Das Säge- und Imprägnierwerk an der Hochstraße

Originalbeitrag vom 8. Juli 2024

Nach dem Handelsregister beim Amtsgericht Donaueschingen wurde am 10. Dezember 1919 ein Gesellschaftsvertrag mit beschränkter Haftung geschlossen und am 27. Oktober 1920 abgeändert. Vorstände der Gesellschaft waren Kaufmann Moritz Faurt in Berlin und der Werkführer Engelbert Holzer. Sie nannten ihre Firma Sägewerk Hüfingen e.G.m.b.H. und am 28. Februar 1921 wurde die Firma Boswau und Knauer, e.G.m.b.H. Berlin, Zweigniederlassung Hüfingen ins Handelsregister eingetragen.*1

In Berlin wurde am 18. September 1926 in den Geschäftsräumen der Mitteldeutschen Kreditbank die Silvana-Holzindustrie Aktien-Gesellschaft mit dem Sitz in Hüfingen gegründet. Mit dieser Gründung wurde die Aktien-Gesellschaft Boswau und Knauer um die Mitteldeutsche Kreditbank und die Grundstücks- und Effekten-Verwertung, G.m.b.H. in Heidelberg erweitert. Die Gesellschaft bezweckte den Zusammenschluß der Boswau und Knauer AG. gehörenden Säge- und Imprägnierwerke in Hüfingen, in Aach, in Linza. d.D. sowie der Sägewerke Wolfach zu einheitlichen Betrieben.*1


Im Jahr 1933 ging das Sägewerk an das Haus Fürstenberg über und hieß „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. *1

Im Sägewerk arbeiteten, bis zur Befreiung 1945, von den Nazis entführte Zwangsarbeiter aus dem überfallenen und besetzten europäischen Ausland.

Die Zeit von 1933 bis 1945 liegt bis auf das Tagebuch von Bart Heyning im Dunkeln und laut der Chronik von Hüfingen hieß es bei der Bevölkerung 1984 noch immer „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. Die Zwangsarbeiter wurden nie entschädigt oder irgendwie die Geschichte aufgearbeitet. Nach der Befreiung lief das Geschäft normal weiter, da das Fürstenhaus von den Alliierten weißgewaschen wurde.

Nach dem Krieg entstand 1951 eine „Fürstenberg-Holzgruppe“ mit Sitz in Brüssel wo es die Interessen der Imprägnierindustrie in Europa vertritt.

Stellwerk 2 Hüfingen vor dem Abriss

Abriss im Oktober 1985

FF Sägewerk in den 1980ern

Fotos Hermann Müller (1914-2004)

2017 wurde Fürstenberg-THP aus der Holzgruppe heraus gegründet. Fürstenberg-THP hat den Standort Hüfingen in den vergangenen Jahren durch den Bau einer neuen Imprägnierungsanlage und die Erweiterung der Produktionsanlagen für die Bearbeitung von Eisenbahnschwellen massiv gestärkt.

Imprägnieranlage

Hierfür werden Teeröle oder sogenanntes Kreosot verwendet. Es sind Chemikalien, die durch die Destillation verschiedener Teere und die Pyrolyse von pflanzlichen Stoffen wie Holz oder fossilen Brennstoffen entstehen. Also ein Gemisch das verschiedene Chemikalien enthält. Vielleicht hat schon mal wer von PAK gehört? Also Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe?

Heute gehen wir davon aus, dass der Boden dort nach über 100 Jahren hochgradig verseucht ist. Vor Jahren haben Anwohner den Boden in ihrem Garten untersucht und die Ergebnisse gibt es hier:

Altlastenkartaster

Schellenbergstraße A
Quecksilbergehalte [mg/kg] : 1.85

Schellenbergstraße B
Quecksilbergehalte [mg/kg] : 0.64

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima)

Im Jahr 2022 gab es einen städtebaulichen Vertrag der Stadt Hüfingen mit der Bima für ein ETZ – Einsatz-Trainings-Zentrum für die Zollverwaltung in Hüfingen.

Bei dem Vertrag handelt es sich um ein hinteres Grundstück mit der Flurstücknummer 600. Dieses Flurstück befindet sich im Besitz von der Fürstenberg-Holzgruppe.


Die Bima bezahlt normalerweise eine Bodensanierung, was ziemlich viel Geld kostet. Aber der Fürst wollte auch ziemlich viel Geld für das Grundstück. Dies alles konnte die Bima nicht vor dem Steuerzahler verantworten und hat vom Kauf Abstand genommen.

Jetzt ist es aber so, dass nicht alles Land dem Fürst gehört, ein kleiner Zipfel vorne gehört der Stadt Hüfingen und das Land wurde im Jahr 2021 untersucht.

Das Flurstück 600 im Besitz der Stadt Hüfingen wurde im Jahr 2021 untersucht. Auf diesem Flurstück wurde immer nur Holz gelagert. Die eigentliche Kontamination mit Grundwasserschaden befindet sich weiter westlich.

Nur zur Info: Neben den Hüfinger Tiefbrunnen am Schaafäcker ist der neue Donaueschinger Tiefbrunnen an der Ruckhalde.

Neuer Donaueschinge Tiefbrunnen an der Ruckhalde

Grundwasserschaden in Hüfingen

Hüfingen hat also einen Grundwasserschaden. Das Gelände vom Sägewerk wurde bereits vor 30 Jahren untersucht. Es wurde ein Grundwasserschaden mit Schwermetallen auf dem Betriebsgelände festgestellt. Dieser Grundwasserschaden wurde von 1998 bis 2025 durch eine Grundwasserentnahme mit anschließender Aufreinigung saniert.
Antworten vom Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz zu unserem Trinkwasser


CDU und Freies Forum stimmten am 8. Mai für die Versiegelung des schwer kontaminierten Bodens und die aktive Vertuschung des Grundwasserschadens. Auf der asphaltierten Fläche baut FF-Holz eine Rundbogenhalle mit einer Grundfläche von 25m x 36m (900m²), um in Zukunft den Grundwasserschaden nicht mehr durch Aufreinigung des Wasser bezahlen zu müssen.

Das Argument hierfür war, dass die giftigen Abwässer vom FF Sägewerk ja nicht in unsere Tiefbrunnen gingen, sondern in die Breg. Hier möchte ich auf den Artikel über die Donau hin weisen: Donau ist Nr. 1 bei Schadstoffbelastungen in Europa.

*1 Nach der Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984

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