Das Kastell Hüfingen

Cover vom Buch aus 1937.

von Professor Paul Revellio, 1937

Unweit der Stelle, wo die aus dem Schwarzwald kommende Breg dicht unterhalb von Donaueschingen in die Donau mündet, lag auf der Höhe südlich von ihrem breiten Tal ein Kastell, das in die Frühzeit des römischen Vordringens zum oberen Neckargebiet gehört. Von seinen Wehrbauten und Innenanlagen haben sich im Ackerland keine äußerlich sichtbaren Reste erhalten. Nur die Ruine des Badehauses in der Mulde, die sich westlich vom Kastell gegen das Tal zu öffnet, bildet, vor Jahren ausgegraben und durch Überdachung geschützt, eines der ansehnlichsten römischen Denkmäler in Baden. Der antike Name des Kastells und der dazugehörigen Niederlassung Brigobanne oder wohl richtiger Brigobanna, (ein Name keltischen Ursprunges), ist durch die Peutingersche Karte als letzte Station auf der Straße von Vindonissa nach Arae Flaviae überliefert, und die Lage des Ortes ist durch Reste der Straße und die Entfernungsangaben der Karte gesichert.

Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)
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Alte Karte von Hüfingen aus dem Buch mit dem Ausschnitt der Kirchhalde und dem Kastell

Inschriftliche Zeugnisse für diesen Ortsnamen sind in Hüfingen bis jetzt nicht gefunden worden. Der pflügende Bauer des Mittelalters sah in den von Ackerboden überdeckten starken Fundamenten des römischen Kastellbades die Reste einer zerstörten Kirche. Kirchen waren ja lange Zeit die einzigen Steinbauten in den Dörfern. So ist der Flurname Kirchhalde, den der Hang westlich von dem Bade trägt, für Jahrhunderte wohl die einzige Erinnerung geblieben an das römische Brigobanna.

sein Portrait abfotografiert aus der Chronik

Erst das Zeitalter der Renaissance schuf die Vorbedingungen für das Verständnis dieser Reste und erweckte das Interesse für die Zeugen der römischen Kultur im heimatlichen Boden.

In Vindonissa und Augst nahm man sich während des 16. Jahrhunderts zum erstenmal wieder der dortigen Römerbauten an. In Augst fanden bald nach 1580 die ersten Grabungen statt.
In Württemberg gewann Simon Stüdion 1597 den Herzog für eine Grabung im Kastellgelände von Benningen. Da traf es sich günstig, daß das Städtchen Hüfingen in Hans von Schellenberg einen Herrn bekam, der humanistisch gebildet war und regen Sinn für das Altertum hatte. Er spricht nicht nur in seinem Briefwechsel mit dem Schaffhauser Chronisten und Pfarrer Johann Jakob Rüeger von römischen in Hüfingen gefundenen Münzen, sondern läßt auch 1605 drei Gewölbe unter dem Galgen, der an der Stelle des heutigen Wasserbehälters auf der Kastellhöhe stand, untersuchen. Es handelte sich wohl um natürliche Höhlen, die sich auf der zur Verkarstung neigenden Höhe immer wieder bilden.

Foto vom alten Wasserhochbehälter

Bei Anlage des Wasserbehälters im Jahre 1903 wurde dort der ganze Ackerboden bis auf den gewachsenen Fels abgehoben, ohne daß eine Spur von Mauerwerk gefunden werden konnte. Außerdem ließ Hans von Schellenberg im Tale einen römischen Fußboden abdecken, dessen Plättchen nach Art des Opus spicatum angeordnet waren. Er ist damals wohl auf einen der höher gelegenen Fußböden des Bades, etwa des Frigidariums oder Apodyteriums gestoßen. Freilich für eine richtige Deutung dieser Trümmer war die Zeit noch nicht gekommen. Hans hält die Reste für den Fußboden eines heidnischen Tempels oder einer jüdischen Synagoge.

Mit Hans erlosch dann zunächst das Interesse an den Resten. Die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und der Franzosenkriege waren für solche Studien wenig geeignet. Immerhin verzeichnet schon eine handschriftliche Oberamtsbeschreibung des Oberamts Hüfingen aus den Jahren 1767 und 1768 eine alte Sage, daß in dem Tal unter dem Galgenberg einst Tempelherrn wohnten, und sie bringt damit fälschlicherweise den Flurnamen „Münchshof und Münchswiese“ in Verbindung.

Sie berichtet ferner, daß man vor einigen Jahren in dem Tal beim Pflügen silberne und bronzene Münzen von Titus und Vespasian und kleine saubere Besetzplättchen und Spuren von einem weitläufigen und starken Gemäuer gefunden habe. Auch das Historisch-statistisch-topographische Lexicon von Baden von J. B. Kolb II. Band 1814 berichtet S. 98 von Münzfunden im „Mühlöschle“, der Flur, auf der die zivile Siedlung war, und unterirdischem Gemäuer gegen Bräunlingen hin und bringt diese Reste zum erstenmal mit der Station Brigobanne der Peutingerstraße in Verbindung, freilich, ohne bei der damaligen archäologischen Forschung damit Beachtung zu finden.

Andreas Buchner (1776-1856), seit 1811 Professor der Geschichte am Lyzeum in Regensburg, brachte die Untersuchung von neuem in Gang, als er den Verlauf des Limes zu verfolgen suchte und dabei auch die Peutingerstraße in seine Forschungen einbezog. Von Rottweil kommend, hatte er schon an Brigach und Breg alle Winkel durchsucht und war im Begriffe wieder abzureisen, als er auf Münzfunde bei Hüfingen aufmerksam gemacht wurde.

Foto der Büste im Schlosspark Donaueschingen

Auf seine Veranlassung befahl Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg 1821 die erste Grabung im Mühlöschle und die Aufdeckung der Gebäudetrümmer des Kastellbades. Sie wurde ausgeführt durch eine Kommission unter Leitung des fürstlichen Leibarztes Wilhelm August Rehmann, eine der ersten systematischen Grabungen in Baden, die mit ihren sorgfältigen Plänen und Ansichtsskizzen und dem Verzeichnis der gefundenen Münzen für ihre Zeit eine tüchtige Leistung war.

Ansichtsskizze des Kastells von August Rehmann

Ansichtsskizze des Kastells von August Rehmann 1821

Auch der Freiburger Historiker Heinrich Schreiber erwarb sich große Verdienste um die Sache; auf seine Veranlassung lieferte 1824 sein Schüler Josef Frick die erste Beschreibung des Bades. Im Herbst 1823 wurde im Kastellgebiet der sogenannte Tempel, ein Horreum, freigelegt und ein Plan davon aufgenommen. Bei einer Überschwemmung im Mai 1834 mußte man zum Schutze des am Nordhang des Galgenbergs gelegenen sogenannten Henkerhauses einen Damm aufführen, wofür die Erde vom Nordhang der Kastellhöhe genommen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde eine 60 cm starke Brandschuttschicht freigelegt, in der zahlreiche Kleinfunde lagen. Es handelte sich um den Schutt von einem Lagerbrand, der über den Nordhang der Kastellhöhe hinabgeworfen worden war, wie das in Vindonissa mit dem Schutt des Kalberhügels in ähnlicher Weise geschehen ist.

Neue Anregung erhielt die Erforschung des römischen Brigobanna durch den Gymnasiumsdirektor C. B. A. Fickler, der 1818 die erste zusammenfassende Darstellung der Grabungsergebnisse lieferte, eine dankenswerte Arbeit, die freilich im einzelnen sorgfältiger Nachprüfung bedarf, da Fickler sich zu sehr auf mündliche Überlieferung stützte und die ihm durch genaue Beobachtung des damals noch besser erhaltenen Bades gegebenen Erkenntnisquellen nicht genügend benutzte.

Von einer Grabung im Jahre 1871 sind nur einige Funde, keine Aufzeichnungen vorhanden. Zu bedeutenderen Ergebnissen konnte die Untersuchung erst kommen, als die Limesforschung die nötigen sicheren Grundlagen lieferte. Bei einer Straßenuntersuchung entdeckte Schumacher im August 1897 den südlichen Spitzgraben des kleinen Dauerkastells und verfolgte ihn von der Südwestecke 30 m weit nach Osten.

Aus den dabei gemachten Funden schloß Schumacher auf die Gründung der Niederlassung in claudischer und auf ein Erdkastell vespasianischer Zeit und gab dem Bad seine immer wieder umstrittene Deutung als Kastellbad. Der Bau der verlängerten Höllentalbahn 1899/1900 führte an der Ostseite der Kastellanlagen entlang und schnitt die Nordostecke des Kastellgrabens ab, ohne daß dieser erkannt wurde. Er brachte aber mit den Funden in den Klüften des Bahneinschnitts zum erstenmal einwandfrei claudische Sigillata und bei der Eisenbahnbrücke über die Breg eine Menge Gegenstände aus der Brandschicht von 1834, die hier wieder angeschnitten wurde.

Leider wurden die meisten dieser Funde verschleudert. Die von Schumacher gefundene Südfront des kleinen Dauerkastells wurde in den Jahren 1904—1906 von Gustav Rieger bis zur Südostecke weiter verfolgt und auch die Ostfront auf 20 m festgelegt. Leider hat Rieger keine Planaufnahmen gemacht; auch fehlt eine genaue Beschreibung der Sigillaten, so daß es heute nicht mehr mit Sicherheit möglich ist, diese von den Sigillaten der von ihm teilweise ausgegrabenen Villa im Deggenreuschen Wald zu trennen. Auf Grund des von Rieger veröffentlichten Materials und der in das Mainzer Zentralmuseum gelangten Proben erklärte Barthel in dem Bericht über die Erforschung des obergermanisch-rätischen Limes 1908—1912 dem Urteil Schumachers über die claudische Gründung der Hüfinger Anlagen nicht ganz beipflichten zu können. Diese Streitfrage zu klären, war der unmittelbare Anlaß zu weiteren Grabungen, die nunmehr die Reichs-Limeskommission in die Hand nahm.

Die Arbeiten begannen im Herbst 1913 unter der Leitung von Friedrich Leonhard und des aus Hüfingen selbst stammenden Bearbeiters. Da der Fonds der Limeskommission für Ausgrabungen erschöpft war, wurden die erforderlichen Mittel von der Römisch-Germanischen Kommission des Archäologischen Institutes und vom Badischen Ministerium des Kultus und Unterrichts zu gleichen Teilen zur Verfügung gestellt. Schon diese erste Grabung führte zur Feststellung des kleineren Kastells, das unten als „die behelfsmäßige Kastellanlage“ bezeichnet wird, mit seinem Südtore und zahlreichen Anhaltspunkten für weitere erfolgversprechende Untersuchungen. Aber durch den Krieg unterbrochen, konnten die Ausgrabungen erst 1924 wieder aufgenommen werden. Sie wurden dann von dem Bearbeiter bis zur Erschöpfung des Gegenstandes im Jahre 1932 fortgesetzt.

Die in Betracht kommenden Ackerstücke gehörten bei Beginn der Grabung zwar zum Besitz des Fürstlichen Hauses zu Fürstenberg in Donaueschingen, waren aber an verschiedene Nutznießer verpachtet, so daß immer nur einzelne Stücke zur Verfügung standen und die Grabungen oft unterbrochen werden mußten. Dank der sehr genauen von Leonhard begonnenen Aufnahmen ließ sich jedoch der Zusammenhang der ausgegrabenen Teile vollständig wahren.

Die Römisch-Germanische Kommission und der dem badischen Unterrichtsministerium unterstehende Ausschuß für Ur- und Frühgeschichte Badens gewährten nach wie vor bereitwillig die nötigen Mittel, während die Reichs-Limeskommission die geschäftliche Leitung des Unternehmens wahrnahm und dem Bearbeiter beratend zur Seite stand. Über den Fortgang der
Arbeiten wurde regelmäßig in der Germania, dem Korrespondenzblatt der Römisch-Germanischen Kommission, ausführlich berichtet. Die Funde gelangten in die Fürstlichen Sammlungen zu Donaueschingen, deren Leitung ihre Bearbeitung in jeder nur denkbaren Weise unterstützte.

Die Lage des Kastells und seine Verbindungen.

Alte Karte von Hüfingen aus dem Buch mit dem Ausschnitt der Kirchhalde und dem Kastell

Die Befestigungsanlagen liegen auf ebener Fläche 4 km südlich der Donauquelle und 800 m südwestlich des Städtchens Hüfingen am Südrande des Tales der Breg, kurz bevor diese in die Ebene des Rieds hinaustritt. Die Kastellebene überragt die Sohle der Breg um 22 m.

Dadurch entstanden an ihrer Nord- und Westseite steile Hänge, die natürlichen Schutz boten, ohne daß die Wasserversorgung des Kastells besondere Schwierigkeiten bot, wie das bei den weiter westlich gelegenen Höhen der Fall ist, wo die Höhenunterschiede viel größer sind. Auch an der Ostseite der Kastellebene zieht eine flachere Mulde entlang, die aber heute durch den Eisenbahneinschnitt teilweise beseitigt ist. Dazu genießt man von der Kastellebene einen weiten Ausblick in das Vorgelände. Der Blick schweift über das Ried hinweg auf die Stufenlandschaft der Ostbaar und findet eine Begrenzung erst an den steilen Höhen des weißen Jura wie dem Hohenlupfen und dem Himmelberg bei Oefingen.

Die Kastellhöhe von Westen, vorn der Schutzbau des Rämerbades 1937

Nach Westen zu sind es bis zur Buntsandsteingrenze, wo im Altertum schon die geschlossene Walddecke des Schwarzwaldes und damit das unbesiedelte Gebiet begann, immerhin noch 6 Kilometer. Die trockene Muschelkalkhöhe, die dazwischen liegt, war nur licht bestockt und daher leicht zu kontrollieren. Nach Norden zu aber schützte die unten vorbeiziehende Breg und weiter ostwärts das sumpfige und damals noch schwer zugängliche Ried. Es gibt in der weiten Umgebung von Hüfingen keinen Platz, der so die Vorzüge des natürlichen Schutzes mit der Möglichkeit eines weiten Ausblickes verbindet.

Dazu kommt, daß sich in der Nähe des Kastells alte Wege kreuzten. Unmittelbar westlich von ihm zieht ein solcher Weg als Hohlgasse auf die Muschelkalkhöhe, durchkreuzt als Burgerweg die Gemarkungen Hüfingen und Bräunlingen, überschreitet bei der Papiermühle das Gauchachtal (Sigillatafund) und zieht an Dittishausen vorbei nach Löffingen. Er verläuft auf der kürzesten Verbindung nach dem Breisgau. Südlich Dittishausen ist sein quer durch die Wiesen verlaufender Damm mit Steineinlage noch sichtbar. Vielleicht war dieser Weg streckenweise von den Römern ausgebaut.

Ein zweiter vorgeschichtlicher Weg, der ebenfalls von den Römern benutzt wurde, kam vom Schweizer Rhein und zog von Schleitheim über die Wutach nach Stühlingen, und über Weizener Häusle nach Ewattingen. Dort durchquerte er das Wutachtal ein zweites Mal, um an Mundelfingen vorbei gerade auf Kastell Hüfingen zuzustreben. Auf ihm sind wohl die Römer von Schleitheim aus an die Donau vorgerückt. Er wurde aber nicht als Kunststraße ausgebaut, wohl weil er zweimal das Wutachtal kreuzte.

Bauarbeiten von der Höllentalbahn an der Luttlinger Bruck 1899
Luttlinger Bruck 1899

Die von den Römern ausgebaute Strecke verlief von Schleitheim über Zollhaus und unter der jetzigen Landstraße Schaffhausen—Donaueschingen bis nördlich Behla, verließ sie beim Behlaer Weiher, um durch den Wolfbühl das Kastellgelände zu erreichen. Sie überquerte auf der Luttlinger Brücke, die wohl ihretwegen gebaut wurde, das Bächlein in den Schleewiesen und wurde durch den Bau der Höllentalbahn abgelenkt.

Aber westlich des Bahndamms ist sie von dem Höhenpunkt 692,5 ab auf eine Strecke von 200 m erhalten, weil dieses Stück bis zum Jahre 1870 von der Straße Hausenvorwald—Hüfingen benutzt wurde. Obwohl es zum Gesamtverlauf der Straße nicht paßte, wurde es doch in sie einbezogen, weil es ausgebaut und bei der Entstehung dieser Verbindung schon vorhanden war. Das spricht für sein Alter.

Westlich des Kastellbades und östlich der Seemühle wurde der Straßenkörper angeschnitten. Von dem Kreuz an der Bräunlinger Straße ist dann bis zum Schächer an der Donaueschinger Straße ein 1200 m langes Stück mit dem Namen Hochstraße erhalten. Aber auch die Donaueschinger Straße südlich des Schächers hat einen römischen
Straßenkörper. Es wird sich hier um die Durchgangsstraße handeln, während die Hochstraße der Verbindung von Kastell und Canabae mit dieser diente.

Die Donautalstraße, die Hüfingen mit den claudischen Kastellen an der Donaugrenze verbunden haben muß, ist noch wenig gesichert. Die erste Schwierigkeit liegt östlich von Hüfingen in der Überquerung des Rieds. Die von Hertlein in die Karte Die Römer in Württemberg Blatt II eingetragene Linie stützte sich vor allem auf die angebliche Feststellung eines Straßenkörpers in der kleinen Baugrube eines Hauses südlich des Bahnhofs Hausenvorwald.

Zur Geschichte des Kastells.

Uebersichtskarte des obergermanischen und raetischen Limes

Durch die Grabungen in Aislingen, Rißtissen und Unterkirchberg war die Besetzung der Donaulinie in claudischer Zeit erwiesen worden. Auch in Hüfingen weisen die ältesten Funde in diese Zeit. Die frühesten Sigillaten sind gleichzeitig mit denen von Rißtissen und Unterkirchberg, während die von Aislingen einen noch etwas ältere Eindruck machen. Die Reihe der stempelfrischen Münzen beginnt ähnlich wie in Hofheim und Aislingen mit einer unter Tiberius geprägten Divus Augustus-Münze, dann folgt ein unter Caligula geprägter Germanicus, darauf die Claudiusmünzen. Halbierte Münzen wie barbarische Nachprägungen, für die Zeit bis Claudius bezeichnend, sind ebenso vertreten.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Die frühen Rosettenfibeln hat Hüfingen mit Aislingen und Vindonissa, ebenso die Eisenfibeln vom Spätlatènetyp und die Bronzedrahtfibeln vom sogenannten Mittellatènetyp mit Aislingen und Hofheim gemeinsam.

Was Hüfingen von den genannten claudischen Fundplätzen trennt, ist das reiche Spätlatène-Inventar, Keramik wie Münzen, das aus dem Kastellgebiet gewonnen wurde. Es ist das naheliegendste anzunehmen, daß dieses Inventar auf eine vorrömisch-keltische Anlage zurückgeht, die an der Stelle des Kastells bestanden hat. Das müßten dann eben die von uns ausgegrabenen ältesten Befestigungsanlagen sein, in deren Gräben und Baracken wir dieses Material so zahlreich gefunden haben; denn anderes wurde nicht gefunden. Demgegenüber ergab der Graben B aus seiner Tiefe in mehreren Schnitten (s. o. S.6) eine Reihe claudischer Funde. Er war also in claudischer Zeit bis in seine Spitze offen; ebenso wurden in der Tiefe der Gräben M, Y und F einwandfreie frührömische Funde gemacht. Unzweifelhaft ist auch die vom Graben J umschlossene Daueranlage im engsten Anschluß an die ältesten Befestigungsanlagen errichtet; das wäre bei einer vor längerer Zeit hier bestehenden keltischen Anlage ebenfalls undenkbar.

Der Befund ließe nur die eine, freilich wenig wahrscheinliche Deutung zu, daß die Römer eine bis in die vierziger Jahre des ersten Jahrhunderts bestehende keltische Anlage erobert und sich dann selbst in ihr festgesetzt hätten. Demgegenüber bleibt die frühere Annahme immer noch die wahrscheinlichere, daß das Spätlatène-Material in die römische Okkupationszeit hineinreicht, wie dies ja auch Ulrich Karstedt, Die Kelten in den decumates agri, Nachrichten der Gesellsch. der Wissenschaften zu Göttingen 1933 S. 300 und Bittel, Die Kelten in Württemberg

Bei der Bedeutung dieses Anhaltspunktes hielt ich es (1935) für notwendig, neben dem Haus den Straßenkörper weiter zu verfolgen. Dabei stellte sich heraus, daß in der Baugrube nicht ein Straßenkörper angeschnitten worden war, sondern die Trümmer der dort in der Nähe anstehenden Quarzitbank.

Mir scheint der wahrscheinlichste Verlauf immer noch die Straße Hüfingen-Behla (Landstr. 27 der Karte) bis zu ihrer Abbiegung nach Süden und von dort in gerader Fortsetzung der Feldweg nach dem Berchenwald (am Ostrand des Waldes einige tiefe Hohlen). Vom Berchenwald ab wird die Straße unter der jetzigen Straße nach Pfohren bis zum Schloßbuck verlaufen sein. Hier mußte das Ried auf 500 m durchquert werden bis zum Michelberg und von da nach Neidingen.

Die behelfsmäßigen Kastellanlagen.

Plan der Anlage des Kastells

*laut Berichtignung muss es hier 1:2,8 heißen

Die ältesten Wehranlagen sind die inneren. Alles deutet darauf hin, daß es sich bei ihnen um feldmäßige Stellungen handelt, die unter dem Drange des Bewegungskrieges entstanden und dann immer wieder behelfsmäßig verstärkt und erweitert wurden. Das tritt uns besonders deutlich vor Augen, wenn wir die Gräben dieser frühen Anlagen vergleichen mit den sorgfältig ausgebauten Gräben der letzten für die Dauer bestimmten Anlage. Die Gräben sind an den verschiedenen Stellen ungleich breit und tief, mit holprigen und unebenen Böschungen; bald ist die innere Böschung steil, bald die äußere. Derselbe Graben endet bald in eine Spitze, bald in eine Sohle. Primitiv muß auch der hinter den Grüben aufgeführte Wall befestigt gewesen sein. Nirgends hat sich eine Spur von Pfostenlöchern für eine Wallversteifung gefunden. Aus denselben Gründen haben sich die Römer den natürlichen Schutz zunutze gemacht und die Anlage im Norden und Westen an die Steilhänge des Galgenberges vorgeschoben.

Erhalten ist von dieser ältesten Anlage nur die Süd- und Ostfront, wohl gerade die beiden interessantesten Flanken des Kastells, weil sie, von Natur am wenigsten geschützt, der Befestigung am dringendsten bedurften, beide aus vier hintereinander liegenden Gräben bestehend, wobei freilich sehr fraglich ist, ob alle vier Gräben gleichzeitig offen waren.

Die Gräben der Süd- und Ostfront.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Graben A. Die durchschnittliche Breite des Grabens beträgt hier 3—3,30 m, seine Tiefe nimmt nach Osten, wohin der Graben sein Gefälle hat, bedeutend zu, von 1,10 (Schnitt 1) bis 1,60 m (Schnitt 2). Er ist Sohlgraben; nur das Profil von 2 nähert sich einer Spitze. Schnitt 4 geschnitten zunächst in eine 30 cm starke Kulturschicht und dann in Kalkfels. Die Füllung des Grabens besteht in der Tiefe aus großen Kalksteinbrocken, die nach oben mit dem Gewachsenen aufhören. In die noch offen gebliebene Mulde zeigte sich in allen Profilen des Grabens eine 30-10 cm dicke Lehmschicht eingelagert, offenbar um den Graben ganz einzuebnen.

Wann dies geschehen sein kann, dafür gibt der in der Lehmeinfüllung von Schnitt 3 gefundene Tellerbodenstempel CRESTI einen Anhalt. Möglicherweise hängt die Einebnung mit der Anlage des ersten Dauerkastells zusammen, und der Lehm stammt aus dem Aushub des Ostgrabens dieses Lagers.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Graben B. Seine durchschnittliche Breite im Gewachsenen beträgt 3,30 m, seine Tiefe 1,50 m. Geschnitten wurde er in vier Schnitten 5—8. Das Kopfende des Grabens am Südtor wurde ganz freigelegt, ebenso das Ende des nach Norden gewendeten Teils des Grabens (Schnitt 8).

alte Fotos mich Gräben. Auf dem rechten Foto steht ein Mann mit Hut.

Dieses ist bedeutend schmäler: 2,30 m, seine Tiefe im Gewachsenen nur 1,10 m (1d). Die Profile von 6 und 7 zeigen eine sehr unregelmäßige Füllung (1b und c).

Grabenprofil - alte Zeichnung
Schnitt 6 durch Graben B
Grabenprofil - alte Zeichnung

Steinfüllung wechselt mit schwarzer Kulturerde. Bänder aus Brandschutt und Barackenlehm durchziehen die Profile. Im Grabenkopf und in den Schnitten 5 und 7 wurden für die Datierung der Gesamtanlage wichtige Funde gemacht.
Im Grabenkopf fand sich neben einheimischem Geschirr eine Stierpferdchenmünze und ein römischer Ringschlüssel. In einer Tiefe von 10 cm lagen über die ganze Breite des Grabenkopfs zerstreut Bruchstücke der Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 3).

Gezeichnete Scherben

Ferner lag in dem Grabenkopf das Bodenstück eines Schälchens Dragd. 24/25 mit Strichelrand, ferner ein Sigillatabruchstück einer halbkugeligen Schale mit den Resten eines Graffitos.

In Schnitt 5 in der Sohle wurde gefunden neben primitiven schwarzen Scherben das Bruchstück eines halbkugeligen
Schälchens mit Grießbewurf, weiter oben ein Bruchstück eines kleinen Täßchens mit Strichelrand, ferner wieder zahlreiche Scherben der Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 6), die wohl spätclaudischer Zeit angehört.

In der Sohle von Schnitt 7 fanden sich zahlreiche Bruchstücke einer außen rot bemalten und geglätteten Schüssel mit Wandknick und nach außen gelegtem Rand wie sie aus dem Gräberfeld von Bregenz bekannt geworden sind (wie Taf. XVIII Fig. 78), ferner ein spiegelnd glänzendes Bruchstück eines kleinen Schälchens aus Sigillata mit geknickter, im oberen Teil senkrechter Wand. Außerdem wurde das Mittelerz des Claudius Nr. 2 aus dem Aushub dieses Schnittes aufgelesen.

Grabenprofil - alte Zeichnung

Graben C ist ein Sohlgraben. Seine Breite beträgt durchschnittlich 3 m, seine Tiefe im Gewachsenen 1—1,20 m, in der Biegung in die Ostfront ist er schmäler. Auch dieser Graben hat Gefälle nach Osten. Er hat eine ziemlich gleichmäßige Füllung aus hellem Kalkschotter.

Die Profile zeigen im Gegensatz zu A keine Einschwemmungen von dunkler Kulturerde, auch wenige Scherben. Er scheint danach nur kürzere Zeit offen gewesen und dann künstlich eingedeckt worden zu sein. Der Osttrakt des Grabens ist durch den späteren großen Kastellgraben beseitigt.

Graben D gehörte, wie sich im Verlaufe der Grabungen herausstellte, ebenfalls zu den inneren, frühen Kastellanlagen. Er endete am Südtor in einem Grabenkopf mit ziemlich breiter Sohle (obere Breite 3,80 m, Tiefe 1,40 m) und wurde auf eine große Strecke an der Südfront von dem Kastellgraben der Daueranlage weggeschnitten.

Fotos von Bodenprofilen

Erst 1929 wurde seine Ostfront noch östlich des Ostgrabens der Daueranlage gefunden. Hier war er in den Schnitten 20 und 21 Spitzgraben bei einer Breite von 3,4 und 3,8 m und einer Tiefe von 1,8 m.

Der Graben wurde im Norden vom Eisenbahneinschnitt abgeschnitten. Westlich des Südtors hat er keine Fortsetzung, wohl deshalb, weil hier die Annexgräben an seine Stelle getreten waren.

Über den Zweck von Graben H vermag ich auch nach Abschluß der Grabung nichts zu sagen. Er beginnt an der Südwestecke des Pfeilerbaues und läuft kurz vor dem Südtor allmählich aus. Er hatte eine waagrechte Sohle von 1,20 m Breite und nahezu senkrechte Ränder. Er war in seinem östlichen Teil durchschnittlich 50 cm in den Fels eingetieft. Gefälle hat er nach Osten. Er muß lange offen gelegen haben, sein Profil zeigt an den Rändern eine sehr starke, eingeschwemmte Kulturschicht. In die nach dieser Einschwemmung noch vorhandene Mulde wurde heller Kalkschotter so fest eingestampft, daß die Füllung von oben fast wie gewachsener Fels aussah. Sein Profil erinnert an das einer Fundamentgrube. Es fand sich aber in keinem der Schnitte auch nur eine Spur von Mörtel.

Westlich des Südtors wurden die drei Gräben K, L und M durch mehrere Schnitte über den Grasweg hinaus bis in die Wiese hinein nach Westen verfolgt. Sie waren hier nur noch 50-60 cm tief. Trotzdem die Gräben bis an den Steilrand hinaus verfolgt wurden, konnte nicht einmal bei den beiden nördlichen (K und L) der Beginn einer Umbiegung in die Westfront festgestellt werden; sie muß also noch weiter westwärts gelegen haben. Während auf der Ostseite des Tordurchgangs alle drei Grabenköpfe durch einen Graben miteinander verbunden sind, sind es an der Westseite nur K und I. In diesem Graben war eine starke Kohlenschicht eingelagert. Der südliche Grabenkopf war bei dem Bau der kleinen Daueranlage als Pfostenloch für einen Zwischenturm benutzt und dafür mit senkrechten Böschungen versehen und mit schweren Steinen bepackt.

Die ganze Tafel II mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Die Toranlage.

Von besonderer Eigenart ist die Toranlage (Taf. III Fig. 3). Wie ein Keil ist die ganze Südfront gegen das am leichtesten zugängliche Gelände vorgeschoben; dadurch daß der Toreingang an der Spitze des Keils liegt, entsteht zwischen den beiderseitigen Grabenköpfen ein weiter, nach dem Tor zu sich verengender Raum, der von drei Seiten erreichbar ist. Am eigenartigsten aber ist der parallel zu den westlichen Grabenköpfen von Norden nach Süden verlaufende Graben P. Er hatte an seinem Nordende bei einer Breite von 2 m eine Tiefe von 1,40 mim Gewachsenen und eine 50 em breite Sohle, an seinem Ostende war er 2,25 m breit und 1,20 m tief. Er biegt auf der Höhe von M nach Osten um und reicht weit in den Torraum hinein, vor diesen eine zweite Sperre legend. Die übereinander greifenden Grabenköpfe von P nach C erinnern an das Lager von Hofheim und vorrömische Gewohnheiten.

Über den Zweck des Grabens P ist schwer etwas zu sagen. Vielleicht ist er erst angelegt als die beiden Annexcräben E und F an das Lager angeschlossen wurden, und hatte die Aufgabe, den Eingang in den von den Annexgräben umschlossenen Raum zu flankieren.

Nördlich von Grabenkopf B wurde die Erde in einer Breite von 8 und einer Länge von 14 m abgehoben. Es fanden sich aber keine Pfostenlöcher, die nach ihrer Tiefe und ihrer Lage für einen Torturm oder für die Wallversteifung in Frage kommen konnten. Wenn solche vorhanden gewesen wären, so hätten sie in dem harten Kalkfels unbedingt gefunden werden müssen.

Grabenprofil - alte Zeichnung

In Schnitt 4 war die Kulturschicht hinter Graben C in einer Länge von 3 m unterbrochen, und am nördlichen Ende dieser Unterbrechung war eine Vertiefung. Man könnte vermuten, daß diese Unterbrechung durch einen hinter dem Graben errichteten Wall verursacht war und die Vertiefung am Ende einen Pfosten oder ein Widerlager zur Wallversteifung aufgenommen habe. Aber diese Unterbrechung der Kulturschicht konnte in den benachbarten Schnitten nicht mehr beobachtet werden. Da in der Nähe des Horreums früher schon gegraben wurde, lassen sich auf diesen einmaligen Befund sichere Schlüsse für das Vorhandensein des Walles nicht bauen.

Auch im Torweg selbst fanden sich nur zwei Pfostenlöcher, die nach ihrer Tiefe und ihrem Durchmesser für einen Torverschluß in Frage kommen konnten. Ebenso zeigte sich auch hinter dem westlichen Grabenkopf, wo die Erde ebenfalls in einer Länge von 6 m 4 m breit abgehoben war, keine Spur von Pfostenlöchern. Es waren also hinter den Grabenköpfen von B und K keine den Tordurchgang flankierenden Türme vorhanden.

Die Erweiterungen auf der Südseite.

Eine Erweiterung der frühen Kastelle stellt die von den drei Annexgräben E, F und G (Taf. II, die Profile Taf. IV Fig. 1f-h) umschlossene Fläche dar.

Grabenprofil - alte Zeichnung
Grabenprofil - alte Zeichnung
Schnitt im Graben G

Die Gräben ziehen sich vom Südtor in flachem Bogen nach Südwesten bis an den westlichen Steilrand der Höhe, wo sie in scharfer Ecke nach Norden umbiegen, um dort in den nicht mehr vorhandenen Westtrakt des Grabens M oder L einzumünden. E und G haben nur einen Westgraben. Sie sind also gleichzeitig und unterscheiden sich von F‘ auch dadurch, daß sie keine Grabenunterbrechung haben.

So muß F zuerst der einzige Graben gewesen sein. E und G sind später angelegt worden. Sie sind dem Graben F nicht der Verstärkung wegen vorgelegt worden, sondern, um mehr Platz zu gewinnen, wobei dann F eingeebnet wurde. In der Spitze der Südwestecke von F fand sich das Bruchstück einer Sigillatatasse, wohl Dragd. 27 mit Stempelrest IN oder …NI. Die Breite der Gräben betrug 3,50 m, ihre Tiefe schwankte zwischen 1,20 und 1,60 m. Über den wieder zugefüllten Graben E hinweg zieht sich kurz vor seiner Einmündung in den gemeinsamen Westgraben eine Brandschicht mit zahlreichen Dachziegelbruchstücken, darunter eines mit Stempelrest und das Bruchstück einer Sigillataschüssel Dragd. 29 vespasianischer Zeit (Taf. XIV Fig. 26).

Grabenprofil - alte Zeichnung

Die Annexgräben sind wenig sorgfältig angelegt und können nur kurze Zeit offen gewesen sein, da die Einfüllung sehr arm an Kulturspuren ist. Das gilt vor allem auch von dem Graben Y, durch den diese frühen Anlagen vielleicht noch einmal um zwei Drittel ihres bisherigen Umfangs erweitert wurden. Die Art, wie diese Lagererweiterung an die Annexgräben angeschlossen ist, zeigt so recht den behelfsmäßigen Charakter dieser Erweiterung.

Die Breite von Y schwankte zwischen 3,50 und 4,10 m. Seine Tiefe hinter dem Südtor des großen Lagers betrug etwa 2,30 m. Die Füllung des Grabens zeigt fast gar keine Kulturspuren. Ein Schnitt (9) hinter dem Südtor des großen Lagers brachte zwei rot bemalte Tellerbruchstücke mit Viertelrundstab, Nachahmungen eines Sigillatatellers der älteren Form, die den unteren Teil der Wandung als ausgesprochene Kehlung zeigt (Taf. XVIII Fig. 70). Ein benachbarter Schnitt (10) zeigte in seiner Füllung das Profil eines Pfostens des großen Südtors.

Nach Osten nahm Graben Y an Breite und Tiefe ab. Er strebte hier offenbar auf den Steilhang jener Mulde zu, die vor dem Eisenbahnbau von Norden her vom Bregtal heraufzog, aber größtenteils durch den Eisenbahneinschnitt zerstört wurde. Nur der nördlichste Teil dieser Mulde ist noch vorhanden. Dort wurde durch drei Schnitte vergebens versucht, den Osttrakt von Y oder seine Umbiegung in die Nordfront zu fassen.

Die Gräben der übrigen Seiten.

Von den frühen Gräben der Ostfront wurde der äußerste durch den Eisenbahneinschnitt abgeschnitten, lange ehe er den Nordhang erreichte. Er endete in eine Spitze und hatte im letzten Schnitt eine Tiefe von 1,8 m bei einer Breite von 3,8 m. Die beiden inneren Gräben der frühen Ostfront konnten bis fast an den Nordrand der Lagerebene verfolgt werden. Sie nahmen beide nach Norden zu an Breite wie an Tiefe ab. Der nördlichste Schnitt von Graben O, etwa 15 m vom Nordhang entfernt, war nur noch 60 cm tief, der von A fast an der Nordgrenze des Ackers hatte bei einer Breite von 1,80 m eine Tiefe von einem Meter.

Graben A wurde durch zahlreiche Schnitte untersucht. Eine Grabenunterbrechung, die auf ein Osttor schließen ließe, wurde nicht gefunden. Die nördlichsten Schnitte zeigten auch keine Anfänge einer Umbiegung der Gräben von der Ostfront in die Nordfront. Freilich ganz am Nordrand der Lagerebene sind die Gräben überhaupt nicht mehr festzustellen, ebensowenig wie die Nordfront der späteren Anlage (s. u.). Hier zeigten sich nach Abhebung des Ackerbodens tiefe Klüfte.

Der Fels war in große Blöcke zerspalten und diese verschoben. Die Breg, die hier einmal ganz nahe an den Hang herangetreten sein muß, hat die Unterlage unterspült, so daß die oberen Bänke nachrutschten und nach der Breg zu absanken. Diese Bewegung ist auch heute noch nicht abgeschlossen, wie die Klüfte, die sich in den Äckern dort immer wieder öffnen, beweisen.

Ebensowenig wie von der Nordfront ist von der Westfront der frühen Anlage etwas vorhanden. Hier muß in nachrömischer Zeit ein Teil des Hanges wohl durch Steinbruch beseitigt worden sein. Obwohl die Gräben K, L, M soweit als möglich bis an den Hang hinaus verfolgt wurden, war auch hier von einer Umbiegung in die Westfront nichts zu erkennen. Doch muß der Westtrakt von L wohl in der Flucht des späteren großen Kastellgrabens verlaufen sein, der ihm vermutlich gefolgt ist. Freilich ist auch der große Kastellgraben durch den Hang beseitigt, aber sein Verlauf ist wenigstens festgelegt durch den 8 m weiter östlich parallel zu ihm verlaufenden Graben N 1. Denkbar wäre auch hier, daß man wie beim Westtrakt der Annexgräben sich infolge der natürlichen Sicherung durch den Steilhang mit einem Westgraben begnügte und die beiden anderen (K und M) in ihn einmünden ließ. Für K kann man das fast sicher sagen; denn sonst müßte seine Wendung in die Westfront durch Schnitt 11 noch erfaßt worden sein.

Die ganze Tafel II mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Die Innengräben.

Von der Raumdisposition im Innern der frühen Kastellanlagen steht nur eines fest: die Richtung der Hauptlagerstraße, die durch die Unterbrechung der Gräbchen nördlich von S festgelegt ist. Das Gelände nördlich von dem Gräbchensystem bei S enthält keine römischen Kulturspuren mehr. Dort ist die alte Oberfläche verschwunden, und eine kaum 10 cm starke Humusschicht bedeckt den hier anstehenden Trigonodusdolomit. Um dieses Gelände zu untersuchen, wurde an dem Ostrand des Grasweges entlang ein langer Suchgraben bis zum Wasserbehälter geführt, ein zweiter wurde von den Grabenköpfen des Systems S aus auf dasselbe Ziel hin angelegt. Aber beide Schnitte ergaben unter einer geringen Humusdecke den gewachsenen Fels. Um auch das Gelände weiter östlich nach Spuren abzutasten, wurden von dem Nordrand her gegen Süden die drei Schnitte Q, R und T in einem Abstand von etwa 10 m geführt. Der westliche stieß schon in geringer Tiefe auf das Gewachsene und zeigte keinerlei Kulturspuren. Der mittlere, der auf eine Länge von 60 m ausgehoben wurde, war bis in eine Tiefe von 2 m geführt, ohne daß man auf das Gewachsene oder auf eine Kulturschicht stieß.

Er legte an seinem Südende eine von Ost nach West ziehende Verwerfungsspalte frei. Hier waren die oberen Kalkbänke infolge der Verkarstung der Unterlage in die Tiefe gesunken. Der Schnitt verlief in der Längsachse des eingebrochenen Stückes. Da sich selbst in 2 m Tiefe noch keine römische Kulturschicht zeigte, so möchte man annehmen, daß der Einbruch erst in nachrömischer Zeit erfolgte oder sich wenigstens fortsetzte. Der östliche der drei Schnitte hatte in einer Tiefe von 1 m auf seiner Sohle stellenweise Brandstellen ohne nennenswerte Funde.

Unmittelbar neben diesem Schnitt war man schon 1913 21 m nördlich von der damaligen Grenzsteinlinie in eine schmale kanalartige Kluft (U) geraten, die in nordsüdlicher Richtung zog. Sie war aufgefüllt, und schon bald stieß man auf die Sockelplatte eines Votivsteins (bei Punkt 12), zu der sich dann auch noch einige Bruchstücke des Leibes mit Karniesrahmung und die untere rechte Ecke der Inschrift fanden (letzte Reste von 4 Zeilen, Taf. V Fig. 4a und b).

Foto eines Votisteins
Bruchstück mit RS und dann R eingemeißelt

Vergeblich wurde nach weiteren Fragmenten des Votivsteins gesucht. Die Kluft biegt etwas nach Westen aus, um dann die alte nordsüdliche Richtung wieder aufzunehmen. Sie ist voll von Schutt, Ziegeln, Barackenlehm, Scherben und vielen Knochen. Auch zwei römische Münzen, Claudius Nr. 7 und Vespasian Nr. 17, fanden sich darin.

Tafel IX


Keltische Münzen

1 Leuker, gut erhalten, Vorderseite Kopf n. I., Rückseite Eber, Gewicht 2,79 g
2 Dieselbe, etwas aufgequollen, Gewicht 3,96 g
3 Dieselbe, leicht beschädigt, Gewicht 3,15 g
4 Dieselbe, leicht beschädigt, Gewicht 3,75 g
5 Sequaner, fast vllständig erhalten, Voerderseite Kpf n.l., Rückseite Stier, Gewicht 4,65 g
6 Dieselbe, vollständig erhalten, Gewicht 5,1 g;
7 Dieselbe, aber aus hellem Potin, schlecht erhalten, Gewicht 4,8 g
8-12 Dieselbe, teilweise beschädigt

13 Ein ganz ähnliches Stück, von mir 1913 in der Villa rustica im Deggenreuschenwald bei Hüfingen gefunden

14-23 Dieselbe
24 Helvetier, ziemlich beschädigt, Rückseite gehörntes Tier,

Verzeichnis sämtlicher auf Gemarkung Hüfingen gefundenen Münze

So ist in den nordwestlichen Lagerpartien das Gräbchensystem nördlich von S das letzte, was erhalten geblieben ist, und auch hier ist die alte Oberfläche nicht mehr da, sondern nur noch die Vertiefungen, die Gräbchen und Mulden. Nördlich von dem Graben S und parallel zu ihm laufen in leichtem Bogen vier Gräbchen. Sie sind alle unterbrochen und markieren dadurch den Verlauf der Hauptlagerstraße. Diese Gräbchen zeigen sich im Frühjahr als nasse Streifen auf dem sonst trockenen Ackergelände, weil dieses nur eine geringere Humusschicht deckt und rascher abtrocknet als die in den Gräbchen befindliche Erde. Die Gräbchen wurden vom Grasweg aus durch mehrere Schnitte verfolgt und ihre Köpfe beiderseits des Lagerwegs freigelegt. Dann wurde im Anschluß an den schon 1913 abgeputzten Streifen ein weiterer abgedeckt (Taf. VIII Fig. 5).

Tafel mit Fotos verschiedener Bodenprofile. auf Foto 1 ist wieder der Mann mit Hut. Man sieht hier gut die alten Grabungsstätten

Tafel VIII

Wie schon die großen Kastellgräben, nahmen auch diese Gräbchen nach Westen zu bedeutend an Breite und Tiefe ab, ein Zeichen, daß hier im Verlaufe der Zeit ziemlich viel Boden abgetragen sein muß. Deshalb waren auch die Funde in dem abgedeckten Teil verhältnismäßig spärlich: Bruchstücke einer Bregenzer Schüssel, kleiner Bronzering mit Inschrift, Bodenstück eines Schälchens Dragd. 27, das Bronzebeschlägstück Taf. XI Fig. 18.

Tafel mit verschiedenen Fundstücken von Nummer 1 bis 103

Tafel XI

Beschreibung Tafel XI

Grabenprofil - alte Zeichnung

Auch westlich der Lagerstraße wurden die Gräben weiter verfolgt. Die Humusdecke nimmt hier an Dicke zu, und damit mehren sich auch die Kulturspuren und Funde. Hier geriet man bald in die Gräbchen der überlagernden Baracke Ib. Die Profile der Gräbchen nördlich von S zeigen meistens flache Böschungen und eine kleine Sohle. Zwei größere Gräben S und S3 flankieren zwei schmälere und flachere. Der breiteste ist S, dessen Profil Fig. 1i wiedergibt. Die Sohle hat in den Schnitten 17, 18 und 19 eine rinnenartige Vertiefung, wie sie für Wasserabzugsgräben charakteristisch ist. Für diesen Zweck spricht auch die Füllung der Sohle mit dunkler, eingeschlämmter Kulturerde. Schon 1913 waren diese Gräbchen durch ihre dunkle Füllung aufgefallen. Es können keine Barackengräbchen sein. Das zeigen die Profile.

Der Unterschied wurde besonders deutlich, als wir die schmalen und senkrecht in den Fels eingetieften Gräbchen der Baracke I kennen lernten.

Graben S kann aber auch nicht als Umfassungsgraben einer ältesten, womöglich noch vorrömischen Anlage gedeutet werden. Das Kartenbild des Grabens entspricht nicht seiner Bedeutung; seine Tiefe ist gering; sie schwankt zwischen 80 cm an der Westfront und 1,20 m in Schnitt 17. Das Ostende des Grabens ist etwas nach Norden abgebogen und sorgfältig ausgearbeitet. Das ließ zunächst an eine Torlücke denken. Aber die nördlich und östlich von dem Ende in mehreren Abständen gezogenen Suchschnitte zeigten, daß S hier wirklich zu Ende war und sich nicht nach einer Unterbrechung nach Norden oder Nordosten oder Osten fortsetzte. Um auch über die Zeitstellung restlose Klarheit zu schaffen, wurde der Graben in Schnitt 17 auf eine Strecke von 2,50 m ganz ausgehoben. Dabei wurde in seiner Tiefe außer der einheimischen Gebrauchsware eine weite halbkugelige Sigillataschale mit horizontal abstehendem Rand (Ritterling, Hofheim Typus XII und Knorr, Aislingen S. 76 zu Fig. 22) und die barbarische Prägung einer Lyoner Altarmünze gefunden. Die Füllung von Schnitt 19 enthielt mehrere Bruchstücke eines kleinen Sigillatatäßchens mit geknickter, im oberen Teil senkrechter Wand mit Stempelbruchstück. Die Gräbchen gehören zu den ältesten Innenbauten der frühen Anlage. Es gibt wohl kaum eine bessere Erklärung für dieses Gräbchensystem, als daß es den Zweck hatte, die dazwischen gelegenen Streifen zu entwässern und dadurch eine trockene Wohnebene für Zelte oder sonstige leichte Bauten zu schaffen. Die bei den Abdeckungen gefundenen Mulden und sehr flachen Quergräbchen mögen damit zusammenhängen.

Demselben Zweck wie die Gräben nördlich von S dienten auch die drei unter dem Pfeilerbau (dem Horreum) durchgehenden frühen Gräbchen (Taf. III Fig. 4).

Die ganze Tafel III mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Daß es keine Barackengräbchen waren, sieht man an den Profilen wie an der Art, wie das nördliche Q an der Ostecke
des Pfeilerbaues in leichtem Bogen in den Nordsüdgraben V einmündet (Taf. III Fig. 4). Auch die Füllung, schwarzer Schlamm, durchsetzt mit zahlreichen Funden, spricht dagegen. Das nördliche dieser Gräbchen (im Gewachsenen Breite 1,35 m, Tiefe 35 cm) begann in der Nähe des Ofens, Ost- und Westmauer des Pfeilerbaues waren über das Gräbchen hinweggeführt, ohne daß das Fundament der Mauer in dieses hinunter reichte. In diesem nördlichen Gräbchen fanden sich westlich des Pfeilerbaues zahlreiche frühe Funde:
Die Militärfibel Taf. X Fig. 9, die beiden Rosettenfibeln Taf. X Fig. 8 und 10, der Pionierpickel Taf. XIII Fig. 16, die Bruchstücke eines Henkels von Millefioriglas Taf. XIII Fig. 23, ein halbkugeliges Schälchen mit Grießbewurf und Bruchstücke eines Sigillatatellers mit Viertelrundstab.

Tafel X mit Fundstücken wie Haarnadeln Nummer 1 bis 66

Tafel X

Beschreibungen Tafel X

Tafel XII mit Speerspitzen

Tafel XII

Beschreibung Tafel XII

Das mittlere Gräbchen (im Gewachsenen 60 cm breit, 30 cm tief) mündete ebenfalls in den Nordsüdgraben V, der hier unter der Ostmauer des Pfeilerbaues liegt. Am Westende dieses Gräbchens lag ein römischer Spitzamphorenfuß mit Henkelbruchstück, das Bruchstück eines violetten Glasarmrings Taf. XIII Fig. 36, ein Sigillatatellerbruchstück mit Viertelrundstab und dom Stempel Felicis Taf. XVI Fig. 9, der bronzene Stiel eines Weinsiebs Taf. XII Fig. 6a und die Fibeln Taf. X Fig. 13, 26, 28 und 29. Das südlichste und mächtigste der Gräbchen (im Gewachsenen 1,56 m breit, 50 cm tief) endete nicht in dem Graben V, sondern in A. Sein Anfang konnte nicht mehr festgestellt werden. Aus seiner Tiefe stammt die rote Schüssel Taf. XVIII Fig. 78. Der Graben V hatte gegenüber der Nordostecke des Pfeilerbaues eine Breite von 1,5 m bei einer Tiefe von 1,65 m; er wurde nach Norden immer breiter und flacher und lief allmählich ganz aus.

Der Graben ergab gegenüber dem Pfeilerbau an Funden einen großen Schiebeschlüssel Taf. XII Fig. 18 und einen Breitmeißel aus Eisen Taf. XIII Fig. 3 sowie das Bodenstück eines Schälchens Dragd. 27 mit Stempelbruchstück Taf. XVI Fig. 31, wohl Acuti.

Im Innern des Pfeilerbaues wurde ein Wasserbehälter S von 6,5 × 8 m Grundfläche freigelegt. Er war 65 cm tief und mit einer 50 cm starken Lehmschicht ausgekleidet. Die Wände waren nach innen geböscht. Die Ostwand ist wahrscheinlich bei der Ausgrabung im Jahre 1823 zerstört worden; seine Westwand sitzt teilweise unter der Pfeilerbaumauer. Daß der Behälter älter ist als der Pfeilerbau, zeigt überdies das Postament I, das einfach auf die Lehmverkleidung aufgesetzt war (Taf. VIII Fig. 3).

Spuren von einer sonst bei solchen Anlagen vorhandenen Holzverkleidung waren nicht mehr zu erkennen. Vielleicht waren sie durch die erste Ausgrabung zerstört. Ähnliche Anlagen fanden sich in dem Erdkastell der Saalburg, Saalb. Jhrb. VI 1914-24 S. 25. Das Gräbchen R (im Gewachsenen 75 cm breit, 30 cm tief) mit waagrechter Sohle, diente wohl als Abflußrinne des Beckens. Es muß angelegt gewesen sein, ehe Graben V vorhanden war. Möglicherweise gehört der Behälter zu einer „Holzbadeanlage“, wie sie in Vindonissa gefunden wurde. Weitere Reste können durch die erste Ausgrabung des Pfeilerbaues zerstört sein. Reste eines „Lehmstreifs“, der aus der Südostecke des Baues bis zum Gräbchen R (Taf. III Fig. 4) nach Norden zog, wo er von der späteren Ostmauer abgeschnitten wurde, konnte Leonhard 1913 noch beobachten. Eine solche Anlage würde es erklären, weshalb der Graben B nicht hinter der ganzen Südfront durchgeführt war.

Tafel XIII mit Fundstücken

Tafel XIII

Beschreibung Tafel XIII

Die Tafel 14 mit den ganzen durchnummerierten Scherben

Tafel XIV

Tafel 15 mit den Bruchstücken von Vasen

Tafel XV

Tafel XVI sechzehn mit Bruchstücken

Tafel XVI

Beschreibung Tafel XIV, XV, XVI

Artefakte auf Tafel 17

Tafel XVII

Die Tafel 18 mit den ganzen durchnummerierten Scherben

Tafel XVIII

Beschreibung Tafel XVII+XVIII

Ziegel, Lampe und Steine

Die Baracken.

Die ganze Tafel III mit Zeichnungen über die Gräben und Schnitte in denen die Erdschichten beschrieben werden.

Wie bei den Wehrbauten handelt es sich auch bei den Baracken der frühen Kastelle um sehr leichte Anlagen, die im Boden oft nur dürftige Spuren hinterlassen haben. Es sind durchaus lange Bauten von geringer Tiefenausdehnung, durch zahlreiche Querwände in einzelne Contubernien eingeteilt, deren Breite durchschnittlich 3 m betrug. Eine Unterteilung nach der Tiefe war bei diesen frühen Baracken nicht vorhanden. Da die Bauten sehr leicht waren, wurden sie auch sehr oft verändert. Daher die zahlreichen Querwändchen, die sich oft nebeneinander wie die Geleise eines vielbefahrenen alten Weges im Boden einzeichneten. Oft sind die Spuren so schwach, daß wir sie nur bei umfangreichen Abdeckungen in ihrem System zu erkennen vermochten, so bei den frühen Barackengräbchen unmittelbar hinter dem Graben B.

So waren die Spuren von solchen Barackengräbchen auch nur östlich von dem Hauptlagerweg zu erkennen, weil westlich davon mit einem Teil der alten Oberfläche auch die wenig tiefen Gräbchen verschwunden sind. Aber auch östlich ist nicht mehr so viel erhalten, daß ein System in der Verteilung der Baracken mit Sicherheit zu gewinnen ist. Immerhin läßt sich doch einiges erkennen (vg). Taf. III Fig. 1, wo die älteren Barackengräbchen unschraffiert sind.

Die ältesten Baracken waren wohl nach dem Graben A orientiert. Dazu gehörto die Baracke 1a, die mit ihrem Gegenbau, der ersten Anlage von 1b, eine Doppelkaserne bildete. Vielleicht stellte das Gräbchen 18b die Rückwand einer zweiten solchen Doppelkaserne dar, die sich dann bis zur Nordwand von Baracke II erstreckt hatte. Dieses System wurdo, wie Baracke II zeigt, geändert, als Graben B angelegt und die Baracke II nach ihm ausgerichtet wurde (Taf. III Fig. 2). Innerhalb der Baracken wurde viel Barackenlehm gefunden, aus dem die Wände ausgeführt waren. Seine Stärke (etwa 1 cm) zeigt, daß es sich um sehr leichte Bauten handelte. Ziegelplatten wurden kaum gefunden, der leichte Oberbau hätte eine Ziegelbedachung nicht getragen.

Die Baracke Ia war die erste Baracke, die untersucht wurde (Taf. III Fig. 1). Der langgestreckte Bau konnte auf eine Länge von 33 m verfolgt werden. Die durchschnittlich 40 cm breiten Gräbchen sind mit senkrechten Rändern 20—30 cm tief sorgfältig in den Kalkfels eingeschnitten. Nach Süden zu verschwinden die Spuren allmählich, weil hier die Fundamentgräbchen nur in den Humus eingesetzt waren. Die im ersten Bericht genannten Pfostenlöcher dürften mit der Baracke nichts zu tun haben. Damit entfällt auch die dort genannte Tiefe von 11 m. Die Tiefe der Baracke dürfte vielmehr 4,5 m betragen haben. Die Rückwand ist in den Ostteilen noch zu erkennen, und am Westende dürfte sie durch das Grübchen 18a bezeichnet sein. Die einzelnen Contubernien hatten eine Breite von 3 m. Eine Unterteilung nach der Tiefe war nicht vorhBruchstücken einer claudischen Schüssel Dragd. 29 Taf. XIV Fig. 1anden. Funde aus dieser Baracke bestanden in zahlreichem Latènegeschirr, einem Sigillatatäßchen mit Strichelrand, reich profiliertem Sigillatateller, Bruchstücken einer claudischen Schüssel Dragd. 29 Taf. XIV Fig. 1, Potinmünze Nr. 9, Mittelerz des Tiberius (Divus Augustus) Nr. 3.

Nördlich von Baracke la war ursprünglich ein gleich leicht gebautes Gegenstück, dessen Spuren in der später wiederholt umgebauten Baracke Ib (auf Taf. III Fig. 1 schraffiert) stecken.

Die Baracke II gehört ebenfalls in die frühe Zeit (Taf. III Fig. 2). Sie verläuft parallel zu Graben B. Ihr voraus ging eine nach dem Graben A orientierte Anlage, die etwas nach Norden verschoben wurde, als Graben B gebaut wurde. Der Bau muß ebenfalls ungefähr 33 m lang gewesen sein, wenigstens bietet der Graben B soviel Raum für ihn. Im Ostteil waren Spuren der Baracke nicht mehr zu finden, obwohl durch mehrere Schnitte nach ihnen gesucht wurde. Dagegen waren die Barackengräbchen im Westteil sehr gut erhalten (Gesamttiefe 80 cm, Breite der senkrecht eingetieften Gräbchen 40—50 cm). Freigelegt und genau festgestellt konnten noch fünf Contubernien werden. Sie hatten eine durchschnittliche Breite von 3 m und zuletzt eine Tiefe von 7,5 m. Eine Unterteilung war nicht vorhanden, denn die Längsschwelle, die die Baracke im Innern durchzieht, gehört zu einer früheren, nach Graben A orientierten Anlage. Auch in dieser jüngeren Anlage wurden die Scheidewändchen zwischen den einzelnen Contubernien noch wiederholt versetzt. Die Funde in dieser Baracke waren:
gewöhnliches Geschirr fast nur einheimischer Technik, keltische Potinmünzen: eine vom Ebertyp Nr. 3, drei vom Pferdchentyp Nr. 15, 18, 19, Victoriat, Stempel des frühen südgallischen Töpfers Secundus (Taf. XVI Fig. 25), Sigillatabecher Dragd. 30 (Taf. XV Fig. 5), Fragment einer Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 2).

Baracken III und IV (Taf. II, schraffiert). Die beiden Baracken laufen parallel zum Ostarm des Grabens Y, gehören also zur letzten Erweiterung des frühen Kastells. Bei Baracke III hob sich das Fundamentgräbchen der Nordwand in dem hier anstehenden Lehm durch seine senkrechten Ränder und die steinige Füllung vorzüglich ab, während die Gräbchen der Südwand weniger tief und teilweise unterbrochen waren. Das Ostende der Baracke war durch den späteren großen Kastellgraben abgeschnitten, östlich von diesem fand sich keine Spur mehr davon.

In einem Abstand von 9 m wurde weiter nördlich eine zweite, gleichgerichtete Baracke IV angeschnitten. Ihre in den blauen Lehm senkrecht eingetieften Gräbchen (Breite 40 cm, Tiefe im Gewachsenen 30 cm) waren in den östlichen Partien sehr deutlich zu erkennen. Nach Westen, wo Kalkstein ansteht, nahm die Tiefe der Gräbchen rasch ab, so daß westlich von dem Gräbchen N 2 keine Spur der Baracke mehr zu erkennen war. In der Nähe der Baracken fanden sich meistens Kochstellen und Abfallgruben. Die Kochstellen waren in der Regel an der großen Menge von Scherben, die mit Asche und Ruß zusammenlagen, zu erkennen. In dem gowachsenen Boden hoben sie sich als flache, rundliche Mulden ab, während die Abfallgruben bis zu 1 m tief in diesen eingeschnitten waren. Mehrere solche Kochetellen lagen in der Nähe von Barake III mit zahlreichen Scherben nur einheimischer Art. In der nördlichen dieser Kochstellen (15) fand sich auch die ausgezeichnet erhaltene Potinmünze Nr: 22 und ein Feuersteinschaber. Da diese Kochstellen bis an den Grabenrand von Y heranreichen, müssen sie früher sein als Y, also auch als die Baracke. Die Grube 46a ist eine Abfallgrube.

Auch südlich von Baracke Ia war ein soches Kochloch, und wenige Meter weiter südlich wurden die Reste eines Herdes oder Ofens freigelegt. Er hatte Achterform. Der größere, südliche Teil war von einer Steinsetzung umgeben, der kleinere war nur in Lehm eingetieft. Beide waren durch eine kleine Öffnung, die beiderseits von Steinen begrenzt war, verbunden. Im innern, größeren Teil sind Steine und Lehm rot verbrannt, im vorderen ist alles schwarz und voll Ruß und Brandschutt. Die Steine um den inneren Herd stehen an der Nordwestseite hochkant, hinten liegen sie. Im Innern des hinteren Herdes ist eine 13 cm tiefe, trapezförmige Grube in den Lehmboden eingelassen. Der Herd war etwa 60 cm in den umgebenden Lehm eingetieft, darüber lagen noch 75 cm Humus. Die Nordwestseite des Herdes ist später einmal abgerissen worden. Die Umgebung des Herdes lieferte zahlreiche Scherben von Flaschen, Krügen und Schalen in guter Latènetechnik. Es ist technisch die beste Ware, die hier gefunden wurde.

In der Nähe von Baracke II wurden zwei große Abfallgruben freigelegt; die eine an der Nordwand ohne bemerkenswerten Inhalt. Aus der großen, ovalen Grube (1,80 m lang, 80 cm tief) vor der Westseite der Baracke wurde zahlreiches Scherbenmaterial gehoben:
Fußstückeines Täßchens Dragd. 27 mit Stempel COSIVS VRAP (Taf. XVI Fig. 4),
Bruchstück einer Sigillataschale mit Kragenrand, eines großen Nigratellers mit hohem rechteckigem Fuß, ein fast vollständiger Teller in Nigra ohne Standring, dazu viele Bruchstücke schwarzer, geglätteter Ware und auch weiß und rot bemalter Ware, das frische Mittelerz des Tiberius (Divus Augustus) Nr. 4.

Die Dauerkastelle.

Zeigten die bisher behandelten Wehranlagen in der geringen Tiefe ihrer Gräben, der mangelnden Sorgfalt, mit der sie ausgehoben wurden, mehr die Merkmale feldmäßiger Befestigungsweise, so dürfen wir in den Wehranlagen des kleinen und des großen Lagers mehr das Bestreben sehen, diese behelfsmäßigen Anlagen durch eine für die Dauer berechnete Anlage, die mehr Widerstandskraft hatte, zu ersetzen. Der 6 m breite Graben J mit einer Tiefe von 3,20—3,90 m war ein gefährliches Annäherungshindernis, was uns besonders dann zum Bewußtsein kam, wenn die Arbeiter, die ihn ausgehoben hatten, die größte Mühe hatten, aus seiner Tiefe an den glatten Böschungen wieder emporzukommen. Er stellte auch an die Mannschaft, die ihn ausheben mußte, die größten Anforderungen, da er größtenteils in den harten Trigonodusdolomit eingeschnitten werden mußte. Von den frühen Kastellgräben in Rißtissen, Unterkirchberg, Waldmössingen erreicht ihn keiner an Breite und Tiefe. Nur der Graben des großen Lagers von Rottweil, der ihm auch zeitlich am nächsten steht, kommt ihm stellenweise gleich.

Die Umfassungsgräben des kleinen Lagers.

Die Südfront ist am besten erhalten. Da an ihr allein dessen Zeitstellung festgestellt werden konnte, so wurde sie durch neun die Spitze des Grabens J freilegende Schnitte untersucht. Wichtig für die relative Chronologie ist Schnitt 25 östlich des Südtors (Taf. III Fig. 3, Profil Taf. IV Fig. 1k und Ansicht Taf. VII Fig. 4).

Er zeigt deutlich, wie die helle Füllung des Grabens C durch die dunkle Füllung von J abgeschnitten wurde. Graben J ist also jünger als C. Besonders untersucht sind die Grabenköpfe des Südtors (Taf. III Fig. 3), des einzigen, das festgestellt werden konnte. Steil waren vor allem die Kopfböschungen. Der westliche Grabenkopf war in einer Breite von 3 m ausgehoben und erreichte eine Tiefe von 3,90 m (Profil Taf. IV Fig. 1m). Die Füllung zeigte oben eine 1 m starke Humusschicht, darin lagen zuoberst Bodenplättchen und Dachziegelbruchstücke, darunter einer mit Stempel der 11. Legion (Taf. XVI Fig. 41), darunter folgte eine 1,70 m dicke Schicht von lehmiger Ackererde mit wenig Steinen, dann über der Spitze eine 30 cm starke Lage von Rollkieseln, die offenbar zu Lebzeiten des Grabens in seine Spitze hinuntergerollt oder absichtlich hineingeworfen waren (vgl. Abt. A Strecke 1 S. 51 Anm. 2). An datierbaren Stücken fanden sich in 1,50 m Tiefe das Bruckstück der Sigillataschüssel Dragd. 29 claudisch-neronischer Zeit (Taf. XIV Fig. 8) und in 2 m Tiefe ein schwarzes Schüsselfragment mit eingebogenem Rand. Auch der östliche Grabenkopf wurde in einer Länge von 3,40 m ausgehoben und ergab dieselbe steinlose Erdfüllung und dieselben sorgfältig bearbeiteten Böschungen, aber auch dieselben dürftigen Einschlüsse: an Sigillaten zwei Bruchstücke einer Schüssel mit horizontal abstehendem Rand und die Sequanermünze Nr. 20. Bei diesem Schnitte wurde auch gleichzeitig der frühe Graben C (Taf. VII Fig. 5) und die Einmündung des die Grabenköpfe B, A und C verbindenden Gräbchens freigelegt (Taf.VII Fig. 6). Ebenso dürftig waren die Einschlüsse in den Schnitten in der Nähe der Südwestecke (Taf. II Punkt 2223): kleine Bruchstücke der schwarzen geglätteten und der mit roten und weißen Streifen bemalten Ware. Die Füllung bestand hier aus kleingeschlagenem Kalkschotter. Fundarm war auch der Schnitt 24, der die Nordböschung und die Spitze freilegte, und Schnitt 26, der die südliche Hälfte des Grabens und die Spitze aushob. Aus 24 stammt als einziges Fundstück das kleine Bruchstück aus Sigillata Taf. XIV Fig. 15. Die auffallende Fundarmut dieses Grabens, durch so viele Schnitte bewiesen, kann kein Zufall sein. Sie kommt daher, daß der Graben J nur kurze Zeit offen war.

Die Westfront des kleinen Kastells ist größtenteils nicht mehr vorhanden. Schnitt 33 zeigte noch einmal den ganzen Graben. Die Westböschung berührte aber schon an ihrem oberen Ende den Steilabfall des Galgenbergs nach dem Römerbad zu. In Schnitt 43 konnte die östliche Böschung eben noch festgestellt werden. Von hier ab ist der ganze nördliche Teil des Westgrabens nicht mehr vorhanden. Er ist wohl in früheren Jahrhunderten durch Steinbruchbetrieb beseitigt worden. Auch ganz in der Nordwestecke, wo heute die Lagerebene etwas weiter gegen Westen vorspringt und in die Flucht des Westgrabens eben noch hineinreichen müßte, zeigt sich keine Spur dieses Grabens, noch auch von der hier zu erwartenden Umbiegung in die Nordfront. Aber die Richtung des Grabens ist trotzdem festgelegt durch das 8 m weiter ostwärts parallel zu ihm verlaufende Gräbchen N, das soweit nach Norden verfolgt wurde, bis es ebenfalls den Hang erreichte. Das Gräbchen hatte eine Breite von 1,20—1,60 m, senkrechte Ränder und waagrechte Sohle, die etwa 50 cm in das Gewachsene eingetieft war. Von diesem Gräbchen zweigt nördlich von K ein kleiner Kanal nach Westen ab (11), der wohl der Ableitung des Wassers in den Kastellgraben diente. Da der Westgraben nicht mehr vorhanden ist, so eröffnete sich vielleicht hier die Möglichkeit, an einer Untersuchung dieses Gräbchens die Lage eines Westtors festzulegen, das ja durch die Notwendigkeit einer Verbindung mit dem Bad gefordert wird. Aber die Schnitte nördlich und südlich von 11 zeigten, daß das Gräbchen N nicht unterbrochen war. Leider ist die Umgebung der Stelle wegen der Wiese und der Nähe des Hanges, wo die Spuren verwischt sind, für eine umfassendere Untersuchung nicht geeignet.

Die Nordfront ist heute ganz verschwunden. Fast möchte ich bezweifeln, ob hier je ein Graben vorhanden war.
In Vindonissa, dessen Nordfront ebenfalls an einen Steilhang vorgeschoben ist, hält Laur-Belart (Vindonissa S. 16) einen Graben für überflüssig. Der ganze Nordhang ist durch die Verkarstung der Unterlage und durch die Unterspülung der Breg in
zahlreiche Klüfte zerspalten, die meistens ostwestlich, oft aber auch nordsüdlich verlaufen.

Heute ist der Hang künstlich mit einer Terrasse und mit einem Aufstieg versehen. Auf dieser Terrasse suchte Leonhard durch zwei Schnitte (39 und 40) den Nordgraben zu fassen. Bei den Profilen, die er dabei anschnitt, war es sehr zweifelhaft, ob sie nicht durch natürliche Klüfte entstanden waren. Ich suchte deshalb durch die Schnitte 37 und 38 in dem Wäldchen beim Wasserbehälter den Nordgraben zu finden. Der Schnitt 38 legte am Rande der Lagerebene einen stufenartigen Abfall frei, der in 1,50 m Tiefe in eine waagrechte Ebene aus festem Kalkstein überging. Auf der Höhe der letzten Stufe war eine Steinsetzung, auf der Scherben der späten Bronzezeit lagen, wie sie Schumacher vor der Ostfront des Kastells im Bahneinschnitt 1899 schon festgestellt hatte. Im Wege stehende Bäume verhinderten es, daß der Schnitt 37 bis an den Steilabhang des Berges hinausgeführt wurde; der zu diesem Zweck angelegte Schnitt 38 stieß alsbald auf den gewachsenen Fels. Von einem Kastellgraben fand sich keine Spur. In römischer Zeit sind hier überhaupt keine Veränderungen vorgenommen worden, wie die geschlossene bronzezeitliche Schicht zeigt. Ebensowenig erbrachten eine Spur von dem Graben die beiden Schnitte 35 und 36, die in der äußersten Nordwestecke der Kastellhöhe angelegt wurden, wo die Umbiegung in die Westfront hätte erreicht werden müssen.

Die Ostfront wurde schon von Leonhard mit sehr eng aneinander liegenden Schnitten nach einer Grabenunterbrechung vergebens abgesucht. Als ich die Suche hinter dem Graben wieder aufnahm, ausgehend von der Vermutung, daß nördlich der Vorhalle des Pfeilerbaues die Principalstraße die Umwehrung durchquert haben könnte, stieß ich statt des erwarteten Tores auf die Pfostenlöcher der Walltürme. Die Ostfront wurde in zwei ganzen Schnitten geschnitten. In der Füllung lagen teilweise große Kalkblöcke, wohl vom Wall stammend, die in den Schnitten auf der Südfront vollständig fehlten. Die Nordostecke ist durch den Eisenbahneinschnitt beseitigt.

Hinter der Ostfront fand sich auch wieder das Gräbchen N. Es war, wie die Untersuchungen Jacobis im Erdkastell der Saalburg gezeigt haben, ein Entwässerungsgraben für die Aufnahme des Regenwassers des Walles und begrenzte das Intervallum. Da dieses Gräbchen hinter der Südfront des kleinen Lagers nicht gefunden werden konnte, wohl aber hinter der Ostfront des großen, so gehört es nur der letzten Lagerperiode an, und dem entsprechen auch die in ihm gemachten Funde.

Die Walltürme des kleinen Lagers.

Nachdem die Pfostenlöcher hinter der Ostfront als zu Walltürmen gehörend erkannt waren, wurden in einem Abstand von 1 m hinter dem Graben 1—1,50 m breite lange Streifen abgedeckt, um die vordere Flucht dieser Türme zu fassen. Der durchschnittliche Abstand der einzelnenTürme betrug 12-13 m. Die vier Pfostenlöcher eines Turmes umschlossen eine Fläche von 3,5 x 3,5 oder von 3,5 x 4 m. Die Pfostenlöcher hatten einen Durchmesser von 1 m und waren ebenso tief in den Fels eingehauen. Auch hier war meistens an der dunkleren Färbung der eigentliche Pfosten mit einem Durchmesser von etwa 25 cm zu erkennen (Taf. VIII Fig. 6). Nördlich der Einmündung von Gräbchen N 2 in den Kastellgraben konnten trotz breiter Abdeckung keine Pfostenlöcher mehr gefunden werden. Dagogen fanden sie sich hinter der westlichen Hälfte der Südfront des kleinen Lagers. Östlich des Tores wurde systematisch nur bis auf die Höhe des Grasweges gesucht. An der Westfront konnten die drei Pfostenlöcher des südlichen Wallturmes (bei 42) noch festgestellt werden.

Das vierte sitzt in der Füllung von Graben M. Auch von dem in der Eckabrundung der Südwestecke des kleinen Lagers stehenden Turm konnten die vier Pfostenlöcher freigelegt werden, und gleichzeitig wurde festgestellt, daß dieser Turm der Lagererweiterung dadurch angepaßt wurde, daß parallel zur neuen Grabenrichtung zwei vordere Pfostenlöcher neu ausgehoben und für die hinteren die zwei übereck stehenden Pfostenlöcher des früheren Turmes verwendet wurden. Bei all diesen Abdeckungen wurden keine weiteren Pfostenlöcher für die Wallversteifung gefunden. Nur in der Mitte zwischen zwei Türmen an der Ostfront war ein Paar wenig tiefer Pfostenlöcher, die diesem Zweck gedient haben können. Dieselbe Beobachtung machten wir an Ost- und Südfront des großen Lagers. Wir haben also für den Aufbau des Walles keine anderen Anhaltspunkte gewinnen können als die Walltürme; die Entfernung ihrer vorderen und hinteren Pfostenlöcher (3-3,5 m) würde der bei anderen frühen Lagern wie Vindonissa und Novaesium beobachteten Breite des Walles von 10—12′ = rund 3 m entsprechen. In Erdlagern waren die Zwischentürme bis jetzt nicht festgestellt. Sie finden sich aber bezeichnenderweise in den beiden benachbarten frühen Steinkastellen Waldmössingen und Sulz.

Das Südtor des kleinen Lagers.

Die Erdbrücke zwischen den beiderseitigen Grabenköpfen J beträgt 8 m, genau soviel wie in Rißtissen (Taf. III Fig. 3). Die Stirnseiten der Grabenköpfe stehen nicht senkrecht auf der Längsrichtung des Grabens, sondern passen sich in ihrem Verlauf der Lagerstraße an, die von der früheren Anlage übernommen wurde. Hinter den Grabenköpfen liegen beiderseits die Pfostenlöcher der flankierenden Türme, je sechs. Der westliche Turm konnte eingehend untersucht werden. Die Pfostenreihe springt um eine Pfostenbreite über den Grabenkopf vor, so daß dadurch der Torweg etwas verengert wird. Der Turm bedeckt mit den sechs Pfostenlöchern eine Fläche von 4 × 6 m. Er erhebt sich 2 m hinter der inneren Böschung des Grabens. Die vordere Pfostenlochreihe geriet in den früheren Graben P. Die durch die Eintiefung des westlichen vorderen Pfostenlochs entstandene Aussparung in der Böschung war noch deutlich zu erkennen. Die Pfostenlöcher entsprachen in ihrer Tiefe und Größe denen der Walltürme. Von dem östlichen Torturm konnten wegen der Bebauung einige Pfostenlöcher nicht mehr freigelegt werden.

Die Umfassungsgräben des großen Lagers.

Wichtig für das Verhältnis von dem großen und dem kleinen Lager war Schnitt 28 durch die Südostecke des kleinen Lagers. In ihm war die Westböschung des großen Kastellgrabens künstlich aus großen Kalksteinen aufgesetzt, und erst in einem Abstand von 1,5 m hinter dieser Böschung lag die natürliche Böschung des Grabens J, der hier bereits in der Umbiegung in die Südfront begriffen war (Taf. II, Profil Taf. IV Fig. 1n, Ansicht Taf. VIII Fig. 8). Diese künstliche Böschung wurde im Schnitt 28 2 m weit nach Norden verfolgt. Schnitt 27 wurde dann so angelegt, daß er auf die Stelle treffen mußte, wo die in Schnitt 28 angeschnittene künstliche Böschung auf der natürlichen aufsaß (Taf. VIII Fig. 7). Dieselbe Feststellung wurde auch durch einen Schnitt durch die Südwestecke gemacht (Taf. II).

Alle diese Schnitte zeigten, daß die Südfront des Grabens J beiderseits durch künstliche Böschungen gegen Osten und Westen abgedämmt war. Das kann nur geschehen sein, als die Südfront um 58 m nach Süden vorgeschoben und damit das kleine Lager zum großen erweitert wurde. Das kleine ist also das frühere, das große das spätere. Die Grabenprofile des erweiterten Kastells sind etwas anders als die des kleinen. Während das Profil des Grabens J (Taf. IV Fig.1 m) das normale römische Grabenprofil darstellt, das einem gleichseitigen Dreieck nahekommt, zeigen die Schnitte am Südtor des erweiterten Lagers einen Knick in der inneren Grabenbüschung (Taf. IV Fig. 1o). Die Böschung verlief zunächst flach, um dann nach einem Knick in der halben Tiefe steil in eine scharfe Spitze auszulaufen. Über dem Knick durchzog den Graben eine etwa 40 cm starke Schicht besonders dunkler Kulturerde.

Hier lagen die meisten Funde. Der Graben ist offenbar nicht lange ganz offen geblieben und hat nach der Zufüllung der Spitze als breitsohlige Mulde offen gelegen zu einer Zeit, als das Lager eine besonders starke Belegung erfuhr, deren Niederschlag die Schicht dunkler Kulturerde ist.

In Schnitt 29 lagen in dieser Schicht viele Bruchstücke des Bechers Dragd. 30 Taf. XV Fig. 9. Unter dem aus den Schnitten am Südtor des großen Lagers gewonnenen Scherbenmaterial herrscht die Gebrauchsware römischer Technik vor. An Sigillaten
fand sich tief im westlichen Grabenkopf (Schnitt 30) das Bodenstück einer Schüssel mit dem Stempel C. AN PATR (Taf. XVI Fig. 1). In Schnitt 31 lag an der Oberfläche der dunklen Schicht das Bruchstück einer Schüssel Dragd. 29 (Taf. XIV Fig. 14) und das Fußstück eines Schälchens Dragd. 27. In der Tiefe des Grabenkopfs lagen außerdem viele Bruchstücke von Dachziegeln und Bodenplättehen. Der östliche Grabenkopf konnte nicht ausgehoben werden, da er unter dem Zufahrtsweg liegt. In den Schnitten durch den Westzug des Grabens J bestand dessen ganze Füllung aus dunkler Erde. In Schnitt 32 lagen in der Grabenspitze das Bruchstück eines kleinen Täßchens mit Strichelrand und das Stempelbruchstück Taf. XVI Fig. 18 des Töpfers Patricius.

Das Südtor des großen Lagers.

Betrug die Erdbrücke zwischen den beiderseitigen Grabenköpfen im kleinen Lager 8 m (Tat. III Fig. 3), so hatte sie hier die ungewöhnliche Breite von 12,50 m (Fig. 5). Ebenso groß war auch der lichte Abstand der beiden Flankierungstürme, da die Innenseite der Türme mit den Stirnseiten der Gräben auf gleicher Höhe liegt. Die Gesamtbreite der Toranlage beträgt 22,8 m, die Tiefe 7 m, die Gräben nicht mitgerechnet. Die Tortürme sind nach dem Weg orientiert, der den Südgraben in spitzem Winkel schneidet, nicht nach dem Südgraben selbst.

Die Fläche, die jeder der beiden Flankierungstürme bedeckte, betrug 7,5 x 4,5 m. Das mittlere Pfostenlochpaar war von dem vorderen rund 3 m, von dem hinteren 3,5 m entfernt. Die Pfostenlöcher des Westturms waren in den Kalkfels eingehauen, die des Ostturms in Lehm. Sie hatten die übliche Größe und Tiefe. Meistens war auch hier an der dunkleren Färbung der Füllung der Pfosten selbst deutlich zu erkennen, und zwar sofort nach Abhebung der Ackererde und besonders scharf bei den in Lehm eingeschnittenen Pfostenlöchern des Ostturms. Der westliche hintere Pfosten des Tordurchgangs zeigte sich im Profil des Schnittes 13 durch den Graben Y. Er hatte in der Grabenfüllung eine Länge von 1,40 m bei einem Durchmesser von 25 cm.

Dieser Pfosten und die Breite der Torlücke veranlaßte mich, nach weiteren Pfosten des Tordurchgangs zu suchen. Das Ergebnis war die vierschiffige Toranlage, deren einzelne Pfostenlöcher sich sehr deutlich abhoben. Die außerordentliche Größe der Toranlage erklärt sich wohl daraus, daß es das einzige Tor war, das für den größeren Verkehr in Frage kam. Nördlich des Tores wurde der Lagerweg auf seiner Westseite von einem flachen Gräbchen begleitet. Um so merkwürdiger war, daß außerhalb des Lagers keine Spur von dem so wichtigen Zugangsweg gefunden werden konnte, weder von einer Kiesschüttung oder Stickung, noch von begleitenden Straßengräbchen, obwohl danach gesucht wurde, sowohl durch den Schnitt unmittelbar quer vor dem Tor wie durch die langen, den Grasweg begleitenden Schnitte, von denen der westliche bis an die Dögginger Straße geführt wurde. Auch ein langer Querschnitt, der die verlängerte Flucht des Weges an der Dögginger Straße schneiden sollte, brachte wie die anderen nicht die geringsten Spuren.

Innenbauten der Dauerkastelle.

Zu den Innenbauten der Dauerkastello gehört die Baracke Ib (auf Taf. II und Taf. III Fig. 1 schraffiert). Sie war wohl einstens ebenso leicht errichtet wie das Gegenstück Ia. Das war nach den in la gemachten Funden in claudischer Zeit gewesen. Aber später wurde an ihrer Stelle ein soliderer Bau errichtet. Die sorgfältig in den gewachsenen Fels bis zu 60 cm eingetieften Fundamentgräbchen zeigen den Unterschied der beiden Barackenbauten mit aller Deutlichkeit. Liegt am Westende der Baracke nur wenig Ackerboden auf dem Gewachsenen, so daß dieses vom Pflug aufgerissen ist und die Feststellungen erschwert sind, so sind die Barackengräbchen vom zweiten Contubernium von Westen her ausgezeichnet erhalten. Im Ostteil der Baracke aber ist durch den nahen Einbruch der Kalktafel der Fels zerbröckelt, und dadurch sind die Gräbchen schwerer zu erkennen.

Der Grundriß (Taf. III Fig. 1, wo die ältere Anlage unschraffiert, die jüngere schraffiert ist) zeigt in der doppelten Vorder- und Rückwand wie in den doppelten Scheidewänden zwischen den einzelnen Zeltgenossenschaften, daß hier zwei Perioden übereinander liegen. Der älteren Periode gehören die nördliche der beiden Längsschwellen und die östlichen der Querwändchen an. In beiden Bauten bestanden die einzelnen Contubernien aus zwei hintereinander liegenden Räumen von 7,5 m Tiefe. In dem älteren Bau schied das Gräbchen III die beiden hintereinander liegenden Räume derselben Zeltgenossenschaft. Dieser Bau wurde durch Brand zerstört, denn in der Tiefe des Fundamentgräbchens der Nordwand fanden sich die verkohlten Reste der Längsschwelle. Darüber war helle Kalkerde eingefüllt. Ebenso wurde auch das Gräbchen der Scheidewand III, die die beiden hintereinanderliegenden Räume trennte, wieder eingefüllt. Dann wurde der Bau einen halben Meter weiter nach Süden von neuem erstellt und dabei für Nord- und Südwand neue Fundamentgräbchen gezogen und im Westteil neue Querwändchen. Aber auch im Innern wurde die Raumverteilung geändert. Waren früher die beiden hintereinander gelegenen Räume ungefähr gleich groß gewesen, so stand jetzt dem vorderen Gemach nur noch ein Drittel des Raumes zur Verfügung. Auch dieser zweite Bau ist durch Brand zerstört worden. Die Brandschicht lagert über dem nördlichen Teil der Baracke und füllt ihre Fundamentgräben aus. In die Fundamentgräben des zugedeckten ersten Baues konnte sie nicht eindringen und kennzeichnet diese damit als zur ersten Periode gehörig. Für die Längsschwelle im Innern der Baracke war das besonders deutlich im Gräbchen O. Dieses Gräbchen war ebenfalls mit Brandschutt aufgefüllt. Da, wo Gräbchen O den Graben III schnitt, war diese Brandschicht auf beiden Seiten scharf begrenzt und breitete sich nicht seitwärts in den Graben III aus, weil dieser zur Zeit des zweiten Brandes schon eingedeckt war.

Der Brand ließ sich zeitlich durch zahlreiche Funde aus der Brandschicht und der Baracke festlegen. Aus dieser oberen Brandschicht wurden von mir selbst an Münzen gehoben das frische ME. des Nero Nr. 11 und das des Vespasian Nr. 8 . Außerdem wurden gefunden die beiden vollständig abgeschliffenen republikanischen Silberdenare (GEns Nonia und Rubia Nr. 6 und 7). An Sigillaten lagen in der Brandschicht die verbrannten Bruchstücke des Bechers Dragd, 30 Taf. XV Fig. 17, Ferner wurde gefunden der jetzt graue Teller mit Viertelrundstab und Stempel …lo fec, (Taf. XVI Fig. 36).

Die Brandkatastrophe muß demnach in den ersten Jahren Vespasians eingetreten sein. Dem entsprechen auch die sonst in der Baracke gemachten Funde: die beiden stempelfrischen Mittelerze Neros und ein drittes durch Brand zerstört, zwei ebenso frische Mittelerze Vespasians. Dazu kommen die Sigillaten:
Teller Dragd. 18/31 mit Stempel Primul Taf. XVI Fig. 22,
das Bruchstück mit Stempel Of. Bassi Taf. XVI Fig. 2.

Die gewöhnliche Ware zeigte römische Technik, darunter eine Reibschale mit Stempel C. Atisius Gratus Taf. XVI Fig. 43. Besonders reich waren die Bronzegegenstände von der Soldatenausrüstung (Taf. XI-XIII): Gürtelhaken, Ösenlaschen, Riemenkappen, Gürtelschnallen, Schnallen vom Panzer, Backenschutzplatte; von der Pferdeausrüstung: Riemenlaschen mit Ring, Schnalle vom Sattelgurt, Phalerae, Anhänger, Sporn; dazu Teile von Gebrauchsgegenständen: Kasserollengriffe, halbkugelige Bronzeschale, gerippte Glasschalen, Spielknöpfe aus Glasflußs, Würfel, gerippte Tonperlen, Lampen und Speerspitzen, Bogenschuhe.

Der Pfeilerbau.

Der einzige Bau mit gemauertem Fundament gehört schon seiner Orientierung nach der letzten Lagerperiode an. Er wurde bereits 1823 von Rehmann ausgegraben. Wir besitzen von dieser Grabung einen Plan (1 : 20) aus dem Nachlasse Heinrich Schreibers im Freiburger Stadtarchiv. Leider fehlt ein gleichzeitiger Ausgrabungsbericht. Die erste Beschreibung lieferte Fickler, Die Altertümer der badischen Baar S. 168 erst 24 Jahre später; er stützte sich dabei auf die Erinnerungen

eines Augenzeugen der Grabung, des Oberlehrers Reich, des Vaters des bekannten Malers und Schriftstellers Luzian Reich. Dieser Bericht ist nicht ohne Irrtümer.

So sind die Substruktionen der drei Mittelpfeiler im Innern als Gruben bezeichnet. Der Bau (16,50 bzw. 16 × 27 m) ist ein sogenannter Pfeilerbau (Abt. B Bd. VII Nr. 66a Kastell Urspring S. 20). Er hat an den beiden Langseiten je acht um 90 cm über die Mauerflucht vorspringende Pfeiler, während über die beiden Giebelseiten nur zwei Pfeiler in der Verlängerung der Langseiten vorspringen. Von uns wurden die vier Ecken des Gebäudes (Taf. VI Fig. 2), die drei nördlichen Pfeiler der Ostseite und der dritte der Westseite freigelegt. Die Mauerstärke betrug 90 cm. Das Mauerwerk besteht aus unbehauenen Bruchsteinen, die durch möglichst viel Mörtel zusammengehalten sind; es ist ohne Fundamentgrube auf das Gewachsene aufgesetzt, teilweise auch auf die Auffüllung der unter dem Bau durchziehenden früheren Gräbchen. Es hat heute nur noch eine Höhe von 15-20 em und ist teilweise bis auf die letzte Schicht ausgebrochen.

Nach dem Grundriß handelt es sich um ein Horreum, einen Bau, wie er sich in zahlreichen Kastellen am Limes bei uns und in England findet, wenn auch in Hüfingen über Funde von Getreideresten wie bei anderen Horrea nichts berichtet wird. Mit diesem Zweck des Baues hängen auch die drei Reihen von aufgemauerten Postierungen im Innern zusammen (Taf. VIII Fig. 3), denen an den beiden Giebelseiten Verstärkungen der Mauer entsprechen, die nicht im Verband mit der Umfassungsmauer, also wohl nachträglich aufgeführt sind. Sie waren die Widerlager für die drei Unterzüge, auf denen der Schwebeboden, wie er für solche Räume verlangt wurde, auflag. Die dreischiffige Anlage im Innern erinnert sehr stark an den ähnlichen
Bau von Haltern, der dort als armamentarium gedeutet wird (Röm.-German. Korrespondenz- bl. VI 1913 S. 20). Es ist sehr wohl möglich, daß die drei Mittelpostamente als Unterlage für Balken dienten, die den First trugen, während die seitlichen das Dach tragen helfen mussten und zugleich die Lagerböden gegen den mittleren Durchgang abtrennten. Ich halte es kaum für möglich, daß das primitive Mauerwerk der Umfassungswände bis auf die Höhe des Daches emporgeführt war, sondern daß es nur als Sockel diente für einen darüber errichteten Holzbau.

Das Römerbad.

Das Bad wurde von dem fürstenbergischen Leibarzt Rehmann mit den Mitteln des Fürsten Karl Egon II. 1821 ausgegraben und mit einem Schutzdach versehen, dem seine Erhaltung zu verdanken ist. Ein sorgfältiger Plan mit Querschnitten und Ansichtsskizze berichtet über den Zustand bei der Ausgrabung (Taf. V Fig. 2).

Tafel 5 mit Römerbad und Votivstein

Auch ein eingehendes Verzeichnis der damals gemachten Münzfunde wurde angelegt. Leider erstattete Rehmann keinen Ausgrabungsbericht, obwohl der Freiburger Historiker Heinrich Schreiber immer wieder darauf drängte.

Als Ersatz dafür mögen einigermaßen dienen der Bericht eines Schülers von Schreiber, Josef Frick, in dem Herbstprogramm des Freiburger Lyceums vom Jahre 1824 und vor allem der bisher viel zu wenig herangezogene Brief Schreibers vom 5. November 1822, der eine vollständige Beschreibung des Bades enthält (Fürstl. Fürstenberg. Archiv). Dann hat Fickler das Bad beschrieben in seinem oben zitierten Aufsatz. Seine Darstellung diente fast allen späteren als Grundlage.

Die auflagernde Humusdecke war in den südlichen Teilen der Ruine bedeutend stärker als in den nördlichen. Daher waren die nördlichen Partien, wo schon vor der Grabung Steine weggeführt worden waren, stärker zerstört als die südlichen. Raum A nimmt fast die ganze nördliche Hälfte des Baues ein. Die Umfassungsmauer dieses Raumes ist heute an der Nordseite nur noch in dürftigen Spuren vorhanden. Ob eine Lücke in der Westmauer, wie sie die Ansicht des ausgegrabenen Bades zeigt, einstens als Eingang diente, darüber ist in den Berichten nichts gesagt. Der nahezu quadratische Anbau C an der Nordostecke (4,80 × 5,05 m) war schon bei der Ausgrabung nur sehr dürftig erhalten.

Der Rundbau B an der Nordwestecke, dessen Vorhandensein schon Leichtlen in einem Brief vom 22. Februar 1822 bezweifelte, und der deshalb später in den Plänen oft weggelassen wurde, war tatsächlich vorhanden. Die Umfassungsmauer des Rundbaus ist da, wo sie an der nördlichen Umfassungsmauer ansitzt, noch in einer Höhe von 80 cm erhalten. Auch außerhalb des Schutzbaues habe ich sie durch Grabung festgestellt. Bei dieser Grabung fand sich im Innern der Rundung ein Heizkachelbruchstück. Der Raum ist nachträglich angebaut, dafür spricht auch die Heizkachel, da Heizkacheln bei der ursprünglichen Anlage noch nicht zur Verwendung kamen. Man wird in dem Raum ein heizbares Winterapodyterium zu sehen haben, dessen Bau wegen des kalten Klimas der Baar notwendig wurde. Ein Raum in ähnlicher Lage im Bad von Marienfels.

alte Zeichnung zum Badebäude mit Caldarium, Tepidarium und Abdeckplatte der Brüstung des Wasserbeckens im Apodyterium und Wanne im Frigidarium

Inmitten des großen Raumes A (17,60 × 13,90 m) ist ein gemauertes Wasserbecken von einer lichten Weite von 4,60 × 6,60 m, dessen Aufbau von Fickler und seinen Nachfolgern durchaus unrichtig dargestellt ist. Heute ist von seinem aufgehenden Mauerwerk nur noch die Südwestecke und die Südwand einigermaßen erhalten (Taf. VI Fig. 7). Wir bewundern noch heute die sorgfältige Abdichtung des Beckens (Taf. III Fig. 7). Der Boden hatte zunächst unmittelbar über dem gewachsenen Boden eine etwa 20 cm starke Stickung aus auf die Kante gestellten Kalksteinen; darüber lag zur Abdichtung eine Lehmschicht, darüber folgte wieder eine Lage von Kalksteinen als Grundlage für den darauflagernden Estrich, der nach oben mit immer feinerem Ziegelschlag durchmischt war. Darauf folgten erst die auf die Kante gestellten, nach Art des Opus spicatum angeordneten Ziegelplättchen, die an den Rändern des Beckens von 55 cm breiten Dolomitplatten umgeben waren. Die ganze Dicke der Isolierschicht betrug 80 cm. Ebenso sorgfältig wie der Boden waren auch die Umfassungswände abgedichtet. Sie bestanden zunächst aus einer 60 cm starken Bruchsteinmauer. Ihr folgten nach innen in einem Abstand von 15 cm aufrechtstehende Dolomit- und Sandsteinplatten, die in Falze der den Rand des Beckens umgebenden Dolomitplatten aufsaßen. Der Zwischenraum zwischen den Dolomitplatten und der Bruchsteinmauer war zur Abdichtung mit Ziegelestrich ausgegossen. Um die Isolierung zu vervollständigen, war außerdem noch um die Umfassungsmauer des Beckens eine 1 m dicke Lehmschicht herumgelegt. Diese Lehmschicht war oben mit Dolomitplatten abgedeckt, die eine flache Rinne hatten (Taf. IV Fig. 2b). Sie lagen mit leichter Neigung nach außen auf gleicher Höhe wie der Fußboden des umgebenden Gemachs‘). Wie die übrigen Teile der das Becken umgebenden Brüstung abgedeckt waren, war anscheinend schon bei der Ausgrabung nicht mehr ganz sicher. Nach den Querschnitten auf dem Plan (Taf. V Fig. 2) war auch die Mauer mit einer Dolomitplatte abgedeckt, die auf derselben Höhe lag wie die äußere Platte mit der Rinne, und die inneren aufrecht stehenden Dolomitplatten reichten auf dieselbe Höhe hinauf.

In der Mitte des Beckens nimmt Schreiber eine Trennungswand an, was nicht unwahrscheinlich ist. Solche Doppelbecken zeigen z. B. die Kastellbäder von Köngen und Stockstadt. In der Nordwestecke des Beckens waren Stufen, auf denen man hinunterstieg. Die unterste Stufenplatte ist noch in situ, hintergossen von Ziegelestrich. Nach dem Abstand dieser Platte von der Ecke ist noch Raum für zwei überlagernde Stufen vorhanden. Nach den Untersuchungen von Krenker wird man den Raum als überdecktes Apodyterium deuten müssen.

Das südlich anschließende Gemach D (5,37 × 8,45 m) hatte denselben Boden wie das Becken des vorhergehenden Raumes A. In der Nord- und Südostecke sind noch Reste vorhanden, überdeckt von dem die Wände bekleidenden Wasserestrich, so daß man auch hier Badewannen vermuten muß. Nicht ohne Grund endet der Wasserabzugskanal gerade an der Nordwand dieses Raumes. Er geht nicht, wie manche Pläne es andeuten, unter diesem Raum hindurch, was ich durch Grabung festgestellt habe. Da der Fußboden dieses Gemachs sehr hoch liegt, sind seine Umfassungswände weitgehend zerstört. Nach dem Tepidarium zu ist noch eine Schwelle sichtbar mit merkwürdig gerundeter Oberfläche. Die Ostwand öffnet sich in ein Badebecken (2,87 × 4,10 m), dessen Boden etwa 1,20 m tiefer liegt als der Boden von Raum D. Einige Stufen, deren Spuren bei der Ausgrabung noch sichtbar waren, führten in das Becken hinunter aus dem Bad nur in der obersten Einfüllung von Graben J. Es sind Bodenplättchen und Dachziegel zum Teil mit Stempel der 11. Legion, und zwar demselben Stempeltyp, wie er auch im Bad gefunden wurde. Als das Bad gebaut wurde, war also der Graben J schon eingefüllt. Ziegel der 11. Legion können erst im Jahre 70 nach Hüfingen gekommen sein. Nach dem Jahre 74 ist die Besatzung alsbald abgezogen. Das Bad muß also zwischen 70 und 74 gebaut worden sein. Damit stimmt auch die Münzreihe des Bades überein: mit Vespasian schnellt sie auf 16 Stück empor, während die Kaiser vor und nach Vespasian nur mit wenigen Stücken vertreten sind. Es ist wohl das älteste sicher datierbare Bad der Dekumatlande und nimmt unter diesen deshalb auch eine gewisse Sonderstellung ein. In den späteren Bädern fehlt das große, die Hälfte des ganzen Bades einnehmende Apodyterium mit dem großen Becken in der Mitte.

Auch hat bei den späteren Bädern die Erfahrung zu einer vorteilhafteren Anordnung der unterheizten Räume geführt. Bei den späteren Büdern sind Caldarium und Tepidarium in einer Achse hintereinander gereiht, wodurch die Luftzirkulation unter dem Hohlboden erleichtert ward. Auf das Labrum und die Wandheizung durch Nischen und Warzenziegel ist als Einrichtungen einer älteren Epoche schon hingewiesen worden.

Tafel VI mit Fotos aus dem Römerbad

Villa Rustica in Deggenreuschen

Ruinenweg in Deggenreuschen
Ruinenweg in Deggenreuschen

In Akte über die Erstellung der Anlage am Rotrain ist viel von den römischen Altertümern die Rede. Allerdings wussten die Hüfinger damals noch nichts von der Villa Rusica, die Prof. Dr. Paul Revellio (aus einer Hüfinger Familie) 1913 ausgegraben hatte. Man kann aber sicher sein, dass Dr. Paul Revellio viel über die Anlage am Rotrain und auch das Deggenreuschen Elseli wusste. Die Hüfinger „Mutter Courage“ hatte hier Zuflucht gesucht, nachdem sie vor dem Württembergischen Militär während des „Hüfinger Blutbades“ am 15. Oktober 1632 geflüchtet war. Dort soll sie sogar das Badezimmers genutzt haben. Das Deggenreuschen Elseli ist heute noch im Wald und lacht von oben aus dem Bäumen die dummen Menschen aus.

Alles was an die Ausgrabungen von 1913 erinnert ist ein einsames Schild mit der Aufschrift „Ruinenweg“. Ich vermute, dass die Funde heute in Freiburg irgendwo in einem Archiv schlummern. Von der ausgegrabenen Villa ist nicht mehr viel zu sehen. Nicht mal ein Schild weist auf die Ruine hin.
Unten die Artikel von Prof. Dr. Paus Revellio hierzu, von denen ich am 29. September 2020 Teile veröffentlicht hatte.

Dr. Paul Revellio 1921(*1+2)

Im Jahre 1903 stießen Waldarbeiter beim Suchen nach Steinen am Südostrand des Deggenreuschenwaldes auf Mauerwerk. W Rieger stellte fest, daß es sich um die Trümmer einer villa rustica handeln müsse und legte auch bereis einen Raum der Anlage frei. Seine Grabungen wurden sehr erschwert durch den Hochwald, der den Platz der Villa damals bedeckte, und deshalb aufgegeben. Inzwischen ist der Wald gefällt und bald darauf der Platz von neuem bepflanzt worden, so daß, wenn jetzt die Untersuchung nicht vollständig durchgeführt wurde, in absehbarer Zeit ganz darauf verzichtet werden mußte. So hat denn der Gemeinderat der Stadt Hüfingen auf meine Anregung hin die nötigen Mittel für die Grabungen bereit gestellt. Diese fanden im August und September 1913 statt.

Vila rustica Hüfingen gezeichnet von Dr. Paul Revellio 1913 (2)
Vila rustica Hüfingen gezeichnet von Dr. Paul Revellio 1913 (2)

Auf halber Höhe eines sanften Hanges gelegen die Front nach Südosten gerichtet, so daß Morgen- und frühe Mittagssonne ungehindert Zutritt hatten, gewährte die Villa einen weiten Blick hinüber zur Länge und zum Wartenberg und war durch den überhängenden Hang doch geschützt gegen die kalten Nordwinde. Dazu ist in nächster Nähe eine Quelle.

Von Einzelfunden wäre zu erwähnen: 2 Fibeln, 6 Münzen: eine keltische, eine von Vespasian, zwei von Trajan, eine von Valerian dem jüngeren und eine des Tetricus , eine Schnalle, und Zierbleche aus Bronze, eine Kuhglocke, Türbänder aus Eisen, Schiebeschlüssel, Scherben von terra sigillata sowohl verzierte, wie unverzierte Ware und gewöhnliches Geschirr.

Dr. Paul Revellio 1921 (*2):

Um einen quadratischen Hof gruppieren sich Wohn- und Wirtschaftsräume. Die Schauseite des Gehöftes zeigt eine Querhalle flankiert von zwei Ecktürmen. Hier und an der sonnigen Süd- und Südwestseite liegen die Wohnräume, darunter meistens eine kleines Badezimmer mit Hypokaustenheizung.

Badezimmer der villa rustica.
Das Bild zeigt die unterste Lage der Heizkacheln, durch die die warme Luft des Kohlbodens in die Höhe steigt und die Wand erwärmt. Die Kacheln sind da, wo sie den Boden verlassen, durch einen Viertelrundstab gegen Beschädigungen geschützt und an ihrer Vorderseite geraut, damit der Wandstuck besser haftet.
(*2)

Dr. Paul Revellio 1921 (*2):

Wohnkeller der Hüfinger Villa
Wohnkeller der Hüfinger Villa

Nie fehlt der sorgfältig ausgemauerte Wohnkeller mit halbrunden Nischen und Lichtschacht und einem steinernen Tisch in der Mitte zur Aufstellung des besseren Geschirrs. Ein Blick auf die Villen von Hüfingen und Hausenvorwald zeigt, daß sie sich überdies ungefähr auch noch in der Größe entsprechen. Sie bedecken ein Quadrat von rund 100 römischen Fuß Seitenlänge und sie haben diese Eigenschaft gemeinsam mit einer gleich gebauten Villa von Alpnach-Dorf in der Schweiz, in der sich Stempel der 21. und 11. Legion gefunden haben. Es ist wohl nicht anders: Ein Baukommando der 11. Legion hat an diesen Villen gebaut und ihre Bewohner sind zumeist alte Veteranen, die hier eine Kriegerheimatstätte bekamen.

Dr. Paul Revellio 1921 (*1):

Die Entstehung der Anlage fällt in die Zeit bald nach dem Jahre 74 wohl sicher noch in das erste nachchristliche Jahrhundert.

Das Gebäude ist durch Feuer zerstört worden., wie der bei der Ausgrabung gefundene Brandschutt beweist. Ein glücklicher Fund belehrt uns auch über die Zeit der Zerstörung. Beim Ausräumen des Kellers fanden sich etwa 1 m über dem eigentlichen Kellerboden 2 römische Münzen und eine barbarische Nachahmung einer römischen Münze, die alle aus der Zeit 265-270 stammen.

Hier hatte sich vielleicht eine alamannische Horde vorübergehend gelagert und dabei diese Münzen verloren. Wie dem auch sei: die Villa war ums Jahr 270 n. Chr. eine Ruine, und das stimmt nur zu der allgemeinen Annahme, daß der Limes um das Jahr 260 von den Römern aufgegeben wurde.

Dr. Paul Revellio 1920 (*1):

Man hat beobachtet, wie gerade diese einfachen Bauten in regelmäßigen Abständen längs der Straße wiederkehren und hat daraus geschlossen, daß diese Bauten mit Staatshilfe errichtet und ausgedienten Legionären als Zivilversorgung überwiesen wurden, vielleicht gegen die Verpflichtung die Straße zu unterhalten und einen Teil des Ertrages ihrer Wirtschaft, man ist fast geneigt an den Zehnten zu denken (agri decumates), zur Verproviantierung der benachbarten Kastelle abzuliefern. Diese regelmäßige Anlage der Gehöfte längs der Straße stellt sich auch immer mehr für unsere Baar heraus. Kaum 2 km südöstlich von unserer Villa wurde im Jahre 1833 eine solche mit ähnlichem Grundriß auf dem Auenberg bei Hausenvorwald freigelegt, weitere 2 km nach Osten traten in unmittelbarer Nähe des Röhrlebachbrunnens römischer Mauerschutt, Tonscherben und eine Münze des Claudius zutage, sichere Zeugen einer Villa.

3 km weiter nach Westen konnte ich im Herbst 1913 am Fuße des Fürstenbergs am Südrand des Städtchens ein weiteres Gehöft auffinden. Ein Loch, das mir der Landwirt Jakob Gut auf seinem Grundstück auf meine Vermutungen hin machte, förderte sofort Bruchstücke von Leistenziegeln, Heizkacheln, Ziegelbeton, polierte Alabasterplätttchen zutage. Der Platz wurde vom Volk „Ziegelbühl“ genannt. In seiner unmittelbaren Nähe befindet sich eine Quelle. In den benachbarten Äckern ließen sich die Spuren von Nebengebäuden erkennen. https://hieronymus-online.de/villa-rustica-in-fuerstenberg/

Von Hüfingen bis Schwenningen ist nicht eine einzige mit Sicherheit nachgewiesen. Münz- und andere Funde fehlen auf dieser Strecke fast vollständig. Man wird sich bei der Suche vor allem von den Quellen führen lassen müssen, die sich bei Hüfingen als untrügliche Begleiter der ländlichen Gehöfte erwiesen haben.

So zahlreich wie bei Hüfingen werden wir sie nicht erwarten dürfen. Erfahrungsgemäß häufen sich diese Villen im Schutze und in der Umgebung der militärischen Stützpunkte.

Es ist eine Pflicht des Dankes, der Unterstützung und Förderung zu gedenken, die die Ausgrabungen durch den Gemeinderat der Stadt Hüfingen und vor allem durch den damaligen Bürgermeister Bausch erfahren haben.

Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)
Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)

Wer mehr über die Römerstraße wissen will, soll hier gucken:
https://hieronymus-online.de/brigobannis-roemerstrassen-und-peutingerkarte/

Hier ist das Deggenreuchen Elseli:
https://hieronymus-online.de/das-deggenreuschen-elseli/

Und hier über die Entstehung der Hüfinger die Anlage:
https://hieronymus-online.de/anlage-auf-dem-rotrain-1820-1845/


(*1) Ein römisches Bauernhaus im Deggenreuschenwald bei Hüfingen von Dr. Paul Revellio in den Schriften der Baar 14 (1920)
(*2) Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921)

Die heilige Verena

Verena von Kaltenbacher in der Hüfinger Stadtkirche

aktualisierter Beitrag, 1. Version war am 7. Dezember 2023

In Bachzimmern, steht ein ehemaliges Fürstlich-Fürstenbergischen Jagdschloss und daneben eine der heiligen Verena geweihte Kapelle. In der Kapelle ist ein Bild einer sehr blonden Verena die aus Ägypten stamme.

Ehemaliges Fürstlich-Fürstenbergischen Jagdschloss in Bachzimmern.

Verenakapelle in Bachzimmern

Die heilige Verena von Bachzimmern mit Krug und Doppelkamm, ganz links Petrus, rechts das Fürstenbergische Grafenwappen. Foto: Dr. Hans Keusen in den Schriften der Baar Bd. 53/2010*1

Heute will ich mal eine Geschichte erzählen, die mich schon lange fasziniert hat. Es ist die Geschichte der heiligen Verena.

Theben

Die heilige Verena wurde um 260 n. Chr. in Theben geboren.

Die Geschichte Thebens ist reich an Legenden, welche sich um Herakles, Dionysos und Laios ranken. Die Stadt ist Geburtsstadt des Herakles, des Ödipus, der Sieben gegen Theben und Antigones. Eine weitere thebanische Sage ist die der Niobe (Ehefrau des Königs Amphion), welche als eingeheiratete Herrscherin und Mutter von 14 Kindern mit ihrem Hochmut den Zorn der Leto auf sich zog.*2

Verena

altägyptisch mit der Bedeutung „Frucht oder Same der Stadt Theben“
Ⲉⲃⲣⲁⲛⲉ Ebrane; koptisch
Ϥⲣⲉⲛⲉ Frene; koptisch
Βερενίκη Berenike; altgriechisch*7

An der Stelle Thebens war zu Ende des 19. Jahrhunderts nur noch ein ausgedehntes Ruinenfeld zu beiden Seiten des Nils vorhanden. Heute befindet sich in einem Teil von Theben-Ost eines der touristischen Zentren Ägyptens, die Stadt Luxor. Seit 1979 ist Theben in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragen.
Foto: Chrissie talk – Christian Rosenbaum Author on German Wikipedia: Chrissie talk, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Jedenfalls ließen sich bei Theben der Sage nach möglicherweise phönizische Einwanderer nieder, welchen dann griechische aus Kleinasien folgten, wie die Sage von Amphion erzählt, der durch seine Leier die Steine herbeilockte. Amphion und Zethos erweiterten die Mauern und fügten sieben Tore hinzu, die das geflügelte Wort vom „siebentorigen Theben“ auslösten – im Gegensatz zum „hunderttorigen Theben“ in Ägypten, das Homer in der Ilias erwähnt.

Zu dem Geschlecht der Kadmeionen gehörte auch der Sohn des Laios, Ödipus. In die Zeit des Ödipus fällt auch die Sage der Sphinx, die vor Theben hauste und jeden Fremden tötete, der ihre Rätsel nicht lösen konnte. Dies wurde von Ödipus durch das Lösen des Rätsels der Sphinx beendet.

Im Ersten Mithridatischen Krieg (89–85 v. Chr.) ging Theben endgültig an die Römer. In der Folge verfiel Theben zu einem bedeutungslosen Dorf, behielt aber trotz sinkender Einwohnerzahl das Stadtrecht.*2

Das Römische Reich zu Lebzeiten Verenas

Der bedeutende Sassanidenkönig Schapur I. fiel mehrmals plündernd in Syrien ein und konnte dabei mehrere römische Heere besiegen. Im Jahre 260, dem Geburtsjahr von Verena, wurde Kaiser Valerian gefangen und ermordet.

Während Rom im Osten bemüht war, die Provinzen Syriens und Kleinasiens zu sichern, erodierte auch im Westen die kaiserliche Autorität. Dabei kam es immer wieder zu Bürgerkriegen zwischen den Usurpatoren und sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen, die aber unter Kaiser Aurelian wieder rückgängig gemacht werden konnten. Palmyra musste im Jahr 272 gewaltsam unterworfen werden. Die Krise führte zu zahlreichen Veränderungen, betraf allerdings nicht alle Gebiete des Reiches im selben Ausmaß. Und es sollte schließlich noch einmal gelingen, den drohenden Verfall des Reiches abzuwenden.

Mit Diokletian vollzog sich im Jahr 284 der Übergang in die Spätantike. Diese Zeit wird heute als eine Zeit des Umbruchs und der Transformation der antiken Mittelmeerwelt beschrieben.*4

Diokletian reformierte die Verwaltung und führte Diözesen und Präfekturen ein. Die religiöse Festigung kaiserlicher Herrschaft (so nahm Diokletian nach dem Gott Jupiter den Beinamen „Iovius“ an) sollte eine neuerliche Ausrichtung der Reichsbewohner auf Staat und Kaiser bewirken. Besonders die Christen empfand Diokletian daher als illoyal dem Reich gegenüber. Die letzten (und heftigsten) Christenverfolgungen im Römischen Reich fanden in seiner Regierungszeit statt.*3

Diokletian

Diokletian (eigentlich Diocles, altgriechisch Διοκλῆς; vollständiger Name Gaius Aurelius Valerius Diocletianus) wurde zwischen 236 und 245 in Dalmatia geboren; gestorben um 312 in Spalatum) war von 284 bis 305 römischer Kaiser.

Mit seiner Thronbesteigung begann die Diokletianische Ära oder auch Ära der Märtyrer (aera martyrum) genannt. 4

Verena kommt nach Europa

Verena wurde also in Theben am oberen Nil in Ägypten als Kind angesehener Eltern etwa im Jahr 260 geboren. Der Überlieferung zufolge übergaben die Eltern sie einem Bischof zur Taufe und Unterweisung im christlichen Glauben.

Nach dem Tode des Bischofs ging Verena mit anderen Christen und ihrem Vetter nach Unterägypten wo Kaiser Diokletian Soldaten aushob, um die thebäische Legion zu gründen.

Verena reiste im Tross der Legion nach Mailand. In Mailand habe sie einige Jahre beim heiligen Maximus gelernt und gearbeitet. Hier lernte sie wohl die Heilkunst und half bei der Bestattung der toten Christen. Als sie in Mailand von der Enthauptung des Mauritius und der Tötung der Legionären hörte, sei sie nach Saint-Maurice (Agaunum) gereist und bestattete die Märtyrer der thebäischen Legion.

Die Thebaische Schaar, Lithografie, zwischen 1830 und 1850. Zentralbibliothek Solothurn, Public domain, via Wikimedia Commons

El Greco: Das Martyrium des Heiligen Mauritius. El Greco, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Legende von Ursus und Victor. Kupferstich, 18. Jahrhundert. Herkunft: Kanton Solothurn. Historisches Museum Blumenstein, Solothurn. See page for author, Public domain, via Wikimedia Common

Thebäische Legion

Alle 6.660 Mitglieder der Legion waren Christen. Ein Soldat der thebäischen Legion, Victor, soll Verenas Verlobter gewesen sein. Die Legion wurde von Mauritius geführt, der auch im Besitz der Heiligen Lanze gewesen sein soll. Mauritius war ein Vetter von Verena und wird in den Abbildungen oft als Afrikaner dargestellt – im Gegensatz zur ewig blonden Verena.

Der heilige Mauritius und seine Begleiter der Thebäischen Legion. Von etwa 1520
Bonnefanten Museum, Public domain, via Wikimedia Commons

St. Mauritius, Madachhof: Kapelle St. Mauritius
ANKAWÜ, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

In der Krypta des Verenamünsters. Der heilige Mauritius oder Victor von der Thebäischen Legion.

Der Kaiser schickte die Legion in den Krieg gegen die Bagauden nach Gallien. Nachdem Maximian sein Lager in Octodurum (heute: Martigny) aufgeschlagen hatte, forderte er seine Untergebenen vor Kampfbeginn zu einem Opfer für die römischen Götter auf. Mauritius und seine Legion weigerten sich und gingen nach Agaunum (heute: St. Maurice d’Agaune), wo sie lagerten. Nach einer Aufforderung zur Rückkehr und Opferung wurde die Legion zur Strafe zweimal „dezimiert“. Der Grund der „Dezimierung“ war die Weigerung gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen. So ließ Maximian schließlich den Befehl zur Ermordung der gesamten Legion geben.
66 Legionäre entkamen nach Solothurn und wurden dort erst umgebracht. Zwei dieserLegionäre waren Victor und Ursus. *5

Der Heilige Victor.
Altarflügel. Öl auf Holz mit Goldgrund, 15. Jahrhundert.
Wikimedia

Solothurn

Nachdem Verena ihren Vetter Mauritius und die ermordeten Legionäre in Agaunum bestattet hatte, reiste sie Victor nach Salodurum (heute Solothurn) nach und ließ sich wieder bei einem Eremiten nieder. Hier soll sie mit Fasten, Gebet und Psalmengesang ihre Tage verbracht haben.

Sie wohnte in einer Höhle in der nach ihr benannten Verenaschlucht und soll sich durch den Verkauf ihrer Handarbeiten ernährt haben.

Oft suchte Verena die Aussätzigen vor den Toren der Stadt Solothurn auf, um sie zu waschen. Aufgrund ihrer heilenden Kräfte wurde Verena vom Volk als Heilige betrachtet; Kranke suchten sie in ihrer Einsiedelei auf, um durch ihre Wundertaten zu genesen. Bald schon gesellten sich andere junge Frauen zu ihr und bildeten mit ihr eine Gemeinschaft.

Schließlich wurde sie vom christenfeindlichen Stadtkommandanten Hirtacus gefangen gesetzt. Im Gefängnis erschien ihr Mauritius, im himmlischen Licht strahlend, und stärkte ihren Glauben. Als der römische Statthalter von einem Fieber befallen worden sei, ließ er Verena rufen, damit sie ihn heilen könne. Anschließend wurde sie freigelassen und wurde aus der Stadt verwiesen. *7

Aquatinta von Bruno Moll zwischen 1860 und 1880. Verenaschlucht, Solothurn (Schweiz): Blick von Süden auf die Einsiedelei Sankt Verena. Im Hintergrund der Weissenstein.
Zentralbibliothek Solothurn, Public domain, via Wikimedia Commons

Verena soll dann auf einem flachen Stein den Fluss Aare hinunter gefahren sein. In Koblenz, damals eine kleine römische Siedlung, machte sie einen langen Zwischenhalt auf einer Insel im Rhein, befreite diese von Schlangen und widmete sich erneut der Krankenpflege.

Insel an der Mündung der Aare (rechts) in den Rhein (links)
Foto: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon.

Verena in Zurzach

Verena folgte wohl eher der alten Römerstraße von Vindonissa (Windisch) nach Tenedone (Zurzach), auf der Peutingerkarte oben von links nach rechts.

Tabula Peutingeriana.
Vindonissa, Tenedone, Julio mago und Brigobanne auf 2A5 der Karte die rote Linie ist die Römerstraße.
Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de

Der dicke grüne Fleck ist der Bodensee und darüber sieht man Vindonissa (Windisch), Tenedone (Zurzach) und Julio mago (Schleitheim), dann Brigobanne.

Verena kam dann ins nahe römische Kastell Tenedone wo sie Hausgehilfin des Priesters wurde. Mit Krug und Kamm ging sie jeden Tag vor die Stadtmauer und wusch damit die Aussätzigen.

Wunder der Verena

Als sie beschuldigt wurde, Wein und Brot unrechtmäßig zu den Armen zu tragen, verwandelte sich der Wein in Wasser.

Das Mehlwunder: „Als Brot fehlte und Verena zu Gott um Hilfe betete, wurden auf einmal 40 Säcke Mehl am Eingang der Zelle vorgefunden. Nachdem Verena und die Jungfrauen von dem Mehl gegessen hatten, wuchs ihnen immer wieder neues Mehl aus den Zähnen.“

Nachdem sich das Mehlwunder ereignete soll der hl. Verena der Teufel erschienen sein. Da er sich über Verena ärgerte, wollte er einen schweren Stein nach ihr werfen. Der Stein sei aber dem Teufel auf den Fuß gefallen, so dass er seit dieser Zeit hinke.

Der Ring des Priesters, den dieser zur Fastenzeit nicht tragen wollte, wurde ihr zur Aufbewahrung gegeben; ein Diener stahl ihn, fürchtete entdeckt zu werden und warf ihn in den Rhein; ein Fischer brachte einen großen Fisch zum Geschenk, Verena zerlegte ihn und fand den Ring.

Der Priester ließ ihr nun eine Zelle in Zurzach bauen, wo sie bis zu ihrem Tod mit dem heilenden Wasser einer Quelle Kranken das Haupt wusch, sie kämmte, heilte und salbte. In ihrer Todesstunde erschien Verena Maria mit vielen heiligen Frauen, die sie in den Himmel leiteten.

Verena mit Kamm und Krug auf der Rheinbrücke Zurzach–Rheinheim von Ernst Suter 1978

Ein Vasall des Herzogs von Burkhard soll Kirchengüter des Verenastifts geschenkt erhalten haben. Da dies Unrecht gewesen sei, soll der Herzog eine Prozession gesehen haben, die aus den Fenstern des Verenamünster schwebte. Anschließend erstattete der Herzog die Güter an das Stift zurück.

Als ein Bauer am Verenatag (1. September), anstatt zur Messe in den Wald ging, um Bäume zu fällen, seien seine Hände beim ersten Schlag erstarrt. Am Grab bereute dieser und damit gesundete er wieder.

1795 brach in Koblenz Feuer aus, viele Häuser und die Kapelle verbrannten. Nur die Statue der hl. Verena mit ihren Kränzchen und Votivkerzen blieb unversehrt. Bis heute kommen weitere Geschichten und Wunder hinzu, die Gläubigen zählen die (allerdings erst in neuer Zeit) entdeckte Thermalquelle dazu, die für kranke Menschen Heilerfolge bringt.

Die heilige Verena

Im 5. Jahrhundert wurde über Verenas Grab, das in einem Gräberfeld bei einem alten römischen Kastell an der Römerstraße lag eine Kirche gebaut. Um 745 eröffnet dort ein Benediktinerkloster, das im 13. Jahrhundert zum Chorherrenstift umgewandelt und 1876 aufgehoben wurde. An der Stelle steht heute das nach ihr benannte Münster in Bad Zurzach. Die Grabplatte ihres Sarkophags wurde 1613 gefertigt.

Verenamünster

Krypta

Grabplatte von 1613 der hl. Verena in der Krypta des Verenamünsters
Paul Bissegger, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Common

ST. VERENA MÜNSTER Rom.- kath. Pfarrkirche Kirche des 1876 aufgehobenen Chorherrenstiftes am Grabe der hl. Verena ( Krypta). Die älteste Kirche an dieser Stelle ist in einem Friedhof (1.-4. Jh. n. Chr.) neben der röm. Strasse errichtet worden. Bestehendes Langhaus 11. Jh., Chorturm 1347 geweiht. Barockisierung 1733 durch Giov. Gaspare Bagnato. 1962 Aussen-, 1975/76 Innenrestaurierung.

Verenamünster in Tenedone (Bad Zurzach)

Die heilige Verena in der Krypta

.
Verena im Verenamünster in Tenedone (Bad Zurzach)

Eine erste Lebensgeschichte von Verena wurde 888 im Kloster Reichenau durch Benediktinerabt Hatto, den späteren Erzbischof von Mainz, verfasst; eine weitere Vita mit Ergänzungen über ihr Wirken in Koblenz und Zurzach entstand im Kloster in Zurzach wohl im 10. Jahrhundert. Eine Sammlung ihrer Wunder folgte um 1000. *7

Brugkapelle der Heiligen Verena

Das römische Kastell in Tenedone wo die Verenakapelle steht.

Taufbecken neben der Verenakapelle unbekannten Datums.

„Burgkapelle“ St. Verena und Mauritius. Nach Schilderung im Mirakelbuch der hl. Verena (Anf. 11.Jh.) zum Gedächtnis an die Auffindung des „Verenakrügleins“ errichtet. 1203 erste urkundliche Erwähnung.
Westteil (Schiff)-romanisch, Ende 1. Jahrtausend Saat mit eingezogener Apsis (1949 ergraben).
Erweiterungen 1425 (Altarhaus): 1488 (Dach-Aufhöhung über dem Schiff): 1571 Vorzeichen mit Aussenkanzel (1949 abgebrochen)
Altar gestiftet von Seb. Borner (Stiftsdekan 1704).
Bilderzyklus über das Leben der heiligen Verena. 1610 – 1617 geschaffen vom Zurzacher Maler Joh. Melchior Waldkirch.
Renovationen 1772 1851 1949 1994/1995




Die heilige Verena in St. Verena und St. Gallus in Hüfingen.

Unter Pfarrer Rudolf Rauber haben 1909 die Gebrüder Marmon, Bildhauer-Atelier in Sigmaringen, den jetzigen Altaraufbau mit Tabernakel und Verena-und Gallusfigur angefertigt. 1960 wurden die Figuren der hl. Verena und Gallus in der Schächerkapelle untergebracht, 1993 jedoch im Auftrag von Herrn Dekan Andreas Huber wieder zurückgeholt und neben dem Altar aufgestellt, wo früher die Beichtstühle waren.

Nach der Kirchenrechnung des Jahres 1743 erhielt der Villinger Bildhauer Johann Ignatz Schupp für das Bildnis der hl. Verena am 15. Januar 1743 insgesamt 9 fl. *9 In der Kirche ist sie nicht zu sehen. Sie wird nur bei besonderen Anlässen verwendet und wird in der Sakristei aufbewahrt. Sie wurde früher bei den Prozessionen mitgetragen.
Siehe auch Lorettokapelle.*8





Deckengemälde aus 1909 von Ferdinand Kaltenbacher.


Fahnenbilder von Luzian Reich senior mit Verena und Gallus. *9

1Die Verenakapelle in Bachzimmern – unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wandmalereien. Werner Fischer, Peter Kempter, Renate Keusen, Antonia Reichmann. Schriften der Baar, Bd. 53/2010 S. 59–80
2 Wikipedia: Theben
3 Wikipedia: Römisches Reich
4 Wikipedia: Thebäische Legion
5 Wikipedia: Diokletian
6 Wikipedia: Einsiedelei Stankt Verena
7 Heiligenlexikon.de
8 Geschichts- und Heimatverein Villingen
9 Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984

Magie lebender Museen

Beitrag vom 15. April 2021

De Zauber vu lebige Musee`e

Der Ort isch tot für immer. Aber die doale saget nei ! Mir bruuchet lebige Musee`e, wo Liit mit ihrene Wurzle bekannt gmacht wered oder andere die Wurzle kennelehre könnet.

Mir bruuchet die ursprünglich, die oache Natur.


D Gschicht sott uns glehrt haa, en so wesentliche Teil vu unsere Kultur wie e derartigs Dorf i iiseri Obhuet z nehme. De Puls muess schlaa. Denno kennet mir iis gegesiitig mit Kreativität und Phantasie beflügle. D` Bäckerei dezue bringe, dass sie wieder duftet, de Lade und s` Wirtshuus, dass die Türeglocke und d` Gläser wieder klinglet.

Die Obere hond aagfange Verantwortung defüer allmählich zuezgäe.


Du triffscht villi guete Geischter im Ort. E paar sind besunders uff die Obere uus und uff sonige, die nit sehnet, dass iiseri Kultur en Schatz isch, wo bewahrt were muess. Nit nuu fer iis und dieselle, die noch iis kummet. Nei, au dass s` Urteil vu de Gschicht über iis e klei weng milder uusfallt.

Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.


Die Gespenschter ruefet jungi Liit, die meh erlebe wend wie stickige Stubbe, locket Reisende mit Erlebniss, wo sie i me Kurhuus oder uff e me Traumschiff nit überkummet. Die Gespenschter versuchet, die aazrege, die Gschichte und Määrli wohrnehmet, dass sie und mir alli, vu dene ihrem Riichtum ebbis abzwacke kinnet.

Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.


Do isch e Perle, die noch johrhunderte langem Waarte zu dere Perle wore ischt. Sie word en uuwürdige Tod sterbe, wenn ihr sie mit falsche Glunker und Nippes uusstaffieret.

Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.


Frei in Baaremer Mundart nach Herbjörg Wasmo,
Norwegische Schriftstellerin, Bestseller „Dina“ u. „Der lange Weg“
von Hubert Mauz / Donaueschingen Nov. 2018

Artefakt sind Botschafterinne us e re Ziit, die nie meh zruckkumme word, wenn mir uuachtsam und nochlässig ihre Zeitreis „ abbreche „ wered.

Die Magie lebender Museen

Dieser Ort ist tot für immer. Aber einige sagen nein ! Wir brauchen lebende Museen, wo Menschen mit ihren Wurzeln bekannt gemacht werden oder die Wurzeln anderer kennenlernen können.

Wir brauchen die ursprüngliche Natur.


Die Geschichte sollte uns gelehrt haben, einen so wesentlichen Teil unserer Kultur wie ein solches Dorf in unsere Obhut zu nehmen. Der Puls muss schlagen. Dann kann man sich gegenseitig mit Kreativität und Phantasie beflügeln. Die Bäckerei dazu bringen, dass sie wieder duftet, den Laden und das Wirtshaus, dass die Türglocke und die Gläser wieder klingeln.


Die Politiker haben angefangen die Verantwortung dafür zuzugeben


Du triffst viele guten Geister im Dorf. Einige sind besonders auf Politik aus und auf solche, die nicht sehen, dass unsere Kultur ein Schatz ist, den wir bewahren müssen. Nicht nur für uns und die, die nach uns kommen, sondern auch, um das Urteil der Geschichte über uns etwas zu mildern.

Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.


Die Gespenster rufen junge Menschen, die etwas mehr erleben wollen als stickige Klassenzimmer, locken Reisende mit Erlebnissen, die sie in einem Hotel oder Traumschiff nicht bekommen. Die Gespenster versuchen, die zu gewinnen, die Geschichten und Mythen wahrnehmen, um von ihrem Reichtum zu profitieren.

Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.


Da ist eine Perle, die in jahrhunderte langem Warten zu dieser Perle geworden ist. Sie wird einen unwürdigen Tod sterben, wenn ihr sie mit falschem Beiwerk und Tand schmückt.

Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.


Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin
Weltbestseller „Dina“ und „Der lange Weg“

Artefakte sind Botschafterinnen aus einer Zeit, die nie zurückkehren wird, falls wir unachtsam ihre Zeitreise „abbrechen“ werden.

Zum Tod von Hermann Sumser

Unser herzliches Beileid an seine Witwe und allen Angehörigen.

Hier stellte Hermann Sumser im April 2021 das Brigobannis-Projekt im Hieronymus vor:

Brigobannis auf kulturellen Abwegen

06.04.2021 von Hermann Sumser

Statt nach der Realisierung der Fußgängerbrücke über die Breg ein nächstes Element im Rahmen des „Brigobannis-Projektes“ anzugehen,  riskiert man auf Anraten der CDU-Fraktion wie ich annehme lieber den Untergang dieses Projektes und der angesagten 50%-Zuschüsse des Landes, um das verfügbare Kapital für das nächste Großprojekt der Stadt anzusparen: z.B. die Umwandlung von Grünlandschaft in kommunales Bauland in der Kernstadt und in den Ortsteilen entgegen der Umweltpolitik des Landes und riskiert damit auch noch den Verlust der verfügbaren Finanzen  durch riskante Geldanlagen, die keinesfalls dem Fachbeamten allein anzulasten sind, sondern der politischen Vorgabe durch den Bürgermeister und die CDU-Fraktion, wie ich annehme.

Nun nach dem möglichen Verlust von 3 Millionen und dem großzügigen Verlust von Zuschüssen zum von Anfang an verunglimpften Projekt des „Römerparks“ kann man sich wohl die Wunschvorstellungen der Rekonstruktion von Serpentinenpfaden zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ und hoch vom Römerbad zum Galgenberg und die Landschaftsgestaltung zur optischen Wiedergabe des Kastells auf dem Galgenberg bis zum Beispiel  die Umwandlung der leer stehenden Wasserreservoire in Schauräume zur Ausstellung von wichtigen Repliken des „Hüfinger Reiters und anderer spektakulären archäologischen Fundobjekten an den Hut schreiben; wahrscheinlich auch das Vorhaben der Darstellung des „Unteren Tores“ im Städtle als wichtigen Abschluss der Straßengestaltung in den letzten 10 Jahren, die das Städtle attraktiver gestalten  und das Geschichtsbewusstsein der Einwohner stärken soll.

Vermutlich können sich die Hüfinger Bürger auch das begehbare Archiv  im Erdgeschoss des Hüfinger Rathauses und die Ausstellung der Hüfinger Geschichte dort vergessen, weil kein Geld für sowas „Überflüssiges“ nach einem solchen Verlust mehr da ist, zumal auch noch die Großinvestition der Erneuerung des Schwimmbades ansteht. Wie schön, dass man immer die verzichtbaren Kultur-Investitionen im Auge hat. Schon einmal wie vor 200 Jahren, als einige engagierte Personen, wie z.B. Luzian Reich der Ältere die Hüfinger „Anlagen“ und jene noch heute wunderbare Fußgänger-Baumallee als Zugang, zum Teil sogar auf eigene Kosten,  realisiert haben und dafür von den Hüfinger Normalbürgern belächelt wurden. 

Liebe Hüfingerinnen, liebe Hüfinger,

was macht Hüfingen im Vergleich zu den umliegenden Städten zu etwas Besonderem, das es immer wieder zu stärken gilt? Es sind die Zeugnisse aus der Frühgeschichte und das Stadtbild aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt.

Vor mittlerweile  60 Jahren hatte mich eines Tages Altbürgermeister Max Gilly zu meiner Überraschung nach bestandenem Abitur ins Rathaus rufen lassen, um mit mir über die Zukunft von Hüfingen zu sprechen. Auf seine Fragestellung habe ich ihm damals geantwortet, dass das größte Kapital von Hüfingen seine mittelalterliche Altstadt ist. Wenige Jahre später gehörte Hüfingen zu den ersten Antragstellern an die zuständige Behörde der Landesregierung nach Aufnahme in das neue Städtebauförderungsprogramm. Die folgenden Jahre waren in Hüfingen geprägt von den Sanierungsmaßnahmen in der „Hinterstadt“, später in der „Vorderstadt“, schließlich in der Unterstadt, in der Folge auch von den Auseinandersetzungen um den Erhalt von historischen Häusern in der „Hinterstadt“, dem Sanierungsgebiet Nr. 1. Als ein von Bürgermeister Gilly an mich beauftragtes  Gutachten im Ergebnis das Zerschneiden des besonderen Baudenkmals in der Hinterstadt Nr. 7-9 in Frage stellte, dessen Abbruch schon vorgesehen war,  scheiterte bei unserem Antrag zur Bewahrung dieses nach Aussage des zuständigen Denkmalschützers, der sich voll hinter mein Gutachten zur Bewahrung diese bedeutenden Baudenkmals stellte, unser Antrag zum Erhalt in der anschließenden Gemeinderatssitzung an der CDU-Mehrheitsfraktion. Der Abbruch wurde nach Beschluss im Gemeinderat vollzogen.

Vor nunmehr mehr als 30 Jahren hat das Land Baden-Würrtemberg auf einen Hinweis des inzwischen als Nachfolger gewählten Bürgermeisters Anton Knapp auf die heruntergekommene Ruine des „Römerbades“ auf eigene Rechnung des Landes das Ruinenfeld wieder rekonstruiert  und in aufwändiger  Form eine Besichtigungsbühne auf halber Höhe über den Ruinen mittels einer Stahlkonstruktion einbringen lassen und damit dem bedeutenden Baudenkmal wieder zu neuem Glanz verholfen. Wenige Jahre später habe ich das Projekt „Brigobannis“ mit mehr als 20 Einzelelementen konzipiert vom „Pavillon“ über die Tribünen an der Römerwiese, über eine Brücke über die Breg in Fortsetzung der früheren Römerstraße, über die Reaktivierung von historischen Pfaden im Umfeld des Römerbades bis hin zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ mit Aussicht auf die Altstadt, über die Darstellung des ehemaligen Kastells auf dem Galgenberg mit landschaftlich gestalteten Außenanlagen bis hin zum Ausbau von zwei vorhandenen unterirdischen Wasserreservoiren, die aufgegeben wurden, weil sie technisch überholt waren zu unterirdischen Schauräumen, in denen die bedeutenden Funde der Hüfinger Geschichte aus den verschiedenen archäologischen Grabungsfeldern, die in den Archiven des Landes ruhen,  in Hüfingen präsentiert werden sollten über den Einbau eines unterirdischen Verbindungsbauwerks zwischen den unterirdischen Schauräumen und die Herstellung von Repliken dieser Fundgegenstände. Das Projekt wurde von Bürgermeisetr Knapp aufgenommen und mit der Zentrale des Denkmalschutzes in Esslingen kommuniziert. Der damalige Präsident des Landesdenkmalschutzes Professor Dr. Bader erschien persönlich zu einer Besprechung in Hüfingen und hat seine Zustimmung signalisiert. Das Regierungspräsidium in Freiburg hat das Projekt begrüßt und die Bezuschussung in Höhe von 50% der jeweiligen Baukosten in Aussicht gestellt. Im Gemeinderat in Hüfingen habe ich das Projekt vorgestellt. Einige Elemente wurden realisiert und zu 50% bezuschusst, andere scheiterten bislang am Einspruch der CDU-Fraktion und wurden vorerst zurückgestellt. 

Ein anderer Projektvorschlag: das „Untere Tor“, das ich planerisch und im Detail ausgearbeitet hatte, hat Bürgermeister Knapp ebenfalls im Gemeinderat eingebracht. Es ging dabei um die Darstellung dieses ehemaligen wichtigen Gebäudes der Vorderstadt, das ca. 1840 durch Antrag der Fuhrunternehmer abgebrochen wurde. Die Darstellung in Konturen, die durch eine Stahlkonstruktion erfolgen soll,  um wieder die ehemalige räumliche Wirkung in moderner Form zu vermitteln, ist sie eine wichtige städtebauliche Maßnahme, die das „Städtle“ als Veranstaltungsraum stärken soll. Die Realisierung scheiterte vor 20 Jahren wieder einmal am dem Widerspruch der CDU-Fraktion in der betreffenden Gemeinderatssitzung.  Es wäre gleichzeitig eine bewusste Schickane, um den immer noch heftigen Durchfahrtsverkehr etwas zu reduzieren, die Attraktivität im und vor dem „Städtle“ zu steigern und das Brauchtum zu stärken durch die Figuren-Installationen an dieser Stahlkonstruktion und die Einbeziehung in die Hüfinger  Fasnacht. 

Sie sehen, dass in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ansätze zur Bewahrung und zur Belebung des Hüfinger Stadtbildes und zur Veranschaulichung der bedeutenden Hüfinger Geschichte durch mich und durch die Unterstützung durch den Bügermeister erfolgt sind. Vor nunmehr 2 Jahren habe ich dem jetzigen Bürgermeister in einem Gespräch im Rathaus diese Projekte vorgestellt, die er als ehemals auswärtiger Bewerber um das Bürgermeisteramt natürlich noch nicht kennen konnten. Sie sehen, dass immer wieder auch wichtige Vorschläge von Außen an den Bürgermeister herangetragen wurden, die immer wieder von den aufeinander folgenden Bürgermeistern aufgenommen wurden und  zur Profilierung der Stadt und auch  ihres Bürgermeisters beigetragen haben.

Obgleich der Bürgermeister bei dem Gespräch einen wirklich interessierten Eindruck auf mich gemacht hat, ist bis heute keinerlei Berücksichtigung erkennbar. Statt dessen ist die Stadtverwaltung bestrebt in der Kernstadt und in allen Ortsteilen die landschaftliche  Umgebung zu Bauland umzuwidmen entgegen der allgemeinen politischen Absicht im Land. Statt dessen schockt uns vor wenigen Tagen  die jüngste Nachricht  von einem Verlust von 3 Millionen im Stadtsäckel durch eine verloren gegangene Einlage der Stadtverwaltung in einer privaten Bank. Für diesen Betrag hätten problemlos manche dieser vorgeschlagenen Elemente des Projektes realisiert werden können. Ohne jegliche Schuldzuweisung auszusprechen, schmerzt mich natürlich dieser finanzielle Verlust. Vielleicht wäre eine gewisse Offenheit gegenüber meinen Vorschlägen als gebürtiger und geschichtsbewussten Hüfinger Bürger hilfreich. Statt dessen erklärte der Bürgermeister damals: das Projekt „Brigobannis“ werde nicht weiter verfolgt,  auf Anraten wieder mal der CDU-Fraktion, wie ich annehme, obgleich auch die Realisierung der Wege und Pfade, die Rekonstruktion des Waldhauses, die gärtnerische Gestaltung des Kastells auf dem Galgenberg einmal abgesehen von den unterirdischen Schauräumen genügend Ansätze bieten, auch überschaubare Elemente des Projektes zu realisieren. Also verzichtet man auch großzügig auf die angesagten Zuschüsse des Regierungspräsidiums. 

Funde aus der Jungsteinzeit auf dem Ziegeleschle

Da scheinbar Interesse besteht und es hier bald noch mehr Infos gibt, wollte ich diesen Artikel vom 17. September 2023 mit der Steinaxt bisschen weiter nach oben kramen:

Auf Loretto und in dem neuen Gewerbegebiet Ziegeleschle wurden Magnetometerprospektionen (auch Geomagnetik genannt) durchgeführt. Auf dem hierdurch angefertigten digitalen Bild ließen sich dort Siedlungsreste erkennen.

Das Magnetfeld der Erde wird durch die magnetischen Eigenschaften verschiedener Materialien, wie Gesteine, Böden, gebrannte Lehmziegel oder Holzreste gestört ‒ also auch von archäologischen Überresten. Zur Aufzeichnung dieser Magnetfeldstörungen kommt ein hochempfindliches Cäsium-Magnetometer auf einem Rollwagen zum Einsatz. Auch Unterschiede zwischen den physikalischen Eigenschaften des Zielobjekts und dem umgebenden Boden lassen sich hierbei messen.

Ausgrabungen
Ziegeleschle
15. März 2023

Die Firma ArchaeoTask hatte das Gelände mit dem Bagger und Sonden durchsucht und es konnten Artefakte aus dem Endneolithikum gefunden werden.

Das Endneolithikum bezeichnet die jüngste neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ (veraltet auch Streitaxt-Kultur) gleichgesetzt und reicht in Süd- und Mitteldeutschland von ca. 2800–2200 v. Chr.
(*und nein, liebe CDU, „die Eiszeit“ war es nicht.)

Steinaxt aus dem Endneolithikum.
Grabbeigaben aus der Jungsteinzeit.

Eine Silexklinge wird durch Abschlag aus Feuerstein (Silex) hergestellt.

Die Artefakte oben wurde beim diesjährigen Römerfest vom Denkmalamt ausgestellt. Dabei war auch noch ein mittelalterlicher Mühlstein, der womöglich als Baumaterial dort oben benutzt wurde.

Fragment eines Mühlsteines aus dem Hochmittelalter (11./12. Jahrhundert)

Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden. Die Urnenfelderkultur (1300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) war später.

Brigobannis: Römerstraßen und Peutingerkarte

aktualisiert, Originalbeitrag vom Januar 2021

Im September 2020 habe ich über die Villa Rustica im Naturschutzgebiet Deggenreuschen geschrieben.

In dem Artikel von Dr. Paul Revellio (3) wurde ein Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des 4. Jahrhunderts, erklärt. Es ist eine eine kartografische Darstellung, aus dem spätrömischen Reich von den Britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten bis nach Indien und Zentralasien. Der Ausschnitt von Revellio (3) zeigt die Römerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg).

Da auch die Suche nach der Villa Rustica in Fürstenberg läuft, kam ich auf die Idee mir die Römerstraßen rund um Brigobannis (Hüfingen) etwas genauer anzuschauen. Hierbei kamen mir die Schriften der Baar zu Hilfe.

Der Artikel in den Schriften der Baar ist zwar ungewohnt unwissenschaftlich, aber er bietet einen guten Überblick über die Literatur der letzten 200 Jahre.

Peutingerkarte

Die Tabula Peutingeriana ist nach Konrad Peutinger (1465–1547) benannt und zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie ist in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt.

Die Datenbank der Karte ist Teil des DFG-Projekts „Kommentar zur Tabula Peutingeriana“ und steht online auf der Seite https://tp-online.ku.de/ zur freien Verfügung.

Tabula Peutingeriana. Brigobanne auf 2A5 der Karte die rote Linie ist die Römerstraße.
Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de

Arbor felix (segenbringender Baum) auf der anderen Seite Sees ist das Kastell Arbon bei Arbon im Kanton Thurgau und rechts daneben ist Brigantio (Bregenz). So ist der dicke grüne Fleck der Bodensee. Tenedone (Zurzach) und Juliomagus (Schleitheim) ist auf der Karte links von Brigobanne. Aris Flavis (Rottweil) und Samulocenis (Rottenburg) sind rechts von Brigobanne.

Der Abzweig der Römerstraße auf der Hüfingen liegt geht also von Vindonissa (Windisch) nach Adlunam (Kastell Urspring).

Wer hier mehr erleben möchte, auf der Webpage Römertraße gibt es noch so einiges. Vielleicht gute Ausflugstipps für den nahenden Sommer?

Römerstraße um Hüfingen

Der römische Geograph Strabo berichtet, dass Tiberius, der Stiefsohn von Kaiser Augustus, 15. v. Chr. zu den Quellen der Donau kam, also in den Raum der Baar und vielleicht bereits bis nach Hüfingen, der kleinen keltischen Siedlung an einer Handelsstraßenkreuzung am Ufer der Breg mit einer Furt.(1)

TIBERIUS IN ILLYRICUM
Contributions to the history of the Danubian provinces under Tiberius’ reign (14–37 AD)
Eötvös Loránd University, Dept. of Ancient History und University of Debrecen Dept. of Classical Philology and Ancient History

Im dritten Kapitel desselben Buches erklärte Strabo, dass der Danuvius ursprünglich der Name des Oberlaufs dieses Flusses gewesen sei: „Denn sie [die Römer] gaben dem oberen Teil des Flusses vom Gebiet seiner Quellen bis zu den Katarakten den Namen Danuvius, nämlich dem Teil, der hauptsächlich durch die Gebiete der Daker fließt, während sie den unteren Teil des Flusses, der durch die Gebiete der Geten fließt, von den Katarakten bis zum Pontus „Ister“ nennen. Die Identität des Danuvius und des Ister wurde möglicherweise erst während des Feldzuges des Statthalters von Makedonien C. Scribonius Curio im Jahre 72/73 v. Chr. gegen die Dardaner und Moesier erkannt.

Die Aussage von Strabo, Tiberius habe die Donauquellen nach nur einer Tagesreise erreicht, entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Entfernung, die länger ist. Dies würde vielleicht darauf hindeuten, dass er nur bis zum Zusammenfluss von Breg und Brigach östlich von Donaueschingen kam.

Als historische Quelle der Donau gilt die Quelle des Donaubachs bei Donaueschingen, während die tatsächlichen Quellen der Donau hydrologisch gesehen die der größeren Breg sind, die sich bei der Martinskapelle bei Furtwangen befindet.

Unabhängig davon, welchen Bach im Bereich der Donauquellen Tiberius tatsächlich gesehen hat, lässt sich feststellen, dass die Römer noch in der augusteischen Zeit über ein völlig unzureichendes Wissen über die Geographie der Alpenregionen verfügten

Übersetzt von: TIBERIUS IN STRABO’S GEOGRAPHY: ECHOES OF HIS ACTIVITIES IN ILLYRICUM von MARJETA ŠAŠEL KOS, Seite 139-155, TIBERIUS IN ILLYRICUM

Unabhängig davon, welchen Bach Tiberius tatsächlich gesehen hat, darf die geneigte Leserin und auch der Leser, unten die Breg beim Römerbad im Wechsel der Jahreszeiten sehen.

Blick über die Furt der Breg vor dem Hüfinger Römerbad Oktober 2020 bis Oktober 2021

Die Römer legten eine Militärstraße an, überquerten den Hochrhein bei Zurzach und marschierten über die Höhen bei Blumberg gegen Norden weiter nach Hüfingen, Rottweil, Rottenburg bis nach Regensburg. Später errichteten die Römer zwischen Donau und Main den Limes als Schutzwall gegen die Germanen und sicherten ihr erobertes Gebiet durch weitere Straßen und Kastelle. (1)

Römerstraßen und Limes mit Windonissa, Tenedo, Juliomagus, Brigobannis
Foto: Wikipedia

Nach der Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter (1984) hatte sich Hans von Schellenberg 1605 schon mit Altertümern im Gebiet des Hüfinger Galgenberges befasst. Unterhalb fand man am 17. März 1768 in einem Ackerfeld silberne und metallene römische Münzen von Titus, Vespasian „und andere“. Im Jahr 1820 vermutete Professor Andreas Buchner (1776-1856) aus Regensburg das römische Brigobanne der Peutingerkarte bei Hüfingen. Er fand nach kurzen Grabungen im Mühlöschle römisches Mauerwerk. Noch im gleichen Jahr stieß eine vom Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg (1796-1869) eingesetzte Kommission, die sich aus Alois Hirt, Luzian Reich, E.J. Leichtlen, Heinrich Schreiber und dem fürstenbergischen Leibarzt W.A. Rehmann als Leiter zusammensetzte, auf das Römerbad. (4)
Mehr dazu gibt es im Denkbuch von Lucian Reich.

Karl Alois Fickler beschreibt 1821 unmittelbar westlich des Römerbades einen römischen Straßenkörper, der durch das Hammeltal bis zum Deckrischen Wald (Deggenrauschen) verfolgt wurde. (1)

Hammeltal auf dem Weg nach Deggenreuschen

Die vom Klettgau kommende römische Hauptstraße zog das Tal von Riedböhringen hinauf über die Wasserscheide zwischen Aitrach und Donau gegen Behla. Etwa 1 km vor Behla schlägt die Straße die Richtung Hausen vor Wald ein, wohl um die sumpfigen Ausläufer des Donaueschinger Rieds zu umgehen. Während der römische Straßenkörper bis dahin in den Äckern und Wiesen rechts und Iinks der heutigen Straße (ca. 1895) sicher nachzuweisen ist, fehlt es zwischen Hausen vor Wald und Hüfingen an jeder Spur.

G. RIEGER (1900) (1)
„Ruinenweg“ bei der Villa Rustica im Deggenreuscher Wald

Ein zweiter vorgeschichtlicher Weg, der ebenfalls von den Römern benutzt wurde, kam vom Schweizer Rhein und zog von Schleitheim über die Wutach nach Stühlingen und über Weizener Häusle nach Ewattingen. Dort durchquerte er das Wutachtal ein zweites Mal, um an Mundelfingen vorbei gerade auf das Kastell Hüfingen zuzustreben. Auf ihm sind wohl die Römer von Schleitheim aus an die Donau vorgerückt. Die von den Römern ausgebaute Strecke verlief von Schleitheim über Zollhaus und unter der jetzigen Landstraße Schaffhausen-Donaueschingen bis nördlich Behla, verließ sie beim Behlaer Weiher, um durch den Wolfsbühl das Kastellgelände zu erreichen.

Paul Revellio (1937) (1)
Wolfsbühl westlich des Behlaer Weiher

Hab die Straße dann gemieden,
Mich im Wald herumgetrieben,
Meinem lieben Wolfesbühl,
Wo ich in dem Dickicht kühl,
Zu dem feuchten Waldesgras
Oft als Knabe Beeren las.

Ferienbummlers Rundgang in der Baar von Franz Josef Schelble 1899

Die Römerstraße überquerte auf der Luttlinger Brücke, die wohl ihretwegen gebaut wurde, das Bächlein (Kennerbach) in den Schleewiesen und wurde durch den Bau der Höllentalbahn abgelenkt. Aber westlich des Bahndamms ist sie von dem Höhenpunkt 692,5 ab auf eine Strecke von 200 m erhalten, weil dieses Stück bis zum Jahre 1870 von der Straße Hausen vor Wald-Hüfingen benutzt wurde.

Paul Revellio (1937) (1)
Bauarbeiten zur Höllentalbahn bei der Luttlinger Bruck 1899

Das kann allerdings so kaum stimmen, da diese beiden Wege keinesfalls auch nur wenige Meter parallel verliefen, sondern sich mit nahezu 90° kreuzten.

Luftbildaufnahmen von 1961/62 ließen südlich des Kastellgeländes im Gewann „Krumme Äcker“ auf ein weiteres römisches Bauwerk schließen. Bei der eingeleiteten Notgrabung wegen Ausbaues der Bundesstraße 31 (1977/78) ergaben sich Hinweise auf ein zeitlich dem Galgenberg-Kastell vorausgehendes Truppenlager, zu dem ein ungewöhnlich großer, vierflügeliger Holzbau gehören dürfte. Noch etwas weiter südlich konnten 31 römische Brandgräber mit Urnen und weiteren Beigaben aufgedeckt werden. Weitere Grabungen ab 1952 im Bereich Mühlöschle bestätigten das römische Dorf (vicus) und damit neben dem Römerbad die Bedeutung von Hüfingen als wichtiger römischer Garnisonsort mit Kastell, Handwerkern und Händlern am Knotenpunkt uralter und von den Römern erbauter Verkehrswege in alle vier Himmelsrichtungen.

Diese musste das Kastell am Galgenberg und das Erdkastell im Gewann „Krumme Äcker“ tangieren und zwangsläufig am Römerbad vorbei zur Furt durch die Breg gehen, um den gegenüberliegenden vicus im Mühlöschle zu erreichen. Von dort ist die Straße vor Allmendshofen, bei der ehemaligen Kammgarnspinnerei Wirth, in Richtung Donaueschingen gesichert.

(1) Wie die Römer nach Hüfingen kamen von Günter Hofmann in den Schriften der Baar 46 (2003)

Leider sind die vielen Aufzeichnungen und Funde von Straßenbauamt nicht zu finden, ebenso die Erkenntnisse des Denkmalamtes scheinen geheim. Gesichert sind Funde bei Behla beim Bau der Wasserleitung.

Deshalb schließe ich hier. Wir müssen wohl zufrieden sein mit dem aufkochen von über 100 Jahre alten Erkenntnissen.

Aquatinta von W. Scheuchzer und G.L. von Kreß sc. Verlag J. Velten in Karlsruhe etwa 1825

(1) Wie die Römer nach Hüfingen kamen von Günter Hofmann in den Schriften der Baar 46 (2003)
(2) Ein römisches Bauernhaus im Deggenreuschenwald bei Hüfingen von Dr. Paul Revellio in den Schriften der Baar 14 (1920)
(3) Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921)
(4) Chronik der Stadt Hüfingen. August Vetter (1984)

Römerfest Zeitreise 2023

Vielen Dank an Helmut Vogel, Heidi Mayer-Löhr und an alle Beteiligten für das tolle Fest!

Hier ein paar Eindrücke von uns:

Am Samstag Abend marschierten das Grenadiercorps 1810 aus Villingen, die historische Bürgerwehr Hüfingen und das Fähnlein Rottweil zum Platz jenseits der Breg und nahmen auf Kommando ihre Position für den dreifachen Böllersalut ein. Diese Darbietung soll im Besonderen an die Belagerung 1632 und das grauenvolle Blutbad sowie an die Sinnlosigkeit der vielen Kriege erinnern.

Die Schottergruben von Brigobannis

Zur Zeit der Römer war Schotter das wichtigste Baumaterial für den Straßenbau. Ein sehr typisches Merkmal der Römerstraße im Alpenvorland ist die Dammschüttung gewesen. Die Römer schütteten vor allem in Gebieten, in denen man im Winter mit heftigen Schneefällen zu rechnen hatten zum Teil 10 Meter breite Dämme aus Schotter für die  Fahrbahn auf.

Offensichtlich gibt es aus dieser Zeit noch viele Schottergruben, die der eigentlichen Nutzung entzogen wurden, denn die heutigen Bewohner von Brigobannis lieben es sich den Schotter direkt vor die Tür zu kippen.

Und jetzt Scherz beiseite: Als Gebietskörperschaften sind Gemeinden zuständig, wenn es um die Regelungen für die Flächennutzung geht. Die Summe vieler kleiner Vorgärten stellt in einer Kommune durchaus eine große Fläche dar, weshalb es vielerorts Vorgaben und Empfehlungen für Haus und Grundbesitzer gibt. In Zeiten des Klimawandels sind Kommunen zudem gefragt Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln, damit vor Ort das Klima erträglicher und das (Hoch-)Wassermanagement sicherer wird. Die rechtlichen Vorgaben dazu finden sich im Baugesetzbuch. Dort wird zu einer Bauleitplanung vorgegeben, dass Flächennutzungsplan und Bebauungspläne dazu beitragen sollen eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürliche Lebensgrundlage zu schützen und zu entwickeln.  Dazu sind gemäß §1 Abs. 6 BauGB insbesondere auch die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohnverhältnisse sowie Belange des Umweltschutzes zu berücksichtigen. Kommunen können auch übergreifende Satzungen für die Gestaltung bestimmter Flächen erlassen, wie zum Beispiel eine Vorgartensatzung. Rechtlich steht eine solche auf gleichem Niveau wie ein Bebauungsplan, ist also verbindlich, hat aber in der Regel einen übergreifenden räumlichen Geltungsbereich. Die kommunalen Satzungen werden mit den Gemeinderäten politisch verhandelt und mehrheitlich beschlossen.

Doch in Hüfingen gilt : Schotter statt Pflanzen, Grau statt Grün. Doch was ist Schotter und was ist Stein? Der Frage wollen sich zumindest die Hüfinger Gemeinderäte nicht stellen und verwiesen auf  höhere Ebenen die durch Personalmangel geprägt und daher untätig bleiben werden. Wie einfach macht es sich unser Gemeinderat? Aber ganz im Sinne von Brigobannis scheint es auch heute noch üblich zu sein Schotterhalden aufzuschütten und es schick zu finden und das auch noch mit Genehmigung eines hier überwiegend untätigen Gemeinderates.  Gesetze haben wir genug, es liegt leider am minimalen Willen der Beteiligten diese durchzusetzen. Hier würde ich mir als Bürgerin von den Stadtoberen wesentlich mehr  Schwung wünschen und zwar nicht nur, wenn eine in ihren Augen unästhetische Wand den Blick auf tote Rasenflächen verwehrt.

Brigobanne Tätowierstube

Die alte Künstlertraditon des Hüfinger Künstlerkreises lebt fort in der Moderne. Hier der Text zum Bild vom Künstler Dede Hegenauer:

Bei uns im Schwarzwald Baar Kreis hatten wir eigentlich gar keine Bollenhüte. Dennoch aber auch sehr schöne Trachten. Das Bild malte ich in Anlehnung an ein Bild von Rudolf Gleichauf aus dem 19. Jhdt. und es zeigt ein Mädchen in traditioneller Baaremer Bauerntracht. Ich würde auch davon Drucke erstellen lassen. Wer mag, kann mir gern schreiben! Grüße aus eurer Baaremer Stube

Dede Hegenauer
brigobanne-taetowierstube (ät) gmx.de
Das Bild links stellt ein junges Mädchen dar als Schnitterin in der fruchtbaren Baar; das Kopftuch aufgebunden, mit breiten Zöpfen und grünen Ranken geschmückt, mit der Sichel in der Hand von der Arbeit ausruhend, sitzt sie im Freien neben sich den Krug und ein Sträußlein Erdbeeren.
Baaremer Schnitterin von Rudolf Gleichauf
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