Der Reiter von Hüfingen oder die ältesten christlichen Bilder der Alamannia

1966 wurde in Hüfingen das reich ausgestattete Grab eines jungen Mannes entdeckt. Der Archäologe Dr. Gerhard Fingerlin hat darüber mehrere Beiträge veröffentlicht, die ich hier zusammenfassen möchte.

Fingerlin beschreibt das an der Gierhalde entdeckte Kammergrab, das er zunächst in die Zeit zwischen 600 und 610 n. Chr. datierte. Trotz einer bereits in früher Zeit erfolgten Beraubung ließ sich erkennen, dass hier ein junger Mann von sehr hohem Rang bestattet worden war. Dafür sprechen nicht nur die außergewöhnlich reichen Beigaben, sondern auch die große, aus Eichenholz gebaute Grabkammer und ihre Lage auf einem kleinen Sonderfriedhof, den Fingerlin mit adligen Familien und Herrenhöfen in Verbindung bringt.
Zur Ausstattung gehörten Waffen, Reitausrüstung, kostbare Gürtelbeschläge, Gefäße, Möbel und Speisebeigaben. Besonders außergewöhnlich sind ein Bronzebecken aus dem Mittelmeerraum und drei figürlich verzierte Silberscheiben vom Pferdegeschirr.

1. Phalere mit Reiter und Lanze

Lanzenreiter, der über eine menschenköpfige Schlange hinwegstürmt*

Mittlere Phalere mit Madonna und Jesuskind

Thronende Muttergottes mit dem Jesuskind*

3. Phalere mit Reiter. Zierscheibe mit dem siegreichen Reiter. Sie wurde nach der Entdeckung vermisst und tauchte erst 2008 wieder auf.

Reiter als Sieger, die rechte Hand zum Zeichen des Triumphes erhoben. *

*Die historischen Abbildungen aus den „Schriften der Baar“ wurden für die Darstellung auf Hieronymus-online mithilfe von KI technisch aufbereitet und verbessert.

Die drei Scheiben bilden ein ungewöhnliches christliches Bildprogramm: Maria mit dem Christuskind in der Mitte, flankiert von zwei Reitern – der eine kämpfend, der andere als Sieger.

Wie diese Stücke nach Hüfingen gelangten, lässt sich nicht sicher sagen. Fingerlin hält Handel für eher unwahrscheinlich. Er denkt vielmehr an eine politisch motivierte Ehrengabe oder an Beutegut aus einem Italienzug. Eine unvollständige Inschrift auf einer der Scheiben könnte dabei auf einen früheren Besitzer hinweisen.
Für Fingerlin handelt es sich um die ältesten christlichen Darstellungen auf süddeutschem Boden. Gleichzeitig finden sich in der Ausstattung des Grabes eindeutig alamannische und nichtchristliche Elemente. Ob der Reiter selbst Christ war, lässt Fingerlin deshalb ausdrücklich offen.

Ich glaube an einen Gott  Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1, Schwarzwald-Baar-Kreis Um 600, Silberblech. Inv.-Nr.: 73/171 a-b; L 601 1966 wurde in Hüfingen das reich ausgestattete Grab eines jungen Mannes entdeckt. Zu den Beigaben gehörte ein Pferdegeschirr mit drei Zierscheiben. Die mittlere Scheibe zeigt Maria mit dem Christuskind. Auf den beiden anderen ist jeweils ein mit einer menschenköpfigen Schlange kämpfender Reiter dargestellt. Die Reiter ziehen im Namen Christi und unter seinem Schutz in den Kampf gegen das Böse. Solche Motive weisen in den byzantinischen Raum, doch handelt es sich wohl um eine Arbeit aus Oberitalien. landesmuseum.de/archaeologie-in-baden

Ich glaube an einen Gott 
Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1, Schwarzwald-Baar-Kreis Um 600, Silberblech. Inv.-Nr.: 73/171 a-b; L 601
1966 wurde in Hüfingen das reich ausgestattete Grab eines jungen Mannes entdeckt. Zu den Beigaben gehörte ein Pferdegeschirr mit drei Zierscheiben. Die mittlere Scheibe zeigt Maria mit dem Christuskind. Auf den beiden anderen ist jeweils ein mit einer menschenköpfigen Schlange kämpfender Reiter dargestellt. Die Reiter ziehen im Namen Christi und unter seinem Schutz in den Kampf gegen das Böse. Solche Motive weisen in den byzantinischen Raum, doch handelt es sich wohl um eine Arbeit aus Oberitalien. landesmuseum.de/archaeologie-in-baden

Für Fingerlin erzählt dieses eine Grab jedoch weit mehr als die Geschichte eines einzelnen Mannes. Er sieht darin den Hinweis auf eine überregional bedeutende Adelsfamilie.

Hüfingen lag seiner Interpretation nach an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt: Hier traf die Donaustraße auf die Verbindung vom Schweizer Mittelland in den Neckarraum und weiter Richtung Oberrhein. Der hier bestattete Reiter könnte deshalb eine Kontrollfunktion im Auftrag eines Königs oder Herzogs ausgeübt haben.
Mit dem Gierhalde-Grab wurde damit ein bis dahin kaum sichtbarer militärischer, politischer und wirtschaftlicher Schwerpunkt erkennbar, der die Geschichte der umliegenden Landschaft im frühen Mittelalter wesentlich geprägt haben könnte.

Quellen:

Gerhard Fingerlin: Ein alamannisches Reitergrab aus Hüfingen. In: Studien zur vor- und frühgeschichtlichen Archäologie. Festschrift für Joachim Werner zum 65. Geburtstag, Teil II, 1974, S. 591–628.

Gerhard Fingerlin: Der Reiter von Hüfingen. Notizen zu einem alamannischen Adelsgrab auf der Baar. In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 31 (1976), S. 53–66.

Gerhard Fingerlin: Die ältesten christlichen Bilder der Alamannia. Zur Herkunft und Ikonographie der drei silbernen Phalerae aus dem Kammergrab von der „Gierhalde“ in Hüfingen. In: Schriften der Baar 55 (2012), S. 7–26.

Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Ich glaube an einen Gott – Zierscheiben aus Hüfingen, Grab 1. Badisches Landesmuseum

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