Wanderblühten – Geschichten aus der Region um Staufen

Wanderblühten – Geschichten aus der Region um Staufen

17. Januar 2022 0 Von Hannah Miriam Jaag
Der Herr zu Bamlach

Bamlach ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Bad Bellingen. Laut Wikipedia gehörte Bamlach von 1417 bis 1805 den Freiherren von Rotberg.

Die Herren von Rotberg waren Mitglieder des Kantons Donau der schwäbischen Reichsritterschaft. Jakob von Rotberg verlegte 1516 den Sitz der Familie nach Rheinweiler. 1747 verzichteten die Rotberg auf ihren reichsfreien Stand, da sie von den Habsburgern als Landesherren im umgebenden Vorderösterreich vom 16. Jahrhundert an „beinahe gewaltsam zum landsäßigen Adel herabgedrückt“ wurden.

Die Familie v. Rotberg hatte bis ins 20. Jahrhundert ihren Stammsitz auf dem Schloss Rheinweiler, das Anfang des 18. Jahrhunderts anstelle eines 1676 zerstörten Vorgängerbaues erbaut wurde. 1928 verkaufte die Familie das Bamlacher Schlossgut an die “Anstalt von Herten”.

nach https://de.wikipedia.org/wiki/Rotberg_(Adelsgeschlecht)
Das alte Rotbergsche Schloßgut in Bamlach musste 1978 einem Neubau weichen.
Foto: Geschichte des St. Josefshauses

Die Geschichte geht um einen Herrn von Bamlach, der mit seinen Untertan nicht gut umging und scheinbar vom Habsburger Kaiser deshalb verurteilt wurde “die Jungfrau zu küssen”. Das heißt wohl ein Herr von Rotberg wurde vom Kaiser hingerichtet.

Vermutlich spielt die Geschichte um 1747 als die Rotbergs von den Habsburgern “beinahe gewaltsam herabgedrückt” wurde.

Die Geschichte vom Postboten im alten Grubenschacht bei Grunern
Baumtrotte von 1815 in Staufen-Grunern
Foto: Andreas Schwarzkopf, Wikimedia
Die Geschichte der Stadt Kems und das versunkene Heer

In alter Zeit kam ein großes christliches Heer an den Schliengener Berg, dort teilte es sich in zwei kleinere, das eine zog nach Frankreich auf das Ochsenfeld, das andere nach der Stadt Kems, die auch Tonsel und Ehrenstätten genannt wird. Sie hatte vier Stunden im Umfange. Dort wo jetzt in Krotzingen die Kirche steht, da stand das Schloß und die St. Ulrichskapelle. Die sogenannten Weingärten waren die Rebäcker eines dabei gelegenen Frauenklosters. An der Stelle des Laufbrunnens befand sich der Marktbrunnen und nicht weit davon im Sumpf hätte ein prächtiges Münster gestanden.

Ohne dass man weiß, warum, sind die Stadt und die beiden Heere zugleich in die Erde versunken.

Bei bevorstehendem Krieg ertönt aus der Tiefe Trommelschlag und das Geläut der Münsterglocken. Sind eines Tages die Christenheere im Kampf gegen die Ungläubigen zu einem kleinen Haufen zusammengeschmolzen, so kommt ihnen das geisterhafte Heer zu Hilfe, worauf diese zur ewigen Ruhe gelangen und die geretteten Christen in Heiligkeit leben werden, wie zu den Zeiten der Apostel.

Bad Krozingen, Kirche St. Alban
Foto: Rauenstein, Wikimedia
Der Hunnenfürst in Schlatt

In einer Sage von Schlatt, ist ein Hunnenfürst während einer Schlacht gefallen und wurde in der Nähe einer Quelle im “Heidenbuck” in einem silbernen Sarg mit einem goldenen Kalb begraben.

Hunnen
Georges-Antoine Rochegrosse (1910)
Der Neugierige von Kirchhofen

In einer Fronfastennacht stellte sich ein Mann in Kirchhofen unter die Linde hinter der Kirche, um die Fronfastenweiber vorbeireiten zu sehen. Um Mitternacht galoppierten sie auf Besen vorüber. Eins der gespenstigen Weiber aber ritt zu ihm hin und sagte: “Ich will einen Nagel in den Pfosten dort einschlagen.” Im Nu stack ihm ein schuhlanger Nagel im Kopfe. Der arme Gefoppte musst über ein Jahr das Mal tragen und dann in der gleichen Fronfastennacht sich abermals unter den Baum stellen, bis das Weib wieder zu ihm kam und den Nagel herauszog. Zum Andenken wurde der Kopf des Mannes in Stein ausgehauen und am Sigristshaus eingemauert, wo er noch jetzt zu sehen sei.

Kirchhofen, Mariä Himmelfahrt

Ein Sigristenhaus ist das Haus vom Mesner (Küster) oder von Lucian Reich meist Bruderhaus oder Waldbruderhaus genannt. Leider konnten wir das Haus 2021 nicht mehr finden. Wann und warum die Fronfastennacht ist, konnte ich nicht raus finden. Aber in dieser Nacht geschehen um Mitternacht viele wunderliche Dinge. Meine Vermutung ist, dass dieser Tag mit Maria Lichtmess zusammenhängt. Dies war einer der wichtigsten Tage im Bauernjahr da am 2. Februar Knechten und Mägden in der Landwirtschaft erlaubt war, ihren Dienstherrn zu wechseln.

Die fleißige Spinnerin von Bollschweil
Blick vom Schönberg ins Hexental mit der Bollschweiler Kirche
Foto: Brian Kohn, Wikipedia

Vermutlich ist mit Bollsweil Bollschweil gemeint.

Durch die Gründung der ersten fabrikmäßigen mechanischen Spinnerei auf dem europäischen Festland durch Johann Gottfried Brügelmann 1783 in Ratingen gab es für die Frauen abends zum Glück andere Beschäftigungen.

Der prügelnde Edle von Bellingen
Aussicht auf den Rhein und Frankreich
Foto: willboss aus de.wikipedia
Der Prior von Heitersheim und das Johanniterschloss
Letzter erhaltener Grenzstein bei Heitersheim
Foto: Skjölding aus de.wikipedia

Über die Herrschaft Heitersheim gibt es auf Wikipedia eine umfassenden Artikel.

St. Gotthardshof, Waldbruderhäuschen und die Gotthardus Kapelle

Den St. Gotthardshof und die Kapelle gibt es heute noch.

Postkarte von 1902
Foto: http://www.alt-freiburg.de/staufen_gotthardhof_1902.htm

Das “Bildlein” soll also eigentlich nicht die Johanneskapelle, sondern eine “solche Klausenwirtschaft” wie den St. Gotthardhof und die Gotthardus-Kapelle daneben darstellen.

“Ne gattig Chilchli hen si do, so sufer wie in menger Stadt, s’isch Sechsi uffem Zifferblatt.”
Johann Peter Hebel

Lucian Reich fand jedoch später, dass das Blättchen auch ohne weitere Beziehung bestehen könne, und es daher dem Beschauer überlassen bleiben mag, nach Belieben Einiges hinein zu denken.

Das Münstertal mit St. Trudpert und den “Spukenden” die auf den Feldberg verbannt wurden
Kloster St. Trudpert
Foto: Taxiarchos228, wikipedia.de

Ein Abt von St. Trudpert geisterte lange mit zwei Untergebenen herum, bis sie von einem Kapuziner aus Staufen zu dem bekannten Aufenthaltsort der Geister, auf den Feldberg, vertrieben wurden. Dort erscheinen sie zuweilen als Fischer oder Jäger verkleidet den Vorübergehenden.

Der Weg nach Hauenstein und Pater Lorenzo
“Ne gattig Chilchli hen si do, so sufer wie in menger Stadt, s’isch Sechsi uffem Zifferblatt.”
Johann Peter Hebel

Hier erzählt ein alter Mann Lucian Reich die Geschichte von einem Vater Lorenzo auf dem “Johannisberglein”. Die Geschichte soll eine Art ländliches Romeo und Julia sein, aber leider erzählt Lucian Reich diese Geschichte nicht.

Das einzige was er dazu sagt, ist, dass diese Geschichte ihn zum Entwurf des vorgenannten Bildleins Veranlassung gegeben habe.

Hauenstein ist laut Wikipedia seit dem 1. Januar 1972 ein Stadtteil von Laufenburg im Landkreis Waldshut. Bis dahin war Hauenstein die kleinste Stadt Deutschlands.

Burg und Stadt Hauenstein, Stahlstich aus dem Atelier Frommel in: Joseph Bader, Badenia, 1844 (Wikipedia)
In Dogern auf der Suche nach einer Chronik

Die Selbstverwaltungsorgane der Grafschaft Hauenstein hatte sogenannte “Einungsmeister”, der in seiner Amtszeit am blauen Tschopen (blaue Jacke) erkennbar war. Die Einungsmeister wurden jährlich am 23. April (St. Georg) nach einem Gottesdienst in einem mündlich bekannt gegebenen Pfarrort der jeweiligen Einung unter freiem Himmel gewählt. Die Anwesenheit des Waldvogtes war ausdrücklich nicht erlaubt.
Wahlberechtigt waren alle verheirateten Männer. Wählbar waren ebenfalls alle verheirateten Männer außer dem amtierenden Einungsmeister (Rollierendes System).

https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Hauenstein

Einer dieser Einungsmeister war während der Salpeterkrieges so sehr gefürchtet, dass ein Weib sagte, sie wolle gleichzeitig sterben. Dann hätten alle Teufel so viel zu tun, dass ihnen die Seele des Bösewichts nicht entgehe.

Lucian Reich beschliesst die Geschichte der Familie des Einungsmeisters aufzuscheiben.

Fortsetzung hier:

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