Was neben dem Fußballplatz auf den Acker kommt

Wenn im Gemeinderat über den Fußballplatz gesprochen wird, lohnt sich ein Blick über die Seitenlinie hinaus. Denn das Gelände gehört nicht nur dort der Stadt, wo die Fußballer spielen. Auch die angrenzenden Äcker sind städtisches Eigentum und an einen Landwirt verpachtet.

Dass gepachtetes Land nicht immer mit derselben Sorgfalt behandelt wird wie eigenes, ist eine alte Erfahrung. In Behla hat man das einmal auf besonders eindrückliche Weise vorgeführt – dort wurde sogar ein ganzer Schweinestall auf gepachtetem Land vergraben.

Direkt neben dem Spielfeld findet ein hoch subventionierter Energieaustausch statt: Ackerland wird mit hohem Energieaufwand bewirtschaftet, um wiederum Energie zu erzeugen, die wir anschließend als grüne Energie bezeichnen. Angebaut wird dort überwiegend Mais, der als Substrat für Biogasanlagen dient.

Doch wie sieht dieser Weg vom Acker zur vermeintlich grünen Energie eigentlich aus? Was passiert mit dem Boden, bevor überhaupt etwas wächst, welche Mittel kommen bei Saatgut und Pflanzen zum Einsatz, und was bedeutet das für die Umwelt – und für die Kinder, die nebenan Fußball spielen?

Die Empfehlungen unten sind keine Nachweise für den tatsächlichen Einsatz!

Bodenbearbeitung und Saatbettbereitung

Vor der Maisaussaat wird der Boden gelockert und ein Saatbett hergestellt, das eine gleichmäßige Keimung ermöglicht. Top agrar empfiehlt unter geeigneten Bodenbedingungen eine Lockerung in 10 bis 15 cm Tiefe mit anschließender Rückverfestigung; das Verfahren muss jedoch an Bodenart und Feuchtigkeit angepasst werden.

Beizung des Saatguts

Auch das Saatgut kann bereits vor der Aussaat mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Das Regierungspräsidium Stuttgart führt für 2026 unter anderem Beizmittel mit den Wirkstoffen Prothioconazol und Metalaxyl gegen bestimmte Pilzkrankheiten sowie Tefluthrin gegen Drahtwürmer auf.

Prothioconazol ist ein systemisches Fungizid aus der Gruppe der Triazole, das die Ergosterolbildung in Pilzzellen hemmt und dadurch pilzliche Krankheitserreger bekämpft.

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Metalaxyl ist ein systemisches Fungizid aus der Gruppe der Phenylamide, das die RNA-Synthese empfindlicher Pilze hemmt und unter anderem gegen bestimmte bodenbürtige Pilzerreger wirkt. 

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Tefluthrin ist ein synthetisches Pyrethroid-Insektizid, das auf das Nervensystem von Insekten wirkt und im Maisanbau insbesondere zum Schutz vor Bodenschädlingen wie Drahtwürmern eingesetzt wird.

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Herbizideinsatz im Maisanbau: 

Terbuthylazin – Bodenherbizid, das vor allem die Photosynthese hemmt und gegen zahlreiche einjährige Unkräuter wirkt; der Einsatz unterliegt strengen Auflagen. Terbuthylazin hat aus ökotoxikologischer Perspektive negativen Einfluss auf aquatische Organismen. Es ist nicht leicht abbaubar.

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Mesotrion – Herbizid aus der Gruppe der Triketone; hemmt die Bildung von Carotinoiden und führt zu Bleichsymptomen bei empfindlichen Unkräutern.

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Nicosulfuron – Sulfonylharnstoff-Herbizid, das die Acetolactat-Synthase (ALS) hemmt und insbesondere gegen Ungräser und bestimmte Unkräuter eingesetzt wird. Nicosulfuron hat aus ökotoxikologischer Perspektive negativen Einfluss auf aquatischen Organismen.

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Isoxaflutol – Boden- und Blattherbizid, das die Bildung von Carotinoiden hemmt; empfindliche Pflanzen bleichen aus und sterben ab.

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Dimethenamid-P – Bodenherbizid, das vor allem keimende Ungräser und bestimmte breitblättrige Unkräuter bekämpft.

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Pethoxamid – Bodenherbizid, das die Entwicklung keimender Unkräuter und Ungräser hemmt.

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Rimsulfuron: ALS-Hemmer, wirksam gegen bestimmte Ungräser und Unkräuter.

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Foramsulfuron: ALS-Hemmer, insbesondere zur Bekämpfung von Ungräsern.

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Florasulam: ALS-Hemmer, unter anderem gegen Kamille, Klettenlabkraut und Vogelmiere.

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Prosulfuron: ALS-Hemmer, unter anderem gegen bestimmte Knötericharten.

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Dicamba: Synthetisches Auxin, unter anderem gegen Ackerwinde.

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Beispiele für empfohlene Präparate und Kombinationen:

  • MaisTer Power – unter anderem mit Foramsulfuron und weiteren Wirkstoffen.
  • Laudis + Callisto/Daneva + Spectrum – Kombination aus blatt- und bodenwirksamen Herbiziden.
  • Elumis + Peak – Kombination mit Nicosulfuron und weiteren Wirkstoffen.
  • Dragster + Cabadex – Kombination mit Rimsulfuron, Thifensulfuron, Mesotrione und Florasulam.

Isektizide im Maisanbau

Chlorantraniliprol (z. B. Coragen) ist ein Insektizid aus der Gruppe der Diamide, das die Calciumregulation in Muskelzellen von Insekten stört und insbesondere gegen die Larven des Maiszünslers eingesetzt wird.

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Tefluthrin ist ein synthetisches Pyrethroid, das auf das Nervensystem von Insekten wirkt und gegen bodenlebende Schädlinge wie Drahtwürmer und Maiswurzelbohrer eingesetzt wird. Es kommt auch als Mikrogranulat bei der Aussaat zum Einsatz.

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Kleine Anmerkung: In  Monokluturen vermehrt sich der Maiswurzelbohrer ausserordentlich. 

Im Vergleich zum Maisanbau ist der Einsatz von Insektiziden und weiteren Pflanzenschutzmitteln im Getreideanbau deutlich vielfältiger – hier eine Auswahl der im Weizenanbau empfohlenen Wirkstoffe und ihrer Einsatzgebiete.

Lambda-Cyhalothrin, Pyrethroid, Kontakt- und Fraßgift, unter anderem gegen Blattläuse und Getreidehähnchen

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Deltamethrin, Pyrethroid, Kontakt- und Fraßgift gegen verschiedene beißende und saugende Insekten. Deltamethrin weist gegenüber Fischen eine sehr hohe Toxizität auf – die höchste aller Pyrethroide.

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Esfenvalerat, Pyrethroid, Wirkt auf das Nervensystem von Insekten; gegen bestimmte Getreideschädlinge

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Cypermethrin, Pyrethroid Kontakt- und Fraßwirkung gegen verschiedene Insekten

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Tau-Fluvalinat, Pyrethroid, Kontaktinsektizid, unter anderem gegen bestimmte Blattläuse

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Pirimicarb, Carbamat, Selektiv wirkendes Insektizid gegen Blattläuse; hemmt die Acetylcholinesterase. Pirimicarb hat aus ökotoxikologischer Perspektive negativen Einfluss auf aquatischen Organismen. 

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Flonicamid, Pyridincarboxamid, Hemmt die Nahrungsaufnahme saugender Insekten, insbesondere Blattläuse

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Flupyradifuron, Butenolid, Systemisch wirkendes Insektizid gegen saugende Schädlinge wie Blattläuse

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Acetamiprid, Neonicotinoid, Wirkt auf nikotinische Acetylcholinrezeptoren; Einsatzmöglichkeiten sind kultur- und zulassungsabhängig

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Toxizität von Neonicotinoiden

Neonicotinoide sind Nervengifte, die auf das Nervensystem von Insekten wirken. Für Säugetiere sind sie meist weniger giftig, allerdings gibt es Hinweise, dass Acetamiprid und Imidacloprid die Entwicklung des Nervensystems von Säuglingen und Kleinkindern beeinträchtigen könnten.

Besonders gefährlich sind bestimmte Neonicotinoide wie Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam für Bienen und andere Bestäuber. Auch nicht unmittelbar tödliche Dosen können ihre Entwicklung und ihr Verhalten beeinträchtigen. Bei Vögeln können behandeltes Saatgut und der Rückgang von Insekten als Nahrungsquelle Risiken verursachen.

Da Neonicotinoide von Pflanzen aufgenommen werden und teilweise langsam abgebaut werden, können Rückstände länger in Böden und Gewässern verbleiben.

Ein Beispiel aus Deutschland: 2008 wurden am Oberrhein mehr als 11.000 Bienenvölker geschädigt. Ursache war Clothianidin aus behandeltem Maissaatgut, dessen Abrieb beim Säen in die Luft gelangte und benachbarte Rapsfelder kontaminierte.

Und was bedeutet das für die Kinder auf dem Fußballplatz?

Natürlich wird nicht jedes der genannten Mittel auf diesem Acker eingesetzt. Die Liste zeigt vielmehr, was im konventionellen Anbau möglich ist. Landwirte stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck und müssen konkurrenzfähig produzieren. Doch es geht auch anders: Biologische Landwirtschaft zeigt, dass sich Betriebe wirtschaftlich führen lassen, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen künftiger Generationen aufs Spiel zu setzen.

Direkt neben dem Fußballplatz bleibt dennoch eine Frage: Welche Stoffe gelangen bei der Bewirtschaftung auf und in den Boden, in die Luft und möglicherweise auch in die Umgebung, in der Kinder spielen? Welche Wechselwirkungen entstehen, wenn verschiedene Wirkstoffe zusammentreffen, und welche Folgen haben wiederholte Belastungen über Jahre hinweg? Das lässt sich für diesen konkreten Standort nicht beantworten.

Wenn ein Kind in zehn Jahren an einer Depression erkrankt, lässt sich ein möglicher Zusammenhang mit früheren Pestizidexpositionen im Einzelfall kaum nachweisen – ebenso wenig lässt er sich pauschal ausschließen. Gerade deshalb sollten wir nicht erst dann Fragen stellen, wenn ein Schaden eindeutig bewiesen ist.

Vorsorge bedeutet, Risiken ernst zu nehmen, bevor wir ihre Folgen kennen.


Quellen und weiterführende Informationen
Wikipedia: „Neonicotinoide“, Abschnitt Toxizität und Umweltwirkungen. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
top agrar: „Nährstoffe zu Mais effizient einsetzen“, 5. April 2026. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
top agrar: „Bodenherbizide nehmen im Mais zentrale Rolle ein“, 31. März 2026. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
top agrar: „Welche Beize zur Maisaussaat 2025?“, 30. November 2024. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
top agrar: „Fungizide in Mais – wie effektiv sind sie?“, 15. April 2015. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
ISIP – Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion: „Mais – Praxisgerechte Ideen zum Herbizideinsatz“, Landwirtschaftsamt Bruchsal, 13. Mai 2026. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
ISIP: „Mais – Einsatz von Bodenherbiziden vor dem Auflaufen oder im frühen Nachauflauf im Vergleich zu mechanischen Verfahren“, Regierungspräsidium Stuttgart, 17. April 2026. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
ISIP: „Mais – Maiszünsler aktuell“, Landwirtschaftsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, 3. Juni 2026. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
Wikipedia: Artikel zu den jeweiligen Wirkstoffen – GHS-Gefahrenpiktogramme. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
* eventuell gibt es Übertragungsfehler, diese dürfen gerne bei mir gemeldet werden.
** Die Quellen zu Fungiziden und Saatgutbeizen enthalten zum Teil ältere Angaben und dienen als Hintergrund zur Wirkungsweise und Anbaupraxis, nicht als Nachweis, dass ein bestimmtes Mittel 2026 auf dem betreffenden Acker zugelassen war oder tatsächlich verwendet wurde.

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