E erfolgriiche Kulturgschicht bestoht sit Zeh Johr
Vor Zeh Johr, anne 2014, hät d`Bürgerstiftung Eschingen noch em aalte Bruuch vum „Z`Liicht gau“ en Runde Tisch is Lebe gruefe, a dem mer D`Mundart schwätze, pflege und am am Lebe bhalte will. De Teschtes war de unermüdlich, hoemetverliebt Pfohremer Ernst Zimmermaa. Dass es mit de Mundart nit am Beschte bschtellt isch, des hät ein Auschtralier, de Karl Bodnaruk vu down under, vu Sidney, in ere Studie scho uussigfunde. Er sait mir Baaremer Mundartler mond jetzt selli tapfer sii, es dät s Loch ab gau.
E ganz klei weng wemers aber verhebbe mit dere Mundartrundi. Die trifft sich jede Monet am Dunschtig Obet um 19:30 im Mehrgenerationehuus i de Schuelstrooss. A dene Obet schwätzet mer über Stadtgschichte, über Oegeheite vu de Boor und mir leset iis gegesiitig ebe i Mundart selber erlebte, erfundene, erlebte Erinnerunge und Erlebnis vor. Mir hond iis vorgnomme des au manchmol doppelsproochig uff z`schriebe und vorz`läse. Scho anne 2016 hät mer e Buech selli erfolgriich uussibroch mit dem Titel: „Eschinger Gschichte“ wa in grosse Ufflag schnell vergriffe war. Au des isch zweisprochig i Buechsproch und i Baaremer Mundart. Und es liit e CD debei wo mer sich während em Lese die Gschichte aalose khaa.
E ganz grossi Kummedi isch nämli, dass im Gegsatzt z.B. vu de Schwiitzer , kaum no ebber Mundart lese kha, mit höre gohts ebbe besser. So sind über 200 Mundartgschichte entstande. Au e doppelsproochig Büechle über d Eschinger Bürschtekultur und e Bilderbüechle für Jung und Alt über d Kirnberger Wasserkraft. Oe Gschicht hät sogar en Literaturpreis vum Landkreis griegt. Sit e paar Johr wered vill Gschichte au im Hieronymus, em Hifinger Internetufftrit über Politik, Kultur, Molerei, Gschicht und ebe Kurzgschichte aabote. Die meischte wered au vu de guete Mundartvorleseri, de Maria Simon us Aamedshofe, lebendig vortrait. Z`Liicht findet also zwischeziitlich au im Netzt statt. Mit eme kleine Feschtle am Dunnschtig Obet, 12.12.2024 , um 19:00 , i de Schuelstrooss word über die Erfolgsgschicht vu de Bürgerstiftung bestimmt wieder lebhaft zogatet.
Unser herzliches Beileid an seine Witwe und allen Angehörigen.
Hier stellte Hermann Sumser im April 2021 das Brigobannis-Projekt im Hieronymus vor:
Brigobannis auf kulturellen Abwegen
06.04.2021 von Hermann Sumser
Statt nach der Realisierung der Fußgängerbrücke über die Breg ein nächstes Element im Rahmen des „Brigobannis-Projektes“ anzugehen, riskiert man auf Anraten der CDU-Fraktion wie ich annehme lieber den Untergang dieses Projektes und der angesagten 50%-Zuschüsse des Landes, um das verfügbare Kapital für das nächste Großprojekt der Stadt anzusparen: z.B. die Umwandlung von Grünlandschaft in kommunales Bauland in der Kernstadt und in den Ortsteilen entgegen der Umweltpolitik des Landes und riskiert damit auch noch den Verlust der verfügbaren Finanzen durch riskante Geldanlagen, die keinesfalls dem Fachbeamten allein anzulasten sind, sondern der politischen Vorgabe durch den Bürgermeister und die CDU-Fraktion, wie ich annehme.
Nun nach dem möglichen Verlust von 3 Millionen und dem großzügigen Verlust von Zuschüssen zum von Anfang an verunglimpften Projekt des „Römerparks“ kann man sich wohl die Wunschvorstellungen der Rekonstruktion von Serpentinenpfaden zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ und hoch vom Römerbad zum Galgenberg und die Landschaftsgestaltung zur optischen Wiedergabe des Kastells auf dem Galgenberg bis zum Beispiel die Umwandlung der leer stehenden Wasserreservoire in Schauräume zur Ausstellung von wichtigen Repliken des „Hüfinger Reiters und anderer spektakulären archäologischen Fundobjekten an den Hut schreiben; wahrscheinlich auch das Vorhaben der Darstellung des „Unteren Tores“ im Städtle als wichtigen Abschluss der Straßengestaltung in den letzten 10 Jahren, die das Städtle attraktiver gestalten und das Geschichtsbewusstsein der Einwohner stärken soll.
Vermutlich können sich die Hüfinger Bürger auch das begehbare Archiv im Erdgeschoss des Hüfinger Rathauses und die Ausstellung der Hüfinger Geschichte dort vergessen, weil kein Geld für sowas „Überflüssiges“ nach einem solchen Verlust mehr da ist, zumal auch noch die Großinvestition der Erneuerung des Schwimmbades ansteht. Wie schön, dass man immer die verzichtbaren Kultur-Investitionen im Auge hat. Schon einmal wie vor 200 Jahren, als einige engagierte Personen, wie z.B. Luzian Reich der Ältere die Hüfinger „Anlagen“ und jene noch heute wunderbare Fußgänger-Baumallee als Zugang, zum Teil sogar auf eigene Kosten, realisiert haben und dafür von den Hüfinger Normalbürgern belächelt wurden.
Liebe Hüfingerinnen, liebe Hüfinger,
was macht Hüfingen im Vergleich zu den umliegenden Städten zu etwas Besonderem, das es immer wieder zu stärken gilt? Es sind die Zeugnisse aus der Frühgeschichte und das Stadtbild aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt.
Vor mittlerweile 60 Jahren hatte mich eines Tages Altbürgermeister Max Gilly zu meiner Überraschung nach bestandenem Abitur ins Rathaus rufen lassen, um mit mir über die Zukunft von Hüfingen zu sprechen. Auf seine Fragestellung habe ich ihm damals geantwortet, dass das größte Kapital von Hüfingen seine mittelalterliche Altstadt ist. Wenige Jahre später gehörte Hüfingen zu den ersten Antragstellern an die zuständige Behörde der Landesregierung nach Aufnahme in das neue Städtebauförderungsprogramm. Die folgenden Jahre waren in Hüfingen geprägt von den Sanierungsmaßnahmen in der „Hinterstadt“, später in der „Vorderstadt“, schließlich in der Unterstadt, in der Folge auch von den Auseinandersetzungen um den Erhalt von historischen Häusern in der „Hinterstadt“, dem Sanierungsgebiet Nr. 1. Als ein von Bürgermeister Gilly an mich beauftragtes Gutachten im Ergebnis das Zerschneiden des besonderen Baudenkmals in der Hinterstadt Nr. 7-9 in Frage stellte, dessen Abbruch schon vorgesehen war, scheiterte bei unserem Antrag zur Bewahrung dieses nach Aussage des zuständigen Denkmalschützers, der sich voll hinter mein Gutachten zur Bewahrung diese bedeutenden Baudenkmals stellte, unser Antrag zum Erhalt in der anschließenden Gemeinderatssitzung an der CDU-Mehrheitsfraktion. Der Abbruch wurde nach Beschluss im Gemeinderat vollzogen.
Vor nunmehr mehr als 30 Jahren hat das Land Baden-Würrtemberg auf einen Hinweis des inzwischen als Nachfolger gewählten Bürgermeisters Anton Knapp auf die heruntergekommene Ruine des „Römerbades“ auf eigene Rechnung des Landes das Ruinenfeld wieder rekonstruiert und in aufwändiger Form eine Besichtigungsbühne auf halber Höhe über den Ruinen mittels einer Stahlkonstruktion einbringen lassen und damit dem bedeutenden Baudenkmal wieder zu neuem Glanz verholfen. Wenige Jahre später habe ich das Projekt „Brigobannis“ mit mehr als 20 Einzelelementen konzipiert vom „Pavillon“ über die Tribünen an der Römerwiese, über eine Brücke über die Breg in Fortsetzung der früheren Römerstraße, über die Reaktivierung von historischen Pfaden im Umfeld des Römerbades bis hin zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ mit Aussicht auf die Altstadt, über die Darstellung des ehemaligen Kastells auf dem Galgenberg mit landschaftlich gestalteten Außenanlagen bis hin zum Ausbau von zwei vorhandenen unterirdischen Wasserreservoiren, die aufgegeben wurden, weil sie technisch überholt waren zu unterirdischen Schauräumen, in denen die bedeutenden Funde der Hüfinger Geschichte aus den verschiedenen archäologischen Grabungsfeldern, die in den Archiven des Landes ruhen, in Hüfingen präsentiert werden sollten über den Einbau eines unterirdischen Verbindungsbauwerks zwischen den unterirdischen Schauräumen und die Herstellung von Repliken dieser Fundgegenstände. Das Projekt wurde von Bürgermeisetr Knapp aufgenommen und mit der Zentrale des Denkmalschutzes in Esslingen kommuniziert. Der damalige Präsident des Landesdenkmalschutzes Professor Dr. Bader erschien persönlich zu einer Besprechung in Hüfingen und hat seine Zustimmung signalisiert. Das Regierungspräsidium in Freiburg hat das Projekt begrüßt und die Bezuschussung in Höhe von 50% der jeweiligen Baukosten in Aussicht gestellt. Im Gemeinderat in Hüfingen habe ich das Projekt vorgestellt. Einige Elemente wurden realisiert und zu 50% bezuschusst, andere scheiterten bislang am Einspruch der CDU-Fraktion und wurden vorerst zurückgestellt.
Ein anderer Projektvorschlag: das „Untere Tor“, das ich planerisch und im Detail ausgearbeitet hatte, hat Bürgermeister Knapp ebenfalls im Gemeinderat eingebracht. Es ging dabei um die Darstellung dieses ehemaligen wichtigen Gebäudes der Vorderstadt, das ca. 1840 durch Antrag der Fuhrunternehmer abgebrochen wurde. Die Darstellung in Konturen, die durch eine Stahlkonstruktion erfolgen soll, um wieder die ehemalige räumliche Wirkung in moderner Form zu vermitteln, ist sie eine wichtige städtebauliche Maßnahme, die das „Städtle“ als Veranstaltungsraum stärken soll. Die Realisierung scheiterte vor 20 Jahren wieder einmal am dem Widerspruch der CDU-Fraktion in der betreffenden Gemeinderatssitzung. Es wäre gleichzeitig eine bewusste Schickane, um den immer noch heftigen Durchfahrtsverkehr etwas zu reduzieren, die Attraktivität im und vor dem „Städtle“ zu steigern und das Brauchtum zu stärken durch die Figuren-Installationen an dieser Stahlkonstruktion und die Einbeziehung in die Hüfinger Fasnacht.
Sie sehen, dass in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ansätze zur Bewahrung und zur Belebung des Hüfinger Stadtbildes und zur Veranschaulichung der bedeutenden Hüfinger Geschichte durch mich und durch die Unterstützung durch den Bügermeister erfolgt sind. Vor nunmehr 2 Jahren habe ich dem jetzigen Bürgermeister in einem Gespräch im Rathaus diese Projekte vorgestellt, die er als ehemals auswärtiger Bewerber um das Bürgermeisteramt natürlich noch nicht kennen konnten. Sie sehen, dass immer wieder auch wichtige Vorschläge von Außen an den Bürgermeister herangetragen wurden, die immer wieder von den aufeinander folgenden Bürgermeistern aufgenommen wurden und zur Profilierung der Stadt und auch ihres Bürgermeisters beigetragen haben.
Obgleich der Bürgermeister bei dem Gespräch einen wirklich interessierten Eindruck auf mich gemacht hat, ist bis heute keinerlei Berücksichtigung erkennbar. Statt dessen ist die Stadtverwaltung bestrebt in der Kernstadt und in allen Ortsteilen die landschaftliche Umgebung zu Bauland umzuwidmen entgegen der allgemeinen politischen Absicht im Land. Statt dessen schockt uns vor wenigen Tagen die jüngste Nachricht von einem Verlust von 3 Millionen im Stadtsäckel durch eine verloren gegangene Einlage der Stadtverwaltung in einer privaten Bank. Für diesen Betrag hätten problemlos manche dieser vorgeschlagenen Elemente des Projektes realisiert werden können. Ohne jegliche Schuldzuweisung auszusprechen, schmerzt mich natürlich dieser finanzielle Verlust. Vielleicht wäre eine gewisse Offenheit gegenüber meinen Vorschlägen als gebürtiger und geschichtsbewussten Hüfinger Bürger hilfreich. Statt dessen erklärte der Bürgermeister damals: das Projekt „Brigobannis“ werde nicht weiter verfolgt, auf Anraten wieder mal der CDU-Fraktion, wie ich annehme, obgleich auch die Realisierung der Wege und Pfade, die Rekonstruktion des Waldhauses, die gärtnerische Gestaltung des Kastells auf dem Galgenberg einmal abgesehen von den unterirdischen Schauräumen genügend Ansätze bieten, auch überschaubare Elemente des Projektes zu realisieren. Also verzichtet man auch großzügig auf die angesagten Zuschüsse des Regierungspräsidiums.
Noch nie hat auf meinem Nachttisch ein ähnlich gewichtiger Wälzer gelegen, und noch selten hat mir ein Buch mit seiner verblüffenden Aktualität so das Einschlafen verschleppt wie Putins Netz1, verfasst von der Londoner Journalistin Catherine Belton, die von 2007 bis 2012 für die Financial Times aus Moskau berichtet hatte, und heute für die Nachrichtenagentur Reuters arbeitet. Ihre über 600 Seiten starke Recherche, versehen mit einer überwältigenden Fülle von Anmerkungen und Quellen, ist von britischen Zeitungen zum Buch des Jahres gekürt worden. „Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste“, lautet der Untertitel, und nachgezeichnet werden die Karriere und das politische Umfeld Wladimir Putins, vom Dresdener Offizier des Auslandgeheimdienstes, der in den Tagen der Wende mit gezückter Pistole die Herausgabe der Akten verhindert hatte, über seinen politischen Start als stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg bis hin zum korrupten, Kriege entfesselnden und Gegner kaltblütig umbringenden Autokraten mit Oligarchenvilla am Schwarzen Meer. Wie hatte man ihn jemals unterschätzen können mit seiner KGB-Vergangenheit und seinen frühen Verbindungen zur russischen Mafia? Wie konnte es 2003 nach seiner Rede im Berliner Reichstagsgebäude noch Standing Ovations der Abgeordneten geben, obwohl er doch damals bereits Blut an den Händen hatte, spätestens seit den Tschetschenien-Kriegen? Und wie konnte man den Aufmarsch russischer Truppen an der ukrainischen Grenze noch bis zum Abend des 23. Februar 2022 als bloßes Manöver einschätzen?
St. Petersburger Machtdemonstration: das neue Gazprom-Zentrum
Frieden schaffen ohne Waffen, Schwerter zu Pflugscharen, Wandel durch Handel: Wie sehr hatte man doch auch selbst seit dem Kniefall Willy Brandts mit der Entspannungspolitik sympathisiert! Aufgewühlt von der nächtlichen Lektüre, tauchen mit einem Mal auch die vergleichsweise spärlichen eigenen Erlebnisse und Verbindungen mit Russland aus dem Nebel des Langzeitgedächtnisses hervor, beginnend in den frühen Nachkriegsjahren beim oft fassungslosen Lauschen, wenn die Kriegsheimkehrer oder Vertriebenen ihre Fluchtgeschichten vor der Roten Armee auspackten. Oder bei den eher spärlichen Erzählungen des Vaters über den barbarischen russischen Winter, über Vormarsch und Rückzug, wie ich sie später auch in seinem Kriegstagebuch nachlesen konnte. Über seinem Schreibtisch hatte noch lange das von einem russischen Granatsplitter zerfetzte lederne Futteral seiner Leica gehangen, mit deren Fotos er seine Eintragungen illustriert hatte.
Noch unter Verteidigungsminister Franz Joseph Strauß leistete ich – bei aller mir selbst attestierten Friedfertigkeit – brav meinen Militärdienst ab, wofür ich mich in Diskussionen mit linken Altersgenossen nicht selten heftig zu rechtfertigen hatte: Als ob der Dienst in der Gebirgsdivision mitsamt der Ausbildung als ROA an der Münchener Heeresoffiziersschule und in Hammelburg nicht ausschließlich dem militärischen Patt, der Kriegsverhinderung zwischen den Atommachtblöcken gedient hätte. Hatten russische Panzer nicht 1956 Ungarn überrollt und 1968 dann auch dem Prager Frühling ein jähes Ende bereitet?
Ausgangs der 1970er Jahre, noch immer mitten im Kalten Krieg, hatte das Münchener Sporthaus Köpf erstmals für Skilangläufer eine Reise nach Murmansk ausgeschrieben. Weil dabei auch Zwischenstopps in Moskau und Leningrad angeboten wurden, hatte ich mich spontan angemeldet. Der verschneite Rote Platz, die Kremlmauern mit den dort Aufgebahrten, die Basiliuskathedrale und das Kaufhaus Gum hatten in mir dank Väterchen Frost einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen; mehr aber noch waren es die zarten blaugrünen Pastellfarben der verschneiten Paläste rund um die Leningrader Eremitage, deren Besuch zum Pflichtprogramm auch der Skilangläufer gehörte; weiter die Fahrt in der transsibirischen Eisenbahn in den hohen Norden, nicht ohne Teeausschank aus dampfendem Samowar – alles findet sich unauslöschlich gespeichert! Erst recht das in Murmansk mit seinem Eismeerhafen und der dort vor Anker liegenden Kriegsflotte fröhlich zu feiernde „Fest des Nordens“ mit dem Einzug der Nationen auf dem fahnengeschmückten Leninprospekt. Pech, dass mich beim Marathonrennen dann das Missgeschick ereilte mit dem angebrochenen (da noch aus finnischer Birke gefertigten) Langlaufski, weswegen ich im Heißhunger eine Zuschauerin am Rand der Strecke um ein Stück russischen Schwarzbrots anbetteln musste – vertauschte Rollen eingedenk all der Fotos von um Brot bettelnden russischen Kriegsgefangenen. Schließlich die Rentier-Schlittenrennen mit den auf die keuchenden und dampfenden Tiere einprügelnden Samen skandinavischer wie russischer Herkunft, die danach wodkabetäubt wie tot im Hotel herumlagen. In bleibende Erinnerung eingegraben sind aber auch die spontanen Hausbesuche unseres ebenso weltläufigen wie wunderfitzigen Schwarzwälder Gastwirts, der sich nicht scheute, die überraschten Murmansker unter der Türe nach ihrem Befinden im Sowjetreich zu befragen. Umso lästiger fiel schließlich die penible Befragung durch DDR-Zoll- bzw. Stasibeamte aus nach der Landung in Berlin-Schönefeld; deretwegen hatte ich mich als Beamter vor der Reise bei meiner obersten Dienststelle ordnungsgemäß abzumelden gehabt, um dabei auch zu versichern, keinerlei Dienstgeheimnisse auszuplaudern.
Doch damit schien nach Glasnost, Perestroika und dem Fall der Mauer endgültig Schluss zu sein. Allenfalls der Kernkraftunfall von Tschernobyl im Frühjahr 1986 hatte nochmals Zweifel an der Zuverlässigkeit der Russen aufkommen lassen. Weshalb mir nun dennoch wieder der Besuch in einer demokratischen und noch ganz und gar friedlichen Ukraine in den Sinn kommt: eine Exkursion anno 2007 (jenem Jahr, als Putin anlässlich der Münchener Sicherheitskonferenz erstmals heftige Drohungen gegen den Westen ausstieß) in die ukrainischen Karpatenurwälder, geführt und gedolmetscht von einem Lemberger Kollegen. Wie angenehm rollte es sich doch seit der Wende im Bus über die osteuropäischen Ländergrenzen hinweg, bis unlängst noch eiserner Vorhang. Nicht einmal mehr Bakschisch schienen sich die Zöllner diesmal beim Grenzübertritt noch zu erhoffen. Dafür wiesen uns die Einheimischen stolz auf ein Denkmal hin: auf den exakt hier im hintersten Transkarpatien, wo fünf Länder (Ukraine, Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien) aneinander stoßen, befindlichen geographischen Mittelpunkt Europas, wie ihn 1887 k. u. k. Landvermesser errechnet und eingemessen hatten. Die fast 15.000 ha noch nahezu jungfräulichen Waldes, die sich hier trotz des allein im 20. Jahrhundert sechsfachen Nationenwechsels (von Österreich-Ungarn zur Tschechoslowakei, zu Ungarn, zur Karpato-Ukraine, zur UdSSR und seit 1992 zur Ukraine) erhalten ließen, waren im neuen Gründungsjahr des Landes zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt und 1997 obendrein mit dem Europa-Diplom des Europarats ausgezeichnet worden – nur zur Aufnahme in die EU hat es halt leider bis heute noch immer nicht gereicht.
Die Muße des Ruhestands brachte es mit sich, dass ich mich endlich auch intensiver mit den Kriegserlebnissen des Vaters befassen konnte. „Was der Krieg aus einem macht. Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters“, so überschrieb ich einen 2018 veröffentlichten Text2, den ich mit einem überschwänglichen Ausruf beginnen ließ: Seit siebzig Jahren kein Krieg mehr hierzulande – was für ein Privileg! Wie ein Fremdköper steht oben auf meinem Bücherschrank der Karton mit dem fünfbändigen Kriegstage buch des Vaters, ausgekleidet in den Tarnfarben einer Wehrmachtzeltplane, jeder Band außen mit Ausschnitten aus der Generalstabskarte des jeweiligen Frontgeschehens bedruckt…
Schloss Strelna bei Leningrad mit zerbombtem Lenin-Denkmal
Wie verwandelt sich der Mensch im Verlauf von fünf Kriegsjahren? Die Antwort auf diese Frage suchte ich im Kriegstagebuch des Vaters. Am aufwühlendsten erwiesen sich zweifellos seine Aufschriebe und Fotos vom November 1942 bis August 1943, als sich seine Einheit an der Einschließungsfront von Leningrad befand. Die insgesamt vierjährige Blockade der Stadt hatte zur Folge gehabt, dass mehr als 700.000 Menschen verhungern mussten. Die Perspektive des Oberleutnants Fritz Hockenjos wird im Text ergänzt durch die Berichte im Buch des dem Vater exakt gegenüber eingesetzten russischen Leutnants, des späteren Autors Daniil Granin Mein Leutnant3. Am 27. Januar 2014 hatte er im Bundestag eine vielbeachtete Rede zum Gedenken an die Opfer der Blockade gehalten und das Vorwort des Buchs hatte noch Helmut Schmidt geschrieben. Bereits 1985 war er nach Berlin zu einer Lesung aus seinem „Blockade-Buch“4 eingeladen worden, in dem er auch nicht an Kritik an der sowjetischen Kriegsführung gespart hatte. Weil bei diesem Anlass meine in Berlin lebende Schwester Ruthild aus dem väterlichen Kriegstagebuch vorgelesen hat, entspann sich ein Briefwechsel zwischen den beiden gegnerischen Kriegsteilnehmern, dem eigentlich auch noch ein Besuch in der so leidgeprüften (seit 1991 wieder St. Petersburg heißenden) Stadt hatte folgen sollen, wozu es jedoch leider nicht mehr gekommen ist.
Umso mehr reizte es mich nach all den schaurigen Augenzeugenberichten aus dem „Vernichtungskrieg“ bzw. aus dem „Großen Vaterländischen Krieg“ nochmals in das „Venedig des Nordens“ zu reisen, das längst auch wieder zu einem touristischen Hotspot geworden war. Im Sommer 2019 war es soweit: per Bus und Fähre ging es über Helsinki in die Fünfeinhalbmillionenstadt, in welcher die (vornehmlich chinesischen) Touristenschlangen vor der Eremitage und vor den glanzvoll renovierten Zarenschlössern nicht mehr abreißen wollten – vom zerbombten Lenindenkmal keine Spur mehr. Ob sich eines Tages auch das neue, 450 Meter in den Himmel ragende und einer Rakete nachempfundene Gazprom-Geschäftszentrum dem Touristenansturm öffnen würde, war nicht auszumachen. Der Öl- und Erdgasexport, der nach Putins Beendigung der chaotischen Jelzin-Jahre nicht nur die Stadt wieder hat erblühen lassen, sondern auch eine Truppe skrupelloser KGB-Leute und Oligarchen einschließlich des russischen Präsidenten gemästet hat, wird kriegsbedingt inzwischen wohl doch einen Dämpfer erhalten – je nach Wirksamkeit der verhängten Embargos. Und auch von Busreisen in die „weißen Nächte von St. Petersburg“ ist vorerst abzusehen. In Putins Netz haben sich alle miteinander verfangen.
Das Zarenschloss Strelna im Sommer 2019
1 Belton, C .: Putins Netz. HarperCollins 2020; deutsche Erstausgabe 2022 2 Hockenjos, W.: Was der Krieg aus einem macht. In: Vom Nationalsozialismus zur Besatzungsherrschaft. Hrsg. H. Haumann und U. Schellinger. verlag regionalkultur, 2018. 3 Daniil Granin: Mein Leutnant. Berlin 2015. 4 Ales Adamowitsch. Daniil Granin: Das Blockadebuch. 2 Bde. Berlin 1984
(Ein Spruch aus dem Narrativen Gedächtnis der Nation)
Heimweh soll für Kinder, aber auch Hochbetagte, eine schwer ertragbare Sehnsucht sein, ein Seelenleiden. Bekanntermassen können sich aber historische Artefakte leider nicht mitteilen und ihren Schmerz nach außen tragen. Dazu braucht es dann doch sehr einfühlsame Menschen, die diese Gefühlslage der sprachlosen Relikte ahnen und aufspüren.
In einem Depot vom Eisenbahnvirus angesteckten Bähnlern liegen zwei derartig schwer Heimwehgeplagte Raritäten. Auf dem legendären „Bregtäler„, der aufgegebenen Eisenbahnlinie von Hüfingen nach Furtwangen durchs liebliche Bregtal, fuhren ab 1900 zwei Waggons, ein Personenwagen Typ Holzklasse, also 3. Klasse, und ein Post- und Güterwagen. Zahllose Fahrgäste, Werktätige, Schüler, Beerliwieber und Kinder mussten sich auf den harten Tannenholzbänken durchrütteln lassen bis sie ihr jeweiliges Ziel erreichten. Den Paketen, Kisten, Milchkannen und Postsäcken ging es ebenso. Nachdem diese Waggons durch moderneres Rollmaterial, so der Fachjargon, ersetzt wurden, rollten diese stählernen, einheimischen, eingesessenen Bregtäler Waggons nach Ottenhöfen und sollten dort als Zuroller, also Zuwanderer heimische Ortenauer werden. Wie war das mit dem verpflanzen von verwurzelten Bäumen?
Als nun in diesem rührigen Eisenbahnverein wieder mal eine Inventur anstand und der Staub der Jahrzehnte abgesaugt wurde, stiess man auf ein Torso, ein Puzzle, wie sie es nennen. Zwei Gerippe wie in der Archäologie. Aber halt in der Bahnwaggon- Archäologie. Und siehe da: Das sind ja „Bregtäler, „Ur- Bregtäler“, Ureinwohner des Bregtales.
Als sie dort keinen Ertrag mehr brachten, drohte ihnen das Verglühen in den zischenden Schweissbrenner-Flammen der Bahnbetriebs- Abwrackhallen. Im letzten Augenblick erbarmten sich warmherzige, gütige Eisenbahnfreunde dieser altgedienten Raritäten. Sie wurden im Fundus und dem witterungssicheren Depot dieser rührigen Traditionalisten eingelagert. Wer kennt sie nicht, die Scheunen, Speicher, Schöpfe, Hallen, wo Historisches zwar nicht dem totalen Verfall, aber dem Staub und den Spinnweben anheim fallen. Und vor allem meist schnell aus dem historischen Gedächtnis und Vermächtnis fallen.
Eisenbahnwagen haben aber fast unvergängliche Typenschilder, Prägestempel und Aufschriften. Also eindeutige genetische Fingerabdrücke. Und sie sind in einem akribisch geführten, sicherem Bahn- Technik Archiv gelistet. Darin können dann diese begeisterten Bähnler die Herkunft dieser Relikte mit Kennerblick und Spürsinn auslesen und ablauschen.
Die Kunde kam auch ins Bregtal und verblüffte deren Bewohner. In deren Gedächtnis jedoch ist der Erinnerungsschwund an dieses Bähnle und diese Zeit derzeit galoppierend. Nur noch wenige realen Relikte, einige Literatur, verschieden Artikel, Reliefs und bezeichnende Hinweise wie „Bregtäler Loipe“ oder “ Zindelsteiner Bahhöfle“ und „Bahnhof Hammereisenbach“ erinnern ideell an die „Bregtäler“ Zeit.
Darum gibt es jetzt Überlegungen, ob es durch diesen Fund jetzt nicht an der Zeit wäre, auch real mit einer Heimholung den Erinnerungsschwund, die Demenz zu behandeln, abzuschwächen und sogar zu stoppen. Mal sehen ob die beiden schrulligen Alten Bregtäler den Mythos des „Jägermeister Express“, so nannte man den Bregtäler zu Diesel-Triebwagenzeiten wegen dieser Aufschrift, die Erinnerung erneuert und wiederbelebt.
Mundartversion :
Ich bi en Bregtäler
Hoemweh soll für Kinder und alti Liit en schwere Breschte sii. Historische Überrescht kennet aber derlei Kummer nit verzelle und iis mitteile, weil sie nit schwetze kinnet und ihren Kummer nit uussiblose kinnet. Do dezue bruuchts halt doch gfühlvolle Liit, di wo die gspürte Gfühlslage erlausche kinnet.
I me Depot vu verruckte Iisebähnler lieget derziit zwei so Hoemwehplogti, so Raritäte. Uff em Bregtäler, sellere legendäre, uffgäbene Nebebahlinie vu Eschinge gi Furtwange dorchs lieblich , still Bregtal sind sit 1900 zwei Bahwägge grottlet. Typ Holzklasse , also 3. Klasse, mit herte Tanneholzbänk. De ander war en Post- und Güeterwage. Ganzi Generatione vu Arbeiter, Schaffer, Schueler, Berliwieber und Kind sind uff dere Bah dorchgschittlet wore. Dene Paket, Kischte, Milchkante und Postsäck isches genau so gange. Nochdem die Wäge dorch neus, moderns „Rollmaterial“ uustauscht wore sind, sind die beide Wäge, die Bregtäler Uriiwohner, gi Ottehofe grollt und hetet dert genauso bodeständige Ortenauer Zuewanderer oder Zueroller were solle, wie sie sellmol im Bregtal einheimisch waret. Den Spruch mit dem versetzte , alte Bomm, den kennet ihr jo. Wo sie denno dä im Unnerland kon Ertrag me broocht hond, hete sie i me Demolier- Iisebahdepot vu de Bahn mit zischende Schneidbrenner verschnepflet were solle. Im letzschte Augeblick hond aber so aagfressene, warmherzige Iisbahfreund sich dene Raritäte verbarmet. Die hond sie in ihren Sammlerschopf gholt und troche und sicher iiglageret.
Wer kennt sie nit die Schiere, Schöpf, Halle und Gräch mit so iigstaubte Gschierer. Dä sind sie also verstaubt und i Spinnehuddle iigwobe glege. Bis erscht jetzt wieder mol bei ere Inventur die beide Knochegrüster hinneverri kumme sind und abgstaubt wore sind. Es muesstet nit DB- Wäge sii, wenn sie nit Typeschilder, Iiprägunge und Uffschrifte, halt Fingerabdrück, hättet, wo mer i Iisbaharchiv genau nochsueche khaa, wo die her sind und wo sie grollt sind und dient hond. Die begeisterte Bähnler hond schnell uussigfunde , dass des „Bregtäler“ sind , also Uriwohner vum Bregtal, „Ur- Bregtäler“ also.
Die Bähnler- Archäologe hond die Kunde und die Erkenntnis au is Bregtal treit und dene verblüffte Bregtalbewohner den Storiax mit wunderscheene Bilder und Skizze unterleit, uusführlich verzellt. Villiecht grad no rechtziitig. Denn dä isch die Erinnerung a des herzig Entekoepfer Bähnle grad am Versickere und am Verlösche. Wieslosigkeit sait mer dä zu so holose Zueständ. Usser paar wenige Bahnzuebehorsache, Bücher, Artikel, Relief und wenige Bezeichnungen wie „Bregtal Loipe“, „Zindelstoener Bahhöfle“, „Hammricher Bahhof“ , „Schliefisteg“ erinnert kaum no ebbis a die Ziit und die herzig Bahlinie.
Drum gihts Überlegunge, ob mit dem Fund nit doch des Erinnere aagregt und aagscherret were khaa und die Demenz e weng uffgahlte, uussigschobe oder sogar aaghalte were khaa. Mol gucke ob die beide schrullige „Alte Bregtäler“ de Geist vum „Jägermeister Express“, so de Übername wege dere Triebwage- Uffschrift , die Erinnerung erneueret und wiederbelebt.
von Fey, 13 Jahre aus Hüfingen (Name ist der Redaktion bekannt)
Können wir bitte darüber sprechen, dass diese Generation das ekelhafteste ist, was es je gab?
Du musst ein perfektes Gesicht haben, denn solltest du das nicht haben, bist du wertlos und hässlich. Doch hast du ein wunderschönes Gesicht, ist es sowieso künstlich gemacht.
Solltest du keinen Körper wie Kylie Jenner haben, bist du ebenfalls hässlich. Du musst einen dicken Arsch haben, pralle Brüste sind auch ein Muss. Die Schenkel dürfen aber auf keinen Fall zu breit sein, genauso wie auch der Bauch. Und dass mittlerweile Wert auf Füße gelegt wird, darüber brauchen wir erst gar nicht sprechen.
Du musst zwar gut in der Schule sein, denn wenn du’s nicht bist, bist du dumm. Doch wenn du’s bis, bist du ein Streber und denkst sowieso, du wärst etwas Besseres.
Bist du mit ein paar Jungs befreundet, weil du dich dort einfach wohler fühlst, bist du ein „Pickme“, weil eine Freundschaft zwischen den beiden Geschlechtern ja nicht mehr existiert.
Next: Beziehungen
Bist du mit einem Jungen lang genug zusammen oder bist nicht bereit für mehr, geht er dir fremd oder in den Puff. Ist ja klar, der Junge will was Neues! Nicht selten heißt es: „Bitte, du willst es doch auch.“ oder „Bitte, ich habe so Druck“ oder „Du bist so langweilig!“ Aber das Traurigste ist ja, dass die Mädchen, die dazu eigentlich noch gar nicht bereit sind, es einfach über sich ergehen lassen, weil sie emotional abhängig sind und den Jungen oder sogar Mann, nicht verlieren oder enttäuschen wollen.
Mittlerweile gibt es so viele Mädchen im Alter von 12-15 Jahren, die sich einen Mann im Alter von 18-23 Jahren suchen, weil sie „Daddy Issues“ entwickeln oder in Männern mehr Hoffnung sehen, nicht verletzt zu werden als von pubertierenden Jungs. Natürlich ist nicht jeder so, doch in dieser Generation gibt es immer weniger Menschen die loyal, fair und intelligent sind. Und ja, da sind auch Mädchen mit eingeschlossen.
Du kannst es dieser Generation nicht recht machen. Egal was du versuchst, oder wie du bist. Es geht einfach nicht.
Die Anzahl der Fremdgängern, steigt. Die Anzahl der Vergewaltigern, steigt. Die Essstörungsrate, steigt. Die Anzahl der Depressiven, steigt. Die Anzahl der dummen Menschen, steigt.
Doch eines sinkt. Die Hoffnung für eine gute Zukunft.
Da frage ich mich: Wie konnte die alte Liebe, in der man sich noch Liebesbriefe schrieb, zu sowas peinlichem werden?
Anlässlich des kommenden Öffnungssonntags der Sonderausstellung „100 Jahre Brändbachtalsperre“ im Kelnhof-Museum wurde nun zur Veranschaulichung eine Flussmühle im Brändbach bei der Stadthalle vom Stapel gelassen.
Fast jedes Kind kennt die Bilder aus Mesopotamien oder vom Nil mit den riesigen Wasserschöpfrädern. Oder von den klappernden Mühlen in Schwarzwaldtälern. Sie alle nutzen ein Naturgesetz. Wasser will immer von der höher gelegenen Quelle zum Meer fließen. Es verändert, bedingt durch die Schwerkraft, seine Lage von oben nach unten. Daher kommt der Begriff der Lageenergie. Das Wassergewicht im Fließgewässer verändert ständig seine Lage.
Der Brändbach mit seinem Wassergewicht verändert seine Lage schwerkraftbedingt vom Höchst auf 1000 m Meereshöhe bis nach Bräunlingen um 300 m Höhenunterschied. Dabei nimmt sein Fallgewicht durch ständige Zuläufe ständig zu. Genutzt wird dieses fallende Wassergewicht im Brändbach Wasserkraftwerk in Waldhausen. So nutzten die Bräunlinger seit 1923 aus dem Kirnberg Speichersee diese Wasserkraft mit einer hochtechnisierten Anlage.
Mit einer einfachen, uralten Methode wird nun an den Brändbach-Terrassen bei der Stadthalle in Bräunlingen das Prinzip der Lageenergie verblüffend anschaulich und fast selbsterklärend gezeigt. Nämlich mit der ältesten Wasserkraftanwendung, der legendären Flussmühle, einem schwimmenden, unterschlächtigen Wasserrad. Unabhängig von Stauhaltung, Stauwehr, Gewässerveränderung, Aufstiegshilfen und Wasserspiegeländerungen kann damit Energie gewonnen werden. Das ist der pfiffige Vorläufer aller Wasserkrafttechniken.
Anschaulich zu besichtigen ist dieses Modell, das mit Hilfe einer Materialspende der Firma Bedrunka+Hirth anlässlich des 100jährigen Bestehens der Brändbachtalsperre gebaut wurde, an den Brändbach-Terrassen gegenüber der Stadthalle.
Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr’s im Hieronymus z‘ erscht. Teil 1
Carl Bodnaruk von der Universität Sydney hat im Juli 2020 eine Studie über die Nutzung des Alemannischen im Südwesten durchgeführt. Hierfür hat er 100 Antworten eines Fragebogens ausgewertet und als Diplomarbeit für den „Bachelor of Arts (thesis)“ veröffentlicht.
Hubert Mauz war einer dieser Teilnehmer und hat uns hier seinen beantworteten Fragebogen vom 01.09.2020 zur Veröffentlichung überlassen:
„En Guedde“
Gerne gehe ich auf den Fragebogen ein. Ich erlaube mir aus grossem Erfahrungssschatz etwas sehr ausführlich die Fragen zu beantworten und meine Intentionen darzustellen. Dazu ist mir die mail- Form die passendste und stilgerechteste.
Dialekt, ich, und die meisten Muttersprachler, nennen sie Mundart, nämlich die Art den Mund zu benutzen, wurde mir in die Wiege der Fam. gelegt. Der Fam. Clan lebte Ende 1950 im Umkreis von ca. 20 Km auf der Baar. Dort redete ich bis zur Volksschule mit 7 diese „Mutter- bzw. Vatersprache“ die Baaremer, Bodenseeallemannischen Mundart. In der Volksschule / Grundschule wurde uns Baaremern dann Schriftdeutsch mit mehr oder weniger Erfolg näher gebracht. Im Gymnasium wurde das intensiviert, wobei die Landsmannschaftlichen Lehrer tolerant waren und die unerbittlichen Norddeutschen Lehrer die Mundartbelasteten Schüler und Lehrer meist, fundamentalgebildet, hochnäsig u. arrogant als ungebildet betrachteten u. oft sogar so bezeichneten. Dies blieb u. bleibt in ganz winzigen Formen immer noch bei in unsere Landschaft eingereiste Schriftdeutschen. Als der Wirtschaftspolitische , geniale Werbespruch der BaWürtemberger erfunden und promotet wurde: „Wir können Alles ausser Hochdeutsch“ kippte die Stimmung urplötzlich und Alemannisch bekam einen hohen Charme und Anerkennungsstatus. Im Studium in Konstanz u. im Berufsleben im Südwesten hat man keinerlei Defizite und anschl. bei Projekten in ganz Dt. nütze dieser Mundartbonus sogar, gemäss diesem Sinnspruch.
Zur Begriffsbestimmung wie ich sie verstehe: Das Synonym „Hochdeutsch“ halte ich für nicht treffend, denn auch sie ist eine Mundart, gesprochen in der Lutherzeit in der Region Thüringen, Anhalt, Nordharz. Seither wurde sie zu der angeblichen reinsten Hochsprache im Raum Hannover. Wäre die Reformation gescheitert, würden wir Deutschen vermutlich nach Ansicht vieler Kenner u. Linguisten, das Fränkisch – Alemannische , Regio Mainz, Worms, Speyer reden. Dann wäre „Hochdeutsch“ auch eine Mundart und nicht die von den Süddeutschen etwas überheblich, hochnäsig betrachtete Hochsprache.
Sinnigerweise sagen die Schweizer einfach Dütsch/ Deutsch dazu oder Schwiizerdütsch. Ich bevorzuge den Begriff Schriftsprache, weil diese auch per Duden „normisiert“ ist. Noch öfter verwende ich „Buchsprache“ weil sie eben in Literatur und Schriftverkehr verwendet wird. Die Norweger sagen sehr zutreffend “ Booksmol“ und „Landsmol“ für eben Buchsprache und Landesprache, also Mundart der versch. Regionen mit dem gleichen Nord- Süd- Mundart-Gefälle wie in Dt.
In meinem Freundeskreis sprechen viele, fast alle diese Mundart mehr oder weniger ausgeprägt. Ausserdem hatte ich als Bauing. viel mit den Mundart- Baumenschen im SüWesten zu tun. Was mir auch die ziemlich genaue Einschätzung des Regio- sogar bis Dorfmundart ermöglicht hat. Die meisten Bekannten aus dem sogenannten Bildungsbürgertum (Baarverein, Sportverein, Bürgerstiftung, Freundes- u. Familienkreis) sprechen, verstehen u. tolerieren diese Mundart. Allmählich wird sie sogar wieder eher geschätzt und weniger als „Ungebildet “ betrachtet. Das muss man aber auch selbstbewusst kolportieren.
Wenn man merkt , daß der Partner einem nicht versteht, bemüht man sich mehr in Schriftsprache. Ärger gab es nur einmal als ein angeblich gebildeter , seit 40 Jahren hier lebender, die Mundart schriftlich und unflätig diskreditierte u. auch die Schweizer beschimpfte und beleidigte. Er war der unsäglichen Ansicht, daß dieses Wortgewürge ausradiert gehöre. Gemeinsam haben wir ihm „die Zündung“ eingestellt und Einhalt geboten. Dennoch erwarte ich von Zugereisten, daß sie sich anpassen und nicht die Locals sich ihnen anpassen müssen, was man tatsächlich, aber sehr selten, antrifft. Wer nach Australien auswandert muss eben Ausi- Engl. lernen und ihr nicht Sächsisch. ( Anlagen Schmit- Cotta !!, unsäglich !)
Ja , ganz klar. In einem meiner Mundartgeschichten über die 4 Sprachinseln des kleinen Donaueschingen hab ich das beschrieben. Durch Immigration von Böhmischen Fürstenbediensteten im Residenzbereich hat sich dort die Baaremer Sprache schon verändert um 1900, zur Kasernenzeit von ca. 1920 – 1945 (bis zu 4500 Militärs) ebenso, u. zu Zt. der Ostdeutschen Flüchtlingswelle 1946- 1955 ebenso enorm. Ein Stadtteil sprach fast ausschl. Schriftdt. u. Nachwirkung hat es immer noch. Die Immigranten u. Gastarbeiter Italiener, Portugiesen, Jugoslawen, Türken , nun Rumänen, haben keinen Einfluss gehabt. Ebenso die Wirtschafts- Umsiedler aus Ostdr. u. Dt. Russen. Dass jedoch in der Schweiz in der Gastronomie Sächsisch u. Thüringisch gesprochen wird, stört die Schweizer sehr. Aber kaum, fast kein Schweizer arbeitet mehr im Gastgewerbe- u. Dienstleistungsbereich. Das ist aber ein Globales Naturgesetzt. Ich bin mir sehr sicher , und Beweise hab ich genug, wie diese Zuwanderer unsre Umgangssprache, unser Landsmol , unsere stark veränderte, modernisierte Mundart übernehmen. Die Veränderung findet unaufhaltsam und völlig legitim durch Zuwanderung, geänderte Tätigkeiten und Gewerke, durch Reisetätigkeiten priv. Geschäftlich und die Modernisierung, Digitalisierung mit völlig anderem, digitalistischem Wortgebrauch statt. Man muss das Wort Heugabel nicht mehr kennen, Mgbit aber schon oder was eine App ist.
Jede Mundart, zumindest die ich kenne u. einschätzen kann, hat etwas sehr poesievolles, narratives, blumiges, charmantes. Sie ist die Sprache, die die Menschen der Heimat gemacht, geprägt, in Sprachduktus, Grammatik, Wortschatz auch geprägt, erfunden, offenbart haben. Sprache entsteht nicht am Reissbrett oder der Redaktion des Duden oder des Diktionärs. Wenn ich meine Mundartgeschichten vom Baaremerisch ins Schriftsprachliche übersetzte, verjazze, verliert die Geschichte an Wortwitz, Duktus, Poesie u. Bildsprache. Sie wird platter, konstruierter, und normierter. In Buchsprache gibt es für viele Mundartwörter kein Wort. Sprache, ob Buchsprache oder Landesprache wird ärmer, poesieloser werden. Man mags bedauern, aber es ist auch ein evolutionäres Gesetz.
Da will ich mich aus grossem Respekt vor allen Mundarten nicht festlegen. Jeder dieser Mundartler schätz seine Sprache. Dennoch gibt es so Clichés z. B. vom Französischen, wo, glaub sogar H. Heine sagte, es sei eine „affige“ – Sprache. Sprache bildet auch immer Landsmannschaftscharakter ab. Knapp, trocken, schwülstig, ausladend, opulent, melodisch, hart, erhaben, witzig, frech, nüchtern, satirisch, etc. Bayrisch kann eine derb- blumige Sprache sein, melodisch ist Fränkisch. Sprachmelodie dürfte eine wichtige Kenngrösse der Akzeptanz sein. Dänisch, Holländisch, Nordisch ist fast wie gesungen, Keltisch- Irisch sehr rachal, die Romanischen Sprachen alle. Uns hat ein Jordanischer Studienfreund, Salim Saman, immer gesagt: „Ihr sprecht wie die Raben“. Aus Toleranz, Respekt und Rücksicht haben wir unsere Sprachempfindungen über das Arabisch nie zu äussern gewagt.
Natürlich hat sich meine Heimatstadt sowohl städtebaulich, architektonisch, bevölkerungsmässig und sprachlich stark verändert. Im sprachlichen Bereich hauptsächlich dadurch, dass zu meiner Kindheit die Stadt zu einem drittel landwirtschaftlich, baaremerisch in Gesellschaft und spiritueller und weltlicher Kultur geprägt war. Gerde diese Bauernsprache machte den Dialekt aus. Diese Bauernsprache wird nicht mehr gebraucht, auch dort wird digital- Sprache, Motorensprache, PS- , Kommerz- Finaz, Wirtschafts und Profitsprache gesprochen. Diese Mundart verändert sich rasend schnell aber sie wandelt sich. Mundart , u. wenn es Börsensprache ist, wird es immer geben. Globalisierung wirds beschleunigen aber nicht auslöschen, solange es ortsfeste Heimatkommunities geben wird. In der Finnmark siedelten sich Portugiesische Dorschfischer in einem Fjord an. Die Menschen sind olivhäutig u. sollen zu ihrer Norge. Booksmol etwas portugiesisch sprechen ?
Ein paar Aspekte hab ich glaub angeführt. Das weite Feld des Schwiizerdütsch ist gross, aber hoch erkenntnisreich. bis kurios, eine Rarität. Unsere Mundart ist fast das zentrale mentale, familiäre, Gesellschaftliche Merkmal in unserem Leben ohne Heimattümmelei und Konservatismus. Nicht umsonst beschäftige ich mich in der Post- Berufskarriere mit Mundart, Mundartrunde, Mundartforum, 90 Mundartgeschichten , meist authentisch, Mundarttheater. Lesungen, Vorträgen, Bücher, Literatur immer im Kopfkino zunächst in Mundart. Gerade hab ich in dem BHU (Bund Heimat u, Umwelt) Forum in Magdeburg einen Vortrag gehalten über Wasserkünste meiner Heimatstadt. Das nennet man Materielles Kulturerbe, aber Thema des Forums war Immaterielles Kulturerbe, und dazu gehört Mundart in bevorzugter und wichtiger Weise.
Ich wünsche Ihnen und Euch eine erkenntnisreiche aber auch eine lustbetonte Beschäftigung mit dem für Down Under ungewöhnlichen Mundartthema. Ein UNESCO Mann, Immaterielles“, H. Dr. Luckscheiter hat bei dem Smalltalk Gespräch über euer Vorhaben evtl Hilfe zugesagt ?
Alles Gute und “ En Guete “ vom Schwarzwald Hubert Mauz
Hier eine kurze Zusammenfassung von Carl Bodnaruk auf Deutsch:
Ich erwarte, dass einige der Ergebnisse, die ich hier präsentieren werden, für Sie keine Überraschung birgt. Weil Sie in dieser Region wohnen, sehen Sie die Nutzung (oder den Mangel) des Alemannischen im Alltag. Deswegen kann es gut sein, dass Sie vielleicht schon aufgrund Ihrer eigenen Beobachtung, einige Forschungsergebnisse antizipieren können, die in meiner Studie beschrieben wurden. Es könnte dann interessant sein, zu sehen, wie ähnlich Ihre Beobachtungen dieser Ergebnisse sind, und in welchen Bereichen sie sich widersprechen.
Meine Studie beinhaltet einen Fragebogen, den Sie ausgefüllt haben, und ein freiwilliges Interview, an dem Sie ggf. teilgenommen haben. Der Rücklauf betrug 100 Antworten. Ich hatte ursprünglich höchstens 50 erwartet, daher war es toll, so viele Zusagen bekommen zu haben. Ich habe die Daten des Fragebogens statistisch analysiert, um Trends und Muster darin zu identifizieren. Ich habe dann die Interviews benutzt, um die Themen des Fragebogens weiter zu untersuchen.
Die Ergebnisse des Fragebogens sind in 3 Teilen untergliedert: Demographie der Alemannisch-sprechenden Bevölkerung, die Nutzung von Alemannisch in dieser Gruppe sowie die Einstellungen von dieser Gruppe zur Sprache. Erstens habe ich herausgefunden, und das war ehrlich gesagt keine Überraschung, dass Alemannisch häufiger von älteren Leuten als jüngeren Leuten gesprochen wird. Infolgedessen wurde es auch mehr von Leuten gesprochen, die im Ruhestand sind. Es wurde auch öfter in kleineren Dörfern als in Städten wie Freiburg benutzt. Diese Ergebnisse sind tatsächlich darstellend der Mitgliedschaft der Muettersproch-Gsellschaft und könnten möglicherweise die weitere Nutzung der Sprache nicht perfekt spiegeln. Leider waren diese Daten die bestmöglichsten, die ich über das Internet während der Coronapandemie sammeln konnte. Ob die Demographie der Gsellschaft die Demographie des weiteren alemannischen Sprachraums spiegelt, kann ich aufgrund der Datenlage nicht abschließend beantworten.
Alemannisch wird im Alltag so oft wie möglich benutzt. Diese Nutzung wird durch mehrere Faktoren begrenzt, nämlich durch einen Mangel von Fachvokabular am Arbeitsplatz und in der Schule und einen Mangel von Sicherheit, dass Alemannisch vom
Gesprächspartner verstanden wird. Die erste Grenze (dass Alemannisch oft nicht bei der Arbeit oder Schule gesprochen wird) erklärt die höhere Zahl von Alemannischsprechern, die im Ruhestand sind. Die zweite (dass Alemannisch ohne Sicherheit der Sprachstufe des Gesprächspartners nicht gesprochen werden kann) erklärt teils die niedrigere Nutzung von Alemannischen in größeren Städten. Diese Schwierigkeit führt dann zu einer sich selbst anhaltenden Abnahme der Nutzung von Alemannischen in diesen Großstädten, weil, wenn man unsicher ist, ob Alemannisch verstanden wird, spricht man weniger Alemannisch, und wenn (ein anderer) Alemannisch (vom ersten) im Alltag nicht mehr hört, wird er dann auch unsicher und spricht auch weniger Alemannisch usw.
Die Einstellungen von Alemannischsprechern zur Sprache sind überwiegend positiv. Sie wollen, dass ihre nächste Generationen noch Alemannisch lernen soll und fühlen sich, dass ihre alemannische Sprachfähigkeit einen wichtigen Teil ihrer Identität als lokale Bürger bildet. Es war nicht so einstimmig, ob eine alemannische Sprachfähigkeit dafür notwendig war, um sich “lokal” zu fühlen. 26% der Probanden haben bemerkt, dass Alemannischsprecher mehr Anspruch auf diese Identität beanspruchen, 22% waren neutral und 51% sagten, dass es nicht notwendig ist.
Im Vergleich zu von französischen Forschern schon publizierten Daten gibt es in meinen Ergebnissen keine Überraschungen. Bei der Nutzung von Elsässisch sieht es sehr ähnlich aus, wahrscheinlich weil beide als lokale Sprache unter einer nationale Sprache benutzt werden. In die Schweiz aber ist das ganz anders, weil Alemannisch noch von fast jedem im Alltag benutzt wird, während Hochdeutsch nur in formellen Kontexten gesprochen wird.
Zusammenfassend sieht die Zukunft von Alemannischen leider nicht toll aus. Um als weit gesprochene regionale Sprache zu bleiben, müssen Alemannischsprechenden Chancen haben, die Sprache im Alltag zu nutzen. Je seltener diese Chancen sich bieten und genommen werden, desto weniger wird Alemannisch gesprochen und gelernt. In kleineren Dörfern gibt es diese Chancen für Kinder und anderer Sprachlerner noch relativ oft, aber in Städten ohne Unterschiede vielleicht in Bildungspolitik werden diese Gelegenheiten immer ungewöhnlicher werden.
Ich möchte mich nochmals bei Ihnen für Ihre freundliche Teilnahme an dieser Studie bedanken. Wenn Sie weitere Fragen (oder Ideen, Vorschläge, sogar Kritikpunkte) hätten, bitte stellen Sie sie mir per E-Mail und ich werde versuchen, die Fragen so gut wie möglich zu beantworten.
Mit freundlicher Genehmigung von Carl Bodnaruk, University of Sydney