Festschrift Gausängertag 1924

Festschrift Gausängertag 1924

27. Mai 2024 1 Von Hannah Miriam Jaag

überarbeitet – Originalartikel vom 26. Mai 2022

Die ersten 14 Seiten der Festschrift wurden mit Trankribus transkribiert und von mir mit Anmerkungen bebildert. Der Text der Festschrift ist in schwarz, meine Anmerkungen in blau oder (kursiv).
Wer weiß, wo sich die Fahne befindet oder hat ein Foto dieser?

Die vorliegende Festschrift wurde im Auftrage des Gesangvereins Liederkranz verfaßt.
Es sei dies vorweg gesagt und damit betont, daß das Schriftchen keinerlei Anspruch auf schriftstellerische Vollendung macht, sondern diesbezüglich um weitgehendste Nachsicht bittet. 
Auch ist eine erschöpfende Darstellung der Geschichte des Hüfinger Liederkranzes leider nicht möglich, da ein Teil der Vereinsakten bei dem im Jahre 1897 stattgehabten Brande des Gasthauses zur Sonne in welchem sich zu jener Zeit das Vereinslokal befand, zerstört wurde.

Es gab in Hüfingen mehrere Gasthäuser zur Sonne. Hier ist wohl die um 1815 von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) neu erbaute an der Schaffhauser Straße gemeint, sie befand sich in der Nähe des Sonnenkreuzes und des Sonnenbrunnens und ist 1897 abgebrannt.

Skizze vom Sonnenbrunnen von Peter Albert


Unsere Festschrift verfolgt auch noch einen anderen Zweck. Sie soll unseren jetzigen und künftigen Mitgliedern ein Ansporn sein, das, was die Alten schon vor Mitte des vorigen Jahrhunderts gegründet was sie erstrebt und erwirkt, in ernster Zeit erhalten und erweitert haben, in treue Obhut zu übernehmen und als heiliges Vermächtnis zu betrachten. Wir können das Andenken unserer Gründer und verstorbenen Mitglieder nicht besser ehren als dadurch daß wir fleißig und treu auf unser Ziel losstreben, nämlich unser herrliches deutsches Lied immerfort zu hegen und zu pflegen.

Im Bauernkrieg 1525 wurde Hüfingen von den aufständischen Bauern unter Anführung des Hans Müller von Bulgenbach eingenommmen und trat sodann förmlich in das Bauernbündnis ein, mußte aber diese Stellungnahme nach der Niederwerfung des Aufstandes bitter büßen.

Häßliche Schatten warf auf die Geschichte des 16. u. 17. Jahrhunderts auch die Hexenverfolgung, denn schon im Jahr 1613 wurden in Hüfingen viele Hexen verbrannt, darunter 7 ehrbare Bürgersfrauen, welche durch Intervention des damaligen Geistlichen insofern begnadigt wurden, daß sie erst enthauptet und dann auf den Scheiterhaufen gelegt wurden. 

1631-1632 fand der abscheuliche Hexenprozeß gegen den fürstlichen Registrator Tinktorius statt. In den Jahren 1622 und 1628 herrschte in Hüfingen eine große Hungersnot und erreichte der Nahrungsmangel einen solchen Grad daß viele Arme beim Wasenmeister (Abdecker) um Fleisch bettelten.

Einige Jahre später, 1632, hatte Hüfingen im Dreißigjährigen Kriege vieles zu leiden. Im Oktober genannten Jahres hatten die Hüfinger den Kaiserlichen Beistand geleistet und sollte sie der württembergische Oberst Rau dafür züchtigen. Mit 5000 Mann zog er vor das Städtlein, solches zur Übergabe auffordernd. Die Beamten eilten auch aus der Stadt und taten vor dem Obersten einen Fußfall. Die Bürgerschaft aber wollte von einer Übergabe nichts wissen und während die Beamten mit dem Feinde unterhandelten, fiel aus der Stadt ein Schuß in die Reihen der württembergischen Soldaten. Darob sehr ergrimmt begannen diese wutentbrannt den Sturm, erbrachen das Tor, nahmen die Stadt im ersten Anlauf und richteten unter den Bürgern ein furchtbares Blutbad an.  Auch wurde die Kirche ausgeraubt und gegen 1000 Stück Vieh hinweggetrieben. Aber auch im weiteren Verlauf des Krieges hatte Hüfingen Schlimmes zu erdulden; bald quälte es der Feind bald der Freund dazu wütete auf’s neue eine Hungersnot und als im Jahre 1633 auch die Pest viele Einwohner dahinraffte, war die Stadt entvölkert und zerfallen. Kaum hatte sich die verminderte Einwohnerschaft ein wenig erholt, als neue Kriegsstürme auch wieder neue Leiden und Lasten brachten.

Ludwig XlV. König von Frankreich, schickte seine Heere von 1673-1678, von 1666-1698 über den Rhein. Auch in Hüfingen fehlte es in dieser Zeit nicht an Durchmärschen, Einlagerungen, Winterquartierungen, Brandschatzungen und anderen schweren Kriegslasten, wodurch die wirtschaftlichen Verhältnisse abermals schwer darniederlagen. Im Jahre 1775 erbaute der damalige Herr von Hüfingen Fürst Ferdinand von Fürstenberg-Meßkirch ein Schloss, das heute noch steht in welchem das Fürstl. Fürstenb. Landesspital untergebracht ist.

Ferner wurde im Jahre 1775 auch das damals für die fürstenbergischen Lande in Schwaben neuerrichtete Zuchthaus erbaut, deren Räume heute das vom Caritasverband geleitete Knabenheim, Mariahof, beherbergen.

Als zur Zeit der französischen Revolution 1796 Moreau, von Erzherzog Karl verfolgt seinen Rückzug durch den Schwarzwald nahm, erlitt Hüfingen wiederum eine Plünderung. In dem sog. Russenwinter 1813-1814 forderte der Typhus viele Opfer während ungeheure Durchmärsche der Verbündeten stattfanden.

Zur Zeit der Volksbewegung im Sommer 1849 war sämtliche Artillerie der revolutionären badischen Truppen, auf dem Rückzuge vor den hessischen Reichstruppen begriffen, in Hüfingen anwesend.

Im Jahre 1850 wurde das Bezirksamt Hüfingen nach hundertjährigem Bestehen aufgehoben und nach Donaueschingen/ der Residenz des Fürsten von Fürstenberg, verlegt.

Geschichte des Gesangvereins “Liederkranz” Hüfingen.

Motto:
Teure Heimat, traute Baar,
Deutsches Lied pflegt immerdar.

Hüfingen mit seiner bedeutenden geschichtlichen Vergangenheit war stets eine sorgsame Pflegestätte der Musik und des Gesanges, dieser idealen Güter des von höherer Macht verliehenen Volksvermögens, wo für, um nicht weiter zurückzugreifen, das vorige Jahrhundert so manche Anhaltspunkte gibt. Wenn auch Landwirtschaft und Gewerbe die Hauptberufe der Bürger bildeten, so machte sich im Verhältnis zur Größe und Bedeutung des Platzes auch höheres Wissen und Können in reichstem Maße erkennbar, denn aus den Familien Gleichauf, Heinemann, Schelble, Reich, Seele und Schrenk sind Männer hervorgegangen, deren Schaffen und Wirken weit über die Grenzen ihrer Vaterstadt Bewunderung erregten und deren Werke fortleben werden.

Auf dem Gebiete der Tonkunst waren es der Fürstl. Fürstenb. Hofmusiker Ambros Schrenk, der sich als Klarinettvirtuose bei der f. f. Hofkapelle einen bedeutenden Namen erworben hatte und der hervorragende Opernsänger Joh. Nep. Schelble, welcher in Berlin, Wien und Frankfurt a. M. wegen seinen künstlerischen Leistungen ganz besonders gefeiert wurde.

Johann Nepomuk Schelble Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

Der F. F. Hof in Donaueschingen unterhielt nebst einer berühmten Kapelle ein Theater, wozu bei großen Aufführungen dann und wann männliche und weibliche Sangeskräfte aus Hüfingen beigezogen wurden. Unter den Staats und f. f. Beamten befanden sich stets lebensfrohe junge Leute. 

All diese Momente haben die Liebe zu Musik und Gesang stets wach gehalten und mögen ohne Zweifel dazu beigetragen haben, daß Hüfingen unter den kleineren Städten Badens eine der ersten war, in welcher ein Männergesangverein in’s Leben gerufen wurde.



Es ist nicht unsere Aufgabe, die Geschichte des deutschen Männergesangs unserer Festschrift einzuverleiben, doch wollen wir kurz anführen, daß sich im Jahre 1808 auf Anregung “Zelters” von der Berliner Sangakademie der erste deutsche Männerchor, die Zelter’sche Liedertafel abzweigte. Zelter ist als der geistige Vater des norddeutschen Männergesanges zu betrachten, während der Schweizer J. Nägeli, der Gründer der süddeutschen Männerchöre ist.

Dem Beispiele Berlins folgten bald eine ganze Reihe anderer Großstädte unter diesen auch Frankfurt a. M. im Winter 1826-28. Hier war es der obengenannte Joh. Nep. Schelble der Gründer und Dirigent des heute noch berühmten Cäzilienvereins, der aus Herren dieser Gesellschaft die Frankfurter Liedertafel in’s Leben rief. Schelble war ein treuer Freund Zelters und stand s. Zt. im Mittelpunkt des gesamten Musiklebens der Stadt Frankfurt, die ihm bis in unsere Tage ein treues Andenken bewahrt hat.

Nachdem schon vorher der Männergesang in engerem Kreise gepflegt wurde, trat man im Jahre 1844 an die Gründung des Gesangvereins heran, wobei sich die Herren Gleichauf, Revellio und Rombach besonders verdient gemacht haben. Die Zahl der ausübenden Sänger belief sich damals auf 15, worunter auch Amtsphysikus Dr. Würth, Ehrenbürger der Stadt Hüfingen war, der erst im Jahre 1905 in Freiburg i. B. als Neunundneunzigjähriger zur ewigen Ruhe gegangen ist.

Medizinalrat Dr. med. Fidel oder Fidelis Würth (geboren 1806 ? gestorben 1905 in Freiburg), Großherzoglicher Physikus, verheiratet mit Anna Hasenfratz etwa 1847. Ein Sohn Stefan (27.12.1848-27.12.1848). Mehr gibt das Sippenbuch und die Chronik nicht her.

Die Statuten des Vereins welcher sich gemäß §1 zur Aufgabe stellt, den Gesang in der hiesigen Stadt und der Umgegend nach Kräften zu veredeln und zu verbreiten, sowie auch mittelbar das gesellige Verhältnis zu heben, wurden erst am I8. Oktober 1845 festgelegt. Diese wurden von 44 aktiven Mitgliedern unterschrieben, ein Zeichen, mit welch’ großer Begeisterung die damaligen Bürger dieser idealen Bestrebung zugetan waren.

Aber auch weitere Kreise der Bürgerschaft würdigten den jungen Verein, indem sie ihm Mittel an die Hand gaben, um die Anschaffung nebst Volksgesängen auch klassischer Musikalien zu ermöglichen. Nebst der Pflege des Gesangs wurde auch stets für geselliges Zusammensein durch Wagen- und Schlittenfahrten Sorge getragen.

Einen großen Eifer zeigte der Verein im Jahre 1845 durch Veranstaltung eines Wohltätigkeits-Konzertes, bei welchem 234 Gulden eingenommen wurden und durch Beteiligung am 2. Hegauer Sängerfest in Engen, sowie am großen Gesangswettstreit in Schaffhausen im darauffolgenden Jahre, bei welchem der Verein einen silbernen Becher nebst Urkunde als Preis erhielt.

Die bekanntesten Namen außer den obenerwähnten Gründern sind: Hofmusikus Flaig, Forstinspektoren Ekart und Gebhard, Lehrer Neumeister und Aktuar Bühler. Auch unser größter Hüfinger Kunstfreund und Kenner Lucian an Reich würdigte den damals entstandenen Verein und gehörte demselben als Ehrenmitglied an. 

Nach dem Ausscheiden des 1. Vorstandes und Dirigenten Gleichauf trat an dessen Stelle Oberlehrer Rombach. Nach der Versetzung Rombachs scheint der Verein für die Leitung Mangel an geeigneten Personen gehabt zu haben , da bis zum Jahre 1860 Tätigkeit und Aufzeichnungen fehlen. Der sich anfangs der 60er Jahre von neuem aufraffende Verein wurde alsdann von Oberlehrer Martin Brugger geleitet die alte Gemütlichkeit wurde wieder wachgerufen. (In jener Zeit gehörte das vor einigen Jahren verstorbene Ehrenmitglied Altbürgermeister Wilhelm Krausbeck als einer der eifrigsten Sänger dem Verein an.)  Musikinstrumente wurden angeschafft und Gesangverein und Blechmusil zu einem Vereine gebildet. Nebst privaten Stiftungen des damaligen Bürgermeisters Jakob Bausch wurden dem Verein von der Stadtkasse für Mitwirkung bei den 3 Kirchenfesten jährlich 25 Gulden überwiesen. Auch wurden wiederholt im Schloßgarten in Donaueschingen Konzerte veranstaltet.

Kurz vor Ausbruch des 70er Krieges wurde Oberlehrer Brugger nach Konstanz versetzt. Während des Krieges lies der Verein seinen im Felde stehenden Mitgliedern 15 Gulden verteilen und ebensoviel übergab er dem Frauenverein für die Verwundetenfürsorge. 1871 wurde Fridolin Dufner ein ehemaliges Mitglied des F. F. Hoforchesters Dirigent des Vereins. Am 8. September 1878 nahm der Verein an einem Sängerfeste in Konstanz teil. Nachdem seither der Dirigent zugleich die Vorstandsstelle wahrzunehmen hatte, wurde im Jahre 1879 erstmals ein Vorstand in der Person des Ferd. Fischerkeller gewählt. Dafür daß der Verein in guten Händen lag, spricht die Genauigkeit der Anmeldungen aktiver und passiver Mitglieder, die stets auf schriftlichem Wege zu erfolgen hatten. 

Das Vereinslokal war bis zum Brand 1897 das Gashaus Sonne. Diese wurde von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) erbaut. Sein Sohn, Matthias Fischerkeller (18.2.1820-6.6.1893) übernahm die Sonne und später eins seiner 11 Kinder: Ferdinand Fischerkeller (15.03.1845-?1899?)

Zum Vereine zählten in jener Zeit unter anderen: Josef Fischerkeller, Matthäus Riegger, Karl Schelble, Valentin Bromberger, Emil Heinemann, Bürgermstr. Julius Faller, Richard Schelble, Adolf Eisele, Adolf Martin, Rudolf Riedlinger und Josef Moog.

Aus dem Jahre 1880 befindet sich das erste gedruckte Programm bei den Akten. Mit dem Austritt des Fridolin Dufner wurde Ferdinand Fischerkeller Dirigent, und Bürgermeister Julius Faller 1. Vorstand. Unter Leitung dieser beiden bewährten Musikfreunde entfaltete der Verein eine rege Tätigkeit mit bestem Erfolg. Leider gingen dem Verein durch den Brand (1897) der Wirtschaft zur Sonne Aufzeichnungen aus jener Zeit verlustig und auch das ziemlich um fangreiche Inventar erlitt beträchtliche Einbuße. Darunter befanden sich die Fahne aus dem Jahre 1866, ein Podium, Musikinstrumente, Musikalien und eine originelle reichhaltige Garderobe. Im Jahre 1866 war Ludwig Schmid Vorstand dessen Stelle Josef Martin von 1902-06 einnahm. Nach dem Austritt des Dirigenten F. Fischerkeller,  welcher im Jahre 1899 erfolgte, trat wieder eine Pause ein bis 1909 wo Josef Heinemann die Dirigentenschaft übernahm und Adolf Sulzmann 1. Vorstand wurde, dem drei Jahre nachher Jakob Müller folgte.

Während des Krieges setzte die reguläre Tätigkeit des Vereins aus indem der Dirigent, der auf dem Feld der Ehre den Tod gefunden hat und eine erhebliche Anzahl der Mitglieder unter die Fahnen gerufen wurden. Die Zurückgebliebenen wirkten in jener Zeit bei einigen Feierlichkeiten mit, wobei in dankenswerter Weise Oberlehrer Bach dirigierte.

Durch die Beteiligung an der Empfangsfeier für die heimkehrenden Krieger am Stephanstage 1918 wurde Veranlassung gegeben, den Verein neu ins Leben zu rufen. Durch den Vorstand erging an sangeskundige Herren eine Aufforderung dem Verein als aktive Mitglieder beizutreten. Diese Aufforderung schlug nicht fehl, denn schon bei der ersten Veranstaltung unter Leitung des neuen Dirigenten Hauptlehrer Ferd. Frei zählte der Verein gegen 50 aktive und über l00 passive Mitglieder. Im Jahre 1920 wurde Adolf Müller 1. Vorstand. Durch die anerkannten musikalischen Kenntnisse des Dirigenten und dessen zielbewustes energisches Vorwärtsstreben kam der Verein bald zu neuem Aufblühen. In den letzten Jahren kamen nebst Männerchören auch gemischte Chöre und Männerchöre mit Orchesterbegleitung durch die hiesige Streichmusikgesellschaft zum Vortrage, welche die Kritik gut überstanden haben. Auch wurden einige Operetten gegeben, welche den besten Anklang fanden und auch von auswärtigen Besuchern stark frequentiert waren. Tatkräftiges Eingreifen des Vorstandes in die übrigen Vereinsgeschäfte trug dazu bei, daß der Verein auf einer vordem noch nicht erreichten Höhe angelangt ist.

Am 2. Juli 1922 beteiligte sich der Verein an dem Sängerfeste in Bonndorf und erhielt dort in heißumumstrittenem Wettsingen la. mit Ehrenpreis im erschwerten Volksgesang.

In der jetzigen schweren Zeit hat der Gesangverein das Bestreben, seinen Mitgliedern wie auch der Allgemeinheit durch die edle Sangeskunst Gelegenheit zu bieten neben all’ den Tageslasten und Gedanken über Vergangenheit und Zukunft auch von Zeit zu Zeit einen wärmenden Sonnenstrahl in das Innere eines Jeden dringen zu lassen denn Gesang erfreut das Menschenherz und jeder nach höherem Ziele strebende Mann wird im Gesang ein Ideal finden.

Hüfingen,  im Mai 1924 Josef Bausch, Altbürgermstr.

Foto von Karl Schweizer

Die Fahne des Vereins.

Wie oben erwähnt, wurde die sich jetzt im defekten Zustande befindliche Fahne im Jahre1846 beschafft und genau 20 Jahre später die Fahne, welche beim Brande des Gasthauses zur Sonne zerstört wurde.

Der Verein sah sich daher veranlaßt, im Hinblick auf das 80jährige Stiftungsfest eine neue Fahne zuzulegen, mit deren Anfertigung das Kloster Gengenbach, welches in diesem Industriezweige bedeutenden Ruf besitzt betraut wurde.

Die neue Fahne.

Die vordere Seite der Fahne ist in ihrer Grundfarbe dunkelgrün, trägt eine im Goldton gestickte Lyra, das Symbol des Gesanges, welche mit Lorbeerzweigen, dem Zeichen des Ruhmes bekränzt ist. Der in die Lyra eingestickte weise Schwan deutet auf das alte deutsche Lied hin, das durch unsere großen Meister der Dichtungen festgehalten worden ist. Die Deutschen haben im Mittelalter ein sinniges, ausdeutendes Verhältnis zur Natur gehabt.

Das Volk sah in der Natur Vorgänge, welche in allen Arten liebenden, segnenden, neckenden oder Verderben bringenden Vorkommnissen geheimnisvoll in das Menschenleben hineinragten. So gewann damals der Schwan bei unsern Vorfahren einen Platz in verschiedenen Formen u. a. auch für den Gesang. Als Darstellung des deutschen Liedes, sowie zur Versinnbildlichung der Stärke des Mannes zieren Eichenzweige mit Eicheln die Fahnenecken. Die hieran angeflochtenen Bänder tragen die Worte:

Teure Heimat, traute Baar,
Deutsches Lied pflegt immerdar!

Die Rückseite hält als Grundfarbe amarandrot. Auf den ersten Blick erhält der Beschauer von dem Bild den Eindruck des Heimats- und Vaterlandsgedankens. Ährenbündel in Bändern in den vier Ecken verkörpern die ährenschmucke Baar, welche sich an die Höhen des Schwarzwaldes anschließt und dieser hier durch einen leichten Tannenzweigenkranz angedeutet wird. Daran schließt sich ein Schriftband mit der Aufschrift, “Liederkranz Hüfingen 1844-1924”ferner sind zwei Sternkreuze eingefügt um unsern Herrgott nicht zu vergessen, in dessen Obhut wir gestellt sind.

Durch ein leicht gehaltenes, in das Schriftband verschlungenes Bänderarragement in badischen Farben wird ein aufgerolltes Pergament mit dem Stadtwappen aus dem Jahre 1477 als Fahnenbild getragen. Nach dem Fürstl. Fürstenb. Arkundenbuch Band Vll erscheint das gewählte Wappen auf einer Urkunde des genannten Jahres, ist also geschichtlich das richtige Stadtzeichen unserer Vorfahren. In Silberstickarbeit auf tiefblauem Tatschenschild als Untergrund, sowie dem fahlgelben, geschlitzt, aufgerollten Pergament erhebt sich der viereckige Turm mit Türmchen (das Wappen markant hervor, gleichsam uns an unsere Stadtgeschichte und Altvordern ermahnend.

Altherkömmlich sind die Stadtfarben “Blau- Weiß” oder in der Heraldik “Blau-Silber”. Das in ruhigen Farben stilvolle Bild gibt der Fahne durch das Festhalten an dem heraldisch/ geschichtlich Nichtigen einen wirklichen dokumentarischen Wert, ehrt hierin die Vergangenheit und ehrt die Gegenwart indem darin die Verehrung zum Vaterlande, sowie die Liebe zur Heimat niedergelegt ist. 

Die Fahne wird aber auch der Zukunft zur Ehre gereichen, solange und so oft sich die Sänger Hüfingens um ihr Wahrzeichen zur Verherrlichung des deutschen Liedes versammeln.

Karl Moog. Bürgermstr. Hausach.