Wanderblühten –  Badener im Russlandfeldzug 1812

Wanderblühten –  Badener im Russlandfeldzug 1812

9. März 2022 0 Von Hannah Miriam Jaag

Der Erzähler zieht am 12. August 1812 nach Karlsruhe in die Kaserne ein, von wo aus sein Korps unter Major Brückner mit 1100 Mann nach Rußland marschieren sollte. Der Kapitain seiner Kompanie hieß Dalberg.

Eigentlich sollten sie nach Stralsund marschieren, aber unterwegs kamen ihnen schon “Kosackenschwärme” mit der Nachricht von Napoleons “Mißgeschick” entgegen. So lagerten sie erst mal mit den Franzosen in Großglogau (Głogów).

Głogów

Im Krieg mit Frankreich fiel Głogów am 3. Dezember 1806 in die Hände französischer Truppen, die es auch nach dem Frieden von Tilsit besetzt hielten. In den Befreiungskriegen verteidigten etwa 9.000 französische Besatzer, geplagt von Kälte bis zu −26 Grad im Winter, Lebensmittelmangel und Desertionen, die Festung Głogów vierzehn Monate lang gegen preußische und russische Truppen. Am 10. April 1814 kapitulierten die 1.800 überlebenden Besatzer unter General Jean Grégoire Laplane vor den Belagerern (Wikipedia).

Ansicht von Glogau um 1850
Foto: Wikipedia

Laut des Erzählers wurde Niederschlesien auf Befehl des französischen Generals geplündert und die Festung wurde 1813 von Preußen belagert. 1813 kam der Erzähler dann in ein Lager nach Lüben (Lübben).

Lübben

Da Napoleon ein Regiment auf der so genannten Schweineweide in Lübben hatte, ist hier wohl nicht das Niederschlesische Lüben (Lubin) gemeint. Lübben ist eine Stadt im heutigen Brandenburg.

Da streiften wir Soldaten oft fünf, sechs Stunden weit auf die Edelhöfe, um Blumentöpfe und anderen Zierrath für unsere Kapitainszelte zu requirieren.

Erzähler über das Lager bei Lüben

Napoleon war nachweislich ein paar Stunden im Lübben. Das Regiment waren aber nicht “hunderttausend Mann“, sondern eher nur 35 000 Mann.

Der Napoleondurchbruch in der suedlichen Stadtmauer von Lübben.
Foto: Wikipedia

Das gute Leben in Lübben wurde durch die Schlacht bei Leipzig beendet.

Völkerschlacht bei Leipzig

Die Schlacht von Leipzig dauerte vom 16. bis 19. Oktober 1813 und war eine der wichtigsten Schlachten während der Befreiungskriege. Der Erzähler gehörte zu 11. Armekorps, 39. Division und stand unter General MacDonald und dem Major Brückner.

Jacques MacDonald (* 17. November 1765; † 24. September 1840), französischer General und Marschall
gemalt von Jean-Baptiste Paulin Guérin (1783-1855) Wikimedia: le Réunion des Musées Nationaux.

Nach der verlorenen Schlacht ergeben sich die Überlebenden den Preußen, die die Badischen Soldaten anscheinend nach Sibirien marschieren lassen wollten. Aus “dieser Noth” befreite sie der Markgraf Wilhelm “unser tapfere Chef

Wilhelm Ludwig August, Prinz von Baden (* 8. April 1792 in Karlsruhe; † 11. Oktober 1859 ebenda)
Foto: Wikicommons

Nachdem das Großherzogtum Baden sich von Napoleon lossagte und am 20. November 1813 bei den Befreiungskriegen auf die Seite Preußens, Österreichs und Russlands wechselte, wurde nach preußischem Vorbild Landwehr und Landsturm aufgestellt (Wikipedia).

Bei Durlach kam uns der Großherzog entgegen. Er weinte als er das kleine, elend aussehende Häuflein sah. Von den elfhundert, die vor fünf Vierteljahren ausmarschiert waren, kamen nicht mehr als sechszehn Mann zurück.

Erzähler

Vor Straßburg kam ich das letzte Mal ins Feuer; es war beim Ausfall, den die Besatzung machte, am neunten Juli anno fünfzehn.

Erzähler

Der Sommerfeldzug von 1815 war die letzte militärische Aktion Napoleons und dauerte vom März bis Juli 1815. Mit der Niederlage Frankreichs in diesem Feldzug endete auch die Ära Napoleons. Dieser Feldzug war Teil der Koalitionskriege. Es endete mit dem Zweiter Pariser Frieden. (Wikipedia)

Russenkreuze erinnern an die Russen, die nach der Völkerschlacht von Leipzig die napoleonischen Truppen verfolgt hatten. Seit der Schlacht an der Beresina (Nov. 1812 – 29. Nov. 1812) jagten die vereinigten Truppen die Franzosen buchstäblich nach Hause.

Russenkreuz bei Schwärzenbach

Bei allen Russenkreuzen sind Gedenksteine aus der Zeit der Befreiungskriege zu finden. Sie wurden für russische Soldaten errichtet, die beim Durchzug erkrankten und starben – meist an Ruhr, Typhus oder Pocken (Blattern). Dass sie im Gelände bestattet wurden, liegt daran, dass sie orthodoxe Christen waren und nicht in der katholisch geweihten Erde beigesetzt werden durften.

Der Erzähler heiratet am 23. Mai 1815 seine Philippine im Ahorn.

“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886)
Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller

Das Ehepaar betreibt eine Musik-Spieluhren Manufaktur und später ein Wirtshaus.

Ahorn im März 2022

Der Verfasser bekommt im Ahorn die Chronik einer Schwarzwälder Schildmaler Familie.

Fortsetzung:

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