Die Göttin und ihre Nixen – ein Tanz für die junge Donau

Die Donauquelle beschäftigt die Menschen auf der Baar seit über 2000 Jahren. Dichter, Schriftsteller, Historiker und Geometer haben sich mit ihrem Ursprung auseinandergesetzt. Der Streit um die „richtige“ Quelle ist dabei keineswegs neu. Ein kleiner Streifzug durch die Literatur zeigt, dass die Argumente schon vor Jahrhunderten dieselben waren wie heute.

Schon bei den Römern beginnt die Geschichte: Bissula, die mit dem Ursprung der Donau vertraut war – Conscia nascentis Bissula Danuvii –, von Ausonius.

Auch im Hieronymus lässt Lucian Reich 1858 den Donauquellstreit um die „richtige“ Quelle diskutieren. Die Argumente waren schon damals genau die gleichen wie heute. Am Ende entscheidet der Feldwaibel, dass die Donau ihren Ursprung hier auf der Baar habe, wo das „wässrige Kleeblatt gleichsam zu einem Stiel zusammenwächst“:

„Wem man glauben soll? – Den Alten!“ entschied der Feldwaibel. „Seit Menschengedenken heißt die Quell hier und die drüben bei Allmendshofen – Donau. Und bis die Gelehrten einmal einig sind, wird es am besten sein, den Ursprung hier in der Baar anzunehmen, wo das wässerige Kleeblatt gleichsam zu einem Stiel zusammenwachst.“ (Hieronymus Kapitel 5)

Auch Anton Schlude mischt sich 1858 in den Streit ein und schreibt:

Wenn die Donau auch nicht, wie ihr Bruder der Rhein, aus himmelanstrebenden Gletschern tobend und schäumend herabstürzt, so ist sie doch eine echte Tochter des Gebirges. Es ist bekannt, dass sie nicht erst bei Donaueschingen, wo man früher im Abfluss des fürstlichen Schloßbrunnens fälschlicherweise die Donauquelle suchte *), sondern in der Vereinigung der beiden, den Schwarzwaldhöfen (um 3000′ hoch) entstammten Schwesterbäche Brege und Brigach mit dem genannten Abfluss ihren Ursprung hat.

*) Die heutzutage auch im Volksmunde zu Gunsten der Brig und Breg bestrittene Berechtigung der Donauquelle im Schlosshof. („Brig und Breg bringen d’Donau z’weg“) zwar freilich seit dem römischen Schriftstellern, die den Tiberius in einem Tagesmarsche vom Bodensee zu den Donauquellen gelangen lassen, nicht nur, wie von jenem Österreicher, der die Röhre des Schloßbrunnens mit der Hand zu hielt und lachend ausrief: „Schauen’s, wie werden die Wiener sich wundern, wenn die Donau ausbleibt,“ sondern bis auf neueste Topografien herab anerkannt. Der Ursprung bot sich eben in den zahlreichen Quellen und dem großen Weiher bei Donaueschingen dem Anblick natürlicher dar, als in den zwei Bächen, die sich in den großen Wasserpfuhl, das sogenannte Ried bildete, ergossen.

Die Donau von ihrem Ursprung bis Tuttlingen

Eine ganz ähnliche Argumentation findet sich 2021 bei Wolf Hockenjos auf dem Hieronymus: Zurück zum Quellenstreit. Und er schenkte uns das Bild vom Dreigötterstein:

Der Dreigötterstein in St. Georgen bei der Brigachquelle

Dazu schreibt er:

Doch um wie viel überzeugender für seinen Herzog wie für die Nachwelt wäre Breuningers Hypothese von der „Ur-Quelle des „Welt-berühmten Donau-Stromes“ ausgefallen, hätte er nicht nur mit Gedächtnistannen argumentiert, sondern auch noch mit dem über 2000 Jahre alten keltisch-römischen Dreigötterstein? Leider wurde der halt erst 170 Jahre nach seiner Buchveröffentlichung entdeckt – bei der Erneuerung des Küchengewölbes im Hirzbauernhof. Ob die Expedition des römischen Kaisers Tiberius um 15 vor Christus (von der Strabo berichtet: „Tiberius aber sah die Quellen der Donau“) also nicht doch zuvorderst dem Quellheiligtum an Breuningers eigentlicher Donauquelle gegolten hat?

2010 veröffentlichte Hugo Siefert in den Schriften der Baar seine Notizen zu Otto Romachs Roman Der standhafte Geometer (1938). Übrigens ein sehr lesenswerter Artikel.

Ein Absatz darin ließ mich besonders aufhorchen:

Während, ähnlich wie seine Bildhauerkollegen Franz Xaver Reich und Adolf Heer, der Hüfinger Maler Johann Nepomuk („Muckle“) Heinemann (1817–1902) in seinem Aquarell die Donauquelle allegorisiert, indem er sechs Nixen in einem Reigen die über ihnen thronende Wassergöttin umtanzen lässt, siedelt er das Gruppenbild mit aller Wahrscheinlichkeit im Schlosspark an. Denn aus dem rechten Hintergrund lugt noch der Ostturm der Stadtkirche St. Johann hervor.

Mit diesem Hinweis wandte ich mich an Dr. Jörg Martin, den Leiter des Fürstlich Fürstenbergischen Archivs in Donaueschingen.

Was er mir daraufhin geschickt hat, ist hier zu sehen:

Aquarell der Donauquelle mit sechs Nixen in einem Reigen die über ihnen thronende Wassergöttin umtanzen lässt. Gruppenbild im Schlosspark und Ostturm der Stadtkirche St. Johann
Fürstl. Fürstenbergische Sammlungen Donaueschingen, Zeichnung 734. Vielen Dank an Dr. Jörg Martin.

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