Zum Gallustag

Am 16. Oktober werden die Kirchweihfeste in den Galluskirchen begangen.

Bauernregeln zum 16. Oktober

  • Bis St. Gallus müssen alle Früchte, die im Frühjahr Samen bringen sollen, aus dem Garten in den Keller.
  • Hedwig und St. Gall‘ machen das schöne Wetter all.
  • Wenn am Gallus Regen fällt, er bis Weihnachten anhält.
  • Mit St. Hedwig und St. Gall‘ schweigt der Vögel Sang und Schall.
  • Auf St. Gallus-Tag nichts mehr draußen bleiben mag.
  • Auf St. Gallen‘ Tag muss jeder Apfel in sein‘ Sack.
  • Auf St. Gall bleibt die Kuh im Stall.
  • Trockenheit am St. Gallus-Tag verkündet einen trockenen Sommer.
  • St. Gallen lässt Äpfel und Schnee fallen.
  • Ist St. Gallus nicht trocken, folgt ein Sommer mit nassen Socken.
  • Wenn Gallus kommt hau‘ ab den Kohl, er schmeckt im Winter trefflich wohl.
  • Gießt Gallus wie aus einem Fass, ist der nächste Sommer nass.

Zur Weihnachtszeit möchte ich gerne an den Bruder Martin aus dem Jahr 1853 erinnern. Dies nicht nur wegen der Weihnachtsgeschichte und dem Hüfinger Weihnachtslied von Kalliwoda, sondern auch wegen dem heiligen Gallus nach dem die Stadtkirche benannt ist und dessen Geschichte bei Bruder Martin wohl als Vorbild gedient hatte.

Über die Geschichte vom heiligen Gallus gibt es mehrere Bearbeitungen, da wir aber auch im Buch der Badische Bodensee auf den Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo eingehen und dessen Fassung die weiteste Verbreitung hatte, gehe ich davon aus, dass Lucian Reich diese Fassung kannte.

Walahfrid von der Reichenau (deutsch Walachfried der Schieler) oder – wie er sich selbst auch nannte – Strabus, wurde 807 geboren und starb 849. Er war ein Benediktiner, Dichter, Botaniker, Diplomat und von 842 bis 849 Abt des Klosters Reichenau.

Der heilige Gallus

Gallus stammte angeblich aus Irland und kam im Gefolge des Wandermönchs Columban von Luxeuil auf den europäischen Kontinent.

Um 590 gründete der Abt Columban ein Kloster in Luxovium (Luxeuil-les-Bains) wo auch Gallus zu seinen Schülern zählte. Von Luxovium aus zogen die beiden um das Jahr 610 gemeinsam mit weiteren Mönchen nach Alemannien.*

Die Missionsreise führte die Gemeinschaft von Luxovium über die Römerstrassen nach Arbor Felix (Arbon) an den Bodensee.

Tabula Peutingeriana mit Arbor felix und Brigantio.
Der dicke Klecks ist der Lacus Brigantinus (Bodensee), oben sieht man Brigobanne.
Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de

Überall wo die Missionare hin kamen zerstörten sie Statuen einheimischer Gottheiten. Dadurch brachten sie die Einwohner gegen sich auf und die in Brigantio (Bregenz) begonnene Klostergründung misslang. Columban reiste 612 weiter nach Italien und Gallus blieb am Bodensee da er sich mit Columban nicht einig war. Im Gegensatz zu Columban konnte Gallus in alemannischer Sprache predigen und mit den Einheimischen kommunizieren. Gallus wurde von Columban wegen Ungehorsams exkommuniziert und durfte zu dessen Lebzeiten die Messe nicht lesen und nicht daran teilnehmen.

612 beschloss Gallus zusammen mit dem Diakon Hiltibod aus Arbor felix der in den Lacus Brigantinus mündenden Steinach zu folgen und zogen den Bach entlang in den Arboner Forst hinein und kamen an den Wasserfall bei der Mühleggschlucht. Hier stolperte Gallus und fiel in einen Dornbusch. Dies deutete er als göttliches Zeichen hier zu bleiben.

Ewiger Pfennig mit dem Kopfbild des heiligen Gallus

Fotos von Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Foto: Andreas Praefcke, Public domain, via Wikimedia Commons
Foto: PaterMcFly Diskussion Beiträge 16:43, 24. Feb. 2008 (CET), CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Gallus gilt als Gründer des Klosters St. Gallen und ist Schutzpatron von St. Gallen.

Die Legende von Gallus und dem Bären

Jeder Heilige hat sein Attribut. So hatten wir bei der heiligen Verena den Krug und Kamm und beim heiligen Leonhard die Kette. Den heiligen Gallus erkennt man am Bären. Hier die Legende:

Da Gallus von Columban exkommuniziert war und zu dessen Lebzeiten die Messe nicht lesen durfte, lebte er vor der Klostergründung als Einsiedler mit Hiltibod in den Wäldern. Während Hiltibod schlief war Gallus noch wach, als plötzlich ein Bär auftauchte. Gallus liess sich nicht einschüchtern, auch dann nicht, als der Bär sich aufrichtete. Als er sah, dass der Bär einen Dorn in der Pfote hatte, entfernte er diesen. Dann befahl Gallus dem Bären im Namen des Herrn ein Stück Holz für das Feuer zu holen. Der Bär gehorchte und trug das Holz zum Feuer. Anschliessend gab Gallus dem Bären ein Brot. Hiltibod, der zugeschaut hatte, sagte zu Gallus: „Jetzt weiss ich, dass der Herr mit dir ist, wenn selbst die Tiere des Waldes deinem Wort gehorchen.“**

**Von dieser Geschichte gibt es mehrere Variationen und sogar eine Narrenzunft mit dem Namen Quellbären.

Mehr zum heiligen Gallus im Heiligenlexikon: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienG/Gallus.html

St. Gallus mit Bär und Brot in der Stadtkirche St. Verena und St. Gallus.

Wie Bruder Martin einen Gesellschafter bekam, und wie ihm dieser das Leben rettete.

Bruder Martin
1853
Ein Hausbüchlein für die Jugend, von
Lucian Reich.
Mit Bildern von Heinrich Frank, Lucian Reich und Anderen,
nebst einer Musikbeilage von J. W. Kalliwoda.
Mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. Nep. Heinemann.
Hüfingen, Steindruckerei von J. Nep. Heinemann.

Eines Tages ging Bruder Martin in den Wald, um dürres Holz zu holen, womit er Feuer in seiner Zelle machen wollte, weil die Witterung rau und unfreundlich zu werden begann. Eine ziemliche Strecke war er schon unter den hohen Tannen fortgewandelt, als plötzlich ein großer Bär aus dem Gebüsche brach und schnurstracks auf ihn zukam. – Der gute Mann erschrak nicht wenig, es stand ihm nichts zu Gebote, womit er sich wehren konnte, als etwa der Stock, auf den er sich im Gehen stützte. – Zu seiner Verwunderung jedoch gebärdete sich das Tier demütig und gar nicht unartig, wie sonst Bären tun. Es winselte kläglich und hinkte, indem es die vordere Tatze in die Höhe hob. Auf den verdutzten Waldbruder zu. Dieser merkte jedoch bald, wo es dem Tiere fehle. Er sah, dass in der aufgehobenen blutigen Tatze ein scharfer Dorn steckte. Es gelang ihm, den Splitter herauszuziehen, und da in der Nähe ein Bächlein floss, so wusch er sorgfältig die blutende Wunde und verband die mit feuchtem Moos und Waldgras.

Der Bär bezeigte sich dankbar, was sonst nicht Sache wilder Tiere ist. Er leckte seinem Arzte erkenntlich die Hand, brummte, als wolle er sich bedanken, und lief fort in das Dickicht.

Der Waldbruder ging wieder an sein Geschäft, und wollte eben sein Holzbündel schnüren, als er abermals im Gebüsch rauschte und der schnaubende Bär zum Zweiten Male zum Vorschein kam. Diesmal hielt er ein Kaninchen im Rachen, welches er im Walde erjagt hatte und jetzt seinem Wohltäter zu Füßen legte. Der fromme Bruder lächelte, dankte Gott für den Braten, legte das Thierlein oben auf den Bündel und schickte sich an, die Last auf die Schultern zu heben und nach Hause zu tragen. Aber siehe, der Bär suchte dieses zu verhindern, und gab durch Brummen und allerlei Bewegung zu verstehen, dass er dieses Geschäft verrichten wolle. Als Bruder Martin sah, dass der Bär sich durchaus nicht anders zufrieden geben wolle, legte er ihm die Bürde auf den zottigen Rücken, befestigte sie mit einem Strick, den er um den Leib des Tieres schlang, und trat in Gottes Namen mit seinem Begleiter den Heimweg an.

Das treue Tier war vor dieser Zeit so anhänglich, dass es nicht mehr von seinem Wohltäter weichen wollte. Der Waldbruder gab ihm den Namen Bläß und wies ihm ein eigenes Plätzlein in der Höhle an. Der neue Hausbewohner zeigte sich so gelehrig, dass er bald allerlei Geschäften verrichten konnte. – Jedesmal, wenn der Bruder in das Holz ging, so begleitete ihn Bläß und trug ihm wie ein fleißiger Knecht die Bürde heim: auch beim Hüten der Ziegen war er zu gebrauchen; er bewachte die Tiere wie ein Hund und trieb sie abends von selbst wieder in den Stall, und was das Beste bei alldem war Bläß sorgte selbst für seine Nahrung: jeden Morgen früh vor Tag begab er sich in den Wald, um zu jagen, und selten kehrte er zurück, ohne auch etwas von dem Fange, seinem Herrn zum Frühstück mitzubringen.

Einmal rettete sogar der Bär dem Waldbruder das Leben. – Ein verzweifelter Mensch, der nur von Raub und Diebstahl lebte, hielt sich seit einiger Zeit in den umliegenden Wäldern auf. Er hatte bei einer alten heidnischen Zigeunerin, welche sich mit Wahrsagen und anderem untrüglichen Künsten abgab und im Walde wohnte, bereitwillig Unterkunft gefunden. Dieses böse Weib aber war gegen den Bruder Martin feindselig gesinnt wegen seiner Frömmigkeit und Gottesfurcht, und weil er die Leute im Guten unterwies und vor Irrtümern zu bewahren strebte. Sie hatte ihrem Schützlinge, dem Räuber, vorgespiegelt, der Waldbruder besitze große Schätze und Wunderdinge, die er aus dem heiligen Lande mitgebracht habe: er sei im Besitze, suchte ihn das Weib glauben zu machen, eines Ringes mit einem köstlichen Karfunkelstein, welcher die Kraft habe, dass demjenigen, der ihn trage, das Geld in der Tasche nie ausgehe; auch ein Tischlein habe er, dem man nur die Worte: Tischlein deck dich! zurufen dürfe, um sogleich die ersten Leckerbissen und köstlichsten Weine darauf serviert zu sehen. – Dem abergläubischen, genugsüchtigen Menschen wässert sich schon im Voraus der Mund nach diesen Kostbarkeiten, und er beschloß, den frommen Bruder zu ermorden und ihm alles zu rauben.

In einer finsteren Nacht schlich er sich zur Klause des guten Mannes. Schwarze, im Winde vorüberziehende Wolken verdeckten das Licht des Mondes. Geräuschlos hatte der Bösewicht den Zaun am Eingang der Wohnung erstiegen, und sich stille durch die offene Türe, welche der Waldbruder zuzuriegeln vergessen, in die Zelle eingeschlichen. – In der Hand ein scharfes Beil, näherte er sich dem Orte, wo er, wie er wähnte, den Waldbruder laut schnarchen hörte. – Schon hob sich die mit dem Mordinstrumente bewaffnete Hand – da ertönte urplötzlich ein entsetzliches Brummen. – Eben tritt der Mond hinter den fliehenden Wolken hervor und wirft seine Strahlen durch die offene Tür der Hütte. – Welch ein Todesschrecken! – Eine furchtbare zottige Gestalt richtet sich vor dem entsetzten Räuber auf und schlägt ihn mit gewaltiger Tatze zu Boden. – Der entsetzte Bösewicht glaubt nicht anderes, als den leibhaftigen Satan vor sich zu haben: – Pardon! Schreit er heulend und zähneklappernd, Pardon, gnädiger Herr, verschont mich nur diesmal noch, ich will euch ja gern Seele und Leib verschreiben – und alles tun, was ihr wollt – nur schenkt mir das Leben. Bruder Martin, den dieser Lärm vom Schlaf erweckte, erstaunte nicht wenig, eine so seltsame Szene vor sich zu sehen. Der ergrimmte Bär war eben im Begriff, dem bebenden Räuber seinen Lohn zu geben, als der Bruder schnell von seinem Lager aufsprang, und dazwischen tretend, abwehrte. Der Bär ließ seinen Mann los und zog sich brummend zurück.

Der Waldbruder aber wendete sich zu dem zitternden, im Mondlicht auf dem Boden liegenden Menschen und fragte, was ihn hierher führe und was er wolle. Der zerknirschte Räuber gestand sogleich sein böses Vorhaben und bat, indem er die Knie des heiligen Mannes umfaßte, flehentlich um Verzeihung. – Bruder Martin, der die Gefahr, in welcher er geschwebt, überschaute, blickte gen Himmel und sprach mit den Worten des Psalmisten:

Herr! lehr‘ uns, unsere Tage zählen, * Dass unsre Herzen Weisheit lernen.
Ergieß‘ in uns der Gnadenfülle, * Und leit und stets auf Deinem Wegen.
Sey unser Schild und unsre Stärke, * Wenn Todesschrecken sich uns nahen.

Dann sprach er zu dem Räuber: Siehe, Unglücklicher, wie Gott die Absichten seiner Feinde zu nichte macht, und wie schwach ein böser Mensch ist; doch der Herr will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bessere und auf dem Wege der Tugend wandle!

Der Räuber bat unter Tränen wiederholt um Vergebung und legte auch über seine früheren Missetaten ein reumütiges Geständnis ab.

Bruder Martin, welcher sah, dass es dem Manne mit seinem Vorsatz, sich zu bekehren, ernst sei, behielt ihn einige Tage bei sich, um durch Unterricht und Ermahnungen redlich das Seinige zur gründlichen Besserung des Reuigen beizutragen. Er hatte gefunden, dass bei dem unglücklichen Menschen, der zwar dem Namen nach ein Christ war, mehr Unwissenheit und gänzliche Vernachlässigung seiner Erziehung obwallte, als ein böses von Grund aus verdorbenes Herz. Denn als er ihn zum erstenmal fragte: ob er auch etwas von dem Christkinde wisse, welches vom Himmel herabgekommen, die Menschen zu beseeligen? antwortete der verkommene Mensch ganz verwundert: was denn das für eine Geschichte sei? – davon habe er noch nichts gehört. – Der fromme Mann entsetzte sich über diese Verwilderung und erzählte ihm auf das Liebreichste die Geschichten aus der heiligen Schrift und ihre göttlichen Lehren.

Die Bemühungen des guten Bruders waren vom besten Erfolge begleitet; seine Worte fielen wie guter Same in ein frisch gepflügten Erdreich. Der väterlich gesinnte Mann veranlaßte in der Folge seinen Freund Christoph, dass er den Neubekehrten als Köhlerknecht in seine Dienste nahm, worüber der willige Mensch sehr erfreut war, weil er jetzt einsehen gelernt hatte, dass Müßiggang alles Übels Anfang, und der Weg zum Elend und zur Not sei.

Nie wieder ist jetzt!

Zwei Jahre nach dem Terrorüberfall mit mehr als 1.200 gefolterten und ermordeten Männer, Frauen und Kinder.
Zwei Jahre nach dem größten Massenmord an Jüdinnen und Juden seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Zwei Jahre Relativierung, Kontextualisierung und emphatische Selektion.
Zwei Jahre selektiver Humanismus.
Zwei Jahre Täter-Opfer-Umkehr.



Frau, Leben, Freiheit ژن، ژیان، ئازادی Jin, Jiyan, Azadî

Im Frühjahr hat die VHS-Baar den „virtuosen Antisemitismus“ nach Hüfingen geholt. Mit unserem Geld, in unserem Raum wurden Juden entrechtet, Schändungen an Frauen gerechtfertigt und Geschichte neu geschrieben.

„Nie wieder“ ist wertlos, wenn es nur für die Vergangenheit gilt.
Es muss auch für die Gegenwart gelten; für Auschwitz und Kfar Aza, für Rafah und Sderot, für jüdische Kinder im Kibbuz wie für palästinensische Kinder unter Trümmern.
Wer das nicht aushält, verrät die Idee des Universalismus selbst – und damit die Grundlage jeder Moral.

Mathias Kalle in der taz 4.-10.Oktober 2025

Hüfingen gibt der VHS-Baar eine Bühne für Israelbashing und Geschichtsklitterung

30. März 2025

Plakat der VHS Baar

Eigentlich wollte ich es ignorieren, aber der Schwabo meinte diese Buchwerbung in unserem Bahnhofssaal muss groß aufgezogen werden, also kann ich es nicht weiter unbeachtet lassen. Aber zuerst noch ein Dankeschön an den Südkurier der es ignoriert hat!

Auch vielen Dank an den einsamen E-Mail Schreiber der versucht hatte dieses Debakel zu verhindern! Natürlich hatten Sie Recht, dass eine Beurteilung unseres Bundestages hier in Abrede gestellt wird. Die VHS-Baar beansprucht die Deutungshoheit darüber was antisemitisch sei und was nicht.

Es sei eine offene und kritische Auseinandersetzung?
Dazu möchte ich sagen, dass dies etwas vollkommen anderes ist, als wenn ein BDS Vertreter mit Palituch seine Weltsicht in die Welt hinausposaunt, um sein Buch zu verkaufen.
Auch nicht, wenn ein VHS-Geschäftsführer verbietet den BDS zu loben, weil er sonst einen Antisemitismusvorwurf bekommt.
An unsere geschichtsignorierende Presse: Ich glaube kaum, dass unser Bürgermeister hinter so einem Vortag steht! Das ist mal wieder schlichtweg gelogen, aber das sind wir ja gewohnt.

Man hätte also 10 Euro investieren sollen, um eine antisemitische Propagandashow aufzumischen, damit eine kritische Auseinandersetzung statt findet?
Nein, das ist keine offene Diskussion.
Ach ja der Referent sei nicht antisemitisch da er ja mit „manchen jüdischen Künstlern“ spreche. Na dann.

Der Bundestag hat am Freitag, 17. Mai 2019, einen gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ angenommen:

Der Deutsche Bundestag beschloss:

1. erneut jeder Form des Antisemitismus schon im Entstehen in aller Konsequenz entschlossen entgegenzutreten und die BDS-Kampagne und den Aufruf zum Boykott von israelischen Waren oder Unternehmen sowie von israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Künstlerinnen und Künstlern oder Sportlerinnen und Sportlern zu verurteilen;

2. Räumlichkeiten und Einrichtungen, die unter der Bundestagsverwaltung stehen, keinen Organisationen, die sich antisemitisch äußern oder das Existenzrecht Israels in Frage stellen, zur Verfügung zu stellen. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, keine Veranstaltungen der BDS-Bewegung oder von Gruppierungen, die deren Ziele aktiv verfolgen, zu unterstützen;

3. seine Unterstützung für die Bundesregierung und den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus sowohl in der Prävention als auch in der entschiedenen Bekämpfung von Antisemitismus und jeglichem Extremismus unvermindert fortzusetzen;

4. keine Organisationen finanziell zu fördern, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen;

5. keine Projekte finanziell zu fördern, die zum Boykott Israels aufrufen oder die die BDS-Bewegung aktiv unterstützen;

6. Länder, Städte und Gemeinden und alle öffentlichen Akteurinnen und Akteure dazu aufzurufen, sich dieser Haltung anzuschließen.

Die Stadt Hüfingen zahlt im Jahr 2025 46.000 € an die VHS-Baar, dies widerspricht der Nummer 6.
Nein, das braucht unsere Demokratie überhaupt nicht!
Das hatten wir schon und es war wirklich nicht gut.

Natürlich kamen zu dem Vortrag nur Leute die hinter dem BDS stehen, von daher brauchte der Referent keine Diskussion fürchten. Ausser Victim Blaming war nicht viel übrig und das Massaker vom 7. Oktober 2023 wurde anscheinend ausgeblendet – wie die Ermordungen, Vergewaltigungen, Folterungen und Entführungen von Menschen.

Ich werde niemals hinnehmen, wenn in Hüfingen Juden verfolgt werden!
Als Frau werde ich niemals still neben Femiziden stehen, egal, wem es wichtig ist, diese zu verschweigen.

Unsere Stadt wurde auf die übelste Weise beschmutzt!

Das Säge- und Imprägnierwerk an der Hochstraße

Originalbeitrag vom 8. Juli 2024

Nach dem Handelsregister beim Amtsgericht Donaueschingen wurde am 10. Dezember 1919 ein Gesellschaftsvertrag mit beschränkter Haftung geschlossen und am 27. Oktober 1920 abgeändert. Vorstände der Gesellschaft waren Kaufmann Moritz Faurt in Berlin und der Werkführer Engelbert Holzer. Sie nannten ihre Firma Sägewerk Hüfingen e.G.m.b.H. und am 28. Februar 1921 wurde die Firma Boswau und Knauer, e.G.m.b.H. Berlin, Zweigniederlassung Hüfingen ins Handelsregister eingetragen.*1

In Berlin wurde am 18. September 1926 in den Geschäftsräumen der Mitteldeutschen Kreditbank die Silvana-Holzindustrie Aktien-Gesellschaft mit dem Sitz in Hüfingen gegründet. Mit dieser Gründung wurde die Aktien-Gesellschaft Boswau und Knauer um die Mitteldeutsche Kreditbank und die Grundstücks- und Effekten-Verwertung, G.m.b.H. in Heidelberg erweitert. Die Gesellschaft bezweckte den Zusammenschluß der Boswau und Knauer AG. gehörenden Säge- und Imprägnierwerke in Hüfingen, in Aach, in Linza. d.D. sowie der Sägewerke Wolfach zu einheitlichen Betrieben.*1


Im Jahr 1933 ging das Sägewerk an das Haus Fürstenberg über und hieß „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. *1

Im Sägewerk arbeiteten, bis zur Befreiung 1945, von den Nazis entführte Zwangsarbeiter aus dem überfallenen und besetzten europäischen Ausland.

Die Zeit von 1933 bis 1945 liegt bis auf das Tagebuch von Bart Heyning im Dunkeln und laut der Chronik von Hüfingen hieß es bei der Bevölkerung 1984 noch immer „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. Die Zwangsarbeiter wurden nie entschädigt oder irgendwie die Geschichte aufgearbeitet. Nach der Befreiung lief das Geschäft normal weiter, da das Fürstenhaus von den Alliierten weißgewaschen wurde.

Nach dem Krieg entstand 1951 eine „Fürstenberg-Holzgruppe“ mit Sitz in Brüssel wo es die Interessen der Imprägnierindustrie in Europa vertritt.

Stellwerk 2 Hüfingen vor dem Abriss

Abriss im Oktober 1985

FF Sägewerk in den 1980ern

Fotos Hermann Müller (1914-2004)

2017 wurde Fürstenberg-THP aus der Holzgruppe heraus gegründet. Fürstenberg-THP hat den Standort Hüfingen in den vergangenen Jahren durch den Bau einer neuen Imprägnierungsanlage und die Erweiterung der Produktionsanlagen für die Bearbeitung von Eisenbahnschwellen massiv gestärkt.

Imprägnieranlage

Hierfür werden Teeröle oder sogenanntes Kreosot verwendet. Es sind Chemikalien, die durch die Destillation verschiedener Teere und die Pyrolyse von pflanzlichen Stoffen wie Holz oder fossilen Brennstoffen entstehen. Also ein Gemisch das verschiedene Chemikalien enthält. Vielleicht hat schon mal wer von PAK gehört? Also Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe?

Heute gehen wir davon aus, dass der Boden dort nach über 100 Jahren hochgradig verseucht ist. Vor Jahren haben Anwohner den Boden in ihrem Garten untersucht und die Ergebnisse gibt es hier:

Altlastenkartaster

Schellenbergstraße A
Quecksilbergehalte [mg/kg] : 1.85

Schellenbergstraße B
Quecksilbergehalte [mg/kg] : 0.64

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima)

Im Jahr 2022 gab es einen städtebaulichen Vertrag der Stadt Hüfingen mit der Bima für ein ETZ – Einsatz-Trainings-Zentrum für die Zollverwaltung in Hüfingen.

Bei dem Vertrag handelt es sich um ein hinteres Grundstück mit der Flurstücknummer 600. Dieses Flurstück befindet sich im Besitz von der Fürstenberg-Holzgruppe.


Die Bima bezahlt normalerweise eine Bodensanierung, was ziemlich viel Geld kostet. Aber der Fürst wollte auch ziemlich viel Geld für das Grundstück. Dies alles konnte die Bima nicht vor dem Steuerzahler verantworten und hat vom Kauf Abstand genommen.

Jetzt ist es aber so, dass nicht alles Land dem Fürst gehört, ein kleiner Zipfel vorne gehört der Stadt Hüfingen und das Land wurde im Jahr 2021 untersucht.

Das Flurstück 600 im Besitz der Stadt Hüfingen wurde im Jahr 2021 untersucht. Auf diesem Flurstück wurde immer nur Holz gelagert. Die eigentliche Kontamination mit Grundwasserschaden befindet sich weiter westlich.

Nur zur Info: Neben den Hüfinger Tiefbrunnen am Schaafäcker ist der neue Donaueschinger Tiefbrunnen an der Ruckhalde.

Neuer Donaueschinge Tiefbrunnen an der Ruckhalde

Grundwasserschaden in Hüfingen

Hüfingen hat also einen Grundwasserschaden. Das Gelände vom Sägewerk wurde bereits vor 30 Jahren untersucht. Es wurde ein Grundwasserschaden mit Schwermetallen auf dem Betriebsgelände festgestellt. Dieser Grundwasserschaden wurde von 1998 bis 2025 durch eine Grundwasserentnahme mit anschließender Aufreinigung saniert.
Antworten vom Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz zu unserem Trinkwasser


CDU und Freies Forum stimmten am 8. Mai für die Versiegelung des schwer kontaminierten Bodens und die aktive Vertuschung des Grundwasserschadens. Auf der asphaltierten Fläche baut FF-Holz eine Rundbogenhalle mit einer Grundfläche von 25m x 36m (900m²), um in Zukunft den Grundwasserschaden nicht mehr durch Aufreinigung des Wasser bezahlen zu müssen.

Das Argument hierfür war, dass die giftigen Abwässer vom FF Sägewerk ja nicht in unsere Tiefbrunnen gingen, sondern in die Breg. Hier möchte ich auf den Artikel über die Donau hin weisen: Donau ist Nr. 1 bei Schadstoffbelastungen in Europa.

*1 Nach der Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984

Die Lorettokapelle

Originalbeitrag vom 24.07.2021

Der Grundstein der von Dekan und Stadtpfarrer J. Kaspar Reichlin geplanten Lorettokapelle wurde am Georgitag, (23. April) 1711 gelegt. 1*

Eine Lorettokapelle ist eine architektonische Nachbildung der Santa Casa, der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto. Nach legendarischer Überlieferung sollen im 13. Jahrhundert Engel das Haus der Heiligen Familie von Nazareth nach Loreto getragen haben.

Die Hüfinger Kapelle wurde nach dem Muster der Villinger Lorettokapelle gebaut.

Lorettokapelle in Villingen 1955

Die Hüfinger Lorettokapelle wurde am 31. Oktober 1715 von Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg (1692-1722) geweiht.1*

Die 130 Pfund schwere Glocke, die im Winter 1805/1806 gesprungen war und umgegossen werden mußte, überstand beide Weltkriege. * 1

Vielen Dank an Artur Lehnert fürs Läuten und auch dafür, dass er mich geduldig in Loretto hat Fotos machen lassen!

Johann Ignatz Schupp wurde 1692 in Villingen geboren und half seinem Vater Josef beim Fertigen des ersten Hochaltars der Benediktinerkirche in Villingen. *2

Eigentlich für St. Verena und Gallus fertigte er diese Heiligen an.

Johannes der Täufer und Johannes Evangelista vom Villinger Schnitzer Johann Ignatz Schupp 1743

Antonius der Einsiedler und Johannes Nepomuk vom Villinger Schnitzer Johann Ignatz Schupp 1743

Im Bruderhäuschen wohnten verschiedene Waldbrüder. Über die Waldbrüder berichtet auch Lucian Reich im Hieronymus Kapitel 7. Später nannte man die Waldbrüder „Lorettomessner“.

Der letzte Lorettomessner lebt noch, hat im Bruderhäuschen gewohnt und wird uns zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht mehr erzählen.

Bruderhäuschen

In das Bruderhäuschen kommt man hinter dem Altar.

Dieser wunderschöne alte Anbau sollte eigentlich zusammen mit dem Denkmalschutz renoviert werden und würde dann sicher gute Räumlichkeiten für die Jugend bieten.

Ganz oben im einsturzgefährdeten Dachgeschoss befindet sich ein altes Glasfenster vermutlich aus der Werkstatt von Fridolin Heinemann (19.12.1859-04.02.1926) einem Sohn von Josef Heinemann.

Glasfenster aus der Werkstatt von Fridolin Heinemann – ein Sohn von Josef Heinemann.

Von Gottfried Schafbuch 1972: „Die Schrecknisse des Krieges 1939/1945 sind nicht spurlos an der hiesigen Stadtkirche vorbeigegangen. Sämtliche Kirchenfenster, dabei leider auch die mit den Glasmalereien des in München verstorbenen Hüfinger Künstlers Fridolin Heinemann (1859-1926), gingen in Scherben. Das Altarbild aber blieb heil und unversehrt.„

Ebenfalls im Dachgeschoss befindet sich ein Gemälde das vermutlich von Josef Heinemann gemalt wurde:

*1 Hüfingen von August Vetter (1984)

*2 Geschichts- und Heimatverein Villingen

Das Sonnenkreuz zu Hüfingen

Am 1. September 2023 bei den Bauarbeiten Schaffhauser Straße.

Von Gottfried Schafbuch (03.01.1898 – 23.10.1984) aus „Mii Baar – Mii Hoamet“ (1972)

Mii Boor – Mii Hoamet

Dort, wo sich am südlichen Ausgang des Städtchens Hüfingen die Hast und Unrast auf der Bundesstraße teilt und nach rechts durch das Höllental Freiburg zu weiterbraust und linksab mit Sonnenhunger und Fernweh in die Schweiz und nach dem Süden führt, steht, geschützt in einer kleinen Grasinsel, das sogenannte steinerne Sonnenkreuz.

Landauf und landab, in den einsamen Tälern des Schwarzwaldes, an stillen Wanderwegen und auf manch luftigen Höhenzügen trifft man wohl vielfach Wegkreuze aus Stein oder Holz. Jedoch alldort kaum so wenig wie an den poesielosen Autostraßen, die wie fiebernde Pulsadern durch die Länder ziehen, dürfte ein Kreuz mit einer so seltsamen Inschrift in deutscher Sprache, wie sie das Sonnenkreuz in Hüfingen zeigt, zu finden sein.

Das Steinkreuz trägt im Fuße des Sockels die Jahreszahl 1783 und weiter oben, in einem Sockelfeld folgende Inschrift:

2ten IvnI
stirb HeIneMann
StIfter DIeses
CrVCIfIX
Gott Lasse Ihn
eVVIg rVhen.

Wohl schon mancher Beschauer dieser Inschrift mag an der Lösung dieses Rätsels herumgeraten haben und ohne Klarheit zu bekommen, kopfschüttelnd weitergegangen sein. Es ist eine Zeitinschrift, in der die römischen Zahlbuchstaben, die besonders als große Buchstaben hervorgehoben sind, zusammengezählt die Jahreszahl der Begebenheit angeben, von der die Rede ist. Diese Zeitinschrift wird Chronogramm und je nach der Art des Verses auch Chronostichon genannt.

Zählt man nun die Zahlwerte der Buchstaben dieser Inschrift, dieses sind IVIIMIDICVCIIXLIVVIV zusammen, so erhält man die vermeintlich fehlende Angabe des Todesjahres des Stifters, nämlich das Jahr 1794, und das Rätsel ist gelöst.

Der großzügige Stifter des Steinkreuzes, Matthäus Heinemann, wurde am 20. September 1723 als Sohn des Bäckers und Gastwirts Andreas Heinemann und der Katharina Benz zu Hüfingen geboren.

Von Gottfried Schafbuch (03.01.1898 – 23.10.1984) aus „Mii Baar – Mii Hoamet“ (1972)

Sonnenkreuz auf einer alten Postkarte

Die Einweihung vom neuen Sonnenbrunnen!

4. September 2025

Am 4. September 2025 um 17:00 Uhr wurde der Sonnenbrunnen im strömenden Regen feierlich eingeweiht und gesegnet.

Der Gemeinderat hatte am 20. Mai 2016 beschlossen für den abgebauten Sonnenbrunnen Ersatz zu schaffen. Fast exakt 9 Jahre, am 25. April 2025 steht er!

Skizze von Alexander Albert

Die Festschrift vom Gausängertag wurde 1924 im Auftrage des Gesangvereins Liederkranz verfaßt.
Darin wurde darauf hin gewiesen dass „eine erschöpfende Darstellung der Geschichte des Hüfinger Liederkranzes leider nicht möglich ist, da ein Teil der Vereinsakten bei dem im Jahre 1897 stattgehabten Brande des Gasthauses zur Sonne in welchem sich zu jener Zeit das Vereinslokal befand, zerstört wurde.“

Es gab in Hüfingen mehrere Gasthäuser zur Sonne. Hier ist die um 1815 von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) neu erbaute Sonne an der Schaffhauser Straße gemeint. Sie befand sich in der Nähe des Sonnenkreuzes und des Sonnenbrunnens und ist 1897 abgebrannt.

1250 Jahre Wolterdingen

Wolterdingen Glaskunst

Unten das Programm für die Freilichtspiele vom 12. – 14. September

3. August 2025

Im Jubeljahr werden in der vielfältigen Gemeinde auch vielseitige Formate vorgestellt. Nach dem Festbankett, der Ausstellung mit den 50 Sachen und dem Jubiläums Volksfest war ein Vortrag über die Wolterdinger und die Baarschwarzwälder Glaskunst. Denn die Wolterdinger Glasfabrik, d ‚Glasi und d‘ Schliefi, war wohl das aussergewöhnlichste und kunstvollste Gewerbe der Bregtal Gemeinde. Über diese dort ausgeübt Glaskunst gab es im Kehlnhof Museum in Bräunlingen eine Vortrag über die Kulturgeschichte des Glasmachens von der Antike bis in die Glasfabrik Wolterdingen. Im Kehlnhof Museum deshalb, weil ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr die zur Habsburger Stadt gehörende Glasgemeinde Bubenbach 300 Jahre alt wird. Sie war so etwas wie der Urknall der Baarschwarzwälder Glaserei im Dreieck Bubenbach, Herzogenweiler und dem Höhepunkt Wolterdingen. Im musealen Ambiente des Kehlnhofes mit stilgerechten Glasobjekten wird über die grosse Glaskunst in Wort und Bild
erzählt.

Finissage mit 50 Sachen

5. Mai 2025

Am bedeutungsvollen Internationalen Tag des Museums, am 18.5.2025 fand die Finissage der erfolgreichen, kurzweiligen Ausstellung: „Wolterdingen in 50 Sachen“ statt.

Bis dann kann man aussagestarke Objekte aus Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Spiritualität der sehr alten und ungewöhnlich  vielfältigen Jubiläumsgemeinde Wolterdingen auf sich wirken lassen. Bronzelappenbeile, Doppelspitzbarren, Mineralien und ein rarer Fulgurit sind naturkundliche Objekte. Andere Dinge wie eine St. Kiliansskulptur, Gewerbe – und Industriehistorische  Beispiele, eine Original Bregtäler Holzklassebank und die überdimensionale, beeindruckende Gemarkungsgrundkarte geben einen optischen und erklärenden Einblick in die Eigenart des Ortes. Gesellschaftliches Leben wird durch Feuerlöschgerät, einen Schellenbaum und einen Film über die 1200 Jahrfeier vor 50 Jahren dargestellt. Ein Wasserverteilstein als Symbol einer frühen Wasserversorgung durch Diechelleitungen vor dem  Sammlungseingang stellen die Versorgungslage dar. Vorläufiger Höhepunkt der Gemeindeentwicklung ist der enorme Hochwasserdamm. All das kann in einem stilvollen und informativen Begleitkatalog nachvollzogen werden. Die Bregtäler Ballade, vorgetragen von Walter Köhler, der zur Einstimmig auf der Bregtalbahn Holzklassebank Platz nimmt, wird die Poesie des Bregtälers, des legendären Romulus, musikalisch aufleben lassen.

Interessierte sollten die in dieser Art einmalige Ausstellung in den FF Sammlungen am Karlsplatz Donaueschingen  bis zum 18.5.2025 besuchen. Denn danach werden die Objekte wieder für lange Zeit in verschiedenen Depots, Sammlungen und Archiven eingelagert werden.
Die Bevölkerung der Region ist herzlich zu dieser finalen Abschlussveranstaltung  eingeladen.

Ausstellung in den FF-Sammlungen über 1250 Jahre Wolterdingen

2. April 2025

In den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen am Karlsplatz Donaueschingen werden 50 für Wolterdingen aussagestarke, bezeichnende Objekte, Dinge, Artefakte, Sachen ausgestellt. Anhand dieser Sachen kann der Besucher der langen und vielfältigen Vita der Jubiläumsgemeinde nachspüren.

Die ältesten Wolterdinger sind zurück

Seit kurzem sind zwei Sachen der Heimatgemarkung zurückgekehrt. Vor weit über 3000
Jahren haben Bewohner in der Bronzezeit mit diesen Fundobjekten Holz bearbeitet, Katen gebaut, Bäume gefällt, Brennholz und Kohlenmeiler Holz gespalten. Es sind Bronze Lappenbeile. Äxte die aus Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zink, hergestellt, geschmiedet werden. Lappenbeil deshalb, weil zunächst eine Bronze Platine geschmiedet wurde und da zwei seitliche Lappen aufgebogen wurden. In dieses Auge, in diese Röhre wurde dann der Beilstiel eingepasst. Beide Metalle gibt es in Mitteleuropa nicht. Nur im Norden, in Britannien und dem Balkan. Also mussten diese Geräte von sehr weit her und kostspielig eingeführt werden. Im Flecken Wolterdingen wurden diese wertvollen Werkzeuge benutzt. Also war da was, in der Bronzezeit. Mehr wissen wir noch nicht. Nur dass diese archäologische Rarität hier gefunden wurde. Wo, wann, von wem ist in der Archiv- Beschreibung im archäologischen Landesarchiv Rastatt leider nicht vermerkt.

Wer sich vom Mythos Bronze Lappenbeil anregen lassen will, kann dies in einer Vitrine in der Ausstellung

Fulgurit – Au des no

Wolterdingen in 50 Sachen

„Erklär mir Wolterdingen“

08. September 2023

Am Freitag 08.09.2023 war ein Bildvortrag zur Einstimmung zum 1250 Jahrfest

Motto : „Vom Bronce Lappenbeil zur Hochwasserregulierung“.

Freiluft Veranstaltung an der HW- Dammarena

Wolterdinger Bronce Lappenbeil 3000 Jahre alt

Hochwasserregulierungswehr 2009

Als Geburtsstunde einer Gemeinde gilt üblicherweise die schriftliche Erwähnung in einem Rotulus, mundartlich „Rodel“, eines Klosterprotokolles. Im Quellenland gehört Wolterdingen unter die Top-Ten der Ersterwähnungen. Nur um knappe 15 Jahre von Heidenhofen geschlagen.

Anno 775 wird in einem „Baumgarten“ eines Amtssitzes oder auch eines Klosters ein derartiger Rodel unterschrieben. Dass aber Wolterdingen zu den ältesten Gemeinwesen im Baarschwarzwald gehört, kann man sogenannten Artefakten ablauschen. Denn im Gewann Gehren wurde, wie erst jetzt bekannt, ein ungefähr 3000 Jahre altes Bronce-Lappenbeil gefunden. Und aus der Eisenzeit, der Keltenzeit vor etwa 2500 Jahren, wurden 12 Eisenbarren, sogenannte Doppelspitzbarren gefunden. Die Manganerzvorkommen im Unteren Bregtal und der Eisen- Keltenfürst vom Magdalenenberg legen deshalb nahe, dass hier schon damals ein erfolgreiches Gemeinwesen angesiedelt gewesen sein muss.

Über diese uralten Ursprünge, die Beuurkundung und die anschliessende ungewöhnlich vielfältige Entwicklung von Wolterdingen kann man sich bei diesem Bildvortrag an der Dammarena zu den 1250 Jahrfeiern im Jahr 2025 einstimmen. Gestreift wird die historische Entwicklung bis in die Neuzeit in Wort und Bild. Keltische Rennöfen, uralte logische Verkehrswege, Geologie, Landschaftsgeographie, Steinbruchwesen, Holzwirtschaft, Landwirtschaft, Mühlen und Sägereien, Ziegelei, Kalkbrennen, Wasserversorgung, Hydrologie, Bregtalbahn, Glasfabrik, Handel und Gewerbe und geistliche und weltliche Bildung werden kurz erläutert.

All das führte zu der aussergewöhnlichsten, vielseitigsten Gemeinde im Baarschwarzwald. Gerade am Beispiel Wolterdingen wird der Historiker Kernsatz sehr deutlich: „ Die Geschichte wird von der Landschaftsgeographie geschrieben, nicht von den Herrschenden“.
Den Besuchern dieses ersten Test- und Probelaufes, dieser Info Veranstaltung für Bürger, Aktive und Helfer an der Dammarena, wird eine Sitzunterlage und warme Bekleidung und etwas Selbstverpflegung empfohlen. Ausser Leinwand, Beschallung und Projektion wird keine Infrastruktur zu diesem gemütlichen, stimmungsvollen und idyllischen Vortrag bereitgestellt.

Die Bevölkerung der ganzen Region ist zu dieser kostenfreien „Schnupper“ Freiluftdarbietung, zur Motivation und zu diesem Appetitanreger herzlich eingeladen.
Festkommitee und Ortsverwaltung 1250 Jahre Wolterdingen

Kriegskindheit

Mit Ritterkreuzen (aus Pappe) dekoriert: die Brüder Fritz und Wolf, dazwischen Klaus

So allmählich verabschieden sich die letzten Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg für immer. Da will auch mir nicht mehr aus dem Kopf, dass ich ja ebenfalls die Jahrhundertkatastrophe noch mit abbekommen habe. Allemal, wenn abends die grauenerregenden Bilder aus dem Gazastreifen oder aus der Ukraine über den Bildschirm flimmern, selten ohne verletzte, getötete oder doch heillos verstörte Kinder. Was macht der Krieg aus einem, so hatte ich mich vor Jahren schon beim Durchackern des väterlichen Kriegstagebuchs gefragt; und was hat er aus mir gemacht? Schon der Umstand, dass ich im März 1940, am Ostersonntag, in der badischen Metropole geboren wurde, hat mit dem Fronteinsatz des Vaters zu tun gehabt: mehr freilich noch mit der Verfügbarkeit der Karlsruher Großmutter beim Hüten des Erstgeborenen (meines Bruders Fritz) während Mutter Elses Entbindung. Derweil der Vater, im Rang eines Offiziersanwärters, Dienst am einstweilen noch ruhigen Westwall tat – nicht  gar so weit weg an der elsässischen Grenze. Erst im Juni dann sollte der Krieg für ihn blutiger Ernst werden: Bei der Erstürmung der Maginot-Linie in den Ausläufern der Vogesen sollte er durch einen Granatsplitter das erste Mal verwundet werden.

Daheim in Kandern im Markgräflerland, fehlte es mir im weiteren Kriegsverlauf durchaus nicht an mütterlicher Obhut und Zuwendung, immer häufiger auch nicht an großmütterlichem Einsatz, nachdem dann auch der Karlsruher Opa noch eingezogen worden war. Trotz Krieg scheint es mir in meinen ersten Lebensjahren an kaum etwas gemangelt zu haben. Traumatische Erlebnisse, wie sie so viele Vertreter der Kriegsgeneration bis zum Lebensende zu verfolgen und zu quälen pflegen, wollen in mir bis heute – gottlob! – nicht aufkommen. Was aber nicht heißen soll, dass sich im Langzeitgedächtnis nicht auch düstere Ereignisse abgespeichert finden. Doch so ganz Entsetzliches scheint mir jedenfalls erspart geblieben zu sein. Meine früheste, freilich arg nebelhafte Erinnerung rankt sich um einen Krankenhausbesuch in Lörrach, wobei ich mir nicht sicher bin, ob der Anlass der geplatzte Blinddarm von Bruder Fritz war oder Mutters Entbindung von Bruder Klaus (im März 1943). Um dorthin zu gelangen, musste man mit dem „Chanderli“, einem von Kandern nach Haltingen verkehrenden Schmalspurbähnle, bis nach Binzen (oder war es bis Rümmingen?) fahren, um von dort über die Lucke (dem Sattel zwischen Kander- und Wiesental) nach Lörrach zu gelangen. Geblieben ist mir die Erinnerung an Salzbrezeln im Krankenhaus, aber auch an einen Panzer, der oben auf der Lucke stand. Was der dort suchte, ist mir schleierhaft, denn die Front war ja noch weit weg. Oder sollte ich ihn mir später hinzuphantasiert haben? 

Frühe Fotos aus den elterlichen Alben zeigen mich damals heiter und erstaunlich gut im Futter, so gut, dass ich von Bruder Fritz noch jahrelang gehänselt wurde ob meiner „Hängebacken“. „Aldi Hex vo Binze, kochsch mer guedi Linse“ – dieser Markgräfler-Reim gehörte schon früh in unser Liederrepertoire. Denn Essen hatte bei mir schon immer einen (wolfsmäßig) hohen Stellenwert, auch wenn wir dank Mutters (und/oder Omas) erfindungsreicher Küche nie wirklich hungern mussten. Apropos Wolf: Seit Vaters Tod im Jahr 1995 rätsle ich, wie ich eigentlich zu meinem Namen gekommen bin. Ich meine mich erinnern zu können, dass ich nach einem gefallenen Freund von Vater Fritz (nach welchem nur?) benannt worden sei. Oder könnte da womöglich doch „der Führer“ (der von seinem engsten Kreis Wolf genannt werden durfte) mit herumgespukt haben? Schade, dass ich zu Vaters Lebzeiten da nie nachgehakt habe.

In Kandern wohnten wir in der staubigen (offenbar noch ungeteerten) Feuerbacher Straße gleich neben dem Pfarrhaus. Unsere Mietwohnung gehörte zum Tonwerke-Komplex der Ziegeleifirma Kammüller, und gegenüber den Mitgliedern der Fabrikantenfamilie durften wir Kinder uns nur ja keine Frechheiten erlauben. Dennoch pflegten wir Brüder unterm Bürofenster der Miteigentümerin Liese Kammüller mitunter provozierend „Liese auf der grünen Wiese“ zu singen, wofür wir uns eines Tages reuig und zerknirscht bei ihr zu entschuldigen hatten. Denn Mutter Else durfte es, als kriegsbedingt Alleinerziehende, nur ja nicht verscherzen mit den Vermietern. Spielplatz war denn auch weniger das Fabrikareal mit seinen Hallen voller Backsteinbeigen und dem hohen Schlot als vielmehr der Pfarrhausgarten nebenan, wohlgelitten von dem mit der Familie befreundeten, stimmgewaltigen Stadtpfarrer, dessen Sohn unser bevorzugter Spielkamerad war.

Mit Ritterkreuzen (aus Pappe) dekoriert: die Brüder Fritz und Wolf, dazwischen Klaus


Wann immer Vater Fritz urlaubshalber in schneidiger Uniform von der wankenden Ostfront zuhause auftauchte, waren gemeinsame Wanderungen in die Umgebung zu dieser oder jener Waldhütte angesagt, wir beiden Buben (der dritte war dazu anfangs noch zu klein) zumeist bewaffnet mit Holzgewehren und ab Kriegsjahr 1944 geschmückt mit Ritterkreuzen aus Pappe, nachdem der Vater in den Rückzugsschlachten damit ausgezeichnet worden war; mich begleitete dabei stets auch mein hölzerner Gliederdackel, der mit dem Schwanz wedeln konnte. Spielten wir da „Soldätles“ oder war mir der Forstberuf etwa damals schon irgendwie vorgezeichnet? Gegen Kriegsende galten die Gänge mit dem Vater dann allerdings mehr den Flakstellungen oberhalb Kanderns als dem Wald.

Unterwegs in den Kindergarten gerieten Bruder Fritz und ich eines Morgens in einen heftigen Fliegerangriff – für mich die mit Abstand eindringlichste Kriegserinnerung: Wir hatten eben den Kirchplatz erreicht, als die Sirenen heulten und es auch schon zu jaulen und zu krachen begann. Kirchenfenster gingen neben uns zu Bruch und an der Hauswand gegenüber warf sich ein Mann Deckung suchend auf den Boden, während wir beide unter einer Kastanie Schutz suchten. Ob oder wie sehr wir schlotterten und heulten vor Angst, hat sich mir nicht eingeprägt – den Schrecken muss ich wohl doch irgendwie verdrängt haben. Als das Krachen endlich aufhörte und die Flieger sich wieder aus dem Staub gemacht hatten, kam plötzlich unser Vater gerannt, der sich gerade im Fronturlaub befand. Zu unserer Verwunderung rannte er jedoch weiter, nachdem er sich nur kurz vergewissert hatte, dass uns nichts passiert war. Offenbar wollte er nach den Bombenschäden in der Stadt sehen, um, falls erforderlich, Hilfe leisten zu können. Viel später haben wir ihn mit der Frage gelöchert, weshalb er uns eigentlich nicht zuerst nachhause gebracht hat. Lag es daran, dass er aus Russland weitaus Heftigeres gewohnt war? 

Auch daheim in der Feuerbacher Straße überstanden wir noch manchen Alarm, und nach einem solchen war sogar einmal unmittelbar hinterm Haus eine Mörsergranate eingeschlagen. Das Pfeifen und Krachen von Granaten wie auch das Heulen der Sirenen ist mir seitdem im Ohr geblieben. Die Kinder am Wickel, pflegten sich Mutter und Großmutter jeweils Hals über Kopf die Treppe hinunter in den Keller zu stürzen!

Sehr viel harmloser und durchaus positiv besetzt ist dagegen ein anderer Erinnerungsfetzen: Irgendjemand hatte uns Buben eine Fahrt per Pferdefuhrwerk (im Alemannischen „Bräckle“ genannt) nach Bamlach am Rhein ermöglicht, wo wir die Mutter beim Schanzen (dem Ausheben von Schützengräben) besuchen durften. Auch nach Badenweiler, wo der Vater Ende 1944 im noblen, zu einem Lazarett umfunktionierten Sanatorium „Haus Baden“ seine Ruhrerkrankung auskurierte, ging es bisweilen wieder mit der Mutter, ob zu Fuß oder dank einer Mitfahrgelegenheit, ist mir nicht mehr erinnerlich.

Die letzten Kriegswochen waren wir samt Karlsruher Großmutter im Platzhof evakuiert, einem Bauernhof einige Kilometer ostwärts von Kandern. Dort, im hofnahen Wald, gerieten wir letztmals in einen Fliegerbeschuss – in Erinnerung ist mir vor allem die Oma geblieben, wie sie sich mit uns Buben in den Weggraben warf, weshalb wir unentdeckt und unversehrt blieben. Schlimmer war allemal, dass an der Scheideck, oben auf der Passhöhe der Straße nach Kandern hinüber, mehrere von Schmeißmucken umschwirrte, aufgeblähte und stinkende Kadaver von Armeepferden lagen, die offenbar beim Rückzug der deutschen Truppen dort zu Tode gekommen waren. Fritz und ich mussten sie mehrmals mit Schaudern und zugehaltenen Nasen  passieren, wenn wir im Städtle einen Einkauf zu besorgen hatten. Viel später erst wurde mir bewusst, dass exakt hier oben anno 1848 auch Friedrich Heckers revolutionärer Zug aufgerieben worden war.

Der Einmarsch der Franzosen verlief, zumindest aus der Sicht von uns Kindern, recht undramatisch, obwohl es sich überwiegend um (wegen ihrer Übergriffe auf Frauen übel beleumundete) Marokkaner gehandelt hat, die da plötzlich in Kandern auftauchten, ohne dass es noch zu Kampfhandlungen gekommen war. Auch im Holzschuppen nebenan kampierten welche, was uns Buben natürlich mächtig faszinierte. Sie hatten von uns eine Zeltplane konfisziert, die Fritz und ich anderntags in ihrer Abwesenheit wieder durch die hölzerne Lattentüre heraus angelten – soviel Heldenmut musste sein.

Der Vater hatte sich, wie in seinem Kriegstagebuch nachzulesen ist (und wie er es uns  später anlässlich eines Bodenseebesuchs an einem der Originalverstecke im Wald oberhalb Ludwigshafen sehr plastisch dargestellt hat), nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 bewaffnet und in voller Montur nächtelang vom Bodensee-Hinterland auf Schleichwegen bis kurz vor Kandern durchgeschlagen, ehe er sich schließlich doch von einem seiner Vorkriegs-Mitarbeiter dazu bewegen ließ, sich bäuerliche Zivilkleidung auszuleihen. Was sich als rettende Idee herausstellte, denn vor unserer Haustür hatte ein französischer Posten Stellung bezogen, der die Fabrikhallen bewachte. So blieb uns der Vater vorerst unbehelligt erhaltern; erst im Herbst 1945 holten die Franzosen ihn ab zu anderthalb Jahren Kriegsgefangenschaft. War er denunziert worden, wenn ja, weswegen? In den paar Wochen, solange er noch zuhause war, hatten wir mit ihm immer wieder Hamstertouren in die umliegenden Dörfer unternommen, zumeist mit dem Leiterwägele, auf welchem wir bergab alle aufsitzen konnten. Kurz vor Obereggenen bin ich dabei als Wagenlenker einmal mit Karacho einem Radler in die Speichen geraten. Noch unauslöschlicher ist mir jedoch eine abendliche Heimfahrt im Gedächtnis geblieben. Es hatte zuvor in Obereggenen reichlich neuen Süßen gegeben, Krätzer, der offenbar schon am Vergären war. Talabwärts, von der Johannesbreite nach Sitzenkirch hinunter, war ich wieder mal Chauffeur mit der Deichsel zwischen den Beinen, mit Bruder Fritz und dem Vater hintendrauf, dieser mit dem Bremsbengel in der Hand zur Temporegulierung, mit dem „Fuullenzer“ (Faulenzer), wie er ihn nannte. Dreimal hintereinander mussten sie mich aus dem linksseitigen Straßengraben herausziehen, denn anscheinend hatte ich meinen allerersten Schwips abbekommen. Nach der dritten Entgleisung fing ich (verdienter- oder unverdientermaßen?) noch eine väterliche Ohrfeige!

Als weniger unfallträchtig, aber auch als weniger ergiebig erwiesen sich dann die Hamstertouren mit der Mutter, derweil der Vater in Mulsanne in französischer Gefangenschaft schmorte und Hunger litt; mit ihm hatte es bei den Bauern der Umgebung offenbar weitaus besser geklappt mit der Hamsterei. Mit der Mutter hingegen ist mir vor allem eine Tour in Erinnerung geblieben: über Sitzenkirch nach dem Weiler (mit dem für Hamsterer so verheißungsvoll klingenden Namen) Käsacker: Auf dem Hinweg hatten wir noch fidele Marschlieder aus Jugendbewegungszeiten gesungen à la „Hoch auf dem gelben Wa-ha-gen“ oder „Ich armes welsches Teufele“; heimwärts trotteten wir neben einer weinenden Mutter einher, nachdem wir von den Bauern offenbar unfreundlich empfangen worden waren und nichts Nahrhaftes abbekommen hatten. Richtig hungern mussten wir dennoch nicht, denn immer gab es ja noch Kartoffeln, die die Mägen füllten, salzig oder süß, in unzähligen Variationen von Mutter oder Großmutter gekocht, gebraten, gestampft oder gerieben. Viel später, womöglich erst in der Pubertät, beschlich mich der Verdacht, dass die Form meines Brustkastens auf jene Kartoffelzeit und meinen wölfischen Appetit zurückzuführen sein könnte. Zeitlebens verschmähe ich indessen die mit Zucker und Zimt bestreuten Kartoffelpuffer, von denen ich damals gar zu viele vertilgt haben muss. 

Glück gehabt also – kein Wunder, dass mich die im Weltkrieg so glimpflich verlaufene Kindheit nicht mehr zu quälen scheint! Und doch: nach achtzig Friedensjahren schleicht sich das Kriegsgespenst wieder ein. Ob es sich wohl wieder vertreiben lässt? 


*Hockenjos, W.: Was der Krieg aus einem macht. Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters. In: Vom Nationalsozialismus  zur besetzungsherrschaft. Fallstudien und Erinnerungen aus Mittel- und Südbaden. Hg. von Heiko Haumann und Uwe Schellinger. verl. regionalkultur, 2018

Steinerbächle, Mühlibach, Steinersäge und das WKA Steiner Säge

Unter dem Wuhr auf der Gemarkung Bräunlingen gibt es ein Abzweig der Breg mit dem Namen „Flutkanal“. Hier fließt dann der sogenannte Gewerbekanal über den „Hermannswinkel“ und wird dann auf einmal Steinerbächle genannt.


Steinerbächle kommt womöglich von der alten Steinersäge die dort mal stand. Laut Chronik war am 24. September 1777 das Sägewerk Scherzinger an einen Vorfahren des Gottlieb Steiner von Hüfingen verkauft worden. Zwei Wasserräder in der Steinerschen Anlage dienten einst dem Betrieb einer Walkerei und einer Sägemühle. Sie wurden am 1. Dezember 1903 mit Genehmigung des Bezirksamtes Donaueschingen durch eine Turbine ersetzt.

Steinersäge aus der Chronik von Hüfingen (1984) gezeichnet von Franz Wintermantel.
Steinersäge aus der Chronik von Hüfingen (1984) gezeichnet von Franz Wintermantel.

Steinersäge, bzw. Sägewerk Scherzinger vielleicht 1950

Fotos: Karl Schweizer

Die Steinersäge ist irgendwann nach 1984 abgebrannt. Bei Karl Schweizer im Fotoalbum heißt sie Sägewerk Scherzinger.


Vermutlich heißt das Gewässer erst Gewerbekanal, dann Steinerbächle (wo die Säge war) und dann ab der Brücke Mühlebach.

Wasserkraftanlage

Im trockenen Jahr 2003 gab es ziemlich Ärger, weil der Kanal leer gelaufen war und deshalb die Fische darin elendig gestorben sind. Seit da macht man es besser und schaut, dass zumindest der Kanal voll bleibt. Deshalb wird dann auch das Kraftwerk aus geschaltet. Der Nachteil bei der Geschichte ist, dass die Breg beim Römerbad im Jahr 2022 total ausgetrocknet ist und die Fischer dort die Fische retten mussten.

Wasserkraftanlage

WKA Steiner Säge

12. August 2022

Gewerbekanal mit Kraftwerken


An diesem Kanal sind zwei Wasserkraftwerke. Einmal das beim Fußballplatz und das andere beim Landesheim. Das am Landesheim heißt „WKA Steiner Säge“.

Landesheim 1988.
Fotos von Karl Schweizer

Kanal mit WKA Steiner Säge

Neues vom Leänedli

aktualisierter Beitrag, 1. Version am 15. August 2024

Die St. Leonhardskapelle dürfte wohl eine der ältesten Kapellen der Baar sein. Sie wurde 1479 erbaut und ist eine Stiftung der Brüder Konrad und Burkhard von Schellenberg und von Hüfinger Bürgern.

Karte aus dem Jahr 1664 von Hüfingen, Behla und Sumpfohren.

Karte von Martin Menradt aus etwa 1661.
Rechts sieht man am Rand das Leänedli.

Vielen Dank an Dr. Jörg Martin für das Foto!

Karte aus dem Jahr 1664 von der Baar

Aus dem Jahre 1620 stammt die „Bräunlinger mappa“, in der die Territorialgrenze gegen Bräunlingen hervorgehoben ist. Sie enthält auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen.
Die Schächerkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der Behlaer Weiher sind hier richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar.
Verzeichnet sind auch das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.**

Landtafel der Baar von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo der Garten der Stadtapotheke war und wurde 1788 abgerissen (Nikolausgasse).
Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der »Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.*

Eine alte Pergamenturkunde berichtet, dass im Jahre 1479, am Samstag vor dem St. Nikolaustag, die Gebrüder Konrad und Burkhard, Ritter von Schellenberg, und die Bürger zu Hüfingen die Kapelle, „vor der Bruck gelegen“, weihen ließen zu Ehren des hl. Lienhard und „am 19. Dezember 1630 wurde das Glöcklein von St. Leonhard geweiht.“*


Vielen Dank an den Mesner Artur Lehnert für das läuten der Glocke!


Die Außenwände der Kapelle sind mit einer Kette umzogen, an der sechs Hufeisen hängen, weil St. Leonhard der Patron der Fuhrleute ist. Sie gelten als „aneinandergereihte Danksagungen“ an den Patron aller angeketteten Wesen, der Gefangenen und der Stalltiere. Daß die Kette von einem Fuhrmann als Dank für die Rettung aus der Hochwasser führenden Breg gestiftet wurde, darf wohl als Sage gelten, da ja die Mehrzahl der Leonhardskapellen mit Ketten versehen sind.



St. Leonhard lebte im 6. Jahrhundert, gehört zu den 14 Nothelfern und ist der Patron der Fuhrleute.

König Theodebert erlaubte St. Leonhard, dass er sich den Gefangenen annahm. Daran hatte bisher noch kein Mensch gedacht, dass Sträflinge auch Seelsorge brauchen. Leonhard sorgte für Gerechtigkeit im Strafvollzug, erwirkte Befreiung für Unschuldige und nahm sich besonders der Strafentlassenen an. Diese mußten wieder Boden unter die Füße bekommen, sonst gerieten sie auf neue Abwege. Er ließ sich Land schenken, stellte seine Schützlinge mit Spitzhacken und Spaten hin, lehrte sie roden und siedeln und wirtschaften. Nach ein paar Jahren waren sie ordentliche Menschen.*

Der Merowingerkönig Chlodwig I. wollte seinem früheren Höfling Leonhard, weil er so tüchtig war, ein Bistum besorgen; aber dem Demütigen stand der Sinn nicht darnach. Er ging in das Kloster Micy bei Orleans und nahm dort den Habit. Als er auch daselbst nach einiger Zeit selber den Stab führen sollte, machte er sich davon und suchte in einem Wald bei Limoges die Einsamkeit auf. Das Regieren Lag ihm nun einmal nicht, er wollte dienen.*

Er selber blieb in der Einsamkeit, aber mit der Zeit gesellten sich ihm Brüder bei. Man baute Zellen und eine Kapelle; der Anfang zum Kloster Noblat, später Leonhardskloster genannt, war gemacht. Als Gründer dieses Klosters wurde er trotz seines Sträubens zum Abt gewählt, man übergab ihm den Abtsstab.

Lucian Reich erwähnt in seinen Schriften, dass in der hiesigen Leonhardkapelle, im „Leänedli“, wie sie geheissen wird, jeweils vor dem Auftrieb des Viehes auf die verschiedenen Weiden Gottesdienste gehalten wurden.

Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhard oder auf seine Anrufung hin auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.

Der heilige Leonhard im Leändeli

Leonhard von Limoges, auch Leonhard von Noblat († 559), war ein fränkischer Adelssohn, der am Hof der Merowinger erzogen wurde; später lebte er als Eremit. Er ist einer der 14 Nothelfer. Sein Gedenktag ist der 6. November.

Der Heilige Leonhard in der Kapelle von der Lochmühle.
Die Kapelle wurde 1805 zum Gedenken, der beim Hochwasser 1804 Ertrunkenen, gebaut.

St. Leonhard von 1310 im Würzburger Dom.
Foto: Andreas Faessler, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Lochmühle

Die Statue in der Kapelle stellt St. Leonhard mit einer Kette mit Handschelle und Schloß und mit dem Abtsstab dar.

Der heilige Leonhard, zunächst Schutzpatron der Gefangenen wird auch als „Kettenheiliger“ bezeichnet. Der Kettenheilige wird von Bauern, Stallknechten, Fuhrmannsleuten, Schmieden und Schlossern sowie Obsthändlern und Bergleuten angerufen. Er gilt auch als Helfer von Wöchnerinnen, bei Kopfschmerzen sowie Geistes- und Geschlechtskrankheiten.***

Der Altar im „Leänedli“ stammt aus der wegen Baufälligkeit im Jahre 1788 abgebrochenen St. Nikolauskapelle. Das Altarbild, gemalt 1748 von Johann Pünner, einem heute unbekannten Maler, trägt oben die Inschrift:

„St. Leonhard und St. Nikolaus, bittet für uns.“

Besonders in Bayern, wo Leonhard der Liebling der Bauern vor allen andern Heiligen ist, wird sein Fest am 6. November recht feiertäglich begangen. In vielen Orten finden alljährlich die Leonhardifahrten statt. Über fünfzig Wagen in hochfestlichem Aufputz bilden in Tölz die freudige Prozession. Die Jungfrauen fahren in einer besonders schönen „Truhe“, im Dirndelwagen. Die Burschen und Männer aber reiten nach der Umfahrt den Kalvarienberg hinauf, nehmen am Gottesdienst teil, traben dreimal um die Leonhardikapelle herum und stellen sich dann zur Pferdesegnung auf.*

„St. Leonhard vorm Himmelstor,
wir reiten dir die Rosse vor.
Einst kommen wir zu Fuß herauf,
halt uns dann deine Hände auf!“

St. Leonhard von Franz Wintermantel 1972 aus Mii Boor – Mi Hoamet von Gottfried Schafbuch

Epitaph der Familie des Obeamtmanns Baur

Der Friedhof hinter der Kapelle wurde im Jahre 1629 vom Abt Georg Gaisser des Beneditinerklosters St. Georgen geweiht, da der Friedhof an der Stadtkirche für den 30-jährigen Krieg und die vielen Hexenverbrennungen zu klein wurde. Im Jahr 1772 wurde der Friedhof bei der Stadtkirche aufgegeben und der Friedhof hinter der Kapelle wurde 1806 und 1861 erweitert.

*nach Gottfried Schafbuch in Mii Boor – Mi Hoamet (1972)
** nach der Chronik von Hüfingen von August Vetter (1984)
*** nach Wikipedia

Königsfeld, ein Vorbild für Hüfingen!

Buch 50 Jahre Königsfeld

Im Jahr 2020 hatte ich Königsfeld erwähnt, da dort eine, für den Schwarzwald-Baar Kreis ungewöhnliche Transparenz herrscht. Also ich schrieb:
„Als leuchtende Vorbilder möchte ich Königsfeld, Mönchweiler und auch St. Georgen und Donaueschingen erwähnen.“

Königsfeld 2020


Von der Webpage aus dem Jahr 2020.
Die Webpage von Königsfeld wurde 2023 neu aufgestellt

In Sachen Transparenz hat sich hier seit 2020 sehr viel getan. Nicht nur weil sich Hüfingen Sachkenntnis aus Mönchweiler in Städtle holen durfte, sondern natürlich auch wegen des Hieronymus.

Königsfeld hat jetzt ein Buch heraus gegeben über 50 Jahre Gesamtgemeinde Königsfeld:



Ein halbes Jahrhundert Gesamtgemeinde Königsfeld
Bewusst gemeinsam gestalten!

Buch 50 Jahre Königsfeld



Chronik Königsfeld
347 Seiten Festeinband
Gemeinde Königsfeld VK 35 €


Königsfeld hat um die 6.000 Einwohner und umfasst neben dem Kernort auch fünf Ortsteile: Buchenberg, Burgberg, Erdmannsweiler, Neuhausen und Weiler.

Königsfeld konnte also ganz alleine eine Chronik stemmen – vermutlich bezahlt es auch nicht über 40.000 € an eine tendenziöse VHS.

Karte aus dem Jahr 1620 von der Baar

Landkarte der Baar von 1620
Foto: Dr. Jörg Martin, FF-Archiv Donaueschingen.

Ein halbes Jahrhundert Gesamtgemeinde Hüfingen

Seit 1. April 1970 Sumpfohren.
Seit 1. Januar 1972 Behla.
Seit 1. Januar 1972 Fürstenberg.
Seit 1 .März 1972 Hausen vor Wald.
Seit 1. Januar 1975 Mundelfingen.

Fürstenberg
Hausen
160227 Mundelfingen


Lieber Gemeinderat von Hüfingen:
Wie wärs?

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