Hüfingen für Demokratie – das sind Menschen, die sich für die Demokratie einsetzen. Wir möchten ein Zeichen setzen – für eine gerechte und solidarische Gesellschaft, in der wir jeden einzelnen Menschen achten. Wir sind der Überzeugung, dass nur in einer Demokratie Freiheit möglich ist: Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit, Freiheit von Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre und Glauben.
In den letzten Wochen sind etliche Menschen auf die Straße gegangen für unsere Demokratie. Sie zeigen, dass ihnen die Politik wichtig ist. Denn wir können unsere Demokratie mitgestalten: Wir können uns über verschiedenste Medien informieren. Wir können unsere Meinung äußern. Wir können Fragen an die Politiker stellen. Im Bundestag z.B. hat jede und jeder Abgeordnete eine eigene E-Mail-Adresse, an die man schreiben kann. Zudem gibt es Chaträume, wo man sich mit den Abgeordneten austauschen kann. Wir können Ehrenamtliche und Organisationen unterstützen, die sich für unsere Themen einsetzen. Wir dürfen Bürgerbeteiligung einfordern. Wir können an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen.
Wir würden uns freuen, wenn Menschen, denen das auch wichtig ist, sich als Unterstützerinnen und Unterstützer auf unserer Internetseite – huefingen-fuer-demokratie.de – eintragen. Das ist namentlich oder anonym möglich.
Das wichtigste Instrument unserer Demokratie ist die Wahl. Daher wünschen wir uns, dass möglichst viele Wahlberechtigte diese Möglichkeit nutzen und am 23.02.2025 zur Wahl gehen.
„Gummiflusskrankheit“, haben Sie schon einmal etwas davon gehört? Für mich ist das völlig neu. Der Beginn der heutigen Geschichte fängt mit dem schwarzen Harz des Beitrages unten an. Denn mir fiel ein, dass ich im April 2022 diesen herrlichen gelben Pfropf (am Pflaumenbaum fotografiert habe. Am Kirschbaum fand ich das gleiche vor. Ich wollte vor kurzem das Fotografieren der Pfropfe wiederholen, was ich auch tat, aber die waren ausgetrocknet und schwarz.
Auf der Webpage: https://www.baumpflegeportal.de/baumkrankheiten/gummiflusskrankheit/ ist der Sachverhalt prima beschrieben. „Gummifluss“ gibt es nur bei den Prunusarten Kirsche, Pflaume und Pfirsich. Faktoren, die den Fluss auslösen, sind Trockenstress, Frost und Mangelernährung. Aber auch Bakterien, holzzersetzende Pilze, Käfer und Raupenbefall können dazu führen. Diese Baumarten bilden zur Abwehr kein Harz, wie Nadelbäume, sondern sie bilden Gummifluss. Zunächst unter der Rinde, wo Leitungsbahnen und Zellgewebe verstopft werden. Wenn der Druck zu groß wird, drückt die Flüssigkeit durch die unverletzte Rinde durch und bildet Harzblasen, wie die Pfropfe offiziell heißen.
Typisch ist zu Beginn eine bernsteinfarbene weiche Masse, die mit der Zeit aushärtet. „Gummiflüsse“ treten vermehrt dort auf, wo ein Baum bereits verletzt ist. Schnittwunden, Käfer- und Larvenlöcher oder abgebrochene Zweige sind prädestinierte Orte. Treten Gummigebilde auch an scheinbar gesunden Stellen eines Baumes auf, dann hat er keinen gesunden Stoffwechsel mehr, weil viele Leitungsbahnen verstopft sind. Das kann soweit führen, dass Teile der Krone austrocknen und absterben. Was kann man tun? Letztlich für eine optimale Pflege sorgen und zum Beispiel bei starker Hitze und Trockenheit die Bäume gießen. Ist das nicht ein Doppelhammer, dass es „Gummifluss“ gibt, und das nur bei Kirsche, Pflaume und Pfirsichen, Mirabellen und Schlehen, die der Baumgruppe Prunus angehören? Ich finde es beachtlich, dass ich über den letzten Beitrag mit dem schwarzen Harz auf diese Geschichte gekommen bin.
05.02.2025
Liebe Bürgerpostleser,
am 7. Januar 2025 fuhren wir durch Zillhausen, einem Stadtteil von Balingen. Was sehen wir in Großbuchstaben neben der Straße? „Wasserfalldorf“. Hoppla, noch nie gehört, meine Frau meinte, den schauen wir uns an. Gesagt, getan, und was sagen Sie zu dem prächtigen Wasserfall?
7. Januar 2025
28. Januar 2025
Und jetzt kommt der Hammer: Mit einer Fallhöhe von 27 Metern ist er vier Meter höher als der Rheinfall. Am 28. Januar 2025 fuhren wir nochmals vorbei, weil ich noch etwas nacharbeiten musste. Wir sahen einen enttäuschenden Wasserfall, können Sie sich vorstellen wieso? Weil das Wasser oben zur Stromgewinnung abgzwackt wurde. So etwas aber auch. Die junge Weißtanne im Vordergrund ist die Ursache für diesen Beitrag, beziehungsweise die runden schwarzen Flecken an ihr.
Sieht doch richtig interessant aus. Ich habe google lens benutzt, da kam die Meldung „Wildschwein“ und „Brandkrustenpilz“. Ich wollte schon loslegen mit einem Beitrag über den Brandkrustenpilz, als Oliver Gaiser, ein Baumsachverständiger (www.bsb-gaiser.de) mit einem Büro in Weinstadt, etwas anderes ins Spiel brachte. Er empfahl, nochmal hinzugehen, denn er vermutete einen Harzaustritt. Und Oliver Gaiser behielt Recht. Ich sägte mit meinem Taschenmesser einen Fleck weg weil mit dem Messer nichts zu erreichen war. Es roch intensiv und gut nach Harz und der Fall war klar. Klar ist auch, dass der Austritt aus entfernten Astlöchern erfolgt, schauen Sie die Bilder an, dann fällt es Ihnen bestimmt auf.
Sicherlich ist das eine Schutzmaßnahme des Baumes gegen Pilzbefall. Jetzt hatte ich noch eine Frage wegen der schwarzen Harzfarbe. Unter Harz stellte ich mir bisher etwas bernsteinfarbenes vor und nun das. Jemand meinte, das Schwarze könnte von einem Pilz stammen. Ich habe dann überlegt, dass ich von einem Rindenstück das Schwarze entferne.
Nachdem klar war, dass alles schwarz ist, behaupte ich nun mal frech, dass das Weißtannenharz tatsächlich schwarz ist oder zusammen mit Sauerstoff schwarz wird. Ob ein Vergleich mit den sehr dunklen Weißtannenhonig angebracht ist, ist aus dem Bauch heraus eine reine Vermutung.
Einen herzlichen Dank gilt Oliver Gaiser, dass er mich auf die richtige Spur führte.
Erfahrungsbericht von Peter Albert vom 7. November 2021. Fotos: Herbert Jaag
Sofort wurden bei mir Erinnerungen geweckt, als ich kürzlich zwei alte Fotos aus der Zeit der Gemeindereform vor fast 50 Jahren in die Hände bekam.
Von 1971 bis 1973 fand in Baden-Württemberg die Gemeinde- und Kreisreform statt. Unter dem bis heute umstrittenen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Hans Filbinger, sollten die Kommunen und Kreise des Landes fit für die zukünftigen Aufgaben gemacht werden. Gleichzeitig war der Plan, die ehemaligen Länder Baden, Hohenzollern und Württemberg besser miteinander zu verschmelzen. Inwieweit diese großen Ziele überall im Ländle gelangen, bleibt fraglich.
Beispielsweise kann man über die Neugestaltung des Landkreises Schwarzwald- Baar geteilter Meinung sein. Der Teufel sitzt leider wie so oft im Detail. So haben beispielsweise die beiden Stadtteile Villingen und Schwenningen bis heute unterschiedliche Telefon-Vorwahlnummern.
Für mich wäre es sinnhafter gewesen, wenn die Baar nicht mit großen Teilen des Schwarzwaldes verschmolzen worden wäre, und als eigenständige Raumschaft mit historischem Hintergrund sowohl im ehemals badischen und württembergischen Landesteil neu entstanden wäre. So hätte beispielsweise die alte Baarstadt Löffingen viel besser in einen Baarkreis gepasst. Sicherlich war auch der alte Landkreis Donaueschingen mit seiner über 50 km Ost-West Ausdehnung ein unnatürliches Gebilde, aber bei der Neugestaltung des Landkreises Schwarzwald-Baar wurde seinerzeit eine historische Chance verpasst.
In den frühen 70er Jahren war von der Landesregierung auch angedacht worden, dass viele Gemeinden und Städte ihre Selbständigkeit verlieren sollten – darunter auch die Stadt Hüfingen. Die hohe Politik in Stuttgart hatte sich in Gutsherrenmanier in den Kopf gesetzt, Donaueschingen für den Verlust des Kreissitzes dadurch zu entschädigen, dass Hüfingen kurzerhand einverleibt werden könne. Doch leider hatten die großkopfenden Landeshauptstädtler die Rechnung ohne den Wirt – die Hüfinger-Bürger*innen – gemacht.
Auch an der Hüfinger Fasnet wurde das Thema „Hüfingen bleibt selbständig“ behandelt.
Lukas Riedlinger im Gasthaus Löwen.
Doch von Anfang an:
Das Vorhaben. Hüfingen der ehemaligen Kreisstadt Donaueschingen zuzuschlagen, stieß in der alten Baarstadt, die 500 Jahre Residenz und Amtsstadt war, auf breiteste Ablehnung. Umgehend wurden Gegenmaßnahmen seitens der Hüfinger Bürgerschaft ergriffen. Man erinnerte sich auch gleich wieder an den verunglückten Versuch der Donaueschinger Nazis in der Zeit des Dritten Reichs Hüfingen wie kurz zuvor Allmendshofen zwangseinzugemeinden. Im Nazi-deutschland war der handstreichlerische Versuch seitens Donaueschingen kläglich gescheitert!
Die Gerüchteküche brodelt!
Auch die Gerüchteküche in Hüfingen brodelte anfangs der 70er-Jahre heftig, da in Donaueschingen Bürgermeisterwahlen anstanden und Robert Schrempp altershalber nicht mehr antreten wollte. Hüfingens Bürgermeister Max Gilly, so dass Gerücht, spielte mit dem Gedanken, sich um die Stelle der neu entstehenden großen Kreisstadt Donaueschingen zu bewerben und deshalb die geplante Eingemeindung nicht genügend zu bekämpfen.
Auch die Bürger*innen von Hüfingen wurden zum drohenden Verlust der Selbständigkeit des Städtles befragt. Das Votum viel mehr als eindeutig aus!
Bei einer Wahlbeteiligung von 92,4% stimmten 97% der Wahlberechtigten für die Selbständigkeit.
Auch eine Kundgebung vor dem Rathaus am 24. März 1973 bildete die Bürgermeinung klar ab.
Auf nach Bad Dürrheim!
Die wohl interessanteste und ausschlaggebendste Aktion war aber die selbstbewusste Demonstration Hüfinger-Bürger*innen in Bad Dürrheim kurz vor der erwähnten Kundgebung in Hüfingen selbst. Was sich da am 17. März 1973 in der kleinen Kurstadt und vorher auf der alten B 27 abspielte war schon bühnenreif. An diesem Tag fand in „der guten Stube“ der Kurstadt, dem Kurhaus, eine Mitgliederversammlung der CDU statt. Das alles beherrschende Thema war die anstehende umstrittene Kreis- und Gemeindereform. Hauptredner war der damalige Staatssekretär im Innenministerium und spätere Ministerpräsident Erwin Teufel, der von seinem Ressortchef Innenminister Karl Schiess beauftragt wurde, den CDU Mitglieder*innen das Projekt schmackhaft zu machen.
Schiess, auch durch seinen Erlass (Schiess-Erlass) bekannt, hatte die Überprüfung aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst auf ihre Verfassungstreue angeordnet.
Eigentlich hätte er es besser wissen müssen, da er den alten Kreis Donaueschingen sehr gut kannte.
Mit „Beckmesserischer Verbissenheit“ versuchte sein Staatssekretär Teufel die CDU Mitglieder*innen von der Sinnhaftigkeit der einschneidenden Reform zu überzeugen. Die Anwesenden wurden von der spontanen Hüfinger-Demonstration völlig überrascht, die sich spontan Einlass in den Kursaal verschaffte.
Der abgebildete Traktor mit Frontlader neben dem Polizeiauto gehörte meinem Vater Adolf Albert.
Im jugendlichen Alter zum ersten Mal an einer Demonstration.
Für mich als 14-jährigen Jugendlichen war das ein einprägsames Erlebnis, das mir bis heute in bester Erinnerung geblieben ist. Leider konnte ich damals die Zusammenhänge und den politischen Hintergrund noch nicht richtig einschätzen.
In einem kürzlich geführten Gespräch mit dem ehemaligen Kreisvorsitzenden der CDU – Klaus Panther -, an welchen mich der bestens bekannte Bad Dürrheimer Hansjörg Häfele verwiesen hatte, wurde mir die Tragweite bewusster.
Mein späterer Lehrherr, Zimmermeister Lukas Riedlinger, bildete die Speerspitze der Aktion im und um das Kurhaus herum. Als Gemeinderat und Kreisrat des alten Landkreises Donaueschingen prallte er am Rednerpult mit Erwin Teufel sprichwörtlich zusammen. Die beiden lieferten sich einen rhetorischen Schlagabtausch, in dessen Verlauf Erwin Teufel immer wütender wurde. Klaus Panther musste Teufel mit dem Satz „Menschenskinder, so geht das doch nicht“ – zur Ordnung rufen.
„Lukas Riedlinger hat Hüfingen gerettet“ und „der Riedlinger hat sich nichts gefallen lassen und hat das mit der Demonstration geschickt ausgenutzt“ – so die Aussage von Panther. Damit hatte niemand mehr so richtig gerechnet.
Von meinem späteren Lehrmeister Lukas Riedlinger habe ich in Sachen Demokratieverständnis noch so einiges gelernt.
Er bleibt nicht nur mir in guter Erinnerung.
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich auf diesen Artikel hin noch weitere Zeitzeugen melden.
Es ist mir eine Ehre mit seiner jährlichen Collage „gewürdigt“ zu werden.
Da das Hüfinger Narrenblatt Qualität vermissen lässt, haben wir hier mal was witziges.
Leider war die vom letzten Jahr nicht tauglich für den Hieronymus, aber ich habe unten die von 2023 und Maischerze. Ich freue mich schon auf den 1. Mai!
Diese uralte Frage beschäftigt momentan wieder Hüfingen und die Meinungen gehen ordentlich auseinander.
Vorneweg: Wir haben damit nichts zu tun und wissen auch nicht, wer es gemacht hat! Ich mache so etwas grundsätzlich nicht und wehre mich vehement gegen Spekulationen.
Seit dem 1. Mai erscheinen in Hüfingen mehrere dieser Abbildungen, zuerst dachte man an einen Maistreich. Die Meinungen gehen hier auseinander, ob dies Kunst ist oder nicht. Auf jeden Fall ist es Sachbeschädigung und deshalb wird der Künstler wohl auch im Geheimen bleiben.
Meiner Meinung nach darf Kunst durchaus böse sein und ich finde diesen Spruch nicht beleidigend. Auf jeden Fall erschließt sich mir der Sinn eher als bei dem lila RTL, das jahrelang an allen möglichen und unmöglichen Stellen prangerte.
Ich persönlich sehe darin also wohl Kunst und einen Ausdruck von frustrierten Bürgern sich mit einem Augenzwinkern Gehör zu verschaffen.
wir haben heute 5508 Dokumente und Fotos auf dem Hieronymus, diese verteilt in 886 Beiträgen seit 2019. Das ist ziemlich viel, gell?
Es ist so, dass etwa 90 % aller Fotos und Dokumenten von uns stammen. Aber 10% halt nicht. Ich wusste, dass man Wikimedia Fotos zwar benutzen darf, aber immer das Kleingedruckte unter den Fotos lesen muss und beachten. Eigentlich hatte ich das auch gemacht – dachte ich.
Jetzt hatte ich letzten Samstag einen alten Artikel hoch geholt und dabei ein Foto neu formatiert. Dabei ist die Beschriftung verloren gegangen. Zwei Tage später bekam ich eine E-Mail wegen Lizenzverletzung. War natürlich blöde. Aber im Grunde hatte ich Glück, dass nicht gleich eine Abmahnug kam und der Fotograf mit sich reden ließ.
Was ich jetzt viel gemacht hatte, war alte Artikel auf Wikipedia zu prüfen. Ist ne ziemliche Arbeit, weil ich muss das Foto aufmachen und bei Wikipedia nachlesen, ob ich alles richtig gemacht hatte. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich fast immer alles richtig gemacht hatte – fast! Also Ich hatte gestern Abend noch zwei Fotos gefunden, bei denen ich geschlampt hatte.
Jetzt könnte ich also das Wochenende und Nächte damit verbringen alte Artikel zu kontrollieren, oder hoffen dass der nächste Fotograf auch so nett ist, über meine Fehler hinweg zu sehen.
Das alles ist mir jetzt einfach zu viel. Deswegen gehe ich jetzt direkt an die Medien vom Hieronymus und werde alles ungeachtet löschen bei dem ich mir nicht sicher bin, dass es von mir ist, oder ich es richtig beschriftet habe. Wenn also (vor allem bei den Büchern) Lücken sind, wisst ihr warum. In Zukunft werde ich natürlich darauf besser achten.
Passt auf euch auf! Und denkt dran auch bei Wikipedia Fotos die Lizenzen zu überprüfen – gilt auch für die sozialen Medien.
Einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge können durch ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen jährlich rund 6,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
In der Debatte um das Tempolimit ist es still geworden – sowohl in den Medien als auch im gegenwärtigen Wahlkampfgetöse. Als seien die Parteien bemüht, das Thema diesmal strickt auszuklammern, wo doch die deutsche Autobranche so tief in der Krise steckt. Wie denn auch der Klimaschutz insgesamt hinter die aktuellen Aufregerthemen Migration und Wirtschaftskrise zurückgestellt wurde. Bleibt es also auch in der nächsten Legislaturperiode beim deutschesten aller deutschen Anachronismen, getreu dem altbewährten Motto „Freie Fahrt für freie Bürger“, der weltweit nahezu einzigartigen Regelung, wonach auf den Autobahnen gerast werden darf, was immer die PS hergeben. Nicht einmal die krudesten Rechtspopulisten und Autokraten kämen derzeit auf die Idee, die Tempolimits in ihren Ländern abzuschaffen, um so bei ihrer Klientel zu punkten und der Automobilbranche Auftrieb zu verschaffen, mag ansonsten jede noch so krasse Disruption (um hier das neue Modewort zu verwenden) mittlerweile in den Bereich des politisch Denk- und Machbaren gerückt worden sein. So hinkt denn hierzulande der Verkehrssektor nach wie vor meilenweit hinter den nationalen Klimazielen her, derweil die Solar- und Windparks boomen. Selbst die Grünen scheinen „Tempolimit“ einstweilen aus ihrem Sprachschatz gestrichen zu haben – dies, obwohl selbst ADAC-Mitglieder, glaubt man den Umfragen, mehrheitlich dazu bereit wären, sich auf Autobahnen damit abzufinden, um so letztendlich ja auch den Verkehr wieder zu verflüssigen und die Unfallgefahren einzudämmen.
Oder sollten die Verkehrspolitiker bereits unsere komplette E-Motorisierung im Blick haben? Wo die doch zwangsläufig zu fahrerischer Vernunft führen muss, weil bei allzu flottem Fahrstil der Verbrauch so rasant zunimmt, dass womöglich die nächste Zapfsäule nicht mehr erreicht wird? Nein, keine Sorge: CDU/CSU, FDP und AfD versprechen dem Wahlvolk doch längst, dass das ab 2030 vorgesehene Aus für den Verbrennermotor zurückgenommen wird – Klimaziele hin oder her.
Es darf also weiter gerast werden, nicht nur auf Autobahnen und Schnellstraßen, allen Treibhausgas-Einsparmöglichkeiten zum Trotz. Dabei hatte das Umweltbundesamt 2024 errechnet, dass bei Einführung von Tempo 120 auf Autobahnen und Tempo 80 auf Außerortsstraßen bis zum Jahr 2030 sogar rund 47 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden könnten. Doch leider hat im Jahr zuvor das Karlsruher Bundesverfassungsgericht die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen per Verfassungsbeschwerde als unzulässig abgewiesen, denn es sah die Auswirkungen auf den Klimaschutz als nicht ausreichend belegt an. Ja wer, wenn schon nicht das Umweltbundesamt, hilft den Richtern da noch auf die Sprünge? Und wer den Politikern und den Bürgern?
Im Januar habe ich darüber geschrieben, dass zahllose Konflikte und Kriege auf unserer Erde toben. Um welchen Preis? Eine unbewohnbare zerstörte Heimat, viel Leid auf allen Seiten. Wozu führt Hass und Unverständnis füreinander? Die vielen Kriege auf unserer Erde sind ein Musterbeispiel für das Beharren auf Standpunkten und letztendlich für den Verlust von Leben. Die Natur gibt uns dagegen viele Lehrbeispiele darüber, wie trotz unterschiedlicher Lebensformen Zusammenarbeit gelingt. Bodenbakterien z.Bsp. nehmen Stickstoff aus der Luft auf und machen diese pflanzenverfügbar für die Bohne. Im Gegenzug liefert die Bohnenpflanze den Bakterien Zucker als Nahrung. Besonders in Regenwäldern in denen Nährstoffe knapp sind, weil sich durch den ständigen Regen kein Humus bilden kann gibt es viele solcher Symbiosen. Daher tun sich dort viele Tiere und Pflanzen mit einem Partner zusammen, statt in Konkurrenz zu leben, denn davon profitieren am Ende Beide. Manchmal ist die Symbiose so wichtig, dass der eine Partner ohne den anderen nicht mehr überleben kann. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweise haben diese Tiere und Pflanzen verstanden, dass sie einander brauchen, und das ohne viel Tamtam. Sie teilen und sind auf diese Weise füreinander da.
Als Menschen, die wir über weit mehr Hirn – so glaubt man – verfügen, als Tiere und Pflanzen sind wir dennoch nicht in der Lage zusammen zu leben. Warum ist das so?
Weil wir im Gegensatz zur Symbiose bei Pflanzen und Tieren den Gegenüber als Feind wahrnehmen, als jemand der etwas wegnimmt, mir schadet oder für mich fremde Lebensmodelle lebt. Doch sollten wir von den Pflanzen und Tieren lernen, denn am Ende können beide, das Fremde und das Gewohnte, voneinander profitieren. Dazu bedarf es jedoch ein aufeinander Zugehen, ein Kennenlernen und nicht ein Säen von Hass und Zwiespalt. Lernen wir daher von der Natur und nicht von denen, die jegliches Miteinander durch Sprache und Intoleranz vergiften. Letztendlich teilen wir uns nur diese eine Erde. Nutzen wir die Vielfalt des menschlichen Lebens für Symbiosen und nicht in dem Betonen von Unterschieden. In vielen Bereichen des Zusammenlebens klappt das sogar. Im Sportverein, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Auch im Urlaub suchen wir das Fremde und Erleben, dass Vielfalt etwas Schönes sein kann.
Und wenn jetzt jemand äußert das in der Natur invasive Arten heimisches Leben ja auch zerstören, so gibt es inzwischen viele Wissenschaftler die Neuankömmlinge im Pflanzen- und Tierreich als etwas Positives sehen, da sie entweder keinen oder sogar einen positiven Einfluss auf die heimische Natur haben. Die Stärkung des gesamten Lebensraumes und seine Entwicklungsdynamik ist wichtiger als die Wiederherstellung eines früheren „Urzustandes„. Ökosysteme sind nicht statisch. Sie haben sich immer verändert und werden es auch in Zukunft tun. Und zwar immer schneller, als Reaktion auf die galoppierende Erderhitzung und wegen des ebenfalls vom Menschen verursachten weltweiten Artensterbens. Daher suggeriert das Gerede von gefährlichen Einwanderern, das es einen optimalen, idealen oder irgendwie ursprünglichen Zustand von Ökosystemen gebe, der gegen Veränderung von außen geschützt werden muss. Diese konservative Sicht hat ihre Vorläufer in der Blut- und Boden- Ideologie des Nationalsozialismus.
Fassen wir also zusammen. Die Natur sucht die Symbiose und nicht die gegenseitige Zerstörung. Die Ökosysteme verändern sich durch Zuwanderung auch positiv. Der Mensch sollte sich mehr mit dem Gegenüber beschäftigen und die positiven Aspekte von Vielfalt erkennen. Der Mensch ist in erster Linie Schuld an Wanderbewegungen von Tier und Menschen die Lebensräume suchen, in denen ein Überleben noch möglich ist. Und das wird sich solange nicht ändern, bis wir erkennen, das wir selbst durch unser Streben nach immer höheren Wohlstand genau dazu beitragen.
Die meisten, die diese Zeilen lesen, dürften wohl schon einmal die Bällämer Via Appia, die Alois-Hirt-Straße, gen Sumpfohren bereist haben. Doch wer war dieser Alois Hirt, nach dem die Straße benannt ist? Nun gleich vorweg, er selbst schrieb sich Aloys Hirt. Wer ihm das i im Straßennamen verpasste, muss hier vorerst ungeklärt bleiben. Auch der zweite Vornamen Ludwig ist eine spätere Erfindung – es wäre ja auch ein Art Tautologie. Geboren wurde er am 27. Juni 1759 in Behla als Sohn der wohlhabenden Hofbesitzer Franz und Elisabeth Hirt. Sein stattliches Elternhaus (Alois-Hirt-Straße 3) steht noch heute und zeugt vom damaligen Wohlstand der Familie.
Elternhaus von Aloys Hirt heute (2022). Foto: Felix Bogenschütz
Dieser Wohlstand dürfte auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass der junge Aloys ab 1768 das Gymnasium der Benediktiner in Villingen, heute Karl-Brachat-Realschule, besuchen konnte. Es folgten die Gymnasien in Freiburg i. Br. und Rottweil.
Der frühe Verlust seiner Jugendliebe trieb ihn in ein Kloster des „grauenvollsten Schwarzwaldes“, von dem er dann doch wieder loskam, um ab 1778 in Nancy Philosophie zu studieren. Dort hielt es ihn aber ebenso wenig wie in Freiburg i. B., wo er sich 1779 kurzeitig den Rechtswissenschaften widmete. Denn noch im gleichen Jahr zog er weiter nach Wien, um an der dortigen Alma Mater Rudolphina das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften zu betreiben.
„Neue Aula“ der Universität Wien aus der Zeit Hirts, heute Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Bildnachweis: Peter Haas, Wikipedia
Dieses Vorhaben wich seiner Begeisterung für die Kunstgeschichte, der er sich in der Folge mehr und mehr zuwandte. Deshalb ging seine Grand Tour 1782 mit dem Ziel Rom weiter, das er u. a. über Venedig, Bologna und Florenz erreichte. Dort angekommen wandte sich sein Hauptinteresse fortan der antiken Architektur und Kunst zu. Als profunder Kenner dieser verdiente er seinen Lebensunterhalt ab 1785 als Cicerone (Fremdenführer) in Rom und Süditalien. Auch die Beratung zu und die Organisation von Kunst- und Gemäldeeinkäufen gehörte zu seinem Repertoire.
Zu den zahlreichen Italienreisenden, die er so kennen lernte, zählten u. a. der Architekt Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff, auf dessen Empfehlung hin Fürstin Luise Henriette von Anhalt-Dessau, des Weiteren der britisch-hannoverische Prinz August Friedrich Herzog von Sussex, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar, der ungarische Fürst Nikolaus II. Esterházy de Galantha, die Mätresse des preußischen Königs Friedrich Wilhelms II., Wilhelmine Gräfin von Lichtenau, und nicht zu vergessen Johann Wolfang von Goethe sowie viele weitere illustre Namen. In den Sommermonaten, in denen sich keine Touristen in den Süden trauten, widmete er sich wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Seine Dienste ließ er sich gut entlohnen. Eine Zechine (Dukat) nahm er am Tag – wie Goethe zu berichten wusste – für die Touren, die in der Regel auf einen Monat, täglich 9–14 Uhr, angelegt waren. Zum Vergleich: Dafür musste ein Tagelöhner oder ein Handwerker ungefähr ein bis zwei Wochen schuften.
Venezianische Zechine (Dukat) des Dogen Paolo Renier (1779–1789) Bildnachweis: Gorny & Mosch Giessener Münzhandlung, Auktion 246, Los 3616, 8.03.2017.
Doch Hirts Führungen schienen nicht nur auf uneingeschränkte Zustimmung gestoßen zu sein. So meinte selbst Goethe, mit dem ihn später eine lebenslange Freundschaft verband, in einem Brief an Johann Gottfried Herder „Wenn Ihr einen Antiquar braucht, wie Ihr denn einen braucht, so nehmt einen Deutschen, der Hirt heißt. Er ist ein Pedante, weiß aber viel und wird jedem Fremden nützlich sein.“ Herder zog es nach einem kurzen Kennenlernen dann offenbar auch vor, Rom eigenständig zu erkunden. Ähnlich verhielt es sich mit dem Kunsttheoretiker Carl Ludwig Fernow, der Hirts veraltete, eigenwillige Sichtweise erkannte und ihn in einem Brief spöttisch als Günstling der „Königshure“ bezeichnete.
Nichtsdestotrotz brachten ihm seine römischen Bekanntschaften auch viele Möglichkeiten ein. So konnte Hirt 1796, als ihn die Napoleonischen Kriege dazu zwangen Italien zu verlassen, nach einigen Zwischenzielen in Berlin an seine Karriere anknüpfen – besser gesagt, seine eigentliche akademische Karriere erst starten. König Friedrich Wilhelm II. war von der Gräfin Lichtenau, seiner Geliebten, schon über Aloys Hirt unterrichtet worden und stellte ihn prompt als Lehrer des Prinzen Heinrich ein. Außerdem wurde er preußischer Hofrat und Mitglied der Akademien der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften sowie der Akademie der Wissenschaften mit der Aufgabe die preußischen Kunstschätze in einem Museum zusammenzufassen – eine Idee, die von Hirt selbst stammte und aus der erst sehr viel später die Berliner Museumsinsel hervorgehen sollte. In Berlin wurde er aufgrund seines langen Italienaufenthalts schlicht „der Römer“ genannt.
Hirt konnte seine enge Bindung zum preußischen Königshaus auch halten, als Friedrich Wilhelm II. bereits 1797 starb und sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm III. die ihm verhasste Gräfin von Lichtenau, Mätresse seines Vaters und Förderin Hirts, aus Berlin verbannen ließ. Er behielt seine Posten, wurde ebenso Berater des neuen Königs und verfolgte weiterhin seine kunstgeschichtlichen / archäologischen Forschungen. 1810 wurde er schließlich ordentlicher Professor für Archäologie der damals neu gegründeten Berliner Universität. Goethe blieb er zeitlebens freundschaftlich verbunden und besuchte ihn mehrmals in Weimar.
Zu seinem Berliner Freundeskreis gehörte die Runde der illegitimen Söhne und Söhne aus morganatischen Ehen König Friedrich Wilhelms II. um den Grafen Ingenheim. Mit Luise Mila, der Ehefrau eines befreundeten hugenottischen Predigers und preußischen Justizrats, soll der Jungesselle Hirt – wie in der neuesten Forschung angedeutet wird – selbst einen Sohn gezeugt haben, den späteren PortraitmalerPaul Mila. Mit dem Grafen Ingelheim unternahm Hirt 1816/17 abermals eine Italienreise.
Der Umstand, dass Hirt immer ein bisschen zwischen den Stühlen saß, sich sowohl als Kunsthistoriker aber auch als Archäologe verstand und zudem ganz eigene bautechnische Überlegungen in seine kunsthistorischen Theorien mit einbrachte, rief auch viele Kritiker hervor. Zudem war er zu großen Teilen auch Autodidakt in seinen Fächern, was eine mangelnde Kenntnis der Fachsprache und Methodik mit sich brachte. Seine Berliner Karriere beruhte auch auf dem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Hirts Ansichten galten letztlich bereits zu seinen Lebzeiten als veraltet oder fehlgeleitet. Mit der ab 1815 verstärkt aufkommenden Kritik – selbst unter seinen Schülern – konnte er offenbar schlecht umgehen. Vielleicht war dies mit ein Grund, warum er sich ab den 1820er allmählich aus der aktiven wissenschaftlichen Arbeit und der Wissenschaftspolitik zurückzog. Er veröffentlichte aber weiterhin wissenschaftliche Artikel, zuletzt 1834.
Historisch-architektonische Beobachtungen über das Pantheon in Rom von 1791. Titelblatt, eine der ersten Veröffentlichungen Hirts. Exemplar der italienischen Nationalbibliothek in Rom.
Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen liefern auch den Schlüssel zur Verwirrung um seinen Vornamen. So wurde zu seinem Aufsatz „Ueber das Pantheon“ von 1807, den er als „A. Hirt“ veröffentlichte, von den Herausgebern ergänzt:
„Der ganze Namen ist Aloys. Wir merken dies an, weil einige den Namen Luigi, den unser Freund in italienischen Schriften führet, und der allerdings auch Ludwig heissen kann (da Aloys und Ludwig ursprünglich nur Ein Namen ist), auf letztere Art übersetzt haben.“
Den Lebensabend verbrachte Aloys Hirt – unterbrochen von einigen Kuraufenthalten im böhmischen Karlsbad – im Kreise der ihm vertrauten Familie Mila. Er verstarb am 29. Juni 1837, im Alter von 78 Jahren in Berlin – das Datum wurde in der Vergangenheit oft falsch angegeben.
Dass er mit seiner Idee zu einem zentralen Museum für die Kunstschätze des preußischen Königshauses der eigentliche Urheber der weltberühmten Museumsinsel in Berlin war, dürfte heute sowohl dort als auch in Behla weitestgehend vergessen sein. Seine Heimat sah Aloys Hirt 1793, während einer kurzen Unterbrechung seines Italienaufenthalt, wieder. Ob er Behla später noch einmal besuchte, ist nicht bekannt.
Literatur:
Alfred Hall, Egon Bäurer, Fridolin Kaiser, Behla. Stadtteil von Hüfingen. Geschichte eines Baardorfes im Rahmen der Landschaft (Hüfingen 1989), S. 82–84.
Wolfgang Freiherr von Löhneysen, „Hirt, Aloys“. In: Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.), Neue Deutsche Biographie. Bd. 9 Hess–Huttig (Berlin 1972), S. 234–235. Online-Version: https://www.deutsche-biographie.de/sfz32578.html#ndbcontent
Claudia Sedlarz, Einleitung. In: Claudia Sedlarz (Hg.), Aloys Hirt. Archäologe, Historiker, Kunstkenner. Tagung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin April 2000 (Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800. Studien und Dokumente Bd. 1, Hannover 2004), S. 3–14, hier S. 3 und En. 2 auf S. 13. [zur Vaterschaft des Paul Mila]
Jürgen Zimmer, Nachrichten über Aloys Hirt und Bibliographie seiner gedruckten Schriften. In: Jahrbuch der Berliner Museen. Bd. 41 (1999), S. 133–194.
Quellen:
Johann Wolfgang Goethe, Italienische Reise (Frankfurt a. M. 2009), S. 470f. [zur Begegnung mit Hirt im November 1787]
o. V., Aloys Hirt. In: [Georg Friedrich August Schmidt] (Hg.), Neuer Nekrolog der Deutschen. Jg. 15 Teil 2 1837 (Weimar 1839), S. 672–682.
bevor der Frühling beginnt, möchte ich zum Abschluss des Winters ein paar schöne Bilder zeigen. Es darf natürlich gelächelt werden. Wie sagte mein Opa, „wenn die Tage langen, kommt der Winter erst gegangen“. Wir werden sehen.
Das Bild entstand in einem Kanal neben dem Riedsee. Mit etwas Fantasie könnte man einen Hund sehen. Da es viel Wasser gab, bevor es kalt wurde und die Wasserstände sanken, gab es relativ viele solcher schönen Eisgebilde. Ich denke, Sie werden einige gesehen haben.
Bild oben zeigt die Raureifsituation auf dem Auenberg. Dieses Jahr gab es einen schönen Kontrast zwischen grünen Wiesen und den weißen Raureifbäumen. Bild unten zeigt einen solchen prachtvollen Raureif-Lindenbaum.
Beim Bild unten stellte ich im Status die Frage, aus welcher Richtung kam der Wind. Viele sagten von rechts. Das stimmt aber nicht, den der Rauhreif bildet sich gegen die Windrichtung, also kam der Wind von links. Sie wussten das bestimmt. Oder?
Daneben einen Ast, bei dem sich mit zunehmender Raureifbidung eine Kule exakt in der Mitte des Astes gebildet hat. Das beeindruckt mich in höchsten Maße, wenn ich es zu Gesicht bekomme. Denn es ist Physik pur. Hammerhart könnte man sagen.
Unten noch Haareis oder Engelshaar. Das war ab und zu zu sehen und ich bekam einige Anfragen dazu. Sie wissen, dass Gase eines Pilzes Wasser aus dem Totholz treiben und sich bei schwachen Minusgraden diese ganz feinen Eisstreifen bilden. Schauen Sie mal, mit etwas Fantasie kann man die markante vordere Haartracht von Donald Trump erkennen, was die Natur nicht alles hinbekommt.
Am 24. Januar 2025 war die Eröffnung der Ausstellung „STROMSCHNELLEN …eine Jugend…“ mit Arbeiten von Walter Gramming, Peter Gramming, Monika Burkart und ushi f.
E freie frohe Muth e gsund und frölich Blut goht über Geld und Guth. >Johann Peter Hebel
Peter Gramming: „Stromschnellen, unser Ausstellungstitel, wird von mir umgesetzt mit blauer, reflektierender Kunststofffolie, gewunden wie Flüsse. Eben wie Brigach und Breg, wie die Donau, an der ich heute wohne“
Hier einige Eindrücke:
Monika Burkart widmet sich in ihrer Arbeit für die gemeinsame Ausstellung dem Blumenteppich. „Am Hochrhein geboren und aufgewachsen“, so erzählt Monika Burkart, „hat mich der alljährliche katholische Fronleichnamsbrauch der geschmückten Altäre an der Straße durch meine Kindheit begleitet. Das Sammeln der Blumen mit anderen Kindern, das Legen des Blumenteppichs vor dem Altar in der Früh am Morgen war immer ein Ereignis und Erlebnis für mich in dieser Zeit. Meine Mutter hatte die jährliche Motivwahl und die Ausgestaltung einer Prozessionsstation übernommen. Entsprechend war sie interessiert an der Thematik. So fuhren wir in den frühen sechziger Jahren hierher nach Hüfingen, in den Ort, der zumindest im südbadischen Raum für seine langen und schönen Teppiche bekannt war. Ich war sehr beeindruckt von der Farbigkeit, der Motivvielfalt und enormen Länge, so dass ich mich jetzt, Jahrzehnte später, noch daran erinnern kann. Dieser Bezug zur Stadt ist der Auslöser dafür, mich mit dem Thema Blumenteppich auseinanderzusetzen und mich ihm mit textiler Technik zu nähern.“
Die Künstlerin ushi f. zeigt uns Einblicke in die besonderen und unvergesslichen Momente ihrer Jugend, positiv wie negativ, – vom erstmals real empfundenen Glück der Sommerferien in einem Dorf bei Bad Kissingen, der ersten Begegnung des Berliner Stadtkindes mit Wäldern, Bächen und Flüssen, über die tief empfundene Traurigkeit angesichts der Feststellung, dass Zeit Dinge verändert, bis hin zu Angst und Schrecken über die Teilung Berlins, die ushi f. als 13jährige Teenagerin unvermittelt traf. Mit Fragen über die Individualität von Erinnerungen, Subjektivität und Gemeinsamkeit konfrontiert uns die Künstlerin und macht uns bewusst, dass wir ohne unsere Jugend mitnichten die wären, die wir sind.
Walter Gramming setzte sich in Vorbereitung der Ausstellung mit Fotografien auseinander, die in Hüfingen entstanden. „Ende der 60er Jahre“, so Gramming, „entstanden in der scheinbar kurzen Abfolge von kaum zwei Jahren Fotos, die meinen Abschied aus der Kindheit und den Start in die Jugend markieren. Doch erst als ich letztes Jahr begann die Fotografien für diese Ausstellung improvisierend/zeichnerisch umzusetzen wurde mir ihre viel größere Bedeutung bewusst.“
„Die STROMSCHNELLEN,“ stellt Walter Gramming fest, „das sind wir selbst, sind zugleich der Fluss und das Hindernis, wir sind der Fels und die Brandung, sind nur auf Sand gebaut und treiben mit den Wellen.“