Artenschutzprojekt Kiebitz Wiesenackerhof

Artenschutzprojekt Kiebitz Wiesenackerhof

20. Mai 2021 1 Von Hannah Miriam Jaag

aktualisiert am 16. August 2021

Der Wiesenackerhof in Sumpfohren lässt mit seinem neuen Artenschutzprojekt für den Kiebitz alle Ornitiologenherzen auf der Baar höher schlagen.

Ein großer Traum von Professor Dr. Reichelt ist in Erfüllung gegangen und leider kann er die Rückkehr des Kiebitz auf die Baar nicht mehr erleben. Bis zu den “fast überall gegenwärtigen lauten Brutgenossenschaften der Kiebitze” ist zwar noch ein sehr weiter Weg, aber ein Anfang ist gemacht.

Die Biotopentwicklung hat eben erst begonnen und schon können im Gelände die ersten Paare Kibitze beobachtet werden.

Kiebitze auf dem Wiesenäcker

Der Maßnahmenkomplex wurde im Dezember 2020 genehmigt und soll als Artenschutzmaßnahme der in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohten Wiesenvogelart Kiebitz (Vanellus vanellus) eine Wiederansiedlung ermöglichen.

Kiebitze im Streit mit einer Nilgans

Zur Grundwasseranhebung wurden alte Drainagen verschlossen, um das Niedermoor wieder zu vernässen. Weiter wurden sogenannte Blänken angelegt. Dazu wurden die im Frühjahr am längsten Wasser haltenden Flächen ausgewählt, um dort Mulden mit möglichst flacher Profilierung auszuformen, die den Wasserabfluss verlangsamen und mit Wällen eigefasst sind. Diese Blänken werden vorbereitend auf die Brutzeit geeggt .

Auch wurde die Kiebitzschutzfläche mit einem etwa 2.500 Meter langen Elektro-Schafweidezaun eingezäunt, da Kiebitze Bodenbrüter sind und sie vor Raubtieren geschützt werden sollen. Der Zaun wurde vor der Brutzeit Mitte März aufgestellt und muss täglich kontrolliert werden. Auch muss die Fläche 1-2x während der Standzeit ausgemäht werden und nach dem Verlassen des Gebietes durch die flüggen Kiebitze Ende Juni/Juli muss der Zaun wieder abgebaut werden.

Die Fläche soll später mit Wagyū-Rinder-Kreuzungen beweidet werden. Wobei diese Tiere nicht reinrassig sind und nicht der Zucht dienen. Auch wurde eine speziellen Saatgutmischung aus dem Bodenseeraum mit einheimischen Wildpflanzen auf der Fläche ausgebracht.

Wagyū-Kreuzung

Um die Kiebitze vor dem Rotmilan zu schützen, musste eine alte Pappel entfernt werden und es wurden dafür in größerer Entfernung drei Schwarzpappeln gepflanzt.

Rotmilan

Vielen Dank an Prof. Dr. Helmut Gehring für folgende Beobachtungen auf der Fläche vom Wiesenackerhof im Frühjahr 2021.

ArtHöchstzahl gleichzeitig beobachtet (Datum)
Kiebitz15 (17.2.)
Kampfläufer12 (4.4. bis 7.4.)
Waldwasserläufer6 (2.4.)
Grünschenkel7 (7.5.)
Bruchwasserläufer3 (25.4.)
Flussregenpfeifer12 (11.08.)
Rotschenkel2 (15.4.)
Alpenstrandläufer2 (11.08.)
Dunkler Wasserläufer1 (1.5.)
Sandregenpfeifer1 (1.5.)
Bekassine1 (2.4.)
Schwarzstorch1 (11.08.)

Zusätzliche bemerkenswerte Beobachtungen

am 7.5. 9 Silberreiher auf Wiese

am 9.5. ein subadulter Schwarzstorch, wird von Kiebitzen attackiert

1 Seidenreiher zusammen mit 3 Silberreihern auf der Wiese

Über den gesamten Beobachtungszeitraum hielten sich regelmäßig ca. 30 nicht brütende Rabenkrähen auf der Fläche auf und suchten nach Nahrung. Ebenso ca. 15 Nilgänse und 12 Rostgänse sowie 1-2 Mittelmeermöwen.