Neue Bilder von Hans Lang von Hüfingen

Diese fantastischen Bilder von Hans Lang sind in Hüfingen aufgetaucht. Vielen Dank an Alfred Riegger!

Es würde uns interessieren wo das Original ist. Vielleicht weiß wer was?
Dieses Bild wurde dem ehemaligen Hauptamtsleiter, Karl Hahn, zum Abschied geschenkt.

Das etwas andere Lebensbild des lebenslustigen Künstlers Hans Lang

gelesen von Richard Ketterer im März 2024

Eine Vita als Leporello

Nicht nur Gassen sind etwas Unverlierbares, auch Menschen, Personen, und Originalitäten.

De Lange Hans us de Wassersrooss z Eschinge

Auf den Gedanken einen Bauingenieur und Mundartler übers Leben und Wirken vom Hans Lang reden zu lassen, das kann nur der Lange Christel und Rolf Karl einfallen. Darum schwenk auch diesmal kein Kunsthistoriker oder Kunstkritiker das Weihrauchfass zu Ehren eines städtischen Universaltalentes. Dieses Leben, diese Vita, diese Hommage soll man nach dem Willen der Nachfahren, und sicher nach seiner eigenen Gedankenwelt, möglichst unterhaltsam und skizzenhaft aus dem episodischen und narrativen Gedächtnis eines jungen, heranwachsenden Eschingers erzählt werden. So sind sie halt die Langs, die Maiers us de Unterstadt, us de Wasserstroos.

Fast jeden Morgen ist mein Vater zum Bahnhof auf den Zug gegangen. Bei „Theodor Maier- Kolonialwaren“, bei den frühaufstehenden „Maier Wiebern“, Gretel und beim Tantele Bertel Maier, hat er seinen 6-er Pack Burgerstumpen als Tagesration geordert. Der Hans hat den beiden Frauen ziemlich lustlos die Regale mit den schweren Waren aufgefüllt und den Freiluftmarktstand vor dem Laden aufgebaut. Schnell hat er sich dann verdrückt um auf Motivjagt zu gehen. Während der erste Bürgerstumpen schon geglüht hat, haben sich die beiden kurz die neuesten Witze und die neuesten Stadtgeschichten, Skandälchen und Missgeschicke erzählt und zusammen einen gepafft. Vater den dicken Bügerstumpen und Hans ein Pfeifchen oder eine Gitan oder eine Troup aus dem Economat oder dem Casino. Neben fürchterlichen traumatischen Erlebnissen brachten unsere Väter auch eine schwere Sucht nach Hause. Die glühende Sehnsucht nach Zuhause wurde nämlich in der Soldatenzeit auch mit der glühenden Nikotinsucht der härtesten Sorte bekämpft. Machorka, Reval, Troup. „Bahndamm dritter Schnitt“ hießen diese Stengel- und Strunktabake im Militärjargon und sie forderten nach dem Krieg als Spätfolgen nochmals viele Opfer.

Haus Maier, zerstört 20.April 1945

Wiederaufbau Wasserstr. 1

Im Kopf vom Hans rumorte schon das nächtliche Traummotiv: Stadtkirche vom Brigachufer am Schützen, monochrome, in Kohle. Also ab mit Staffelei, Kohlestiftholzkästchen und Zeichenkarton ans Brigachufer vor der Falkenpost. Kaum war der Dreibock aufgestellt und der Karton eingespannt, schauten ihm schon die lustlose daherschlurfenden Schüler, die entrückten Frauen von der Frühmesse und die am frühen Morgen schon schlappen Bürokraten von der FF-Kammer über die Schulter. In deren ledernen, speckigen Aktentäschen ein Butterbrot, eine Thermosflasche Zichorien- Kaffee Pnache mit viel Cognac und den obligaten Ärmelschonern,: „Hans, wa hät der hit Naacht wieder troomt, wa wit hit mole?“. „Ha waisch, de böhmisch Stadtkirchearchitekt Kanka hät vorfern bestimmt als erschtes e Kohlestiftzeichnung gmacht vu de böhmische Barockkirch uff em Donauquellebuckel. Genau dem sin uusdenkte Iifall vu dämols für die Barockkirch uff dem Kalkfelsebuckel über de Dunnequell, dem will ich nochschmecke, nochmuuse. Aber nit wie ichs als Technische Zeichner glehrt han, mit Reißschiene und Tusche, sondern mit Kohlestift, so wie ebe dämols de Kanka“. Dieses Bild, dieses Sujet, war eines der besten und erfolgreichsten von Hans Langs Bildern.


Und schon steigt in seinem Kopfkino ein Karikaturen Bild auf und wird im prallgefüllten Kopfzettelkasten abgelegt: Ein dürrer oder vielleicht fülliger Kammerbürokrat mit Nickelbrille, Zigarre, Ärmelschoner, Tintenfeder und Tintenfass an einem barocken Stehpult mit englischem Banker- Schreibpultlämple.


In „Brusel“ (Bruchsal) ist Hans Lang aufgewachsen und hat unter sachkundiger Anleitung seines Decomaler-Vaters und Restaurators mit Bleistift und allen verfügbaren Papierresten ständig skizziert. Von 1934 bis 1947 war auch er, so wie viele jungen Deutschen, im doppelten Sinne gefangen vom bedrückenden und erdrückenden Nationalsozialismus. Das war die Zeit des düsteren Monochromismus in seinem Leben und in seinem Malen. Mit Bleistift und Papier hat er in den Kriegsjahren und Gefangenenjahren Hunger, Not, Erschöpfung, Düsternis aber auch Freundschaft trefflich und einfühlsam gezeichnet. Schwarz-Weiss nicht nur wegen seiner Gemütslage, sondern auch in Ermangelung von Malfarben, Leinwand und Utensilien.

Als aber nach 1947 Hoffnung aufkeimte, kamen wieder sanfte, zaghafte Aquarellfarbe zwischen die Flächen seiner grauen Linien. Bis in die Fünfziger herrschte dennoch die Monochromie vor. Sicher auch Ausdruck der Traumata die allen unseren Vätern innewohnte. Das düstere Bild des zerbombten Haus von „Theodor Maier- Kolonialwaren“ war finaler Höhepunkt der düsteren Bedrücktheit. Selbst das „Mathisle“ Porträt in Öl von 1963 hat noch diesen dunklen Taint.

Und genau an diesem Bild kommt die einfühlsame, rücksichtsvolle Skizzen- und Portraitmeisterschaft ganz deutlich zum Ausdruck. „S Mathisle“ war mehr als ein Eschinger Original. Er war der Hofnarr, der lustige August, der verkommene, muffelnde, ungepflegte Taglöhner, Rumtreiber, schlagfertige Witzbold der jeden Dutze, auch den Fürst. Von den Bildungsbürgern geduldet, wenn nicht sogar geschätzt , hielt er ihnen vorwitzig den Spiegel vor. Vermeintlich ein verhöhnter, verachteter Versager. Was macht Hans Lang daraus: Er bildet seine menschliche Würde ab. Sein Schalk, sein Gifizz kommt zum Ausdruck. Man glaubt einen stolzen, geachteten Eschinger Bauern vor sich zu haben. Nichts von all den aufgeführten Vorurteilen kommt zum Vorschein. Nur Respekt, Menschlichkeit, Wärme, Würde. Die wahre Kunst des Porträtisten. (Volksbad Episode?).

S’Mathisle

Diese Meisterschaft kommt auch zum Vorschein bei seinen legendären, aber auch berüchtigten Wirtshaus und Veranstaltungsskizzen. Vor seinem spitzen Bleistift und Skizzenblock war keiner sicher. Es wird kolportiert, dass er dem Gegenüber direkt in die Augen sah und ohne einen Blick auf den Block zu werfen mit wenigen Strichen und Schattierungen ein Porträt zeichnete. Viele halten diese „Blind Views“ sogar für seine Besten.


In den 60-ern kommt dann viel Farbe in die Bilder und in das Leben von Hans Lang. Fast hat man das Gefühl, dass die Traumatas abfallen, bewältigt sind. Ästhetik, Ironie , Satire, Stimmungen, Harmonie, Erotik werden mit wenigen Strichen aber auch farbig opulent eingefangen.


Und wieder steigen Kindheitserinnerungen auf. Eschingen war in den 50-60-ern tatsächlich eine Schlittschuhstadt. Wenig Schnee aber knackige Kälte am Kältepool Alemanniens bewirkten und beförderten diesen Kult. Wieder bewahrheitet sich der Satz: „Nicht die Herrschenden schreiben so Geschichten sondern die Landschaftsgeographie“. In dem Fall das Klima. Dennoch schaffen die Herrschenden die Voraussetzungen zu diesem Eiskult, indem sie östlich des Parkes im klirrenden Kältesee im Haberfeld einen großen Eisweiher und ein beispiellosen Eishaus bauen. Auf diesem Polareis vergnügen sich seit 1910 die Eschinger am Sonntag zu Hunderten beim Schlittschuhlaufen, Eistanzen, Eisstockschießen und Eishockey spielen.

Eiswiese um 1910

Zwei Bürger ragen davon heraus: Hans und Gretel Lang. Die beiden üben unter der Woche am Abend fast vor der Haustüre auf der damals oft zugefrorenen Brigach vor dem Irmapark Paarlauf, Eistanzen. Die beiden Turnvereinler, Körperbeherrschung, Körperspannung, grazile Bewegungen scheinen ihnen in die Wiege gelegt zu sein, proben für ihre Auftritte am Sonntag auf dem Eisweiher. Auch da werden mit wenigen Kufenspuren Skizzen, Zeichnungen, Ornamente aufs Eis gezeichnet, ja gezaubert, so wie es Hans auf dem Skizzenblock nicht besser könnte. Nur wenige Bilder prägen sich üblicherweise im episodischen Gedächtnis eines 10 jährigen ein. Eine Szene aber läuft immer noch in meinem Kopfkino beim Brigachspaziergang ab. Die Langs, die Eschinger Kilius Bäumlers, beim grazilen Eistanz auf der Brigach. Hans Lang muss diese Ästhetik geradezu pirouettenhaft umgetrieben haben. Denn immer wieder taucht dieses harmonische Eislauf- Ballett- und Tanzsujet auf. Mit wenigen Strichen in Blei- oder Kohlestift aufs Papier gezaubert.


Beim Frauenfreund Hans Lang kommt das weibliche Geschlecht bestens und formvollendet weg.
Neben dem Eislaufsport brachte Hans Lang als Ski- und Tourenwart des TV auch die fast schwerelose Funktionslust dieses Skisportes eindrücklich zur Geltung.


Woher aber rühren die zahlreichen Pferdeskizzen und Graphiken? Hans Lang kam zwar als Militärmusiker nach Eschingen, wurde aber in der großen Kaserne zum „Rittmeister“, zum Kavalleristen in der großen Reithalle und den Stallungen. Dass das Reitturnier den Stift zum traben, galoppieren brachte, war deshalb naheliegend und fast zwangsläufig. Naheliegend war auch der Bezug zu den Musiktagen, für die er oft die symbolträchtigen Plakate entwarf. Obwohl er als Musiker nach Eschingen kam, kann man sich durchaus fragen, kam eigentlich die Musik- Reit- Eis-Sport und Kunststadt Eschingen zu ihm oder er zu ihr? Die Antwort liegt aber in der Mitte: Bei der Zuneigung zu der hübschen Eschingerin Gretel Maier, später eben „D Lange Gretel“.


Eins kann ich aber Hans Lang nicht vergessen und kaum verzeihen, es ist fast schon ein Kindheitstrauma, mein einziges, zwar leicht zu bewältigendes, verkraftbares, aber latent.
Im altbackenen Turnsaal der Volksschule hing an der nördlichen Wand ein mächtiges Gemälde, gemalt von Hans Lang in Ocker, Bleiweiss und Kohle: Turnvater Jahn wachte streng über die Schul- und Turnvereinseleven. Und dieser bärbeißige schaute einem überall nach und machte einem wirklich Angst, weil er so lebendig wirkte und einem stechendscharf, disziplinfordernd ansah. Egal ob man sich hinter Mattenbergen, Kletterseilen oder Bündeln von Rundlaufstrickleitern versteckte, immer vermieste der Alte einem den Spaß am Turnen und Spielen. Hans Lang ließ sich vom Turnvater Jahn beim malen direkt in die Augen blicken. Dieser scharfe Blick verfolgt einem immer und überall im Saal. „Turnvater Jahn is watching you“, so könnte die Bildunterschrift lauten. Viele Ex-Volksschüler teilen noch heute diese Furcht vor dem strengen Blick des deutschen Obervorturners. (Ich glaube deshalb bin ich nicht in den Turnverein gegangen, sondern zur DJK in die modernen Gymnasiumshalle ?)

Turnvater Jahn


Sprühende, rastlose Phantasie hat den musischen Malerpoeten Hans Lang lebenslang umgetrieben. Falls dieses Erzählte doch eine kleine Vita gewesen sein sollte, haben sie vielleicht abgelauscht, dass das im reinsten Wortsinn ein „Vitales“ ein „Phantastisches, phantasievolles“ Leben war. Hans Lang bereicherte die Stadt Eschingen, die Baar, die Region und machte sie noch lebenswerter, noch anregender, noch poesievoller. Er war ein stadtverliebter, ein freiheitsliebender, ein selbstverwirklichender Bohem. Verliebt in Land, Leute, Jung und Alt, in Bauwerke, Flora, Fauna, ins Ried, die Donauauen, die Baardörfer, in Bewegung, Grazie, Genüsse aller Art, Geselligkeit, Humor, Jahreszeiten, Kontraste, Pinsel, Blei, Leinwand, Papier, Styropor, in Wasser, Eis, Luft, Licht und Liebe.

Denn die Liebe zu seiner Muse, seiner Ehefrau und Mutter seiner Kinder Monika, Christel, Hans Albert, zu Gretel Maier- Lang, machte seine freie Selbstverwirklichung erst möglich.


So ein originelles Leben kriegen nicht viele fertig. Und darum:

Memento Hans und Gretel Lang


Die zwei Bilder unten von Hans Lang waren im August 2024 in Donaueschingen zu sehen:

Des isch bigott doch de Koffer

Des isch bigott doch de Koffer

De klei Brueder, 65 Johr, aber mit 1,90 de gröscht vu iis 8 Kinder, hät e Reparatur bruucht. De sunscht puddelgsund Handwerker häts beim Schneeschuhefahre uff de Ranze ghaue. Am Schulterkugellager sind ihm  paar Sehne verkaibet. De aagfresse Holzwurm hät koni Bretter oder Schpanplatte me lupfe kenne. „Das bekommen wir problemlos wieder verkabelt“, so des buchsprachlich OP Dokterle. Wo sen wieder us sinere Traumwelt uffgweckt  hond, pfiifts, sorrets und giegsets im OP wie beim Raumschiff Enterprise. Verdacht uff Schlagafall. Dass er nit wieslos word, kunnt er kuntenent uff Intensiv. Dä hond sin wieder uff d Fiess brocht und en Dachschade abgwendet. I dere Großfamilie isch jetzt aber Fiehr unterm eng glismete Familienetz gsii. Die paar Johr älter Schwester hät Rotz und Wasser bläret wie des ihrem sorgsam verhätschlete, kleinere Briederle hät passiere kenne. Bald kunnt er direkt i d Nachsorge im Breisgau. D Frau hät nit emol me reächt Ziht zum en Koffer packe. Wo der denno zuegsesse war, en hochmodische Hartschalekoffer Modell „Digital Work Station“ , isch er de Schwägerin zum Transfer is Auto gleit wore. Blederewies isch beim Zuesitze s rot Händyladekabel us em Koffer glampet. Wo aber de älter Brueder für de Bsuech e anders Auto gnomme hät wie des wo de Koffer drin war, isch s Uuglick losgange. „Wo häsch de Koffer mit de Klamotte?“ frogt de Klei. „Jegges maraie, der parkt no de Hoem a de Relaisstation, uff de andere Siite vum Wälder Wald.“ Mit de schlapprige Turnhose und em no schlottrigere  Hemdli gomer in e Stehkaffe. „Dä sind sie so Schlawacke gwähnt, bruuchsch di nit schäme wie en Rossbolle, do kennet sie iis nit“. De Kaffee und de Berliner hond mir geschmeckt, ihm i sim Uffzug nit so selli. Beim Kassiere lächlet mir d Bedienung anerkennend und friendli zue, weil ich wohlwollend und menschefreundli, gönnerhaft dem Hambis de Kako zahl. Am andere Tag bring ich de IT Koffer zum übergäe denno zum Schweschterli für Ihren Krankebsuech. Des Biebli bruucht endlich  gschieds Häs zum aaziehe.

Im Gang vu de REHA kunnt er im Schweschterli mit em gliiche holose  Uffzug vu Geschtert vergege. Nuu dass er jetzt  no e  verdlähnti Belzkappe uffhät und dicki, handglismete Socke a de hoorige Scheiche. „Jetzt do mer de Koffer uffs Zimmer und du ziehsch di aaständig aa“. „Nei, jetzt will i zerscht e Wienerli im Bischtro“. „I dem Uffzug gang ich kon Meter mit dir“. Bocksboenig war er scho immer, ihr  klei verhätschlets Briederle. De Workstation Koffer bliebt uff em Gang am Empfang stau. Wo sie zruckkummet isch de Koffer weg. Wa mer uff Flugplätz mit herrelose, vermeintliche Schwarzpulvergladene- Köffer für Fürz veranstaltet, des kennt mer jo. Bestimmt isch der Belzkappe Zottle scho vu de Aastalts- Videokameras als de psychisch labil vum Zimmer 465  verortet wore. Oe Hoffnung gihts: IS Terrorischte hond gwähnlich  koe Belzkappe uff. No isch kon Alarm  aabi gange, und me hört koe Hubschrauberknatter vu de Anti – Terrorstaffel GSG 9. De Belzkappebue, s Schweschterle

und de Schwoger rennet dorch die labyrintartig Aastalt und suechet de Koffer. Fickerig druckt us Versehne s Schweschterle im Uffzug au no zu allem Überfluss statt „EG : Anmeldung, Auskunft, Meldungen“ de Knopf „UG 2“ . Wo sich vor ihre wie vu Geischterhand s Tor zur Unterwelt, de bunkerartige, sprengstoffdämpfende Katakombe theatralisch  uffduet, stoht er einsam, schamhaft mit de knallrote Kabelfahne direkt  gegenüber a de duschtere Bunkerwand. Gspenstische Stille, kon Mensch dä dunne. En heldehafte Hausel muess ihn dä mit Angstschweiß uff de Stirn todesmutig abgestellt ha.

„Des  isch aber jetzt doch de Koffer“, schnuuft sie, schnappt die Box und nint wie ab, noch dem sie Lunte groche hät, is 4. OG, Zimmer 465 mit em Koffer.

Übrigens isch d Belzkappe, s Schlapperhösle, s verwäsche Hemdle und die uusgliehrete Wollsocke in Rotkriez- Kleidersack kumme.

Soll sich doch ebber Andersch mit dem Schlapperglumpp  schäme.

© Hubert Mauz, Unteres Bregtal, Dez. 2025 nach einer absolut wahren, aktuellen Familienbegebenheit,  bis aufs rote Kabel. ©

Vu Sternesinger

Winterliche  Brauchtumsgschicht 

Wie all Johr sind sie wieder do gsi, d` Sternsinger. Über de Huusdere hond sie : C * M * B * mit Kriede ännigmoolet. Wa des eigentlich hoasst , des wisset die wenigschte Liit hit no. Sogar wemmer die kleine Sternsinger frogt, die Buebe und Maidli meischtens vu de Minschtrante oder de Katholische Jugend, saget se meischtens „Caspar, Melchior und Balthasar“. Stimme duets zwar nit, aber e gueti Gedächnisbruck isch es trotzdem. Au Desjohr hond se ihs e Liedli vu de Heilige Drei König usem Morgeland gsunge und ihs e Guets Neis Johr gwinscht. De drei Buechstabe hond sie wieder mit Kriede a de Huusdere-Storz gschribbe und am allerbeschte war, dass sie ihs d` Stubbe mit Weihrauch iigneblet hond. Desell Guu liit denno e paar Dag i iisere „ Mansion“, i iiserm Huuswese. Vor 50 Johr hanni dem Bruuch nimme vill vermacht. Gott sei Dank hann i mi do gherig täuscht.

Me schriebbet dieselle Johr us de Fufzger. Zwische de Johr hond d`Minschtrante , aber au d` Bieble vu de katholische Jugend vu St. Marie, im Mariehuus all Dag Probe kha. De Vikar Kistler, en lange Lulatsch wo mit Hilf vume kleine Honda- Motorrollerle si Dagwerk zwischem Pfarrhuus, em Krankehuus, de Schuele und em Friedhof verrichtet hät, der probt mit iis s` Dreikönigssinge. Rolle wered verdoalt, d` Hääser und Gwänder iidoalt und aprobiert und die Liedli und Segensprich iigstudiert. Desjohr simmer gli 3 Sternsingergruppe. Wunderfitzig spannemer druf wer desjohr de Moorekönig mache word. On isch eigentlich immer scho gsetzt. En Kerli der so kruseligi Hoor hät wie ebe die Schwarze us de Afrikanische Missionsgebiet. Des wissemer well fascht jedes Johr so en Schwarze usem Kongo als Pfarrlehrbue bi iis i de Mariegmond de letzscht Schliff im katholische Pfarrwese kriegt. Dieselle 3 wo de Schwarz König, de Melchior, i de onzelne Gruppe spile mond, wered vor em Uusrucke mit ere dicke Nivea-Crem iigsalbet und denno mit Ruess iipuderet. Daß des bim Abschminke und Abwäsche e Mordsauerei war und mer d` Rescht am andere Dag i de Aadacht all no gsänne hät, hät die Attraktivität vu dere Rolle nit erhöht. Drum hät de Vikar au all Johr e Machtwort schwätze messe. Zum Glick bin i vu dere Rolle all die Johr verschont blibe. Ech war immer en suubere König.

Am Dreikönig- Mittag isches also losgange. Mit ere letschte Hauptprobe simmer, bewaffnet mit em Batterie- betriebene, elektrische Stearn, mit em Rauchfass, mit Gold , Weihrauch und Myrre im Schiffle usgschwärmt um die Frohbotschaft vum Bsuch vu de Heilige Drei König am Krippli z` verkünde. Die sind mit dem Helle Stern am Himmel gi Bethlehem an Heuschopf navigiert wore. Mit iisere Gruppe ische de Vikar Kistler mitgange, mit de zweite de Manus, de Oberminschtrant Karlheinz Stadelmann und mit de dritte de Vize- Oberminschtrant Koni Kunze. Die guete Seele vu de Mariekerch, Stadelmanne Annemie mit de Freundin und Helferin Elisabeth Zink, hond gholfe iis usztafiere, schminke und hond gugget dass mer reacht aagrschierret waret, d` Sptichli kenne hond und au alls parat ghet hond. Iiser Revier war zwische de Millistroß und de Lehe- Friedhofstrooß. De Manus hät d` Eile mit de Käfer- und Herdstrooß kha und de Kunze Koni d` Siedlung; s` Westend. Nebe de liturgische Utensilie war s` wichtigscht Gschier, fascht no wichtiger wie de helle Stern und s` Sammelbichsli , en klepprige Loaterewagge. Des war zwar nit ganz stilgerecht für die Gegend und die Ziit vor 2000 Johr. E Kamel het besser passt. Aber wo nimmsch z Mitts im Winter uff de Boor e Kamel her ? So simmer also loszoge bi Wind und Wetter. Am erschte Huus hät de Sterneträger gschellet und d` Liit hond freundlich d` Huusdere uffgmacht. Bi de Passiv- Katholische hommer d` Sprichli und d` Liedli vor de Derre im Kalte ufgsait. Bi de Aktiv- Katholische im Huusgang und bi de ganz fromme Katholike simmer i die warm Stubbe iiglade wore. De Christbomm hät denno aazunde were messe und s` Weihrauchfass hät nomol kräftig gscherret werre messe.

De Großvater im Ohresessel häts denno fascht gar nimme verschnuufet und hät beischtet und gröchlet. Manchmol hät e Maidli am Klavier gspillt, oder en Bue uff de Giege giigset und gsäget oder d` Klindli uf de Blockflöte mitspille messe. I dene Stubbe isch denno au meeschtens e Papier- Graschel in de Schatzbichs zum vernämme gsi. I dene Huusgangzeremonie häts Minzgeld zwei- dreimol klepperet und i de kalte Huusdiere – Vorführung häts ehnder noch Kupfer glunge. So feingstimmt uff Geld waret iseri Spenderohre scho. S´ hät wenig Fäll ghäe wo entweder gar nit ufgmacht wore isch oder d` Derre vor iisere Nase zuegschlage wore isch. S`näscht Johr hät mer aber wieder oder erscht reacht und no ufdringlicher gschellet. I de seltenschte Fäll aber hät`s d` Herzer doch emol erweicht. Wenn s` letzscht Sprichle vum Balthasar verklunge isch, isch die Sammelbichs oder die Schatulle ufghebt wore. De Caspar hät en Segensproch ufgsait und de Melchior hät die drei Buechstabe : C + M + B über de Huusderebalke mit Kriede ännigschgribe. Eweng ufdringlich und verlege simmer denno no still ummegstande bis d` Hausherrin no eweng ebbis zum Schneigge usigruckt hät. Der Schoklad, die Orange, Mandarine, Spekulatius, Lebkuchebretli oder Niklausmanne sind denno id Pappedeckelschachtle in Loaterewage kumme. So geg Zehni noch 3- 4 Stund war der guet gfillt. Die Füllung war de Gradmesser vum Tageserfolg und war ver iis wichtiger wie de Inhalt vu de Schatulle, Vu dem homm mir jo nint kha. De Vikar aber , der hät mit dem Schatzkäschle bim Stadtpfarr aagäe kinne. Natierli isch unter de Gruppe au e Rivalität gsi wer am meischte Naturalie und au Geld gschefflet hät. I paar Hieser isch au so um achti e Paus gmacht wore wo die güetig Hausherrin en Herdepfelsalot mit Wienerli und Kako grechtet hät zum Ufwärme und zur Stärkung vu dere usdörrte Wüschte- Karawane. A om Obet sind die Sternsingergruppe au immer no bei de Reichin vorbei, bei de Fotographin us de Krankehuusstrooss. Diesell hät iis mit ihrere rauchige, legendäre Brumbassstimm uffgstellt und ännitrapiert, dass es passt hät. Mit erem stadtbekannte Rauchstimme- Kommando : „ Lache !“ , innerlich häsch sowieso scho glachet wege dem uvermeindliche Aapfiff, hät sie des rappeschwarz Tuch hinterm grosse Plattefoto über eren borstige Riebel gleit und unter eme Blitzlichtgwitter vu gli 3 Blitzscherm isch e wunderbar Foto ver s`Album entstande. De Bue, de Xaver, wo au bei de Minschtrante war, hät ver jeden die Bilder innere Minschtrantestund mitbrocht und verdoalt.

So um Zehni sind alli wieder im Mariehuus zemetkumme. Jetzt isch die Beute vu de Loaterwäge abglade wore und Orange, Mandarine, Bretli und Schokoladtafle ufbieget wore. Die drei Karawaneführer hond jetzt akribisch die Schätz gliichmässig a die erschöpfte, daigige Reisende dorchs Morgeland verdoelt. Jeder isch mit eme guet gfillte Leinesäckli vergnüegt, stolz und zfride hoam zottlet. D` Eltere und Gschwischter hond jede Obet gschpannt uf die leibliche Genüsse gwartet und Komplimenter verdoalt. Natierli isch dehoam au fascht alles verdoalt wore. Fascht alles. Bevor i nämli dehom gschellet han und inni bi, hanni no e paar Tafle Schoklad wie e Eichhörnli i de Holzbieg und im Schopf ver knappere Ziite bevorratet und verschobbet. Wenn de no im bissige Winter amel de grösser Brueder vum Vatter usi in Schopf gschgickt wore isch zume Zoane Holz hole zum Kachelofe- Scherre, isch der manchmol mit ere Schokolad- Tafle triumphierend uftaucht und hät den Kako- Nussgenuss grosszügig zum allgemeine Verzehr verdoalt. S` Eichhörnle hät natierli nint verrote kinne woher die Tafle kunnt und schwer ufs Muul hucke messe. Und natierli hät des Hörnle sich schwer gergeret dass des Haselnussdepot vume andere plünderet wore isch. So isch scho mancher Haselnussbosche us Vergesslichkeit usme Versteck ussi gwaase. Gwunderet hät sich des Hörnli aber all, wieso de Bruder so grosszügig verdoalt hät und selber gönnerhaft nu oa gotzigs Rippli khafflet hät. Der Satan hät nämli die ander gfunde Tafle scho vor em Huus rubis und stubbis gfresse. Woni sell mol gschpannt ha, ab dert hanni kapiert dass ech immer nu oa Tafle, also onzeln, weiträumig i de Holzbieg verschobbe sot.

3-4 Tag isch des ergibig Sternsinger- Sammle gange. Und oemol, do kann i mi no ganz guet erinnere, homm mir Mariekerchler 7 000.- Mark gsammlet und hond zu de Sammelkönig vu de Diözese ghert. Sogar im Konradsblättle simer kumme. I dem Johr waret sogar mir genussüchtige Naturaljäger mords Stolz wege dem Mammon der in Schwarze Kontinent gschickt wore isch und wege dem Bericht im Diözesanblättle.
Die drei Buechstabe überm Türestock und de Guu vum Weihrauch im Huus hond sit Johrzehnte iis und iser Huss vor Schade bewahrt und segensriich gwirkt. Sogar alljohr währende de Sternsingerprobe isch iis iibleut wore dass es nit „Caspar, Melchior und Balthasar“ hoasst. Desell Fehler haltet sich au hit no zäh i de Dreikönigsgmonde. Hoasse duet er in Wohrhet : „Christus masionem benedikat“ , wa soviel bedietet, dass Christus des Huus beschütze soll.

Fer iis und villi andere gilt der Spruch gottseidank und glückseligerwiies sit langer, langer Ziit.

Jo so wars , des Buebeglick zEschinge und snächstmol verzell ich eich ebbis über die geheimnisvolle, mystische Loosdäg im Baarschwarzwald.

S` Eishuus

S’Eishuss gelesen von Maria Simon

Neilich woni ums Eishuus, um d` Eiswies und um die Zuelaufkanäl und Stellfalle vu dere Kuriosität umme gmuset bi, hät mer en Maa vu de Prinz-Fritzi Allee her zuegucket und mech au aagschwattiert :
„Sagnsemal Junger Mann, er hät tasächlich Junge Maa gsait, wat isen dat für eehn Jebäude. Keene Fenster, nur en hojes Scheunentor und mächtje Mauern mit sone Feiler anne Wände. So wat ha ick noch nie jesehen“. Ech ha mi beschts Hochdietsch usikromet i de Erwartung dass ers au verstoht. S` häts denno au einigermaasse dau. Ech hann ihm also verzellt dass des s` Eishuus vu de Brauerei sei und dennebet e Eiswies. Zertscht häter mech aagucket wie wenn ihn verseckle wet, aber s` moss bald so glaubwerdig aakumme sie, dass ers kapiert und au glaubt hät. „Dat is ja n` Ding, so wat ha ick noch nie jehöhrt un jesehn. Scheenen Tach ooch noch und nischt für Unjut, wa“.

S` Eishuus am Park z` Eschinge / 4. Eishaus 1922 – jetzt
Eishuus vu Weste

Des wann ech dem Berliner i 10 stark mundartlaschtige, trochene Sätz verzellt han, des hehreter jetzt uf Booremerisch und uusfiehrlicher.

Jeder vu iis will e scheen zapfts, guet kiehlts Pils vum Fass. Wenn de Zinke Franz vum Bergerstiebli Aafang vu de Woch mit dem Henschel vu de Brauerei s` Holzkischte- Bier, s` Fassbier und de Sprudel kriegt hät, hät er und die Brauereimanne so 4-5 Eisschibbel in Kähr abitreit. Die Bier- oder besser die Eiskutscher hond grossi Lederlappe über d` Schulter glait, dass die Saukälte vu dene Iiisschibbel nit dorch Mark und Boa gange isch. Mit Iiseklammhoocke , so Art Steigeise zum d` Issschibbel hebe, hond sie die kalt Ware in Käer abi trait. Die Schibbel waret ugfähr so groß wie die sauschwere Granitrandstäe wo de Stroossebauer Fischbach i de ganze Stadt versetzt hät. Well sie us Wasser waret, waret sie nit ganz so schwer wie selli Granitbolle. Des Iis hät ver die ganz Woch des Bier kiehl halte messe. Wenns im Summer hoass war hät de Franz e paar Schiebbel meh kriegt. Vu de Pritsche vu de Brauerei- Henschel, Magirus, MAN oder au Daimler häts all abitropfet. S` war koa Tropfbier, s waret die Iisschibbel wo halt verloffe sind. Wenn die Bierkutscher i de Brauerei glade hond sind sie no dorch d` Prinz- Fritzi Allee as Eishuus gfahre und dert, bim Iis- Moaschter, hond sie die Iisschibbel ufglade. S hät schnell gau messe und die klei dopplet Nebederre isch nu korz ufgmacht wore, dass koa Wermi vu dusse inne kumme isch. Dert drin wars au im Summer iisig kaalt. D` Neistädter hond sit e paar Johr e mords grossi Gosche well sie de erscht und greescht Gletscher im Wälderwaald erfunde und und gmacht hebet. Die Wälderdossele hond halt no nie ebbis vu de Ferschtliche Eishieser us de Johrhundertwendi ghert mit denne Eisschätz. Dert sind au mindschtens 2500 cbm Naturgletscher glege. Erscht noch dem des Winter- Iis glade war, sind denno die Bierkutsche zu de oanzelne Wertschafte zugglet.

Kiehlschränk, Kiehlaggregat oder Kiehlhieser wie hit mit Strom häts halt dämolds no nit gäe. De Bierkäer uf de Buechhalde, dert gohts mit Ufzieg granate tief abi in kiehel Lettebode, hät oafach nit des Kiehl Bier hergäe wiemers halt im Summer gern ghet hät. Dert änni hät d`Brauerei en Toal vum Bier au uusglageret. Die Verkarrerei vu de War war aber au selli ufwändig und halt au koschtschpielig. Do war natierli Natur- Iis die Lösung.

Wiederkehr Nordsiite wo de Schrägufzug (Elevator) war

Anne 1898 im Oktober hät mer sich überleit ob mer des Bierdepot, so hät de Bierkäer i de Buechhalde dämols ghoasse, in en Eiskäer ummodlet. Im Hammer, im Bregtal bim Ferschtliche Hammerwerch, hät mer en Eisweiher aalege welle. Wege de Transportkoschte aber hät mer des kheie lau. Me sieht dass au dämols des Fuhrwerche au scho dier war. Jetzt hät mer anne 1901 z` Immedinge bi de FF Maschinegiesserei en Eiskäher mit eme Weiher baue welle. Dert im Dunnedaal ischs au selli kaalt und s` Iis hät mer mit em Zug, de neie Schwarzwaldbah, gi Eschinge fiehre welle. Au des isch nint woore. 1903 hät mer de Bahhof z` Eschinge als Standort ver en Iiskäer usguckt und bi de Maschinefabrik Otto Wehrle us Emmedinge nocheme Koschtevoraaschlag aagfrooget. Die hond so e Iishuus abote zemet mit eme „ Eis- Elevator (später kummemer nomol druf wa des isch). D` Isolierung hät mer bim Bau mit Sägmähel zwischet de zweischalige Wänd usgfillt. Daß mer so ebbis guet Dämme muess, des hond die au scho genau gwisst. Des Sägmähel hät de Sägwerker Ruppert Bader us Wolterdinge glieferet und de Zimmermoaschter Hirt häts iigfilt. S` erscht Aagebot war vum Sägwerk Kromer usem Hammer. Der war aber, wahrscheinlich au wieder wege de Fracht, z` dier.

De Aastrich war, wörtlich us de Genehmigung „ Haagfarbe“ wa so vill wie hoasset wie des stinkig Carbolineum, also Teerfarb. En ziemli schwarze Kaschte inne, usse aber heal aagstriche gege d` Sunnestrahle. Imme Iishuus – Lehrbuech vu 1890 word aber vor Carbolineum gwarnt weil de stechend Guu is Iis innischlupfe dät und stinke dai und wells sichs vu de Sunne mit Wärmi uflade dät. Viel besser wär usse en Aastrich mit wiisse Kalchmilch – Farb. Der Maa hät ebbis verstande und wenn si dem gfolget hettet, hetes sie des Maleur 1919 nit khaa. Anne 1911 nämlech war die Buddi scho dringend reparaturbedierftig. Wahrschienlich war des Sägmähel wege de Nässi vum Iis vermauchet und soachnass dass es nimme isoliert hät. Wa mer ganz nei war: Z` Friedewieler, e FF- Niederlassung mit Forstamt und ere FF- Verwaltung, häts au e FF Brauerei gähe mit eme Iisweiher und eme Iiskäher im Granit/ Gneis Berg. S` Bier hät „Kloschterbräu“ koasse und isch au im Friedewielemer Kloschter, wa de Ferscht i de Säkularisierung saparalisiert hät, braut wore. Den Iiskäer- Stolle sieht mer hit no wemmer usem Ort Friedewiehler wieder uf d` Kreisstrooß ussi fahrt. Die Brauereimäeschter Noll vu Eschinge und de Pietsch vu Freidewieler hät mer 1911 uusduuscht well de Friedewielemer Pietsch amend e bessers Pils zweag broacht hät und sech mit Iis au besser uskennt hät.

Well also des Bahhofsiishuus am verricke und vermauche war hät mer scho 1909 im FF- Sennhof imme
„ Ökonomiehof „ au en Iiskäer ver de Iibergang iigrichtet. Wie mer glii no dietlicher sieht, war des Iis zum Kiehle e mords Kummedi und trotzdem aber au wechtig. 1907 hät mer nebe denne beide andere Iishieser de Platz am jetzige Iishuus, also a de Prinz -Fritzi Allee, mit iberschissigem Uushub vume Brauerei- Neibau uffgfillt. De Uftrag vers Muure vum dem neie Bau hät de Muurer Christian Weber us Briilinge griegt. Desmol hät mer d` Isolierung mit Torf aabiete lau. Wahrschienli hät sich des Sägmähl nit bewährt wie mer am Bahhofsiishuus gsähne hät. De Torf hät denno de Max Gliemann us Mannheim glieferet, man höhre und staune. Waret d`Pfohremer dämols grad nit gut aagsähne oder hond se nit liefere kinne, welle oder war vermuetlich der Torf z` wenig breeselig, ebe z` schibblig, z` boschig ? Alles isch meglich. Aber hauptsächlech hond d`Pfohremer de Torf ver sech selber bruucht dass se im Winter nit an Ranze gfrohre hond. Usserdem het mern no mahle messe dass es breeseliger, mealiger und luftiger wore wär.

D` Fa. Ohrenstein& Koppel, kurz O&K, Feld – und Kleinbahnbau/ Niederlassung Straßburg, hät de Uftrag griegt ver ebe so en „Eis- Elevator“. Strossborg war dämols Diischs Reichsgebiet. So en Elevator hät iis Bube über 50 Johr später immer no fasziniert, beschäftigt und au zume kleine Nebeiikumme verholfe. Aber au des kummt no später. Der Elevator war en Schrägufzug usre Iiseträgerkonschtruckzion wo schreeg so mit 45° a de Nordsiite vum Eishuus aagloehnet war. Er isch us de Eiswies bis iunters Dach vum Iishuus gange und dert imme Wiederkehr- Door verschwunde. Die Iiseträgerrampe hät zwei umlaufendi riesige, giegsigi Ketteme kha a denne luuter Iisedorne wie e Folter- Nagelbrett muntiert waret, hit dät mer Spikes dezu sage. Über die dorneriich Schrägbah sind d` Iisschiebbel uffi transportiert wore zum Iilagere. Die Firma O&K war ibrigens noch em Krieg bis i 90-er Johr e nahmhafte Bagger Fabrik mit eme gute Ruef für Soalbagger aber au Pionier im Hydraulikbaggergschäft. Am 10.Dez. 1906 war schomol en Ufrichtschmaus. S` isch aaznähme dass es dä z` kaalt war zum feschte. Drum hond de Zimmerpolier 3 Mark griegt, de Zimmergsell 2 mark, de Taglöhner 50 Pfennig, de Lehrling sogar oa Mark, de Muurerpolier 2 Mark, also weniger wie de Zimmermaa, und de Muurerhandlanger 50 Pfennig. So ischs imme Schpeserodel verewigt.

Bahnhof- Eishuus vu 1903 – 1911

1917 hät mer e Angebot bruucht ver neie Zuelaufkanäl und Stellfalle zum Eisweiher. Die Halbwertziite vu dene Iishieser waret selli korz. Scho anne 1920 hät d` Fa. Brenzinger us Friiborg e Aagebot wieder ver e nei Iishuus gmacht mit Elevator. Des isch die Firma die au 1909, also glii nochem Stadtbrand, die im ganze Südweschte onzigartig Jugenstilbruck z` Wolterdinge baut hät als erschti „ Eisenbetonbrücke „ in Baden. Also scho wege dem e hischtorischs Unikat. Der Ruef vu dere Ferma muess bis anne 1920 glanget haa, so dass sie im Feber 1920 de Uuftrag ver des nei Iishuus griegt hät. Gnaugnomme s` Viert innerhalb vu so 20 Johr. Desmol in „ Eisenbetonbauweise „ und mit 2 Elevatoren vu de Firma Otto Beck us Bieberach im Elzdaal. (Ibrigens war de Baumoaschter Brenzinger en Vorfahr vum Tobias Brenzinger der ufem Stadtbauamt Eschinge glehrt hät und de Sohn war vu de beliebte Eschinger Musiklehrerin Frau Brenzinger. Der Eschinger Lehrbue isch jetzt Stadtbaumoeschter z` Waldkerch) . D` Abbrucharbete vum aalte Glächter war mit drin aber d` Fundament waret „ verwertbar „. De Lohn ver de Vorarbeiter vum Neibau hät de Brenzinger mit 55 Pfennig aabote, de Facharbeiter mit 54 Pfennig und de Helfer mit 45 Pfennig. Ufschlussriech wär i dem Zemethang wa dämols s`Kilo Brot koschtet hät ? Scho anne 1919 wars Dach vum 3. Iishuus und d` Wänd so desolat, dass die Sanierung 70 000.- Mark koschtet het. Des Geld aber hät mer nit uusgähe, sondern später ebe komplett nei baut.

Ver de Neibau hät mer offesechtlich oageni Eishaus- Ing. Büros aagstellt nämlich die Firme Zangerl us München, Langeloth us Frankfurt und Arnold us Nürnberg. Ver des Ziitalter ohne Fax, Mail, Kopierer und Autobah, kaum e Telefon, ganz scheh „global“. Us dere Kummedi mit dem Sägmähel und dem Torf und Holz hät mer anscheinend glehrt. D` Wänd hät mer 1,75 m !! dick gmacht und hät domit gnug Isolation ghet zum de Gletscher s` ganz Johr z` hebbe. Desmol hät mer au den Fehler mit dere schwarze„ Haagfarb “, die d` Wermi sogar aagsuuget statt zruckwirft, nimme gmacht. D` Wänd waret ockerheal aagmolet dass d` Sunnestrahle zruckgworfe wered und geg Süde waret riesige Laubbämm wo die Iis- Kathetrale verschattet hond. Und so stohts hit no. Ziemli uubeachtet vu de Stadt- und de FF- Verwaltung, wenig äschtemiert und fascht übersehnne. Wenns nit so en Riesebolle wär hetetses bestimmt scho iber de Huufe gschobbe. Wers woass stuunt, hät Respekt dass es so lang ghebt hät und beduuret selli dass de Elevator vor so 25 Johr verschrottet woare isch. Au der Eschinger Bau hät en hohne bauliche und induschtriehischtorische Selteheitswert. Z ́ Dietschland gihts grad no 2-3 ähnlichi, aber viel kleineri Eishieser. Dieselle wered aber au als Event- Hiiser und Gaschtronomie vermärtet. Wie wärs mol mit eme Eiswiesefescht im und am Eishuus so bei minus 20° ?

E Kleinod i dere Art gihts aber au no z` Breitnau. Dert isches us Holz im Schwarzwaldstil und hoasst dert
„ Eisschopf“ statt „ Boscheschopf“, wa eigetlich genau s` Gegetoal isch. Im oane hofft mer uf Kälte , usem andere erwaartet mer molligi Wermi. Der Schopf war au amme Iis- und Brandweiher und war ver e Milchbuuregnosseschaft zum Milch, Rohm, Wii, Bier und Butter kiehle.

S` Eishuus in Eschinge mit Eiswies von Nord im Hintergrund s`Maschiehuus der FF Brauerei

Wa hät des aber alls mit iisere Jugendziit z`dond ? Viel, wie mer glii sehnnet. Wenn also de Brauerei- Iis- Moaschter Mitti November die Stellfalle am Grasellihuus ufgmacht hät und korz vorem Eisweiher die zweit au no, denno isch des Bregwasser usem Kraftwerkskanal i die gmaijet Eiswies gloffe. Je noch Keltiibroch usem Oschte häts sie kinne, dass es Aafang Dezember scho 8- 10 cm Iis dä unne ghet hät. Zum Schlittschuhe fahre hät des scho guet glanget. Dämols war mer nit so verschrocke wie hit, womer mont 15 cm daiet nit trage. Des war also die Ziit bis zum Dreikönig wo Eschinge zum Schlittschuhe – Eldorado wore isch. Die ganz Eiswies hät mer zum fahre kaa.

Eissäge Sammlung Oscar Rohr / Ewattingen ( Zahnung in Stoss- u. nicht in Zugrichtung ! )
Holzeishaus auf Eiswiese von ca. 1912 – 1920 genutzt / Fussballer auf der Eiswiese
Aafang vume „ Canale Grande“

Noch Dreikenig isch d`Fläche aber kleiner wore. D` Brauerei- Iis- Kneacht, verstärkt mit Buure us Eschinge die i de Winterruhe waret, hond jetzt die uugfähr 25 cm dick Iisschecht vum Elevator, also vum Eis- Schrägufzuug, Richtung Norde mit Iissäge ufgsäget. Die Iissäge waret wie langi Fuchsschwänz mit om T- fermige Griff a dene mer mit beide Händ ziehe und Stosse hät kinne. Des warte grobzähnigi Säge wo Zähn i Stossrichtung uusgrechtet hond. Des hät de Sinn kha dass mer i Stossrichtung säget und s` Wasser om beim Zieh nit so entgege spritzt und om nit so soachnass macht. Regelrächte Kanäl wie holländischi Grachte sind entstande. Zerscht hond sie en Hauptkanal freigsäget. Die Manne hond Eisflöß mit so 3 * 4 m mit erne grosse Blattsäge, wie grossi Waldsägefuchsschwänz hond sie uusgsähnne, zuegsäget. Jetzt hond mir Buebe en Flösser- Bohnestäcke wie die Gondoliere z` Venedig i die nasse Fuuschthändsche kriegt und hond die Iisflöß zum Ufzug gondle miesse. Dert isch mer vu dere wacklige Iisplatte abi ghoppet und isch mit de Stang wieder zu de Sägimanschaft gloffe wo de wieder e neis Floß zudoalt griegt häsch. Vorem Ufzug sind Manne gstande und hond die Flöß zu kleinere Schiebbel versäget dass mer se uf des Nagelbett vum Elevator bugsiere hät kinne und sie mit dem giegsige Schrägufzuug gmietli is Eishuus uffi gräslet sind. Im Eishuus hond anderi Manne die Schibbel zu de endgiltige „ Randstoa“ – Gressi zuegsäget und akkurat i Regal und Niesche Iiglageret. Später hond d`Wirt, aber au d`Mezger und Buure die Iisbolle in Käer gliefret griegt zum s` Bier kiehle, Worscht mache und kiehle oder ebe d` Milch und de Butter bi de Buure zum kiehle. Daß des mit dem Flöße uf dene arschglatte und gautschige Iisplatte nit uhni nassi Fiess abgange isch, wenn Pech gha häsch bisch au mol bis as Fiddle im Wasser gstande, des war natierli klar.

Schlittschuehvergniege 2014

Jetzte kummt des groß Manko vu de Unterstadt. Dä hät es ebbe koa Warmluftheitzung gähe, wie i iisere Mariekerch. Ver des hert, kaalt, soachnass und risikoriichs Fleeßergschäft isch mer au entlohnt wore. Am Mittag häsch , je nochdem wie dech aagstellt häsch und wie langs uusghalte häsch, vum Iis- Moaschter so oa Mark oder en Fufzgerle kriegt und 2 iiskaalti „Silberperle“ Schprudel. Daß des Eishuus e Rarität, e Kuriosität, e Einmaligkeit isch im ganze Südweschte, dass dert koa Gras und Schilf dorchs Iis hät waase derfe, dass de Iis- Moaschter de Wasserstand dauernd genau usmebiliere hät messe daß es guets Iis gieht, dass d` Eiswiesflächi noch dere Iis- Earn nu no halb so gross war und dass es im Iishuus au im Summer saukaalt war und dass es ver iis Buebe au im Winter ufregendi Nebeerwerbsquelle gäe hät, des dierft jetzt au ufklärt sie. Übrigens war de Eishuus und die Naturiis – Earn no bis anne 1970 i Betrieb. En Zeitzeug, de Öhler – Fritz, sait dass mer emol 46 cm dicks Eis gernet hät were kinne. D` FF- Brauerei war no die letscht gross Brauerei die so lang des guet, dicht und klar Naturiis gnutzt hät.

Jo , so war`s dämols .

Stellfalle am Maschinehuuskanal, Zuelaufkanal zu de Eiswies

Nikelaus du Butterfidle…

Donaueschingen den 27. November 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

„ Santikloos du Butterfidle………“

Aus „Mi Boor, mi Hoemet“ von Gottfried Schafbuch.
Stadt Hüfingen 1972 ; Seite 231

Bsuech vum Onkel Richard us Amerika

Uuswanderer Bsuech:

Alle zwei bis drei Johr isch i de fufzger Johr de Onkel Richard us Amerika, vu Thomastown in Ohio, um d` Wihnächstziit i sie Hoemet gi Hifinge kumme. De Kramer Richard war en Vetter vu de Motter und hät zu dere aaltiigsessene, zahlriiche Kramer- Schofbuechebloos ghert us em Hifinger Städtle.
Er war de Brueder vu de Iidde Schmid geborene Kramer, d Frau vum respektable und ehrliche, handwerklich gàachete Opel- Autohuus i de Schaffhuuserstrooss. Dene beide ihre Motter war Tante Marie, die i ihre Jugend e paar Johr z` London bi stoeriiche, englische Gschäftsliit i Stellung war. Hit dät mer on pair- Maidli sage. Drum hät sie au, so isch zmindscht gsait wore, beurteile han ichs dämols no nit kinne, ziemlich guet Oxford – Englisch gschwätzt. Und voller Stolz und Freid hät sie des mit Ihrem Sohn au gschwätz, wenn de Bue, de Uuswanderer Richard Kramer, i sinere Hoamet war. Im Städtle häts sies nit bruuche kinne, dä hät sie krottebroats Baaremerisch gschwätzt. Aber amel hät sie doch eweng hoffärtig mache kinne, wenn sie weng mit dere domols uugwähnliche Sprochkenntnis aagähe hät. Ebbe wie de Graf Koox vum Gaswerk. No hond d` Wäschwieber z` Hifinge bestimmt amel gsait: „Guck do, d` Marie wieder, die all mit ihrem hoffärtige Englisch- Krattel, aber die macht au krummi Fiess, wenn sie uff em Abort huckt“.

De Richard hät i de zwonzger Johr z` Schwenninge Uhremacher glehrt. Wahrschienli weil er vume Onkel, s kinnt sogar de Getti gsi sii, dem sie de „Professer“ gsait hond, weil er immer s` Perpetuum Mobile erfinde hät welle, aaschwattiert und dodezu aaghalte wore isch. Amend isch der Richard vu dem aagscherret wore, au den selli dipflischiessige Beruef z` lehre. Desell war nämli au Uhremacher und hät all noch eme künschtliche Aatrieb für de Webstuhl vu sim Onkel gsuucht. Der war nämli Liituch- Weber im miechtelige Untergschoss vu me Städli- Buurehuus im Süesse Winkel. Ebe vu dem Kramerhuus.

Wie s halt so isch und wies sichs testosteronmässig so ergiit, hät der Richard dä z` Schwenninge au e Maidli kenneglehrt und denno au ghiirote: D` Selma. Natierli hät sie „ Schläeker „ ghoasse, wa susch. Halt so wie sich`s für e reachti, oacheni Schwenningeri ghert. Au sie, die herzig Tante Selma, hät Ur-Schwenningerisch gschwätzt, uuverfälscht au vu ihre dezueglehrte Amisprooch und des krottebroet wenn sie uff de Boor waret, s` ganz Lebe lang.

Wo die Goldene Zwonzger am abschnappe waret und au d` Uhremacher fascht koe Arbet meh überkumme hond, sind die beide, oder au scho die drei, gi Ämereka uusgwanderet. De Ritschert II, cobaymässig uusgschwätzt, de klei Bue dürft nämlich scho uff de Welt gsii sii. Zerscht hät sich de Ritschert I in ere Uhrefabrik, bei me US- Gschäftspartner vu sim ehemalige Schwenninger Patron, mit sim zueverlässige Schwarzwälder Uhremachertalent iibroocht. „Des wa die kinnet, des kahn ich au, und Beziehunge zu de Schwarzwälder und Baaremer Uhrefabrikante han ich au“. Also macht er e oegeni Buddi uff, e „Companie“ hoasst so ebbis dä dänne. Des wisset mir Gschiedle natierli us de Cobayfilm, de Fuzzi- Hefle, vum Al Capone und de Alaska Büecher vum Jack London über d` Hudson Bay Company.

S` goht schnell uffwärts, immerhin hät de Iiwanderer Richard viel meh kinne wie nu Tellerwäsche, nämlich feinschte Zahrädli fräse, winzigi Welle drehe, hauchdünne Platine bohre und vor allem: Verkaufe, trade, promote, halt verscherble, verkimmle, verkippere. In Thomastown entstoht so e „Watch- Business“ by Richard Kreimer from Old Germany/ Black Forest mit ebe dem guete Ruef. Weil die grobe, schrundige, amend au verschossene, schrundige Cobayhänd halt oafach nit so feinfühlig, so uhremachermässig schaffe kinnet, orderet er villi feine Teil vu de andere Siite vum grosse Teich. I de Hoamet vu de Selma und vu ihm, z` Schwenninge und im Uhremacher- Eldorado im Wälderwald. Drum kunnte er mindschdens alli zwei Johr grad i de ruhigere Wihnächtsziit hoam. Mit eme Turbo- Propp Flieger groundet er denno z` Klote, verdlehnt sich dä en „Mörcidis Bens“ und fahrt uff d` Boor zu de Motter, de Schweschter und de ganze bucklige Verwandschaft.

Die hochbetragt Motter, Tante Marie, isch natierli jedesmol aagrührt, dass sie de Bue doch nomol sehne kha und dass sie wiedermol ihre gschliffe Oxford- Englisch uuspacke und vorfiehre khaa. I dere Ziit isch sie die Königin- Mutter, i de Familie aber au im Städtli. Ob sie allerdings de Bue mit sim kaugummibroete und doagige Middelwest- Ami- Englisch immer verstande hät, des bezwiefli hitzutag selli. Aber die drei, d Tante Marie, d Selma und de Richard, hond jo no e Uuswaichsprooch kha, ihr oeche, krottebroets Booremerisch.

Kurz vor Wihnächte hät er no sini Uhregschäftli z` Schwenninge, , i de Schoone, z` Triberg, z` Giedebach, im Scheewald und z` Fortwange gmacht. Vill Uhrefabrikante hond ihn scho kennt, aber doch nit alli. Sie gnitzi Spezialität war, mit dene Wälder wo nu dürftig Schuelenglisch, wenn überhaupt, gradebrecht hond uff Amerikanisch, viellmols mit Händ und Fiess, z` Kommuniziere. Es hät ihm mords Spass gmacht, die eweng hinterfotzig z` verseckle und sich stundelang absolut nit als bodeständige, alemannische Landsmaa uusgähe. Oemol hät er sich amerikanisch direkt, wortgewaltig und luut über e granatemässig vermorksete Lieferung uusglau. Kleiluut und unterwürfig hond die Fabrikäntli, die Mäeschter, die Buechhalter d` Schuld natierli uff de Kleischt, de versoffe, verkumme Dreher Basili vum Hintereck, abgschobe. Wo dene devote Fabrikler vor Hennefidligkeit nint meh a Uusrede iigfalle isch, hät sich de gross Manitou, er war werklich e mächtige Gstaalt vum Erscheinungsbild her, vor sie uffbaut, sich uffblose und gjoolet:
„Schlaanet ihm de Schuhe in Arsch !, dem Saukaib, dem verkummene Nintnutz“.
Dodemit war de Bann broche und verdatteret hond sie gmerkt, dassd er jo on vu ihne isch. Und sie sinni zueverlässige, ehrliche Wälder Gschäftsfreund. Gschäfter sind vu dä eweg no besser gloffe, fein ghölt, gspindlet, gfräst und drechslet, so wies halt die präzise mechanische und mentale Wälderuhrwerk so a sich hond.

Niklaus isch en Gute Maa………………

Weil bei uns i de Grossfamilie i de Lassbergstroos natierli am Meischte bote war, isch er am Klosetagobet, nochdem er stundelang uff em Klosemärt uff- und ab gange isch und verzelle und Sprich mit em halbe Städtli hät mache messe, denno immer zu ihs kumme. „Santa Claus“ war für ihn als Hifinger Kloose- Märt prägte, halt genetisch bedingt, der Tag, de höchscht Fiirtig im Johr. Und den hät er erlebe messe und genosse wie sunscht nint uff sim glückselige Hoametbsuech.


De Nikelaus und de Beltzenickel also waret bstellt, de Sack mit de Gschenkle für d` Kinder im Kärstägeabgang ännigrichte und de Tisch feschtlich deckt und mit frischbachene Breetli uusgstaffiert. D` Motter hät de Adventskranz aazunde und d` Fleete vu de Maidli, d` Giige vu de Motter und Noteblättli ännigrichtet. De Vatter hät de küehl Kiechlinsberger Ölberg und d ́ Gläser parat gstellt und d ́ Annanas- Bowle und die Kardamom und Zimt Breetli hond de Guu vu de Karibik und em Vordere Orient verströhmt. De „Mörcidis Bens“ mit Schwiizer Nummere hät komischerwiis scho im Linseösch aaghalte. De mächtig Onkle Richard und sie Zärtele, de Hämpfling, die klei Tante Selma, geborene Schläecker, sin uusgstige wie Staatsgäscht und dorch de pudrig Pulverschnee in Lassberg gfiehrt wore . A de Huusdere zerscht no schnell und hählinge en Kirsch mit em Vatter, halt mol konn Whysky, uffs Wohl vu de Gäscht us em Mittlere Weschte vu Ämerika und denno nint wie inni i die warm und eng Stubbe. Grossmotter Sophie, de Opa Felix, d` Gotte, Vatter, Motter und die 7 Kind mond eng zemetrucke, dass die beide Amerikaner sich wohlig i die zwei Sessel kaie lau kinnet.


Und scho schellets luut und klockehell und es morret vor de Huusdiere her: De Nikolaus mit em Bischoffstab und de Mitra, de rappeschwarz Belzenickel, dem d` Motter no schnell de Gschenklisack zutrait hät, schreitet würdevoll und furchtiiflössend i die nuu mit Kerzeliicht feierlich erhellt Stubbe. Niklaus- und Adventsliedle wered mit Flöte- und Giegebegleitung innbrünstig gsunge, Gedichtli scheu uffgsait und denno wered die Schandtate und die guete Werk vu de Kinder vum Nikelaus mit dere sonore, würdevolle Stimm, die us dem dichte, silbrige Bartgwöll hinneverrikunnt, briehwarm uffzellt und us me Rodel vu me uralte Messbuech vorglese. De Belzenikel fuchtlet manchmol mit de Ruet, mit de Schelle und em Sack. Dä inni schobbet er, noch dem er d` Gschenkle usem Sack vertoalt hät, de vorwitzig und uffsässig, aber denno doch selli verdutzt Fritzli inni und schloapft ihn in Käher abi. No bevor de Nikolaus und de Belzenickle ganz us em Huus sind, kunnt er scho wieder unneuffi und verkündet rotzfrech, dass er vorsichtshalber e Scheer im Hosesack geht hai zum de Sack uffschniede. Mit dem luute Uusruef vum Belzenickel „ Du Satansbroote, du Elende“ goht im allgemeine Hallo und Glächter der eigentlich feierlich, bsinnlich Toal vum Obet unter. Am Allermeiste waret aber die beide Amerikaner über den giffizige Soacher Fritzli „Verry amused“, wa sie im broete Hifingerisch und Schwenningerisch spassig kund dau hond. Überhaupt hät mer koe weng ebbis vum Amerikanisch uusigheert. Für mich hond die beide die reinrassigscht Mundart gschwätzt. So broat hät mer si amel nit emol vum Hifinger Mundart- Original, em Onkel Gottfried, ghehrt.
Und jetzt ruckt de Onkel Richard no mit sim neischte Nikolausgschichtli uussi:

Ganz i Gedanke a s` Uhregschäfte versunke, sei er grad vor paar Minute im uudurchsichtige Schneegstöber mit sim Mörcidis d` Krankehuusstross unneuffu gfahre. Zmols sei ihm so en lange Lulatsch mit eme verfilzete, wiisgraue Bart und eme so oafältige, rote Fasnethäs über de Weag dappet. Dem Dackel het er grad no huupend uuswiiche kinne, aber hinnedrii wär no so en schwarze Kohlsack dappet. Den het er ums Hoor no verwischt und verkarret. Wo die beide ihm denno gähwietig und uuchrischtlich hinnedri gfuuschtet und sakramentiert hetet, wärs ihm kumme: „ Des war jo bigott de Nikelaus und de Kneacht Ruprecht, leck mi doch am Arsch, hoffentlich gond die hit obet nit zu s` Mauze“.

Drum heb er s` Auto im Linseösch scho abgstellt und sei er so still gsii i de duuschtere Stubbe und het sich nit vermuckisiert, dass sie ihn jo nit erkennet und dass nit au er no in Sack kunnt wege dere fascht- Verkarrerei und er mit de Rute vum Belzenickel de Ranze voll kriegt.
Marry Christmess and Happy New Year, so klingt de Obet uus noch em obligate Schunke im Brotdoag vum Klärle und em Herdepfelsaloot vu de Gotte. Familieseelig, weinseelig, fidel und hoametseelig.

Drei König

Und nomol kunnt de Richard und d` Selma is Huus. Bevor sie z` Klote noch Drei König wieder in Flieger stieget, wend sie au no die Drei König us em Morgeland i de Hoamet verlebe.


Im Mariehuus wered vu de Müettervereinsfraue, dene Vikar, de Oberminschtrante, em Messmer und em Pfarr drei Gruppe als Heilige Drei König usstaffiert. De Schwarz König word zerscht dick mit Niveacreme iigsalbet und denno mit Ruessfarb zentralafrikanisch, rappeschwarz aagmoolet. Nu no s` Wiiss i de Auge giht en Kontrascht. De Schwarz war alljohr de Hansjörg. Amend well er eweng kanibalisch uusgsähne hät ? Zu jedere Gruppe, sie bestoht jewiehls us fünf Minschtrante i uugfähr de gliiche Grösse, ghört no de Sterneträger und de klei Kässlibue, de Bettelsack oder de mitleidig Gabe Fechter, und eme Vikar oder Oberminschtrant mit ere wiesse Kriede im Hosesack. Ganz wichtig isch au e Loaterewägeli. So gohts noch ere korze Aasproch vum Pfarr über die arme Missionskinder, de Hunger i de Welt und em Friede uff Erde i die onzelne Pfarreitoel. S` Rauchfass word vor jedere Huusdiere frisch glade, dass es jo gherig reicht und gut noch Harz und Kohle riicht, daß d` Buddi mit Weihrauch und Myrre tagelang iigneblet isch. S`goht i d` Siedlung, de Linseösch und i d Unterstadt, Käferstroos, Milligass und Eile. A jedere katholische Huusdiere word, gschellt. Me woass genau wer Mariekerchler isch. Wenn uffgmacht word, gihts e Begrüssungssprichli vum Sterneträger, jeder König sait en Segensspruch und de Spendekässlibue bettlet wehliidig um e Milde Gabe für die Arme vu de Ärmste i de Missione.

De Oberminschtrant moolet no die drei Buechstabe „ C*M*B* „ mit de Johreszahl an Kriezstock. Meischtens gihts no paar Tafle Schokelad, Äpfel, Nüss oder Bretli, die in schnell gfüllte Loaterewage innibieget wered. Die Gabe wered no am Obet im Mariehuus ganz gerecht und gliichmässig a die Sternsingerbuebe verdoalt. S` Geld im Kässli word zemetglait und a d` Sternsingeraktion vu de Diözese gschickt. I om Johr homer mol 7 000.- Mark zemetbroocht und waret die 3. bescht Pfarrei im Sternsinger- Sammle vu de Diözese. Do druff waret mir Mariekerchler mords stolz und hond de Stadtkerchler wieder mol e langi Nase gmacht.

Weils vielmol iisig kalt, verschneit, verregnet und stürmisch war, hät mer i de Halbziit bei ere vorher uusgmachte Familie i de warme Stubbe en Kako, e paar Wienerli oder e guete, dicki Suppe kriegt. Desjohr war die Uffwärmpaus bei iis im Lassberg. Dä nämlich hond scho iisri Amis uf die Drei König gwartet. Die andere Sternsinger hond scho gschpannt gucket, ob die werklich en Cobayhuet uffhond, e Marlboro rauchet und en Kaugummi im Muul ummidoaget. Die Erwartunge sind nit ii Erfüllung gange. Die hond jo uusgsähne wie du und ich au au so gschwätzt wie mir ? Nochdem die Segenssprüchle, die Liedle und die Spendesprüchle uffgsait waret, s` Kässle gfüeteret war, hond alli tatsächlich no jeder en Original- Chewinggum vum Onkel Richard kriegt.

One Dollar

Und jedem hät de Onkel Richard no ebbis persönlich i d` Hand druckt: En wiis- graue, abgriffene Schii uff dem „ One Dollar“ gstande isch und wo om de Georg Washington weise, staatsmännisch aber au väterlich aaguckt hät. So ebbis hät no kon vorher gsehne oder griegt. Nit emol i de Cobayfilm. Dä hät de Baarkeeper immer zerscht i den Golddollar bisse, bevor er dem dorschtige, verstunkene, miechtelige Cobay e gross Wasserglas mit billigem Whisky uusgschenkt hät. Daß die verkummene, vollbusige Baarwieber uff so Kerli innikait sind, isch mer lang e Rätsel gsii und erscht i de Latschi- Hormon Johr uffgange.

Mit krottebroetem Baaremerisch hät sich de Onkel Richard und Selma bei dene Heilige us em Morgeland bedankt und verabschiedet und gsait, dass er Morge au wieder in e wiit entfernt Land abreise dät, uff die ander Siite vu de Weltkugel i d` Nähe vu de, jetzt uff broets amerikansich, Naiagära Folls (Niagara Falls).

Für paar Tag war mer wege dem Ami- Onkel, em Kaugummi und dem Dollarschii de Held. Woni tagsdruff au no hoffährtig aagähe han, dass en andere Onkel au dä dänne i Südamerika, i de Nähi vu de Iquasuu Wasserfäll, die hundert mol grösser wie de oafältig Rhifall z` Schaffhuuse seiet, und dä dänne z` Brasilie lebe und missioniere dai, han ichs endgültig für Woche für die Grosskotzigkeite verschisse khaa. So vergänglich kaa Ehre und Ruhm sih. Bsunders unter Luusbuebe, unter Minschtrante, wemmers mit em Aagähe so saumässig und überzwerris übertriebt.

Erinnerung

Wa aber lang nit vergänglich war, war de Geldschii. Den han ich Johrelang in ere Schatulle uffghebt, nit iidauscht und nit verputz, vermärtet und verdummbeitlet. Ghiehtet han ich ihn wie en Schatz für Notziite und doch isch er emol verschwunde gsii. Ganz im Gegesatz zu villne Erinnerungsstückli vu Onkel, Dante, Gotte, Getti, Oma und Opa. Sogar s `Gebiss vu de Oma, d` Sackuhr vum Opa, de Finnedolch usem Norwegekrieg vum Getti, s` Glasaug und d Leica IIIF vum Onkel Wilhelm, em Brasilie- Pater, und s` Goldvreneli vum Onkel Josef han ich immer no.

D` Erinnerung aber an Onkel Richard und a d` Tante Selma, die lebt und bliibt im poesivolle, episodische Gedächtnis us de seelige und feschtliche Kinderziit erhalte.

Jo , so wars.

Trotzdem dass desell Dollarschii verschwunde isch.


Au e’Christkindle-Gschicht

5. Dezember 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

S’giit nu on Ort uf dere Welt 
Wo mir jeder winzigscht Winkel
Ganze Schare vu lebendige Erinnerunge zuewirft 
Wo jedes Plätzli i jedere Gass
Ver mich ebs Erlebts, Entbehrts, Uverlierbars isch 
Und no en Nochglanz vu dem fabelhafte,
riiche, lideschaftliche Lebe a sich trait
Daß ich als Bue do glebt han

Hubert Mauz frei nach Hermann Hesse

„e` Sechzehner- Lok“ au e` Christkindle- Gschicht

Aafang Dezember isch mer fascht jede Dag nochdem d` Huusufgabe gmacht häsch, d` Krankehuusstroß rab. Bim Zinke- Ernschtle vorbei, den häsch miteme Pfiff dorch Zai obe abi glockt. Schnell simmer mitenand über de Rothuusplatz und zum Thedy a s` groß Schaufenschter gwetzt. A dem Spielwareschaufenschter vum „Eisenwaren- Haushaltswaren und Spielwaren Otto Thedy “ häsch der denno ufem kaalte Stoafenschterbank d` Nase a de froschtige Schiebe fascht platt druckt. Hinter de Schiibe hät de Stocker , de Chef vum Lade , scho vorem 1. Advent die groß Iisebah ufbaut. Jedes Johr bisch gspannt gsi wanner Desjohr ver e neii Schlaufe dezuebaut hät und wa ver e Landschaft wieder dezue kumme isch. Amend endlich emol d` Sauschwänzli- Bah ? De Kaltebrunner- Kurt oder ebe de Stocker hond Punkt zwei s` Derli i de mit wiisse Wolke bemolte Kulisseruckwand ufgmacht und a de Trafo vu dem Wunderwerk triblet und uf Stufe „ 2 „ gschaalte. Denno isch die elektrisch Iisebah , Spur H0, mit 2-3 Züg de ganz Mittag bis in Obet inni, vu usse kum hörbar, liisli und i oe Fiddle dorch de ganz Schwarzwald und s` Voralpeland im Ring umme gloffe.

Iberal sind Liechtli und Lämpli aagange, Schranke sind wie vu Geisterhand uf und zue gange, a de Kreuzungsweich hät on Zug beim Rote Signal uf de ander gwaartet und hät en vorbeiglau. Am Bahhof hond d` Ziig ver paar Secunde ghaalte dass die Passagier, die häsch der halt Iibilde messe, uus – und iistige hond kinne. Ufem Güterwagegleis a de Rampe hät de ewiglang Gieterzug ghaalte. Milchkante usem Breg- und Brigital sind schepprig a de Milchzentale usglade wore, Langholzstämm sind vum Tiefbettgüeterwage abibolderet, Kohle und Koks isch abkippt, verwoge und abgsackt wore und Bierkischte und Bierfässer vu de Brauerei sind ufglade wore. En andere Gieterzug hät a de Silotürm vu de ZG stillghebt und Fruecht und Getreide vu de Kornkammer Boor iigfillt griegt i die Silowäge. Am Rampe vu de Franzose sind Laschtkärre und Panzer vu de Flachbettwäge abglade wore und denno sind sie is Proviantamt über die Nebegleis a de Millibruck vum kleine Rangierlökli innirangiert wore. Ufem Trittbrett vu om Wage isch en Iisebähnler mitere Karbitfunzle gstande und hät mit de Lampe gschwaiet und de Pfiefe im Muul dirigiert. De ganz Eschinger Wirtschaftskosmos isch hinter dere Schiebe uf on Blick abgloffe, real aber au i iiserm Kopfkino.


D` Kinderphantasie hät konni Grenze und konni Begrenzunge kennt. Vum Bahhof eweg sind die Züg i paar Secunde über de Ravenna- Viadukt gsorret und, ruck zuck, war er scho wieder i de Hochalpe , im Allgäu und am Voralpsee bi Füssen mit de Königsschlösser im Hintergrund. A de Kulissewand kunstvoll und märlihaft ännigmoolet. Zugspitz im Hintergrund war us Gips usmodelliert und a de Abhäng uf dene untere Blume- Matte sind Alpekühli, Älpler wo jodlet und Sennerinne wo winket gstande. Rundum Fallerhiesli im Alpestil mit Stäe uf de Dächer dass se de Storm nit nimmt. Am Ravenna- Viadukt natierli Schwarzwälder Walmdächer mit Wälderkiehli und Schwarzwälder Füchs uf de satte Woade. Gsoffe hond die a de us Staniolpapier ännitrappierte Wiesebäch, me hät die quellfrische Bächli im Ohr fermlich gluttere ghört. Rund um de Tittisee und unterm türmlebsetzte Feldberg hät die Idylle stattgfunde. On Bahhof vum legendäre „Fallerhiesli“ Bauer usem Gietebach war de Zindelstoaner Bahhof. En andere, de Konstanzer Bahhof mit dem Minarett und isern Eschinger Bahhof, die hond natierli au nit fehle derfe. Mühlräder hond sogar draiet ohni Wasser. A historische Wäldermillene und i Sägwerk hond sech d` Gatter uf- und abbewegt und suuber und akkurat hunderti vu Festmeter Diele, Bretter und Kanthölzer gsäget. Natierli hond zu dere Idylle au zwei, drei Kerche ghert und au Kapelle und Feldkriezer hond ver die Verrichtung vu de Volksfrömmigkeit uf de Höf und de Felder nit fehle derfe.

Desjohr hät de Stocker- Thedy au s` Donautal dezuebaut. De Schienebus fahrt uf s` Kloschter Beuron zue, am mächtige Gips- Petersfelse mit em Kriez obedruf vorbei, d` Burg Werewoog taucht am reachte Ufer vu de Donau uf und uf de andere Siite vum mit hohne Kalchfelse umsäumte, liebliche Wiesetal taucht au die vertroomt Burg Wildestoa uf. Und kumm isch de Schienebus imme Felsetunnel korz vor Sigmaringe verschwunde, do pforreter au scho wieder hinneferri und sorret i die topfebe Boor mit dene zahlriche Donauschlinge zwische Guetmedinge und Pfohre ummenand.

Uf de „Spanische“ Kulissewänd war de ganz Landschaftsblick vum Schelleberg feschtghaalte. Vum Berner – Oberland, zum Titlis, Säntis, de Churfirschte, über de Bodesee bis zum Allgäu häsch bildhaft und hoametkundlich s` ganz wunderschee Panorama gsänne. Erdkunde wies de Lehrer Otsche Frank nit aaschaulicher und kindgerechter und nit besser mache hät kinne.

Ab- und zue hät de Kaltebrunner- Kurt i Pause, wonner mol konni Nägel und Schruube hät abwiege und uszelle hät messe, s` Kulissederli ufgmacht und hät on Zug aaghalte und en andere renne lau. Verschiedeni Dampflocke hät er usem Lokschuppe schnuufe lau. Die Märklin- Manne hond ebs neis broocht: En Zusatz zu de grössere Dampflocke mit eme Öl wo bim Fahre fascht genauso scheen Dampf und Rauch us em Lokomotive- Kämmig uusbloose hät wie die Dampflocke wo usem Eschinger Bahhof geg Gräninge gschnuufet sind. Wenn de Glick khet häsch hät de Kurt onni grad mol mit Öl gfillt. No isch der Zug zwar vu unne über de Stromschliefer mit Strom versorget wore, aber doch fer e paar Minute unter schneewiessem „ Dampf „ gstande. Die wiiess- rot, neimodisch Diesellock, selli BR 216, und de „ Rot Arnold „ de Schienebus VB 142 wo zwische Eschinge und Villinge allfort hin und her gschleche isch, ab und zue halt au mol geg Pfohre, Giisinge und Immedinge, dieselle Dieselstinker hät er us verkaufsstrategische Gründ natierli au ufgleist.

Allmählich hond d` Pfote ghorniglet und d` Fiddlebacke waret vum Hucke uf dem saukaalte Schaufenschterbank fasch scho aagrfore. Aber de Höhepunkt, wo all Stund aagstande isch, den häsch nit verpasse derfe, den häsch no winterhert abgwetteret.

S` Krokodil, seller langstreckt, mit zwei Drehschemel usgstattet elektrisch Moloch mit wa woes ich wievill Tonne und Kilowatt, den häsch no gsenne ha messe (6 Achse, 18,5 m lang, 1750 PS, 120 t). Jetzt macht de Stocker de Lade uff, grinst gönnerhaft is Buebepublikum und lot mit ere theatralische Handbewegung am Trafo, so wie wenn en Dirgent a s` Pult goht, des Unikum, der Kraftprotz, des legendär Krokodil mit eme ewig lange und zigtausend Tonne schwere Gieterzug hinnedraa usem Hangar , useme Tunnel gleite. Majestätisch schloapft der brutal, des war dämols s`Modewort wie hit „geil“, Kraftbolze den mit Holz, Maschine, Kohle, Kies und Brauereibiertank schwerbeladene, elendlange Gieterzug ohne on Zucker, ohne on Mucks, federliicht, mühelos wie wenn`s nint wär, über die steile Schwarzwaldrampe , über s` Ravenna- Viadukt, dorch d` Triberger Kehrtunnel. Jedesmol wenn es erhabe über d` Ravennabruck schuuset, monsch jetzt krachets Vidukt zämet. So wie am End vum Krieg, wo die Nazidubbel des Viadukt i de letschte Däg im Endsieg gopfert und no gsprengt hond. Es ruuscht de Schwarzwald wieder abi und fahrt hoffärtig z` Eschinge in wichtigschte Bahhofsknotepunkt z` ganz Bade mit eme luute, lange Pfiefe ganz majestätisch ii. Jetzt glänzet d` Kinderauge und selig troomsch, dass irgend wenn emol die Lokomotive- Königin, so e gottgliichs Krokodil, au unter dim Christbomm liit. No besser wärs natierli, wenn des Schwizer Gotthard Krokodil, wa no grösser, no stärker isch wie iisers, dä unterm Wunderkerze ertrahlende Dännli liege dät. Denn sell helvetisch Krokodil muess no längere und no schwerere Gieterzüg de Gotthard uffi und dorchs Gotthardloch i d` Tschinkei schloapfe (8 Achse, 20 m lang, 2500 PS, 130 t).

No kentsch erscht reacht aagäe und d` Nase strecke und wärsch de Krokodil König. So wie de fett Lumumba mit dene Viile Wieber und em Büffelhoor- Fliegewadel als Zepter. Ob der überhaupt woass wa e Abendländisch Krokodil isch?


Jetzt word dä z` Eschinge am Güeterbahhof uff- und abgalde und so sieht mer, wa z` Eschinge uff de Boor dorch die Iisebbahne, wo vu glii 4 Siite Gleis zemetkummet, so alles bote isch. Sogar e Drehschiebe zum umdrille vu de Lokomotive, dass sie schee vorwärtsfahret und nit mit em Fiddel voruus schnuufet, hond mir do am Schienegwirr. A de Rüebäcker und de Labrante, wie des Gwann uff Almedshofer Gmondsfeld wo der Bahhof baue wore isch anne 1868. So kapiersch dass Ware, Milch, Holz und Liit vu Fortwange, vu Friborg Wii und Gmies, vu Konstanz, em Hegau, de Reichenau Obst und Salot und vu Offeborg und Kehl am Rhii Koks und Kohle do bei iis aakummt und wieder mit Bierfässer vu de FF- Brauerei belade wieder devupfufferet. Und so stohts au uf dene Aa- und Abfahrtstafle vu de Faller- Bahhofsschilder: Hamborg, Frankfort, Kassel, Lindau, Amsterdam und Köln. Des kamer grad no so entziffere. De Lehrer Pfingschtler hät halt doch reacht kha, dass mir Eschinger d` Drehschiebe, wenn nit sogar fascht de Nabel vu de Welt sind.

„Heieiei, Ernschtle, war des wieder schee, kumm, jetzt gommer zum Guetbrod i d` Wasserstroß“.
Bim Beck Nobs, dä giihts die beschte Brezeli i de Stadt, dert spendiert de Ernschtle no e Brezeli fer 15 Pfennig. De Zinke- Ernschtle hät all Geld, Penunze hond mir dämols gsait, im Sack well er zerscht i de Mamme und de Tante. Em Freili Wassmer, paar Pfennig us de Bürgerstibbli Wirtschaftkasse abfuggeret oder au mopst. Und klei weng später bettlete er d` Tante, s` Freili Wassmer hählinge au no aa. So hät er meistens s`Dopplet im Hosesack. Und manchmol bohret er au no de gross Brueder aa, desell Pils-Zapfhane – Virtuos und begnadete, berüchtigte Pilsblume – Teschter und Bier- Vorkoschter.

Im Schaufenschter vum Gutbrode- Fritz sind Schriftzüg ufbäbbet mit, kursiv, „Fleischmann“ und i Großdruckbuechstabe „TRIX“. Des „Fleischmann“ hät sich scho aaghert und glese wie wenns e Metzgerei- Maschinefabrik wär mit Fleischwolf-Worschtschnied-maschiene und Riergerät. Der Name scho isch innere ghobene Spielzeug- Iisebahn uuwürdig. Und erscht rächt no„TRIX“ : Des hert sich aa wie bschiesse, mauschle, halt trixe. Wie wenn sie om ebbis dritt- Klassigs aadrehe wetet. „Märklin“, des klingt melodisch wie Bahschienetackt, halt wie schwäbische Fleiss, Präzision, Zueverlässigkeit, Produktbräeti und Langlebigkeit. Au eweng wie „ Merlin“, de Zauberer us de Kindertraumwelt, des hersch eweng us dem Name drus ussi. Aaregendi Kinderträum stieget drum mit dem wundersame Name Merklin unstillbar i om uff.

„Siesch dä, die Schiene us schwarzem Bagelitt, nit emol Mittelstromabnehmer hond die, grad nu emol 3-4 Loke, koe Krokodil, kon Triebwage. Hubi, des guckemer nit lang aa.“ . „Guck dä, koe Bergstrecki, koa Viadukt, alles im Flache, im Ebene. Die Loke verziehnet nit emol fünf D- Zug Wäge“. „Ernschle, und statt oberschlächtige Schwarzwälder Wasserräder hond die Windmüllene wie im dupfebene Holland oder z` Holstein, Jessesmareie, so e Glump. Und guck, dä, sel TRIX– Miki- Maus Oval. E kleini, krippligi Dampflock, zwei Bregtäler Personewägeli und zwei winzigi Gieterwägeli, Ohje , Ohje, jegesmareie, so e armehiesler Bah ! Ernschtle, kumm mir gond wieder zum Thedy, zu de Märklin- Bah. Dä hond d` Schiene scho e iibauts Schotterbett und dä giihts sogar Strom- Oberleitunge“.

So gohts de halb Dezember und jetzt isch e Entscheidung fällig. A villne kaalte Mittäg häsch innere kleine, wendige, wuselige und zueverlässige Dampflock zueguckt. De Sechzehner-Lok, wie sie i de Kenner- Fachsprooch khoasse hät, well sie 16.- Mark koschtet hät. Über Johre war sie preisstabil, wertbeständig, robuscht, zueverlässig bi Wind und Wetter, halt mit legendärem Ruf. De Renner vu Märklin, de VW, de Käfer, s`Arbeitstier ufem Lokmärt, kennt mer au sage. De ganz Dezember häsch de Kassestand prüft, Kassesturz gmacht, kalkuliert, abgwoge, überschlage wa sunsch no bruuchsch und en Vorgriff, e Vorkalkulation gmacht, wa a Wihnächte no so a Zahlungsiigäng kumme kintet. S` Minschtrantegeld am Stephansdag dierft wieder so 18- 20 Mark bringe, vu de Gotte kennt en Zehner kumme, d` Oma lot au en Batz, en 5-er hoppe und andere Wünsch wie neii Schiihschue erfüllet dier d` Motter und de Vatter. De Haushalt ver s` näscht Buebe- Johr isch, ganz im Gegesatz zu de Stadtkass, meh als uusgliche und solid ufgstellt.

Am 20. Dezember, nochem 4. Advent, stürm ech mit rotgliehige Backe ufem letschte Knopf, mit Herzbumbere und ugwehnlich hohem Puls ganz ufgregt de Thedy Lade.
D` Ladeschelle macht Ding-Dong und schellet de Kaltebrunner usem Iisewarelager hinneverri. „Wa wit Bieble?“ . „E, e Se- Sechz…ehner- Lok“, stottere ech ufgregt, „ diesell BR 89.0 het i gern“.„Sapperlot, do häsch der aber ebbis reachts usigsuecht. Bisch nit du de halb Dezember am Schaufenschter ghanget und häsch der kalte Backe, kalti Pfote und e kalts Fiddle gholt ? So, So ?? Wer so viel Liedeschaft fer sie Märklin Bah ufbringt, dem gib i sie sogar ver 15 Mark. Liesli Bue, saisch es aber nähmert, versprichschs mers ! sunscht kummet nämmli alli gi fechte. Solle mer se iipacke oder kaasch`s scho nimme verhebbe bis de Chrischtbomm brennt?“ . „Iipacke bittschee, des Päckli leg i mer selber under de Bomm. Uf Wiedersähne und scheeni Wihnächte, Vergelt`s Gott, Dankschee Herr Kaltebrunner“.
„Sooo, Herr Stocker , dem Biebli hani oa Mark nooglau, der kunnt die näschte paar Johr no villmol, der isch ganz aabrennt, der bliibt Marke- und Firmetreu“. „Hond sie guet gmacht, Kaltebrunner, so kinnet mir mit dem Biebli no lang gschäfte und zemet mit dem Biebli hond mir no villi scheene Iisebah- Wihnächte“.

I dem Johr därf ech i de Mitternachts- Christmett s` Jesuskind. iigwicklet innere Persil- suubere Windel, i dere feierliche Prozession dorch die ganz Mariekerch trage. Mit ere kleine Kinder- Albe, eme Cingulum und ere Minschtrante- Stola hät mi de Messmer Klebo usstaffiert und aagschieret wie e kleis Lilliputaner- Pfärrli. De Kleischt Minschtrant vum Dienstjohr därf nämli des Christkindli zum Krippli trage. Sell hät de Zimmermaa Köpfer- Sepp kunstvoll bäschtlet, zimmeret und ufbaut. D ́ Auguschte Köpfer, sie Frau, hät dene Krippli- Figure je noch Funktion prachtvolle oder armselige Häser gnaijet und aagleit. Des ganz Krippli war fascht e stilgerechti Landschaft usem Morgeland, Betlehem, ihr Bube und Maildi, hoasst des Ort. Mit Felse, Wüschtesand, Höhle, Kameler, rassige Araber- Resser, Gstripp- Esel, Goasse, mageri Schäfli, e Kuhe und en Ochs und eme Hittli.. En Schwarzwälder Heuschopf mit tiefabizogenem Dachwalm und ere Petroleumfunzle im Gräch. So khaa de Rege und de Schnee wo i dem hoasse Morgeland alli par hundert Johr mol abikunnt, nit in Heustock fege und s` Strau und s` borschtig Hei nit vernässe und verkaibe. De Erscht aber verzeihlich Stilbruch vum hoametverbundene Zimmemaa Köpfer- Sepp. En Schwarzwälder Holzworm kha halt nit us sinnere Huut, au oder erscht rächt nit, wenns um Wihnächte goht. I sim Zimmermaas- Koleg, dem Seppli usem Morgeland, hät er nebem Kripli e helzerni Zimmemaas- Kischte ännigstellt mit ere Sägi drin, ere Bundaxt, eme Stechbeitel und eme Latthammer. Dodemit hät er no schnell bevor des Kindli uf d` Welt kumme isch us Dachlatte, vermauchete Bretter woner i dem Schopf gfunde hät, e gmietliche Krippe zemetgnaglet. De Maja hät Köpfer Auguschte en scheene , blaue Booremer Burremaidli Schorz aaglait. Der Gsell war halt au uf de Walz. Aber nit freiwillig als Handerksbursch zum s` Handwerk kennelehre wie de Köpfer i junge Johre. Er hät mit siener Maja ufreiwillig vor dem Menscheschinder Herodes vertlaufe messe. Palme us Schilf hät de Köpfer zwar stilgrecht ufgstellt, Dännli aber ufzstelle, des hät er tatsächlich grad no so mit Mühe verhebbe kinne. Sovill muen er vum Gelobte Land Palästina scho gwisst haa, au uhni Fernseh und Wikipedia. Daß aber die üppig moosgräe Landschaft us Moos, Riißnodle und grasgräe iigfärbtem Sägmeahl nit so ganz i die karg und kahl Wüeschtelandschaft passt hät, des hond sogar mir scho gwisst und gmerkt und des war de Zweit, aber au verzeihlich Griff in Ofe vum fromme und gottesfürchtige Booremer Zimmermaa und sinere güetige Frau Auguschte.

Des Christkindli – Trage i dem feierliche Umgang, dere rituelle Prozession dorch die ganze Reihe und Gäng vu de Mariekerch, war im wohrschte Sinn erhebend. De Lauber Albert hät sie Orgle jodle, pfiefe, trompete und brause lau mit allem waner ghet hät. Alli Regischter, dieselle Zugknöpf über de Taschtemanual, hät er zoge und s` elektrisch Gebläse hät de Wind, wonner bruucht hät zum des himmlisch Brause zum Erzeuge, fascht nit zämetbroocht. Do hät er mit em Oberkörper gumpe und im Tackt wiege kinne wiener hät welle, ums Hoor isch dene Bleiblech- Pfiife, dene Holzflöte und dene grosse Bass- Oferohr d` Luft und de Wind uusgange. De Kerchechor war übertönt, überstimmt und nimme zum höre. I dere entruckte Stimmung, umgähe vu Nebelschwade us Weihrauch und Myrre, vu hingebungsvollem Minschtranteschelle und em Liite vu allne Glocke im Glockestock vum Gabriel, i dem allerhöchschte Hochamt vum Johr, do warscht de Hauptkerli.

De Christkindli – Träger vu dem Johr und en wechtige Verkünder vum Christetum und de Frohe Botschaft i de Stadt und uf de Boor.

E grossi, erhebende Ehr. D` Gotte , d` Oma und d` Motter hond gschraue vor Rührung woni würdevoll mit em Christkindli i de Ärm a ihre Kniebank vorbeigschritte bin. I de entruckte Gsiechter het mer ganz bestimmt lese kinne: „Wa word des emol ver en nette, fromme Pfarr gähe“. „ Hette, Hette, Fahradkette“ (hät de Fabian Riesle mol de Sportpresse is Microfon gjublet), wenn do nit später mol der fett Fünfer i Griechisch gsi wär.

Ganz grosses Ritual und Zeremonie war des wa do jede Christmett zelebriert wore isch. Usdenkt und i paar Minschtranteprobe uf Schritt und Tritt und Haltung und Würde iistudiert vum Stadtpfarr Helmut Baumgärtner, em begnadetschte Prozessionszelebrant vum Dekanat, wenn nit sogar vu de ganze Diözöse. Unterstützt vu de erfahrene, Kopfnüss- Oberminschtrante Konrad Kunze und Karlheinz „Manus“ Stadelmann.

Ech aber, wonni s` Christkindli i die Köpfer- Krippe i dere bodeständige Schwarzwälder Ständer- Bohle Heuschier zmitte i de Wüschte inni bettet han, ech han denkt:

„Wa wär des Krippli ver e wunderscheeni, ussergwähnlichi Märklin– Iisebahlandschaft wo ech mit minere nigel- nagelneii Sechzehner Lok im ganze Morgeland ummenand schlieche kinnt

Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge. So e Glick hond iseri Kamerädli z` Betlehem nit kaa.

D` Sechzehner-Lok

Am Mittag noch de Huusufgabe
Zum Thedy bisch, i d` Karlstroß aabe
Dä häsch des gsänne i dem Fenschter dinne
Wa sooo guet bruuche hettisch kinne

Dä rennt e Iisebähnli im Ring all umme
D` Städtli Bube, alli zämet sind sie kumme
Zum troome wa fer Wünsch sie hettet
Und wa vum Christkind sie no wetet

Jetzt guck mol dert, dä wetzt e Lok
Me kennt grad monne über Stoa und Stock
Des Lökli häts mir schwer aadau
Im Mage word` es mir ganz flau

Taguus – tagii stand ech am Schiiebe
Konn Wind, konn Schnee kha mech vertriebe
Sell herzig Lökli mosch bald poschte
Do guckisch nit uf s`Geld und Koschte

Die Sechzeh Mark, die grieg ech zämme
Wenn des nit schaffsch no mosch di Schämme
Uf Wihnächte ghert die Lok no mir
Der Kindertroom isch mir nit z` dier

Am Vierte Advent, dä ischs so wiit
E Lok dä unterm Chrischtbomm liit
Die Sechzehner – Lok des isch min Troom
Vor allem ischs konn Fleischmann Kroom

E Märklin ischs, vum Schwobbe duss
Mit dere häsch halt konn Verdruss
Die sorret , rennt taguus – tagii
Und goht halt nit noch paar Dag hii

Und so erfillt sich Stuck um Stuck
En Kindheitstroom wo loot nit luck
Do glänzet d` Auge, glihjet d` Bäckli
Wenns rennt im Kreis, des keckli Lekli

Hat Glas den Ersten Weltkrieg entschieden?

Feldstecher von Uropi

1915 trifft sich ein Vertreter des Royal Empire hochgeheim an einer Deutsch-Schweizerischen Grenzlinie am Hochrhein mit Abgesandten des grossen preußischen Heerführer Wilhelm II. Vielleicht am Zollhäusle zwischen Fützen und Beggingen? Oder unterm dusteren Eichendach auf der Dissenhofer Rheinbrücke? Genau weiss mans nicht. Auf jeden Fall verkaufen die geschäftssinnigen Abgesandten von Zeiss in Jena unter Vermittlung der Gnomen aus Zürich 35.000 Ferngläser, Zielfernrohre, Periskope und Zieleinrichtungen für Kanonen an den Feind, die Briten. Das weiss man genau. Weil die Zeissianer und die Schottianer Flint- und Cronglas am allerbesten auf der Welt zu optischen Linsen verkochen und in Feinstmechanik verbauen können, das können sie noch viel besser als verkaufen, haben die Glasexperten von Wilhelm II zunächst  Trümpfe in der Hand. Wie wir später sehen werden aber auch den rappenschwarzen Peter.

Die Royal Army hat aber auch Asse im Ärmel. Denn das Empire hat vormals Kautschuk Pflanzen in Brasilien erbeutet, gemopst und in ihren Fernost Kolonien kultiviert, veredelt und in riesigen Sklaven-Plantagen ertragreich multipliziert. So wurden sie die Gummiweltmarktführer. Die Glaskunst und deren optische Optimierung haben sie und auch die Franzosen jedoch verschlafen, vernachlässigt, verlappt. So wie die Deutschen das Gummi Geschäft. Um aber erfolgreich Krieg führen zu können brauchte man für die beginnende Motorisierung Reifen, Keilriemen, Gummiplanen und Schläuche aller Art. Wie ist das nochmal mit den berüchtigten „deal makern“, die die Worte Anstand, Moral, Gewissen nicht in ihrem Brainfundus haben? Das ist nicht nur heute so, das war und ist schon immer so gewesen.

Also machten die deal maker per Handschlag und Salut folgenden Deal:

Weil wir für unser Militär keinen Gummi haben, und ihr keine Zielfernrohre, bekommt ihr von uns sofort 35.000 Ferngläser und wir viele Tonnen von Kautschuk. Vieviel Tonnen wissen wir zwar nicht, aber die Helvetischen Gnomen haben das pekuniär und physisch schnell abgewickelt. In Jena müssen die Ferngläser parat gelegen sein. Vermutlich für die Deutschen Infanteristen, Matrosen und Scharfschützen. Die dann denen natürlich zwangsläufig fehlten. Weitere 10.000 Einheiten wurden auf Abruf bestellt und später nach eiliger Produktion auch noch geliefert. Endlich konnten die Kruppianer und die Mannesmänner wieder Motoren,  Fahrzeuge, Fahrräder und Motorräder bauen, mit denen  die Truppe wieder schneller und bequemer an die Schützengräben kamen. Auf der anderen Seite lauerten aber schon Scharfschützen mit neuester Zeiss Weltklasseoptik auf mit frisch gummibereiften Zweirädern angeradeltes Gewehr- und Kanonenfutter. Auch die neuen Zeiss Marine Periskope der Royal Marines sichteten die mit neuen Ostfriesen-Gumminerzen gischtgeschützten Matrosen auf dem seefesten Kaiser (Minenschiff „Kaiser) messerscharf und zielsicher.

Es gibt Historiker die glauben, dass geniale Deutsche Glaskunst den Kriegsausgang maßgeblich beeinflusst hat. Glas versus Gummi – der Tod soll ein Meister aus Deutschland sein. Aber wie wir sehen, nicht nur aus Deutschland.

100 Jahre später und ein „L“ weniger im Wort , wird GAS statt GLAS zur kriegsentscheidenden Handelsware mit ähnlich wirkmächtigem, tödlichem Sponsoring des Aggressor.

Da sage noch einer Geschichte wiederhole sich nicht.

Zielfernrohr

Bild 1 von 9

Das Hyposkop in Beobachtungsstellung. *2


Quellen
*1Ed Conway, Material World, ab S. 58 Die Glas-Hungersnot, Glasfamin des Empire. (2024)
*2 A.König, Die Fernrohre und Entfernungsmesser, Naturwissenschaftliche Monographien und Lehrbücher. (1923)

Volkstrauertag oder Besinnungstag?

Beitrag vom 11. November 2021

Besinnendes zum Besinnungstag

Joseph Roth’s Gedanken in Zlotograd / Galizien an einem Freitag 1914:

Zwei Tage lang zog durch das kleine Städtchen noch der hartsüße, warme Geruch der gebratenen Äpfel. Es begann zu regnen. Es war ein Donnerstag. Am nächsten Tag, Freitag also, klebte die Botschaft schon an allen Straßenecken.
Es war das Manifest unseres alten Kaisers Franz Joseph, und es hieß: »An Meine Völker!«
Ich war Fähnrich der Reserve. Knapp zwei Jahre vorher hatte ich mein Bataillon, die Einundzwanziger Jäger, verlassen. Es schien mir damals, daß mir der Krieg durchaus gelegen käme.
In dem Augenblick, in dem er nun da war und unausbleiblich, erkannte ich sofort – und, ich glaube, auch alle meine Freunde dürften es genauso schnell und so plötzlich, erkannt haben -, daß sogar noch ein sinnloser Tod besser sei als ein sinnloses Leben. Ich hatte Angst vor dem Tod. Das ist gewiß. Ich wollte nicht fallen. Ich wollte mir lediglich selbst die Sicherheit verschaffen, daß ich sterben könne.
Mein Vetter Joseph Branco und sein Freund, der Fiaker Manes, waren beide Soldaten der Reserve. Auch sie mußten also einrücken. Am Abend jenes Freitags, an dem das Manifest des Kaisers an den Wänden plakatiert worden war, ging ich, wie gewohnt, ins Kasino, um mit meinen Freunden von den Neuner Dragonern zu essen. Ich konnte ihren Appetit nicht begreifen, ihre gewohnte Heiterkeit nicht, nicht ihre törichte Gleichgültigkeit gegen die Marschorder nach dem nordöstlich gelegenen russischen Grenzorte Radziwillow. Ich war der einzige unter ihnen, der schon die Anzeichen des Todes in ihren harmlosen, sogar fröhlichen, jedenfalls unbewegten Gesichtern erkannte. Es war, als befänden sie sich in einer Art euphorischem Zustand, der die Sterbenden so häufig begnadet, ein Vorbote des Todes. Und obwohl sie noch gesund und munter an den Tischen saßen und Schnaps und Bier tranken, und obwohl ich so tat, als nähme ich teil an ihren törichten Scherzen, kam ich mir doch vor wie ein Arzt oder ein Krankenpfleger, der seinen Patienten sterben sieht und der sich freut, daß der Sterbende noch gar nichts von dem nahen Tode weiß. Und dennoch fühlte ich auf die Dauer ein Unbehagen, wie es vielleicht auch mancher Arzt und mancher Krankenwärter haben mag im Angesicht des Todes und der Euphorie des Sterbenden, in jenem Augenblick also, da sie nicht genau wissen mögen, ob es nicht besser wäre, dem Todgeweihten zu sagen, daß er bald sterben müsse, statt die günstige Tatsache zu begrüßen, daß er dahingehen würde, ohne etwas zu ahnen.

Aus „Die Kapuzienergruft“ Seite 40 und 41 von Joseph Roth.

Gedenkstein in Fauske/Norge an ein von Breivik auf Üthöja ermodertes Mädchen aus Fauske

Das Psychogramm des Krieges: Einfältig-heroischen Nationalismus anfachen.

alles ummesunscht„, ein Bild Gedanken- Gang, Allmendshofen, DS, Fürstenberg, 
Mundelfingen. 

Mitte der 70-er Jahre stehe ich hinter Villingen mit dem Bürgermeister und den Gemeinderäten am Denkmal aus 
Buntsandstein für die Kriegsopfer der Gemeinde. Das Mahnmal soll einem Kanalbau weichen. 


Einige wollen es endgültig beseitigen, wenige auf den Friedhof umsetzen. Unerwartet eilt ein betagter, sichtlich erregter Mann hinzu und fragt, was hier vorgehe. „Wir beraten, ob wir das Mahnmal beseitigen oder umsetzen“ sagt der Bürgermeister. Jetzt brechen bei dem Mann alle Gefühls-Dämme. Er klammert sich an das Denkmal und weint erschütternd, stammelt herzerweichend immerzu „Wenn ihr des wegwerfet, war alls umsunscht“. Einstimmig war man nun fürs umsetzten und der Bagger schwieg. Der Mann fand zumindest wieder seinen äusseren Frieden. Was muss dieser einfache Bürger erlebt haben, dachte ich erschüttert bei der Heimfahrt. 

Donaueschinger Opfer im 1. Weltkrieg auf dem Friedhof.


Wäre alles umsonst, denke ich alljährlich im Novemberanfang, auch 45 Jahre nach diesem unvergesslichen Erlebnis? Dann, wenn wir uns nicht mindestens einmal im Jahr an diesen Mahnmalen besinnen würden? Und 
immer dann, wenn ich am Stahlhelm vor dem Rathaus Donaueschingen, der Gedenksäule mit 130 Namen Eschinger Weltkrieg-Eins Opfer, dem martialischen Kriegerhain in Fürstenberg und dem ausdrucksstarken Standbild „Trachtenfrau mit Kind, Uniformierter Mann“ am Eingangstor zum Mundelfinger Friedhof vorbei komme. 

Mühe hat man oft, bei Kriegerdenkmalen mit Heldenposen, die den Geist des Völkischen atmen. Bei diesen „Krieger“ -Denkmalen, nicht bei den Kriegsopfergräbern, denkt man schon, dass das alles umsonst war. Geht man aber betroffen vorbei an der Frau mit Kind in Baaremer Tracht in die Dorffriedhofs Kapelle und zählt die zu Tode gekommenen aus dieser kleinen Dorfgemeinschaft, erkennt man, dass das Erinnern nicht umsonst sein kann und darf.

„Gefallen“ ist ein verharmlosender begriff aus dem Geist der Heldenverehrung. Sie alle sind nicht nicht einfach nur „gefallen“, in Wahrheit sind sie Opfer. Opfer die den tyrannischsten, entmenschlichsten Verbrechern „zum Opfer gefallen sind“. Besinnung kommt auch auf, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass von fast vierzig, von ausnahmslos Allen ! eingezogenen Bauernhoferben aus Donaueschingen, kein einziger die Baar wieder gesehen hat. Es war zwar völlig sinnlos, menschenverachtend, unmenschlich, aber es hat im Nachhinein nur den einzigen Sinn: Mahnung und Warnung vor Unmenschen. Und unendliche Trauer um die unfassbar vielen Opfer. 

Eindrückliche Mahnmale und Besinnungsstätten sind deshalb nie umsonst. Das wusste und sagte uns der Mann aus dem Eschachtal. Dass man nämlich auf Mahn- und Denk- Male nicht verzichten kann. Auf heroisierende „Krieger“ -Denkmale aber schon. 
Unsere Lokalpolitiker meinen, dass wir auch in diesem feierlosen Jahr, in diesen Besinnungstagen, einen Gedanken- Gang machen sollten. 

Riebeköpf und Drachelättli

Beitrag vom 27. Oktober 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

S` giit nu on Ort uf dere Welt
Wo mir jeder winzigscht Winkel
Ganze Schare vu lebendige Erinnerunge zuewirft
Wo jedes Plätzli i jedere Gass
Ver mich ebs Erlebts, Entbehrts, Uverlierbars isch
Und no en Nochglanz vu dem fabelhafte,
riiche, lideschaftliche Lebe a sich trait
Daß ich als Bue do glebt han

Hubert Mauz frei nach Hermann Hesse
Riebeköpf und Drachelättli, gelesen am 27. Oktober 2020

Riebegäeschter:

Die letschte Däg bin i de halbe Boor umegmuuset. Ech han e Riebefeld gsucht dann i minere Enkelin, de Nora, en Riebekopf mache kaa. Gfunde hani koe onzig Feld und natierli au koa onzigi Rieb. Verdriessli bin i hoam und han iber iisri Riebeköpf- Buebeziit nosinniert. Zu allem Uglick bin i au no in en Baumärt innidappet wo`s hiefewies so uuweags und billigs Hälowiin Lumpezieg gäe hät. No war i natierli erscht reacht glade und aagscherret zum die folgend Herbschgschecht us re glickselige Kinderziit z` Verzelle.

Wemmers s` Kruut und d` Rahne im Garte geehrnet hät, mit de Gilleschapfe s` Gilleloch glehrt und im umbrochene Garte verlätteret hät und d` Buure, de Waibel , de Bächler und de Glunk, scho Loaterwäge mit de Brettersiteläde und de 13 PS Fahr- oder Kramer- Bulldöggli voll mit große, rote Riebe hoam gfiehrt hond, mit Runkelriebe, denno wars Ziit zum uf d` Riebefelder z` gau und de scheenscht, de grescht vu dene rote Runkelriebe z` saperalisiere. Me hät sech zwar e weng verduckt, aber wenns de Buur gsähne hät, hät er nint gsait. Oder sogar omm de schenscht mit om zemet uusgsuecht. Die Buure hond de uuralt Volks- Bruuch kennt, äschtimiert und sogar gferderet.

Zwei scheeni häsch der uusgsuecht, eweng putzet, s` Kruut abgseblet und unter de Ärm hoamgschloapft. Us de Kochi häsch jetzt s` scherfscht und spitzigscht Speckmesser gschmugglet. De Riebekopf uf de Spaltklotz und zerscht d` Schädeldecki vu dem Riebel eröfffnet. Uubluutig aber eweng saftig mit Zuckergschmack. Jetzt häsch ihm s` Hirn uusgschabbet mit kriezwiese Messerschnitt und eme alte Löffel. Je dinner de Schädel war umso besser, umso dorchsichtiger und gspenschtischer war er. . Ufpasse häsch trotzdem messe dass en nit verseblet häsch und d` Wand dorchbroche häsch, also en uuheilbare Schädelbroch aazettlet häsch. Vu de ibrige Riebeschnitz häsch ab und zue eweng gschlecket, aber die meischte hät de Nochbersbue ver sini d` Hase griegt; Deutsche Langohr- Riesen. Jetzt isches as Uussäge und zueschnitze vu de Auge, de Nase, em Muel und de Ohre gange. I de kretaive Iifäll waret konni Grenze gsetzt. Ob es Zacke, Rundunge, Halbmönd, Sternlifermig oder nu gradi Skalpellschniitt waret. Hauptsach eweng gruusig, gspenstisch und uuheimlich hät des Gsicht und s` Ussähne vu some Riebekopf sie messe.

Scho Woche vorher häsch bim Messmer, bi sellem guetmietige Klebo, die Kerzereschtli und Kerzestumpe vu de Altarliichtli abbetlet. Jetzt sind die Stumpe ver en heidnische Kult umgmodlet und umgoorglet wore. Nämlich ver`s Liechte und Strahle vu dene Riebeköpf. Wenn de Klebo gwisst het dass die gweihte Kerze i heidnische Riebegäeschter kumme sind, no heter mer bestimmt konni griegt. Denno d` Schädeldecke, s`Käppli, de Glatzkopf wieder druff, mit zwei roschtige Nägel gsecheret und fertig war de gruusig Riebegoascht. De Brueder und die andere Soacher vu de Strossebandi waret am Obet noch em Iinachte au fertig und parat und denno isches ab uf d` Gass zum Goaschtere gange. Zindhelzli im Sack zum

d` Kerzestumpe aazinde und denno zerscht zu de Dilgeri. Vor de Derre hommer e Goeschtergjomer und Dräese i allne Tonlage aagstimmt und gschellet. Natierli isch Dilgeri verschrocke, vergelschteret zruckgweche wenn mir mit de Riebeköpf vor ehrem Gsicht ummegfuchtlet hond. Ängschtlich hät die Fasnetnärrin gjommeret und dräeset. Aber die Alteschingeri hät des Uralt Ritual im Herbscht kennt und gern mitgspillt. Noch e Paar Minute vu dem Gschpenschtere hät sie jedem vu dene Gäeschter zwonzg- oder fufzg Pfennig gähe zum die Herbstgäeschter, die de Winter akindigt hond, zum besänftige. Jetzt hät de Winter kumme kinne, dene Wintergäschter war flatiert und sie waret güetig gstimmt. Noch vier fünf Huusderre bi de Ureschinger häsch guet e Mark zämet ghet, d` Kerzli waret au abbrennt und Stimmbänder verstimmt.

Z` fride häsch de Angscht- und Goaschter Zies usem Hosesack zelt und abgmacht, zu wem er am näschte Obet gond. Die zuegroasste Lehrer im Linseösch, die hoffährtige Beamte und die Evangelische im Hindeborgring häsch uuslau kinne. Und ver „ Giizig, giizig, giizig isch de Lehrer Lempel ….“ wars ver
d` Johresziit no z` frieh. Die Spielregle hommer scho kennt und au iighalte. Und au i Brauchtumssache waremer Basis- uusbildet und honds respektiert.

Noch dene paardägige Riebegäeschter- Umgäng isch de Riebekopf is Fenschter gstellt wore und jede Obet aazunde wore. So Aafang November warer verdrochnet, lummelig, rappeschwarz vum Kerzeruess und die vergnieglich Riebekopfziit war wiedermol ver e Johr umme.


Drachelättli

Noch dem Bombe Summer isch all no kon onzige Herbsstorm iber d` Boor gruuscht. Und ech han au no kon onzige Papiervogel, nei, hit sind die jo us Plaschtik, am Himmle gsänne. Drum muen i mi zum schwätze und verzelle über de ander groß Buebe- Herbschtbruuch fascht scho eweng zwinge.
Wenn ebe de erscht Storiax vum Spanneberg und Brielinge her i d` Stadt inni pfiffe isch, denno häsch gwisst: Jetzt mosch drag au, jetzt mosch ebbis bäschtle. Denno bisch noch de Huusufgabe glii zum brummlige aber güetige Nochber, zum Zimmermaa Wilhelm Rudolf gange. „Herr Rudolf, kennt emer e paar Drachelättli haa, so 2-3 Meter ver mech und de Brueder“

„Hergottsack, jetzt war de Heitzmanne- Christof und de Lohre Ginter scho do und hond gholt. Moss zertscht gucke wanni no do han. Nei, bigott, die hond alls wa no do war scho abgschwartet. Aber wells ihr sind werf i d` Sägi schnell no aa und säg e paar. Bruuchet aber gar nit monne, dass er nomol kumme kinnet und monne, dass er nomol grieget. Wenner`s wie s` letzt Johr vermorkset oder de Drache devu fliegt i d` Bämm am Buechberg, no giihts konni meh.

Noch paar Minute waremer freidig- stolze Besitzer vu de beschte und liichteschte Drachelättli i de Stadt. Und umesunscht waret se au weil au de Rudolfe- Wilhelm den Drachfliegerkult vu de Eschinger Buebe kennt hät und er ihn friehner beschtimmt selber au zelebriert hät. Gond emol i d` Baumärt und kaufet 3 Meter feinschte Lättli. Erschmol sind sie zum heale Fidle uus nint und zweitens sind er ruck- zuck 20 Euro los. De näscht Gang war zu de Kuttrufe – Wieber i de Krankehuusstroß zum Drachepapier kaufe. Die beide Schriebwaregschäfts – Wieber, Josefine und Agathli, hond uf de Herbscht e Kontingent Drachepapier poschtet. Dinn, liiecht, meglichscht riisfescht, dorchsichtig und i verschiedene Farbe. Me hät nu Drachepapier sage messe, wieviel Böge und wa fer e Farb. Die gädrige, aalte Wieber hond Bscheid gwisst. Uhu- Kleaber und den no nit gängige Tesafilm hond sie glii gar nit aabote, well sie gwisst hond, daß do e koschtegünstigi Spezial- Mischung zum Iisatz kunnt. Also Lättli und Papier häsch.

Fehlt no d` Dracheschnur. Die Letschtjährig hät der Motter zum Gschenkli iipacke verschaffet. Also wieder zum e wiitere Nochber. Nebet iis isch de bescht polnisch Schuemacher i d` Garage vum Metzger Willi iizoge. De Stanislaus Biskupski. Dem homer wieder, wie scho im letschte Johr, erklärt dass mer de bescht, de dinscht, de sterkscht aber au de liichtscht Spaget bruuchet. Und nit nuu so paar cm wie ver en Schuhe – flicke, sondern ver jeden vu iis gli so 50 !! in Worten Fufzig Meter. E ganze Rolle. „ Jey, Schwarze Madonna von Zenschstochau, Madam Mauz, die beide Bubbe brauche soviele Zwirn, wie, oh- jegges , so i bekomme Miete nite zemme, kann i rabota wie i welle, ver diese Geier-Metzger , diese Raubvogel Willi, also, do habbe zwei Relleli, aber nächste Jahr i habe kein Schnurr meh, Jesu un Maria un Josip“

As s ` näscht Johr hom mir no nit denkt. Haupsach me hond ver des Johr s` bescht Matrial zemet.
D` Motter hät de Kochidisch rumme messe und jetzt sind zwei Kriezer us de Lättli vum Rudolf exakt zemetverschniert wore. Wechtig war dass sie i de „ Woog „ waret. Uf des Holz- Grischt isch jetzt s` Papier gleit wore, exakt zuegschnitte und: Mit dem aagriehrte, ufem Ofe eweng aagwermete Meahlpapp am Lattegstell und de rundum Abschpannung aabäppet wore. De Wadel vu dem Drache war e au e Stuck Spaget vum Biskupski a dem so 6-10 Krepp- Papierreesli, so wie a de Hozigbämli wo Kränlzimaidli bindet, aabunde waret. Des war vers Kurs halte wechtig. Jetzt isch `s as „ Tuning „ gange , as usmebiliere , as uustariere vum Drache. I de Queri und i de Längi hät er so millimetergenau usgwoge sie messe wies hitzudag nit emol die ufs Hundertstell baute Airbus sind. Wertarbet halt.


Jetzt hät d` Kunscht aber erscht aagfange. De Wind hät stimme messe und de Startplatz und natierli s` Wetter. Wenns grenglet hät war`s nint. Suscht wär de Mealbapp glii vertloffe und z` Schwer vu de Nässi wär er au gsi. Die Eschinger Drachmeteorologe hon genau gwißt wo`s am beschte war, und bei wa fer Wind. De Spanneberg war fascht immer guet well de Süd- Wester dä guet bloose hät. Und ganz frei glege war der Wiese- Buckel au no. Nit so iberbaut wie hit. Aber de Transport dorch die halb Stadt und dorch die Revier vu dene neidische, feindliche andere Bande- Revier, d` Käfersträssler, d` Eilemer, d` Vorstädtler und d` Spannebergler war lang und hoakel. Wenn a de Vorstädler- Haudege kampflos vorbei waersch.
häsch` s fascht scho gschafft. Iiser Hauptrevier vu de Oberstädtler aber war am hechste Punkt vum Buechberg, hinterm Lazarett. Bim legendäre Bunker. Dä, a dem luftige, freie Buckel, hät de Wind vu allne Siite kumme kinne und pfiffe, egal woher, windtmässig wars dä immer „ brutal guet „ wie mer dämols statt „ geil „ gsait hät. Dä häts all Ufwindkha. Aber alls kamer halt nie haa. Dä dobbbe waret nu Fruecht- Herdepfel- und Riebeäcker. Und zum Drachestiegelau, zum Starte, hät mer dämols no Renne messe wie en Haas. Und jetzt renn emol als kleine Hoseforzer dorch und über die Forrene und Fruechtäcker. Nit emeol d` Stoppelkenigin vum Markgrönninger Schäferlauf wär do iber die Forrene kumme uhni dass es sie uf d` Schnorre ghaue het. Wa hät do de Bruder gflucht und sakramentiert und Schimpfwerter ussigjohlet wenn de Klei wieder inere Forri glege isch und de Drache im Storzflug wie e Stucka abidrudlet isch. So sanft wie hit war min greesere Brueder dämols nit. Nit ummesunscht war er als Iisefueß bekannt. Wie vielmol isch die Übig mit eme Totalschade oder eme Totalverluscht uusgange.

Denno war e Gjohl und e Gschroa am Buechberg und ufem Hoamweag a de Riviera endlang, dass ech mir gschwore han: „ S` näscht Johr kann er mi am Arsch lecke und gucke dass er en andere Dubbel als Starthaas findet, aber nimme mit mir ! Ech gang mit mim oagene Drächli an Neberweag, dert bloost de Wind zwar nit so guet und immer nu vu hinne und villmol Fallwind oder vu de falsche Siite, aber s` hät dä nu guet gstrigleti Wiese womer wetze khaa wie en Satan und de Drache selber uffibringt und de Gnuss denno ganz aloenig hät“.

Wenn aber de Vogel immer höher und höher in Himmel gstige isch und dä e halbe oder gar oa Stund hin und her am hupfeliichte Spaget vum Biskupsky gschauklet und federliicht gschwebt isch, bespannt mit em gute Drachepapier vu de Kuttruffe – Wieber , zemetbbeppet mit de oagene Meahlbappmischung und mit de Rudolfsche Präzisionsdrachelättli; denno war die Buebe- Seeligkeit uuibertroffe und alli Flüech, Verwünschunge und Jähzornschräe waret vergesse. Und de Entschluss isch feschtgstande:
S` näscht Johr word de Drache no greeser, de Spaget no länger und die Flugziite ewiglang, usizoge bis zum Betzzitliite.

Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum ….?

Drachelättli

Jetzt guck mol dert, dä lupft`s en Scherm Khoa Wunder ischs bei some Gsterm Hit Mittag Schuel, des wär e Päch
Mir holed Drächli rab, vum Gräch

Im letzte Johr hom mir paar baut Mit allerbeschter Drachehaut
Mit Spaget nu us feinstem Gspinn So fein wie fascht nu Siide sinn

Wenn Lättli häsch so liicht wie Zunder
Und nit wie seller Bauhaus- Plunder
Die giihts halt nu, vu dem khaschs haa
Vum Rudolf- Wilhelm , em Laßberg- Zimmermaa

Die Drachehuut vum Kuttruff Läddli Vum Rudolf beschte Dracheläddli
De Stanislaus spendiert de Spaget
De Meahlbapp griehrt, nuu nit verzaget

Do stieget Drächli hoh und hecher
I allerhegschti Himmelsgmecher
Am Regeboge kräslet die no nuf
So liicht wie wenn er bricht konn Schnuf

Me sots nit glaube, jo saprament
Jetzt isch er scho : am Firmament !
Es bruucht nit vill, nu Meahlbapp und Papier Zwoe Lättli und, halt sauguets Gschnier

No glihjet d` Buebebacke rot und schee Au uhni Facebook, T ablet und PeCee

Da non dimenticare i massacri nella Val Grande.

Das Massaker von Beura Cardezza

Unter den Verurteilten befinden sich Mamma Teresa, der Partisan und Carabinieri Cesare Badella, Handwerker, der zwanzigjährige Arbeiter Otello Mapelli, der trotz seiner Gehbehinderung ein mutiger GAP-Kämpfer aus Intra ist, der aufgrund der Denunziation eines gefangenen Faschisten verhaftet und von den Partisanen befreit wurde, es sind auch Guemino Aini, Francesco Femminis, Pierino Lamperti, Luigi Macchi, Bruno Passerini und Carlo Sacchi, die während der in der ersten Junidekade begonnenen Razzia gefangen genommen wurden. Der Lastwagen mit der Ladung der Verurteilten, umgeben von Milizionären und Nazis, wird von einem zweiten Lastwagen mit Nazis gefolgt. Die beiden Lastwagen fahren auf der Straße von Sempione und halten am Rande einer Wiese zwischen Beura und Cosasca. Zuerst steigen die Nazis aus dem zweiten Lastwagen aus, dann werden die Verurteilten aussteigen gelassen, gefolgt von den Schergen aus dem ersten Lastwagen. Die Opfer tragen die Spuren der Gewalt im Gesicht. Mamma Teresa und acht mutige Ragilizi, die trotz der Folterungen nicht geredet haben, stehen nun nebeneinander vor ihren Henkern.

SENTIERO TERESA BINDA

Die Beteiligung der Frauen
An der Resistenza nahmen etwa 35.000 Frauen teil, von denen 2.750 erschossen wurden und 15 die Goldmedaille erhielten. Diese Daten militärischen Ursprungs geben jedoch keinen Aufschluss über den größeren Kreis der geheimen Aktivitäten, der Solidarität und der Zustimmung zum Kampf, der stattfand. Den Frauenschutzgruppen, die 1943 im Norden entstanden waren, um im Rahmen des Kampfes des gesamten Volkes für die Befreiung des Vaterlandes die Rechte der Frauen zu erringen, schlossen sich 70.000 Frauen an, aber diese Zahlen müssen multipliziert werden, wenn man die weit verbreitete Beteiligung berücksichtigen will

Ihr Sohn Gianni Saffaglio erzählt:
„Die Gruppe, bestehend aus etwa vierzig bewaffneten Männern und dreißig Gefangenen, marschiert über Alpe Brusa, Bosarasca, Bocchetta di Terza und Alpe Viccio nach Pian di Sale, wo Mario aufgrund der beiden Bunker an der Straße die Männer nicht weiter in Richtung Gridone ziehen lassen kann und daher beschließt, nachts anzugreifen, nachdem er die Straße von Finero gesperrt hat. Etwa siebzig Männer schaffen es, die Straße zu passieren, darunter auch die Gefangenen, die kurz darauf freigelassen werden.
Im Tannenwald bleiben etwa zehn Männer zurück, darunter ich (Gianni Saffaglio) und meine Mutter, die einem Bergbauern anvertraut wird, der sie nach Finero begleitet.
Ich, Gianni, blieb allein zurück und erreichte die Almen von Falmenta. Nachdem ich eine kleine Gruppe von Partisanen gefunden hatte, darunter meinen Freund Tavilla, ging ich mit ihnen weiter bis nach Velina.
Meine Mutter kehrt hingegen einige Tage später nach Suna zurück und wird dort in ihrem Haus von einer Gruppe Faschisten der „Brigata nera” verhaftet. Sie wird zur Scuola Quasimodo in Intra gebracht und sofort verhört, um herauszufinden, wo sich ihr Sohn, der Partisan ist, befindet.
Das Verhör dauert lange und sie wird sogar gefoltert, aber sie legt kein Geständnis ab. Nach einer Woche Haft in den Klassenzimmern der Quasimodo-Schule wurde sie in das Gefängnis von Domodossola verlegt. Am 27. Juni 1944 laden die Deutschen sie zusammen mit acht weiteren Gefangenen aus denselben Gefängnissen auf einen Lastwagen und bringen sie nach Beura Cardezza, wo sie zusammen mit ihren Kameraden erschossen wird. Nach ihrem Tod werden an ihrem Kopf mehrere Blutergüsse sowie Schwellungen am ganzen Körper festgestellt, die Folge der erlittenen Folterungen. Die Faschisten kamen auch zu unserem Haus in Suna und plünderten Wertgegenstände und die gesamte Haushaltswäsche: Das Haus wurde leergeräumt. Am 25. April 1945, dem Tag der Befreiung, kehrte ich zu meinem Haus in Suna zurück und fand nichts mehr vor: Ich hatte nur noch die Kleidung, die ich am Leib trug.

Finero

Luogo del Sacrificio die 15 Partigiani. Fucilati da Nazi Fassisti il 23.06.1944
Luogo del Sacrificio di 15 Partigiani. Fucilati da Nazi Fassisti il 23.06.1944.
Ort der Ermordung von 15 Partisanen. Am 23.06.1944 von den Nazis erschossen.
Ort des Massakers an einer Wand der Kappelle
Ort des Massakers

PARTISANEN-MÄRTYRER
erschossen in Finero am 23. Juni 1944

BARBAINI Luciano nato a Milano il 10.11.1923
BARLASSINA Giuseppe nato a Milano il 09.03.1923
CRESCINI ALOISI Mario nato a Ghedi il 19.09.1925
LANTERI Sebastiano nato a Avola il 11.11.1907
MARTINELLI Mario nato a Suna il 24.10.1912
PASETTI Olindo residente a Tradate
PATERNOSTER Serafino nato a Mechel il 29.04.1906
PEZZOTTI Pietro nato a Bolgari il 31.07. 1924
RICCI Gaetano nato a Samarate il 17.09.1914
ROVEDA Pasquale nato a Milano il 02.04.18
TURATI Luciano nato a Affori il 26.09.1925
ZIGLIANI Giuseppe nato a Intra il 18.12.1922
N. 3 Partigiani ignoti.

Gedenkort für die Freiheit im Piemont
PARTIGIANI MARTIRI fucilati a Finero il 23 giugno 1944 BARBAINI Luciano nato a Milano il 10.11.1923 BARLASSINA Giuseppe nato a Milano il 09.03.1923 CRESCINI ALOISI Mario nato a Ghedi il 19.09.1925 LANTERI Sebastiano nato a Avola il 11.11.1907 MARTINELLI Mario nato a Suna il 24.10.1912 PASETTI Olindo residente a Tradate PATERNOSTER Serafino nato a Mechel il 29.04.1906 PEZZOTTI Pietro nato a Bolgari il 31.07. 1924 RICCI Gaetano nato a Samarate il 17.09.1914 ROVEDA Pasquale nato a Milano il 02.04.18 TURATI Luciano nato a Affori il 26.09.1925 ZIGLIANI Giuseppe nato a Intra il 18.12.1922 N. 3 Partigiani ignoti.


Memento Laureta Thedy vom 2. April 2021

Me sott immer nuu über des schriebe, was om grad troomt oder wa om grad dorch de Kopf sorret

Frei noch Thomas Hürlimaa

Memento Laureta Thedy, gesprochen von Maria Simon am 27. Mai 2023

Memento Laureta Thedy, gesprochen von Hubert Mauz am 2. April 2021

De Thedy Buur i de Milligass

Augschtal im Augsbord, im Lysthal im Herbscht 2020

Wieso stand ich a me Samschtig im September 2020 um 11:00 uusgrechnet zwische villne Truuergäscht uff em Kirchplatz im Lysthal , z Gressoney- St. Jean ? Zwische „Bergetal“, wie d Walser saget, i me nördliche Siitetal vum Aostatal, vum Augstal dorch des die gwaltig Dora Baltea rauscht. Dere dunnderet acht wiietere wilde, bärige Bergbäche zu, ebe au die Lys. Die kunnt vum Lyskamm, dere hochgebirgs Bergkette zwischem Matterhorn und em Monte Rose, de höchste Berg i de Alpe. D Walser saget dene Täler , dem Hauptal vu de Dora Baltea „Augschtbord“, „ Über de Grenz zum Augscht“ zum Augustus. Denn dä hond d Römer, hauptsächlich de Kaiser Augustus, de Augscht, s zweit Rom, im gwaltige Alpeboge baut. Augusta Prätoria mit Stadtmuure, Torböge, Triumphböge und eme grosse Amphietheater. Vu dä uus sind sie über de Gross St. Bernhard is Wallis, an Genfer See und gi Alemanie wiiter zoge. Des Tal isch s onzig wo vu drei Siite vu de höchste Alpeberg umzinglet isch. Im Süde mit 4050, im Weste mit 4850, im Norde mit 4500 und 4600. Nu im Oste hät sich die kraftglade Dora Baltea en Uuschlupf gege s Piemont, gege de Po uusbohret.


Mir stond zwische em mit Arkade überdachte Kriitzweg, i die Nischeböge vu de Kirchemuur kunstvoll uusgmolte Leidenswegbilder, und em Haupportal vu dere grosse Bergkirche. S Isch d Abdankung, wie mer uff walsertütsch sait, vu de Laureta Thedy, mit 62 verstorbe im Spital z Aosta, Aotonome Regio Aosta, die kliescht Region z Italie. Früher hät s au mol zu Savoye ghört.


Eigentlich homer zerscht i die südliche Täler vum Aostatal welle. Gi Pont, is Val Savaranche, is Val Grisanche, is Val Rhemes und gi Cogne. Spontan us em Buuch simmer doch zerscht is Lystal. Wer über de Gross St. Bernhard in Süde, in Weste oder Oste fahrt und nit mindschtens en dreiviertel Tag z Aosta ummemuuset, dem kam er nimme helfe. Südliche Flair mitte i de Hochalpe, e römische Kultur, e Händler, Säumer- und e Savoyardische Metropole, des gihts nu do. Überall Umberto Uno, Garibaldi, Margeritha vu Savoye und de Rei di Caccia, de Herzog Vittorio- Emanuele vu Savoye. Natierli die römische Kaiser, die Bersaglierei, die Freiheitskämpfer und Widerstandskämpfer. E uugwöhnlich Bella Italia.

Um 10:00 halte mer noch eme guete Freiluft- z Morge kurz vor Issime, z Eisschemme uff Wallisisch, am Ortschild. Aha: Eisschemme, mir sind richtig. Kurz denoch kunnt de Friedhof, dehinter d Kirch und s Wäschhiesli, d „Piasa da Weschi“, uff Tütsch. Devor en Kinderspielplatz, vill Holz, aber au vill Plaschtik. Ganz so guet wills nit zu dem spirituelle Ensamble passe. Aber iis vergrootet meischtens i dene Sache no vill meh. Dorch e gross , schees , zweiflueglichs Schmidetor betrete mer de Kirchplatz. Gegenüber vum Portal isch im Weste en Arkadegang mit eme überdachte, kunstvoll uusgmolet, plastische Kreuzweag. Vor em grosse, helzerne Kirchetor schaffet e ältere Frau, en junge Maa und e uugfähr 50-jährige Frau am Blumeschmuck ver d Sunntigskirch. Zaghaft guck emer zue. „Buon giorno, parlare Tedesco e Walser- Dütsch ?“ frog ich i die Gruppe. Die älter Frau verschwindet glii und diitlich abweisend dorch s Tor uff de Friedhof. De jung Maa verschwindet gruesslos i de Kirch und die Frau sait zögerlich, reserviert : Jo, sie dät Walserisch schwätze, könnt aber koe Schriftdietsch. Scusa. Mir verzellet ihre uff iiseri gemeinsame, alemannisch Mundart iiser Aalige. Daß zwische 1730 u. 1780 vill Uuswanderer und Händler us em Lystal zu iis uff d Boor uusgwanderet seiet und dä sesshaft wore seiet. Uugläubig und überrascht, allmählich ufftauend, sait sie, dass sie des no nie ghört het. Ich frog sie noch paar Näme, Eschinger Näme, wie Bury, linthy, Bastrenta, Lerch, Bieler, Lischgi und Thedy. Bei Thedy wird sie grührt, jo die Näme dät sie alli kenne. Do am Aaschlag nebem Kirchhofiigang dät e Plakat hänge: D Laureta Thedy wär grad mit erscht 62 Johr z Aoschta i de Oncologie gstorbe. Cancro, Brustkrebs. Wieder hät der uuheimlich Wuchersatan sie Ernte iigfahre und de Marito Roberto zum Witwer gmacht. Mir bedanket iis und gond uff de Kirchhof. Dä neschtlet die ander, die älter Frau uubholfe, betroffe, verängstigt, vergelschteret aber doch aadächtig am Plastik- Bluemeschmuk vor em Mahnmal vu de zahlriiche Weltkriegshelde vu dem kleine Eisschemme , de Widerstandskämpfer, de Bersaglierei und de Soldate rum. Vill Männer, vill z vill, us dere Walsergmeinschaft, wie sie dem Ort saget, sind dä vereewigt. Mir honds verstande, scuas cara Nonna. Mir Tedesci verdrucket uns still und demutsvoll is ander Eck vum Friedhof. Zu de Lerch, Bieler und Thedy.

Raimondo (7) e Ruggero (12)

Und nomol weremer bis is Mark erschütteret. Am Rand vu dem Spielplatz , vu dem „ d` Chinnumattu“ uff walisisch, vu de Kindermatte, stoht e Bronze- Kindersculptur. Sie stellt de Raimondo und de Rugero dar, 7 und 12 Johr alt, sind die zwei „Stelle“ , die zwei denkwürdige Stern vu Issime, vu Eisschemme. Uff de Bronzetafel kam er lese, dass sie am 7 Dezember 1943 z Issime gfange wore sind, als Jude entdeckt wore wäret, und vu do dorch halb Europa verschleppt im Vernichtungslager z Ausschwitz am 26.Februar 1944 umbroocht wore sind. De Vater war bei de Entsetzung vum Aventin und de Befreiung vu Issime, vu Eisschemme debei. De Schlusssatz sait, dass mer über den Fall guet nochdenke soll. Au des homer noch de uumissverstänliche Verhaltensweis vu de Nonna verstande und sind erschüttert und beschämt gi St. Jean is wild Tal unterhalb vum Monte Rosa hinderi gfahre.

Denkt homer: Wie unmenschlich, menscheverachtend, prall vu hässlichstem Rassehass und barbarisch muess mer sie, waret uuzählige Vorfahre vu iis, dass sie kleine Kinder bis i die hinterschte, abgschiedenschte Winkel vu Hochgebirgstäler verfolgt und i Vernichtungslager verschleppt und massehaft vernichtet hond. A de Gedenktafel und de Skulptur die im Februar 2009 uffgstellt wore sind, sieht mer, dass i so abgschiedene Täler mit so wildentschlossene Bewohner Wunde lang nit verheilet. Des sieht mer au im einsamste Bergland Europas, im Val Grande, wo a de Friedhofsmuure Näme vu de junge, uffgstöberte, ermordete Freischärler verewigt und verehrt wered. D klei Berg- Regio Aosta hät au en seltene Adelstitel.

Sie hät die Goldene Tapferkeitsmedaille vum Staat griegt, weil sie e Zentrum vu de Resistenza gsii isch. Jetzt verstoht mer des abweisend Verhalte vu de Senjora vor em Wiederstandsdenkmal no besser.

Memento Raimondo e Rugero, Scusa, wa für e Schand, wa fer e Barbarei.

Abdankung

Uff em Parkplatz vu St. Jean im Lystal gihts fascht konn Platz. Wa word au do los sie ? Wo mer i paar Schritt an Dorfplatz und an Kirchplatz und an Kirchhof kummet stoht alls voll vu aadächtige Gresoneyer. I de Kirch isch konn Platz meh und e Trauerfeier word über Lautsprecher uff de Platz vor em Kirchportal und dem ähnliche Kreuzweg- Arkadegang wie z Issime übertrait. Glii zwei leere Liicheauto, en VW – Bus wie e Kapelle uusgstattet und en stromlinie Jaguar Nobelliichewage stond uff dem Platz. ́De Sarg stoht i de Kirch im Mittelgang. Jetzet erscht entdeck ich die gliiche Traueplakat wie z Issime mit de Todesaazeig vu de Laureta Thedy. Mir sind uusgrechnet a d Beerdigung vun ere Thedy im ferne, versteckte Lystal groote. Genau am reachte Tag , zu de reachte Stund und am reachte Ort.


E selli entfernt Verwandte vu iiserm Eschinger Thedy Clan, vor wahrscheinlich 250 Johr, also 10 Generatione, vum Lystal im Augstbord uff d Boor uusgwanderet, vollendet ihre irdische Wanderung und wandert uus, so isch a de fromme Aaschläg abzlausche, in e neue, andere Welt. Eweng kummer iis vor wie die heimliche Abgsandte vu de regional und genetisch kaum no Verwandte us Eschinge. Au des berührt. Wie fascht alles i dem Tal: Die gwaltig Bergwelt, die Wassergwaalt, de Überlebenswille vu de Liit, de Uuswanderermut, die Wanderkrämer Uusdauer und die körperlich und geistig Zähigkeit und Frömmigkeit vu dene Walser, mit ihrem Nationalheilige, em Theodul, em Thedy. Und Theodulpass hoesst au der schneebedeckt Hochgebirgspass zwischem Mattertal und em Augsbord, em Lystal, der scho vill Drame erlebt hät.


Au uff dem Kirchhof begegnet mer dene Eschinger Iiwanderernäme us em französiche Savoyen, em italienisch- romanische – ladinische Augstal und de alemannische Walsergmeinschaft.


Finale am Talend:

Natierli momer no gi La Trinite, as Talend vu dem Lystal. Dä wo s Tal gege Norde vum moolerische, scharfkantige, schneeüberwächtete Lyskamm abgschlosse und verbarikadiert word und im Nord- Oste vum no sperrigere Monte Rose. Des Walserdörfle liit uff eme Schwemmkegel vu de Lys und dä stoht e andere, e künstliche Muur. E breitgstreckt Hotel versperrt de Talgrund. S “Hotel Busca Thedy“. Grau, verbliche, e Abbild vum Thomas Mann sienem Zauberberg Sanatorium. Es muess mol e grosse Vergangeheit ghet haa, des Nobelkurhotel. Tempora mutandur. Dass des so isch, des erfahremer wieder uff em Kirchhof. Bestimmt oe Viertel vu de Gräber hond Thedy Näme. Appolonia, Fritz, Clothilde, Bruno, Antonia und Eugenio und ville anderi Näme. Familiegräber a de Muur und Mitte drin e hoffährtig Thedy- Mausoleum. Dä muess en ganz bsundere Thedy, nebem Hotelie- Patron, verewigt sie. En Fritz Thedy der z Biella hochaagsehne gsi sii muess. Es sieht noch eme Dichter oder eme Glehrte uus, verrotet e Brozene Schrifttafel.



Noch dem Tag war de erneut Bsuech i de gwaltige, wilde Gran Paradiso Täler zwar au no paradiesisch, aber die emotionale Iidrück usem Lystal waret oefach nit zum übertrumpfe. Wa fer e Woch.

Als Wunderfitz- Reis war die Fahrt scho aagleit, aber dass sie so uuglaublich iidrückliche, gheimnisvolle Erlebnis broocht hät, war nit zum erwarte. Und dass Eschinger Eschinger so berührend troffe hond, macht des alls no uuvergessener aber au verzehlenswert us de verschiedenste, erwänhte Gründ.

Jo so wars , Und: loset halt emol zue, bevor is doch no vergiss.