreuze vorstellend, hat der königlich württembergische Galeriedirektor von Seele aus Stuttgart der Bürgerschaft in Hüfingen geschenkt; worüber die in dem städtischen Archiv Hüfingen verwahrte Schenkungsurkunde vom 30. Mai 1812 das nähere ausweist.

Die Rahme um das Bild hat die Bürgerschaft in Hüfingen und deren Vergoldung die Durchlauchtigste verwittibte Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg, geborene Fürstin von Thurn und Taxis aus dem Ihrigen, zu Bezeugung Höchstihrer Zufriedenheit mit den Hüfngischen Bürgern bezahlt im Jahre 1812. Stuckle, Bürgermeister.

Die Rahme wurde vom Schreiner Johann Bausch dahier, der Strahlenaufsatz vom Hofbildhauer Ignaz Brunner von Geisingen verfertigt und vom Faßmaler, Amtsdiener Johann Gleichauf von hier vergoldet.
Gleichauf, Amtsaktuar.”


Den Akten ist noch ein vergilbtes Blatt beigeheftet, auf dem 164 hiesige Bürger unterschriftlich den Stadtrat bevollmächtigten, die Schenkung des Altarblatts von Herrn Galeriedirektor v. Seele annehmen zu dürfen.
Warum diese eigenartige Bürgerbefragung und Vollmachtserteilung, ein so wertvolles Geschenk annehmen zu dürfen?
In einem Schreiben an den Stadtrat vom 27. November 1826, also 14 Jahre nach der Ausstellung der Schenkungsurkunde, berichtet Stuckle:


Löblicher Stadtrat! Noch immer hatte ich die beiliegende Schenkungsurkunde für unser Altarblatt von unserm seligen, vaterländischen Künstler, dem Königlich Württembergischen Galeriedirektor von Seele bei Handen. Diese Urkunde war bei mir sehr gut aufgehoben, und wenn ich auch unter dieser Zeit gestorben wäre, so hätte man solche bei der Apertur (Sichtung) meiner eigenen Schriften gefunden.
Die Ursachen warum ich diese selbst nicht in das städtische Archiv getan, oder später in dasselbe tun ließ, sind folgende:

  1. hatte dieses Altarbild, oder vielmehr meine Person das Unglück, von einer damaligen städtischen Deputation wegen des Kostens, den diese in der Rechnung pro 1812/13 gefunden und bemängelt haben, angefochten, und bis ans Kreisdirektorio verfolgt zu wer-den, und mir von dieser Stelle aus, dieses Bild, ohngeachtet der Schenkungsurkunde als mein Eigentum mit dem zuerkannt wurde, daß ich der Stadt die Unkosten wieder ersetzen soll, jedoch wurde diese Resolution später wieder aufgehoben, und ich und der gekreuzigte Heiland wieder mit Friede gelassen.
  2. hatten sich die Stürme des Krieges von außen und von innen – bis anno 1821 – aufs Neue gezeigt, so daß ich diese Urkunde in dieser Gärungsperiode ebenfalls nicht auf das Rathaus deponieren wollte. Die letztere Zeit bis anher scheint wieder allmählig ruhig zu werden und die Sonne heller und klarer zu scheinen, weswegen ich nun dem löblichen Stadtrat diese Urkunde mit der Bitte übersende diese gehörigen Orts wohl zu verwahren. Bei dieser befinden sich noch:
    a) Die Bevollmächtigung des Stadtrats zur Annahme der Schenkung von Seiten der Bürgerschaft vom 31. Mai 1812.
    b) eine Abschrift des Briefes von der Fürstin Elisabetha vom Juni 1812. Dann
    c) ein Danksagungsschreiben des verstorbenen Gefällverwalters Wölfle vom 5. September 1814 und
    d) die Bemerkung, welche auf der Rückseite des Christusbildes geschrieben ist.

Eines löblichen Stadtrats
ergebenster
Stuckle, Altbürgermeister”.


Nun ist das Rätsel um die Unterschriftensammlung bei den 164 Hüfinger Bürgern gelöst.

Die Schenkung des Altarbildes v. Seele hat hier keine wahre und echte Freude aufkommen lassen, weil sie eben keine wirkliche Schenkung war.

Die Stadtrechnung vom Jahre 1812/13 klärt das Zurückbehalten der Schenkungsurkunde und das eigenartige Verhalten des Bürgermeisters Stuckle mit nüchternen Zahlen auf.

Stadtrechner Fritschi schrieb auf Seite 53 ff. der genannten Rechnung:

Wegen dem von Herrn Galeriedirektor von Seele zu Stuttgart der hiesigen Stadt zum Geschenk gemachten Altarblatt haben sich folgende Auslagen ergeben: Herrn Galeriedirektor Ersatz für gehabte Aus-lagen, Reisekosten, Präsent usw.

429,09 Gulden

von Seele forderte von der Stadt:

Für den Ankauf der grundierten Leinwand, 15′ hoch und 9′ breit34.— fl.
Für Modelle zu allen vier Figuren, als
Christus10 Tage à 1 fl. 30 x15.00 fl.
Maria2 Tage2 fl. 45 x 5.30 fl.
Johannes3 Tage1 fl. 30 x 4.30 fl.
Magdalena4 Tage2 fl. 45 x 11.— 1.
Ein Farbenreiber22 Tageà 36 x 13.12 fl.
½ Loth Ultramarina 28 fl. 14.— fl.
1 Loth feiner Lack6.— fl.
Die übrigen niederen Kostenrechnungen,
Farbe, Ol und Firniß, alles zusammen
13.46 fl.
Ein Gerüst machen lassen um das Modell
des Christus aufzustellen1.36 fl.
Nägel, 400 Stück à 8 Kreuzer—.32 f.
In Tuttlingen mit einem Fuhrwerk das Christusbild samt Blindrahmen abholen lassen10.- fl.

Gehabte Auslagen von Seele
135 fl. 6 x

Johann Gleichauf wegen Vergoldung der Rahmen




188.— f.
Demselben — dito — dem Altarblatt12.— fl.
Dem Hofbildhauer Brunner in Geisingen für die Rahme des Altarblatts23.— fl.
Dem Schreiner Bausch hier für Arbeit an dieser Rahme23.30 fl.
Summa:
675.39 fl.

In den Beilagen 222 bis 226 zur hiesigen Stadtrechnung pro Georgy 1812/13 ist diese Summe von 675.39 Gulden peinlichst aufgeschlüsselt. Ihre Nüchternheit steht allerdings im Gegensatz zu den fröhlichen Tagen, die Galeriedirektor von Seele mit seinem vertrauten Anhang bei seinem Aufenthalt hier erlebte. Eine Rechnung vom 1. Juni 1812, die Bürgermeister Stuckle von der Stadtkasse begleichen ließ, zeigt, daß weder von Seele, noch sein Onkel, Gefällverwalter Wölfle, noch der „Amtsbürgermeister” freigebig aus der eigenen Tasche waren.

Die Rechnung (Beilage 222/1812/13) lautet:

Den 1. Juni 1812 wurde mit Herrn Galeriedirektor von Seele und dessen Kinder samt Herrn Gefällverwalter Wölfle und Jungfer Hauserin und ich, der Bürgermeister Stuckle, auf der Post zu Geisingen und Wartenberg verzehrt samt 2 Kutscher und 4 Pferde zusammen 8 Personen:

a) 6 Personen Mittagessenà 40 Kr. tut4.— Gulden
b) 4½ Maß Weinà 40 x tut3.— Gulden
c) Brot-.30 Gulden
d) Kaffee, 8 Tassenà 12 x tut1.36 Gulden
e) Kutscher und Pferdetut2.49 Gulden
11.55 Gulden
Auf dem Wartenberg—.48 Gulden
Den 3. Juni mit Herrn Gefällverwalter Wölfle, als wir die Chaisen bestellten im Schützen zu Donaueschingen—.36 Gulden
Den 4. Juni, bei der Abreise des Herrn Direktors im Schützen zu Donaueschingen noch verzehrt3.— Gulden
Summa16.19 Gulden
Wegen dem Fuhrwerk auf Geisingen mit Herrn
Direktor von Seele und Familie vom 1. Juni,
2 Pferde und 2 Chaisen für ein Tag 3,20 fl. und Gebühr —,30

3.50 Gulden
Ebenfalls an Joseph Neukum für das Fuhrwerk mit Herrn Direktor v. Seele und Kindern nach Stukart (Stuttgart)
33.— Gulden

Sehr aufschlußreich ist die

„Specifikation über die Auslagen wegen dem großen Altarblatt, welches der Herr Galeriedirektor von Seele aus Stuttgart verfertigte und der hiesigen Bürgerschaft laut Schenkungsurkunde vom 30. Mai 1812 übergeben hat.

An Auslagen welche Herr von Seele gehabt:

Laut spezifiziertem Conto dem Herrn Direktor wieder ersetzet samt Transport des Christusbildes von Stuttgart hierher 163,42 Gulden

Auf Reisekosten:

Dem Herrn Direktor die Reisekosten von Stuttgart hierher bezahlt57,30
Dto. denselben wieder durch den Joseph Neukum nach Stuttgart führen lassen33,0090,30 Gulden
Auf Honorarien usw.:
Des Herrn Direktor Frau als Präsent dessen zwei Kinder
110,—
44,00
auf dem Wartenberg, zu Geisingen und im Schützen mit Herrn Direktor zehrt16,19170,19 Gulden
Dem Joseph Neukum für zwei Chaisen und Pferde3,50 Gulden
Trinkgeld zu Geisingen und zu Donaueschingen—.48 Gulden
Summa:429,09 Gulden

Dieser Aufstellung ist noch der Vermerk beigefügt: „Daß jene Auslagen, welche unter obigem begriffen und nicht mit Scheinen belegt sind, in meiner Gegenwart richtig geschehen seien, das kann ich als Onkel des Direktors von Seele als Augenzeug bestätigen, welches hiermit geschiehet.

Hüfingen, den 9. Juny 1812.

Baarischer und Stühlingischer
Amts Kastenverwalter
Wölflin”

In den gehabten Auslagen von 429,09 Gulden sind noch Lieferungen und Arbeiten des Hofbildhauers F. J. Göppel aus Stuttgart enthalten, der „auf Bestellung Sr. Hochwohlgeboren Herrn Galeriedirektor von Seele, eine Blindrahme von Bettseide, mit Kreuz und Schließen zu einem Altarblatt gemacht

14/6° hoch und 8/6° breit14,30 Gulden
eine Überrahme3,48 Gulden
eine Walze 8′, 9″ lang 10″ dick, um die Malerei darauf zu rollen4,30 Gulden
eine Uberkiste 8′, 11″ lang 1′ 7″ im Quadrat samt Verpackung und Nägel5,48 Gulden
28,36 Gulden

Im Namen des F. J. Göppel, Hofbildhauer bescheinigt den Empfang der obigen 28 fl. 36 x

Galeriedirektor von Seele
Ritter des Civil Verd. Ordens.”

Die Verärgerung über die verausgabten 675 Gulden für das Altarbild, die ein Siebtel der ganzen Jahreseinnahmen der Stadt Hüfingen waren, wurde auch am Fürstlichen Hofe in Donaueschingen bekannt. Schon am 16. Juni 1812 schrieb die verwitwete Elisabeth, Fürstin zu Fürstenberg, geb. Fürstin von Thurn und Taxis, an Hofrat und Oberamtmann Bauer:

Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Thurn und Taxis, Witwe des Fürsten Karl Aloys (um 1800)
Elisabeth Fürstin zu Fürstenberg, 1797 Foto eines Gemäldes von J.B. Seele
„Ausschnitt aus Bader“. Alle Fotos von Wikimedia

„Ich habe vernommen, daß die Stadt Hüfingen durch die Unkosten, welche die Vergoldung der Rahme des Gemäldes erfordert, wodurch unser vaterländischer Künstler Seele die dortige Pfarrkirche geziert hat, in einige Verlegenheit versetzt worden ist. Recht gern ergreif ich diese Gelegenheit, der Stadt Hüfingen dadurch einen Beweis meines Wohlwollens zu geben, daß ich diese Zahlung übernehme, ich ersuche dahero mir den Uberschlag derselben zu dem Ende chestens zuzuschicken, damit ich den Betrag auf meine eigene Kasse sogleich anweisen kann.”

Über den damaligen Wert des Gulden bzw. des Geldes mögen folgende Zahlen als Vergleich betrachtet werden:

Die Gesamteinnahmen der Stadt betrugen4906 Gulden
Die Gesamtausgaben 1812/13 betrugen3996 Gulden
Der Lehrer bezog an barem Geld
von der Stadt im Jahre 1812/13: 90 Gulden
vom Schulfond Donaueschingen: 12 Gulden
102 Gulden
Bürgermeistergehalt 1812/13130 Gulden
Gehalt des Stadtrechners und des Ratschreibers je150 Gulden
Die Stadt kaufte in Behla
1 Wucherrind, zweijährig für
54 Gulden
in Waldhausen einen Farren82 Gulden
von Valentin Haller hier
1 Wucherrind, einjährig
26 Gulden
von Nachrichter Seidel hier
45 Bund Stroh
3.44 fl.
Gulden = 60 Kreuzer, 4 Kreuzer 1 Batzen,
Kreuzer = 1 Groschen, ein preuß. Taler – 1 fl. 45 x)

Daß eine verarmte Bürgerschaft, der immer und immer wieder zugeflüstert wurde, daß die Stadt gezwungen sei, bei einigen reichen Schwarzwaldbauern und bei Juden in der Schweiz Geld zu pumpen, ob dieses vermeintlichen Geschenkes nicht entzückt war, ist begreiflich. Verständlich ist auch, daß Bürgermeister Stuckle aufgrund des Entscheids des Kreisdirektoriums, das Altarbild gegen Erstattung der Kosten für sich zu beanspruchen, kein Interesse hatte. Die Verheimlichung dieses Bescheids und all der übrigen Schriftstücke in dieser damals leidigen Angelegenheit sprechen dafür, daß er ängstlich besorgt war, nur noch in der Flüstersprache diese heikle Sache in vertrautem Kreise zu erwähnen.

Karl von Österreich-Teschen (Porträt von Johann Baptist Seele, 1800, Heeresgeschichtliches Museum in Wien)

Daß die damaligen Zeiten trüb- und armselig waren, beweist der Inhalt des folgenden Briefes des Fürsten zu Fürstenberg an Erzherzog Karl von Oesterreich:

Traurig ist der Zustand meiner Untertanen, und ebenso traurige Empfindungen erregt dessen Anblick. Ew. Königliche Hoheit kennen ihn durch eigene Ansicht und Betrachtung und kennen somit das grenzenlose Elend, welches über die Grafschaft Baar verbreitet ist.
Mitleidenswert und kläglich ist die Lage meiner Untertanen und schmerzlich meine eigene, weil es mir selbst an Mitteln gebricht, zu helfen und zu unterstützen und weil meine Vorräte erschöpft sind. Mit Bedauern muß ich das traurige Geständnis machen, daß auch meine Kräfte zur Unterstützung der Untertanen geschwächt sind. Nur die Not und die wirkliche Unmöglichkeit der vollen Leistung, von der ich durch die von meinen Amtern vorgenommene Hausdurchsuchung leider nur zu sehr überzeugt bin und sein muß, konnten mich bewegen, an Ew. Königl. Hoheit bittliche Vorstellungen gelangen zu lassen.”

Joseph von Auffenberg (1798–1857)
Digitalisat BLB Karlsruhe

Der Fürstliche Geheimrat Freiherr von Auffenberg richtete zur gleichen Zeit an die Kabinettskanzlei des Erzherzogs eine Denkschrift und führte darin u.a. aus:

„Wenn die Kräfte eines Landes auf 20 Jahre vorweggenommen sind, wenn seine Bewohner aus Mangel an Futter ihr Vieh abschlachten, wenn die bereits in die Erde gelegten Kartoffeln herausgegraben und ohne einen Bissen Brot dazu im Drange des Hungers verzehrt werden, wenn die einquartierten Soldaten mit dem Quartiergeber ihr Kommißbrot teilen, weil sie diese verhungern sehen, und die herrschaftlichen Fruchtkästen und Scheunen, die bisher einzige Aushilfe der aufeinandergefolgten Requisitionen, der Armut und den notleidenden Menschen preisgegeben werden müssen, so verdient dieses Land (die Baar) in jeder Beziehung das Mitleid und die Teilnahme des rechtschaffenen Mannes.”

Es zeugt von großem Taktgefühl und Anstand der Hüfinger, daß auch nicht mit einem Worte der geniale Künstler Johann Baptist von Seele angegriffen wurde. Lucian Reich erwähnt in seiner Abhandlung über das Kunstschaffen seines Vaters, des alten Lehrers Reich, daß er den Hüfinger Hochaltar in der Stadtkirche nach dem Entwurf des Galeriedirektors von Seele in farbigem Wutachalabaster ausführte; eine Arbeit, die jedenfalls wegen der besseren Sicht auf das Altarbild notwendig war.

Unbegreiflicherveise wurde bei der 1910 erfolgten Renovation unserer Stadtkirche, bei der Erstellung des Hochaltars, hierauf leider keine Rücksicht genommen.

Am 27. August 1814 ist von Seele, erst 40 Jahre alt, in Stuttgart an einem Herzschlag gestorben. Gleich nach Bekanntwerden seines Heimgangs gedachten die Hüfinger in rührender Weise des hervorragenden Künstlers, sie ließen ihm ein Seelenamt halten.

Onkel Wölflin dankte dafür dem wohllöblichen Stadtrat: „Sie haben meinem kürzlich verstorbenen Neffen, dem Königlich Württembergischen Galeriedirektor und Hofmaler von Seele, aus Liebe und Dankbarkeit für das vor zwei Jahren der hiesigen Bürgerschaft gemalte Christusbild, welches selbe als Altarblatt in die hiesige Pfarrkirche aufstellte, ein Seelenamt mit der gesamten Priesterschaft angeordnet, und heute dahier feierlich abhalten lassen.
Diese dankbare Liebe und Achtung für den Seligen hat mich außerordentlich gefreut und tief gerührt. Ich danke also hiermit dem wohllöblichen Stadtrat herzlich dafür, und wünsche im Stand zu sein, demselben und der ganzen Bürgerschaft meine Dankbarkeit tätig beweisen zu können.

Ich bin mit wahrer Hochachtung eines wohllöblichen Stadtrats ergebenster Wölflin.

Hüfingen, den 5. September 1814.”

Man schrieb das Jahr 1846. Wieder war das Altarbild Gegenstand von Beratungen und Verhandlungen.

Am 9. Juni 1846 erhielt der Stadtrat folgenden Brief:

„Das Pfarramt wird darauf dringen, daß noch diesen Sommer die Reparation in und an der Pfarrkirche geschehe, bei dieser Gelegenheit sollte vorgenommen werden die Reinigung des Kirchen- und Kunstblattes von Seele, als höchst notwendig.
Schon am 26. April ds. Js. hat der Stiftungsvorstand Beratung gehalten und Anstand genommen, weil das Kunstblatt eigentlich Eigentum der Stadtgemeinde ist und auf welche Unkosten die Reinigung geschehen soll.
Der Stiftungsvorstand will da nicht vorgreifen, und der löbliche Gemeinderat wolle anher berichten, was in Obigem geschehen und einberichtet werden soll.

Stiftungsvorstand: Hufschmid, Stadtpfarrer.”

Am 14. Juli 1846 berichtete Bürgermeister Hug dem Stiftungsvorstand, daß die Kosten für die Reinigung des Altarblattes auf den Kirchenfond übernommen werden möchten.
Stadtpfarrer Hufschmid gab sich jedoch mit diesem ablehnenden Bescheid nicht zufrieden. Am 21. September 1846 wurde folgende Vereinbarung beschlossen:

„Revers. Die Restauration des auf dem Hochaltar in der hiesigen Pfarrkirche befindlichen Seeleschen Altarbildes betreffend. Wird nach dem hohen Erlaß Großh. Seekreis-Regierung vom 11. September ds. Js. Nr. 20045 durch den unterzeichneten Stiftungsvorstand, Gemeinderat und Bürgerausschuß als Vertreter der Kirchspielsgemeinde gegenwärtiger Revers mit dem ausgestellt, daß sie die Bezahlung dieser Reinigungskosten nur als guttatsweise Leistung des Kirchenfondes annehmen, und darauf nie eine Verbindlichkeit desselben gründen wollen.

Zu Urkunde dessen

Stiftungsvorstand. Gemeinderat und Bürgerausschuß

Unterschriften.”

Und nun, im selben Jahre 1846, wird dem Altarbild in der Stadtkirche endlich die ihm gebührende Würdigung als Kunstwerk zuteil.

Oberamtmann Eckhard in Engen, ein ehemals guter Bekannter des so jung dahingeschiedenen Hofmalers von Seele, bot der Stadt Hüfingen das Selbstbildnis des Künstlers als Geschenk an. Oberamt-mann J. C. F. Eckhard schrieb am 1. Dezember 1846 an das „Wohllobliche Stadtpfarramt und Bürgermeisteramt Hüfingen:

Seit mehr als dreißig Jahren besitze ich ein sehr gutes Gemälde, von dem in Stuttgart verlebten Königl. Württembergischen Galeriedirektor Seele, der ein guter Bekannter von mir war, in Ol auf Leinwand gemalt.

Es ist sein eigenes Portrait in jugendlichen Zügen, ein Brustbild in Lebensgröße. Die Tafel, ohne den Rahmen, hat eine Höhe von 22, und eine Breite von 18 Bad. Zollen. Der Rahmen ist von hartem Holze, mit Goldverzierung. Die Beschränktheit meines Raums in der Wohnung, und die Beschaffenheit ihrer Gelasse, nötigen mich, seit längerer Zeit einen ziemlichen Teil meiner Tableaux unaufgehängt zu lassen, und versagen mir leider auch insbesondere das Vergnügen, das gedachte Bild als Zimmerzierde verwenden zu können.

Seele war meines Wissens ein geborener Hüfinger und der liberale Stifter des vortrefflichen Altarblattes in die vaterörtliche Pfarrkirche, eines Werkes seines schöpferischen Geistes und seiner ausgezeichneten künstlerischen Führung des Pinsels, eines Werkes, dessen Anblick die Bewunderung der Kenner und Nichtkenner erregt – Sollte dem Bildnisse des genialen Künstlers nicht auch ein schickliches Plätzchen in der Stadt vergönnt sein, wo erstmals er das Tageslicht sah, und wo in des Tempels heiliger Halle noch heute eines seiner klassischen Gebilde weilt, – Zeuge seiner Kunst und seiner Pietät?…Und wäre sohin unter den gegebenen Beziehungen dessen doreitigen Besitz nicht wünschenswert? –

In diesen Betrachtungen erlaube ich mir, der Person oder der Corporation, welcher das Altarbild verehrt wurde, das fragliche Bildnis als ein geringes Zeichen meiner Hochschätzung anmit – in Schenkungsweise – anzubieten.

Wenn sie diese kleine wohlgemeinte Gabe genehmigen, so belieben Sie Jemanden hier zu benennen, welchem ich das Gemälde zur Überschickung einhändigen kann; andernfalls sehe ich kurzer gefälligen Außerung entgegen.”

Schon am 11. Dezember 1846 gaben Stadtpfarrer Hufschmid und Bürgermeister Hug in einem gemeinsamen Schreiben dem „Wohlgeborenen, hochzuverehrenden Herrn Oberamtmann Eckhard in Engen” nachstehende überschwängliche Antwort:

Ihr verehrtes Schreiben vom 1. ds. Mts. hat uns ganz überrascht und mit Freude und Dank kommen wir demselben durch gegenseitige Antwort entgegen.

Galeriedirektor von Seele ist geborener Hüfinger und hat seiner Vaterstadt Hüfingen, oder ihrer Bürgerschaft, das in hiesiger Pfarrkirche aufgehängte Altarblatt, Christus am Kreuz, mit der ausdrücklichen Bedingung geschenkt, daß dasselbe nirgends anders, als nur in hiesiger Pfarrkirche verwendet werden dürfe. Darüber haben wir eine Schenkungsurkunde und dabei eine von Seele selbst geschriebene Biographie, in welcher der Künstler selbst den Anfang und die Ausbildung seiner Kunst bezeichnet. Sowohl jene als diese sind im Gemeindearchiv deponiert, von Seeles Altarblatt hängt etwa seit 1812 in hiesiger Pfarrkirche, als eine Zierde der hiesigen Gegend, als ein Kunstwerk, welches europäischen Ruhm hat. Aus Sorgfalt sahen wir uns veranlaßt, das Altarblatt mit Genehmigung der hohen Regierung durch einen von derselben bestimmten Maler vor einigen Monaten reinigen zu lassen. Vierzig Jahre mögen vorübergehen, bis diese Arbeit wieder notwendig wird und wir werden auch in Hinsicht des Lichtes noch mehr tun, um das Kunstblatt unseres Künstlers in unserem freundlichen Tempel noch mehr zu heben, wohl wissend, daß Wenige von Bildung unsere Stadt passieren, ohne nicht auch dasselbe in unserer Kirche bewundert zu haben.

In Erwägung des Angeführten ist es uns eine freudenvolle Überraschung, in Zukunft nicht nur das Kunstblatt von Seele, sondern auch sein eigenes Portrait zu besitzen, das Sie, hochzuverehrender Herr Oberamtmann, an unsere Stadt, oder an ihre Bürgerschaft, schenkungsweise abzutreten die große Güte haben.

Im Namen derselben nehmen wir mit Freude und Dank das werte Geschenk aus Ihren Händen uns bleibend zur dankbaren Erinnerung an Ihr ausgezeichnetes Wohlwollen. Wir haben bereits demselben den Platz im Gemeindezimmer des hiesigen Rathauses bestimmt; v. Seeles Kunstblatt als Eigentum der Bürgerschaft hat den ersten Platz in der Pfarrkirche und v. Seeles Potrait soll den ersten Platz im Gemeindzimmer haben, eines soll an das andere und zugleich an die verehrten Gaben erinnern. Ihr verehrtes Schreiben wird von Seeles Schenkungsurkunde und Biographie angeschlossen. Hochzuverehren-dem Herrn Oberamtsmann stellen wir nun die gehorsamste Bitte, von Seeles Portrait an Herrn Bezirksamtmann Ganter zu verabfolgen, welcher den Transport hierher weiter besorgen wird.
Wir wiederholen nochmals unsern Dank und versichern unsere ausgezeichnete Verehrung und Hochachtung.”

Es war fürwahr ein prächtiges Weihnachtsgeschenk, das der selbstlose Oberamtmann Eckhard den Hüfingern verehrte. Bürgermeister Hug und Ratschreiber Ambros schrieben nun auf die Schenkungsurkunde des Altarbildes den Zusatz: „Am 1. Dezember 1846 wurde uns durch Herrn Oberamtmann J. C.F. Eckard in Engen das Bildnis des Stifters des in obiger Urkunde bezeichneten Altarblattes J. B. von Seele als Schenkung verehrt und am Sonntag, 27. Dezember 1846, dasselbe im Rathaussaale aufgehängt, der versammelten Bürgerschaft das erhaltene Schreiben von Herrn Oberamtmann Eckard, die Wohl-demselben hierauf erteilte Antwort und sodann die Schenkungsurkunde des Altarblatts verlesen.

Auf der Rückseite des der Stadt geschenkten Portraits von Seele schrieb Eckhard:

Bildnis des Malers und nachherigen könig. Württemberg. Galleriedirectors
J. von Seele von Hüfingen
von ihm selbst gemalt.

Ein Geschenk an die Stadt- und Kirchengemeinde Hüfingen als ein kleines Zeichen seiner besonderen Hochachtung von den Großh. Bad. Oberamtmann J. C. F. Eckhard zu Engen; in der Kindheit Bewohner des Fürstlichen Schlosses zu Hüfingen und damahls oft Gespiele des Knaben Johann Baptist Seele.

1846″

Die Schrecknisse des Krieges 1939/1945 sind nicht spurlos an der hiesigen Stadtkirche vorbeigegangen. Sämtliche Kirchenfenster, dabei leider auch die mit den Glasmalereien des in München verstorbenen Hüfinger Künstlers Fridolin Heinemann (1859-1926), gingen in Scherben. Das Altarbild aber blieb heil und unversehrt.

Das künstlerische Schaffen von von Seeles wurde immer wieder von Kunstkennern hervorragend gewürdigt. In der württembergischen Kunstgeschichte ist von Seele als Schlachtenmaler in die Reihe der Großen gestellt. Sein Werk: „Die schwäbische Reiterattacke”, das er im Jahre 1810 vollendete, gehöre zu den allerbesten Kriegsbildern, welche die neue deutsche Malerei überhaupt hervorgebracht habe; es sei eine Leistung ersten Ranges.

Daß dem Hofmaler von Seele das künstlerische Schaffen von Soldaten- und Schlachtenbildern eher lag, als das mit religiösen Motiven, dürfte wohl keine Frage sein.

Wir Hüfinger, die wir das Hochaltarbild vom ersten Augenblick des Betrachtens an als Selbstverständlichkeit gewohnt sind, sollen und wollen nicht vergessen, daß ein großer Meister der Farben und des Pinsels uns dieses so wertvolle Bild malte, und daß Johann Baptist von Seele von wahrhafter Liebe zu seinem traulichen Städtchen Hüfingen und zu unseren Vorfahren durchdrungen war.

Zum 100. Gedenktage der Schenkung des Altarbildes im Jahre 1912, brachte das Donaueschinger Wochenblatt folgenden Bericht aus Hüfingen:

Hundert Jahre sind es, seitdem unser Gotteshaus mit einem hervorragenden Kunstwerke, das weit über die Grenzen des Bezirk bekannt ist und die Bewunderung der Kenner erregt, geschmückt wurde. Dieses Kunstwerk ist eine Schöpfung des Königl. Württbg. Hofmalers und Galeriedirektors Joh. Bapt. von Seele in Stuttgart, (Ritter des Königl. Verdienstordens), der in Meßkirch das Licht der Welt erblickte und seine ersten Jugendjahre in der Amtsstadt Hüfingen zugebracht hat.

Nach der im städtischen Archive verwahrten Schenkungsurkunde vom 30. Mai 1812 hat der geniale Künstler und edle Spender aus Liebe für die Bewohner der Stadt Hüfingen dieses Gemälde, darstellend den am Kreuze hängenden Christus und unter demselben die Gottesmutter Maria, den Jünger Johannes und die büllende Magdalena mit der ausdrücklichen Bestimmung gefertigt, daß das Bild zwar in der Pfarrkirche dahier über dem Hochaltar aufgemacht, allein nie ein Eigentum der Kirche oder der Kirchenfabrik werden, sondern den wirklichen Inwohnern Hüfingens, ihren Erben und Nachkommen solange sie dahier wohnen als eine Schenkung zugehören solle. Die Rahme um das Bild, das 14 Schuh Länge und 8 Schuh Breite mißt, wurde von Schreinermeister Johann Bausch dahier und der Strahlenaufsatz von Hofbildhauer Ignatz Brunner von Geisingen für Rechnung der hiesigen Bürgerschaft angefertigt. Die Vergoldung hat der Faßmaler und Amtsdiener Johann Gleichauf von hier ausgeführt. Dieselbe wurde von der Durchlauchtigsten verwitweten Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg geborene Fürstin von Thurn und Taxis, zur Bezeugung höchst Ihrer Zufriedenheit mit den Hüfinger Bürgern bezahlt.
Im Jahre 1846 ist die Stadt Hüfingen von J.C.F. Eckhard, Oberamtmann in Engen, abermals erfreut und beehrt worden durch die Schenkung eines in Ol auf Leinwand gemalten Bildes. Es ist ein eigenes Portrait des Galeriedirektors von Seele in jugendlichen Zügen, ein Brustbild in Lebensgröße. Dieses sowie ein eigenhändig geschriebener Lebenslauf von Seele ist im Rathaus hier in sorgfältiger Verwahrung.”

Die Lebensgeschichte von Seele, die als eine Kostbarkeit betrachtet werden kann, wurde von seinem Onkel, Gefällverwalter Wölfle, in Hüfingen niedergeschrieben und wird mit der Schenkungsurkunde des Altarbildes im hiesigen Rathaus sorgfältigst aufbewahrt. Der Hüfinger Maler und Schriftsteller Lucian Reich (1817-1900) hat sie in seinem 1855 erschienenen Buch „Wanderblüten” ungekürzt wieder-gegeben.

Im „Ekkhart Jahrbuch für das Badner Land 1968″ des Vereins Badische Heimat, Freiburg/Brsg., wurde die Seele’sche Biographie ebenfalls im vollen Wortlaut mit etlichen Illustrationen und dem Selbstbildnis von Seele gebracht.
Wissenswert sind nun wohl auch die kurzen Angaben zu den einzelnen Personen, die im Zusammenhang mit Seele und seinem Altarbild standen.
Johann Baptist Seele wurde am 27. Juni 1774 zu Meßkirch (also nicht in Hüfingen) als Sohn des Franz Xaver Seele, Fürstl. Fürstbg. Soldat, und der Maria Anna Wölfin geboren. Schon als zweijähriges Kind kam er nach Hüfingen und verbrachte hier seine Jugendzeit bis 1789, wo er „Ende des September unter tausend Tränen und Segnungen der Mutter das väterliche Haus verließ”. Auf dem Titelblatt der Lebensbeschreibung steht, daß der „Königlich Württembergische Hofmahler und Gallerie Director zu Stuttgart, von Seele, zum Denkmal das Altarblatt Christus am Kreuz seinem zweiten Vaterort Hüfingen unentgeltlich gemahlt hat 1812” .

Väterlicherseits stammte die Familie Seele ja ursprünglich aus Italien und hieß Francelli la Salle bei Aosta. Daraus wurde dann la Sale, Sele, bis zu Seele. Das sehr lebhafte Temperament des Künstlers erklärt sich dann auch ganz gut aus solch romanischem Bluteinschlag.

Johannes Wölflin, der Onkel Seeles, war Großh. Badischer Gefällverwalter, geboren am 21. Juli 1751 zu Hüfingen und starb hier am 6. Oktober 1821. Seine Eltern waren: Joh. Bapt. Wölflin, Soldat, und Maria Barbara Zinsmayer.

Der Jugendfreund Seeles, J.C.F. Eckhard, Großh. Bad. Oberamtmann zu Engen war sehr wahrscheinlich ein Sohn des Fürstl. Fürstbg. Forstinspektors Jakob Eckhard aus Geisingen und der Maria Josefa geb. Haiz. Jakob Eckhard starb hier am 22. September 1846, 81 Jahre alt.

Franz Xaver Stuckle, geboren um 1769, war von Beruf Uhrmacher und in erster Ehe mit Maria Ursula Rhein, († 1805, 32 Jahre alt) in zweiter Ehe aber mit Barbara Maus aus Tengen verheiratet, die 1854 in Schaffhausen starb.
Aus der ersten Ehe gingen sechs und aus seiner zweiten Ehe zwölf Kinder hervor. Trotz dieser 18 Nachkommen ist das Geschlecht in Hüfingen ausgestorben. Schultheiß Stuckle starb hier am 19. August 1849.

Johann Gleichauf, Faßmaler (Vergolder) und Amtsdiener, geboren am 4. Februar 1764 verheiratete sich mit Anna Maria Schelble (1760-1800), aus deren Sippe später der berühmte Wiener Hofsänger und nachherige Direktor des Cäcilienvereins in Frankfurt am Main, Johann Nepomuk Schelble (1789-1837) hervorging.

Die Eheleute Gleichauf waren die Großeltern des Hüfinger Historien-und Trachtenmalers Rudolf Gleichauf (1826-1896).

Die Künstlerfamilien Schelble – Reich – Gleichauf und Heinemann waren allesamt miteinander verschwistert und verschwägert. In mehreren Veröffentlichungen, Kunstbesprechungen und Lebensbeschreibungen wurde und wird ihrer immer wieder rühmend und ehrend gedacht.

Möge ihr großes und so wertvolles Erbe, das Gedenken an diese „Hüfinger Künstlerkolonie”, vorab in ihrer von ihnen so geliebten Baarheimat, stets wachgehalten werden.

Gottfried Schafbuch im Jahr 1972

Herkunftsmythos des Hüfinger Herrgottstages

Fronleichnam oder der „Herrgottstag“ hat in Hüfingen eine kürzere Tradition, als man bei dem ganzen Rummel meinen möchte. 1842 und 1843 war Xaver Reich zur Studienreise in Italien und begeisterte sich dort neben der Kunst auch für die großen religiöse Prozessionen.

In Portici gibt es eine sehr große Prozession für den Stadtpatron San Ciro. Diese Prozession findet traditionell am ersten Sonntag im Mai statt. Dabei wird die Statue des Heiligen durch die Straßen getragen, begleitet von riesigen Menschenmengen. Bei der Prozession werden die Straßen mit „tappeti di fiori“ (Blumenteppiche) geschmückt: https://www.lidentitario.com/2024/05/05/portici-dal-culto-di-san-ciro-a-quello-degli-infioratori/

In Fucecchio bei Florenz existiert eine traditionelle „Infiorata del Corpus Domini“, also Blumenteppiche für die Fronleichnamsprozession. Dort werden Straßen mit Blumenbildern und Blütenteppichen ausgelegt, über die die Prozession zieht. So hat Xaver Reich nach seiner Italienreise in Hüfingen diese Traditionen vermischt und vor seinem Elternhaus den ersten Blumenteppich gelegt und somit den Grundstein in Hüfingen geschaffen.

Diese Tradition wurde in Hüfingen so erfolgreich, dass man dafür den Stadtheiligen und Kirchenpatron von Hüfingen aufgab: Den heilige Jakobus.

Was viele nicht mehr wissen: In Hüfingen ist seit dem Mittelalter ein Abzweig zum Jakobusweg. In früheren Zeiten gab es hier sehr viele Pilger und das sehr berühmte Jakobifest am 25. Juli. In den Wanderblühten beim Kapitel über den armen Konrad beschreibt Lucian Reich das Jakobifest und wie sich Hüfingen darauf vorbereitet hatte. Auch im nächten Kapitel der Wanderblühten – Kindheit in Hüfingen wird das Fest beschrieben. Sowie selbstverständlich im Hieronymus:  Kapitel 13 und  Kapitel 23.

Die etwa 300 Jahre alte Fahne der Jakobuspilgerbruderschaft erinnert noch heute daran. Die Jakobusfahne wird jetzt an Fronleichnam bei der Prozession mitgeführt und wurde vom FF Hofmaler Franz Joseph Weiß (*15.02.1735 Hüfingen – 14.06.1790 Donaueschingen) gefertigt. Ebenfalls erinnert der Jakobusbrunnen vor dem Hüfinger Stadtmuseum und der Jakobusaltar in der Hüfinger Stadtkirche St. Verena und Gallus an die Jakobusverehrung.

Jakobusfahne vom Hofmaler Weiß
Vielen Dank an Markus Leichenauer für das Foto!
linker Seitenaltar in Verena und Gallus vom Hofmaler Weiß
Jakobus mit Wanderstab in der Hand, dem Volke predigend aus 1774.

Die links unten auf der Tafel gemalte Männergestalt soll ein Selbstbildnis des Hofmalers Franz Josef Weiß sein.
Jakobusbrunnen im Jahr 1976
Jakobusstele von Bernhard Wintermantel.

Wenn ich mir Hüfingen heute so anschaue, dann wundert mich eigentlich warum die Jakobusfahne an Fronleichnam mit getragen wird. Vielleicht wäre ein Römerkopf passender, man könnte ihn ja San Ciro nennen, dies würde auch viel besser zum Slogan der Stadt passen, die meint sie „liebe Geschichten„.

Zumindest können keine Schlossrollen, Jakobsbollen, Bienensaug, Zahnbürstli, Trummelschlegel, Eschper, Bochele, Blaue Ästerli etc. mehr ausgerissen und niedergetrampelt werden, da vieles hier schon lange ausgerottete wurde. Mit Professor Dr. Günther Reichelt gespochen: „Und wo ist das schwefelgelbe Gewoge der Trollblumen, das tiefe Rot des Knabenkrauts, wo sind die goldenen Sterne des Spatel-Greiskrauts, die Silberflöckchen der Wollgräser, und wo … Ja, wo sind sie geblieben?

Film aus dem Jahr 1931 von Erst Kramer
Quelle: Historisches Filmmaterial aus dem Nachlass von Ernst Kramer. Die Veröffentlichung dient ausschließlich der Dokumentation der Hüfinger Ortsgeschichte. Sollten Rechteinhaber Einwände haben, bitten wir um eine kurze Mitteilung.

Um nicht nur zu schimpfen, wollte ich den Text von Max Rieple aus dem Jahr 1950 hierzu in Erinnerung bringen:

Der Blumenteppich zu Hüfingen

Lange bevor die Sonne über das weite Pfohrener Ried mit goldenen Fingern nach der alten Baarstadt Hüfingen greift, um die Kirche mit dem spitzen Turm und die behaglich hingelagerten Bürgerhäuser für den Fronleichnamstag festlich zu schmücken, hat schon ein emsiges Werken und Treiben auf der breiten Hauptstraße zwischen Schloß und Kirche eingesetzt.

Geheimnisvoll erscheint uns dieses Tun. Aus Pappe oder Holz geschnittene Schablonen werden vor den Häusern auf deas Straßenpflaster gelegt und die entstehenden Felder und Figuren mit bunten Blütenköpfen oder Blumenblättern ausgefüllt.

Der besonders Kunstfertige aber fügt gleich dem Maler aus freier Hand farblich sorsam ausgewählt Blüten zum Bild zusammen. Gild es doch heute, vor dem König der Könige wiederum einen Blumenteppich auszubreiten, wie dies hier seit dem Jahre 1842 der Brauch ist.

Einer der bedeutenden Söhne Hüfingens, der Bildhauer Franz Xaver Reich, der Bruder des berühmten Lucian, hatte in Italien diese Art Teppiche in Portici und Resina am Westabhang des Vesuv gesehen.

Der junge Künstler, der ein offenes Auge und ein noch offeneres Herz besaß, war von der Farbenpracht und den dargestellten Motiven so begeistert, daß er nach seiner Rückkehr aus dem Süden am Fronleichnamstag vor seinem Haus einen ebensolchen Blumenteppich schuf.

Und siehe da: die sonst so konservativen und allem Neuen nur schwer zugänglichen Baaremer fanden ebenfalls Gefallen an diesen buntleuchtenden Mosaiken. In den saftigen Wiesen gleich hinter der Stadtmauer gab ihnen ja der Schöpfer in unendlicher Fülle den Stoff, aus dem sie formen konnten, was ihm zur Ehre dient.

So wurde der Beschluß gefaßt, in gemeinsamer Arbeit am Fronleichnamstag durch die Hauptstraße einen Blumenteppich zu legen, wobei es jedem einzelnen Bürger überlassen bleib, aus den Blüten der Heinat zu bilden, was ihm sein Erfindergeist und seine Phantasie eingaben.

Wahre Wunderwerke, aus Skabiosen, Trollblumen, Salbei und Pfingstrosenblättern kunstvoll gewoben, entstanden.

Was damals geschaffen wurde, hat mehr als ein Jahrhundert überdauert. Immer erfindungsreicher wurden die Bürger in der Ausgestaltung religiöser Motive. Wie bei so vielem, was aus fernen Landen Eingang bei uns fand, wurde das Fremde assimiliert, weitergewandelt und, durchdrungen von deutscher Innigkeit, zu etwas Neuartigem und Einmaligem umgestaltet.

Unwillkürlich muß man da an Oberammergau denken, wo frommer Sinn der Bewohner in den Passionsspielen ein Werk schuf, das den Namen des Alpendorfes in aller Welt bekannt machte.

So locken auch die Blumenteppiche Hüfingens alljährlich eine Unzahl Besucher in die Stadtmauern. Und ein jeder, der hier Einkehr hält, ist begeistert von dem Bild, das ich ihm bietet.

Grüne Maien umkränzen die Straße, durch die sich das Silberband des Stadtbaches schlingt. Die alten Brunnen, die in der letzten Zeit einen neuen, schönen, figürlichen Schuck erhielten, rauchen froher auf, wenn die Kirchenglocken ihren Jubel in den hohen, festlich strahlenden Baarhimmel hinaufsingen.

Und ist es nicht, als sei ein Stück dieses Himmels auf die Straße herniedergefallen, wenn es zwischen gelben und roten Blüten blau aufleuchtet?

Überall sind aus den goldenen Schüsselchen der Trollblumen, den blassen Blüten der Taubnessel oder der sanftblauen Iris in den saftig grünen Rahmen von Farnen Ornamente und Bilder zusammengefügt. Hier brennt das Herz Jesu in leuchtendem Rot, dort erstrahlt ein Kelch mit der Hostie, der Name Jesu erglüht zwischen mildem Blau, ein großes Kreuz, aus den weißen Sternen der Margueriten und aus spitzen, zarten Schachtelhalmen gebildet, liegt vor den Stufen eines Altars.

Sterne aus Kleeblumen, Anker aus der rosa Erparsette, geometrische Zeichnungen, geformt aus schwarzbraunen Wiesenknopfköpfchen, Bänder und Ranken reihen sich endlos aneinander, wenn wir den Blumenteppich entlang schreiten, der als doppeltes Band links und rechts vom Stadtbach sich vom alten Fürstenberischen Schloß, dem heutigen Landespital, bis hinunter zu Kirche hinzieht.

An den Altären wird das Bild besonders farbenfroh. Über diese Millionen von Blüten darf nur der Priester schreiten, der, von Glockenklang und Weihrauchwölkchen umweht, im goldenen Ornat das Allerheiligste trägt, während die Prozession rechts und links von den zwei Meter breiten Blumenteppichen hinschreitet.

So bleiben dies kunstvollen Gebilde bis in den späten Mittag hinein wie Kleinodien behütet und erfreuen die Unzähligen, die jedes Jahr kommen, um dieses Blumenwunder zu erleben.

Von Max Rieple etwa 1950


Das gesprochene Wort
ist ein davonfliegender Vogel
das geschriebene –
eingemeißelt in Stein

Max Rieple

Lyriker und Schrifsteller
(13. Februar 1902 – 16. Januar 1981)

Foto vom Max Rieple Haus in Donaueschingen

De Hintsch

De Hintsch gelesen am 2. Februar 2024 von von Hubert Mauz

E Rinderkranket usem Kuriositätekabinett vum Roßdokter

Schwarzwaldhof im Schnee

Am Herdeplatz am Weagroa im Spotherbscht anne 1938 hät de Fischer Lambert, de Förschter vu Wolterdinge, sin aalte Fahrradgeppel uffbockt und flickt sin Plattfuess won er uf dem stoenige Weag vum Kohlwald unne uffi sech gard iigfahre hät. Er fluecht und sakramanetiert: „ Gottverdammi, scho wieder en Platte, erscht geschtert hani bim Blenkle- Schmied z` Briilinge neii Fahrradflick und Kleaber gholet. Die Gummischliech und die Vulkan- Kleaber sind halt au nimme des wa sie mol waret. Sit de Adolf ame Krieg ummizindlet bruucht er allen Gummi, de guet Kautschuk ver die Laschtwäge, Kübelwäge und Nazi- Motorräder. Mir, die Kleine, grieget nu no de Schiissdreck und de Uusschuss. Der Schluuch hät fanget meh Flick wie des Rad Spoache hät. Me sieht fascht konn Gummi meh. Sakrament, Schiessdreck aber au, so en Soach.

„Jo wa kunnt denn do vu Buebach unneuffi ?“ . „ En Guete“ sait des Biebli mit dem Kiehli, ganz matt und daigig, meh ghuuchet wie g muht: „Muuhhh“„ . „Au en Guete, Biebli. Kunscht aber scho frie vu Buebach unneuffi. Wit zum Hagge gi Huvershofe ? Moneter, dass es mit dem Kleppergschtell no ebbis giit. Dät sage do nitz nit emol de bescht Briilinger Hagge no ebbis“ . „ He Naai, ich muen s Kiehli gi Bittelbrunn fiehre“ . „ Jo waa, so wiit no, monsch der Serbling kunnt dert no aa ? , wem kehrsch Biebli und wie hoasch ?“ . „ Ich biin de Rohrer Rheinhold vuns Rohrers, wissener, d` Alma het de Hintsch griegt“ . „ Oh Jesses Maraie, diesell Kranket wo`s nu im Buebach giht und in de Obere Schoole, do sinner aber schwer blooget. Hai, hilf mer no den Geppel wieder zämet z Schruube, So, also guet.“ . „ Wo wenn ihr im Buebach no naa ?“ . „Waisch, Reinholdle, bi iis am Halleberg isch en gruusige Storiax dorchgfahre und hät vill Bämm umbänglet und umgworfe. Ich han en Sau- Verhau und bruuch no meh guete Holzmacher zum Uffrumme vorem Winter. Und dinni Buebacher Manne sind schaffigi, fliessige und pfiffige Holzhauer und Schlaifer, grad bi so Stormverhau. Do bruuch i paar devu, do will i im Bierhiesli am Friehschoppe die beschte aabohre und aawerbe.“ „He jo, ich han grad e paar gsehne ins Bierhuus wackle, de Babbe isch au debie. Bin dem Sauwetter schaffets hit idde „ . „Also no ischs jo guet, no find i jo e Paar vu dene bommstarke Kerli. Adee, und bring des serblig Kiehli guet gi Bittelbrunn, guck dass es nit vorher scho zenmetkhait, de Rohrer- Albert dät gherig mit der gosche. Und gucket, dass die Kur im Kuhe- Kurhuus Bittelbrunn dusse guet aaschleht. Adje, Reinholdle „ und gottbefohle ver din wiite Weag“ . „En Gute , Förschter Lambert, und mick jo guet des Sauloch do rab, sunsch kehnts eich schwer uf d` Schnurre schlaan wie scho villi wo dert nab graitet sind. Un im Bierhuus briicht mer de Hepf zum s` Loch im Kopf uusspiele und nit ver d` Goorgle„ .“Des isch baigott en gattige kleine Hoseforzer, der häts Muul und s` Hirni am reachte Fleck“, denkt de Lambert bim Abfahre gi Buebach.

Bim Iitrette is Bierhiesli:
„Dees war beigott wieder e Graiterei do nab. D` Micki het scho aagfange zum gliehe und de vorder Bremsklotz hät scho gstunke, breeselet und qualmet wie e Köhler- Fier. Soo, do wäremer“ .
„ Gute Morge, Griess Gott, zum Wohl. So kamers uushalte bi dem Saichwetter am warme Kachelofe ufem Ofebank vum Bierhuus.“
Alli brummlet verdruckt zruck: „Au en Guedde, Lambert“ . „ Kresenz, en Hepf und en Halbe vum Friedewielemer Klosterbier“. E paar Minute isches still, alle beschweiget sich aaregend gegesiitig bis de Lambert de aahaltend Kuuscht- Friede bricht: „ Bi iis dusse hät de letscht Herbschtstoriax gherig in Halleberg inniglanget. A dere Haalde homm mir en mords Verhau. Des sot i no vorem Winter uffrumme“ „Soso“ . „Soso“ „He nai, so ebbis“ „ Do henner aber kaini gute Waldheilige aabetet“ . „ So ebbis koscht Geld“ . „So ebbis giht meh Brennholz wie Bretter“ . „ So , so“ . „ Ha so ebbis“ . „He nai, wa du idde saisch“. Brummlets. Allmählich plazt im Lambert de Kragge woner merkt dass en die giffizige Buebacher Schaalme abschwarte wend.
„Ihr honds scho gmerkt, ich sot gute Holzhauer und uusgfuxti Schlaipfer mit gute Rooß han, wer macht mit ?“ „ Jetz hemer gmaint du kunsch zum Schnäpsle ins Bierhuus, do gohts jo um Arbet. Was zahlsch im Taglohn?“. „ So, so, seld isch aber weenig. Fier die saughä knochebrecher- Halde wemmer 20 Pfennig meh fer de Maa und ver d` Roß ai Mark meh und de guet gschrotet Haber vum Gehringer Miller ummesunscht“ . „ Also guet, wa bliebt mer anders ibbrig, abgmacht, s`gilt.“
Alle bekräftiget`s mit eme Handschlag und schächet giffizig und gnitz iber de Tisch. „ Also, kann i ufschriebe: Wunderle……, Schöpperle……….., Schwörer………. mit de Roß, Meder……….., Rohrer………mit zwei Ochse., Kleiser……….mit de Roß, Junkel………., Schwarz …………… saget mol, gihts nu die Näme im Buebach ? ; do words aber Ziit für frisch Bluet, soll ich eich mol Beerliwieber vu Wolterdinge, Hufertshofe und Zindelstai an Glattacker un ins Moos schicke?“ . „Seld kaansch ruhig mol mache, no weremer scho sehne…….“.
„Du, Rohrer Albert, din Bue, sell pfiffig Reinholdle, han i hit Morge am Herdeplatz troffe. Er isch miteme daigige Kieheli gi Bittelbrunn unterwäegs. Honn er wider de Hintsch?“ . „ He joo, s` het iis wiedermool verdwidscht. Sidder drei Johr waremer verschoont, do hends andri khaan. Waisch, mir hen Verwandschaft z` Bittelbrunn duuse. Wemers dert 3-4 Woche in ere Art Kur unterstelle kinne, no kumets ellemol wieder ganz guet aa. Defier bringt de Bue Morge ains vu de Bittelbrunner Kälbli zruck in Buebach wa deno bin iis gfueteret wird. Iiser Fuetter duet denne ihre War ellemol au ganz guet. So goht ains mit em andre. Beid hend ebbis devoo“ . „Aber jetzt saget mol, wa isch denn des ver e kaibe schreegi Kranket wo d` Rindli so serblet und daigig weret do hinne bei eich?“ . „ He waaisch, de Hintsch, so saage mir, manchi sage au de Semper oder d` Darri, den giihts nu im Buebacher Tal, in de Obere Schoole und selte im Hammer. In de Untere Schoole isch er idde. Drum dient die Buure us de Obere Schoole ihre Rindli, wenns wiedermol de Hintsch hend, rab in die Unter Schoole. Dert kummet sie denno ellemol wieder noch paar Wuche ganz guet aa“. „ Jo sag nuu, aber saget mol, waa isch des ver e Siichi ?“ „ He waisch, die Kiehli und Rindli stehn uf aimol ganz daig und gstärrig naa, fresse nint meh, knagget nu no a Holz und gstärrige Riisäscht ummenand und fange a z`verkheie. Well sie so abmager maint mer d`Kepf were greeser. Selleweg sait mer au „Die Grosskopfete“ , dieselle hend ellemol au de Hintsch. S ́ muen e Mangelkranket siin, wo vum Wasser und vum Boode kunnt. Z` viel Kreizblietler uf de Matte kinntet au en Aalass ver die Kummedi siin. Genau waiss mers halt all no idde. De Roßdoktor us de Neistadt kaan Spritze gai, soviel waiss mer, aber desell und die Briehje wo der denno all paar Dag dene Viecher ins Fiddle jagt, des koscht halt au ganz schee Geld. Do isch des Verstelle vun de War ginschtiger. Wenn natierli Verwandschaft im Schwobbe hesch, wie die Rohrer in Bittelbrunn, no bisch no guet draa“. „ Waisch, dert dusse im Kalch und Lettebodde gihts kain Hintsch und de Kalch isch ver die Hintsch- Kiehli wie e Kur. Grad so wie fier die schwindsichtige Engländer- Gaisse wenns im „Schnecke“, im Schoolemer Kurhuus Luft, Wasser, Hei und Mischtlache- Guu schnappe. Die hend halt au de Hintsch, stehn au bockstärrig naa, gucket die mit Glupschauge aa und muhet giegsig: „ Haaiy, wellkom, häf e naiss daiy“ und verschwinde wieder unterm Parablüe, daß se joh kai Sunne abkriege. „Wa machet no d` Hammricher mit ihrne Viecher wenns de Hintsch hen?“ . „Dieselle Halbtiroler Bergmannejockel wered vielleicht en Mirabelle- oder en Tombinambur oder e Bier verabriiche, …… nai ehnder idde, den suufe se lieber selber. Nai, nai, die diens au ins Brigital, an Spittelhof oder ins unter Bregtal verstelle; so ab Brugge, Brielinge. Dert hets wieder Kalchbodde wo sie wieder aakumme“ „ De Roßdokter het neilich gsait dass es den kaibe Saich baigott au in de sandige Lüneborger Heide gäb. Iberhaupt sei uffallend daß es immer in sandige Böde, so wie im Granit- und Gneissand wie z` Buebach und de Obere Schoole und in de kiesige Hammer- Au, der muens jo wisse“.

Brielinge


„Anne 1840 het s Buebacher Stabhalteramt en Rodel uff Brielinge iigei, dass uns erlaubt sei, wieterscht Waldweide z betriebe. Dämols hät de Grossherzog verbote, in Wald z fahre zum Waide. D Buebacher hend gschriebe: „Die Zeit des Austriebs unseres Viehs ist herangenaht und es lässt der Austrieb wegen der sogenannten Hindsch, die allendhalben auszubrechen droht, unmöglich länger hinauszuschieben“. „Do draan kaan mer sehne, dass iiseri Väter scho gwisst hend , dass im Wald durch die Hürscht und Grüetli d Wiederkäuer nit hindschig wore sind. Wo s Waldfahre endgültig verbotte war, isch die Hindsch- Kummedi no erscht recht wieder ghörig losgange“.

„So, So, jetzt hanni wieder ebbis glehrt und: , Rohrer- ………, ich winsch der und hoff ver dich dass die Reinholdle baald wieder e gsund und starchs Rindli vun de Kur im Bittelbrunn heimbringt und kein so kripplige Serbling.
Vergelts eich Gott ihr Buebacher und am näschte Mändig um Siebni treffe mer iis am Zindelstainer Hauptbahhof zum d` Arbet iidaile, d` Schleipfroß zueteile und de Haber ver d`Roß portioniere. Sellen lan i mit em Bregtäler am Rampe vum Bahhefli abstelle. Un bevor mer Aafange gommer a s`Kriezwehbildsteckli am „Schwarze Bue „ und bete e Gsetzli Rosekranz ver e guti Verrichtung und dass nint passiert. Und wenn ainer vu eich s`Buckelweh hät, des wered die meeschte sii, denno kanner grad no ver den Breschte au no bete, dass ers wieder eweg bringt. Sell Wallfahrtskrietz hät scho villne mit Kriezweh gholfe.“

„ Adieu, Nint ver uguet und en gsegnete Tag !“
„Au, fascht het is vergesse: A die Beerliwieber denk ech mol un schick sie im näschte Spootsummer ins Falzmoos und an Glattacker. Adie und : E Gueti Ziit“.

Ja so wars, im einsame, seeleruhige und wundersame Buebach mit dem Hintsch.

Ursach, Wirkung und Behandlung vu de Hintsch- Rinderkranket

De Forbelepold mit Bart überm Hals. Worum wohl, muen er ebbis verstecke?

De Hintsch oder au de Semper oder d` Darri isch e Mangelkranket vu wiederkäuende Rinder, aber au Schoof, die meschtens uf sandige Böde vorkunnt. Bsunders im verwitterte Granit und Gneis, im Urgestei. Im Schwarzwald fascht nu i dene Täler Buebach, Obere Schoole und im Hammer. Im Lettige und kalkhaltige Bode uf de Boor, im Schwobe und au im Unterland kennt mern gar nit. Im Erzgebirge und i de Lüneborger Heide kunnt er au no vor. Grund isch en Kobaldmangel, de Mangel also vu dem Muckeseckeli vume Spureelement. I dene sandige Böde, au wenns im verwitterete Felsbereich vum Urgestein isch, word des Spurelement scho sit Johrmillione sterker, tiefer und schneller uusgwäscht und verschwindet ver immer im tiefe Bodde, ebe meh wie i de dichtere Böde. Jedes Lebewese, aber hauptsächlich d Wiederkäuer, bruchet den Kobald, des Spurelement. Me kann en aber au us andere Gegende, mit anderem Futter oder Esse kriege, hole. Des kaa aber e Rindli us Buebach nit wa all nu Gras vu de oegene Buebacher Matte kriegt. Z` Norwege im sandige Urgestein und au z`Australie, i dene sandige Gegende , ischer au verbreitet und e Ploog. I Küschteregione wo` s vielmol au nu Sand hät, kaas e klei weng dorch s` jodhaltig Klima vum Meersalz uusgliche were. Wenns also i dene heimische Täler au meh Jod gäb, wärs nit ganz so werksam und schlimm. Daß es aber au grad a Jod manglet, selewäeg hät mer friehner vor de Schuel- Jodtablette Abgabe iberkumme und häts sie vor em Schuelmoaschter rabworge messe. Im jodarme Waald dä hinne häts gern Krepf gähe. Wenn d` Wälderkind oemol im Johr amend i d Boor oder an Schätzeli- Märt kumme sind, hond sie d` Motter villmol verwunderet gfroget: „Muedder, wieso sehnet die Liit do vorne im Schwobbe so komisch uus? die hend jo gar kaini Kröpf?“ . „He waisch Thebusle, me muen froh sin, wenn aim nint fehlt, so wie dene arme Schwobbe“.

S` Lineli und s` Mineli traget e Moritat ibber die Tal- Bloog, de Hintsch vor:

Zindelstai im Hieronymus

De Hintsch

Im Felsetal, im Buebach, au in de Schoole
Des muesch beigott dir so uusmoole
Dert gihts en Mangel, me kaahns kuum glaube

Do gihts kai „ Muuhhh „… nu no e Schnaube

Wenns Kiehli dostoht, gstärrig , daig
No isch des Lebe am Verzwaig
Des Bierli usem Buebebach
Des wort denno ganz schnell hellwach

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Der waiss jetzt glii vu de Vorfahre
Des Kälbli muensch jetzt schnell verfahre
Am Beschte glii ins Schwobbe nuss
So giehts am Wenigschte en mords Verdruss

Hai, Biebli, bring die Alma furt
Gii Bittelbrunn zum Vetter Kurt
Und bring e andri grad mit haim
So gohts halt gattig, grad in aim

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

De Vetter bringt sie schnell uf d` Bai
De Bodde, s` Wasser in dem Gai
Hät villmool gholfe bei so Krippl
So bruucht de Mexer halt kain Knippl

Drei Woche bruuchts, s` isch nimmi krumm
Des Kiehli hät jetzt wieder Mumm
Hai, Biebli, fier d` Alma an de Naase
Brings haim uf Buebach, zum gmietli Graase

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en

Saich Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Ortserklärunge:

Herdeplatz: Kreuzung am Höchschte Punk/ Passhöhe zwische Mischtelbrunn/ Kohlwaldhieser u. Buebach wo s` steil gi Buebach is Falzmoos abi goht.

Halleberg: Südl. Hangwald zwische Zindelstai u. Wulterdinge wo s`steil vu 670 m bis gege 920 m uffi goht is Oberholz. Dä waret wichtigi Schliefstai Stoabrich wo en gute, feinkörnige Sandstai gwunne wore isch. De ganz Hang isch dorchwühlt fu Brüch, Löcher und Hangschutt. Dä hond Stoahauert bis so 1910 ? gwirkt.

Bittelbrunn: Kleine Weiler südl. vu Waldhuuse mit 2-3 Hieser / Höf gege de Tabor / Diddishuuse.

Bierhuus: S`Wirtshuus vu Buebach wa zerscht e Glashitte- Aasiedlung war, denno e Schitzerdorf war wo hauptsächlich Prothese us Holz u. Scharnier herstellt wore sind. Drum hät sich d`Feinmechanik entwicklet. De Dr. Sauerbruch vu de Charite`soll de Bescht Abnehmer gsi sie?

Kriezwehkreuz

Kriezwehkreuz: Kreuz und Sandsteinbildstöckle westl. vom „Schwarzen Buben“ im Zindelstai. Bis i d 1950-er Johr e kleis Walffahrts- Gedenkort für Liit mit Ruckeweh und Kriezbeschwerde. Wahrscheinlich entstande zu ebe de Schliefstei- Stoabruchziit. Die Manne die die sauschwer Schinderei uf sich gnomme hond, die hond sich natierli krumm und bucklig gschafft bi Wind und Wetter, Rege, Froscht und Schnee und hond so en Gnadeort i de nächschte Nähi bruucht ver ihre Breschte.

D` Schoole: Gemeinde Schollach im gliichnamige , wunderscheene, molerische Schollachtal zwische de Blessingsägi und de Magrutt uf de Passhöhe gege Schwärzebach. Historisches Kurhaus „Schneckehof“ wo de Skilift vum Robert Winterhalter erfunde wore isch und wa zu de drei gröschte und bedietenschte Hotel im Schwarzwald gherz hät nebem Feldbergerhof und em Kurhaus Wehrle in Triberg. Gäscht waret hausptsächlich sau riichi Engländer. Heut immer no e Kultwirtschaft mit dem knorrige, schreege Schnecke Klaus und sinere liebe Schwester als reserviert, aufmerksame und kultivierte Bedienung mit ebefalls Kultstatus Sehenswert !

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