200 Jahre Zerstörung der Anlage

200 Jahre Zerstörung der Anlage

18. Mai 2021 1 Von Hannah Miriam Jaag

Vor 200 Jahren gab es in Hüfingen den Verein “Freunde der Natur“. Diesem Verein gehörten Hüfinger Künstler um Luzian Reich senior an. Mit dabei war auch Johann Nepomuk Schelble, der Bruder von Maria Josefa Reich und einer der Gründer des Cäcilienvereins in Frankfurt a. M.

Johann Nepomuk Schelble (1789 -1837)
Zeichnung von unbekannt.

Dieser Verein entschloss sich in Hüfingen mehrere Anlagen zu erbauen.

Aquarell des Luzian Reich senior aus dem frühen 19. Jahrhundert,
StAF B 695/1 Nr. 731.

Die Stadt Hüfingen war stets darauf bedacht den berühmten Künstler zurück in seine Vaterstadt zu holen. Während diese Anlagen in “erstaunungswürdiger Anstrengung”, so der damalige Hofrat Baur, in kürzester Zeit entstanden waren, wurden sie in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821 von Gegnern der Anlage wieder zerstört. In der Akte ist die Abschrift eines später verfassten Spottgedichts über die Zerstörungsnacht mit dem Akrostichon: “FALLER AUER RUF” vorhanden. Möglicherweise wollte der Verfasser des Gedichts damit auf die Identitäten der Missetäter hinweisen (Landesarchiv Baden-Württemberg).

Spottgedicht von 1821
Staatsarchiv Freiburg B 695/1 Nr. 731

Abschrift

Die Zersterung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821

Fallet Bäumchen fallet
Alles heute nacht erschallet
Laut vom Jubelthon
Luna selbst wird mich erheren
Eine Anlag zu zersteren
Ruf ich auch noch Pluto an

Als uns gedanken=Räthe niemand wollte Mehren
Unterstand ich mich, und half zersteren
Ein Erholungsort sehr angenehm und schön
Ruf ich jetzt Ruhe es ist geschehen.

Ruft nicht so laut! Sprach nach vollbrachter That ein Heüchlerischer Bether
Und nehmt euch wohl in Acht, es gibt ein fürchterliches Wetter.
Fort fort es ist geschehen, wir müssen jetzt ganz still nach Hause gehen.


Die heute kaum noch erkennbare Anlage befand sich im Gewann “roter Rain” also westlich vom Römerbad.

Gewann Rotrain

Was noch lange stand war das sogenannte “Waldhisli”. Heute befindet sich auf dem Fundament ein Teil vom Römerpfad und es war ein Teil vom nicht realisierten Konzept des Architekten Hermann Sumser.

Waldhisli

Die Zerstörung der Anlage wird auch im Hieronymus von Lucian Reich junior in Kapitel 5 mehr- oder weniger thematisiert:

Dann gehen die beiden zum Hofgärtner und besichtigen die Gewächshäuser. Er erzählt ihnen, dass die fürstliche Regierung einen Befehl ergehen lasse, zur Bepflanzung der Landstraßen mit Obstbäumen. Dem Feldwaibel gefällt die Idee, aber er meint, dass die Bauern das nicht wollen, da es für “sie nichts Schöneres gebe als so ein glatter Fruchtösch, Feld an Feld wie ein Schachbrett”.
Der Hofgärtner mein hierzu: “Hätt ich aber zu befehlen, so müßte mir jeder Bauer wenigstens ein halbes Duzend Obstbäume in jeden Acker pflanzen”.

Dieses bis heute leidige Thema läßt sich auch an der Geschichte der Naturfreunde Hüfingens sehen. Der Vater von Lucian Reich, Luzian Reich senior, hatte zusammen mit dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und anderen in der Hüfinger Anlage einige Bäume gepflanzt. Der Hauptteil selber aber wurde 1821 von wütenden Bauern zerstört. Baaremer Bauern scheinen traditionell etwas gegen Bäume zu haben, auch wenn diese nicht auf ihrem Land stehen.

Kapitel 5 vom Podcast