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Lebensbilder aus der Baar und dem Schwarzwalde

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Noch nie hat auf meinem Nachttisch ein ähnlich gewichtiger Wälzer gelegen, und noch selten hat mir ein Buch mit seiner verblüffenden Aktualität so das Einschlafen verschleppt wie Putins Netz1, verfasst von der Londoner Journalistin Catherine Belton, die von 2007 bis 2012 für die Financial Times aus Moskau berichtet hatte, und heute für die Nachrichtenagentur Reuters arbeitet. Ihre über 600 Seiten starke Recherche, versehen mit einer überwältigenden Fülle von Anmerkungen und Quellen, ist von britischen Zeitungen zum Buch des Jahres gekürt worden. „Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste“, lautet der Untertitel, und nachgezeichnet werden die Karriere und das politische Umfeld Wladimir Putins, vom Dresdener Offizier des Auslandgeheimdienstes, der in den Tagen der Wende mit gezückter Pistole die Herausgabe der Akten verhindert hatte, über seinen politischen Start als stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg bis hin zum korrupten, Kriege entfesselnden und Gegner kaltblütig umbringenden Autokraten mit Oligarchenvilla am Schwarzen Meer. Wie hatte man ihn jemals unterschätzen können mit seiner KGB-Vergangenheit und seinen frühen Verbindungen zur russischen Mafia? Wie konnte es 2003 nach seiner Rede im Berliner Reichstagsgebäude noch Standing Ovations der Abgeordneten geben, obwohl er doch damals bereits Blut an den Händen hatte, spätestens seit den Tschetschenien-Kriegen? Und wie konnte man den Aufmarsch russischer Truppen an der ukrainischen Grenze noch bis zum Abend des 23. Februar 2022 als bloßes Manöver einschätzen?

Frieden schaffen ohne Waffen, Schwerter zu Pflugscharen, Wandel durch Handel: Wie sehr hatte man doch auch selbst seit dem Kniefall Willy Brandts mit der Entspannungspolitik sympathisiert! Aufgewühlt von der nächtlichen Lektüre, tauchen mit einem Mal auch die vergleichsweise spärlichen eigenen Erlebnisse und Verbindungen mit Russland aus dem Nebel des Langzeitgedächtnisses hervor, beginnend in den frühen Nachkriegsjahren beim oft fassungslosen Lauschen, wenn die Kriegsheimkehrer oder Vertriebenen ihre Fluchtgeschichten vor der Roten Armee auspackten. Oder bei den eher spärlichen Erzählungen des Vaters über den barbarischen russischen Winter, über Vormarsch und Rückzug, wie ich sie später auch in seinem Kriegstagebuch nachlesen konnte. Über seinem Schreibtisch hatte noch lange das von einem russischen Granatsplitter zerfetzte lederne Futteral seiner Leica gehangen, mit deren Fotos er seine Eintragungen illustriert hatte.
Noch unter Verteidigungsminister Franz Joseph Strauß leistete ich – bei aller mir selbst attestierten Friedfertigkeit – brav meinen Militärdienst ab, wofür ich mich in Diskussionen mit linken Altersgenossen nicht selten heftig zu rechtfertigen hatte: Als ob der Dienst in der Gebirgsdivision mitsamt der Ausbildung als ROA an der Münchener Heeresoffiziersschule und in Hammelburg nicht ausschließlich dem militärischen Patt, der Kriegsverhinderung zwischen den Atommachtblöcken gedient hätte. Hatten russische Panzer nicht 1956 Ungarn überrollt und 1968 dann auch dem Prager Frühling ein jähes Ende bereitet?
Ausgangs der 1970er Jahre, noch immer mitten im Kalten Krieg, hatte das Münchener Sporthaus Köpf erstmals für Skilangläufer eine Reise nach Murmansk ausgeschrieben. Weil dabei auch Zwischenstopps in Moskau und Leningrad angeboten wurden, hatte ich mich spontan angemeldet. Der verschneite Rote Platz, die Kremlmauern mit den dort Aufgebahrten, die Basiliuskathedrale und das Kaufhaus Gum hatten in mir dank Väterchen Frost einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen; mehr aber noch waren es die zarten blaugrünen Pastellfarben der verschneiten Paläste rund um die Leningrader Eremitage, deren Besuch zum Pflichtprogramm auch der Skilangläufer gehörte; weiter die Fahrt in der transsibirischen Eisenbahn in den hohen Norden, nicht ohne Teeausschank aus dampfendem Samowar – alles findet sich unauslöschlich gespeichert! Erst recht das in Murmansk mit seinem Eismeerhafen und der dort vor Anker liegenden Kriegsflotte fröhlich zu feiernde „Fest des Nordens“ mit dem Einzug der Nationen auf dem fahnengeschmückten Leninprospekt. Pech, dass mich beim Marathonrennen dann das Missgeschick ereilte mit dem angebrochenen (da noch aus finnischer Birke gefertigten) Langlaufski, weswegen ich im Heißhunger eine Zuschauerin am Rand der Strecke um ein Stück russischen Schwarzbrots anbetteln musste – vertauschte Rollen eingedenk all der Fotos von um Brot bettelnden russischen Kriegsgefangenen. Schließlich die Rentier-Schlittenrennen mit den auf die keuchenden und dampfenden Tiere einprügelnden Samen skandinavischer wie russischer Herkunft, die danach wodkabetäubt wie tot im Hotel herumlagen. In bleibende Erinnerung eingegraben sind aber auch die spontanen Hausbesuche unseres ebenso weltläufigen wie wunderfitzigen Schwarzwälder Gastwirts, der sich nicht scheute, die überraschten Murmansker unter der Türe nach ihrem Befinden im Sowjetreich zu befragen. Umso lästiger fiel schließlich die penible Befragung durch DDR-Zoll- bzw. Stasibeamte aus nach der Landung in Berlin-Schönefeld; deretwegen hatte ich mich als Beamter vor der Reise bei meiner obersten Dienststelle ordnungsgemäß abzumelden gehabt, um dabei auch zu versichern, keinerlei Dienstgeheimnisse auszuplaudern.
Doch damit schien nach Glasnost, Perestroika und dem Fall der Mauer endgültig Schluss zu sein. Allenfalls der Kernkraftunfall von Tschernobyl im Frühjahr 1986 hatte nochmals Zweifel an der Zuverlässigkeit der Russen aufkommen lassen. Weshalb mir nun dennoch wieder der Besuch in einer demokratischen und noch ganz und gar friedlichen Ukraine in den Sinn kommt: eine Exkursion anno 2007 (jenem Jahr, als Putin anlässlich der Münchener Sicherheitskonferenz erstmals heftige Drohungen gegen den Westen ausstieß) in die ukrainischen Karpatenurwälder, geführt und gedolmetscht von einem Lemberger Kollegen. Wie angenehm rollte es sich doch seit der Wende im Bus über die osteuropäischen Ländergrenzen hinweg, bis unlängst noch eiserner Vorhang. Nicht einmal mehr Bakschisch schienen sich die Zöllner diesmal beim Grenzübertritt noch zu erhoffen. Dafür wiesen uns die Einheimischen stolz auf ein Denkmal hin: auf den exakt hier im hintersten Transkarpatien, wo fünf Länder (Ukraine, Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien) aneinander stoßen, befindlichen geographischen Mittelpunkt Europas, wie ihn 1887 k. u. k. Landvermesser errechnet und eingemessen hatten. Die fast 15.000 ha noch nahezu jungfräulichen Waldes, die sich hier trotz des allein im 20. Jahrhundert sechsfachen Nationenwechsels (von Österreich-Ungarn zur Tschechoslowakei, zu Ungarn, zur Karpato-Ukraine, zur UdSSR und seit 1992 zur Ukraine) erhalten ließen, waren im neuen Gründungsjahr des Landes zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt und 1997 obendrein mit dem Europa-Diplom des Europarats ausgezeichnet worden – nur zur Aufnahme in die EU hat es halt leider bis heute noch immer nicht gereicht.
Die Muße des Ruhestands brachte es mit sich, dass ich mich endlich auch intensiver mit den Kriegserlebnissen des Vaters befassen konnte. „Was der Krieg aus einem macht. Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters“, so überschrieb ich einen 2018 veröffentlichten Text2, den ich mit einem überschwänglichen Ausruf beginnen ließ: Seit siebzig Jahren kein Krieg mehr hierzulande – was für ein Privileg! Wie ein Fremdköper steht oben auf meinem Bücherschrank der Karton mit dem fünfbändigen Kriegstage buch des Vaters, ausgekleidet in den Tarnfarben einer Wehrmachtzeltplane, jeder Band außen mit Ausschnitten aus der Generalstabskarte des jeweiligen Frontgeschehens bedruckt…
Wie verwandelt sich der Mensch im Verlauf von fünf Kriegsjahren? Die Antwort auf diese Frage suchte ich im Kriegstagebuch des Vaters. Am aufwühlendsten erwiesen sich zweifellos seine Aufschriebe und Fotos vom November 1942 bis August 1943, als sich seine Einheit an der Einschließungsfront von Leningrad befand. Die insgesamt vierjährige Blockade der Stadt hatte zur Folge gehabt, dass mehr als 700.000 Menschen verhungern mussten. Die Perspektive des Oberleutnants Fritz Hockenjos wird im Text ergänzt durch die Berichte im Buch des dem Vater exakt gegenüber eingesetzten russischen Leutnants, des späteren Autors Daniil Granin Mein Leutnant3. Am 27. Januar 2014 hatte er im Bundestag eine vielbeachtete Rede zum Gedenken an die Opfer der Blockade gehalten und das Vorwort des Buchs hatte noch Helmut Schmidt geschrieben. Bereits 1985 war er nach Berlin zu einer Lesung aus seinem „Blockade-Buch“4 eingeladen worden, in dem er auch nicht an Kritik an der sowjetischen Kriegsführung gespart hatte. Weil bei diesem Anlass meine in Berlin lebende Schwester Ruthild aus dem väterlichen Kriegstagebuch vorgelesen hat, entspann sich ein Briefwechsel zwischen den beiden gegnerischen Kriegsteilnehmern, dem eigentlich auch noch ein Besuch in der so leidgeprüften (seit 1991 wieder St. Petersburg heißenden) Stadt hatte folgen sollen, wozu es jedoch leider nicht mehr gekommen ist.
Umso mehr reizte es mich nach all den schaurigen Augenzeugenberichten aus dem „Vernichtungskrieg“ bzw. aus dem „Großen Vaterländischen Krieg“ nochmals in das „Venedig des Nordens“ zu reisen, das längst auch wieder zu einem touristischen Hotspot geworden war. Im Sommer 2019 war es soweit: per Bus und Fähre ging es über Helsinki in die Fünfeinhalbmillionenstadt, in welcher die (vornehmlich chinesischen) Touristenschlangen vor der Eremitage und vor den glanzvoll renovierten Zarenschlössern nicht mehr abreißen wollten – vom zerbombten Lenindenkmal keine Spur mehr. Ob sich eines Tages auch das neue, 450 Meter in den Himmel ragende und einer Rakete nachempfundene Gazprom-Geschäftszentrum dem Touristenansturm öffnen würde, war nicht auszumachen. Der Öl- und Erdgasexport, der nach Putins Beendigung der chaotischen Jelzin-Jahre nicht nur die Stadt wieder hat erblühen lassen, sondern auch eine Truppe skrupelloser KGB-Leute und Oligarchen einschließlich des russischen Präsidenten gemästet hat, wird kriegsbedingt inzwischen wohl doch einen Dämpfer erhalten – je nach Wirksamkeit der verhängten Embargos. Und auch von Busreisen in die „weißen Nächte von St. Petersburg“ ist vorerst abzusehen. In Putins Netz haben sich alle miteinander verfangen.
1 Belton, C .: Putins Netz. HarperCollins 2020; deutsche Erstausgabe 2022
2 Hockenjos, W.: Was der Krieg aus einem macht. In: Vom Nationalsozialismus zur Besatzungsherrschaft. Hrsg. H. Haumann und U. Schellinger. verlag regionalkultur, 2018.
3 Daniil Granin: Mein Leutnant. Berlin 2015.
4 Ales Adamowitsch. Daniil Granin: Das Blockadebuch. 2 Bde. Berlin 1984
Beitrag vom 29.11.2021
(Ein Spruch aus dem Narrativen Gedächtnis der Nation)
Heimweh soll für Kinder, aber auch Hochbetagte, eine schwer ertragbare Sehnsucht sein, ein Seelenleiden. Bekanntermassen können sich aber historische Artefakte leider nicht mitteilen und ihren Schmerz nach außen tragen. Dazu braucht es dann doch sehr einfühlsame Menschen, die diese Gefühlslage der sprachlosen Relikte ahnen und aufspüren.
In einem Depot vom Eisenbahnvirus angesteckten Bähnlern liegen zwei derartig schwer Heimwehgeplagte Raritäten. Auf dem legendären „Bregtäler„, der aufgegebenen Eisenbahnlinie von Hüfingen nach Furtwangen durchs liebliche Bregtal, fuhren ab 1900 zwei Waggons, ein Personenwagen Typ Holzklasse, also 3. Klasse, und ein Post- und Güterwagen. Zahllose Fahrgäste, Werktätige, Schüler, Beerliwieber und Kinder mussten sich auf den harten Tannenholzbänken durchrütteln lassen bis sie ihr jeweiliges Ziel erreichten. Den Paketen, Kisten, Milchkannen und Postsäcken ging es ebenso. Nachdem diese Waggons durch moderneres Rollmaterial, so der Fachjargon, ersetzt wurden, rollten diese stählernen, einheimischen, eingesessenen Bregtäler Waggons nach Ottenhöfen und sollten dort als Zuroller, also Zuwanderer heimische Ortenauer werden. Wie war das mit dem verpflanzen von verwurzelten Bäumen?
Als nun in diesem rührigen Eisenbahnverein wieder mal eine Inventur anstand und der Staub der Jahrzehnte abgesaugt wurde, stiess man auf ein Torso, ein Puzzle, wie sie es nennen. Zwei Gerippe wie in der Archäologie. Aber halt in der Bahnwaggon- Archäologie. Und siehe da: Das sind ja „Bregtäler, „Ur- Bregtäler“, Ureinwohner des Bregtales.
Als sie dort keinen Ertrag mehr brachten, drohte ihnen das Verglühen in den zischenden Schweissbrenner-Flammen der Bahnbetriebs- Abwrackhallen. Im letzten Augenblick erbarmten sich warmherzige, gütige Eisenbahnfreunde dieser altgedienten Raritäten. Sie wurden im Fundus und dem witterungssicheren Depot dieser rührigen Traditionalisten eingelagert. Wer kennt sie nicht, die Scheunen, Speicher, Schöpfe, Hallen, wo Historisches zwar nicht dem totalen Verfall, aber dem Staub und den Spinnweben anheim fallen. Und vor allem meist schnell aus dem historischen Gedächtnis und Vermächtnis fallen.
Eisenbahnwagen haben aber fast unvergängliche Typenschilder, Prägestempel und Aufschriften. Also eindeutige genetische Fingerabdrücke. Und sie sind in einem akribisch geführten, sicherem Bahn- Technik Archiv gelistet. Darin können dann diese begeisterten Bähnler die Herkunft dieser Relikte mit Kennerblick und Spürsinn auslesen und ablauschen.
Die Kunde kam auch ins Bregtal und verblüffte deren Bewohner. In deren Gedächtnis jedoch ist der Erinnerungsschwund an dieses Bähnle und diese Zeit derzeit galoppierend. Nur noch wenige realen Relikte, einige Literatur, verschieden Artikel, Reliefs und bezeichnende Hinweise wie „Bregtäler Loipe“ oder “ Zindelsteiner Bahhöfle“ und „Bahnhof Hammereisenbach“ erinnern ideell an die „Bregtäler“ Zeit.
Darum gibt es jetzt Überlegungen, ob es durch diesen Fund jetzt nicht an der Zeit wäre, auch real mit einer Heimholung den Erinnerungsschwund, die Demenz zu behandeln, abzuschwächen und sogar zu stoppen.
Mal sehen ob die beiden schrulligen Alten Bregtäler den Mythos des „Jägermeister Express“, so nannte man den Bregtäler zu Diesel-Triebwagenzeiten wegen dieser Aufschrift, die Erinnerung erneuert und wiederbelebt.
Mundartversion :
Ich bi en Bregtäler
Hoemweh soll für Kinder und alti Liit en schwere Breschte sii. Historische Überrescht kennet aber derlei Kummer nit verzelle und iis mitteile, weil sie nit schwetze kinnet und ihren Kummer nit uussiblose kinnet. Do dezue bruuchts halt doch gfühlvolle Liit, di wo die gspürte Gfühlslage erlausche kinnet.
I me Depot vu verruckte Iisebähnler lieget derziit zwei so Hoemwehplogti, so Raritäte. Uff em Bregtäler, sellere legendäre, uffgäbene Nebebahlinie vu Eschinge gi Furtwange dorchs lieblich , still Bregtal sind sit 1900 zwei Bahwägge grottlet. Typ Holzklasse , also 3. Klasse, mit herte Tanneholzbänk. De ander war en Post- und Güeterwage. Ganzi Generatione vu Arbeiter, Schaffer, Schueler, Berliwieber und Kind sind uff dere Bah dorchgschittlet wore. Dene Paket, Kischte, Milchkante und Postsäck isches genau so gange. Nochdem die Wäge dorch neus, moderns „Rollmaterial“ uustauscht wore sind, sind die beide Wäge, die Bregtäler Uriiwohner, gi Ottehofe grollt und hetet dert genauso bodeständige Ortenauer Zuewanderer oder Zueroller were solle, wie sie sellmol im Bregtal einheimisch waret. Den Spruch mit dem versetzte , alte Bomm, den kennet ihr jo. Wo sie denno dä im Unnerland kon Ertrag me broocht hond, hete sie i me Demolier- Iisebahdepot vu de Bahn mit zischende Schneidbrenner verschnepflet were solle. Im letzschte Augeblick hond aber so aagfressene, warmherzige Iisbahfreund sich dene Raritäte verbarmet. Die hond sie in ihren Sammlerschopf gholt und troche und sicher iiglageret.
Wer kennt sie nit die Schiere, Schöpf, Halle und Gräch mit so iigstaubte Gschierer. Dä sind sie also verstaubt und i Spinnehuddle iigwobe glege. Bis erscht jetzt wieder mol bei ere Inventur die beide Knochegrüster hinneverri kumme sind und abgstaubt wore sind. Es muesstet nit DB- Wäge sii, wenn sie nit Typeschilder, Iiprägunge und Uffschrifte, halt Fingerabdrück, hättet, wo mer i Iisbaharchiv genau nochsueche khaa, wo die her sind und wo sie grollt sind und dient hond. Die begeisterte Bähnler hond schnell uussigfunde , dass des „Bregtäler“ sind , also Uriwohner vum Bregtal, „Ur- Bregtäler“ also.
Die Bähnler- Archäologe hond die Kunde und die Erkenntnis au is Bregtal treit und dene verblüffte Bregtalbewohner den Storiax mit wunderscheene Bilder und Skizze unterleit, uusführlich verzellt. Villiecht grad no rechtziitig. Denn dä isch die Erinnerung a des herzig Entekoepfer Bähnle grad am Versickere und am Verlösche. Wieslosigkeit sait mer dä zu so holose Zueständ. Usser paar wenige Bahnzuebehorsache, Bücher, Artikel, Relief und wenige Bezeichnungen wie „Bregtal Loipe“, „Zindelstoener Bahhöfle“, „Hammricher Bahhof“ , „Schliefisteg“ erinnert kaum no ebbis a die Ziit und die herzig Bahlinie.
Drum gihts Überlegunge, ob mit dem Fund nit doch des Erinnere aagregt und aagscherret were khaa und die Demenz e weng uffgahlte, uussigschobe oder sogar aaghalte were khaa. Mol gucke ob die beide schrullige „Alte Bregtäler“ de Geist vum „Jägermeister Express“, so de Übername wege dere Triebwage- Uffschrift , die Erinnerung erneueret und wiederbelebt.
Liebe Bürgerpostleser,
Das Bild habe ich am Sonntag, den 20. Oktober 2024 von Claudia Kirn aus dem Nordschwarzwald erhalten. Sie war früher in der Tierzucht tätig und hat unter anderem die Vorderwälder- und Hinterwälderjungkühe bewertet. Sie sei an der Ostsee zur Mutter-Kind-Kur. Sie schickte mir dieses ausdrucksstarke Foto mit den Worten: “Bei diesen Bäumen musste ich an Dich denken“. Das fand ich sehr nett von ihr. Ich fragte zurück, ob das Birnbäume wären, was sie eher verneinte. „Pappeln habe ich am meisten gesehen hier in der Ecke“. Aber das sind sie garantiert nicht. Ich war mit meinem Latein am Ende. Haben Sie vielleicht eine Ahnung, was für Bäume es sein könnten? Es wäre eine Meisterleistung, wenn jemand darauf käme, behaupte ich einfach so.
Sie kennen meinen Ansprechpartner in Forstfragen, Reinhold Mayer. Auch er war begeistert von der Aufnahme und legte los: “Soviel ist mal klar, es ist die Windflüchter-Baumreihe entlang der Straße von Pruchten nach Bresewitz Richtung Zingst“. Es stellte sich heraus, dass er noch nicht persönlich dort war. Das mit der Baumart konnte er nicht aus dem Hute zaubern und im Internet habe er nichts dazu gefunden. Im Ausschlußverfahren schrieb er, „anhand der Rinde und der etwas verschwommenen Blätter sind es jedenfalls keine Buchen, Hainbuchen, Eichen, Ahorne, Eschen, Kirschen, Nussbäume, Ulmen, Vogelbeeren…, sondern er tippe auf die Schwedische Mehlbeere, sorbus intermedia“. Ja Mensch, noch nie gehört, gibt’s denn sowas? Schwedische Gardinen kennen wir alle. Daraufhin schaute ich im Kosmos Baumführer Europa nach. „Dieses Gehölz entstand erst in der Nacheiszeit aus einer Kreuzung der Elsbeere mit der Gewöhnlichen Mehlbeere oder der Gewöhnlichen Eberesche. Sie entwickelte sich zu einer eigenen Art und wächst in Skandinavien und um die Ostsee“. Und jetzt kommts, „in Mitteleuropa pflanzen sie Gärtner oft in Alleen und Parks“.
Wenn das keine Allee ist, dann weiß ich auch nicht. Es fehlt natürlich die zweite Baumreihe, ich vermute, vor lauter „Windflucht“ wurde sie schon lange gefällt, oder man hat sie vorsorglich gar nicht gepflanzt. Der Begriff „Windflucht“ ist mir neu, aber trifft den Sachverhalt einwandfrei. Auf dem Schauinsland gibt es einige Windfluchtbuchen, vielleicht einmal darauf achten.
Ich habe zur Vertiefung des Themas die unzentrierten Jahresringe unten eingefügt. Ich bin sicher, sie wissen noch, wo diese Schwedischen Windflucht Mehlbeeren deutlich dickere Jahreringe haben……Auf der rechten windabgewandten Seite zur Abstützung der Bäume.

Vielen Dank Claudia Kirn für die Zusendung des Bildes und Dein Einverständnis darüber zu schreiben und ebenso vielen Dank an Reinhold Mayer.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Liebe Bürgerpostleser,
diese Bilder hat mir dankenswerter Weise Alois Welte aus Mundelfingen zukommen lassen. Es ist ein Achatfalter aus der Familie der Eulenfalter zu sehen. Vielleicht fragen Sie, warum dieser Bursche heute zum Thema wird. Ich will Sie mit der Antwort noch etwas bei Spannung halten.
Zunächst die Frage, ob es ein Tag- oder Nachtfalter ist. Sehen Sie das große Auge auf dem Bild? Also klarer Fall, es ist ein Nachtfalter, der bei wenig Licht wegen großer Augen trotzdem genug sieht.



Alois Welte sah die Achateule auf seiner Gartenchrysantheme sitzen. Die Färbung und die leicht gefaltete Flügelstellung erinnern an ein welkes, abgestorbenes Blatt. Tarnen und Täuschen sind bekanntlich ganz wichtig fürs Überleben. Ihre Flügelspannweite beträgt zwischen 4,5 und 5,5 Zentimeter, also etwa so groß wie beim kleine Fuchs. Der nachtaktive Falter ist ein Wanderfalter. Das sind auch einige andere Arten bei uns, wie Distelfalter und Totenkopfschwämer. Die Annahme aber, dass die Art nördlich der Alpen nicht bodenständig sei, wurde durch regelmäßigen Winterfunde inzwischen widerlegt. Sie erinnern sich vielleicht, das trifft in der Zwischenzeit auch für andere Arten zu, wie zum Beispiel für den Admiral und das Taubenschwänzchen. Jetzt kommt aber der Hammer, denn gefunden wurden nicht Puppen, sondern überwinternde Raupen. Ja gibt’s denn sowas? Ja, das gibt es, zum Beispiel beim Zimtbär, dessen Raupe mir Edmund Zeiser aus Zimmern unter der Burg am 17. Januar 2019 geschickt hat. Laut schmetterling-raupe.de können etwa 15 Arten als Raupen überwintern. Und die Achateule ist einen von ihnen, deswegen habe ich mich entschieden, heute über sie zu schreiben.
Die Achateule fliegt in zwei Generationen von Mai bis Juli und von August bis November. Dabei handelt es sich bei den Faltern der ersten schwächeren Generation, die von Mai bis Juli zu sehen sind, vermutlich um Tiere, die als Raupe überwintert haben. Die stärkere zweite Generation wird unterstützt durch aus dem Süden eingewanderte Tiere.

Raupe der Achateule.
Foto: Gabi Schroll, Mundelfingen (2021)
Man kann sich schon fragen, wie die Raupe durch den Winter kommt.
Alois Welte, herzlichen Dank für die Überlassung der Bilder!
Herzliche Grüße
Franz Maus
Wilhelm Bode
WALDENDZEIT
Mit einem Vorwort von Hans Joachim Schellnhuber
Hardcover, 160 Seiten
24,50 €
KJM Verlag
ISBN978-3-96194-247-3
Der Titel des in der Reihe EUROPEAN ESSAYS ON NATURE AND LANDSCAPE erschienenen neuen Buchs von Wilhelm Bode dürfte empfindsame Waldfreunde auf Anhieb eher erschrecken als anlocken: „Endzeit“ lässt wenig Tröstliches erwarten, vielmehr Apokalyptisches. Dabei hat Wilhelm Bode, streitbarer Autor, Forstwissenschaftler und Jurist, etwas ganz anderes im Sinn: Mit forst- wie kunstgeschichtlichem Spürsinn interpretiert er Walddarstellungen von Albrecht Dürer über Caspar David Friedrich bis zu Max Ernst und blickt zugleich auf Deutschlands waldwirtschaftliche Entwicklung zurück. Während die Romantiker den Wald zu idyllisieren begannen, hatten die deutschen Forstklassiker um Heinrich Cotta und Georg Ludwig Hartig die Altersklassenwirtschaft erfunden, einen der erfolgreichsten Exportschlager Deutschlands. Leider mit der Folge, dass der Wald im Zuge der „rationellen Forstwirtschaft“ fortan in monotone Fichten- und Kiefern-Monokulturen umgebaut wurde – unterm Vorzeichen des Klimawandels fraglos eine fatale Erblast, wie sie in seinem Vorwort auch der Potsdamer Klimaforscher Schellnhuber beklagt.
Einzig Caspar David Friedrich, „Ikone der Romantik“, hat die grundlegenden waldwirtschaftlichen Veränderungen im frühen 19. Jahrhundert wahrgenommen und in seinen Gemälden und Skizzen dokumentiert. Sein „Wanderer über dem Nebelmeer“, stellt nach Bodes Recherche höchstwahrscheinlich einen hochrangigen Forstbeamten dar. Wie dieser blicke auch die heutige Forstwirtschaft in den Nebel einer ungewissen Zukunft angesichts all der katastrophalen Waldschäden wie auch der Verluste an Artenvielfalt, ausgelöst durch das über 200 Jahre lang praktizierte Pflanzen und Ernten im Wald nach Ackerbauart, neuerdings noch verstärkt durch die hoch mechanisierte Holzernte und deren Bodenschäden.
Doch der Autor belässt es nicht beim Wehklagen. Er wie auch Klimaforscher Schellnhuber setzen auf ein ganz anderes Modell, auf den Dauerwald, wie er bereits in den 1920er Jahren vom Forstwissenschaftler Alfred Möller propagiert worden ist und wie er da und dort auch schon sehr viel länger als bäuerlicher Plenterwald existiert: kahlschlagsfrei und ohne Pflanzung, ertragreich und widerstandsfähig, dabei konkurrenzlos günstig im Hinblick auf die CO2-Bindung. In der Holzerzeugung, aber auch in der Waldbauwissenschaft brauche es eine „kopernikanische Wende“, einen Paradigmenwechsel weg vom Holzanbauprinzip, hin zur Dauerwaldwirtschaft. Bodes bebildertes Plädoyer sollte auch im gegenwärtig so heftig entbrannten Streit um die Novellierung des Bundeswaldgesetzes als Argumentationshilfe dienen.
Ein Märchenprojekt der Autorin Margrit Vollertsen-Diewerge auf Deutsch, Chinesisch und Englisch. Jetzt hier auch auf Booremerisch.
Booremerisch: Maria Simon, Text: Hubert Mauz (2022)
Hochdeutsch: Klaus Karl-Kraus (2009)
Booremerisch word nit uussterbe, und wenn doch,
erfahret ihrs do im Hieronymus z`erscht
I me Land, nit wiit eweg vu do, hät emol e Schlangeprinzessin mit sage und schreibe 332 andere Schlange vu ihrere Sorte i me scheene Heckegai glebt. Sie hond unter grosse Stäe ghuuset und sich i de Sunn gwärmt.
A me scheene Tag isch die Prinzessin uuzfriese wore und hät gsait: „Mir wänd mitenand i Stadt züggle, gi Hifinge a de Breg, und dä bi dene Liit uff de Boor lebe, wer kunnt mit ?“
Alle 332 Schlängli hond natierli mit welle und so hond sie sich geg die booremer Stadt Hifinge a de Untere Breg gschlänglet.
Wo die Liit us Hifinge die Schlange gsähne hond, hond sie Türe verrammlet und sich nimme traut, au nuu oe Schlange ab-zmorkse, well sie d Gähwuet vu dene andere Schlange gfierchtet hond.
Die Schlange hond sich überall gmietli gmacht. Sie sind i de Bettstatt, uff de Sessle, i de Hundezoene und i de Kochischränk glege.
Mit dene isch e komische Kranket i d Stadt kumme. Alli Kinder zwische sechs und sechzeh Johr hond allfort, uhni End schnoddere messe.
Sie hond gschnodderet und gschnodderet und hon nimme i d Schuel gau kinne und hond nuu no Dehoem hucke kenne. D Eltere und de Borgermoeschter waret ganz verzwazzlet. Er hät im Apetheker vu de Stadt d Aawiesung gähe, Tablette oder e Saalbi herzumstelle, wo des ständig Schnoddere eweg bringt.
De Apetheker hät aarühre und probiere kenne wa er hät welle, koe Salbi, konni Tropfe und Pille hond ebbis gholfe.
In ere lange Naacht isch de Apetheker ganz verzwazzlet a sim Labortisch ghuckt und hät grad e gschieds Buech us de Schublad hinnerverri krome well. Wo er aber inniglanget hät, hät er e Schlang i de Doope. „Jetzet huckt bigott des holos Gwürm scho i minere Buddi und i de Schublade“, hät er gjoohlet und hät den lange Schlangewurm us em Fenschter werfe well.
Uff s mol dismet die liesli : „Morks mi bittschee nit ab, ich bi die Schlangeprinzessin. Villiecht kah ich dir helfe?“
Do hät de Apetheker die Schlang sorgsam uff en Stuhl glait und gsait: „ Wenn du mir des Rezept geg des Niesse verrotisch, lass ich dich am Lebe.“ D Schlangeprinzessin hät s Köpfle hin und her draiet und glisplet. „ Nimm oe Pfund Nieswurz und Milch, die muess grinne und stocke, s Netz vun ere Spinn, wo grad am Spinne isch, rühr alls zämet mit „Luft isch schwer“. Des isch denno die Salbi „Nies nicht mehr“. Kundinent isch de Apetheker a s Aarühre gange, wa gar nit so oefach war. „Luft isch schwer“ und „Nieswurz“ isch nämli selli, selli rar.
Des isch nämli e Hahnefuessgwächs mit giftigem Wurzelstock, wo nuu im Winter rötlich-wiissi Blüete hät. Wo d Sunne uffgange isch, hät er alli Zuetate zämet ghet und hät die Salbi fertigmache kinne.
Sin Nochber hät en Bue ghet, de sechsjährig Peterli, wo uunterbroche vum Schnoddere gschittlet wore isch. Beim Peterli hät de Apetheker die Wundersalbi uusprobiert. Und kum zum Glaube: Ums ummigucke hät die Schnodderei uffghört.
So hond sich denno alli Kinder mit dere Salbi vum Hifinger Apetheker uff s Näsli gsaalbet und hond wieder id Schuel zum Schriebe- und Leselehre gau kinne.
De Borgermoeschter war selli stolz uff sin so gschiede Apetheker und hät ihm e goldini Kette vermacht mit ere Urkunde i me goldige Rahme. „Du häsch en Preis griegt, grieg ich au on ?“ froget eweng iigschnappt und giffizig d Schlangeprinzessin. „Ich vermach dir de würdig Name „Nies nicht mehr“ sait de Apetheker. „Des isch aber schee, dankschee allerbeschtens“ sait d Prinzessin, „aber ich dät au no gern bei dir i de Apethek bliibe. Dä gfallts mer doch soo guet.“
De Apetheker überleit und sinnt korz nooch und sait denno: “Wenn du alli andere Schlange dezue überschwätze khaasch, dass die wieder is Hoemetland vu wo sie herkumme sind zruckgond und iis i Ruhe lond, denno kaahsch du bei mir bliibe“.
„Worsch du mir denno au e Glashuus baue mit eme Ascht z Mitt`s drin ?“ froget d „Nies nicht mehr“. Und au des hät de Apetheker versproche.
Do hät sich s Prinzessli „Nies nicht mehr“ uussigschlänglet und alli Schlange aaschwattiert und verzellt, wie scheen es domols im hoemelige Hoemtland war, wo d Sunn uff d Stae gschunne hät und sie im warme Sandbodde pfuuse hond kinne.
Und vor allem dät nähmert meh uuflätig joohle: „ Jeggesmaraije, do liet jo scho wieder so e gruusigs Schlangegwürm“
D Prinzessin hät es so herzig und siess uusmoole kinne, dass alli 332 Schlängli Hoemweh griegt hond und zum Städlitor, zum Peterstörli, uusgwanderet sind und wieder is Hoemetland zoge sind, wo sie sit Hunderte vu Johr wohlig und hoemelig glebt hond.
De Apetheker hät Wort ghaalte und e gross Glashuus baut mit eme Ascht z Mitts dinne,
A dem hät sich s „Nies nit meh“ uffi gringle kinne. Obe uff dem Ascht hät de Apetheker all Tag e Häfeli mit frische Milch und eme Aijer drin ännighängt. Des hät s“Nies nit meh“ selli möge.
So hät s` Prinzessle vu ihrem Glashuus obe abi alls uusschäche und uusloschore kinne, wa i de Apethek so alls gange isch, und wie die Liit über ihre Breschte gjoomeret hond und mitenand Zagatet und s Neischt us em Städtli verkartet hond.
Und weil sie sich selli wohlgfühlt hät und e frindlichi, weise Schlang war, hät sie im Apeteheker vill hoemlichi gheimnisvolle Rezept verrote.
So isch de Apetheker vu Hifinge wiit über d Boor und de Wälderwaald drübert uussi en aagsehnene und gschätzte, gfrogete, heilkundige Apetheker wore.
Drum hanget sit 1951 s Bild vu de Schlange uff dem Ascht a jedere Apethek als Wohrzeoeche im ganze Land., au z Hifinge Und wer des nit glaubt, der khaa sich mit oegene Auge überzüege. Wo mer e Glashiesli hange sieht mit eme grosse, rote „A“ und ere wiise Schlang drin, wo sich a me Ascht uffischlänglet und us eme Häfeli Milch trinkt, der khaa sicher sii, dass dä alli Breschte und Wehwele mit überlieferte Salbe und Tropfe ghoelet wered.
Amend hät sich de Leser über d Johreszahl 1951 gwunderet. Wa hät so e Johreszahl us em vergangene Johrhundert i me Märli zum sueche. Aber die Zahl han ich mit Absicht aagähe. Sie hät nämli e Gschicht.
Unter de Überschrift „55 Johr Apetheke- A – Johrtag vu me Klassiker“ kahh mer i de „Pharmazeutische Ziiting“ die Sätz lese: „ Laije, Adler, Einhorn und villi andere Markezoeche waret Johrhundert lang die diitliche Hiiwies uff d Heilkunde. Ebbe mit dem „A“ i de Liit aazoeget. Und es stellt des iis allne bekannt hitrig Apethekersymbol dar. Des „A“ uff wiisem Grund , wa nuu im diitsche Apethekerverzoechnis gilt, hät folgende Hintergrund:
Wo am End vu de 1920-er Johr
anstatt Laije, Mohr und Engel e einheitlichs Markezoeche gsuecht wore isch, hät sich uff oenere Siite des Hageda Krietz mit Kelch und Schlange aabote und andersiits hät sich aber des drei Löffel Symbol i me Wettbewerb vu de Verunda Ziiting dorregsetzt.
Noch de Machtübernahm vum Hitler hät de Urheber vum „Drei Löffel Symbol“, de Graphiker Rudolf Weber (1899-1972) e Berufsverbot griegt well sie Bauhaus- Kunscht z mols als entartet golte hät. Au des wiis Kriez uff rotem Grund isch verbote wore, „weil es geeignet sei, s schwiizer Nationalgfühl z verletzte“.
Am 1. Jänner 1937 hät sich des gotisch „A“ mit ere Rune dorregsetzt. Des hät de Reichsapethekerfüher, au des häts gähe, koschtelos a jedi Apethek gschickt, mit de Ufflag, des uugfähr 20 cm gross Zoeche guet sichtbar aazbringe.
Wo mit em End vum 2. Weltkrieg Runezoeche verbote wore sind, hät e neis Wahrzoeche her miesse. Des Symbol mit em Kelch und de Schlange isch wieder ufftaucht und sich i Verbindung mit dem rote „A“ zu dem Wahrzoeche entwicklet, wa uns hit immer no is Aug springt. Die wiiss Schlange do drin isch für mich zum Vorbild für die Schlangeprinzessin „Niess nimmi“ wore. So hät sie vu dankbare Apetheker e ehrends Aadenke überkumme. Sit 55 Johr wieset sie iis de Weag zu de näschte Apethek.
So au do z Hifinge.
Die” Schlange mit der goldenen Krone” wohnte an der Breg. Die Geschichte wurde von Lucian Reich im Hieronymus in Kapitel 2 erzählt:

Das „A“ der Schlange Niesnichtmehr
Vielleicht hat sich der Leser über die Jahreszahl 1951 gewundert. Was hat eine solche Angabe aus dem vergangenen Jahrhundert in einem Märchen zu suchen? Doch diese Zahl habe ich mit Absicht genannt, denn sie hat eine Geschichte. Unter dem Titel „55 Jahre Apotheken-A – Geburtstag eines Klassikers“ finden sich in der „,Pharmazeutischen Zeitung“ die Sätze:
„Löwe, Adler, Einhorn und viele andere Embleme waren jahrhundertelang die klassischen Wahrzeichen der Apotheken”.
Und am Ende heißt es:
„Am 15. Dezember 1951 wurde die Kombinationder beiden klassischen Elemente der Heilkunde mit dem roten A der Öffentlichkeit vorgestellt und stellt das uns allen bekannte heutige Apothekensymbol dar.“
Dieses „A“ auf weißem Grund, das es nur in Deutschland als Apothekenwahrzeichen gibt, hat folgenden Ursprung: als Ende der 1920er Jahre statt Löwe, Mohr und Engel in einheitliches Logo gefordert wurde, setzte sich einerseits das Hageda-Kreuz mit Kelch und Schlange durch, andererseits war aber das „,Drei-Löffel-Symbol“ als Sieger as einem Wettbewerb der Kundenzeitschrift „Verunda“ hervorgegangen.
Nach der Machtübernahme durch Hitler bekam der Schöpfer des „,Drei-Löffel-Symbols“, der Grafiker Rudolf Weber (1899-1972), Berufsverbot, da Bauhauskunst als entartet galt. Auch das weiße Kreuz auf rotem Grund wurde verboten, „da es geeignet war, das schweizerische Nationalgefühl zu verletzen“.
Am 1. Januar 1937 setzte sich das gotische „A“ mit einer Rune durch, das Reichsapothekerführer Albert Schmierer kostenlos an jeden Apotheker übersenden ließ mit der Auflage, dieses etwa 20 cm große Symbol gut sichtbar anzubringen.
Da mit dem Ende de Zweiten Weltkriegs Runenzeichen verboten wurden, mußte ein neues Wahrzeichen gefunden werden. Das Symbol mit Kelch und Schlange tauchte wieder auf und wurde in Verbindung mit dem roten „A“ zu dem Emblem, das uns heute wohlbekannt ist. Die weiße Schlange darin wurde für mich zum Vorbild für die Schlangenprinzessin Niesnichtmehr, die vom dankbaren Apotheker ein bleibendes Denkmal gesetzt bekam, das uns schon seit mehr als 55 Jahren den Weg zur nächsten Apotheke weist.
Margrit Vollertsen-Diewerge
Alle Rechte bei ©Margrit Vollertsen-Diewerge.
Frei in Baarmundart übertragen von ©Hubert Mauz im September 2022.
Illustrationen: Lu Yingying, Kang Yuan, Jing Di, Wang Lei, Zhu Muyet, Yiang Yang, Nguyen Quynh Trang.
Ein Märchenprojekt der Autorin Margrit Vollertsen-Diewerge auf Deutsch, Esperanto und Russisch.
Jetzt hier auch auf Booremerisch.
Booremerisch: Maria Simon, Text: Hubert Mauz (2022)
Hochdeutsch: Klaus Karl-Kraus (2009)
Gar nicht weit von hier wohnte ein König, dem eine kleine Insel mit fünfhundert Einwohnern gehörte. Seine Insel hieß Tabeeum und die Einwohner waren Tabeaner, und sie alle liebten Tabea, die jüngste Tochter des Königs, die sie Tabs nannten.
Nach dem Tode ihrer Mutter war Tabs allerdings etwas eigensinnig geworden: Sie mochte nicht, dass jemand ihre Haare anfasste. Wenn der Hoffriseur kam und sagte:
„Liebe Tabs, lassen Sie mich Ire Haare kämmen“, so sagte sie:
“Ich kämme meine Haare schon alleine“ und schickte ihn weg.
Und wenn er kam und sagte: „Teure Prinzessin, bitte erlauben Sie mir, Ihre Haare zu waschen.“ so sagte sie: „Ich wasche mir die Haare schon alleine“ und lief hinunter zum Fluss und wusch sie in dem kalten Wasser.
Ziemli wiit vu doo hät en König gwohnt. Dem hät e kleini insel mit nuu fiefhundert Insulaner ghört. Dem sii Insel hät Tabeeum ghoesse und drum hät mer dene Insulaner au Tabeaner gsait. Alle die hond die jüngscht Tochter Tabea vum König selli möge und ihre oefach Tabs gsait.
Noch em truurige und frühe Tot vu de Motter, de Königin, isch sie alledings ziemli oegesinnig wore. Sie hät nit megge, wenn ebber ihre Hoor aaglanget hät. Wenn de Hoffbarbier kumme isch und hät gsait: „Allerlibschte Tabs, därf ich ihre Hoor kämme“, hät sie gsait: „Ich kämm mini Hoorr scho aloenig“, und hät en wegschickt. Und wenn er kumme isch und hät gsait: „ Herzallerliebste Prinzessin, dürfti ihre Hoor wäsche ?“, no hät sie gsait: „ Ich wäsch mini Hoor selber“. Denno isch sie as murmelnd Bächli gange und hät d Hoor im kaalte Wasser selber gwäscht.
Zeichnung: Foster Anna und Singer Vanessa
Wenn er aber gar kam und sagte: „Ihr allergnädigster Herr Vater hat mir befohlen, Ihnen die Haare abzuschneiden“, so griff sie zur Schere und schnips! lagen die Ponys und die langen Strähnen am Boden.
Dann seufzte der König und dachte: „Hoffentlich nimmt das noch mal in gutes Ende!“
Als Tabs älter wurde, wagte der Hoffriseur nicht mehr zu fragen. Tabs nahm bunte Bänder, ein gelbes, ein braunes, ein rotes und ein blaues, und flocht sie abwechselnd in ihre langen Haare.
Nun wussten die Tabeaner immer, was sie tagsüber vor hatte. Wenn sie nämlich ein gelbes Band in die Haare flocht, ging sie auf die Felder, um den Bauer bei der Weizenernte zu helfen.
Wenn er aber kumme isch und hät gsait: „De allergnädigscht Herr hät befohle, dass ich ihre Hoor abschniede soll“. No hät sie kurzerhand selber zu de Scheer griffe und: Schnipp, schnapp, schnull, isch de Pony und die lange Zottle am Bode glege. No hät de König gjomeret und denkt; „Hoffetli nimmt des nomol e guets End“. Wo denno d Tabs älter wore isch, hät sich de Hofbarbier nimme traut z froge. D Tabs hät farbige Bändel , e geals, e bruus , e rots, und e blaus abweaselnd i ihrne Hoor inni zopfet. Tabeaner hond so gwisst, wa sie vorhät, wenn sie en geäle Bändel iizopfet hät. So isch sie mit dem geäle Bändel uff d Felder vu de Buure gange und hät dene bei de goldgeale Woeze- Earn gholfe.
Zeichnung: Pöhlmann Nina, Drexler Julia, Fautré Laura
Nahm sie in rotes Band, so ging sie zu den Winzern in die Weinberge, um die Reben zu
binden oder die Trauben zu schneiden.
Flocht sie in braunes Band in die Haare, dann lief sie auf die Koppel, um beim Striegeln der Pferde und Auskratzen der Hufe zu helfen.
Nahm sie aber in blaues Band, dann ging sie hinunter in den Hafen, um den Fischern beim Flicken der Netze oder Entladen der Boote zu helfen. Das aber sah der König gar nicht gern, denn dann stank Tabs ganz fürchterlich nach Fischen.
Hät sie en rote Bändel im Hoor ghet, isch sie zu de Wiibuure i d Rebberg gange zum Herbschte und Truube mit em Rebscheerli ab z schniede.
Hät sie en bruune Bändel trait, isch sie uff d Kopple gange zum Ross Striegle und Huf uuskratze.
Beim blau Schleifle isch sie an Hafe gange zu de Fischer und hät bim Netzflicke , Ablade vum Fischfang und beim Bootsschruppe gholfe.
Des hät halt de König nit gärn gsähne, weil sie denooch gruusig noch Fisch gmiechtelet hät, halt gfischelet hät.
Zeichnung: Kropfeld Judith
Als sie eines Tages wieder ihr blaues Band in den Zopf geflochten hatte und beim Netzeflicken half, rief in Fischerjunge: „Was segelt denn da auf unseren Hafen zu? So einen Kahn habe ich noch nie gesehen!“
Tatsächlich, da mussten hm alle recht geben.
Es war in Schiff mit altmodischer Takelage, und niemand war an Bord. Endlich war es ganz nahe am Pier, so dass die Fischer es an einem Poller festbinden konnten.
Wo sie a meine scheene Tag wieder s blau Bändeli in Zopf glismet hät und bei de Netzflicker war, joohlet z mols en Fischerbue: „ Wa seglet denn doo uff iisern Hafe zue ? So en Kahn hond mir jo no gar nie gsehne !“ Do hond ihm alli reacht gähe messe. S War e Schiff mit ere ganz altbachene Takelage und kon gotzige war uff dem geisterhafte Schiff. Won es ganz noh a de Hafemuur war, hond d Fischer es mit eme dicke Grächsoel schnappe kinne und a me Pfohl aasoele kinne.
Zeichnung: Hummitzsch Hannah
Da öffnete sich die Kajütentür und heraus trat der Käptn. Bei seinem Anblick zuckte Tabs zusammen, so voller Öl war er, verschmiert und unansehnlich, sogar sein Bart triefte vor Öl. Schon wollten die Fischer das Schiff schnell wider losbinden, damit der Käptn nicht an Land konnte, als er die Luke öffnete. Und was trug er herauf?
Große Seevögel, alle pechschwarz und mit Öl verschmiert wie er, und sie flatterten und rangen nach Luft.
„Schnell, helft mir, wir müssen die Vögel von dem tödlichen Ölfilm befreien,“ rief Tabs und nahm sofort einen Seetaucher und badete ihn im nahen Fluss.
Da packten alle mit an, und nach einem Tag waren die Seevögel vom Öl befreit und schwammen
munter im Hafenbecken.
Uffs mol goht die Kapitänstüre uff und en bärbeissige Seebär, de Kapitän, isch breitboenig doogsande. Bi dem Aablick isch d Tabs verschrocke, weil der volle Öl war, versaalbet und verschmiert und verkumme. Sogar de Vollbart hät vor Öl tropfet. Und scho hond d Fischer den Kahn wieder losbinde welle, dass der gruusig, verkaibet Seebär nit as Land kumme khaa. Wo der sie knarrige Türe uffgmacht hät. Waa hät der denoo hinneverri trait ? Grosse, rappeschwarze Seevögel, alli mit Öl verschniert, so wie er selber. Sie hond verruckt gflatteret, lahmarschig gschnatteret und noch Luft gschnappt. „Schnell, schnell, helfet mir, mir mond die Vögeli vu dem bäppige , zähe Öldreck befreie und sie putze.“ rueft verzwieflet d Tabs. Sie schnappt en Seetaucher und badet und putz ihn im nohe Bächli. Jetzt hond alli mitgholfe und am End vum Tag waret alli vum Öl suuber putzet und sind luschtig und fidel im Hafebecke ummenand gschwadderet.
Zeichnung: Koltermann Anna-Kira
Der Käptn aber wusch sich nicht und sagte kein Wort. Er löste die Taue und segelte in
der Abendsonne davon.
Von nun an trieb es Tabs immer öfter hinunter in den Hafen. Sie band nur noch blaue Bänder in ihr Haar, und wann immer ein fremdes Schiff in der Ferne auftauchte, musste man es ihr sagen, sogar wenn es mitten in der Nacht war.
Einige Wochen waren vergangen, da schrie frühmorgens ein Fischerjunge: „Da ist das
schwarze Schiff wieder!“
Sofort war der Kai voller Neugieriger, und Tabs war mitten unter ihnen. Das Schiff kam langsam näher, wieder war von einer Mannschaft nichts zu sehen. Als der Kahn fest vertäut war, kletterte der Käptn heraus. Und was trug er nach oben? Lauter ölverschmierte Seehunde und Seelöwen, Seebären und Ohrenrobben, die verzweifelt nach Luft rangen.
De verdreckt Seebär hät sich aber nit gwäscht und koe Wort gschwätzt. Er hät s Soel uffbunde und isch i d Obedsunn devu gseglet. Ab dä isch d Tabs immer öfter an Hafe aabi gange . Sie hät bald nuu no blaue Bändel im Hoor ghet. Me hät ihre immer aakündige messe, wenn e fremds Schiff am Horizont ufftaucht isch , sogar z mitts i de Nacht. Es isch e paar Woche ummigange, do hät der Fischerbue wieder gjoohlet; „ Do isch des rappeschwarz Schiff wieder“. Ums ummigucke isch wider alls a de Hafemuur gstande und d Tabs z mitte drin. Des Schiff isch wieder langsam näher kumme und wieder hät mer koni Matrose gsähne. Wo denno de Kahn aabunde war, isch wieder der mächtig, ölversaalbet Seemaa uffi kräslet. Waa hät er desmol unne uffi kroomet ? Luuter ölverdreckete Seehund, Seelöbe, Seebäre, Ohrerobbe und alli hond verzwieflet und vergelschteret noch Luft gschnappet.
Zeichnung: Thiele Sylvie
„Schnell, helft dem Käptn“, rief Tabs und nahm ein Seehundbaby und wusch es im nahen Fluss. Da halfen alle Tabeaner mit und reinigten die Tiere von der tödlichen Ölschicht.
Als aber die Arbeit getan war und alle Seehunde und Seelöwen, Seebären und Ohrenrobben vergnügt im Hafenbecken schwammen und die Fische fraßen, die ihnen die Fischer zuwarfen, segelte der Käptn davon.
Von nun an band Tabs nur noch schwarze Bänder in ihr Haar, und sie war von frühmorgens bis abends unten am Hafen und der König machte sich große Sorgen. „Ach, wie soll das nur mit meiner Tabs enden” seufzte er. Denn sie hatte für nichts anderes mehr Interesse als für fremde Schiffe.
„Auf, Auf, hofele, helfet dem Kapitän !“ hät d Tabs gruufe und hät glii e Seehundkindli gschnappt und im nohe Bach gwäscht. Und wieder hond alli Tabeaner gholfe und die erbarmunswürdige Tierli vu dere todbringende Ölsaalbi zum befreie.
Wo aber die hilfreich Arbet gmacht war und alli Seehund, Seelöbe, Seebär und Ohrerobbe wieder fidel im Hafebecke ummenandgschwumme und taucht sind und sich mit Fischli gstärkt hond, die vu de Fsicher zuegworfe wore sind, isch de Seebär wieder Wort und Gruesslos devu gseglet.
Vu dä eweg hät d Tabs nuu no schwarzi Bändeli is Hoor innibunde. Vum Morge bis am Obet isch sie ab dä am Hafe ghuckt. De König hät des Verhalte vu dem Maidli selli gwormet, wie word des mit dere Tabs emol ende ? frogt er sich bsorgt. D Tabs hät nuu no Auge für fremde Schiff khaa.
Zeichnung: Präg Friederika
Viele Wochen vergingen, und Tabs wurde immer schweigsamer. Da, an einem nebligen Herbstmorgen, kam ein Fischerjunge ins Schloss gelaufen und rief: „Sagt Tabs, dass das schwarze Schiff in Sicht ist!“
Wie der Wind rannte Tabs den Berg hinunter zum Hafen, wo schon fast alle fünfhundert Tabeaner standen und warteten, was wohl dieses Mal an Bord des Schiffes war.
Brachte der Käptn einen ölverschmierten Wal mit?
Oder gar einen seltenen See-Elefanten?
Oder eine Seekuh?
Als sie die Leinen am Poller festbanden, war es ganz still am Pier. Nur das Kreischen der Seevögel und das Bellen der Seehunde und Seelöwen und Seebären und Ohrenrobben war zu hören.
Woche um Woche sind ummigange und d Tabs isch immer verstockter wore. Und z mols, a me neblige Herbstmorge, isch en Fischerbue is s Schloss grennt kumme und hät verkündt; „ Saget de Tabs, dass des schwarz Schiff wieder zum sähne isch“. Wie de Blitz isch d Tabs de Berg aabi grennt und zum Hafe gwetztet, wo scho alli fünfhundert Tabeaner gstande sind und gwartet hond. Wa word au desmol i dem wunderlichne Kahn sie ? Bringt der brummlig Seebär amend e Ölverschmierte Wal oder en rare Seeelefant oder e Seekuhe ?
Wo sie des dick Tau am Dalbe festbunde hond, isch es ganz liesli wore. Nu s Kraije vu de Seevögel, des Belle und Grunze vu de Seehund und de Seelöwe, de Seebäre und de Ohrerobbe war zum höhre.
Zeichnung: Fritsch Daniel
Es dauerte lange, bis die Kajütentür aufging und der schwarze Käptn heraustrat. Und was kam hinter ihm die steile Treppe herauf?
Viele kleine Kinder, halb verhungert und verdurstet und alle nackt.
„Schnell, helft dem Käptn” rief Tabs. „Holt Kleider und Schuhe, Brot und Kuchen, Milch und Tee. Die Kinder sind ja dem Tode nahe.”
Da rannten die Tabeaner und holten alles herbei und Tabs nahm das Hemd eines Fischers und wickelte ein kleines Mädchen darin ein, das vor Kälte zitterte. Das Hemd aber war viel zu lang und schleppte am Boden, und als das Mädchen darauf trat, fiel es beinahe ins Wasser. Da riss Tabs sich das schwarze Band aus dem Haar und machte daraus einen Gürtel. Der Käptn aber sah es und lächelte.
S isch nit lang gange, bis die Kapitänstüre uffgange isch und de schwarz Seebär uussi kumme isch. Und waa isch hinter ihm die Stapfle uffi kumme ?
Villi kleine Kindli, halb verhungeret und verdorschtet und alli buddelnäckig. „Schnell, Schnell, helfet dem Kapitän, holet dene Kiendi Schühli, Brot, Kueche, Milch und Tee. Die arme Kind sind jo fascht am verkumme“, rueft d Tabs luut. Do sind Tabeaner grennt und hond des alls broocht. D Tabs hä i me Fischer s Hemd abzoge und e vor Kälte zittrigs, klei Maidli drin iigwicklet. Des Hemd war vill z lang, sodass d Tabs druff dappet isch und fascht is Wasser kheit isch. Kuntenend riesst d Tabs ihre schwarz Bändeli us em Hoor und macht en Rähme druus.
De Seebär hät des gsähne und guetig glächlet.
Zeichnung: Martens Anna-Milena
Schließlich waren alle Kinder angezogen und schmatzten um die Wette, denn sie hatten riesigen Hunger. Der Käptn aber saß abseits und aß nichts. Da ging Tabs zu ihm und sagte: „Wenn wir auch nur fünfhundert Tabeaner sind und nur eine kleine Insel haben, so hat sie doch genügend Platz für die Kinder und für so einen barmherzigen Kapitän.“ Da antwortete der Käptn zum ersten Mal und sagte: „Danke. Ich glaube, ich muss mich in wenig ausruhen.“
Als auch er gebadet, gegessen und getrunken hatte, saher aus wie ein ganz normaler Kapitän und
niemand fürchtete sich mehr vor ihm.
Ob die Kinder under auf der Insel geblieben sind oder er eines Tages mit dem schwarzen Schiff wieder davongesegelt ist?
Das können uns nur die Seevögel verraten, die weit übers Meer fliegen. Wer ihnen geduldig zuhört, dem werden sie es erzählen.
Endli waret alli Kindli aazoge und hond um d Wett gschmaust. Sie hond natierli en mords Hunger khaa. De Seebär isch abseits ghuckt und hät nint gesse. Do isch d Tabs zu ihm änni gange und hät gsait; „ Au wenn mir nu fünfhundert Tabeaner sind und nuu e kleine Insel sind, hond mir doch gnueg Platz für die arme Kindli und natierli au für so en warmherzige Brummbär vu me Kapitän“. Do sait de still Kapitän s erschmol ebbis ; „ Dankschee, ich glaub ich muess mi e wenig uusgruje“.
Wo au er badet war, gesse hät, trunke hät, hät er uusgsähne wie en ganz normale Seefahrer – Kapitän. Nähmert hät sich me vor ihm gfüerchtet oder verschobbet.
Ob die Kindli uff de Insel blibbe sind oder a me scheene Tag mit em Schwarze Schiff wieder devuu gseglet sind ?
Des könnet iis nuu die Seevögel verroote, die wiit übers Meer seglet. Wer dene ganz geduldig und uffmerksam zuelosset, dem wered sies gern verzelle.
Zeichnung: Lehmann Karin
Alle Rechte bei ©Margrit Vollertsen-Diewerge.
Frei in Baaremerisch-Alemannische Mundart übertragen von ©Hubert Mauz
Gesprochen von Klaus Karl-Kraus und Maria Simon.
Zeichnung: Fautré Laura, und Nollau Sarah
Liebe Bürgerpostleser,
diese Aufnahmen stammen vom 12., 13. und vom 14. September, also kurz hintereinander. Sie zeigen etwas, was mich sehr an den rötlichen Springschwanz erinnerte, worüber ich vor kurzem geschrieben habe. Trotzdem war ich auf whatsapp Hilfe im Status angewiesen, weil ich es auch fast nicht glauben wollte, was ich sah. Einige haben es gewußt, vielen Dank für das Melden. Also es sind weitere Urinsekten, die Wasserspringschwanz oder schwarze Wasserspringer genannt werden. Wikipedia beschreibt sie wie folgt: Sie erreichen eine Körpergröße von nur 1,1 bis 1,5 mm und haben relativ kurze Beine und Fühler. Die der Fortbewegung dienende Sprunggabel ist nach innen geklappt, weshalb man sie leider auf den Bildern nicht sehen kann. Dieser zweizinkige Körperfortsatz wird mit einem Muskel ruckartig nach hinten geschnellt. Hammerhart kann man da nur sagen.

12. September 2024

13. September 2024

14. September 2024
Typisch ist, dass Wasserspringer auf der Oberfläche stehender Kleingewässer – Tümpel und länger existierende Pfützen – leben. In unserem Fall haben sie unsere Vogeltränke auserkoren, vielleicht gefiel es ihnen, dass sie nicht ganz steril war. Mitunter komme es zu großen Ansammlungen aufgrund von Massenvermehrungen so dass die entsprechende Gewässerfläche von Individuen wie schwarz berußt wirkt. Die Nahrung besteht aus Bakterien, Algen und Pollenkörnern, die auf der Wasseroberfläche treiben. Bei Störungen springen die Tiere ungestüm in alle Richtungen auseinander. Weil sie so klein und leicht sind, werden sie von der Oberflächenspannung des Wassers getragen. Man muss sich das einmal vorstellen.
Die Art verfüge über ein komplexes Paarungsverhalten, welches eine indirekte Spermatophorenübertragung beinhaltet. Auf der einen Seite eines Weibchens baut das Männchen einen „Zaun“ aus Samenpaketen. Anschließend schiebt es das Weibchen von der anderen Seite her in die Spermatophoren hinein. Ist das nicht genial? Was es halt nicht alles gibt in der Natur.

Hier wurde ich auf die Tiere aufmerksam, weil die große Ansammlung auffiel.

Das Bild oben ohne Zoom

mit zweifachem Zoom

mit fünffachem Zoom

Wie gesagt, die Wasserspringer sind 1,1 bis 1,5 mm lang.
Mich würde sehr interessieren, ob jemand von Ihnen den Schwarzen Wasserspringer schon gesehen hat. Rückmeldungen per Whatsapp oder E-mail gerne erwünscht. Ich sah sie jedenfalls zum ersten Mal.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Jo so ebbis
Wo mer i de Kindheit no mit em qualmende Dampfzug in Schwarzwald und in Breisgau gfahre isch, do hät mer die Brucke und Löcher no kennt. Jetzt pforret mer dra vorbei, drübert dorri und au i de Tunnel schmeckt mer de Guu vu de Kohle nimme.


Sunntig morge um nieni: De Vater kauft am Bahschalter im Eschinger Bahhof e Famileifahrkart gi Löffinge. De Bahofsschaltermaa und de Vater kennet sich guet. Fascht jede Tag löst er e Billet für sini Gschäftsfahrte is Bregtal, is Brigachtal, is Dunnetal oder au is Aitrachtal zum Revisione mache. Bevor mer gi Wandere a die urplötzlich ganz frisch iibroche Doline z Göschwieler goht, däe isch e granate, fascht e biblisch Loch z mitts im Feld am Rosshaag uffgange, hät d Motter no die ganz Bande i d Frühmess id Mariekerch gscheicht. Jeder hät e Rucksäckle uff em Buckel mit eme Brotriebel, eme Schübling oder Landjäger und ere Bügelsprudelflasch Marke “ Silberperle“. Noch dem a de Barrier die Hin- und Ruckfahrtskart abknippst isch, stoermet die ganz Bagage in en freie Holzklasse Abteil a linke und reachte Fenschterplätz. Bevor de Schaffner und de Lokführer piift, sind Fenschter mit dene speckige Lederrähme abiglau. De Zug schhnuufet a de Labrante vorbei, unterm Iisebah- Fuessgängersteg und de Iisene Strossebruck geg Hifinge. Denoch zoeget om de Vatter z Aamedshofe d Junipperusquell.

Sit em Volksdichter Viktor von Scheffel hoesst die sprudlig aamedshofer Brunnequell jetzt ebe so literarisch, poesievoll, halt scheffelmaessig Juniperusquell. Naemli noch sim Büchle über de Wanderbursch, de sageumwobe Kreuzritter, ebe de Juniperus. Wieso er dem de Botanisch Name vum Wacholder, vum Reckholder, gähe hät, isch bis hit no im Scheffel sii Gheimnis.
Abschied am Bahnhof in Hüfingen in den 1930er Jahren.
Film von Ernst Kramer.
A Hifinge vorbei tischet d Motter die oe oder ander Familie Gschicht uff. Und scho kunnt die uugeduldig Frog: „Wenn kunnt s Dögginger Loch ?“. Zerscht zoeget d Motter no uffs Bahwartshiesli, wo sie uff d Welt kumme isch und im Dögginger Bahhof uffgwaase isch. Bim Abfahrtspfiff z Dögginge kunt s Kommando: Alli Fenschter mit em speckige Zugrähme ganz uffi ziehe und verrammle. Bevor d Dampflock im Tunnelloch verschwindet, loot de Heizer no drei ganz lange, schrille Pfiff los, dass jo alli im Zug d Fenschter zuemachet.


Und wehe, wenn nu oe Fenschter no uff isch, kummet ganzi Ruesswolke is Abteil bei de Volldampfahrt dorchs 850 m lang aastiegend Dögginger Tunnelloch. Desell Kuehseckel, wo s Fenschter nit uffizoge hät, word verscholte und aagoschet. Ghöhrig schnuufe muess des Löckle im aastiegende Loch. Jetzt words rappeduschter. Erscht noch em grelle Liecht noch de Uusfahrt gohts liicht abwärts geg Unedinge rab. Glii dirigiert d Motter alli a s reacht Fenschter. Uumerklich fahremer ueber die gwaltig Iise und Granitbogebruck ueber de Gauche.






Fuer 10 Sekunde sieht mer die legendär Iihlemilli. Jetzt no rechts die zwische zwei mächtige Linde iiklemmt Iihlemiller Kaepelle.



Und scho fahrt mer au fascht uumerkli über die zweit längscht Bruck vu de Hölletalbah: Die mit zahlriiche Sandsteiböge steimetzmässig akkurat und solid baut Mauchachbruck. Des Kleiod lehrt mer erscht richtig kenne, bewundernd und schätze, wenn mer des idyllisch Mauchachtal ab em Kupferbrunne geg de Tabor abspatziert. Wer denno unter dene Sansteiböge, unter de gwaltige Mauchachbruckearkade e Liedle pfiift oder singt, der glaubt er wär i me romanische Chorgwölbe. E Akkustik wie s i de best gstimmte Oper nit besser sii kinnt. Drei gwaltige Bauwerk homer jetzt scho uff grad nu 4 km i dem Gai, i dere Region, kenneglehrt. Im sogenannte Baarschwarzwald. Dere Baar Ecke zwische Dögginge und Unedinge, dem Gauche- Mauche Gai, kennt mer au treffend s „Brucke – und Tunnelland“ sage. Notwendig gmacht hät den gwaltige Bauwerkskraftackt die ganz bsunder Geologie und die Landschaftsgeographie vu de Gauche und de Mauche.

S kunnt aber no besser.
Wem mer jetzt no en Zeitsprung vum Hölletalbahnbau um 1890 is Automobilzeitalter vu 1950, 1995 und 2022 machet kunnts no dicker, höhner, no protziger, no uffwaendiger.

Während sich die beide wunderscheene Bahbrucke Gauche- und Mauchebruck zwischeziitlich ziemli im Bewuchs vu de über 100 jährige Naturrückeroberung verstecklet und verschoppet, nuu s Dögginger Loch nimmt mer beim bahfahre in Schwarzwald ussi wohr, strecket und recket sich protzig und hoffaehrtig sit de 1990 Johr neui Stahlbetonbruckepfeiler in Himmel. No kühner lieget uff dene Pfiehler Stahlhohlkammerträger. Die traget die Fahrbahnplatte fuer de Tag und Nacht rollend und donnernde Autoverkehr vu de Baar ueber de Hochschwarzwald in Breisgau. Wer anne 1900 glaubt hät, mit de uffwändige Hölletalbahn wär des Verkehrsproblem vu Ost nach West gloest, der isch schwer verkumme.
Hauptsächlich die plogete Dögginger, aber au s Doegginger Postloch a de Gipsmilli vum Reimnitz, hond en gwaltige Strossebau Kraftackt erzwunge. Nit nuu dass des Menetekel vu dem fürchterliche Busuuglück vu 1954 i de Postlochkurv a de Gipswänd ghanget isch. Dä sind 35 Radolfzeller Skifahrer, die an Feldberg hond welle, tragisch ums Lebe kumme. S gröscht Uuglick im Landkreis i Friedensziite. Aber au z Doegginge war de verkehr dorchs Ort nimme zum uushalte. Also sind vor em Ortsiigang im Oste zwei Tunnellöcher mit zwei Fahrbahnröhre bohret wore bis noch em Ortsend im Weste. Für die zwei löcher hät s Geld grad so glanget. Uugfähr paralell zum Bahtunnel vu 1885 , aber mit über 1200 m no ziemli länger wie s 850 m lang Hoelletalbahtunnelloch, sind die zwei Strosseröhre baut wore. Noch em Uusfahrtsportal im Weste zielt zwar die oe rohre genau uff die besagt elegant und harmonisch ueber d gauche und mauche gschwunge Stahlplattebruck. Die ander Rohrii- und Ussfahrt muess sich aber schwer verkrimme. De Verkehr vu de einspurige Bruckefahrbahn is suedlich stroossetunnelloch word verschwenkt. S Geld hät halt dämols oefach nimme glanget für e zweite Bruck.

Aber jetzt anne 2025 isch es so wieht. E „Nochwuselli“, wie mer uff de Boor zu so ere verspätete Zeugung sait, word jetzt uff langi, hohni Betonstelze gstellt. Noch lange, intensive Planunge und de Natur gschuldete Ausgleichsmassnahme kriegt des Gai jetzt nomol e Bruck. Vier gwaltige, technisch und bauhistorisch bedeutende Brucke us wiit ueber 100 johr Baugeschichte sind dä versammlet: D Iisebah Gauchebruck, D Iisebah Mauchebruck, Stroossebruck 1995 und jetzt 2025. Usserdem drei grosse, lange Tunnel: Bahtunnel Dögginger Loch, B 31 Röhre Nord und Süd. Die sind am Östliche Landkreisrand, im Baarschwarzwald, i de „Brucke- und Tunnelregio“ uff engstem Raum, i me Art Brucke und Tunnelpark, versammlet. E Rarität, e Unikat im Badische. So viel künstliche Brucke und Tunnel uff engstem Raum sind nuu dä so massiv versammlet. Und wenn mer s 120 m lang, duschter, uuheimlich Mauchach Bachgwölbe, Bachtunnel, kurz oberhalb vum Gauchach- Mauchach Zämetfluss, wo nit nu s Wasser dorchgoht, sondern au de Wanderweag, dezuenimmt, sinds sogar au 4 grossi Tunnellöcher.
Wa dähtet au die Liit us em abgangene Dorf „Muuche“, genau i de mitti vu dene gwaltige Bauwerk, sage, wenn sie die uubache Veränderunge vu ihrere hoemet verlebe dätet ? Hond sie amend ghahnt wa do emol kunnt und sind drum selli rechtziitig mit Sack und Pack vertloffe?
Jo so ischs, im Brucke und Tunnel Park





