100 Jahre Festschrift vom Gausängertag 1924

überarbeitet – Originalartikel vom 26. Mai 2022

Die ersten 14 Seiten der Festschrift wurden mit Trankribus transkribiert und von mir mit Anmerkungen bebildert. Der Text der Festschrift ist in schwarz, meine Anmerkungen in blau oder (kursiv).
Wer weiß, wo sich die Fahne befindet oder hat ein Foto dieser?

Die vorliegende Festschrift wurde im Auftrage des Gesangvereins Liederkranz verfaßt.
Es sei dies vorweg gesagt und damit betont, daß das Schriftchen keinerlei Anspruch auf schriftstellerische Vollendung macht, sondern diesbezüglich um weitgehendste Nachsicht bittet. 
Auch ist eine erschöpfende Darstellung der Geschichte des Hüfinger Liederkranzes leider nicht möglich, da ein Teil der Vereinsakten bei dem im Jahre 1897 stattgehabten Brande des Gasthauses zur Sonne in welchem sich zu jener Zeit das Vereinslokal befand, zerstört wurde.

Es gab in Hüfingen mehrere Gasthäuser zur Sonne. Hier ist wohl die um 1815 von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) neu erbaute an der Schaffhauser Straße gemeint, sie befand sich in der Nähe des Sonnenkreuzes und des Sonnenbrunnens und ist 1897 abgebrannt.

Skizze vom Sonnenbrunnen von Alexander Albert


Unsere Festschrift verfolgt auch noch einen anderen Zweck. Sie soll unseren jetzigen und künftigen Mitgliedern ein Ansporn sein, das, was die Alten schon vor Mitte des vorigen Jahrhunderts gegründet was sie erstrebt und erwirkt, in ernster Zeit erhalten und erweitert haben, in treue Obhut zu übernehmen und als heiliges Vermächtnis zu betrachten. Wir können das Andenken unserer Gründer und verstorbenen Mitglieder nicht besser ehren als dadurch daß wir fleißig und treu auf unser Ziel losstreben, nämlich unser herrliches deutsches Lied immerfort zu hegen und zu pflegen.

Im Bauernkrieg 1525 wurde Hüfingen von den aufständischen Bauern unter Anführung des Hans Müller von Bulgenbach eingenommmen und trat sodann förmlich in das Bauernbündnis ein, mußte aber diese Stellungnahme nach der Niederwerfung des Aufstandes bitter büßen.

Häßliche Schatten warf auf die Geschichte des 16. u. 17. Jahrhunderts auch die Hexenverfolgung, denn schon im Jahr 1613 wurden in Hüfingen viele Hexen verbrannt, darunter 7 ehrbare Bürgersfrauen, welche durch Intervention des damaligen Geistlichen insofern begnadigt wurden, daß sie erst enthauptet und dann auf den Scheiterhaufen gelegt wurden. 

1631-1632 fand der abscheuliche Hexenprozeß gegen den fürstlichen Registrator Tinktorius statt. In den Jahren 1622 und 1628 herrschte in Hüfingen eine große Hungersnot und erreichte der Nahrungsmangel einen solchen Grad daß viele Arme beim Wasenmeister (Abdecker) um Fleisch bettelten.

Einige Jahre später, 1632, hatte Hüfingen im Dreißigjährigen Kriege vieles zu leiden. Im Oktober genannten Jahres hatten die Hüfinger den Kaiserlichen Beistand geleistet und sollte sie der württembergische Oberst Rau dafür züchtigen. Mit 5000 Mann zog er vor das Städtlein, solches zur Übergabe auffordernd. Die Beamten eilten auch aus der Stadt und taten vor dem Obersten einen Fußfall. Die Bürgerschaft aber wollte von einer Übergabe nichts wissen und während die Beamten mit dem Feinde unterhandelten, fiel aus der Stadt ein Schuß in die Reihen der württembergischen Soldaten. Darob sehr ergrimmt begannen diese wutentbrannt den Sturm, erbrachen das Tor, nahmen die Stadt im ersten Anlauf und richteten unter den Bürgern ein furchtbares Blutbad an.  Auch wurde die Kirche ausgeraubt und gegen 1000 Stück Vieh hinweggetrieben. Aber auch im weiteren Verlauf des Krieges hatte Hüfingen Schlimmes zu erdulden; bald quälte es der Feind bald der Freund dazu wütete auf’s neue eine Hungersnot und als im Jahre 1633 auch die Pest viele Einwohner dahinraffte, war die Stadt entvölkert und zerfallen. Kaum hatte sich die verminderte Einwohnerschaft ein wenig erholt, als neue Kriegsstürme auch wieder neue Leiden und Lasten brachten.

Ludwig XlV. König von Frankreich, schickte seine Heere von 1673-1678, von 1666-1698 über den Rhein. Auch in Hüfingen fehlte es in dieser Zeit nicht an Durchmärschen, Einlagerungen, Winterquartierungen, Brandschatzungen und anderen schweren Kriegslasten, wodurch die wirtschaftlichen Verhältnisse abermals schwer darniederlagen. Im Jahre 1775 erbaute der damalige Herr von Hüfingen Fürst Ferdinand von Fürstenberg-Meßkirch ein Schloss, das heute noch steht in welchem das Fürstl. Fürstenb. Landesspital untergebracht ist.

Ferner wurde im Jahre 1775 auch das damals für die fürstenbergischen Lande in Schwaben neuerrichtete Zuchthaus erbaut, deren Räume heute das vom Caritasverband geleitete Knabenheim, Mariahof, beherbergen.

Als zur Zeit der französischen Revolution 1796 Moreau, von Erzherzog Karl verfolgt seinen Rückzug durch den Schwarzwald nahm, erlitt Hüfingen wiederum eine Plünderung. In dem sog. Russenwinter 1813-1814 forderte der Typhus viele Opfer während ungeheure Durchmärsche der Verbündeten stattfanden.

Zur Zeit der Volksbewegung im Sommer 1849 war sämtliche Artillerie der revolutionären badischen Truppen, auf dem Rückzuge vor den hessischen Reichstruppen begriffen, in Hüfingen anwesend.

Im Jahre 1850 wurde das Bezirksamt Hüfingen nach hundertjährigem Bestehen aufgehoben und nach Donaueschingen/ der Residenz des Fürsten von Fürstenberg, verlegt.

Geschichte des Gesangvereins „Liederkranz“ Hüfingen.

Motto:
Teure Heimat, traute Baar,
Deutsches Lied pflegt immerdar.

Hüfingen mit seiner bedeutenden geschichtlichen Vergangenheit war stets eine sorgsame Pflegestätte der Musik und des Gesanges, dieser idealen Güter des von höherer Macht verliehenen Volksvermögens, wo für, um nicht weiter zurückzugreifen, das vorige Jahrhundert so manche Anhaltspunkte gibt. Wenn auch Landwirtschaft und Gewerbe die Hauptberufe der Bürger bildeten, so machte sich im Verhältnis zur Größe und Bedeutung des Platzes auch höheres Wissen und Können in reichstem Maße erkennbar, denn aus den Familien Gleichauf, Heinemann, Schelble, Reich, Seele und Schrenk sind Männer hervorgegangen, deren Schaffen und Wirken weit über die Grenzen ihrer Vaterstadt Bewunderung erregten und deren Werke fortleben werden.

Auf dem Gebiete der Tonkunst waren es der Fürstl. Fürstenb. Hofmusiker Ambros Schrenk, der sich als Klarinettvirtuose bei der f. f. Hofkapelle einen bedeutenden Namen erworben hatte und der hervorragende Opernsänger Joh. Nep. Schelble, welcher in Berlin, Wien und Frankfurt a. M. wegen seinen künstlerischen Leistungen ganz besonders gefeiert wurde.

Johann Nepomuk Schelble Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

Der F. F. Hof in Donaueschingen unterhielt nebst einer berühmten Kapelle ein Theater, wozu bei großen Aufführungen dann und wann männliche und weibliche Sangeskräfte aus Hüfingen beigezogen wurden. Unter den Staats und f. f. Beamten befanden sich stets lebensfrohe junge Leute. 

All diese Momente haben die Liebe zu Musik und Gesang stets wach gehalten und mögen ohne Zweifel dazu beigetragen haben, daß Hüfingen unter den kleineren Städten Badens eine der ersten war, in welcher ein Männergesangverein in’s Leben gerufen wurde.



Es ist nicht unsere Aufgabe, die Geschichte des deutschen Männergesangs unserer Festschrift einzuverleiben, doch wollen wir kurz anführen, daß sich im Jahre 1808 auf Anregung “Zelters” von der Berliner Sangakademie der erste deutsche Männerchor, die Zelter’sche Liedertafel abzweigte. Zelter ist als der geistige Vater des norddeutschen Männergesanges zu betrachten, während der Schweizer J. Nägeli, der Gründer der süddeutschen Männerchöre ist.

Dem Beispiele Berlins folgten bald eine ganze Reihe anderer Großstädte unter diesen auch Frankfurt a. M. im Winter 1826-28. Hier war es der obengenannte Joh. Nep. Schelble der Gründer und Dirigent des heute noch berühmten Cäzilienvereins, der aus Herren dieser Gesellschaft die Frankfurter Liedertafel in’s Leben rief. Schelble war ein treuer Freund Zelters und stand s. Zt. im Mittelpunkt des gesamten Musiklebens der Stadt Frankfurt, die ihm bis in unsere Tage ein treues Andenken bewahrt hat.

Nachdem schon vorher der Männergesang in engerem Kreise gepflegt wurde, trat man im Jahre 1844 an die Gründung des Gesangvereins heran, wobei sich die Herren Gleichauf, Revellio und Rombach besonders verdient gemacht haben. Die Zahl der ausübenden Sänger belief sich damals auf 15, worunter auch Amtsphysikus Dr. Würth, Ehrenbürger der Stadt Hüfingen war, der erst im Jahre 1905 in Freiburg i. B. als Neunundneunzigjähriger zur ewigen Ruhe gegangen ist.

Medizinalrat Dr. med. Fidel oder Fidelis Würth (geboren 1806 ? gestorben 1905 in Freiburg), Großherzoglicher Physikus, verheiratet mit Anna Hasenfratz etwa 1847. Ein Sohn Stefan (27.12.1848-27.12.1848). Mehr gibt das Sippenbuch und die Chronik nicht her.

Die Statuten des Vereins welcher sich gemäß §1 zur Aufgabe stellt, den Gesang in der hiesigen Stadt und der Umgegend nach Kräften zu veredeln und zu verbreiten, sowie auch mittelbar das gesellige Verhältnis zu heben, wurden erst am I8. Oktober 1845 festgelegt. Diese wurden von 44 aktiven Mitgliedern unterschrieben, ein Zeichen, mit welch‘ großer Begeisterung die damaligen Bürger dieser idealen Bestrebung zugetan waren.

Aber auch weitere Kreise der Bürgerschaft würdigten den jungen Verein, indem sie ihm Mittel an die Hand gaben, um die Anschaffung nebst Volksgesängen auch klassischer Musikalien zu ermöglichen. Nebst der Pflege des Gesangs wurde auch stets für geselliges Zusammensein durch Wagen- und Schlittenfahrten Sorge getragen.

Einen großen Eifer zeigte der Verein im Jahre 1845 durch Veranstaltung eines Wohltätigkeits-Konzertes, bei welchem 234 Gulden eingenommen wurden und durch Beteiligung am 2. Hegauer Sängerfest in Engen, sowie am großen Gesangswettstreit in Schaffhausen im darauffolgenden Jahre, bei welchem der Verein einen silbernen Becher nebst Urkunde als Preis erhielt.

Die bekanntesten Namen außer den obenerwähnten Gründern sind: Hofmusikus Flaig, Forstinspektoren Ekart und Gebhard, Lehrer Neumeister und Aktuar Bühler. Auch unser größter Hüfinger Kunstfreund und Kenner Lucian an Reich würdigte den damals entstandenen Verein und gehörte demselben als Ehrenmitglied an. 

Nach dem Ausscheiden des 1. Vorstandes und Dirigenten Gleichauf trat an dessen Stelle Oberlehrer Rombach. Nach der Versetzung Rombachs scheint der Verein für die Leitung Mangel an geeigneten Personen gehabt zu haben , da bis zum Jahre 1860 Tätigkeit und Aufzeichnungen fehlen. Der sich anfangs der 60er Jahre von neuem aufraffende Verein wurde alsdann von Oberlehrer Martin Brugger geleitet die alte Gemütlichkeit wurde wieder wachgerufen. (In jener Zeit gehörte das vor einigen Jahren verstorbene Ehrenmitglied Altbürgermeister Wilhelm Krausbeck als einer der eifrigsten Sänger dem Verein an.)  Musikinstrumente wurden angeschafft und Gesangverein und Blechmusil zu einem Vereine gebildet. Nebst privaten Stiftungen des damaligen Bürgermeisters Jakob Bausch wurden dem Verein von der Stadtkasse für Mitwirkung bei den 3 Kirchenfesten jährlich 25 Gulden überwiesen. Auch wurden wiederholt im Schloßgarten in Donaueschingen Konzerte veranstaltet.

Kurz vor Ausbruch des 70er Krieges wurde Oberlehrer Brugger nach Konstanz versetzt. Während des Krieges lies der Verein seinen im Felde stehenden Mitgliedern 15 Gulden verteilen und ebensoviel übergab er dem Frauenverein für die Verwundetenfürsorge. 1871 wurde Fridolin Dufner ein ehemaliges Mitglied des F. F. Hoforchesters Dirigent des Vereins. Am 8. September 1878 nahm der Verein an einem Sängerfeste in Konstanz teil. Nachdem seither der Dirigent zugleich die Vorstandsstelle wahrzunehmen hatte, wurde im Jahre 1879 erstmals ein Vorstand in der Person des Ferd. Fischerkeller gewählt. Dafür daß der Verein in guten Händen lag, spricht die Genauigkeit der Anmeldungen aktiver und passiver Mitglieder, die stets auf schriftlichem Wege zu erfolgen hatten. 

Das Vereinslokal war bis zum Brand 1897 das Gashaus Sonne. Diese wurde von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) erbaut. Sein Sohn, Matthias Fischerkeller (18.2.1820-6.6.1893) übernahm die Sonne und später eins seiner 11 Kinder: Ferdinand Fischerkeller (15.03.1845-?1899?)

Zum Vereine zählten in jener Zeit unter anderen: Josef Fischerkeller, Matthäus Riegger, Karl Schelble, Valentin Bromberger, Emil Heinemann, Bürgermstr. Julius Faller, Richard Schelble, Adolf Eisele, Adolf Martin, Rudolf Riedlinger und Josef Moog.

Aus dem Jahre 1880 befindet sich das erste gedruckte Programm bei den Akten. Mit dem Austritt des Fridolin Dufner wurde Ferdinand Fischerkeller Dirigent, und Bürgermeister Julius Faller 1. Vorstand. Unter Leitung dieser beiden bewährten Musikfreunde entfaltete der Verein eine rege Tätigkeit mit bestem Erfolg. Leider gingen dem Verein durch den Brand (1897) der Wirtschaft zur Sonne Aufzeichnungen aus jener Zeit verlustig und auch das ziemlich um fangreiche Inventar erlitt beträchtliche Einbuße. Darunter befanden sich die Fahne aus dem Jahre 1866, ein Podium, Musikinstrumente, Musikalien und eine originelle reichhaltige Garderobe. Im Jahre 1866 war Ludwig Schmid Vorstand dessen Stelle Josef Martin von 1902-06 einnahm. Nach dem Austritt des Dirigenten F. Fischerkeller,  welcher im Jahre 1899 erfolgte, trat wieder eine Pause ein bis 1909 wo Josef Heinemann die Dirigentenschaft übernahm und Adolf Sulzmann 1. Vorstand wurde, dem drei Jahre nachher Jakob Müller folgte.

Während des Krieges setzte die reguläre Tätigkeit des Vereins aus indem der Dirigent, der auf dem Feld der Ehre den Tod gefunden hat und eine erhebliche Anzahl der Mitglieder unter die Fahnen gerufen wurden. Die Zurückgebliebenen wirkten in jener Zeit bei einigen Feierlichkeiten mit, wobei in dankenswerter Weise Oberlehrer Bach dirigierte.

Durch die Beteiligung an der Empfangsfeier für die heimkehrenden Krieger am Stephanstage 1918 wurde Veranlassung gegeben, den Verein neu ins Leben zu rufen. Durch den Vorstand erging an sangeskundige Herren eine Aufforderung dem Verein als aktive Mitglieder beizutreten. Diese Aufforderung schlug nicht fehl, denn schon bei der ersten Veranstaltung unter Leitung des neuen Dirigenten Hauptlehrer Ferd. Frei zählte der Verein gegen 50 aktive und über l00 passive Mitglieder. Im Jahre 1920 wurde Adolf Müller 1. Vorstand. Durch die anerkannten musikalischen Kenntnisse des Dirigenten und dessen zielbewustes energisches Vorwärtsstreben kam der Verein bald zu neuem Aufblühen. In den letzten Jahren kamen nebst Männerchören auch gemischte Chöre und Männerchöre mit Orchesterbegleitung durch die hiesige Streichmusikgesellschaft zum Vortrage, welche die Kritik gut überstanden haben. Auch wurden einige Operetten gegeben, welche den besten Anklang fanden und auch von auswärtigen Besuchern stark frequentiert waren. Tatkräftiges Eingreifen des Vorstandes in die übrigen Vereinsgeschäfte trug dazu bei, daß der Verein auf einer vordem noch nicht erreichten Höhe angelangt ist.

Am 2. Juli 1922 beteiligte sich der Verein an dem Sängerfeste in Bonndorf und erhielt dort in heißumumstrittenem Wettsingen la. mit Ehrenpreis im erschwerten Volksgesang.

In der jetzigen schweren Zeit hat der Gesangverein das Bestreben, seinen Mitgliedern wie auch der Allgemeinheit durch die edle Sangeskunst Gelegenheit zu bieten neben all‘ den Tageslasten und Gedanken über Vergangenheit und Zukunft auch von Zeit zu Zeit einen wärmenden Sonnenstrahl in das Innere eines Jeden dringen zu lassen denn Gesang erfreut das Menschenherz und jeder nach höherem Ziele strebende Mann wird im Gesang ein Ideal finden.

Hüfingen,  im Mai 1924 Josef Bausch, Altbürgermstr.

Foto von Karl Schweizer

Die Fahne des Vereins.

Wie oben erwähnt, wurde die sich jetzt im defekten Zustande befindliche Fahne im Jahre1846 beschafft und genau 20 Jahre später die Fahne, welche beim Brande des Gasthauses zur Sonne zerstört wurde.

Der Verein sah sich daher veranlaßt, im Hinblick auf das 80jährige Stiftungsfest eine neue Fahne zuzulegen, mit deren Anfertigung das Kloster Gengenbach, welches in diesem Industriezweige bedeutenden Ruf besitzt betraut wurde.

Die neue Fahne.

Die vordere Seite der Fahne ist in ihrer Grundfarbe dunkelgrün, trägt eine im Goldton gestickte Lyra, das Symbol des Gesanges, welche mit Lorbeerzweigen, dem Zeichen des Ruhmes bekränzt ist. Der in die Lyra eingestickte weise Schwan deutet auf das alte deutsche Lied hin, das durch unsere großen Meister der Dichtungen festgehalten worden ist. Die Deutschen haben im Mittelalter ein sinniges, ausdeutendes Verhältnis zur Natur gehabt.

Das Volk sah in der Natur Vorgänge, welche in allen Arten liebenden, segnenden, neckenden oder Verderben bringenden Vorkommnissen geheimnisvoll in das Menschenleben hineinragten. So gewann damals der Schwan bei unsern Vorfahren einen Platz in verschiedenen Formen u. a. auch für den Gesang. Als Darstellung des deutschen Liedes, sowie zur Versinnbildlichung der Stärke des Mannes zieren Eichenzweige mit Eicheln die Fahnenecken. Die hieran angeflochtenen Bänder tragen die Worte:

Teure Heimat, traute Baar,
Deutsches Lied pflegt immerdar!

Die Rückseite hält als Grundfarbe amarandrot. Auf den ersten Blick erhält der Beschauer von dem Bild den Eindruck des Heimats- und Vaterlandsgedankens. Ährenbündel in Bändern in den vier Ecken verkörpern die ährenschmucke Baar, welche sich an die Höhen des Schwarzwaldes anschließt und dieser hier durch einen leichten Tannenzweigenkranz angedeutet wird. Daran schließt sich ein Schriftband mit der Aufschrift, “Liederkranz Hüfingen 1844-1924”ferner sind zwei Sternkreuze eingefügt um unsern Herrgott nicht zu vergessen, in dessen Obhut wir gestellt sind.

Durch ein leicht gehaltenes, in das Schriftband verschlungenes Bänderarragement in badischen Farben wird ein aufgerolltes Pergament mit dem Stadtwappen aus dem Jahre 1477 als Fahnenbild getragen. Nach dem Fürstl. Fürstenb. Arkundenbuch Band Vll erscheint das gewählte Wappen auf einer Urkunde des genannten Jahres, ist also geschichtlich das richtige Stadtzeichen unserer Vorfahren. In Silberstickarbeit auf tiefblauem Tatschenschild als Untergrund, sowie dem fahlgelben, geschlitzt, aufgerollten Pergament erhebt sich der viereckige Turm mit Türmchen (das Wappen markant hervor, gleichsam uns an unsere Stadtgeschichte und Altvordern ermahnend.

Altherkömmlich sind die Stadtfarben “Blau- Weiß” oder in der Heraldik “Blau-Silber”. Das in ruhigen Farben stilvolle Bild gibt der Fahne durch das Festhalten an dem heraldisch/ geschichtlich Nichtigen einen wirklichen dokumentarischen Wert, ehrt hierin die Vergangenheit und ehrt die Gegenwart indem darin die Verehrung zum Vaterlande, sowie die Liebe zur Heimat niedergelegt ist. 

Die Fahne wird aber auch der Zukunft zur Ehre gereichen, solange und so oft sich die Sänger Hüfingens um ihr Wahrzeichen zur Verherrlichung des deutschen Liedes versammeln.

Karl Moog. Bürgermstr. Hausach.

Funde aus der Jungsteinzeit auf dem Ziegeleschle

Da scheinbar Interesse besteht und es hier bald noch mehr Infos gibt, wollte ich diesen Artikel vom 17. September 2023 mit der Steinaxt bisschen weiter nach oben kramen:

Auf Loretto und in dem neuen Gewerbegebiet Ziegeleschle wurden Magnetometerprospektionen (auch Geomagnetik genannt) durchgeführt. Auf dem hierdurch angefertigten digitalen Bild ließen sich dort Siedlungsreste erkennen.

Das Magnetfeld der Erde wird durch die magnetischen Eigenschaften verschiedener Materialien, wie Gesteine, Böden, gebrannte Lehmziegel oder Holzreste gestört ‒ also auch von archäologischen Überresten. Zur Aufzeichnung dieser Magnetfeldstörungen kommt ein hochempfindliches Cäsium-Magnetometer auf einem Rollwagen zum Einsatz. Auch Unterschiede zwischen den physikalischen Eigenschaften des Zielobjekts und dem umgebenden Boden lassen sich hierbei messen.

Ausgrabungen
Ziegeleschle
15. März 2023

Die Firma ArchaeoTask hatte das Gelände mit dem Bagger und Sonden durchsucht und es konnten Artefakte aus dem Endneolithikum gefunden werden.

Das Endneolithikum bezeichnet die jüngste neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ (veraltet auch Streitaxt-Kultur) gleichgesetzt und reicht in Süd- und Mitteldeutschland von ca. 2800–2200 v. Chr.
(*und nein, liebe CDU, „die Eiszeit“ war es nicht.)

Steinaxt aus dem Endneolithikum.
Grabbeigaben aus der Jungsteinzeit.

Eine Silexklinge wird durch Abschlag aus Feuerstein (Silex) hergestellt.

Die Artefakte oben wurde beim diesjährigen Römerfest vom Denkmalamt ausgestellt. Dabei war auch noch ein mittelalterlicher Mühlstein, der womöglich als Baumaterial dort oben benutzt wurde.

Fragment eines Mühlsteines aus dem Hochmittelalter (11./12. Jahrhundert)

Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden. Die Urnenfelderkultur (1300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) war später.

Donau ist Nr. 1 bei Schadstoffbelastungen in Europa

Da las ich am 7. Juli in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Überschrift:

Den Rekord stellte die Donau auf

Von den 610 Chemikalien, auf die das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) untersucht hatte, konnten in der Donau 505 gefunden werden. Knapp die Hälfte davon Pestizide und Biozide, aber auch 175 pharmazeutische Chemikalien, Tenside, Kunstoff- und Gummizusätze sowie Per- und Polyfluroalkylsubsanzen.

Da musste ich daran denken, wie das Landratsamt Schwarzwald-Baar mich doch verlacht hatte, als ich Abbauprodukte von Glyphosat im Stadtbächle nachgewiesen hatte. Sie würden dies doch ständig untersuchen und nichts finden und überhaupt können nur sie fachgerecht Proben ziehen. Beim Ehrenamt würde vermutlich eine Probe automatisch durch unerwünschte Schwingung mit Pestiziden aller Art verunreinigt.

Vielleicht befolgt das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz eine Anweisung nie etwas zu finden, was politisch nicht gewollt ist? (das kennen wir ja schon) Ansonsten könnte, ebenso vielleicht, auch noch dieses Amt mit einem Juristen gedeckelt werden, der durch gute Beziehungen ans RP und nach Stuttgart Rechtssicherheit herstellt? Oder gibt es den schon? Fragen über Fragen.
Aber kommen wir zu den Fakten, die Veröffentlichung* gibt es hier.

Die Donau beginnt in Bayern

Für die Studie wurde Oberflächenwasser aus 22 europäischen Ländern und 22 verschiedenen Flusseinzugsgebieten gesammelt. Flusseinzugsgebiete? Ja, steht da: „river basins“. Die Proben in Deutschland wurden bei Ulm, Neuburg an der Donau, Passau, Augsburg und Eggenfelden gezogen.

Das interessante an der Studie ist, dass Baden-Württemberg einfach mal ausgeklammert wurde.
Womit der Streit über die Donauquelle endlich gelöst wurde: Sie befindet sich nämlich in Bayern!

Da gibt das schwarz-grün regierte Baden-Württemberg einen solch sauberen Strom nach Bayern rüber und was machen die? Verseuchen die schöne Donau mit Pestiziden, Bioziden, pharmazeutischen Chemikalien, Tensiden, Kunstoff- und Gummizusätze und Per- und Polyfluroalkylsubsanzen.
Schamt eich!

* Finckh et al.: Mapping chemical footprints of organic micropollutants in European streams. Environment International 183 (2024)

Hüfinger Gemeinderäte

Vereidigung am 1. August 2024

Der neue Gemeinderat wurde heute am 1. August von unserem neuen Bürgermeister vereidigt.
Der 1. Bürgermeisterstellvertreter wird, wie gehabt, vom Patriarchat der CDU bestimmt, die Stimmenzahl vom Wahlvolk ist hierbei unwichtig. Die Stimmkönigin verzichtet auf eine geheime Kampfabstimmung, da sie nicht gleich mit Streit starten will.

Es geht nach der Gemeinderatswahl wohl dort weiter, wo die Männer letztens aufgehört hatten. Immerhin, die Klügere gibt nach. Gleich drei der vier Frauen – das sind 75 Prozent!– im Gemeinderat haben mehr Stimmen, als der von der CDU bestimmte 1. Bürgermeisterstellvertreter, der auf der Liste unten die Nummer 8 ist. Unsere Demokratie reduziert sich auf eine Diktatur der Mehrheits-Partei und was ich 2020 mit Allmacht des Hüfinger Patriarchats schon geschrieben hatte:
In jeder Ritze sitzt ein verstaubter Kerl!

Meine ganze Hoffnung auf Parität und Partizipation liegt nun auf dem neuen, jungen Bürgermeister!

Fraktionssprecher sind:
Markus Leichenauer (CDU), Kerstin Skodell (SPD), Michael Steinemann (Bürgerforum/FDP/FW/UWV)

Gemeinderäte nach Stimmen

1.Skodell, Kerstin2.823
2.Bucher, Daniel2.569
3.Leichenauer, Markus1.919
4.Hustic, Sasa1.894
5.Moog, Petra1.824
6.Ünal, Mete1.739
7.Bäurer, Sarina1.664
8.Weh, Harald1.602
9.Schwarz, Kathrin1.427
10.Limberger, Gunther1.356
11.Quilamba, Miguel1.321
12.Isak, Reinhard1.220
13.Bäurer, Egon1.196
14.Moog, Patrick1.183
15.Steinemann, Michael1.085
16.Bausch, Martin1.075
17.Sulzmann, Ernst1.063
18.Schöndienst, Martin1.013
19.Happle, Stephan874
20.Albert, Peter737
21.Wills, Philip490


Liste der Stimmen für die einzelnen Kandidaten unten! Schaut auch bei der Stadt vorbei

Ortschaftsräte und Ortsvorsteher

Behla
Ortsvorsteher:
Johannes Bogenschütz

Hausen vor Wald
Ortsvorsteherin:
Ingeborg Reitze

Fürstenberg
Ortsvorsteher:
Volker Gut

Mundelfingen
Ortsvorsteher:
Michael Jerg

Sumpfohren
Ortsvorsteherin:
Ancilla Batsching

Gemeinderat Hüfingen
Bitte meldet mir Tippfehler!

CDU25.267 Stimmen43,06 %
Bäurer, Sarina1.6646,59
Leichenauer, Markus1.9197,59
Moog, Petra1.8247,22
Uhrhan, Johannes9723,85
Schmid, Melissa7352,91
Weh, Harald1.6026,34
Trenkle, Marco1.4815,86
Bucher, Daniel2.56910,17
Maier, Marc1.0484,15
Bäurer, Sebastian5382,13
Rosenstiel, Linus5832,31
Böhm, Bernd1.1134,40
Sumpfohren
Schöndienst, Martin1.0134,01
Schöndienst, Lisanne4091,62
Fürstenberg
Limberger, Gunther1.3565,37
Bäurer, Manfred4071,61
Behla
Bogenschütz, Johannes7081,61
Bäurer, Egon1.1964,73
Hausen vor Wald
Riegger, Andreas8943,54
Reitze, Ingeborg3011,19
Mundelfingen
Schwarz, Kathrin1.4275,65
Glunk, Thomas9103,60
Bäurer, Ferdinand5982,37


SPD14.048 Stimmen23,94 %
Skodell, Kerstin2.82320,10
Ünal, Mete1.73912,38
Lehmann Julia5033,58
Buttler, Alexander7455,30
Nolting, Birgit6834,86
Quilamba, Miquel1.3219,40
Roßhard, Maria3272,33
Hustic, Sasa1.89413,48
Münzer, Lisa3872,75
Kasprzak, Axel2141,52
Dr. Breitsprecher, Anja3712,64
Isak, Reinhard1.2208,68
Sumpfohren
Knust, Henrieke3552,53
Fürstenberg
Behla
Vogel, Maximilian2261,61
Schaulies, Marica1000,71
Hausen vor Wald
Martin, Benjamin1471,05
Hornung, Diana1841,31
Mundelfingen
Harms-Höfler, Christine6474,61
Wolf, Marco1621,15


LBU5.330 Stimmen9,08 %
Wills, Philip4909,19
Siegfried, Wiltrud3626,79
Albert, Peter73713,83
Röthele, Till2735,12
Sems, Emine4227,92
Wetzel, Petra2384,47
Dr. Breitsprecher, Dennis1834,43
Kurstedt, Ute3195,98
Atik, Mehmet2875,38
Sermersheim, Björn2053,85
Zante-Leovey, Lina2204,13
Boeke, Heike1843,45
Sumpfohren
Knust, Christa1432,68
Hepting, Dorothea460,86
Fürstenberg
Kewes, Christine1953,66
Schmidl, Danny741,39
Behla
Schönecker, Nicole3236,06
Hausen vor Wald
Mundelfingen
Merz, Otto3366,30
Friedrich, Christa2935,50


Bürgerforum/FDP/FW/UWV14.035 Stimmen23,92 %
Bausch, Martin1.0757,66
Bernauer, Sven5964,25
Haas, Jessica3112,22
Hauschel, Jens2711,93
Keller, Markus5263,75
Moog, Patrick1.1838,43
Sangiorgio, Salvatore2842,02
Schafbuch, Tobias4182,98
Schmitz, Beate2832,02
Singier, Christine6224,43
Sulzmann, Ernst1.0637,57
Sulzmann, Markus7985,69
Sumpfohren
Blessing, Thomas3422,44
Mellert, Georg4773,40
Fürstenberg
Schumacher, Barbara2751,96
Wallschläger, Kurt2331,66
Behla
Martin, Christoph1.0487,47
Walter, Astrid3042,17
Hausen vor Wald
Happle, Stephan8746,23
Langenbacher, Christian6534,65
Mundelfingen
Mäder, Leander6784,83
Steinemann, Michael1.0857,73
Zadona, Ines6364,53



Kreistagswahl – Ergebnisse
Liste der Stimmen für die einzelnen Kandidaten ganz unten!

Kreistag Ergebnisse Hüfingen

Namen dazu gibt es hier:

Wahlergebnisse Kreistag

Sitzverteilung im Kreistag

Kreistag Ergebnisse Hüfingen

CDUStimmen37,64 %
Keller, Markus1.35616,29
Kollmeier, Michael1.59819,20
Bächle, Micha1.10313,25
Fischer, Matthias4445,33
Stark, Christian1.05612,69
Müller, Peter7649,18
Albert, Franz1.67520,12
Schweizer, Jan1581,90
Hall, Michael1702,04


GrüneStimmen9,48 %
Ott, Maren45821,84
Albert, Peter55426,42
Thomas, Nora29514,07
Schwenk, Rolf713,39
Wetzel, Petra24111,49
Wills, Philip27513,11
Burkard, Katja2039,68


SPDStimmen34,2 %
Knapp, Anton2.67135,32
Dr. Zöllner, Jutta2413,19
Dr. Ebnet, Peter6278,29
Skodell, Kerstin2.34731,03
Rocha dos Santos, Luis1061,40
Kissig, Jülide1682,22
Ünal, Mete1.18615,68
Fahl, Clemens1772,34
Bofinger, Jörg400,53


FDPStimmen7,27 %
Theel, Mirko1157,15
Neininger-Armbruster, Tanja1479,14
Hofmann, Andreas70944,09
Rendler, Andrea1599,89
Waimer, Werner684,23
Schmid, Jasmin1308,08
Wehinger, Sven20012,44
Zier, Michael804,98


AfDStimmen11,41 %
Kraus, Detlef1.37054,28
Behrendt, Joachim1.15445,72



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Brigobannis: Römerstraßen und Peutingerkarte

aktualisiert, Originalbeitrag vom Januar 2021

Im September 2020 habe ich über die Villa Rustica im Naturschutzgebiet Deggenreuschen geschrieben.

In dem Artikel von Dr. Paul Revellio (3) wurde ein Segment der sogenannten Peutingerkarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte des 4. Jahrhunderts, erklärt. Es ist eine eine kartografische Darstellung, aus dem spätrömischen Reich von den Britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten bis nach Indien und Zentralasien. Der Ausschnitt von Revellio (3) zeigt die Römerstraße von Vindonissa (Schweiz) über Brigobanne (Hüfingen) nach Samulocenis (Rottenburg).

Da auch die Suche nach der Villa Rustica in Fürstenberg läuft, kam ich auf die Idee mir die Römerstraßen rund um Brigobannis (Hüfingen) etwas genauer anzuschauen. Hierbei kamen mir die Schriften der Baar zu Hilfe.

Der Artikel in den Schriften der Baar ist zwar ungewohnt unwissenschaftlich, aber er bietet einen guten Überblick über die Literatur der letzten 200 Jahre.

Peutingerkarte

Die Tabula Peutingeriana ist nach Konrad Peutinger (1465–1547) benannt und zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie ist in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt.

Die Datenbank der Karte ist Teil des DFG-Projekts „Kommentar zur Tabula Peutingeriana“ und steht online auf der Seite https://tp-online.ku.de/ zur freien Verfügung.

Tabula Peutingeriana. Brigobanne auf 2A5 der Karte die rote Linie ist die Römerstraße.
Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de

Arbor felix (segenbringender Baum) auf der anderen Seite Sees ist das Kastell Arbon bei Arbon im Kanton Thurgau und rechts daneben ist Brigantio (Bregenz). So ist der dicke grüne Fleck der Bodensee. Tenedone (Zurzach) und Juliomagus (Schleitheim) ist auf der Karte links von Brigobanne. Aris Flavis (Rottweil) und Samulocenis (Rottenburg) sind rechts von Brigobanne.

Der Abzweig der Römerstraße auf der Hüfingen liegt geht also von Vindonissa (Windisch) nach Adlunam (Kastell Urspring).

Wer hier mehr erleben möchte, auf der Webpage Römertraße gibt es noch so einiges. Vielleicht gute Ausflugstipps für den nahenden Sommer?

Römerstraße um Hüfingen

Der römische Geograph Strabo berichtet, dass Tiberius, der Stiefsohn von Kaiser Augustus, 15. v. Chr. zu den Quellen der Donau kam, also in den Raum der Baar und vielleicht bereits bis nach Hüfingen, der kleinen keltischen Siedlung an einer Handelsstraßenkreuzung am Ufer der Breg mit einer Furt.(1)

TIBERIUS IN ILLYRICUM
Contributions to the history of the Danubian provinces under Tiberius’ reign (14–37 AD)
Eötvös Loránd University, Dept. of Ancient History und University of Debrecen Dept. of Classical Philology and Ancient History

Im dritten Kapitel desselben Buches erklärte Strabo, dass der Danuvius ursprünglich der Name des Oberlaufs dieses Flusses gewesen sei: „Denn sie [die Römer] gaben dem oberen Teil des Flusses vom Gebiet seiner Quellen bis zu den Katarakten den Namen Danuvius, nämlich dem Teil, der hauptsächlich durch die Gebiete der Daker fließt, während sie den unteren Teil des Flusses, der durch die Gebiete der Geten fließt, von den Katarakten bis zum Pontus „Ister“ nennen. Die Identität des Danuvius und des Ister wurde möglicherweise erst während des Feldzuges des Statthalters von Makedonien C. Scribonius Curio im Jahre 72/73 v. Chr. gegen die Dardaner und Moesier erkannt.

Die Aussage von Strabo, Tiberius habe die Donauquellen nach nur einer Tagesreise erreicht, entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Entfernung, die länger ist. Dies würde vielleicht darauf hindeuten, dass er nur bis zum Zusammenfluss von Breg und Brigach östlich von Donaueschingen kam.

Als historische Quelle der Donau gilt die Quelle des Donaubachs bei Donaueschingen, während die tatsächlichen Quellen der Donau hydrologisch gesehen die der größeren Breg sind, die sich bei der Martinskapelle bei Furtwangen befindet.

Unabhängig davon, welchen Bach im Bereich der Donauquellen Tiberius tatsächlich gesehen hat, lässt sich feststellen, dass die Römer noch in der augusteischen Zeit über ein völlig unzureichendes Wissen über die Geographie der Alpenregionen verfügten

Übersetzt von: TIBERIUS IN STRABO’S GEOGRAPHY: ECHOES OF HIS ACTIVITIES IN ILLYRICUM von MARJETA ŠAŠEL KOS, Seite 139-155, TIBERIUS IN ILLYRICUM

Unabhängig davon, welchen Bach Tiberius tatsächlich gesehen hat, darf die geneigte Leserin und auch der Leser, unten die Breg beim Römerbad im Wechsel der Jahreszeiten sehen.

Blick über die Furt der Breg vor dem Hüfinger Römerbad Oktober 2020 bis Oktober 2021

Die Römer legten eine Militärstraße an, überquerten den Hochrhein bei Zurzach und marschierten über die Höhen bei Blumberg gegen Norden weiter nach Hüfingen, Rottweil, Rottenburg bis nach Regensburg. Später errichteten die Römer zwischen Donau und Main den Limes als Schutzwall gegen die Germanen und sicherten ihr erobertes Gebiet durch weitere Straßen und Kastelle. (1)

Römerstraßen und Limes mit Windonissa, Tenedo, Juliomagus, Brigobannis
Foto: Wikipedia

Nach der Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter (1984) hatte sich Hans von Schellenberg 1605 schon mit Altertümern im Gebiet des Hüfinger Galgenberges befasst. Unterhalb fand man am 17. März 1768 in einem Ackerfeld silberne und metallene römische Münzen von Titus, Vespasian „und andere“. Im Jahr 1820 vermutete Professor Andreas Buchner (1776-1856) aus Regensburg das römische Brigobanne der Peutingerkarte bei Hüfingen. Er fand nach kurzen Grabungen im Mühlöschle römisches Mauerwerk. Noch im gleichen Jahr stieß eine vom Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg (1796-1869) eingesetzte Kommission, die sich aus Alois Hirt, Luzian Reich, E.J. Leichtlen, Heinrich Schreiber und dem fürstenbergischen Leibarzt W.A. Rehmann als Leiter zusammensetzte, auf das Römerbad. (4)
Mehr dazu gibt es im Denkbuch von Lucian Reich.

Karl Alois Fickler beschreibt 1821 unmittelbar westlich des Römerbades einen römischen Straßenkörper, der durch das Hammeltal bis zum Deckrischen Wald (Deggenrauschen) verfolgt wurde. (1)

Hammeltal auf dem Weg nach Deggenreuschen

Die vom Klettgau kommende römische Hauptstraße zog das Tal von Riedböhringen hinauf über die Wasserscheide zwischen Aitrach und Donau gegen Behla. Etwa 1 km vor Behla schlägt die Straße die Richtung Hausen vor Wald ein, wohl um die sumpfigen Ausläufer des Donaueschinger Rieds zu umgehen. Während der römische Straßenkörper bis dahin in den Äckern und Wiesen rechts und Iinks der heutigen Straße (ca. 1895) sicher nachzuweisen ist, fehlt es zwischen Hausen vor Wald und Hüfingen an jeder Spur.

G. RIEGER (1900) (1)
„Ruinenweg“ bei der Villa Rustica im Deggenreuscher Wald

Ein zweiter vorgeschichtlicher Weg, der ebenfalls von den Römern benutzt wurde, kam vom Schweizer Rhein und zog von Schleitheim über die Wutach nach Stühlingen und über Weizener Häusle nach Ewattingen. Dort durchquerte er das Wutachtal ein zweites Mal, um an Mundelfingen vorbei gerade auf das Kastell Hüfingen zuzustreben. Auf ihm sind wohl die Römer von Schleitheim aus an die Donau vorgerückt. Die von den Römern ausgebaute Strecke verlief von Schleitheim über Zollhaus und unter der jetzigen Landstraße Schaffhausen-Donaueschingen bis nördlich Behla, verließ sie beim Behlaer Weiher, um durch den Wolfsbühl das Kastellgelände zu erreichen.

Paul Revellio (1937) (1)
Wolfsbühl westlich des Behlaer Weiher

Hab die Straße dann gemieden,
Mich im Wald herumgetrieben,
Meinem lieben Wolfesbühl,
Wo ich in dem Dickicht kühl,
Zu dem feuchten Waldesgras
Oft als Knabe Beeren las.

Ferienbummlers Rundgang in der Baar von Franz Josef Schelble 1899

Die Römerstraße überquerte auf der Luttlinger Brücke, die wohl ihretwegen gebaut wurde, das Bächlein (Kennerbach) in den Schleewiesen und wurde durch den Bau der Höllentalbahn abgelenkt. Aber westlich des Bahndamms ist sie von dem Höhenpunkt 692,5 ab auf eine Strecke von 200 m erhalten, weil dieses Stück bis zum Jahre 1870 von der Straße Hausen vor Wald-Hüfingen benutzt wurde.

Paul Revellio (1937) (1)
Bauarbeiten zur Höllentalbahn bei der Luttlinger Bruck 1899

Das kann allerdings so kaum stimmen, da diese beiden Wege keinesfalls auch nur wenige Meter parallel verliefen, sondern sich mit nahezu 90° kreuzten.

Luftbildaufnahmen von 1961/62 ließen südlich des Kastellgeländes im Gewann „Krumme Äcker“ auf ein weiteres römisches Bauwerk schließen. Bei der eingeleiteten Notgrabung wegen Ausbaues der Bundesstraße 31 (1977/78) ergaben sich Hinweise auf ein zeitlich dem Galgenberg-Kastell vorausgehendes Truppenlager, zu dem ein ungewöhnlich großer, vierflügeliger Holzbau gehören dürfte. Noch etwas weiter südlich konnten 31 römische Brandgräber mit Urnen und weiteren Beigaben aufgedeckt werden. Weitere Grabungen ab 1952 im Bereich Mühlöschle bestätigten das römische Dorf (vicus) und damit neben dem Römerbad die Bedeutung von Hüfingen als wichtiger römischer Garnisonsort mit Kastell, Handwerkern und Händlern am Knotenpunkt uralter und von den Römern erbauter Verkehrswege in alle vier Himmelsrichtungen.

Diese musste das Kastell am Galgenberg und das Erdkastell im Gewann „Krumme Äcker“ tangieren und zwangsläufig am Römerbad vorbei zur Furt durch die Breg gehen, um den gegenüberliegenden vicus im Mühlöschle zu erreichen. Von dort ist die Straße vor Allmendshofen, bei der ehemaligen Kammgarnspinnerei Wirth, in Richtung Donaueschingen gesichert.

(1) Wie die Römer nach Hüfingen kamen von Günter Hofmann in den Schriften der Baar 46 (2003)

Leider sind die vielen Aufzeichnungen und Funde von Straßenbauamt nicht zu finden, ebenso die Erkenntnisse des Denkmalamtes scheinen geheim. Gesichert sind Funde bei Behla beim Bau der Wasserleitung.

Deshalb schließe ich hier. Wir müssen wohl zufrieden sein mit dem aufkochen von über 100 Jahre alten Erkenntnissen.

Aquatinta von W. Scheuchzer und G.L. von Kreß sc. Verlag J. Velten in Karlsruhe etwa 1825

(1) Wie die Römer nach Hüfingen kamen von Günter Hofmann in den Schriften der Baar 46 (2003)
(2) Ein römisches Bauernhaus im Deggenreuschenwald bei Hüfingen von Dr. Paul Revellio in den Schriften der Baar 14 (1920)
(3) Die Römer in der Baar von Dr. Paul Revellio in der Badische Heimat 8 (1921)
(4) Chronik der Stadt Hüfingen. August Vetter (1984)

Ländlich, sittlich

Kinder vor begrüßen einen Storch am Himmel. Im Hintergrund Häuser und eine Kirche.


Hieronymus Kapitel 16

Willchumm Herr Storch! bisch au scho do, und schmecksch im Weiher d’Frösche scho? und meinsch der Winter heig si Sach, und’s besser Wetter chöm alsgmach?
>Johann Peter Hebel

Ländlich, sittlich

Lassen wir vorderhand unsern Helden im väterlichen Hause ungestört ausschlafen, um uns bis zu seinem Wiedererwachen der Betrachtung vorliegender Illustration und der Landschaft überhaupt zuzuwenden.

Die Zeichnung trägt den Charakter der Baar. Über die Häuser, welche mit ihren aufstrebenden steinernen Giebeln einen auffallenden Gegensatz bilden zu den breiten, strohbedeckten Hütten des Waldes, zieht durch die heitere Luft der Storch, der stets willkommene Frühlingsgast. Ehe jedoch der beschwingte Reisende das alte Nest, weit umkreisend, in Besitz nimmt und sein Dorf klappernd begrüßen kann, jubeln ihm schon die Kinder entgegen.

Gleich aber beginnt ein Wettlauf der lieben Jugend nach dem Hause des Vogts; denn es gilt nach altem Herkommen einen Laib Brot für denjenigen, welcher die Ankunft des Frühlingsboten dort zuerst meldet.

Dem Waldbewohner erscheint die benachbarte Hochebene bereits als „im Schwobe druß“. Und wirklich verrät das fruchtreiche Kornland mit seinen abgegrenzten Tannen- und Buchenwäldern und den zusammengedrängten, von großen Fruchtöschen umgebenen Ortschaften schon viel schwäbisches Gepräge. Der hohe Schwarzwald dort hat keine eigentlichen Dörfer, nur Talgemeinden in zerstreut durch die Täler und über die Höhen hinziehenden Gehöften und Hütten. – Im Wälderhof befindet sich die große gemeinsame Wohnstube nebst Küche im Erdgeschoß; das alte Baarer Haus in Stadt und Land hat diese ausschließlich im zweiten Stockwerk.

Wie die Wohnungsverhältnisse, so zeigen auch Lebensweise, Sitten und Gewohnheiten der beiden Angrenzer merkliche Verschiedenheit. Wenn der Baarer bei Übergabe des Hofguts das Regiment sogleich an den jüngsten Sohn oder – in Ermanglung eines männlichen Sprossen – an die älteste Tochter abtrat und dann im Leibgedingstüblein, einem Alkov neben der allgemeinen Wohnstube, seine Tage verbrachte, so erhielt dagegen der junge Wäldner bei seiner Verehelichung zwar den Kauf, aber nicht zugleich das Regiment im Haus; dies behielt der Vater meist lebenslänglich für sich, und die jungen Eheleute setzten sich mit den Alten zu Tische; die baarischen Leibgedingleute dagegen führten eine getrennte Haushaltung: sie speisten am sogenannten Klebtischlein, wo sie gewöhnlich die kleinen Enkel zu Gast hatten.

Das baarische Hofgut bestand in der Regel aus Lehen, wobei nur ein kleiner Teil eigen und zinsfrei war. – Des Wäldners Güter waren meist freies Eigentum. – Hier wie dort aber bildeten ein charakteristisches Familienanhängsel die „Vetter„, wie die älteren, im Haus verbliebenen ledigen Brüder des Gutsbesitzers insgemein genannt wurden. Schon von frühester Jugend an mußten diese hören, daß sie sich auf Versorgung, d. h. Verheiratung, nicht viel Hoffnung machen dürften, es wäre denn, daß eine reiche Bauerntochter oder eine Witwe sich fände, die bereit wäre, ihr Herz einem solchen Vetter zu schenken. Eigenes Vermögen besaßen die Vettern nicht. Wohl wurden ihnen bei der Erbteilung etwelche Felder überlassen, aber nur als unveräußerlicher Bestandteil des Hofes, der, gewissermaßen Fideikommiß, nie geschmälert werden durfte – worauf auch die Vettern einen besonderen Stolz hatten. Sie schafften in Haus und Feld, was und wie es ihnen beliebte, erhielten Verköstigung vom Bruder mit Statt und Platz zur Legung ihrer Feldfrüchte; und im Alter wurden sie gemeiniglich sorglich verpflegt, weil es gewöhnlich von ihnen noch etwas zu erben gab.

Beachtet man, daß seit uralten Zeiten ein bedeutender Teil des Waldes mit der Baar in Gaugenossenschaft verbunden gewesen, so wird man es erklärlich finden, daß bei aller Verschiedenheit des Volkscharakters und der Lebens- und Erwerbsweise dennoch Sitten und Anschauungen viel Übereinstimmendes haben mußten. Namentlich prägten sich religiöse Formen und Bräuche, die allem eine gewisse Weihe gaben, überall gleichmäßig aus, im öffentlichen wie im häuslichen Leben.

Kein Bauernknecht, auch nicht der roheste, betrat des Morgens die Stube ohne den Gruß: „Gelobt sei Jesus Christ!“ und ohne sich, nachdem er die Hände im zinnernen „Handgießle“ an der Türe gewaschen, mit Weihwasser zu besprengen. Mit einem „Im Namen Gottes!“ begann der Sämann sein Tagewerk, und mit dem Wunsch: „Jetzt walt Gott und unsre liebe Frau!“ verließ er nach vollbrachter Arbeit den Acker. – Mit den Worten: „Glück im Stall!“ betrat man in fremden Häusern den Viehstall; und fand man ein Stück zu loben, so geschah es nie ohne den Beisatz: „Ein schön Stück Vieh, b’hüt’s Gott!“

Die am Palmsonntag von Knaben zur Kirche getragene und da geweihte Palme wurde – wie heute noch – vor dem Hause aufgesteckt als Schutz gegen Blitz und Ungewitter; während der von Mädchen zum Altar gebrachte (in früheren Zeiten lediglich nur aus Heilkräutern bestehende) Kräuterbüschel im Stall das Vieh vor Krankheiten behüten soll. – Wenn am St.-Agatha-Tag sich das Gesinde am Herd versammelte, um den Rosenkranz zu beten, so geschah es, weil diese Heilige als Patronin gegen Feuersgefahr angerufen wird. Dieser Beziehung verdankte zum Beispiel auch das alte Heiligenbild unter dem Gewölbe des Niedertors zu Villingen sein Dasein, vor welchem Bilde früher alljährlich am genannten Tage Lichter angezündet und öffentliche Gebete verrichtet wurden; und zwar soll dies seit der Zeit geschehen sein, wo (im 13. Jahrhundert) die Stadt durch einen großen – der Sage nach durch eine vom Niedertor hereingeflogene feurige Kugel (Aerolith) verursachten – Brand bis auf wenige Häuser in Asche gelegt wurde.

Zeichnung von Paul Bärsen. (aus GHV-Jahresheft 2001, Seite 41).

Das Niedere Tor in Villingen wurde (bis heute ein Ärgernis aller Villinger) 1847 abgebrochen. Das Aussehen und die Abmessung des Niederen Tores sind laut Geschichts- und Heimatverein Villingen weitgehend unbekannt. So wird wohl auf ewig unbekannt bleiben was für ein altes Heiligenbild unter dem Gewölbe zu sehen war. Es läßt aber vermuten, dass es ein Bild der Heiligen Agatha war.

Eine Figur der Heiligen Agatha, die aus den Trümmern des Tors gerettet worden sei, befindet sich heute im Franziskanermuseum

Figur der Heiligen Agathe aus dem 18. Jahrhundert.
Foto: Peter Graßmann, Franziskanermuseum

1271 wurde eine feurige Kugel, welche aus der Luft in die Stadt fuhr, ein Haus in Brand gesteckt, worauf das Feuer so schnell und gewaltig um sich griff, daß ganz Villingen niederbrannte, und über dreihundert Menschen ihr Leben einbüßten.

Badische Landes-Geschichte von den ältesten bis auf unsere Zeiten von Josef Bader 1836

Lucian Reich erzählt hier die Sage, dass am St.Agatha Tag diese feurige Kugel, seiner Meinung nach ein Aerolith (Meteorit), durch das Niedere Tor hereingeflogen kam und Villingen in Asche gelegt habe.

Aus diesen Gründen war wohl das Niedere Tor der Heiligen Agathe – der Patronin der Feuerwehren – geweiht worden.

Am Thomastage pflegten die Mädchen jedweden Hauses den sogenannten Durchsitz zu halten, d. h. sie durchwachten die Nacht in gesellschaftlichem Verein, wobei sie spannen und abwechslungsweise geistliche Lieder sangen (wie es scheint, eingeführt, um die in dieser Nacht getriebenen abergläubischen Bräuche zu verdrängen). Und gewiß, es war ein sinniger Brauch, wenn in der Heiligen Nacht die Hirten betend um den Stall gingen und sodann den Tieren Futter aufsteckten. Noch bis in die neueste Zeit war es in Villingen üblich, daß in jener Nacht die städtischen Hirten, ihre Reigen blasend, durch die Gassen der Stadt zogen.

Bekannt sind die kirchlichen Prozessionen vor der Erntezeit durch die Ortsgemarkung oder, wie man in der Baar sagt, um den Oesch. Eigentümlich war früher daselbst der Oeschritt, welcher nur von berittenen Männern, voran der Geistliche mit Kreuz und Fahne, abgehalten wurde. Wie früher alles in standesgemäßer Ordnung und Begrenzung vor sich gehen mußte, so trugen bei einem solchen Oeschritt die Verheirateten den blauen Tuchrock, die Ledigen das rote Wollehemd, während den Buben nur der weiße Zwillichkittel zustand. Wenn dann der also geordnete Zug nach vollbrachtem Umritt dem heimatlichen Dorfe wiederum nahte, so warteten seiner die Weiber mit ihren Kindern auf den Armen; und nun war es eine Freude für die Kleinen, wenn sie, vom Vater auf das Roß gehoben, den Weg bis zur Kirche und von da nach Haus im Sattel zurücklegen durften.

Von den verschiedenen religiösen Vereinen mag allein der sogenannte Marianische Rat, dessen Ursprung sehr alt zu sein scheint, hier erwähnt werden.

Dieser Verein bestand in der Regel aus dem Vogt als Vorstand und elf Mitgliedern, gewöhnlich den Ältesten der Gemeinde und von anerkannter Ehrenhaftigkeit. Seine Aufgabe war, in Verbindung mit dem Pfarrer die Kirchenordnung und Sittlichkeit überhaupt zu handhaben und zu überwachen, denn selbst auf Aburteilung von Felddiebstählen und ähnlicher Vergehen dehnte sich die Befugnis aus. Beim sonntäglichen Gottesdienste führte stets ein Ratsglied die Aufsicht über die Jugend; die zwei vordersten Bänke auf der Männerseite waren der bestimmte Platz für diese Volksältesten, wo vor jedem ein mit einem Stern gezierter Stab aufgesteckt war, an welchem er bei Prozessionen feierlich einherzuschreiten pflegte.

Waren sittlicher Ernst und religiöse Anschauung auf diese Weise überall vorherrschend, so konnte man die Lebensweise doch entfernt nicht eine kopfhängerische nennen. Denn an heitern Anlässen, Erholungen und Lustbarkeiten fehlte es durchaus nicht.

Ein allgemein bekanntes, bis in unsere Zeit reichendes Kinderfest war der Gregoristag, am Ende der Winterschule. Schon im sechzehnten Jahrhundert verschönerte die Gattin Heinrichs von Fürstenberg, welche auch die erste Schule in Donaueschingen gegründet, dieses Fest durch eine Stiftung, zufolge welcher noch heute an diesem Tage Wecken an arme Kinder der Gemeinde ausgeteilt werden. – In der Regel waren es die vier besten Schüler, welche als „Gregorisbuben“ mit bebänderten Stäben in den Händen in und vor den Häusern umhergehen, Sprüche hersagen und Gaben einsammeln durften, mit welchen dann der allgemeine Schmaus im Wirtshaus bestritten wurde. An manchen Orten fanden auch dabei Spiele statt, wie zum Beispiel in Bräunlingen das Kugelwerfen nach dem hölzernen Löwen (im Stadtwappen), wobei die Gemeinde die Preise spendete. – Die Neuzeit hat dieses Schulkinderfest abgeschafft, und kein anderes ist bis jetzt an seine Stelle getreten.

Gregoristag
Das GregoriFest findet in Donaueschingen immer noch statt. Auch werden heute noch „Gregorisbuben“ vom Fürst mit einer Uhr beschenkt. Wobei die Buben heute wohl eher Mädchen sind.
Das Kugelwerfen in Bräunlingen nach dem hölzernen Löwen hört sich besonders spannend an.

Löwe auf dem Ottilienberg in Bräunlingen

An Kirchweih und Fastnacht fanden fast in jedem Dorf an je zwei Tagen Tanzbelustigungen statt. – Versetzen wir uns einige Jahrzehnte zurück, um auf dem Tanzboden als Zuschauer gegenwärtig sein zu können.

Es ist zwölf Uhr mittags. Im Zuge, voran die Spielleute, begeben sich die Paare ins Wirtshaus, wohin vorerst der ledige Bursche nur seine Schwester mitbringen darf. – Denjenigen Schönen, welche eines Bruders entbehren, ist jedoch nur eine kurze Frist des Harrens auferlegt. Denn kaum einige Stunden währt die Lust, so wählt der junge Bursche, dem die Sitte verbietet, seine Liebste in eigener Person zum Tanze zu führen, aus seinen Freunden einen sogenannten Fürsprech, der als Abgeordneter ins elterliche Haus des Mädchens gesendet wird.

Hier grüßt er die Eltern mit dem herkömmlichen Spruch:

„Des Vogts Peter schickt mich her,
Eine Tänzerin wär sein Begehr.
Er verspricht, er wolle sie halten in Ehren,
Drum werden’s die lieben Eltern nicht verwehren.“

Wenn die Mutter hierauf ihre Einwilligung gegeben, entfernt sich das Töchterlein, um sich geziemend herauszustaffieren. Der Vater aber trinkt mit dem Fürsprech am Tisch den Willkomm. Endlich tritt die geschmückte Schöne wieder in die Stube; der Vater bestimmt die Stunde, welche der Lustbarkeit ein Ende machen soll; die Mutter führt die Tochter vor das Weihwassergefäß, besprengt, segnet sie und entläßt sie in „Gottes Namen“. – War es ein heiterer Tag, so ließ sich die ganze Tanzgesellschaft wohl auch einmal verlocken, vom Tanzboden weg einen Ausflug ins Freie zu machen – dieses hieß das „Ausziehen“. Auf eine nahegelegene Wiese oder Garten zog das junge Volk unter dem Schall der Instrumente. Nachdem die Spielleute sich auf eine Bank postiert, begann der Tanz. – Aber jetzt, nachdem, angelockt durch Musik und lauten Jubel, jüngere Frauen, ihre Kinder auf dem Arme, herbeigekommen und zuschauend die Tanzenden umstanden, geschah das „Wechseln“, eine Sitte, die eine anmutige Rücksicht der Mädchen gegen die jungen Frauen in sich schloß. Mitten im Tanze wurde innegehalten. Jedes Mädchen führte ihren Tänzer einer der zusehenden Frauen zu, nahm ihr das Kind vom Arme und unterhielt sich mit dem Kleinen, während die Mutter nun den Reigen antrat.

Die ledigen Burschen saßen gewöhnlich in gemeinschaftlicher Zeche, wobei jedesmal ein gewählter Zechmeister die Schreibtafel zu besorgen hatte, zu welchem Amtlein in der Regel solche junge Männer ausersehen wurden, die in Trauer waren und deshalb nicht tanzen durften. Nebst einer großen und einer kleinen Zeche, in welche letztere die Späterkommenden sich setzten, gab es auch noch einen „Knausertisch“ für solche, die auf eigene Rechnung zehren wollten.

Der Tanz selbst hatte mancherlei Abwechslung. Es gab Hahnen-, Schappel- und Hammeltänze sowie die „sieben Sprüng“, welche man nach dem Rhythmus gewisser, von den Tanzenden gesprochener Verse ausführte.

Die löbliche Sitte der Landleute, sich in selbstgefertigte Leinwand zu kleiden, hatte damals den ausgedehnten Anbau des Hanfes und Flachses zur Notwendigkeit gemacht, und die Zubereitung dieser beiden Erzeugnisse, bevor sie in die Hände des Webers kamen, war fast ausschließlich Geschäft der Hausfrauen.

Wenn im Oktober die Arbeit des Hanfbrechens bei einer eigens hiezu gebauten Feuerstätte im Freien, die je einer Familie abwechslungsweise zur Benutzung zustand, vorgenommen wurde, so halfen außer den bestellten Lohnbrecherinnen noch angesehene Bauerntöchter mit, welche man Ehrenbrecherinnen nannte. Kam nun während des Geschäftes, wobei es gewöhnlich lustig zuging, ein bekannter junger Mann vorüber, so beeilten sich ein paar der Mädchen, ihm zuvorzukommen. Jede trug eine Handvoll feiner Reisten (gebrochenen Hanf), mit welcher sie dem Ankömmling den Weg bestreuten, sprechend:

„Es reist ein schöner Herr wohl übers Land,
Wir hoffen, er hab einen großen Verstand,
Wir wollen ihm streuen in Ehren,
Er wird uns auch was in die Reisten verehren!“

Der Angesprochene, um sich loszukaufen, langt in die Tasche, reicht den schalkhaften Brecherinnen scherzweise das kleinste Geldstück, welches er bei sich trägt und spricht:

„Weil ihr mir die Ehr erweiset,
Und mich gar einen Herren heißet,
So will ich mich nicht länger wehren,
Und euch diesen Kronentaler in die Reisten verehren!“

Die Mädchen unter Scherz und Lachen:

„Dieser Kronentaler ist viel zu klein,
So zahlen arme Bäuerlein;
Die Herren spenden immer mehr,
Drum gib uns noch einen Zwölfer her.“

Und keiner war je so ungalant, daß er nicht den schönen Drängerinnen mehr gespendet hätte. Reiche Bauernsöhne gaben sogar nicht selten in der Tat einen Kronentaler, selbst mehr, vorausgesetzt, daß ihnen die „Reisten“ und diejenigen, welche sie gestreut, gut gefallen.

Den Schluß des ländlichen Geschäfts machte jedesmal ein Schmaus, welchen die Hausfrau ihren Helferinnen zum besten gab – und als Beweis, daß diese stets einen guten Appetit von der Arbeit mitzubringen pflegten, kann das alte Sprichwort gelten: Hunger haben wie eine Brecherin. Während dem Ehrenmahl erschienen die ledigen Burschen des Ortes, jeder mit einem Stab in der Hand, und indem sie sich vor das Haus postierten, unterhielten sie sich durch die offenen Fenster mit den essenden Schönen in der untern Stube.

Weil aber dem Mahle niemals Apfel- oder Birnenschnitze fehlen durften, so verlangten die Außenstehenden, scherzweise durch die hohle Hand sprechend, bald von dieser, bald von jener Innesitzenden einen Schnitz, dessen Geben oder Verweigern natürlich stets großen Spaß verursachte.

War das Essen vorüber, so stellten sich die Burschen im Spalier vor dem Hause auf mit vorgehaltenen Stäben – und wenn die Mädchen heraustraten, um nach Hause zu gehen, so mußte sich jede die Begleitung eines solchen galanten Stabhalters gefallen lassen.

Selbst der geringste Stand der Dienstboten, die Roßbuben, die wir bereits in einem früheren Kapitel kennengelernt, hatten ihre besonderen Rechte und bestimmten Lustbarkeiten.

Ehe die allgemeine Allmendteilung stattgefunden, bestanden in der Baar überall besondere Roßweiden, die sich wieder in Tag- und in Nachtweiden teilten. Am ersten Mai, wenn die Roßbuben zum erstenmal „ausfuhren“, fand ein Ringkampf unter ihnen statt, und die drei Stärksten wurden die „Stillieger“ oder Hauptleute der übrigen. Drei Knappen, solche, die nach ihnen im Kampfe als die Gewandtesten sich erwiesen, durften sie bedienen, wenn sie am Feuer lagerten, schmausten, würfelten oder sonstige Kurzweil trieben; während allen andern, den „Wehrbuben“, die Aufsicht über die Rosse oblag.

Gewisse Gesetze und Gebote waren diesen wilden und oft sehr rohen Burschen, welche die Hälfte des Jahres unter freiem Himmel zubrachten, um so notwendiger, als sie nur wenig in die Kirche und höchst selten in eine Schule kamen; daher das Sprichwort: Gefürchtet wie der Teufel und die Roßbuben.

Übertretung ihrer Gebote – von welchen zum Beispiel eines Ehrerbietung gegen Frauen und Mädchen oder gegen Feldkreuze zur Pflicht machte – wurden jeden Monatssonntag nach dem Gottesdienst von den Stilliegern öffentlich vor dem Pfarrhof oder dem Rathaus mittelst auf dem bloßen Arm des Schuldigen hin und her geschwungener Bündel Wacholderreises abgestraft. – Aber auch dem Feldbannwart stand eine gewisse Aufsicht über die ganze „Hut“ zu; denn wenn er auf die Weide kam und zum Beispiel zum Gebet kommandierte, so mußten sich alle seiner Anordnung fügen. Kehrten sie abends mit ihren Rossen heim, so wurde auf dem Weg ein gemeinschaftlicher Rosenkranz gebetet.

War das Stehlen unter Kameraden strenge verpönt, so wurde es nach außen hin – nach altspartanischer Sitte – doch nur dann als strafwürdig erachtet, wenn der Betreffende ungeschickt genug war, sich dabei erwischen zu lassen. Während der Nacht oft meilenweit reitend, statteten die Burschen den Obstgärten und Rauchfängen fremder Bauern gern Besuche ab; und es war für die Bäurin gewiß keine angenehme Überraschung, wenn sie morgens die Küche betrat und statt der saftigen Schinken ein Stück Holz im Kamin hängen sah. – Auch geschah es oft, daß eine „Hut“ einer andern benachbarten förmlich Krieg erklärte; auf unzugerittenen Fohlen sprengten sie dann gegeneinander, und nicht selten verfolgten die Sieger den fliehenden Feind bis in die Dörfer, allwo Pfarrer und Vogt zur Abwehr herbeieilen mußten, um weitere Gewalttaten zu verhindern.

Der Pfingstmontag war – wie wir bereits gesehen haben – der eigentliche Ehrentag dieser Nomaden, wobei sie unter dem Schalle ihrer Rindenhörner zu Pferd in die betreffende Ortschaft oder Stadt einzogen, um den Pfingsthagen, Pfingstbutz oder wie er sonst noch geheißen, in den Brunnen zu werfen – ein Brauch, der jedenfalls auf das altgermanische Maifest zurückzuführen ist. Unter dem grüne Tännchen in der Hand tragenden Zuge wurde der Frühling verstanden, welcher kommt, den mit Rinde oder Stroh umhüllten Winter in das fließende Wasser zu werfen. – Ein ähnlicher Brauch herrschte auch unter den Kindern. Paarweise zogen sie in den Häusern umher, das eine mit dem grünen Bäumchen stellte den Frühling, das andere in Stroh gehüllte den Winter vor, der unter wechselweise hergesagten Sprüchen vom andern zur Tür hinausgetrieben wurde.

Der Pfingsthagen ist heute ganz unbekannt. Wobei ein Teil des Brauches lebt vielleicht in den Villinger Wuescht fort.

An der Kirchweih war unsern Rossebändigern zwei Tage hindurch Tanzbelustigung – der sogenannte Heuliechertanz – abzuhalten gestattet, während alsdann die Knechte für sie die Pferde auf die Weide treiben und hüten mußten.

Mit Beginn des Frühlings pflegte die erwachsene Jugend allsonntäglich hinauszuziehen auf den in der Nähe des Ortes gelegenen „Brühl“ oder Grasgarten, um da gemeinsame Spiele, Ballschlagen usw. zu treiben. Vom ersten Mai ab hörte aber dieses „Brühlrennen“ auf, weil von jetzt an die Wiesen nicht mehr begangen werden durften. – Beliebt war in der Baar um Ostern das Eierlesen; eine Wette, wobei ein Bursche eine gewisse Wegstrecke zurückzulegen hat, während sein Gegner eine Anzahl, in gemessener Entfernung auseinanderliegenden Eier jedes einzeln aufzulesen und in eine am Ziel aufgestellte, mit Spreu gefüllte Wanne zu bringen sich anheischig macht.

Während der Heuernte hatte jeder Bursche unter den Mädchen seiner Umgebung ein „Heubühle“ (deminutiv von Buhle) zu wählen, dem er diese Zeit über gefällig und dienstbar sein wollte. – Sind die Früchte glücklich eingeheimst, so feiert der Bauer die „Sichelhenke„; hat das Gesinde dem Meister das Jahr über redlich gedient, so ist’s jetzt am Meister und der Meisterin, die Dienstboten am Tische zu bedienen und – womöglich mit neuem Wein – das Mundschenkenamt zu versehen.

Werden diese flüchtigen Umrisse nicht schon erkennen lassen, wie gut es unsere Vorfahren verstanden, jedem Vorkommnis im Leben eine bedeutende oder heitere Seite abzugewinnen? Und sollte ein Vergleich der Gegenwart mit den Bildern der Vergangenheit nicht zu allen Zeiten eine ebenso nützliche wie angenehme Unterhaltung gewähren?

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Die Schwarzwaldbahn

Originalbeitrag vom 6. Dezember 2021

Die „schönste Gebirgsbahn von Offenburg nach Konstanz“ wurde am 10. November 1873 eröffnet. 1973 hat die Bundesbahndirektion zum 100 jährigen Bestehen eine Jubiläumsbroschüre heraus gegeben.

100 Jahre Fahrt durch Wälder, Täler, Tunnel:

Donaueschingen ist Höhenluftkurort und Solbad, Endpunkt der Höllentalbahn von Freiburg her und war einst und bis 1806 das lebensfrohe Residenzstädtchen derer von Fürstenberg. Das Schloß steht noch, in dem Victor von Scheffel („Ekkehard“) Bibliothekar und Konradin Kreutzer („Das ist der Tag des Herrn“) als Hofkapellmeister ihr Brot verdienten. Und hintenan im Schlosspark liegt eine ebenso wichtige wie umstrittene Sehenswürdigkeit, eingefaßt in einem Rondell, verziert mit einer Marmorgruppe von 1896 und von Professor Adolf Heer aus Karlsruhe: die sogenannte Donauquelle.

„678 m über dem Meer“, steht da eingemeisselt und „Bis zum Meer 2.840 km“. 120 Liter Wasser pro Sekunde ergießt sich über die verschiedenen Münzen, die die Besucher wer-weiß-warum in die stahlblaue Quelle geworfen haben. Und die Marmorgruppe hat zu bedeuten, dass „die Baar ihrer jungen Tochter, der Donau, den Weg in die Ferne deutet“. Schon einen Spaziergang weiter freilich mündet sie in die weitaus kräftigere Brigach, die sich alsbald mit der Breg zusammentut. Und weil die Breg länger sei als die Brigach, behaupten die Furtwanger, sie besässen die Donauquelle.

So kam es, dass es vor einigen Jahren zu einer Anfrage im Landtag kam und auf höchst ministerieller Ebene ein halbwegs weises Urteil getroffen wurde: Die Donau beginnt in Donaueschingen und kommt zustande durch den Zusammenfluss von Brigach und Breg am Ende des alten Fürstlich Fürstenbergischen Parkes.

Im juristischen Sinne gibt es also keine Donauquelle, die gefasste Quelle im Park hat also nur symbolischen Charakter…
Charakter? Den allerdings hat die junge Donau kaum. Denn schon nach 25 Flusskilometern zwischen Immendingen und Möhringen, verkrümelt sie sich sechs Monate im Jahr durchs poröse Kalkgestein, fliesst 12 unterirdische Kilometer weit und taucht erst 177 m tiefer in Aach als Achquelle auf.

Seite 12-13 aus der Jubiläumsbroschüre
Donauquelle auf Seite 5 aus der Jubiläumsbroschüre

Dem Büchlein beigefügt sind ausführliche Zeichnungen einer Lokomotive und eines Wagens.

Schnellzuglok
Schnellzuglok
Detailplan einer Lok
Schnellzuglok
Schnellzuglok

Die Donauquelle wird auch im Hieronymus in Kapitel 5 erwähnt:

Selbstverständlich wird die Donauquelle besichtigt und der jahrhundertalte Streit um die “richtige” Quelle wird diskutiert. Die Argumente waren vor 200 Jahren genau die gleichen wie heute und der Feldwaibel entscheidet, dass die Donau ihren Ursprung hier in der Baar habe, wo das “wässrige Kleeblatt gleichsam zu einem Stiel zusammenwachst”.

Rollstuhl-Check auf dem Hohen II

Weg endet auf Schutt und Wiese

Wer auf dem Hohen II wohnt, muss entweder direkt mit dem Auto weg oder halt sehr gut zu Fuß sein.

Eine Begehung vom Landratsamt, eine sogenannte „Verkehrsschau“, befand es vollkommen in Ordnung, wenn Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder auch Kinderwagen ohne starken Mann nirgends hin kommen. Abgeflachte Bordsteinkanten scheinen die Stadt vollkommen zu überfordern und damit kein Anwohner weiter als 10 Meter gehen muss, wird kurzerhand der komplette Gehweg für Fußgänger gesperrt und Gehwege enden in Schutthalden.

Hier ein kleiner Praxistest:

kleine Baustelle
also rüber
warum?
wieder rüber!
da steh ich nun
und was ist das?
geht ja vorbei
nur wohin? und wie?
und jetzt?
irgendwie
Berge von was-auch-immer
Gras drüber!
Gehweg endet im Parkplatz
geschafft!
verloren im Erdaushub
ratlos?
ist das giftig?

Demokratie ohne Frauen

Epitaph leider sehr verwittert aber mit einer Frau die in die Ferne schaut und ein Schwert im Arm hat. Dieses Epitaph benutzt Hannah immer, wenn sie sich ärgert und zur Attacke übergeht.

Es reicht nicht, wenn wir überall den Mund halten und in der 2. Reihe den Herren zuschauen.
Es reicht nicht, wenn wir als Lob dafür unseren Männern immer brav im Hintergrund den Rücken gestärkt zu haben, einen Blumenstrauß überreicht bekommen.
Es reicht nicht, das Reden den Männern zu überlassen, nur weil die sich dafür so gerne selber loben.

Es geht um die 4.000 Hüfinger Frauen, die es sich in der 2. Reihe bequem gemacht haben!

Geht wählen!
Bleibt nicht zuhause!

aktualisierter Originalbeitrag vom 1. Februar 2024

Liebe Hüfingerinnen,

wir leben noch in Deutschland und nicht in Afghanistan.
Ich zumindest will, dass dies so bleibt!
Es reicht mir ständig gegen eine Wand anzurennen!
Es reicht mir von den Männern bedroht zu werden, weil ich eine von zwei Frauen bin, die den Mund auf machen!

Ich weiß durchaus, dass für Parität und Mitbestimmung zu sorgen eigentlich die Aufgabe eines Bürgermeisters wäre. Aber wir haben nunmal keinen. Das wird sich hoffentlich im Sommer ändern, aber die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig es ist eben nicht alles den Männern zu überlassen.

Gleich 2019 hatte mir der Bm in einer öffentlichen Sitzung während einer „Debatte“ (so wie das die Männer nennen) gesagt, dass meine Meinung unwichtig sei und auch nicht interessiere. Klar ist das so für die Männer, aber hatte ich deswegen den Mund gehalten? Darauf hin hat er mir mehrfach gedroht mich zu verklagen, auch über die Kommunalaufsicht und sein Fraktionssprecher sowieso, aber nein, es ist den Männern nicht gelungen, dass ich den Mund halte. Ein Resultat davon ist der Hieronymus.

Lasst euch nicht klein reden!
Ihr habt eine Meinung und dürft die auch sagen! Meint ihr denn die Männer schwätzen in ihren „Debatten“ klug?

Jetzt im Wahlkampf könnt ihr euch die Listen und Kandidatinnen genau anschauen. Es gibt sie, die Frauen die ihre Meinung sagen und sie auch vertreten –
für uns alle!

Unterstützt sie!
Geht wählen!

Es reicht! Demokratie jetzt für alle!



Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor

Am Samstag 25. Mai 2024 haben sich Christina Meckes, Patrick Haas und Andreas Hofmann in der Ratsstube bei der LBU Hüfingen vorgestellt.

Nach einer kurzen Einführung von Peter Albert haben die Kandidaten ihre Motivation erläutert.

Andreas Hofmann

Andreas Hofmann hat 40 Jahre Führungsverantwortung und will diese Erfahrung in die Waagschale als Bürgermeister werfen.

Christina Meckes

Christina Meckes meint, man muss wissen in welchen Hafen man segeln will, um die Segel richtig zu setzen.

Patrick Haas

Patrick Haas will schon immer Bürgermeister werden. Ihn reizen die Gestaltungsmöglichkeiten gegen alle Schwierigkeiten. Er möchte etwas erschaffen und gestalten.

Moderation von Nicole Schönecker und Fragen von Till Röthele, Emine Sems, Christa Knust, Otto Merz, Petra Wetzel, Dorothea Hepting und Peter Albert.

Christina Meckes meinte, dass hier keiner sagen wird, „das finde ich gut“. Was aber wichtig sei, ist Vernetzung.

Patrick Haas: Da er von aussen komme, war für ihn sehr interessant unbelastet Gespräche in alle Richtungen zu führen. Transparenz sei hier sehr wichtig und Intransparenz führt zu Problemen.

Andreas Hofmann: Für ihn ist wichtig in keiner Partei zu sein. Ebenso mit Vereinen, er möchte auch kein Mitglied in einem Verein sein, damit dann keine Bevorzugung hinterher gesagt wird.

Christina Meckes: Transparenz ist durch Digitalisierung heute leichter zu handhaben. So habe man durch eine Kommunal App ein ganz einfaches Mittel. Man dürfe Gleichbehandlung nicht mit Fairness verwechseln. Es kann nicht jeder gleich behandelt werden, weil nicht alle gleich sind, aber es sind eben alle gleich viel Wert.

Andreas Hofmann: Die Vereinsförderung sollte überarbeitet werden. Die Gemeindeordnung sollte auch offen gelegt werden. Es muss alles einsehbar sein.

Patrick Haas: Vereinsförderung ist ja genau das Mittel wo man Fairness herstellen kann.
Man muss sich das mit den Vereinen anschauen und anpassen.
Es braucht einen Ansprechpartner in der Verwaltung. Bisschen was abnehmen, damit der Spaß nicht verloren geht.


Es ist soviel im Wahlkampf passiert gerade bei Vereinen, die waren noch nie so wichtig die letzten Jahre.
Zitat von Otto von Bismarck: „Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl und während des Krieges.“
Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Patrick Haas: Es ist nicht Beruf sondern Berufung. Es ist nicht einfach immer im Wind zu stehen. Ich möchte gerne länger als eine Amtszeit im Amt bleiben und in Hüfingen eine Familie gründen. Dafür ist gute Arbeit und Ehrlichkeit nötig. Leere Versprechungen sind hier fehl am Platz und kosten unglaublich Vertrauen, auch im Wahlkampf.

Andreas Hofmann: Für ihn ist Ehrlichkeit unerlässlich. Eine Lüge ist eine Legende an die man immer wieder anknüpfen muss. 

Christina Meckes: Für sie gehört ein Bürgermeister nicht ins Rathaus sondern zu den Bürgern. Klar ist es Verwaltungsarbeit, aber man muss auch mal aus dem Fenster schauen und in Verbindung bleiben. Ziel ist keine Bürgermeistersprechstunde mehr zu brauchen, da man die Bürgermeisterin eh immer sprechen kann.



Wie wollen Sie die Jugendlichen in Hüfingen erreichen?

Christina Meckes: So schwer ist es nicht die Jugendlichen zu erreichen. Jugendliche sind viel politischer, als man sich das vorstellt. Sie war am Bahnhof und es hat mit einer Pizza sehr gut funktioniert.  Jugendarbeit funktioniert nicht mit einem Auftrag. Also hin gehen und sagen kommt ins Jugendhaus, weil da wo ihr gerne steht, stört ihr. In Hüfingen haben wir verpasst die Jugendlichen mitzunehmen die nicht in Vereinen sind. Vereinsarbeit kann professionelle Jugendarbeit nicht immer ersetzen Wir haben Themen die Jugendliche mitbringen, man muss sie nur sprechen lassen und auch zuhören.

Andreas Hofmann: Will einen Jugendgemeinderat etablieren. 

Patrick Haas: Für ihn war es eine unfassbar lehrreiche Zeit, die Jugendarbeit. Es war learning by doing. Wobei Mönchweiler ist eh eine Leuchtturmgemeinde. Die Frage ist: „Wie beteiligt man?“ Die Kinder und Jugendlichen sind mit der Zeit aufgeblühlt. Die Entwicklung war sehr interessant, wie politisch und auch mutig sie geworden sind. Und wie zentral es ist, dass der Bürgermeister mit dabei sitzt. Wir haben in der Demokratie ein Problem mit Politikverdrossenheit. Wir haben es in der Hand die Generation die folgt politisch zu bilden. Es hat sich verändert, wie wir die Kinder erziehen. Psychische Erkrankungen steigen, weil vieles nicht im familiären Kontext aufgefangen wird. Genau die Jugendlichen müssen wir auffangen, die nicht vom Verein oder der Familie aufgefangen werden können. 


Was ist wichtiger Naturschutz oder Wirtschaft?

Patrick Haas: Will einen Konsens finden. Wirtschaft bringt ja auch Geld, man muss die Balance finden und den Konflikt jedes Mal wieder neu verhandeln.

Andreas Hofmann: Wurde bei der Bundeswehr in Punkto Naturschutz erzogen und habe sich gerne daran gehalten.

Christina Meckes: Meint dass beides Hand in Hand gehen kann.

Zum Dank überreicht Peter Albert den Kandidaten einen guten Holzhammer.

Die Diskussion ging drei Stunden und oben ist natürlich nur eine kurze Zusammenfassung. Wer sich eingehender informieren möchte, findet auf den oben verlinkten Internetauftritten die einzelnen Zeitpläne der Kandidaten.

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