Wanderblühten – Die beiden Schwestern

Wanderblühten – Die beiden Schwestern

3. März 2022 0 Von Hannah Miriam Jaag
In dir ruht Herr! mein ganz Gemüthe.
Psalm
Die beiden Schwestern

Auch diese Erzählung wird in eine Liebesgeschichte eingebettet. Bei dieser Liebesgeschichte macht Lucian Reich seinen Respekt vor Künstlerinnen deutlich.

Sie war eine Künstlerin, die ihres Gleichen gesucht hat. Bei richtiger Anleitung hätte sie es gewiß auch in der größeren Welt zu etwas gebracht. Aber so fehlt es eben manchem Bäumlein im schattigen Wald an Licht und Luft, empor zu wachsen.

Der Witwer über Philippine

Dann beschreibt Lucian Reich die Geschichte der Uhrenschildmalerei.

Wie man an alten Uhren sieht, wurden die Ziffern anfangs schlechtweg nur mit Tinte oder schwarzer Oelfarbe ausgezogen, später kamen gedruckte Papier-Schilde auf, die meistens von Augsburg bezogen wurden, bis endlich in den vorigen siebenziger Jahren die Lackfarben erfunden und angewendet wurden.
Einer der Ersten, die sich in dieser Kunst hervorthatenn, war meines Wissens der Maler Konrad Kirner im kleinen Eifenbächle, und wenn Sie die Sache besonders interessiert, so könnten Sie vielleicht von einem Tagbuch Einsicht nehmen, welches, so viel mir bekannt, jener Mann eigenhändig verfaßt und seiner Familie hinterlassen hat.

Über die Anfänge der Schildmalerei

Mit Eifenbächle ist wohl Eifenbach gemeint. Wo genau das gelegen hat, konnte ich nicht rausfinden. Aber ich vermute irgendwo auf dem heutigen Gebiet von Löffingen.

Die landständische Verfassungs-Urkunde für das Groszherzogthum Baden (1819)

Konrad Kirner war vermutlich ein Vorfahre des damals berühmten Johann Baptist Kirner (1806-1866).

Selbstportrait von Johann Baptist Kirner (1806-1866)
Foto: Deutsches Uhrenmuseum

Der Schwager von Lucian Reich, J. Nepomuk Heinemann hatte eine neue Methode zum Abziehen von Litographien erfunden. So wurde auf besonderes Papier gedruckt und dann die Bilder auf Holz abgezogen. Heinemanns Umrißvordrucke zum Abziehen wurden von der Uhrenmacherschule Furtwangen vertrieben.*

Umdruckbilder für den Schildmaler. Litographiert von J. Nepomuk Heinemann in Hüfingen, herausgegeben von der Großherzoglichen Badischen Uhrmacherschule in Furtwangen um 1854. (Stadtarchiv Villingen)*

Ich weiß nicht, kennen Sie das Schwärzenbachthal; wenn Sie vom Ebnemoos, welches wohl eine der höchst bewohnten Stellen des Waldes ist, nach Schwärzenbach kommen, finden Sie mehrere große Einödhöfe. – Die Alten sagen, die Heiden hätten sie erbaut und sie wären feuerfest, obwohl ganz von Holz. Ich geb’ zwar wenig auf abergläubisches Wesen, doch hab’ ich mich mit eigenen Augen überzeugt, daß, wären die Balken so nah über’m Feuerherd von gewöhnlichem Holz, sie schon längst in Flammen aufgegangen sein müßten, wie denn schon oft auch die Prob’ gemacht worden ist mit untergehaltenen Feuerbränden. Die Heiden, behaupten unsere Vorältern, hätten das Geheimnis gekannt, das Holz im rechten Zeichen, nach Gestirn und Mond zu schlagen, also daß es weder leicht verbrennbar, noch durch Werfen oder Schwinden untauglich geworden wäre. Damit will ich aber nur sagen, daß eben das Haus ein sehr altes war, sowie auch unser Geschlecht welches seit Menschengedenken darauf gehaust hat.

Der Witwer über die alten Höfe in Schwärzenbach.

Auf dem Ebnemooshof in Schwärzenbach kann man heute Urlaub machen, sich selbst die Gegend anschauen und womöglich noch Geister von Kobolden finden.

Ein Jahr war so verflossen, da geschah es daß ein Bäslein von mir sich verheirathete auf den Hochebnemooshof, den sie in der Ferne dort auf der Höh am Waldeck hervorschauen sehen; in der Ahorn sollte die Hochzeit gefeiert werden.

Witwer darüber wie er Philippine kennengelernt hatte.
Oberbregenbachhof “Bregeme” mit Gießhütte. Vermutlich Ölbild eines unbekannten Schildmalers um 1850.*

Schwarzwaldhochzeit

(…) Da hörte man die Musikklänge
Alles bewegt sich – die ganze Menge
Und betreten den Tanzboden
Treten mitunter auf die Füß und knoten
Die Strümpfe werden oft ganz grau –
Und die Füße oft schwarzblau.
Ordnung halte und anschließe,
Des dät scho manche verdrieße;
Sie schwitze un schlegle in dem Getümmel,
Und glaube doch sie seie im Himmel,
Und sind gar lustig, heiter und froh,
Bei Wäge, Leitere Heu und Stroh. (…)

Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller

“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886)
Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller

Der Ahorn wo damals die Hochzeiten gefeiert wurden gibt es heute noch. So steht auf der Seite des Gasthofes:

In einer wissenschaftlichen Untersuchung von entnommenen Holzproben des Hauses wurde die Bauzeit des Hofes in seiner heutigen Grundform auf das Jahr 1455 datiert.

Der Erzähler meldet sich nach einem Streit für seinen Bruder zum Kriegsdienst und geht nach Karlsruhe.

* Die Uhrenmacher des hohen Schwarzwaldes und ihre Werke von Gerd Bender. Verlag Müller 1975

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