S Hüfinger Krokodil, zappe mer mol dorch d Krokodilwelt

Zum Krokodil Hüfingen geht es auch hier: Das Krokodil in Hüfingen

14. April 2025

S Hüfinger Krokodil, zappe mer mol dorch d Krokodilwelt

Dass de Name vum Huefinger Krokodil i de Hinterstadt vunere Baiz z Karlsruhe mit dem Name Krokodil stamme dai, des hät de Sigwarte Roland iis verkartet. Au die i dere badische Fächerstadt e aagsehnene Vereins- Gesellschafts- und Kulturwirtschaft, die gihts immer no. Gwunderet häts mi scho immer wieso die Huefinger Traditionswirtschaft den Name hät. Won i denno im Filmli vum Onkel Ernst Kramer vu de Hotzig vu sinere Tochter Anni  mit em Karl Preis us Amedshofe überm Wirtshuusname „Zum Krokodil“ au no de Name Joseph Schafbuch gsehne han, hät mi s Krokodil endgültig a de Gorgle packt. Des Filmle gihts  im Hieronymus zum aagucke. Und de  Baizer, de Schofbueche Beppi, isch au no en Vorfahre. So kunnt oes noch em andere und es kunnt no dicker.

S Internet sait, dass es no z Hornberg, z Balingen und am fränkische Brombachsee Wirtschafte mit dem zooligische Name gäb. I dem am Brombachsee han ich scho mol gschpeisst und uuruhig gschloofe. Wahrschiinli weil i troomt ha, dass mer so e Vieh am Fuess ummignagge will. Dert a dere grosse Seenplatte, die de Bayernhäuptling F. J. Strauss, baue lau hät, passt der Name sogar eweng. Dä siehts uus wie a dene See ‚e im Kongo wo die blutrünstige Krokodil hinterhältig uff e liichtsinnige Gazelle a de Tränke laueret. Überhaupt wunderets om, wieso die schrundig, schuppig, eigentlich mords wüeschte, grossmäulige, glupschäugige, krallepfotige, bestialische  Raubechse bei iis so aagsehne und populär sind. Koe Fleckli kuschligs  Fell oder zarti Federli wie bei me Bärli, Häsli oder Entli. Naselöcher wie beim fauchende  Nibelunge Drache.

E Gebiss und Zai wo nit emol de todesmutig Zahnarzt Ernscht Kramer e Amalgam Füllung trotz Maulsperre mache dät. Mit 3 to Beisskraft hät es s stärkscht Gebiss im Tierreich. Koe weng e Kuscheltier. Und doch so populär. Sogar  beim Kaschperle i sim Theater spielt des grossgoschig Tier e tragende Roll. Dert spielt es e harmlose, klapper Hauptrolle und i kom Playmobilzoo derf e Krokodil fehle. 

Sogar e Eidechse Brünneli, die europäisch  Verniedlichungform vum Kaiman, gihts z Eschinge a de Buchhalde. Leider isch die wasserspeiend Bronze Echs scho so vill mol gstohle wore, dass mer se nimme erneueret hät. Schad drum.

Wirtschafte lauret wahrscheinlich mit dem Name uff hungrige, gfrässige und dorschtigi Gäscht. Wurum hät des gemein Raubtier im Ferne Europa so en Freundeskreis bei Alt und Jung? Spätestens bei dene abstossende Greuelpartys a dene Afrikanische Krokodil See‘ e vum gruusige Bokassa und vum holose Idi Amin het mer doch monne kinne, dass de Ruef als Kinderzimmer Tier und Lokomotivname endgültig ruiniert sei. So kha mer sich täusche. Sogar beim neue Ami Präsi us sim Florida Domizil gruuset om der us em Kopfkino uffstiegend Phantasie  Gedanke, dass der en Kaimane – Pool im Mar a Lago hät, woner die europäische widerborschtige, unfolgsame, uudankbare, bocksboenige Fehldemokrate us Old Germani  enthemmt inni wirft.

Wonni d Uusstellung i de FF Sammlungen :„Wolterdingen in 50 zig Sache“ iigrichtet han, bin i wiedermol i die wundersame zooligische Sammlung inni dapet. Dert lauret am Iigang e gross, uusgstopfts Krokodil geduldig uff Bsuecher. Sit über hundert Johr macht es en delikate Bäreschunke aa. Nämlich vum bedrohliche, mächtige, maiestätische au uusgstopfte Braunbär us de Karpaten, sim Nochber. Die beide kummet aber friedlich mitenand uus. Also sinds doch d Vorlag vu de Kuscheltierle.

Wo ni denno im Ijoma Mangold sin Beschtseller: „Das Deutsche Krokodil“ raubgierig verschlunge han, han au ich wieder min Friede mit dem vielfältige Viech gschlosse. Aber us ganz andere, unbiologische, us elektrische kraftprotzerei Gründ.

De Ijoma Mangold isch sit Johre de Literaturchef vu de ZEIT und en witzige Buchkritiker. Wie kunnt so en hochgschiede Maa uff so en Buchtitel mit eme winzige Kunscht Holzkrokodil uffem Cover ?

Ich glaub nit, dass des gschied Bieble, de Ijoma, dä z Heidelberg lang mit em Kasperle sim Krokodil gschnäblet hät und mit Playmobil Krokodil gäggelet hät. Nai, ihn hät scho frühe s „Deutsche Krokodil“ in Bann zoge. Verrotet mir oe Biebli us de 60-er Johr wo nit vum 6 achsige, gräene Märklin Krokodil geschwärmt und troomet  hät? De no größer, ehnder unerreichbar Troom war der vum 8 achsige bruune oder gräene  Schwiizer Gotthard- oder Simplon- oder Löschbergbah Krokodil. Oder vum knallrote Ösi Semmeringbah Krokodil.  So ebe au de Kindheitstroom vum dunkelhäutige  Ijoma mit dickem schlesische aber au afrikanischem Bluet.

Verrotet mir doch bittschee emol, wieso dass mit zunehmendem Alter d Zufälle so überhand nähmed? So wie jetzt grad, wie Hit grad.

Geschterd han i de Hannah ver de Hieronymus des uusuufernd  Gschichtle über s Hiefinger und andere Krokodil druckfertig geschickt. Am Tag druf, also Hit, muess i Skiservice Material, wa grad us Skandinavie z Innsbruck aakumme isch, hoem in Schwarzwald hole. Natierli dorschluurfet mer no d Innsbrucker Altstadt, schlappet dorch d Maria Theresiastross, trinkt no en Kaffee und me lot sich stilgerecht an Kaiserschmorrn kredenze. Während dem Gaumeschmaus gihts plötzli au no en Augeschmaus. Die Glotzbeppel bliebet wie blendet, starr vor Überraschung, a me Wirtshuusschild uff de andere Strossesiite hange. „CROKODILES“ stoht i silberne Buechstabe über de  Glasfront. Zahle muss jetzt d Frau und blitzschnell, wie vu me Krokodil is Fiddle pfetzt, renn i dorri zu me Foto vu dere Wirtschaft mache.

Hinter de Theke stot e hübsche, frindliche Frau und hät e Freid, dass ich ihri Wirtschaft abfötele due. S Emblem vum Restaurant muss au no in Fotospeicher und denno gang ich inni, wo die Frau mich galant begrüesst. Wie sie uff die Idee kumme seiet, des Restaurant uusgrechnet „Crocodiles“ z nenne, frog Ich verdatteret die nett Frau. Ich heb grad e Gschicht Gschribe über e Hifinger Wirtschaft wo au Krokodil hoesse dai, erklär ich ihre. Sie und de Brueder Emil seiet us Bulgarie und de Emil heb gsait, der Name dai d Liit unweigerlich zum guets  Esse verschlinge aarege. Der Iifall het ganz genau uff de Zwölfer troffe. D Gäscht kämet i Schaare und dätet Esse fresse und Trinke suufe wie die Crocodiles mit ihrene gwaltige Gebiss. Im übrige dai sie Hüfingen und vor allem iiseri Donauquell kenne. So wie d Muselmane oemol im Lebe gi Mecka hatsche miesstet, so wär au jeder Bulgar dezue vergatteret, oemol im Lebe a d Dunnequell z‘ gau. Vu nere Breg Quell wisst sie und ihre au dunneseelige Landsliit gar nint.

Von Friedrich Hucke https://www.blackforest-fritz-art.com

A Neun Länder dät des Dunnequellewasser vorbeifliesse und sie, d Bulgare, dätet den für sie heilige Strom denno fascht spirituell im Meer übergähe. Mir aber währed die Dunne Spender, und sie die gütige Übermittler in ewige Wasserkreislauf. So poesievoll, so ergriffen, so fascht aadächtig han i des no nie ghöhrt wie des die gschied Bulgarefrau gefühlvoll erklärt. Wa Krokodil doch alls z weäeg bränget. Jetzt ware mer ganz platt und um e seelevolle Dunnegschicht riicher.

Jetzt hät die hübsch Tiroler Bulgarin iis friendli  am Arm  gnomme, ums Huuseck geführt und stolz  i die am heale Tag prallvoll Holzofe  Pizzeria „Crocodiles“ begleitet, die zweit Gastronomie wo sie und de Bruder Emil mit Herzbluet umtriebet.  Dass de Emil mit sinnere Namenswahl für sini Gaststätte, ganz i de Näh vum Goldene Dacherl, goldrichtig glege isch, des hommer gsenne. D Frau Malcheva glaubt, dass nu sie den gfrässige  Name hebet i ganz Austria.

Die Donau Einwanderer honds gschafft. Verdanke kennet sie des au eweng im Krokodil, dem sie koe Krokodilsträn nobläre Mond. Ganz im Gegetoel. Für sie isch der Name en Sege. Hoffentlich au fürs Huefinger Krokodil.

Wa wär Tirol ohne die fliessige „Neumitbürger“. Nuu oe onzige Tirolerin hommer ums Golde Dächerl rum bediene gsänne. Alls nuu umtriebige Iiwanderer oder Ösimundart palavernde  Secondos.

Für so e Gschicht bruuchts no e paar guetige Bildli vu dene Iisebah Krokodil. Also Gang i zu de Modell Iisebahfreund is Vereinsheim im Stellwerk am Bahhof z Eschinge. De Kleiser Bernd loset mir zerscht uugläubig zue wa der Spinner verzellt. Allmählich schnallt er wan ich will. Und jetzt gohts  Modellbah Krokodil au i ihm dorch. Begeischteret, fascht euphorisch verzellt er mir fundiert  die Geschichte vu dene vier Iisebahkrokodil. Oe Vitrine noch de andere macht er uff und leit die unerfüllte Träum vu minere Modelliisebah Kindheit uff e Sammettuech. Erscht s sechsachsig, lindgräe, s Deutsche Krokodil. Baureihe xy…, woes de Kenner Bernd uuswendig us em Kopf. Denno die beide 8 achsige Schwiitzer Krokodil, gräe und bruu. Aber er isch no nit fertig mit de Vorstellung: Jetzt holt er no s Austris- bluetrot  Östricher Semmering Krokodil us de tabernakelartige Vitrin. Do dätet die Äugli vum Ijoma Mangold aber glühje.


Eidechsebrünnele und Bombeleger

Weils natürli au e sanfte, heimische Art vu so Lurche giht, muess mer au no die Gschicht vum ehemals kultige Eschinger Eidechsebrünnele verzelle. Und au die artet ghörig uus. I de fufzger Johr hät s Gregori Fescht uff de grosse Hohebni uff em Schelleberg bei de Amaliehitte und de Uussichtsplattform stattgfunde. Um Nieni isch de knusprig Gregoriwecke vum Schütze Beck, den de Fürscht gstiftet hät, i de Volksschul und im Gymnasium vertoelt wore. Denno sind alli Klasse in zweireihige Marschordnung dorch Stadt, d Wolterdingerstroos, de Borer uffi und unterm Naturfreundehuus gege de Schelleberg gwanderet. Dä unterm Zeltplatz vu de Naturfreund isch im Wald e Brünnele: S Eidechsebrünnele. E grosse bronzene Eidechs, fascht scho e Krokodil, speiht us em Muul frisches, erfrischends Quellwasser. Dä muess jeder vu dene hunderte Schüler natierli en durschtstillende Schluck nehme. Jeder kennt des Brünnele, es isch Eschinger Kult, fascht so aagsehne wie d Dunnequell. Au am Sunntig wered Familieuusflieg dä änni gmacht. Sogar d Uuffemer Pfuttlimusik macht dä e idyllischs Eidechsebrünnele Waldfest. Kummedi isch nuu, dass die Bronze- Echs immer wieder mol klaut word. Aber d Stadt lot sie immer wieder mache. Trotzdem isch sie sit gut 30 Johr leider doch verschwunde. No immer hommer bisher nit emol e Bild devu gfunde. Nu no s Brunnebeckeli isch no do und useme triviale Röhrli brienzlet immer no e Muckeseckeli Wasser. Leider nimme us eme Eidechsemuul. Und plözli schnapps Raubkrokodil doch wieder mol gruusig zue. Z mols isch d Eidechs en Drache us de Bundesgschicht, wenn nit sogar de Weltgschicht. Wiedermol isch d Eidechs abgsäget, abmontiert , klaut wore. Für on junge Eschinger Kerli hät des kultig Echsle uubedingt wieder her messe. Er goht uffs Rothuus zum Zimmermanne Erscht und bietet ihm en neue, selbergmachte, selbergossene Nochbildung i Originalgrösse aa. Natierl isch de Hauptamtsleiter ganz begeischtere, nimmt des Präsent aa und lot die neu gschenkt Eidechs, allerdings vermutli nimme i Bronze, sondern ehnder silbrig, stahlgussmässig vum Wassermoeschter montiere. Wie der jung, freundlich Kerli die gmacht hät, des frogt frogt de Ernscht nit. Uugfähr sechs Woche später isch d Rothuussportgruppe uff ere Bergtour. Beim hoemfahre höred sie am Radio verdatteret vum Oktoberwiese- Attentat und dass de Bombeleger vermuetlich en Eschinger sei. De Gundolf Köhler. Uusgrechnet desell, wo vor paar Woche die neu Eidechs bäschtlet hät und de Stadt gschenkt hät. Mit de Gaudi und em Spass noch dere Bergtour isch es umme. Kah en Bombebäschtler au Eidechse bäschtle und giesse? Des triebt de Zimmermanne Ernscht und sini Spezie beim Hoemfahre ghöhrig und zerknitscht um. Sit her isch die Gundolf Köhler Eidechs übrigens wieder verschwunde. Isch sie amend i de Asservatekammer vum BND, isch sie amend sichergstellt wore? Und will mer sie sellewäeg nimme als Art Religvie und als Wallfahrtsort fer Rechtsradikale aabringe?

Eidechsenbrünnele Buchhalde Eschingen

Wa so schuppige Echse doch alls z`wäeg bränget. Zu de Kummunion vu iisere Enkelin sind die langjährige guet Freund us Nordnorwege aagreist. Am letschte Tag vor em Rückflug gommer mit ene a d Albulabahn. Dä stoht vor em Bahmuseum e stillgleits, bruus Albulabah Krokodil. Endlich han i emol Ziit des Kultobjekt vu nohem und nit nuu im Vorbeifahre mit de Berninabah genau aazgucke und aadachtsvoll abzfotograpiere. Au des isch en stimmungsvolle Moment. De Norges verzell ich denno die Krokodilsgschicht im stilvolle Bahnmuseums- Bischtro. Au d Astrid un de Helge flieget mit dere uubachene, gmüetsvolle Gschicht beeidruckt wieder zruck an krokodilfreie Polarkreis.

Und immer no isch s Krokodil nit verschlupft. Woni bei dere Sauhitz e Summerhemdli us em Kaschte zieh, wa schnappt do zue: uf de linke Bruscht schnablet und zwickt mi s Lacost Krokodil i d Bruschtwarz. Au Werbung khaa des Viech. Mit em Kraftwerksmoeschter Willi Brugger triff i mi im KW Waldhuse vum Kirnbergstromprojekt. Und wa laueret am Rand vu sim Fischweiherli: E Krokodilsculpur, fascht i Lebensgrösse und laueret uff e Fischli. Überall isch mer vu dem Satan umzinglet. Es hört oefach nit uff: Woni die uubache kurios Gschicht i de Mundartrundi vorlis, do trau i mine Auge nit. Mir gegenüber huckt de Ecke Bächle und wa hät er a dem Summerobet aa? Und nimmt mer fascht de Schnuuf? E Lacost Hemdli. Wie wenn er gwisst het wa a dem Obet bote word.

Paar Tag später muess i a mim Gebiss wieder emol e weng ummibäschtle lau. Und wa lieht do uff em gschmackvolle Fenschterbank vum kunstsinnige Zahschlosser Constantin Keller: E wunderschees Eidechsli, fascht wie e nochgmachti Sculptur vum Eidechsebrinneli. Woni ihm die Gschicht vum Gundolf Köhler aadeut, isch er ganz verdatteret.

Jetzt am End vu dere Gschicht woess i überhaupt nimme, wa des eigentlich fer en Storiax isch :

Isch es e Essay, e Satire, isch es en Troom, e Komödie, en Klamauk, e Hirngspinnscht, e Cabaret?
Oder isch es e Kaschperle Gschicht?
E Hinterstädtle  Stammtisch Wirtshuus  Gschicht?
E Bulgarische Dunne Crocodil Gschicht?
E Austria Krokodil Gschicht?
E Afrikanisch Schauermärli?
E Verzehl Vita vu de Krokodil?
E Gotthardbah, e Semmeringbah, oder e Hölletalbah Krokodil Gschicht?
E Märklin Iisebähnli Gschicht?
En Playmobil Kinderzimmer Zoo Gschicht?
E Eidechsebrünnele Gschicht?
Oder e Hommage as gross, uusgstopft FF Sammlunge Krokodil?
Oder wurum verströmet mir Europäer uusgrechnet  Krokodilstränli, obwohl der wild  Drache beim Gazelle Vesper mit dem gewaltige Gebiss  bestimmt koe onzige Trän verdruckt?

Oder oefach nuu:

Weils Huefinger Hinterstadt Krokodil iis oefach so e schees allerwelts Märli nebem Vesper und em Bier  kredenzt.

Wie wärs mol mit ere philosophisch- tiefenpsychologische Bätschelerarbet mit dem Thema: „Das afrikanische Krokodil im Dienste der Gaststätten, Kinderzimmer, Eisenbahnen und Zooligischen Sammlungen“.

Zwangsarbeit in Hüfingen von 1943-1945

Originalartikel vom Winter 2019


Der klare Blick des jungen holländischen Zwangsarbeiters Bart Heyning auf die Baar der Jahre 1943-45

„Hartes Brot zu essen, ist hart,
Gar kein Brot zu essen, ist noch viel härter.“

Reinhard May.

Aus dem Tagebuch eines „Nicht- arisierbaren“, dem sie „sein Land geschunden haben“.

Hüfingen im Rückspiegel:

Rathausgalerie Hüfingen 26.11.2019:

Buchvorstellung von Dr. Rüdiger Schell, Julie Heyning- van Maanen (Frau des Neffen von Bart Heyning) und Bart Heyning Junior (Neffe von Bart Heyning).

Nachdem Dr. Rüdiger Schell das Tagebuch des holländischen Zwangsarbeiters Bart Heyning vorgestellt hat, übergab er das Wort an Frau Julie Heyning. Sichtlich bewegt, was sie auch äußerte, nahm sie die Besucher mit auf eine kleine Zeitreise in das Jahr 1943, wie sie sagte. Schon dieses Eintauchen in eine sehr persönliche Familiengeschichte machte die lobenswerte Anreise der beiden Holländer zu einem zeitlosen aber auch erschütternden Erlebnis. Was zunächst in Delft in Holland sehr banal anfing, wurde zu einem Lebensdrama von Onkel Bart Heyning, zu seiner lebenslang schwelenden „Banalität des Bösen“.

Im idyllischen Universitäts- Grachten- Porzellan und Kunstststädtchen Delft sitzen junge Technik Studenten zusammen und feiern den Semesterabschluss. Es klingelt, es wird geöffnet und herein kommen zwei Polizisten. Dieses Öffnen öffnet das Tor zu einer Schreckenswelt. Wer den feinen, satirischen Humor der Holländer kennt, zumal einige Glas Jenever die Stimmung sicher gehoben haben dürfte, kann sich leicht vorstellen, dass das Gespräch zumindest mit dem einen Gendarm ziemlich locker und entspannt von statten ging. Die beiden Polities bemängelten, dass die Studenten ihren Festraum nach der allgemeinen Anordnung nicht verdunkelt haben. In heiterer Stimmung und mit Witz wurde der Rüge folgegeleistet. Einen zweiten, dann sehr fatalen Fehler hatten die gebildeten, stolzen Holländer jedoch gemacht. Dem unerbittlicheren, verbiesterten Gendarm ist ein Buch auf dem Tisch mit dem Titel „ Widerstand „ aufgefallen. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Am Morgen des fröhlichen Abschiedes reisten die Studenten nach Hause. Nur Bart wartete auf seinen Kommilitonen Piit, der sich vertrödelt hat. Der dritte schicksalhafte Fehler. Kurz bevor sie das Haus verließen wurden sie verhaftet und ins Konzentrationslager Vught bei d` Hertogenbosch gebracht. („Bosch“ nennen umgangssprachlich die Holländer diese Stadt)

Ab hier kann man das Schicksal von Bart Heyning im Buch von Dr. Rüdiger Schell, Julie Heyning und dem Tagebucherzähler, dem Zwangsarbeiter Bart Heyning nachspüren und auch nachfühlen. Dieser unglaubliche schicksalsträchtige Abend und Morgen in Delft bewegt und erschüttert nachhaltig und deutlich fühlbar Frau Julie Heyning heute noch. Wenn wir einen Teil dieser Erschütterung aus der Lektüre des Buches mitnehmen, darüber reflektieren und mit Mitbürgern, mit jungen Leuten und Schülern sprechen, hat dieses Buchprojekt seinen Sinn erfüllt.

Im anschließenden Gespräch mit der klugen und charmanten Julie Heyning, einer Psychologin, fragte ich nach Repressalien gegenüber den ca. 400 000 zurückgekehrten holländischen Zwangsarbeitern in die Heimat. Denn mit großem Misstrauen wurden diese verschleppten Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen , insbesondere in den vermeintlich arisierbaren Ländern wie Holland, Dänemark und Norwegen, als vermeintliche Kollaborateure lange Jahre behandelt und verunglimpft. Ja, auch Bart Heyning der Rückkehrer sei von diesem versteckten Vorwurf einige Zeit betroffen gewesen. Seinem Vater jedoch, der im Konzentrationslager Dachau gelitten hat, nahm man die Rolle des Opfers vorbehaltlos ab. Auch diese Aspekte der Rückkehr von Zwangsarbeit, Gefangenschaft, Gastarbeit und echter Kollaboration in allen europäischen Ländern blieb lange ein unbewältigtes, vielfaches Drama.

Bucheindruck:

Es gibt Bücher die in keinem Bücherschrank auf der Baar fehlen sollten. Für mich ist es seit diesem Sommer ein Buch, mein Buch des Jahres, das Tagebuch des Holländers Bart Heyning über seine Zwangsarbeiterjahre von 1943 bis 1945 in Hüfingen auf der Baar. Es ist aber auch das Buch von Rüdiger Schell, einem unermüdlichen Aufklärer. Er hat mit dem sicheren Instinkt des geübten Historikers den einmaligen Wert dieses klugen Tagebuches eines jungen 23 jährigen, erstaunlich gebildeten und kultivierten Holländers erkannt und gehoben. Rüdiger Schells treffende Fußnoten helfen, den Gesamtzusammenhang noch besser zu verstehen. Die Fährte zu diesem Tagebuchschatz jedoch hat eine Nichte von Bart Heyning, Julie Heyning, gelegt. Sie wollte nach der bewegenden Lektüre des Tagebuch- Kellerfundes ihres Onkels Bart und dem anschließenden digitalen Speicherfund von Rüdiger Schells Buch im Internet „Reichsarbeitsdienstlager Hüfingen“ von 2014 „einfach nur aufklären“ wie sie sagte. Es ist ihr trefflich und sehr verdienstvoll bestens gelungen.

Bereits 1943 wurde Vater Cornelis Heyning von den Nazis verhaftet und nach Dachau deportiert. Ähnliches widerfuhr mindestens weiteren 400 000 Holländern. Sowohl Norweger, Dänen als auch Holländer hielten die Nazis wegen ihren meist blonden Mähnen und anderen vermeintlich untrüglichen arischen Merkmale nach dem größenwahnsinnigen Endsieg für gut arisierbar. Aus diesem Grund bekamen diese Volksgruppen als erbeutete Zwangsarbeiter in Deutschland, ganz im Gegensatz zu slawische, romanischen und französischen Gefangenen, einen erstaunlichen, an liberalen Freigang erinnernden, Sonderstatus. Mit diesem für diese Zwangsarbeiter eher zweifelhaften Privileg, dennoch wussten sie es sehr zu schätzen und zu nutzen, konnten sie das Leben auf der Baar aus einer ganz anderen Perspektive betrachten und bewerten. Auch auf der Baar rückte der Krieg in diesen Jahren immer näher. Nicht nur mental durch ständige leidvolle Gefallenen Meldungen, durch Nazi Repressalien und Lebensmittelknappheit, sondern nun auch real als Bombardierungen und Jagdbomberüberflüge.

Vom „Mont Schell“, wie Bart Heyning den Schellenberg nannte (Nomen est Omen, ausgerechnet sein Tagebuchbeförderer, der namensverwandte R. Schell, sollte sein Tagebuch entdecken), genossen die Niederländer zunächst an klaren Tagen die Baarlandschaft und das Sehnsuchtsland Schweizer Alpen. Aber bald erschütterten die Bombentage in Donaueschingen, Bräunlingen, Hüfingen und Wolterdingen die gesamte Baar und die Holländer beobachteten dies mit Grauen. Über die pulverisierenden Infernos in Freiburg, Pforzheim, Friedrichshafen und anderen Städten waren sie bestens informiert. Auch über den Frontverlauf, die Vorgänge in der Heimat und die politische Weltlage waren sie erstaunlich gut auf dem Laufenden. Woher sie das alles ziemlich genau wussten, darüber hat der kluge Bart Heyning entweder gar nichts aufgeschrieben oder in einer Art Chriffre, so daß es bei einer eventuellen Auffindung der Aufzeichnungen kaum oder nicht verfänglich war.

So katalogisierte er die zahlreichen Baaremer Bekannten mit dem Synonym „ Falsch „ für Nazi und „ Richtig “ für Regime- Ablehner. Erstaunt liest man, dass die Sägewerkszwangsarbeiter, diese Holländergruppe, nach Villingen, Blumberg, beim charmant- witzigen Bart Heyning süffisant „ Montefiore“ genannt, fahren konnten. Obwohl es dort in der völlig übervölkerten Bergwerkstadt, in einem Schmelztigel vieler Nationen, überhaupt nicht nach Blumen duftete und die dort zwangsarbeitenden Holländer die geschundetste, die geplagteste Niederländergruppe im Südwesten war. Auch nach Freiburg, Hausach, Hornberg, Neustadt fuhren sie öfter. Ein Holländer brachte es sogar fertig, eine Liebschaft mit einer Elsässerin in Strassburg alle 14 Tage illegal zu kultivieren, ohne dass er jemals in die Fänge von Reichsbahnpolizisten kam. Kam den Holländern bei solchen Eskapaden die blonden Haare und das arische Aussehen zu pass, weil sie bei derartigen Ausflügen meist unbehelligt blieben? Ein anderer bandelte in Villingen mit einer „ Falschen „ an, was ihm das Brandmahl des Verräters bei seinen dafür verständnislosen holländischen Kollegen einbrachte. Und ganz im Gegensatz zu slawischen Zwangarbeitern, die bei derartigen lebensbedrohlichen Abenteuern entdeckt wurden, mussten diese so ein Verhältnis meist sogar mit dem Leben bezahlen. Daran kann man auch den Wahn erkennen, zu glauben, dass geknechtete, aber stolze Völker so ganz nebenher arisierbar seien und die Untermenschen das immer blieben, was sie seien. Nämlich ausrottbar oder inhuman nutzbar und verwertbar.

Sogar krankenversichert waren sie, diese vermeintlich Arisierbaren. Und deshalb kommt auch plötzlich und unerwartet ein Onkel von mir ins Spiel, der in der Familie als Filou, als Schürzenjäger und als Spieler galt. Die Ahnung bestätigte sich: In Bart Heynings Karteikästchen steckte er bei den „ Falschen „. Ganz im Gegensatz zu einer fürsorglichen Krankenpflegerin im Krankenhaus Bräunlingen und einem dortigen absolut tadellosen, hippokratisch agierenden Arzt. Wie Bart Heyning, bildungs- und fremdsprachenhungrig , an Literatur, sogar aus der Unibibliothek Freiburg kam, das kommt nicht ganz klar aus den Aufzeichnungen hervor, zeigt aber die gewisse Freizügigkeit der Holländer im Zwangsarbeiterlager Hüfingen und auch ihren Bildungshunger.

Auch das Ende der Gefangenschaft, dieser ganz persönliche, lebenslange Albtraum, mit zaghaften, missglückten Fluchtversuchen in die Schweiz, zeigt nochmals die Befindlichkeit seiner Situation aber auch die der Bevölkerung im südlichen Grenzgebiet. Plastisch, schelmisch bis dramatisch schildert dieser „Kanitverstan“ diese Jahre. Auch den kurzen Kontakt mit den befristeten, deshalb sehr großzügigen, gönnerhaften Gastgebern der durchreisenden, abreisenden Zwangsarbeiter, den benachbarten Schweizern, schildert er treffend.

Bart Heyning hat uns Baaremer aus der Sicht eines Außenstehenden, aber im doppelten Sinn , zutiefst Betroffenen , aus dem Leben und den Erfahrungen eines Gequälten, ein Tagebuch ohne militärhistorische Belehrung und Erläuterung und mit wenig Geschichtswertung hinterlassen. Deshalb ist es auch so authentisch. Im Spiegel, den er uns ziemlich sachlich, klar, aber auch schonungsvoll vorhält, können wir uns und den Zustand, den er widerspiegelt sehr genau betrachten.

Warum er nie mehr auf die Baar, in die „Sierra Nera“, wie er den Schwarzwald nennt, gekommen ist, obwohl er ein gebildeter, erfolgreicher, sprachgewandter und aufgeklärter Familienmensch, Cosmopolit, Demokrat, und Europäer war, ist vielleicht nur aus dieser markanten Aussage abzulauschen:

„20 % waren Verantwortliche, das enthebt aber die Übrigen 80% nicht, ihrer ebenso grossen Verantwortung gerecht zu werden und etwas dagegen zu tun“

Und in seinem erschütterndem, bitteren Poem von Seite 73:

„Sie haben mein Land geschunden, meine Freiheit geraubt,
die Städte und Dörfer ausgebeutet,
seine Nahrung geraubt und verschlungen“

So dürfte es tatsächlich gewesen sein und deshalb sollte es unbedingt in die Geschichtsstunden und die Literatur der Schulen, der Haushalte, der Medien und Bibliotheken auf der Baar aufgenommen und gelesen werden.

Schnappathmung z’Eschinge i de 60-er Johr

28. April 2024

Vorgelesen von Maria Simon

Im Waldi Hartmann, im legendär Sportreporter, isch emol d`Luft fascht eweg blibbe. Er heb e Schnappathmung khaa. Mitte vu de 60- Johr hond au villi Eschinger so e Schnappathmung khaa. De erscht wo ebbis gmerkt hät war de bellig aber nit bissig Donauquelle Wachund, de Egon Rahm. De näscht war de untertänig fürschtlich Parkwächter, de Julius Ganter. Er war de Testes vum Park und hät fascht gmond de wunderschee Park, den er stolz, pflichtbewusst, treu, guet und huldvoll für sin adlige Dienstherr, de Fürscht, betreut, ghegt und pflägt hät, der dai ihm fascht selber ghöre. Sin Park hät er am allergernschte mege. Er war sii Lebe. Die beide Manne sind fascht ziitglich uff d `Kammer, uffs iidrücklich Residenzamt, in Vatikan vu de FF- Verwaltung i de Josefstrooß zottlet und hond eweng verdatteret, aber unterwürfig vermeldet: „Iiiseri Donauquelle isch verlächeret, versiegt, versorret, am Quelletempili ruuschts nimme, es brienzlet nu no eweng“. Des waret die zwei Erschte dene d`Luft eweg blibbe isch und eweng hond die vorem Zorn vum Ferschtehuus au eweng mores ghet.


Nochem erschte Con(g)jac vu dene Kammer Manne hät d`Schnappathmung bei dene allene bald wieder zaghaft iigsetzt. Noch paar tiefe Züg a de Havanna isch de Kammerpräsi, des war der mit dem hochadlige Name Achatius Graf Saurma, a des schwarz Gabel- Telefon a de Wand mit de Wählschiebe und em Schellebom obedruff gange und hät d`Stadt, de Borgermoeschter Robert Schrempp, aaglietet. Ziemli grob und wenig vernäm hät er in Baggelitt- Höhrer innibläret: „Herr Bürgermeischter, wir haben den schweren, unglaublichen Verdacht, dass die Stadt uns das Wasser für unsere Donauquelle abgegraben hat. Sie wissen dass diese Quelle das Wahrzeichen der ganzen Stadt, der Herzschlag von Donaueschingen und dem Fürstenhaus ist. Unsere Untergebenen berichten gerade, dass die Stadt vor der Falkenpost und in der Brigach beim Schützen sehr tief buddeln lässt“.

Wie e gsengte Sau isch denno de Borgemorschter noch dem granate Aaschiss zu sim Stadtbaumoschter uffi grennt, hät d` Derre uni aaklopfe uffgrisse und de Twarze – Horscht aagjohlet, wa denn do laufe dät. Beidi hond denno au d` Schnappathmung griegt. De Borgermoeschter au wegem bressante Trepperenne und de Kathastrophe Botschaft und de Twarz wege dem Gjohl, wann er vum Borgermoeschter Schrempp bis jetzt no nit gwähnt war. Natierli au wege dere Hiobs Botschaft, wege dere versiegte Dunne- Quell.

Wie e gsengte Sau isch denno de Borgemorschter noch dem granate Aaschiss zu sim Stadtbaumoschter uffi grennt, hät d` Derre uni aaklopfe uffgrisse und de Twarze – Horscht aagjohlet, wa denn do laufe dät. Beidi hond denno au d` Schnappathmung griegt. De Borgermoeschter au wegem bressante Trepperenne und de Kathastrophe Botschaft und de Twarz wege dem Gjohl, wann er vum Borgermoeschter Schrempp bis jetzt no nit gwähnt war. Natierli au wege dere Hiobs Botschaft, wege dere versiegte Dunne-Quell.

Jetzt sind die zwei as Telefon grennt und hond im Patron vum Büro Greiner, im Theo Greiner aatelefoniert. Au bei dem hät jetzt e` Schnappathmung iigsetzt wege dem Ton, den er vu dene zwei Herre nit gwähnt war und natierli wege dere biblische, apokalyptische Hiobsbotschaft. Au de Greiner Theo war vergelschteret und isch wie de Blitz on Stock uffi grennt und isch au im Kessler Hermann is Büro platz uhni aaklopfet. Sellem isch s`obligat „Burger„–Stimpli sogar usem Muul khait und au der hät schwer noch Luft gschnappt.

„Kann es sein, dass wir durch die starke Grundwasser-Pumperei am neuen Brigach- Dückerkanal zwischem Schützen und der Poschtstraße und dem Regenüberlaufschacht der Donauquelle im nahen Schlosspark so stark das Wasser abgezwaggt haben?“ pforret de Greiner de Kessler Hermann uugwähnlich luut aa. Oe Stund später sind alli die Manne vu dere Telefonkette am Loch a de Brigach und denno au am Quelletempeli gstande und hond zerscht überhaupt konn guete Root ghet. Ebbis hond aber alli gwisst: Wenn des Wasser noch dem Wasserklau, dere Karstwasserpumperei nimme kunnt, denno isch aber de Teifel los. Daß des vorerscht aber verstecklet bliibe sot, do dribber war mer sich oenig. Nu hät die verdruckt Macherei bei de Eschinger Quelle- verliebte Bürger natierli überhaupt nint gnizt. Des hät mer bald a allne Wirtshuusstammtisch verkartet. D Wiiber hond drübert bin Iikaufe zagatet und i de Ziitings- Schlagziele hät mer tagsdruff scho fettdruckt gläse:

„Stadt gräbt dem Fürscht das Wasser ab“ oder: „Der Herzschlag der Stadt hat ausgesetzt“

No hämischer isches natierli a de Stammtisch zuegange. Und am meischte hond natierli d`Fortwanger gfeixt, gjohlet, glacht und bleedi Sprich gmacht. Dere eren Zunftobet war ver des Johr scho im Summer grettet und s` Motto isch gstande. Dieselle hond koe Schnappathmung kriegt, die hond sich mit volle Backe uffbloose und uf die oachene Wirtstisch ghaue, dass es nu so klepperet hät.

Wa aber isch do passiert? Zu dere Ziit isch d` Eschinger Kläralag im Habefeld baut wore und do demit sind au neii Kanäl verleit wore. S` Abwasser us de Poschtstrooß, de Haldestrooß und vu de Kerchstrooß, also die ganz Mittelstadt, hät ere Abwasser i grosse Rohr Richtung Josefstrooß und Prinz- Fritzi – Allee gegs Haberfeld nei vergrabe und ableite miesse. Die Gilleschapfeziit und Gilleführerei war dodemit vorbei. Dodezu hät mer Brigach oberhalb vu de Schützebruck uugfähr 3 m unter de Bachsohle unterquere miesse. Daß des Brigachwasser umpumpe scho nit so ganz oafach si word, mit selem hät mer scho grechnet. Daß aber diesell ominös Brauereiquell mit dere s`Bier e ziihtlang anne 1750 bis 1780 braut wore isch, so e mords Kummedi und so e Maleur sie word, mit dem hät sogar de Tiefbau-erfahre Kessler Hermann nit grechnet.


Die Quell druckt eigentlich ziemlich uusichtbar dert unneuffi, artesisch wie mer sait, sie stooßt uff und versorret i de Brigach oder im Grundwasser- Kies. Derlei Uffstooßquelle gihts so uugfähr 20 Stuck im Parkberiich. Wieso aber stoosset die uff und drucket uffizue? Zmols hät mer also gmerkt, dass die beide Quelle mitenand „kommunizieret“. Des Wort us de Quellekundi kennt mer natierli als Minschtrant au us em fundamental- sakrale Lebe, weils dert au gnomme word und es hoasst sovill wie: „Me macht gmeinsame Sach, me isch i enger Verbindung.“

Unter de ganze Unterstadt- und de Parkaue liet im Untergrund en Art Deckel, e Platte us Muschelkalk- Karst, also us re Kalkstoe- Platte. A manche Stelle isch aber die Platte dolineartig uffbroche, verlächeret und hät Riß oder Spalte. Und dorch derartige Löcher i dere Platte druckt no des Wasser, wa unter dere Platte mit eme schwache Überdruck astoht, wells vu de Schwarzwaldostabdachung obe abi druckt, plötzlich dorch und macht die mindschtens 20 Quelluustritt. A sonnere Uustrittstell, de Poschtrosse oder Brauereiquelle wie mer sait, hät mer also s`Grundwasser fascht total abbpumpt. Und des hät e Absenkung vu dem unterirdische See verursacht. Wege dem hät also die nu 200 m entfernt Dunnequell ebe au koe Wasser meh khaa. Sie isch also versiegt. Gnad Gott dene Manne, die des verbockt und z`wenig überdenkt hond. Daß mer aber dorch de Bach moß und de Schacht baue muess war allne klar. Me kha sich guet vorstelle, dass die Kolpingbrüeder usem Büro Greiner s`oe oder ander gnaderiichs Gsetzle betet hond. Ganz im Glaube und de Zueversicht dass die Fürschtlich Quell wieder aakunnt, wieder aaspringt, wemmer die grosse und villne Pumpe a de Falkeposcht wieder abstellt.
Wo mer denno noch paar Woche die mords Pumpemaschinerie wieder abgstellt hät, isch Dunnequell wieder zu de gwaltige Erliichterung vu allne wieder aakumme und hät gütig und ergiebig wie immer gschüttet. Wieviel mol word denno de Kessler Hermann zwische de Poschtstroß und de Schlossquell hin und her grennt sie, bis er genau gwisst hät, dass sie wieder unneuffibläterlet, dass sie wieder aakumme isch. Am Quelletempeli häts wieder idyllisch gruuscht und glutteret, so wie vorher. De Wassergott hät wieder usem Grundwasser unne uffi bumpet wie sit Johrhunderte. De Herzschlag vu Eschinge hät wieder iigsetzt und s`Wach- Koma vu Eschinge war vorbei.

Daß a dem Obet e paar Kischte Pils us de Bügelflasche d` Gorgle abi sind, des dierft klar sii. No selte sind gstandeni Manne am Quellegländer gloehnet und hond im Neptun, im Poseidon oder dem christliche, multifunktional Heilige, dem Wasserheilige, em Johannes Nepomuk, verstohlle ghuldiget. Und de Heilig Johannes hät gnädig, segnend, gütig vu de Stadtkirch St. Johann obe aabi gucket.



Stahlhelm zu Gilleschapfe

30. Juli 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

Vom Denken in Gegenständen :

Denkt man mit Hilfe von Objekten, von Artefakten, über die Vergangenheit oder eine vergangene Zeit, eine vergangene Epoche nach, so hat das immer etwas von einer poetischen Neuschöpfung dieser Zeit und der Gedankenwelt dieser Zeit.

von Ian McGregor „ Die Weltgeschichte in 100 Objekten“

gelesen am 30. Juli 2020 Hubert Mauz
Gülleschöpfe eine mit Eimer eine mit Stahlhelm

Stahlhelm zu Gilleschapfe

Im Herbscht wenn de Saloot und s Kruut i de Gmiesgärte vum Linseösch, em Lassberg- , de Paffehofe- und de Lehestrooß abgrumm war und die grössere Buebe Huusgärte widerwillig umgstoche hond, isch oni vu de uuagnehmschte Arbete i de Kleibürgerliche- und de Arbeiterhuushalt aagstande. I de 50-er häts no koe Abwasserkanalisation und koe Kläraalag z Eschinge gähe. Diesell nei Kläralaag im Haberfeld isch erscht i de 60-er Johr baue wore und au die Kanäl wo denno s Abwasser vu de Hieser abgleitet hond, sind erscht dä nochenand baue wore. Bis die Hieser aagschlosse waret hät jedes Huus e oages Gilleloch, e Jauchegrueb kha. All paar Monet hät de Städtle -Gillepumper die Gruebe usfiere messe. Bsunders i de Innestadt wo s konni Gärte hinter de Hieser gäe hät, war der Gillemaa nit nu en tägliche Aablick. Er war Alltag im Städtli nit wegzumschmecke.Schmecke hoasst uf Booremerisch „riechen“ Die mundartukundige Schriftsproochler saget „ Das schmeckt aber lecker, das Essen“ Mit sim Guu hät de Gillepumper je noch Wetterlag gege de fein Hopfeguu vu de Brauerei aagstunke. Gwunne hät immer er. Dieselle bürgerliche Aawese aber mit Gärte hond noch dem uralte, abdroschene Googewitz ghandlet und hond d Gille sorgfältig verwertet. Desell Witz isch so guet erfunde dass er a jedem Stammtisch, ob im Bürgerstiebbli, de Katakombe, em Rote Hans oder de Insel, all Woch uverdrosse verzelt were hät kinne. Und jedesmol wered tribbert Schräe abglau, briehlet, gjohlet und sie hauet uf de Stammtisch dass Gläser hoppet. Jeder kaa sich i sim promillgfillte Hirnstüble so lebhaft vorstelle wie des zuegange isch. Bime gute Witz oder ere aaregende Gschecht oder au eme iidrückliche Objekt isch s aascherre vu de Phantasie s Wechtigscht.

„ Z Tiibenge“ heb emol en Goog, en Wingerter, so hoasset dä die Wiibuure, dieselle wo den suure Wii a de Neckerhalde aabauet, mit „em Weib, de Kend ond eme klepprige Gäule“ s Gillefass de steil Wengert uffi gschunde. Wo sie denno dobbe aakumme sind noch dere granate Schinderei, hät der aalt, zemtkeit Glepper en Fehltritt dau no bevor s Weib d Micki zuedriller hät. S Gillefaß isch samt em koschtbare Inhalt scheppernd mit eme Höllekrach s Loch ab in Necker bolderet. Entgoaschtered hät die ganz Familie dem vermauchete Fäßli noogucket. Noch em allerletschte Gumpp über die unterscht Wiibergmuur isch des Faß zu Kuder und Fetze verplatzt und die schee, geal Brie isch im Necker versteibt. Noch paar Schnapper hät des Wii- Bierli wieder d Sprooch gfunde. Wie sichs ver en gottesfürchtige, pietistische Goog us Tiibenge ghert hät er sin frommschte Fluuch hinneverri kromet und gruufe: „Heilegs Hergettle vo Bieberach, guets Weib, jetzet hemmer s` ganz Joohr ommesonscht gsoicht ond gschisse“

So ebbis kha imme Eschinger nit passiere. S giht ebbe konni steile Wiiberg. D Gille word ums Huus verwertet. Gsparrig und umsichtig goht mer mit em Naturdünger um und loot kon Tropfe verkumme, kon Kiebbel word verlätteret. Die Gottesgab usem Gilleloch word nit verdummbeillet. Die kunnt in Gmiesgarte dass d Salootkepf und d Gealriebli, d Zwieble und Radiesli und d Kruutbolle im näschte Johr no greesser weret. No kennet die giffizige Nochbere no neidischer und no nissiger über s` Stakete- Gartehaag schäche.

Ame nasse Oktobertag kunnt d Aawiesung vum Vatter , folgsam überwacht vum Huus- Gealriebeförschter, de mild- strenge Motter: „S Gilleloch word Aafang vu de Woch gleert, wenns goht am Mäntig. Wenn d` Huusufgabe gmacht sind gohts draa. De Gstankt sot über de ganz Woch versorre kinne. De Guu sot mer am Sunntig nimme schmecke messe. Wenns denno no soacht, isches ganz guet. Hoffemer no, dass de Nochber, de Käfer – Buckli, nit am Friitig und Samschtig, so wie im letzschte Johr, gillet und de ganz Sunntig verstinkt“. De Vatter hät de Zink- Gilleschapfe im Schopf abghängt, gugget ob er konni Roschtlöcher hät und ob de Holzstiel no nit ganz vermauchet war. Sichereheitshalber hät er de krumm, verroschtet Nagel usem Schapfe – Aasatz zoge und en neie inni gschlagge. Wenn de Schapfe is Gilleloch kait, no häsch en aber gsenne.

Bi dere Aktion isch ihm alljohr ebbis im Kopf ummegsorret. En spoote Lebenstraum isch denno in ihm ufgstigge. Bi sinne Bilanzprüfunge bi de Milch- und Waregnosseschafte im Wälderwald hät er bime Buur en ganz gattige Gilleschapfe gsähne und bei dem giffizige Storiax den de Buur verzellt hät ganz genau zueglosset.

„Wissener, selt Tail haan ich im Wald aneme Tanneascht hänge gsehne. Wahrschienli het den en Deserteur dert nahghenkt. Ainer vun dene stille Helde die nimme ver des Saupack de Kopf underm Stahlhelm naheebe het welle. En Soldateschoope isch denebe ghengt. Wenn i den troffe het, den het ich bei mir in de Oftere verschobbet dass en die dreckige Werwölf und die gnadelose Wehrmachtsnazi nit gfunde hettet. Solang bis de Krieg ganz rum gsin wär und er sicher und friedfertig haim zu Frau und Kind het kinne. Ich haan den Helm mit dem vierflüglige Hitler- Hakekritz mit haim gnomme. De Hammer- Schmied, de alt King, het mier e Röhrli an de Site na gschmiedet. En scheene, guet gscheelte Stangestiel han ich draan bäschtlet und jetzt han ich en ganz gattigi Gilleschapfe. Alli Buure usem Gai klopfe sich vergniegt uf d Schenkel wenn sie mich Gilleschöpfe sehne und verzehles au mit grossem Gschrai an de Stammtisch. Nu der endlich abgseblet Ortsgruppeleiter, sell krummbohret Nazi- Rindviech, fuschtet beigott immer riebber wenn er mich sieht wenn ich mit dem sauglatte Gschirr rumfuhrwerche duen. Ich schwai denno erscht reacht en Schöpfer voll Mischtlache in sieni Richtung. Denno isch ellemol gstuhlet und er verschlupft mit ere Gähwuet im Ranze in sie Abtritthiesli. S Einzig was der nit bin mir vertlähne wird, seld isch mini Stahlhelmgilleschapfe. Sunsch kamer alles bruuche. Sit ich den Schapfe han isch des Gillefieher fascht schoo e gnisslichi Freid. Bin jedem Schöpfer denk ich mir en Name vun some Obernazi uus. Wissener wie beim futtere vume Kleikindli, und vermach dene min Hausdrunkt: „Zum Wohl Göhring, ains ver del Aadolf, ains ver de Meindl, ains ver de Göbbels „ , und so witterscht. Waa glaubener wie gattig denno ellemol des Gillefässli voll isch“

Des hät im Vatter Frieder uubache guet gfalle. Und sit her hät s ihm troomt, dass ihm au mol so en verroschtete Stahlhelm mit sellem verhasse Zoeche über de Weag lauft, oder er au so on im Wald findet wie sell knitz Wälderbierle. No het er im Lassberg au gilleschepfe kennne und denne Altnazzi au zue proschte kenne. Us sim Kopf het er gnueg Näme ver die Satanslitanei, ver die vergniegliche Gille- Kinderraim hinneveri kromet. Im dämols immer no Nazi- verseuchte Eschinge, dodebie hät natierli d Kaserne und die tausende Wehrmächtler vum Tausendjährige Reich e grosse Rolle gspillt, dä häts glaub noch dem bruune Krieg nu ganz wenigi derartige Gilleschapfe gäe. Do hät mer sich no nit so getraut und all no Mores kha vor dere bedrohliche Fuschterei vu dene no zahlriiche und heimliche Uuverbesserliche. De Vatter het sich getraut, wenn er so en Helmschapfe überkumme het. Und mit sim gute Freund i dene Pazifismussache, em Journalischt und Schriftsteller Hans Fleischer usem Linsösch, het er noch so ere Stahlhelm- Gillefieherei ein- zwei Fläsche vum beschte Ihringer gletteret und de Hans het im Fritz vergniegt zueproschtet und zuezwinkeret. Beschtimmt het de Fleischer- Hans au furchtlos und ufreacht wiener war e Satire dribber gschribbe.

Wemmer ammel als Buebe uf dem stoanene Stahlhelm vor em Roothuus ummegräslet und ummegrutscht sind, isch de Huusmoaschter vum Roohthuus konni fünf Minute später usigrennt und hät iis respektlosi Hosesoacher gsteibt und iis au verzürnt hinnedrii gfuschtet. Wenn i Hitzutag a dem martialische Stoahelm vorbeikumm denk ich en andere, min Troom: Hoffentlich sind unter dene Näme uf de Gedenktafle au e paar vu dene wohre, ufreachte Helde. Nämlich Fahneflüchtige die mit unvorstellbarer Courage, Moral und Aastand dene schändliche Gselle vertloffe sind. Die dene Nazi ninnt meh vermacht hond und ihre Lebenskraft nimme a die Faschiste verschwende hond welle. Dene große Moralischte knapp ich kurz und leider viel z` verstolle zue.

Zu mim Verdruss isch us dem Troom vum Vatter real nie äbbis wore. Bim Troom isch`s blibbe. Aber de Hintersinn und die Gedanke dezue, die hät er iis vermittlet broocht.
Den Troom vum iisene Helm- Gilleschapfe sotet mir alli mit Pfiff und Poesie bewahre und ufreacht erhalte. Des sind Symbol mit dene mer sich treffend, aaschaulich und mit ere herzhafte, grobe Poesie köstlich i die beide vergangene Epoche zruckdenke kaa.

Jo so wars , des Buebelebe mit em väterliche Vorbild und sim Gilleschapfe- Troom.

Gülleschöpfe eine mit Eimer eine mit Stahlhelm
gelesen am 30. September 2020 Hubert Mauz

De Gilleschapfe Troom

I iserm Schopf do stoht e Gschier
Me mond es sei gar nit vu hier
De Nochber hät au so e Zieg
Des hät mer bruucht, vor –und noch em Krieg

Und vor em Krieg, dä wars us Zinn Und nochem Krieg , ich glaub ich spinn Dä wars us Iise und mit Verzierung
Des war e Zoache, e Art Vie- rung

De Vatter het säll Gschier gearn khaa,
En Troom wars, vu dem guete Maa
acht Johr hond d` Mörderbande ihm scho gstolle drum duet er denne gherig schmolle

Fünf Halbe- Waisle hond die ihm verbroche Wa hond die ihm nit alls versproche
Sie Frau verkarret, des war s` Schlimmscht Im Hoamweh denktscht dass jetzet spinnscht

En Dietwart hät en aaschwatiert
Und schnell bisch vum dem Pack verfiehrt Ich root dier, Frieder „Gang standepee, Glii Morge no i d` NSDeAPe“

Anne 34 hät er` s scho gschpannt
Die zindet aa en Weltebrand
Drum künd` t er schnell sie Mitgliedschaft „Die krieget nit mi ganzi Kraft“

Und Quittung kriegte er kuntenend
Kriegle moss er, vu Aafang bis zum bittre End Dehoam koe Frau für die fünf Kind
Nie wieder Krieg, so hät er`s iis allfort verkind

Wa die ihm aadau hond, wer kaa`s verdänke Im Schopf bim Gilleschapf abhänke
Troomt er vum „Schwedetrunk“ – kredenze „Zum Wohl“ ihr bruune Eminenze

En iisne Helm statt zinneni Kübel
Wo frühner war uf hohle Nazi – Riebbel Mit Nazi- Schapfe gi Gillefiehre gau
En Troom vum Vatter, ganz schee schlau

I some hintersinn`ge Allefanz
Ghert hit all no en Lorbeerkranz Des het so manch en Nazi gfuxet Wenn Gille usme Helm ruus sprutzet

E gnitz Symbol, des moss mer sagge Au so gängs bruune Bruet an Kragge En Blechschapfe us de Vorkriegsziit Im mit Stahlhelm us de Naziziit

Wieviel kaa des iis hit no sagge Drum sotet mir au nit verzagge Und muetig des Symbol uusstelle Mit Pfiff lot sich soo vill verzelle

beim Gülle schöpfen mit Stahlhelm

De Hintsch

De Hintsch gelesen am 2. Februar 2024 von von Hubert Mauz

E Rinderkranket usem Kuriositätekabinett vum Roßdokter

Schwarzwaldhof im Schnee

Am Herdeplatz am Weagroa im Spotherbscht anne 1938 hät de Fischer Lambert, de Förschter vu Wolterdinge, sin aalte Fahrradgeppel uffbockt und flickt sin Plattfuess won er uf dem stoenige Weag vum Kohlwald unne uffi sech gard iigfahre hät. Er fluecht und sakramanetiert: „ Gottverdammi, scho wieder en Platte, erscht geschtert hani bim Blenkle- Schmied z` Briilinge neii Fahrradflick und Kleaber gholet. Die Gummischliech und die Vulkan- Kleaber sind halt au nimme des wa sie mol waret. Sit de Adolf ame Krieg ummizindlet bruucht er allen Gummi, de guet Kautschuk ver die Laschtwäge, Kübelwäge und Nazi- Motorräder. Mir, die Kleine, grieget nu no de Schiissdreck und de Uusschuss. Der Schluuch hät fanget meh Flick wie des Rad Spoache hät. Me sieht fascht konn Gummi meh. Sakrament, Schiessdreck aber au, so en Soach.

„Jo wa kunnt denn do vu Buebach unneuffi ?“ . „ En Guete“ sait des Biebli mit dem Kiehli, ganz matt und daigig, meh ghuuchet wie g muht: „Muuhhh“„ . „Au en Guete, Biebli. Kunscht aber scho frie vu Buebach unneuffi. Wit zum Hagge gi Huvershofe ? Moneter, dass es mit dem Kleppergschtell no ebbis giit. Dät sage do nitz nit emol de bescht Briilinger Hagge no ebbis“ . „ He Naai, ich muen s Kiehli gi Bittelbrunn fiehre“ . „ Jo waa, so wiit no, monsch der Serbling kunnt dert no aa ? , wem kehrsch Biebli und wie hoasch ?“ . „ Ich biin de Rohrer Rheinhold vuns Rohrers, wissener, d` Alma het de Hintsch griegt“ . „ Oh Jesses Maraie, diesell Kranket wo`s nu im Buebach giht und in de Obere Schoole, do sinner aber schwer blooget. Hai, hilf mer no den Geppel wieder zämet z Schruube, So, also guet.“ . „ Wo wenn ihr im Buebach no naa ?“ . „Waisch, Reinholdle, bi iis am Halleberg isch en gruusige Storiax dorchgfahre und hät vill Bämm umbänglet und umgworfe. Ich han en Sau- Verhau und bruuch no meh guete Holzmacher zum Uffrumme vorem Winter. Und dinni Buebacher Manne sind schaffigi, fliessige und pfiffige Holzhauer und Schlaifer, grad bi so Stormverhau. Do bruuch i paar devu, do will i im Bierhiesli am Friehschoppe die beschte aabohre und aawerbe.“ „He jo, ich han grad e paar gsehne ins Bierhuus wackle, de Babbe isch au debie. Bin dem Sauwetter schaffets hit idde „ . „Also no ischs jo guet, no find i jo e Paar vu dene bommstarke Kerli. Adee, und bring des serblig Kiehli guet gi Bittelbrunn, guck dass es nit vorher scho zenmetkhait, de Rohrer- Albert dät gherig mit der gosche. Und gucket, dass die Kur im Kuhe- Kurhuus Bittelbrunn dusse guet aaschleht. Adje, Reinholdle „ und gottbefohle ver din wiite Weag“ . „En Gute , Förschter Lambert, und mick jo guet des Sauloch do rab, sunsch kehnts eich schwer uf d` Schnurre schlaan wie scho villi wo dert nab graitet sind. Un im Bierhuus briicht mer de Hepf zum s` Loch im Kopf uusspiele und nit ver d` Goorgle„ .“Des isch baigott en gattige kleine Hoseforzer, der häts Muul und s` Hirni am reachte Fleck“, denkt de Lambert bim Abfahre gi Buebach.

Bim Iitrette is Bierhiesli:
„Dees war beigott wieder e Graiterei do nab. D` Micki het scho aagfange zum gliehe und de vorder Bremsklotz hät scho gstunke, breeselet und qualmet wie e Köhler- Fier. Soo, do wäremer“ .
„ Gute Morge, Griess Gott, zum Wohl. So kamers uushalte bi dem Saichwetter am warme Kachelofe ufem Ofebank vum Bierhuus.“
Alli brummlet verdruckt zruck: „Au en Guedde, Lambert“ . „ Kresenz, en Hepf und en Halbe vum Friedewielemer Klosterbier“. E paar Minute isches still, alle beschweiget sich aaregend gegesiitig bis de Lambert de aahaltend Kuuscht- Friede bricht: „ Bi iis dusse hät de letscht Herbschtstoriax gherig in Halleberg inniglanget. A dere Haalde homm mir en mords Verhau. Des sot i no vorem Winter uffrumme“ „Soso“ . „Soso“ „He nai, so ebbis“ „ Do henner aber kaini gute Waldheilige aabetet“ . „ So ebbis koscht Geld“ . „So ebbis giht meh Brennholz wie Bretter“ . „ So , so“ . „ Ha so ebbis“ . „He nai, wa du idde saisch“. Brummlets. Allmählich plazt im Lambert de Kragge woner merkt dass en die giffizige Buebacher Schaalme abschwarte wend.
„Ihr honds scho gmerkt, ich sot gute Holzhauer und uusgfuxti Schlaipfer mit gute Rooß han, wer macht mit ?“ „ Jetz hemer gmaint du kunsch zum Schnäpsle ins Bierhuus, do gohts jo um Arbet. Was zahlsch im Taglohn?“. „ So, so, seld isch aber weenig. Fier die saughä knochebrecher- Halde wemmer 20 Pfennig meh fer de Maa und ver d` Roß ai Mark meh und de guet gschrotet Haber vum Gehringer Miller ummesunscht“ . „ Also guet, wa bliebt mer anders ibbrig, abgmacht, s`gilt.“
Alle bekräftiget`s mit eme Handschlag und schächet giffizig und gnitz iber de Tisch. „ Also, kann i ufschriebe: Wunderle……, Schöpperle……….., Schwörer………. mit de Roß, Meder……….., Rohrer………mit zwei Ochse., Kleiser……….mit de Roß, Junkel………., Schwarz …………… saget mol, gihts nu die Näme im Buebach ? ; do words aber Ziit für frisch Bluet, soll ich eich mol Beerliwieber vu Wolterdinge, Hufertshofe und Zindelstai an Glattacker un ins Moos schicke?“ . „Seld kaansch ruhig mol mache, no weremer scho sehne…….“.
„Du, Rohrer Albert, din Bue, sell pfiffig Reinholdle, han i hit Morge am Herdeplatz troffe. Er isch miteme daigige Kieheli gi Bittelbrunn unterwäegs. Honn er wider de Hintsch?“ . „ He joo, s` het iis wiedermool verdwidscht. Sidder drei Johr waremer verschoont, do hends andri khaan. Waisch, mir hen Verwandschaft z` Bittelbrunn duuse. Wemers dert 3-4 Woche in ere Art Kur unterstelle kinne, no kumets ellemol wieder ganz guet aa. Defier bringt de Bue Morge ains vu de Bittelbrunner Kälbli zruck in Buebach wa deno bin iis gfueteret wird. Iiser Fuetter duet denne ihre War ellemol au ganz guet. So goht ains mit em andre. Beid hend ebbis devoo“ . „Aber jetzt saget mol, wa isch denn des ver e kaibe schreegi Kranket wo d` Rindli so serblet und daigig weret do hinne bei eich?“ . „ He waaisch, de Hintsch, so saage mir, manchi sage au de Semper oder d` Darri, den giihts nu im Buebacher Tal, in de Obere Schoole und selte im Hammer. In de Untere Schoole isch er idde. Drum dient die Buure us de Obere Schoole ihre Rindli, wenns wiedermol de Hintsch hend, rab in die Unter Schoole. Dert kummet sie denno ellemol wieder noch paar Wuche ganz guet aa“. „ Jo sag nuu, aber saget mol, waa isch des ver e Siichi ?“ „ He waisch, die Kiehli und Rindli stehn uf aimol ganz daig und gstärrig naa, fresse nint meh, knagget nu no a Holz und gstärrige Riisäscht ummenand und fange a z`verkheie. Well sie so abmager maint mer d`Kepf were greeser. Selleweg sait mer au „Die Grosskopfete“ , dieselle hend ellemol au de Hintsch. S ́ muen e Mangelkranket siin, wo vum Wasser und vum Boode kunnt. Z` viel Kreizblietler uf de Matte kinntet au en Aalass ver die Kummedi siin. Genau waiss mers halt all no idde. De Roßdoktor us de Neistadt kaan Spritze gai, soviel waiss mer, aber desell und die Briehje wo der denno all paar Dag dene Viecher ins Fiddle jagt, des koscht halt au ganz schee Geld. Do isch des Verstelle vun de War ginschtiger. Wenn natierli Verwandschaft im Schwobbe hesch, wie die Rohrer in Bittelbrunn, no bisch no guet draa“. „ Waisch, dert dusse im Kalch und Lettebodde gihts kain Hintsch und de Kalch isch ver die Hintsch- Kiehli wie e Kur. Grad so wie fier die schwindsichtige Engländer- Gaisse wenns im „Schnecke“, im Schoolemer Kurhuus Luft, Wasser, Hei und Mischtlache- Guu schnappe. Die hend halt au de Hintsch, stehn au bockstärrig naa, gucket die mit Glupschauge aa und muhet giegsig: „ Haaiy, wellkom, häf e naiss daiy“ und verschwinde wieder unterm Parablüe, daß se joh kai Sunne abkriege. „Wa machet no d` Hammricher mit ihrne Viecher wenns de Hintsch hen?“ . „Dieselle Halbtiroler Bergmannejockel wered vielleicht en Mirabelle- oder en Tombinambur oder e Bier verabriiche, …… nai ehnder idde, den suufe se lieber selber. Nai, nai, die diens au ins Brigital, an Spittelhof oder ins unter Bregtal verstelle; so ab Brugge, Brielinge. Dert hets wieder Kalchbodde wo sie wieder aakumme“ „ De Roßdokter het neilich gsait dass es den kaibe Saich baigott au in de sandige Lüneborger Heide gäb. Iberhaupt sei uffallend daß es immer in sandige Böde, so wie im Granit- und Gneissand wie z` Buebach und de Obere Schoole und in de kiesige Hammer- Au, der muens jo wisse“.

Brielinge


„Anne 1840 het s Buebacher Stabhalteramt en Rodel uff Brielinge iigei, dass uns erlaubt sei, wieterscht Waldweide z betriebe. Dämols hät de Grossherzog verbote, in Wald z fahre zum Waide. D Buebacher hend gschriebe: „Die Zeit des Austriebs unseres Viehs ist herangenaht und es lässt der Austrieb wegen der sogenannten Hindsch, die allendhalben auszubrechen droht, unmöglich länger hinauszuschieben“. „Do draan kaan mer sehne, dass iiseri Väter scho gwisst hend , dass im Wald durch die Hürscht und Grüetli d Wiederkäuer nit hindschig wore sind. Wo s Waldfahre endgültig verbotte war, isch die Hindsch- Kummedi no erscht recht wieder ghörig losgange“.

„So, So, jetzt hanni wieder ebbis glehrt und: , Rohrer- ………, ich winsch der und hoff ver dich dass die Reinholdle baald wieder e gsund und starchs Rindli vun de Kur im Bittelbrunn heimbringt und kein so kripplige Serbling.
Vergelts eich Gott ihr Buebacher und am näschte Mändig um Siebni treffe mer iis am Zindelstainer Hauptbahhof zum d` Arbet iidaile, d` Schleipfroß zueteile und de Haber ver d`Roß portioniere. Sellen lan i mit em Bregtäler am Rampe vum Bahhefli abstelle. Un bevor mer Aafange gommer a s`Kriezwehbildsteckli am „Schwarze Bue „ und bete e Gsetzli Rosekranz ver e guti Verrichtung und dass nint passiert. Und wenn ainer vu eich s`Buckelweh hät, des wered die meeschte sii, denno kanner grad no ver den Breschte au no bete, dass ers wieder eweg bringt. Sell Wallfahrtskrietz hät scho villne mit Kriezweh gholfe.“

„ Adieu, Nint ver uguet und en gsegnete Tag !“
„Au, fascht het is vergesse: A die Beerliwieber denk ech mol un schick sie im näschte Spootsummer ins Falzmoos und an Glattacker. Adie und : E Gueti Ziit“.

Ja so wars, im einsame, seeleruhige und wundersame Buebach mit dem Hintsch.

Ursach, Wirkung und Behandlung vu de Hintsch- Rinderkranket

De Forbelepold mit Bart überm Hals. Worum wohl, muen er ebbis verstecke?

De Hintsch oder au de Semper oder d` Darri isch e Mangelkranket vu wiederkäuende Rinder, aber au Schoof, die meschtens uf sandige Böde vorkunnt. Bsunders im verwitterte Granit und Gneis, im Urgestei. Im Schwarzwald fascht nu i dene Täler Buebach, Obere Schoole und im Hammer. Im Lettige und kalkhaltige Bode uf de Boor, im Schwobe und au im Unterland kennt mern gar nit. Im Erzgebirge und i de Lüneborger Heide kunnt er au no vor. Grund isch en Kobaldmangel, de Mangel also vu dem Muckeseckeli vume Spureelement. I dene sandige Böde, au wenns im verwitterete Felsbereich vum Urgestein isch, word des Spurelement scho sit Johrmillione sterker, tiefer und schneller uusgwäscht und verschwindet ver immer im tiefe Bodde, ebe meh wie i de dichtere Böde. Jedes Lebewese, aber hauptsächlich d Wiederkäuer, bruchet den Kobald, des Spurelement. Me kann en aber au us andere Gegende, mit anderem Futter oder Esse kriege, hole. Des kaa aber e Rindli us Buebach nit wa all nu Gras vu de oegene Buebacher Matte kriegt. Z` Norwege im sandige Urgestein und au z`Australie, i dene sandige Gegende , ischer au verbreitet und e Ploog. I Küschteregione wo` s vielmol au nu Sand hät, kaas e klei weng dorch s` jodhaltig Klima vum Meersalz uusgliche were. Wenns also i dene heimische Täler au meh Jod gäb, wärs nit ganz so werksam und schlimm. Daß es aber au grad a Jod manglet, selewäeg hät mer friehner vor de Schuel- Jodtablette Abgabe iberkumme und häts sie vor em Schuelmoaschter rabworge messe. Im jodarme Waald dä hinne häts gern Krepf gähe. Wenn d` Wälderkind oemol im Johr amend i d Boor oder an Schätzeli- Märt kumme sind, hond sie d` Motter villmol verwunderet gfroget: „Muedder, wieso sehnet die Liit do vorne im Schwobbe so komisch uus? die hend jo gar kaini Kröpf?“ . „He waisch Thebusle, me muen froh sin, wenn aim nint fehlt, so wie dene arme Schwobbe“.

S` Lineli und s` Mineli traget e Moritat ibber die Tal- Bloog, de Hintsch vor:

Zindelstai im Hieronymus

De Hintsch

Im Felsetal, im Buebach, au in de Schoole
Des muesch beigott dir so uusmoole
Dert gihts en Mangel, me kaahns kuum glaube

Do gihts kai „ Muuhhh „… nu no e Schnaube

Wenns Kiehli dostoht, gstärrig , daig
No isch des Lebe am Verzwaig
Des Bierli usem Buebebach
Des wort denno ganz schnell hellwach

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Der waiss jetzt glii vu de Vorfahre
Des Kälbli muensch jetzt schnell verfahre
Am Beschte glii ins Schwobbe nuss
So giehts am Wenigschte en mords Verdruss

Hai, Biebli, bring die Alma furt
Gii Bittelbrunn zum Vetter Kurt
Und bring e andri grad mit haim
So gohts halt gattig, grad in aim

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

De Vetter bringt sie schnell uf d` Bai
De Bodde, s` Wasser in dem Gai
Hät villmool gholfe bei so Krippl
So bruucht de Mexer halt kain Knippl

Drei Woche bruuchts, s` isch nimmi krumm
Des Kiehli hät jetzt wieder Mumm
Hai, Biebli, fier d` Alma an de Naase
Brings haim uf Buebach, zum gmietli Graase

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en

Saich Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Ortserklärunge:

Herdeplatz: Kreuzung am Höchschte Punk/ Passhöhe zwische Mischtelbrunn/ Kohlwaldhieser u. Buebach wo s` steil gi Buebach is Falzmoos abi goht.

Halleberg: Südl. Hangwald zwische Zindelstai u. Wulterdinge wo s`steil vu 670 m bis gege 920 m uffi goht is Oberholz. Dä waret wichtigi Schliefstai Stoabrich wo en gute, feinkörnige Sandstai gwunne wore isch. De ganz Hang isch dorchwühlt fu Brüch, Löcher und Hangschutt. Dä hond Stoahauert bis so 1910 ? gwirkt.

Bittelbrunn: Kleine Weiler südl. vu Waldhuuse mit 2-3 Hieser / Höf gege de Tabor / Diddishuuse.

Bierhuus: S`Wirtshuus vu Buebach wa zerscht e Glashitte- Aasiedlung war, denno e Schitzerdorf war wo hauptsächlich Prothese us Holz u. Scharnier herstellt wore sind. Drum hät sich d`Feinmechanik entwicklet. De Dr. Sauerbruch vu de Charite`soll de Bescht Abnehmer gsi sie?

Kriezwehkreuz

Kriezwehkreuz: Kreuz und Sandsteinbildstöckle westl. vom „Schwarzen Buben“ im Zindelstai. Bis i d 1950-er Johr e kleis Walffahrts- Gedenkort für Liit mit Ruckeweh und Kriezbeschwerde. Wahrscheinlich entstande zu ebe de Schliefstei- Stoabruchziit. Die Manne die die sauschwer Schinderei uf sich gnomme hond, die hond sich natierli krumm und bucklig gschafft bi Wind und Wetter, Rege, Froscht und Schnee und hond so en Gnadeort i de nächschte Nähi bruucht ver ihre Breschte.

D` Schoole: Gemeinde Schollach im gliichnamige , wunderscheene, molerische Schollachtal zwische de Blessingsägi und de Magrutt uf de Passhöhe gege Schwärzebach. Historisches Kurhaus „Schneckehof“ wo de Skilift vum Robert Winterhalter erfunde wore isch und wa zu de drei gröschte und bedietenschte Hotel im Schwarzwald gherz hät nebem Feldbergerhof und em Kurhaus Wehrle in Triberg. Gäscht waret hausptsächlich sau riichi Engländer. Heut immer no e Kultwirtschaft mit dem knorrige, schreege Schnecke Klaus und sinere liebe Schwester als reserviert, aufmerksame und kultivierte Bedienung mit ebefalls Kultstatus Sehenswert !

Was uns das Mädchen auf dem Koffer erzählt

Beitrag vom 2. April 2022

Die Geschichte lehrt uns, dass wir aus der Geschichte nichts lernen
so ein Historiker

Gerade gehen die Skiflugweltmeiserschaften im norwegischen Vikersund zu Ende. Vor 8 Jahren waren wir bei diesem großen Weltsportereignis dort zu Gast. An vier Tagen sind wir von unserem Hotel aus zur größten Schanze der Welt morgens und abends an der Insel Ütöya vorbeigefahren. Jedes Mal war die Stimmung einige Minute sehr bedrückt. Man wird daran erinnert, dass einer der größten Psychopaten der moderneren europäischen Geschichte über 70 Jugendliche wahllos, gnadenlos und sehr gezielt ermordet hat. Im freiheitsliebenden, stolzen, eigentlich fremdenfreundlichen Norwegen eine unauslöschliches Nationaltrauma. Dennoch waren es zunächst unbeschwerte, eindrückliche Tage bei herrlichstem Winterwetter. Geradezu mystische Besuche der schönsten Stabkirchen im Hochwinter im Hallingdaal, ganz alleine ohne die sonst üblichen Besucherströme, machten die Sport- und Kulturreise zum schönsten Norwegenerlebnis. Jeden Morgen und Abend gingen wir ziemlich gedankenlos an einer anmutigen, aber auch eine seltsame Traurigkeit verströmende Bronzeskulptur vor dem Hoteleingang vorbei. Spätestens seit Munch und Herbjörg Wasmo weiss man, dass Norweger auch zur Melancholie neigen. „Das Mädchen ist halt traurig, weil sie nach schönen Ferientagen wieder abreisen muss“. So unsere oberflächlichen Gedanken zu dem anmutigen, anrührenden „Denkmal“.

Was uns das Mädchen auf dem Koffer sagen kann

Auch wir wurden bei unserer Abreise, beim Abschied, von dieser Traurigkeit erfasst. Die Hotelchefin gab uns zum freundlichen Abschied, sichtlich etwas unsicher, noch eine Broschüre über die Geschichte des altehrwürdigen Hauses mit. Eine historisch bedeutende Traditions- Relaisstation an der wichtigen Fjellroute Bergen- Finse- Hardangervidda- Hönefoss- Oslo war diese Herberge. Soviel haben wir anhand der nostalgischen Ausstattung und den traditionellen, norwegischen Gemälden bereits mitbekommen.

Im Nachhinein waren wir froh, dass wir diese Broschüre erst bei der Abreise erhielten. Sonst wären die anregenden Tage stark eingetrübt gewesen. Abgesehen von der Bedrückung durch das täglich vergegenwärtigte National- Trauma, was diese Insel Ütöya jeweils auslöste.
Erst nachdem wir mit der Fähre den vereisten, Winterzauber- Oslofjord nochmals mit allen Sinnen genossen haben und auf dem offenen Meer waren, kamen wir abrupt in der Wirklichkeit an.

In der mitgebrachten Hotel- Broschüre war nachzulesen, dass unser gastfreundliches, gediegenes Hotel befristet eine unsägliche Last aus der Vergangenheit trug. Hatte uns deshalb die kluge Hauswirtin die Broschüre erst bei der Abreise überreicht, um uns Deutschen den Aufenthalt und unsere wundervollen Erlebnisse nicht zu trüben?

Abreisende Frau mit dem Habseligkeitskoffer und dem Kummer

Die Nazi Besatzer und die Norwegischen Quisling- Nazis haben dieses große idyllische Haus requiriert und ein „Erholungsheim“ für Wehrmachtsoldaten darin eingerichtet. Aus ganz Südnorwegen wurden blonde, arische, gesunde, norwegische Mädchen zwangseinquartiert, um die Soldaten zu bespaßen und zu unterhalten. Es war also ein Puff. Mehr noch: Es war auch ein Mütter- und Kinderheim des NS- Mütterborns. Die so gezeugten, besser gesagt die gezüchteten Kinder, wurden den Müttern nach spätestens 1-2 Jahren weggenommen und nach Großdeutschland in Mütterborn- Kinderheime verlegt; also gefühlskalt entführt. Schätzungsweise 7 000 norwegisch-deutsche. „arische“ Kinder kamen so zur Blutauffrischung heim ins Reich. Von fast 14 000 norwegischen Frauen weiß man, dass sie so missbraucht und aufs schändlichste gedemütigt wurden. Zum Dank für ihr Leid wurden sie bei Kriegsende meist von den empörten Landsleuten kahlgeschoren und dem Hohn und dem Hass der Bevölkerung ausgesetzt. Dass sie nackt durch die Strassen getrieben wurden, wie ihre holländischen Leidensgenossinnen, blieb ihnen in Norwegen erspart. Eine persönlich bekannte Zeitzeugin wanderte, nach dem ihr die Haare wieder gewachsen waren, ins Land ihrer Peiniger aus. So wie die meisten der anderen gedemütigten norwegischen Frauen. Auch um der Brandmarkung in der Heimat zu entkommen, aber hauptsächlich, um nach ihren Kindern zu suchen. Dabei half manchmal die pedantische, recherchierbare Buchhaltung der Nazis. Oder die jungen Frauen zogen weg in weit entfernte andere Regionen des Landes, weil in der Heimatregion die anhaltenden Demütigungen und Erniedrigungen nicht auszuhalten waren.

Vielleicht versteht man jetzt die bedrückende, erschütternde Symbolkraft des „Mädchens auf dem Koffer“

bei der Abreise und dem meist endgültigen Abschied von der leiblichen Mutter. Die wenigsten Mädchen konnten mit ihren Müttern wieder zusammengeführt werden.

Warum man das gerade jetzt doch mal erzählen sollte?

Frauen, Mädchen und Kinder saßen mit dem gleichen Gesichtsausdruck und der geknickten Haltung am Tisch beim Begrüßungs- und Freundschaftskaffee für die geflohenen Ukrainerinnen in Sumpfohren am 8.3.2022 bei der gütigen Familie Schöndienst.
In zuverlässigen Presseinfos wird derzeit berichtet, dass kriminelle Zuhälter traumatisierte, hilflose Flüchtlingsfrauen an Bahnhöfen mit sicherem Blick, zweifelhaftem Charme und €uroschein- fächernd anheuern und verführen wollen. Auch das ist ein hässlicher Teil des Putin Krieges neben den berüchtigten Kadirov- Tschedschenen Söldnern.

Denn nach oder bei jedem militärischem Krieg findet ein geheimnisumwitterter, unausgesprochener, unsäglicher Krieg statt. Ein Testosteron gesteuerter Nebenkriegsschauplatz. Das war so in der Steinzeit, bei den Wikingern, den Römern, bei der blonden Baaremerin Bisulla, den besagten Norwegerinnen, den Kosovarinnen, unlängst bei den Jessidinnen und das kann, wenn wir keinen Schutz gewähren und aufpassen, auch beim Ukraine Krieg so sein. Auch vor unserer Haustür.

Von der Weltöffentlichkeit und den Friedensengeln wird dieser Subkrieg selten angemahnt und meist schamhaft verschwiegen, übersehen und ignoriert.

Und deshalb mahnt uns das „Mädchen mit dem Koffer“.

Grossmutters Geschichten

So ischs mol gsii als Eschinger Schuelmaidli

Denkt man mit Hilfe von Erinnerungen, , von Anregungen über die Vergangenheit, über die früheren Epochen nach, so hat das etwas von einer poetischen Neuschöpfung dieser Zeit und von der Gedankenwelt aus dieser Zeit

Jan McGregor , Kurator Humbold Forum

Bronzeskulptur mit spielenden Kindern
Narvik Stadtpark
„So ischs mol gsii als Eschinger Schuelmaidli“ von Klärle und Hubert Mauz, gelesen von Maria Simon

Ich wett nomol e Schuelmaildi sii
Zopfet, e Röckli und Kniestrümpf aazieh
Am Obet no a de Schelle schelle
D Liit dätes no bim Bier verzelle

Kinnt uhni zahle is Strandbad schlupfe
I de Kniebank vor mir die bleed Kuhe aastupfe
Vor de Grusige Elis dätet mer sich verstecke
Und des Schimpfwort riefe: „Du krumme Stecke“

De Rot Hans voll Wunderfitz aagucke
De Liit us em Fenschter uff de Ribel spucke
Des wet i wieder mol mache, jezt glii

Ich wett halt wiedermol e Schuelmaidli sii
Ich wett wiederrmol e Schuelmaidli sii
Im Nuu wäret d Turnschläppli hii
Fangedis und Versteckis mache
De ganz Tag johle und endlos lache

Für zeh Pfennig e Woch lang Kinder hiete
Am Samstig gi Biichte gau nochem Liite
En Film aagucke der nit jugendfrei
De Glyckher aaliege ob mer vierzehni sei

Treuherzig sage, des heb es glii
Ich wet halt wiedermol e frech Schuelmaildi sii

Us de Apethek miesst mer ebber „I-Bi– Dumm“ holle
Min Brueder tät mer denno s Fidle vesolle
Unterm Pavillion kinnt mer Schlittschuhe fahre
Und uff de Gregori gau, achtzg Pfennig verspare

No wärmer riich, mir soviell Geld
S` gäb acht NAPPO (Bäredreck), des hommer uuszellt
Au könnt mer tagelang Zehnereis schlotze
Und Karusell fahre bis mer kotze

Umsunscht gäbs no de Gregori Wecke
A de Amaliehitte kinnt mer Gutseli schlecke
A de Fasnet wärm er de Narresoome
Uff em Märt dät mer helfe de Motter bim krome

Mit de Glicker spiele unterm Schuelhof Fenschter
Und Zucker stehle us em Kochi- Kenschter
Am Scharfe Eck vu de Sunne warte
Und wenn oner kunnt z Loed graduus starte

Onre Kopf vorus in Buch inni renne
Mit weng Glick dät die dich nit kenne
Die dät sich glii beim Lehrer beklage
No dät ich und s Kamerädle sage:
Nei, nei des sind mir nit gsii
Ich wett hal nomol e Schuelmaidli sii

I de Brigach kinnt mer Staudämmli mache
Und barfiessig dappe i die gröschte Lache
Im Wasserstrahl norenne vum Spritzewage
Wa dät au do de Vatter sage ?

De Muetter weget Lumpe koe Ruh meh lau
Denno mit em Handwägeli zum Rothmund gau
Dä gäbs defür fünf Luftballoon
Oder am Gummischnürli en kitschige Clon

A d’Dunnequell kinnt mer gau
De läschtig Schuelranze inni hänke lau
De Rahme Egon dät denno johle
Der dreht sowieso allvort en Hohle

D’Storzebäbe wo Schere schlieft
Duet fierchtig gosche wenn dere mer rieft
De Rahne Gickel, de Napoleon bigoscht
De Reiser Hans froge wa sie Kappe koscht

D Signora Ferri got zum Ferii ferri
Und bringt im Patrone d Spagetti ferri
Und all die Manne und Wieber do
Mir dätet s Fuxe nit bliebe loo

Es wär zwar wiescht, aber so isch es gsii
Und trotzdem wet i wiedermol e Schuelmaidli sii
Vor em Parkvogel gattig s Fahrrad verstecke
Und im Park mit de Funzel Päärli verschrecke

Au backe, sell liess ich halt doch sii
Weil au ich e verliebt Schuelmaidli wet sii
Und trotzdem wet i uff Bäm uffiklettere
Und i d Brigach obe abi lättere

Wenn Soldätli danzet in Zeppelin spicke
Is Stadion renne wenn d FC- ler kicke
Und troome und denke wemer nuu älter wär
Erwachse sii fallt bestimmt villmol schwer

Wie war doch die Kindheit en Sunneschii
Und drum wet i wiedermol e Schuelmaildi sii
Au de Jugend- Früehling, wie war der schee
Ich Alti wet vu dem no vill, vill meh

Nach einem papierenen Speicherfund,
Autor unbekannt (verm. s Klärle Mauz?),
nachgedichtet im März 2026 von Hubert Mauz

Vu de Raunächt, de Losdäg und Omas versteckt Heidetum

Winterliche Brauchtumsgschicht

Losdäg gelesen von Maria Simon

E anders, eher eweng uuchrischtlichs Brauchtum, lauft zwische de Johr uff de Boor und im Wälderwald no i winzigkleine, kum wohrnembare Restrelikt ab. De Kult vu de Raunächt oder de Lostäg. Begnet ischer mir nu no bi de Oma Paula. Freya war eren zweite Name und des hät scho eweng ebbis heidnischs a sich. D Freya ghert zu dene Göttinne die zemet mit ihrem Göttergatte Wotan a de ewige Tafelrunde ufem Bergfried Asgaard alldag usgibig feschtet. Dert word s` Wetter idoelt und verkartet. Natierli word zwische de Johr de Plan ver die näschte Monde uusdenkt. Die versoffe, verlotteret und verkumme Bande striitet natierli gherig und jeder wills besser wisse. I dere Ziit schicket sie au ihr Wildes Heer dorch d` Lüft zum d` Liit verschrecke und willfährig halte. Natierli au dorch de Schwarzwald und die rau Boor.


Am Heilige Obet, eweng hoamlich und verduckt, hät d`Oma Paula zwölf Zwiebel- Hälftene zuegschnitte. Die hät sie uff de Stubbefenschterbank i Reih und Glied gleit und i jede Zwibelmulde e Schechli Salz gstreut. Jetzt hät die akkurat usgrechtet Reihe nähmert meh aalange oder verrucke derfe. Jede Dag hät sie die Schäleli aaguckt und uf en Rodel uffgschriebe, ob und wie viel Wasser des Salz i dere Zwibelmulde zoge hät und ob sogar e kleine Lache i de Zwiebelhälfti war. Je noch Zuestand vu dene Schäleli, jedes hät on Monet vum kummende Johr abzoachnet und dargstellt, hät sie gwisst, wie s` Wetter im kummende Johr word. Ob im Heibet mit Soachwetter zum rechne wär, ob s` Öhmt guet und wohlriechend reesch word, d` Herdepfel ufem Feld halb verfuulet usi ghacket were mond oder ob sie bim Rieswelle mache im Herbscht all Dag de Regeschobbe bruucht und ob mer im November scho Schnee schoore muess. Natierli hät ver sie nu der Wetterkalender golte und bim beschte Wille hät sie kon Fehler i dem Bruuch enddecke kinne. Des Orakle hät besser battet wie de Hundertjährig Kalender us em Lahrer Hinkende Bote. Losdäg waret des also, die 12 Däg zwischem Heilige Obet und Drei König die des Los vum kummende Johr entschiede hond. En zweite Bruuch hät sie hählinge am Morge vum erschte Weihnachtfiertig, no bevor sie is chrischtlich, weihnachtlich Hochamt gange isch, zelebriert.

Ufem Hoamweag vum Amt häts se vu dere Verrichtung am Morge dene andere Hochamtswieber natierli nint verzellt. Sunscht wär sie uusglachet und versecklet wore wege ihrem altbachene Bruuch und Glaube a so Fürz. Am Festdagsesse isch dodevu au nint verzellt wore. De onzig Hiwies war der breselig und rauchig Guu der im Huuswese glege isch. D` Biebli hond zwar gfroget wa des fer Zwibelschnitz uf em Fenschterbank wäret. Aber do war sie eher eweng verstockt und verdruckt. Wemer no nochem Kaffe d` Äsche i dem gußiisene Holzliim-Pfännli mit dene 3 Fiess ufem Bord i de Kochi entdeckt hät, hät mer gwisst: Hit hond Raunächt aagfange. Eigentlich hoasset sie Rauchnächt. I dene Nächt wered ebe d` Hieser, de Stall, d` Schier, de Schopf, d` Schlofkammere und d` Stubbe usgräucheret. Räuchere isch en uralte, oefache und wirkungsvolle Haltbarkeitsvorgang. Bim Speck, au bim Pfohremer Boschespeck, merkt mers am allerbeschte. Also isch mer mit eme Kächeli oder eme Pfännli i des usem Kachelofe e weng Holzkohle gfillt war, dorch die ganze Räum aadächtig und ernst gange und hät debei so mystische quinkili- quankili – Sprich bruddlet. Und so hät mers s` Huus und s` ganz Huuswese uusgräucheret. Vu Böse Geischter, Uugziffer, schlechte Gedanke, Hexereie und Boshaftigkeite befreit. Des mit dem Räuchere kamer i allne Religione beobachte, sogar ebe i de heidnische, keltische – germanische- druidische Ritual. I dem Leimpfännle sind no wohlriechende, reinigende Kräuter usem Garte wie Holunder, Reckholder- Juniperuswädel saut mer z Aamedshofe, Pfefferminz und vor allem de reesch gweiht Palmewedel vu de Krieterbuscheleweihe verkloschteret wore. Mit dem qualmende Rauchgschirr wo d`Oma no e Rietere druff dau hät, dass jo koa Glut de Heistock azindet, isch sie hählinge dorch s` Huus zoge und hät ebe uusgräucheret.


Zu dene Losdag und de Rauhnächt hond die phantsievolle Volkskundler immer wieder mol ebbis Netts dezuedichtet, vu wege dass mer a dene Täg koe Wäsch wäsche sot, d` Träum uff bhaalte sot, also nit verzelle sot, e Münz in Brunne lege und vieli andere Gschechtle, halt netti Märli dezue gfummlet. Des poesievollscht devu isch aber doch der mit em Stall. I de erschte Raunacht, des isch die Heilig Nacht, soll neamert de Stall betrete und dä ummemuuse und loschore. Weil i dere Nacht, und nu i dere Nacht, s` Vieh mitenand schwätze kennt und des au dät. Natierli hät do scho mancher wunderfitzig Buur des uugschribbe Naturgsetz nit iighalte und doch heimlich gloset und gschächt und denno mitkriegt wie s` Vieh über ihn , den grobe Buurekerli, goschet und gschnorret hät. Und jähzornig wie mancher Buur ebe au war, hät er den vorluute Ochs mit de Goassle gschlage und verdescht. Do hond sich aber die geduldige, gütige, alldag selli freigebige, milchspendende, jetzt aber so gedemütigte, hintergangene Kühe mol grausam grächt und de Buur gnadelos i de Raufe verdruckt. Sit des im ganze Gai verzellt wore isch hond sie Ruhe, die Kühe i dere Nacht, und kennet usschweifend und theatralisch die ganz Nacht zogate. Falls des nit wohr isch, isches zmindscht pfundig und unterhaltsam erfunde.

Wenn a Dreikönig de Bsuech vu dere Königs- Karawane im kleine, krumme Schwarzwaldhiesli bi de Oma Paula aagstande isch und sie andachtsvoll d` Sprichli und Liedli vu de Heilige Dreikönig i de niedere Stubbe aagloset hät, de Chrischtbomm nomol aazunde hät und de Melchior am niedere Huusderekriezstock die drei Segensbuechstabe ännikriedet hät, denno hät sie den Weihrauchfasskönig no aaschwattiert und in Stall gfiehrt. Dä wo vor paar Johr no e Wälderkiehli und e struppige Goass gstande isch, hät er no kräftig Weihrauchkörnle scherre messe und s Fass schwaie messe. Genauso i de Schier. Wenn jetzt no de christlich, de gweiht Weihrauch – Guu im ganze Huus und im Buuretoal glege isch, no hät gar nint meh krumm laufe kenne. Deno hät sie selig und knitz grinset und in de Zueversicht uf e guets Johr no en wiitere Batz i d` Schatulle vum Kollektesammler König gleit.

De Bruuch mit em Sternsinge verhebt immer no, wa mer selli guet gfallt. De zweit isch jetzt noch Johrtausende im Zug vu de Wetterbericht, em minütliche Wetterradar, Meteoblue, Wolkesimulatione im Internet tatsächlich und endgültig am ussterbe. Wenn er au nimme glebt word. Verzelle sot mers trotzdem no und so kenne mers amend no e paar Generationen i de Köpf und ufem Papier und digital uf de Feschtplatte im Hieronymus bewahre und besinnlich, aaregend den alte Bruuch id Erinnerung zruckruefe.

On Sproch us dem Raunacht Brauchtum verhebbt i de Familie immer no und hoesst übrigens so:
A Maria Lichtmess (2. Februar eme wiitere Lostag) isch Tag Ess, des hoasst dass mer dä scho wieder im Helle uhni Kerzeliechter am Obet vespere ka. S` isch bald scho wieder so wiet.

Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge, z Gräninge , z Wulterdinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum Kriezwehkriez im Bregtal.

Neue Bilder von Hans Lang von Hüfingen

Diese fantastischen Bilder von Hans Lang sind in Hüfingen aufgetaucht. Vielen Dank an Alfred Riegger!

Es würde uns interessieren wo das Original ist. Vielleicht weiß wer was?
Dieses Bild wurde dem ehemaligen Hauptamtsleiter, Karl Hahn, zum Abschied geschenkt.

Das etwas andere Lebensbild des lebenslustigen Künstlers Hans Lang

gelesen von Richard Ketterer im März 2024

Eine Vita als Leporello

Nicht nur Gassen sind etwas Unverlierbares, auch Menschen, Personen, und Originalitäten.

De Lange Hans us de Wassersrooss z Eschinge

Auf den Gedanken einen Bauingenieur und Mundartler übers Leben und Wirken vom Hans Lang reden zu lassen, das kann nur der Lange Christel und Rolf Karl einfallen. Darum schwenk auch diesmal kein Kunsthistoriker oder Kunstkritiker das Weihrauchfass zu Ehren eines städtischen Universaltalentes. Dieses Leben, diese Vita, diese Hommage soll man nach dem Willen der Nachfahren, und sicher nach seiner eigenen Gedankenwelt, möglichst unterhaltsam und skizzenhaft aus dem episodischen und narrativen Gedächtnis eines jungen, heranwachsenden Eschingers erzählt werden. So sind sie halt die Langs, die Maiers us de Unterstadt, us de Wasserstroos.

Fast jeden Morgen ist mein Vater zum Bahnhof auf den Zug gegangen. Bei „Theodor Maier- Kolonialwaren“, bei den frühaufstehenden „Maier Wiebern“, Gretel und beim Tantele Bertel Maier, hat er seinen 6-er Pack Burgerstumpen als Tagesration geordert. Der Hans hat den beiden Frauen ziemlich lustlos die Regale mit den schweren Waren aufgefüllt und den Freiluftmarktstand vor dem Laden aufgebaut. Schnell hat er sich dann verdrückt um auf Motivjagt zu gehen. Während der erste Bürgerstumpen schon geglüht hat, haben sich die beiden kurz die neuesten Witze und die neuesten Stadtgeschichten, Skandälchen und Missgeschicke erzählt und zusammen einen gepafft. Vater den dicken Bügerstumpen und Hans ein Pfeifchen oder eine Gitan oder eine Troup aus dem Economat oder dem Casino. Neben fürchterlichen traumatischen Erlebnissen brachten unsere Väter auch eine schwere Sucht nach Hause. Die glühende Sehnsucht nach Zuhause wurde nämlich in der Soldatenzeit auch mit der glühenden Nikotinsucht der härtesten Sorte bekämpft. Machorka, Reval, Troup. „Bahndamm dritter Schnitt“ hießen diese Stengel- und Strunktabake im Militärjargon und sie forderten nach dem Krieg als Spätfolgen nochmals viele Opfer.

Haus Maier, zerstört 20.April 1945

Wiederaufbau Wasserstr. 1

Im Kopf vom Hans rumorte schon das nächtliche Traummotiv: Stadtkirche vom Brigachufer am Schützen, monochrome, in Kohle. Also ab mit Staffelei, Kohlestiftholzkästchen und Zeichenkarton ans Brigachufer vor der Falkenpost. Kaum war der Dreibock aufgestellt und der Karton eingespannt, schauten ihm schon die lustlose daherschlurfenden Schüler, die entrückten Frauen von der Frühmesse und die am frühen Morgen schon schlappen Bürokraten von der FF-Kammer über die Schulter. In deren ledernen, speckigen Aktentäschen ein Butterbrot, eine Thermosflasche Zichorien- Kaffee Pnache mit viel Cognac und den obligaten Ärmelschonern,: „Hans, wa hät der hit Naacht wieder troomt, wa wit hit mole?“. „Ha waisch, de böhmisch Stadtkirchearchitekt Kanka hät vorfern bestimmt als erschtes e Kohlestiftzeichnung gmacht vu de böhmische Barockkirch uff em Donauquellebuckel. Genau dem sin uusdenkte Iifall vu dämols für die Barockkirch uff dem Kalkfelsebuckel über de Dunnequell, dem will ich nochschmecke, nochmuuse. Aber nit wie ichs als Technische Zeichner glehrt han, mit Reißschiene und Tusche, sondern mit Kohlestift, so wie ebe dämols de Kanka“. Dieses Bild, dieses Sujet, war eines der besten und erfolgreichsten von Hans Langs Bildern.


Und schon steigt in seinem Kopfkino ein Karikaturen Bild auf und wird im prallgefüllten Kopfzettelkasten abgelegt: Ein dürrer oder vielleicht fülliger Kammerbürokrat mit Nickelbrille, Zigarre, Ärmelschoner, Tintenfeder und Tintenfass an einem barocken Stehpult mit englischem Banker- Schreibpultlämple.


In „Brusel“ (Bruchsal) ist Hans Lang aufgewachsen und hat unter sachkundiger Anleitung seines Decomaler-Vaters und Restaurators mit Bleistift und allen verfügbaren Papierresten ständig skizziert. Von 1934 bis 1947 war auch er, so wie viele jungen Deutschen, im doppelten Sinne gefangen vom bedrückenden und erdrückenden Nationalsozialismus. Das war die Zeit des düsteren Monochromismus in seinem Leben und in seinem Malen. Mit Bleistift und Papier hat er in den Kriegsjahren und Gefangenenjahren Hunger, Not, Erschöpfung, Düsternis aber auch Freundschaft trefflich und einfühlsam gezeichnet. Schwarz-Weiss nicht nur wegen seiner Gemütslage, sondern auch in Ermangelung von Malfarben, Leinwand und Utensilien.

Als aber nach 1947 Hoffnung aufkeimte, kamen wieder sanfte, zaghafte Aquarellfarbe zwischen die Flächen seiner grauen Linien. Bis in die Fünfziger herrschte dennoch die Monochromie vor. Sicher auch Ausdruck der Traumata die allen unseren Vätern innewohnte. Das düstere Bild des zerbombten Haus von „Theodor Maier- Kolonialwaren“ war finaler Höhepunkt der düsteren Bedrücktheit. Selbst das „Mathisle“ Porträt in Öl von 1963 hat noch diesen dunklen Taint.

Und genau an diesem Bild kommt die einfühlsame, rücksichtsvolle Skizzen- und Portraitmeisterschaft ganz deutlich zum Ausdruck. „S Mathisle“ war mehr als ein Eschinger Original. Er war der Hofnarr, der lustige August, der verkommene, muffelnde, ungepflegte Taglöhner, Rumtreiber, schlagfertige Witzbold der jeden Dutze, auch den Fürst. Von den Bildungsbürgern geduldet, wenn nicht sogar geschätzt , hielt er ihnen vorwitzig den Spiegel vor. Vermeintlich ein verhöhnter, verachteter Versager. Was macht Hans Lang daraus: Er bildet seine menschliche Würde ab. Sein Schalk, sein Gifizz kommt zum Ausdruck. Man glaubt einen stolzen, geachteten Eschinger Bauern vor sich zu haben. Nichts von all den aufgeführten Vorurteilen kommt zum Vorschein. Nur Respekt, Menschlichkeit, Wärme, Würde. Die wahre Kunst des Porträtisten. (Volksbad Episode?).

S’Mathisle

Diese Meisterschaft kommt auch zum Vorschein bei seinen legendären, aber auch berüchtigten Wirtshaus und Veranstaltungsskizzen. Vor seinem spitzen Bleistift und Skizzenblock war keiner sicher. Es wird kolportiert, dass er dem Gegenüber direkt in die Augen sah und ohne einen Blick auf den Block zu werfen mit wenigen Strichen und Schattierungen ein Porträt zeichnete. Viele halten diese „Blind Views“ sogar für seine Besten.


In den 60-ern kommt dann viel Farbe in die Bilder und in das Leben von Hans Lang. Fast hat man das Gefühl, dass die Traumatas abfallen, bewältigt sind. Ästhetik, Ironie , Satire, Stimmungen, Harmonie, Erotik werden mit wenigen Strichen aber auch farbig opulent eingefangen.


Und wieder steigen Kindheitserinnerungen auf. Eschingen war in den 50-60-ern tatsächlich eine Schlittschuhstadt. Wenig Schnee aber knackige Kälte am Kältepool Alemanniens bewirkten und beförderten diesen Kult. Wieder bewahrheitet sich der Satz: „Nicht die Herrschenden schreiben so Geschichten sondern die Landschaftsgeographie“. In dem Fall das Klima. Dennoch schaffen die Herrschenden die Voraussetzungen zu diesem Eiskult, indem sie östlich des Parkes im klirrenden Kältesee im Haberfeld einen großen Eisweiher und ein beispiellosen Eishaus bauen. Auf diesem Polareis vergnügen sich seit 1910 die Eschinger am Sonntag zu Hunderten beim Schlittschuhlaufen, Eistanzen, Eisstockschießen und Eishockey spielen.

Eiswiese um 1910

Zwei Bürger ragen davon heraus: Hans und Gretel Lang. Die beiden üben unter der Woche am Abend fast vor der Haustüre auf der damals oft zugefrorenen Brigach vor dem Irmapark Paarlauf, Eistanzen. Die beiden Turnvereinler, Körperbeherrschung, Körperspannung, grazile Bewegungen scheinen ihnen in die Wiege gelegt zu sein, proben für ihre Auftritte am Sonntag auf dem Eisweiher. Auch da werden mit wenigen Kufenspuren Skizzen, Zeichnungen, Ornamente aufs Eis gezeichnet, ja gezaubert, so wie es Hans auf dem Skizzenblock nicht besser könnte. Nur wenige Bilder prägen sich üblicherweise im episodischen Gedächtnis eines 10 jährigen ein. Eine Szene aber läuft immer noch in meinem Kopfkino beim Brigachspaziergang ab. Die Langs, die Eschinger Kilius Bäumlers, beim grazilen Eistanz auf der Brigach. Hans Lang muss diese Ästhetik geradezu pirouettenhaft umgetrieben haben. Denn immer wieder taucht dieses harmonische Eislauf- Ballett- und Tanzsujet auf. Mit wenigen Strichen in Blei- oder Kohlestift aufs Papier gezaubert.


Beim Frauenfreund Hans Lang kommt das weibliche Geschlecht bestens und formvollendet weg.
Neben dem Eislaufsport brachte Hans Lang als Ski- und Tourenwart des TV auch die fast schwerelose Funktionslust dieses Skisportes eindrücklich zur Geltung.


Woher aber rühren die zahlreichen Pferdeskizzen und Graphiken? Hans Lang kam zwar als Militärmusiker nach Eschingen, wurde aber in der großen Kaserne zum „Rittmeister“, zum Kavalleristen in der großen Reithalle und den Stallungen. Dass das Reitturnier den Stift zum traben, galoppieren brachte, war deshalb naheliegend und fast zwangsläufig. Naheliegend war auch der Bezug zu den Musiktagen, für die er oft die symbolträchtigen Plakate entwarf. Obwohl er als Musiker nach Eschingen kam, kann man sich durchaus fragen, kam eigentlich die Musik- Reit- Eis-Sport und Kunststadt Eschingen zu ihm oder er zu ihr? Die Antwort liegt aber in der Mitte: Bei der Zuneigung zu der hübschen Eschingerin Gretel Maier, später eben „D Lange Gretel“.


Eins kann ich aber Hans Lang nicht vergessen und kaum verzeihen, es ist fast schon ein Kindheitstrauma, mein einziges, zwar leicht zu bewältigendes, verkraftbares, aber latent.
Im altbackenen Turnsaal der Volksschule hing an der nördlichen Wand ein mächtiges Gemälde, gemalt von Hans Lang in Ocker, Bleiweiss und Kohle: Turnvater Jahn wachte streng über die Schul- und Turnvereinseleven. Und dieser bärbeißige schaute einem überall nach und machte einem wirklich Angst, weil er so lebendig wirkte und einem stechendscharf, disziplinfordernd ansah. Egal ob man sich hinter Mattenbergen, Kletterseilen oder Bündeln von Rundlaufstrickleitern versteckte, immer vermieste der Alte einem den Spaß am Turnen und Spielen. Hans Lang ließ sich vom Turnvater Jahn beim malen direkt in die Augen blicken. Dieser scharfe Blick verfolgt einem immer und überall im Saal. „Turnvater Jahn is watching you“, so könnte die Bildunterschrift lauten. Viele Ex-Volksschüler teilen noch heute diese Furcht vor dem strengen Blick des deutschen Obervorturners. (Ich glaube deshalb bin ich nicht in den Turnverein gegangen, sondern zur DJK in die modernen Gymnasiumshalle ?)

Turnvater Jahn


Sprühende, rastlose Phantasie hat den musischen Malerpoeten Hans Lang lebenslang umgetrieben. Falls dieses Erzählte doch eine kleine Vita gewesen sein sollte, haben sie vielleicht abgelauscht, dass das im reinsten Wortsinn ein „Vitales“ ein „Phantastisches, phantasievolles“ Leben war. Hans Lang bereicherte die Stadt Eschingen, die Baar, die Region und machte sie noch lebenswerter, noch anregender, noch poesievoller. Er war ein stadtverliebter, ein freiheitsliebender, ein selbstverwirklichender Bohem. Verliebt in Land, Leute, Jung und Alt, in Bauwerke, Flora, Fauna, ins Ried, die Donauauen, die Baardörfer, in Bewegung, Grazie, Genüsse aller Art, Geselligkeit, Humor, Jahreszeiten, Kontraste, Pinsel, Blei, Leinwand, Papier, Styropor, in Wasser, Eis, Luft, Licht und Liebe.

Denn die Liebe zu seiner Muse, seiner Ehefrau und Mutter seiner Kinder Monika, Christel, Hans Albert, zu Gretel Maier- Lang, machte seine freie Selbstverwirklichung erst möglich.


So ein originelles Leben kriegen nicht viele fertig. Und darum:

Memento Hans und Gretel Lang


Die zwei Bilder unten von Hans Lang waren im August 2024 in Donaueschingen zu sehen:

Des isch bigott doch de Koffer

Des isch bigott doch de Koffer

De klei Brueder, 65 Johr, aber mit 1,90 de gröscht vu iis 8 Kinder, hät e Reparatur bruucht. De sunscht puddelgsund Handwerker häts beim Schneeschuhefahre uff de Ranze ghaue. Am Schulterkugellager sind ihm  paar Sehne verkaibet. De aagfresse Holzwurm hät koni Bretter oder Schpanplatte me lupfe kenne. „Das bekommen wir problemlos wieder verkabelt“, so des buchsprachlich OP Dokterle. Wo sen wieder us sinere Traumwelt uffgweckt  hond, pfiifts, sorrets und giegsets im OP wie beim Raumschiff Enterprise. Verdacht uff Schlagafall. Dass er nit wieslos word, kunnt er kuntenent uff Intensiv. Dä hond sin wieder uff d Fiess brocht und en Dachschade abgwendet. I dere Großfamilie isch jetzt aber Fiehr unterm eng glismete Familienetz gsii. Die paar Johr älter Schwester hät Rotz und Wasser bläret wie des ihrem sorgsam verhätschlete, kleinere Briederle hät passiere kenne. Bald kunnt er direkt i d Nachsorge im Breisgau. D Frau hät nit emol me reächt Ziht zum en Koffer packe. Wo der denno zuegsesse war, en hochmodische Hartschalekoffer Modell „Digital Work Station“ , isch er de Schwägerin zum Transfer is Auto gleit wore. Blederewies isch beim Zuesitze s rot Händyladekabel us em Koffer glampet. Wo aber de älter Brueder für de Bsuech e anders Auto gnomme hät wie des wo de Koffer drin war, isch s Uuglick losgange. „Wo häsch de Koffer mit de Klamotte?“ frogt de Klei. „Jegges maraie, der parkt no de Hoem a de Relaisstation, uff de andere Siite vum Wälder Wald.“ Mit de schlapprige Turnhose und em no schlottrigere  Hemdli gomer in e Stehkaffe. „Dä sind sie so Schlawacke gwähnt, bruuchsch di nit schäme wie en Rossbolle, do kennet sie iis nit“. De Kaffee und de Berliner hond mir geschmeckt, ihm i sim Uffzug nit so selli. Beim Kassiere lächlet mir d Bedienung anerkennend und friendli zue, weil ich wohlwollend und menschefreundli, gönnerhaft dem Hambis de Kako zahl. Am andere Tag bring ich de IT Koffer zum übergäe denno zum Schweschterli für Ihren Krankebsuech. Des Biebli bruucht endlich  gschieds Häs zum aaziehe.

Im Gang vu de REHA kunnt er im Schweschterli mit em gliiche holose  Uffzug vu Geschtert vergege. Nuu dass er jetzt  no e  verdlähnti Belzkappe uffhät und dicki, handglismete Socke a de hoorige Scheiche. „Jetzt do mer de Koffer uffs Zimmer und du ziehsch di aaständig aa“. „Nei, jetzt will i zerscht e Wienerli im Bischtro“. „I dem Uffzug gang ich kon Meter mit dir“. Bocksboenig war er scho immer, ihr  klei verhätschlets Briederle. De Workstation Koffer bliebt uff em Gang am Empfang stau. Wo sie zruckkummet isch de Koffer weg. Wa mer uff Flugplätz mit herrelose, vermeintliche Schwarzpulvergladene- Köffer für Fürz veranstaltet, des kennt mer jo. Bestimmt isch der Belzkappe Zottle scho vu de Aastalts- Videokameras als de psychisch labil vum Zimmer 465  verortet wore. Oe Hoffnung gihts: IS Terrorischte hond gwähnlich  koe Belzkappe uff. No isch kon Alarm  aabi gange, und me hört koe Hubschrauberknatter vu de Anti – Terrorstaffel GSG 9. De Belzkappebue, s Schweschterle

und de Schwoger rennet dorch die labyrintartig Aastalt und suechet de Koffer. Fickerig druckt us Versehne s Schweschterle im Uffzug au no zu allem Überfluss statt „EG : Anmeldung, Auskunft, Meldungen“ de Knopf „UG 2“ . Wo sich vor ihre wie vu Geischterhand s Tor zur Unterwelt, de bunkerartige, sprengstoffdämpfende Katakombe theatralisch  uffduet, stoht er einsam, schamhaft mit de knallrote Kabelfahne direkt  gegenüber a de duschtere Bunkerwand. Gspenstische Stille, kon Mensch dä dunne. En heldehafte Hausel muess ihn dä mit Angstschweiß uff de Stirn todesmutig abgestellt ha.

„Des  isch aber jetzt doch de Koffer“, schnuuft sie, schnappt die Box und nint wie ab, noch dem sie Lunte groche hät, is 4. OG, Zimmer 465 mit em Koffer.

Übrigens isch d Belzkappe, s Schlapperhösle, s verwäsche Hemdle und die uusgliehrete Wollsocke in Rotkriez- Kleidersack kumme.

Soll sich doch ebber Andersch mit dem Schlapperglumpp  schäme.

© Hubert Mauz, Unteres Bregtal, Dez. 2025 nach einer absolut wahren, aktuellen Familienbegebenheit,  bis aufs rote Kabel. ©

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