Stromschnellen – die Vernissage

Am 24. Januar 2025 war die Eröffnung der Ausstellung „STROMSCHNELLEN …eine Jugend…“ mit Arbeiten von Walter Gramming, Peter Gramming, Monika Burkart und ushi f.

E freie frohe Muth
e gsund und frölich Blut
goht über Geld und Guth.

>Johann Peter Hebel

Peter Gramming: „Stromschnellen, unser Ausstellungstitel, wird von mir umgesetzt mit blauer, reflektierender Kunststofffolie, gewunden wie Flüsse. Eben wie Brigach und Breg, wie die Donau, an der ich heute wohne



Hier einige Eindrücke:

  • 4 bunte Bilder

Monika Burkart widmet sich in ihrer Arbeit für die gemeinsame Ausstellung dem Blumenteppich. „Am Hochrhein geboren und aufgewachsen“, so erzählt Monika Burkart, „hat mich der alljährliche katholische Fronleichnamsbrauch der geschmückten Altäre an der Straße durch meine Kindheit begleitet. Das Sammeln der Blumen mit anderen Kindern, das Legen des Blumenteppichs vor dem Altar in der Früh am Morgen war immer ein Ereignis und Erlebnis für mich in dieser Zeit. Meine Mutter hatte die jährliche Motivwahl und die Ausgestaltung einer Prozessionsstation übernommen. Entsprechend war sie interessiert an der Thematik. So fuhren wir in den frühen sechziger Jahren hierher nach Hüfingen, in den Ort, der zumindest im südbadischen Raum für seine langen und schönen Teppiche bekannt war. Ich war sehr beeindruckt von der Farbigkeit, der Motivvielfalt und enormen Länge, so dass ich mich jetzt, Jahrzehnte später, noch daran erinnern kann. Dieser Bezug zur Stadt ist der Auslöser dafür, mich mit dem Thema Blumenteppich auseinanderzusetzen und mich ihm mit textiler Technik zu nähern.

Die Künstlerin ushi f. zeigt uns Einblicke in die besonderen und unvergesslichen Momente ihrer Jugend, positiv wie negativ, – vom erstmals real empfundenen Glück der Sommerferien in einem Dorf bei Bad Kissingen, der ersten Begegnung des Berliner Stadtkindes mit Wäldern, Bächen und Flüssen, über die tief empfundene Traurigkeit angesichts der Feststellung, dass Zeit Dinge verändert, bis hin zu Angst und Schrecken über die Teilung Berlins, die ushi f. als 13jährige Teenagerin unvermittelt traf. Mit Fragen über die Individualität von Erinnerungen, Subjektivität und Gemeinsamkeit konfrontiert uns die Künstlerin und macht uns bewusst, dass wir ohne unsere Jugend mitnichten die wären, die wir sind.

Walter Gramming setzte sich in Vorbereitung der Ausstellung mit Fotografien auseinander, die in Hüfingen entstanden. „Ende der 60er Jahre“, so Gramming, „entstanden in der scheinbar kurzen Abfolge von kaum zwei Jahren Fotos, die meinen Abschied aus der Kindheit und den Start in die Jugend markieren. Doch erst als ich letztes Jahr begann die Fotografien für diese Ausstellung improvisierend/zeichnerisch umzusetzen wurde mir ihre viel größere Bedeutung bewusst.

Die STROMSCHNELLEN,“ stellt Walter Gramming fest, „das sind wir selbst, sind zugleich der Fluss und das Hindernis, wir sind der Fels und die Brandung, sind nur auf Sand gebaut und treiben mit den
Wellen.“

Die Ausstellung war bis am 13. April 2025 im Stadtmuseum Hüfingen.
https://www.stadtmuseumhuefingen.de/

Die AfD und die Windräder

Seit Alice Weidel beim AfD-Wahlkampfauftak getönt hat, alle Windräder niederreißen zu wollen, und seit gar  der neugewählte amerikanische Präsident die Abkehr von der Windenergie zugunsten der heimischen Erdöl- und Gasindustrie propagiert, den menschengemachten Klimawandel leugnet und per Dekret aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgestiegen ist, wird es heikel, sich hierzulande noch gegen die „Verspargelung“ ökologisch und touristisch wertvoller Kulturlandschaften zu engagieren. Denn gar zu leicht wird man jetzt in den falschen Topf geworfen und der Sympathie mit Rechtspopulisten verdächtigt.

Ob und wie sich die Zustimmung zur AfD angesichts ihrer brachialen Ankündigungen bei den Bundestagswahlen niederschlagen wird, ist noch ungewiss, mag sich Kanzlerkandidatin Weidel im Zwiegespräch mit Milliardär Elon Musk auf dessen „sozialem“ Medium X noch so blamiert haben („Hitler ein Kommunist“). Wie die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gezeigt haben, sind es vor allem die Jungwähler, die sich so leicht nicht abschrecken lassen, die zu Teilen rechtsextremistische Partei immer ungenierter zu wählen. Was sollen noch all die Belastungen und Verteuerungen zur Eindämmung des Klimawandels, so wurden die Jungwähler interpretiert, wo sich da doch eine Partei anbietet, die das alles für überflüssig hält? Die den Windstrom für zu flatterhaft einschätzt und dafür lieber die AKWs reaktivieren möchte – was mittlerweile ja auch CDU/CSU und FDP für sinnvoll erachten. Und macht es da nicht Sinn, sich gegen die weitere „Verspargelung“ selbst der letzten naturnahen Landschaften zu wenden – ganz wie es der AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke für den bislang noch weithin WEA-freien Thüringer Wald propagiert? Derweil hat doch in der Restrepublik ein gnadenloser Ausverkauf der Wälder begonnen, entfesselt vor allem durch den Goldrausch von privaten, kommunalen und staatlichen Waldeigentümern, wo immer sich Windradstandorte zur Verpachtung anbieten. Man müsse die widerborstigen Anlieger nur finanziell beteiligen, dann breche ihr Widerstand sogleich in sich zusammen.

Oder richtet sich die Beeinträchtigung, ja, Zerstörung schöner heimatlicher Landschaft durch 250 m hohe industrielle Anlagen nicht etwa doch gegen das Naturschutzrecht wie auch gegen Grundgesetzartikel 20a, der die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere „auch in Verantwortung für die künftigen Generationen“ schützen soll? Man blicke bloß nach Thüringen, wo sich vor den jüngsten Wahlen noch eine Koalition von CDU, FDP und AfD monatelang vergebens zu wehren versucht hatte gegen die Novellierung des Waldgesetzes, das nach dem Willen von Rot, Rot, Grün, der damaligen Regierungskoalition, speziell auch zur Erleichterung der Waldrodung für die Windenergiegewinnung beschlossen worden ist. Wo doch das Bundesverfassungsgericht schon im Februar 2022 entschieden hatte, dass das Verbot der Errichtung von Windenergieanlagen im Wald (in § 10 Abs. 1 Satz 2 des Thüringer Waldgesetzes) mit dem Grundgesetz unvereinbar und damit nichtig ist.

Doch dann wurde in dessen Neufassung – auf listiges Drängen der FDP – doch noch eine Bremse eingebaut: Wo im Wald, wie üblich als Ausgleichsmaßnahmen für die erforderliche Rodung, Ersatzaufforstungen vorgeschrieben werden, dürfen diese nicht auf agrarisch genutzten Flächen erfolgen. Wo aber sonst als in der Feldflur könnte wohl noch aufgeforstet werden?

Ausblick aus dem Thüringer Wald (aus der Wartburg)

Dass im Freistaat Thüringen, freilich außerhalb Waldes, schon bisher die Windenergie da und dort geradezu exzessiv gefördert worden ist, war nicht zu übersehen bei all dem energiepolitischen Gezerre um das neue Waldgesetz. Und dass die allermeisten Thüringer nicht aus purer Widerborstigkeit, gar aus Rechtslastigkeit, auf die Barrikaden gehen, sondern aus echter Sorge um ihren Wald und um die schützenswerte Landschaft, ist durchaus nachvollziehbar. So scheint die Welt nirgends so mit Windrädern bestückt und verhunzt worden zu sein, wie etwa um die Thüringer Stadt Eisenach herum. Als ob da nicht längst ein Sättigungsgrad erreicht, wenn nicht gar ein Übersoll geleistet worden wäre – ganz anders als es hierzulande, im Grün-regierten Ländle, wo soeben erst durch die Regionalverbände die Ausweisung von Windkraftvorrangflächen (vorwiegend im Wald) massiv vorangetrieben wird.

 Ob Björn Höcke demnächst nicht doch auch bundesweit auf dem so umstrittenen Feld der Energiepolitik leichtes Spiel haben wird? Wo doch die über eintausend deutschen Bürgerinitiativen gegen den Windkraftausbau in bislang noch wenig belasteten, daher umso wertvolleren Landschaften schon jetzt Gefahr laufen, in die AfD-Schublade gesteckt zu werden. Sie seien ja ohnehin vor allem von Veränderungsängsten getrieben, getreu dem Motto „not in my backyard“, nicht vor meiner Haustür. Während Arten- und Landschaftsschutz nur vorgeschoben würden.

Wie wird die Welt auf die klimapolitische Kehrtwende des neuen Washingtoner Präsidenten reagieren? Leitet er nun auch zusätzliches Wasser auf die Mühlen der AfD? Und wird er dazu beitragen, die Widerständler noch mehr in Misskredit zu bringen, mag ihr Anliegen noch so honorig sein?

Ausblick aus dem Hainich-Nationalpark

Hackschnitzelkessel, neue Schaltanlagen für Tiefbrunnen und Bestandsgarantie für den Kindergarten Fürstenberg

Die Unterlagen gibt es wie immer hier: https://huefingensitzungsdienst

Hier geht es um die Sitzung am 23. Januar 2025

Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik um 18:20 Uhr

Zuerst ging es um den Umbau von Garage und Kellerräumen zu einer Wohnung und die Erstellung von zwei Garagen und einem Carport am Hexenberg und dann um die Errichtung eines Gartenhauses auf dem Hohen II.

Der Bürgermeister verzichtet darauf die einzelnen Anträge vorlesen zu lassen. Von daher ging es heute drei Minuten.

Allen Bauvorhaben wurde einstimmig zugestimmt.

Öffentliche Gemeinderatssitzung ab 18:30 Uhr

Zuerst gab es Ehrungen für Kerstin Skodell, Ancilla Batsching, Egon Bäurer und Reinhard Isak als langjährige Gemeinderatsmitglieder.

TOP 4
Vergabe der Hochbauarbeiten für den Hackschnitzelkessel II am Standort Bleichewiese

Das Konzepts Hackschnitzelkessel II wurde hier letztes Jahr schon mehrfach besprochen:
https://hieronymus-online.de/hackschnitzelkesselanlage/.

Es gibt einen Förderbescheid Hackschnitzelkessel II in Höhe von 1,035 Mio € und es wird mit Gesamtkosten von 3,78 Mio € gerechnet. Mit dem Bau der Hackschnitzelkesselanlage II mit einer Leistung von 2 MW wird die Bleichewiese die zentrale Heizzentrale der Wärmeversorgung der Stadt Hüfingen.

Der CDU Fraktionssprecher fragt nach dem Unterschied von Nah- und Fernwärme. Es gäbe hier keine Unterschiede und wird einfach regional unterschiedlich benannt. Man kann es also benennen, wie man möchte.

Die Errichtung des Gebäudes für den Hackschnitzelkessel II am Standort Bleichewiese soll in dieser Sitzung an ein Bauunternehmen aus Furtwangen in Höhe von netto 545.209,71 € vergeben werden.

Der Gemeinderat stimmt der Vergabe mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung zu.

TOP 5
Vergabe Sanierung Schaltanlagen Tiefbrunnen I & II, HB Schosen & HB Kohlwald

Bei unserem Trinkwasser verweise ich auf die Hüfinger Trinkwasser-Reise die im Grunde vom Hüfinger Wassermeister vorgestellt wurde.

Tiefbrunnen I & II im Schafäcker

Wasserhochbehälter Schosen

Hochbehälter Kohlwald 750 cbm
Eröffnet 15.08.1975

In Zukunft soll der Chlorgehalt erhöht werden, da dies vom Gesundheitsamt gefordert wurde. Also ich persönlich finde das ziemlich blöde. Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit darauf zu verzichten?

Die Sanierung der Schaltanlagen ist erforderlich, da diese alt und reparaturanfällig geworden sind und so für die Zukunft wieder auf Stand gebracht werden. Es soll eine Firma aus Blumberg mit den Arbeiten zur Sanierung der Schaltanlagen für 100.583,60 € netto beauftragt werden.

Die CDU fragt sich, warum es nur ein einziges Angebot gab und das war auch noch das 1,5 – fache vom vorher geschätzten Betrag. Der Betrag für die Sanierung der Schaltanlagen erscheint zu hoch. Die anderen Gemeinderäte befinden auch das Angebot für viel zu hoch.

Der Wassermeister meint, dass die Dringlichkeit von der Sanierung sehr hoch sei und im Haushalt seien 35.000 Euro drin. Falls eine Steuerung ausfällt, müsse man auf Handsteuerung umstellen. Eine erneute Ausschreibung ginge mindestens drei Monate.

Bei 15 Gegenstimmen und vier Enthaltungen muss erneut ausgeschrieben werden.


TOP 5
Aufhebung des Grundsatzbeschlusses, zur Schließung der
Ortsteilkindergärten bei Unterschreitung von 12 Kindern
2025/219

Was soll man dazu sagen?

Halleluja

Dieser Beschluss ist sowas an überfällig und kommt eigentlich viel zu spät. Zu spät für Sumpfohren , zu spät für Hausen, aber immerhin nicht zu spät für Fürstenberg.

Bestandsgarantie für den Kindergarten St. Silvester.
Sumpfohren

Alter Kindergarten von Hausen vor Wald der ein ähnliches Schicksal hatte wie der in Sumpfohren.

Der CDU Fraktionssprecher meint, dass dieser Grundsatzbeschluss damals die Voraussetzung war, dass der neue Kindergarten von Behla so gut angenommen wurde. Aber jetzt seien neue Zeiten und der Grundsatzbeschluss soll aufgehoben werden.

Ebenso meint die Fraktionssprecherin der SPD, dass die Zeit gekommen ist, den alten Grundsatzbeschluss erst mal aufzuheben. Auch die anderen Gemeinderäte schließen sich an.

Der Gemeinderat beschließt am 23. Januar 2025 einstimmig die Aufhebung des Grundsatzbeschlusses, die Ortsteilkindergärten bei Unterschreitung von 12 Kindern zu schließen.

Meine Meinung hierzu

Da es hierzu im Gemeinderat leichten Streit gab, wie seit 16 Jahren, möchte ich hier gesondert meine Meinung dazu schreiben.

Das Argument, dass der katholische Kindergarten nur so gut angenommen wurde, wegen der Schließung von Sumpfohren und Hausen, ist eigentlich sarkastisch. Wenn es damals wirklich um die Familien und Kinder gegangen wäre, hätte man einen städtischen Zentralkindergarten errichten können. Keinen alternativlosen katholischen Hort. Es scheint niemand aufzuregen, dass die Leiterin und deren Stellvertreterin, nachdem sie den neuen katholischen Kindergarten aufgebaut hatten, von der Kirche heimlich abgeschoben wurden. Warum?

TOP 6
Anfragen aus dem Gemeinderat

Der CDU Fraktionssprecher, Markus Leichenauer, fragt an, ob eine kommunale App möglich sei, damit alle Hüfingerinnen und Hüfinger einfacher informiert werden können. Auch fragt er, ob eine kostenlose Vollverteilung des Hüfinger Boten möglich sei und was dies kosten würde. Die Liste mit den Fragen hat er uns hier zur Verfügung gestellt:

Hier möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Donaueschingen ein eigenständiges Blatt hat, das nicht beim Primo Verlag angesiedelt ist und das allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung steht. https://www.donaueschingen.de/mitteilungsblatt

Mete Ünal fragt, wann der geschlossene Spielplatz wieder geöffnet werden darf. Der Bauamtsleiter meint, Problem sei eine geologische Untersuchung die gemacht werden soll, und bei der es Probleme mit dem RP gäbe. Es kann erst weiter gehen, wenn das RP irgendwann was tut.


Hier gibt es den Artikel zum Spielplatz Bleichewiese:

19:40 Uhr war die öffentliche Gemeinderatssitzung beendet.

Der Schwarze Buben Kachelofen

Der Schwarzebub

Was könnte der Kachelofen im Schwarzen Buben, im Zinken Zindelstein, so alles erzählen. Von Vesper- und Trinkgelagen der rauflustige Köhlersippen im Unteren Bregtal. Von diesen „Schwarzen Buben“ bekam die Köhlerschenke ihren kultigen Namen. Aber auch die sangesfreudigen Stammtischrunden, hitzigen Vereinssitzungen, Weihnachtfeiern, Loipenputzenden, Familienfeste, und ausartenden Leichenumtrunken gaben dem Gasthaus seinen ganz besonderen Spirit. Und immer gastfreundlich bewirtet von der Familie Stefan und Hilda Kromer und später von Tochter Sieglinde und Kurt Preisinger. Wer genoss sie nicht und schwärmt heute noch davon, die legendären „Schwarzen Buben“ Schlachtplatten?


Wenn nun eine derartige Traditionsgastätte nach weit über 200 jähriger Gastfreundschaft die Schanktüre
schließt, ist das ein enormer gesellschaftlicher Verlust für das Untere Bregtal und auch das benachbarte Tannheim. Denn hier wurde Geselligkeit, Gemeinsinn, Unterhaltung bei legendärem Vesper und belebendem Umtrunk traditionsreich und lebensfroh gelebt. Der Dank gilt der gelassenen Gastwirtsfamilie Kromer – Preisinger. Was zählt sind halt die schönen Stunden.

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Spechtlöcher

Liebe Bürgerpostleser, 

heute kommt wieder eine spannende Geschichte. Simone Bröcheler schickte mir am Samstag, den 18. Januar 2025 diese Bilder mit folgendem Text: „Wir haben heute unseren Birnbaum in der Nähe des Hauses gefällt. Als er gefällt war, sind uns diese Löcher in der Rinde aufgefallen. Ab den ersten Ästen in vier bis fünf Meter Höhe hat es angefangen. Nur der halbe Stammumfang in Richtung Schuppen – zur Wetterseite Westen hin – sei angepickt gewesen. Was könnte das sein“? Ich fragte bei Simone nach, ob der Baum abgestorben gewesen sie. „Nein, im Gegenteil, der war voll im Saft“. Also dann waren es keine Holzschädlinge, die da bekämpft wurden. Ich stand auf dem Schlauch, noch nie hatte ich solches gesehen. Ich googelte „Spechtlöcher“, dort wurde die Frage, wann machen Spechte Löcher, wie folgt beantwortet: „Schäden durch Spechte treten insbesondere im zeitigen Frühjahr auf, wenn die Tiere Löcher in die Rinde hacken, um den zuckerhaltigen Saft aufzunehmen.

Die etwa 5 mm großen Löcher gehen dabei bis ins Splintholz, schön zu sehen auf dem Bild oben, wo ein Teil der behackten Rinde entfernt wurde. Sie werden meist in waagerechten, teilweise auch spiraliger Weise von den Spechten in den Stamm gehackt. Je nach Stammdicke wird nur ein Teil der Rinde bearbeitet – wie beim besprochenen Birnbaum, bei dünneren Stämmen kommt es auch zum „Ringeln“ der Bäume, also einer stammumfassenden Schädigung.

Der sich in den Löchern ansammelnde Saft wird dann getrunken. Diese Behacken der Rinde tritt bevorzugt im zeitigen Frühjahr zum Saftaustrieb der Bäume auf, bereits ab Februar. In unserem Fall bereits kurz nach Mitte Januar, vermutlich lässt der Klimawandel grüßen. Diese hier näher beschriebenen Spechtschäden werden insbesondere dem Buntspecht sowie dem Dreizehenspecht zugesprochen. Simone wohnt in Waldshut-Gutenburg auf 421 m Meereshöhe. Da kann man den Dreizehenspecht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. 

Ich habe das Thema in den Status gestellt und einige meldeten den Specht aber nicht als Safttrinker, sondern als Larvenfresser. Nur Otto Körner als Bräunlingen kannte den Zusammenhang, weil er einen Dreizehenspecht bei dieser Tätigkeit beobachten konnte. Ein Ornithologe aus Hessen wusste es auch. Ich frage mich, woran das liegt. Der Grund ist vielleicht, dass wir das nicht sehen im normalen Alltag. Denn wenn der Birnbaum nicht gefällt worden wäre, hätte es Simone nicht sehen können in vier bis fünf Meter Baumhöhe. 

Ist das nicht wieder ein tolles Beispiel, was es alles gibt in der Natur?

Simone, herzlichen Dank für die Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Fremdverwaltet von oben herab

Schon öfters hatte ich mich beschwert, dass Hüfingen undemokratisch und aus historischen Gründen Stuttgart unterstellt wurde. Deswegen gilt bei uns eine Verfassung die 1953 von schwäbischen Männern beschlossen wurde. In dieser Verfassung steht: Das Land Baden-Württemberg ist ein republikanischer, demokratischer und sozialer Rechtsstaat und Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. Deswegen dürfen wir alle 5 Jahre wählen. Um zu gewährleisten, dass Hüfingen keine Rolle in Stuttgart spielt, wurden wir zum Wählen dem württembergischen Tuttlingen zugeteilt. Ob das wohl die Rache für das Wahlergebnis von 1950 war, bei dem Hüfingen mit über 60% für Baden war und Tuttlingen zu 95% dagegen gestimmt hatte?

Um sich nicht direkt mit uns auseinanderzusetzen zu müssen, hat Stuttgart ein Regierungspräsidium (RP) in Freiburg errichtet das uns verwaltet. Als mittlere Landesbehörde steht das RPF zwischen dem Land Baden-Württemberg und der kommunalen Ebene. Das Regierungspräsidium zählt 1.718 Mitarbeiter darunter 809 hoch bezahlte Beamte.(Zahlen, Daten und Fakten RPF, abgerufen am 15.01.2025). Der Regierungspräsident wird genau so wenig vom Volk gewählt wie der Erste Landesbeamte oder der Landrat. Aus diesem Grund lassen sich bei den hoch bezahlten Stellen fast nur Männer finden die meiner Meinung nach viel zu viel Macht haben und nicht kontrolliert werden.

So bestimmt das RPF mit Macht und Steuergeld von oben herab wer was wie zu tun habe und missachtet die Bedürfnisse der Kommunen und die Sinnhaftigkeit seiner Maßnahmen. Deswegen möchte ich hier eine kleine Liste für Hüfingen zusammenstellen.

Lidllager

Als erstes muss man das Lidllager erwähnen, das ohne Sinn und Verstand auf eine Feuchtwiese geknallt wurde. Das Lager ist größer als die Hüfinger Altstadt und widerspricht nicht nur EU Recht, sondern auch Landesrecht. Es wurden 5 ha geschützte Biotope und Streu- und Nasswiesen versiegelt. Hier gibt es die Ausführungen von Prof. Dr. Günther Reichelt dazu: https://hieronymus-online.de/lidl-erweiterung. Dies alles unter Umgehung sämtlicher Gesetzte und ohne vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung.

Auch wurde auf das 46.969,22 m2 große Dach keine Photovoltaikanlage gebaut, da das Zentrallager so billig wie möglich gebaut wurde, so dass auch nachträglich keine Photovoltaikanlage mehr möglich war. https://hieronymus-online.de/kein-photovoltaik-fuer-lidl/

esb (Energieversorgung Südbaar GmbH & Co.KG)

Die Hüfinger Anteile an der esb wurden 2023 von der CDU und der FDP/FW/UWV verkauft. Die esb gehört der Kapitalgesellschaft Energiedienst Holding die sich jetzt Naturenergie Holding AG nennt, der Hauptaktionär ist die EnBW. Die Naturenergie Holding AG hatte 2024 eine Dividendenrendite von 3,54 % (Abgerufen am 20.01.2025).

Seit dem Rückkauf der Hüfinger Anteile plant die esb ein Umspannwerk an der B33 in Sumpfohren. Um den Gewinn an dem Umspannwerk den Aktionären zu sichern hat die esb hierfür landwirtschaftliche Fläche gekauft die nach ASVG der Landwirtschaft vorbehalten ist.

Dies wird vom RPF mit volkswirtschaftlichen Belangen begründet. Es stellt sich hier die Frage, warum das RPF der Ansicht ist, es sei ein volkswirtschaftlicher Belang, dass der Boden der esb gehören muss? Womöglich geht es hier eher darum, privilegiert bauen zu dürfen und die Gewinne an den Landwirten vorbei für die Aktionäre zu sichern?

Also die Genehmigung vom RPF wird genutzt, um ein Bauwerk planungsrechtlich nicht über ein Bebauungsplanverfahrenn bauen zu müssen sondern um es privilegiert bauen zu können.

Das RP hat die Gemeinde Hüfingen ausgehebelt!

Das RP und das Landwirtschaftsamt haben den Kauf am 20.12.2024 genehmigt.

Es soll anscheinend ein Baugenehmigungsverfahren nach §35 BauGB stattfinden, ohne alle Träger öffentlicher Belange zu hören.

Dieser Trick eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu verhindern, erinnert stark an den Lidl weswegen ich diese Geschichte vorangestellt habe. Aber wie es hier weiter geht ist noch nicht gesetzt und wir können gespannt sein.

Die Frage die sich hier aber immer wieder stellt ist warum Gesetzte immer irgendwie positiv für esb oder Lidl ausgelegt werden?

Tod der Singschwäne

Das Gebiet an der B33 war bis 1983 über Jahrhunderte das Zuhause von Singschwänen bis das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt in Stuttgart nicht nur diese Vögel der Vernichtung preis gab. Also bestimmten auch damals Stuttgarter Männer über unsere Heimat. Diese Geschichte kann bei Eva Zeller im gleichnamigen Buch nachgelesen werden.

Prof. Dr. Günther Reichelt hatte damals gekämpft und verloren. Verloren haben wir die die Großen Brachvögel, die Zwergtaucher, die Löffel-, Reiher-und Pfeifenten, vor allem aber die Traditionsplätze zur Überwinterung der Singschwäne.

Damals hat Stuttgart unsere Tierwelt unter die volkswirtschaftlichen Belange der Industrie gestellt. Um so mehr hat es alle Ökologen und Ornithologen auf der Baar gefreut, als der Wiesenackerhof ein Artenschutzprojekt für den Kiebitz umgesetzt hatte. Ein großer Traum von Professor Dr. Reichelt ist in Erfüllung gegangen und leider konnte er die Rückkehr des Kiebitz auf die Baar nicht mehr erleben. Bis zu den „fast überall gegenwärtigen lauten Brutgenossenschaften der Kiebitze“ ist zwar noch ein sehr weiter Weg, aber ein Anfang war gemacht.

Ja, der Anfang war gemacht. Ob die esb darauf Rücksicht nimmt, wenn sie in unserem Vogelschutzgebiet ihrem „privilegiertem Bergbau mit volkswirtschaftlichem Belange“* nachgeht?

* Bergbau ist die Begründung des RPFs für die angeblichen wirtschaftlichen Belange der esb

Lärmschutzwand und Ausgleich

Ein wahres Monument der Unfähigkeit des RPFs (in diesem Fall der Abteilung 4, Straßenbau) befindet sich an der B27 – im Volksmund Halfpipe genannt.

Hier wurden alle Pläne unseres Altbürgermeisters und der SPD vom RPF verworfen. 2016 dann, als uns Anton Knapp wegen seines verdienten Ruhestandes, nicht mehr beschützen konnte, hat das RPF die Chance ergriffen, eine sehr spezielle Firma für eine nie gewollte Halfpipe zu beauftragen. So mussten wir für eine vollkommen verpfuschte „Lärmschutzwand“ die nicht den Lärm sondern den Verkehr aufhält, bezahlen. Dieser ganz Zustand wurde schon in sieben (7!) Artikeln auf dem Hieronymus besprochen und wir sind alle müde davon.

Ausgleichsprojekt im Binsengraben

Aber passend dazu ist das absolut geniale Ausgleichsprojekt des RPF, Abteilung Straßenbau, zur B27 im Hüfinger Binsengraben. Weil dort wurde jetzt schon die 2. Generation Eiben mit Biberschutz gepflanzt. Die 1. Generation ist zum Erstaunen aller gestorben.

Europäische Eibe (Taxus baccata) mit Biberschutz im Binsengraben

Fortsetzung folgt

De Bregtäler
S‘ maischt hemmer

S’maischt hemer, gelesen von Maria Simon

Um 1900 sind vill Liit uusgwanderet. Die ganz Arme hond vu de Heimetgmeinde sogar e Sackgeld griegt. So au de muusarm Holzhauer Bartli Hättich us em hinterschte Schnabelstal.
Mit sim guetige, sanfte Wiib, de Appolonia vu de Leimgrueb und de Kind, em scharrige Romulus und em hennefiddlige Kätherle hond sie zwei Überseeköffer mit de wenige Habseligkeiten gstopft. Die Köffer hond sie vum noble Getti für die lang Reis und als Aadenke an d Heimet überkumme. In eim Eck vu de Köffer isch en Mocke Speck verschoppet gsi, im andere Eck, uusichtbar, s Heimweh.

Mit eme klepprige, vermauchete Leiterwägeli sind sie de lang Weg an Furtwanger Bahhof nab graitet. S Bilet hät s Heimettal vu de Appolonia Dorer, d‘ Talschaft Line, g‘ spendet.
De Romulus isch mords verschrocke woner bei de Abfahrt den giigsige, giftige Pfiff und des aaschwellend Fauche vum Bregtäler Lokomotivle gehört hät. De Vater hät jetzt erklärt, dass sie jetzt an Schenebach, denno am Rohrbe vorbeizucklet und bald Verrebach ufftauche dai. Dert dai de Onkel in ere Orchestrionfabrik schriinere.

An de Kohlbruck hät s Sägwerk gratteret, klopftund bolderet und bald dai de Hammer mit de Burg und em Hammerwerk ufftauche.

Sind dert die gattige Hammricher Bergmanne-Kaibe her?“, frogt de Romulus. Pass uff, noch dem
grosse Wirtshuus, em Fischerhof, kunt de gröscht Felsbolle im Bregtal, de gwaltig Tierstai.
Lueg e mol Kätherle, hesch scho mol so en grosse Stai g‘ sehne?
Und jetzt kunnt de Schwarz Bue, dert hend ellemol die rappeschwarze Köhler g‘ veschperet und g‘ soffe. S‘ Zindelsteiner Bahhöfle isch de herzigscht am Bregtäler. Und dert, uff em Bergfried vun de Ruine
Zindelstai, glitz und blinkt im Obeliicht en Karfunkelstai

Wo sie uff Wulterdinger zue schnuufet, erklärt de Vater no, dass am Berg, hinter de Schliefibruck und de Glasschliefi die gröscht Glasi im Schwarzwald sei und des Ort drei grossi Sägene und Mahlmühlene heb. Noch dene viele neue Iidrück wird de Romulus allmählich ganz daigig und uulidig.

Gähnend frogt de Romulus z‘ Brucke :
Vadder, wie lang hemer noo bis uff Ämerika?
De Bartli us em Schnabelstal sait: „S maischt hemmer, Romulus

sit her heisst s Bregtäler Löckle im Volksmund „Romulus“



Beitrag vom 14. Januar 2021

Wer mag sie nit, die herzig und hilfriich Bahlinie im Bregtal ?

De Bregtäler gelesen von Hubert Mauz am 14. Januar 2021

Dampfbähnle Ziitalter

Erscht d` Dampfmaschi hät die Industrialisierung überhaupt ermöglichet. Stationäre Lokomobil hond gholfe Webstühl, Drehbänkli, Mühlene und Schmiedene aaztribe. Womer no gmerkt hät, dass mer so e Lokomobil au uff Iiseräder und uff e Gleis stelle khaa, hät mit dem legendäre Lokomotivle, em berühmte „Adler“, der s` erschtmol vu Fürth gi Nürnberg anne 1835 gfaucht isch, die glooriich Iisebahziit aagfange. Nu eweng später, anne 1840, isch so e Bähnli au vu Heidelberg gi Monem dampft. No isches im Badische au kuntenent und rasant losgange. Kummedi hät mer aber z`erscht mit de Schiene kha. Me hät gmond mit dem billigere und oafachere Gußiise kinnt mer die Schiene mache. Me hät aber zehrscht meh Schiene- und Gußschrott fabriziert, als de Verkehr vorwärts broocht. Giitz isch halt doch nit bsunders gschied. Erscht wo mer kappiert hät , dass die Gleis us zähem, gschmiedetem Stahl sii mond, hät de Gschindigkeitsrausch und s` Transportwese so richtig aagfange.

Dass de Schnell de Langsam frisst, des hät de Biolog und Universalgelehrt Humbold im 1800. Johrhundert scho all behauptet und de ganze Welt verkündet. Des hond ihm die Fabrikante, d` Politiker und Banker au denno bald emol glaubt und au abkupferet. Sie hond überall aagfange, Bahlinie zum Bau. So hond sie ihre Ware und Rohstoff schneller und billiger zum Nutzer broocht, wie mit de lahmarschige Ross- und Ochsefuhrwerk und sogar no besser und direkter uhni Flusssystem, wie mit de eigentlich praktische und johrhundertealte, selli tragfähige Waidling uff em Wasser. Zmols waret au die Städt abseits fu de grosse Wasserstrosse nit abghängt.

Au im Badische häts grumoret und es hät die Booremer und Hegauer schwer pfufferet, dass sie so schnell wie möglich a die segesriiche Rheintal-Bahlinie aaschliesse kennet. Also sot mer dä dunne im Unnerland e Weich baue, dass mer mit ere Siitebahlinie vu Offeborg oder au vu Friiborg über de haldig und bucklig Schwarzwald durch Löcher und Döbel i d` Boor und bis gi Konschtanz kummt.

Zindelsteiner Bahhöfle
Foto: Fam. Album Kromer/ Preisinger

Baden und s` Bregtal kunnt unter Dampf

E Badische Iisebahgesellschaft isch gründet wore und s` Grossherzogtum hät den zukunftsträchtige Bahnbau gförderet und aagschobe. Jetzet hät aber e lange Schrieberei und Zagaterei mit zahllose Iigabe und Begehrlichkeite aagfange. Jeder vu dene Schwarzwaldstädle wie Neustadt, Fortwange, Iisenbach, Triberg, Schramberg , Villinge, hät a dere neu Bahlinie vum Rhital bis gi Eschinge und in Bodeseekreis liege welle und devu au provitiere welle.

Drei Haupt- Variante hät mer uusdenkt: Onni vu Hausach unterm Rohrhrdsberg dorch gi Furtwange, denno dorchs Bregtal gi Eschinge. Die Ander über Triberg, Scheewald, Furtwange, wieder s` Bregtal abi bis Eschinge und die Näscht vu Triberg über d` Sommerau, Villinge gi Eschinge. Die isch denno au baut wore zum ganz grosse Verdruss vu de bedeutende und schaffige Uhremacherstadt Furtwange. Wa glaubeter wa wär us Fortwange, Verrebach, Wulterdinge Briilinge und Hifinge wore, wenn des klappt het ? Daß die Bregtäler aber doch a des wichtig Bahnetz kumme sind, hät mer no bald die Bregtalbahn vu Eschinge bis is hinter Bregtal genehmigt, plant und au baut. Scho Anne 1876 isch d` Konzession erteilt wore, Anne 1888 de Bau genehmigt und Anne 1891 hät mer z` Allmedshofe aagfange mit em Bau. Und Anne 1893 isch s` erscht Dampflöckle z` Furtwange aakumme. Des alles khaa mer i dem wunderbare Büechle vum ehemalige Borgermoeschter vu Furtwange, em Hans Frank, „Der Bregtäler“ nochläse und nomol miterlebe.

Wa aber dä nit drin stoht, sind die kleine Gschichtle und Episode, die de Geist und die Poesie vu dem herzige Enteköpferbähnli ufflebe und am Lebe erhalte könnt.

Bregtäler Dieselross schnurrt dorch de Elsspitz.
Foto: Barbara Mauz

Handwerk, Milchwirtschaft und Waldbau

So war des Bähnle für drei Hauptgewerb selli wichtig. Zunächst emol hond die Uhremacher, Orchestrionbauer und Feinmechaniker Betrieb im ganze Bregtal ihre Ware, aber au Rohstoff und Betriebsstoff vu de Zueliferer, schnell, günstig und zueverlässig verfrachte kinne. Die nächst wichtig Zweck vu dem Bähnli war scho eweng schwergwichtiger. S` ganz Bregtal mit ihrem Buure- Milch- und Viehwirtschaftwese hät jetzt pünktlich am Morge um 6:00 ihre frische Milch a de Verladepritsche z` Fortwange, Schönebach, im Rohrbe, Verrebach, de Line, im Hammer, am Zindelstoe, z.` Wulterdinge, Brugge , Brielinge und Hifinge i Kannte im Milchgueterwage vum Bregtäler übergähe kenne. Z` Eschinge i de Milchzentrale isch die denno verschaffet und frisch verarbeitet wore. Mit 14 Johr hät de Autor selber i de 60- er Johr dä s` erschtmol Ferieschaffe derfe und pünktlich um 7:00 die bolleschwere Milchkante us em Bregtäler Güeterwage am Rampe uusladde messe. Uuvergesse isch ihm des, weil die Schinderei mit wahrscheinlich so 200- 300 Stuck 40- Liter Milchkannte a d` Knoche gange isch und weil er bim Vesper um 9:00 mit Graus erlebe hät messe, wie de legendär Häbi e Hampfele Haselnüss gnabberet hät und en ganz Liter pure Rohm dezue gsoffe hät und am Obet im Adler no e paar Halbi abi glehrt hät. Vu dene 3 vegetarische Lebensmittel hät er sin gädrige Liib ernährt und war vu dere uugwähnliche Art Nahrungsuffnahme voll überzeugt. Dass de erscht iigschwore Vegetarier, den i dämols erlebt han, doch nit lang überläbt hät, isch ehnder am Malz, Hefe und Hopfe gläge, als am fettige Rohm und de Nüss. Nochem erholsame Vesper um halbe Zehni sind denno no die Brigitäler Kannte us em Brigitäler Milchwage, der jetzt an Rampe vu de Milchzentrale rangiert war, draakumme. De Dritt Grund isch: Vu dem erschte mühselig selber verdiente Geld hät er sich 2 kultige Nieresessel bei de Quelle bstellt, wa d ` Motter für en totale Fortz ghalte hät und für puure Geldverschwendung vu dem hert verdiente Geld vu dem Bieble.

E ganz schwergwichtige Uffgab hät des Bähnle aber au no ghet: Nämlich de Waldreichtum vum ganze Bregtal z` Buckle und des Stammeholz a die vu de güetige Breg mit Wasserkraft aatriebene Sägwerk beim Borchert, a de Kohlbruck, z` Wulterdinge, z` Briilinge und z` Hüfinge uff Langholzgüeterwäge z` liefere. Jeder vu dene Bahhöf hät e grossi Verladerampe ghet a me Siitegleis. Sogar Zindelstoe hät so e Uffladsitegleis mit ere no immer sichtbare und erhaltene fascht 100 m lange Rampe ghet. Diesell, au wieder die leztscht und onzig im Tal un em Wald, wem er au freistelle und wieder aaschaulich mache. Wenn de Ferscht mitmacht?

Zeitzeuge, Legende und Storiax verzehlet no paar gnitzi Stammtischssprüch über die gattig Kultbahn. So word verzehlt, dass sogar die Grossbuure vu de Spittelhöf ihre Milch und Ware über de Schmelzobel und de Vorbetobel an Bregtäler broocht hebet, weils gschickter war, wie des alls gi Villinge oder is` Brigital mit em Bennewägeli z` kutschiere. Ebbis ähnlichs hond d` Mischtelbrunner gmacht, i dem sie über Laubehause und de gäh Rossdobel abi an Zindelstoener Bahhof gange sind. Daß sie, bevor sie wieder den sausteile Rossdobel uffigraitet sind, bestimmt no im Schwarze Bue bim Kromer Stefan no e Bier und en Rossler abighaue hond, dierft klar sii. Sogar d` Buebacher, des verzehlt en hochbetagte Maa, seiet villmol direkt über s` Falzmoos, de Glattacker und de Krumpedobel an Krumpehof gwacklet und hebet dä de Dampfzug mit Winke aaghalte zum Uus und Iistige. Des gliich hond no korz d` Glaser z` Wolterdinge, später au d` Reiner- Fabrikler und de Nudelfabrikant Riegger mit ihr`ne Ware gmacht. Die sind mit de Handwäge über d` Schliefibruck, hond im Elsespitz au im Lokführer gwunke, der hät au willig und uukompliziert aaghalte, und die Ware uffgnomme oder au abglade.

Bregtalbähnle mit Lökle, Güter und Personennwägen
vor Bahnhof Wolterdingen um 1920
Aus Postkartensammlung Willi Hönle, Donaueschingen

Aue e Bildungbähnle

E wiiteri Gruppe vu Bregtäler– Nutzer war bildungsmässig bediitend: D` Schüeler. Die gschiede Buebe und Maidli usem Hintere Bregtal sind ihr ganz Schuellebe mit em Bregtäler gi Eschingen i d` Gwerbschuel, Handelsschuel und uffs Gymnasium gfahre. Im Winter vielmol mit

Verspätung weil en Bomm überm Gleis glege isch, e Rindli oder e Goess verkarrte wore isch oder des Dampflöckli doch nit gege die frisch gheite, hohe Schneewaiete aa kumme isch. Daß die Holzklasse- Personewäge nit bsunders guet gheizt waret und zoge hond wie Bießzange, des war vielmol Aalass für Spott. Und drum hond d` Schueler tatsächlich, wenns sau kalt war, jeder e paar klaute Schietlich Holz im Schuelranze mitgnomme zum Scherre vu dem beigstellte Kanoneöfeli dass es nit nu gloschteret hät, sondern zum Hitzge und zum Glüehe z` bringe.

Schliefibruck von 1920 als Wareweag

Beerliwieber, Pilzjäger, Familiespass

Usserm normale Persone- und Reiseverkehr hond no 2 Gruppe zu de Legendebildung beitrage. I de 50-erJohr isch halb Eschinge am Sunntigmorge mit Körb, Eimer, Milchkäntli und Rucksäck in Bregtäler iigstige. Ganze Familie, Beerliwieber und Pilzjäger sind vu Wolterdinge an Halleberg, em Zindelstoe in Rossdobel, Schmelzdobel, is Oberholz , vum Hammer is Felsetal, an Glattacker, is Vorbetal und in Grumpe, vu de Kohlbruck id Liine und uff d` Hohwart uusgschwärmt. Ebbe i die grosse Bregtälerwälder zum Pilzsuche, Heidelbeer- Himbeer- und Preiselbeer gluube und hoemetzue isch sogar no de leergfresse Vepserrucksack prallvoll mit Tannezapfe gfüllt wore. Do fallt mer grad no en überlieferte Spruch us de Hamsterziit ii. En Bahschaffner soll emol uusgruefe haa: „Männer mit de dicke Säck hinneiistiege“.

En wiitere Beerlisammel- plogete Zeitzeug, de Häbi Baier, verzellt, dass sie sehnsüchtig erwartete Kinderferieziit jedesjohr i me Trauma geendet isch. Nint mit Kicke, i de Stadt rumstruehle und Sträech spiele. Wenns Wetter guet war, isch um siebeni scho s` Kommando vu de Motter uusgjohlet wore: „ Abmarsch an Bregtäler i d Beer im Schmelzdobel, hai. hai “. De klei Häbi hät en Spagett um de Ranze bunde griegt a dem e Milchkännli ghanget isch. Und wehe er hät des Känntli nu halbvoll de Motter in grosse Eimer a de gähe Halde uusglehrt. No war d` Serbele am Mittagsvespere a me siedene Fädeli. Aber gwitzt wie de Häbi hit no isch, und dämols als kleine Hoseforzer scho war, isch er druff kumme, dass mer jo des halb Känntli mit Moos uusstopfe kinnt, so dass es d` Motter bim uusleere nit merkt. Den Trick hät er verdruckt e Lebe lang für sich bhaalte und erscht jetzt, mit über 90 endlich mol verrote, der Scheereschliefer. So hät de Bregtäler i de Nochkriegsjohr au wirkunsvoll zum Sattesse vu de Booremer beitrage.

Nahrungsergänzungsmittel dät mer Hit sage. Übrigens sind bsunders die geheime, mafiamässig guet ghüehete Familie Pilzplätz nu innerhalb vu de Nochkumme wiitergähe wore. So erinneret die 4-5 gschochet volle Pfifferlingpfanne, die de Autor alljohr a de vererbte, immer no ertragriiche Geheimplätz im Bregtal vum Vatter Frieder sammlet, jährlich an den Bregtäler Sammelkult vu dene wunderbare, landestypische Naturgabe. Erscht reacht wenn denno d` Pfanne duftend uff em Tisch stoht. Wa sind die affige, muffige Trüffel us em Tschinkeliland gege iiseri Pfifferling mit dem uuwiederstehliche Guuh?

In Ermangelung vu de no nit voll iisetzende Automotorisierung war de Bregtäler au e sehr beliebte und stark aagnommene Möglichkeit zum Wandere, Freizeitgestalte und Erhole. Sogar zum Bade im Linacher Stausee und zum aaschliesende Sprudeltrinke i de „Talsperre“ war de Bregtäler gfrogt und uuverzichtbar. Weller Mariekerch-Minschtrant khaa die uuvergliichliche Zeltlager unterhalb vu de Linemer Staumauer, de erschte „Aufgelösten Betonstaumauer der Welt“, vergesse. Die ganz Minschtrantebandi isch mit uffgwölbte, olivgräene Rucksäck mit Lederrähme abenteuerlustig z` Eschinge in Bregtäler iigstige, a de Kohlbruck ussgstige und a s Staumauerlager uffigrennt , weil jeder de erscht sii hät well, wo sich i de alte, mufflige Armeezelt is frisch Stroh iibuddle hät welle.

No en Stammtisch- Storiax hät de Häbi gestert i de Mundartrundi foelbote: Um d` Johr- hundertwendi sei e Familie us em Katzestaig uusgwanderet gi Amerika. Wo sie mit Sack und Pack mit em Bregtäler s` Bregtal abuzucklet seiet, heb s` Biebli, de klei Rommulus, z` Brugge gfroget: „ Vadder, wenn sim mier z` Ämerika ?“ no heb de Vadder us em Katzestaig besänftigend gsait : „ S ́ maischt hend mir, Rommulusle“

Bahöfle Relief

Abwärts gohts schnell

Trotz allem isch es ganz allmählich, hauptsächlich ebe durch die Motorisierung, mit em Bregtäler im wohrschte Sinn abwärts gange. D` Zahle und Rentabilität war anne 1973 so im fettige, verölte, versaichte Schotterbett verlächeret, dass mer beschlosse hät, die wunderschee Nebestrecke noch fascht 80 Johr still z` lege. Anne 1972 isch de letscht Diesel- Triebwage gfahre. Wieso d` Bahn zu dene Art Dieselbus uff Schiene Triebwäge gsait hät, dürft dene ihr Geheimnis sii. Koe Geheimnis isch aber, dass genau der Name a de Bregtäler Stammtisch für manchen derbe Witz und Fetz und unkeusche Sprich herhalte hät messe.

D` Gleis sind abbaut wore, de Schotter verscherblet und d` Bahhöfle verkauft wore. Au de Zindelsteiner Bahhof hät en Huverzovener, de Mayer Schorsch, kauft und en Bienestand drus baut. Leider isch au der zwischeziitlich vermauchet, verkaibet und verkait, khaa also zum Erinnere und Sinniere leider nimme besichtigt were.

Anton Durler Loipe auf dem Bregtäler beim Schwarzen Buben

E neui Spur us Schneekristal

Aber so 5 Johr später hät de Durler Anton e neue Spur uff de uffglossene Bregtäler Bahlinietrasse vum Wolterdinger Elsespitz bis in Zindelstoe gleit, nämlich e Langlaufspur für d` Wintersportler. Sit her word jetzt sit über 40 Johr die Trasse vum Bewuchs, vu de Stiidli und vum Uukrut freighaalte, alljohr e Loiperodung gmacht, en Loipeputz wie es im Volksmund hoesst. So khaa e moderns Langlaufspurgerät a dene Schneewoche, zwischeziitlich sind meistens nu no Schneetag, e guet gmachte Langlaufspur in frische Pulverschnee innidrucke. On vu dene Väter vu dem Langlaufwese, de ehemalig OB Bernhard Evereke, schwört Stoe und Boe , dass es on vu de gsündeschte Sportarte wär. Mindschtens i dem Punkt muess mer ihm absolut reacht gähe.


Ringzug adee

Schad isch eigentlich wirklich, und me beduuret es zwischeziitlich selli, dass d` Schiene au vu Briilinge gi Wolterdinge abbaut wore sind. Eigentlich nuu wege de Iisebogebruck zwische Briilinge und Brugge über d Bregt. Die het mer wenig uffmöble messe. Wenn die Gleis no beim Uffgleise anne 2004 vu dem lobenswerte Ringzug glege wäret, dät der Ringzug zum Sege und zum Wohl vu Wulterdinge nit nu bis gi Vorderöstereich, gi Briilinge fahre, sonder au is Badisch, bis gi Wulterdinge.

Wenn jetzt no de nei Bsitzer vum Wolterdinger Bahhöfle , s` Sägewerk Schmiederer, no e gschmackvolls, stilgerechts Büro dä innibaut, wo mer no erkenne kennt, wa des emol war, nämlich au e Art Speditions, Ware- und Dienstleisungsbahhöfle mit Stellwerk und Wasserturm, bliibt d` Erinnerung und de Charme vum Bregtäler no für alli sichtbar und spürbar erhalte.

Jo so wars , mit em Bregtäler









Mysterien um die neue Grundsteuer

Bei der Festsetzung der neuen Hebesätze für Hüfingen hatte ich schon mal darüber berichtet:
https://hieronymus-online.de/grsitzung-14-11-2024/
Da jetzt alle relevanten Hüfingerinnen und Hüfinger den Veranlagungsbescheid haben, wollte ich den Sachverhalt nochmals gesondert versuchen zu erklären. Wegen des tristen Anlasses verzichte ich auf Fotos.

Der Ursprung dieser Reform ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts am 10.04.2018. Deswegen hat Stuttgart am 4. November 2020 ein neues Gesetz zur Regelung einer Landesgrundsteuer beschlossen. Für das Grundvermögen (Grundsteuer B) hat der Landesgesetzgeber in Baden-Württemberg mit dem modifizierten Bodenwertmodell einen eigenen Weg gewählt. Bei diesem Modell wird die Grundstücksfläche mit dem vom örtlichen Gutachterausschuss auf den 01.01.2022 festgestellten Bodenrichtwert multipliziert. Die Gebäudewerte auf den entsprechenden Grundstücken sind dagegen nicht relevant. In Baden-Württemberg bleibt die Bebauung eines Grundstücks und damit ein etwaiger Gebäudewert auf der Ebene der Bewertung unberücksichtigt.

Stuttgart hat also für Baden-Württemberg ein eigenes Modell für die neue Grundsteuer bestimmt. Das heiß unsere Grün/Schwarze Regierung hat beschlossen, dass es unerheblich ist, ob jemand in einer Villa wohnt, ob eine alte Dame gerne ihr Gärtchen pflegt oder ein Landwirt vor dem Haus eine Streuobstwiese hat, von allen wird die selbe Grundsteuer vom Konto abgezogen.

Die Grün-Schwarze Regierung hat hier auf der ganzen Ebene versagt; nein, nicht ganz, zumindest ist das rechtssicher. In einem Musterprozess hat des Finanzgericht Baden-Württemberg die Klagen gegen die Grundsteuerreform abgewiesen. Allerdings hat das Gericht eine Revision zugelassen und man kann noch bisschen auf die nächste Instanz hoffen.

Das Resultat des Sonderweges von Stuttgart für uns ist eine Enteignung aller nicht bebaubaren Grundstücken. Eine Streuobstwiese wird zur Siedlungsfreifläche. In Zukunft werden sich nur die Menschen einen Garten leisten können, die ihn sich durch jährliche Abgaben an die Stadt pachten können. Es wird der Todesstoß aller privaten Grünflächen und Rentner werden frühzeitig aus ihrem Haus getrieben werden. Es werden noch mehr Streuobstwiesen ausgerissen werden und Naturschutz wird bestraft.

Die Stadt kann man hierfür nicht verantwortlich machen. Unter dem Strich ändert sich für Hüfingen nichts, da die Besitzer einer Streuobstwiese die Villenbewohner mit Schottergarten subventionieren werden.

Dies von einer Partei die vor 40 Jahren mal angetreten ist, unsere Natur zu schützen und jetzt der nächsten Generation nur verbrannten Boden hinterlässt. Das wird 2026 eine sehr schwierige Landtagswahl.

Vielleicht sollten wir uns nochmal überlegen, ob nicht doch Baden in die Schweiz eingegliedert werden solle – zumindest Südbaden? Nach dieser Reform werden uns die Schweizer wohl eh endgültig aufkaufen, von daher wäre es doch netter wir könnten auch von deren Demokratie profitieren.

50 Jahre Hüfingen Mundelfingen

Seit 1. Januar 1975 ist Mundelfingen offiziell, nach langem Streit, eingemeindet worden.

Oben unser Alt-Bürgermeister Max Gilly der das Dokument für Hüfingen unterschieben hatte.

Mundelfingen um 1920
(Foto aus dem Rathaus Mundelfingen)

Nachdem die Landesregierung entschlossen war, die Gemeindereform bis zum 31. Dezember 1974 notfalls durch Gesetz zum Abschluß zu bringen, wurden auch zwischen Hüfingen und Mundelfingen Verhandlungen aufgenommen. Die Vereinbarung wurde am 4. Mai 1974 von den Bürgermeistern Gilly und Mäder unterzeichnet und trat am 1. Januar 1975 in Kraft. Den Bezeichnungen der anderen ehemaligen selbständigen Gemeinden entsprechend, erhielt Mundelfingen den Namen »Hüfingen-Stadtteil Mundelfingen«. Bürgermeister Mäder übernahm das Amt des Ortsvorstehers, die Ortsverfassung sieht acht Ortschaftsräte und bei unechter Teilortswahl zwei Gemeinderäte in Hüfingen vor. Der finanzielle Freiraum sollte in den kommenden Jahren dem im Haushaltsplan des Jahres 1974 ausgewiesenen Betrag entsprechen, aber im Hinblick auf die Investitionsvorhaben während der nächsten vier Jahre auf zwei Drittel ermäßigt werden. Während dieser vier Jahre sollte die Wasserversorgung Hausen vor Wald/Mundelfingen ausgebaut und Mundelfingen an die Abwasserversorgung angeschlossen werden. In den anderen Teilen entspricht die Mundelfinger Vereinbarung derjenigen der übrigen Stadtteile.*


mehr Fotos

gibt es

Alles auf dem Hieronymus zu Mundelfingen findet man hier: https://hieronymus-online.de/Mundelfingen

Ich empfehle im Frühjahr einen kleinen Spaziergang am Aubächle entlang nach Achdorf und dort einen Imbiss in der Scheffellinde.



St. Georg, Mundelfingen. Sechsuhrläuten.

Ich danke hier dem Mann, der das Sitzungsprotokoll seit 1974 aufbewahrt hat und es uns hier zur Verfügung stellt!


Eingemeindungsvertrag vom 04. Mai 1974

Vereinbarung vom 25. April 1974

* Chronik von Hüfingen aus dem Jahr 1984

Bruder Martin in Jerusalem.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Letztes Kapitel

Während unseres Aufenthaltes in Jerusalem besuchten wir noch viele bedeutungsvolle Orte. Das in Trümmer gesunkene Haus des Pilatus, wo Christus gegeißelt und mit Dornen gekrönt und zum Tode verurteilt wurde. Das sogenannte Gerichtstor am Fuße des Marienberges, durch welches alle zum Tode bestimmten Verbrecher geführt wurden. Das Haus des Hohenpriesters Annas am Fuße des Berges Zion, und endlich den Ölberg auf der östlichen Seite der Stadt.

Das Thal Jofaphat, welches man nebst dem Bache Kridron durchschreiten muss, um zu dem Garten des Ölbergs zu gelangen, hat etwas äußerst Schwermütiges; die Berge sind kahl und kaum hie und da mit einer Gruppe wilder Ölbäume bepflanzt. Nicht weit vom Ölgarten sieht man das Dorf Gethfemane, so wie das Grabmal der heiligsten Jungfrau Maria, an dessen Stelle heut zu Tage eine reich verzierte unterirdische Kapelle ist.

Auch den Ort zeigte man uns, wo Christus über die zu seinen Füßen liegende Stadt Jerusalem weinte und ihre Zerstörung voraussagte. – Unwillkürlich gedachten wir des schrecklichen Ereignisses, welches 38 Jahre nach Christi Tod eintraf: hier an derselben Stelle, wo die Prophezeiung ausgesprochen worden, soll nach der Sage das Zelt des römischen Feldherrn Titus gestanden haben an jenen Tagen des Unheils, wo elfmalhunderttausend Juden den Tod erlitten, und Rauch und Flamme die Zinnen des Tempels Salomonis umwoben, so dass kein Stein mehr auf dem anderen blieb, und Juda’s Volk in alle Welt zerstreut ward. –

Unter wechselnden Mahnungen der Vergangenheit und Gegenwart verließen wir den Hügel, um ihm das Hospitium der Väter zurückzukehren. Über Jerusalem ruhten schon die Schatten des Abends. Nur um die hohe, gebrochene Burg Davids spielte noch der letzte Strahl des sinkenden Lichtes.

Drei glückselige Tage, begann der gute Altvater des anderen Tages seine Erzählung wieder, verweilten wir in der heiligen Stadt, als dann rüsteten wir uns zur Weiterreise.

In der Morgenstunde kam unser Führer, die heidnischen Herren, welche uns die guten Barfüßer-Mönche ausgemittelt hatten, vor das Kloster, damit sie uns auf der Fahrt nach Bethlehem beschirmten, denn es war kund geworden, dass Leute auf der Lauer wären, die uns Pilgern Schaden zufügen könnten.

Da Alles bereit war, bestiegen wir nicht ohne Besorgnis unsere Tiere und ritten den Berg Zion hinunter in das Tal Silon, immer der Königsstraße nach, den nämlichen Weg, den die Heiligen Drei Könige gemacht, als sie von Herodes nach Bethlehem geschickt wurden, um das Christkindlein aufzusuchen.

Fröhlichen Herzens ritten wir die heilige Straße fürbaß, zwischen anmutigen Gärten und Landsitzen voll köstlicher Früchte. Nach einiger Zeit kamen wir zu drei Zisternen mitten im Wege, von denen die Sage geht, dass hier den drei Weisen, der Stern wieder erschienen sei, den sie im Osten erschaut; die Zisternen seien an der Stelle gegraben worden, wo sie stillgestanden und freudig nach dem Sterne geblickt hätten, der seit ihrem Eintritt in die Stadt Jerusalem verschwunden war. – Nach ungefähr anderthalb Tagesreisen gelangten wir in eine steinige, öde Gegend, wo wir bei einer Wendung des Weges plötzlich Bethlehem, die Stadt Davids, erblickten. – Über alle Gebäude ragte die Kirche der seligsten Jungfrau Maria siegprangend empor.

Freudig ergriffen fielen wir auf unsere Knie und riefen: Heil dir Ephrata, fruchtreiches Gefilde! Heil dir, o Bethlehem! du Haus des Brodes, welches vom Himmel kam; Heil dir o Stadt, von welcher der Prophet einst geweissagt hatte, dass sie nicht die geringste sei unter den Städten Judäas, das von da ausgehen werde, der Fürst und Heiland der Welt. Freue dich, Bethlehem! Im Morgen- und Abendlande bist du verherrlicht worden: denn wie einst voll Weisheit die Könige von Aufgang der Sonne zu dir hin zogen, so nahe dir jetzt in Andacht die Schar der Pilger vom Niedergange!

Unsere maurischen Führer, die Sarazenen, rührten sich nicht und hörten uns schweigend zu. Nachdem wir mit diesen und ähnlichen Ausrufungen die heilige Stadt begrüßt hatten, bestiegen wir unsere Tiere wieder und ritten unter dem Gesange freudiger Weihnachtslieder hinunter gegen Bethlehem.

In Mitte des tiefen Tales, welches zwischen uns und der Stadt lag, wurde uns die Stelle gezeigt, wo den Hirten in der Heiligen Nacht die Geburt des Erlösers verkündet worden. Wir hielten an, die hohen Wunder Gottes zu preisen und zogen dann wohlgemut weiter.

Allein in dieser Welt, liebe Kinder, gibt es keine Freude, und wäre es die aller reinste, auf welche nicht Widerwärtigkeit und Betrübnis folgte. Dies wurden wir auch jetzt inne. Denn wie wir der gesegneten Stadt nahe waren, siehe, da sprengte ein Haufe Araber aus Bethlehem uns entgegen. Es waren wohl vierzig reisiger Heiden, die uns drohend den Weg versperrten. Unsere Führer wurden über diesen Anblick bestürzt. Wir Pilger aber traten in einen Haufen zusammen, ließen die maurischen Begleiter eine Vorhut bilden und zogen mit Furcht fürbaß den Räubern entgegen.

Als wir bei ihnen angekommen, wollten unsere Hauptleute unterhandeln wegen des Durchzuges, und schrien und zankten sich gewaltig. Doch griff keiner zu den Waffen; länger als eine Stunde standen wir und konnten weder vor noch rückwärts. Die Verwegensten unter den Raubgesellen mischten sich zuletzt mit Hohn und Geschrei unter die Reihen der unbewaffneten Pilger. Rissen ihnen die Hüte vom Kopf, stießen und zerrten sie und trieben ihren rohen Mutwillen. – In diesem Getümmel geschah es, dass ein Araber, seine Lanze schwingend, gegen mich, der ich etwas zur Seite ritt, drohend heransprengte; – glücklich wehrte ich jedoch den Stoß, den er gegen meinen Kopf und Hut führte, durch eine rasche Wendung meines Pilgerstabes ab; ein zweiter, dieses sehend, folgte dem ersten und führte seine Waffe so geschickt, dass sie gerade meine Brust traf und ich, wie meine Kameraden glaubten mochten, wie tödlich getroffen von meinem Esel stürzte. – Jetzt entstand ein schreckliches Durcheinander. Schreiend hatte sich die Pilger rückwärts auf eine Erhöhung neben der Straße geflüchtet, und unsere heidnischen Leitsmänner griffen zu den Waffen, um Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Schon waren die vordersten der Wegelagerer unter Geschrei und Lärm über den Haufen gerannt, als ihre Hauptleute Ruhe gebietend, dazwischen traten.

Diesen Augenblick benützte ich, um mich von meinem Sturze aufzuraffen und zu meinem Mitbrüdern zu eilen, die mich verwundert und mit großer Freude empfingen. Der Stoß des Arabers hätte ungezweifelt mein Leben ein Ende gemacht, wenn nicht Gottes Vorsehung mich behütet hätte.

Das scharfe Eisen hatte nämlich das mit starken Eichenholz, Brettlein und Schweinsleder gebundene Gebetsbüchlein meines seligen Bruders getroffen, welches ich von dem Johanniter bekommen und unter meinem Pilgergewand auf der Brust sorgfältig verwahrt trug.

Nach diesen Worten hielt der Erzähler einen Augenblick inne, um von einem hölzernen Schafte an der Wand das Büchlein herabzulangen und seinen jungen Freunden zu zeigen. – Deutlich sah man noch den Riss in dem ledernen Deckel, welcher von der Lanzenspitze herrührte und sich in der Verzierung des Messingbeschläge gefangen und da kräftigen Widerstand gefunden hatte.

Die Kinder, nachdem sie das Wahrzeichen einige Zeit betrachtet hatten, drangen mit großer Ungeduld in den Erzähler, neugierig den Ausgang des räuberischen Überfalls zu vernehmen.

Die Araber, fuhr der Bruder Martin fort, als sie sahen, dass unsere Begleiter ernst machten, erklärten, dass sie nicht als Feinde gekommen seien, sondern, wie sie schon am Anfang gesagt hätten, um ein Lösegeld von den Christen zu verlangen und sich jetzt statt der einst geforderten 50 Dukaten mit 24 begnügen wollten; wären wir hierzu nicht geneigt, so sollte es uns freistehen, nach Jerusalem zurückzukehren.

Wir öffneten also insgesamt unsere Börsen, zahlten jeder für seinen Teil das Geld und ritten fürder. Die Erpresser aber blieben zur Stelle und teilten ihre Beute.

Vor den Toren der Stadt Bethlehem liegt die Burg gleichen Namens. Wir gingen aber nicht hinein, sondern ließen sie zur Rechten und zogen durch viel verfallenes Mauerwerk bis zur Vorhalle der Kirche der Geburt Christi. Eilig stiegen wir ab und begaben uns in den heiligen Tempel, wo wir voll Ehrfurcht und den Liebenden im Andenken der Geburt des Herrn vor dem Altar der Heiligen Drei Könige unsere Andacht verrichteten. Unter diesem Altar aber befindet sich die Grotte, wo der Herr des Himmels und der Erde geboren wurde. Zwei Wendeltreppe, jede mit 15 Stufen, führen in die unterirdische Kapelle hinab.

Christliche Mönche, welche neben dem Tempel ihr Hospizium haben, gaben uns brennende Kerzen, bei deren Scheine wir in feierlicher Prozession unter Absingen des Liedes: Auf ! Christen ,singt feierliche Lieder x. die Stufen hinunter in die heilige Grotte zogen. Betend und mit dankendem Gemüte knieten wir alle um den von Wohlgerüchen duftenden Stein, wo nach der Überlieferung das Kripplein gestanden. Lange verweilten wir an derselben Stelle, wo einst schlichte Hirten und weise Könige das himmlische Knäblein begrüßten und wo immer bis auf den heutigen Tag Karawanen aus allen Ländern herbeiziehen; um an dem Orte zu beten, wo das Christkind allein arm zur Erde herabgekommen, um Frieden und Liebe unter den Menschen zu verbreiten.

Von der Grotte der Geburt stiegen wir zur Kapelle, wo nach der Sage die unschuldigen Kindlein ihre Gräber haben, und weiter ziehend, gelangten wir in die Zelle, in welcher der heilige Kirchenvater Hieronymus, dreihundert Jahre nach Christus, einen Teil seines Lebens zubrachte.

Man zeigte uns hier die Gräber dieses heiligen Mannes, und seiner Schülerinen der heiligen Paula und ihrer Tochter, der Heiligen euch Eustochium. Beide waren vornehme römische Damen aus den adligen Geschlechtern der Graechen und Scpione, welche der Welt und ihre vergänglichen Freunden entsagten, um hier in strenger Abgeschiedenheit den wahren Frieden der Seele zu finden.

Die Sonne war längst schon verschwunden und tausend funkelnde Sterne bestrahlten die schweigende Erde, als wir hinauszogen zum Turm Eder, wo, wie die Sage meldet, die Engel den Hirten die Geburt des Messias verkündeten. – Eine solche herrliche Nacht war es vielleicht, in welcher die frohe Botschaft erklang: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden!

In einiger Entfernung glänzten die Lichter von Bethlehem. Durch das ganze Tal herrschte die tiefste Ruhe. Auf einsamen Fußwegen kehrten wir schweigend, ohne durch Worte unsere Gedanken zu stören, in das Kloster zurück.

Am dritten Tage verließen wir fröhlichen Mutes Bethlehem. Wir hatten unseren Rückweg wieder über Jerusalem genommen und suchten so bald wie möglich Joppe zu erreichen, wo wir uns unverweilt zu Schiffe begeben wollten. – Ehe wir jedoch die Hafenstadt zu Gesichte bekamen, geschah mir Folgendes

Eines Morgens, als wir längst einer spärlich bewachten Anhöhe entlang ritten, bemerkte ich oben auf den Felsen eine buschige Staude, welche scharlachrote Blüten von auffallender Schönheit trug. Von jeher ein Freund von Gewächsen und Pflanzen, kam mich die Lust an, das Ding in der Nähe zu besehen und womöglich einige Samen oder Früchte davon mitzunehmen.

Mit meinem Freunde, dem Schuster, war ich etwas hinter den übrigen zurückgeblieben und stieg ab, um die Anhöhe zu erklimmen, ohne in diesem Augenblicke der Warnung unserer Führer zu gedenken, welche uns ermahnten, nicht einzeln zurückzubleiben. Der beständig an den Küsten umherschweifenden Freibeuter wegen, welche sich oft weit ins Land hineinwagen, um wehrlose Reisende zu überfallen und als Sklaven auf ihre Schiffe zu schleppen.

Nicht ohne große Anstrengung hatte ich die jähe Halde erstiegen und näherte mich dem Orte, wo die Staude wuchs. Da hörte ich plötzlich meinen Freund, der unten bei meinem Esel geblieben war, laut rufen; – ich sehe mich um, er winkt mir eiligst umzukehren – ehe ich mich jedoch besinnen kann, stürzten zwei riesige Sarazenen über mich her, schleppen mich eine Strecke weiter längs der Felsschlucht und werfen mich auf ein bereit gehaltenes Pferd, welches der eine besteigt und mit Windeseile auf der entgegengesetzten Seite des Berges hinuntersprengt.

Ich war wie aus den Wolken gefallen; nur so viel war mir klar, dass ich mich in den Händen barbarischer Seeräuber befinde, die mit ihrer Beute so schnell wie möglich den Meeresstrand zueilten. Von meinen Begleitern, dem Pilgrimen, kam mir nichts mehr zu Gesichte.

Bei einem ärmlichen Dorfe am Meeresufer wurde Halt gemacht; in einer nahen Anfurth hielten zwei kleine Fahrzeuge, welche den Corsaren gehörten und bestimmt waren, mich mit noch mehreren Unglücksgenossen aufzunehmen und über die See zu entführen. Meine Baarschaft und alles, was ich bei mir trug, wurde mir abgenommen. Mein teuerstes Kleinod jedoch, das Gebetbüchlein warfen sie mir, nachdem sie es flüchtig betrachtet, verächtlich wieder zu, weil es für sie keinen Wert hatte.

Und so war mir doch wenigstens im Unglücke noch ein süßer Tröster geblieben, ein teurer Freund und geistlicher Ratgeber.

Mit etwa zwölf anderen Opfer teilte ich den unteren Raum des Schiffes, welches auf langer Fahrt nur einmal anhielt und bei einem kleinen Dorfe an der Küste Afrikas frisches Wasser einzunehmen.

Unweit einer großen, mit Basteien und Türmen wohl befestigten Stadt landeten wir endlich. – Es war Tunis, die Hauptstadt des Raubstaates gleichen Namens.

Ähnlich einer Handelsware wurden wir ausgeschifft und in brennender Sonnenhitze auf öffentlichem Markte lange feilgeboten. – Ich wurde das Eigentum eines vornehmen Mohammedaner’s, welcher mich nach geschehenem Handel zweien bewaffneten Schwarzen übergab, die mich außerhalb der Stadt verbrachten, wo die Reichen von Tunis ihre Landhäuser haben.

Bei einem der hohen Mauern umgeben Gute wurde halt gemacht; ein unansehnliches, einstöckiges Gebäude, die Wohnung der Sklaven und Feldarbeiter wurde mir zum Aufenthalte angewiesen. Unter den Sklaven, die größtenteils Schwarze waren, fand sich auch ein Europäer aus dem Piemontesischen gebürtig, der zu meinem großen Troste etwas deutsch sprach.

Unsere Geschäfte waren meist Feldarbeiten. Das Land umher ist ziemlich fruchtbar, und es wachsen Limonen, Datteln, Pommeranzen und türkischer Weizen, auch sagte man mir, dass es in dem Gebirge Straußen, Fasanen, wilde Ziegen und Löwen gebe .An gutem Quellwasser jedoch ist Mangel, weshalb überall Zisternen angebracht sind, in welchen sich das von den flachen Dächern ablaufende Regenwasser sammelt. Nur eine einzige Quelle nahe der Stadt liefert frisches Wasser, welches aber nichts anders als gegen Einrichtung eines Tributes und nur an Vornehme abgegeben wird.

Mein Genosse, der Italiener, wusste mir trotz seinem mangelhaften Deutsch das Loos eines Sklaven mit den abschreckenden Farben auszumalen; er verwünschte unseren Aufseher, den er als einen Unmensch und Barbaren schilderte, welcher, obwohl Christ und Europäer, nichtsdestoweniger ärger als der fühlloseste Heide sich zeige. Ich glaubte dem Menschen und faste im Voraus, ehe mir jener noch zu Gesichte kam eine herzliche Abneigung gegen den vermeintlichen Peiniger, welcher nach einigen Tagen von einem entlegenen Landgute seines Herrn zurückkehrte und seine Untergebenen musterte. Ich wurde ihm vorgestellt. Man mußte Name und Vaterland nennen, worauf er zwar in deutscher Sprache mir sagte, dass auch er am Rheine zu Hause sei. Er fragte mich noch verschiedenes über die Zustände des Deutschen Reiches. So kurz und bündig auch seine Äußerungen waren, so konnte ich doch daraus abnehmen, dass er schon sehr lange Zeit von Hause abwesend sein müsse. Seine Miene verriet etwas von Teilnahme, als er schließlich mich ermahnte, pünktlich und getreu meine Geschäfte zu verrichten. Die Sklavengesetze, fügte er bei, mit denen du vielleicht noch nicht bekannt bist, sind hart und strenge. Darum füge dich den Verhältnissen und sorge dafür, dass deine Vorgesetzten nie in die Lage kommen mögen, strafend gegenüberzutreten.

Nach dieser kurzen Audienz wurden wir angewiesen auf einem nahen Grundstücke, Datteln und eine Art wild wachsender Lotus, aus welchen die Einwohner einen beliebten Trank zu bereiten wissen, einzusammeln. Gefaßt hatte ich mich meinem Schicksal ergeben, ohne Hoffnung, je wieder erlöst zu werden, ehe dass der Tod, der treffliche, unfehlbare Arzt aller irdischen Leiden, auch meinem Elende ein Ende machen würde. Doch es war anders bestimmt.

Der Befreiungsmorgen sollte mir auf dieser Welt noch tragen, und zwar früher, als ich im günstigsten Falle für möglich gehalten hatte. Der nächstkommende Tag war ein mohammedanischer Festtag und auch für die Christen Sklaven ein Ruhetag. Frühe war ich von meinem Lager aufgestanden, um in dem Garten, der unsere und die übrigen Wohngebäude umgab, in Ungestörtheit die Morgenstunden zu genießen.

Eine milde, erfrischende Luft wehte durch die blühenden Limonen und Granatbäume, über süßduftende Beete voll Tulpen und Rosenbüsche.

Ich hatte mich auf eine Bank gesetzt und mein Büchlein hervorgezogen, um durch Gebete und Betrachtungen die Qualen der Hoffnungslosigkeit aus der leidenden Seele zu bannen.

Lange hatte ich schon gelesen und die Gegenwart und alles, was mich beschränkend umgab, beinahe gänzlich vergessen, als ein Geräusch in meiner Nähe mich weckte. Ich schaute auf. Der Aufseher stand vor mir. Anfänglich war ich erschrocken, denn ich glaubte seinen Unwillen erregt zu haben, weil ich eigenmächtig das Haus verlassen und mich in den Garten begeben hatte. Doch zu meinem Erstaunen wünschte mir der Mann nicht unfreundlich einen guten Morgen, und nachdem er einige Augenblicke mein Büchlein scharf ins Auge gefasst hatte, fragte er mit Lebhaftigkeit, wie ich zu dem Büchlein gekommen sei. Aus Furcht, es möchte mir abgenommen werden, weil nach dem Gesetze kein Sklave ein Eigentum besitzen darf, legte ich mich aufs Bitten: Verzeiht, sagte ich zaghaft, wenn ich etwas ungehöriges Unterfangen habe, ich bitte und beschwöre euch um unseres gemeinsamen Vaterlandes willen, entreißt mir dieses Kleinod nicht, mein Alles, was mir noch im Unglücke geblieben ist.

Sei ohne Furcht, ließ mich mein Vorgesetzter vernehmen, indem er mir das Büchlein aus der Hand nahm und ein wenig darin blätterte, aber sage mir ohne Rückhalt, wie das Buch in deine Hände gekommen ist.

Herr, versetzte ich, ich will Euch alles sagen: – Dieses Büchlein stammt ursprünglich von meinem Bruder selig, der im Kampfe mit den Ungläubigen vor Rhodos das Leben verlor. Bei meiner Einkehr auf jener Insel verehrte es mir ein treuer Freund und Waffenbruder des Verstorbenen, ein Johannitertitter. –

Der Mann schien überrascht; doch etwas misstrauisch versetzte er: Du redest unwahr, ich kannte den ersten Besitzer dieses Büchlein recht wohl. So viel ich aber weiß, hatte er keinen Bruder, er war der einzige Sohn seiner Eltern. – Du willst mich hintergehen und gibst dich für etwas aus, was du nicht bist.

Gott ist mein Zeuge, beteuerte ich feierlich, dass ich die Wahrheit spreche: die Mutter, deren Name ihr vorne auf dem Titelblatt sehen könnet, verheiratete sich nach des Vaters Tode zum Zweiten Mal, und dieser Ehe war mit einem Sohne gesegnet, den Ihr jetzt hier, als unglücklichen Sklaven vor Euch stehen sehet.

Der Mann schaute mich an – blickte gen Himmel und rief mit einer Stimme die mein Innerstes durchdrang: Gesegneter Tag! glückliche Stunde! – Grüßte dich der Himmel, Sohn meiner Mutter – mein Bruder!

Die Überraschung hatte mir die Zunge gelähmt. – Wir umfassten uns mit einer Heftigkeit und Inbrunst, als Sonne keine Macht der Erde uns je zu trennen vermögen.

Ihr könnt Euch denken, wie dieser Strahl plötzlicher Freude, ähnlich dem Blitz in dunkler Nacht, überraschend mich traf und alle zerknirschten Lebenshoffnungen in meinem Inneren wieder aufrischte.

Wir vergaßen in diesem Augenblicke beide, dass wir in barbarischem Lande, mitten unter Feinden unseres Glaubens uns befanden.

Nachdem der erste Sturm der Wonne und Ueberraschung vorüber war, mußte ich dem Bruder viel von den heimatlichen Zuständen, insbesondere von den Schicksalen unserer Familie, erzählen. Seit seinem Verschwinden beim Kampfe vor Rhodos hatte er nie das mindeste mehr von den Seinigen in Erfahrung gebracht. Es war natürlich, dass auch ich sehr neugierig war, zu hören, welchen Umständen er sein Leben und die Versetzung in dieses entfernte Land zu verdanken habe.

Er lud mich ein, weil der Morgen schon weit vorgerückt war, mit ihm in einer nahen, von Myrtenhecken angenehm beschatteten Laube Platz zu nehmen.

Meine Lebensgeschichte, fing er an, als wir uns dort niedergelassen, lässt sich in Wenigem zusammenfassen. – In jenem Treffen vor Rhodus, welches dir, wie du sagst, mein Freund, der Johanniter schilderte, fiel ich, von einem Pfeilschusse schwer verwundet, in die Hände der Feinde, welche mich bei ihrer Flucht auf die Schiffe schleppten. – Hier wäre mein Loos ohne Zweifel dasselbe gewesen, wie es fast sämtliche Mitgefangene getroffen, nämlich der Tod, wenn nicht Gott das Herz eines Feindes zu meinen Gunsten gerührt hätte. Der Herr des Schiffes, dessen Leute mich zum Gefangenen gemacht, entriß mich den Händen der mordlustigen Kriegsknechte, und befahl, mich, den Schwerverwundeten, zu verbinden. Der großmütige Beschützer hieß Amurath, und war kein anderer als mein jetziger Herr, der auch dein Gebieter ist. Der reiche Mann hatte auf seine Kosten ein Schiff ausgerüstet und sich freiwillig dem Zug gegen die christlichen Ritter angeschlossen.

Zurückgekehrt in sein Land, verbrachte er mich hierher, auf dieses Landgut, wo ich nach meiner vollständigen Heilung als gemeiner Sklave Dienste tun mußte. Mein Loos war erträglich, jedenfalls besser, als man es sich unter solchen Verhältnissen gewöhnlich denkt. Fleiß und Ausdauer erwarben mir die Gunst meines Herren, dem ich bald noch bei einer besonderen Gelegenheit meine Ergebenheit zeigen konnte. Es war während der Erntezeit, als eine Horde streitende Araber das Landgut überfiel, um es auszuplündern. Der Himmel wollte, dass ich die Gefahr noch zeitig entdeckte und unterstützt von einem Teil der Sklaven, die Bande so lange abhielt, bis Nachbars Hilfe kam. Mein Herr belohnte diesen Zug damit, dass er mich gemeinem Dienste enthob und mir die Aufsicht auf sämtliche Leibeigene anvertraute.

Dieses Amt bot mir nun Gelegenheit, manches Gute zu tun. Das Schicksal hatte nicht gewollt, dass ich dem Orden der Johanniter meine schwachen Kräfte widmen sollte. Dafür ward mir ein Posten gegeben, wo ich, statt christlicher Pilger mit dem Schwerte zu beschützen, arme Sklaven, gleichviel ob Christen oder Heiden ein menschliches Loos bereiten und ihr Schicksal mildern konnte: – ein Gedanke, der mir manch Bitteres meiner Stellung leichter ertragen ließ.

Überhaupt habe ich, wenn ich mein Leben überblicke, einsehen gelernt, dass man unter allen Umständen nach Kräften Gutes tun könne und dass nebst der höheren Führung, die über den Menschen schwebt, jeder doch zum Wohle und Wehe seiner und anderer gar vieles beitragen könne. Nur dass man nicht wie ein Schifflein ohne Ruder mut- und willenlos sich den Wellen des Lebens preisgeben dürfe.

Seit meinem Hiersein sind nur dreißig Jahre verflossen. Im Laufe dieser Woche kömmt Amurath, unser Herr auf diesen Landsitz, wo er alljährlich seinen Geburtstag zu feiern pflegt. Dieser Tag soll nach seinem längst verpfändeten Worte mir, seinem Diener, die Freiheit bringen. Und so wäre es gar wohl möglich, ja höchst wahrscheinlich gewesen, dass wir uns nie im Leben kennen gelernt hätten und fremd aneinander vorübergegangen wären, wenn nicht das Büchlein, auf welchem sichtbar der Segen meiner guten Mutter ruht, uns einander entdeckt und wie durch ein Wunder vereinigt hätte.

Mein Herr, fuhr er fort, stellte es meinem Entscheiden anheim, ob ich hier als Freigelassener in seinem Dienste bleiben oder in meine Heimat zurückkehren will. Längst aber war es mein Lieblingsgedanke, nach meiner einstigen Befreiung einzutreten in den Orden der Barfüßer zu Jerusalem oder Bethlehem, um dort in dem Vaterlande der Christen, abgewendet von weltlichen, den Rest meiner Erdentage zu beschließen. – Aber Gott hat es anders gewendet. – Deine Dazwischenkunft, geliebter Bruder, hat ihn mir, ich gestehe es, eine lange nicht mehr gefühlte Sehnsucht entzündet nach dem Lande, wo ich meine Jugend verlebt und wo ich irrtümlich wähnte, niemand mehr sei, der meiner gedenke. Ja, ich fühle ein Verlangen, so Gott will, die Heimat und das Vaterland noch einmal zu betreten, und zwar an deiner Hand, denn es wird mir ein Leichtes sein, auch deine Freilassung zu erwirken.

Als Bruder Martin hier einen Augenblick inne hielt, als besinne er sich des Folgenden, schaltete eines der Kinder die Frage ein: warum denn sein Bruder nicht sogleich die nahe Verwandtschaft entdeckt habe, als Martin seinen Familiennamen und den der Vaterstadt genannt habe?

Ihr habt vergessen, liebe Kinder, entgegnete der Erzähler, daß wir beide verschiedene Väter, also auch verschiedenen Namen hatten. Von der zweiten Ehe der Mutter und ihrem Wegzug vom Lande in die entfernte Stadt wusste aber mein Bruder nichts, weil er damals schon in den Händen der Ungläubigen sich befand, so dass ihn weder der Name der Familie noch der Stadt, die ich nannte, auf die Entdeckung geführt hätte, wenn es nicht durch das Wiedererkennen des Büchleins geschehen wäre.

Der Tag, berichtete Martin weiter, an dem unser Gebieter auf das Landgut kommen sollte, nahte heran. Die Gemächer des Herrenhauses wurden freilich hergerichtet und geschmückt. – Ich erstaunte ob der Pracht die im Inneren des sonst wenig versprechenden Gebäudes herrschte. Von kostbarer Mosaik und farbigem Marmor glänzten die Böden und Decken; kostbare Teppiche von künstlicher Seidenwirkerei, wie sie nur Tunis aufzuweisen vermag, zierten die Wände; alles was die Sonne des Morgenlandes an herrlichen Blumen und seinen Wohlgerüchen hervorbringt, war vereinigt, die Sinne zu ergötzen. Amurath kam wirklich an dem bezeichneten Tage mit einer seiner Favoritinnen. – Nach der Mahlzeit wurde mein Bruder vor den Herrn beschieden.

Es sind nun dreißig Jahre, sprach der Türke, daß du mir dienst in Treue und Redlichkeit. – Heute, am Gedächtnistage seiner Geburt, schenkt dir Amurath die längst versprochene Freiheit. Nütze sie nach deinem Wohlgefallen; doch bedenke, dass die Wohltaten, die dir dein Freund und ehemaliger Herr erwiesen, Bande sind, unauflöslich eher als die Fesseln der Sklaverei. – Siehe, Amurath ist großmütig; er bietet dir, dem freien Manne, als Beweise seiner fortgesetzten Gunst die fernere Verwaltung seiner sämtlichen Ländereien an. – Sei vernünftig und entschlage dich der thörichten Sehnsucht nach den öden Gefilden Palästina’s und der Gesellschaft deiner wortbrüchigen fränkischen Brüder. – Wähle das Bessere und bleibe!

Großmütiger Herr! begann nach einigem Zögern mein Bruder, wie beschämt bin ich durch deinen Edelmut. – Mein Leben, meine Freiheit danke ich dir. Doch – zeihe mich nicht der Undankbarkeit, wenn ich bitte: Du mögest deinen Diener in Frieden ziehen lassen. Betrachte, o Herr, diese grauen Haare; glaube mir, dieser müde, gealterte Körper würde wenig mehr im Stande sein, dir Vieles zu nützen. Und was das großmütige Geschenk deiner Freundschaft und Gunst anbelangt, so gönne mir das Glück, solche als wertvollste Perlen von hinnen nehmen zu dürfen.

Undankbarer Christ! murmelte unwillig mit einem Anflug von Zorn der Sarazenen. Täusche mich nicht durch leere Redensart und Ausflüchte – ziehe hin – Amurath wird nicht länger dich zurückhalten suchen. Bei dem Barte des Propheten! Du bist meines Wohlwollens unwürdig. –

Nichts schmerzt so sehr, erwiderte auf diesen Vorwurf mein Bruder, als wenn wir uns missachtet und verkannt sehen von denjenigen, die wir achten und lieben. – Laßt daher, edler Mann, nicht Unwille und Missgunst die edleren Triebe deines Herzens verdrängen. – Entziehe mir nicht den schönsten Gewinn des Lebens, die Freundschaft und Hochachtung eines edlen Menschen. Zerreiße nicht das Band, welches keine Entfernung zu schwächen vermag. Das freundliche Gedenken zwischen solchen, die sich im Leben kennen und schätzen gelernt. Höre mich an, dann lass Milde und Gerechtigkeit walten.

Der Sklave, den du jüngst der Zahl deiner Diener eingereiht, ist mein Bruder. Sein unvermutetes Erscheinen, seine Erzählung von manchem, was mir einst teuer war, ließen in mir den Wunsch entstehen, noch einmal vor meinem Tod das Vaterland zu betreten. Gewähre mir gütig eine Bitte, von deren Erfüllung das Glück zweier Menschen abhängt. – Siehe, hier diese Börse enthält die Ersparniß, von den Summen, mit welcher deine Großmut mich von Zeit zu Zeit überhäufte; gestattet mir, dass ich damit den Bruder loskaufe und dir ersetze, was du für ihn hingabst.

Mit diesen Worten, berichtete Martin, hatte mein Bruder dem Herrn einen Beutel voll Zechinen zu Füßen gelegt; ehe dieser jedoch etwas auf den Antrag erwidern konnte, wirkte seine neben ihm sitzende Gemahlin einer ihrer Dienerinnen, den Beutel aufzunehmen und zu sich zu nehmen.

Amurath ist großmütig, sprach mit Grazie die schöne Dame, welche nebst großen Vorzügen des Geistes und Herzens auch eine unverkennbare Liebe zum edlen Metalle in sich hegte und vielleicht fürchten mochte, ihr Gemahl möge in einer Anwandlung übelberechneter Großmut das Geld ausschlagen; deine Bitte ist dir gewährt, sprach sie zu meinem Bruder, Japha, die Geliebte deines Herrn ist deine Fürsprecherin, und Amurath unser Gebieter will heute nur Glückliche um sich sehen. – Nicht wahr, mein Bester? Dabei streichelte sie mit schalkhaften Lächeln die Wange ihres Herrn, welcher etwas verblüfft, nicht anders konnte, als der Schönen Beifall zu nicken.

Alles dieses, berichtete Martin, erzählte mir nachher meinem Bruder, der eiligst und voller Freude kam, mir meine Freilassung zu verkünden. So hatte jetzt mein Schicksal unverhofft eine Wendung genommen, die ich wenige Tage zuvor für kaum möglich gehalten hätte. Was mir anfänglich ein großes Unglück geschienen, meine Gefangennehmung, hatte nur dazu dienen müssen, mich dem Bruder zuzuführen.

Und wenn ich des Vorurteils, ja ich kann sagen des Hasses gedachte, den ich, angeregt durch die Einflüsterungen meines Kameraden, gegen ihn, den wortkargen Mann, im Herzen getragen, so fielen mir die Worte des heiligen Augustinus ein: Gewöhnlich, spricht er, wenn man glaubt, man hasse einen Feind, hasset man unwissend einen Bruder! – Mein Kamerad aber, der Italiener, der so Übles von seinem Vorgesetzten gesprochen, weil dieser ihn oft wegen Trägheit und Meuterei, die er unter den Sklaven anstiftete, bestrafen mußte, hatte sich die Unruhe im Hause während Amorath’s Anwesenheit zunutze gemacht und flüchtete, wahrscheinlich auf ein fremdes Handelsschiff, welches zu jener Zeit den Hafen verließ.

Unter den aufrichtigen Dankesbezeugungen verabschiedeten wir uns von unserem ehemaligen Herren, welcher, nachdem sich bei ihm der erste Unwillen über die Entfernung meines Bruders gelegt hatte, wieder seine angeborene Gemütlichkeit gegen uns walten ließ.

Wir begaben uns an Bord eines genuesischen Schiffes, welches nach rascher Fahrt ohne besondere Unfälle glücklich die Küsten Italiens erreichte. In Neapel stiegen wir ans Land, um von da nach Rom zu pilgern, von dessen Herrlichkeiten ich euch, liebe Kinder, ein andermal erzählen will.

Unvergesslich wird mir stets der Tag sein, wo wir zum Ersten Mal wieder deutsches Land für uns erblickten. Die Städte und Burgen, die Dörfer im Grün der Bäume, die gelben Weizenfelder und sonnigen Rebhügel und dazwischen der alte Vater Rhein! – Laut priesen wir die Macht und Hilfe des Höchsten, der unsere Schritte sicher hierher gelenkt und uns errettet aus Not und Gefahr.

Wohlbehalten langten wir in der Heimat an, in der sich mein Bruder fast als ein Fremder fühlte; wenige seiner Jugendgenossen fand er noch am Leben, – zerstreut die anderen in die weite Welt.

In eines Klosters Abgeschiedenheit wollte er des Lebens kurze Pilgerertage beschließen. – Die Hoffnung, uns dereinst wiederzusehen, linderte die Bitterkeit einer herben, irdischen Trennung. – Kehre zurück in das Leben, sprach mein Bruder beim Abschiede, schaffe, wirke, vollendet redlich dein Tagewerk, und es tröste dich der Gedanke: dass dort einst dem müden Abende ein neuer, ewiger Morgen tagt. – Lebe wohl!

So erzählte Bruder Martin, und die Kinder ergriffen, nachdem er geendet, seine Hand und dankten ihm.

„Gott! In Freuden und in Schmerzen.
Herrsche Du Aller Herzen;
Sey ihr Trost bei schwerem Leide,
Ihre Kraft im letzten Streite.
Nimm an ihres Lebens Ende
Ihren Geist in deine Hände;
Laß in deiner Sel’gen Reihen
Sie sich ewig Dein erfreuen.

Ende

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