Liebe Bürgerpostleser,
nach der Aspisviper vom letzten Mal geht um den Baum, welche Baumart er ist und was für einen Umfang er hat. Der Umfang wurde deutlich unterschätzt, die Baumart hatten doch einige erkannt, ich war überrascht. „Japanischer Schnurbaum“ sagte die holländische Besitzerin des Landgutes, in dessen Vorhof dieser Prachtbaum stand. Sofort hatte er mich in den Bann gezogen.

Denn seine Ausmaße sind enorm. Hochinteressant ist die Geschichte dieser Baumart in Europa.
ChatGPT gibt schreibt:
„Die Geschichte lässt sich erstaunlich genau rekonstruieren – und sie beginnt nicht in Japan, sondern in Peking. Die wichtigste Quelle dafür ist heute das Muséum national d’histoire naturelle bzw. der Jardin des Plantes in Paris. Der französische Jesuit Pierre-Nicolas Le Chéron d’Incarville (1706–1757) lebte ab 1740 in China und war als Naturforscher sehr interessiert an Pflanzen. Er stand in Kontakt mit Bernard de Jussieu, einem der bedeutendsten französischen Botaniker seiner Zeit und Verantwortlichen am Jardin du Roi in Paris. D’Incarville sammelte Pflanzen und Samen in China und schickte sie nach Frankreich. 1747 sandte er Jussieu eine Sendung mit Samen, die lediglich als „unbekannte chinesische Bäume“ – bezeichnet waren. Darunter befanden sich die Samen des später als Japanischer Schnurbaum bekannten Baumes. Es handelte sich nicht um einen Baum, der aus Japan nach Frankreich gebracht wurde. Die Samen kamen aus China, wahrscheinlich aus dem Raum Peking. Bernard de Jussieu ließ die Samen dort aussäen. Sie keimten erstaunlich gut. Jussieu pflanzte einen der daraus entstandenen Bäume im Jardin des Plantes ein. Dieser heute noch vorhandene alte Schnurbaum gilt als das historische Exemplar aus dieser ersten Aussaat und als einer der ältesten, wenn nicht der älteste Schnurbaum Europas.
Das Muséum gibt für ihn heute etwa 19–21 Meter Höhe und einen Stammumfang vonetwa 112 cm Durchmesser an.
Zunächst wusste man nicht, welche Art daraus entstehen würde. Der Baum wuchs jahrelang, ohne Blüten zu zeigen. Erst 1779, also rund 32 Jahre nach der Aussaat, blühte der Pariser Baum zum ersten Mal. Erst anhand der Blüten konnte man ihn sicher botanisch identifizieren. Zu diesem Zeitpunkt war die Art bereits von Carl von Linné 1767 als Sophora japonica beschrieben worden – aufgrund eines Herbarexemplars, das man damals mit Japan in Verbindung brachte. Und genau daraus entstand der etwas irreführende Name „Japanischer Schnurbaum“. Heute weiß man, dass der Baum ursprünglich vor allem aus China und Korea stammt. Er wurde bereits lange vor seiner Ankunft in Europa in Japan kultiviert. Noch später stellte sich heraus, dass die Art botanisch gar nicht richtig in die Gattung Sophora gehört. Deshalb wurde sie 1830 in die Gattung Styphnolobium gestellt. Spannend ist die weitere Verbreitung. Denn Jussieu behielt die Samen nicht einfach im Jardin du Roi, sondern verteilte Samen an andere Botaniker und Gärten in Frankreich und England. Dadurch entstanden weitere Exemplare und der Baum begann sich in Europa zu verbreiten. Es gab beispielsweise weitere historische Exemplare in der Umgebung von Versailles. Auch andere französische Parks erhielten im Laufe der Zeit Schnurbäume. Später erwies er sich aber als ausgesprochen geeignet für das Pariser Stadtklima: Er ist langlebig, verträgt Trockenheit und städtische Bedingungen relativ gut und besitzt eine attraktive, leichte Krone. Deshalb wurde er zunehmend als Alleebaum und Straßenbaum verwendet. Heute ist er in Paris sehr häufig. Es gibt mehr als 11.000 erfasste Exemplare, womit der Schnurbaum mehr als fünf Prozent der registrierten Stadtbäume ausmacht.“
Diese Eigenschaft sorgt dafür, dass er gut dem Klimawandel standhält und beispielsweise in Freiburg in der Haslacher Straße bei der Schwarzwaldmilch die Straße säumt.
Jetzt zu unserem Baum. Vermutlich gehört er zu den ersten Exemplaren. Das Hofgut sei um 1700 entstanden, vielleicht ist er um 1750 gepflanzt worden. Durch meterweises Messen eines um den Stamm gelegten Verlängerungskabels kamen Michael und ich auf man höre und staune exakte 5 m Umfang in 1,30 cm Höhe. Das gibt etwa 160 cm Durchmesser. Erinnert Ihr Euch noch an die 112 cm des ersten Pariser Baumes? Wenn das kein Oberhammer ist. Die Bedingungen für diesen Schnurbaum müssen excellent gewesen sein.
Wenige von Euch haben die Dimension erkannt, 4 Meter schätzte der beste. Ohne Vergleich ist das natürlich schwierig. Mit mir und meinen ausgebreiteten Armen ist das anderst. Die Kohlwaldtanne zum Vergleich ist nur etwas dicker mit 512 cm.
Im Schutz des Fussbereichs fand sich eine Häuserschneckenart, die wir bei uns nicht kennen, die gefleckte Weinbergschnecke. Ungewohnt ist die dunkle Färbung der kriechenden Schnecke.

Herzliche Grüße
Franz Maus
Unten der Teil mit der Schlange am 23. September 2026
Liebe Bürgerpostleser,
Ich war selber unsicher, einige wenige haben den richtigen Tipp abgegeben. Schlangenkenner Dr. Gerrit Müller aus Neustadt, schrieb nur „Aspisviper“ mit Ausrufezeichen (!).
Und ich durfte sie sehen, ein absoluter Oberhammer. Spannend ist auch die Geschichte, wie die Bilder zustande kamen. Sohn Michael und ich kamen von einem Naturspaziergang in unsere Ferienwohnung bei Orleans. Beim Haustüröffnen denke ich, Mann, was kriecht da vorbei an der Wand entlang.
Bild 3 zeigt die Wand, zwei Steine waren dort angelehnt. Zunächst verschwand sie hinter dem großen ersten, der bot ihr anscheinend zu wenig Deckung. Deshalb verzog sie sich hinter den zweiten kleineren. Dann war Ruhe.
Das Bild zeigt, was ich gemacht habe, nämlich den Stein mit der linken Hand ganz ruhig oben von der Wand weggezogen, so dass Michael dieses schöne Bild 1 gelingen konnte. Ob ihrs glaubt oder nicht, ich versuchte mit der anderen Hand auch zu fotografieren, aber ich war zu langsam. Denn sie entrollte sich und verdrückte sich weiter an der Wand entlang, bis ein Busch ihr vollkommene Deckung gab. Toll war, dass Michael nochmals die Schlange in ganzer Länge aufnehmen konnte, siehe Bild 2.
Interessant war für mich, dass die Schlange beim Abmarsch seltsame relativ leise Geräusche von sich gab. Vielleicht wollte sie sagen, lasst mich ja in Ruhe, sonst beiß ich Euch. Natürlich habe ich die Bilder Google lens und ChatGPT geschickt, aber letztlich war ich froh und dankbar, dass Dr. Gerrit Müller „Aspisviper“! schrieb.
Das war ein Erlebnis, kann ich Euch sagen. Es hat mich etwas daran erinnert, als Cathrin Schelshorn in Ischgl eine Kreuzotter auf Ihren Skistock nahm, ihr erinnert Euch sicherlich noch. Die Aspisviper ist die zweite Giftschlange Deutschlands und der Hammer ist, sie kommt nur im Südschwarzwald auf einer relativ kleinen Fläche vor.
Leider bin ich ihr bei meinen Außendiensten im Hinterwäldergebiet auf den Weideflächen nicht begegnet. Wie die Kreuzotter ist sie lebendgebärend. Unser fotografiertes Exemplar war etwa 50 cm lang, ausgewachsen können sie 85 cm erreichen. Sie werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif. Schaut auf den Kopf, typisch für Vipern ist die etwas vom Körper abgesetzte Dreiecksform. Das Band auf dem Rücken ist nicht gleichmäßig wie das Zickzackband der Kreuzotter. Das ist sehr gut zu sehen auf dem Bild.
Wer weiteres zu dieser interessanten Schlange wissen will, schaue unter https://de.wikipedia.org/wiki/Aspisviper.
Was sich in diesem Fall bestätigt hat, dass Schlangen vor dem Menschen die Flucht ergreifen und nur im Ausnahmefall zubeißen. So ein Ausnahmefall passierte vor kurzem im Schweizer Jura, als ein Kletterer von einer Asisviper in die Hand gebissen wurde: www.alpin.de/kletterer_von_giftschlange_gebissen__aufwendiger_rettungseinsatz. Er überlebte. Im übrigen ist die Giftwirkung der Aspisviper nicht ganz so stark wie die der Kreuzotter.
Vielen Dank allen fürs Miträtseln. Nächste Woche ist der Kracherbaum an der Reihe.
16. September 2026
Liebe Bürgerpostleser,
um etwas Abwechslung anzubieten, seid Ihr dieses Mal gefragt.
Erste Frage, welchen Umfang in 1,30 Meter Höhe hat dieser Baum?
Zweite Frage, um welche Baumart handelt es sich?
Dritte Frage, welche Schlangenart seht Ihr auf den beiden Bildern?
Kleiner Tipp, sie kommt in Deutschland nur im Südschwarzwald vor.
Ich bin gespannt auf Eure Antworten. Die Auflösung folgt im nächsten Beitrag.
Herzliche Grüße
Franz Maus





