Als wir 2011 aus den USA nach Hüfingen kamen, sagten uns die Einheimischen, dass der Bolzplatz hinter der Kirche Schari heißt.
Das ergab für mich als Villingerin durchaus Sinn. In Villingen gibt es schließlich den Latschariplatz – und Latschari ist ein alemannisches Wort. Im alemannischen Wörterbuch von Rudolf Post und Friedel Scheer-Nahor wird mit Latschariplatz ein Ort bezeichnet an dem sich die Eckensteher treffen.
Das Gelände an der Hohenstraße gehörte ursprünglich zu Mariahof. Es bestand aus Garten und Sportplatz und wurde 1969 von der Stadt Hüfingen erworben.
In der Chronik heißt es:

Die Stadt konnte den Sportplatz samt dem Garten 1969 mit einer Fläche von 9492 m² à 11 DM und somit für 104412 DM erwerben.
Von einem Herrn, der damals für Mariahof gearbeitet hatte, weiß ich, dass der Platz schon zu dieser Zeit Schari genannt wurde. Und damit sind wir bei der entscheidenden Frage: Der Sportplatz, der später zum Bolz- und Spielplatz wurde, hieß damas Schari und rgendwann tauchte Scherri auf.
Heute gibt es darüber einen kleinen Hüfinger Namenskrieg – und natürlich weiß jeder ganz genau, welche Variante die einzig richtige ist.
In Google Maps steht heute ‚Spielplatz Scherri‘. Scherri lässt sich seit 2009 in OpenStreetMap nachweisen. Dort wurde der Spielplatz als ‚Scherri‘ eingetragen und zwar von von einem Nutzer namens “Sprühwurst”. Der Eintrag ist also keineswegs eine Erfindung von Google Maps.

Screenshot aus dem Verlauf von OpenStreetMap
Die Bürgerinfobroschüre der Stadt Hüfingen von 2015 nennt den Platz ausdrücklich:
„Schari“ in der Hohenstraße in Hüfingen.
Diese Broschüre ist übrigens ohnehin bemerkenswert. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Stadt auf ihren eigenen Seiten noch sichtbar Wert darauf legte, Geschichte und Stadtentwicklung zu vermitteln. Für mich war das eine der letzten wirklich gelungenen Hüfinger Informationsbroschüren vor dem kommunalpolitischen Bruch von 2016.
Bis heute ist Schari, trotz digitalem Scherri auf google Maps, keineswegs verschwunden. Die touristische Seite der Region führt den Platz als „Spielplatz ‚Schari‘ in der Hohenstraße in Hüfingen“ und verweist für weitere Informationen auf die Stadt Hüfingen.

Des Weiteren steht im Hüfinger Haushalt unter der Nummer 42110000:
„Unterhaltung der Grundstücke und der Gebäude, Hütte Spielplatz, Schari und Schrebergarten (baulichen Anlagen)”.
Seit wann das so im Haushalt steht, weiß ich nicht, da mir die historischen Haushalte nicht vorliegen. Offenbar ist die Bezeichnung dort aber schon ziemlich lange verankert.
Also: Scherri ist eine tatsächlich gebrauchte Bezeichnung. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Gerade Zugezogene orientieren sich heute an Google Maps und nicht unbedingt an der Website der Stadt. Aber daraus folgt noch lange nicht, dass Schari falsch ist.
Im Gegenteil: Wer einen Ort umbenennen möchte, sollte vielleicht erst einmal seine Geschichte kennen.
Und dann kommt die Kommunalpolitik ins Spiel
Besonders bemerkenswert finde ich deshalb, dass ausgerechnet aus dem Umfeld des Bürgerforums nun so selbstverständlich von „Scherri“ gesprochen wird.
Vier Bürger wurden 2025 vom Gemeinderat für die Entwicklung des neuen Stadtlogos ausgewählt. Zwei davon kamen von der Liste des Bürgerforms aus dem Jahr 2024. Das wäre an sich noch kein Problem.
Problematisch wird es dort, wo Menschen, die sich bislang nicht gerade durch besondere Kenntnis der Geschichte dieser Stadt hervorgetan haben, plötzlich über sie mitentscheiden dürfen – und diese Gelegenheit nutzen, ihre eigene Vorstellung von Geschichte zur Wahrheit zu erklären.
Denn der Name Schari steht nicht irgendwo in einem alten privaten Notizzettel. Er steht in einer städtischen Broschüre, in touristischen Angeboten und – offenbar schon mindestens seit Knapps Zeiten – im Haushaltsplan der Stadt mit der Bezeichnung „Hütte Spielplatz, Schari und Schrebergarten“.
Man könnte also durchaus erwarten, dass ein Gemeinderat, der sich mit dem Ort beschäftigt, diese Bezeichnung kennt. Zumal derjenige, der das Wort „Scherri“ nun besonders eifrig verwendet, inzwischen selbst ganz in der Nähe des Platzes wohnt und sich über die vermeintlich „hässlichen Flächen“ von Natur nah dran aufregt.
Da bekommt die Namensfrage plötzlich eine ganz andere Dimension.
Denn es geht mir längst nicht mehr nur darum, ob am Ende ein a oder ein e steht. Es geht darum, wer eigentlich das Recht haben soll, die Geschichte eines Ortes zu erzählen.
Genau wie beim neuen Stadtlogo scheint mir auch hier ein Muster auf: Erst wird etwas, das historisch gewachsen und den Menschen vertraut ist, durch eine neue Interpretation ersetzt – und anschließend so getan, als sei diese neue Version schon immer die eigentliche gewesen.
Das werde ich beim Schari jedenfalls nicht einfach mitmachen.
Denn genauso wenig, wie die „Alternative für Deutschland“ eine Alternative ist, hat ein Bürgerforum auch nicht automatisch mit den Bürgern einer Stadt zu tun. Und nachdem uns beim neuen Stadtlogo bereits eine antike Besatzungsmacht als vermeintliches Symbol unserer Geschichte verkauft wurde, muss man sich offenbar langsam auch um die kleineren Dinge kümmern:
Vielleicht sollten am Ende auch gar nicht die Erwachsenen entscheiden, wie dieser Ort heißt.
Seit mindestens einem halben Jahrhundert geben Erwachsene diesem Platz Namen, schreiben sie in Karten, Broschüren und Haushaltspläne und streiten darüber, welcher davon der richtige ist.
Vielleicht ist es an der Zeit, die Kids zu fragen.
Wenn dort ihre Hütten neu entstehen, könnten sie ihrem neuen, alten Ort selbst einen Namen geben.
Die Hütten auf dem Schari gehören schließlich ihnen.
Und noch ein kleiner Nachschlag für die alten Hüfinger
Weil wir schon bei Mariahof sind, darf dieses Stück Hüfinger Geschichte hier eigentlich nicht fehlen: Der Hof gehörte ebenfalls zu Mariahof und wurde im Juli und August 2016 abgerissen.
Für die Schari-Frage ist das jetzt nicht mehr wichtig. Aber für alle, die sich noch an das alte Hüfingen erinnern, sind die Bilder vielleicht doch interessant.
Mein Vater hat die Fotos damals beim Abriss gemacht:









Als Kind der frühen 70er, das >20 Jahre in unmittelbarer Nähe (max. ein Steinwurf) zum Scherri gewohnt hat, dort aufgewachsen ist und sehr viel Zeit auf diesem Platz verbracht hat, kenn ich nur den Ausdruck „Scherri“.
Halb 4 Scherri? Klar.
Niemand, wirklich niemand den ich kenne, hat in dieser Zeit „Schari“ (mit langer oder kurzem A) gesagt. Mir hat es die Nackenhaare hochgestellt als ich vor ~20 Jahren zum ersten mal „Schari“ gelesen habe. Tut es auch heute noch.
Die Schreibweise „Scherri“ ist sicherlich diskussionswürdig und eher als Lautschrift zu verstehen, aber damals gab es noch nicht so viele Anglizismen und es war auch völlig egal wie man das schreibt. Wir hätten den „Scherri“ aber niemals „Schari“ geschrieben, am ehesten noch „Sherry“, wenn es englisch aussehen soll.
Daher habe ich 2009 auch ganz bewusst „Scherri“ in OSM getaggt. Aus eigener Erfahrung und mit bestem Gewissen.
Viele Grüße
Super!
Vielen Dank! Hätte ich mir nicht träumen lassen, dass sich Sprühwurst meldet.
Das freut mich wirklich ungemein.
Ja, wie oben steht, jeder weiß es ganz genau. Wie Herr Schafbuch schon sagte, kam es wohl von Caritas, hab auch schon Charité gehört.
Witzig ist, ich kenne jemand aus der selben Zeit, der auf Schari schwört.
Aber ich freue mich echt gewaltig – Vielen Dank Sprühwurst! 🙂
Der Name ist schon einmalig.
Noch eine Anmerkung zum Schari-Platz.
Das Knabenheim Marias Hof stand/steht, so meine ich, unter der Trägerschaft der Caritas.
So wurde vermutlich aus Cari… Schari oder Scharri.
Als Kind habe ich nie Scherri gehört. Es war immer vom Schari-Platz bzw. Scharri-Platz die Rede.
Weiß der Teufel, wer Scherri erfunden hat.
Nachtrag von Hannah Miriam Jaag: Ich habe den Teil des Kommentars hier auch eingefügt, da es sich bei Lothar Schafbuch um jemanden handelt, der es wirklich weiß.