Hieronymus Kapitel 4
Da die Texterkennung unglaubliche Fortschritte gemacht hat, habe ich den Podcast mit dem Text ergƤnzt. Der gesamte Hieronymus liegt seit 2023 auch in Textform vor. Vorlage war die von Lucian Reich überarbeitete Auflage, die er zu Lebzeiten nicht mehr verƶffentlichen konnte und die 1957, von der Heimatzunft Hüfingen als Band XII der Schriftenreihe des Kreises Donaueschingen, unter groĆem Aufwand von Dr. Johne, verƶffentlicht wurde.
Da der Hieronymus-online sich auch der Barrierefreiheit verschrieben hat, werde ich ab sofort die einzelnen Kapitel durcharbeiten und die einzelnen Bilder im Hintergrund für Menschen mit Sehschwächen beschriften. Die Beschriftung kann mit Screenreadern ausgelesen werden.
Viertes Kapitel in unserer Podcast Reihe, gelesen aus dem Hieronymus von Lucian Reich:

>Johann Peter Hebel
Die Schule – Neben- und LieblingsbeschƤftigungen
Die Tage, wo die menschliche Gesellschaft noch keinerlei Ansprüche macht an das sorgenfreie Naturvölkchen auf den grünen Inseln der Kindheit, sind schon vorüber. Die Schule, jene unvermeidliche Pforte, durch welche der Weg ins tätige Leben führt, wartet schon auf die Pflichtigen. Groà und klein eilt herbei, um die Samenkörnlein in sich aufzunehmen, die ihnen der Lehrer heute hinstreuen wird; aber auch, um jetzt schon die ersten Sorgen und Geduldsproben des Lebens kennenzulernen.
Allgemein herrschten zur Zeit unserer ErzƤhlung SchulzustƤnde wie etwa heute noch in England oder Amerika, d. h. den Eltern war es vergƶnnt, ein gewichtiges Wort mit dreinzureden, indem sie – ohne Schulzwang – auch bestimmen konnten, in welchen FƤchern sie ihre Kinder ausschlieĆlich unterrichten lassen wollten.
Auf dem Lande schulmeisterten in der Regel Leute, die, schwƤchlich oder verkrüppelt, zu Feldarbeiten untauglich waren. Aber wie solche Menschen nicht selten geistig desto mehr entwickelt sind, so finden wir in der Tat unter den Schulmeistern der früheren Zeit manchen ganz tüchtigen und prakti-schen, wenn auch nicht methodisch gebildeten Mann. – Es unterrichtete eben jeder nach seiner Art. Für Schulbücher wurde wenig Geld ausgegeben; jedes beliebige Buch, der Kalender oder irgendein fliegendes Blatt diente den Kleinen zur Leseübung. Erst spƤter wurden sogenannte Namenbüchlein eingeführt, an deren Ende das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und verschiedene Morgen- und Abendgebete abgedruckt waren. – Der Rechenunterricht bestand lediglich im Aufsagen des Einmaleins. Die arabischen Ziffern waren den Bauern so gut wie unbekannt.
Wie zum Notieren des Soll und Haben ausschlieĆlich das Kerbholz diente, so hatte jedes Haus zur Bezeichnung seiner Fahrnisse ein gewisses Zeichen, zum Beispiel ein Rad, ein Haumesser, Triangel usw., aus welcher Ćbung in frühesten Zeiten manches Wappen mag entstanden sein. – Den MƤdchen war selten erlaubt, schreiben zu lernen: die Eltern meinten, sie würden sonst nichts als Liebesbriefe schreiben. Deshalb lieĆ der Lehrer bei Beginn der Schule diejenigen Kinder, welche diese Kunst erlernen wollten, die Finger aufheben. Schulprüfungen oder Schulvisitationen fand man nicht für notwendig; und wie es mit der Besoldung des Schulmeisters beschaffen war, ist bekannt, und noch manchem alten Lehrer oder Lehrerssohn hinlƤnglich im GedƤchtnis.
Denkübungen, Anschauungslehren und wie diese Schablonen alle heiĆen mƶgen, kannte man dazumal noch nicht, und doch konnte man mit Hebel sagen, āhƤt Gott us mengem arme Büebli e brave Ma und Vogt und Richter g’macht und usem Tƶchterli ne bravi Frau, wenn’s numme nit an Zucht und Warnig fehlt.“
In den LandstƤdten diente – zu Anfang des vorigen Jahrhunderts – gewƶhnlich der Ratschreiber zugleich als Lehrer und Organist; und wo eine Kraft zu so vielseitigem Dienst nicht ausreichen wollte, sah man sich unter der Bürgerschaft nach einem tauglichen Stellvertreter um. So zum Beispiel in dem AmtsstƤdtchen, wohin wir unsern Hieronymus nƤchstens zur Erstehung seiner Lehrzeit begleiten werden, war um jene Zeit (den siebziger Jahren des vorigen SƤkulums) dem PrƤzeptor noch ein Gehilfe beigegeben, welcher unter dem Namen āder lahme Sepple* bekannt war. Das Sprichwort: Kunst macht auch einen Lahmen wert, fand auf ihn volle Anwendung, denn nicht nur mit seinen kontrakten HƤnden, auch mit den FüĆen konnte der Mann ganze SƤtze schreiben. Zur Winterszeit war ihm die Ćberwachung der Schuljugend anvertraut (Sommerschulen gab’s zur Zeit keine).
Jeden Tag nach beendeter Schule führte er seine Untergebenen unter Vortragung eines Kreuzes in die nahegelegene Lorettokapelle, um den Rosenkranz mit ihnen zu beten, wobei er besondere Fertigkeit auch darin entwickelte, mit seinen lahmen Händen gewuchtige Ohrfeigen an die Mutwilligen und Saumseligen auszuteilen.
Nebst diesem Ćmtlein versah er zu Nutz und Frommen der Gemeinde noch einen andern wichtigen Dienst: er war Feldhüter. Die ganze Herbstzeit über verbrachte er in einer Hütte auf dem entlegensten Teil der Gemarkung, wo, ehe die Kartoffeln allgemein geworden, jeder Bürger einen sogenannten Rübenteil als Almend besaĆ.
Einst nach langem Regen hatte die Breg eine ungewƶhnliche Hƶhe erreicht. Das ganze StƤdtchen war, ein zweites Venedig, unter Wasser gesetzt, so daĆ der Stadtmetzger sich veranlaĆt sah, ein FloĆ zu bauen, um vor die HƤuser seiner Kunden zu rudern und ihnen das benƶtigte Fleisch an einer āFurke“ ins obere Stockwerk hinaufzureichen. Als das Wasser über Nacht immer mehr gestiegen und bereits das ganze Ried bis gegen Pfohren hin überflutet hatte, ward endlich auch des lahmen Seppels in seiner einsamen Feldhütte gedacht. Früh morgens sah man ihn, anscheinend in hƶchster Not, mitten in dem groĆen See auf dem Dache seiner baufƤlligen Hütte sitzen.
Die allgemeine Menschenpflicht gebot dringend, etwas zu seiner Rettung zu unternehmen. Aber niemand fand sich, der des Ruderns kundig und bereit gewesen wƤre, das Wagnis zu bestehen. Da entschloĆ sich der Stadt-schultheiĆ selbst, der früher Fischerei getrieben, zur miĆlichen Fahrt. Er lieĆ einen Kahn auf einen Wagen laden, an einer Anhƶhe unweit der Stadt ins Wasser setzen und bestieg unter Glück- und Segenswünschen der Zuschauer das Rettungsboot. Zur StƤrkung des vermeintlich in Verzweiflung geratenen Sepple hatte er eine Flasche Wein, Speck und Brot mitgenommen. Als mit Mühe und Not der biedere Retter bei der Hütte angekommen und den Sepple zum raschen Einsteigen aufgefordert, war er nicht wenig betroffen, als dieser sanz trocken entgegnete: āIch fahr nit mit; das groĆ‘ Wasser s’fallt mir; es wird schon wieder fallen. Wenn Ihr aber was zu essen und zu trinken habt, Herr SchultheiĆ, so gebt’s in Gottsnamen her!“ Und der SchultheiĆ reichte ihm den ImbiĆ und kehrte zur Verwunderung der Bürgerschaft allein zurück.
Mit dem Monat Oktober endete jedesmal des Seppels Amt als Feldhüter; und wenn alsdann am Kirchweih-Donnerstag sein hölzernes Wächterhäuslein auf einem Karren in die Stadt gebracht ward, so sagten die Kinder:
„Jetzt geht d‘ Schul wieder an, man bringt dem Lehrer sein HƤusle!“
Wie gesagt, der Seppel war ein vielseitiger Kopf und überallhin verwendbar; obwohl man nicht immer den lƶblichsten Gebrauch von seinen Talenten zu machen beliebte. So zum Beispiel befand sich einmal im AmtsgefƤngnis ein übelberüchtigter, eines schweren Verbrechens bezichtigter Mensch, aus dem, trotz Hungerkost, Stock, Block, spanischem Mantel, und wie die erprobten untersuchungsrichterlichen Hausmittel alle heiĆen mochten, absolut nichts herauszubringen war. Da nahm man seine Zuflucht zum lahmen Seppel. Bei hellem Tage wurde dieser gefesselt durch die Stadt ins GefƤngnis geführt und in einer Zelle neben dem verstockten Sünder einquartiert, wo er durch Seufzen und Kettengerassel die Aufmerksamkeit seines Nachbars auf sich zu lenken suchte. Bald war nƤchtlicherweile ein ZwiegesprƤch eingeleitet mit Fragen: warum und weshalb? Der Seppel erzƤhlte zuerst, worauf auch der andere Vertrauen faĆte und seinem vermeintlichen Leidensbruder, welcher begreiflicherweise nicht ohne Zeugen war, beichtete.
Nebst all diesen nützlichen Amtlein und Würden fand der Seppel aber auch noch Zeit zu einer andern TƤtigkeit, worin ihn manche seiner modernen Amtsbrüder zum Vorbild nehmen kƶnnten. Er führte viele Jahre hindurch eine Stadtchronik, in welche er alles, was einem harmlosen Menschenkind etwa wichtig und bemerkenswert scheinen mag, mit seiner verkrüppelten Hand oder zur Abwechslung wohl auch einmal mit dem FuĆ – denn auf dem Titelblatt des Buches heiĆt es ausdrücklich: āVerfaĆt von einem Mann, der mit HƤnd und FüĆen schreiben kann“ – getreulich einzutragen pflegte.
Doch alle diese Verdienste um das Gemeindewesen konnten ihn im Alter nicht vor Not und Mangel schützen, denn er starb, nur von guten Leuten unterstützt, im sogenannten Bettelhäusle. Ein Schicksal, das auch schon andern Schulmeistern und Schriftstellern im Deutschen Reich passiert sein soll!
In unserer Talgemeinde versah, wie schon bemerkt, Vetter Bachweber das Lehramt. Der Name Bachweber kam von seinem Vater her, der ehrsamer Leineweber, am Bache, in einem entfernten Zinken des Tales, wohnhaft gewesen. Ihm, dem Sohne, behagte die Weberei nicht – er fühlte sich zu Hƶherem geboren und wollte Schneider werden. Nach lƤngerer Wanderschaft donauabwƤrts nahm er Dienste bei einem ƶsterreichischen Regiment als Kompanieschneider; und als er nach erhaltenem ehrenvollem Abschied in die Heimat zurückgekehrt war, wurde ihm, dem belesenen und erfahrenen Mann, das zur Zeit vakante Schuldienstlein anvertraut.
Den Sommer über hielt er sich als Schneider bei seinem Schwager auf, welcher das abgelegene altbachwebersche HƤuslein bewohnte, in welchem unserm Kleiderkünstler vertragsmƤĆig noch der Sitz āmit Kalt und Warm“ vorbehalten war. – Zur Winter- und Schulzeit kam er dann regelmƤĆig jeden Samstag hieher und erschien erst am Montag wieder im Schullokal mit einem Bündel, das ihm Hieronymus und seine Kameraden gewƶhnlich auspacken halfen. Es befanden sich darin: erstens: eine groĆe Schachtel voll gebratener Knƶpfle, seine Leibspeise; zweitens: eine Büchse mit Schmalz; und drittens: verschiedene zugeschnittene Kleidungsstücke, die er neben dem Schulmeistern her dann fertigmachte. Gab es nichts zu schneidern, was oft der Fall war, so benützte er die Zeit neben dem Lehramt her mit Schnitzen von hƶlzernen SchuhnƤgeln, die er alsdann den Kindern als Rechenübung zu zƤhlen hinzugeben pflegte.
Zum Unterricht hatte ihm die Gemeinde ein besonderes Stüblein eingeräumt, an dessen Stiege wir ihn auf unserem Bildchen sehen, wie er wetter-spähend nach den Wolken ausschaut. Denn Bachweber gab sich viel mit Wetterbeobachten und Prophezeien ab.
Die Stürme der Tag- und Nachtgleiche sind vorüber und die Schwalben und andern Zugvƶgel lƤngst hinter dem verschwundenen Sommer her in wƤrmere LƤnder gezogen. Dafür haben sich nun andere GƤste, Staren und Krammetsvƶgel, eingestellt, welche sich zum Nachtisch die VogelbeerbƤume und Wacholderstauden ausersehen haben. – Nachdem es gestern den ganzen Tag über gestürmt, ist die Luft heute stille, trübsinnig und eisgrau der Him-mel; und einzelne senkrecht herabfallende Flƶckchen lassen vermuten, daĆ die Landschaft nƤchstens in die Leibfarbe des Winters sich kleiden werde. – Frühe schon wird es Nacht; wenn die Kinder aus der Schule kommen, treffen diejenigen, welche weit, oft über eine Stunde weit, nach Hause haben, daheim schon den brennenden Lichtspan in der Stube an. – Die Vƶgel haben bereits sich zur Ruhe begeben, hƶchstens daĆ ein verspƤtetes, einsam piepsendes Meislein den Apfelbaum im Garten dort noch absucht oder ein paar Spatzen durch die halbentlaubten Hecken rascheln, um sich den passenden Platz zum Nachtquartier auszusuchen. – In der Scheuer beginnt das Dreschen, der Bauer geht bereits wieder mit der Laterne in den Stall zum Füttern, und die BƤuerin hat die Spindel und Kunkel aus der Bodenkammer geholt, wƤhrend sie überlegt, wieviel den Winter über gesponnen und im Frühjahr dann āumgelegt“ werden soll.
Auch unsere kleinen Freunde, Hieronymus, Dionys und Romulus, haben ihre WinterbeschƤftigungen wieder vorgenommen und drüben in der Mühle sich einquartiert. Denn wo wƤr‘ es auch schƶner als dort im Stüblein, in welchem auch Vater Mathias an der Schnitzelbank oder am Drehstuhl seine Nebenstunden zubringt?
Der fleiĆige Mann besaĆ eine groĆe Thek voll Kupferstiche, ein Geschenk von seinem Schwager, dem Klosterschneider in Villingen. Hieronymus hatte verschiedene dieser BlƤtter zu kopieren angefangen; denn Zeichnen war seine LieblingsbeschƤftigung; und daĆ diese Liebhaberei auch auf seine Gespanen überging, versteht sich bei dem Freundschaftsbund des Kleeblatts von selbst. Und so viel hatte der Vater bei seinen Besuchen in der Malerwerkstatt des Benediktinerklosters zu Villingen gesehen und gelernt, daĆ er den Buben eine erste Anleitung in dieser Kunst zu geben vermochte.
Wenn drauĆen Schnee wirbelte, so dicht, als wollte er der ganzen Gemeinde talauf und -ab mehrwƶchentlichen Hausarrest auferlegen, oder ein eisiger Nord die Wege und Halden fegte, hier ganze Stellen bloĆlegend bis auf den schwƤrzlichen Grund, dort blendendweiĆe Schanzen und hohe WƤlle hƤufend – so saĆen die Buben, wenn die Schule zu Ende, vergnügt im warmen Stüblein, am Tisch und ReiĆbrett. Es war aber auch eine Lust, die BlƤtter in der Thek nur anzusehen: die prƤchtigen Kirchen- und StƤdteprospekte, der herrlich kolorierte, perspektivisch dargestellte Marmorsaal, in welchem der Vater des verlorenen Sohnes, in Perücke und Schnallenschuhen, diesem das Erbteil ausbezahlt, der Dogenpalast zu Venedig mit dem grasgrünen Meer und den vielen Gondeln im Vordergrunde, Tierstücke von Riedinger, Bataillen, Frucht- und Blumenstücke, schwarz oder glanzvoll gemalt, PortrƤts, von Wappen, Draperien und Inschriften umgeben, Kriegshelden, berühmte MƤnner, die āLiebhaber aller Kunst und Schild der Kirche“ waren, von denen ein ādeutscher Kiel“ mit Fug und Recht schreiben durfte: āSo lang der DonaufluĆ Germania wird durchschleichen, soll ihres Namens Ruhm nicht von der Nachwelt weichen.* Auch waren dabei biblische Darstellungen, sodann wieder galante SchƤfer und SchƤferinnen in Puder und Reifrock, Prospekte von Irr- und LustgƤrten, wo zwischen geschorenen Hecken und wasserspeienden Delphinen frisierte Herren und Damen lustwandelten, um sich am bunten Schmuck der Blumen idyllisch zu vergnügen.
HƤufig kam auch Bachweber herüber in die Werkstatt, um mit Mathias gemütlich zu plaudern von alten und neuen Zeiten und über seine Erlebnisse in der Fremde und beim Regiment. Nebenbei hatte er auch Gelegenheit, sich vom FleiĆe seiner Schüler zu überzeugen, in einer Kunst, die er zwar nicht auszuüben, gleichwohl aber zu schƤtzen verstand. Hatte er doch in der Kaiserstadt viel Schƶnes und Kunstreiches gesehen. Die Buben waren ihrem Lehrer sehr zugetan, obgleich dieser der Ansicht huldigte, unser Herrgott habe das Birkenreis nicht nur zu Besen, sondern auch zu Ruten für bƶse und mutwillige Bürschlein wachsen lassen. Deshalb pflegte er auch zu sagen: ein rechter Schulmeister müsse, wie eine vollkommene SchwarzwƤlderuhr, nicht nur einen guten āWecker“, sondern auch ein gutes āSchlagwerk“ haben. – Allerdings, an Possen und mancherlei Schabernack fehlte es nicht, die ihm dieser oder jener seiner Zƶglinge zu spielen beliebte. Kamen solche Ausschreitungen vor oder gab ihm einer absichtlich eine verdrehte Antwort, so gab’s Exekutionen im militƤrischen Stil, den er ja, āals er noch beim Regiment gewesen“, wo, wie er versicherte, das āLederwerk jede Woche frisch angestrichen“ werden muĆte – an der Quelle zu studieren Gelegenheit gehabt.
Von Haus aus jedoch nichts weniger als zur HƤrte und Grausamkeit geneigt, verwandelte unser DorfpƤdagoge Züchtigungen – namentlich solche, die mangelhaftes Auswendiglernen betrafen – gerne in mildere BuĆen und Auflagen um, zum Beispiel in ein MƤĆle Holzbirnen, eine Kappe voll Schlehen oder Hagebutten (gedƶrrt, nebst Knƶpfle, sein Lieblingsgericht) oder in ein paar Dutzend Froschschenkel, welche Artikel die Buben für ihn in Feld und Wald zusammensuchen muĆten.
Nicht etwa, daĆ es unserm Schulvorstand an der nƶtigen āMunition“ gefehlt hƤtte! Dafür sorgte ja die verheiratete Schwester daheim und auch die Eltern der Kinder; denn wie heute noch an vielen Orten, so bestand auch damals im Tal die patriarchalische Sitte, den Lehrer zu allen freudigen AnlƤssen und Familienfesten, wie Kindstaufen, Hochzeiten, Schweineschlachten usw. einzuladen oder ihm ein Müsterlein von Tisch und Keller zum āVersuchen“ ins Haus zu schicken.
Von allen Stücken zeichnender Kunst, die Hieronymus um diese Zeit zu fertigen unternommen, war ihm keines besser gelungen als das Bildnis des Prinzen Eugenius im Harnisch, den Kommandostab in der Hand. Er wuĆte aber auch, welch ein Preis auf das Gelingen dieser Arbeit ausgesetzt war.
Hatte ihm der Vater nicht versprochen, daĆ er, wenn er den Winter über recht fleiĆig sei, im Frühjahr den Vetter Feldwaibel in der Amtsstadt besuchen dürfe? Mit dem wohlgetroffenen PortrƤt sollte der alte Soldat überrascht und erfreut werden; der āedle Ritter“ war ja, wie man wuĆte, noch sein Kriegsherr gewesen.
Auf diese Art war in unserm einsamen, verschneiten Schwarzwaldtal eine kleine Kunstschule entstanden; und Meister Mathias durfte sich immerhin der Fortschritte seiner Zƶglinge freuen.
Auch hier hat Lucian Reich einiges hinzugefügt zur ersten Ausgabe. Vor allem ErgƤnzungen zur Kunstschule von Mathias und über den Lehrer Bachweber. Auch hier erwƤhnt Lucian Reich wieder die „patriarchalische Sitte“, womit er alle unnütze Gewalt umschreibt und versucht zu begründen.
Hier geht es zu Kapitel 5:
Mehr zu dem Kapitel gibt es hier von Wolf Hockenjos:
Wir freuen uns über mehr Erkenntnisse zu diesem Podcast in den Kommentaren!
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Mehr zum Hieronymus gibt es hier:


















































































