Früh am Montagmorgen fallen sogar noch ein paar Tropfen, doch es bleibt bei einem allzu kurzen Schauer, und dann stellt sich am Himmel erneut wieder das mittlerweile schon nervige Blau ein mit ein paar unschuldigen Cumulus-Wölkchen, und es brennt wieder die Sonne herab. Andernorts brennt der Wald, und das nicht nur am Stadtrand von Bordeaux oder Madrid, wo Tausende evakuiert werden müssen. Auf der waldarmen Baar blieb man bisher zumindest davor verschont, doch gestöhnt wird ebenfalls bereits heftig: Obwohl man hier, im Regenschatten des Schwarzwalds, an eher niederschlagsarme und kontinentalheiße Sommer ja eigentlich gewöhnt sein müsste. Doch die Rekordhitze vom Juni steckt allen noch in den Gliedern, und nun ist für Wochenmitte schon die nächste Hitzewelle (mit bis zu 40 Grad Celsius im Oberrheingraben) angesagt. Wie soll das bloß noch enden?
Wie abnorm der Sommer verläuft, wie dramatisch es um den Wasserhaushalt der Böden selbst auf der Baar (die die Kelten einst bara = Sumpf- und Quellenland nannten) bereits bestellt ist, das lässt sich derzeit vor allem am Belaubungszustand der Birken ablesen, dieser bekannt anspruchslosen und robusten Baumart: Vielerorts sind sie bereits braunrot verfärbt, und niemand vermag verlässlich vorhersagen, ob sie das Trockenjahr 2026 überleben und im nächsten Frühjahr wieder austreiben werden.
Ob da die Morgenlektüre im Schwarzwälder Boten nicht doch ein wenig Ablenkung, Zuversicht und Hoffnung spendieren kann? Zwar wahrlich nicht sein Bericht über das islamistische Attentat im Berliner Tiergarten, dafür umso eher der Lokalteil mit der Überschrift „Nach viel Widerstand: Windpark Länge nun auf der Zielgeraden“. Neben einem Foto von drei gewaltig dimensionierten Rotorblättern wird auch noch einmal auf das zähe Ringen um den Windpark zurückgeblendet, so auf die Klage des Verbands Naturschutzinitiative e. V. vor dem Mannheimer VGH und mit dem abschließenden Vergleich mit dem Betreiber, der es sich nicht nehmen lässt, die Bevölkerung zur Inbetriebnahme des Windparks schon heute einzuladen. Lassen wir da diesmal doch die Treibhausgasbilanzen bei dessen Erstellung, bei der Produktion von Beton und Stahl (ca. 6000 Tonnen je Anlage) sowie bei der Herstellung der Verbund-Kunststoffe der Rotoren, lassen wir die Tausenden LKW-Kilometer für den Transport, auch die Waldflächenverluste als natürliche CO2-Senken – ausnahmsweise – ganz außen vor bei dieser Hitze heute. Kann regenerative Energie die Erde vor Überhitzung beschützen trotz unseres durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und dafür benötigte Rechenzentren so steil progressiv anwachsenden Stromverbrauchs?
Nach den Abendnachrichten der Tagesschau (prallgefüllt mit Regierungsumbildung, Aufarbeitung des Attentats und noch immer außer Kontrolle befindlichen Waldbränden, Entlassungen bei Porsche usf.) geht der Blick aus dem Wohnzimmerfenster bei endlich wieder hochgezogenem Hitzeschutz wie alle Abende noch kurz zur Länge hinüber. Überm Gnadental mit seiner im Abendlicht leuchtenden Gnadenkapelle fehlen jetzt nur noch die Rotorblätter. Werde ich mich auch an die Drehbewegung noch gewöhnen können? Na, dann also Gnade uns Gott und gutenacht!


