Mäulchen Wurf und Pille Dreher

Ein Märchenprojekt der Autorin Margrit Vollertsen-Diewerge auf Fränkisch, Thüringisch und seit 2022 auch auf Booremerisch.

Booremerisch: Maria Simon, Text: Hubert Mauz, Donaueschingen
Fränkisch: Klaus Karl-Kraus
Thüringisch: Dr. Uwe Träger, Weißborn


Booremerisch word nit uussterbe, und wenn doch, 
erfahret ihrs do im Hieronymus z`erscht

 

 S` Schermiesli Wurf und de Pilledraijer

 E Mährli, Übersetzung vu de Buechsproch is Booremerisch

 „Scheen, dass du doo underem Humusbodde bisch“ sait d`Motter Schermuus. „Ech sagg zu dir ab jetzt Schermiisli „Wurf“, well du so butzig klei bisch. Du worsch wellewäegg au no waaße“.   S`Schermiisli Wurf sait druff: „Ech will mer Miä gää. Kuntinent buddlet es en lange Gang gege Schwobe uußi. Zwoe Stund hinneno streckt es si Schneizli uusem Schermuushiifli. Jesses Maraie, sait es, well`s fiechdig vergelschderet worre isch. Wo isch es denn doo ännigroote? 

„Bass doch bigott uff, wo du ännibuddlescht“ sait d`Spitzmuus Zippel. „Ums Hoor wärsch in Bach ghait“. Hai jo, grad vor sinnere Nase bätschet d` Welle vum Bach gege de Bachroe. Ums ummigugge grabet es sech en lange Gang gege de Nordpol zue. Am End devuu schtreckt es s` Schneizli uusem Higgel. Hai- jai -jai, isch es do verschrocke. Wo isch es denn doo ännigroote?  

„Bass doch uff, wo du ännibuddlescht“ sait de Haas Hoppel di Boppel. „Ums Hoor het dich fascht e Auto verkarret“. Gottverdelli, grad  vor de Schnauz schnauzet e Auto ganz schnell vorbei. So schnell es kaa, buddlet es e lang Loch gege Frankriich zue. Am End schächt es widder mit sim Schneizli uus em Schermuushiggel uußi. Jeges Gott, isch es do verschrocke. Wo isch es au desmol ännigroote? 

„Bass doch uff, wo du ännigrabisch“, sait de Boddebrieter Kiebitz, „Fascht het dir en landende Flieger di Näsli plattgwalzet“. Herrschaft no mol, grad vor de Nase war e Startbah. Ums Hoor isch es fascht vunerre grooße Flugmaschie verwischt worre. Deno hät s` Schermiisli Wurf vill Däg gi Afrika zue grabbe. Baald hät es si Schneizli gschtät uusem Higgel gschtreckt. Dunderwätter, isch es do verschrocke. Jo, wo isch es denn doo ännigoote?

„Bass doch uff, wo du ännibuddlescht“, sait e Kamel. Fascht het ech dir s` Muul plattdappet. S´Kamel war selli vernehm, s`hät en rote Sattel drait. S`hät sin Ribbel zum Schermiisli Wurf aabi gsenkt und sait; „Stiig uff, ech nimm dech e Stuck mit dorch d` Wieschdi“. Des loot sich natierli s `Schermiisli Wurf nit zwoemol sagge. G-schnell kräslet`s uf d`Nase vum Kamel uffi und lait sich platt änni. 

Sag emol, doo isch es aber selli hoess. A so e hoessi Sunn war s`Schermiisli Wurf natierli nit gwähnt. „Lass mech bittschee wieder aabi“, dismet es is Ohr vum Kamel. Des senkt de Kopf und loot s` Schermiisli Wurf widder uff de Wieschdesand aabi. 

De Sand war glieig hoeß. So schnell es buddle hät kinne, vergrabet sich s`Schermiisli Wurf im Sand. Dä wars aagnäm kiel. Aber es war nit aloenig. Vor ihm siet es en komische Käfer, wo sechs Fiess hät und mit de Vorderfiess e wiißi Kugle ruckwärts kugelet. Ja, wo isch es denn jetzet ännigrootä?

„Ech hoeß Pilledraijer und bii en Glücksbringer“, sait de Käfer. „Do ha ech endlich emol Glick“, sait s` Schermiesli Wurf. „Aber wa rollisch du denn wiißi Bolle mit de Vorderläuf ummenand und gohsch au no ruckwärts?“ „Des isch e Kugle uus Kamelmischt, die roll ech i mi Bruetkammer  und leg e Aier inni“, sait de Pilledraijer. 

 

Des Walle hät s`Schermiisli au uusprobiere welle. Jegges Gott, war des schwer. De Pilledraijer häts im zoeget, aber es isch bi derra Sach voll uff d `Schnauz gheit. „Ech woeß, worum es für dech so oefach isch. Du häsch sechs Fiess und ech nuu vier“. S´Schermiisli häts nomol probiere welle, aber dodezue isch es nimme kumme. En andere Pilledraijer isch uff de wiiß Bolle gräslet, hät sech mit de Hinterläuf festghebt und hät d` Vorderläuf drohend uusgschtreckt. De Wurf isch selli verschrocke. Wa war denn doo  z` mols los? En fremde Pilledraijer isch frech id` Kammer innigschlupft gsi. 

„Bass uff, Glicksbringer Pilledraijer, e Pechmarie will dir dinni Kugle uus Kamelmischt ställe“, joolet s`Schermiisli. De Glücksbringer aber hät die Pechmarie am Hals verwischt und hät si, zack, vu de Kugle obbe aabi gworfe. Do isch de Kugleställer schnell vertloffe. S` Schermiisli Wurf isch selli froh gsi, well de Pilledraijer sin Bolle b´haalte hät kinne und au si Aier inni lege het kinne. I aller Rueh hät s`Schermiisli die Bruetkammer aagucket. 

Haidenai, war die gmietli. „Mii zweiti Bruetkammer isch no vill gmietlecher“, sait de Pilledraijer. „Soll ech si dir zoege ?“ Natierli hät si de wunderfitzig Wurf sänne welle. 

A de Wänd sind no vill so wiißi Kamelmischt- bolle gläge. Z` Mitts aber sind drei Hiife glägge: 

On Huufe Porzellan
On Huufe Perle
On Huufe Pergament

„Derf ech uus däm Huufe Porzellan en Porzellanhiggel mache? „froget de Wurf. „Hai joo“, sait de Pilledraijer. So hät de Wurf mit sim Schneizli des Porzellan uffghiiflet. 

So isch uus dem Porzellanhuufe en farbige  Scherbehiggel worre. „Des siet vill scheener uus“, sait s` Schermiisli Wurf. „Jo, des monn ech au“, sait de Pilledraijer. „Derf ech uus dem Perlehuufe au en scheene Perlehiggel mache?“, froget de Wurf. „Hai jo“, sait de Pillädraijer. Deno hät de Wurf mit sim Schneizli au alli Perle uffghieflet, so dass en grooße Perlehiggel druuß wore isch. Z` mitts drin hät de Wurf druus uußi gugget. 

„Ech ha e Kenigsgrab gfunde“, joolet e Biebli. Wos aber denno s`Schermiisli gsänne hät, hättes Schräe abglau:

„E Uhgheuer! E Uhgheuer hietet den Schatz im Kenigsgrab“. Doch s`Schermiisli hät gjoolet so luut wie es kinne hät. Des hät de Pilledraijer ghert und isch gschnell deher gloffe und hät glii des Biebli in Finger zwickt und pfezzet, bis es gschraue hät. Denno hät`s gjomeret: „Do sind joo zwoä Uhgheuer, oes hät mi bisse.“ Kuntinent sammlet s`Biebli so vill Perle wie es iisammle kaa und wetzt devuu. Schwupp di wupp, verschwindet de Wurf und de Pilledraijer untern Bodde. Nuu e Sandwelkli isch vu dänne übrigblibbe. 

„No niä hät zu mir epper Uhgheuer gsait“, sait de Wurf truurig. „Ech glaub, ech buddel mech liäber wieder hoemetzue in Norde uffi“. „Dodezue gibb ech dir no e Pergament mit“, sait de Pilledraijer und nuelet im Huufe ummenand. Denno hät er oes hinneverri zogge und sait: „Do druff sind alli Himmelsrichtunge iizoechnet.  Norde und  Süde, 

Oste und Weste. Alli Meer, alli Flüss, alli Berg und Däler, alli Wiese und Wälder, alli Higgel und Gräbbe. Dodemit findscht du liicht hoemwärts“. „Find ech dodemit au widder dinni Wüeschdi?“, frogt s` Schermiisli Wurf. „Ha joo, natierli“, sait de Pilledraijer. So macht sech s` Schermiisli Wurf hoemedzue uff de Weäg. 

De Ruckwäeg war genauso lang wie de Änniwäeg. Vill  Däg buddlet sech des s`Schermiisli Wurf gegge d` Hoemet zue im ferne Norde. Zeh Zentimeter vor em Bodebrieter Kiebitz streckt es si Schneizle uus äme Hiifli. „Du bisch aber gherig gwaaße“, sait de Kibitz. „Wo bisch du denn gsii?“. „Ech bi i de Wiüeschti gsii. Dä hät de Pilledraijer sinni Kamelmischtpille gegge die Pechmarie verteidige messe. Er hät nämli doo inni si Eier innigleit“. „Wa schwätzisch du ver en Mischt. Fer sonnigi Märli ha ech koe Ziit“, sait de Kiebitz. Er fliegt us sim Nescht uff und devuu. Do war s` Schermiisli Wurf wieder selli truurig. 

Es gucket uff si Pergament und scharret sich im Oste zue. Widder zeh  ??  Zentimeter vor em Haas Hoppel di Boppel streckt es widder si Schneizli uus em Hiefli. „Du bisch aber granatemäßig gwaaße“, sait au de Haas Hoppel di Boppel. „Wo bisch denn gsii?“. „Ech war i de Wüeschti. Dä isch ä hoffärtig Kamel mit äme rote Sattel gsii und des hät mech e Stuck uff sinere Nase trait. Aber d` Sunn war so fiechtig hoess wie Fiir, no bin ech widder abgstigge. „Wa verzellsch du ver en Dreck“, sait de Haas. „Fer sonigi Sprech ha ech koe Ziit“ und er hoppelet devuu. Do isch de Wurf au widder selli truurig gsii. 

Däno hät sich s`Schermiisli widder en lange Gang borret und isch visavii vu de Spitzmuus Zippel uus em Bodde gräslet. „Du bisch aber gwaaldig groß worre“, sait d`Spitzmuus Zippel. „Wo bisch du denn gsii?“. “Ech bi i de Wüeschti gsii. Dä hät i mir minn Kumpel Pilledraijer e Kenigsgrab zoeget und ech ha uus Porzellan en Porzellanhiggel baut und us Perle en Perlebuckel und denno hät mi e Biebli us em Sand zoge und mech als Uhgheuer verscholte. „Jo so en Bleedsinn ha ech no nie ghert“, sait d` Spitzmuus Zippel. „Fer so oäfältige Sprech ha ech koe Ziit“ und hoppelet devuu. Widder war s` Schermiisli selli verzwazzlet. Es isch hoem kumme und näemert hät ihm zuegloset. 

S`Schermiisli Wurf hät sech en ewig lange Tunnel buddlet und hät niemee ufftauche welle. Uff  s`mol stoht es z`mitte i de Kochi vu de Mamme Schermuus. „Jegess Maraje, duu bisch aber gwaaße. Wo bisch denn so lang gsii?“. D` Mamme Schermuus loset derre elendlange Gschecht geduldig und wunderfitzig zue. Nochere lange Paus froget sii: „Häsch des Pergament no?“. „Natierli“, sait s` Schermiisli Wurf, „dodemit ka ech  jederziit widder i d`Wüeschti z`ruck“.  D` Mammä Schermuus gucket des Pergament aa und sait: „Sollet mir zämmid de Pilledraijer bsueche ?“ Vu dere Idee isch s` Schermiisli natierli selli begeischderet. 

„Denno kiintet mir iis e Stubbe i de Wüeschti nebet em Pilledraijer sinnere Bruetkammer bäschtle und sii mit Perle und Porzellan uus staffiere. De Pilledraijer kaa sinni Pille bei iis draije und du kaasch probiere, ob du die wiiße Bolle grollet griegsch und mit de Vorderfieß ruckwärts walle khaasch“. 

Mit dem Pergament machet sech die zwoe uff de Buddelweag. Zeh Zentimeter vorem Kamel schächet sie uus em Sand uußi. S´Kamel hät si e Stuck uff sinnere Nase trait, aber au de Mamme isch es uff dere Nase z` hoess gsii. Do hät s`Kamel de Kopf aabi glau und alli zwoe widder abgsetzt. Glii hond si sech in Sand inni buddlet.

Ob sie de Pille Draijer und sie Brutkammer gfunde hond ?

Ob sie sich e Wüeschtewohnzimmerli iigrichtet hond? 

Froget mol des vornehm Kamel, sell woess oefach alls! 

Alle Rechte bei  ©Margrit Vollertsen-Diewerge.
Frei in Baarmundart übertragen von ©Hubert Mauz im August 2022.
Illustrationen: Maria Geyer, Jena.

Braun gefärbte Bäume

Liebe Bürgerpostleser, 

hier das zweite Thema aus dem Urlaub im Erzgebirge, rotbraun gefärbte Stämme. Da ich das bei uns noch nicht gesehen habe, gewinne ich den Eindruck, dass das ein „Sachsenphänomen“ ist. Ich lass mich aber gerne eines anderen belehren.

Das Bild oben zeigt einen Baumstamm, der fiel mir im letzten Jahr beim Referendarstreffen in Dresden auf. Sieht er nicht hammermäßig aus? Trotzdem ließ ich aber das Thema erstmals ruhen. Man muss ja auch mal warten können. Dann sahen wir im Erzgebirge an der Talstraße von Niederschmiedeberg in Richtung Arnsfeld eine Reihe von Strassenbäumen, die farbenprächtig aussahen wie unten zu sehen.

Damit war das Thema in den Fokus gerückt. Sofort arbeitete mein Hirn, wie ich an Informationen darüber herankomme. Denn aus dem hohlen Bauch kam da garnichts, nur Erstaunen. Sitzbänke mit der Aufschrift „Sachsenforst“ brachten mich auf die Idee, bei der örtlichen Forstbehörde per E-mail nachzufragen. Und, es war von Erfolg gekrönt, noch im Urlaub konnte ich das Phänomen dank des Forstbezirksleiters von Mariaberg, Ingo Reinhold, klären:

Ist das nicht erstaunlich? Zu den Grünalgen gehörende Luftalgen, die in Tallagen bei hoher Luftfeutigkeit diese Farbtupfer hervorrufen. Ich bin begeistert. Ingo Reinhold hat mir nachfolgenden Link zu diesem Thema geschickt: https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/rostige-baeume-rote-rinde-ursache-100.html

Grüne Algen kommen ebenso vor, fallen aber weniger auf. Man sieht sie punktuell auf dem Bild oben auf der linken Stammseite. Es wird erwähnt, dass überwiegend Eschen betroffen sind, die ersten Bilder sind Eschen, aber das Bild unten zeigt auch eine betroffene Eiche. 

Das war wieder so eine Angelegenheit, die rostigen Bäume aus dem Erzgebirge. Herrn Ingo Reinhold danke ich sehr herzlich für die Lösung des Phänomens.

Herzliche Grüße
Franz Maus  

Wie lang häsch no, Bläsi?

„Wie lang häsch no, Bläsi?“ gelesen von Maria Simon



über den Bläsi von Hubert Mauz

„Guete Morge“, du ich dorri brummle
de Morgemuffel hangt mer i de Zai
„Guede“, duet er herwärts mummle
Soo gohts sit Woche mit iis zwei

En Wälder also, seller Kleiser Maa,
denkt han ich’s glii, jetzt isch es klar.
Kumsch Obend’s z’ruck, stoht er no doo
Uf sim Podest, doo, uff de Boor

„Guete n’Obet“, ruef ich zu ihm riber
„Guede“ huucht er zu mir niber
Er guckt nit nab und au nit nuff
Sii Handwerk hät der wirkli druff

So giit’s nuu on wo bloost und drillt
Des flüssig Glas noch sinem Bild.
d‘ Betziit Glock nimmt er kum wohr
am „Bläsi – Brunne,“ uff dem Brunnestoe

Dem isch’s au glich wenn d‘ Rentner froge:
„Wie lang widd duu dich denn no bloge?“
Erst reacht bloost er noo uff die Backe
Und loot de glüejig Buddel knacke

Denn Arbet isch e Kunscht nie gsii
Drum zooeget er lis wie es sott sii
Daß z‘ fridde mir ad Arbet gond
Und froh sind, dass mir oni hond

„Häsch nit baald gnueg?“ lot er nit gelte
do kennet alli morre, schelte
„Wie lang häsch noo?“, isch ihm en Gruus
Drum schaffft er zue, johrii, johruus

Den Kerle mueß mer oefach mege
und kon isch au nuu weng degege
Sitt der im Oort isch, des sei gseit
Macht iis der „Bläsi“ werkli Freid.

Weidenbohrer

Liebe Bürgerpostleser, 

jetzt kommt die Fortsetzung zum Thema Weidenbohrer, aber eine, die sich gewaschen hat. Sie erinnern sich, Anfang Juni kroch die Raupe in das Erdreich meines Schlupfbehälters. Die Frage war, wie lange es dauert, bis er fertig verpuppt ist und wann wird er schlüpfen. Also voll verpuppt sei er erst mit etwa 20 Tagen, und schlüpfen soll er sechs bis acht Wochen nach dem Einbuddeln. Das finde ich kurz. Wissen Sie noch, wie lange es beim Schwalbenschwanz dauerte? Sehr lange acht Monate. 

Am 23. Juli 2024 erhielt ich aus der weiteren Nachbarschaft eine Bildnachricht von Kurt Zimmermann mit den Bildern: „Ein Totenkopfschwärmer ist geschlüpft“. Nun, das mit dem Totenkopfschwärmer war schnell geregelt, denn der ist noch zwei Zentimeter größer und hat einen Totenkopf auf dem Haupt. Nein, das war der frischgeschlüpfte Falter des Weidenbohrers.

Das Schlupfloch im Gemüsegarten, das runde Grüne ist Schnittlauch als Größenvergleich

Einfach tolle Bilder!
Dankeschön an Kurt Zimmermann.

Die Puppenhülle und den Falter mit noch nicht voll aufgepumpten Flügeln.

Da ich tagsüber unterwegs war, bin Ich abends noch hin zu den Zimmermänners Birgit und Kurt.

Der wuchtige Körper des Falters von vorne an einer Holzabgrenzung aufgenommen. Da ist Power dahinter.
Er ließ sich auf meine Hand nehmen, ein Zeichen, dass er noch nicht ganz flugfähig war oder noch nicht fliegen wollte, weil es noch zu hell war.
Sehen Sie die sehr großen Augen des Weidenbohrers? 

Man sieht, dass die Flügel voll ausgebildet sind. Als es dämmrig wurde, hat er sich aus dem Staub gemacht. Übrigens, Männchen haben 8 cm Flügelspannweite, die Weibchen sogar 10 cm. Der Saugrüssel des Weidenbohrers ist verkümmert, deshalb kann der Falter keine Nahrung aufnehmen und stirbt nach wenigen Wochen. Den nachtaktiven Falter bekommt man selten zu Gesicht, da er tagsüber gut getarnt schläft. Umso schöner ist es, ihn vor die Linse bekommen zu haben.

Nachdem ich das gesehen hatte, habe ich am anderen Tag meinen Schlupfbehälter untersucht und siehe da, die Puppe war noch da. Na ja, es wird nicht mehr lange gehen, dachte ich. Täglich kontrollierte ich, es tat sich aber nichts. Vier Wochen später, am 21. August 2024 wurde es mir zu bunt. Ich durchsuchte den Boden und jetzt, ob Sie es glauben oder nicht, ich fand null und nichts in Richtung Puppe. Ich wollte es nicht wahrhaben, ich leerte den Inhalt langsam in einen anderen Eimer und wieder zurück und nochmals, es war nichts zu finden. Ach Du grüne Neune, was könnte passiert sein? Ich vermute, der Kerle ist geschlüpft und da der Deckel nur lose aufgelegt war, hat er ihn mit seiner Kraft hochgewuchtet und ist entfleucht. Sie müssen bedenken, er muss sich ja aus dem Boden kämpfen. Das nächste Mal passiert mir das nicht mehr, das wird der Deckel beschwert.

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Beitrag vom 12. Juni 2024

Liebe Bürgerpostleser, 

unser Nachbar Wolfgang Schorp klingelte bei uns am 5. Juni 2024. Da ich ihn nicht gleich in Empfang nehmen konnte, sprach er in die Sprechanlage: „Du Franz, ich stell Dir etwas vor die Haustür, es ist etwas Grandioses“. Oha, dachte ich und beeilte mich natürlich, das Objekt zu sehen. Mann oh Mann, war ich baff, eine große rotgefärbte Raupe hatte er in einem Eimer platziert. Da ich diese fast 10 cm lange Raupe schon ab und zu gesehen habe, war mir sofort klar, dass es eine Weidenbohrerraupe ist. Als Wolfgang dann erklärte, dass er sie beim Verebnen eines Ameisenhaufens im Rasen entdeckt hatte, war mir vollkommen klar, dass sie in den Boden wollte, um sich dort zu verpuppen. Er ist damit nicht allein, so verpuppen sich zum Beispiel auch der Totenkopf- und der Windenschwärmer. 

Also, können Sie sich vorstellen, was ich gemacht habe? Genau, ich vermute es zumindest. Ich habe zügig einen Fünflitereimer halb mit Gartenboden gefüllt und die Raupe darauf platziert. Sofort begann sie sich in den Boden zu schieben und in sage und schreibe nur vier Minuten war sie im Erdreich verschwunden. Schauen Sie auf die Bilder. Ich glaube, die Raupe hatte richtige Legenot. Sie kam mir vor, wie ein Mensch, der dringend auf die Toilette muss. 

Wie kommt die Raupe in Wolfgangs Garten? Nun, dort befindet sich an der Grenze ein schon etwas lädierter Weidenbaum. Und in diesem hat die Karriere vor zwei bis vier Jahren begonnen, als die Mutter dieser Raupe ihn als Ei in die Rinde gelegt hat. Er ist dann als Räupchen in den Stamm gekrochen und hat Löcher gebohrt, mit zunehmender Entwicklung richtig große. Gewaltig kann man da nur sagen. Dass sich eine Raupe von Holz ernährt , ist auch staunenswert. 

Also, die Grundlage der Falterzucht ist gelegt, irgendwann wird der Falter aus dem Boden kommen. Der Eimer ist mit perforiertem Deckel verschlossen.

Da bin ich gespannt, weil den Weidenbohrer sieht man als Nachfalter kaum, auch weil er gut getarnt ist. Was schätzen Sie, wie lange die Raupe braucht bis sie vollkommen verpuppt ist? Sage und schreibe drei bis vier Wochen. Ich werde Sie dann freilegen um zu sehen, wie das Ganze aussieht. Natürlich wird die Puppe wieder im Boden –  wie vorgefunden – vergraben. Ich will ja auch den Falter sehen.

Beitrag vom 5. Mai 2022

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist wieder eine spannende Geschichte. Dieses Frühjahr ist rechts vor der Bahnunterführung Hüfingen nach Hausen vor Wald das Gehölz stark auf den Stock gesetzt worden. Für meinen Geschmack etwas zu stark für die Natur und speziell für die Vogelwelt. 

Als die Schlüsselblumen dort blühten, schaute ich mir das Ganze aus der Nähe an. Verwundert erblickte ich die unterschiedlich vielen Löcher auf den Weidenstöcken, die auch noch unterschiedlich dick waren. Fast jeder Stock hatte diese Löcher. 

Nach einem kurzen effektiven Austausch mit Dr. Hans- Peter Straub waren wir uns einig, das sind die Fraßgänge einer Raupe. Ja sag mal, ist das nicht der Hammer? Raupen, die lebendes Holz fressen? Für mich war noch interessant, dass die meisten Gänge ausgekleidet waren, hat das der Baum gemacht als Gegenreaktion gegen den „Aggressor“ oder war es die Raupe selber? Sehr gut sieht man das auf Bild 3 links. Tatsache ist, dass sich die Raupe zwei bis vier Jahre lang in der Weide im wahrsten Sinne des Wortes durchfrisst, ehe sie den Stamm verlässt, um sich im Boden zu verpuppen. Und daher rühren auch die unterschiedlich dicken Gänge. Die Weiden überleben dies im Normalfall. 

Ein solches Prachtexemplar sah ich vor fast genau vier Jahren und habe darüber einen Bericht verfasst. Wissen Sie noch, wie der Nachfalter heißt? Ganz einfach, bezeichnender Weise Weidenbohrer, ein Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer. Anhand der zahlreichen Gänge vermute ich, dass der Falter dort nicht selten ist. Als Nachtfalter ist er halt für uns Menschen schwer sichtbar. 

Herzliche Grüße

Franz Maus

Rötlicher Springschwanz

Liebe Bürgerpostleser, 

ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hirschkäfer, Alpenbock und Alpensegler, große Themen in letzter Zeit. Jetzt schauen Sie, was ich am 2. August auf meinem Holzlager entdeckt habe. Ich dachte im ersten Moment an rote kleine Pilze, wie den Zinnoberroter Pustelpilz, den ich Mitte Dezember 2023 beschrieben habe. Aber das Gesehene ist nicht so gleichmäßig verteilt wie der Pilz. Aber, was ist es dann? Groß und klein spricht vielleicht doch für etwas Tierisches, dachte ich mir. 


Was macht man heute, wenn man etwas wissen will? Genau, die Bilder rein in Google lens und warten was kommt. Gekommen ist „Rötlicher Springschwanz“ Haben Sie das schon einmal gehört? Ich jedenfalls nicht. Stellen Sie sich vor, es gibt keinen Wikipedia Artikel zu diesen Tierchen. Und über Google kommt man an Kaufangebote für diese Tiere, wissen Sie warum? Weil der rötliche Springschwanz als perfekter Bodenpolizist fungiert. Er hält im Terrarium den Bodengrund sowie die Einrichtung schimmelfrei, zudem dienen sie auch als Futtergrundlage für unzählige Arten an Wirbellosen-Tieren, Reptilien und Amphibien. Ein großer Vorteil gegenüber den „tropischen Springschwänzen“ ist, dass der „rötliche Springschwanz“ keine Sprunggabeln besitzt. Ich vermute, dass das heißt, er kann nicht wegspringen, der arme rötliche Sprungschwanz.

Um zur Beschreibung des Tieres zu kommen, brauchte ich eine Weile, auf der folgenden Homepage wurde ich fündig: 

https://bad-kissingen.bund-naturschutz.de/natur-und-umwelt/neues-aus-der-tierwelt

Dort steht, „sie leben an Totholz und verottetem Laub und lieben es, wie alle Springschwänze, gerne sehr feucht“. Also zum Thema feucht brauche ich dieses Jahr nicht viel zu sagen, tags zuvor hat es bei uns 33 Liter geregnet. „Springschwänze gehören wie die Felsenspringer und Silberfischchen zu den Urinsekten. Es sind also Tiere, die schon sehr lange hier auf der Erde zugegen sind. In Deutschland soll es rund 400 Arten geben, die meist zwischen 1,0 und 6,0 mm groß werden, sehr selten größer. Die meisten besitzen eine sogenannte Sprunggabel, mit der sie sich bei Gefahr durch die Luft schleudern können. Springschwänze sind wichtige Helfer, um pflanzliche Reststoffe zu verwerten und wieder zu Nährstoffen für Pflanzen, insbesondere für Bäume umzuwandeln. Sie stehen am Anfang der Nahrungskette und sind für sehr viele räuberisch lebende Tierarten die Nahrung, die sie brauchen, um als Jungtier wachsen zu können“. Die rote gefärbten sind ein Zeichen fürs Erwachsensein, das Leben beginnt für sie in weiß. Auf den Bilder unten sind einige weiße Jungtiere zu sehen. 

Komischweise sind die Tieren so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind, heute sah ich nur noch wenige Exemplare. Das ist schon der Hammer, diese Urinsekten. Aber toll, dass ich sie fotografieren durfte.

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Alpensegler

Liebe Bürgerpostleser, 

heute ist ein Vogel an der Reihe, bei dem ich gespannt bin, ob Ihr schon von ihm gehört habt, der Alpensegler. Wieso der Alpensegler, frag man sich vielleicht. Ganz einfach, weil er seit kurzem in Tuttlingen einen Verbreitungsschwerpunkt in Süddeutschland hat. Über 50 Brutpaare nisten in der Zwischenzeit dort im Kirchturm der Stadtkirche. Der Hammer ist, sie fliegen hinter den Zifferblättern an ihre Brutplätze im Innern des Turmes.

Jetzt kommt das Interessante, denn erst seit etwa 60 Jahren gibt es den Alpensegler in Deutschland. Die erste Kolonie ist Mitte der 1950 er Jahre in Freiburg entstanden. Und wann kam er nach Tuttlingen? Im Jahr 2000 wurde die erste Brut festgestellt und 24 Jahre später sind es sage und schreibe 50 Paare. Anscheinend gefällt es ihm dort bestens. Ich dachte, Freiburg und Tuttlingen, das wars. Aber dann wurde ich auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg schlauer, denn mittlerweile brütet er auch in weiteren Städten Süddeutschlands, wie z. B. in Waldshut, Emmendingen, Lörrach, Tuttlingen, Lindau, Offenburg, Ettenheim, Lahr, Bühl, Achern, Sasbach (bei Achern) und Gundelfingen. Ich war geplättet. So weit hat sich der Kerle ausgebreitet. Wenn´s passt, dann passt´s, würde der Bayer und der Österreicher sagen, in der Natur geht es bei passenden Dingen sehr schnell. Gründe sind das Wachstum der Freiburger Kolonie und erneute Zuwanderung aus der Schweiz, was sicher für Tuttlingen und Lindau zutrifft. In Schaffhausen gibt es auch eine alte Kolonie. Der Hammer ist, dass Baden-Württemberg die bisher nördlichsten Vorkommen weltweit beherbergt. Denn ursprünglich ist er in den Felsregionen Südeuropas, des Orients und Indiens sowie in Afrika zu Hause. Und zwar keineswegs nur in Gebirgen, wie der Name vermuten lässt, sondern auch an steilen Felsküsten in geschützten Spalten und Nischen. Doch er ist bereits frühzeitig den Menschen in die Städte gefolgt, wo Gebäude seine Ersatzfelsen bilden. 

hier sieht man gut den weißen Bauch
Hausener Mauserseglerkolonie

Mauersegler und Alpensegler sind verwandt. Ich habe ein Bild der Hausener Mauersegler eingefügt, die übrigens schon seit etwa 26. Juli 2024 nach Süden abgezogen sind. Der Unterschied liegt in der Färbung und in der Größe. Mauersegler sind komplett braunschwarz und der Alpensegler ist am Bauch und Kehle weiß. Die Größenunterschiede sind beachtlich, der Mauersegler hat eine Flügelspanne von etwa 45 cm und der Alpensegler von etwa 55 cm, der Alpensegler ist doppelt so schwer und sechs Zentimeter länger als der Verwandte. Gut, am Himmel ist das nicht leicht zu erkennen. Dazu kommt die Schnelligkeit dieser Burschen, sie gelten als die schnellsten Vögel der Welt. Für mich persönlich gibt es ein tolles Erlebnis aus der Kindheit, ich sah bei der Feldarbeit über Uttenhofen eine kleine Kolonie von Alpensegler vermutlich aus Schaffhausen dahinziehen. Wieso ich das gewußt habe, fragen Sie vielleicht. Weil ich schon damals grundsätzlich eine Fernglas dabei hatte und die weiße Bäuche deutlich sehen konnte. Wie der Mauersegler kommt der Alpensegler sein ganzes Leben nur zum Brüten in ein Nest, alles weitere findet in der Luft statt. Anders als beim Mauersegler bleibt der Alpensegler deutlich länger bei uns. Sind es nur drei Monate bei Mauersegler, sind es von März bis Oktober gute sieben Monate. Das heißt man hat viel länger Zeit zum Beobachten. Ein paar Worte zu den Bildern, das Bild ganz oben zeigt neben dem Kirchturm und dem Zifferblatt oben rechts ein Alpensegler, mit etwas Phantasie sieht man den weißen Bauch. Gerne hätte ich das Ein- und Ausfliegen fotografiert, es ist mir wegen der Schnelligkeit nicht gelungen.

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Schleckeis vum Feroldi

Originalbeitrag vom Juni 2021

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr.

De Nonno vu Pineto

Am Adria Strand i de Appruze: En friendliche Nonno mit Strohut radelt gmietlich und guetgluunt d` Promenade ab mit sim Dreirädrige- Fahrrädle. Mit Kennerblick taxiert er d Gäs`cht. Natürli sieht er uf de erscht Blick, woher die Touris kummet und er woass genau wen er abohre will. Nämlich die giitzfreie, lebensfrohe Tedesci, dieselle wo e Gnusswelt bewahrt hond oder im Begriff sind, sie wieder zu erobere. Des sind sini uusgsuchte, handverlesene Aasprechpartner. „Buon Giorno Singnora“ de galant ergraut Papagalli vum aalte Schlag woass genau dass mer zerscht d` Wiiber aabohre muen: „ Wie geht ?, wo habbe Haus in Allemania ? Ahh, si, si , da habe io au gudde Collega, habe au Ristorante, ganze gute italienische Mama- Cucina….., und ……will jetzt au Eisdiele, Gelateria, mache. Habbe sie scho Eis esse in bella Gelateria „Appruzzo“, andere Seit von Promenade ? Serr gut Eis, bene, tutto bene ! benissimo Gelato aahhhh „ Und so nebebii: „Macht meine Sohn, Maurizio, ganz gutte Sohn “. „Heute Abend, i bin au da, auf Terrassa, mache wir bissele kleine Parliamento in Gelateria, si ? Va bene , Buon Giorno, bis heut Abend , Molto Grazie e arrevederci“. Obwohl sini Absichte nit ganz so uudorchsichtig sind wie er animmt, mag mer den nette, friendliche Nono sofort und nimmt die Iiladung zum Obed- Eis gern aa.. Nochem „ Bona serra, cara Singniora, serra Signiore „ und nach eme kleine Schwätzle erschliesst sich die erstuunlich, amüsant und herzig Poesie vu sim Lebe meh und meh.

I de 60-er Jahr häts für den Taglöhner usre kleine Frazione, eme Dörfle a de Ostabhängen vu de Abruzze, kaum e Uskumme, scho gar nit e Iikumme und erscht recht nit e Fortkumme gäe. “Habe meine junge Donna an Hand genommen und habe, wie viele Collega, mit due Pappedeckel – Koffer Reise nach Alemannia gemacht, nach Wolfburgo, bei VauWä. Habe gute Geld verdient aber viele Heimweh und au viele Zeit an Wochenende. An Freitag war bei VauWä, ab Mittag, basta, fertig mit Sweisse und lavorare. Meine Frau habe auch arbeite. No , dann habe wir, subito Käfer mit Schibbdach gekauft , wie bei bello Topolino cingue- cento. Un dann habbe eine Collega verkauft eine picolo Bambini – Carussello. „ Mama ich kaufe diese Macina, basta „. Dann Macina auf kleine – Anhänger an Käfer- VauWä jede Freitag auf Piazza vor Karstad, Mercato, du wisse , manchmal bis Sonntag – Abend. Mamas von Bambini konnte ruhig in Karstad kaufe schöne Kleider, Schuh e rosso Intimissimi , Papas lasse ihre Bimbis fahre bis Mamas mit schöne Sache und so, zurück. Ohne mio Carussello Bimbi habe immer viel weine und Patrone von Karstad habe auch Spass un Profitto, weil viel Klamotte verkaufe un habe mir sogar Strom geschenkt. Eine Plattespieler singt ganze Tag „O sole mio“ und „Azzurro“ un „Gelazo a Limon“ wegen Bella Italia – Gefihl. War serr gute Geschäft, serr gut, viele 50 Pfennigmoneta jede Abend, un alle haben viele Spass mit meine Carusello. So ich habbe subito viele gute Mark für meine nächste, grosse Traum: Ein Gelateria in Wolfburgo. Un, subito, ich war Patrone von picolo Eisdiele „ Da Abruzzi“. Carrusello habe dann wieder an andere Abruzzo- Collega verkauft, Viele Arbeit aber immer grosse Auge von cari Bambini in fredo Wolfburgo wege meine gute tschinkeli Eis. Meine Sohn und meine Tochter sprechen perfetto Wolfburgo deutsch. War auch wieder gutte, serr gutte Geschäft. In meine bella Terra Abruttesi habe dann au viele, oh molto bene, Tourismo angefange. So wir sind bald zurück in meine Paese Amiata mit viele duro, (h)arte Deusch Mark, ehhh, war viele Millione Lire. Unsere finalissimo Visione, ganze gross Traum, war Gelateria am Lido Abruttese. So wir sind in viele, viele lange Trasporti, immer noch mit gutte Cabrio- Käfer und Carusello – Anhänger mit ganze Wolfburgo- Eisdiele e Eis- Macina und Bambini über Nurnbergo, Munico, Brennero, Ancona viele mal und molto Kilometri zurück in Abruzzi gefahre.“

„Habe meine Sohn Maurizio nicht schöne, bella Gelateria mit ganz gutte Eis, Gelato ? Alles nur wege bello Carusello und Bambini di Wolfburgo. Grazie bene, Grazie bimbi e Grazie Wolfburgo, e Grazie mi bello , mi moltobello Carusello“

Friendlich, respektvoll aber doch liicht distanziert, fascht ängstlich, begrießt er e italienischs , schwer gstyltes, ufgmotztes , goldkettle- verhängts Ehepaar. Sie guet zeh Johr jinger als er und sie chiki Nonna. Dere obe üppige Matrone und dem makelos gfärbte, so im Stil vum Grande Cavalliere Silvio Berlusconi, bietet er en separate Tisch aa. Artig wered se begriesst mit Kissle vom herflitzende Filio Mauro und de rassige Schwiegertochter. Später kunnt au no Nonna schaffig, verschwitzt us de Eiskuchi.

„ Sin Schwiegereltere von meine Sohn, habe gross Villa und viele schnelle Lancia und Alfa. Habe an meine letzte Tage auf Erde noch viele contatto mit diese Patron“. Schelmisch lauert er uf mine ratlose Auge und iiser Gsiecht. Wie zigfach giibt hebt er resignierend d` Schultere, loot sin knizze Schalk aus de kleine Äugle blitze , beugt sich liicht vor, legt beruhigend si Hand uf min Unterarm und er, und ich, schmunzle lang und gnussvoll bespasst i iis inni: Über den uralte, eigetlich abdroschene, uusglutschte Witz :

„ Is meine Totegraber, hat gudde, serr gudde Beerdigung- Funeraio Geschäft, si, si ………….eine ganz tott- sichere Geschäft “.

„Habbe viel grosse Mersedes Totewage. Italiener wolle nur mit Mersedes fahre an letzte Tag, nix Fiat oder Lanca. Will jetzt in Wolfburgo baue lasse grosse, schöne, schwarze VauWä- Bus. Muss aussehe wie Capella mit Clima, eletrische Kerze, mit Verkleidung von Apruttesi Pinie un Olivi- Holz, nix Blech un perfetto Music Box , besser wie bei meine Carusello- Plattespieler, extra für Adagio von Galuppi e Verdi“.

Während dene ganze Täg isch mir natierli unsern Feroldi, unsern erschte Italiener mit sim guete Tschinkele- Eis i de Waffel vum Bahofskiosk nit us em Kopf gange. 10 Pfennig hät on Bolle überall im Städtedreieck kostet. Die stabil Währung isch in de natural- Währung, nämlich noch de Bollegrösse reguliert wore. Z` Hifinge, bei me booremer Beck nebe de Kirch, war de Bolle Alu- Suppeschapfe gross, z` Briilinge Email- Sosseschapfe mässig und bim Feroldi i Original italienische Eiszange Grösse. Zange Chromstahl us Vincenca . I de Grösse ebe ganz de Statur von dene kleinere Italienerli, dene Tschinkeli aapasst. S` Markezoache aber vum Feroldi i sim herzige Kiosk gegenüber vum Bahhof, dert wo jetzt de Sternebeck isch und früher d` Post war, des war sin einmalige „ Ableger „ . En normale Eisverkäufer kaa nu vier Eiswaffle zwische sine 5 Finger iiklemme und mit de Eiszange die Waffle lade und fille. De Feroldi aber hät wundersamerwiis sage und schreibe fünf mit enand lade kinne. Er hät nämlich en Ast, wie mir gsait hond, ebe sellen Ableger am Dumme aagwaase ghet. Daß es bi iis Kröpf am Hals gäe hät, des hommer gwisst und bei Liit usem Wälderwald am Martini Märt au gsänne. Dass mir nit au so Kröpf grieget, gege des hond mir Jod- Tablette in de Schuel vertoalt griegt. De Ferroldi muess konni kriegt haa i sim abglegene Appeninne Dörfle, suncht wär ihm nit so en Ableger gwaasse. Aloanig aber die Kuriosität vum Feroldi, der Doppeldumme, hät dech de Geiz und die Gsparrigkeit vergesse lau, dass sine Bolle ziemlich kleiner waret aber viel sahniger als die Wassereis- Bolle vu de Konkurrenz in dene Eschinger Konditoreie oder z` Hüfinge oder gar z` Brielinge beim Klotze- Beck. Die Verhoassung dass dert vill meh Eis für 10 Pfennig griegt häsch, hat om ab und zu verleitet, ebe doch gi Hifinge oder gar über de Berg gi Briilinge z` rädle. Au do schafft halt Lust Leidenschaft und manchi Anstrengung vergisst mer vor luuter Giiz. Wege dem Giiz häsch in Kauf gnomme, dass uf so Iisgries, wo vum Iishuus gstammt hät, ummekaue häsch messe dass es im Muul knackt hät. Und denno häsch wieder vum Eis vum Ferry troomt und häsch der fescht vorgnomme, dass s` näschtmol die herte Pfennig wieder ver de puure Genuss iisetzisch: Nämlich ver echts, sahnigs, fruchtigs Tschinkeli – Iis vum Feroldi.

Sit dem Nono us de Apruzze guck ich die verschnörkelte, barocke Kinderkarussell, grad au am Kloosemärt z Hifinge, mit ganz andere Auge aa, sieh den Glanz i dene Kinderauge im neue Liecht und denk manchmol drüber noch, ob de hittig Karusellbremser und Betrieber au sii Glick macht mit sinere Traummaschie, genauso wie de trollig Nonno us de Abruzzen ?

Zwar hät de Feroldi, z` Eschinge am Bahhof, koe Carrusello und au kon Schwiegervater als Totegräber ghet. Aber halt s` bescht Eis im Städtledreieck. Sogar die Bregtäler, wo mit de Bregtalbah aakumme sind, hond manchmol, wenn sie 10 Pfennig übrig ghet hond, scho während de Aafahrt geg Eschinge uff de herte Holzklassebank, vum Ferri sim Schleckiis troomt und sind standepee vum Perron eweg zu sim Kiosk dorri grennt. Gmeinsam mit siinere pummelige Frau und de willige, schaffige Techter hät er als erschter die Tschinkeli- Genusskultur gi Eschinge brocht. Obst und Südfrücht, wie Tomate, Zitrone, Pfersich, Truube, Orange und Feige. Spagetti, Pasta, Gnoggi, Gorgonzola, Salami und Parmesan hät er dene wunderfizige Hausfraue aabote und sie honds , e weng verschämmt, au gern kauft. De Vater hät ab und zue au e Brisago oder en Bündel Krummi Hund, die schruubeartige Zigarillo, beim Ferri kauft.
De Magnet aber war im Sommer im Feroldi sii Schleckeis: Citronegschmack, Pfirsich, Melone, Pistazie und Mocca waret Eissorte, die häsch sunsch nähnets griegt. Obwohl die Bolle ziemli kleiner waret wie des Wassereis mit meh Eisscherbe vum Eisweiher und Eishuus drin wie Milch, Rohm, Zucker , Kakoo, Erdbeer- oder Himbeermues bei de booremer Beck. Dieselle booremer Landbolle vum Gleichauf, vum Reiterbock oder vum Hengschtler. De Gluschte und de Genuss beim Feroldi war uuübertroffe, halt pico bello. Bollegrösse hin oder her. Ganz abgsehe vu sim unvergessene, stadtbekannte und legendäre „ Ableger „. Sie Tochter, d Maria, isch zwar noch dem de Kiosk im Weag war und abbroche wore isch, zruck gi Venetie , i die Julische Alpe, is Friaul, is Piavetal. Sie hät aber bis hit no Kontakt zu Eschinge und schwätz immer no e trolligs Booremerisch. Nochfolger Eismacher i de Region waret denno d` Spinazzis mit em Venezia, die Zampollis, Pampanins und Da Angelos.

Jo so wars , und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum Riedeburger Feroldi, em Angelo.

Rötenbacher Gigantismus

Unsere Produktion basiert auf den Erträgen nachhaltiger Waldwirtschaft und ist konsequent umweltverträglich ausgerichtet. Über unsere zukunftsweisende Interpretation der 0%-Reststoff-Regel leisten wir einen aktiven Beitrag zum dringend benötigten Klimaschutz: Sie werden erkennen: Wir handeln mit Herz und Verstand.
Werbetext der Ante-Holz GmbH & Co. KG

Wer von der waldarmen Baar herkommend auf der B31 in Richtung Schwarzwald rollt und dabei auf touristisch ansprechende Eindrücke hofft, wird schon gleich hinterm Waldeingang ernüchtert: Zur Linken weitet sich der Blick zu einer dicht an dicht belegten Lkw-Rastanlage mit Tankstelle. Dahinter schließt sich, seitlich leicht versetzt, das Werksgelände des Großsägewerks ante rötenbach GmbH & Co. KG an, seit 2021 Nachfolger der zuvor hier angesiedelten Holzwerke Rötenbach. Schon sie waren eines der größten Schwachholzsägewerke Baden-Württembergs; der Betrieb ist jedoch 2012 eingestellt worden – dem Vernehmen nach wegen unzureichenden Rundholzangebots. Ante Holz ist mit insgesamt 1.200 Beschäftigten an 7 Standorten (einem davon in Polen) und einem jährlichen Einschnitt von 1,2 Mio. Kubikmetern einer der allergrößten inhabergeführten Familienbetriebe dieser Sparte in Deutschland, ja sogar in Europa.

Wo die Holzwerke Rötenbach zuvor ein 15 ha umfassendes Werksgelände beansprucht hatten, will Ante Holz sein Areal nun auf 43 ha erweitern. Sein Personal soll hier von bisher 70 auf ca. 300 Mitarbeitende aufgestockt werden bei einen Jahreseinschnitt von – sage und schreibe! – 750.000 Festmetern – rosige Aussichten also für die Gemeinde Friedenweiler samt Teilort Rötenbach und deren Gewerbesteueraufkommen!  Das Unternehmen ist zuversichtlich, das Baugenehmigungsverfahren inklusive der Anpassung von Regional- und Flächennutzungsplan so zügig bearbeitet zu bekommen, dass bereits 2025 der Baustart erfolgen kann. Artenschutzrechtliche Probleme scheint man nicht zu erwarten, obwohl in  der Nachbarschaft noch ein Auerhuhnvorkommen existiert und ein Wildtierkorridor angrenzt. Kritischer sieht es um die Ergiebigkeit einer Quelle im südwärts gelegenen Matzenmoos aus: durch Rodung und Versiegelung könnte sich ihre Schüttung verringern – zum Nachteil des sie nutzenden Nachbarorts Göschweiler. Womöglich wird man statt ihrer eine Quelle im weiter entfernten Gatterwald „ertüchtigen“ oder zu neuen Lösungen greifen müssen. Und natürlich müssen auch erst noch die Aufforstungsflächen zum Ausgleich des Waldverlustes gefunden  werden. Auch ein Kreisverkehr wird auf der B31 noch erwogen, damit die Holztransporte auch aus Osten ins Werk abbiegen können.

Alles in allem lösbare Probleme, so sieht es der Planer. Doch wie wird sich der Gigant auf die bestehende, vorwiegend mittelständische Schwarzwälder Sägewerksstruktur auswirken, von den kleinen bäuerlichen Sägewerken einmal ganz abgesehen? Die Ante-Betriebsleitung geht davon aus, das Rundholz in einem Umkreis von ca. 100 Kilometern einkaufen zu können. Was den Holzmarkt zweifellos durcheinanderwirbeln wird, denn das Werk wird sich seine Kontingente über Vorverträge mit den größeren Waldbesitzern (mit dem Staatswald, den Kommunen und insbesondere mit dem Großprivatwald) sichern. Wie sich die neue Konkurrenz wohl auf die Ertragslage im bäuerlichen Kleinprivatwald auswirken wird sowie auf die Existenz der noch verbliebenen Schwarzwälder Sägewerke?

Während bislang in den sich häufenden Kalamitäten das Käfer- oder das Sturmholz schleunigst vom nächstgelegenen Kunden übernommen und abgefahren wird, sieht sich bei längerer Transportkette des Großbetriebs der Borkenkäfer in den desto länger unentrindet im Wald verbleibenden Fichtenstämmen zu weiteren Bruten ermuntert, was zu dramatischer Verschärfung der Forstschutzlage führen kann – zu Schreckensbildern à la Sauerland oder Harz, von denen der Schwarzwald einstweilen noch verschont geblieben ist. Oder könnte ein solches Horrorszenario bei einer so gewaltigen Betriebsexpansion bereits einkalkuliert worden sein? 

Expansion in Erwartung eines zunehmenden Käfer- und Sturmholzangebots?

Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft ist ein konkurrenzlos umweltfreundlicher Baustoff und die Nachfrage nach Bauholz ist (speziell im Land der Häuslebauer) trotz weithin lahmender Baukonjunktur weiter ansteigend. Umso attraktiver mag die Ante-Holz-Produktpalette erscheinen, die neben Schnittholz Hobelware, Brettschichtholz, Konstruktionsvollholz, Brettsperrholz, Biobrennstoff auch Holz-Pellets, Haus- und Gartenprodukte verspricht.

Wird der Einstieg des Ante-Holzriesen also zum Glücksfall für Wald- und Holzwirtschaft der Region, gar für die Umwelt? Oder begibt man sich eher auf den Holzweg mit solcherlei Kapazitäten? Die „mit Herz und Verstand“ agierende ante-Rötenbach GmbH&Co. KG   lässt etliche Fragen offen.

Alpenbock

Liebe Bürgerpostleser, 

es krabbelt zur Zeit so richtig. Kaum ist der Hirschkäfer durch, kommt der nächste beeindruckende Geselle. Mein Freund aus Referendariatszeiten Albrecht Siegel aus Herbertingen schickte mir diese Bilder. „Wir sind grad auf Fahradtour am Königssee und da hängt dieses Tier am Garagentor. Weißt Du, was das ist“? Ich musste kurz überlegen, dann war klar, es ist der unverwechselbare Alpenbock. Die Färbung ist doch herrlich. Nun, wie der Hirschkäfer für die Vermehrung die Eiche braucht, so braucht der Alpenbock die Buche. Neben den Alpen kommt er auch auf der mit Buche bestandenen Schwäbischen Alb und im Donautal vor. Mit etwa drei Zentimeter Körperlänge ist er ein stattlicher Bursche. Charakteristisch für die Bockkäfer sind die langen Fühler. Denken Sie an den bei uns heimischen Moschusbock, über den ich schon geschrieben habe. Die Geschlechter können anhand der Fühlerlänge unterschieden werden: Beim Männchen überragen die Fühler das Hinterende der Flügeldecke bei weitem, beim Weibchen erreichen sie dieses knapp. Ich muss ehrlich sagen, ich will mich da nicht festlegen. An den mittleren der Fühlerglieder befinden sich schwarze Haarbüschel, wodurch die entsprechenden Fühlergelenke schwarz verdickt erscheinen. Auf dem Bild ist das am rechten Fühler gut zu sehen.


Nach dem Schlüpfen der Käfer Ende Juni/Anfang Juli erfolgt die Paarung und die Eiablage. Wenn frischgeschlagene Buchenholzstämme oder Brennholzklafter mit Buchenholz in der Nähe sind, wird der Käfer durch diese angezogen. Andernfalls wird der besonnte untere Stammteil eines möglichen Brutbaumes angeflogen. Das Weibchen tastet mit der ausgestülpten Hinterleibsspitze den Untergrund nach Verletzungen der Rinde oder Risse im Holz ab. Dann dringt der Legeapparat bis zu vier Zentimeter ins Holz oder unter die Rinde vor. Die Eier werden gewöhnlich einzeln abgelegt. Die aus dem Ei geschlüpfte Larve frisst im Bereich des austrocknenden Holzes weiter, später dringt sie ins Totholz ein. Es dauert gewöhnlich drei bis vier Jahren bis die Larve sich in einer Puppenwiege verpuppt. Nach dem Schlüpfen zwängt sich der Käfer durch eine ovale Öffnung ins Freie. Diese Öffnungen dienen dem Käfernachweis. Das ist doch ein interessantes Detail, finden Sie das nicht auch? Jetzt kommt eine aus menschlicher Sicht traurige Wahrheit, die erwachsenen Käfer werden nur zehn Tage alt, Literaturangaben nennen auch 20 bis 40 Tage.

Der Alpenbock ist europaweit geschützt. Die Schutzmaßnahmen haben zu einer Stabilisierung der Bestände geführt. Man sieht, dass Totholz eben auch einen Lebensraum darstellt, den man im Rahmen des Möglichen schützen soll. 

Ganz herzlichen Dank Dir Albrecht Siegel für die Überlassung der Bilder und die Einwilligung, daraus einen Beitrag zu schreiben. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie Ihre Freude daran haben. 

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Waldpolitische Turbulenzen

Ist der Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz?
(Bert Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti. Zürich 1948)

„Oder ist er nicht eine grüne Menschenfreude?“, so fährt Herr Puntila in rhetorischer Frageform fort. Grüne Menschenfreude, soviel zeichnet sich bereits ab, wird die im Koalitionsvertrag vereinbarte Novellierung des seit 1975 geltenden Bundeswaldgesetzes wohl kaum auslösen: Für die Berliner Ampel wird sie zu einer weiteren schweren Geburt werden, zumal für die Grünen samt Landwirtschafts- und Forstminister Cem Özdemir. Denn schon scheinen sich wieder die Bauern warmzulaufen, diesmal die Waldbauern, ein durchaus wehrhafter Teil jener Klientel, die sich im vergangenen Winter auf Straßen und Plätzen ausgetobt hatte. Der vorliegende Entwurf sei, so schäumt es im Netz, viel zu bürokratisch mit seinen vielen neuen Vorgaben und Verboten, die massiv in die Bewirtschaftung der Wälder eingreifen werden. Statt auf die Expertise und Erfahrung von Forstleuten und Waldeigentümern zu vertrauen und Freiraum für praxisnahe Lösungen zu schaffen, seien Gängelung und Regulierung zu befürchten, so argumentieren auch die großen Waldverbände und starten die Kampagne #fingerwegvomwaldgesetz – nicht nur im Netz, sondern auch auf Transparenten in Wald und Flur.


„Wenn der Wald könnte, würde er auf die Straße gehen“, lautet einer der Slogans in zarter Anspielung auf die winterlichen Demos, wo sich doch Forstmaschinen, Vollernter und Forwarder hinter den landwirtschaftlichen Treckern wahrlich nicht zu verstecken brauchten. „Freier und vielfältiger Wald statt Paragraphendschungel!“, so die Forderung der (48 % der deutschen Waldfläche bewirtschaftenden) Waldbauern und ihrer Interessenvertretungen. Das neue Bundeswaldgesetz sei sogar verfassungswidrig, meint ein von den Verbänden bestelltes Gutachten, zumal die „völlig überzogenen“ Strafvorschriften (von bis zu einem Jahr Haft). Gegen die Verfassung verstoßen würde auch „die in diversen Neuregelungen zum Ausdruck kommende Nachrangigkeit  der Holzproduktion gegenüber Klimaschutz und Biodiversität“, ob im Falle der vorgesehenen Kahlhiebsverbote, der Baumartenwahl oder beim gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand von 40 m von Maschinengasse zu Maschinengasse.

Doch eben diese Neuregelungen des Gesetzentwurfs gehen den Naturschutzverbänden noch nicht weit genug. Waren sie es doch, die auf eine Novellierung gedrängt hatten, weil unterm Vorzeichen des Klimawandels an Wald und Waldwirtschaft inzwischen doch ganz neue Anforderungen zu stellen sind. Eingefordert wird der Vorrang der Ökologie (des Waldökosystems) vor der Ökonomie (der Holzerzeugung). Derweil erregen sich im Netz die Mountainbiker, die sich ihre Singeltrails und Parcours nach dem Willen des Gesetzentwurfs jeweils vom Waldeigentümer genehmigen lassen müssen – eine Regelung, die bereits seit Jahren so im Landeswaldgesetz von Baden-Württemberg enthalten ist.

Klar, dass es da etlicher zusätzlicher Paragraphen bedarf. Und deren Umsetzung sollte dann ja auch zu kontrollieren und zu gewährleisten sein – durch das seit dem Jahrtausendwechsel gnadenlos ausgedünnte Forstpersonal und, analog dazu, massiv vergrößerter Forstbezirke und -reviere. 



Am Beispiel der auf Kulturflächen inzwischen fast obligatorischen Wuchshüllen, die dem Schutz vor Wildverbiss und der Wuchsbeschleunigung dienen (und mitunter an die Kriegerfriedhöfe um Verdun erinnern!), sei angedeutet, wie sich die neuen waldgesetzlichen Forderungen für den Waldwirt auswirken können. Ziel des Gesetzes ist zweifellos ein möglichst resilienter Wald, am ehesten erreichbar mit Hilfe eines naturnahen Waldbaus und unter weitestgehendem Verzicht auf Kahlflächen. Denn auf ihnen pflegt sich die erhoffte (naturgebundene) CO2-Speicherung des Waldbodens in eine CO2-Emissionsquelle umzukehren. Weshalb eine dauerwaldartige Bewirtschaftung unbedingt vorzuziehen ist. Wo aber dennoch Kahlflächen zu bepflanzen sind, sei es nach Sturm- und Borkenkäferschäden oder zwecks Baumartenwechsels, dürfen nach dem Gesetzentwurf künftig nur noch „biologisch abbaubare“ Wuchshüllen Verwendung finden. Wer dieser Forderung nachkommen will, muss sich zunächst zurechtfinden angesichts der überwältigenden Fülle unterschiedlichster Modelle, Materialien und Angebote, die mittlerweile allesamt biologische Abbaubarkeit für sich in Anspruch nehmen. Dies bei weit auseinanderklaffenden Beschaffungs- und Aufstellungskosten. Inwieweit und bis wann die Materialien dann tatsächlich rückstandsfrei verrotten, überlässt man dem Zahn der Zeit. Skepsis scheint angebracht zu sein, will man sicher gehen und keinen Beitrag leisten zum globalen Mikroplastik-Desaster.



Sollten die Transparente etwa nur aus Anlass der Stippvisite von Bundeslandwirtschafts- und -forstminister Cem Özdemirs auf der Baar (am 18. Juli 2024 unterwegs zur Aasener Agri-Fotovoltaikanlage) aufgespannt worden sein – auf Einladung des Bad. Landwirtschaftlichen Hauptverbands BLHV und des Landesnaturschutzverbands LNV? Grüne Menschenfreude wird hier nicht versprochen.

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