Wegerecht für alle!

Keine Wegverlegung in die Biberauen am Höllenstein!

Das Mühlöschle ist heute mit einem Gewerbegebiet überbaut

In Hüfingen konnte die Besiedelung schon im Endneolithikum nachgewiesen werden. Diese Zeit ist ca. 2800–2200 v. Chr. und bezeichnet die jüngste, neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ gleichgesetzt. Siehe auch Fürstenberg und Ziegeleschle.

Es gab schon vor dreitausend Jahren um die Breg recht viele Menschen. (Unten ist der Artikel aus dem Gräberfeld im Mühlöschle. )
Die Seemühle wird am 1. März 1291 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Menschen konnten sich nachweislich seit dreitausend Jahren frei zwischen der Seemühle, dem Höllenstein, dem Rotrain und dem Ziegeleschle bewegen.

Im Jahr 1820 hat Fürst Karl Egon mit Hofrath Anton Baur und zusammen mit Freunden der Natur den Weg ausgebaut und einen neuen Steg über die Breg zum Römerbad gebaut. (Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845). Dies war nötig, da es zum einen an der Breg entlang gefährlich war, aber man auch einen Steg benötigte, um auf die andere Seite zu gelangen. Vermutlich war dort auch früher schon ein Steg, da die Menschen vom Mühlöschle in das Ziegelöschle mussten. Unser Alt-Bürgermeister, Anton Knapp, hat diesen Steg wieder bauen lassen. (Bregbrücke).

Heute wird der Weg von vielen Hüfingerinnen und Hüfingern als Naherholungsgebiet genutzt. In den Auen vom alten Mühlenbach, Steinerbächle und Höllenstein leben mindestens zwei Biber und es ist nicht nur ein Biotop, sondern zählt auch als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet).

Wir wollen ein Wegerecht für alle auf den Wegen wie sie seit 3000 Jahren bestehen!

Ein Gräberfeld im Mühlöschle aus der Bronzezeit

8. August 2022

Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden, die von den römischen Anlagen nicht gestört worden waren.

Die Urnenfelderkultur bestand etwa von 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr. in der Urnenfelderzeit. Der Bestattungsritus (Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und die Beisetzung des Leichenbrandes in Urnen) ist durch weitere Kriterien, wie typische Bronze- und Keramikformen, definiert. Die Urnenfelderkultur folgt der Hügelgräberkultur der mittleren Bronzezeit.

Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle
Foto: Karl Schweizer

Grab 1 lag unter dem westlichen Graben der römischen Straße in etwa 1,20 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche, Grab 2 lag in 80 cm Tiefe. *

Beide Gräber durften zusammen mit einer Bronzenadel, die während der Grabung 1957 als Einzelfund geborgen wurde, der Beweis dafür sein, dass sich in der Breg-Schleife, die später von der römischen Siedlung eingenommen wurde, ein urnenfeldzeitliches Gräberfeld befunden hat. *

Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle
Foto: Karl Schweizer

Beide Gräber waren echte Urnenflachgräber ohne weitere erkennbare Grabanlage, bei denen sämtliche Beigefäße und sonstigen Grabbeigaben innerhalb der Urne auf dem Leichenbrand niedergelegt waren.*

Hier eine Liste der Funde von Edward Sangmeister:

Liste der Funde aus Grab 1 (1)
Urne und Beigefäße der Urnenfeldgräber im Mühlöschle (2)
Liste der Funde aus Grab 2 (1)

Beide Gräber seien Musterbeispiele für die gegenseitige Durchdringung der untermainisch-schwäbischen und der rheinsch-schweizeischen Gruppe im Gebiet des Hegaus.

Die Kegelhalsurne aus Grab 1 tendiert gerade wegen ihres Kegelhalses zur untermainisch-schwäbischen Gruppe während in der Verzierung die Halbbuckel, vielleicht auch die Reihe stehender schraffierter Dreiecke auf die rheinisch-schweizerische Gruppe hindeuten.

kammstrichverzierter Schulterbecher (1,2), kannelurenverzierter Schulterbecher (3), flache Deckschale mit Innenverzierung aus Kanneluren (4), Kegelhalsurne (5),

Schalen und Schüsseln mit schwach gewölbter Wandung

Ganz eindeutig zur untermainisch-schwäbischen Gruppe dürfte die Amphore gehören.

Amphore (1), Urne (5), Schulterbecher (3, 7), Schalen (2, 4), flaschenartiges Gefäß (6)

Aufgrund der Keramik ist eher an eine Zugehörigkeit beider Gräber zur rheinisch-schweizerischen Gruppe zu denken, während nur in den Urnen und in der Amphore der Einfluß der untermainisch-schwäbischen Gruppe zu spüren ist.


Urne bei der Ausgrabung 1958
Foto: Karl Schweizer

bronzene Mohnkopfnadel (2), schwalbenschwanzförmiger Anhänger (6a), Anhänger in Kammform mit blitzähnlichen Auswüchsen am Aufhängering (6b),

Eine Begegnung zwischen den Kulturen am Rande der Baar wird durch den Einzelfund der Mohnkopfnadel vom Bereich des ehemaligen Urnengräberfeldes Hüfingen deutlich, mag sie doch belegen, dass hier der Friedhof vielleicht schon in dieser Stufe begann.

Wir befinden uns in einer Zone des Austauschs von Kulturelementen, der in der schwierigen Deutung der letzten Bronzezeiterscheinungen schon faßbar, in der Auseinandersetzung der untermainisch-schwäbischen und der rheinisch-schweizerischen Gruppe der älteren Umenfelderkultur fortgesetzt und in der Vorrangstellung der Schweiz in der jüngeren Urnenfelderkultur besonders deutlich wird. (1)

Edward Sangmeister meinte 1962, dass die Gräber sicher aus Ha A2 seien.

Urnenfeldkultur in Hüfingen

Die Urnenfelderkultur wird in mehrere chronologische Stufen eingeteilt, die als Bronzezeit D, sowie Hallstatt A und B (Ha) bezeichnet werden, da die Unterscheidung zur eisenzeitlichen Hallstattkultur zunächst undeutlich war.

So haben wir hier die späte Hallstattzeit A2. Diese war 1100 v. Chr. bis 1050 v. Chr.

Also sind die Gräber gut 3.000 Jahre alt.

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Grabungen im Mühlöschle 1958. Fotos von Karl Schweizer.


(1) Gräber der Urnenfeldkultur von Hüfingen, Ldkrs. Donaueschingen, Edward Sangmeister, Badische Fundberichte, 22. Jahrgang, Seite 9-13 (1962). Vielen Dank an die Universitätsbibliothek Heidelberg für die digitale Version unter https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0447

(2) Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984.

Neujahrsschießen der Bürgerwehr 2026

Historische Bürgerwehr Hüfingen 1741 e.V beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Wagrain.

2026

Neujahrsschiessen 2026
Vielen Dank Monika Thoma-Walkenbach!
Neujahrsschiessen 2026

2025

Filme und Fotos von Thomas Kring

2024

2023

Historische Bürgerwehr Hüfingen 1741 e.V beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Wagrain mit anschließender Kommandoübergabe.


Die Dekan-Strohmeyer-Krippe in der Trudpertskapelle

Als ich den Artikel über Willibald Strohmeyer schrieb, waren wir in St. Trudpert. Zu meiner großen Überraschung war in der Trudpertkapelle – die übrigens auch in den Wanderblühten erwähnt wird – die Eröffnung einer Krippenausstellung in deren Zentrum die Dekan-Strohmeyer Krippe steht.

Münstertäler Krippenbauer

Der Brauch des Krippenbauens hat in der Schwarzwaldgemeinde Münstertal in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine Renaissance erlebt. Die diesjährige Ausstellung in der Trudpertskapelle ist die 24. seit 1995.

Krippenausstellung in der Trudpertskapelle

Die feierliche Eröffnung ist am Sonntag 21. Dezember um 11:45 Uhr in der Trudpertkapelle.

Öffnungszeiten sind jeweils
montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie
samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.
Letzter Ausstellungstag ist am Sonntag 11. Januar 2026.

Trudpertskapelle

Dekan-Strohmeyer-Krippe

(Willibald Strohmeyer, Pfarrer in St. Trudpert von 1909 – 1945)

Pfarrer-Krippen sind in der Regel große Kirchenkrippen.
Das gilt in ganz besonderem Maße für die Dekan-Strohmeyer-Krippe, die alljährlich zur Advents- und Weihnachszeit von 1912 bis 1960 das barocke Gotteshaus St. Trudpert schmückte.
Beim jüngsten Aufbau dieser Krippe wurden überraschenderweise Reste einer Zeitung zu Tage gefördert – mit dem Datum 26. April 1870 – erschienen in der damals in Karlsruhe gedruckten Zeitung Badischer Beobachter.

Es war die Zeit von Strohmeyers Amtsvorgänger Alois Baur, der im Jahre 1863 aus Sterzing in Tirol kommend Pfarrer in St. Trudpert wurde (1863-1909). Die ältesten Krippenteile und Figuren tragen deutlich die Handschrift von Pfarrer Alois Baurs Südtiroler Heimat.

Während Strohmeyer’s Amtszeit in St. Trudpert wurde die Krippe seit dem Jahre 1912 (diese Jahreszahl ist auf einem der Krippenbauteile gut lesbar) von ihm unter fleißiger Assistenz seines langjährigen Messners Johann Franz im Chor von St. Trudpert alljährlich aufgebaut – auch noch etliche Jahre über Strohmeyer’s Tod hinaus.

Als unter Pfarrer Hermann Meier (1950-1975 in St. Trudpert) ab Weihnachten 1960 eine neue Kirchenkrippe die Barockkirche schmückte, geriet die Strohmeyer-Krippe in Vergessenheit.

Die Münstertäler Krippenbauer haben in mühevoller Kleinarbeit die verstreuten Einzelteile wieder so zusammengefügt, dass daraus der weitgehend ursprüngliche Krippenberg geworden ist auf 3,5 Metern Breite, 1,8 Metern Höhe und 1,5 Metern Tiefe.

Ein glänzendes Beispiel tiefer Religiosität und ungebrochener Brauchtumspflege ist damit auch nach mehr als 100 Jahren für die Nachwelt erhalten geblieben.



Trudpertkapelle mit der Gruft

Wer hin geht, vergesst die Gruft nicht zu besuchen mit der Quelle und der Geschichte zum Heiligen Trudpert!

Um das Jahr 607 hat der Heilige Trudpert im Münstertal eine Einsiedelei gegründet und wurde von zwei Knechten mit einer Axt erschlagen. Nach der Legende entsprang an dem Ort, an dem St. Trudpert starb, die Trudpertsquelle. Sie wurde im 18. Ih. gefasst und in die Gruft unter der Kapelle geleitet.

Die Trudpertskapelle wurde anstelle eines älteren Rundbaues 1698 erbaut und 1731 konsekriert. Danach begann eine Blüte der Trudpertsverehrung mit achttägigen Feierlichkeiten Hauptfestzeit und Wallfahrtsprozessionen aus der weiteren Umgebung. Heute wird der Sonntag nach dem 26. April von der Gemeinde als Trudpertsfest begangen. In feierlicher Prozession wird an diesem Tag der barocke Reliquienschrein von 1714 um Kapelle, Kloster und Pfarrkirche getragen.

Die Brunnenkapelle, Gruft genannt, wird von einem Barockgitter abgeschlossen. Der symbolische Sarkophag des Heiligen wird von Skulpturen Ehrentrud und Rupert, nach der Legende Geschwister des Heiligen Trudpert, flankiert.

Ehrentrud

Trudpert

Rupert

Weiterer Fun Fact für Mundelfingen

Um 800 entstand das erste Benediktinerkloster rechts des Oberrheins, das 1632 durch die Schweden vollkommen zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau durch den Vorarlberger Baumeister Peter Thumb, wurde die jetzige Pfarrkirche St. Trudpert 1727 geweiht.

Pfarrkirche St. Trudpert

Zum 100. Geburtstag von Bertold Hummel

Vielen Dank für den Beitrag an Prof. Martin Hummel, der dies als Vortrag beim Neujahrsempfang 2025 über seinen Vater Bertold Hummel gehalten hatte.

Prof. Martin Hummel am 5. Januar 2025

Lieber Herr Bürgermeister Haas – liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hüfingen!

Es freut mich sehr, heute hier zu sein und ich gratuliere Ihrem Bürgermeister, dass er den Mut hatte, bei seinem ersten Neujahrsempfang als Bürgermeister der Stadt, mich, den Sohn von Bertold Hummel hier heute ans Pult zu lassen. Denn bei einem Neujahrsempfang ist es eigentlich nicht üblich gleich 100 Jahre zurückzublicken.

Ich denke, das ehrt Sie, Herr Haas, denn Sie scheinen zu wissen, dass Zukunft für eine Stadtgesellschaft ohne das Bewusstsein von Herkunft selten vernünftig ist.

Dass in Hüfingen Geschichte präsent ist, sieht man am Stadtbild, an der langen Tradition der Vereine sowie am klug konzipierten Stadtmuseum, für das sich Ihre Ehrenbürgerin Eva von Lintig, eine Freundin meines Vaters aus Kindertagen, so unvergleichlich engagierte.

Bertold Hummel
1993 mit Eva von Lintig,

mit Max Gilly und seiner Frau Inken Hummel,

1996 mit Anton Knapp

Ihr Vater der Arzt und Orchideenschützer Dr. Erwin Sumser, der wiederum mit meinem Großvater dem Hüfinger Lehrer und Kirchenmusiker Gustav Hummel gut befreundet war, war es, der meinen Vater hier vor hundert Jahren im benachbarten Schellenberghaus am 27. November 1925 ans Licht der Welt hob.

Auf diesen Bildern sehen Sie, dass die Behausung eines Lehrers damals noch nicht ganz so repräsentabel war, wie das prachtvolle Schellenberghaus heute den Eindruck machen könnte. Es musste damals darin sehr beengt zugegangen sein, sagte man.

Die ersten sieben Jahre seiner Kindheit lebte mein Vater unbeschwert hier in der Geborgenheit der Familie, mit seinen Eltern und den drei deutlich älteren Geschwistern. Er wird Benni genannt, der Jüngste. Fotographien zeigen ein geliebtes Kind in kurzen Hosen, festtags im Matrosenanzug.

1927

1927

1930

In Hüfingen nahm er die vielen musikalischen Eindrücke auf, die diese klingende Stadt zu bieten hatte. Sein erster großer musikalischer Eindruck, erzählte er, war eine Aufführung der Oper Freischütz durch den hiesigen Gesangsverein. Das Orgelspiel seines Vaters, Hausmusik, Kirchengesänge und die Fronleichnamsprozessionen, die er hier erlebte, entzündeten seine musikalische Fantasie.

Nach dem Osterfest 1932 wurde er eingeschult und obwohl er bereits im Herbst desselben Jahres mit seiner Familie nach Merzhausen bei Freiburg übersiedelte, wurde er bis zu seinem Lebensende in regelmäßigen Abständen zu den Hüfinger Klassentreffen eingeladen, die er auch immer wieder gerne besuchte.


Bis 1955 lebte er mit seinen Eltern in Merzhausen und studierte von dort aus – nach Krieg und Gefangenschaft in Frankreich – an der neu gegründeten Freiburger Musikhochschule Violoncello und Komposition.

1959 Kinderchor St. Konrad


Bis 1963 war er Kirchenmusiker in Freiburg St. Konrad und komponierte und musizierte als freier Mitarbeiter des Südwestfunks für zahlreiche Rundfunkproduktionen. Als Komponist machte er sich schnell einen Namen und so wurde bereits 1951 bei den Donaueschinger Musiktagen eine Messe und 1957 im Freiburger Stadttheater eine Kammeroper von ihm uraufgeführt.

Ich möchte Sie nicht mit zu vielen Details ermüden, man kann sie im Netz nachlesen. Deshalb sei hier nur kurz sein weiterer Weg skizziert:

1963 zieht er mit seiner Frau Inken, die er in Freiburg beim Streichquartettspiel kennenlernte, und seinen 4 Söhnen nach Würzburg, 1968 sollen es dann sechs Söhne werden. In Würzburg hatte er sich erfolgreich um eine Kompositionslehrerstelle am Staatskonservatorium beworben. Hier war er von 1979-1987 Präsident der Musikhochschule und prägte das kulturelle Leben der Stadt in dieser Zeit maßgeblich. Er wurde u.a. mit dem Kulturpreis der Stadt Würzburg, dem Kulturpreis der Deutschen Katholiken sowie dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und war ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste.

Bei noch so vielen beruflichen und familiären Verpflichtungen (bis zu seinem Lebensende betreute er immer wieder gerne seine 16 Enkelkinder) komponierte er unbeirrt ein Werk nach dem anderen. Seine Kompositionen wurden und werden in vielen Ländern aufgeführt. Er schrieb für die Berliner Philharmoniker ebenso wie für das Blockflötenensemble der Musikschule.
Er liebte die Menschen und sagte:

Als Komponist fühle ich mich der Gemeinschaft, in der ich lebe, verpflichtet. Mein Bestreben ist es, einen bescheidenen Beitrag zu leisten bei dem Bemühen, die Welt humaner und lebenswerter zu gestalten.

Nun wieder zu Hüfingen. Hier lebte seine Schwester Erika, die mit dem hiesigen Betriebsleiter des Elektrizitätswerkes an der Seemühle Franz Josef Mayer verheiratet war und ihr ganzes Leben in Hüfingen verbrachte.

Regelmäßig, wenn er im Herbst im benachbarten Donaueschingen die Konzerte für Neue Musik mit seinen Studierenden besuchte, übernachtete er bei seiner Schwester und ließ sich den neuesten Gossip aus Hüfingen erzählen.

So war er hier nie ein Unbekannter und als ihn Bürgermeister Max Gilly im Jahr 1984 fragte, ob er nicht für die 900-Jahr-Feier der Stadt Hüfingen eine Festmusik schreiben wolle, sagte er sofort zu. Und weil, wie er damals süffisant bemerkte, im Gegensatz zu den Donaueschingern, die für ihre Musiktage immer das SWF-Orchester Baden-Baden benötigen, die Hüfinger auf eine traditionsreiche Stadtkapelle zurückgreifen konnten, wurde sein Werk Musica urbana der Hüfinger Stadtmusik auf den Leib geschrieben.

Hier ein Foto der Probe mit dem Komponisten.



Sie hören also heute wohl proportioniert dieses Werk in drei Teilen. Im eben gehörten 1. Satz haben sie unschwer den Choral „Lobe den Herren“ dem heutigen festlichen Anlass entsprechend erkennen können. Im 2. Satz dachte er an die flotten Märsche der Stadtmusik und man hört die Melodie, die im Hüfingen seiner Kinderzeit mit dem Text unterlegt wurde:
David wenn de Brot witt, in de Schublad liit en Aschnitt

Im 3. Satz, der mit Volkslied und Ausklang betitelt ist, erklingt das von ihm sehr geliebte und mehrfach bearbeitete alemannische Lied
Han ame ort ä Bluemli gsäh, ä Bluemli rot un wiiss
und dazu gibts den Hüfinger Narrenmarsch:
Hans blieb do, du woascht jo nit wiäs Wetter wird.

Wie Bürgermeister Gilly damals in seiner Dankesrede bemerkte, brauchte Hummel allerdings ein paar Anläufe bis der ganze Marsch zu erkennen war. Ja so ist das halt bei den modernen Komponisten. Zur Vervollständigung sei noch berichtet, dass im Jahr 1996 die Familie Hummel ein Festkonzert in der Stadthalle gestaltete und im Jahr 2000 Filmaufnahmen zum 75. Geburtstag des Komponisten stattfanden.

Zwei Jahre nach Hummels Tod enthüllte Bürgermeister Knapp eine Gedenktafel von Bernhard Wintermantel am Schellenberghaus.

Bernhard Wintermantel,
Inken Hummel und
Anton Knapp
im Jahr 2002 bei der Einweihung der Gedenktafel.

Heute beginnt also hier in Hüfingen der Reigen der Aufführungen seiner Werke im Jubiläumsjahr und wird bereits am nächsten Sonntag in der Hamburger Elbphilharmonie fortgeführt. Veranstaltungen u.a. in Freiburg, Frankfurt und Würzburg werden in diesem Jahr an Bertold Hummel erinnern.

Wir, die Familien Hummel, Himmelseher und Mayer, danken dem Bürgermeister und der Stadt Hüfingen für diesen festlichen Rahmen zum Einläuten des Gedenkjahres.

Werke von Dichtern und Malern können, wenn sie einmal geschaffen sind, von jedem Menschen jederzeit nachgelesen und betrachtet werden. Das Werk eines Komponisten muss von lebendigen, viele Jahre gut
ausgebildeten Musikerinnen und Musikern nachgeschaffen und zum Klingen gebracht werden. Es erlischt im Moment des letzten Tons.

Ganz besonders herzlich möchte ich mich deshalb bei dem jungen Hornisten Serkan Özyildirim, bei Herrn Otmar Mayer und den wunderbaren Musikerinnen und Musikern der Hüfinger Stadtmusik und ihrem exzellenten Dirigenten Herrn Burger bedanken, die sich mit dem Werken meines Vaters so gründlich auseinandergesetzt haben und uns deshalb heute seine Musik so nahe bringen können. Vielen, vielen Dank!

Nun wünsche ich noch einen guten weiteren Verlauf der Veranstaltung und der Stadt Hüfingen ein prächtiges Jahr 2025!
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Hat Glas den Ersten Weltkrieg entschieden?

Feldstecher von Uropi

1915 trifft sich ein Vertreter des Royal Empire hochgeheim an einer Deutsch-Schweizerischen Grenzlinie am Hochrhein mit Abgesandten des grossen preußischen Heerführer Wilhelm II. Vielleicht am Zollhäusle zwischen Fützen und Beggingen? Oder unterm dusteren Eichendach auf der Dissenhofer Rheinbrücke? Genau weiss mans nicht. Auf jeden Fall verkaufen die geschäftssinnigen Abgesandten von Zeiss in Jena unter Vermittlung der Gnomen aus Zürich 35.000 Ferngläser, Zielfernrohre, Periskope und Zieleinrichtungen für Kanonen an den Feind, die Briten. Das weiss man genau. Weil die Zeissianer und die Schottianer Flint- und Cronglas am allerbesten auf der Welt zu optischen Linsen verkochen und in Feinstmechanik verbauen können, das können sie noch viel besser als verkaufen, haben die Glasexperten von Wilhelm II zunächst  Trümpfe in der Hand. Wie wir später sehen werden aber auch den rappenschwarzen Peter.

Die Royal Army hat aber auch Asse im Ärmel. Denn das Empire hat vormals Kautschuk Pflanzen in Brasilien erbeutet, gemopst und in ihren Fernost Kolonien kultiviert, veredelt und in riesigen Sklaven-Plantagen ertragreich multipliziert. So wurden sie die Gummiweltmarktführer. Die Glaskunst und deren optische Optimierung haben sie und auch die Franzosen jedoch verschlafen, vernachlässigt, verlappt. So wie die Deutschen das Gummi Geschäft. Um aber erfolgreich Krieg führen zu können brauchte man für die beginnende Motorisierung Reifen, Keilriemen, Gummiplanen und Schläuche aller Art. Wie ist das nochmal mit den berüchtigten „deal makern“, die die Worte Anstand, Moral, Gewissen nicht in ihrem Brainfundus haben? Das ist nicht nur heute so, das war und ist schon immer so gewesen.

Also machten die deal maker per Handschlag und Salut folgenden Deal:

Weil wir für unser Militär keinen Gummi haben, und ihr keine Zielfernrohre, bekommt ihr von uns sofort 35.000 Ferngläser und wir viele Tonnen von Kautschuk. Vieviel Tonnen wissen wir zwar nicht, aber die Helvetischen Gnomen haben das pekuniär und physisch schnell abgewickelt. In Jena müssen die Ferngläser parat gelegen sein. Vermutlich für die Deutschen Infanteristen, Matrosen und Scharfschützen. Die dann denen natürlich zwangsläufig fehlten. Weitere 10.000 Einheiten wurden auf Abruf bestellt und später nach eiliger Produktion auch noch geliefert. Endlich konnten die Kruppianer und die Mannesmänner wieder Motoren,  Fahrzeuge, Fahrräder und Motorräder bauen, mit denen  die Truppe wieder schneller und bequemer an die Schützengräben kamen. Auf der anderen Seite lauerten aber schon Scharfschützen mit neuester Zeiss Weltklasseoptik auf mit frisch gummibereiften Zweirädern angeradeltes Gewehr- und Kanonenfutter. Auch die neuen Zeiss Marine Periskope der Royal Marines sichteten die mit neuen Ostfriesen-Gumminerzen gischtgeschützten Matrosen auf dem seefesten Kaiser (Minenschiff „Kaiser„) messerscharf und zielsicher.

Es gibt Historiker die glauben, dass geniale Deutsche Glaskunst den Kriegsausgang maßgeblich beeinflusst hat. Glas versus Gummi – der Tod soll ein Meister aus Deutschland sein. Aber wie wir sehen, nicht nur aus Deutschland.

100 Jahre später und ein „L“ weniger im Wort , wird GAS statt GLAS zur kriegsentscheidenden Handelsware mit ähnlich wirkmächtigem, tödlichem Sponsoring des Aggressor.

Da sage noch einer Geschichte wiederhole sich nicht.

  • Zielfernrohr


Quellen
*1Ed Conway, Material World, ab S. 58 Die Glas-Hungersnot, Glasfamin des Empire. (2024)
*2 A.König, Die Fernrohre und Entfernungsmesser, Naturwissenschaftliche Monographien und Lehrbücher. (1923)

Villa Rustica in Deggenreuschen

Ruinenweg in Deggenreuschen
Ruinenweg in Deggenreuschen

In Akte über die Erstellung der Anlage am Rotrain ist viel von den römischen Altertümern die Rede. Allerdings wussten die Hüfinger damals noch nichts von der Villa Rusica, die Prof. Dr. Paul Revellio (aus einer Hüfinger Familie) 1913 ausgegraben hatte. Man kann aber sicher sein, dass Dr. Paul Revellio viel über die Anlage am Rotrain und auch das Deggenreuschen Elseli wusste. Die Hüfinger „Mutter Courage“ hatte hier Zuflucht gesucht, nachdem sie vor dem Württembergischen Militär während des „Hüfinger Blutbades“ am 15. Oktober 1632 geflüchtet war. Dort soll sie sogar das Badezimmers genutzt haben. Das Deggenreuschen Elseli ist heute noch im Wald und lacht von oben aus dem Bäumen die dummen Menschen aus.

Alles was an die Ausgrabungen von 1913 erinnert ist ein einsames Schild mit der Aufschrift „Ruinenweg“. Ich vermute, dass die Funde heute in Freiburg irgendwo in einem Archiv schlummern. Von der ausgegrabenen Villa ist nicht mehr viel zu sehen. Nicht mal ein Schild weist auf die Ruine hin.
Unten die Artikel von Prof. Dr. Paus Revellio hierzu, von denen ich am 29. September 2020 Teile veröffentlicht hatte.

Dr. Paul Revellio 1921(*1+2)

Im Jahre 1903 stießen Waldarbeiter beim Suchen nach Steinen am Südostrand des Deggenreuschenwaldes auf Mauerwerk. W Rieger stellte fest, daß es sich um die Trümmer einer villa rustica handeln müsse und legte auch bereis einen Raum der Anlage frei. Seine Grabungen wurden sehr erschwert durch den Hochwald, der den Platz der Villa damals bedeckte, und deshalb aufgegeben. Inzwischen ist der Wald gefällt und bald darauf der Platz von neuem bepflanzt worden, so daß, wenn jetzt die Untersuchung nicht vollständig durchgeführt wurde, in absehbarer Zeit ganz darauf verzichtet werden mußte. So hat denn der Gemeinderat der Stadt Hüfingen auf meine Anregung hin die nötigen Mittel für die Grabungen bereit gestellt. Diese fanden im August und September 1913 statt.

Vila rustica Hüfingen gezeichnet von Dr. Paul Revellio 1913 (2)
Vila rustica Hüfingen gezeichnet von Dr. Paul Revellio 1913 (2)

Auf halber Höhe eines sanften Hanges gelegen die Front nach Südosten gerichtet, so daß Morgen- und frühe Mittagssonne ungehindert Zutritt hatten, gewährte die Villa einen weiten Blick hinüber zur Länge und zum Wartenberg und war durch den überhängenden Hang doch geschützt gegen die kalten Nordwinde. Dazu ist in nächster Nähe eine Quelle.

Von Einzelfunden wäre zu erwähnen: 2 Fibeln, 6 Münzen: eine keltische, eine von Vespasian, zwei von Trajan, eine von Valerian dem jüngeren und eine des Tetricus , eine Schnalle, und Zierbleche aus Bronze, eine Kuhglocke, Türbänder aus Eisen, Schiebeschlüssel, Scherben von terra sigillata sowohl verzierte, wie unverzierte Ware und gewöhnliches Geschirr.

Dr. Paul Revellio 1921 (*2):

Um einen quadratischen Hof gruppieren sich Wohn- und Wirtschaftsräume. Die Schauseite des Gehöftes zeigt eine Querhalle flankiert von zwei Ecktürmen. Hier und an der sonnigen Süd- und Südwestseite liegen die Wohnräume, darunter meistens eine kleines Badezimmer mit Hypokaustenheizung.

Badezimmer der villa rustica.
Das Bild zeigt die unterste Lage der Heizkacheln, durch die die warme Luft des Kohlbodens in die Höhe steigt und die Wand erwärmt. Die Kacheln sind da, wo sie den Boden verlassen, durch einen Viertelrundstab gegen Beschädigungen geschützt und an ihrer Vorderseite geraut, damit der Wandstuck besser haftet.
(*2)

Dr. Paul Revellio 1921 (*2):

Wohnkeller der Hüfinger Villa
Wohnkeller der Hüfinger Villa

Nie fehlt der sorgfältig ausgemauerte Wohnkeller mit halbrunden Nischen und Lichtschacht und einem steinernen Tisch in der Mitte zur Aufstellung des besseren Geschirrs. Ein Blick auf die Villen von Hüfingen und Hausenvorwald zeigt, daß sie sich überdies ungefähr auch noch in der Größe entsprechen. Sie bedecken ein Quadrat von rund 100 römischen Fuß Seitenlänge und sie haben diese Eigenschaft gemeinsam mit einer gleich gebauten Villa von Alpnach-Dorf in der Schweiz, in der sich Stempel der 21. und 11. Legion gefunden haben. Es ist wohl nicht anders: Ein Baukommando der 11. Legion hat an diesen Villen gebaut und ihre Bewohner sind zumeist alte Veteranen, die hier eine Kriegerheimatstätte bekamen.

Dr. Paul Revellio 1921 (*1):

Die Entstehung der Anlage fällt in die Zeit bald nach dem Jahre 74 wohl sicher noch in das erste nachchristliche Jahrhundert.
…
Das Gebäude ist durch Feuer zerstört worden., wie der bei der Ausgrabung gefundene Brandschutt beweist. Ein glücklicher Fund belehrt uns auch über die Zeit der Zerstörung. Beim Ausräumen des Kellers fanden sich etwa 1 m über dem eigentlichen Kellerboden 2 römische Münzen und eine barbarische Nachahmung einer römischen Münze, die alle aus der Zeit 265-270 stammen.
…
Hier hatte sich vielleicht eine alamannische Horde vorübergehend gelagert und dabei diese Münzen verloren. Wie dem auch sei: die Villa war ums Jahr 270 n. Chr. eine Ruine, und das stimmt nur zu der allgemeinen Annahme, daß der Limes um das Jahr 260 von den Römern aufgegeben wurde.

Dr. Paul Revellio 1920 (*1):

Man hat beobachtet, wie gerade diese einfachen Bauten in regelmäßigen Abständen längs der Straße wiederkehren und hat daraus geschlossen, daß diese Bauten mit Staatshilfe errichtet und ausgedienten Legionären als Zivilversorgung überwiesen wurden, vielleicht gegen die Verpflichtung die Straße zu unterhalten und einen Teil des Ertrages ihrer Wirtschaft, man ist fast geneigt an den Zehnten zu denken (agri decumates), zur Verproviantierung der benachbarten Kastelle abzuliefern. Diese regelmäßige Anlage der Gehöfte längs der Straße stellt sich auch immer mehr für unsere Baar heraus. Kaum 2 km südöstlich von unserer Villa wurde im Jahre 1833 eine solche mit ähnlichem Grundriß auf dem Auenberg bei Hausenvorwald freigelegt, weitere 2 km nach Osten traten in unmittelbarer Nähe des Röhrlebachbrunnens römischer Mauerschutt, Tonscherben und eine Münze des Claudius zutage, sichere Zeugen einer Villa.

3 km weiter nach Westen konnte ich im Herbst 1913 am Fuße des Fürstenbergs am Südrand des Städtchens ein weiteres Gehöft auffinden. Ein Loch, das mir der Landwirt Jakob Gut auf seinem Grundstück auf meine Vermutungen hin machte, förderte sofort Bruchstücke von Leistenziegeln, Heizkacheln, Ziegelbeton, polierte Alabasterplätttchen zutage. Der Platz wurde vom Volk „Ziegelbühl“ genannt. In seiner unmittelbaren Nähe befindet sich eine Quelle. In den benachbarten Äckern ließen sich die Spuren von Nebengebäuden erkennen. https://hieronymus-online.de/villa-rustica-in-fuerstenberg/
…
Von Hüfingen bis Schwenningen ist nicht eine einzige mit Sicherheit nachgewiesen. Münz- und andere Funde fehlen auf dieser Strecke fast vollständig. Man wird sich bei der Suche vor allem von den Quellen führen lassen müssen, die sich bei Hüfingen als untrügliche Begleiter der ländlichen Gehöfte erwiesen haben.

So zahlreich wie bei Hüfingen werden wir sie nicht erwarten dürfen. Erfahrungsgemäß häufen sich diese Villen im Schutze und in der Umgebung der militärischen Stützpunkte.

Es ist eine Pflicht des Dankes, der Unterstützung und Förderung zu gedenken, die die Ausgrabungen durch den Gemeinderat der Stadt Hüfingen und vor allem durch den damaligen Bürgermeister Bausch erfahren haben.

Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)
Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des IV. Jahrhunderts. Oben ein Teil der Peutingerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg). Silva marciana ist der Schwarzwald und der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee. (https://tp-online.ku.de)

Wer mehr über die Römerstraße wissen will, soll hier gucken:
https://hieronymus-online.de/brigobannis-roemerstrassen-und-peutingerkarte/

Hier ist das Deggenreuchen Elseli:
https://hieronymus-online.de/das-deggenreuschen-elseli/

Und hier über die Entstehung der Hüfinger die Anlage:
https://hieronymus-online.de/anlage-auf-dem-rotrain-1820-1845/


(*1) Ein römisches Bauernhaus im Deggenreuschenwald bei Hüfingen von Dr. Paul Revellio in den Schriften der Baar 14 (1920)
(*2) Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921)

Das „Belvedere“ auf dem Schützenberg in Allmendshofen

Dr. Jörg Martin, F.F. Archiv Donaueschingen

Hermann Sumsers (1944–2024) Todestag jährt sich in diesen Tagen zum ersten Mal. Obwohl Sumser dem Verfasser persönlich unbekannt war, beeindrucken die Schriften des Hüfinger Architekten durch das sich in ihnen spiegelnde Engagement für die Baudenkmale der Baar. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen sich als kleine Ergänzung zu den anregenden Ausführungen Sumsers über das Donaueschinger „Belvedere“, jenem Gartenhaus oberhalb des Getränkemarkts Biedermann, um dessen Erhalt Sumser vor 20 Jahren mit Erfolg gekämpft hatte.*1 Sie seien seinem Andenken gewidmet.

„Belvedere“ Donaueschingen, Nordseite mit Treppenaufgang und fensterlose Westseite, Oktober 2025. Foto: FFA Donaueschingen.
„Belvedere“ Donaueschingen, Nordseite mit Treppenaufgang und fensterlose Westseite, Oktober 2025. Foto: FFA Donaueschingen.

Zwischen Donaueschingen und Hüfingen schiebt sich ein Ausläufer des Schellenbergs bis in die Niederung von Brigach und Breg vor, an seinem Fuß entspringt die Juniperusquelle mit dem Allmendshofener Brunnenbach. Von der Höhe genoss man ehedem, bevor Baumbewuchs und Neubauten den Blick verstellten, einen schönen Blick auf Donaueschingen und die Donauniederung. Dort steht auf einem Aussichtspunkt ein kleines Gartenhaus, das Anfang der 2000er Jahre überraschend aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf wiedererweckt wurde. Als die Stadt Donaueschingen das Gelände im Zuge der Erschließung des Baugebiets „Bühlstraße“ als ökologische Ausgleichsfläche erworben hatte, erkannte man die geschichtliche Bedeutung des anfänglich zum Abriss vorgesehenen Gebäudes. Den Bemühungen der Stadtverwaltung, des Landesdenkmalamts (Monika Loddenkemper) und des beigezogenen Architekten Hermann Sumser ist es zu verdanken, dass das von Loddenkemper und Sumser wegen des schönen Ausblicks treffend als „Belvedere“ benannte Häuschen*2 nicht nur 2003 in das Denkmalbuch eingetragen wurde,*3 sondern überdies in den Jahren 2007 und 2008 fachgerecht restauriert wurde.*4

In der Tat handelt es sich keineswegs um einen einfachen Schuppen für die Lagerung von Gartengeräten, wie schon der rund 1 Meter hohe, aus sorgfältig behauenen Sandsteinen gemauerte Sockel zeigt.*5 Mit rund 5,5 Metern auf 6 Meter ist die Grundfläche fast quadratisch. Eine Tür auf der Ostseite führt in einen kleinen Kellerraum. Über dem Sockel erhebt sich ein über drei Meter hoher Fachwerkbau mit einem Walmdach; die Außenwände sind verschindelt, das Dach mit Ziegeln gedeckt. Die Höhe der Fenster und des Raums sowie das Walmdach mögen entfernt an Goethes Gartenhaus in Weimar erinnern, das bei der Planung vielleicht Pate stand. Über eine an der Nordseite wiederum aus Sandstein gemauerte Treppe gelangt man in das Erdgeschoss des Gebäudes, wo man von einem einzigen, hohen Raum empfangen wird. Lichte, hohe Sprossenfenster, ein hellgrüner Lambris und ein weißer Keramikkamin verweisen in die Zeit des Klassizismus; eine etwas jüngere Tapete mit neogotischer Architektur dank einer von Sumser gefundenen Unterlage aus dem Jahr 1837 in den Biedermeier. Kamin und Tapete sind zugleich die einzigen Anhaltspunkte für das hohe Alter des Bauwerks, während sich der Bauherr an keiner Stelle zu erkennen gibt.

Blick vom Schützenberg auf Donaueschingen, Aquarell von Wilhelm Thierry, 1819. Vorne die heutige Friedrich- Ebert-Straße mit dem Gasthaus „Schwanen“ (links, Friedrich-Ebert-Straße 18) und den Häusern Friedrich-Ebert- Straße 25 und 22, an der Stelle des großen Hauses rechts befindet sich heute ungefähr der Straßenkreisel. Im Hintergrund die Josefstraße und das Residenzviertel. Fürstl. Fürstenbergische Sammlungen (FFS) Donaueschin- gen, Zeichnung 754. Eine sehr ähnliche Ansicht wurde 1819/20 von Franz Epple (1791–1856) in Öl gemalt (FFS Donaueschingen, Gemälde 835) und als Lithographie in den Druck gegeben (FFS Donaueschingen, Grafik 551).
Blick vom Schützenberg auf Donaueschingen, Aquarell von Wilhelm Thierry, 1819. Vorne die heutige Friedrich-Ebert-Straße mit dem Gasthaus „Schwanen“ (links, Friedrich-Ebert-Straße 18) und den Häusern Friedrich-Ebert-Straße 25 und 22, an der Stelle des großen Hauses rechts befindet sich heute ungefähr der Straßenkreisel. Im Hintergrund die Josefstraße und das Residenzviertel. Fürstl. Fürstenbergische Sammlungen (FFS) Donaueschingen, Zeichnung 754. Eine sehr ähnliche Ansicht wurde 1819/20 von Franz Epple (1791–1856) in Öl gemalt (FFS Donaueschingen, Gemälde 835) und als Lithographie in den Druck gegeben (FFS Donaueschingen, Grafik 551).

Loddenkempers und Sumsers Annahme, den ersten Eigentümer des Anwesens in der Fürstenfamilie zu Fürstenberg suchen zu müssen,*6 dürfte allerdings unzutreffend sein, wie eine Recherche in den einschlägigen Archivalien ergab. Vielmehr war es der fürstenbergische Regierungspräsident Joseph Kleiser von Kleisheim (1760–1830), der sich hier ein Refugium geschaffen hatte. Mit dem von den Fürsten zu Fürstenberg betriebenen Ausbau Donaueschingens zur Residenz und der immer weiter in Richtung Allmendshofen ausgedehnten Anlage des Schlossparks strebten auch die fürstenbergischen Beamten in das Donaueschinger Umland. Das augenfälligste Zeugnis für den Willen der Beamtenschaft, zusammen mit den Fürstenbergern das Residenzumfeld zu gestalten, dürfte das von Leopold von Lassolaye errichtete Schlösschen auf dem Wartenberg gewesen sein. Weniger exponiert war das Anwesen des Majors von Koller an der Josefstraße (der spätere „Karlshof“, Josefstr. 12). Unmittelbar unterhalb Kleisers Gartenhaus entstand mit der Villa des Hofkammerrats Joseph Ignaz Fischer ein Landgut, dessen freie Lage in der Flusslandschaft nach wie vor bezaubert (heute Getränke Biedermann, Friedrich-Ebert-Str. 31). Diesen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenen Bauten ist das Gartenhaus Joseph Kleisers beizustellen.

Als Baujahr des Kleiser’schen Gartenhauses gibt ein undatiertes Verzeichnis der Häuser in der Donaueschinger Josefstraße das Jahr 1809 an.*7 Nach außen hatte der 49-jährige Kleiser – aus einfachsten Verhältnissen in Urach (Stadt Vöhrenbach) stammend – damals den Höhepunkt seiner Karriere als fürstenbergischer Beamter erreicht.*8 Seit 1801 zum Präsidenten der fürstlichen Regierung und Kammer berufen, oblag ihm nicht nur die Leitung der fürstenbergischen Verwaltung und Gerichtsbarkeit, sondern er nahm auch die außenpolitische Vertretung Fürstenbergs wahr, die in der napoleonischen Umbruchszeit mit der Mediatisierung des Fürstentums zugunsten vor allem des neu entstandenen Großherzogtums Baden mehr als schwierig war. 1804, nach dem Tod des Fürsten Karl Joachim zu Fürstenberg, der Kleiser 1796 in den Adelsstand erhoben hatte, rückte dessen Großneffe Karl Egon zu Fürstenberg aus der böhmischen Linie der Familie in der Herrschaft nach. Der erst 5-jährige Knabe wurde der Vormundschaft eines entfernten Onkels, des Landgrafen Joachim zu Fürstenberg unterstellt, der seinerseits Kleiser zu seinem Untervormund ernannte mit umfassender Vollmacht für alle Amtsgeschäfte. Bei der häufigen Abwesenheit des Landgrafen war Kleiser damit in den Jahren 1804 und 1805 der fast unbeschränkte Herrscher über das fürstenbergische Staatswesen. Beim Übergang des Fürstentums an das neu gebildete Großherzogtum Baden wurde Kleiser in der Vormundschaft 1806 ausdrücklich bestätigt. Als mit der Einführung des Code Napoleon 1809 die Stellung der Mutter des Fürsten, Elisabeth zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Thurn und Taxis, rechtlich gestärkt wurde, erhielt Kleiser das Amt eines „Gegenvormunds“. Glücklich war er darüber nicht, denn Fürstin Elisabeth gedachte keineswegs, ihn in irgendeiner Weise einzubinden. Kleisers Versuche, sich an der Erziehung des jungen Fürsten zu beteiligen, wies sie vielmehr schroff zurück.*9 Freilich war das Verhältnis zwischen der Fürstin und Kleiser schon zuvor gestört, weil Elisabeth die Ergebnisse von Kleisers außenpolitischen Missionen als ungenügend empfand – wie sie später selbst auf dem Wiener Kongress erfahren musste, wohl zu Unrecht, denn von den Gewinnern des napoleonischen Umbruchs irgendwelche Zugeständnisse für das fürstenbergische Staatswesen zu erreichen, stellte sich weitgehend als Unmöglichkeit heraus. Als sich Kleiser nach der Übernahme der fürstenbergischen Gerichtsbarkeit durch Baden im Jahr 1813 die Möglichkeit eines Wechsels in den badischen Beamtendienst eröffnete, ergriff er diese Gelegenheit, und die Fürstin ließ ihn ziehen. Den Wegzug von Donaueschingen begriff Kleiser, der auch im badischen Staatsdienst als Richter in Meersburg und als Kreisdirektor in Konstanz hohe Positionen erlangte, als endgültigen Abschied von der heimatlichen Baar.

Das Wappen des 1796 geadelten Kleisers über dem Wiesenplan, Zeichnung ohne Jahr. FFA Donaueschingen, Karten, Kasten I/2/138 c.
Das Wappen des 1796 geadelten Kleisers über dem Wiesenplan, Zeichnung ohne Jahr. FFA Donaueschingen, Karten, Kasten I/2/138 c.

So kam es 1814 zum Verkauf des Gartenhauses an den Schützenwirt Franz Joseph Ganter.*10 Ebenso verkaufte Kleiser an Ganter eine große Wiese unterhalb des „Belvedere“, die er einige Jahre zuvor hatte kartieren lassen (heute Teil des Schlossparks, Flst.-Nr. 4779, Allmendshofen).*11 Kleisers herausragender Stellung war es wohl geschuldet, dass der Vermesser das einfache Kärtchen ungewöhnlich prächtig ausschmückte. Der Lageplan der Wiese erhielt eine mehr als den doppelten Platz einnehmende, üppige Scheinarchitektur als Rahmen, die von Putten und Kleisers Adelswappen bekrönt wurde. Zu einem späteren Zeitpunkt (nach dem Bau 1809?) wurde auf den Plan noch ein Blatt aufgeklebt, das das Gartenhaus zeigt und damit Kleiser zuordnet.*12 Danach lag unterhalb des Häuschens ein über zwei Zufahrtswege von Norden und Süden zu erreichender Vorplatz; Fußgänger kamen über zwei im Dreieck angelegte Spazierwege auf die Höhe. Die Wege über die damals völlig freie Wiese waren mit Alleebäumen gesäumt. In Richtung Westen auf den Hang zu, wo das Gebäude keine Fenster besaß, war offensichtlich als Wetterschutz eine dichte Hecke angelegt. Unterhalb des Vorplatzes befand sich ein vielleicht von Findlingen eingefasstes Halbrondell, möglicherweise, wie Loddenkemper und Sumser vermuten,*13 eine Grotte.

Schützenwirt Ganter muss das Gelände – man denke an die Tapete von 1837 – für eigene Gesellschaften genutzt haben. Der offensichtlich rege Betrieb machte so viel Aufsehen, dass die Flur im Volksmund nunmehr die Bezeichnung „Schützenberg“ erhielt, während zu Kleisers Zeiten die Bezeichnung noch „Linsenhalde“ gelautet hatte.*14 Aus dem neuen Flurnamen „Schützenberg“ folgte die Bezeichnung „Schützenhäusle“ für das Gartenhaus. Dagegen kann ein Zusammenhang des neuen Flurnamens mit einer Betätigung von Schützengesellschaften nicht belegt werden.*15

Grundriss des „Belvedere“ mit Parkanlage, aufgeklebt auf dem Lageplan der Kleiser’schen Wiese, ohne Jahr. Rechts unten das Gasthaus „Schwanen“ (Friedrich-Ebert-Str. 18) und das Haus Friedrich-Ebert-Str. 22. FFA Donaueschingen, Karten, Kasten I/2/138 c.
Grundriss des „Belvedere“ mit Parkanlage, aufgeklebt auf dem Lageplan der Kleiser’schen Wiese, ohne Jahr. Rechts unten das Gasthaus „Schwanen“ (Friedrich-Ebert-Str. 18) und das Haus Friedrich-Ebert-Str. 22. FFA Donaueschingen, Karten, Kasten I/2/138 c.

In jener Zeit, in den 1830er Jahren, entstand auch die einzige erhaltene Ansicht des Häuschens.*16 Die Aquatinta bietet eine Südansicht der Residenzstadt Donaueschingen, deren Kennzeichen das Schloss und die Stadtkirche sind (dargestellt ohne das 1829 abgerissene alte Pfarrhaus). Hinter den fürstenbergischen Verwaltungsgebäuden an der Haldenstraße in der Bildmitte (Neuer Bau, Kammer/ Hofbibliothek und Archiv) ist der Turm der 1837 abgerissenen St.-Lorenz-Kapelle zu erkennen (heute Rathaus). Im Vordergrund links sieht man das „Belvedere“ mit dem Zufahrtsweg und dem zu erahnenden Fußpfad. Am Hang verläuft die Landstraße von Allmendshofen nach Donaueschingen. Der Künstler – Egid Federle aus Stühlingen (1810–1876) – stand offenbar im heute durch die Bahnlinie nach Neustadt gekappten Allmendshofener Quellenweg, der damals noch eine Querverbindung zur Landstraße mit Brücke über den Brunnenbach besaß. Im weiteren Verlauf des Brunnenbachs ist die lange, quer zum Tal stehende Mauer zu erkennen, mit der Hofrat Fischer sein Anwesen umgeben hatte und die bis heute erhalten ist (Friedrich-Ebert-Str. 31). Pferde, Menschengruppen und eine Kutsche vermitteln Maßstab und Perspektive der Ansicht.

Aus Ganters Erbe – der erfolgreiche Schützenwirt erreichte das beachtliche Alter von 86 Jahren *17– gelangte das Grundstück über dessen Tochter 1888 an den Allmendshofener Landwirt Joseph Faller.*18 Dieser begann, als Donaueschingen sich immer mehr in Richtung Allmendshofen ausdehnte, in den 1890er Jahren mit der Abtrennung von Baugrundstücken entlang der Straße, die auch seine Besitznachfolger fortsetzten.*19 Aber auch nun stand das Gelände noch für die Sommerfeste des Männergesangvereins Allmendshofen zur Verfügung, bis diese in den 1980er Jahren auf den bequemer gelegenen Festplatz verlegt wurden.*20 Die ehemals freie Lage des „Belvedere“ ist heute nicht mehr zu erkennen, zumal die schon 2005 von Monika Loddenkemper geforderte Auslichtung nicht erfolgte, sondern das Grundstück nach wie vor mit hohen Bäumen und Buschwerk bestanden ist, die einen freien Blick in die Landschaft kaum zulassen.

Stadtansicht von Donaueschingen, links das Belvedere, Aquatinta von Egid Federle, 1830er Jahre. Im Vordergrund der Brunnenbach, in der Mitte die langgezogene Mauer des Landguts Fischer (heute Getränke Biedermann), rechts das Residenzviertel. FFA Donaueschingen, Grafik 368, zum Druck vgl. http://www.landesarchiv- bw.de/plink/?f=4-1877763.
Stadtansicht von Donaueschingen, links das Belvedere, Aquatinta von Egid Federle, 1830er Jahre. Im Vordergrund der Brunnenbach, in der Mitte die langgezogene Mauer des Landguts Fischer (heute Getränke Biedermann), rechts das Residenzviertel. FFA Donaueschingen, Grafik 368, zum Druck vgl. http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1877763.

Die 2009 mit namhafter Unterstützung der Denkmalstiftung Baden-Württemberg abgeschlossene Sanierung durch den Überlinger Architekten Bruno Siegelin gab dem Raum zwar seinen Charakter wieder, brachte jedoch im Gegensatz zu den von der Stadtverwaltung und dem Landesdenkmalamt aus Kostengründen abgelehnten Entwürfen Sumsers *21 keine neue Nutzungsperspektive für das Gebäude. In den ersten Jahren nach der Restaurierung fanden in dem Gebäude Trauungen statt; auch gab Martina Wiemer Bildvorträge zur Donaueschinger Stadtgeschichte. Obwohl die umgebende Grünanlage sehr gepflegt wirkt, scheint das „Belvedere“ jedoch mittlerweile in seinen tiefen Dornröschenschlaf zurückgesunken zu sein.

*1 Sumser, Belvedere.
*2 Loddenkemper, Vergessenes Gartenhäuschen, S. 25; Sumser, Belvedere, S. 10.
*3 Loddenkemper, Vergessenes Gartenhäuschen, S. 26; Sumser, Belvedere, S. 10.
*4 Bea, Fast vergessenes Gartenhäuschen.
*5 Detaillierte Beschreibung des Gebäudes bei Sumser, Belvedere, S. 12–19.
*6 Loddenkemper, Vergessenes Gartenhäuschen, S. 26; Sumser, Belvedere, S. 7.
*7 Fürstlich Fürstenbergisches Archiv (künftig: FFA) Donaueschingen, OB 21, Vol. II, Hüfingen, Untermappe Donaueschingen.
*8 Das Folgende nach den autobiographischen Angaben im Nachlass Kleisers im GLA Karlsruhe, Nachlässe,
Kleiser. Ergänzend: FFA Donaueschingen, Personalakte 2434; Bader/Platen, Das große Palatinat des Hauses
Fürstenberg, Allensbach 1954, S. 132–134.
*9 So in GLA Karlsruhe, Nachlässe, Kleiser 14, Brief Elisabeths von 1812.
*10 Grundbuchzentralarchiv (im Folgenden: GBZA) Kornwestheim, Güterbuch Allmendshofen, Bd. V, Nr. 101,
Nachtrag des Kaufvertrags von 1814 im Güterbuch von 1857.
*11 FFA Donaueschingen, Karten I/II/138 c. Die Datierung der Karte auf das Jahr 1803 durch Loddenkemper und
Sumser beruht auf einer wohl vom FFA Donaueschingen verursachten Fehlinterpretation einer beiliegenden
Karte.
*12 Ebd.
*13 Loddenkemper, Gartenhäuschen, S. 25; Sumser, Belvedere, S. 11.
*14 So im genannten Kaufvertrag von 1814.
*15 Sumser, Belvedere, S. 7–8.
*16 FFA Donaueschingen, Grafik 368. Woher Loddenkemper und Sumser die Datierung der Aquatinta auf das Jahr 1827 bezogen (Loddenkemper, Gartenhäuschen, S. 25; Sumser, Belvedere, S. 8), ist nicht klar. Der Druck stammt aus dem Werk „Malerische Reise von Freiburg im Breisgau durch das Höllenthal und Donaueschingen nach Schaffhausen“, das ohne Jahr bei Bleuler in Schaffhausen erschien (online: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1877753). Die Datierung kann daher nach bisheriger Kenntnis nur mit Hilfe der dargestellten Gebäude festgestellt werden. Die signierte, jedoch nicht datierte Vorzeichnung Federles hat sich ebenfalls erhalten: FFA Donaueschingen, Zeichnung 760. Das Exemplar des Drucks im FFA Donaueschingen ist merkwürdigerweise nicht wie beim Karlsruher Exemplar deutsch und französisch, sondern englisch beschriftet.
*17 Gestorben am 26. April 1865: Sterbebuch der kath. Pfarrgemeinde Donaueschingen.
*18 GBZA Kornwestheim, Güterbuch Allmendshofen, Bd. XI, Nr. 112.
*19 GBZA Kornwestheim, Lagerbuch Allmendshofen, Flst.-Nr. 188 (4188 neu). Die Reihenfolge der Abtrennungen
lässt sich den heutigen Teilnummern der Flur 4188 entnehmen.
*20 Sumser, Belvedere, S. 7.
*21 Sumser, Belvedere, S. 20–24. Unnötig polemisch der Text im Mitteilungsblatt der Denkmalstiftung Baden-
Württemberg, Belvedere in Donaueschingen.

„Belvedere“ Donaueschingen, Südseite mit einem und Ostseite mit zwei Fenstern, darunter der Kellereingang, Oktober 2025. Foto: FFA Donaueschingen.
„Belvedere“ Donaueschingen, Südseite mit einem und Ostseite mit zwei Fenstern, darunter der Kellereingang, Oktober 2025. Foto: FFA Donaueschingen.

Literatur:

Bea, Josef: Ein fast vergessenes Gartenhäuschen auf dem Schützenberg bei Donaueschingen, in: Die Gemeinde (BWGZ) 2009, Heft 2, S. 79–80

Denkmalstiftung Baden-Württemberg (Hrsg.): Belvedere in Donaueschingen: Rettung eines „Kleinods“, in: Denkmalstiftung Baden-Württemberg 2009 Heft 2, S. 1–2 (Beilage zu Denkmalpflege in Baden-Württemberg
38, 2009, Heft 2)

Loddenkemper, Monika: Ein vergessenes Gartenhäuschen auf dem Schützenberg bei Donaueschingen, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 34, 2005, S. 25–28 (https://doi.org/10.11588/nbdpfbw.2005.1.12211)

Sumser, Hermann: Das „Belvedere auf dem Schützenberg“ in Donaueschingen, in: Schriften des Vereins für Ge-
schichte und Naturgeschichte der Baar 50, 2007, S. 5–28 (https://doi.org/10.57962/regionalia-17404)

Federles Vorzeichnung gibt das „Belvedere“ noch etwas exakter wieder als der Druck. FFS Donaueschingen, Zeichnung 760.
Federles Vorzeichnung gibt das „Belvedere“ noch etwas exakter wieder als der Druck. FFS Donaueschingen, Zeichnung 760.
Lageplan des „Guth des Schützenwirth Ganter“ und des „Guth des Hofrath Fischer“ am Brunnenbach, 1819. FFA Donaueschingen, Karten, Kasten I/1/64c.
Lageplan des „Guth des Schützenwirth Ganter“ und des „Guth des Hofrath Fischer“ am Brunnenbach, 1819. FFA Donaueschingen, Karten, Kasten I/1/64c.

Spaziergang über den Friedhof zu Allerheiligen

1. Version war am 02. April 2021

St. Leonhardkapelle
31. Oktober 2025
Mond über dem Kreuz und Friedhofsmauer mit Baum
31. Oktober 2025
Mond über dem Friedhof mit Kerzen
31. Oktober 2025
St Leonhardt
31. Oktober 2025
Leonhardskapelle bei Nacht
31. Oktober 2025
Leonhardtskapelle bei Nacht
31. Oktober 2023

Spaziergang über den Friedhof

Die Kette mit den 6 Hufeisen an der Leonhardskapelle befindet sich trotz aller Sagen wohl dort, weil an so gut wie allen Leonhardskapellen Ketten sind. St. Leonhard lebte im 6. Jahrhundert (starb wohl 559) und gehört zu den 14 Nothelfern – er ist der Patron der Fuhrleute. Die Kette gilt als „aneinandergereihte Danksagung“ an den Patron aller Wesen, der Gefangenen und der Stalltiere.

Die Statue in der Kapelle stellt St. Leonhard sitzend mit einer Kette mit Handschelle und Schloß und mit dem Abtsstab dar.

Ebenfalls vorne an der Leonhardskapelle (erbaut 1479 und gestiftet von Konrad und Burckhart von Schellenberg) kann man die verschiedenen Wasserpegel von Hüfingen bestaunen:


Der Friedhof wurde im Jahre 1629 vom Abt Georg Gaisser des Beneditinerklosters St. Georgen geweiht und wurde 1806 und 1861 erweitert. Problem war nicht nur, dass wegen des Dreißigjährigen Krieges der Friedhof bei der Stadtkirche zu klein wurde, sondern auch die ermordeten der sogenannten „Hexenverfolgung“ verscharrt werden mussten. Archivrat Franck meint 1872: “Wen mahnt es aber nicht an höhere Strafe und Gerechtigkeit, wenn er sich erinnert, daß über die Hüfinger Blutmenschen selbst schon am 15. Oktober 1632 das fürchterliche Blutbad durch die Würtemberger hereinbrach?”

Aus dem Jahre 1620 stammt die „Bräunlinger mappa„, in der die Territorialgrenze gegen Bräunlingen hervorgehoben ist. Sie enthält auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen, die allerdings ungenau gezeichnet ist. Dagegen sind die Schächerkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der große Weiher (Behlaer Weiher) richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar.
Verzeichnet sind das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.
Karte aus dem Jahr 1664 von Hüfingen
Karte aus dem Jahr 1662 von Hüfingen von Martin Menradt

Siehe auch https://hieronymus-online.de/stadtwappen-hohentwiel-und-grenzsteine/

Landtafel der Baar von 1620 von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo die Stadtapotheke war. Deutlich lassen sich die an die Stadtmauer gebauten Häuser erkennen.
Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der » Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.

Als Sinnbild der Vergänglichkeit kennt jeder die Rose, dabei ist der Efeu schon seit vorchristlicher Zeit das Sinnbild der Erlösung und des ewigen Lebens.


Epitaphien sind Grabinschriften für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder in der Friedhofsmauer. Hier will ich einige zeigen und beginne aber erst mit der Mauer von German Hasenfratz in den 1970er

Friedhofsmauer von German Hasenfratz etwa 1970

Lucian Reich
Schriftsteller und Kunstmaler
26. Februar 1817 – 2. Juli 1900

Xaver Reich
Bildhauer
1. August 1815 – 8. Oktober 1881
Josepha Reich
geb. Elsässer
23. Aprlil 1823 – 19. November 1900

Johann Nepomuk Heinemann
Litograf
30. Mai 1817 – 22. Februar 1902

Karl Bromberger, Litograph
Ehernbürger der Stadt Hüfingen
1873-1965
Clara Bromberger, geb. Bölke
1871-1958

Durchbohrt von eines Mörders Hiebe.
Blieb CURTA noch ein Muster von Geduld.
Noch sterbend sprach er voll der Liebe.
Vergebet meinem Mörder seine Schuld.

Dieses Denkmal der Liebe weihet ihrem Gatten Vallentin Curta Handelsmann seine betrübte Witwe mit VIII. verzogenen Kindern. Geboren zu der H. Dreyfaltigkeit in Gressoney. Starb den IV. Oktober MDCCCV. im LIII. Jahr seines Alters. R.I.P.

Dieses Denkmahl der Einzigen Liebe und des oantbiex? andenkens seihen dir Sehrvermißten Curtaischen Kinder ihrer ? für ? und alle jene, die sehr herzlichen unvergeßlichen Mutter
Rosina Burkhard
verehelichten Curta deren Geist aus der zerbrechlichen irdischen Hülle zu der ewigen Stütze und zur fehgälich gewünschten wiedervereinigung zu ihrem vorangegangenen Gatten eille.
der 22. März 1808. eben als die das 40 e Lebensjahr angefangen hatte.
Gottes friede weh in Blumen düften Vater Mutter über Euer Gräber her.

Johann Franz Valentin Curta (Kurta im Stammbuch), Kaufmann aus Italien, * in „Dreifaltigkeit ind der Cresonai“ (=Gressoney am Monte Rosa). Gestorben in Hüfingen am 19.10.1805 . Er wurde von österreichischen Soldaten beim Plündern vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder niedergeschossen und drei Stunden später gestorben. Er war verheiratet mit Rosina Burkhard und sie hatten 12 Kinder. Ein Sohn Johann Franz Valentin Curta wurde Hirschenwirt und Johann Jakob Handelsmann.

Maria Franziska von Ehren
geb. D. IX. September gestorben D. 22 ANG. 1863
?

Denkmal
Ihrer Hochedelgebohrenen Frau Katharina Kletser gebohrene Bosch. Sie starb den 5. November 1815 im 40 Lebensjahr.

Lasset die Kinder zu mir kommen
Dem hoffnungsvollen Knaben
Ferdinand Fischerkeller
Geb. den 8. August 1818
Gest. 25 April 1828
Weihen dieses Denkmal seine trauernden Eltern

Hier ruht
Johann Babtist Fischerkeller
geboren zu Donaueschingen den 21ten August 1749.
gundler Kaplan zu Jungnau druch 13 – zu Kaseifingen G_ und endlich dazu ad 6. Blasium durch 26 Jahre ? seine irdische Laufbahn den 21 ten Juny 1852.
Gott gebe Ihm und allen ? dir Ewige ? Amen

Francisco Neser
Josepf Anton Heizman
Raul Stoerk

Ruhestätte des Hochwürdigen Herrn LOS. Benedict Rebsteix
(Pfarrer?)

2. von links: Maria Magdalena Nober geb. Moog 24. Juni 1765 – 14. Juli 1840

Dem Andenken Des Hochwürdigen Herrn
Benedici Merck
Des villino, Rur:Kap;Exdecans
Bischöf. Konk, geist. Raths, und durh 35 Jahrepfarrer dahier
Legte ab die Körperliche Hülle nach 7 Jahren Leiden den 21 May 1798 im 64 Alterjahre: Geweiht v. seinen Geschwistern.

In der Mitte das Epitaph eines Bäckers.
Die Brezel bindet die gesenkte Fackel des Todes ein.





Das von Franz Xaver Reich 1864 erschaffene Steinkreuz verbindet die Hauptachse des alten Friedhofsteiles mit dem neuen Teil.
Der obere Teil scheint neuer zu sein. Vielleicht weiß ja jemand wo sich das ursprüngliche obere Kreuz befindet?


Die Einsegnungshalle wurde 2007 vom damaligen Bürgermeister Anton Knapp zusammen mit dem Architekten Rolf Schafbuch mit einer großen „Lichterscheinung“ vom Hüfinger Künstler Emil Kiess neu gestaltet.

Das Glasfenster von Emil Kiess mit 6000 kleinen Glasplatten spiegelt den Friedhof wie ein Mosaik.


Ebenfalls bei der Einsegungshalle befinden sich die Grabplatten von Adolf Heer und Rudolf Gleichauf.



Adolf Heer Bildhauer geboren 13. September 1819 gestorben 29. März 1898

Grabstein Adolf Heer und Rudolf Gleichauf

Rudolf Gleichauf Historienmaler geboren 29. Juli 1826 gestorben 15. Oktober 1896

Die Grabstätte (Grabstein) von Adolf Heer und seinem Freund Rudolf Gleichauf ehemals auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe.

Nach dem Tode Adolf Heers veranlasste der Landschaftsmaler Wilhelm Klose, ein ehr vermögender Karlsruher Mäzen (Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe), eine würdige Grabstätte für seine Freunde zu errichten. Die Ausführung lag in den Händen von Bildhauer Johannes Hirt, der ein langjähriger Mitarbeiter von Heer bei der Gestaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmal war. Auch die zwei Bronzereliefs von Heer und Gleichauf am Grabstein sind mit J. Hirt signiert. J. Hirt wurde vom Verlassenschaft -Gericht als Abwickler der noch nicht vollendeten Arbeiten von Heer bestimmt. Er wurde ein bekannter Bildhauer in Karlsruhe. Das Grabmal fand seinen Platz auf dem sogenannten „Hügel“, eine bevorzugte Lage mit Bäumen, Farnen und Stechpalmen – wahrscheinlich unter Denkmalschutz stehend.

Wenig verständlich erscheint ein Bericht im Südkurier im Jahre 1976, „Silberdisteln schmücken das gemeinsame Grab von A. Heer und R. Gleichauf, wo den Besuchern von der Friedhofsverwaltung erklärt wird: „Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit und Pflicht, den Gräbern Heers und Gleichaufs unsere Aufmerksamkeit zu schenken“. Mit wenigen einprägsamen Worten wird die Bedeutung der Künstler skizziert: .. Heer und Gleichauf haben im vergangenen Jahrhundert mitgeholfen, die Züge des Kunstschaffens in Karlsruhe zu prägen“. Monate später wird dann in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Hüfingen und wahrscheinlich auch Vöhrenbach angefragt, ob Interesse am Grabstein der beiden Künstler bestehe: „Das Grab wird aufgelöst.“ Die Stadtverwaltung Hüfingen holte den Grabstein, der jetzt bei der Aussegnunghalle und den Urnenstelen steht. Leider ist der Stein nur ein Torso, denn die kunstvolle Einfassung fehlt. Auch sollte die Inschrift erneuert werden.


Bildhauer Prof. Adolf Heer,
Sein Leben und seine Werke auf der Baar und dem Umland von Erich Willmann
Schriften der Baar 53, (2010)



Dr. Erwin Sumser
8. Oktober 1891 in Merzhausen bei Freiburg im Breisgau als Erwin Josef Sumser – 22. Januar 1961 in Hüfingen.
Pionier des Naturschutzes.

Harm von Lintig
geboren 20.Oktober 1965
gestorben 5. April 2026

Eva von Lintig
geboren 11. Juli 1931
gestorben 10. September 2023

Eva von Lintig
Ehrenbürgerin
11.07.1931 – 10. 09.2023

Max Gilly
Ehrenbürger und Bürgermeister
Träger des Bundesverdienstkreuzes
31.03.1921- 15.08.2006

Foto von German Hasenfratz

Gottfried Schafbuch

De Goppfried Schafbuch
(* 3. Jänner 1898 z Hiifinge – 23. Oktober 1984)
isch e dytsche Dialäktdichter un Haimetforscher gsii.



German Hasenfratz
29.05.1923- 2008

Zita Hasenfratz
1926-2021


Hermann Felder (1772 – 1954)
Geistlicher Rat

Monsignore Hermann Josef Kast (01.09.1888 – 21.06.1967)
Ehrenbürger von Hüfingen und Rektor von Mariahof

Abschließen möchte ich diesen Spaziergang mit dem Hüfinger Künstlerkreis und dessen Gedenkstein von der Hüfinger Heimatzunft im Park gegenüber der Breg.

Für Ergänzungen und Tipps bin ich jederzeit dankbar!

Vor 74 Jahren wurde Hüfingen und Fürstenberg das Stadtrecht zurück gegeben

Hüfingen, am 28. Oktober 1951.

In der badischen Gemeindeordnung vom Jahre 1921 wurde die Bezeichnung Stadt von einer Einwohnerzahl über 15.000 Personen abhängig gemacht. Damit verloren fast alle Baarstädte ausser Villingen die Bezeichnung „Stadt“. Bis 1935 gelang es lediglich Donaueschingen und Furtwangen seine Stadtrechte zurück zu erhalten. *

Am 31. Juli 1951 beantragte Hüfingen beim Ministerium des Innern des Landes Südbaden in Freiburg die Wiederverleihung des Stadtrechts.

Die Stadt Hüfingen kann auf eine ebenso reiche geschichtliche Vergangenheit zurückschauen wie die andern mittelalterlichen Städte der Baar.
Die ältesten Spuren einer Besiedlung der Gemarkung gehen in die Urnengräberzeit (etwa 1000-800 V.Chr.) zurück, wo schon am Galgenberg eine kleine Siedlung bestand. Derselbe Galgenberg sah dann in den Jahren 40-74 n.Chr. ein römisches Kastell, das immer mehr erweitert und verstärkt , schließlich eine Besatzung von 1000 Mann faßte und dadurch zum ältesten Stützpunkt der Römer an der oberen Donau wurde. Von hier aus wurde einmal in den Jahren 73/74 n.Chr. Weltgeschichte gemacht. Zum ersten Mal wieder seit der Schlacht am Teutoburger Wald waren die Römer damals tiefer in das rechtsrheinische Gebiet vorgedrungen. Von Hüfingen aus setzten sie sich damals mit Erfolg in Bewegung, um den südlichen Schwarzwald südlich der Linie Offenburg-Tuttlingen in das römische Reich einzugliedern.

Im Anschluß an eine kleine alamannische Siedlung des 6. Jahr. n. Chr. haben im Anfang des 13. Jarh. die Herren von Hüfingen, wohl die Nachkommen der Gründer der alamannischen Siedlung, die kleine Burgstadt in der Hinterstadt errichtet und damit den ersten Schritt zur Erhebung des Dorfes Hüfingen zur Stadt getan. Diese kleine Burgstadt wurde dann von den Herren von Blumberg erweitert, ausgebaut und zum Mittelpunkt ihres ausgedehnten Besitzes in der Baar gemacht. Sie sind die eigentlichen Gründer der Stadt Hüfingen. Bereits im Interregnum hatte sich Johann von Blumberg im Schutze der Befestigung einen Markt errichtet, den ihm dann Rudolf von Habsburg schon 1274 bestätigte. 1292 erscheint zum ersten Mal ein Schultheiß und 1320 die Bürger der Stadt. 1353 erhielt der Stadtherr das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten. 1510 zählte man bereits deren sechs. Mit der Verleihung des Blutbannes der hohen Gerichtsbarkeit im Jahre 1364 hatte Hüfingen alle jene Vorrechte erhalten, durch die sich im Mittelalter die Stadt von dem Dorfe unterschied. Hüfingen war damit im Rechtssinn des Mittelalters eine volle Stadt geworden.

Die militärische Bedeutung wurde zum ersten Mal offenkundig, als das Haus Habsburg sich im Jahre 1362 in der Feste das Öffnungsrecht in Kriegszeiten für alle Zeiten sicherte. Die Lage an den Durchgangswegen aus der Schweiz und dem Breisgau verschaffte der Stadt erneute Bedeutung in den großen Kriegen der beginnenden Neuzeit. Schon im Schweizerkrieg wurde sie Sammelplatz der Reichstruppen. Besonderen Wert aber legten die Bauern auf den Besitzt der Stadt. Sie brauchten für ihre Züge einen Waffenplatz und einen Ort, wo sie sich ungestört versammeln konnten. Nach zwei vergeblichen Versuchen sie zu überrumpeln, erzwangen die Bauern die Übergabe der Stadt im Frühjahr 1525.

Schon vorher, im Jahre 1452 gab der damalige Stadtherr Berthold von Schellenberg der Stadt ihr Recht. In die Form eines Weistums gefaßt, ,, gibt uns dieses Stadtrecht eingehende Auskunft über die Rechts- und Wirtschaftsverhältnisse in der damaligen Stadt. Es wurde 1558 noch einmal revidiert, wobei die Herrenrechte erweitert wurden.

Schwer hatte die Stadt im Dreißigjährigen Krieg zu leiden. Zwei Ereignisse sind es, die bis heute in der Erinnerung des Volkes nachzittern: der Hexenprozeß gegen Tinctorius und dessen Gattin (1631/32) und das furchtbare Blutbad, das der württembergische Obert Rau am 15. Oktober 1632 in dem Städtchen anrichtete.

Von neuem blühte die Stadt erst wieder auf, als sie im 18. Jahrh. der Sitz eines fürstenbergischen Oberamts wurde. In jenen Tagen hat auch das geistige Leben durch Beamtenschaft und Hof einen gewissen Anreiz bekommen. Die schmiedeeisernen Wirtshausschilder und die Oberlichtgitter des Spitals und Knabenheims Maria Hof und die schön geschnitzten Kirchentüren, beides Werke von Hüfinger Meistern, zeugen von einer gewissen Blüte des Kunsthandwerks.

Es ist der Boden, auf dem am Anfang des 19. Jahrh. Männer erwachsen sind wie der Musiker Johann Nepomuk Schelble, der vielseitige Anreger Luzian Reich Vater und seine Beiden Söhne Xaver Reich, der Bildhauer , und der Kunstmaler und Volksschriftsteller Luzian, der Maler Rudolf Gleichauf, der Kunstmaler Josef Heinemann, Männer, die den Ruhm des Städtchens über die engen Grenzen der Heimat hinaustrugen.

Ein reich differenziertes Handwerk zeigen schon die Steuerlisten des 18. Jahrh. Schon infolge ihrer günstigen Verkehrslage war die Stadt Jahrhunderte lang die Marktstätte für die landwirtschaftliche Umgebung. Dieses Handwerkertum hat sich in Verbindung mit dem Handel auch im 19. Jahrhundert weiter gehalten und entwickelt. Dazu kam inmitten fruchtbaren Ackergeländes eine ertragreiche Landwirtschaft, wie sie von allem Anfang so bezeichnend ist für diese mittelalterlichen Ackerbürgerstädte. Sie setzte das alte Gemeinwesen instand, all die vielen Krisen und Katastrophen der Vergangenheit verhältnismäßig rasch und leicht zu überwinden.

Ein tüchtiges Gewerbe, eine leistungsfähige Landwirtschaft und eine bedeutende kulturelle Leistung in der Vergangenheit sind die Befähigungsnachweise, die das uralte Gemeinwesen beibringt, wenn es sich um den ihm zu Unrecht genommenen Titel einer Stadt von neuem bewirbt.

Antrag von Bürgermeister Richard Fischer am 31. Juli 1951 beim Ministerium des Innern des Landes Südbaden in Freiburg für die Wiederverleihung des Stadtrechts.

Mit Erlass des Badischen Ministeriums des Innern vom 3. September 1951 Nr. 30218 erhielt das Landratsamt Donaueschingen die Mitteilung, dass der Gemeinde Hüfingen gemäß § 9 Abs. 2 der Badischen Gemeindeordnung vom 23.09.1948 die Bezeichnung „Stadt“ verliehen werde. Am 28. Oktober 1951 überreichte Innenminister Schüly die Urkunde im Beisein des Staatspräsidenten Leo Wohlleb feierlich.*

Leo Wohleb
Foto von Wikipedia

Auch Bräulingen , Blumberg und Fürstenberg bekamen die Stadtrechte zurück. Fürstenberg gab die Stadtrechte allerdings bei der Eingemeindung am 1. Januar 1972 nach Hüfingen wieder auf.

Festakt zur Wiederverleihung des Stadtrechts.

* Nach der Hüfinger Chronik von August Vetter 1984 und Wikipedia.

Silberpappel am Mühlibach

1. Version war am 2. August 2022

Die Silberpappel am Mühlebach auf der Insel hat eine Höhe von etwa 20 Meter und einen Umfang von 4 Meter und 80 cm.

Gepflanzt wurde sie vermutlich vor etwa 100 Jahren. Zuvor stand dort ebenfalls ein Baum der aber wohl um das Jahr 1920 gefällt werden musste.

Postkarte aus 1906 mit dem Vorgängerbaum

Postkarte mit dem Vorgängerbaum aus 1912

Landesheim mit Tor 1916

Foto etwa 1930

Foto etwa 1940

Foto von Garmin Hasenfratz etwa 1940

Foto von Karl Schweizer etwa 1950

Mühlebach 1968

Mühlebach etwa 1970

Mühlebach von Franz Wintermantel 1973
(nach dem Foto von 1940)

Vor dem Rückschnitt
im Oktober 2021

17. Juli 2022
nach dem Rückschnitt

08. Juli 2023

01. September 2024

Auf ihrem massiven Stamm sitzt eine bereits mehrfach zurückgeschnittene sehr voluminöse Krone mit etwa 13 Metern. Aufgrund der Höhe wurde die Pappel 2021 zurück geschnitten, da sie im Falle eines Umfallens bis zur Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes gereicht hätte.

Die Wurzeln weisen Schäden auf, am Stamm befindet sich ein Querriss und auch Schwefelporlinge. Aufgrund der offensichtlichen Wurzelverletzungen und des massiv hohlen Klangbildes auf der Zugseite ist hier von einer ausgeprägten Fäule im Erdstamm auszugehen. Die Pilzfruchtkörper des Schwefelporlings zeigen, dass von Fäule ausgegangen werden muss.

  • Silberpappel

Fotos im Herbst 2021 vor dem Rückschnitt.

Der Rückschnitt sollte zum einen den Baum entlasten und zum anderen auch bei einem Kippen nicht so viel Schaden anrichten.

Hoffen wir, sie bleibt uns noch lange erhalten!

Foto vom 28. Oktober 2021

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