Luchse: Endlich Nachwuchs

„Erster Luchsnachwuchs nach 200 Jahren:  Luchskätzchen in Baden-Württembergs Wäldern“, so ist die Pressemitteilung unserer neuen Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges MdL, vom 22. Juni 2026 überschrieben, „ein großer Erfolg des Auswilderungsprojekts“. Darunter sind zwei so herzige Fotos des Kätzchens angefügt, dass man sicher sein darf: die Erfolgsmeldung wird weiteste mediale Verbreitung finden! Dass das Monitoring-Team des Wildtierinstituts der Freiburger Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) diesen Nachweis führen konnte, ist den Telemetriedaten von Luchsmutter Elisabeth zu verdanken, die im vergangenen Herbst im Nordschwarzwald ausgewildert worden ist; mit deren Hilfe konnte nun die Wurfhöhle ausfindig gemacht werden und das Kleine der Öffentlichkeit präsentiert werden. Man darf davon ausgehen, dass dabei Profis am Werk waren, sodass keine Negativauswirkungen des Fototermins auf das Kätzchen zu befürchten sind. Dass nicht nur der Wolf, sondern auch der Beutegreifer Luchs Sympathiewerbung durchaus gebrauchen kann, zeigen die Fälle illegaler Wilderei in seinem wiederbesiedelten mitteleuropäischen Lebensraum: Vor wenigen Wochen erst wurde ein aus dem Hotzenwald über den Hochrhein hinweg in die Schweiz gewechselter Luchskuder tot aufgefunden. Immerhin dürfte sich die baden-württembergische Jägerschaft mittlerweile voll mit dem Luchsauswilderungsprojekt identifizieren: ihr Verband verschickte ebenfalls eine Pressemitteilung mit der Erfolgsmeldung „Meilenstein im Luchsprojekt: Luchsin Elisabeth hat Nachwuchs“.

Dass inzwischen elf Luchse in Baden-Württemberg nachgewiesen sind und dass es sich dabei fast drei Jahrzehnte lang ausschließlich um männliche Zuwanderer aus der benachbarten Schweiz gehandelt hat ohne realistische Aussicht auf eine Populationsgründung, hatte lange genug mit der Ablehnung von Seiten der Jäger und Landwirte zu tun – umso erfreulicher nun die Akzeptanz des Projekts. Und es gibt Hoffnung auf weiteren Nachwuchs: So wird in der Pressemitteilung der Ministerin angemerkt, dass die 2024 ausgewilderte Luchsin Verena und Kuder Reinhold (benannt jeweils nach bekennenden Luchsförderern) in der zurückliegenden Ranzzeit gemeinsam  ertappt und fotografiert worden seien, für die einzelgängerischen Luchse ein klares Indiz!

Nicht vor 200, sondern erst vor 30 Jahren wurde auf der Baar in einer Waldhütte zusammen mit schweizerischen, elsässischen und bayerischen Luchsexperten die Luchs-Initiative Baden-Württemberg gegründet. Auch für sie ist heute ein Freudentag! Drücken wir die Daumen, dass das Kleine durchkommt.


Luchse: auf Finja folgen Verena und Reinhold

28. Dezember 2024

Für das baden-württembergische Bestandesstützungsprogramm scheint das Jahr 2024 doch noch recht erfolgreich verlaufen zu sein, so sehr es die Luchs-Sympathisanten im Juli geschmerzt hatte, dass die im Dezember 2023 unter großem medialem Widerhall im Nordschwarzwald ausgewilderte Luchskatze Finja nachweislich an der Viruserkrankung Staupe (und nicht etwa an Vergiftung) eingegangen war.

Auf dem Sprung in die Freiheit: Luchs Reinhold
(Foto: Timo Deible)

Sehr viel weniger öffentliches Aufsehen erregten die Pressemitteilungen von Peter Hauk MdL, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, vom 27. November und  vom 19. Dezember 2024 jeweils über die Auswilderung der Luchskatze Verena und des Luchskuders Reinhold. Wie schon Finja, stammen auch diese beiden aus dem Auswilderungsgehege des Thüringer Wildkatzendorfs Hütscheroda und wurden durch das Projektteam der Freiburger Versuchs- und Forschungsanstalt FVA in den Nordschwarzwald verbracht. Verenas Freilassung ist im nachstehenden Film dokumentiert:

                       Ein weiterer Luchs in Baden-Württemberg ausgewildert    

Getauft wurden die beiden Luchse diesmal mit den Vornamen zweier um das Luchsprojekt besonders verdienter Persönlichkeiten: der Vorsitzenden der bereits seit 35 Jahren existierenden Luchs-Initiative Baden-Württemberg e. V. Verena Schiltenwolf sowie des Abgeordneten der Grünen im Landtag Reinhold Pix, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Bestandesstützungsprojekt Eingang in den grün/schwarzen Koalitionsvertrag von 2022 gefunden hatte. Waren doch seit 2004 bis zu 18 männliche Luchse (Kuder) aus der benachbarten Schweiz zugewandert – ohne jegliche Aussicht auf Nachwuchs. Die nächste winterliche Ranzzeit der Luchse könnte nun also schon zu einem Happyend führen, sei es mit dem seit Jahren im Nordschwarzwald nachgewiesenen Luchskuder Toni, sei es zwischen Verena und Reinhold.

Und natürlich sollen nach dem Schwarzwald bald auch die anderen waldreichen Landesteile wiederbesiedelt und die europäische Luchspopulation miteinander vernetzt werden. Zu Recht weist der BUND Baden-Württemberg jedoch in seinem Kommentar vom 19. 12. 2024 darauf hin, dass dies einhergehen müsse mit dem Bau von  Grünbrücken, wo doch auf den baden-württembergischen Autobahnen schon mehrere Luchse zu Tode gekommen sind. Man denke insbesondere an die A 81, wo von Heilbronn bis Engen  keinerlei Grünbrücken existieren. Bestandesstützung und der Bau von Durchlässen und Übergängen für wandernde Wildtiere müssen Hand in Hand gehen. Andernfalls droht die genetische Verarmung.

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