Weidenbohrerraupe

Weidenbohrerraupe

12. Juni 2024 0 Von Dr. Franz Maus

Liebe Bürgerpostleser, 

unser Nachbar Wolfgang Schorp klingelte bei uns am 5. Juni 2024. Da ich ihn nicht gleich in Empfang nehmen konnte, sprach er in die Sprechanlage: „Du Franz, ich stell Dir etwas vor die Haustür, es ist etwas Grandioses“. Oha, dachte ich und beeilte mich natürlich, das Objekt zu sehen. Mann oh Mann, war ich baff, eine große rotgefärbte Raupe hatte er in einem Eimer platziert. Da ich diese fast 10 cm lange Raupe schon ab und zu gesehen habe, war mir sofort klar, dass es eine Weidenbohrerraupe ist. Als Wolfgang dann erklärte, dass er sie beim Verebnen eines Ameisenhaufens im Rasen entdeckt hatte, war mir vollkommen klar, dass sie in den Boden wollte, um sich dort zu verpuppen. Er ist damit nicht allein, so verpuppen sich zum Beispiel auch der Totenkopf- und der Windenschwärmer. 

Also, können Sie sich vorstellen, was ich gemacht habe? Genau, ich vermute es zumindest. Ich habe zügig einen Fünflitereimer halb mit Gartenboden gefüllt und die Raupe darauf platziert. Sofort begann sie sich in den Boden zu schieben und in sage und schreibe nur vier Minuten war sie im Erdreich verschwunden. Schauen Sie auf die Bilder. Ich glaube, die Raupe hatte richtige Legenot. Sie kam mir vor, wie ein Mensch, der dringend auf die Toilette muss. 

Wie kommt die Raupe in Wolfgangs Garten? Nun, dort befindet sich an der Grenze ein schon etwas lädierter Weidenbaum. Und in diesem hat die Karriere vor zwei bis vier Jahren begonnen, als die Mutter dieser Raupe ihn als Ei in die Rinde gelegt hat. Er ist dann als Räupchen in den Stamm gekrochen und hat Löcher gebohrt, mit zunehmender Entwicklung richtig große. Gewaltig kann man da nur sagen. Dass sich eine Raupe von Holz ernährt , ist auch staunenswert. 

Also, die Grundlage der Falterzucht ist gelegt, irgendwann wird der Falter aus dem Boden kommen. Der Eimer ist mit perforiertem Deckel verschlossen. Da bin ich gespannt, weil den Weidenbohrer sieht man als Nachfalter kaum, auch weil er gut getarnt ist. Was schätzen Sie, wie lange die Raupe braucht bis sie vollkommen verpuppt ist? Sage und schreibe drei bis vier Wochen. Ich werde Sie dann freilegen um zu sehen, wie das Ganze aussieht. Natürlich wird die Puppe wieder im Boden –  wie vorgefunden – vergraben. Ich will ja auch den Falter sehen.

Beitrag vom 5. Mai 2022

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist wieder eine spannende Geschichte. Dieses Frühjahr ist rechts vor der Bahnunterführung Hüfingen nach Hausen vor Wald das Gehölz stark auf den Stock gesetzt worden. Für meinen Geschmack etwas zu stark für die Natur und speziell für die Vogelwelt. 

Als die Schlüsselblumen dort blühten, schaute ich mir das Ganze aus der Nähe an. Verwundert erblickte ich die unterschiedlich vielen Löcher auf den Weidenstöcken, die auch noch unterschiedlich dick waren. Fast jeder Stock hatte diese Löcher. 

Nach einem kurzen effektiven Austausch mit Dr. Hans- Peter Straub waren wir uns einig, das sind die Fraßgänge einer Raupe. Ja sag mal, ist das nicht der Hammer? Raupen, die lebendes Holz fressen? Für mich war noch interessant, dass die meisten Gänge ausgekleidet waren, hat das der Baum gemacht als Gegenreaktion gegen den „Aggressor“ oder war es die Raupe selber? Sehr gut sieht man das auf Bild 3 links. Tatsache ist, dass sich die Raupe zwei bis vier Jahre lang in der Weide im wahrsten Sinne des Wortes durchfrisst, ehe sie den Stamm verlässt, um sich im Boden zu verpuppen. Und daher rühren auch die unterschiedlich dicken Gänge. Die Weiden überleben dies im Normalfall. 

Ein solches Prachtexemplar sah ich vor fast genau vier Jahren und habe darüber einen Bericht verfasst. Wissen Sie noch, wie der Nachfalter heißt? Ganz einfach, bezeichnender Weise Weidenbohrer, ein Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer. Anhand der zahlreichen Gänge vermute ich, dass der Falter dort nicht selten ist. Als Nachtfalter ist er halt für uns Menschen schwer sichtbar. 

Herzliche Grüße

Franz Maus