Wanderblühten – Die Familie des Einungsmeisters

Wanderblühten – Die Familie des Einungsmeisters

13. Februar 2022 0 Von Hannah Miriam Jaag

Die Selbstverwaltungsorgane der Grafschaft Hauenstein hatte sogenannte “Einungsmeister“, der in seiner Amtszeit am blauen Tschopen (blaue Jacke) erkennbar war. Die Einungsmeister wurden jährlich am 23. April (St. Georg) nach einem Gottesdienst in einem mündlich bekannt gegebenen Pfarrort der jeweiligen Einung unter freiem Himmel gewählt. Die Anwesenheit des Waldvogtes war ausdrücklich nicht erlaubt.
Wahlberechtigt waren alle verheirateten Männer. Wählbar waren ebenfalls alle verheirateten Männer außer dem amtierenden Einungsmeister (Rollierendes System).

https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Hauenstein
“Es isch e brave Ma, in alle Stücke biwandert,
u si Frau, Statthalters Blut, mit Tugend bihaftet.”
Johann Peter Hebel
Gemälde des Einungsmeister Josef Tröndlin in der Einungsmeistermühle

Auf dem Bild ist wohl der Einungsmeister und Müller Josef Tröndlin mit seiner Frau Maria Zimmermännin etwa um 1730 dargestellt.

Liebet Friede, legt zu Seiten
Haß und Streiten,
Als den Brunnquell aller Pein.
Werdet nicht hierinnen müde,
Weil zum Friede
Wir von Gott berufen seyn.

Paul Flemming
Einführung über Konrad Ebner

Obwohl sich Lucian Reich gerne über Liebesgeschichten lustig macht, beginnt auch dieser Absatz wieder mit einer solchen. So will die Wirtin des Hirschen in Dogern, dass ihr Sohn, der junge Konrad Ebner, in eine reiche Familie einheiratet. Dieser verliebt sich aber in des Müllers Kätherle. Der Vetter und Götti (Taufpate) von Konrad Ebner verspricht zu vermitteln, dass kein Streit entsteht.

Laut Lucian Reich ist die Geschichte etwas anders wie oben auf den Seiten des Hirschen zu Dogern erläutert. Des Hirschwirts Sohn (Konrad Ebner) von Dogern braucht nicht auf Geld und Gelderwerb zu schauen. Seine Mutter führte das Wirtshaus durchaus sehr erfolgreich alleine. Womöglich wurden diese alten patriarchalen Gesetzte damals nicht ganz so gelebt, wie es heute den Anschein hat. Auch soll Konrad Ebnerauf Jakobi den Kauf übernehmen“. Womöglich ist damit der Hirschen zu Dogern gemeint.

Laut Lucian Reich ist auch des “Müllers Kätherle” die einzige noch lebende Tochter des Johannes Michael Tröndlin. Dies stimmt auch mit dem Stammbaum der in der Mühle hängt überein. Hier steht eine Katharina Theresia geboren 18.3.1736 deren Mutter Katharine, geb. Iselin ist. Johannes Baptista Tröndle war also ein Bruder des Müllers Johannes Michael. Dies ist auch sehr verwirrend, da der Einungsmeister Josef Tröndlin von seinen 9 Kindern drei Johannes getauft hatte und gleich fünf Maria.

Vermutlich war der namentlich nicht erwähnt Götti und “Familienrat”, der Johannes Baptist Tröndlin, auf dem Papier der Besitzer des Wirtshauses Hirschen, das dann später an Jakobi offiziell an den Konrad Ebner ging.

Stammbaum der Familie des Einungsmeisters an der Wand in der Einungsmeistermühle.

Im zweiten Teil will Lucian Reich die Zusammenhänge und Zustände genauer erklären.

Der Müller und Einungsmeister Josef Tröndlin mit seine Familie in den Salpeterkriegen
Die Einungsmeistermühle in Unteralpfen deren Ursprung auf das Jahr 1342 zurück geht und die den Dreißigjährigen Krieg überstanden hat.

Die alte Mühle in Unteralpfen war über Jahrhunderte im Besitz der Familie Tröndlin und wurde vor etwa 20 Jahren an einen Schweizer verkauft. Dieser Herr war so nett, mir die Mühle zu zeigen und zu erklären. Vielen Dank!

Die in den 1980ern renovierte Mühle in Betrieb.

(Für die Beschreibung bitte auf die Fotos klicken)

Bei den Salpeter-Aufständen oder Salpeterunruhen handelte es sich waren mehrere Bauernaufstände, die sich im Hotzenwald des 18. und 19. Jahrhunderts ereigneten.

In der „Grafschaft Hauenstein“, einem Verwaltungsbezirk des ehemaligen Vorderösterreich, gab es Anfang des 18. Jahrhunderts eine Besonderheit in den absolutistisch regierten deutschen Staaten. Hier hatte sich eine Schicht „freier“ Bauern erhalten, die sich direkt und ausschließlich dem habsburgischen Kaiserhaus zugehörig wussten.

Auch am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts regte sich Widerstand. Einer, der Gefahren für Freiheit und Verfassung heraufziehen sah, war der Bauer und Salpetersieder Johann Fridolin Albiez (1654-1727), Salpeterer-Hans genannt, aus Buch. Der damals schon über Siebzigjährige genoss großes Ansehen im Wald. Seine Agitation gegen das Kloster und für die „alten Rechte und Freiheiten“ fand Gehör. Und als im Mai 1727 die Bewohner der Grafschaft einem neuen Abt, Franz II. Schächtelin, ein Treuegelöbnis ablegen sollten, verweigerten sie die „Huldigung“. Die Verweigerung der Huldigungsleistung gegenüber einer Obrigkeit aber galt als Aufstand. Es wurde Militär auf den Wald geschickt und in die Bauernhöfe einquartiert, so dass der Widerstand gegen die Huldigungsleistung rasch zusammenbrach. Der Salpeterer-Hans saß währenddessen in Freiburg im Breisgau, dem damaligen vorderösterreichischen Regierungssitz, im Gasthaus „Bären“ in Arrest. Dort starb er im September 1727.

Andere Bauern, wie Johannes Thoma oder Josef Meyer übernahmen die Führung der Salpeterer, wie sie nun genannt wurden, und sorgten dafür, dass das Misstrauen gegen das Kloster und seine Bestrebungen, aber auch gegenüber den anderen Obrigkeiten nicht einschlief. Unter der Bauernschaft selbst bildeten sich Gruppen für und gegen die salpeterischen Bestrebungen und verschärften die Situation. Die den Salpeterern gegenüberstehenden Bauern nannte man nach den Namen der Anführer die „Tröndlinschen“ oder auch die „Ruhigen“. Die „Salpetererkriege“ fanden darum auch überwiegend zwischen den gegnerischen Bauerngruppen statt – also jenen, die gegen den Ausverkauf alter Rechte und Freiheiten unüberhörbar Widerstand leisteten und den anderen, die zwar dasselbe wollten, aber andere „ruhige“ Wege beschreiten wollten, wie zum Beispiel sich frei zu kaufen.

Als aber das Kloster sich 1738 entschloss, in den von den Einungen betriebenen Freikauf aller Bauern in den Einungsbezirken einzuwilligen und eine Volksabstimmung eine Mehrheit für den Loskauf erbrachte, wollten die salpeterisch gesinnten Einungsgenossen nicht zahlen. Es kam sogar zu einem Treffen zwischen einem Bauernaufgebot der Unruhigen auf der einen und Militär auf der anderen Seite im Mai 1739 bei Etzwihl. Schüsse trieben die Bauern in die Flucht. Dieser zweite Salpetereraufstand endete mit Todesurteilen gegen einige Anführer. 1745 kam es zu zwei weiteren Unruheperioden. Im Frühling gab es sogar für zwei Wochen eine „Salpetererregierung“ in der Grafschaft, und im Herbst versuchten die Salpeterer zweimal, Waldshut zu stürmen, um dort einige inhaftierte Gesinnungsgenossen zu befreien. Diese Belagerung und versuchte Erstürmung von Waldshut und in diesem Zusammenhang stattfindende große nächtliche Schlägereien zwischen „Unruhigen“ und „Ruhigen“ oberhalb Schmitzingen bildeten einen vorläufigen Schlusspunkt der Salpetererunruhen. Es gärte aber “auf dem Wald” noch einige Jahre weiter. Erst mit der Deportation aller führenden Salpetererfamilien ins Banat (Lucian Reich schreibt von der ungarischen Militärgrenze) erloschen die Unruhen zunächst. Sie fanden jedoch im neunzehnten Jahrhundert eine religiös legitimierte und stark veränderte Neuauflage.

nach Wikipedia

Über diese religiös legitimiert Neuauflage spottet Lucian Reich: “Bald werde jedoch unter Gottes Leitung die goldene Zeit des Patriarchal-Lebens zurückkehren. Jedermann werde frei sein, und Gottes Wort allein, ohne andere Zutat, richten. u.f.m.

Weiter berichtet Lucian Reich:

Zugleich unternimmt der Schwärmer Leontius Brutschi eine Wallfahrt nach Einsiedeln mit hundert und elf Jungfrauen, um für glückliche Verrichtung der Geschäfte zu beten.

Die Zahl der 111 Jungfrauen stimmt laut Mitteilung von Heinrich Dold. Diese Pilgerfahrt sei am 29. April 1739 unternommen worden. Vielen Dank an Herrn Heinrich Dold, den Hauensteiner Ehrenredmann!

Auf der Seite von Dogern gibt es folgendes dazu:

Schlimm erging es dem Dogerner Leontius Brutsche nach dem “Gefecht” von Etzwihl (Gemarkung Albbruck) 1739. Trotz seiner Wallfahrt mit 111 Jungfrauen nach Einsiedeln, und obwohl viele Frauen und Jungfrauen beim österreichischen Waldvogt in Waldshut für ihn um Gnade baten, musste er seinen Freiheitsdrang mit dem Tode büßen. Er wurde auf der Richtstätte in Albbruck enthauptet.

https://www.dogern.de/de/gemeinde-dogern/gemeindeportrait/geschichte-dogern
Jakobusbrunnen in Hüfingen

Das Kloster Einsiedeln mit der Gnadenkapelle und einer Figur der Schwarzen Madonna, ist Etappenort des Jakobsweges. Hier wird die Geschichte mit Hüfingen verknüpft, das es seit dem Mittelalter auf dem Jakobusweg ist. In früheren Zeiten gab es in Hüfingen viele Pilger. Ein Pilger auf dem Weg war deshalb ein Jakobsbruder.

Eine etwa 300 Jahre alte Fahne der Jakobuspilgerbruderschaft erinnert noch heute in Hüfingen an diese Pilgerwanderungen. Die Jakobusfahne wird an Fronleichnam bei Prozessionen mitgeführt und wurde vom FF Hofmaler Franz Joseph Weiß gefertigt (siehe Kapitel 17 vom Hieronymus). Ebenfalls erinnert der Jakobusbrunnen vor dem Hüfinger Stadtmuseum und der Jakobusaltar in der Hüfinger Stadtkirche St. Verena und Gallus an die Jakobusverehrung.

Lucian Reich berichtet, dass die Kaiserin Maria Theresia den Verbannten Rückkehr in die Heimat gestattet. Manche, welche die Unverbesserlichkeit dieser Schwärmer kannten, schüttelten bedenklich die Köpfe, als sie von dieser Maßregel hörten. “Setze eine Katz in’s Taubenhaus wie du willst, sie bleibt eine Katz und wird miauen!”

Katharina Tröndle war laut Lucian Reich ein Töchterchen, das von mehreren Kindern allein noch am Leben war und bei den Ereignissen im August 1745 neun Jahre alt war. Es sollte ein vernichtender Schlag gegen Joseph Tröndlin in Alpfen und den gleichnamigen Einungsmeister in Rotsel ausgeführt werden (siehe Bilder oben aus der Mühle). Beide Männer waren immer wieder durch des Volkes Stimme zu den obersten Einungstellen berufen worden.

Am Ende des Kapitels schreibt Lucian Reich, die Familienpapiere melden mit kurzen Worten:

1745 wurde Konrad Tröndlin (der Sohn des Einungsmeisters) von den Salpeterern so erbärmlich mißhandelt, daß er das Leben dadurch hat einbüßen müßen.

Konrad Tröndlin war vermutlich ein Bruder des Josef und eins der neun Kinder vom Einungsmeister Adam Tröndlin.

Kreuz von 1847 an der Einungsmeistermühle

Fortsetzung hier:

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