Die Schule
Neben- und LieblingsbeschƤftigungen

Hieronymus Kapitel 4

ā€œund jez gƶhnt in d’Schul – fall mer keis, gent achtig u lehret was menich ufgit!ā€
>Johann Peter Hebel

Die Schule – Neben- und LieblingsbeschƤftigungen

Die Tage, wo die menschliche Gesellschaft noch keinerlei Ansprüche macht an das sorgenfreie Naturvölkchen auf den grünen Inseln der Kindheit, sind schon vorüber. Die Schule, jene unvermeidliche Pforte, durch welche der Weg ins tätige Leben führt, wartet schon auf die Pflichtigen. Groß und klein eilt herbei, um die Samenkörnlein in sich aufzunehmen, die ihnen der Lehrer heute hinstreuen wird; aber auch, um jetzt schon die ersten Sorgen und Geduldsproben des Lebens kennenzulernen.

Allgemein herrschten zur Zeit unserer ErzƤhlung SchulzustƤnde wie etwa heute noch in England oder Amerika, d. h. den Eltern war es vergƶnnt, ein gewichtiges Wort mit dreinzureden, indem sie – ohne Schulzwang – auch bestimmen konnten, in welchen FƤchern sie ihre Kinder ausschließlich unterrichten lassen wollten.

Auf dem Lande schulmeisterten in der Regel Leute, die, schwƤchlich oder verkrüppelt, zu Feldarbeiten untauglich waren. Aber wie solche Menschen nicht selten geistig desto mehr entwickelt sind, so finden wir in der Tat unter den Schulmeistern der früheren Zeit manchen ganz tüchtigen und prakti-schen, wenn auch nicht methodisch gebildeten Mann. – Es unterrichtete eben jeder nach seiner Art. Für Schulbücher wurde wenig Geld ausgegeben; jedes beliebige Buch, der Kalender oder irgendein fliegendes Blatt diente den Kleinen zur Leseübung. Erst spƤter wurden sogenannte Namenbüchlein eingeführt, an deren Ende das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und verschiedene Morgen- und Abendgebete abgedruckt waren. – Der Rechenunterricht bestand lediglich im Aufsagen des Einmaleins. Die arabischen Ziffern waren den Bauern so gut wie unbekannt.

Wie zum Notieren des Soll und Haben ausschließlich das Kerbholz diente, so hatte jedes Haus zur Bezeichnung seiner Fahrnisse ein gewisses Zeichen, zum Beispiel ein Rad, ein Haumesser, Triangel usw., aus welcher Übung in frühesten Zeiten manches Wappen mag entstanden sein. – Den MƤdchen war selten erlaubt, schreiben zu lernen: die Eltern meinten, sie würden sonst nichts als Liebesbriefe schreiben. Deshalb ließ der Lehrer bei Beginn der Schule diejenigen Kinder, welche diese Kunst erlernen wollten, die Finger aufheben. Schulprüfungen oder Schulvisitationen fand man nicht für notwendig; und wie es mit der Besoldung des Schulmeisters beschaffen war, ist bekannt, und noch manchem alten Lehrer oder Lehrerssohn hinlƤnglich im GedƤchtnis.

Denkübungen, Anschauungslehren und wie diese Schablonen alle heißen mƶgen, kannte man dazumal noch nicht, und doch konnte man mit Hebel sagen, ā€žhƤt Gott us mengem arme Büebli e brave Ma und Vogt und Richter g’macht und usem Tƶchterli ne bravi Frau, wenn’s numme nit an Zucht und Warnig fehlt.“

In den LandstƤdten diente – zu Anfang des vorigen Jahrhunderts – gewƶhnlich der Ratschreiber zugleich als Lehrer und Organist; und wo eine Kraft zu so vielseitigem Dienst nicht ausreichen wollte, sah man sich unter der Bürgerschaft nach einem tauglichen Stellvertreter um. So zum Beispiel in dem AmtsstƤdtchen, wohin wir unsern Hieronymus nƤchstens zur Erstehung seiner Lehrzeit begleiten werden, war um jene Zeit (den siebziger Jahren des vorigen SƤkulums) dem PrƤzeptor noch ein Gehilfe beigegeben, welcher unter dem Namen ā€žder lahme Sepple* bekannt war. Das Sprichwort: Kunst macht auch einen Lahmen wert, fand auf ihn volle Anwendung, denn nicht nur mit seinen kontrakten HƤnden, auch mit den Füßen konnte der Mann ganze SƤtze schreiben. Zur Winterszeit war ihm die Überwachung der Schuljugend anvertraut (Sommerschulen gab’s zur Zeit keine).

Jeden Tag nach beendeter Schule führte er seine Untergebenen unter Vortragung eines Kreuzes in die nahegelegene Lorettokapelle, um den Rosenkranz mit ihnen zu beten, wobei er besondere Fertigkeit auch darin entwickelte, mit seinen lahmen Händen gewuchtige Ohrfeigen an die Mutwilligen und Saumseligen auszuteilen.

Nebst diesem Ƅmtlein versah er zu Nutz und Frommen der Gemeinde noch einen andern wichtigen Dienst: er war Feldhüter. Die ganze Herbstzeit über verbrachte er in einer Hütte auf dem entlegensten Teil der Gemarkung, wo, ehe die Kartoffeln allgemein geworden, jeder Bürger einen sogenannten Rübenteil als Almend besaß.

Einst nach langem Regen hatte die Breg eine ungewƶhnliche Hƶhe erreicht. Das ganze StƤdtchen war, ein zweites Venedig, unter Wasser gesetzt, so daß der Stadtmetzger sich veranlaßt sah, ein Floß zu bauen, um vor die HƤuser seiner Kunden zu rudern und ihnen das benƶtigte Fleisch an einer ā€žFurke“ ins obere Stockwerk hinaufzureichen. Als das Wasser über Nacht immer mehr gestiegen und bereits das ganze Ried bis gegen Pfohren hin überflutet hatte, ward endlich auch des lahmen Seppels in seiner einsamen Feldhütte gedacht. Früh morgens sah man ihn, anscheinend in hƶchster Not, mitten in dem großen See auf dem Dache seiner baufƤlligen Hütte sitzen.

Die allgemeine Menschenpflicht gebot dringend, etwas zu seiner Rettung zu unternehmen. Aber niemand fand sich, der des Ruderns kundig und bereit gewesen wƤre, das Wagnis zu bestehen. Da entschloß sich der Stadt-schultheiß selbst, der früher Fischerei getrieben, zur mißlichen Fahrt. Er ließ einen Kahn auf einen Wagen laden, an einer Anhƶhe unweit der Stadt ins Wasser setzen und bestieg unter Glück- und Segenswünschen der Zuschauer das Rettungsboot. Zur StƤrkung des vermeintlich in Verzweiflung geratenen Sepple hatte er eine Flasche Wein, Speck und Brot mitgenommen. Als mit Mühe und Not der biedere Retter bei der Hütte angekommen und den Sepple zum raschen Einsteigen aufgefordert, war er nicht wenig betroffen, als dieser sanz trocken entgegnete: ā€žIch fahr nit mit; das groß‘ Wasser s’fallt mir; es wird schon wieder fallen. Wenn Ihr aber was zu essen und zu trinken habt, Herr Schultheiß, so gebt’s in Gottsnamen her!“ Und der Schultheiß reichte ihm den Imbiß und kehrte zur Verwunderung der Bürgerschaft allein zurück.

Mit dem Monat Oktober endete jedesmal des Seppels Amt als Feldhüter; und wenn alsdann am Kirchweih-Donnerstag sein hölzernes Wächterhäuslein auf einem Karren in die Stadt gebracht ward, so sagten die Kinder:

„Jetzt geht d‘ Schul wieder an, man bringt dem Lehrer sein HƤusle!“

Wie gesagt, der Seppel war ein vielseitiger Kopf und überallhin verwendbar; obwohl man nicht immer den löblichsten Gebrauch von seinen Talenten zu machen beliebte. So zum Beispiel befand sich einmal im Amtsgefängnis ein übelberüchtigter, eines schweren Verbrechens bezichtigter Mensch, aus dem, trotz Hungerkost, Stock, Block, spanischem Mantel, und wie die erprobten untersuchungsrichterlichen Hausmittel alle heißen mochten, absolut nichts herauszubringen war. Da nahm man seine Zuflucht zum lahmen Seppel. Bei hellem Tage wurde dieser gefesselt durch die Stadt ins Gefängnis geführt und in einer Zelle neben dem verstockten Sünder einquartiert, wo er durch Seufzen und Kettengerassel die Aufmerksamkeit seines Nachbars auf sich zu lenken suchte. Bald war nächtlicherweile ein Zwiegespräch eingeleitet mit Fragen: warum und weshalb? Der Seppel erzählte zuerst, worauf auch der andere Vertrauen faßte und seinem vermeintlichen Leidensbruder, welcher begreiflicherweise nicht ohne Zeugen war, beichtete.

Nebst all diesen nützlichen Amtlein und Würden fand der Seppel aber auch noch Zeit zu einer andern TƤtigkeit, worin ihn manche seiner modernen Amtsbrüder zum Vorbild nehmen kƶnnten. Er führte viele Jahre hindurch eine Stadtchronik, in welche er alles, was einem harmlosen Menschenkind etwa wichtig und bemerkenswert scheinen mag, mit seiner verkrüppelten Hand oder zur Abwechslung wohl auch einmal mit dem Fuß – denn auf dem Titelblatt des Buches heißt es ausdrücklich: ā€žVerfaßt von einem Mann, der mit HƤnd und Füßen schreiben kann“ – getreulich einzutragen pflegte.

Doch alle diese Verdienste um das Gemeindewesen konnten ihn im Alter nicht vor Not und Mangel schützen, denn er starb, nur von guten Leuten unterstützt, im sogenannten Bettelhäusle. Ein Schicksal, das auch schon andern Schulmeistern und Schriftstellern im Deutschen Reich passiert sein soll!

In unserer Talgemeinde versah, wie schon bemerkt, Vetter Bachweber das Lehramt. Der Name Bachweber kam von seinem Vater her, der ehrsamer Leineweber, am Bache, in einem entfernten Zinken des Tales, wohnhaft gewesen. Ihm, dem Sohne, behagte die Weberei nicht – er fühlte sich zu Hƶherem geboren und wollte Schneider werden. Nach lƤngerer Wanderschaft donauabwƤrts nahm er Dienste bei einem ƶsterreichischen Regiment als Kompanieschneider; und als er nach erhaltenem ehrenvollem Abschied in die Heimat zurückgekehrt war, wurde ihm, dem belesenen und erfahrenen Mann, das zur Zeit vakante Schuldienstlein anvertraut.

Den Sommer über hielt er sich als Schneider bei seinem Schwager auf, welcher das abgelegene altbachwebersche HƤuslein bewohnte, in welchem unserm Kleiderkünstler vertragsmäßig noch der Sitz ā€žmit Kalt und Warm“ vorbehalten war. – Zur Winter- und Schulzeit kam er dann regelmäßig jeden Samstag hieher und erschien erst am Montag wieder im Schullokal mit einem Bündel, das ihm Hieronymus und seine Kameraden gewƶhnlich auspacken halfen. Es befanden sich darin: erstens: eine große Schachtel voll gebratener Knƶpfle, seine Leibspeise; zweitens: eine Büchse mit Schmalz; und drittens: verschiedene zugeschnittene Kleidungsstücke, die er neben dem Schulmeistern her dann fertigmachte. Gab es nichts zu schneidern, was oft der Fall war, so benützte er die Zeit neben dem Lehramt her mit Schnitzen von hƶlzernen SchuhnƤgeln, die er alsdann den Kindern als Rechenübung zu zƤhlen hinzugeben pflegte.

Zum Unterricht hatte ihm die Gemeinde ein besonderes Stüblein eingeräumt, an dessen Stiege wir ihn auf unserem Bildchen sehen, wie er wetter-spähend nach den Wolken ausschaut. Denn Bachweber gab sich viel mit Wetterbeobachten und Prophezeien ab.

Die Stürme der Tag- und Nachtgleiche sind vorüber und die Schwalben und andern Zugvƶgel lƤngst hinter dem verschwundenen Sommer her in wƤrmere LƤnder gezogen. Dafür haben sich nun andere GƤste, Staren und Krammetsvƶgel, eingestellt, welche sich zum Nachtisch die VogelbeerbƤume und Wacholderstauden ausersehen haben. – Nachdem es gestern den ganzen Tag über gestürmt, ist die Luft heute stille, trübsinnig und eisgrau der Him-mel; und einzelne senkrecht herabfallende Flƶckchen lassen vermuten, daß die Landschaft nƤchstens in die Leibfarbe des Winters sich kleiden werde. – Frühe schon wird es Nacht; wenn die Kinder aus der Schule kommen, treffen diejenigen, welche weit, oft über eine Stunde weit, nach Hause haben, daheim schon den brennenden Lichtspan in der Stube an. – Die Vƶgel haben bereits sich zur Ruhe begeben, hƶchstens daß ein verspƤtetes, einsam piepsendes Meislein den Apfelbaum im Garten dort noch absucht oder ein paar Spatzen durch die halbentlaubten Hecken rascheln, um sich den passenden Platz zum Nachtquartier auszusuchen. – In der Scheuer beginnt das Dreschen, der Bauer geht bereits wieder mit der Laterne in den Stall zum Füttern, und die BƤuerin hat die Spindel und Kunkel aus der Bodenkammer geholt, wƤhrend sie überlegt, wieviel den Winter über gesponnen und im Frühjahr dann ā€žumgelegt“ werden soll.

Auch unsere kleinen Freunde, Hieronymus, Dionys und Romulus, haben ihre WinterbeschƤftigungen wieder vorgenommen und drüben in der Mühle sich einquartiert. Denn wo wƤr‘ es auch schƶner als dort im Stüblein, in welchem auch Vater Mathias an der Schnitzelbank oder am Drehstuhl seine Nebenstunden zubringt?

Der fleißige Mann besaß eine große Thek voll Kupferstiche, ein Geschenk von seinem Schwager, dem Klosterschneider in Villingen. Hieronymus hatte verschiedene dieser Blätter zu kopieren angefangen; denn Zeichnen war seine Lieblingsbeschäftigung; und daß diese Liebhaberei auch auf seine Gespanen überging, versteht sich bei dem Freundschaftsbund des Kleeblatts von selbst. Und so viel hatte der Vater bei seinen Besuchen in der Malerwerkstatt des Benediktinerklosters zu Villingen gesehen und gelernt, daß er den Buben eine erste Anleitung in dieser Kunst zu geben vermochte.

Wenn draußen Schnee wirbelte, so dicht, als wollte er der ganzen Gemeinde talauf und -ab mehrwƶchentlichen Hausarrest auferlegen, oder ein eisiger Nord die Wege und Halden fegte, hier ganze Stellen bloßlegend bis auf den schwƤrzlichen Grund, dort blendendweiße Schanzen und hohe WƤlle hƤufend – so saßen die Buben, wenn die Schule zu Ende, vergnügt im warmen Stüblein, am Tisch und Reißbrett. Es war aber auch eine Lust, die BlƤtter in der Thek nur anzusehen: die prƤchtigen Kirchen- und StƤdteprospekte, der herrlich kolorierte, perspektivisch dargestellte Marmorsaal, in welchem der Vater des verlorenen Sohnes, in Perücke und Schnallenschuhen, diesem das Erbteil ausbezahlt, der Dogenpalast zu Venedig mit dem grasgrünen Meer und den vielen Gondeln im Vordergrunde, Tierstücke von Riedinger, Bataillen, Frucht- und Blumenstücke, schwarz oder glanzvoll gemalt, PortrƤts, von Wappen, Draperien und Inschriften umgeben, Kriegshelden, berühmte MƤnner, die ā€žLiebhaber aller Kunst und Schild der Kirche“ waren, von denen ein ā€ždeutscher Kiel“ mit Fug und Recht schreiben durfte: ā€žSo lang der Donaufluß Germania wird durchschleichen, soll ihres Namens Ruhm nicht von der Nachwelt weichen.* Auch waren dabei biblische Darstellungen, sodann wieder galante SchƤfer und SchƤferinnen in Puder und Reifrock, Prospekte von Irr- und LustgƤrten, wo zwischen geschorenen Hecken und wasserspeienden Delphinen frisierte Herren und Damen lustwandelten, um sich am bunten Schmuck der Blumen idyllisch zu vergnügen.

HƤufig kam auch Bachweber herüber in die Werkstatt, um mit Mathias gemütlich zu plaudern von alten und neuen Zeiten und über seine Erlebnisse in der Fremde und beim Regiment. Nebenbei hatte er auch Gelegenheit, sich vom Fleiße seiner Schüler zu überzeugen, in einer Kunst, die er zwar nicht auszuüben, gleichwohl aber zu schƤtzen verstand. Hatte er doch in der Kaiserstadt viel Schƶnes und Kunstreiches gesehen. Die Buben waren ihrem Lehrer sehr zugetan, obgleich dieser der Ansicht huldigte, unser Herrgott habe das Birkenreis nicht nur zu Besen, sondern auch zu Ruten für bƶse und mutwillige Bürschlein wachsen lassen. Deshalb pflegte er auch zu sagen: ein rechter Schulmeister müsse, wie eine vollkommene SchwarzwƤlderuhr, nicht nur einen guten ā€žWecker“, sondern auch ein gutes ā€žSchlagwerk“ haben. – Allerdings, an Possen und mancherlei Schabernack fehlte es nicht, die ihm dieser oder jener seiner Zƶglinge zu spielen beliebte. Kamen solche Ausschreitungen vor oder gab ihm einer absichtlich eine verdrehte Antwort, so gab’s Exekutionen im militƤrischen Stil, den er ja, ā€žals er noch beim Regiment gewesen“, wo, wie er versicherte, das ā€žLederwerk jede Woche frisch angestrichen“ werden mußte – an der Quelle zu studieren Gelegenheit gehabt.

Von Haus aus jedoch nichts weniger als zur HƤrte und Grausamkeit geneigt, verwandelte unser DorfpƤdagoge Züchtigungen – namentlich solche, die mangelhaftes Auswendiglernen betrafen – gerne in mildere Bußen und Auflagen um, zum Beispiel in ein Mäßle Holzbirnen, eine Kappe voll Schlehen oder Hagebutten (gedƶrrt, nebst Knƶpfle, sein Lieblingsgericht) oder in ein paar Dutzend Froschschenkel, welche Artikel die Buben für ihn in Feld und Wald zusammensuchen mußten.

Nicht etwa, daß es unserm Schulvorstand an der nƶtigen ā€žMunition“ gefehlt hƤtte! Dafür sorgte ja die verheiratete Schwester daheim und auch die Eltern der Kinder; denn wie heute noch an vielen Orten, so bestand auch damals im Tal die patriarchalische Sitte, den Lehrer zu allen freudigen AnlƤssen und Familienfesten, wie Kindstaufen, Hochzeiten, Schweineschlachten usw. einzuladen oder ihm ein Müsterlein von Tisch und Keller zum ā€žVersuchen“ ins Haus zu schicken.

Von allen Stücken zeichnender Kunst, die Hieronymus um diese Zeit zu fertigen unternommen, war ihm keines besser gelungen als das Bildnis des Prinzen Eugenius im Harnisch, den Kommandostab in der Hand. Er wußte aber auch, welch ein Preis auf das Gelingen dieser Arbeit ausgesetzt war.

Hatte ihm der Vater nicht versprochen, daß er, wenn er den Winter über recht fleißig sei, im Frühjahr den Vetter Feldwaibel in der Amtsstadt besuchen dürfe? Mit dem wohlgetroffenen PortrƤt sollte der alte Soldat überrascht und erfreut werden; der ā€žedle Ritter“ war ja, wie man wußte, noch sein Kriegsherr gewesen.

Auf diese Art war in unserm einsamen, verschneiten Schwarzwaldtal eine kleine Kunstschule entstanden; und Meister Mathias durfte sich immerhin der Fortschritte seiner Zƶglinge freuen.

Auch hier hat Lucian Reich einiges hinzugefügt zur ersten Ausgabe. Vor allem ErgƤnzungen zur Kunstschule von Mathias und über den Lehrer Bachweber. Auch hier erwƤhnt Lucian Reich wieder die „patriarchalische Sitte“, womit er alle unnütze Gewalt umschreibt und versucht zu begründen.

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Frühlingsanfang -Der Hofbauer und die Familie des Hausmanns

Hieronymus Kapitel 3

ā€œSie ziehn di uf, und lehre di laufe, gen der n freudige Sinn u zeige der nüzlige Sacheā€
>Johann Peter Hebel

Frühlingsanfang – Der Hofbauer und die Familie des Hausmanns

Wenn, angehaucht von dem jugendlichen Atem des Frühlings, wieder frische Lebenskraft durch die Erde strömt, wenn die vielen Quellen und Bächlein aufgetaut, als flimmernde Streifen durch grünende Matten und Tal-gründe rinnen, wenn lichte sonnige Wölkchen hoch oben im reinen Himmels-blau über die Felsen und dunklen Wälder schweben und ein frischer Waldgeruch voll heilender Kräfte durch die milden Lüfte zieht, da vergißt wohl jede Brust der winterlichen Sorge, und in erneuter Jugendlust blickt der Mensch wieder vorwärts in die Zukunft und das Leben.

In unserem Tale haben Schwalben und Störche, die geflügelten Herolde, bereits wieder ihren Einzug gehalten. Der Bach, vor kurzem noch im Kampfe mit dem langen, starren Winter, fließt im alten Bette wieder friedlich und klar über glatte Kiesel und grünes Fischgras dahin.

Die vereinzelten Eisschollen, welche vor wenigen Tagen noch splitternd und triefend im Sonnenstrahl am Ufer hin und her gelegen, sind verschwun-den. Höchstens in den tiefsten Schluchten und an hohen Stellen des Waldes hat der frostige Alte, bei seinem Rüdkzug auf den Feldberg, noch etliche Fetzen seines Pudermantels zurückgelassen. Darum aber kümmert sich niemand mehr, am allerwenigsten die Kinderwelt, die teilweise schon barfuß geht wie die gelbwolligen jungen Gänschen, welche Hieronymus auf dem Grasplatz dort zu hüten übernommen. Selbst die kleine Florentina versucht im leichten Gewande der Jugend an der Hand der Wärterin ihren ersten Gang im Freien.

Noch herrschen die Tage der Sorglosigkeit auf den glückseligen Inseln der Kindheit, an deren blumigen Gestaden die schaukelnden Wellen des Zeiten-stromes nur schimmernde Perlen und Goldsand auswerfen; das Leben zieht noch so zwanglos und ungetrübt dahin wie das Bächlein dort, das an einzelnen Stellen Himmel und Erde lieblich abspiegelt.

Hieronymus scheint sein Amt mit Behaglichkeit zu verwalten, wenigstens macht er ein Gesicht, als ob er sich nicht im geringsten Sorge darüber mache, was es wohl morgen für Wetter geben werde. Romulus und Dionys, seine Kameraden, beschäftigen sich unterdessen angelegentlich mit dem Fange silberschuppiger Greßlinge und glatter Grundeln, während im Gärtlein des Laubhauserhofes die Hausfrau, ihr Söhnlein Peter an der Hand, umher-wandelt, um nachzusehen in den Beeten, ob sich auf die warmen Regenschauer noch nichts Grünes rege oder ein Veilchen sprosse hin und her am Gartenhag.

Alles, Menschen und Tiere, Luft und Landschaft verkünden den milden Frühlingstag, der allerdings in unserer Gegend hƤufiger erst in den Juni als in den Mai zu fallen pflegt. – Niemand will heut in Stube und Haus bleiben; selbst die Bienen machen einen Ausflug; wƤhrend die einen vor dem Pfƶrtchen ihres Strohpalastes sitzen und eilig sich den Winterstaub von den Flügeln streifen, kommen andere schon beladen mit der kƶstlichen Beute aus Flur und Wald zurück. – Auch SƤnger fehlen nicht, den Tag zu preisen. – Über der braunen Ackerscholle dort oben am Waldsaum wirbelt die Lerche ihr hohes Lied, und vom Apfelbaum tƶnt Finkenschlag frƶhlich dem zurückgekehrten Weibchen entgegen. Und auch im Wald herrscht Lust und Leben:

Schwarzamseln, Drosseln, Distelfinken und Meisen, die vor wenigen Wochen noch hungrig und heischend die Scheuern und Wohnungen umlagert oder von den einzeln aus der Schneedecke hervorschauenden Disteln und Stauden das letzte Samenkörnlein weggepickt, haben sich wieder in ihr grünes Lustrevier begeben, um in allen Tonarten das bekannte Konzert anzustimmen.

LƤngst verschwunden sind an unserm Hof die Merkmale des strengen Winters, die StrohbƤusche um Brunnen und Stalltür, und auch der Holz-und der Bahnschlitten haben ihren gewƶhnlichen Platz wieder eingenommen, neben der Einfahrt in die Scheuerntenn. – Die FeldgeschƤfte beginnen. – Der Hofbauer macht zum erstenmal in HemdƤrmeln einen Ausgang hinauf an die Halde, um mit Haue und Karst dem rieselnden Quell das WƤsserungsgeschƤft zu erleichtern. – Es ist dies eine Lieblingsarbeit von ihm, die er so leicht keinem Knecht überlassen mag. Im übrigen jedoch befaßt er sich wenig mit Verbesserungen. Wie seine Vorfahren, so treibt auch er das große geschlossene Hofgut in herkƶmmlicher Weise um.

Zu einem solchen Hofgut gehört namentlich Wald, der eigentlich den Hauptreichtum des Anwesens ausmacht. Erst seit neuerer Zeit jedoch liefert dieser erwünschten Ertrag, seit überall zur Erleichterung der Abfuhr Wald-und Feldwege angelegt und mehrere Flüsse floßbar gemacht worden sind.

Auch ist das Scheiterholz erst seit Entstehung der Fabriken, Glashütten, Salinen und Ziegeleien zu entsprechendem Werte gelangt. Denn wenn auch das Kohlenbrennen auf dem Wald von Urzeiten her schon üblich war, so stand es doch in keinem Verhältnis zu dem unermeßlichen Holzvorrat, weil außer den wenigen Brettern, die jeder Bauer auf seiner einfachen Klopfsäge schneiden ließ, der Verbrauch ein zu geringer gewesen. Von alten Leuten konnte man oft sagen hören, daß früher über Wald das meiste Holz auf dem Stock verfault sei. Einigen Ersatz fand der Besitzer nur darin, daß der tausendjährige, von den Bergen herabgeschwemmte Waldhumus sein Wiesengelände naturgemäß verbesserte.

Die verhƤltnismäßig wenigen, nur zum Anbau von Hafer und Sommerroggen tauglichen Felder zwischen Matten und Wald (wechselwirtschaftlich betrieben – fünf bis sechs Jahre bebaut, dann wieder zu Wiesen und Wald liegengelassen) liefern indes dem Waldbewohner nicht hinlƤnglich Nahrung, weshalb er seinen Bedarf an Früchten aus der Baar zu beziehen genƶtigt ist; und gemahlen werden dieselben auf der jedem WƤlderhof eigenen Mühle.

Dies im allgemeinen die landwirtschaftlichen ZustƤnde unseres südƶstlichen Schwarzwaldes. Bis auf den heutigen Tag sind sie in der Hauptsache dieselben geblieben, wƤhrend die persƶnlichen VerhƤltnisse wesentliche Umgestaltungen erfahren haben. – Ehedem – vor anderthalb hundert Jahren – gab es in der Gegend als Besitzende nur Hofbauern, welche dann wiederum einigen armen Familien auf dem Gut zu bauen gestatteten, wodurch diese dem Eigentümer dienstbar wurden. Denn diese Familien waren gemeiniglich verpflichtet, dem Bauer zur Heu- und Erntezeit zu arbeiten, wƤhrend sie für sich selbst nur wenige, und nicht die besten Felder zum Anbau gegen mäßigen Zins geliehen bekamen. Nebstdem durften sie auch noch ein paar Kühlein mit hinaus auf die Weiden treiben.

Wenn nun heutzutage dieses Abhängigkeitsverhältnis bei den meisten Höfen auch noch obwaltet, so haben doch Handel und Industrie die zwingende Schranke allenthalben so weit durchbrochen, daß jedem möglich ist, ein freies Eigentum zu erwerben; und nicht selten sieht sich der Hofbauer vom industriellen Sohn seines einstigen Hausmannes weit überflügelt und genötigt, seine Söhne ebenfalls die industrielle Bahn betreten zu lassen.

Unser Bildchen zeigt uns eines jener alten WƤldergebƤude, deren Ƥußere Bauart, durch klimatische und andere VerhƤltnisse bedingt, jahrhundertelang die gleiche geblieben ist. Auf massiv steinerner Unterlage ruhend, ist der durch Alter und Rauch braunrot gebeizte Holzbau mit seiner schmalen Seite dergestalt in den Bergabhang hineingebaut, daß man von hier bequem mit Roß und Wagen in das obere, zu Fruchtlege und Heustall benützte Geschoß einfahren kann. Alles, Wohnung, Scheuer und Stallung, deckt ein gemeinschaftliches, weit überhƤngendes Stroh- oder Schindeldach, welches allein schon den echten WƤlderhof kennzeichnet. – Da bis zur hƶchsten Hƶhe des Feldberges überall frische Quellen hervorsprudeln, so fehlt auch unserm Hof das laufende Brünnlein nicht, dessen nieversiegender Strahl das MilchhƤuslein durchstrƶmt und die darin aufgestellte Milch vor dem Gerinnen sichert. Bekanntlich ist die, aus also aufbewahrter Süßmilch gewonnene Butter, der ā€žAnken“, weit und breit gesucht; und ebenso verhƤlt es sich mit dem KƤse, der in einigen Hƶfen bereitet und unter besonderen Namen versendet wird.

Der Talboden, aus Granitgerölle angeschwemmt, gewährt dem Bauer ein vorzügliches Wiesengelände, welches mit den weitschichtigen, als Weidgang benützten Halden einer Viehherde von sechzig bis siebzig Stück hinreichend Futter liefert.

Wie die meisten WƤlderbauern, so trieb auch unser Laubhauser eine gewisse Hoffart mit schƶnen Kühen. Seine eigentlichen Erholungsstunden verbrachte er im Stall in Betrachtung seiner Lieblingstiere. – Gerne jedoch sah er auch den Schweinen zu, über die BretterumzƤunung ihres Zwingers gelehnt, wobei er im voraus schon bei jeder einzelnen das einstige Gewicht schƤtzte, obwohl es eines Zuwachses gar nicht bedurft hƤtte, um den Bedarf an Speck auf ein volles Jahr hinaus zu decken; denn droben in der Rauch-kammer hingen zweijƤhrige Speckseiten und Schinken mit zolldickem Ruß bedeckt; es gehƶrten solche recht eigentlich zum Hofstaat.

Unsere Zeichnung läßt nun im Mittelgrund die kleine Mühle sehen, die Wohnung des Hausmanns Mathias. Und gewiß würden wir, wäre die Hütte von vorne sichtbar, auch einige Proben von der Kunstfertigkeit dieses Mannes aufgestellt erblicken: geschnitzte und bemalte Kleiderkästen, Tröge, Votivtafeln, Kirchhofkreuze und anderes. Um jedoch den Verfertiger vor dem Verdachte, als wäre er ein schiffbrüchiges Genie irgendeiner Kunst-schule, sicherzustellen, wollen wir eine kurze Lebensbeschreibung von ihm und seiner Familie hier einschalten.

Der Vater des Mathias war im Kirnachertal daheim, auf der Grenze zwischen dem Schwarzwald und der Baar. Das elterliche Gut war kein unbetrƤchtliches, aber der Vater des Mathias war der Ƥlteste Sohn, und nur der jüngste konnte dem ā€žRecht“ nach in den Besitz eintreten, wƤhrend die Ƥlteren Brüder sozusagen leer ausgingen. So durfte der Mann noch von Glück sagen, daß er eine vermƶgliche Witwe im Dorfe Dürrheim kennenlernte, welche ihm ihre Hand reichte, wie er dann auch nach langem Warten dort das Ortsbürgerrecht erhielt. Unter mehreren Kindern aus dieser Ehe hatte unser Mathias ebenfalls das Unglück, ein Erstgeborener zu sein, weshalb er sehen konnte, wie und wo er sich durchbringen werde, wollte er nicht zeitlebens in AbhƤngigkeit vom jüngsten Bruder gleichsam als Knecht im Hause leben.

Dies wollte ihm nicht in den Kopf, lieber wollte er bei fremden Leuten dienen. Kaum sechzehnjährig, verdingte er sich in der Mühle zu Pfohren, dann in Unterbaldingen und später in der Mühle zu Donaueschingen, kehrte aber später wieder ins heimatliche Dorf zurück.

In weiter Ferne winkte ihm hier ein Ziel, das ihm jede, auch die beschwerlichste Arbeit leicht machte. Anastasia, die Tochter seines Nachbars, war in redlicher Liebe die treue Genossin seiner Hoffnungen und Wünsche, die Teilnehmerin seiner Arbeit und Mühsal.

Mathias hatte von der Gemeinde ein Feldstück gepachtet, das, an der Ƥußersten Grenze der Gemarkung gelegen, weder zum Anbau noch als Weide benützt wurde. Nicht NƤsse, nicht glühende Sonnenhitze, keine fast über seine KrƤfte gehende Anstrengung scheute er in dem Gedanken, daß einst das gute MƤdchen die Seinige werden kƶnnte. – Doch sollte ihm das nicht so leicht werden. Nachdem er den Boden geschürft und den Rasen ge-brandelt hatte (dazumal dort noch eine ziemlich unbekannte Kulturart), verstauchte er sich beim Behacken des schweren, scholligen Feldes die rechte Hand dergestalt, daß von Zeit an eine SchwƤche darin zurückblieb, die ihn zum schweren BauerngeschƤfte untauglich machte. Was nun anfangen? – Doch der junge Mann ließ den Mut nicht sinken. Schon als Kind war bei mancherlei Gelegenheit ein Funke innewohnenden Kunsttriebes in dem Knaben geweckt worden. Das heimatliche Dorf gehƶrte mit etlichen anderen Orten zur komturischen Ritterkommende Villingen, wohin der Kleine zuweilen mit seinem Vater kam, wenn dieser dort die Steuer entrichete oder Holzfuhren tat. Denn außer der jƤhrlichen Steuer mit einem Gulden rauher WƤhrung (zweiundfünfzig Kreuzer) hatten die zugehƶrigen Ortschaften noch einige Fronden der gnƤdigen Herrschaft zu leisten. Diese bestanden in leichten, aber teilweise eigentümlichen Obliegenheiten.

Auch hier ist die von Lucian Reich erweiterte zweite Auflage deutlich genauer und sie ist mit vielen Gegebenheiten aus Villingen erweitert.

Die Gemeinden Ober- und Niedereschach waren verpflichtet, den komturischen Beamten in Villingen das benƶtigte Brennholz in die Stadt zu führen, Weigheim hatte solches klein zu spalten, und Dürrheim mußte der Frau AmtmƤnnin das Kraut aus dem Garten in Haus und Keller schaffen sowie auch das Hanffeld ā€žlichen“ oder lichten. – Die ZustƤnde dieser Komturischen waren überhaupt ganz patriarchalischer Natur. So wurde zum Beispiel dem Holzfuhrmann nicht nur jedesmal ein guter Imbiß vorgesetzt, auch seine Pferde wurden unentgeltlich gefüttert.

Man hƶrt es vielleicht, aber mit dem Wort Komtur oder auch komturisch, konnte ich reichlich wenig anfangen. Der Komtur ist eine Amtsbezeichnung der geistlichen Ritterorden, also der Verwalter einer Ordensniederlassung. Zur Geschichte der Villinger Johanniterkomture gibt es auf den Seiten des Villinger Geschichts- und Heimatverein von Winfried Hecht mehr.

Johanniterkomtur Dietrich Rollmann von Dattenberg

Über den Johanniterkomtur Dietrich Rollmann von Dattenberg gibt es auch auf den Seiten des Villinger Geschichts- und Heimatverein von Wilfried Steinhart mehr. Allerdings wird dort nichts von der Stiftung erwähnt.

Ebenso erhielten die Handfrƶner tƤglich eine gute Suppe mit Fleisch und wenn der Kastenknecht gerade guter Laune war, so holte er auch noch einige Flaschen MarkgrƤfler aus dem von Heitersheim her stets wohlgefüllten Herrschaftskeller und trank dann mit den plaudernden „Hanflicherinnen“ aufs Wohl der gnƤdigsten Herrschaft, spaßweise dabei bemerkend, sie mƶchten ja still dazu sein. – Machte sodann der mit GeschƤften selten überhƤufte komturische Amtmann mit seiner Gemahlin einen Spaziergang vor die Stadt zu den großen, außerhalb der Ringmauer liegenden GƤrten, so fragte er die Weiber und MƤdchen im Scherz, ob sie nicht etwa um Mittag auf seine Gesundheit getrunken, es sei ihm plƶtzlich so wohl geworden – und dergleichen mehr.

So lebten die komturischen Untertanen (die hohe Gerichtsbarkeit mit dem Jagdrecht war dem Haus Fürstenberg verblieben), die außer dem ā€žSitzgulden“ weder Steuern noch Abgaben zu entrichten hatten, unter VerhƤltnissen, die uns heute fast unglaublich erscheinen.

Wenn nun der Mathisle mit seinem Vater, der jene Holzfuhren übernommen hatte, auf das Ritterhaus kam, wo ihnen der übliche Trunk verabreicht wurde, so hatte der Kleine hinreichend Zeit, sich in dem altertümlichen, mit Eichenholz getƤfelten und geschnitzten Saal umzusehen; er wandelte schüchtern, aber mit heimlicher Freude zwischen den die Decke tragenden HolzsƤulen herum und bewunderte die lebensgroßen Ritterbildnisse in ihrem prachtvollen Ornate. Mit gleicher Teilnahme konnte er sich spƤter im Malersaale des Benediktinerklosters umsehen. Diese Erinnerungen belebten nun Mathias in seinem Unglück. Ging es nicht mehr mit schwerer, so hoffte er mit künstlicher Handarbeit sein Fortkommen zu sichern. Bald hatte er sich Geschirr verfertigt, um allerhand GerƤtschaften zu drechseln und zu schnit-zen. Auch die Landwirtschaft setzte er nebenbei fort, indem er wieder hier durch geistige Kraft ersetzte, was ihm an kƶrperlicher abging. – Mehrmals hatte er versucht, vor versammelter Gemeinde um das Bürgerrecht einzu-kommen, doch ohne Erfolg. Die Bürgerschaft war eine geschlossene, d. h. auf eine gewisse Zahl beschrƤnkte, und von der Regel durfte nicht abgegangen werden.

Um diese Zeit besuchte der Kommandeur von Heitersheim die Kommende Villingen nebst den zugehörigen Ortschaften. Dies Ereignis schien dem Vogt eine vom Himmel gesendete Gelegenheit, seinem Schützling zu helfen. Er wählte Zeit und Ort, wann der Mathias vor dem gestrengen Herrn erscheinen und einen Fußfall tun könnte.

ā€žWie heißt dieser Mann? Wo ist er her?“ herrschte der Kommandeur den zagenden Mann zu seinen Füßen an. Doch der Vogt trat sogleich vermittelnd ein: ā€žEr heißt Mathias, gnƤdiger Herr, ist ein hiesiger Bürgerssohn und ein sehr fleißiger, braver Mann, der sich durch harte Feldarbeit ein Übel an der Hand zugezogen; aber trotzdem hat er ein großes Stück Feld auf so besondere Art angebaut und urbar gemacht, daß es schon bei einigen in der Gemeind Nachahmung g’funden hat. Er wƤr geneigt, sich zu verheiraten, allein weil er nit hiesiger Bürger ist, fehlt ihm der Consens. Seine Braut ist eine rechtschaffene, geschickte NƤherin und Stickerin. – GnƤdiger Herr! Ich als Vogt mƶcht wünschen, daß er als Gemeindebürger aufgenommen würde.“ Mathias lag immer noch auf den Knien. Der Kommandeur sah ihn scharf an; – das treue, ehrliche Angesicht des Bittenden mochte seine Wirkung tun, denn auch des Kommandeurs Miene Ƥnderte sich, und nach einigen Augenblicken des Schweigens sagte er feierlich: ā€žMathias, steh er auf, ich ernenne ihn hiermit zum zweiundsiebzigsten Bürger der hiesigen Gemeinde. – Vogt! Nehmt einen Akt darüber auf, ich werde ihn unterzeichnen.“

Mathias dankte stotternd dem gnädigen Herrn und küßte (denn darauf hatte ihn der Vogt besonders aufmerksam gemacht) sich verneigend den Saum seines Kleides. Dem Vogt wurde hierauf noch bedeutet, daß dem angehenden Bürger ein Anlehen von hundert Gulden aus der komturisch-dattenbergischen Stiftung gewährt sei, welches also geliehene Kapital, nach dem Willen des Stifters Dietrich Rollmann von Dattenberg, niemals aufgekündet werden konnte, solange nämlich der Schuldner richtig zinste.

ā€žApropos“, sagt der Ritter noch, als sich der beglückte Mathias entfernen will, ā€žseine Braut will ich auch kennenlernen; schick‘ er sie sogleich her.“ Der Vogt winkt, und Mathias, voll unaussprechlicher Freude, eilt zu seiner geliebten Anastas, verkündet ihr das Glück, zugleich aber auch die Aufforde-derung, alsobald vor dem gnƤdigen Herrn zu erscheinen. Das aber hƤlt schwer, bis Mathias zuletzt herausfƤhrt: ā€žEs muß sein, der Vogt hat mir noch besonders zugewinkt.“ Die Anastas nimmt sich also zusammen und geht, nachdem sie ihr bestes Kleid angezogen. Der Ritter grüßt das MƤdchen freundlich als Braut und künftige zweiundsiebzigste Bürgerin der Gemeinde. Sie dankt mit TrƤnen in den Augen und will ihm ebenfalls das Kleid küssen, aber der Ritter läßt es nicht zu, indem er sagt: ā€žNein! Nicht das Kleid, die Hand.“ Er fragt sie hierauf noch mancherlei und entläßt sie mit der Mahnung: sich fleißig und rechtschaffen zu halten, er werde dem Paar spƤter wieder nachfragen.

Oft erzƤhlte Anastasia diese Geschichte, und fast jedesmal schloß sie mit nassen Augen und den Worten: ā€žGott vergelt’s dem edlen Ritter!“ Unter Mühen und TƤtigkeit, aber mit Gottes Beistand verlebte das Ehepaar die ersten Jahre. WƤhrend die Anastas für Kunden nƤhte und stickte, übte sich ihr Mathias immer mehr in seinem Kunstgewerbe. Von einem herumziehenden Bildschnitzer, welcher Kruzifixe und Heiligenbilder fertigte, die seine ihn stets begleitende Tochter faßte, d. h. farbig bemalte, lernte er die wesentlichsten Handgriffe und Vorteile im Farbenreiben und Anstreichen.

Aber sie hatten noch herbe Jahre zu bestehen; sei es, daß Mathias durch nebenbei rastlos fortgesetzte Feldarbeiten oder durch schƤdliche Mittel sein altes Handübel verschlimmerte, genug, es wollte mit dem Ackerbau nicht mehr recht gehen, und auch das Kunsthandwerk nƤhrte seinen Mann nur kümmerlich. – Früher schon hatte ihm der Lange Hans, der zuweilen im Dorf hier übernachtete, den Rat gegeben, auf den Wald zu ziehen und seine Kunst allda auszuüben, indem es dort mehr zu verdienen geben würde; und jetzt machte ihm der Laubhauserbauer, der in GeschƤften zu seinem Vetter, dem Vogt, ins Dorf gekommen und von diesem auf den fleißigen Mann aufmerksam gemacht worden war, den Vorschlag, zu ihm nach Laubhausen zu ziehen, dort kƶnne er die kleine Mühle des Hofes besorgen und nebenbei noch mancherlei verdienen mit Schnitzen und Anstreichen.

Nach reiflicher Überlegung wurde das Anerbieten angenommen. Hatte doch Mathias lange genug in Mühlen gedient, um diesem GeschƤft, namentlich in so kleinem Umfang, vorstehen zu kƶnnen; und weil auf dem Wald der Müller zugleich BƤcker ist, so traf es sich auch in diesem Punkt ganz gut, denn Anastasia war die Tochter eines BƤckers und konnte also ihrem Mann erfolgreich an die Hand gehen. – Und so zogen die Leutchen mit ihrem einzigen Sƶhnlein auf den Wald, nach Laubhausen, wo sie ein leidliches Auskommen fanden.

Fast jedes Jahr kam Anastasia mit ihrem kleinen Hieronymus auf Besuch in das heimatliche Dorf, wo noch Eltern und Geschwister lebten. Einmal nahm sie den Weg, statt über Tannheim und Grüningen, durch das Kirnachertal, wo das vƤterliche Haus ihres Mannes stand. LƤngst schon wohnte aber niemand mehr von der Familie dort; gestorben und verdorben waren die mƤnnlichen Sippen, und ein Fremder hauste auf dem Gut. Anastasia erzƤhlte dies alles ihrem Sƶhnlein auf dem langen Weg dahin, und zwar tat sie es mit einem Ernst und einer Ausführlichkeit, als vergesse sie ganz, daß sie zu einem Kinde spreche: wie sie und der Vater sich kennengelernt, der schwere Anfang ihres Hauswesens, Sorgen, Krankheiten, Glück und Unglück. – Alles wurde im einzelnen besprochen und kritisiert.

Der Kleine hƶrte dies nicht zum erstenmal – nur hatte er bisher geglaubt, es verstehe sich ja ganz von selbst, daß alles so und nicht anders gekommen sei. – Als ihm endlich die Mutter das schwiegerelterliche Haus am Wege zeigte mit den großen Stallungen, eingezƤunten Wiesen und GƤrten – so konnte das Büble doch nicht umhin, zu fragen: warum denn der Vater das Gut nicht bekommen habe, wenn doch der Großvater und alle gestorben seien? ā€žDa wƤret mer jetzt au so reich wie der Laubhauserbur“, meinte er, ā€žund Ihr und der Vater dürftet euch nit mehr so plagen und schinde.‘ ā€žHab dir ja schon oft g’sagt, warum er ’s nit hat bekomme kƶnne!“ erklƤrte ihm die Mutter. ā€žNach dem Recht hat ja nur der jüngste Sohn das Haus und das Vermƶgen bekomme kƶnne, und die andern sind mit etliche hundert Gulde – wenn’s hoch kommen ist – abg‘ speist worde.“ Dieses Recht aber kam dem Kleinen sehr unrecht vor. Die Mutter mochte sagen was sie wollte, er blieb dabei. ā€žDa hƤttet Ihr jetzt au Küh im Stall, Mutter“, fing er wieder an, ā€žund der Vater hƤtt eigene Frucht und kƶnnt für sich schaffe.“

So ganz unrecht konnte die gute Frau ihrem Kinde nicht geben. Hatte sie doch selbst schon Ƥhnliche Betrachtungen hƤufig angestellt! – Etwas weiter hin am Wege ging sie dann mit ihm hinüber auf den alten Kirchhof, um dem Enkel die GrƤber seiner Voreltern zu zeigen. Sie fanden aber wenig mehr.

Nur auf einem halbversunkenen eisernen Kreuz glaubte sie den Namen der Familie entziffern zu kƶnnen. – Nachdem sie das mit hohem Gras bewachsene Grab mit Weihwasser, das der letzte Regen in einem Schüsselein nebenan zurückgelassen, besprengt hatten, gingen sie in die Kapelle, um dort für das Heil der Abgestorbenen ein kurzes Gebet zu verrichten.

Im Fortgehen konnte Hieronymus nicht umhin, mehrmals noch zurückzuschauen nach dem schƶnen Anwesen – bis dieses bei einer Krümmung des Weges hinter den BƤumen verschwunden war. – ā€žJetzt kommen wir bald nach Villingen„, sagte die Mutter, ein anderes GesprƤch anfangend. ā€žDa bist du noch nie gewese, mein‘, da sind viel Kinder, viel mehr als bei uns auf’m Wald.“ – Hieronymus freute sich, die schƶne Stadt mit ihren Kirch-türmen, hohen Toren und Ringmauern, von welchen ihm die Eltern so manches erzƤhlt, einmal sehen zu kƶnnen. – Und als sie bald nachher zum Tal hinauskamen und im fernen Riedfeld die stƤdtische Kuhherde weiden sahen, schlug der Kleine vor Verwunderung die HƤnde zusammen: ā€žEin‘ so große Herd“, rief er aus, ā€žhat ja nit emal der Laubhauserbur! Die ist ja hundertmal größer als die vom Laubhauser- und die vom Fischerbur.“ _ Und als ihm die Mutter sagte, dies sei noch lange nicht alles, ebenso groß sei die KƤlber- und Geißenherd, und nicht viel geringer die GƤns- und die Sauherde, so wollte es ihm fast unglaublich vorkommen.

Noch größer aber war sein Erstaunen, als sie der Stadt sich nƤherten und zum Tor kamen, wo sie den allmƤchtig großen Mann in seiner prƤchtigen Landsknechtstracht an der Wand abgemalt erblickten. – Die Mutter sagte ihm, dies sei der Romeias, der Wundermann, von dem ihm der Vater kürzlich erzƤhlt und gesagt hab, daß er früher so, wie er da abgemalt sei, in Villingen gelebt habe. Hieronymus hƤtte gern wissen mƶgen, was denn neben der Figur dort angeschrieben stehe? Aber die Mutter konnte aus der halberloschenen altfrƤnkischen Schnƶrkelschrift soviel wie nichts heraus-buchstabieren. – Da kam wie gerufen ein altes MƤnnchen vom ā€žRampart“ hergehumpelt, der wußte gründlich Bescheid als geborener Villinger. Der Romeias, so erzƤhlte er dem aufmerksam losenden WƤlderbüble, sei ein Kriegsmann gewesen, und in Villingen auf dem KƤferberg gebürtig.

So ist auch die Geschichte vom Romäus (Romesia genannt von Lucian Reich), und die Schwedenbelagerung in Villingen nur in der von Lucian Reich überarbeiteten Ausgabe zu finden . Die genaue Geschichte des Romesia Manns und auch das Bild auf das sich Lucian Reich bezieht kann auf den Seiten des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, nachgelesen werden. Ebenso die Geschichte mit den Schweden und dem Quecksilber.

altes RomƤusbild in Villingen am Turm

Obwohl von kleinen Eltern stammend, sei er doch so groß geworden, daß er mit seinen Pfauenfedern auf dem Hut weit über das zweite Stockwerk der HƤuser in der Hauptstraß‘ hinaufgereicht hab. Aber nicht nur groß – auch stark sei er gewesen. Auf einen mit zwei schweren BaumstƤmmen beladenen Wagen, den zwei Stiere nicht fortbringen konnten, hab er die Tiere auch noch aufgeladen, und die ganze Last allein fortgezogen. Den Rottweilern hab er zum Possen einen schweren eichenen Stadttorflügel aus den Angeln gehoben und sei damit fortgesprungen und erst auf dem Guckebühl einmal stehengeblieben, um sich nach seinen Verfolgern umzusehen. Seine große Leibskraft aber hab ihn bald so übermütig gemacht, daß er nach keiner Obrigkeit mehr etwas gefragt und sogar über den Villinger Schultheiß und Stadtrat rƤsoniert hab. ā€žDa haben ihn die Herren in Prison tun lassen“, erklƤrte das MƤnnchen, ā€ždort in den hohen St.-Michels-Turm, und wurde erkannt, daß er, wie die Chronik berichtet, sein Leben mit einem Stück Brot und Wasser beschließen soll. Der Romeias aber hat viel Freund und Gƶnner gehabt unter dem gemeinen Volk, und der Rat hat nit verhindern kƶnnen, daß sie ihm Speis und Trank bracht haben. Und soll er bei so gutem Appetit gewesen sein, daß er jeden Tag ein ganzes Kalb verspeist hab. Die Knochen aber hat er in die Mauer seines tiefen Turmes gesteckt und ist daran aufgestiegen und aus dem Arrest entwichen -’nüber in die Freistatt der Johanniter. Hier haben ihm die Stadtknecht aufgepaßt; er ist ihnen aber doch auskommen bei Nacht und schwerem Gewitter und hat sich in die Schweiz begeben, wo er im Krieg auf dem festen Schloß Küssaberg so unerhƶrt rühmliche Taten verricht‘ hat, daß ihn der Stadtrat allhier wieder in Gnaden auf-und angenommen und ihm bis an sein selig End die Herrenpfründ im Spittel bewilligt hat.“

ā€žIst es schon lang“, fragte Hieronymus, ā€ždaß der Romeias g’lebt hat?“ ā€žOh – das ist lang vor dem Schwedenkrieg gewesen“, sagte der gesprƤchige Alte. ā€žIm Schwedenkrieg aber, mußt du wissen, ist es in Villingen noch viel bunter zugangen als zu Romeias Zeiten. Man kann den Damm heutigentags noch sehen, draus bei der Ɩlmühle, den sie aufgeworfen haben, um die Villinger mit Kind und Kegel zu versƤufen wie die MƤus; ist ihnen aber ein kurioser Strich durch die Rechnung gemacht worden“, setzte er schmunzelnd bei, ā€ždenn als die Not am größten und das Wasser schon bis auf den Marktplatz gestiegen ist, haben die herinn einen bei Nacht und Nebel mit einem Schiffle und einem Fäßle voll Quecksilber ausgeschickt; es ist ein Malefikant gewesen, dem der Rat die Freiheit und das Bürgerrecht angeboten hat, wenn er den Anschlag glücklich zu End brƤcht – und hat’s auch wirklich vollführt und das Fäßle in den Damm praktiziert, den das Quecksilber heimlich durchfressen und unterminiert hat. – Und der Schwed hat abziehen müssen mit langer Nasen.“

Vielen Dank an Dominik R. Schaaf

Als man zƤhlt 1498 Jahr
Hat hier gelebt, glaubt fürwahr,
Ein Wundermann, Romeyas genannt,
Im ganzen Land gar wohl bekannt.
Nach mancher ritterlichen That,
Sein Stärke in verführet hat,
Fing an seine Obrigkeit zu schelten,
Das musst er hier im Turm entgelten.
Brach wunderlich mit List daraus
Und floh in Johanniter Haus,
Doch bald bei Nacht und grausam Gewitter
Entschlüpft er dem Asyl der Johanniter
Und zeigt im Schweizer Krieg sich groß
Auf Küssaburg, dem festen Schloß.
Mannlich Tat führt stets zum Frommen
Weshalb er wiederum Gnad bekommen,
Daß im Spital ihm bis in Grab
Die Herren-Pfründ gegeben ward,
Und endigt so sein Ruhm und Leben,
Gott wolle uns allen den Frieden geben!
Amen

Ā»Ja“, bemerkte Hieronymus, ā€žhabe denn die Schwede nit in die Stadt reinschieße kƶnne?“
ā€žUnd wie haben sie ‚reing’schossen!“ versetzte lachend der Alte; ā€ždu kannst die Müsterle noch sehen, drinn im Münster an Ketten aufgehenkt, groß und kleine Bohnen, die sie uns reinspediert haben auf den Markt und ins Kaufhaus. – Aber die Villinger haben’s nit fehlen lassen an Krachtorten, mit der Zugab von spanischem Pfeffer und Muskatnuß, die sie ihnen von der Bastei aus nausg‘ schickt haben ins Lager. Und es soll mehr als einer von ihne drauße ’s Krümmen und ’s Gliederreiße davon bekomme haben. – WƤr überhaupt noch viel zu sagen von den alte Zeiten!“ meinte der Altbürger, indem er, auf seinen Stock gestützt, mit ihnen durch das Tor schritt.

Gern wƤr Hieronymus nun auch in die Münsterkirche gegangen, um die verschiedenen Sorten Bohnen, von welchen der altertumskundige Mann ge-sprochen, und die schƶnen AltƤre dort in Augenschein zu nehmen, aber die Mutter meinte, für heute sei es zu spƤt, und vertrƶstete ihn auf ein ander-mal, und so hatte er nichts dagegen, als sie – weiter in die Stadt hinein-gekommen, wo es in den Straßen, an KauflƤden, Wirtshausschildern, hübschen Erkern und steinernen Brunnen, genug für ihn zu gaffen und zu bewundern gab – die Schritte statt zum Münster – zu einem Wirtshaus lenkten.

Gefühl der Ermüdung, mit Hunger und Durst vermischt, hatte sich bei dem kleinen Wanderer eingestellt. Das merkte er erst recht, nachdem sie am Wirtstisch sich niedergelassen. – Und als ihm die Mutter nebst dem gemeinschaftlichen Schoppen extra noch einen saftigen ā€žSchiebling“ mit Weißbrot hatte bringen lassen, schmeckten ihm diese Dinge so vortrefflich, daß er nicht umhin konnte, mehrmals wƤhrend des Essens mit dankbarem LƤcheln die blauen Augen zu ihr zu erheben.

Es dƤmmerte bereits, als sie das heimatliche Dorf erreichten. Der vorjƤhrige Besuch war in den Frühling, in die ƶsterliche Zeit gefallen, jetzt war es Herbst; und wenn damals die farbigen Ostereier im Hausgarten den Enkel glücklich machten, so waren es diesmal die reifen Zwetschgen, Pflaumen und Birnen, die nicht minder gut schmeckten. Und hatte er im Grase dann sich genug herumgetummelt und mit den Nachbarskindern gespielt, so erwartete ihn droben im freundlichen Leibgedingstüblein der Großeltern wieder eine andere Unterhaltung: denn da zeigte ihm die Großmutter ihre SchƤtze im Kleiderkasten, das schƶne ā€žNister“ mit den vergoldeten Gotte-geldern, das silberne Balsambüchsle, die Rose von Jericho und vor allem die große, glƤnzende Muschel, bei welcher sie nie unterließ, zu erzƤhlen, wie solche ihr Großvater mitgebracht vom fernen Meeresstrand, als er mit sieben anderen Gemeindebürgern nach Malta geschickt worden sei, beim Großmeister des Ordens sich zu beschweren über die Willkür eines Beamten in Sachen der Einkaufsgelder auswƤrtiger Eheweiber.

Und wenn ihm dann die Großmutter zu verstehen gab, daß dereinst, nach ihrem Tod, alle diese Schätze im Kasten ihm gehören sollten, so dünkte sich der Kleine im voraus schon reicher als Salomon in all seiner Pracht und Herrlichkeit. Der Rückweg wurde diesmal über Hüfingen genommen. Ein Nachbar, der mit Gerste ins Hofbräuhaus nach Donaueschingen fuhr, ließ die beiden aufsitzen.

Im StƤdtchen Hüfingen wollte Anastasia noch eine Base besuchen, die an einen dort stationierten Feldwaibel verheiratet war. Es lag zur Zeit eine fürstenbergische Grenadier-Kompanie dort in Garnison. – Dieser Besuch sollte nur ein ganz kurzer sein; aber die Base und der Vetter taten’s nicht anders, die beiden mußten warten, bis doch wenigstens ein Kaffee gemacht und in den hübsch bemalten Porzellantassen serviert worden war – eine Begebenheit, die unserm Hieronymus deshalb in langer Erinnerung blieb, weil es das erstemal war, daß ihm dieses damals auf dem Lande noch seltene GetrƤnk über die Lippen kam.

Nach solchen Ausflügen und Besuchen kehrte die gute Anastas immer wieder gerne zum eigenen Hauswesen zurück, denn dieses ist der Zwing und Bann, innerhalb welchem das Familienleben, gleich der Pflanze im Topf, wurzelt und sich entfaltet.

Wenn alsdann Anastasia wieder mit ihrem NƤhzeug im traulichen Stüblein saß am Fenster, mit der Aussicht das Tal entlang bis zur Stelle, wo das Sträßchen sich im Wald verliert, und wenn ihr Blick, wie in Erwartung von Ankƶmmlingen aus der Heimat, zuweilen hinausschweifte – und die schmeichlerischen Lüfte in leisen Wellen all die Wohlgerüche der Blumen aus dem GƤrtlein in die Stube trugen, wenn die SchlƤge der Holzaxt und das Krachen gefƤllter BƤume in den WƤldern und der Ruf der Waldvƶgel, vermischt mit fernen Kinderstimmen, kaum stƤrker an ihr Ohr drangen als der einfƶrmige Schlag der Wanduhr, so mußte sie sich sinnend selbst gestehen, daß es doch auch schƶn sei in dieser Einsamkeit wie überall auf der weiten Gotteserde.

Und ihrem Hieronymus, der als Wickelkind auf den Wald gekommen, gefiel es natürlich nirgends besser als hier in den Bergen – mochten die Ostereier und das Obst bei den Großeltern auch noch so wünschenswerte Dinge sein.

In dem Kapitel wird deutlich, dass die Mutter von Hieronymus, Anastasia, aus einer BƤckersfamilie in Villingen stammt. Am Ende des Kapitels besucht Anastasia das erst Mal mit Hieronymus die Base und den Vetter in Hüfingen. In Hüfingen ist eine Garnison der fürstenbergischen Grenadier-Kompanie und der Vetter ist „Feldwaibel“ dort.

Mehr zum Hieronymus gibt es hier:

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HƤusliches Stilleben – Sagen und Geistergeschichten – Die Heimatlosen

Hieronymus Kapitel 2

ā€œEs isch en Engel usem Paradies u Mutterliebi heißt si schƶne Amme.ā€
>Johann Peter Hebel

HƤusliches Stilleben -Sagen und Geistergeschichten
Die Heimatlosen

Ein Sommer voll Tätigkeit in Feld und Wald war für die Talbewohner vorübergegangen. Der Winter schickte seine Vorboten allmählich in das Land, und tagelange Nebel machten den stillklaren Herbsttagen, die im Hochgebirge gewöhnlich so wunderbar schön sind, ein schnelles Ende. Der Gesang der Vögel war längst verstummt, und die Blätter am Kirschbaum im Garten und das Heidbeerkraut auf den Feldern färbten sich glühend rot, und ein kalter Wind sauste durch die hohen Tannenwälder.

Sowie aber die Vögel sich zusammenscharen und das Wild in Höhlen lagert, so beginnt auch in dieser Jahreszeit in der Menschenbrust das Gefühl der Häuslichkeit sich zu regen, und der nahende Winter mit seinen geselligen Abendstunden gewährt einen wohltuenden Wechsel auf das ruhelose Auseinanderrennen während der langen Sommertage.

Auch in der Stube des Laubhauserhofes erblicken wir beim Scheine des Lichtspanes ein Bild friedlich hƤuslichen Stillebens. – Das Nachtessen ist vorbei. – Die ā€žHeim-“ oder ā€žHagarten“ sind, mit Ausnahme des Schulmeisters Bachweber, noch ferne. Auf dem Schoße der Mutter liegt der SƤugling, unsere Florentina, jedoch nicht mehr als still ruhendes Wickelkind, nein, wenn wir jetzt die zappelnde Kleine, ihre runden BƤckchen und das nebenan stehende leere BreipfƤnnchen betrachten, so kƶnnen wir merken, daß es mit dem Appetit und folglich auch mit dem ā€žTrueihen“ oder Gedeihen nach Wunsch bestellt sei. – Es scheint, als kenne es die Mutter schon, die im freudigen Anblick ihres Kindes all die vielen Sorgen und Mühen um das zarte Leben gerne vergißt. – Ihr Innerstes, ihre Gedanken jedoch kundzutun vermƶgen wir nicht; denn wer kann wissen, was eine Mutter an der Wiege ihres Kindes alles denkt und dichtet? Und wer die Sprache verstehen, die sie mit ihrem Liebling spricht? Nur eine Mutter selbst – denke ich – und derjenige, dessen allmƤchtige Hand diese Sprache und Liebe in die Menschenherzen eingeschrieben.

Auf der Bank nebenan schmaucht der Vater wohlgefƤllig in langen Zügen sein Tabakskraut, wƤhrend Peter, das Haussƶhnlein, dem Bachweber Gesellschaft leistet und die Holzschnittbilder im Buche betrachtet, in welcher der gelehrte Schulmeister nach dem Kapitel sucht, welches heute Abend vorgelesen werden soll. – Zwischen beiden ebengenannten Gruppen blicken wir in den den Hinterofen oder ā€žTempel“, wie der mit einer Tür versehene Raum zwischen Wand und Ofen heißt; hier sehen wir die betagte Großmutter, wie sie, sozusagen abgeschieden von der Welt, den Rest ihrer Tage verbringt und wie über den GrƤbern der Vergangenheit ihre stillen Gebete verrichtet, Ihr Sohn, der jetzige Besitzer des Hofguts, hatte dasselbe seit dem Tode ihres Mannes übernommen; er verwaltete es konservativ, abhold allen Neuerungen, in anerzogener und anererbter Weise, um es dereinst wieder ungeschmƤlert auf den Sohn übergehen zu sehen. Streng und genau haltend die Sitten und Gewohnheiten der Altvordern, sah er gerne, wenn sich seine Hausmannen und die sonstigen wenigen Nachbarn, die alle mehr oder minder in AbhƤngigkeit vom Hofgute lebten, in den Feierabendstunden um ihn versammelten; und er war alsdann der einzige ā€žFreie“ inmitten seiner ā€žHƶrigen“ und ā€žpofren Lüte“

Es mochte Wetter sein, wie es wollte, so wandelten zur Winterszeit (mit Ausnahme des Sonnabends, wo niemand Besuche machte) die gewƶhnlichen Hagarten, wie im Volksmunde besuchende Nachbarn und Freunde genannt werden, abends der warmen Stube des Laubhauserhofes zu. Bachweber, der Schulmeister und weitgereiste Schneider, war regelmäßig der erste, welcher sich einzufinden pflegte. Als Vorleser, der auch alles auszulegen verstand, war er der Gesellschaft ein stets willkommener Gast; und selbst der Laubhauser, der sonst nicht viel auf Wissenschaften hielt, hƶrte ihm gerne zu, wenn er aus dem Trostspiegel oder der Legende oder aus irgendeinem Ritter-oder Klosterroman ein Kapitel vortrug. Wenn jedoch bei Anhƶrung letzterer Lektüre die anderen in gewaltige Verwunderung oder gar Rührung gerieten, so pflegte er, als abkühlenden Niederschlag auf dieses Feuer, gewƶhnlich ganz trocken hinzuwerfen: ā€žGlaub’s doch keiner“, oder ā€ždas ist nur für alte Weiber!“

Nebst dem Bachweber stellten sich abends alle jene ein, die wir schon bei der Gasterei am Tauftage genannt haben. Unter diesen war aber der wunderlichste Kauz der alte Forstknecht und Fischer Stoffel. Schon unter dem alten Laubhauser wohlgelitten, hatte er nach Katzenart eigentlich mehr AnhƤnglichkeit an das Haus als an dessen Bewohner; wenigstens nahm er, der LƤnge nach auf der Ofenbank liegend, nur selten teil ein GesprƤch. Auch kam er nicht so regelmäßig wie die andern. Es vergingen oft viele Wochen, wo ihn niemand zu sehen bekam. Der G’huse oder Hausmann Mathias, der die kleine Mühle des Hofes zu besorgen hatte, gehƶrte dagegen zu den nie fehlenden AbendgƤsten; oft auch brachte er sein Sƶhnlein herüber, den kleinen Hieronymus, und für diesen hatte das große, schwƤrzlich angerauchte Haus mit seiner tiefen holzgetƤfelten Wohnstube etwas anziehend Heimliches, besonders wenn er noch so manches aus alter Zeit dabei erzƤhlen hƶrte.

Da stand zum Beispiel über der Wandvertiefung, in welcher der Bauer seine Schriften und Kaufbriefe zu verwahren pflegte, ein hƶlzernes Muttergottesbild, an welchem die Spur eines SƤbelhiebes zu sehen war. Oft erzƤhlte die Großmutter den Kindern, daß dieser Hieb von einem schwedischen, einst im Hofe einquartierten Reiter herrühre, der nach sotanem Frevel übermütig davongeritten, droben in der Schollach aber mit dem Roß gestürzt sei und den Hals gebrochen habe. – Auch an der Holzwand wollte die Ahne eine Spur sehen, welche – ich glaube, es war noch unter ihrem Großvater – das ā€žFronfastengespenst“ nach einem im Haus auf der ā€žStƶhr“ arbeitenden Schuhmacher, der aller Warnung zum Trotz am Samstagabend noch geschafft, zum offenen Fenster hereingeschleudert haben sollte.

Über der Haustür sah man noch stets das Hufeisen befestigt, welches, mit seinen drei NƤgeln auf einem Kreuzweg gefunden und unbeschrien aufgehoben, gegen den Blitzstrahl schützen sollte. Und auch der – jedenfalls uralte – StierschƤdel nahm – wie in vielen anderen Hƶfen – stets noch seinen zukƶmmlichen Platz ein, droben unter dem Dachfirst. Nach dem – vielleicht noch aus Heidenzeiten stammenden – Volksglauben war er trefflich geeignet zum Bannungsort für schadenfrohe, Viehkrankheiten verursachende Hauskobolde.

Die „wahre“ Geschichte um den StierschƤdel ist in der ersten Auflage nicht zu finden. Wahrscheinlich war es damals noch vielen bekannt, dass der StierschƤdel „der trefflich geeignete Bannungsort für schadenfrohe, Viehkrankheiten verursachende Hauskobolde war.„

Der StierschƤdel oben befindet sich in einem der alten BauernhƤuser der Vogtsbauernhƶfe.

Ob der Hausbesitzer an diese Dinge wirklich geglaubt hat, wüßte ich nicht zu sagen. Nur so viel ist gewiß, daß der Laubhauserbauer niemanden je gestattet haben würde, diese Dinge und Wahrzeichen von der Stelle zu rücken. HƤtte er sie bei der Hausübergabe nicht bereits vorgefunden, er würde sie auch nicht hingemacht haben. Sie waren einmal da und sollten da bleiben, solang er wenigstens das Leben hƤtte; und kam je ein Spƶtter oder Vorwitziger, der ihn nach der Bedeutung oder dem Nutzen dieser Dinge fragte, so erhielt er gewiß Antworten, die ihm jede weitere Erƶrterung gründlich verleideten. So zum Beispiel behauptete der Bauer von dem StierschƤdel, daß solcher von einem ā€žHagen“ oder Faselstier herrühre, der dem neumodischen Herrenvolk so aufsƤssig gewesen, daß er, wenn ihm einer in den Weg gekommen, stracks auf ihn losgerannt und nur dadurch zu besƤnftigen gewesen sei, daß der GeƤngstigte, auf den Zuruf des Hirtenbuben, schleunigst und hƶflich den Hut abgenommen habe. Dabei pflegte er allerlei Anspielungen und Bemerkungen zu machen über die Anmaßung und den Hochmut des Unvernünftigen, welche dem Frager im Herrenrock nichts weniger als schmeichelhaft klangen.

Ebenso konservative Gesinnung herrschte in religiƶsen Dingen im Hause vor. An der mit Schindeln beschlagenen Außenwand des Hofes hütete seit Menschengedenken das große, in Holz geschnitzte Kruzifix mit seinem frommen Spruch immer noch, seitwƤrts aufgehƤngt, den Eingang. Und ebenso alt waren sicherlich auch die Bilder in dem hinter dem Hause stehenden kleinen Betkapellchen. Und auch der gedruckte ā€žHaussegen“ an der Kammertür hatte kein Aussehen, als wƤre er kürzlich erst vom Jahrmarkt heimgebracht oder von einem Hausierer gekauft worden; stets noch war ihm zufolge das Haus unter den Schutz der Heiligen Familie, Jesus, Maria und Josef, gestellt, die es behüten sollten vor ā€žPestilenz und Feuersbrunst, Zauberei, Unheil und Mißgunst“. – Und in das zinnerne Weihwasserkessele neben der Tür hatten sicherlich schon die Urgroßeltern beim Hinausgehen aus der Stube, um sich zu segnen, die Finger eingetunkt.

Für unsern Hieronymus bildeten alle diese Dinge – wie schon bemerkt – etwas besonders Anziehendes. Namentlich auffallend war ihm der StierschƤdel unter dem Dache, den er jedesmal, wenn es Gelegenheit gab, mit einem gewissen Respekt betrachtete; nicht weil er sich etwa vor den hineinbeschworenen Kobolden gefürchtet hƤtte – diese machten ihm überhaupt wenig Kummer -, sondern weil ihm die Anekdote, die der Hofbauer von den Launen des Tieres gelegentlich zum besten gab, so wohl gefiel. Und wenn er und seine Kameraden um Heu zu stampfen auf die ā€žBühne“ kamen, so zogen sie, halb im Ernst, halb im Scherz, immer noch ihr LederkƤpplein ab vor dem hohlƤugig grinsenden, mit Spinnweben überzogenen SchƤdel, auf daß er nicht bƶse werde und sie auf die Gabel nehme.

Einst an einem frostigen Novemberabend waren die Freunde wie gewƶhnlich im Laubhauserhof versammelt; der anhebende Sturm schien den rauhen Winter mit Macht ins Land bringen zu wollen, und jeder fühlte sich doppelt beglückt, so behaglich in der warmen Stube sitzen zu kƶnnen. Meister Bachweber hatte eben ein Kapitel aus der Legende, und zwar, der Jahreszeit gemäß, von einem der sogenannten ā€žkalten Helgen“ vorgelesen. – Und als nach seinem Vortrag das GesprƤch endlich auch auf das Wetter gekommen, bemerkte der Laubhauser, ā€žwenn so stürmisches Wetter g‘ wesen ist, so hat mei Großmutter, trƶst sie Gott, allemal das dreifache Almosen in die Lüfte g’streut.“

ā€žMan hat früher viel so aberglƤubisch Wesen gehabt“, warf Bachweber hin, der als weitgewanderter, aufgeklƤrter Mann keinen Aberglauben dulden mochte, seinen eigenen natürlich ausgenommen. ā€žHat man ja doch früherer Zeit hinter jedem Ofen, in jedem alten GebƤu und GemƤuer, in Wind und Wetter Geister und Gespenster sehen und hƶren wollen.“

ā€žJa sogar auf den Schuhen!“ versetzte sarkastisch der Hofbauer – zum nicht geringen GelƤchter der übrigen. Denn keinem war es unbekannt, wie der Schulmeister eines Abends, aus dem Hammerwirtshaus heimkehrend, von einem Gespenst übel gefoppt und geƤngstigt worden war. Zu einer Stelle im Wald gekommen, wo, wie der Hofbauer sich ausdrückte, wenn er die Geschichte zum besten gab, hƤufig schon Roß und Esel, besonders wenn sie stark geladen hatten, scheu geworden, wurde es dem einsamen Wanderer, welcher des Guten im Wirtshaus etwas zu viel getan, plƶtzlich schwül und ungeheuerlich zumut. Die finstern Tannen rauschten und schüttelten sich, wie von GeisterhƤnden hin und her gezerrt, und große Tropfen fielen ins dürre Moos.

Der Schulmeister – sonst kein Hasenfuß und gegen Wind und Wetter abgehƤrtet – nahm sein großes Regendach unter den Arm und fing an zu laufen, rennst nit, so gilt es nit, dem sichern heimischen Herde zu. Da fing es auf einmal an, dicht neben ihm zu tappen und zu klatschen – und je behender er auszog, desto vernehmlicher folgte ihm der Spuk – und war nicht eher still, als bis der Ausreißer der LƤnge nach im nassen Straßengraben lag.

ā€žUnd wer meint Ihr“, fragte der Laubhauser, der diese Geschichte dem Schulmeister zum Schabernack auch diesmal ausführlich vorbrachte; ā€žwer meint Ihr, wer das G’spenst g’wesen ist?“
ā€žNiemand anders als die Laschen auf meinen Schuhen!“ fiel der Gefoppte lachend ein; ā€žmeine Schuhlaschen, die beim Rennen auf und ab klappten. – Ihr wüßtet ja die Geschichte alle nit, wenn ich nit so dumm gewesen wƤr, sie selber auszuplaudern.“
ā€žAllerdings spielt selbst bei Studierten und Couragierten die Einbildung manchmal die Hauptroll!“ bestƤtigte Mathias mit absichtsloser Zweideutigkeit. ā€žUnd wenn man recht auf den Grund schaut, so steckt g’meiniglich nit viel dahinter. – Herentgegen komme wieder Sache vor, über die keiner so leicht naus kommt. Bin grad auch nit stark mit G’spensterfurcht behaftet, aber e‘ G’schichtle wüßt ich zu verzƤhle, für das ich gutstehn kann.“
ā€žRaus damit!“ hieß es von allen Seiten. ā€žMacht’s gnƤdig, Vetter, lügt, daß man’s auch glaube kann“, bemerkte schmunzelnd Schulmeister Bachweber.

ā€žDie G’schicht ist wahr, sie dürft gedruckt im Kalender stehn“, versicherte der Mathias. ā€žIch will’s aber kurz mache, auf daß Ihr unglƤubiger Thomas da“, sagte er zum Schulmeister, ā€žkein‘ Anstoß daran nehmt.* – Trotz dieser Klausel erzƤhlte er aber die Begebenheit oder vielmehr die Sage vom ā€žSchnaufer“ in der alten Entenburg an der Donau bei Pfohren so umstƤndlich wie mƶglich. Hatte er doch selbst eine Zeitlang in der Mühle zu Pfohren gedient und war er doch selbst zugegen gewesen in selbiger Kunkelstube, wo die jungen Burschen mit dem beherzten Mareile gewettet hatten, es getraue sich nicht, bei Nacht und Nebel hinauszugehen an die Entenburg und dort zum Wahrzeichen seine Spindel ins Schlüsselloch des alten, zur Zeit als Zehentscheuer benützten GebƤudes zu stecken. Die junge Magd sei auf die Wette eingegangen, aber nicht mehr zurückgekommen. Und als die Burschen nachgegangen, hƤtten sie die Ƅrmste besinnungslos vor dem Schloßtor liegend gefunden. ā€žWas ihm passiert ist, dem Mareile“, schloß der Mathias seinen Bericht, Ā»weiß heut noch kein Mensch. Nur ’s Nazis Ottile, en alt’s Weible, das draus im letzten Haus an der Dona g‘ wohnt hat, die hat g’seh und g’hƶrt habe wolle, wie oben am Giebel en Laden aufgange sei, und einer rausg’rufe hab: in drei Tag und drei NƤcht! – In drei Tagen ist richtig ’s Mareile verschiede. – Oft noch habe die Zehentdrescher – und ich selber verschiedene Mal – den Schnufer im Schloß g’hƶrt; – es soll g wiß – so hab ich wenigstens von einem Studente g’hƶrt – der Kaiser Caroli, ich glaub, den Dicke hat man ihn geheiße, dort in der NƤh im Morast verstickt sein.“ ā€žNachteulen oder Windzug!“ brummte der Stoffel, verdrießlich auf seinerOfenbank sich umkehrend.

Die Sage vom „Schnufer“ und Mareile in der Pfohrener Entenburg hingegen ist in der ersten Auflage besser erklƤrt.
So verspricht der Oberbure Kasper der Mareile einen neuen Gürtel mit BƤndel, wenn sie sich traut nachts an der Entenburg ihre Spindel ins Schlüsselloch zu stecken. Als sie nicht zurück kommt suchen die jungen Leute Mareile und finden sie ohnmƤchtig im Gras liegen. Mareile kann ihnen nicht mehr erzƤhlen, was los war und stirbt drei Tage spƤter. Die alte Frau im letzten Haus, sagt gehƶrt zu haben: „drei Tag und drei NƤcht, da schwƤtze mer mit enander“.

ā€žGanz gewiß Eulen oder Zugwind!“ wiederholte Freund Bachweber.
ā€žOder Schuhlaschen“, warf der Laubhauser lachend hin.
„Will’s nit bestreite“, versetzte der Mathias., ā€žAber was sagt Ihr zu dem, Vetter?“ wendete er sich zum Schulmeister. ā€žBin emal bei’m alte Kuhhirt g’standen im Ried zwischen Pfohren und Neudingen; da sagt der Mann zu mir: „Siehst drobe den schwarze Ritter am Fürstenberg? Jedesmal, wenn der sich zeigt, gibt’s Hagel oder Ungewitter.‘ – Und richtig ist’s auch eingetroffen.“
„’s Unwetter ist eingetroffen“, entgegnete Bachweber, ā€žaber der Ritter? Den hat wahrscheinlich nur der Kuhhirt g’sehn.“
ā€žEn Reiter hab ich g’seh“, bekrƤftigte der Mathias, ā€žob aber grad en schwarze, mƶcht ich nit beschwƶre. – Dagegen kann ich sage, daß ich bald nachher in finsterer Nacht das Licht an der Rittersteig am Warteberg verblickt hab, von welchem Licht alte Leut so viel verzƤhle. – Und hab den Geist selber auch noch persƶnlich kenneg‘ lernt.“
„’s wird einer z‘ Licht gange sein, drobe beim Bur“, meinte Bachweber.
ā€žNein, aber der Bur ist’s selber g‘ wese, dem e Kalbin scheu worden und durchgangen ist, die er und der Knecht mit Laternen am Berg rum g’sucht habe; so ist mir am andern Tag g’sagt worden in den drei LƤrchen im Bier-haus, wo ich einkehrt bin und e Schƶpple trunke hab.“ ā€žSo geht’s halt meist mit ganz natürlichen Dingen zu“, meinte der Schulmeister.

Der „schwarze Ritter am Fürstenberg“ der sich vor Unwetter zeigt, wird nur in der zweiten Auflage besprochen.

ā€žFreilich“, versetzte Mathias.
ā€žAber es gibt herentgegen auch wieder Leut, die solche natürliche Auslegungen nit wolle gelte lasse.
ā€žVersteht sich, gibt’s solche Leut“, sagte der Bachweber, ā€žund mit solchen ist nit gut streiten. Da hƤtt’s einer mal probieren solle, meiner Großmutter selig auszureden, es geb an der Breg keine Schlange mit goldne Krƶnle auf dem Kopf. Wie oft hat sie uns Kindern verzƤhlt, wie einmal an ‚me heiße Sommertag so eine Schlangenkƶnigin im Bach gebadet, ihr goldnes Krƶnle aber vorher am Bord unter dem Gebüsch abg’legt hab. Ein Mann hab sie ausgepaßt, sei hingeschlichen und hab ihr die Kron wegstibizt und sei damit fortg’sprungen. Die Schlang aber wie en Pfeil aus dem Wasser raus, ihm nach. Der Mann aber hab glücklicherweis sein HƤusle noch erreichen und die Tür hinter sich zuschlagen kƶnnen, an welcher die Schlang dann ’s Hirn ein-g’rennt hab. –

Auch die Geschichte der „Schlange mit der goldenen Krone“ die es in der Breg gibt, wird nur in der zweiten Auflage besprochen.

Hier weiß die Großmutter zu berichten, dass die Schlangenkönigin mit der goldenen Krone im Bach gebadet habe und dafür ihre Krone im Gebüsch bei der Breg versteckt habe. Ein Mann hätte ihr da die Krone wegstibitzt und sei damit fort gesprungen. Die Schlange aber, wie ein Pfeil aus dem Wasser heraus ihm nach. Der Mann ist in sein Haus gerannt und hat die Türe hinter sich zugeschlagen. Wie die Geschichte weiter geht, wird leider im Buch Hieronymus nicht berichtet.

Hieronymus 2.0 weiß aber mehr:

Das sind so G’schichtle, wie man sie den Kindern verzƤhlt!“ ā€žAuf solche MƤrle“, nahm der Fohrlenbacher das Wort, ā€žist allerdings nit viel zu gebe. Aber es gibt auch wieder Sache, die keiner so leicht wegdisputiere kann. Denn was man mit eigenen Ohren und Auge hƶrt und sieht, das muß man doch glaube. So sagt man vom TƤlingerhof, daß dort jedesmal, bevor daß en Krieg ausbricht, ’s Wildheer mit Fuhrwerken und Strohschneiden auf der Bühne sich hƶre laß. Und wirklich hat’s mein Bruder, der beim PƤchter als Knecht gedient hat, selber g hƶrt – und richtig ist auch bald drauf der SiebenjƤhrige Krieg ausgebroche.“
ā€žGanz richtig, er ist ausgebrochen“, versetzte Bachweber, ā€žund ich selber hab ihn bekanntlich noch mitgemacht, ’s letzte Jahr vorm Friedensschluß – als Kompanieschneider. – Aber was es mit dem wilde Heer für Bewandtnis hab, will ich dahing’stellt sein lasse. – Schauet, Fohrlebacher, so hab ich als Hirtebub oft auch g’meint, ich seh droben auf m einsame Kolmen und in der NƤh vom großen Hof ‚ Kolmeweible in seiner grüne Jüppe und dem gelbe Strohhut; und manch Hirtenkind hat das Weible schon wolle g’seh habe, wie es die lange Haar strƤhlt am Brunne, vor dem das Vieh, wenn’s noch so durstig ist, g’wiß scheue soll. – Und wie manchmal hab ich als Bub mir vormacht, ich seh den Landenberger droben im Wald, wie er den Kopf unterm Arm, verkehrt auf seinem Schimmel durch die Hürste reite, und ist doch nix als lauter Trug und Nebeldunst gewesen.“
ā€žDer Landeberger, Bachweber, soll aber wirklich früher g’lebt haben als Landvogt*, entgegnete der Fohrlenbacher, ā€žund weil er den Leuten ungrechterweis die Waldungen abprozessiert und ihne fast das Blut unter den NƤgeln vorgedruckt hab, so müss‘ er jetzt, heißt es, b’stƤndig noch geistweis gehe.

Dass „s` Wildheer mit Fuhrwerken und Strohschneiden auf der Bühne sich hƶren läßt“ bevor ein Krieg ausbricht, gibt es nur in der von Lucian Reich überarbeiteten Version. Wobei, ich persƶnlich mit der Beschreibung nichts anfangen kann. Auch die Geschichte vom Kolmeweible in seiner grüne Jüppe und dem gelbe Strohhut, bleibt wohl ein RƤtsel.

ā€žWenn’s wahr wƤr“, meinte Bachweber, ā€žso müßt ihn der Klaus da g’wiß auch schon getroffe habe; denn kein Stund im Tag und keine in der Nacht vergeht, wo der Klaus nit draußen ist beim Kohlhaufe. Nit wahr, Klaus?“ ā€žHab ihn noch nie verblickt – bin überhaupt kein Geisterseher und kein Sunntigskind“, versicherte der ehrliche Kohlenbrenner.
ā€žIch bin’s auch nit“, warf der Fohrlenbacher hin.
ā€žAber doch glaub ich das, was man vom Schützeklaus verzƤhlt droben in Waldau und St. Peter.“

ā€žEi ja, daß der Schützenklaus ein herrschaftlicher Forstknecht gewesen ist, glaub ich auch“, sagte Bachweber; ā€žund die Talleut in selbiger Gegend haben’s genugsam erfahre, wie er sie durch sein gewalttƤtiges Wesen gereizt und fast zur Rebellion gegen die vorderƶsterreichische Regierung getrieben hat. Aber daß er jetzt noch die Holzmacher, und wer sonst im Wald zu tun hat, schikanier und als wilder JƤger rumgeistern soll, das mƶcht ich bezweifle.Ā«

ā€žNu – man sagt nur davon!“ erwiderte der Fohrlenbacher. ā€žSo bin ich kürzlich mit dem Ratschreiber von Furtwange zusammeg wesen und sind wir auch auf derlei Sache zu rede kumme und hat er mir versichert, daß neulich wieder der Rampegeist auf der Steig dort g‘ sehe worde sei. Und zwar sei es e bekannte BƤurin aus m Ort selber g wese, die mit ihre zwei Kinderle drauß g’wesen und den weiße Mann ohne Kopf auf sein’m zweirƤdrige Karre, den niemand gezoge hab, daherkutschiere g’sehe hab. Beim Kreuz unterm Baum sei aber das wunderbarlich Fuhrwerk verschwunde.“ „’s ist sonderbar“, bemerkte der Stoffel, ā€ždaß die Geister so gern ohne Kopf rumgehn oder ihn – wie galante Herren den Hut – unterm Arm tragen – oder gar auf’m PrƤsentierteller!“

Ā»Ja, spottet nur, Stoffel!“ sagte Vroni, die alte Magd, die, emsig ihre Spindel drehend, bisher schweigend dem GesprƤch zugehƶrt hatte. ā€žKann Euch wohl auch mal geh‘ wie selbige junge Bursche, die mit ihre Liebsten aus dem Wirtshaus von der Oscheck heimgange sind; es ist auch so einer dabei g’wese, der sein G’spƶtt getrieben und im Übermut g’rufe hat: „Rampegeist kumm, wenn du Courage hast! Kumm, ich fürcht di nit!‘ Auf das kummt e schreckliches Brausen und Sausen und nimmt den Kerle von den andern weg, und treibt und schleift ihn beim alte Rampehof durch die Mistgrub und von da weiter, die Halden ab, wo ihn die Kamerade g‘ funden und mit knapper Not wieder zum Lebe bracht habe.“

„’s ist alles mƶglich“, nahm die alte Barbara das Wort, die kurz vorher eingetreten, weil sie bis dahin bei einer Wƶchnerin im Tal beschƤftigt gewesen und jetzt gekommen war, um ihren Bruder, den Kƶhler-Klaus, heim-zubegleiten. ā€žHat man ja“, fuhr sie fort, ā€žauch den GeißemƤckeler wieder hƶre wolle, drübe bei St. MƤrgen und Neukirch.“

ā€žDer GeißemƤckeler„, erklƤrte der Schulmeister, ā€žist kein anderer als der Schützenklaus. Es soll dazumal – wie mir der Vogt in Simonswald gesagt hat eine so strenge Waldordnung eingeführt worden sein, daß den Leuten nicht nur das Laufenlassen der Geißen, sondern sogar das Halten derselben verboten gewesen sei. Der Forstknecht sei deshalb oft nachts an den Berghütten rumg schlichen und hab gemƤckelt wie e‘ Geiß; und hab ihm eine drinnen Antwort geben, so sei der Eigentümer in Straf kommen. Deswegen hab auch en arme Frau den Geißestall mitten in ihr HƤusle g‘ macht, auf daß der JƤger die Tierle nit mehr hƶren soll. – Kein Wunder, daß er von den arme Leut verflucht worden ist und noch heutigentages, wie manche meinen, als bƶser Geist umgehen und vor den StƤllen meckern oder in Wald und Feld sein Wesen treiben muß.“
ā€žDummheiten!“ murrte der Stoffel auf seinem Laubsack. ā€žAltweiberfabel! WƤr wohl der Müh wert wege so e paar magere Geiße!“
„’s ist wahr!“ meinte der Kƶhler-Klaus. ā€žAber gemeiniglich ist doch was an solche G’schichte. So soll zum Beispiel der BodewƤlder, von dem es heißt, daß er sein Wese treib auf dem lange Bergrucke gege‘ Rohrbach hin, vor hundert Jahre wirklich g lebt habe. En franzƶsischer General, heißt es, hab er umbracht und ihm ’s Geld abgenomme. Der Franzos aber soll vor sei m Tod den Mƶrder noch benamst und verflucht habe. Drum will man sage, der Geist geh bestƤndig noch um und führ die Leut, wenn sie durch den Wald kumme, vom rechte Weg ab. – Und ich selber hab en Krattemacher vom Rohrbach kennt, der mich versichert hat, der BodewƤlder sei schon e paarmal an ihn kumme, wenn er heimgange sei durch den Wald. Auch sein Vater, hat er behauptet, hab ihn früher manchmal g’sehen im Holz in allerlei G’stalt, einmal als en schwarzer Pudel, das andermal als Feuerflammen oder gar als Has mit rote Strümpf. – Welches Menschenkind aber den BodewƤlder von seiner Ruchlosigkeit bekehrt und ihn verlƶst, der soll – so sagt man – den Kessel voll Gold bekomme, den er nach selbiger Mordtat im Wald verscharrt hab.Ā«

ā€žWenn alle Leutplager und ÜbeltƤter nach ihrem Tod geistweis gehn müßte“, bemerkte der Bachweber, ā€žso gƤb es bald mehr G’spenster als Menschen auf der Welt!“

ā€žJa, es gibt aber auch solche“, warf der Oberknecht Melcher aus dem Hintergrund der Stube ein, ā€ždie vorher keine Mensche g’wese sind. So wie zum Beispiel der Hollohoh, das grausige G’spenst draußen am Schelleberger-wald, das schon so manchem den Hals umdreht hat. – Hat man nit erst kürzlich den alte Frieder tot am Abhang dort g’funde, mit verstrubbeltem Hoor und kƶlschblau im G’sicht?“

ā€žDas hat man!“ bekrƤftigte Bachweber. ā€ž Was aber dabei im Spiel g’wesen ist, en Schluck über den Durst – oder “ ā€žSchuhlaschen!“ fuhr der Laubhauser zum GelƤchter der übrigen dazwi-schen, ā€ždas hat niemand erfahre.“ ā€žDer Melcher hat nit unrecht“, sagte Mathias, nachdem wieder Stille ein-getreten, ā€žwenigstens was den Glauben der Leut anbetrifft – untersuche will ich’s nit. – Aber wie oft hat uns die Großmutter selig von der Nachtfrau verzƤhlt, die auf de DƤchern sitzen und den Kindern so aufsƤssig sein soll. – Und der schwarz Hund, der mit feurigen Auge -„

ā€žOh, so verzƤhlt doch keine so schreckhafte Sache!“ unterbrach und bat die LaubhauserbƤuerin, ihr Kind, das unruhig aus dem Schlaf erwacht war, aus der Wiege nehmend und beschwichtigend an die Brust drückend; ā€ž’s ist mir ohnehin, als sei was Ungrads. – Wie der Sturm drauß tut, wenn’s nur heut nacht kein Unglück gibt!“

ā€žHƶrt ihr nit, wie die armen Seelen in de Lüfte heule?“ sagte die Fahlenbacherin, aus dem Hinterofen schleichend, wo sie der halbtauben Großmutter Gesellschaft geleistet hatte und jetzt zum Fortgehen sich anschickte. Sie meinte damit jenen alten Volksglauben, nach welchem das Heulen des Sturmes von abgeschiedenen, im Winde hin und her gepeitschten Seelen herrühren solle.

Die Geschichten vom Schützeklaus in Waldau und St. Peter, dem Rampegeist in Furtwangen, der Geißemäckeler bei St. Märgen und Neukirch, dem Bodewälder bei Rohrbach und allen voran der Hollohoh, einem recht wilden Gespenst am Schellebergerwald, all diese Geschichten müssen wohl noch aufgeschrieben werden.

Heute beschützen einige Engel den Wald auf dem Schellenberg und der Hollohoh wurde schon lange nicht mehr gesehen.

Das entfesselte Element tobte aber auch in der Tat außergewöhnlich; es sauste und rüttelte an den alten Holzwänden, daß es im ganzen Hause ächzte und knisterte, als regten sich überall in Balken und Brettern heimliche Lebensgeister.

Das GesprƤch stockte eine Weile, und alle horchten auf das Unwetter. – Da unterbrach plƶtzlich ein starkes Klopfen von außen die Stille. Der Hofhund, der anfangs wütend gebellt, wurde ganz ruhig – und alle sahen einander betroffen an. Der Hausherr erhob sich, um nachzusehen; seine Frau aber ermahnte ihn, doch ja nicht allein hinauszugehen. ā€žDie Nacht ist keines Menschen Freund“ sagte sie, und der Fohrlenbacher schickte sich an, ihn zu begleiten.

ā€žWer ist da?“ fragte der Bauer, die Haustür ƶffnend; und von außen antwortete eine bekannte Stimme:
ā€žDer Graf von Nirgendheim und Bettelrain, Vom großen Orden, Der Tag und Nacht marschiert, Hunger leidet und halb verfriert!“
Teufel flieh, wie habt Ihr uns verschreckt!“ entgegnete der Hofbauer, den spƤten Gast in die Stube geleitend. – Es war der Lange Hans, der bekannte Landfahrer, der, seiner Bande vorangehend, so spƤt noch Herberge suchte auf dem Hof. Es war dies keine Seltenheit; denn oft kamen sie mitten in der Nacht auf die Einƶdhƶfe und nahmen ungefragt Besitz von Küche, Stube und Heustall. Von den Bauern aber wurden sie geduldet, teils aus Furcht vor bƶswilliger Rachsucht, teils aus Gewohnheit und Neugierde; denn als vielwissende NeuigkeitskrƤmer und Berichterstatter, die es übrigens mit der Wahrheit nicht immer so genau zu nehmen pflegten, wurden diese Heimatlosen von den Bauern mit demselben Interesse begrüßt, wie wir heute etwa dem Erscheinen unserer Zeitungen und WochenblƤtter entgegensehen.

Der Lange Hans hatte sich in der Stube, wo er als gewohnter Gast empfangen worden, sogleich beim Stoffel auf der Ofenbank niedergelassen. – Nicht lange ließ seine nachfolgende Sippschaft auf sich warten. Bald hƶrte man sie im Hausgang rumoren und bald auch in der Küche ihr geschƤftiges Wesen treiben. Es waren gekommen: Trautel, die rechtmäßige, im Ausland kopulierte Gattin des Langen (der Trauschein war ihnen leider abhanden gekommen), der langhaarige Schwarz Sepple, ihr vielversprechender Sohn, Schƶn Rƶsel, ihr talentvolles Tƶchterlein, der alte Stumpfarm, die Lohr-mƤnnin, die KartenschlƤgerin und alte Hexe, von welcher manche behaupteten, sie sei auch schon gesehen worden bei den nƤchtlichen TƤnzen in des Junkers von Ramschwag Schloß – nebst verschiedenen andern und mehreren großen und kleinen Sprößlingen.

Bei dieser, in den verschiedensten Graden miteinander verwandten und verschwƤgerten Kompanie, genoß, wie bereits angedeutet, der Lange Hans, als Altester, großes Vorrecht und Ansehen; auch war er weit und breit beliebt als fertiger Tanzgeiger, Schnackenmacher und Berichterstatter. – WƤhrend nun die Weiber drauß in der Küche ihre Kƶrbe, Krezen, MehlsƤcke und SchmalzhƤfen auspackten und ihre wohlerzogene, aber etwas gefräßige Jugend mit Maulschellen und sonstigen Liebkosungen zur Ruhe verwiesen, erzƤhlte der Hans seinen Freunden in der Stube eine nicht ganz unwichtige Neuigkeit. Als sie bei ihrem Zug über das ā€žHƶchst* hergekommen, berichtete er in seiner schwƤbisch-heubergischen Mundart, hƤtten sie eine starke Rƶte am Himmel bemerkt, die ohne Zweifel von einer Feuersbrunst herrühren müsse. ā€žGott soll mi leabe lau“, schloss er seine ErzƤhlung, ā€žd Welt wurd Ƥll Tag schleachter und verdorbener, die arme Leut (hier meinte er sich und seine Zunft) werdet verfolgt und unterdruckt; drum schickt unser Herrgott Warnungen und Strofe.“

Die Anwesenden wurden durch diesen Bericht in nicht geringe Angst und Besorgnis versetzt. Der Richtung nach, die der Vagabund angegeben, konnte es ganz wohl die Gemeinde sein, wo der Kaiserzoller wohnte; und HausbrƤnde wurden damals, bei dem gƤnzlichen Mangel an Feuerversicherungsanstalten, allgemein für ein großes Unglück angesehen, indem der davon Betroffene, wenn ihm nicht gute Freunde und Nachbarn helfend und beisteuernd unter die Arme griffen, gewƶhnlich um Haus und Hof kam. – Der Laubhauserbauer beschloß deshalb, morgen mit dem frühesten hinüberzureiten zum Schwager, um sich vom Grund oder Ungrund seiner Besorgnis an Ort und Stelle überzeugen zu kƶnnen.

Die Hagarten waren lƤngst schon ihren Hütten zu, und die Hausangehƶrigen zu Bette gegangen. Aber in der Küche, wohin sich nun auch der Hans begeben, herrschte noch lange – bis gegen Mitternacht – GeschƤftigkeit und Unruhe. Ein großes Feuer war auf dem Herde angefacht worden, und wenn dasselbe nicht lustig genug brennen wollte, warf Trautel, die erprobte Kƶchin, ganze Klumpen Schmalz auf die Holzstücke, so daß die Flamme zischend und prasselnd in die Hƶhe fuhr, die unheimlichen Gestalten grell beleuchtend. – Und wer das üppig bereitete Mahl, welches die braunhƤutigen Kinder der Nacht von ihrem zusammengebettelten Vorrat hier geschmort und gekocht, gesehen und davon verkostet hƤtte, dem würde solches eine sonderbare Illustration abgegeben haben zu der Verfolgung und Unterdrückung, von welcher der Lange kurz vorher gesprochen.

Früh morgens, als die Vagabunden gegen ihre Gewohnheit ohne lƤngeren Aufenthalt weitergezogen, kam, ehe der Hofbauer noch sein Roß gesattelt hatte, ein Bote vom Kaiserzoller angeritten mit der Nachricht, daß es gestern abend bei ihnen gebrannt habe: das Feuer sei im Nachbarshaus angegangen und habe bei dem starken Wind den Schopf und Anbau des Kaiserzollers ergriffen, dessen WohngebƤude aber glücklicherweise verschont. – ā€žGottlob“, sagte die HofbƤuerin, ā€žso ist doch allemal noch ein Glück bei allem Unglück. Ich hab’s aber geahnt!“ Ihr Mann ließ sich alsogleich den bereits aufgezƤumten Gaul vorführen und ritt mit dem Boten hinüber zu den Verwandten, die er zwar noch bestürzt und verwirrt, aber doch soweit getrƶstet fand, daß die Flamme wenigstens das WohngebƤude verschont habe.

Am Ende des Kapitels treffen wir zum ersten Mal auf die Jenischen. Lucian Reich nennt sie Landfahrer und bezeichnet nur ihre Sprache als Jenisch. Weiter im Buch wird er ihnen noch ein ganzes Kapitel widmen. Die Verfolgung der Landfahrer beschƤftigte ihn sehr und er beschreibt ihr Leben in der Region (Schweiz/Baar/Schwarzwald/Elsass), wohl ahnend, dass dem bald ein Ende ist.

Hier geht es zu Kapitel 3

Bachweber liest vor

ā€œEs isch en Engel usem Paradies u Mutterliebi heißt si schƶne Amme.ā€
>Johann Peter Hebel

Hier geht’s zur Übersicht:

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Die heilige Taufe – Einkehr und Taufschmaus

Hieronymus Kapitel 1

Die Szene spielt in den 1770er Jahren und wurde etwa 70 Jahre spƤter von Lucian Reich geschrieben.

ā€œgeb dir Gott e glücklich Jahr und freudige Sinne!ā€
>Johann Peter Hebel

Die heilige Taufe – Einkehr und Taufschmaus

An einem jener lieblichen Tage, wo nach langem Winter der junge Frühling wieder neue Liebe, neue Lebensfreude über die Erde ergießt, wurde im einsamen Schwarzwäldertal ein Kind zur Taufe getragen. Es war noch vor dem französischen Revolutionskriege, einer Zeit, wo tiefe Ruhe und ungestörter Friede im deutschen Reiche herrschten.

Aus einem großen, einzeln stehenden Wälderhause traten die Gevattersleute mit ihrem Patenkinde. Es war der Laubhauser Hof, dessen Besitzer durch die Geburt eines Töchterleins beglückt worden war.

Die Gevattersleute aber waren der Felsenwirt, damals Stabhalter der kleinen aber weitlƤufigen Talgemeinde, und die Kaiserzollerin, eine Schwester der Wƶchnerin. Beide, versteht sich von selbst, glƤnzten in ihrem ehrbarsten festtƤglichen Staate; er mit dem breiten Hut und der hinten überhƤngenden Hutbinde, dem blauen, weiß abgenƤhten Tuchrock, worunter das rote ā€žWollhemd“ an der Brust über dem scharlachroten Leible und dem grünen HosentrƤger wie vorne an den Handgelenken noch ein wenig hervorschaute und mit dem Überrock die gelbledernen Beinkleider um eine gutes Teil bedeckte; sie in der gefƤltelten ā€žJüppe“ mit roter und grüner ā€žB’lege“ und den enganliegenden schwarztuchenen ā€žĆ„rmeln“, welche knapp genug waren, um noch einen Teil des reich eingebƤndelten ā€žLatzes“ sehen zu lassen, wƤhrend das rote, den Hals umschließende ā€žGoller“ von dem flatternden MailƤnder Halstuch halb und halb bedeckt war. Das junge, noch hübsche Weib hatte den gelben Strohhut auf, wƤhrend die alte Barbara, die nachfolgende Hebamme, noch die altertümliche Pelzkappe trug.

Dame mit Strohhut im Kelnhofmuseum in BrƤunlingen.

Als sie gegen das Kirchlein hinkamen, krachten drei Schüsse bald nacheinander aus dem Dachfenster der nahen Mühle, daß es lange in den Bergen widerhallte. Es war der alte Stoffel, welcher sich unter dem Dache der Mühle postiert und seine stark geladene Radschloßbüchse dreimal in die Luft abgefeuert hatte – zu Ehren des Kindes und der Gevattersleute.

Aber auch hinter dem Hag am engen Wege, welcher die Anhöhe hinauf zum Kirchlein führte, harrten schon seit einer Viertelstunde zwei kleine Buben mit Ungeduld auf den Taufzug. Der eine war Dionys, der Sohn des Gevatters Stabhalter, der andere, etwas jüngere, Hieronymus, der Sohn eines Dienstmannes vom Laubhauser Hofgut.

Als der stattliche Gevatter mit seiner Gevatterin herangekommen, sprangen die beiden Wegelagerer rasch hervor und spannten nach altem Brauch ein Band quer über den Weg, dem Taufzug den Paß verlegend. Der Stabhalter lächelte und zog den Geldbeutel, um sich mit einem Stücklein Münze loszukaufen; denn wo Geld vorangeht, stehen alle Wege offen, sagt das Sprichwort. Die beiden Junker vom Stegreif ließen den Paß nur fast und entfernten sich jubelnd über den erhaltenen Lösepfennig. Oben aber, bei dem Kirchlein, warten einzelne Kinder und Erwachsene begierig auf das kleine Taufgeleite, um einer kirchlichen Handlung beizuwohnen, welche für sie immer eine Sehenswürdigkeit bildete.

Die Frühlingssonne beschien mit ihren frischen wärmenden Strahlen den sommerig gelegenen Hügel, auf welchem das Kirchlein mit seinem kleinen Gottesacker still und friedlich ruhte, und in den hohen Linden, die es umgaben, zwitscherten die Vögel lustig in den freundlichen Tag hinein.

Das Kind erhielt in der heiligen Taufe den Namen Florentina, wie die Mutter hieß; denn so wünschten es Eltern und Verwandte, weil man nach altem Glauben dafürhielt, daß Kindern, welche den Namen der Mutter trügen, ein langes Leben beschieden sei.

Nach der Taufhandlung, welche der alte Pfarrer mit gebührender Würde verrichtet hatte, knieten die Gevattersleute an den Stufen des Altares nieder und erflehten von oben Segen und Gnade für den TƤufling, der wie ein zartes PflƤnzlein des himmlischen Taues bedürfe und der erwƤrmenden Kraft der Himmelssonne, um zu wachsen und zu gedeihen. Dabei hatte die ā€žGote“ dem ā€žGƶte“ das Kindlein auf die Arme gegeben und es ihm so lange gelassen, bis er sich, ermüdet von der kleinen, lieblichen Bürde, durch das Versprechen des ā€žGotegeschenkes“ wieder von ihr losgekauft.

Im Wirtshause ā€žZum Felsen“ aber war in der großen, hellen Stube der runde Tisch sauber und zierlich gedeckt, als nach vollendeter ā€žTaufet“ die Gevattersleute eintraten und hierauf auch der Pfarrer folgte. Denn bevor das kleine neue Christkindlein wieder in die Arme seiner Mutter gelegt werden sollte, mußte es sich nach dem Gebrauche des Tales eine Einkehr in der Schenke gefallen lassen, wo schon seit einigen Stunden alles, was Küche und Keller vermochten, auf die Ankunft der Gevattersleute hergerichtet worden war.

Nachdem die GƤste ihr Gebet gesprochen, begann der Schmaus; ein feuriger Roter, welchen der Stabhalter zuletzt noch in der dickbƤuchigen grünlichen Budelle als ā€žSorgenbrecher“ aufstellen ließ, erwƤrmte die Herzen und brachte die Unterhaltung in Gang. Der Stabhalter, in behaglicher Laune, sprach seinen GƤsten eifrig zu und ließ die GlƤser hell erklingen auf das Wohl der kleinen Patin und aller Anwesenden. Seine Frau, die als sorgsame Martha bisher ab und zu gegangen, mußte sich endlich auch zur Gesellschaft setzen, aber erst nachdem sie den ungeduldig harrenden Kindern in der Nebenkammer das Katzentischlein gedeckt hatte; denn auch den Kleinen sollte die Bedeutung des Tages durch gute Bissen und einen Schluck aus dem Glase fühlbar gemacht werden.

ā€žBei solchen AnlƤssen“, sagte der Pfarrer, indem er lƤchelnd eine Prise aus der glatten Buchsbaumdose nahm, ā€žda merkt man erst recht, daß man alt wird, und vor allem wir Geistlichen, die wir gleichsam als die TorwƤchter am Ein- und Ausgang dieser Zeitlichkeit stehen. Kaum, dünkt es uns, haben wir das Kind getauft, so steht es schon wieder als BrƤutigam oder Braut vor dem Altar, und ebenso bald sind wieder Kinder herangewachsen, die wir abermals in einen wichtigen Zeitabschnitt einzuführen berufen sind. – Ich mein, es sei erst gestern gewesen, wie Ihr, Frau Stabhalterin, als kleines Büschelkind beim Taufschmaus dort im Herrgottswinkel gelegen, wo jetzt die kleine Florentine liegt; so schnell sind die achtundzwanzig JƤhrlein verflossen, seit ich auf dem Wald hier aufgezogen bin.“

ā€žAuch der Tag“, fuhr der gesprƤchige Herr zur Kaiserzollerin gewendet fort, ā€žsteht mir noch lebhaft im GedƤchtnis, wo Ihr, Frau Zollerin, getauft worden seid. Es waren Kriegszeiten, und man mußte Euch sozusagen verstohlenerweis in die Kirche tragen, vonwegen der Franzosen, vor denen sich alles mit Hab und Gut in die WƤlder geflüchtet hatte – es ist dazumal gewesen, als der Franzos gegen die Kaiserin Maria Theresia marschiert ist.

Dasselbige Jahr, Anno vierundvierzig, gleich anfangs im JƤnner, war auch der große Komet am Himmel mit seinem langen blutigen Schweif. Und bald darauf gab’s ein schreckliches Regenwetter und große Überschwemmungen, besonders im Breisgau unten. Und weil nie eins allein kommt, so zog sich auch der Krieg in unser Land herein.“

ā€žVon diesen Zeiten wißt ihr freilich alle nichts mehr, der Stabhalter da ausgenommen. Ich aber erinnere mich noch so gut, als wƤr’s gestern gewesen, wie der franzƶsische General, der Bellisle, bei uns eingeritten ist. Ich stand mit dem Mesner und mehreren Leuten vor dem Pfarrhof und machte meine Reverenz; er aber auf seinem Apfelschimmel, die linke Hand am Degengriff, salutierte mit der rechten gar hƶflich. Denn das“, meinte der Pfarrer lƤchelnd ,,das muß man ihnen nachsagen, den Franzosen, hƶflich sind sie alle, wenn sie im Sack haben, was sie begehren. Und so hatte auch der Bellisle gut hƶflich sein, nachdem ihm Villingen, die feste Stadt, die langbewahrte Jungfrauschaft so leichten Kaufs hatte hingeben müssen. Denn was wollten die guten Villinger machen? Sie waren vom ƶsterreichischen MilitƤr verlassen und konnten sich auf eigene Faust gegen einen so überlegenen Feind nicht mehr halten, wie es im DreißigjƤhrigen Krieg und Anno tausendsiebenhundertundvier so rühmlicherweis geschehen ist.“

ā€žJa, und nit nur Villingen, auch unser Geld, die grausamen Brandschatzungen und Kontributionen und viel anderes noch hat der Franzos im Sack gehabt“, warf der Stabhalter Ƥrgerlich hin. ā€žIch bin selbigesmal ein Büble gewesen, wie mein Donyse da, wie einmal in der Nacht die Vƶgt und Bürger aus dem Vorderƶsterreichischen zu uns ins Fürstenbergische rüber kommen sind mit ihren vornehmsten Schriften und Freibriefen. Es gedenkt mir, als wƤr’s erst heute gewesen, wie ich meinem Vater die Latern hab halten müssen, als die Mannen bei Nacht und Nebel die Sachen drüben im Bruderkirchle hinter dem Muttergottesbild eingemauert haben, damit sie die Franzosen nit erwischen sollten. – Aber“ ; setzte er lachend bei, ā€ždie guten Leutle sind dann bald g’nug zur Einsicht kommen, daß die Praktiken der Parlevous nicht auf Schriften und Freibrief, sondern allzeit nur auf den Geldbeutel gerichtet sind. – Und was die Hƶflichkeit betrifft, so weiß man’s auch, wie weit sie diese getrieben haben, vorab gegen unsere Weiber und MƤdle. – Drum haben die SchwarzwƤlder- und Baaremerbauern auch jedesmal zu Wehr und Waffen ‚griffen, wenn’s zum Krieg mit ihnen kommen ist, um sich die ungebetenen GƤst vom Hals zu schaffen. So weiß ich noch von meinem Großvater selig, daß in früheren Kriegen schon der Landsturm gegen sie aufgebote worden ist. – Und wie es alsdann zug gangen ist, das kann man noch auf den paar alte Votivtafeln drüben im Bruderkirchle abgemalt sehen, wo Hirten, denen ihr Vieh weggetrieben wird, oder MƤnner, die ihre Weiber und Tƶchter verteidige wolle, von den RƤubern und Mordbrennern tot schlagen oder mißhandelt werde. – Freilich, auch das muß man sagen“, schloß er, ā€žhat uns der Krieg viel Übles bracht, so hat er auf der andern Seiten auch wieder das Gute g habt, daß er uns einsame Waldbewohner mit der Welt mehr vertraut und bekanntg‘ macht hat. Vor dem Schwedenkrieg zum Beispiel, von dem noch in den Chroniken zu lesen ist, ist außer dem spƤrlichen Ackerbau und dem Handel mit Großholz blutwenig bei uns hantiert worden, und wenn einer von den alten WƤldern jetzt wieder in die irdische Heimat kƤm, so würd er sich hƶchlichst verwundern über so manches Gewerb und Unternehmen, von dem man früherer Zeit nix g‘ wußt hat.

ā€žWas Ihr da vom alleinigen Betrieb des spƤrlichen Ackerbaus und Holzhandels sagt, Stabhalter“, entgegnete der Herr Pfarrer, ā€žscheint mir nicht so ganz richtig zu sein; ich glaub vielmehr, daß auf dem Wald in früheren Zeiten auch sonst noch mancherlei hantiert und gehandelt worden ist. Vor mehreren hundert Jahren schon ist der WƤldner hinabgewandert ins Breisgau und Rheintal – nicht, um zu betteln – nein, mit seiner ā€žKreze auf dem Rücken, um selbstgefertigte War, Kƶrb und Zainen oder Schapfen, Lƶffel, Brenten, Kübel und Gelten, die er geschnitzelt oder gedrechselt, in Dƶrfern und StƤdten oder auf den MƤrkten zu verkaufen. So hab ich, als ich Vikar in Todtmoos gewesen bin, den dortigen Pfarrakten entnommen, daß schon zur Zeit des Kaisers Rudolf von Habsburg Holzdrechsler in der Gegend dort gewohnt haben. Und einem Drechsler allda soll die Kirche in Todtmoos auch ihr Entstehen verdanken.“

ā€žMag sein, Herr Pfarrer“, versetzte der Stabhalter; ā€žaus alldem ist zu entnehmen, daß der Waldbewohner von jeher lieber durch Arbeit sich sein Brot verdient – als gebettelt hat, was bei seiner unergiebigen rauhen Heimat wahrhaftig kein Wunder gewesen wƤr.“ ā€žRichtig ist“, sagte der Pfarrherr, ā€ždaß man dazumal von der SchwarzwƤlder Uhrenmacherei und auch vom Strohflechten hier noch soviel wie nichts gewußt hat.“ ā€žEi ja“, fiel ihm der Stabhalter ins Wort, ā€žmir gedenkt’s ja noch, daß man hier im Tal nit viel von den WƤlderuhren g’wußt hat; und der Dürrjokele aus Gütenbach, den ich noch ganz gut gekannt hab, ist der erst g‘ wese, der hier rum und spƤter drunten im Breisgau damit hausiert hat. Von der neuen Sorte mit Perpendikeln hat man selbigmal noch gar nix g’wußt. Da hat man nur die hƶlzernen Waaguhre g habt, wie ich drinnen in der Kammer noch eine hƤnge hab. – Und wenn man bedenkt, wie seit der Zeit der Handel‘ naus ins Land zugenomme hat, so muß man sich nur verwundern, was alles in einem Menschenalter mƶglich ist.“

ā€žUnd wie hat es dazumal“, nahm die Kaiserzollerin das Wort, ā€žnoch mit Weg und Stegen ausg sehen! Mein Vater ist nie mit dem Fuhrwerk fort, ohne die Wagewinde mitz‘ nehmen; und selten ist er ohne e‘ verbrochnes Rad von Doneschingen oder Neustadt heimkumme. Und ist einer nach Villingen ins Kaufhaus g’fahren oder nach Freiburg oder Zürich, so wƤr’s fast gar nƶtig g’wesen, er hƤtt vorher Reu und Leid und ’s Testament g’macht.“ ā€žFreilich“, versetzte der Stabhalter darauf, ā€žist seitdem alles im Preis merkwürdig gestiege. Von mein’m Großvater selig, der Teilhaber an der Bubacher Glashütte g’wesen ist, hab ich oft g’hƶrt, daß sie mit der Gemeind BrƤunlingen en Akkord g’habt habe, wonach ihnen das Klafter Tanneholz auf dem Stock um zwanzig Kreuzer abgelasse worden ist; und ist das noch viel g’wesen, wenn man bedenkt, daß hundert Jahr früher die Gemeind dem Bergverwalter in Eisenbach das Klafter um sieben Kreuzer, sage sieben Kreuzer, abgelasse hat! – Und der alt FelsetƤlerbur hat mir oft verzƤhlt, daß zu seiner Zeit viel, viel Holz im Wald zu Asche gebrannt worden sei, ’s Viertel um drei Kreuzer.“

ā€žSo Ƥndern sich die Zeiten“, sagte der Pfarrer; ā€žmit der zunehmenden Bevƶlkerung und Industrie gehen eben die Holzpreise und viel anderes mit in die Hƶh. Vor hundert Jahren hat auf dem obern BrƤnd, wo jetzt ein Haus am andern steht, noch niemand gewohnt. Und auch das kleine EisenbƤchle hat dazumal noch nichts als Wald und Himmel gesehen. Ja, man darf sagen, Industrie und Kommerz haben den Wald erst gelichtet und HƤuser und Hütten talauf und -ab gebaut. – Unser Jahrhundert“, setzte er lƤchelnd bei, ā€žist eben die Zeit der Verbesserung und Neuerungen, wie keine andere noch gewesen ist.“ ā€žWahrhaftig, Herr Pfarrer“, versetzte der Stabhalter, ā€žich mƶcht hundert Jahr noch leben, nur um zu sehn, wo das alles noch naus will und was alles noch verbessert und erfunde wird; am End gar noch das Fliegen – dann aber adje mit SchlagbƤum, Zollstƶck, Weg- und Bruckengelder!“

Die Brüder Wright wurden erst 1867, bzw. 1871 geboren und sind somit dem Verfasser absolut unbekannt.
Allerdings bauten 1784 die Franzosen Launoa und Bienvenue einen flugfƤhigen Modellhubschrauber mit Doppelrotor und 1816 konstruierte der Ɩsterreicher Jakob Degen eine Luftschraube mit Uhrwerkantrieb.
Ganz sicher spielt Lucian Reich in dem Abschnitt auf diese ersten Hubschrauber an und deutet sein Bedauern an, dies alles nicht mehr erleben zu dürfen.

ā€žKƶnnt manches noch erleben, lieber Stabhalter“, meinte der geistliche Herr. ā€žIm Vergleich zu unsereinem seid Ihr noch jung, und rüstig dazu!“ ā€žBin auch kein heurigs HƤslein mehr, Hochwürden“, entgegnete lachend der Stabhalter; ā€žund wenn ich trotzdem immer noch e bißle jung ausseh, so hab ich’s lediglich meiner Alte da zu verdanke, die mich jeden Morgen so fein sƤuberlich strehlt und kammpelt und mir die grauen HƤrle sorgfƤltig ausrupft, auf daß sie sich nit zu schƤme braucht neben ihrem alte Mann.“ ā€žAha!“ sagte die Stabhalterin zur Kaiserzollerin, ā€žjetzt geht es über uns Weibsleut her.“ ā€žEs ist nur schad“, entgegnete die Kaiserzollerin, ā€ždaß meiner nit auch dabei ist, denn wenn’s auf das Kapitel kommt, so weiß er g’wiß immer den beste Trumpf auszuspiele.
ā€žWird er uns die Ehr nit auch noch antun?“ fragte die Stabhalterin.
ā€žVersproche hat er’s; doch wird’s jedenfalls spƤt werde“, meinte die Kaiserzollerin. ā€žDenn wenn er droben ist beim Schwager in Urach, wo sie Abrechnung halte, so kommt er nie so bald los. – Denn ist ’s G’schƤft vorbei, so geht’s an de MarkgrƤfler, den sie sich zum Schluß jedesmal weidlich schmecke lassen; es dunkt ja die Manne doch nie besser, als wenn ihre Weiber nit dabei sind, nit wahr, Stabhalter?“
ā€žBravo“, sagte dieser lachend, ā€žjetzt kommt der Kehr an uns. Damit Ihr aber auch seht, Frau Zollerin, was für en große Respekt ich vor den Weibervƶlkern hab, so schlag ich vor, gleich emal die Kaiserin Maria Theresia lebe zu lassen, eine Frau, die ihr Land besser regiert als mancher Mann. – Sie soll leben, vivat hoch!“ Alle ergriffen die GlƤser und tranken auf das Wohl der großen Kaiserin.

So ging das Gespräch von alten und neuen Zeiten, und der Stabhalter würzte es nach seiner Art mit manchem Späßlein.
WƤhrend aber die Hebamme, die alte Barbara, von Zeit zu Zeit nach dem Kindlein sieht, welches als gar stiller Gast ein wenig abseits liegt, wollen auch wir hinzutreten und ein wenig unter das fein abgenƤhte Tauftuch lugen, wenn es die Alte vorsichtig lauschend in die Hƶhe hebt.

Das schlummernde Kind, liegt es nicht in seinem bauschigen Bettlein wie ein Samenkorn in der Furche? – Auf der Stirn über den geschlossenen Auglein und dem kleinen StumpfnƤschen ziehen einige leichte FƤltchen hin, fast ein wenig trutzlich, als hƤtt es bis jetzt noch wenig Gefallen gehabt an den Dingen dieser Welt – um die schmalen Lippen zuckt es zuweilen, was mit dem schwebenden Atem fast allein das leicht verhüllte Leben kundgibt. – Ein solcher Lebensanfang, gleicht er nicht dem frühesten Morgen, wenn kaum die erste DƤmmerung aus dem Schoße der Mitternacht sich loszuringen beginnt? Ob aber der Tag heiter oder trübe werde, müssen wir getrost einer hƶheren Macht überlassen, ohne welche es keinen Tag und keine Nacht gƤbe.

Die Einkehr im Felsen war zu Ende, und die Frau Gevatterin in Begleitung ihres Mannes, der sich wirklich ziemlich spƤt erst im Wirtshaus eingefunden, bereits über die Grenze geritten. Denn dazumal wurden alle groBen und kleinen Reisen meist zu Pferd gemacht, weil es – trotz des verbesserten Straßenbaues, wovon die Gesellschaft im Felsen gesprochen – an vielen Stellen lediglich noch über Felder und Wiesen weg ging oder durch enge Hohlgassen über holperige Karrenwege, wo kaum ein Pferd, oder nur eines vors andere gespannt, gehen konnte. Die Bauersfrau ritt im sogenannten Weibersattel, der als flacher Sitz mit niederer Lehne und Rückwand quer auf dem Gaul befestigt war.

Der Kaiserzoller versah im Vorderƶsterreichischen das Amt eines Steuer-und Zolleinnehmers, nebenbei ein nicht unbetrƤchtliches Bauerngut umtreibend. Sein Weib, wie die LaubhauserbƤuerin, stammte aus dem Bregenbacherhof, der gleich dem Laubhauser zu den reichsten der Talgemeinde zƤhlte.

Zu Ende neigte sich der Tag; der Abend zog bereits kühl mit langen Schatten aus den Wäldern und mahnte daran, daß es mit den milden Frühlingstagen auf dem Walde noch nicht ganz ernstlich gemeint sei.

Der Verlauf unserer Geschichte führt uns noch nach dem Laubhauserhof, aus dessen Dach ohne Schornstein dichter Rauch hervorqualmt; denn in der gerƤumigen Küche des alten WƤldergebƤudes ging es diesmal besonders geschƤftig her. – Der Laubhauserbauer hatte alle seine Ehhalten, d. h. Dienstboten, seine ā€žG’husen“ oder Dienstmannen nebst verschiedenen Nachbarsleuten zu Gast geladen, weil heute seinem Hause Heil widerfahren durch die Geburt eines Tƶchterleins. Anastasia, das Eheweib des Hausmannes Mathias, besorgte mit den MƤgden die Küche, und Hieronymus, ihr Sƶhnlein, den wir heute bereits beim Kirchlein den Gevattersleuten vorspannen gesehen, leistete ihr Gesellschaft. Der Kleine spazierte mit selbstvergnüglicher Miene am Herde auf und ab, denn er war heut in seinem Leben zum erstenmal mit Hƶslein angetan, den sogenannten Gottehosen, die nach altem Herkommen die Patin ihrem Patenkind zu schenken pflegt, wenn es in ein Alter getreten, wo es sich, den Kinderrock ablegend, als mƤnnlicher Sproß der Gesellschaft prƤsentieren kann.

In der großen Stube waren indes versammelt und harrten der Dinge, die da kommen sollten: Bachweber, der Schulmeister und Schneider, Forbachklaus, der Kƶhler, Barbara, seine ledige Schwester, die wir bereits als Hebamme kennengelernt, Stoffel, der Fischer und Forstknecht, Mathias, der Hausmann und Müller, der Fohrlenbacherbauer mit seinem Weib, die alte Fahlenbacherin und noch einige andere. – Frau Anastas hatte heute ihrer Kochkunst Ehre gemacht: es wurde aufgestellt, was nur der mƤchtige Eichenholztisch zu tragen vermochte; und als nach dem ā€žHammenstotzen“ noch eine große zinnerne Platte voll Küchle und StrƤuble, die Nationalspeise, kam, rollten dem kleinen Hieronymus TrƤnen über die Backen herab, denn er hatte dem Vorhergehenden so weidlich zugesetzt, daß er vom Nachkommenden fast nichts mehr unterzubringen vermochte. – Dabei wanderte das Krüglein fleißig in den Keller hinab, und es wurde demselben so wacker zugesprochen, auf das Wohl des Hauses und seines einzigen Tƶchterleins, daß man den Kuckuck in der Uhr einmal über das anderemal überhƶrte – und endlich die Weiber allen Ernstes zum Aufbruch mahnen mußten.

Mehr zum Hieronymus gibt es hier:

https://hieronymus-online.de/lucian-reichs-hieronymus/

Hieronymus Vorwort

Da die Texterkennung unglaubliche Fortschritte gemacht hat, habe ich den Podcast mit dem Text ergänzt. Der gesamte Hieronymus liegt seit 2023 auch in Textform vor. Vorlage war die von Lucian Reich überarbeitete Auflage, die er zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen konnte und die 1957, von der Heimatzunft Hüfingen als Band XII der Schriftenreihe des Kreises Donaueschingen, unter großem Aufwand von Dr. Johne, veröffentlicht wurde.

Die Erstausgabe vom Hieronymus erschien 1853 und in dem Buch ist das Bild mit der Ruine Zindelstein ganz vorne. Das Bild wurde in der 2. Auflage leider vergessen.

s’ chunt alles jung und neu und alles schlicht im Alter zu, und alles nimmt en End, und nüt stoht still. Hƶrsch nit, wie ’s Wasser ruuscht, und siehsch am Himmel obe Stern an Stern? Me meint, vo alle rühr si kein, und doch ruckt alles witers, alles chunnt und goht.
>Johann Peter Hebel

Hier die digitale Fassung von Lucian Reichs Hieronymus:

Hieronymus Übersicht

Zuerst das Vorwort von Lucian Reich zur zweiten Auflage

Vorwort zur zweiten Auflage

Der Schauplatz nachstehender Lebensgeschichte ist jene hochgelegene Land-schaft, welche das Sprichwort: ā€žDie Brig und die Breg bringen die Donau z’weg“, so sprechend andeutet; die ƶstlichen TƤler des oberen Schwarzwaldes und die angrenzende Hochebene, ein Teil der alten Gaugrafschaft Baar, welche die Quelle der Donau in ihrem Schoße trƤgt.

Hoch oben, dreitausendvierhundert Fuß über dem Meere, im schweigsamen Revier der Tanne und Fƶhre, in deren Schatten der Auerhahn balzt und vor Zeiten BƤren und Wƶlfe dem Menschen sein Dasein streitig machten, auf der Wasserscheide zwischen dem Rhein und der Donau, am ā€žBriglirain“, entquillt die Bregach einem einsamen Bergschlund.

Die alten Tannen am ā€žRoßeck“ singen ihr fern hinrauschend das Wiegen-lied. Die Jugend des Kindes ist keine gelinde; rauh und steinig ist sein Bett.

Aber wie ein gesundes, von der Natur zu langem Lebenslauf bestimmtes Wesen eilt es, der Mutterbrust entwƶhnt, keck und munter sein enges, nur von wenigen einschichtigen Hƶfen und Hütten besetztes Tal, die ā€žKatzen-steig“, hinab, zwischen Granitblƶcken und HolzstƤmmen hindurch, vorüber am vergessenen , Heidenschloß“, dem Marktlecken Furtwangen zu.

Ein Schwarzwälderkind aber darf nicht lange müßig gehen, und so muß auch die kleine Bregach frühe schon allerlei nützliche Arbeit verrichten: hier mit silbernem Wellenstrang eine Wiese wässern, dort am oberschlächtigen Rad den einfachen Mahlgang treiben, welcher dem Hofbauer seinen Mehl-bedarf liefert, oder sie plätschert am kunstlosen Werk einer Klopfsäge, oder hilft schon wacker aus bei der Uhrmacherei; denn bald ist der Bereich dieser weltbekannten Industrie erreicht. Die rauschende Welle begrüßt am Wege hin manches alte und manches neue Haus, in dessen heller, reinlicher Stube die Drehbank des Uhrenmachers schnurrt und Kuckuckruf sich hören läßt, oder Uhrenschildmaler emsig ihrer Kunst obliegen.

Rasch geht es mitten nach Furtwangen hinein, zum Sitz wƤlderischer Industrie und HandelstƤtigkeit. Hier bekommt unsere Kleine, durch wohltƤtige Einflüsse unterdessen schon sichtlich gekrƤftigt, wieder vollauf zu tun; aber lange will sie sich nicht halten lassen, obwohl bei dem rührigen Vƶlklein, trotz dem rauhen Klima, alles recht gastlich und einladend ausschaut. Das unruhige Ding will hinaus ā€žins Land“, wie die UhrenhƤndler sagen; Großhandel und Schiffahrt sind sein heimliches Trachten. Darum wandert es – nachdem es mit einem droben von ā€žStollenwald“ hergelaufenen Schwester-chen, das auch schon bei renommierten Meistern gedient, Schmollis getrunken – frƶhlich weiter, das lange Tal von Schƶnenbach, in welchem es wieder manche Werkstatt trifft, hinab, nimmt unterwegs einen im Zickzack und Rausch daherrennenden, auswanderungslustigen Landsmann, den jungen Rohrbach, kameradschaftlich auf und zieht in Vƶhrenbach ein. Auch hier, im ansehnlichen StƤdtchen, schaut es sich sogleich nach Arbeit um und schafft in Mühlen und Walken und anderen Werken.

Triefend, in Schweiß gebadet von der Anstrengung, will das jugendliche Wesen doch keinen Augenblick rasten und ruhen: weder die wunderbaren Klänge des Orchestrions, noch die Flötentöne einer Spieluhr, die von der Werkstatt des Meisters dort her klingen, können es zum Stillstehen bewegen.

Abermals verstƤrkt durch Landskraft vom Langenbach her, nimmt es Ab-schied. Die Straße nach Villingen bleibt links liegen; bequemer geht’s durch das schƶne aber wenig bewohnte Tal hinab durch sonnige, von TannenwƤldern eingefaßte Matten.

Hammereisenbach ist das nƤchste Ziel der eiligen Wanderschaft; doch mehr als eine Stunde vergeht, ehe unsere Breg, die unterwegs wohl wieder ein halbes Dutzend anhƤnglicher Vettern und BƤsle aus den nahen TƤlern zum Mitgehen bewogen, den alten, steingepanzerten Vasallen dort, der mit seinen grünen Fƶhrenzweigen auf dem durchlƶcherten Helm einsam auf der Hƶhe steht, begrüßen kann. Es ist Neufürstenberg, die lƤngst in Trümmer gesunkene Hochwacht. Unten, beim ā€žKirchlein vom Hammer“, wartet indessen schon wieder ein anderes industrielles WƤlderkind, der durch die Urach verstƤrkte Eisenbach, auf die größere, freudig einherrauschende Schwester, um vereint mit ihr der Morgensonne entgegen, hinaus in die luftige Baar zu wallen.

Noch immer indessen halten uns die Berge eng umschlossen. Die ganze Umgebung, Wiesen und Wald, aus dem überall der Granit seine schwƤrzlichen ZƤhne hervorstreckt, Stroh- und SchindeldƤcher, rauchende Kohlen-meiler, glimmende Feuer hoch oben im Reutefeld, das Geklingel des Melk-viehs, welches zerstreut in saftgrünen Matten weidet oder an sonnigen Halden zwischen Brombeerstauden, Pfriemen und Stechpalmen umhersteigt, wohltƤtiger Fichtennadelgeruch und Bachesrauschen, alles mahnt uns, daß wir stets noch, ā€žauf dem Wald“ uns befinden.

Halten wir gleichen Schritt mit dem Bach, das anmutige Tal entlang, so bleibt uns keine Zeit, weder beim ā€žFischer“, noch eine halbe Stunde weiter unten, beim ā€žSchwarzen Bue“, einzukehren. Dort, nicht weit von dieser SchƤnke, erblicken wir einen breitschulterigen Wegelagerer, der uns drohend den Paß verlegen zu wollen scheint. Der Zindelstein ist’s, der einstige gestrenge mittelalterliche Burgvogt. HohlƤugig und finster, geschwƤrzt von der Fackel des Bauernkrieges, schaut er herab von seinem hohen Sitz, als hƤtt‘ er immer noch zu befehlen. Aber Macht und Ansehen sind dahin, nur Raben und Geier finden sich noch bewogen, ihm dort auf dem Turm die Aufwartung zu machen, und die Stürme, wenn sie kommen, in dunkler Winternacht heulend und pfeifend ein Turnier um Graben und GemƤuer abzuhalten. Trotzdem scheint der verwetterte Alte nicht übel Lust zu haben, wenigstens unserer Bregach den Ausgang aus dem Tal verwehren zu wollen.

Eine unternehmende Schwarzwäldernatur jedoch vermag sich überall durchzubringen. Sie scheut einen Umweg nicht, um sicher ans vorgesteckte Ziel zu gelangen; und zudem ist die Tochter des Waldes bereits so stark geworden, daß sie vor keinem Hindernis so leicht mehr zurückschreckt.

Hunderte von Schluchten, Tobeln und Rinnen, alle Quellen und Brunnen haben ihr Verstärkung zugesendet, sie gleichsam ausgesteuert mit ihrem ganzen Reichtum zur Reise hinab ans Schwarze Meer. Und ist der Tag heiter, die Luft stille, so singt ihr wohl auch noch ein Hirtenkind in den Matten dort am Fuße des Berges ein Abschiedslied. Es klingt fast wehmütig, ernst, wie die Farbe der düstergrünen Tanne. Auch der Wald will der Fortziehenden noch das Geleite geben, hinaus bis zum Dorf Wolterdingen.

Von hierab jedoch scheint die Landschaft ein Stück nach dem anderen von ihrer grünen Wäldertracht ablegen zu wollen.

Granit und Gneis haben ihre Herrschaft bereits an den bunten Sandstein abgetreten, Haue und Pflugschar der Gegend mehr und mehr ein schwƤbisches GeprƤge aufgedrückt. Ja selbst unsere Bregach Ƥndert ihr Temperament und nimmt allmƤhlich das Naturell eines Baarer Bauers an, dem es bekanntlich nie sehr pressiert, außer wenn die Ernte draußen ist und ein Gewitter am Himmel steht. GemƤchlich zieht sie am Dorf und an seinen von ObstbƤumen beschatteten GƤrten vorbei, den erweiterten Wiesenplan hinab. Nur einmal noch, unterhalb Bruggen, drƤngt sich, vom Schellenberg her, der Wald her-an, bemooste HƤupter alter Tannen sind’s, die in der klaren Welle sich bespiegeln mƶchten.

BrƤunlingen, das alte StƤdtchen, das wie ein anhƤnglicher Reichsbürger noch so manches Stück aus der ehemaligen vorderƶsterreichischen Zeit zur Schau trƤgt, ist schon in Sicht. Seine kleine Kapelle dort auf dem Ottilienberg schaut frei hinaus in die weite Baar, über große Kornfelder hinweg bis zu den grünen BuchenwƤldern der ā€žLƤnge“, wo als letzter AuslƤufer des Jura der Fürstenberg sich erhebt und sein Nachbar, der breite Basaltklotz des ebenso mƤchtigen Wartenbergs.

Nachdem unsere WƤldnerin, welcher TƤtigkeit nun einmal zur zweiten Natur geworden, dem BrƤunlinger Müller gelegentlich ausgeholfen und in neuerer Zeit auch zum Seidenzwirnen sich herabgelassen (denn vernünftigem Fortschritt ist sie keineswegs abhold), lƤuft sie am Rothenrain hin, durch ā€žUnterweiden“ Hüfingen zu. Bevor sie jedoch dieses StƤdtchen ganz erreicht, muß sie sich eine kurze Lektion klassischer Bildung und Gelehrsamkeit gefallen lassen; freilich nur spƤrliche Reminiszenzen sind’s: Fundamente, Mauerwerk mit Heizbƶden und Legionsziegeln, vermutlich Überreste des keltisch-rƶmischen Brigobannis, welcher Station die Breg dereinst als Taufpatin gedient haben soll.

Sie, die bisher meist nur auf Feld- und Waldwegen gewandelt, betritt nun eine kleine Strecke weiter unten die alte Land- und Heerstraße. Hinter dem Städtchen, dem sie nach gewohnter Art wiederum manchen ersprießlichen Dienst leistet, in der Mühle und auf der Bleiche, in Gerberei und Färberei macht sie, zum tiefen Waag gestaut, einen kurzen Stillstand, als wollte sie sich vorbereiten auf den Empfang in der fürstlichen Residenz, wo sie beim Schlosse die schwesterliche Vermählung feiern und ihren Namen für immer ablegen soll.

Beschleunigten Laufes, das Versäumnis einzuholen, zieht sie weiter; kaum daß sie sich noch Zeit nimmt, drüben bei der Stadtwies dem Landwirt seinen Dunggips und Schwarzkalk zu mahlen und die Backsteinmaschine zu drehen. Schon tönt von Donaueschingen her der Pfiff der Lokomotive; und wie sehr sie sich auch tummelt, Almendshofen und Donaueschingen zu er-reichen, so kommt sie doch beinahe zu spät. Denn gleich nachdem sie am fürstlichen Park, wo die Vermählung der drei als sinniges Gebilde der Kunst im Quellenbassin sich bespiegelt, vorbeigezogen, kommt ihr schon das Kind der Baar, die Donau, entgegen, welche nach kurzem Jugendlauf mit der von Villingen herfließenden Brigach sich vereinigt hat.

Ohne Hast und Überstürzung, wie es einer zu großer Macht und Würde berufenen Jungfrau geziemt, zieht die Einsgewordene durch die fruchtbare Hochebene. Zuweilen scheint sie tiefsinnig stillzustehen, als träume sie von Städtepracht, Kaiserpalästen und großen Reichen. Leise flüstert sie zum Sange in lauer Sommernacht heimkehrender Schnitter und Schnitterinnen, begleitet mit Wellengelispel das einförmige Lied der Grille im herbstlichen Stoppelfeld oder hüllt sich, mit Schilf und Rohr bekränzt, in weiße Schleier ein, die ihr nächtliche Geister und Nebel im nahen Moor und Riede weben.

In Bogen und Krümmungen zieht sie am Wartenberg hin, wie zƶgernd, hinweg aus der Heimat. Doch lassen wir Bilder und Gleichnisse, ohne die unsere topographische Skizze wohl allzu trocken ausgefallen wƤre. Nur eines dürfte, anknüpfend an den Schluß derselben, noch gesagt werden: ā€žAus der Heimat“ (ein Wort, das so vieles in sich schließt) kƶnnte mit Fug und Recht vorliegendes Bild-werk, welches hiermit zum zweitenmal die Reise hinaus ins Land antritt, betitelt werden.

Aber wie dem Maler, wenn er nach lƤngerer Zeit sein GemƤlde wieder zu HƤnden nimmt, Lasuren und Korrekturen notwendig scheinen, um dem Ganzen größere Vollendung und Harmonie zu geben, so fühlte auch der Verfasser sich gedrungen, Allzubekanntes wegzulassen oder kaum angedeutete Motive mehr auszuführen. Soll ja das Werk keine bloße sogenannte Dorf- oder lƤndliche Liebegeschichte sein, sondern vielmehr eine Lebensgeschichte auf historischem und kulturgeschichtlichem Hintergrund eines ganzen Gaues, eine Arbeit, welche NachtrƤge und VervollstƤndigungen keineswegs ausschließt. Die Illustrationen, von Freundeshand auf Stein übertragen, in einer Weise, die bei Fachgenossen und Laien allwƤrts verdiente Anerkennung gefunden, sind dieselben geblieben. Neu hinzugekommen ist allein die Titelvignette, welche der nunmehrige Verleger unserem ā€žHieronymus“ als Maien vorangesteckt. Und so mƶge denn diesem gleich wie bei seinem erstmaligen Erscheinen freundliche Aufnahme zuteil werden.

Leider ist die „neu hinzugekommene Titelvignette, welche der nunmehrige Verleger unserem „Hieronymus“ als Maien vorangesteckt,“ nicht bekannt und es muß hierauf verzichtet werden.

Dies mag daran liegen, dass die 2. Auflage zu Lebzeiten von Lucian Reich keinen Verleger fand und diese erst über 100 Jahre später veröffentlicht werden konnte, um gleich darauf wieder vergessen zu werden.

Ich wünsche allen viel Freude beim Anhƶren des Podcasts und habt bitte Nachsicht mit meinem „Gestammle“, ich bin Naturwissenschaftlerin und des Alemannischen vom vorletzten Jahrhunderts nicht sonderlich gelƤufig.

Der heilige Hieronymus nach Albrecht Dürer. Diese unverƶffentlichte Lithografie von JN Heinemann kƶnnte die „Titelvignette“ sein.

Vorwort zur ersten Auflage

Wie die Blätter am grünen Stamme wachsen und abfallen,
so die Geschlechter der Menschen.
Das eine stirbt ab und ein anderes wird geboren.

Diese Worte aus den Sprüchen des Sirach, welche wir als Motto über den Eingang unserer kleinen Bildergalerie gesetzt, deuten dem Publikum den Sinn an, in welchem dieselbe unternommen und aufgestellt worden. Sie soll ihm das Sitten- und Gewohnheitsleben der früheren Geschlechter eines kräftigen Volksstammes in stillschweigendem Vergleiche zur Gegenwart vorführen und veranschaulichen. Es dürfte dies nicht allein eine angenehme Beschäftigung sein, sondern auch nützliche Betrachtungen veranlassen, besonders in einer Zeit, wo das gediegene Alte meist verkannt und den früheren Zuständen so gerne alles Gute abgesprochen wird.

Der heimatliche Boden dieser Bilder ist jene entlegene Landschaft des Großherzogtums Baden, welche das Sprichwort: ā€žDie Brig und die Breg bringen die Donau zweg“ so ansprechend andeutet, die ƶstlichen TƤler nƤmlich des mittleren Schwarzwaldes und die angrenzende Hochebene, ein Teil der alten fürstenbergischen Grafschaft Baar, worin Donaueschingen jetzt den Hauptort bildet.

Von den alten Sitten und GebrƤuchen, wie sie ehemals waren, ist zwar vieles schon abgekommen und erloschen, doch lebt noch ein Teil davon so charakteristisch im Volke fort, daß er wohl verdient, abgebildet und beschrieben zu werden – gleichsam als ein Denkmal ehrwürdiger Überreste, aus welchen wir schließen mƶgen, wie solid, wie reich und eigentümlich jenes Volksleben einst gewesen.

Allerdings haben mit den Zeiten stets auch die Sitten sich geändert; heutzutage aber ist es gekommen, daß eine immer mehr übergreifende Welt-sitte sich als Feindin gebart jeglicher örtlichen Eigentümlichkeit, ja sogar jeglichen nationalen Gepräges. Doch ist vieles auch schon in übelverstande-nem Verbesserungsdrange geringschätzig beseitigt oder methodisch zugestutzt und verkümmert worden.

In den alten Sitten und Gebräuchen aber, von welchen wir gesprochen, spiegelt sich das kräftige, echt deutsche Gemüt unserer Voreltern und ihr gesunder Verstand auf das sichtbarste und entschiedenste ab. Sie bildeten ein ungeschriebenes Gesetzbuch, eine goldene Regel in geistlichen und weltlichen Dingen, in Scherz und Ernst, in Haus und Feld. Sie bewahrten das Leben vor der nüchternen Zerfahrenheit, die unsere Tage so auffallend bezeichnet.

Die Bewohner einer Landschaft, eines Gaues, bildeten früher eine fest-gegliederte Genossenschaft, in Tun und Handeln. Jeder Stamm bewahrte seine Eigentümlichkeiten, wodurch er sich von andern unterschied und auszeichnete. Und trotzdem, daß es dem einzelnen nicht gestattet war, von den ererbten Formen abzuweichen, so blieb ihm doch Raum genug, seine persönlichen Eigenheiten und Gaben auf das mannigfaltigste an den Mann zu bringen. Denn die Stände und Körperschaften mit ihren althergebrachten Gewohnheiten und Rechten wiesen jedem, wie die Marksteine im freien Feld, seinen Platz und Boden an, worauf er frei und ungehindert schalten und walten konnte. Mit ihnen verschwindet aber nun alles, was sich an sie anknüpfte: die ehrsamen Bürger- und Bauerntrachten, die volkstümlichen Feste und Spiele, die Lieder und Tänze, die alten Hausbräuche, der alte, fromme, patriarchalische Sinn, kurz alles Nationale und Eigene.

Wenn ich von all diesem so manches noch sah und hörte und mit dem hereinbrechenden modernen Leben verglich, so entstand in mir immer der Wunsch, das Gesehene und Gehörte, im dauernden Wechsel, nach besten Kräften in Wort und Bild darzustellen und aufzubewahren. Und da ich fühlte, daß mir solches um so eher gelingen dürfte, als es die eigene Heimat betrifft, so unternahm ich endlich diese Darstellung.

In der Baar zu Hause, besuchte ich oft die nahen Schwarzwaldtäler mit ihren Einöden, ihren dunklen, weithingedehnten Tannenwäldern und wasserreichen Wiesen, mit ihren traulichen Hütten und Höfen, und lernte dadurch das Leben des rastlos tätigen und genügsamen Menschenstammes kennen, welcher sie bewohnt.

Aber ich warf meinen Blick auch in die verflossenen Zeiten zurück und sammelte manches, was noch aus ihnen stammt, um sie desto treuer und lebendiger beleuchten zu kƶnnen. So fand ich unter anderem unter dem Nachlasse meines seligen Großvaters eine Chronik unseres HeimatstƤdtleins Hüfingen, deren Verfasser ein Mann war, von welchem in den folgenden BlƤttern eigens die Rede ist. Dieses Tagebuch enthielt (ich sage ā€ženthielt“, weil es leider verlorenging) freilich nichts von allgemeinerem Interesse; aber was ich zwischen seinen Aufzeichnungen von Geburts- und Todesjahren, von Hochzeiten und Festen, von teueren und wohlfeilen Zeiten, stƤdtischen Bauten und VerƤnderungen zu lesen fand, was ich aus dem Munde meiner Großeltern und Eltern, welche vƤterlicherseits vom Lande und mütterlicherseits aus der Stadt sind, über heimische Dinge und FamilienverhƤltnisse wiederholt vernahm und was ich darüber noch anderwƤrts in Erfahrung brachte – das alles zusammengehalten gab mir hinreichenden Stoff, um ein Stücklein heimatlichen Lebens und Webens aus den letzten siebzig Jahren darstellen zu kƶnnen.

Und indem ich hierzu das Leben des Hieronymus wählte, hatte ich den Vorteil, meist speziell Wahres und persönlich Erlebtes aus dem angedeuteten Bereiche dem Leser vorführen zu können. Darum freilich kommen in diesem Leben und seinen Bildern keine jener romanhaften Verwicklungen und absonderlichen Entwicklungen vor, wie sie der oder jener Leser lieben mag, dem nichts pikant genug vorkommt oder zu scharf gewürzt; aber ich sehe auch nicht ein, warum ich dem guten Meister Hieronymus, dem das Schicksal ohnehin so manche Schwierigkeiten bereitete, noch mehr Steine des Anstoßes hätte in den Weg werfen sollen, nur um solchen Lesern zu gefallen.

Die interessanteste Entwicklung im Leben jedes einzelnen ist eben doch das, was er wird und wie er es wird, und wenn ihn der liebe Gott zur Zugabe noch in anderweitige frohe oder traurige Ereignisse verwickelt, so soll es dargestellt, aber nicht übertrieben werden.

Ein solches Werk aber der Offentlichkeit übergeben, heißt ein Haus an die Straße bauen. Es wird gelobt und getadelt; denn wer an die Straße baut, hat viele Meister, sagt das Sprichwort. Es gleicht einer Schenke, deren Schild oder grüner Busch jedem zur Einkehr winkt. Viele gehen vorüber, andere treten ein und versuchen den Trank; dem einen mundet er, dem anderen nicht; der eine findet die Zeche billig, der andere hält sich für überfordert. Das ist nun einmal nicht anders, und man muß es hinnehmen, wie es kommt.

Doch weiß ich: Es behagt manchem Wanderer recht wohl in einem einfachen Schwarzwälderwirtshaus, wo ihm der Wirt anstatt der Küchenprodukte eines welschen Restaurants heimische Kost vorsetzt; liefern doch unsere Wälder und Felder, unsere Wasser so manches, was selbst der Gaumen eines Feinschmeckers nicht verschmähen dürfte.

Und wie mancher, der alle Meere durchschifft und alle Länder bereist hat, zuletzt findet, daß es daheim doch auch wohnlich und schön sei und daß es manches stille, anmutige Plätzlein in der Nähe gebe, welches er früher nie gekannt oder geschätzt hatte. Sollte es nun der Liebe und dem getreuen Fleiße, womit diese Blätter entworfen und von Freundeshand auf Stein gezeichnet worden, gelungen sein, alte heimische Erinnerungen festzuhalten und bei Gleichgesinnten Teilnahme zu erwecken, so muß vor allem des erlauchten Schutzes gedacht werden, den unser Geisteskind schon vor der Geburt bei jenem edlen Fürsten gefunden, welchem das Ganze in dankbarster Verehrung gewidmet werden durfte.

Möge ein deutsch und vaterländisch gesinntes Publikum unsere kleine Bildergalerie mit Nachsicht und billiger Beurteilung aufnehmen! In dieser Voraussetzung wollen wir sie demselben getrost eröffnen. Ist auch manches darin noch mangelhaft, so müssen wir den Beschauer bitten, noch allerlei Gutes und Schönes selber hineinzudenken und so die Lücken auszufüllen.

Wir unsererseits können uns damit entschuldigen, daß Dichten und Malen freie Künste sind, daß also jeder sich darin versuchen darf, ohne vorher zunftmäßig das übliche Meisterstück gemacht zu haben.

Vorwort zur neuen Auflage

Donaueschingen, Weihnachten 1957 von Dr. Johne

Die landlƤufige und etwas verschwommene Bezeichnung ā€ž Volksschriftsteller“ wird der künstlerischen Persƶnlichkeit Luzian Reichs nicht ganz gerecht.

Luzian Reich ist mehr als ein Volksschriftsteller. Er ist auch einer der ersten und vorbildlichen Vertreter der Heimat- und Volkskunde. Sein Hauptwerk ā€žHieronymus“ beweist uns das aufs schƶnste. Hansjakob nennt das Werk „eines der besten Volksbücher überhaupt“. Und Luzian Reich spricht sein Wollen und seine Absicht deutlich aus: ā€žEs soll das Werk keine bloße sogenannte Dorf- oder lƤndliche Liebesgeschichte sein, sondern vielmehr eine Lebensgeschichte auf historischem und kulturgeschichtlichem Hintergrunde eines ganzen Gaues.“ Er will, wie er im Vorwort zur 1. Auflage sagt, im ā€žHieronymus“…ā€žein Stücklein heimatlichen Lebens und Webens aus den letzten siebenzig Jahren darstellen“ . Er will erzƤhlenderweise belehren, ohne daß die Leser es groß merken; er will seinen Lesern die Schƶnheit der heimatlichen Natur, der alten Sitten, GebrƤuche und Trachten vor Augen führen und sie dahin bringen, daß sie diese Schƶnheiten begreifen und an ihnen festhalten. So wird der ā€žHieronymus“ tatsƤchlich zur aufschlußreichen und eindringlichen Kultur- und Sittengeschichte der Baar und der angrenzenden SchwarzwaldtƤler. Es ist aber keine trockene Kulturgeschichte, die uns vorgesetzt wird, sondern die Kulturgeschichte ist hineingesponnen in eine einfache und schlichte ErzƤhlung, die man in gewissem Sinne füglich auch eine Erziehungsgeschichte nennen kƶnnte. Und oft wird die Geschichte zur freundlichen Idylle.

Luzian Reichs Vater war Schulmeister, und er selbst war jahrzehntelang Zeichenlehrer. Das Lehren und Belehren liegt ihm also im Blute schon von Vaters Seite her, dessen nachgelassene Aufzeichnungen der Sohn nachgewiesenermaßen in seinem ā€žHieronymus“ mitverwendet und mitverwertet hat.

Luzian Reich singt in seinen Werken immer die gleiche Melodie, das Lied der Heimat, aber in vollendeter Form und in vielen Variationen. Es ist nichts Abseitiges, was Luzian Reich darstellt, nein, es ist das Alltägliche, das Einfache, was er schildert, aber er erzählt es kunstvoll im inneren Aufbau und wahrhaft in der Empfindung. Alle falsche Sentimentalität liegt ihm fern. Das Volkstümliche kennt auch keine geistreichen Reflexionen.

Luzian Reich sammelt ā€žBlumen, wie sie ein Wanderer am Wege durch Felder und WƤlder pflücken kann“. Reich gemahnt uns in seiner ErzƤhlkunst an Jeremias Gotthelf oder Pestalozzi und mitunter selbst an Johann Peter Hebel. Dabei mangelt es Reich keineswegs an dichterischer Erfindungsgabe, und immer wieder packt uns die Gefühlstiefe in der ErzƤhlung.

Wir dürfen nicht vergessen, daß Luzian Reich dem alten Kulturgut der Baar um mehr als hundert Jahre nähersteht als wir, daß er uns deshalb vieles durch seine Erzählung erhalten hat, was heute schon längst vergessen wäre, und daß er daneben auch manches Alte wieder neu entdeckt hat.

Vier Jahre vor Eichendorffs Tode ist der ā€žHieronymus“ erschienen. Und er ist als eine SpƤtblüte der Romantik zu begreifen.

Die Sprache Luzian Reichs bleibt immer einfach, schlicht, ohne jegliches Pathos, wie auch Hansjakob den ā€žHieronymus“ als ā€žeinfach, schlicht und lieb geschrieben“ charakterisiert; und er sieht in ihm den ā€žromantischen Goldschimmer der guten alten Zeit“. Die Sprachkunst Luzian Reichs ist nicht alltƤglich. Sein Sprachgefühl ist außerordentlich und sein sprachlicher Ausdruck voller Kraft. In kurzen, eindrucksvollen SƤtzen gleitet der Fluß der ErzƤhlung dahin. Und über aller Darstellungskunst liegt etwas Verhaltenes, TrƤumerisches. Es nimmt eigentlich wunder, daß nicht Stücke aus dem ā€žHieronymus“ in die Lesebücher der badischen Volksschulen Eingang gefunden haben.

Stilistisch ist Luzian Reich seinem großen Kunstgenossen Adalbert Stifter nicht unähnlich, dem er auch in der liebevollen Kleinschilderung der Natur verwandt ist.

Luzian Reich ist aber nicht nur Schriftsteller, er ist ja auch Maler, und so veranschaulicht er das, was er erzƤhlt, noch durch liebevoll gezeichnete Bilder.

Ein ganz eigenartiger Reiz liegt in diesen Zeichnungen zum ā€žHieronymus“ In der Darstellung der Landschaft hƤlt sich Reich realistisch an die Natur.

Die ErzƤhlkunst in den Bildern ist nicht geringer als die in der sprachlichen Schilderung. Immer wieder erfreut uns die in den Zeichnungen zum Ausdruck kommende ruhige Betrachtung der Natur. Es gibt keine besseren und feineren Bilder vom Leben auf der Baar und im Schwarzwald. In der Natur- und Menschendarstellung sind sie gleich vortrefflich, behƤbig und aus tiefem Verstehen von Natur und Volk gewachsen. Mit den Zeichnungen rückt Luzian Reich durch deren tiefen Empfindungsgehalt in die NƤhe Ludwig Richters oder seines Freundes Moritz von Schwind, mit dem er auch zeitweise zusammengearbeitet hat. Daß Reich in seinem Schwager Johann Nepomuk Heinemann, der die Bilder zum ā€žHieronymus“ auf Stein gezeichnet hat, einen kongenialen Genossen fand, darf als Glücksfall erscheinen.

Die äußeren Lebensumstände Luzian Reichs sind rasch erzählt. 1817 im alten Baarstädtchen Hüfingen geboren, lernt er zeichnen und malen im Städelschen Institut in Frankfurt und dann in München. Das Glück hat ihm nie gelächelt. Daß er 1855 eine gering bezahlte Zeichenlehrerstelle am Gymnasium in Rastatt annahm und sich dort 35 Jahre lang in ständigen Disziplin-Schwierigkeiten mit seinen Schülern herumplagte, daß er daneben zur Aufbesserung seiner kargen Besoldung allerlei Malerarbeiten ausführte, wie sie der Tag so mit sich brachte, oder größere und kleinere Geschichten schrieb, ist der zwangsläufige Ausfluß seiner beengten materiellen Lage. Im Alter findet Luzian Reich wieder heim in seine geliebte Baar, in seine Vaterstadt Hüfingen, und dort stirbt er, einsam und kaum beachtet, als 83 jähriger Greis im Jahre 1900.

Reichlich hundert Jahre sind seit dem ersten Erscheinen des ā€žHieronymus“ verstrichen (I853). Fürst Karl Egon II. zu Fürstenberg hatte dem Verfasser zum Drucke ein Darlehen gegeben, und ihm hat Reich die erste Auflage des Buches gewidmet. Rasch zwar war die 1. Auflage vergriffen; eine 2. Auflage erschien 1876, die dem Neudruck zugrunde liegt. Alle Bemühungen Luzian Reichs aber, dem Werke vor seinem Tode noch einmal zum Drucke zu ver-helfen, waren vergeblich. Es ist deshalb ein großes Verdienst der Hüfinger Heimatzunft in Verbindung mit dem Bund ā€žHeimat und Volksleben“, daß sie es unternommen hat, das Buch neu herauszugeben. Daß S. D. Dr. h. c. Prinz Max zu Fürstenberg, die Stadt Hüfingen, der Kreis Donaueschingen und der Landesausschuß ā€žTag der Heimat“ in Südbaden durch Beihilfen die Neuausgabe ermƶglicht haben, soll ihnen die Heimat danken.

Mƶge nun der ā€žHieronymus“ im neuen Gewande das werden, was er von Anfang an sein sollte: das Heimatbuch der Baar und des Schwarzwaldes, das in jeder Bürger- und Bauernstube seinen Ehrenplatz hat. Wer Land und Leute der Heimat vergangener Zeiten kennenlernen will, wird und muß zum ā€žHieronymus“ greifen. Freilich, wer allein sein Genügen findet an Kriminalreißern, dem wird der ā€žHieronymus“ nicht viel zu sagen haben. Wir haben aber die Hoffnung, ja die Überzeugung, daß es doch noch sehr, sehr viele ernste und kunstverstƤndige Heimatfreunde gibt, die den neuen ā€žHierony-mus“ freudig begrüßen und ihn zu ihrer Haus- und Heimatpostille erwƤhlen.

Diskriminierung, Repression und Überwachung

3 Epitaphe auf dem Hüfinger Friedhof in der Mitte das mit einer Dame die das Schwert im Arm hat und in die Ferne schaut

Spätestens seit die Verwaltung zugegeben hatte die Webcam Aufzeichnungen vom Rathausplatz zu speichern, wissen wir, dass gewisse Kreise Interesse daran haben, die Bürgerinnen und Bürger zu überwachen.

Nun ist es so, dass die Hüfinger Vereine von der Stadt eine Vereinsförderung erhalten: Richtlinie zur Vereinsförderung. Den Sockelbetrag von 200 Euro bekommen eigentlich alle Hüfinger Vereine, unabhängig der Mitgliederzahl. Allerdings sollten hier 2/3 der Mitglieder in Hüfingen den Wohnsitz haben. Macht ja Sinn, da es unser Geld ist, das die Verwaltung hier ausgiebt.

Diesen Passus nutzt die Verwaltung eine Mitgliederliste, mit Anschrift und Geburtsdatum, von den Vorsitzenden einzufordern mit der Behauptung, sie würden verantwortlich mit den Daten umgehen. Man sagt also den Vorsitzenden der Vereine, dass man sie per se für Lügner hält und selber die Mitglieder überprüfen müsse.
Aber wie lƤuft das dann mit den der Verwaltung lƤstigen Vereinen? Werden da dann die Mitglieder einzeln angefragt, ob sie auch tatsƤchlich im Verein Mitglied sind?

Bedenken wegen der DSGVO werden beiseite gewischt, da diese für die Gemeinde nicht relevant sei, da sie ein berechtigtes Interesse an den Daten hätte und der Verein ja auch einen Vereinszuschuss wolle.

In Endeffekt verkaufen also die Vorsitzenden die Mitgliederliste für 200 Euro.
Ich kann nur allen Vereinen dringend raten, die Mitglieder zumindest schriftlich darauf aufmerksam zu machen, eigentlich müsste auch ein Passus dabei sein, damit die Mitglieder diesem Vorgehen widersprechen können.

Freunde der Natur Hüfingen

Der Verein wird eigentlich schon seit seiner Gründung vor über 200 Jahren von bestimmten Kreisen in Hüfingen bekämpft und von den Nachkommen der damaligen Banausen wird dieses Amt weiter getragen. Unterlagen sind verschwunden und selbst die Chronik der Stadt im Jahre 1984 wurde noch manipuliert. Fast hätten diese gewonnen und der Verein wäre in Vergessenheit geraten, wären nicht einige Unterlagen im Landesarchiv vor dem Zugriff in Sicherheit gebracht worden, und wäre der Verein nicht im Jahr 2021 wieder gegründet worden.

Die Wiedergründung erfolgte, da die Banausen, die laut Lucian Reich am liebsten den Himmel weiß anmalen würden, seit 2016 einen Bürgermeister haben, der alles dran setzt, die Hüfinger Natur und auch die Zivilgesellschaft zu bekämpfen.

Es ist selbstverstƤndlich, dass die Mitglieder der Freunde der Natur vor dem Zugriff der Stadtverwaltung sicher sind!

Diskrimminierung

Aus diesem Zusammenspiel der Überwachung und auch Repressionen ergibt sich, dass Vereine die ihre Mitglieder nicht der Verwaltung offenlegen wollten, gleich gar keine Vereinsförderung beantragen.

Somit sind die von der Stadt geförderten Vereinen, nur die Vereine, die sich möglichst leise und bürgermeistergefällig verhalten.

Wäre es nicht sinnvoller man würde diese diskriminierende Vereinsförderung abschaffen?

Es sind lediglich ein paar „Bonbons“ die der Bm an die bevorzugten Vereine verteilt.

Jugendarbeit lässt sich durchaus anders finanzieren. Zum Beispiel über ein Jugendhaus und auch ein intaktes Schwimbad, geheizte Sporthallen und gut ausgestattete Musikvereine.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin von Rudolf Gleichauf 1884.

Unaufrichtig (mauvaise foi) zu leben, bedeutet für Sartre, dass der Mensch durch Konformitätsdruck falsche Wertvorstellungen übernimmt und seine absolute Freiheit aufgibt, das Faktische in die Zukunft projiziert und damit die Verantwortung leugnet, über das was ist, hinauszugehen.

Moden anno dazumal

Bilder und Ton zur Ausstellung von Ingeborg Jaag im Hüfinger Stadtmuseum vom 08. Oktober 2021 bis 02. Januar 2022.

Trompeter

Brautkleid von Maria Josepha Heinemann zu ihrer Hochzeit am 19. September 1881 mit Johann Carl Nober.
1780 Geiger im Rokoko
1789 Chemisenkleid Empire
  • Figur zur Biedemeierzeit
  • Figur zur Biedemeierzeit

Alt Jungfere aus Villingen als Zuschauerinnen.
Elisabeth von Ɩsterreich in einem Wiener Hofkleid.
Nach einem Bild von Franz Xaver Winterhalter 1865
Nach August Macke 1914

Unterhosen galten zunƤchst als hƶchst anstößig, so dass man sie nicht beim Namen nennen mochte. ā€žDie Unaussprechlicheā€œ – mehr brachte man nicht über die Lippen. Auch die Kirchen hatten Bedenken gegen das Tragen von geschlossenen Unterhosen, da „die Frauen zu ungebührlichen Bewegungen verführt werden“.

  • Unterwäsche


  • Dame 1915
    1915
  • Figur im Tippelrock


Chanel
Chanel


1950er
  • Modebild
Plauener Spitzen
Plauener Spitze

Der Sarwürker Georg Baum aus Behla mit dem Wappen der Schellenberger.

Sarwürker Georg Baum


  • Stammtafel Katharina Schelble geborene Gƶtz

Mehr zum Hüfinger Künstlerkreis gibt es hier: https://hieronymus-online.de/hufinger-kunstlerkreis/

  • Hüfinger Hansel und im Hintergrund Batistle

Den Teil der Villinger Honoratioren lassen Sie sich von einem Villinger erklƤren.

  • Eiermann und alte Dame

Hier das Gespräch der Kuration Ariane Faller-Budasz mit der Künstlerin Ingeborg Jaag am 08. Oktober 2021.

Das Gespräch der Kuration Ariane Faller-Budasz mit der Künstlerin Ingeborg Jaag am 08. Oktober 2021
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