Bruder Martin erzählt den Kindern seine Pilgerreise nach Jerusalem und Bethlehem.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise. Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Neuntes Kapitel

Oft schon hatte Bruder Martin den Kindern versprechen müssen, ihnen etwas aus dem gelobten Lande, von Jerusalem und Bethlehem zu erzählen. Sie wussten, dass die heiligen Stätten, wo Christus der Herr, geboren, gelehrt und gelitten hatte, bis auf den heutigen Tag verehrt und von zahllosen Wallfahrern der Christenheit besucht würden. Bruder Martin hatte in früheren Jahren selbst einmal eine Pilgerfahrt dahin unternommen und war daher im Stande, seinen Freunden Alles getreu nach eigener Anschauung zu schildern.

An einem Sonntag Nachmittag, wo die Stürme recht schauerlich um den hohen Feldberg und seine waldigen Nachbarn wirbelten und den Schnee wie sprühenden Nebel durch die Täler wehten, saßen die Kinder behaglich in Martins Zelle am wärmenden Feuer des kleinen Oefeleins. Selbst Bläß, der Bär, bezeigte heute keine Lust, seine gewöhnliche Jagd im Walde abzuhalten. Zusammengekauert wie eine Katze und zuweilen im Schlafe leise brummend, als träume ihn von einem fetten Kaninchen, lag er in der Nähe des Ofens, wo ihm Wolfgang, sein Liebling und Vertrauter, Gesellschaft leistete. Der Kleine hatte sich den linden Rücken seines zottigen Freundes zum Diwan ausersehen, von wo aus er den Erzählungen des Bruders bequem zuhören konnte.

Nachdem der gute Altvater durch eine Handvoll dürres Reisig das Feuer frisch geschürt hatte, setzte er sich in die Mitte seiner Zuhörer und begann folgendermaßen:

Vor ungefähr 30 Jahren, um’s Jahr eintausend fünfhundert und zwölf (ihr alle wisst nichts mehr davon) kam eine erschreckliche Pest ins Land herein, eine ansteckende Krankheit, die man nicht anders als eine Zuchtrute Gottes nennen konnte, um den unzufriedenen, lieblosen Menschen wieder einmal ihre Nichtigkeit und die Abhängigkeit von einer höheren Macht recht fühlbar vor Augen zu stellen. Der Tod hielt, so zu sagen, ein großes Treibjagen unter den Menschen: im Palaste wie in der Hütte, in der Stadt wie auf dem Lande, erfaßte er seine Beute. Heute roth, morgen todt! hieß es bei den Meisten. In kurzer Zeit stand manches Haus leer, ja viele Dörfer und Flecken verödeten dergestalt, dass nur wenige Pflüge noch im Felde gingen und in mancher Kirche kein Gottesdienst mehr gehalten werden konnte.

In dieser Not wurde manches Gelübde getan; Bittgänge und Wallfahrten wurden unternommen, den Himmel um Abwehr des Übels anzuflehen, oder zu danken, für glückliche Lebensrettung.

Also tat auch ich. – Die böse Seuche hatte mich auf das Krankenlager geworfen, das Fieber mir Kraft und Besinnung geraubt. – In diesem Zustande führte mich der Fieberwahn in das phantastische Bereich eines übernatürlichen Traumes. – Es war mir, als befinde ich mich in Jerusalem und läge an den Pforten des Heiligen Grabes. – Himmlische Töne hörte ich erklingen, der Glanz unzähliger Lichter umschloss mich, und ich glaubte zu fühlen, wie ein Strom von Genesung mir das kranke Gebein durchrinne. –

Ich erwachte – halb noch im Traume befangen war meine erste Frage: wo ich mich befinde? Es kam mir vor, als wäre ich zurückgekommen von einer weiten, mühsamen Reise. – Die Krankheit aber war gebrochen, es ging fortan der Besserung entgegen.

Als die Kräfte sich wieder einigermaßen eingestellt, war es mein Erstes, dem Drange meines Herzens zu folgen und dem Herrn zu danken an jener Stätte, von woher mir im Traumgesichte wunderbare Hilfe gekommen war. Ich nahm Urlaub von meinem Herrn und trat getrost in Gottes Namen die Wallfahrt nach dem Grabe des Erlösers an.

Eines Morgens früh, als sie im hohen Turme des Münsters eben die Betglocke ertönte, verließ ich im Pilgergewande die Stadt. Es war noch dunkel; kaum ein Strahl des Lichtes zuckte durch die Dämmerung. – Endlich kam die Sonne und die Silbernebel über dem Rheinstrom und am Gebirge verzogen sich und zeigten den klarsten Himmel; die Vögelein zwitscherten ihr Morgenlied und alles erwachte; – da war es mir, als hätte ich die Welt und den Tag noch nie so hell und so frisch gesehen, und als schwinde jetzt erst der letzte Rest meiner Krankheit. –

Ich wanderte der Schweiz zu, um durchs Welschland gen Rom zu pilgern, wo ich dann in einem Seehafen unter Segel gehen wollte.

Mein erstes Reiseziel war die Insel Rhodos. Dort wollte ich Erkundigungen einziehen über einen älteren Bruder, der so viel ich wußte, vor langer Zeit dahingegangen war, um sich aufnehmen zu lassen in den Orden der Johanniter-Ritter, welche auf jener Insel ihren Sitz haben.

Diesen Bruder aber hatte ich nie in meinem Leben gesehen. Sein Vater, der nicht der meinige war, denn ich stammte aus der zweiten Ehe der Mutter, war ein wenig bemittelter Adliger, welcher auf einem Landgut im Rheintal lebte. Nach seinem Tode nahm er einem Freund des Verstorbenen, ein Johanniter, den Jüngling mit nach der Insel Rhodos, wo er ihm Aufnahme in den Orden verschaffen wollte.

Die Mutter wurde unterdessen durch Kriegsunfälle gezwungen, ihr stark verschuldet das Landgut zu veräußern. Sie zog in die entferntere Stadt, und verehelichte sich nach mehreren Jahren zum zweiten Male, welcher Verbindung ich, der zweite Sohn, das Leben verdanke. Von dem fortgezogen Sohne und Bruder hörten wir in der Folge wenig mehr. Sein Beschützer verlor in einem Treffen gegen die Ungläubigen das Leben, und auch von meinem Bruder wurde das nämliche behauptet, so berichtete uns wenigstens ein von dort zurückgekommener Reitknecht. – Von anderer Seite jedoch vernahmen wir, er sei noch am Leben, und im Orient ein reicher Mann geworden. – Über alles dieses wollte ich auf meiner Pilgerfahrt an Ort und Stelle genaue Erkundigungen einziehen.

Im Kloster Rheinau, wo ich nach dem fünften Tage der Reise übernachtete, bekam ich unvermutet noch einen Weggesellen. Ein Schuster aus dem Schwäbischen, der gleich mir im Begriffe war, nach Jerusalem zu wallfahrten.

Fröhlich, voll guten Mutes zogen wir weiter. Wir nahmen unseren Weg durch das Urnerland und über den Gotthard, welches Gebirge die Schweiz von Italien scheidet. Über diesen Berg geht eine Straße in das Herzogtum Mailand, und es werden die Handelswaren auf Maultieren und Saumrossen darüber gebracht. Oben auf der Höhe liegt ein Kapuzinerkloster, in welchem Reisende jederzeit gastfrei Aufnahme finden, von da geht es abwärts gegen das erste italienische Städtlein Airolo im Lawinerthal.

Als wir gegen diesen Ort hinkamen, hörten wir aus der Ferne singen; as sind Landsleute, sagte mein Begleiter, der Schuster, das Lied klingt schwäbisch! Und richtig, als wir eine Strecke vorwärts gekommen, so zeigte es sich, dass er recht hatte. Es waren deutsche Landsknechte, welche des Weges kamen. Der Kaiser führte nämlich dazumal Krieg mit dem Franzosenkönige, wegen des Besitzes von Mailand, und es zogen beständig Kriegsvölker hin und her. –

Kaum hatten uns die verwilderten Gesellen erblickt, als einige aus dem Haufen lärmend und mit gesenkten Spießen gegen uns anliefen, um ihren Mutwillen mit uns zu treiben. – Ich versah mich nichts Gutes, denn ich kannte die wilden Sitten dieser Leute.

Sie waren uns bereits nah auf den Leib gerückt, als mein Begleiter überrascht ausrief: O ha! Peter Michel, seit wann traktiert man friedfertige Pilgimme auf diese Manier, he? Und einer aus dem Trupp, ein Kerl mit schrammigem Antlitz und Knebelbart, in Puderhosen, rannte alsbald johlend auf den Schuster los und, bewillkommte ihn mit Gruß und Handschlag. Sie waren beide Landsleute aus einer und derselben Stadt im Allgäu.

Die mutwilligen Gesellen sagten lachend, sie hätten nur Spaß gemacht, um uns ein wenig zu erschrecken. – Sie fragten, was es Neues im deutschen Reiche gebe und wo wir hin wollten? – Sie ihrerseits, berichteten sie, kämen von der Stadt Mailand und Brescia wo sie nach Herzenslust gestürmt und geplündert, auch sonst noch viele feste Schlösser erobert hätten; zuletzt aber wäre zwischen ihnen und ihren Obristen Uneinigkeit und Streit entstanden, worauf sie davongegangen um in deutschen Landen Kriegsdienste zu suchen. – Nachdem wir ihnen bedeutet hatten, wo hinzureisen gedächten, sagten sie, wir wären Narren, eine so weite Reise zu tun, es gäbe ja in Deutschland Wein und Bier genug und alles was das Herz erfreue. Sie rieten uns, wieder umzukehren und schimpften gewaltig über die Welschen und ihr Land; jedenfalls aber wollten sie uns warnen, nicht bis Rom zu gehen, weil ganz Italien voller Kriegshändel sei, und ritten, lieber gleich in Venedig, wo immer Schiffe bereit lägen, unter Segel zu gehen.

Wir danken für den guten Rat, nahmen Abschied und zogen unsere Straße.

Mein Kamerad, der nicht gerne dabei sein mochte, wo es Krieg und Händel absetzte, bat mich, mein Vorhaben, nach Rom zu gehen, aufzugeben und nach dem Rat der Landsknechte in Venedig eine Überfahrtgelegenheit zu suchen.

Gerne hätte ich zwar Rom, die Hauptstadt der Welt, gesehen, doch tat ich ihm den Gefallen, und wir schlugen den geraden Weg nach Venedig ein.

So ein kleiner Teil mir auf diese Weise auch von Italien zu Gesichte kam, so war es doch genug, um mich zu überzeugen, dass man nicht ohne Grund dieses Land den Garten Europas, oder das Paradies der alten Welt nennt. Die Milde und Klarheit des Himmels, verbunden mit der Fruchtbarkeit und Lieblichkeit der Landschaft, haben für jeden Reisenden etwas Verlockendes, und nie in seinem Leben wird er einen Aufenthalt in den Gefilden dieses schönen Landes vergessen.

Ohne weiteren Aufenthalt erreichten wir glücklich Venedig, über dessen eigentümliche Lage wir uns nicht genug verwundern konnten. Denkt euch, liebe Kinder, eine Stadt, welche auf vielen kleinen Inselchen mitten in einem seichten Meeresarm also erbaut ist, dass fast alle Häuser auf Pfählen ruhen. Eine Stadt, in welcher man statt des Straßenpflasters Meereswellen und statt Stadtkutschen und Pferde, kleine Schiffchen oder Gondeln erblickt. Die Vorderseiten der Gebäude sind nämlich meist den Kanälen zugekehrt, welche die Stadt in allen Richtungen durchschneiden und über welche mehr denn vierhundert große und kleine Brücken führen.

Nachdem wir die herrlichen Paläste und Kirchen alle angeschaut hatten, begaben wir uns in das sogenannte deutsche Haus am Großen Kanal, wohin alle Waren gebracht werden, die von Deutschland kommen oder dahin abgehen. Hier erkundigten wir uns bei einem deutschen Handelsmann, ob kein Schiff im Hafen läge, welches nach Rhodos bestimmt sei.

Man wies uns an, zwei Herren, die eben über den Hofraum gingen. Einer davon war der Kapitän eines Schiffes, welches mit einer Ladung Waren, vorzüglich Waffen für die Johanniter, nach jener Insel abzufahren im Begriffe stund. Mein Begleiter, der etwas italienisch konnte, trug diesem unseren Anliegen vor, worauf wir morgens früh an den Hafen bestellt wurden, wo uns das Nähere mitgeteilt werden sollte.

Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr wir erfreut waren über die Aussicht, so schnell befördert zu werden. Wir priesen das Geschick, welches uns die Landsknechte in den Weg geführt hatte, ohne die wir unsere Richtung gegen Rom genommen und wer weiß, in was für Händel verwickelt worden wären. Denn auf unserem Weg hierher hatten wir erfahren, dass auch der Heilige Vater in den vorgenannten Krieg verwickelt sei.

Am anderen Tage sollten wir nicht uns zeitig am Hafenplatz einstellen und den Kapitän des rhodiser Schiffes aufzusuchen, der uns sodann die Überfahrt gegen mäßige Vergütung gewährte.

Gegen Abend schon wurden die Anker gelichtet, in günstiger Wind stellte die Segel, und bald schimmerten uns von der Hafenstadt nur noch die Lichter entgegen, welche nach und nach am Horizonte untertauchen.

Es ist ein wunderliches Gefühl, zum erstenmal auf dem Meere zu sein; auf der großen unermeßlichen Fläche ein winziger Punkt, das Schiff, dessen schwache Balken uns trennten von den Tiefen der Gewässer und ihren schweigsamen Bewohnern.

Das Wetter war günstig. Nur einmal in der Nacht überfiel uns der Sturm. – Die Segel wurden eingezogen und die Schiffsmannschaft auf dem Verdeck versammelt, ebenso auch wir und die übrigen Pilgrimme, die noch an Bord waren. Unter dem Tosen der Meereswellen und den Schrecken eines nächtlichen Gewitters, welches unter Blitz und Donner über unseren Häuptern ging, verrichteten Alle ein gemeinsames Gebet. – Jeder fühlte die Nähe des Todes und die eigene menschliche Schwäche. Aber Gott Lob! Gegen Morgen legte sich der Sturm, der Himmel hellte sich auf, und unsere Angst löste sich in Freude und Dank gegen den, der über die Stürme und das Meer gebietet.

Nach langer Fahrt kamen wir endlich in die Gewässer von Rhodos. Ehe ich jedoch von meinem dortigen Aufenthalte erzähle, will ich euch einiges über die Johanniterritter und den Ursprung ihres Ordens mitteilen.

Ihr habt gewiss schon gehört, wie vor mehreren hundert Jahren die abendländischen Christen mit gewaffneter Hand nach Palästina zogen, um das Heilige Land und vor allem Jerusalem der Knechtschaft der Ungläubigen zu entreißen. – Während dieser Kriege, welche man die Kreuzzüge nennt, hatten italienische Kaufleute die Erlaubnis erwirkt, in Jerusalem ein Kloster oder Hospitium zu errichten, zum Schutze und zur Verpflegung christlicher Pilger, welche nach dem heiligen Grabe wallfahrten. Die Mönche dieser Anstalt nannten sich Spitalbrüder oder auch Johanniter, weil ihr Kloster zu Ehren des heiligen Johannes eingeweiht war. Nachdem die Kreuzfahrer unter Gottfried von Bouillon Jerusalem erobert und zum Sitz eines christlichen Königreiches erhoben hatte, erhielt die Gesellschaft der Johanniter eine mehr kriegerische Regel und Stellung. Nach den neuen Satzungen konnten nur Adlige Zutritt in den Orden erhalten, welche nebst der Verpflegung der Pilger immer auch noch den Zweck hatte, mit bewaffneter Hand gegen die Ungläubigen zu kämpfen. Die ganze Körperschaft teilte sich in drei Klassen: Die Ritter von altadelichem Geschlechte; in Kapläne, denen ausschließlich das Kirchliche oblag, und den in Rittersknechte, welch‘ letztere zwar auch aus edlen Familien sein mußten, bei deren Aufnahme jedoch die Ahnenprobe nicht in ihrer ganzen Strenge gefordert wurde. Der ganze Orden zerfiel wiederum in acht Nationen oder Zungen, worunter die deutsche den Vorrang vor allen übrigen behauptete.

Alle insgesamt aber mußten geloben: unverehelicht, in Armut und Gehorsam gegen ihre Oberen, getreu den Pflichten ihres Standes zu leben.

Nach der Wiedereroberung Jerusalems durch den türkischen Sultan Saladin setzte sich der Orden nacheinander in verschiedenen Küstenstädten Palästinas fest, bis die tapferen Ritter unter ihrem Großmeister Fulco de Villaret, im Jahre 1309 mit dem Schwerte in der Hand, von der Insel Rhodos Besitz nahmen, und da bleibend sich niederließen.*
Im Jahr 1522, nachdem die Ungläubigen unter Solymann II Rhodus eingenommen, wurde den Rittern die Insel Malta zum Wohnsitz eingeräumt.

In diesen Orden, liebe Kinder, fuhr Bruder Martin in seiner Erzählung fort, hatte sich, wie ich euch schon gesagt habe, auch mein Bruder aufnehmen lassen wollen, und ich näherte mich jetzt dem Orte, wo mir Gewissheit über sein Leben oder Tod werden sollte. Ehe wir dort die Insel erreichten, hatten wir noch eine kleine Angst auszustehen.

Eines Morgens nämlich sahen wir mit Besorgnis zwei Fahrzeuge am Horizonte auftauchen und die Richtung gegen unser Schiff einschlagen. Wem es bekannt ist, wie in diesen Gewässern viele und gefährliche Seeräuber ihr Handwerk treiben, wird die Angst und Bangigkeit welche uns bei ihrem Anblick überfiel, begreiflich finden. Bald jedoch verwandelte sich diese in Freude. Statt der gefürchteten Raubschiffe erkannten wir, näher gekommen, zwei Galeeren der Johanniter, welche der Orden zum Schutze christlicher Seefahrer in diesen Gewässern beständig kreuzen läßt.

Als die Schiffe so nahe gekommen waren, dass wir die roten Kreuze auf den weißen Ordensmäntel der Ritter deutlich erkennen konnten, erhoben wir lautes Freudengeschrei; – die Galeeren aber gaben uns das Geleite bis dicht vor Rhodos, wo wir an einem Sonntagmorgen im Hafen die Anker auswarfen.

An demselben Tage, der uns an Land brachte, wurde in der Kirche von Rhodos ein feierliches Dankgebet abgehalten, dem die ganze Schiffsmannschaft und alle Pilger anwohnten. Nach Beendigung des Gottesdienstes war es mein erstes Geschäft, Nachfrage meines Bruders wegen anzustellen.

Ich suchte die deutsche Herberge auf. Der Wirt war ein Deutscher und längere Zeit schon auf Rhodos ansässig. Er versicherte mich, dass er alle hiesigen Landsleute kenne, aber keinen des Namens, den ich ihm genannt hatte. Nach längerem Besinnen sagte er, dass er hier einen alten Ritter kenne, der, so wie er wisse, aus dem Breisgau stamme und jedenfalls meinen Bruder als seinen Landsmann gekannt haben werde. Der Wirt war so gefällig, mich zu dem alten Ordensmanne zu begleiten. Er führte mich in denjenigen Teil der Stadt, wo die Johanniter ihren Sitz haben und welcher mit starken Türmen und Bastien wohl befestigt ist.

Am Ende einer Straße, welche die Ritterstraße heißt und ganz von Stein erbaut ist, fanden wir unseren Mann. Als ich ihm mein Anliegen vorgetragen hatte, rief er lebhaft: Gott im Himmel, was für Erinnerungen erweckt mit dieser Name. – Ja wohl hab‘ ich ihn gekannt, er mein bester Freund und Waffenbrüder! Seid daher gegrüßt und herzlich willkommen, Bruder meines verewigten Freundes.

Also tot! fiel ich seufzend ein, und der Johanniter ergriff nicht ohne Theilnahme meine Hand und sagte: Hört, ich will euch den Hergang der Sache erzählen. Es möge nun bereits schon 34 Jahre sein, seit er hierher kam, und ein offener und einnehmender Bursche, mit dem ich bald Kameradschaft machte.

Es war im Jahr 1480 ehe Euer Bruder noch förmlich in den Orden aufgenommen war, als Mohammed der zweite Rhodos belagern ließ, um 23. Mai kam die Flotte der Ungläubigen 160 Schiffe mit einem Landheer von mehr als 100.000 Mann vor der Insel an. – Das war dann ein ordentliches Stück Arbeit für uns, die wir gegen diese Übermacht nur ein kleines Häuflein waren. Aber auch manch tapferen Degen kostete es, bis dem Feinde der Weg wieder gewiesen war in die hohe See.

Bei dem ersten blutigen Treffen mußte uns euer Bruder, tröst ihn Gott, schon entrissen werden. Nachdem die Sarazenen gelandet und in der Ebene vor unserer Stadt ihr Lager geschlagen hatten, versuchten sie unter Trommel- und Trompetenschall einen Angriff gegen die Stadttore. – Während ein Teil der Unsrigen von den Türmen und Bastien, mit großen und kleinen Geschütz, mit Steinen und Pfeilen sie begrüßte, rückte der Vice-Graf du Montreuil, des Großmeisters Petri d’Aubusson ältester Bruder, mit einer auserlesenen Schaar, der sich auch euer Bruder und ich als Freiwillige angeschlossen, den Sarazenen entgegen und warf sie nach heißem Gefechte völlig über den Haufen. Unter Geschrei und Lärm liefen sie den Schiffen zu. Während des Kampfes sah ich meinen Freund, euren Bruder, mit vielen Wunden bedeckt, an meiner Seite niedersinken, und vermute, nach allem, was ich nachher von Anderen hörte, dass er in diesem Zustande von dem Feinde zum Gefangenen gemacht und auf der Flucht mitgeschleppt worden ist. – Ich selbst wurde getroffen von einem Pfeilschuss, halbtot nach der Stadt gebracht. Von unseren Wällen aus mußten wir sehen, wie die Barbaren ihren Gefangenen ins Meer stürzten oder sonst grausam hin schlachteten, um uns zu zeigen, welch ein Schicksal unserer wartet, wenn wir nicht gutwillig die Stadt übergäben, was jedoch dank der Hilfe Gottes und dem Mute der Christen nicht geschehen ist.

Der Johanniter schwieg einen Augenblick, und ich konnte nicht anders, als seufzen und mit Tränen in den Augen das unglücklichen Bruders gedenken.

Hier – nahm nach einer Weile der alte Herr wieder das Wort, indem er auf einen Wandschrank zuschritt, hier seht Ihr ein werthes Pfand, welches mir aus seiner Verlassenschaft zugefallen. Er reichte mir ein schwarz eingebundenes Gebetsbüchlein, und zeigte auf dem Titelblatt einen Namenszug, den ich auf den ersten Blick als den eigenhändigen meiner Mutter erkannte.

Ich seufzte und betrachtete Reliquie mit Betrübnis und Freude. – Der Johanniter aber dieses bemerkend, sprach: Ich glaube die werte Hinterlassenschaft an keine bessere Hände geben zu können, als in die des Bruders des Verewigten. Ich bitte euch daher, solche als Angedenken seiner, so wie auch als Beweis meiner Wertschätzung eurer Person, zu behalten.

Ich sagte dem guten Herrn gerührt meinen Dank, und versicherte ihm, dass ich die Gabe annehmen und stets heilig und in Ehren halten wollte, sowohl meines Bruders als auch der ehrenden Freundschaft des ritterlichen Gebers wegen.

Der Johanniter fragte mich noch manches aus der deutschen Heimat und erbot sich, mit mir einen Gang durch die Stadt zu machen, um mir die Lage und Festigkeit des Ortes zu zeigen.

Er führte mich auf einen quellenreichen Hügel über der Stadt, den ein duftendes Gehölz von Pommeranzen und Granatbäumen angenehm beschattete, und wies mir mit der Hand alle die Punkte wo es während der Belagerung durch die Sarazenen heiß zugegangen. – Dort, am Ende des Hafens, sagte er, auf ein starkes Fort zeigend, seht Ihr den Nikolausthurm, den die Ungläubigen vergeblich mit Feuer und Schwert zu erobern trachteten. Der Bassa, nachdem er gesehen, dass hier nichts zu holen sei als blutige Köpfe, nahm zuletzt zur Verräterei seine Zuflucht. Zwei Mamelucken, welche der christlichen Religion abgeschworen und Mohammedaner geworden waren, unternahmen es, den Großmeister unseres Ordens meuchlings zu ermorden. Aber der saubere Plan schlug fehl, und die beiden Überläufer wurden öffentlich enthauptet. Auf dieses versuchte der erzürnte Befehlshaber wieder mit Gewalt uns beizukommen.

Mit großer Furie wurde der Nikolausthurm aufs Neue beschossen; allein, umsonst; das Bollwerk erwies sich als unüberwindlich. – Da geschah es am 27. Juli, dass der Kommandierend die Stadt von verschiedenen Seiten zu Stürmen befahl. – Das war ein Tag, der mir nie aus dem Gedächtnis schwinden wird. – Die Feinde hatten schon jenen Teil der Stadt dort genommen, welche man das Judenquartier heißt. Werden aber von den unsrigen nach zweistündigem furchtbaren Kampfe wiederum hinausgeworfen. Aber stets aufs neue heranrückende Heerhaufen ließ uns nicht zu Atem kommen, und also mörderisch ging es zu, dass der Großmeister allein fünf Wunden davontrug und manches Ritters Gewand vom Blute triefte. Unter den wehenden Panier, mit dem Bilde der heiligen Jungfrau machten die Unsrigen einen letzten kühnen Ausfall. Durch eine Lücke der Mauer stürzten wir auf den Feind. Es war nicht anders als der feire der Tod ein großes Erntefest; also grimmig wurde mit Schwert und Lanze handiert; die Ungläubigen wurden gänzlich geschlagen und mussten uns das Feld überlassen.

Mit des Sultans Standarte und Gezelt kehrten wir sieghaft in die Stadt zurück; der Feind aber hatte nichts eiligeres zu tun, als so schnell wie möglich sein Landheer einzuschiffen. Ehe sie jedoch mit der Einschiffung der Bagage und schweren Stücken zu Ende waren, erschienen auf der hohen See zwei Kriegsschiffe, welche Ferdinand, der König von Neapel uns zur Hilfe schickte.

Eines von den Fahrzeugen lief glücklich in den Hafen ein, das andere aber wurde von den türkischen Batterien so heftig beschossen, dass es dort im Kanal ankern mußte. – Der Bassa schickte zwei Galeeren unter dem Kommando seines ersten Generals, um das Schiff anzugreifen. Aber da erging es wie oftmals dem Jäger, wenn er den verwundeten Bären zu töten heraneilt, und selbst den Rest bekommt. – Das stark beschädigte neapolitanische Schiff spie Tod und Verderben auf seine Angreifer; nach zweistündigem blutigem Strauße mußten sie weichen, nachdem ihr General gefallen war.

Mit diesem letzten Trumpfe endete die ganze kriegerische Unternehmung. Am 19. August segelte die Flotte unverrichteter Sache heim nach Constantinopel.

Der Johanniter, fuhr Bruder Martin weiter, begleitete mich nach Beendigung unseres Spaziergangs in die Herberge, wo Pilger verschiedener Länder versammelt waren, die alle die Reise nach Jerusalem mitzumachen gedachten. Ein spanisches Schiff war bestimmt, uns überzufahren, und die Johanniter rüsteten eine Galeere, die uns begleiten und beschützen solle. Unter herzlichem Dank schied ich von meinem Freunde, dem Johanniter, der mich noch bis zum Schiffe begleitete.

Begünstigt vom Winde erreichten wir bald wieder die hohe See. Der Himmel war klar und die Luft so milde, dass Viele die Nächte auf dem Verdeck zubrachten. Im vierten Tage nach unserer Abfahrt bekamen wir die Insel Zypern und bald darauf einen Teil von Kleinasien zu Gesicht.

Eines Morgens, als kaum die Sonne über die Wellen heraufgestiegen war, rief plötzlich eine Stimme: Fer Karmel! – Alle wendeten ihr Antlitz gegen die Gegend, wo wir den heiligen Berg wie ein schwarzer Punkt am Horizont erblickten. Bald öffnete sich das Land. Wie ein grauer Streif erschien uns die Küsten von Palästina, über welchen leichte weißliche Nebel schwebten.

Es war ein feierlich erhebender Augenblick. Man hörte nichts als das Rauschen des Schiffes, welches majestätisch über die ruhige Fläche dahinfuhr, und die Stimme eines Pilgers, welcher laut eine Stelle aus den Psalmen vorbetete. –

Nur eine Empfindung hatte sich Aller bemächtigt: die Wallfahrer schienen alle Leiden und Mühseligkeiten einer weiten Pilgerfahrt vergessen zu haben, bei dem Anblicke des Landes, wo Christus einst unter den Menschen gewandelt.

So wie die Sonne die schwebenden Nebel mehr und mehr zerstreute, erkannten wir einzelne Punkte der, in langen Linien vor uns liegenden Landschaft. – Wir erblickten Tyrus, die alte Handelsstadt, das weißliche Vorgebirge von St. Johann d’Acre und die Ruinen von Cäsarea. – Das Schiff durchschnitt mit Windeseile den glänzenden Wasserspiegel. Gegen Mittag erblickten wir schon Judäa’s blaue Gebirge, und als der Abend herangekommen, näherten wir uns der Stadt Joppe, dem gewöhnlichen Landungsplatz der Pilger.

Mehrere kleine Boote ruderten uns entgegen, um uns aufzunehmen und ans Land zu setzen. Der Mond beschien mit seinem milden Lichte die öden Türme dieser alten Stadt, von der man sagt, dass sie schon zu Noahs Zeit gegründet worden und der Ort sei, wo nach der Sündfluth die Arche stillgestanden.

Nicht länger verweilten wir hier, als nötig war, um unsere Reiseangelegenheit in’s Reine zu bringen. – Wir mußten vor dem türkischen Aga erscheinen, der uns gegen Erlegung eines gewissen Tributes einen Schutzbrief nach Jerusalem mitgab. Nach diesem mieteten wir sogleich Lasttiere und Esel, um die Reise nach der heiligen Stadt ohne Aufenthalt antreten zu können. Der größere Teil der Pilgrim blieb aber noch einige Tage länger in der Hafenstadt, so dass unsere Schar etwa 20 Personen, meist deutsche, zählte.

Zum Schutz und Trutz gegen landesübliche Räubereien nahmen wir ein Geleite von zwölf arabischen Lanzenreitern mit; auch ein Dolmetscher folgte uns.

Der Weg führte durch eine blumenreiche, liebliche Ebene. Weithin verwandelte sich aber das lachende Bild in eine kahle Landschaft, in welcher nichts als Distel, welke Kräuter und zuweilen einige schlecht bebaute Weizenfelder neben zerfallenen Dörfer sichtbar waren. Ehe wir die Stadt Rrama, welche früher Arimathea geheißen, zu Gesichte bekamen, gelangten wir zu den Ruinen eines alten Klosters, um welches wilde Feigenbäume ein kleines schattiges Wäldchen bildeten. Hier soll der Ort sein, wo die heilige Familie bei ihrer Flucht nach Ägypten verweilte, um von den Beschwerlichkeiten der weiten Reise auszuruhen.

Wir stiegen ab, hier unsere Andacht zu verrichten, und nach kurzer Rast zogen wir weiter.

Einige Stunden hinter der Stadt Rama öffnen sich allmählich die spärlich bewachten Täler des judäischen Gebirges. Kaum einige wilde Feigen- oder einzelne in der Tiefe wachsende Ölbäume unterbrechen die schwermütige Öde dieser Gegenden, in welchen einst die Tochter Jephta’s weilte und die Propheten den Zerfall ihres Volkes beklagten. – Nachdem wir eine große Strecke in den immer kahler werdenden Gebirge fortgesritten, erblickten wir endlich das Ziel unserer Sehnsucht. – Mein Freund, der Schuster, der etwas voraus geritten war, überraschte uns zuerst mit dem Rufe: Jerusalem!

Alle eilten herbei, um des herrlichen Anblicks teilhaftig zu werden – unter Freudentränen und Lobpreisungen begrüßten wir die heilige Stadt, welche mit ihren Mauern und Türmen in sonnigem Schimmer gerade vor uns lag.

Durch das Tor von Damaskus und auch das Pilgertor genannt, zogen wir in die Stadt hinein, nachdem wir vorher den Ungläubigen den gewöhnlichen Tribut entrichten gemusst. Längs einer Reihe unansehnlicher Gebäude von Kalk und Ziegelstein führte uns der Weg zum Kloster der Barfüßer, welches nur einige 100 Schritte von der Kirche des Heiligen Grabes entfernt ist.

Die Mönche des Hospitiums nahmen uns freudig und gastlich auf; und gewiss, es war ein wohltuendes Gefühl, mitten unter den Feinden unseres Glaubens christliche, hilfreiche Brüder zu finden. – Der Quardian des Klosters gab uns alsogleich einen Führer mit, der uns beim Besuche der heiligen Örter dienlich sein sollte

Mit heiliger Ehrfurcht betraten wir die herrliche Grabeskirche. -Unbeschreiblich ist das Gefühl, welches den Pilgrim erfasst, wenn er diese hehren gottgeweihten Räume beschreitet, wo Hunderte von Lampen die ahnungsreiche Dämmerung erhellen.

Inmitten des Tempels befindet sich die in Felsen eingehauene Gruft, welche das Grab Christi in sich schließt. Durch ein enges steinernes Pförtlein tritt der Pilgrim hinein in das Heiligtum, wo einst der Herr die Macht des Todes bewältigte. In schweigender Andacht lagen wir alle vor dem marmornen Grabe auf den Knien, während die ersten Choräle der Barfüßer, welche eben Gottesdienst hielten, von außen im Tempel entlang und wie aus überirdischen Fernen in die Stille des lichtstrahlenden Grabgewölbes drangen. Dies verwirklichte sich von meinen Sinnen, jenes Traumgesicht, auf dem sich Bette und wie damals heilende Kräfte mich der leiblichen Krankheit entrissen. So fühlte sich jetzt der Geist, befreit von irdischem Kummer und Leid, emporgehoben im Vorgefühl der ewigen Seligkeiten eines neuen himmlischen Jerusalems, wo, wie der Apostel sagt, alle Tränen abgewischt werden und kein Tod, kein Leid, kein Schmerz und keine Klage mehr sein wird.

Der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu. Als wir die Heilige Gruftkapelle verließen, um andere, jedem Christen teure und verehrungswürdige Orte zu besuchen.

Das große Münster besteht eigentlich aus drei zusammenhängenden Kirchen.: die erste umschließt das heilige Grab, die zweite den unmittelbar daran anstoßenden Calvarienberg, und die dritte den Ort wo die Kaiserin Helena das Kreuz des Herrn auf fand.

Man weiß, dass die ersten Christen 46 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems von dem römischen Kaiser Adrian Erlaubnis erhielten, über den Grabe Christi einen Tempel zu bauen, welcher, wenn durch Kriegsstürme wiederholt zerstört, dennoch an derselben Stelle stets wieder aufs Neue aus den Trümmern sich erhob.

Nachdem die Kreuzfahrer das Heilige Land wiederum verloren hatten, erkauften morgenländische Christen mit schwerem Gelde von den Muselmännern den Besitz dieser Kirche, welche jetzt allein dem Schutze schwacher Mönche anvertraut ist, die mitten unter täglichen Erpressungen und Unbilden von Seite der Türken sich glücklich schätzen, an dem Orte leben zu dürfen, wo tausend Erinnerungen die Leiden und das Sterben des Herrn uns vergegenwärtigen.

Noch zeigte man uns das Schwert Gottfrieds von Bouillon, das in seiner halbvermoderten Scheide bis auf den heutigen Tag das Grab des Erlösers bewacht. –

Der Reihe nach besuchten wir alle Stationen bis auf die Mitte des Calvarienberges, und begaben uns dann, erfüllt von den Eindrücken des Tages, in das Kloster zurück.

Saumer waren Personen, die Lasten auf dem Rücken von Saumtieren über das Gebirge transportierten. Jahrhundertelang beförderten sie vor allem Salz und Wein auf Saumpfaden und über die Pässe der Alpen. Als Saumer musste man ein Pferd, einen Maulesel, ein Maultier oder einen Ochsen besitzen.

Airolo ist im Kanton Tessin im Regierungsbezirk Leventina

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Die Flucht nach Egypten und der Kindermord

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Achtes Kapitel

Die Kunde von den hübschen Weihnachtsvorstellungen in Martins Zelle hatte sich bald in der ganzen Nachbarschaft verbreitet, und die Kinder anderer Waldbewohner kamen herbei, um die schönen Bilder auch mit anzusehen.

Bei der vierten und letzten Vorstellung, die Flucht nach Ägypten, hatten sich so viele kleine Beschauer eingefunden, dass der enge Raum kaum alle zu fassen vermochte. – Jedes wollte das Beste wissen, den anderen die Sache zeigen und erklären.

Dort sitzt er, der wüste Herodes! rief Klärchen auf das Bild zeigend, welches den König mit finsterer Miene auf seinem Throne zeigte, während neben ihm seine Kriegsknechte die unschuldigen Knäblein tödteten, und unglückliche Mütter jammernd und händeringend vergeblich abzuwehren suchten.

Seht, wie dort die Mutter Gottes mit dem Christkindlein nach Ägypten flieht, sagte der kleine Wolfgang, aber der garstige Herodes weiß nichts davon, nicht wahr, Bruder Martin?

Gewiß nicht, antwortete dieser, denn seht, liebe Kinder, als der böse Herodes vergeblich auf die Zurückkunft der Weisen aus dem Morgenlande gewartet hatte und zuletzt erfuhr, dass sie längst wieder heimgereist wären, geriet er so in Wut, dass er Befehl gab, alle Knäblein, die nicht über zwei Jahre alt waren, zu tödten. Gott aber hatte schon vorher den heiligen Josef warnen lassen.

Ein Engel war dem frommen Nährvater im Traume erschienen, und hatte ihm die Weisung gegeben, mit dem Kinde und seiner Mutter nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes das Kindlein aufsuchen und ermorden lassen wolle.

Und sind Sie denn nicht mehr heimgekommen? fragte Wolfgang. Nur so lange blieben sie in Ägypten, berichtete der Bruder, bis Gott ihnen durch seinen Engel zu wissen that, dass der bös gesinnte Herodes gestorben sei und ein anderer seinen Thron eingenommen habe.

Joseph machte sich demnach sogleich auf, nahm das Kind und die Mutter und reiste wieder in das Vaterland Israel. Aber nach Bethlehem zurückzukehren, getraute er sich nicht, weil er wußte, dass Archelaus, der neue König, ein Sohn des bösen Herodes war. Gott schickte ihm seinen Engel zum Dritten Male und ließ ihm bedeuten, er solle sich in der Stadt Nazareth, im Lande Galiläa mit seinen Pflegebefohlenen niederlassen.

Hier, in der Geburtsstadt der Eltern, verlebte das göttliche Kind seine Jugend. Alljährlich, zurzeit des Osterfestes, gingen Maria und Josef nach Jerusalem, um im Tempel ihr Gebet zu verrichten.

Als der Knabe Jesu zwölf Jahre alt war, nahmen sie auch ihn mit dahin. – Auf der Heimreise aber merkten sie, dass der Sohn nicht bei ihnen sei. Anfangs glaubten sie, er befinde sich vielleicht unter den Freunden und Bekannten, welche die Reise ebenfalls mitgemacht hatten, aber nirgends war er zu erfragen. Voll Besorgnis kehrten die bekümmerten Eltern zurück nach Jerusalem, wo sie ihn erst nach drei Tagen wieder fanden. Er saß im Tempel, mitten unter den Lehrern und Volksältesten, die er befragte und ihnen zuhörte. Alle, die seine Reden hörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.

Sorgenvoll sprach seine Mutter zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.

Was ist’s, dass er mich gesucht habt? sprach der Sohn im Bewusstsein seiner göttlichen Sendung. Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem Hause meines Vaters.

Den Eltern war der Sinn dieser Worte nicht ganz klar, doch behielt, sagt die heilige Schrift, Maria alle seine Worte in ihrem Herzen.

Hoch erfreut, ihr liebes Kind wieder gefunden zu haben, zogen sie hinab gegen Nazareth, wo Jesus ihnen wie sonst gehorsam und kindlich untertan war, und zunahm an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Von seinem öffentlichen Auftreten und Lehren bis zu seinem Opfertode, will ich euch ein andermal erzählen, sagte Martin, wenn ihr mir versprecht, so folgsam, fromm und gut zu werden wie euer himmlisches Vorbild, das Christkindlein.

Sei Messias, uns willkommen,
Du der Völker Heil und Licht!
Zeige uns mit deinem Frommen
Deines Vaters Angesicht.
Lass an Tugend reich auf Erden,
Dort dereinst und selig werden.

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Goldgelber Zitterling

Liebe Bürgerpostleser, 

mein Referendarskollege Dr. Jürgen Looser aus Karlsruhe schickte mir diese beiden Bilder vom 24. Dezember 2024 und vom 1. Januar 2025, acht Tage später. Er vermutete einen Goldgelben Zitterling und er lag damit voll richtig. Ich hatte auf die Schnelle die Riesengallertträne ins Spiel gebracht, aber das war falsch. Ist das nicht eine richtig schöne Augenweide? Und das auch noch zur Winterszeit? Jürgen fand ihn auf einem Spaziergang in einer Hecke. Wegen der Größe sagte er fünf bis zehn Zentimeter, eher zehn.


Aus Wikipedia will ich die interessantesten Punkte aufgreifen. Es heißt dort, der Goldgelbe Zitterling ist eine häufige Pilzart aus der Familie der Zitterlingsverwandten.
Anmerkung: Hinter häufig mach ich ein Fragezeichen, außer ich bekomme von Ihnen eine Vielzahl von Rückmeldungen. Er wächst überwiegend an toten, noch ansitzenden, aber auch an bereits herabgefallenen Ästen und Zweigen, was hier der Fall ist. Der Pilz parasitiert holzzersetzende Pilze aus der Gattung der Zystidenrindenpilze. Das ist doch ein Hammer, finden Sie nicht auch? Der gallertartige, blass gelbliche bis orange-gelbe Fruchtkörper des Zitterlings besitzt eine gewundene, gelappte Form und bei feuchter Witterung eine schmierige oder schleimige Oberfläche. Er wächst aus Rindenspalten und erscheint bei Regenwetter. Bei Trockenheit schrumpft er innerhalb weniger Tage zu einem dünnen Film oder einer kleinen Masse zusammen. Bei anschließender feuchter Witterung lebt der Fruchtkörper wieder auf. Was sagt man dazu? Die Spezies kommt in Laub- und Mischwäldern vor und ist in den gemäßigten und tropischen Regionen von Afrika, Asien, Australien, Europa sowie Nord- und Südamerika verbreitet. Der Goldgelbe Zitterling durchläuft in seinem Lebenszyklus ein hefeartiges Stadium, das durch knospende Basidiosporen gekennzeichnet ist. Der Wechsel zwischen asexueller und sexueller Fortpflanzung wird durch die Vereinigung hefeartiger Zellen zweier kompatibler Paarungstypen erreicht.

Wenn man das so liest, kommt man doch aus dem Staunen nicht heraus. Obwohl der Pilz als fad und geschmacklos erachtet wird, ist er genießbar. Die gallertartige bis gummiartige Konsistenz verleiht Suppen Textur. In China wird der Pilz von Vegetariern verwendet, um eine immunstimulierende kühle Suppe mit Lotuskernen, Lilienknollen und Chinesischen Datteln zuzubereiten. Einige Zitterlinge produzieren Polysaccharide, die aufgrund ihrer biologischen Aktivität für den medizinischen Bereich von Interesse sind; in China wurden mehrere Patente im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Verbindungen zur Krebsprävention oder Stärkung des Immunsystems angemeldet

Jürgen, vielen Dank für die Überlassung der Bilder und dass ich darüber schreiben darf. Uns wäre einiges Interessantes entgangen. 

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Die Weisen aus dem Morgenlande

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Siebentes Kapitel

Schwerlich gab es jemand auf dem ganzen Schwarzwalde, der sich mehr auf den heiligen Dreikönigstag gefreut hätte als die Kinder des Köhlers Christoph.

Sie wußten, dass an diesem Tage Bruder Martins Zelle wieder der Schauplatz eines neues Bildchen aus dem Leben Jesu sein werde. Als sie jedoch am heiligen Dreikönigstage frühmorgens erwachten und zum Fenster hinausschauten, – o, welch‘ eine unangenehme Überraschung, – es hatte die Nacht über so geweht und geschneit, dass weit und breit weder Steg noch Weg zu sehen waren. So sehr die Kleinen zu jeder anderen Zeit sich über das endlose Flockenmeer gefreut haben würden, so groß war im jetzigen Augenblicke ihre Betrübniß.

Nun können wir nicht zu Bruder Martin! jammerte Wolfgang und Klärchen, und auch Christine zweifelte an der Möglichkeit eines Ausmarsches. Gotthard aber lachte und sprach ihnen Mut ein. Er und der Vater holten sogleich den Bahnschlitten aus dem Holzhause, spannten ein Paar Kühe davor, und die Kleinen mußten als Ballast sich oben auf das Fuhrwerk setzen, und so ging es langsam, aber mit großem Jubel vorwärts, durch das Tal bis zu der Halde, wo der Bruder wohnte.

Hier lag der Schnee etwas dünner, weil ihn der Sturm mehr weggefegt, und die Kleinen konnten bequem ihre Reise zu Fuß fortsetzen.

Der erfreute Alte, welcher ihnen eine Strecke Weges entgegengekommen war, führte sie in die Zelle, wo Wolfgang beim ersten Blick auf das Kripplein überrascht ausrief: Da sind sie ja schon! nämlich die Heiligen Drei Könige, meinte er, welche man im Stalle angekommen und das Christkindlein begrüßen sah. – Die Vorstellung war aber auch wirklich gar zu schön: Maria, die himmlische Mutter, hatte das Kindlein vor sich auf dem Schoße; ihr zu Füßen kniete einer der Weisen im Begriff, dem Kinde das zarte, segensreiche Händlein zu küssen, während die beiden anderen mit Geschenken nahten. Der heilige Josef, welcher neben Maria der jungfräulichen Mutter stand, schien mit abgezogener Mütze die vornehmen Gäste ehrfurchtsvoll begrüßen zu wollen. Im Hintergrunde sah man Gefolge und Dienerschaft der fremden Könige.

Bruder Martin mußte den kleinen Wolfgang auf eine Bank lüpfen, damit er alles Recht in der Nähe sehen und bewundern konnte. Am meisten entzückte den Kleinen der funkelnde Stern, der senkrecht über dem Stalle stand. Ebenso hatte auch Balthasar, der Mohrenkönig, mit seinem reich verzierten türkischen Säbel und Dolch, seinen unbedingten Beifall.

Während die Kinder das Bildlein betrachteten, erzählte ihnen Bruder Martin die Geschichte dazu:

Da Jesu geboren war, begann er, kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und fragten am Hofe des König Herodes: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

Als Herodes dies hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. – Der stolze König befürchtete nämlich, seinen Thron zu verlieren, wenn ein neuer Herrscher ins Land kommen würde.

Eiligst ließ er daher alle Hohepriester und Wahrsager zu sich kommen und fragte sie: Wo denn Christus sollte geboren werden? Sie sagten ihm: zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn es steht geschrieben durch den Propheten: Du Bethlehem im Lande Juda bist keineswegs die Geringste unter den Städten Judas, aus Dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk regieren wird.

Herodes lief daraufhin heimlicher Weise die Könige aus dem Morgenlande wieder vor sich kommen und erkundigte sich genau, wann der Stern erschienen wäre, und riet ihnen, nach Bethlehem zu gehen: Ziehet dahin, sprach er und forschte fleißig nach dem Kinde, und wenn ihr es gefunden habt, so sagt ihr mir’s wieder, dass ich auch hinkomme und es anbete.

Nachdem Herodes ihnen dies gesagt hatte, zogen sie hin, und der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatte, zog wieder vor ihnen her, bis an den Ort, wo die heilige Familie sich befand, da stand er still.

Hocherfreut gegen die Könige in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria und Josef. Sie fielen auf ihre Knie und beteten es an, dann öffnete sie ihre Schatzkästlein und reichten ihm Geschenke, die in Gold, Weihrauch und Myrrhen bestanden.

In der Wahl dieser Geschenke aber lag eine hohe Deutung: – Gold brachten sie, um Ihn als König zu ehren, Weihrauch opferten sie dem wahren Gott, und die Myrrhe ist das Bild der Schwachheit und des Todes, welch‘ Beidem der Heiland sich unterwerfen wollte, zur Erlösung des Menschengeschlechtes.

Die morgenländischen Weisen hatten sich zur Ruhe begeben und wollten des anderen Tages beizeiten ihre Reise zu Herodes antreten; da erschien ihnen Nachts im Traume der Engel des Herrn und befahl ihnen, nicht mehr zu Herodes zurückzukehren; denn der böse König hatte den finsteren Anschlag ausgebrütet, das Kindlein ermorden zu lassen.

Die Weisen gehorchten der göttlichen Eingebung und kehrten auf anderen Wegen wieder in ihr Land zurück.

Was sollen wir für Gaben
Dir Herr zum Opfer weih’n?
Ist, was wir sind und haben,
Nicht Alles, Alles Dein? –
Ein Herz, Dir ganze geben,
Von allen Sünden rein,
Ein liebevolles Leben
Soll unser Opfer sein.

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Mit viel Kawumm und Trallala nun ist es da, das neue Jahr

Wie wird es werden dieses Jahr beginnt es nun mit Januar?

Blick ich zurück aufs Jahr 2024 seh ich wenig Positives. Jetzt, in der Zeit der guten Vorsätze, die bekanntermaßen ja nur sehr kurz ist, wäre es Zeit für einen kurzen Rückblick.

Kriege, Flüchtlinge und Hungersnot in der Welt

Wie viel Kriege toben derzeit auf unserer Erde?
6 Kriege mit mindestens 10.000 Toten im Jahr
19 Konflikte mit mehr als 1000 Toten pro Kriegsjahr
Die Zahl der Vertriebenen steigt im Jahr 2024 auf 122 Millionen Menschen und damit 5% mehr als im Jahr davor. Diese Zahl entsprich der Bevölkerung von Deutschland ,Österreich, Schweiz und den Niederlanden zusammen.
733 Millionen Menschen hungern aktuell weltweit. Das ist jeder 11. Mensch.

Naturkatastrophen

Wie viel Umweltkatastrophen gab es im Jahr 2024?
28 Umweltkatastrophen, die insgesamt einen volkswirtschaftlichen Schaden von 120 Milliarden verursacht haben. Im langjährigen Mittel steigen die Naturkatastrophenschäden weiter.

Tierwelt

Um wie viel Tier- und Pflanzenarten wird unser Planet ärmer werden, wenn wir so weiter machen?
Im Jahr 2024 befanden sich 17.800 gefährdete Tierarten auf der Roten Liste. 11.400 fallen in die Gruppe der Wirbeltiere.
Der ökologische Fußabdruck Deutschlands ist so hoch, dass bereits nach einem Drittel des Jahres die Ressourcen verbraucht sind. Wenn jeder so lebt, wie bisher, würden wir also drei Erden benötigen. Nur Amerika benötigt mehr (5 Erden) Was das auf Dauer für unseren Planeten bedeutet, ist glaube ich jedem klar.

Gesundheit

Im Jahr 2024 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweine-Fleisch allein in Deutschland 27,5 Kilogramm von anderen Fleischsorten mal abgesehen.
10,6 Liter reiner Alkohol wurde in Deutschland pro Kopf im letzten Jahr konsumiert. Die durch Alkoholkonsum entstandenen volkswirtschaftlichen Kosten betrugen 57 Milliarden.
64 Milliarden Glimmstängel wurden im Jahr 2024 konsumiert, Tabakersatzprodukte außen vor gelassen.

Warum diese Zahlen? Vielleicht reicht es nicht alleine mit Kawumm und Trallala das neue Jahr zu begrüßen. Es ist mehr erforderlich.

Ein Beleuchten der eigenen Lebens- und Denkweise. Der Umgang mit der Natur. Wie sieht mein Garten aus – können dort Tiere überhaupt leben? Was kann ich dazu beitragen die Artenvielfalt zu erhalten? Was trage ich durch meine Lebensweise zur Erderwärmung bei? Was tue ich für meine Gesundheit?

Sicherlich kann ich persönlich an den Kriegen auf der Erde nichts ändern. Doch wie gehe ich mit meinem Nächsten um? Lege ich alles auf die Goldwaage oder erkenne ich, dass auch ich Fehler mache und froh bin, wenn mein Nächster gütig darüber hinweg schaut? Bewerte ich Menschen nach ihrer Herkunft und Rasse, Religion oder ihrem Geschlecht?
Glaube ich jedem Rattenfänger, der einfach Lösungen für schwerwiegende Probleme in der Welt bietet? Glaube ich an ein „Weiter so“ selbst wenn ich Kinder habe?

Der Januar ist kein einfacher Monat. Nach Lichterglanz des Dezembers schleicht sich das Gefühl von Leere ein. Aber wir sind im Januar auch häufiger voller Motivation und Tatgendrang. Ein Ziel im Auge zu behalten, das das Leben ein Stückchen besser macht bietet für jeden Vorteile.
Nehmen wir uns daher in diesem Jahr vor, die Welt ein bisschen besser zu machen durch unser Handeln und unsere Denkweise und der Erkenntnis , dass es viel zu verbessern gibt hier und jetzt.
Und das kann sogar Spass machen!

Die Darstellung Jesu im Tempel

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Am anderen Tage hatten die Kinder nach Beendigung des allgemeinen Morgengebets, welches Bruder Martin in einem kleinen Bethäuslein in Thale abgehalten, sich sogleich wieder in Martins Zelle begeben, um den guten Altvater mit dem Weihnachtsliedlein, welches er ihnen gestern mitgeteilt hatte, zu überraschen.

Gotthard hatte die Verse zu Hause seinen Geschwistern so lange vorgesagt, bis die Kinder sie auswendig wußten, um die Freude noch vollständiger zu machen, hatte ihnen die Mutter eine alte Kirchenmelodie gelernt, die recht gut auf die Worte paßte und den Kindern leicht ins Gehör fiel. Das war denn ein großer Jubel, als sie morgens ihren Freund Martin mit dem Gesange überraschen konnten. Der gute Mann versprach ihnen hierauf als Belohnung ihres Fleißes und Geschicklichkeit auf kommenden Neujahrstag eine weitere Vorstellung auf dem Krippelein, nebst einer lehrreichen Geschichte dazu.

Die Kinder waren äußerst begierig, was wohl wieder kommen werde, und nachdem der bezeichnete Tag herangekommen, stellten sie sich erwartungsvoll bei ihrem Freunde ein. Und siehe da, beim lieblichen Schimmer der Morgensonne, die ihre Strahlen durch das Fenster der Zelle warf, erblickten die Kinder ein neues Bildchen. An der Stelle, wo früher der Stall und die Krippe gestanden, sah man jetzt ein prächtiges Münster mit herrlichen Säulen und Schmuckwerk im Inneren die ehrwürdigen Gestalten Marias und Josefs, wie sie das Christkindlein dem Herrn im Tempel darbrachten; neben ihnen standen andächtig der weise Greis Simeon und die fromme Anna. – Auf den Bergen und Felsweglein erblickte man die Einwohner von Jerusalem und Bethlehem, wie sie in allerlei Geschäften sich herumtrieben: Da war zum Beispiel zu sehen ein Mädchen mit einem Korbe, in dem es Eier und Butter in die Stadt trug; dort ein anderes beschäftigt am Brunnen Wasser zu holen – hier stand eine Bettlerin mit ihrem Kinde, Vorübergehende, um einen Almosen anzusprechen, und auf dem selbigen Gebirge, wo Hirsch und Reh liefen, hatte ein Jäger mit der Armbrust Posto gefaßt, eben im Begriff, den tödlichen Pfeil auf eines der Tiere loszuschnellen. – Die Kinder konnten sich nicht satt sehen, nicht genug sich verwundern über die Mannigfaltigkeit der Schönheit. Zuletzt entdeckte Klärchen noch gar die heiligen Drei Könige im Hintergrunde, wie sie von fernen Meeresstrand herankamen, und mit vielen Dienern und Lasttieren über das Gebirge daherzogen um das Christkindlein aufzusuchen.

Nach genügsamer Betrachtung all dieser Einzelheiten lenkte Bruder Martin die Aufmerksamkeit der Beschauer wiederum auf die Hauptvorstellung: die Darstellung im Tempel, und schickte sich an, ihnen die Geschichte ausführlich zu erzählen.

Sehet, liebe Kinder, sprach er, nach dem Gesetze Moses mußten alle Eltern ihre erstgeborenen Knäblein Gott im Tempel darbringen, auf dass sie geheiligt würden. Dabei war es gebräuchlich, dass die Reichen ein Lamm, die Ärmeren ein paar junge Tauben opferten. Diesem Gebote folgten auch Josef und Maria. Sie trugen das kleine Jesuskind nach Jerusalem auf den Tempel und brachten das übliche Opfer. Zu jener Zeit aber lebte ein Mann in dieser Stadt mit Namen Simeon. Derselbe war fromm und gottesfürchtig und wartete voll des heiligen Geistes mit Sehnsucht auf die Ankunft des göttlichen Erlösers. Es war ihm geoffenbart, dass er den Tod nicht sehen solle, bevor er Christum den Herrn mit Augen gesehen hätte.

Während Maria und Josef mit dem Kinde im Tempel verweilten, kam Simeon aus göttlichem Antriebe auch in den Tempel. Als der fromme Greis das Kind Jesu erblickte, nahm er es sogleich voll Freude auf die Arme, blickte gen Himmel und rief: Nun lasse mich Herr in Frieden scheiden, denn meine Augen haben den Heiland gesehen; – das Licht der Völker und die Zierde Israels.

Josef und Maria verwunderten sich, dass ein fremder Mann das göttliche Kind erkenne und solche Worte rede. Simeon aber segnete sie und sprach zu Maria: Dieses Kindlein wird Vielen in Israel zum Falle, und Vielen zur Auferstehung gereichen. Es wird ein Zeichen sein zum Widerspruche und Schwert wird durch deine Seele dringen.

Kaum hatte der Greis Simeon seine Weissagung ausgesprochen, so kam Anna herbei, eine 84-jährige Witwe – auch sie pries den Herrn und verkündete wie Simeon laut die Ankunft des Erlösers.

Alles dieses, Schloss Bruder Martin, trug sich mit dem neugeborenen Kindlein zu, dreißig Tage nach seiner Geburt, und Alles, was jene erleuchteten Menschen prophetisch von ihm vorausgesagt hatten, sollte buchstäblich in Erfüllung gehen.

Lass dich, Jesus, von mir preisen,
Der zu unserem Heil erschien;
Dank und Ehrfurcht zu erweisen,
Bet‘ ich an dich auf den Knie’n!
Heiland, dich als Kind ich grüß‘!
Jesus! Name hold und süß.

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Sonnenschnelle

Liebe Bürgerpostleser, 

um die Jahreswende etwas Astronomisches. Wer erinnert sich noch an die Collage mit den Bildern vom 20. und 30. Dezember 2004? Das ist immerhin 20 Jahre her. Wissen Sie auch noch, was zum Ausdruck gebracht werden sollte? Ich muss dazu sagen, dass die Voraussetzung war, dass beide Aufnahmen vom gleichen Platz und mit demselben Teleobjektiv erstellt wurden. Wenn Sie die Pfeile in Ruhe anschauen, erkennen Sie bestimmt, dass die Sonne in 10 Tagen nur einen Sonnendurchmesser nach Norden gewandert ist. Den Tag 21. Dezember als Winteranfang, 2024 war das um 10.21 Uhr, vernachlässigen wir, vermutlich war damals die Sonne wegen schlechtem Wetter nicht zu fotografieren. 

Jetzt schaut Euch auf unten die Situation kurz vor Frühlingsanfang an. Es sind die Sonnenuntergänge drei Tage hintereinander von unserem Westbalkon am gleichen Punkt – übrigens über dem Feldbergmassiv – festgehalten. Und was ist zu sehen? Einen Sonnendurchmesser je Tag ist die Veränderung, die gleiche Strecke wie nach Winteranfang in zehn Tagen. Ist das nicht seltsam? Wie kommt es dazu? Es hat einen ganz normalen physikalischen Hintergrund: Der Verlauf der schräg geneigten Erde um die Sonne entspricht einer Sinuskurve. Eine Sinuskurve hat einen Hoch- und einen Tiefpunkt und zwei Wendepunkte. Ein Grundgesetz der Sinuskurve ist, dass die Veränderungsraten über die Zeit um den Hoch- und Tiefpunkt sehr gering sind aber an den Wendepunkten recht groß. Der Hochpunkt ist der Sommeranfang und der Tiefpunkt der Winteranfang, das heißt langsame Veränderung der Tageslänge. Die Wendepunkte sind der Frühlings- und der Herbstanfang, da ist die Tageslängenänderung sehr schnell. 

Oben ist die Sonne bei Sonnenferne als schwarze Scheibe auf die Sonne bei Sonnennähe aufgelegt worden. Man sieht, dass die Sonne bei Sonnennähe die schwarze Scheibe bei Sonnenferne etwas überragt. Der Grund ist, dass die Umlaufbahn der Erde um die Sonne keine Kreis-, sondern eine Elipsenbahn beschreibt. Wie beim Mond um die Erde auch. Und bei Elipsenbahnen gibt es einen Fernpunkt und einen Nahpunkt. Bei der Erdbahn um die Sonnen ist es der 4. Januar und der 6. Juli. Bei Sonnennähe ist die Sonne etwa 147.000.000 Kilometer von uns weg und bei Sonnenferne etwa 152.000.000 Kilometer also etwa 5.000.000 Kilometer Differenz. Nun eine Preisfrage, wann ist Sonnenferne? Wenn Sie sagen am 4. Januar, weil es da Winter ist, dann liegen Sie nicht richtig. Es ist am 6. Juli. Da die Verbindungslinie der Erde zur Sonne in der gleichen Zeit gleiche Flächen durchläuft – Johannes Kepler hat das festgestellt -, läuft die Erde um den 4. Januar schneller um die Sonne und um den 6. Juli langsamer. Das heißt, wir auf der Nordhalbkugel kommen etwas schneller durch den Winter als die Bewohner der Südhalbkugel. 

Herzliche Grüße
Franz Maus  

Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr’s im Hieronymus z’erscht

Originalartikel vom 20. Juni 2021

Teil 2 und Vorspann – Teil1 gibs hier

Im vergangene Herbscht han i zmol en Aaruef und e mail vum Linguistsiche Institut vu de Uni Sidney, z Auschtralie dä dunne griegt. En Carl Bodnaruk sait, er heb Vorfahre z Konschtanz und z Friborg, wär au scho dä gsi und dät passabel Diitsch schwätze und au eweng Alemannisch. Des mit em passabel han i glii i sauguet ummodle miesse. Er wet also e Studiearbet, e Bachelorarbet, über die Alemannisch Mundart schriebe, ob ich ihm do eweng helfe kinnt. De ganz Herbscht und Winter hät sich en aagregte mail- ping-pong ergähe. Denno han i lang nint me ghert. Uffs mol kunnt Aafang Juni en lange Studierodel über fascht 60 Siite mit Graphike, Karte und wisseschaftliche Erläuterungen.

(Wunderfitzigi könnet die Arbet i Englisch hier haan).
Selli uffschlussriich und au erstuunlich sind die umfangriiche ziemli uubekannte Quelleaagabe, wo er aagieht.
De Carl Bodnaruk sait, dass s Alemannisch grad i de grössere Städt dorch Überlagerung vu de schriftsprochliche Zuwanderer, em Mangel a technischem, wirtschaftlichem, buchsproochlichem Wortschatz und de Überalterung vu de Mundartsproochler schwer am himbelle sei. Uff de Dörfer und de kleiner Gmonde seis no eweng besser durch stärker glebts Brauchtum und Gselligkeit. Des alls hät er mit Frogeboge a 100 Mundartler uusgwertet und i Tabelle und Fieberkurve uusgschafft. En kleine Mangel dürft es haa, weil er glaub hauptsächlich Alemanne und Liit über 60 Johr befrogt hät. Uffschlussriicher wärs no, wenn er au Buechsprochler i de verschiedene Altersgruppe und au die Jüngere i allene Lebensalter gforgt het. Au wär en Bezug zu de Berufliche und de Gsellschaftliche Beziehunge wichtig, also die Demographie vu de Befrogte.
Es stimmt zwar scho alles, aber ich sag, es liiht haupsächlich a iiserem mangelnde und vernochlässigte Selbsbewustsii. Scho wo die Flüchtlingswelle us Pommern, Ostpreussen, Schlesie und em Sudeteland uff ganz Westdiitschland notwendigerwies aagschwappt isch, hond d Alemanne eweng s Knick iizogge und hond sich eher dene Neubürger schriftsproochlich aapasst. Dezue kumme isch, dass s Handwerk, de Handel und d Landwirtschaft sich radikal veränderet, mechanisiert, technisiert und nationalisiert hät. Me hät nimme nu uff de Boor oder z. Bade iikauft, bstellt und gschäftet, sondern mit ganz Diitschland, bald au mit ganz Europa und hitzutags au uff de ganze Welt. Natierli bruucht mer für Werkziig, Zubehöhr, Maschine, Computer und i de Wisseschaft ganz andere Wörter und Begriff wie i de alte Mundart. Und so sterbet alte, altbachene, klassische Mundarwörter ganz „natürlich“ uus. Des war aber scho immer so mit iisere eigentlich kelto- romanische Sprooch. Sie war und isch ständig im Wandel. Wandel hoesst aber au Umbau, Verändere, aber au Uffbau uff de alte Wert und Begriff. Weil des so ransant im digitale, globale Ziitalter goht, glaube mir, dass d Mundart uusstirbt. Sie veränderet sich schnell und so stark wie no nie. Wenn mir Alemanne, und dodezue ghöret aber au die Zuegroosste, die diitsche- und internationale Seconos- und Tricondos, uff dere lokal lebendige Mundart uffbauet, bliibt die modernisiert Mundart erhalte und für uuswärtige erkennbar und für iis selber e Markezoeche, e Eigeart uff die mer stolz sii khaa. Und sie bliibt denno au e Markezeiche für e Region, e Landschaft, e kennzeichnende Gschäftswelt. Gern erinnere ich mich a den Lehrbue us de Appruzze, der die bescht Villinger Mundart gschwätzt hät, oder den anatolische Gastronom us Briilinge, der broeter Baaremrisch schwätz, wie die meischte Briilinger. Oder de Christian Streich, der es ferig bringt, i Alemannisch sogar wieder am Fernseh, im Rundfunk und de Presse wieder „Hof z halte“. Es liit also a iis. Wenn mir oegsinnig und selbsbewusst unsere Zweisproochigkeit lebet, uns nit zu Uugebildete wege dere „putzigen“ Sprooch degradieret lond, denno verhebts no lang. D Schwiezer hond des gschafft, weils sies uuverboge lebet und nint aabrenne liond. „So wie mer s halt triebt, so hät mers“, en uralte Mundartspruch.

De Kummer: D ́ Lesbarkeit

Oe Schwierigkeit hommer allerdings, die hond aber au alle Mundarte: D Lesbarkeit. Mir waret, mit ganz wenige Uusnahme bei de Mundartdichter, no nie uff lese vu Mundart „konditioniert“, also iigstellt, iiguebt. Des Mundarschriftbild isch nit i iiserm Bildspeicher. Usserdem schriebt jeder Mundartschrieber anderscht, im Satzbau, im Sproochbild und i de Uussprooch. Wichtig isch, dass mer Mundart möglichscht vum Klangbild her schriebt, vum gsprochen, vum ghörte Wort. Also rein vum Klangbild i de Ohre und im Wort- „Laut“. I schwierig uusprechbare Sprooche wie französisch und Englisch gihts e klar iigführte phonetsiche Schrift. Des wär e Möglichkeit, aber weder nötig no bruuchbar. Weil für jede Mundartgegend , wie Hegau, Breisgau, Baar, Elsass e oeges Darstellungssystem nötig wär. Drum isch die Idee nit bsunders guet. Es bliibt nint anders übrig wie Klanggerecht z` Schriebe. Im Hieronymus, oder i de Eschinger Mundartrunde vu de Bürgerstiftung, setzt mer uff Vorläse. So khaa jeder beim Lese des gsproche Gschichtle au mitlese und kunnt so besser i die Mundartleserei inni. Villi bestätiget, dass mer denno dorchuus inni kunnt. Leider sterbet au die Stammtisch, die Fasnetfestle und die Vereinsuusflieg, dä wo meischtens Mundart gschwätzt word, immer meh uus. Des waret die beschte Bewahrer vu de lokale Mundart. Usserdem erhöht de Sproochklang die sowieso netter Poesie vu de Mundarte gegenüber em Buechsprochliche. Der folgend Spruch sait dodezue alles:

I de Mundart sehnet d` Ohre besser

Martin Graff

Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr`s im Hieronymus z` erscht

Jede Dunschtig Obet isch uff Bayern 1 de Kultspruch vum Ringelstetter z Höre. Nu dass er statt Alemannisch „Bayern“ sait und statt Hieronymus „Bayern1“. Die Überschrift stimmt trotzdem uff de Pfennig. Zwar hät de Carl Bodnaruk vu de Uni Sidney, des isch z Down Under, in ere Studie ussi gfunde, dass es mit dere Alemannische Mundart nit so toll uusähne dät. De Karle us dem Land, dä wo mer de Uriiwohner Aboriginies sait, so wie iiserne Uriiwohner Alemanne, däts i de grössere Städt wege de villne Schriftsproch- Iiwanderer selli mau uusähne. Uff em Land vermacht er dere Sproch no e weng meh. Und die Ü 60- er i de Dörfer hetets no eweng meh druff wie die Junge. Dieselle dätet scho lang und uuaufhaltsam die rasant aawaasend die neu digital- Mundart mit sellene Bit- Bytes, Giga- Terra, USB- BBC, WLAN, PIN und TAN, Äpps, Potkascht, Hoembanking, sörfe, clauds und päds schwätze. Wörter wie Karscht, Zabbis, Heuliecher, Betziet, Bexler und Gilleschapfe könne mer allmählich ruhig im Archiv vu de Muetersproochgsellschaft verschobbe. Die bruuchemer halt oefach nimme. Wege Motorhacke, Vollernter, Fahrsilo, Meditation bim Waldbadde, Hydraulischem Spalter, und Kläralage.

Gilleschapfe

De Kängeru Karle, seller alemannischfreundlich Aussi, hät aber vergesse, dass solang de Streiche Chrischtian iis uff Alemannisch no erklärt, wie des mit de Wochetag eigentlich goht und de Keller Franz no uff Alemannisch sakramentiert, de Joogi uff Wiesetälerisch die Taktik gege die Wikinger Schoofbuere vu de Faroer verklickeret, im Joostal no Mundart- Freilichtspiel aabote wered, de Burger Steff sie baarschwarzwälder Mundart bim Predige im Münschter nit verhebbe khaa, solang stirbt s Alemannisch no lang nit uus. Wenn die Schwarzwälder Skiadler Legende de Nation erkläret, dass es „die wo„ hoesst und nit „diejenigen, welche„, merket ihrs: 5 Buechstabe gege 16 Buechstabe, s Komma gar nit mirgrechnet, denno verhebbt s no lang. Au wenn de Streiche Chrischtian dereinst am Hockestäcke des Lehrangebot, den Lehrufftrag vu de Buechebacher Bolzer aanimmt, und dene anatolische, lybische, akkademische Secondo- Stroosekicker und dene Ibe- und Attedäeler Buurebuebe de Deckungsschatte uff Dreisam- Alemannisch verklickeret, denno gohts sowieso nuu no, wie bei me geniale Steilpass, ghörig uffwärts. Allerdings sottet die iibilte alemannische Borgermäeschter nit am Grensilli Roulet Tisch hucke, Millione Chips vor sich uffbieget, sondern halt wieder am Stammtisch nuu um Pfennig spiele beim alemannische Benokel oder Zego dresche. Schriftsprooch, Buechsproch, manche saget au „Hochdeutsch“ zu dere gstelzte Mundart, heb sich nuu zuefällig ergähe, weil de Thüringer Luther halt sie Sproochart vu dä als Bibelsprooch drucke lau hät. Sunscht miesstet nämlich die zuegreiste Bildungsbürger i de Städt wie Friborg, Konschtanz und Lörrach die domols vorherrschend fränkisch- alemannisch, poesievoll Mundart schwätze.

Mir Ducklimuuser, mir Hennefiddle sottet halt mit Stolz iisere Mundart– Fahne selbsbewusst schwenke. So wies d Schwiezer im Fernseh, im Radio, im Parlament, i de Konzern, i de Wisseschaft, i de Kunscht und i de Banke hemmungslos machet, denno hät de Alemanne- Karle us Sydney/ Down Under amend doch nit ganz reacht.

Meine Hoffnung ist eine veränderte Kultur

Vielen Dank an Peter Unfried für die freundliche Genehmigung seinen Artikel aus
der Wochentaz vom 21. Dezember 2024 hier veröffentlichen zu dürfen.


Ich saß in Santa Cruz, Kalifornien, auf einer Bierbank inmitten einer gemeinnützigen Biofarm, und der große amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen sagte mir lächelnd, dass das 2-Grad-Ziel verloren sei. So begann im Sommer 2023 die Stunde, in der ich Hoffnung bekam.

Der Mensch wird das Problem der steigenden Erderwärmung nicht lösen können – das ist Franzens Erkenntnis, nachdem er sich intensiv mit der Lage beschäftigt hat. Und dies nicht nur aus ökonomischen Gründen oder als Folge des „Kapitalismus“, sondern auch aus kognitiven Gründen:
Die Komplexität und Globalität des Problems mit all seinen Auswirkungen auf andere Bereiche und die Überwindung der Gegenwartsfixierung überfordern uns.

Das sehe ich nicht so absolut, aber gebe zu, dass es derzeit nur eine geringe Perspektive für Global Governance, also eine gemeinsame, multilaterale Klimapolitik gibt. Die Interessen sind zu verschieden und das Fressen kommt verständlicherweise vor der Moral.

Wo ist denn nun die Hoffnung, wird man berechtigterweise fragen? Sie gründet sich in einem neuen Ansatz. Ich habe verstanden, dass Franzen ein abstraktes Ziel aufgegeben hat. Aber eben nicht, um zu sagen, jetzt ist eh alles scheißegal, jetzt mache ich erst mal eine Kreuzfahrt. Sondern um handlungsfähig zu werden. Er sagt, wir sollten nicht rumheulen, sondern uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können. Für ihn ist das eine Nahbereichs-Community, die aktiv wird, um „die Vision eines besseren Ortes zu leben“. Das kann eine Stadt sein, ein Stadtteil, eine Straße, eine Hausgemeinschaft, ein Unternehmen, eine Schule, eine Kita, ein Medienhaus – jedenfalls ein Ort, an dem man engagiert und respektvoll streitend daran arbeitet, dass morgen etwas besser ist als heute. So denke ich inzwischen auch.

Jetzt wird sicher gleich jemand rufen, das sei doch „alles viel zu wenig“. Richtig: Um die Erderwärmung und ihre Folgen sowie das Artensterben zu begrenzen und später zu reduzieren, um den Übergang zu einer postfossilen Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen, braucht es Politik. Es braucht Mehrheiten. Aber eben auch eine weiterentwickelte Kultur.

Die fossile Kultur ist aus physikalischen Gründen am Ende, aber die linke Ökokultur mit ihren großen Gesten, ihrer Apokalyptik, ihrer religiös grundierten Sünden- und Schuldrhetorik und dem logischen Unfug, dass „weniger mehr sei“ und „wir keine Zeit“ mehr hätten, eben auch. Sie hat sich als untauglich erwiesen. Wer sich radikal menschenignorant auf der Straße festklebt und rumplärrt wie ein Kleinkind, wird doch nicht ernsthaft erwarten, dass andere seine Probleme lösen. Die ganze Demo- und Anschreifolklore ist komplett untauglich für die Notwendigkeit des Konstruktiven.

Das Dagegensein- und Weltuntergangs-Business haben andere übernommen, illiberale, fossile Antidemokraten. Wer dagegen etwas erreichen will, ist dem Konstruktiven verpflichtet, dem Can-do-Spirit. Er muss seine Hoffnung mit dieser neuen Methode begründen: Handeln statt hadern.

Das beginnt mit dem Balkonkraftwerk und einem Gemeinschaftsgarten, wo früher Parkplätze waren. Und dann kommt eins zum anderen. Hoffentlich.

Peter Unfried

Über die Haushaltsitzung für 2025 am 19. Dezember 2024

Die Sitzung hat pünktlich um 17:30 angefangen und es sind erstaunlich wenig Zuschauer dabei gewesen. Womöglich wollen alle auf dem Hieronymus nachlesen.

Die Rede von unserem Bürgermeister Patrick Haas

17:49 Uhr startete der CDU Fraktionssprecher, Markus Leichenauer, mit seiner Rede.

Hier die Rede der CDU Hüfingen:

17:58 dann die SPD Fraktionssprecherin, Kerstin Skodell, mit ihrer Rede zum Haushalt und um 18:06 Reinhard Isak mit der Rede zu den Stadtwerken.

Hier die Rede der SPD Fraktionssprecherin

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Haas, sehr geehrte Herren Amtsleiter, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats!

„Gemeinsam sind wir stark“

„Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.“ – Dieses Zitat von Mahatma Gandhi erinnert uns eindringlich daran, dass die politischen Entscheidungen, die wir heute treffen, die Lebensqualität und das Miteinander in unserer Stadt Hüfingen von morgen entscheidend beeinflussen. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Der vergangene Sommer hat mit der Kommunal- und Bürgermeisterwahl 2024 für Hüfingen einen echten Neustart signalisiert. Wir haben nun die Chance, gemeinsam die Entwicklung unserer Stadt so zu gestalten, dass sich weitestgehend alle alle Bürgerinnen und Bürger mitgenommen fühlen und hier gerne leben. Doch damit verbunden ist viel Arbeit – Arbeit für unseren neuen Bürgermeister, für die Verwaltung und für uns alle im Gemeinderat. Ein Zusammenfinden auf Augenhöhe, klare Zielsetzungen, Transparenz und das Schaffen von gegenseitigem Vertrauen: Das sind für uns die zentralen Voraussetzungen, um kommunale Politik nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten.

Als SPD-Fraktion sehen wir uns auf einem guten Weg, um Hüfingen in diesen schwierigen innenpolitischen wie weltpolitischen Zeiten bestmöglich aufzustellen. Natürlich können wir auf globale Entwicklungen nur begrenzt einwirken. Aber wir können und müssen auf lokaler Ebene verantwortungsvolle und zukunftsweisende Entwicklungs- und Finanzpolitik betreiben.

Zum Ergebnishaushalt:
Wir können ein Gesamtergebnis mit einem Gewinn von nahezu 70.000 Euro verzeichnen. Unsere Rücklagen belaufen sich auf erfreuliche 13,4 Millionen Euro. Die Gewerbesteuereinnahmen bleiben bis jetzt noch stabil, der Anteil der Einkommenssteuer steigt leicht an. Als finanzschwache Gemeinde im Sinne des Finanzausgleichsgesetzes profitieren wir zudem von entsprechenden Schlüsselzuweisungen, was zu Gesamteinnahmen von rund 11,4 Millionen Euro führt – ein erneuter Anstieg gegenüber 2024.

Die Zinserträge in Höhe von rund 313.000 Euro bleiben zwar ernüchternd, aber auf diesem Niveau wohl stabil. Trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen bestätigt die Stadt Hüfingen ihre gute finanzielle Grundausstattung. Die Personalkosten steigen überwiegend aufgrund tariflicher Anpassungen. Hier ist hervorzuheben, dass wir wieder junge Menschen für eine Ausbildung in der Stadtverwaltung gewinnen konnten. Unsere langjährigen, erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein hohes Gut; sie tragen wesentlich dazu bei, Wissen weiterzugeben und junge Fachkräfte zu integrieren.

Bildung und Kinderbetreuung sind für uns als SPD-Fraktion seit Jahren ein zentrales Anliegen. Die aktuelle Bedarfsplanung zeigt, dass in der Kernstadt Handlungsbedarf bei der Kinderbetreuung besteht. Unsere Schulen sind grundsätzlich gut aufgestellt, aber wir dürfen nicht nachlassen, an Qualitätsverbesserungen zu arbeiten und die Bildungsinfrastruktur an die Anforderungen der Zukunft anzupassen.

Der Gemeinderat hat sich bei der letzten Klausurtagung unter anderem ein Ziel deutlich gemacht: Eine bürgernahe Stadtentwicklung. Was bedeutet das konkret? Es geht um ein neues Bürgerhaus, in dem soziale Angebote durch eine Stabstelle koordiniert werden. Ehrenamtliches Engagement soll hier eingebunden und gefördert werden. Bürgerinnen und Bürger möchten wir in diesen Prozess einbinden, um gemeinsam ein Leuchtturmprojekt zu entwickeln, das unser Miteinander stärkt. Wir stehen am Anfang dieser Entwicklung, und dieser Anfang wird auch mit finanziellen Aufwendungen verbunden sein, die wir alle gemeinsam tragen müssen.

Die SPD-Fraktion wird diesen Weg unterstützend begleiten, denn wir setzen uns bereits seit Jahren für folgende Punkte ein:

  1. Ein Mehrgenerationenhaus zu schaffen: Ein Ort des Austauschs, der Begegnung und der gegenseitigen Unterstützung.
  2. Die offene Jugendarbeit weiter auszubauen: Unsere Jugend ist die Zukunft unserer Stadt. Gerade in unsicheren Zeiten dürfen wir sie nicht allein lassen. Unsere Vereine leisten hier wertvolle Arbeit. Doch wir wissen, dass es auch Jugendliche gibt, die anderweitige Unterstützung benötigen. Hier muss die Stadt handeln.
  3. Wohnraum für junge Familien fördern: Wir sollten städtische Anreize schaffen, um jungen Familien den Verbleib in Hüfingen zu ermöglichen. Dies ist von zentraler Bedeutung, um die Attraktivität unserer Stadt zu erhalten und zu steigern.

Neben diesen zentralen Themen halten wir das Investitionsvolumen von knapp 7,9 Millionen Euro für sinnvoll. Damit können wir wichtige Projekte und Sanierungsmaßnahmen voranbringen. An erster Stelle steht der Anbau des Feuerwehrgebäudes mit rund 1,5 Millionen Euro. Auch der gezielte Erwerb von Grundstücken ist für eine vorausschauende kommunale Entwicklung entscheidend.

Die geplante Einlage ins Eigenkapital der Stadtwerke für das Familienbad Aquari halten wir hingegen für überflüssig und nicht zielführend. Wir weisen in den Stadtwerken eine Eigenkapitalquote aus, nach der sich viele Firmen die Finger lecken würden. Es fragt sich deshalb wieso die zum derzeitigen Zeitpunkt um über 1 Mio. aus dem Haushalt erhöht werden soll. Es macht doch finanzwirtschaftlich Sinn, weiter benötigtes Investitionskapital den Stadtwerken aus dem Hoheitshaushalts als Darlehen zur Verfügung zu stellen und damit selbst Zinsen zu erwirtschaften, anstatt eine Einlage ins Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Hier wünschen wir uns eine kritische Prüfung der Notwendigkeit und der langfristigen Effekte auf die städtischen Finanzen.

Insgesamt können wir von einem soliden Haushalt ausgehen, der weiterhin Spielräume für zukunftsweisende Investitionen bietet – und das ohne die Aufnahme neuer Kredite. Hüfingen ist seit 2013 schuldenfrei, und wir freuen uns, dass dies auch so bleibt. Das gibt uns die Freiheit, gestaltend tätig zu werden und optimistisch in die Zukunft von Hüfingen zu blicken.

Wir wissen, sehr geehrter Herr Bürgermeister Haas, dass Sie mit Ihrem Tatendrang, Ihrer Kompetenz und im engen Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung einen wesentlichen Beitrag leisten werden, um diese Entwicklung moderat, aber entschlossen voranzubringen. Das ist eine Mammutaufgabe, für die wir Ihnen schon jetzt danken – ebenso wie für die vergangenen Monate des Aufbruchs und der bereits spürbaren Veränderungen.

Unser Dank gilt der gesamten Mitarbeiterschaft mit den verantwortlichen im Hauptamt, Rechnungsamt und Bauamt. Meine Herren Amtsleiter, bitte geben Sie unseren Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt weiter – denn nur gemeinsam sind wir stark. 

Wir freuen uns auf 2025 mit ihnen liebe Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat. Die letzten Monate haben gezeigt, dass es auch miteinander geht. Das bereitet Freude und macht neugierig auf das, was kommen wird. Bleiben sie gesund und voller Tatendrang, damit wir weiterhin in lebendiger und fairer Gemeinderatsarbeit unsere Stadt für die Bürgerinnen und Bürger gestalten können.

Kerstin Skodell, Fraktionsvorsitzende



18:12 startete der Fraktionssprecher vom Freien Forum und um 18:22 die LBU mit Peter Albert.

Hier die Rede der LBU Hüfingen

Haushaltsrede zur Verabschiedung des Haushalts 2025

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats,
werte Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher,
liebe Bürgerinnen und Bürger

Haushaltsberatungen haben mit ihren Entscheidungen nicht nur Einfluss auf ein umfangreiches Zahlenwerk, sondern spiegeln in ihren Ergebnissen vor allem den politischen Willen der Mitglieder des Gemeinderates und der Verwaltung. Wir von der LBU wollen die nun folgenden Vorhaben als für unsere Bürger:innen so wichtig und weiterführend ansehen, dass sie jetzt und in den künftigen Beratungen der folgenden Jahre Berücksichtigung im Zahlenwerk der Haushaltspläne finden müssen, soweit sie nicht schon jetzt dort verankert sind.

Wir setzen folgende Schwerpunkte:

Das Trinkwasser ist unser höchstes Gut. Seine Verfügbarkeit und Qualität ist von überragendem Wert. Ich hatte in der Vergangenheit im Gremium diesbezüglich mehrfach auf das Sondergebiet Palmhof in Bräunlingen im Zusammenhang mit der Nitratbelastung hingewiesen. Der Brandfall auf dem Palmhof hat eindrücklich gezeigt, wie fragil unsere Versorgung ist.

Die erhöhten Nitratwerte und die daraus resultierende neuerliche Einstufung als Problemgebiet ist kein gutes Zeichen. Wir müssen hier gemeinsam nach nachhaltigen Lösungen suchen.

Nach wie vor gibt es im Städtedreieck keine ausreichende Vernetzung des Rohrleitungssystems. Gerade in einem Havariefall stünden wir vor großen Problemen!

Die Verwaltung unter Bürgermeister Kollmeier wurde vom Gemeinderat deshalb angehalten, mit Donaueschingen im Zusammenhang mit einer dortigen neuen Bohrung in Kontakt zu treten, um die Lücke auch nach Donaueschingen endlich zu schließen. Von Bräunlingen aus können wir in Sachen Wasserlieferungen jedenfalls keine große Hilfe erwarten.

Verkehr ist kein Zufall, er muss politisch gesteuert und reguliert werden, wenn er die Bürger:innen durch Abgase oder Lärm, zu sehr belastet, sodass ein angenehmer Einkaufsbummel oder das Flanieren im Zentrum nicht mehr möglich ist. Wie überall ist auch hier der Klimawandel eine besondere Herausforderung. Es führt kein Weg daran vorbei, auch einst bewährte Konzepte zu überdenken und Routinen zu verändern.

Damit dieser Wandel nicht von den Bürger:innen als Freiheitsverlust empfunden wird, müssen Alternativen geschaffen werden. Das beginnt beim Fahrradweg an den Straßen, bei den E-Ladestationen in der Stadt oder besseren Bahnanbindungen im ländlichen Raum und endet möglicherweise bei der Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone, die die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und damit den Kaufanreiz erhöht. Wenn alle bei Amazon oder an der Peripherie einkaufen, verliert das Zentrum immer mehr an Qualität. Falls deshalb die Urbanität verloren geht, schwindet auch der touristische Reiz. Hier sollten aus unserer Sicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Das Beispiel Schaffhauser Straße hat uns verdeutlicht, dass die Kfz-Fahrbahn viel zu breit und der gemeinsame Fuß- und Radweg zu schmal und nicht gesetzeskonform sind. Der Fuß- und Radweg entsprach bereits bei der Fertigstellung nicht der Norm und endet abrupt an der Ochsengasse. Um die Verkehrssicherheit in diesem Bereich zu erhöhen, benötigen wird dort eine sichere Radwegeinfädelung vom Fahrradweg auf die Fahrbahn der Hauptstraße. Das ist eine dringende Maßnahme, die keinen Aufschub duldet.

Damit die Fuß- und Radwege nicht nur in der Schaffhauser Straße fast täglich von Pkw`s zugeparkt werden, ist eine Kontrolle unbedingt erforderlich.

Der Ausbau des Radwegenetzes im Rahmen des schon lange angedachten Verkehrskonzeptes Hüfingen – im Einklang mit dem Städtedreieck – muss endlich angegangen werden. Als Beispiel möchte ich hier die völlig unzureichende und gefährliche Verkehrssituation des Schulwegs bei der Feldwegbrücke an der Hohenstraße anführen. Wir sollten dort einen zweiten Brückenschlag für den Rad- und Fußverkehr, so wie über die Breg bei der Leonhards Kapelle ins Auge fassen. Mehrere Fördertöpfe stehen für Maßnahmen wie die Erarbeitung eines Konzeptes oder den Bau von Radwegen und Brücken zur Verfügung. Herr Bürgermeister Haas, wie schon mehrfach erwähnt, steht Herr Wahl vom Büro Trans- Rapp hier gerne zur Verfügung.

Ein wichtiger positiver Schritt war die Umsetzung der 4. Stufe des Lärmaktionsplanes und die Einführung von Tempo 30. Jetzt heißt es, die im Gremium beschlossenen flankierenden Maßnahmen 2025 auch zügig umzusetzen, da sich viele motorisierte Verkehrsteilnehmer nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit halten.

Gesundheitsversorgung und Wohnen im Alter

In Donaueschingen gibt es einen Hausarzt, der über 4000 Patienten betreut, darunter viele auch aus Hüfingen. Wenn dieser Arzt ausfällt, was voraussichtlich bald geschehen könnte, wird die Gesundheitsversorgung von heute auf morgen äußerst schwierig werden. Kein Hausarzt mehr vor Ort: Das ist in einigen Gegenden Deutschlands schon Realität.

Wer krank wird, will möglichst schnell und in der Nähe ärztliche Hilfe – ohne lange Wege oder endlose Wartezeiten. Ein Hausarzt im selben Wohnviertel oder eine Kinderärztin in der Nähe von Schule oder Kita wünschen sich viele. Die Realität sieht aber oft ganz anders aus: Gerade in ländlichen Regionen oder in strukturschwachen Gebieten fehlen viele Haus- und Kinderärzte. Wer einen Facharzttermin braucht, wartet schon mal wochenlang. Wir sollten daher gemeinsam ein Ärztehaus aufbauen und Wohnraum für junge Ärzt:innen bereit stellen. Eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden wäre zwar wünschenswert, ist aber keine Bedingung.

Die LBU könnte sich auch eine Angliederung eines Generationenhauses in unmittelbarer Nähe zu solch einer zukunftsweisenden Einrichtung durchaus vorstellen. Die Friedensstraße wäre für einen solchen Standort geradezu prädestiniert.

Förderung der Jugendarbeit

Viele Familien und Alleinerziehende würden sich über eine umfangreichere städtisch geförderte Ferienbetreuung sehr freuen. Wir sollten hier alles in unserer Macht stehende versuchen, um die momentane zeitliche Lücke zu schließen. Die fünf Ferienwochen sind aus unserer Sicht nicht ausreichend, da die Eltern in der Regel berufstätig sind. Im Rahmen der Jugendarbeit wäre die Schaffung eines Jugendgemeinderats

sehr wünschenswert. Bei der Gastronomie für Jugendliche hat sich glücklicherweise im Löwen eine erste Möglichkeit ergeben.

Mindestens ein sogenanntes Leuchtturmprojekt in der Hauptstraße (Innenstadt)

Die vielen Leerstände in der Haupt- und Donaueschinger Straße sind besorgniserregend und erfordern seitens der Stadt eine ähnliche Kraftanstrengung wie seinerzeit die Sanierung der Hinterstadt unter Bürgermeister Gilly. Daher möchten wir zu einem gemeinsamen Leuchtturmprojekt anstoßen. Dies könnte zum Beispiel eine Bücherei für Erwachsene mit einem angeschlossenen Inklusions – Bistro sein. Das ist aber nur „eine“ Anregung. Es freut uns, dass die Verwaltung unseren Hinweis in Sachen der Raumnot des Stadtmuseums aufgegriffen hat.

Um Abhilfe in Sachen Platzmangel im Rathaus zu schaffen, sollte die ehemalige Gutmann`sche Scheune im Süßen Winkel und das Nachbargebäude ausgebaut werden, die sich bereits im Eigentum der Stadt befinden.

Ab einer Einwohnerzahl von 8000 besteht für eine Kommune die Möglichkeit die untere Baurechtsbehörde einzurichten. So könnten zukünftig die Bauanträge im eigenen Rathaus selbst bearbeitet werden.

In Hüfingen fehlt es an Übernachtungsmöglichkeiten, nicht nur für den Tourismus. Das Hotel Frank an der Donaueschinger Straße hat vor Jahren geschlossen. Ein früheres Hotelneubauprojekt an der Donaueschinger Straße auf dem heutigen Aldi Areal scheiterte vor geraumer Zeit. Wir sollten versuchen, das Hotel Frank unter neuer Regie wieder zum Leben zu erwecken. Der Standort beim Bahnhof wäre dafür ideal.

Sorge für die betagten Bürger:innen

In der Kernstadt hat Hüfingen ein architektonisches Schmuckstück. Es ist das katholische Pfarrhaus – übrigens ein Haus von Franz Joseph Salzmann, dem Fürstenbergischen Baumeister des Archivs und der Hofbibliothek.

Dies wäre ein idealer Ort für altersgerechte Wohneinheiten in der Innenstadt in Kooperation mit der katholischen Kirche und möglicherweise mit der Stiftung.

Solche Projekte wurden anderorts schon mit großem Erfolg umgesetzt. Damit könnte im Rahmen der Umwandlung auch ein Modell mit einer CO 2-armen Energieversorgung geschaffen werden, das Nachahmer findet.

Klimaziele und erneuerbare Energie

Ein sehr guter Ansatz ist und bleibt das Naturschutz-Großprojekt Baar.

Wir wurden in der letzten Gemeinderatssitzung über die Fortschreibung genauestens informiert. Es muss dringend im Interesse der nachkommenden Generationen fortgeführt werden.

Ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Erreichung der Klimaziele ist die Kommunale Wärmeplanung. Unsere Nachbarstädte sind uns bei diesem Thema bereits vorausgegangen. Wir sollten hier baldmöglichst nachziehen und ein geeignetes Büro mit den Planungen beauftragen. Professor Burger vom Fraunhofer Institut in Freiburg wird uns sicher auf diesem Weg begleiten. Die nötigen Gelder sind im Haushalt dankenswerterweise eingestellt worden.

Die Errichtung von PV-Freiflächenanlagen finden wir zukunftsweisend. Um bei der Bevölkerung auf breite Unterstützung zu stoßen, wäre eine Beteiligung der Bürgerschaft von Vorteil. Warum nicht in Form einer Energiegenossenschaft?

Hüfingen sollte mittelfristig auch versuchen, Abwärme aus Abwasser auf unserer Gemarkung zu nutzen. Der Bereich bei der Schächerkapelle wäre hierzu ideal, da dort auch die Abwärme anderer Ortschaften mit nutzbar gemacht werden könnte.

Zum Haushaltsplan

Die LBU stimmt dem Haushaltsentwurf und dem Wirtschaftsplan gerne zu.

Herzlichen Dank für die Aufstellung des Haushalts- und Wirtschaftsplanes 2025 an Herrn Binninger und sein Team.

Wir bedanken uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauptamtes, der Kämmerei und des Bauamtes für die geleistete Arbeit in diesem Jahr.

Zum Schluss sagen wir herzlichen Dank an unsere Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat für die Zusammenarbeit.

Dank auch an die gesamte Verwaltung und Herrn Bürgermeister Patrick Haas.

Wir wünschen allen ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins neue Jahr.

Peter Albert (LBU Hüfingen)



Am Schluß gab es noch ein großes Danke an unseren Bürgermeister von allen Gemeinderäten.

Schon einmal hatte ich von einer Baaremer Zeitenwende gesprochen. Patrick Haas hat diese in einem halben Jahr vollführt. Dieser Gemeinderat hat mit dem Gemeinderat von vor einem Jahr überhaupt nichts mehr gemeinsam. Dies liegt aber sicher auch an der neuen CDU mit ihrem Fraktionsvorsitzenden.

Anstatt andere Meinungen brutalst möglichst platt zu machen und den dazugehörigen Menschen klein zu stauchen, gibt es nun einen wertschätzenden Umgang miteinander. Man spricht offen und mit Respekt!

An dieser Stelle auch mein Dankeschön an unseren Bürgermeister Patrick Haas und die gesamte CDU Fraktion mit Markus Leichenauer und natürlich die schon immer von mir sehr geschätzte SPD mit der Fraktionsvorsitzenden Kerstin Skodell.

Von mir gibts keinen Blumenstrauß sondern ein paar Schlossrollen

Mein Kommentar zum Haushalt 2025

Ich habe auch bisschen gelesen aber hatte nicht so viel Zeit, wie ich wollte. Das bisschen dazu von mir gibt es deshalb hier am Schluss.

Meine erste Suche war nach der Hundesteuer da unsere Nachbarstädte wieder erhöht haben. Aber zum Glück ist dies nicht in Hüfingen passiert.

Hier mal unsere wesentlichen Gebührensätze:

Das mit der Grundsteuer hatte ich ja schon bei der Gemeinderatssitzung dazu erklärt und für alle die es nicht lesen wollen den banalen Satz hier aufgestellt:
Kramt den Bescheid vom Finanzamt raus und multipliziert den Steuermessbetrag bei einem Grundstück mit Haus mal 4,42 und beim Flurstück vom Garten/Acker mit 3,61.

Dann habe ich nach dem schrecklichen Bürgerdialog geschaut für den der letzte Bürgermeister jedes Jahr viel Geld ausgeben hatte – im Herbst 2023 allein 38.046,10 € . Unter „Bürgerdialog“ (der auf 0 gesetzt wurde) gibt es jetzt eine neue Kostenstelle für 2025 und da steht „Gesamtstädtisches Entwicklungskonzept“ für 35.000 €. Da bin ich mal gespannt, Konzept kann ja nie schaden.

Den Haushalt gibt es hier: huefingen-sitzungsdienst

Ich freue mich über Kommentare!

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